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Auslegungspredigt im 21. Jahrhundert

22.06.2017
Serie•Teil 5 / 12Spurgeon-Konferenz 2017
Warum wirkt Bibellesen oft so wenig? Weil viele hören, ohne zu erwarten, dass Gott wirklich spricht. Genau da entscheidet sich, ob Worte nur Info bleiben oder dein Leben treffen.

Einleitung und Rahmung des Themas

Also die Seiten neunzehn und achtzehn und neunzehn, und das Thema ist Auslegungspredigt im einundzwanzigsten Jahrhundert. Wahnsinn, gewagter Titel.
Ich bete noch einmal. Vater, vielen Dank, dass wir das alle manchmal erlebt haben, dass Dein Wort für uns so lebendig ist. Uns ist es ein Anliegen, dass immer mehr die Erfahrung sein wird in diesem Land, in unserer Stadt, in unserer Gemeinde, in unserer Umgebung, dass Menschen erleben, wie du durch dein Wort sprichst. Und wir bitten dich, dass du uns zeigst, wofür wir beten können und was wir machen können, damit dein Wort gelehrt wird. Vater, wir danken dir. Hilf uns jetzt bitte, im Namen Jesu. Amen.
Bei der Einleitung steht nur, wie ich das Wort Predigt und Prediger verwende. Oft verwendet man das Wort Predigt, glaube ich, auf Deutsch nur für das, was am Sonntag im Gottesdienst stattfindet. Ich verwende Predigt allgemein, also ob das eine Predigt ist am Sonntag im Gottesdienst oder eine kurze Andacht in einer Gebetstunde oder im Jugendkreis oder irgendetwas. Ich meine, ich verwende Predigt und Bibellehre als Synonyme. Und predige, ob das ein Mann ist oder eine Frau ist, das ist auch mir jetzt nicht das Anliegen. Also ich rede nicht darüber, also wenn immer, wer immer du bist, hast du die Gelegenheit, manchmal das Wort Gottes zu lehren? Vielleicht erklärst du das einer anderen Person oder einer Kleingruppe oder einer größeren Gruppe. Darum geht es, das ist nicht mein Anliegen. Aber ich wollte nur erklären, wie ich Predigt und Prediger verwende. Es geht nicht nur um Sonntagspredigt.

Warum dieses Thema überhaupt Gewicht hat

Warum ist dieses Thema wichtig? In Matthäus 4,4 zitiert Jesus bei seiner Versuchung aus 5. Mose. Es heißt dort:
Der Versucher trat zu ihm, Matthäus 4,3, und sprach: Wenn du Gottes Sohn bist, so sprich, dass diese Steine Brot werden.
Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben: Der Mensch lebt nicht von Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes hervorgeht.
Das heißt: Wir brauchen Brot, um zu leben. Aber um echtes Leben zu erfahren, brauchen wir das Wort Gottes. Die Worte, die Gott spricht, bringen Leben. Und ich bin überzeugt, dass der Heilige Geist mehr als alles andere die Bibel verwendet, um Menschenleben zu verändern. Er verwendet auch andere Dinge, das ist klar: Seelsorge, Liebe, Gemeinschaft, Anbetung. Aber ich bin überzeugt, dass er mehr als alles andere das Wort Gottes gebraucht, um Menschenleben zu verändern.
Ich werde jetzt einige Beispiele nicht nennen. Vielleicht komme ich später darauf zurück, vielleicht auch nicht.
Was die Bibel ist, ist ganz klar. Ich denke, wir sind uns alle einig: Die Bibel ist das Wort Gottes. Es gibt Leute, die sagen wollen, die Bibel enthalte das Wort Gottes. Aber das geht nicht. Denn wenn das der Fall wäre, dass die Bibel das Wort Gottes enthält, müsste ich zum Bibelstudium immer eine Schere dabeihaben, um die Teile auszuschneiden, die meiner Meinung nach nicht zum Wort Gottes gehören. Nein, die Bibel ist das Wort Gottes, die ganze Bibel.
Welche Bibelstellen könnte man dazu schreiben? Zweiter Timotheus 3,16-17, danke. Noch etwas? Matthäus 5,17, ja, danke. Matthäus 19,1-4, das ist eine tolle Stelle dazu. Ich will jetzt gern darüber reden, aber wir haben nicht die Zeit dazu. Es ist aber ein tolles Beispiel. Du kannst nachher Larry oder mich fragen, aber ich bin begeistert. Also: 1. Petrus 1,21, 2. Petrus 1,21, danke. Ja, Hebräer 4,12, danke.
Also: Die Bibel ist das Wort Gottes. Und deswegen ist dieses Thema so wichtig. Warum Auslegungspredigt heute nicht gefragt ist.

Warum Auslegungspredigt heute nicht gefragt ist

Ich erkläre, was Auslegungspredigt ist. Mit Auslegungspredigt meine ich, dass man eine Bibelstelle hat und diese erklärt, auslegt. Man erklärt, was in dieser Stelle steht, und wendet es dann auch an. Dabei wird erklärt, was die Anwendung ist, beziehungsweise sein könnte.
Im Gegensatz dazu steht eine Themenpredigt, bei der man ein Thema nimmt und dann von Stelle zu Stelle springt, um über dieses Thema zu reden. Ich meine, ich glaube, dass Themenpredigt ihren Platz hat. Aber ich denke, dass Auslegungspredigt, ich weiß nicht, wie es in Deutschland ausschaut, in England verbreiteter ist. Es gibt aber immer noch viele Gemeinden, viele Christengemeinden in England, die Auslegungspredigt fast nie praktizieren. Dort geht es nur um Themenpredigt.
Warum ist Auslegungspredigt heute nicht gefragt? Einige Gründe, ziemlich schnell:
Die postmoderne Kultur lehnt Wahrheit ab. Es gibt viele Leute, die sagen, es gibt keine Wahrheit. Auch Christen tun sich manchmal schwer damit, dass jemand sagt, was eine Bibelstelle bedeutet, was eine Bibelstelle aussagt. Aber Autorität in der Gemeinde Gottes ist wichtig. Nicht die Autorität des Pastors, sondern die Autorität Gottes, wie er in seinem Wort spricht. Es ist wichtig, dass wir hören, was Gott sagt. Die Betonung darauf ist teilweise Matthäus 19,1-4. Aber für Jesus war es ganz klar: Was die Bibel sagt, sagt Gott.
Zweitens: Wir vergessen, wie viel Kraft im Wort Gottes steckt. Die Gefahr bei uns Christen ist, dass wir so viel mit der Bibel zu tun haben, dass wir irgendwie vergessen, wie viel Kraft da ist. Aber die Bibel betont, wie viel Kraft im Wort Gottes ist. Denk an 1. Mose 1: Gott sprach, und es wurde Licht. Wow! Er spricht, und die Dinge werden anders. Aber wir vergessen das, und das ist eine Gefahr.
Wir Christen erwarten zu wenig von der Bibel. Ich habe einen guten Freund in der Gemeinde, in der ich jahrelang war, in Innsbruck, in Österreich, und ich bin ein großer Fan von ihm. Aber seine, ich weiß nicht, ob er das noch immer tut, aber es war oft der Fall: Während des Gottesdienstes war er voll dabei, bei der Anbetung und so weiter und so fort. Du weißt, er ist aus der Gemeinde, er ist nicht mehr bei uns in der Gemeinde, nur um das klarzumachen. Gut, dass ich dein Lächeln gesehen habe.
Er war voll dabei bei der Anbetung, bei den Gebeten und so weiter und so fort. Aber als jemand nach vorne gegangen ist, um mit der Predigt anzufangen, hat man gesehen, wie er sich bequem gemacht hat. Er hat sich immer so zurückgelehnt und hatte die Bibel natürlich vor sich. Aber er wollte sich natürlich konzentrieren und nicht abgelenkt werden während der Predigt. Deswegen hat er die Augen zugemacht. Und während der Predigt wollte er zeigen, dass er einverstanden war.
Dann hat er sich nicht sehr viel von der Predigt erwartet. Er hat sich irgendwie gedacht: Na ja, same thing, same thing. Ich habe das schon gehört, ich weiß das eh. Er hat sich wenig erwartet. Und ich rede nicht nur von ihm. Die Gefahr ist bei mir bei bestimmten Bibelstellen. Ich weiß das seit Jahren, jahrzehntelang wahrscheinlich. Wenn jemand gesagt hat, jemand geht nach vorne und predigt, fängt dann zu predigen an und sagt: Wir schauen uns das Gleichnis des Sämanns an. Und ich habe immer gedacht: Das ist ein tolles Wort, ich könnte dieses Erfindungswort von mir aufschreiben, ach, ergehenswert. Ich kenne das eh. Ich kenne das eh, ich brauche das nicht. Und dann schalte ich aus, oder?
Er schaut schockiert und enttäuscht aus, aber ich nehme an, dass du manchmal so bist. Das sind gewisse Stellen oder gewisse Prediger, wo du denkst: Es wird eh nichts werden. Wir erwarten uns zu wenig, und wenn wir zu wenig erwarten, werden wir zu wenig erleben. Wir bekommen nicht, weil wir nicht darum bitten. Wir werden nicht beten, dass wir Gott begegnen.
Meiner Meinung nach sollten wir Folgendes erwarten, wenn gepredigt wird: Wir sollten erwarten und dafür bitten, dass ein übernatürliches Ereignis geschieht, dass ich eine Begegnung mit Gott erlebe. Und jeder von uns, der da ist, wir haben das alle manchmal erlebt: Jemand lehrt die Bibel, vielleicht im Gottesdienst, vielleicht woanders, ist egal. Jemand lehrt die Bibel. Hast du manchmal das erlebt? Du sitzt da und denkst: Wow, ich weiß nicht, ob das für andere hier wichtig ist, aber das ist total für mich zugeschnitten. Ist das Deutsch? Das ist fast, als ob Gott diese ganze Predigt nur für mich organisiert hätte. Unheimlich! Und wie hat derjenige gewusst, dass ich sowas gedacht habe vor zwei Tagen? Er hat es nicht gewusst, aber der Heilige Geist weiß es. Es ist ein übernatürliches Ereignis. Gott ist am Wirken!
Und mein Gebet ist, dass ich das immer mehr erlebe und dass andere Leute das immer mehr erleben. Wir erwarten uns zu wenig.

Kultur, Unterstützung und die Gefahr falscher Predigtformen

Nummer vier: Unsere Kultur ist mehr eine Seekultur als eine Hörkultur. Es ist eigentlich klar, aber das ist bei uns in unserer Kultur eine Gefahr. Wir glauben das, was wir sehen, aber nicht das, was wir hören.
Vor vielen Jahren haben sie in England ein Experiment gemacht, im Radio und im Fernsehen. Sie haben jemanden zweimal hintereinander zu der Frage interviewt, was seine Lieblingsfilme sind. In einem Interview hat er die Wahrheit gesagt, im anderen Interview hat er gelogen. Und sie haben beide Interviews gesendet, im Radio und im Fernsehen.
Dann haben sie den Menschen, den Zuhörern und den Zuschauern, gesagt: Bitte suchen Sie etwas aus, treffen Sie die Entscheidung, entweder nur im Radio zuzuhören oder nur im Fernsehen zuzuhören und zuzuschauen. Und dann schicken Sie uns eine Postkarte. Damals gab es kein E-Mail. Schicken Sie uns eine Postkarte und sagen Sie uns, in welchem Interview er gelogen hat und in welchem Interview er die Wahrheit gesagt hat.
Versteht ihr das Experiment? Ihr schaut fasziniert aus. Und das war gewaltig: Viel, viel mehr Leute, die nur im Radio gehört haben, haben richtig getippt, wann der Mensch gelogen hat und wann der Mensch die Wahrheit gesagt hat. Und viel weniger Leute haben richtig getippt, wenn sie auch gesehen haben.
Also, das beweist gar nichts. Aber ich finde es interessant: In unserer Seekultur ist nicht unbedingt richtig, was wir sehen. Manchmal war es das, was wir im Fernsehen sehen. Nachrichten im Radio sind viel besser, aber das ist nicht meine Aufgabe, darüber zu reden. Unsere Kultur ist mehr Seekultur als Hörkultur. Das wird natürlich einen Einfluss darauf haben, wie wir predigen, wie wir das Wort Gottes lehren. Aber es ist nur ein Gedanke zu der Frage, warum Auslegungspredigt heute nicht gefragt ist.
Nummer fünf: Bibellehrer kriegen selten Unterstützung. Ich meine, das kann anders werden, und ich freue mich, dass es diese Spurgeon-Konferenz gibt. Ich freue mich, dass es Evangelium 21 gibt. Ich freue mich, dass es Martin Buzers Seminar gibt, und, und, und. Und wir haben Ähnliches in England. Ich freue mich, dass es das immer mehr gibt.
Aber die Gefahr ist, dass es Leute gibt, die die Bibel lehren und keine Unterstützung bekommen. Das heißt: Die Reaktion, die Sie bekommen, wenn Sie zum Beispiel im Gottesdienst eine Predigt gehalten haben, ist oft einfach nur, dass die meisten Leute, wenn sie überhaupt etwas sagen, sagen: Das war großartig, das war toll. Und man sagt: Danke, was hat dich besonders angesprochen? Alles! Und das hilft mir nicht, besser zu predigen.
Es gibt ja hin und wieder natürlich jemanden in der Gemeinde, der die Gabe der Entmutigung hat und der auf mich zukommt und sagt: Erstaunlich, das war vielleicht die schlechteste Predigt, die ich je gehört habe. Und dann ist die Antwort: Vielen Dank, schönen Sonntag usw. Aber das hilft mir auch nicht.
Ich brauche Unterstützung. Ich brauche jemanden, der mir ein guter Freund ist. Wie sagt man auf Deutsch? Es steht in den Sprüchen: „Treu sind die Wunden, die Verletzungen eines Freundes, die Schläge eines Freundes.“ Ich brauche jemanden, der sagt: Manchmal, Andrew, du bist toll, und ich freue mich, wenn du predigst. Aber heute? Bist du sicher, dass die Stelle das wirklich bedeutet? Was redet man darüber?
Also, ich brauche Ermutigung. Wenn er nur sagt: Du hast die Stelle missverstanden, dann ist meine Reaktion instinktiv: Er hasst mich. Aber wenn er sagt: Du, ich schätze dich, ich freue mich, dass wir uns kennen, ich freue mich über deine Gaben, aber heute habe ich ein paar Fragen zu deiner Predigt. Das hat nicht wirklich gepasst, oder? Dann bin ich bereit zuzuhören.
Aber wir kriegen zu wenig Schulung und Unterstützung. Und deswegen ist es eine Gefahr in unserer Kultur, dass viele Leute, die predigen, die die Bibel lehren, keine Hilfe bekommen, wie sie besser werden können.

Formen, Fehlformen und die Notwendigkeit von Anwendung

Das war Frage Nummer zwei. Dann steht unten: Bibellehrer heutzutage.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Ich habe die Themenpredigt schon erwähnt. Ich glaube, das kann gefährlich sein. Die Themenpredigt hat sicher ihren Platz, aber die Gefahr ist, dass man einfach den Prediger bewundert, weil er zu so vielen Stellen etwas zu diesem Thema sagen kann.
Das Tolle an einer Auslegungspredigt ist, besonders wenn man die Bibelstelle vor sich hat, dass man einfach schaut und sagt: Ja, es ist ja alles da.
Dann gibt es auch die Sprungbrettpredigt. Dabei liest man eine Bibelstelle oder einen Bibeltext vor, und dann ist es wie im Schwimmbad: Man tut das, springt auf und ab auf dem Sprungbrett, auf dem Text, und dann springt man auf einmal weg vom Text in ein anderes Thema. Dann redet man über ein anderes Thema, und man bildet sich ein, man würde diesen Text auslegen. Das stimmt nicht, das ist Sprungbrettpredigt. Das, was jetzt in der Predigt gesagt worden ist, hat sehr wenig mit dem ursprünglichen Text zu tun.
Lieblingsthemenpredigt: Der Prediger hat ein Lieblingsthema. Und in jeder Predigt geht es letztlich darum, ganz egal, wie der Text ist, ganz egal, was die Bibelstelle ist.
Kennt ihr diese Geschichte mit dem Pastor? Sein Lieblingsthema war die Taufe. Die Taufe ist schon wichtig, aber für ihn war sie so wichtig, dass es in jeder Predigt um die Taufe ging. Und das war für die Gemeinde schrecklich, weil es immer um die Taufe ging.
An einem Tag sagte er am Sonntag: Die Stelle ist vorgelesen worden von Zachäus, von dem Zöllner, der in den Baum hinaufgestiegen ist, um Jesus zu sehen. Und alle haben den Text angeschaut und flüstern einander zu, während der Prediger anfängt: Das ist gute Nachricht, es ist nichts von der Taufe hier, super, toll, heute ist ein guter Tag.
Und dann sagt der Pastor: Ich habe drei Hauptpunkte heute. Zunächst einmal: Warum ist Zachäus in den Baum hinaufgestiegen? Zweitens: Warum ist Zachäus aus dem Baum heruntergestiegen? Und drittens: ein paar Gedanken zum Thema Predigt, zur Taufe, Entschuldigung, ich habe das falsch erzählt.
Aber das kann man nicht machen, wenn man den Text ernst nimmt. Die Gefahr ist aber, und jeder hat Lieblingsthemen. Wenn du, ob du ein Prediger oder Bibellehrer bist, in einer Kleingruppe oder in einer grösseren Gruppe, ist es egal: Wenn du nicht weisst, welche Lieblingsthemen du hast als Christ, frag deinen Ehepartner oder frag einen guten Freund. Die wissen es. Weil wenn du damit anfängst, denken auch die: Ja, ja, schon wieder.
Jeder hat Lieblingsthemen. Es ist nicht schlecht, Lieblingsthemen zu haben, aber wir müssen aufpassen. Jonathan? Sie können sagen, dass Sie Sachen lieblich sehen, und wir hören immer das Gleiche usw. usw.
Ja, ich denke, wenn der Text, ich meine, ich glaube, dass das Evangelium letztlich überall in der Bibel ist, das ist klar. Aber ich soll nicht so tun, als ob dieser Text etwas sagen würde, wenn der Text das nicht sagt.
Und das ist letztlich der nächste Punkt hier. Ich nenne das Einlegungspredigt. Das ist das Gegenteil von Auslegungspredigt. Auslegung: Ich bringe das heraus, was hier im Text ist. Einlegungspredigt: Ich setze etwas hinein, was ich gerne hätte, was der Text sagt.
Und natürlich, wenn der Text, wenn es eine Einlegungspredigt ist, wird etwas in den Text hineingelegt, und die Zuhörer werden reingelegt. Also das ist gefährlich, Einlegungspredigt.
Und dann ist das Ergebnis, dass man die Bibel nicht mehr liest oder ernst nimmt. Die Gefahr ist, dass es Gemeinden gibt, ich glaube, das ist immer verbreiteter. Ich weiss nicht, wie das bei uns in der Gemeinde aussieht, aber ich denke, das würde uns traurig machen. Ich frage mich, wie oft Christen unter der Woche in der Bibel lesen. Am Sonntag und im Hauskreis, aber ich glaube, es gibt einige Christen, die sonst die Bibel, stille Zeit, wie man das früher genannt hat, vielleicht noch immer, ich weiss nicht, wie oft einige Christen stille Zeit machen.
Ich glaube, die Gefahr ist, dass das der Fall ist. Aber wenn man am Sonntag oder im Bibelkreis erlebt, dass die Bibel lebendig ist und ein übernatürliches Ereignis stattfinden kann, dann will man auch allein zu Hause mit dem Herrn in der Bibel lesen, oder? Denke ich schon.

Kennzeichen einer treuen Auslegung

Jetzt bin ich auf Seite neunzehn: Kennzeichen der Auslegungspredigt.
Ich meine noch einmal mit Auslegungspredigt: Ich verstehe das so, dass es um eine Bibelstelle geht. Sie nimmt die zwei Zusammenhänge ernst. Ernst ist nicht eine Person, trotz Großbuchstabe. Sie nimmt die zwei Zusammenhänge ernst.
Mit den zwei Zusammenhängen meine ich Folgendes: Der erste Zusammenhang ist der Zusammenhang der Leute, die die erste Leserschaft bilden, also wie sie das gehört haben, wie sie die Botschaft verstanden haben. Der zweite Zusammenhang ist das Leben der Zuhörer.
Oder man kann es so ausdrücken: Der erste Zusammenhang ist der Zusammenhang des Textes selbst, der Text selbst im Zusammenhang des Bibelbuches und der Bibel überhaupt. Der zweite Zusammenhang ist das Leben der Zuhörer.
Meine Aufgabe bei der Einleitung ist es, eine Brücke zu bauen zwischen den zwei Zusammenhängen, zwischen dem Bibeltext und dem Leben der Zuhörer. Wenn ich das nicht mache, wenn ich einfach sage, und vielleicht habe ich das gestern gemacht, das weiß ich nicht, aber wenn ich einfach sage, am Anfang einer Hosea-Predigt: Das ist faszinierend, weil es so interessant sein wird herauszufinden, was Gott durch Hosea Israel gesagt hat. Und dann am Ende der Predigt sage ich: Jetzt haben wir erlebt, was Gott damals Israel durch Hosea gesagt hat.
Und es sitzen Leute da und denken: Bitte, ich bin nicht, ich, ich, ich, ich, ich, ich, ich, ich, ich, ich, ich, ich, ich, ich, ich, ich, ich, ich, ich, ich, ich, ich, ich, ich, ich, ich, ich, ich, ich, ich, ich, ich, ich, ich, ich. Es ist neunzehnhundert, nein, es ist zwanzig, es ist 2017, und ich bin nicht Jude, und du hast nur darüber gesprochen, was die Botschaft für Israel damals war. Das waren jetzt dreißig Minuten meines Lebens, die ich nie wieder zurückbekommen kann. Das hat nichts mit mir zu tun.
Also ist es sehr wichtig, dass diese zwei Zusammenhänge ernst genommen werden: der Bibeltext und das Leben der Zuhörer.
Eine Auslegungspredigt erklärt den Text. Eine Bibellehrerin muss den Text erklären, das gehört zum Lehren dazu. Sie muss erklären. Auslegungspredigt erklärt den Text im Zusammenhang, ich meine jetzt im Zusammenhang des Buches, und nicht einfach aus dem Zusammenhang gerissen.
Die erste Predigt, die ich in meinem Leben gehalten habe, war so, dass ich einen Vers genommen und ihn gepredigt habe, als ob es keinen Zusammenhang gegeben hätte. Das hatte nichts mit dem Bibelbuch zu tun, nichts mit der Stelle zu tun. Ich habe nur diesen Text gepredigt, und ich meine, ich bin ein bisschen verlegen. Aber es gibt keine Kassetten und keine CDs von dieser ersten Predigt, und das freut mich sehr. So lernt man.
Aber es soll im Zusammenhang des ganzen Buches gesehen werden, das ist wichtig.
Ich erzähle die Geschichte, die zeigt, wie wichtig Zusammenhang ist: Ein Erzbischof ist in die Staaten geflogen, um Vorträge zu halten. Und man hat ihm gesagt, es wird eine Pressekonferenz geben, wenn du in New York ankommst, und die Journalisten werden versuchen, dir eine Falle zu stellen, damit du etwas sagst, was du nicht sagen solltest. Also pass auf.
Und er sagt: Ich werde sehr aufpassen. Und er kommt dann am Flughafen an, und es gibt sofort eine Pressekonferenz. Und der erste Journalist sagt: Haben Sie in New York Nachtclubs zu besuchen?
Und er hat sich gedacht: Das ist sicher eine Falle jetzt, da muss ich sehr aufpassen. Und dann hat er gelächelt, so wie ein Erzbischof das schön kann, und hat gesagt: Gibt es Nachtclubs in New York?
Und die Schlagzeilen am nächsten Tag lauteten: Erste Frage des Erzbischofs: Gibt es Nachtclubs in New York? Aber aus dem Zusammenhang gerissen.
Das ist eine blöde Geschichte, aber sie zeigt, wie wichtig Zusammenhang ist.

Der Autor, die Anwendung und der Unterschied zur Vorlesung

Nummer vier: Sie beginnt mit dem Ziel des Autors. Man fragt sich: Warum hat der menschliche Autor dieses Buch und dann diese Stelle geschrieben? Ich meine, natürlich ist ein Grund, dass der Heilige Geist ihn dazu inspiriert hat. Das ist mir ganz klar. Aber fast immer, fast immer, hat der menschliche Autor gewusst, was sein Anliegen war und warum er geschrieben hat. Und natürlich entdeckt man das, indem man das ganze Buch liest.
Wenn ich dir eine Mail schreibe, und du herausfinden willst, warum ich diese Mail geschrieben habe, rufst du mich nicht an, um zu fragen. Du liest die Mail, und dann findest du heraus, was mein Anliegen ist und warum ich das geschrieben habe. Es ist genau das Gleiche mit Bibelbüchern. Wir sollten das ganze Bibelbuch lesen.
Und sie nimmt Anwendung ernst. Es ist also traurig, wenn eine Predigt oder Bibellehre einfach erklärt, was der Text aussagt, ohne Anwendung für heute. In England ist die Gefahr, meiner Meinung nach, bei Predigten zweifach: Die erste Gefahr ist, dass es zu wenig Bibelbezug hat. Die zweite Gefahr ist, dass es eher eine Vorlesung ist.
Anwendung ist dann sehr wichtig. Eine Vorlesung hat selten Anwendung, aber eine Predigt oder Bibellehre sollte Anwendung haben. Anwendung bedeutet, dass ich praktische Vorschläge mache. Auslegung ist die Erklärung des Textes, Anwendung sind praktische Vorschläge, wie das in unserem Leben aussehen könnte. Und ich denke, es ist wichtig, dass Anwendung da ist.
Ich weiss, dass ich einmal in einem Gottesdienst war, wo der Pastor über 1. Johannes 4 gepredigt hat. Es ging darum, dass wir einander lieben sollten, und er hat immer wieder gesagt, wir sollten einander lieben. Und niemand wird sagen: Nein, das glaube ich nicht. Jeder ist damit einverstanden.
Wenn ich in einer Predigt sage: Wir sollten einander lieben, gibt es das, was ich die Haupt-Hauskreis-Reaktion nenne. Zum Beispiel: Wenn wir in einem Hauskreis sind, acht von uns, wir sitzen in einem Wohnzimmer irgendwo, und ich leite ein Bibelstudium im Hauskreis, im Gesprächskreis, dann sage ich: „Vers vier ist grossartig, oder?“ Dann machen alle Folgendes: „Hm, okay, wir werden das jetzt gleich üben. Vers vier ist wunderbar, oder?“
Wenn ich in einem Gottesdienst sage: Wir sollten einander lieben, gibt es zumindest in England keine Reaktion. Niemand sagt etwas. Vielleicht nicken einige Leute, aber jeder denkt: Hmmm, wenn das alles ist, dann ist das zu wenig. Ich wollte während dieser Predigt immer wieder sagen: Sag uns wie, gib uns Beispiele, wie das aussehen könnte.
Ich meine, das war damals meiner Meinung nach sein Fehler. Aber ich habe sicher auch das Gleiche gemacht, dass ich manchmal einfach gelehrt habe und zu allgemein gesprochen habe und dann keine Anwendungsvorschläge gegeben habe. Aber es ist super, wenn man anfängt, bestimmte Vorschläge zu machen, wie das in unserem Leben aussehen könnte, dass wir einander lieben.
Und einige Beispiele werden für einige Leute nicht passen. Wenn ein Beispiel ist, wie du mit deinem Mann umgehst, ja, wenn du nicht verheiratet bist oder wenn du ein Mann bist und keine Frau hast, dann passt es nicht. Aber du wirst dann denken: Ja, das hat nichts mit mir zu tun. In meinem Fall will man dann denken: Ah, und das ist der Heilige Geist, der da wirkt, um dir zu sagen, was die Anwendung für dich ist. Aber ich gebe einige Beispiele von Anwendung. Ich denke, sie ist wichtig.
Und Nummer sechs hier: Auslegungspredigt unterscheidet sich von einer Vorlesung, das habe ich schon gesagt. Es soll nicht nur um die Vermittlung von Informationen gehen. Ich kann also kein übernatürliches Ereignis kreieren, aber ich möchte nicht trocken reden. Ich möchte nicht einfach eine Vorlesung geben.

Einwände, Missverständnisse und die Rolle des Verstehens

Einwände gegen die Auslegungspredigt
Einige sagen, Auslegungspredigt sei langweilig. Ich denke, Auslegungspredigt ist langweilig, wenn der Prediger langweilig ist. Wenn er einfach ein Vatertyp ist, dann wird es natürlich langweilig sein. Aber ich denke, wenn die Leute sehen, dass es einfach aus einem Bibeltext kommt, kann das irrsinnig interessant sein.
Sie sei für die Zuhörer zu schwierig, sagen einige Leute, wenn man den Text nicht vor sich hat. Deshalb ist es mir ein grosses Anliegen, wenn ich die Bibel lehre, dass die Leute den Text vor sich haben. Entweder in einer Bibel oder auf einem Gerät oder, wenn nötig, auf der Leinwand. Aber die Leute sollen sehen können, was der Bibeltext sagt.
Das erste Mal, als ich Auslegungspredigt erlebt habe, war bei einem Prediger namens John Stott, einem Engländer, der schon längst beim Herrn ist. Er war ein sehr begabter Auslegungsprediger. Und ich weiss noch, meine Reaktion, als ich ihn die ersten einigen Male gehört habe, war: Ich hatte immer zwei Reaktionen, eigentlich drei, aber ich nenne nur zwei. Die erste Reaktion war: Das ist nicht schwer, was er macht, das ist ja alles in der Bibelstelle. Und die zweite Reaktion war: Aber warum habe ich das in dieser Stelle noch nie gesehen?
Es war ein übernatürliches Ereignis für mich. Der Heilige Geist hat mir die Augen aufgemacht. Ich habe gesehen, was Gott sagt. Das heisst, ich habe nicht gedacht: John Stott ist grossartig. Ich habe gedacht: Gott ist grossartig.
Einige Leute sagen, sie sei für den Redner zu schwierig, ja, wenn es Hosea ist. Aber an und für sich ist es für mich viel leichter, eine Auslegungspredigt zu halten als eine Themenpredigt. Ich kann eine Themenpredigt halten, und ich mache das hin und wieder. Aber es ist viel leichter, wenn ich die Bibelstelle vor mir habe. Dann habe ich ja alles. Das erinnert mich ständig daran, was das Thema ist und was ich erklären muss. Ich denke nicht, dass es schwierig ist für den Redner.
Sie spricht den Verstand an, nicht das Herz, sagen einige. Natürlich ist das Ziel, dass man das Herz erreicht. Aber Gott erreicht das Herz fast immer über den Verstand. Wenn jemand dir eines Tages sagt: Ich bin so voller Freude, ich bin voller Freude, ich bin so fröhlich, ich habe so eine Freude in meinem Herzen, riesige Freude, ich habe noch nie grössere Freude erlebt, und du sagst: Ja, super, warum? Und der andere sagt: Ich weiss es nicht, aber ich habe so eine volle Freude. Das ist ein bisschen blöd, oder? Ein bisschen komisch.
Der Verstand ist sehr wichtig. Aber natürlich hofft man, dass es nicht trocken beim Verstand bleibt, sondern dass man auch etwas mit dem Herrn erlebt. Die Freude ist erlaubt.

Autorität, Macht und die Frage nach Förderung

Und Nummer fünf: Sie gibt dem Redner eine Machtposition, sagen einige Leute. Aber das kann ja, Mike. Ich meine, ein Einwand gegen Auslegungspredigt ist, dass Leute sagen, sie sei nur für den Kopf und nicht für das ganze Leben. Ja, und ich meine, sie ist auch für den Kopf. Aber über den Verstand hat das dann Einfluss auf das ganze Leben und auch auf die Emotionen usw. Ist das okay?
Sie gibt dem Redner eine Machtposition. Ja, es kommt darauf an. Wenn ich nicht eine Auslegungspredigt halte und einfach da stehe und den Leuten sage, was sie in der Gemeinde machen sollten, dann ist das eine Machtposition. Aber wenn ich eine Bibelstelle auslege und die Leute können kontrollieren, ob ich das auslege oder ob das eine Einlegungspredigt ist, dann ist die Machtposition Gottes Macht. Gottes Autorität und nicht die Autorität des Predigers.
David Jackman, der mir viel beigebracht hat, was Bibellehre betrifft, und der Redner auf den ersten zwei Spurgeon-Konferenzen war, hat oft gesagt: Wenn man predigt, ist die Aufgabe, einige Leute beten, bevor sie predigen: Wir bitten, Herr, dass die Leute mich gar nicht sehen, nur dich. Es ist fast so, als ob sie da stehen würden, so. Das ist falsch. Es geht nicht um meine Persönlichkeit. Es geht nur um das, was die Bibel sagt. Das ist nicht die Aufgabe des Predigers.
Es gibt andere, die so predigen, dass man buchstäblich kaum zur Bibel kommt, weil alles um die Persönlichkeit des Predigers geht. Das ist auch falsch. Die Aufgabe des Predigers ist es, den Leuten zu sagen: Schau, was Gott sagt. Siehst du, schau, Gott spricht. Ich könnte fast begeistert werden von Auslegungspredigt.

Wie Auslegungspredigt wachsen kann

Nummer die letzte Frage hier: Wie können wir die Auslegungspredigt fördern?
Beten. Wir sollten beten. Ich frage mich in England, vielleicht in Deutschland, ja, überall: Wenn wir denken, dass Auslegungspredigt etwas Gutes ist, beten wir dafür, dass sie sich verbreitet, dass sie immer mehr verwendet wird und dass Gott immer mehr übernatürliche Ereignisse durch sein Wort schenkt. Beten wir dafür! Wenn wir nicht dafür beten, dann ist es uns vielleicht kein großes Anliegen. Ich denke, es ist ein tolles Gebet, nicht nur für die Bibellehre in deiner Gemeinde zu beten, sondern überhaupt in deinem Land. Beten wir!
Zweitens: Schulung. Ich habe das schon vorher gesagt, dass es bei Schulung, also als Treffen, so Martin Butzer, Evangelium 21, gibt. Es gibt viele Möglichkeiten in deiner Gemeinde, eine Schulung für Leute, die die Bibel lehren, anzubieten. Aber auch zu zweit kann man schulen, kann man helfen. Entdeckung: dass man anderen hilft zu entdecken, ob sie die Gabe des Lehrens haben. Es ist eine große Hilfe, wenn wir einander helfen können, einander helfen können, zu entdecken, was für Gaben Gott uns geschenkt hat, damit wir diese Gaben für ihn einsetzen können.
Ich muss das Buch gar nicht kaufen, aber in dem Buch hinten Wie lehre ich die Bibel, damit Menschen Gott begegnen? gibt es gegen Ende fünf Eigenschaften von einem Christen, der die Gabe des Lehrens hat. Und das ist super, wenn man sich überlegt: Oh, danke, Mike. Mike meint damit, du solltest diese fünf Eigenschaften sagen. Ich sage, was die fünf Eigenschaften sind, okay?
Ein Christ mit der Gabe der Lehre genießt die Vorbereitung. Das heißt, die Vorstellung, zu sagen: Okay, ich habe diese Bibelstelle und ich werde das erklären im Jugendkreis übernächste Woche. Ich habe jetzt ein paar Wochen Zeit, ich werde diese Stelle studieren und vorbereiten. Die Vorstellung, das vorzubereiten, ist positiv. Natürlich gibt es manchmal Pannen, und man kommt nicht weiter, und dann kommt man in die Panik. Das erlebe ich alles. Aber grundsätzlich ist die Vorstellung, zu sagen: Ich werde anfangen, diese Bibelstelle zu studieren. Ich bitte den Herrn, dass er mir hilft. Schau mal, was ich lernen kann, wie ich das weitergeben kann. Das ist ein positives Gefühl.
Zweite Eigenschaft: Ein Christ mit der Gabe der Lehre glaubt, dass Gott mehr als alles andere die Bibel verwendet, um Leben zu ändern. Das habe ich schon vorher gesagt. Denn wenn ich das nicht glaube, werde ich mir nicht die Mühe machen, die Zeit nehmen und die Arbeit machen, um die Vorbereitung zu machen. Warum soll ich das machen, wenn es nichts bringt? Aber wenn es wirklich stimmt, dass Gott mehr als alles andere die Bibel verwendet, um Menschenleben zu verändern, dann werde ich mich vorbereiten.

Gaben erkennen, weitergeben und prüfen

Nummer drei: Ein Christ mit der Gabe der Lehre kennt die Gleichzeitigkeitserfahrung. Ich erkläre, was die Gleichzeitigkeitserfahrung ist. Ich habe früher gedacht, jeder Christ kennt das, aber das stimmt nicht, weil die meisten Christen andere Gaben haben. Es gibt unterschiedliche Gaben unter uns.
Die Gleichzeitigkeitserfahrung sieht so aus: Wenn man etwas aus der Bibel lernt, entweder durch das eigene Bibellesen, durch eine Predigt, die man gehört hat, oder durch ein Buch über die Bibel, über Gott, das man gelesen hat, dann lernt man etwas und ist sehr froh. Dann gibt es zwei Erfahrungen gleichzeitig.
Erstens denkt man: Wow, das ist super. Danke, Herr, das ist großartig, dass ich das gelernt habe.
Und zweitens denkt man: Das muss ich Thomas heute Abend erklären, wenn ich ihn sehe. Das ist so super. Oder das passt super zum Hauskreis-Thema am Mittwoch, ich werde das auch weitergeben.
Das heißt: Sobald man etwas gelernt hat, will man sofort daran denken, wem man das weitersagen kann. Man will es sofort lehren, man will es jemandem erklären.
Nummer vier: Ein Christ mit der Gabe der Lehre bekommt positives, ehrliches Feedback. Es muss ehrlich sein. Ich meine also nicht positives Feedback in dem Sinn: Ich glaube, du bist begabter als ein Prediger, als Spurgeon. Das ist nicht wahr. Zumindest in meinem Fall ist das ganz sicher nicht wahr, also hilft mir das nicht.
Nein, positives, aber ehrliches Feedback. Das heißt, vielleicht wird der andere sagen: Ja, der Schluss war ziemlich durcheinander, muss ich sagen. Ich habe nicht wirklich verstanden, was du meinst. Aber als du über das Kreuz gesprochen hast, als du die Verse 13 bis 16 ausgelegt hast, wow, Gott hat zu mir gesprochen. Das ist positives, ehrliches Feedback.
Und Nummer fünf, Entschuldigung, dies ist die letzte Eigenschaft, aber man könnte sagen, die wichtigste: Ein Christ mit der Gabe der Lehre kennt das innere Zeugnis des Heiligen Geistes.
Das ist etwas, was in mir gewachsen ist. Am Anfang war es nur sehr wenig da, aber trotzdem war das Anliegen da: Ich will anderen die Bibel erklären. Oft nur einem Freund oder ein paar Leuten, manchmal einer größeren Gruppe. Aber ich wollte es.
Am Anfang, als ich angefangen habe, im Gottesdienst zu predigen, bin ich eingeladen worden. Ich war Student. Es waren ein paar Gemeinden in der Umgebung unserer Uni, die sehr klein waren. So vier, fünf, sechs Leute in der Gemeinde, Altersgruppe zwischen achtzig und hundert. Also, die waren wirklich sehr klein. Und ich habe die Gelegenheit gehabt zu predigen. Die Armen!
Und ich gehe hin und predige. Ich weiß noch, oft bin ich nach Hause gekommen mit dem Gefühl: Ach, das war schrecklich, ihr habt es nicht richtig gemacht. Einmal habe ich feierlich meine Notizen angezündet, einfach um klarzumachen: Das war schrecklich. Ja, es stimmt. Und mehr als einmal. Aber ich denke an ein bestimmtes Mal, als ich nach Hause gekommen bin. Ich habe gedacht: Na, das war schrecklich. Das war nur öffentliche Demütigung. Ich will das nicht mehr machen. Ich bin kein Bibellehrer. Ich werde nie wieder predigen. Das war für mich erledigt.
Und dann, zwei Wochen später, ruft mich eine Älteste aus einer dieser kleinen Gemeinden an: Hättest du Zeit? In drei Wochen brauchen wir einen Prediger. Und ich höre mich antworten: Ja, habt ihr eine Bibelstelle? Um wie viel Uhr soll ich ankommen? Ja, gerne. Bis dann.
Und dann denke ich: Moment, du hast die Entscheidung getroffen, du wirst nie wieder predigen. Aber es war etwas in mir, was mich zum Predigen gebracht hat. Eigentlich nicht etwas, sondern jemand. Der Heilige Geist hat gesagt: Mach es, Andrew! Ja, das ist ein Durcheinander, aber mach es!
Das sind die fünf Eigenschaften. Das ist nicht ... Das ist nicht das inspirierte Wort Gottes, das, was ich jetzt gesagt habe, das ist Eklur. Aber ich glaube, das hilft.
Und wenn du denkst, dass einige dieser Eigenschaften, die ich gerade erwähnt habe, in dir zu sehen sind, kann es sein, dass du die Gabe des Lehrens hast. Und du kannst dem Herrn sagen: Schenk, dass diese Eigenschaften in mir wachsen, wenn du willst, dass ich die Bibel lehre.

Bibellehrer-Club, Feedback und geistliche Reife

Das waren Nummer drei und Nummer vier: Bibellehre-Clubs. Das heißt, das ist ein Rahmen, in dem drei oder vier Leute zusammenkommen und gemeinsam arbeiten. Man kennt das ja auch aus Gemeinden manchmal, dass sich bei Menschen, bei Männern, diese ganzen fünf Punkte kumulieren und zusammentreffen. Aber alle Externen, die zuhören, würden definitiv sagen: Es ist eine Katastrophe, zuzuhören.
Es gibt ja Menschen, die einen ganz starken inneren Eindruck haben, du hast ja das Zeugnis des Heiligen Geistes genannt. Es gibt immer noch Menschen, die sich das einfach auch vormachen und sagen, sie seien berufen. Und sie sind dann für alle eine Herausforderung in der Gemeinde. Das ist manchmal wirklich schwierig. Also ich kenne einige, das trifft alles. Ja, ich auch. Und was dann?
Meine Antwort ist: Es geht nicht mehr um eine Eigenschaft, sondern um alle fünf. Das heißt, wenn du gute Freunde hast, die dir sagen: Du, ich weiß, du fühlst dich eh dazu berufen, aber ich meine die anderen, die Zuhörer, die Armen, wir sind nicht der Meinung. Momentan sind wir nicht der Meinung. Man muss bereit sein, auf Geschwister zu hören, oder?
Das ist jetzt peinlich, dass ich das sage, weil nach diesem Vortrag jetzt eine Schlange stehen darf von Leuten, die mir die Wahrheit sagen wollen. Aber ich denke, es ist sehr wichtig, dass man bereit ist, auf Leute zu hören. Und wenn jemand also überzeugt ist: Ich soll predigen, und ich höre nicht auf andere, ich weiß das, das ist sowieso sehr gefährlich, das ist nicht göttlich. Bitte? Fromm. Ich mag das Wort nicht, Entschuldigung, aber das ist nicht die Eigenschaft von einem Christen, der wirklich Jesus nachfolgen will, wenn er sagt: Ich höre nicht auf andere, weil der Herr mir gesagt hat. Fromm ist ein sehr gutes Wort.
Und Nummer fünf hier, Nummer vier Bibellehrer-Clubs: Das kann man machen. Man trifft sich, und zwei Leute haben jeweils eine Zehn-Minuten-Predigt vorbereitet. Und vielleicht macht ihr den Philipperbrief. Der Erste macht zehn Minuten Philipper 1,1-11, und die anderen geben dann Feedback. Also sie sagen etwas Positives, aber sie sagen auch, wo der andere lernen könnte. Und dann macht der Zweite Kapitel 1,12-20, und dann wieder Feedback.
Und die Feedback-Fragen sind: War das treu, also texttreu? War das klar? War das relevant? Gab es Anwendung? Und hat es Gott verherrlicht? Diese Sachen sind immer alle in diesem Buch. Ich weiß nichts mehr über das Predigen als das, was in diesen sechzig Seiten steht. Ich weiß nicht so viel. Bitte? Die vier Fragen sind: War das treu, war das klar? Und für mich hat Klarheit oft mit guten Überschriften zu tun. War es relevant? Das hat mit Anwendung zu tun und mit Brückenbauen zwischen den zwei Zusammenhängen. Und hat es Gott verherrlicht, hat es Gott groß gemacht oder Jesus groß gemacht?
Das war Bibellehrer-Club. Und dann die Erwartungshaltung, die ganze Sache: Wenn wir diese Erwartungshaltung haben und wenn wir beten, dass andere diese Erwartungshaltung haben, dann kann das wachsen. Dann kann Auslegungspredigt immer öfter verwendet werden und immer mehr erlebt werden. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass das, was Gott mehr als alles andere verwendet, um Menschenleben zu verändern, die Bibel ist. Und deswegen bin ich begeistert von Auslegungspredigt.

Schlussgebet und Sendung

Ich werde kurz beten, und dann gibt es Möglichkeiten für zwei Fragen oder wahrscheinlich nicht mehr. Aber ja, beten wir.
Vater, vielen Dank für dein Wort. Ich denke, jede von uns kann an Situationen denken, in denen wir so klar erlebt haben, wie du zu uns gesprochen hast durch die Bibel. Wir haben gewusst: Du sprichst uns ins Herz hinein. Wir danken dir.
Wir bitten dich, dass du uns hilfst zu entdecken, ob wir diese Gabe des Lehrens haben. Für die unter uns, die denken: Doch, ich glaube schon, dass ich diese Gabe habe, bitte hilf uns, in dieser Gabe zu wachsen. Bitte hilf uns, dass wir bereit sind, auf andere zu hören und Unterstützung, Ermahnung und Ermutigung von anderen zu bekommen.
Herr, rüste du uns aus, bitte, damit wir anderen helfen können, deine Stimme in deinem Wort zu erkennen.
Vater, wir bitten dich für die Gemeinde in Deutschland. Herr Jesus, danke, dass du deine Gemeinde baust. Herr, wir bitten dich, dass du Auslegungspredigt segnest und verwendest. Und wir bitten dich, dass du schenkst, dass das immer mehr verwendet wird in diesem Land und überall in dieser Welt.
Vater, wir danken dir. Nimm unser Leben und hilf uns, dir zu dienen mit den Gaben, die du uns geschenkt hast.
Wir beten im Namen Jesu. Amen.