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Philipper 1, 12-26

Philipper 1,12-2605.08.2007
SerieTeil 5 / 6Familienfreizeit 2007
Gefangen und trotzdem frei: Paulus zeigt, wie Leid nicht alles stoppt, sondern sogar neue Chancen schafft. Die eigentliche Frage bleibt: Was ist dein Leben wert – wenn Christus wirklich zählt?

Einleitung und Lesung des Bibeltextes

Ich möchte mit euch einen Text lesen aus dem Philippabrief, Kapitel 1. Philippa 1. Wenn ihr eure Bibel dabeihabt, könnt ihr das gerne aufschlagen. Ich lese dort ab Vers 12, also Philippa 1,12-26.
Ich lasse euch aber wissen, liebe Brüder, wie es um mich steht: Das ist nur zur Förderung des Evangeliums geraten. Denn dass ich meine Fesseln für Christus trage, das ist im ganzen Prätorium und bei allen anderen offenbar geworden. Und die meisten Brüder im Herrn haben durch meine Gefangenschaft Zuversicht gewonnen und sind umso kühner geworden, das Wort ohne Scheu zu reden.
Einige zwar predigen Christus aus Neid und Streitsucht, einige aber auch aus guter Absicht. Diese aus Liebe, denn sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums hier liege. Jene aber verkündigen Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie möchten mir Trübsal bereiten in meiner Gefangenschaft.
Was tut’s aber, wenn nur Christus verkündigt wird? Auf jene Weise, sei es zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich darüber. Aber ich werde mich auch weiterhin freuen. Denn ich weiß, dass mir dies zum Heil ausgehen wird durch euer Gebet und durch den Beistand des Geistes Jesu Christi, wie ich sehnlich warte und hoffe, dass ich in keinem Stück zuschanden werde, sondern dass frei und offen, wie allezeit, so auch jetzt Christus verherrlicht werde an meinem Leib, sei es durch mein Leben oder durch den Tod.
Denn Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn. Wenn ich aber weiterleben soll im Fleisch, so dient mir das dazu, mehr Frucht zu schaffen. Und so weiß ich nicht, was ich wählen soll, denn es setzt mir beides hart zu. Ich habe Lust, aus der Welt zu scheiden und bei Christus zu sein, was auch viel besser wäre. Aber es ist nötiger, im Fleisch zu bleiben um euretwillen. Und in solcher Zuversicht weiß ich, dass ich bleiben und bei euch allen sein werde, euch zur Förderung, zur Freude im Glauben, damit euer Rühmen in Jesus Christus größer werde durch mich, wenn ich wieder zu euch komme.

Der Ausgangspunkt: Paulus in Gefangenschaft

Die Sache ist relativ offensichtlich. Paulus ist hier in einer schweren Situation. Wir lesen das: Er schreibt davon, dass er Fesseln trägt für Christus. Und das ist hier nicht nur bildlich gemeint. Sondern wir wissen aus der Apostelgeschichte, auch aus der Kirchengeschichte, dass Paulus während seiner Missionsreise in Israel festgenommen worden ist, dass er dann über lange Zeit hinweg in Gefängnissen gesessen hat und schließlich nach Rom überstellt wurde, weil er sich auf den Kaiser berief. Da der Fall Paulus im römischen Reich nicht der dringendste gewesen war, lässt man ihn erst einmal dort sitzen.
Darüber hinaus haben die Römer, ähnlich wie die Deutschen, auch einen ausgeprägten Hang zur Bürokratie gehabt. Wahrscheinlich können wir uns vorstellen: Jetzt wird ein Formular nach dem anderen ausgefüllt, dann muss noch einmal vorgeladen werden, und da wird noch einmal besprochen. So zieht sich dieser Prozess in die Länge. Wir wissen: letztendlich etwa zwei Jahre. Und hier ist es wahrscheinlich eher gegen Ende dieses Prozesses. Wir lesen im Laufe dieses Textes, den ich gelesen habe, dass Paulus darauf hofft, dass jetzt bald das Ende des Prozesses da ist.
Und das lässt uns das vor Augen führen. Wir wissen aus der Kirchengeschichte, dass dieser Prozess mit einem vorläufigen Freispruch für Paulus endet. Das lesen wir nicht mehr in der Bibel, aber die kirchengeschichtlichen Quellen zeigen uns das. Sie verweisen auch darauf, dass Paulus höchstwahrscheinlich nachher noch einmal diese Gemeinden besucht hat, unter anderem auch die Philipper, und sich dann aufgemacht hat, ganz in den Westen des Römischen Reiches. Soweit wir wissen, hat er auch noch in Spanien missioniert. Die Apostelgeschichte bricht vorher ab, und dann ist er in der nächsten Verfolgungswelle unter Nero in Rom hingerichtet worden.
Also, das ist der Ausgangspunkt: Paulus ist längere Zeit im Gefängnis. Er ist jetzt in Rom, in einer Stadt, in der er vorher nie gewesen war. Er hat zwar vorher den Römerbrief geschrieben mit der Absicht und sagt: Ich will auch zu euch nach Rom kommen. Aber das ist ja die Vorbereitung, wo er hofft, als nächsten Schritt von Griechenland aus dann auch in Italien oder eben im römischen Zentrum zu predigen. Er kommt dahin, aber ganz anders, als er das geplant hat: nicht als freier Mann, sondern als Gefangener. Und das ist der Ausgangspunkt.
So schreibt er. Ich gehe jetzt Vers für Vers durch und versuche, uns zu helfen, diesen Text mehr noch zu verdauen und dann auch zu sehen, was er uns heute zu sagen hat und wo wir herausgefordert werden.

Paulus’ Perspektive auf das, was geschieht

Also, Vers zwölf: Ich lasse euch aber wissen, liebe Brüder, wie es um mich steht, dass das nur mehr zur Förderung des Evangeliums geraten ist.
Nun, der Gedanke, der dahintersteht, ist: Erstens lässt Paulus die Geschwister an seinem Ergehen Anteil nehmen. Das ist zunächst etwas, was Paulus tut. Aber ich glaube, auch wir können von ihm lernen, insbesondere diejenigen unter uns, denen es schwerfällt, innere Nöte und Schwierigkeiten mitzuteilen.
Bei Paulus ist es so: Ihm ist ganz klar, und das nicht nur an dieser Stelle im Philipperbrief. Wenn ihr die Verse vorher und auch nachher lest, dann ist es ganz offensichtlich: Er hat eine innige Verbindung mit der Gemeinde. Er weiß, was dort in der Gemeinde in Philippi läuft. Er betet ganz konkret für ihre Anliegen, und umgekehrt bittet er auch um Fürbitte. Und so ist es hier auch: Es ist nötig, dass ihr das wisst, was mit mir passiert.
Und jetzt müssen wir uns das noch etwas vor Augen führen. Er sagt: Das, was mir passiert, dient nur mehr zur Förderung des Evangeliums. Das führt er ja später auch noch aus. Und hier merken wir: Paulus reagiert eigentlich total anders, als jeder normale Mensch reagieren würde.
Stellt euch einmal vor, ihr seid tatsächlich der von Gott berufene Missionar. Und jetzt müssen wir sagen: der Missionar. Denn wer ist in der Apostelgeschichte derjenige, um den es am meisten geht? Neben Petrus, der in erster Linie die Juden erreicht, ist es Paulus, der Heidenmissionar. Hier hat Paulus seine großen Ziele, und er hat das ganz strategisch aufgebaut.
Wenn man die Apostelgeschichte durchliest, ist es ein langsames Vorarbeiten von Ost nach Westen. Wir sehen zunächst, dass er in dem Gebiet des Libanon und Syriens missioniert. Dann kommt er nach Kleinasien, die heutige Türkei. Dann kommt der nächste Schritt, wo der Mann hier erscheint: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns. Und dann ist ja die erste Stadt, in der er predigt, in Griechenland, Philippi. Also jedenfalls dort, wo er die großen Predigten hält und Gemeindegründungsarbeit macht. Und dann plant er, das weiterzutun. Systematisch plant er also, und plötzlich greift Gott ein, und es läuft ganz anders, als er sich das vorstellt.
Ich glaube, dass wir uns auch immer wieder in diese Situation hineinversetzen können, wenn in unserem Lebensplan die Dinge anders laufen, als wir uns das vorgestellt haben. Wo wir möglicherweise sogar Gott dienen wollen. Wo es nicht nur um eigene Pläne geht, um meine Karriere, meine Familie, meinen Vorteil, sondern wo ich denke: Ich bin ganz für Gott hingegeben, das tue ich doch alles nur für dich. Und dann scheitert es total. Und wir vielleicht sogar den Gedanken haben können: Ja, wie kann das denn sein? Gott steht doch auf unserer Seite, wir sind doch Kinder Gottes.
Wir könnten vielleicht sogar einstimmen in das, was wir in dem Psalm immer wieder lesen: Warum geht es den Ungläubigen so gut? Da ist vielleicht dein Nachbar, der ist ungläubig, und da läuft das alles wie am Schnürchen. Dessen Karriere läuft, mit den Kindern läuft es, gesundheitlich läuft alles gut. Das gibt es ja. Und dann denkst du vielleicht: Ja, wieso ist das bei mir nicht so?
Und in solch einer Situation ist Paulus auch, wo viele Sachen zusammenbrechen von dem, wie er das geplant und gedacht hat. Aber das, wovon wir bei Paulus lernen können, ist: Er hat eine vollkommen andere Perspektive. Nun, wir können sagen, er hat zwei Jahre dazu Zeit gehabt, darüber nachzudenken. Wir wissen auch nicht, ob er vorher da manche Krisen durchlitten hat. Aber zumindest zu diesem Zeitpunkt ist ihm ganz klar: Das, was hier passiert, dient zur Förderung des Evangeliums.
Erst einmal wieder total unlogisch: Da ist der Supermissionar, ja, was weiß ich, der Billy Graham der damaligen Zeit vielleicht, und jetzt ist er im Gefängnis. Ja, wie dient das dem Evangelium? Der ist doch gefangen, der kann ja gar nicht mehr predigen, wäre unser Gedanke.
Und es ist nicht so sehr die Logik, die Paulus dazu bringt, sondern es ist die Einsicht: Gott entgleitet nichts. Denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen. Das ist vielmehr das, was er im Kopf hat. Er nennt danach ja auch noch ein paar logische Gründe, aber die kommen sekundär, die kommen später dazu. Der Grundgedanke ist: Egal, was passiert, ich weiß doch, Gott hat die Sache in der Hand.
Also, für mich hat das in besonders hervorragender Weise der Philosoph Leibniz formuliert, eben einer der bekannten deutschen Philosophen. Er hat einige sehr wichtige Bücher geschrieben. Ich werde euch jetzt nicht sehr viel über ihn erzählen, aber wenn ihr das mal in die Hand bekommt, zum Beispiel Theodizee heißt eines seiner Bücher, da geht es dann um das: Warum lässt Gott das Leiden zu? Sehr gutes Buch.
Eine andere Sache, mit der er sich auseinandersetzt, und schließlich schreibt er in einem der Bücher: Wir leben in der besten aller Welten. Er sagt, wir könnten uns ja hypothetisch viele Welten vorstellen. Die Welt könnte so laufen oder so laufen, ganz anders. Und dann sagt er: In all den hypothetischen Welten, die wir uns vorstellen können, sind die alle viel schlechter als die, in der wir sind. Wir leben in der besten aller Welten.
Nun, ich höre schon innerlich, dass einige von euch denken: Also, das sehe ich aber nicht so. Ich könnte mir das viel besser vorstellen. Wenn ich meine Frustration und Depression los wäre, viel besser wäre ich die los. Wenn ich meine finanziellen Probleme los hätte, viel besser wäre ich die los. Wenn ich von Arbeitslosigkeit betroffen wäre, viel besser wäre ich die los.
Aber bei Leibniz steckt nicht so viel dahinter, dass er alle Situationen analysiert und sagt: Naja, es ginge nicht besser. Sondern bei ihm steckt das Vertrauen dahinter: Gott ist allmächtig, Gott liebt dich als sein Kind, ja, dann wird er den besten Weg mit dir führen. Das ist eher seine Erkenntnis. Das heißt, das ist eine Glaubenserkenntnis und nicht die einer logischen Prüfung.
Es gab da vor ein paar Jahren auch mal einen Film. Ich habe ihn nicht gesehen, aber ich habe mir davon erzählen lassen und auch eine Rezension davon gelesen. Ich glaube, der hieß Brian allmächtig oder so ähnlich, oder Bruce allmächtig. Und wenn ich mich recht entsinne, dann sollte es darum gehen, dass eben ein junger Mann nun meinte, er könnte Gott ablösen, weil er viel besser weiß, wie das alles laufen sollte. Und schließlich geht Gott dann in der Geschichte zumindest auf ihn ein, lässt ihn auch eine Zeit lang dort ans Ruder in der Welt. Dann versucht er das nun alles zu machen, also wer da mit wem sich befreundet und wie das alles läuft. Aber hinterher endet alles im Chaos, und hinterher gibt er dankbar die Aufgabe wieder ab.
Nun, die Quintessenz dieser Geschichte ist ja genau das: Wir meinen manchmal, besser zu wissen, wie es laufen sollte. Aber wenn wir daran wären, das zu bestimmen, würde es wahrscheinlich schlimmer ablaufen. Und hier, das ist diese Erkenntnis, die Paulus hat, so ähnlich wie in diesem Film, so ähnlich wie bei Leibniz. Und übrigens, Leibniz hatte da eine große Auseinandersetzung mit Voltaire, den kennt ihr vielleicht auch vom Namen, Gottesleugner. Der hat dann sein Buch dagegen geschrieben: Candide.
Und da ist eben ein junger Mann, der heißt Candide, und bei dem geht im Leben alles schief. Also erst werden seine Eltern ermordet, dann kommt er in die Sklaverei, später muss er als Soldat kämpfen, sein Lehrer wird dann bei einem Autodafé, also in der Inquisition, hingerichtet. Alles geht schief. Und jedes Mal, wenn es wieder schiefgeht, sagt er: Das ist die beste aller Welten. Natürlich ist das alles nur Ironie von Voltaire, aber er begreift nicht, was Leibniz eigentlich sagen will.
Und ich glaube, mit Leibniz und mit Luther, Quatsch, mit Luther hier, jetzt Paulus, können wir sagen: Ja, das ist das Beste, wie es läuft. Nicht, weil ich es mir nicht besser vorstellen kann, sondern weil ich um einen Gott weiß, dem das nicht entgleitet. Ich glaube, das ist etwas ganz anderes, wenn wir so mit Problemen umgehen, als wenn wir versuchen, für alles selbst eine Lösung zu finden oder eine Erklärung.
Und wie gesagt: Erst einmal könnten wir doch sagen: Gott, du hättest es doch besser machen können. Du hättest dem Paulus noch ein paar ordentliche Mitarbeiter an die Seite stellen können. Du hättest ihm jetzt noch ordentlich Geld geben können, dass er nicht mehr noch als Zeltmacher arbeitet. Und dann hätte er jetzt schon die ganze Welt missioniert in der Zeit, wo er jetzt im Gefängnis sitzt. Das wäre vielleicht mein Vorschlag dafür.
Aber Gottes Vorschlag ist anders. Hier ist das Vertrauen dahinter. Und genau solch ein Vertrauen brauchst du auch, wenn du in Situationen kommst, wo du nicht mehr weiter weißt und denkst: Das hätte Gott doch besser machen können. Gott gibt dir nicht immer Rechenschaft, warum er dich in so eine Situation schickt. Aber halte an dem Vertrauen fest: Auch das dient der Sache Gottes, da, wo du bist.

Die Gefangenschaft als Gelegenheit für das Evangelium

Nun, dann sagt er noch weiter, und jetzt kommen so ein paar Begründungen: Denn dass ich meine Fesseln für Christus trage, das ist im ganzen Praetorium und bei allen anderen offenbar geworden.
Dieses Wort „Fesseln“, das da im Griechischen steht, meint so viel wie Handschellen. Also sind damit kurze Ketten gemeint, mit denen ein Gefangener an einen Soldaten gefesselt worden ist. Daraus können wir auf die Art und Weise seiner Festnahme schließen. Er ist jetzt nicht in einem dunklen Kerker, wo es nur Wasser und Brot gibt. Das wissen wir auch aus anderen Stellen, wo er davon schreibt. Sondern er ist in einer Art Hausarrest. Das heißt, er darf das Haus nicht verlassen, und den ganzen Tag ist an seiner Hand, an seinem Armgelenk, ein anderer Soldat angekettet.
Im Grunde genommen ist das auch nicht ganz angenehm, nicht? Denn bei allem ist er dabei, du kannst auch nicht frei herumlaufen, und alle erkennen sofort, dass du der Gefangene bist. Paulus sieht das Ganze aber positiv, durch die Brille Jesu. Was sagt er nämlich? Ich habe jetzt zwei Jahre lang Zeit gehabt, die ganzen Soldaten im Praetorium zu evangelisieren. Denn ich könnte umgekehrt sagen: Mir ist es mühsam, dass die immer bei mir sind. Er dreht das um: Na, jetzt müssen die mal zuhören, was ich über das Evangelium zu predigen habe.
Und die können ja auch nicht weg, die Soldaten. Die müssen ja jetzt bei ihm bleiben. Und dann erzählt er ihnen vom Evangelium, und ab und zu wechseln sie noch einmal und sagen: „Nee, also Paulus, jetzt habe ich ja genug gehört, jetzt kommt der Nächste dran.“ Und dann predigt er die alle durch. Das Praetorium war ja damals die Elitegarde der Soldaten in Rom, mit denen er dort zu tun gehabt hat, und denen erzählt er vom Glauben. Da sagt er: Das ist doch eine einmalige Chance, die Jesus mir gibt. Sonst wäre ich ja nie hierher gekommen, um diesen Elite-Soldaten das Evangelium zu predigen. Und Gott nutzt das.
In späterer Zeit, im spätrömischen Reich, ist es dann so, dass diese Prätorianer eben als die Kaisermacher gelten. Die haben ab und zu dann mal Aufruhr angezettelt in Rom und haben dann mal wieder ihre Offiziere auf den Kaiserdron eingesetzt. Das kommt aber erst später. Zu diesem Zeitpunkt sind sie eher die Ordnungsmächte, die eiserne Reserve, wenn es einmal Aufruhr in der größten Stadt des römischen Reiches gibt.
Also: „Und bei allen anderen ist das offenbar geworden.“ Paulus empfängt Gäste, Paulus predigt den Soldaten, Gott nutzt das, sagt er. Und die meisten Brüder in dem Herrn haben durch meine Gefangenschaft Zuversicht gewonnen und sind so umso kühner geworden, das Wort zu reden ohne Scheu.
Also da sagt er: Dadurch, dass ich so im Vordergrund gestanden habe und jetzt im Hintergrund stehe, sind andere, die in zweiter Reihe waren, mutig geworden, das Evangelium zu predigen. Das ist übrigens etwas, was ihr manchmal auch in der Gemeinde erleben könnt. Also, wir erfahren das hier. Dann kommen neue Schüler, und viele Gemeinden weinen dann ihren Schülern auch, also denen, die dann unsere Schüler sind, eine Träne nach. Ist ja auch schön so, nicht? Und zwar heißt das ja immer, die sind traurig darüber, dass sie gehen. Sie schätzen es, dass sie vorher in der Gemeinde mitgearbeitet haben. Und vielleicht kennt ihr das auch: Da will jemand von euch in der Gemeinde in die Mission gehen, an die Bibelschule gehen oder sonst wohin, und ihr denkt: Aber das ist unser wichtiger Jugendarbeiter. Wenn der nicht mehr da ist, bricht alles zusammen.
Das ist wieder unser menschliches Denken. Und hier sagt Paulus damit: Denkt daran, Gott entgeht nichts. Manchmal werdet ihr die Erfahrung machen, da ist einer weg, und plötzlich sehen Menschen eine Notwendigkeit. Plötzlich sehen Menschen ihre Begabung, und dann hast du einen, der genauso gut Jugendarbeit machen kann. Der stand jetzt aber nur im Schatten des großen Jugendarbeiters vorher, und jetzt wird er gebraucht, und er wächst an diesen Herausforderungen.
Also von daher: Wir sollten auch da nicht nur menschlich immer darauf schauen, was uns an Mitarbeitern verloren geht, sondern mehr darauf, welche neuen Chancen es für diejenigen in der Gemeinde gibt, die bisher in zweiter Linie gestanden haben. Oder ich könnte es jetzt auch noch etwas persönlicher formulieren: Welche Chancen gibt es für dich, wo du vielleicht den Eindruck hast, es gibt doch Leute in der Gemeinde, die können viel besser singen als ich, die können viel besser organisieren als ich, die können viel besser predigen als ich oder besser putzen als ich. Und dann merkst du plötzlich: Ich habe ja auch eine Begabung von Gott geschenkt bekommen, die kann ich ja auch einsetzen.
Und manchmal fördert Gott das, indem er diejenigen, die an vorderster Front stehen, einmal zurücknimmt, denen eine Ruhepause verordnet, wie hier dem Paulus. Also: Sie haben Zuversicht gewonnen. Jetzt könnten wir sagen: Zuversicht, ja wodurch denn? Ich glaube unter anderem dadurch, dass sie sehen, wie der Paulus in seiner Situation mit dem Leiden umgeht. Die haben hier gesehen: Der Paulus knickt nicht einfach zusammen. Das ist nicht so, dass der Glaube des Paulus nur ein Schönwetter-Glaube ist. Solange es gut geht, redet er groß von Gott, und dann ist das alles vorbei, sobald er im Gefängnis ist. Sondern sie werden ermutigt: Dieser Gott, der selbst noch beisteht, da wo es ganz dreckig geht, der kann ja auch mir helfen.
Also wenn der Paulus da im Gefängnis noch missioniert, dann kann ich das doch auch. Wenn der keine Angst hat, dann kann ich das doch auch. Also ich glaube, dass das eine wichtige Rolle hierbei spielt. Also: kühner geworden, ohne Scheu.
Und wir müssen hier sehen, dass es damals in einer Umgebung war, in der es auch etwas kosten kann, Christ zu sein. Wir lesen in der Apostelgeschichte ja von den ersten Verfolgungen, denen die Christen ausgesetzt sind: von den Juden, von der Obrigkeit, also der Regierung, und auch von den heidnischen Opferpriestern, die das als Konkurrenz sehen. Da ist man angegriffen. Christ zu sein hat damals kein Prestige, das kostet etwas. Aber sie fassen Mut dazu.
Und so ist die Herausforderung: Sieh deinen Platz auch, den Gott dir zeigt, und schau nicht auf die, die es noch viel besser können als du. Nein, Gott hat einen Platz für dich in deiner Umgebung, in deiner Gemeinde, wo er dich gebrauchen will.

Beweggründe, die nicht rein sind

Dann lesen wir weiter: Einige zwar predigen Christus aus Neid und Streitsucht.
Also, immer wieder, wenn ich diesen Satz lese, bin ich davon betroffen. Ich denke mir: Ist das nicht schlimm? Sind wir als Menschen nicht verdorben? Und da will ich gar nicht mehr auf die anderen zeigen. Das kann uns ja immer genauso gut selbst treffen, dass wir aus unlauteren Motiven uns irgendwo in der Gemeinde oder sonst wo engagieren. Die Gefahr kann ja immer wieder bestehen.
Hier stehen jetzt zwei Beispiele, nämlich die, die es prägen aus Neid und Streitsucht. Na ja, es gibt zum Beispiel einfach manche Rechthaber in der Gemeinde. Ich weiss nicht, ob ihr das auch kennt. Manchmal hat man den Eindruck, denen kommt es auch gar nicht so genau darauf an, wogegen sie gerade kämpfen. Die Hauptsache ist, es gibt einen ordentlichen Kampf. Oder Neid kann sein: Ich möchte doch auch die Stellung dieses XY haben, der Oberälteste sein. Oder auch mal, dass für mich jemand klatscht, wenn ich da gerade, was weiss ich, etwas Tolles gemacht habe, da auf dem Dreirad durch die Gemeinde gefahren bin oder gesungen habe oder jongliert habe oder sowas. Das möchte ich doch auch gerne. Und dann Verkündigung des Evangeliums nur aus Neid.
Und wir könnten das Ganze natürlich noch ausdehnen. Das wird ja später auch noch ein bisschen ausgedehnt. Da schreibt er nämlich in Vers 17, dass manche Christus aus Eigennutz verkündigen. Aber was heisst das? Es geht ihnen gar nicht um Jesus, sondern Gemeinde und Engagement in der Gemeinde dienen in erster Linie dazu, meine eigenen Bedürfnisse und Defizite auszufüllen. So eine Art Psychotherapie oder vielleicht so eine Art Minderwertigkeitskomplex ausfüllen. Oder: In der Welt beachtet man mich nicht so gut, in der Familie auch nicht, also wenigstens in der Gemeinde sind da ein paar Leute, die mich beachten.
Und immerhin, Paulus geht nicht einmal so ganz scharf mit den Leuten ins Gericht. Das überlässt er ja Gott. Gott wird sie schon richten, das steht ja dahinter. Aber das Schlimme, finde ich, ist: Das gibt es in der Gemeinde. Und in erster Linie sollten wir jetzt nicht danach suchen, wo sind denn die anderen, die das alle betrifft, sondern natürlich immer wieder darauf hören: Bin ich selbst in der Gefahr, das da und dort auch zu tun?
Nun, diejenigen von euch, die etwas sehr melancholisch veranlagt sind, denen will ich das jetzt nicht so stark aufs Butterbrot schmieren. Denn die denken sowieso vielleicht schon häufig genug darüber nach und wühlen in sich, ob sie die richtige Motivation haben. Nein, das ist ja jetzt eher für die Machertypen, eher für diejenigen, die gerne mal im Mittelpunkt stehen. Die sollten tatsächlich immer wieder an sich herankommen lassen, was da die Motivation ist.
Ich habe sogar den Eindruck: Wenn wir uns hineinhören, wahrscheinlich werden wir immer irgendwann frustriert feststellen, es ist immer so eine Mischung. Hier ist so eine Mischung: na ja, für Jesus und für mich auch und für die anderen auch. Und irgendwie ist das doch gut. Und das sollte uns aber dazu animieren, immer wieder zu Jesus zu kommen und zu sagen: Mach du mich kleiner, so wie Johannes sagt: Ich muss abnehmen, aber er muss zunehmen, auch in meinem Leben.
Und so sollten uns diese Feststellungen von Paulus nicht dazu führen, auf andere zu schauen, sondern in uns selbst hineinzuschauen. Nicht, dass wir uns vollkommen kaputt machen und gar nichts mehr tun, aber dass wir uns immer überprüfen. Denn eigentlich soll ja Jesus gross gemacht werden durch das, was wir tun, und nicht wir. Und auch nicht unsere Gemeinde und unsere Organisation. Es geht in Deutschland auch nicht darum, Bibelschule Brake vor. Ich meine, ich habe nichts dagegen, gar nicht. Ich finde das ja durchaus gut. Ich finde unsere Bibelschule Prag ja auch toll, muss ich sagen. Aber ich muss dann traurigerweise eingestehen: Gott kann auch ohne Bibelschule Prag arbeiten. Und es gab auch schon Christen in Deutschland, bevor die Schule hier gegründet worden ist. Ist ja kaum zu glauben, nicht? Aber es ist irgendwie doch so.
Ja, dafür hilft die Kirchengeschichte, wenn man sich mit ihr auseinandersetzt. Und das gibt dann Bescheidenheit. Ich glaube, da brauchen wir diese Bescheidenheit nicht wir, sondern Jesus steht im Mittelpunkt.
Das Schöne aber: Dann sagt er, einige aber auch in guter Absicht. Ich muss ja sagen, das klingt für mich so ein bisschen, na ja, es gibt da eine ganze Menge, die machen die Sache eigentlich nur für sich, aber so ein paar wenige gibt es auch noch, die setzen sich wirklich nur für Jesus ein. Es steht ja nicht direkt eine Mengenzuordnung dabei. Wenn er aber später im Verlauf des Philipperbriefes, nämlich in Vers 2, dann von Timotheus schreibt, dass er der einzige sei, der so ganz nach dem Sinn des Paulus predigt, dann müssen wir schon den Eindruck haben: Scheinbar ist das nicht ganz im Gleichgewicht. Es gibt viel weniger Menschen, die wirklich in ihrem Leben Jesus an erste Stelle stellen.
Aber seid dadurch nicht frustriert, sondern lasst euch herausfordern. Denn du kannst die Entscheidung treffen, ob bei dir für deinen Dienst Jesus an erster Stelle steht und ob du dann auch zu denen gehörst, die Paulus hier beschreibt und hervorhebt: einige aber auch in guter Absicht. Nämlich in der Absicht, dass Menschen gerettet werden, dass Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen, dass Gott gross gemacht wird. Das ist die reine Absicht.
Die Absicht: Wir brauchen noch ein paar Steuerzahler für unsere Gemeinde oder wir haben gerade keinen, der den Jugendkreis leitet, also lasst uns mal evangelisieren, damit wir einen bekommen. Das ist alles auch nicht schlecht, und wenn Gott das segnet, umso besser. Aber das sind nicht diese reinen Motive dann dabei.

Liebe, Eigennutz und die Haltung des Paulus

Nun, dann beschreibt er die beiden auch noch etwas näher. Jene verkündigen das Evangelium, jene verkündigen, nein, diese erst mal, also diese, das heißt, die es aus guter Absicht tun, aus Liebe. Denn sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums hier liege. Das heißt, die tun es aus Liebe zu mir, sagt Paulus. Und die tun es aus Liebe zu Gott und natürlich aus Liebe zum Nächsten. Das ist ja ein Dreiklang, könnten wir sagen.
Paulus scheint hier zuerst seine Position auch im Blick zu haben, aber nicht nur. Also ihre Motivation, denen, die es richtig tun, die tun es aus Liebe. Liebe zu Gott ist klar: Gott hat mich erlöst, Gott hat mir Liebe gegeben, ich will diese Liebe Gottes weitergeben. Die Liebe zum Nächsten ist klar: Ich will nicht nur, dass der sich mir unterordnet und ich sein Chef bin, sondern ich will, dass derjenige Befreiung erfährt von Sünde, dass er die Liebe Gottes in seinem Leben erfährt. Und natürlich hier dann auch die Liebe zu Paulus: Der ist gefangen, wir setzen uns für ihn ein, das, was er nicht tun kann, das tun wir.
Jeder aber verkündigt Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie möchten mir Trübsal bereiten in meiner Gefangenschaft. Also hier sind doch die ganz miesen Typen dabei. Denen geht es nicht mal nur darum, dass sie groß rauskommen, sondern die freuen sich jetzt: Endlich bekommt der Paulus mal sein Fett ab. Und dann ziehen sie in den Gemeinden umher. Wir lesen das zum Beispiel im zweiten Korintherbrief, dass da auch in Korinth Leute aufgetreten sind und sich als Superapostel dargestellt haben. Wir sind doch die Superapostel, Paulus, der schafft es doch sowieso nicht. Schaut euch den doch mal an, wie kläglich der predigt und jetzt sogar im Gefängnis sitzt. Dieser Glaube ist doch viel besser. Das waren diese Superapostel, die Paulus im zweiten Korintherbrief beschreibt, und ich denke, die meint er hiermit genau. Denen geht es gar nicht mal darum, Jesus so groß zu machen, denen geht es nur darum, den Paulus endlich mal fertig zu machen.
Und das gibt es manchmal als Christen auch. Aber hütet euch davor, euren Lebenssinn als Christ darin zu sehen, nur andere fertig zu machen, sich daran zu freuen. Das ist ja das Wesen des Neides, nicht? Da steht ja vorher auch: aus Neid tun sie das. Der Neid will nicht unbedingt selbst groß rauskommen, sondern der Neid freut sich schon, wenn es dem anderen nicht mehr gut geht.
Also ich weiß nicht, ob ihr euch hineinversetzen könnt. Bei Johannes, der spielt ja schön Klavier dort. Ich habe auch mal ein paar Jahre Klavierunterricht genommen, und das war alles ziemlich zäh gelaufen. Also ich habe dann jeden Tag eine Stunde geübt, und nach einer Stunde dann jeden Tag eine Woche, dann ging das auch so einigermaßen. Aber andere, die haben in der Zeit viel, viel bessere Ergebnisse gehabt, und das habe ich dann nach ein paar Jahren eben wieder fallen lassen. Aber da hatte ich dann erst mal ein paar Jahre richtig so Neid, wenn ich Leute gesehen habe, die so gut spielen konnten. Das hat mich richtig gewurmt. Da habe ich gedacht: Warum ich nicht? Warum können die so gut? Ich hätte ja nichts dagegen gehabt, wenn die genauso schlecht gespielt hätten wie ich, dann wären wir auf einem Niveau. Oder was weiß ich, vielleicht hätte ich dann die Freude gehabt, dann wäre Johannes am Morgen gekommen und hätte sich beim Volleyball die Finger verstaucht, jetzt sind sie auf mich angewiesen, jetzt müsste ich mal spielen. Also zwischenzeitlich könnte ich das ja sowieso nicht mehr.
Und ich habe das in der Zwischenzeit auch überwunden, diesen Neid dabei, und kann mich sehr darüber freuen, wenn andere so toll spielen, und habe gemerkt, das ist einfach nicht meine Sache. Aber das ist ja das Wesen des Neides. Der Neid will anderen irgendwie Böses, so wie die Leute, die hier predigen, nicht aus Eigennutz, und er freut sich manchmal schon daran, einfach wenn es dem anderen schlecht geht. Da merken wir: Das ist natürlich gar keine christliche Tugend, das sollten wir in keinem Fall machen, dafür sollten wir uns hüten.
Wir sind ja auch mit denen angesprochen. Ich kenne das leider auch aus Gemeindestreitereien. Ich habe schon einige Gemeindestreite miterlebt, ihr wahrscheinlich auch, manche Gemeinde, wo ich dann mit hinzugezogen worden bin, um den Leuten etwas zu helfen, manche in der eigenen Gemeinde. Und es ist fast immer so, dass die Leute, wenn sie dann streiten, im Vordergrund geistliche Sachen vorschieben. Also der sagt ja das und der sagt das, und manchmal sind das durchaus ehrenwerte theologische Diskussionen. Aber in den meisten Fällen habe ich gemerkt: Wenn ich dann tiefer bohre, dann sind das gar nicht in erster Linie diese geistlichen Dinge, sondern in erster Linie sind das ganz menschliche Sachen. Irgendwie der Pastor hat häufiger den eingeladen zum Mittagessen als mich, der hat mir da nicht guten Tag gesagt, meine Kinder sind nicht vorne gestanden bei der Weihnachtsfeier, sondern die Kinder des anderen, und irgendwie wächst dann der Neid. Und dann findet man schon ein paar Punkte, die man dem anderen auch noch theologisch ankreiden kann.
Also wenn ich lange genug suche, ich bin überzeugt, ich finde bei jedem von euch noch irgendeine Irrlehre, wo ich dann sagen kann: Also der muss aber fertiggemacht werden. Damit will ich nicht sagen, dass wir nicht auch auf die reine Lehre schauen sollen. Nur dieses Motiv ist entscheidend. Tue ich das sozusagen nur als Mittel zum Zweck, um den anderen fertigzumachen oder mich besser rauskommen zu lassen? Oder tue ich es damit, dass Jesus groß gemacht wird und damit derjenige wirklich näherkommt zu Jesus? Und das wird hiermit angesprochen.

Freude, Hoffnung und die Kraft von Gebet und Geist

Was tut es aber, sagt Paulus, wenn nun Christus verkündigt wird, auf jene Weise, es geschehe zum Vorwand oder in Wahrheit? So freue ich mich darüber. Und hier muss ich sagen: Paulus, da bist du mir auch ein Vorbild.
Also, da sagt er letztendlich: Kümmert euch nicht zu lange darum, verschwendet eure Kraft nicht an der falschen Stelle, ob die Leute das nun aus Eigensucht tun oder nicht. Jesus kann das auch gebrauchen.
Wieder Vorsicht! Heute, in einer Zeit der postmodernen Beliebigkeit, müssen wir natürlich darauf achten: Hiermit ist nicht die Lehre gemeint. Denn das, was Paulus hier beschreibt, ist ja lediglich die Motivation. Er sagt ja nicht: Auch wenn die Zeugen Jehovas predigen oder die Mormonen, ist doch alles gleich. Das ist damit nicht gemeint. Oder zu sagen: Ist doch egal, ob du Buddhist oder Muslim oder Christ bist, die reden doch alle über Gott. Nein, das ist damit auch nicht gemeint.
Hier sind nicht die Irrlehrer mit angesprochen, sondern hier sind die angesprochen, die rechtsgültige Christen sind, aber die aus falscher Motivation arbeiten. Die sind ja angesprochen. Also nicht, dass ihr das dabei falsch einordnet.
Aber wir sind herausgefordert, in der Gemeinde nicht bei jedem immer nur die Motivation zu überprüfen, zu spekulieren, danach zu suchen, dagegen zu kämpfen, sondern zu sagen: Der ist vor Gott verantwortlich für das, was er macht. Und wenn er es falsch macht, ist es seine Sache. Wenn ich es merke, bete ich für ihn oder spreche vielleicht mal mit ihm. Aber in erster Linie: Jesus kann das gebrauchen. Echte Motivation oder falsche.
Und wir können ja auch ganz froh sein, denn das gilt dann ja auch uns. Das heißt, selbst wenn unsere Motivation mal nicht ganz echt ist, können wir froh sein. Gott sei Dank, meine ich hier im ernsten Sinne des Wortes: Gott sei Dank. Gott kann selbst das gebrauchen, auch wenn unsere Motivation nicht rein ist. Wir sollten das nicht so nebenbei in Kauf nehmen, aber wir können uns darüber freuen, dass das der Fall ist.
Dann als Nächstes schreibt er: Aber ich werde mich auch weiterhin freuen. Diese Formulierung finde ich auch ganz interessant, weil sie uns nämlich wieder eine Perspektive des Paulus vor Augen führt. Manchmal haben wir als Christen den Eindruck: Ich freue mich oder ich freue mich nicht.
Manche würden sogar sagen: Ja, ich muss ja echt sein. Ich habe manche Leute gefunden, und wenn die halt echt schlecht drauf sind, dann machen sie auch jeden an. Wie blöd siehst du denn heute aus? Ja, ich kann doch nicht heucheln und sagen: Schönen Morgen, wenn ich einfach denke, du siehst blöd aus. Also sage ich dir das dann.
Es gibt ja solche Leute, die sagen, das ist Echtsein, und fühlen sich sogar noch richtig stolz darauf und denken, der andere ist ja schlechter als ich. Das ist aber ganz unbiblisch. Denn wenn du wirklich schlecht drauf bist oder wenn du immer nur böse über andere denkst oder wenn du nur immer auf andere schimpfst, also es gibt besonders, habe ich einige Leute kennengelernt, so diesen Charakterzug der Choleriker haben, die manchmal dahin tendieren, dann so auf den Tisch zu hauen und zu sagen: Du blöder Kerl, warum machst du das?
Und dann haben die sich wieder herabgekühlt, und hinterher sind die anderen am Boden zerstört, alle niedergetrampelt. Und dann kommt da einer, und da sage ich: Warum siehst du denn so zerknirscht aus? Ist doch alles gut. Tja, und dann sagt einer was, und da sagt er: Ja, ich habe nur gesagt, was ich denke.
Und das ist eine Rechtfertigung, aber das ist biblisch nirgends gesagt. Ihr findet keinen Bibelvers, der so etwas sagt. Denn wenn du Mist denkst, wenn du Sünde denkst, dann mach lieber deinen Mund zu und bitte Gott um Vergebung. Wir werden nirgends aufgefordert, in dieser Weise echt zu sein. Wir sollen echt so sein, wie Jesus es will, aber nicht echt so sein, wie die Sünde uns in dieser Persönlichkeit treiben will. Und genau das steht hier nämlich auch dahinter.
Ihr wisst, worauf ich hinaus will. Da steht: Ich werde mich aber auch weiterhin freuen. Was ist nämlich das? Das ist nicht: Na ja, wenn es mal so kommt und ich dann ein paar Blumensträußchen geschenkt bekomme, dann freue ich mich vielleicht auch noch. Sondern er sagt: Egal, was da kommt und nachher kommt, ob ich sterbe oder lebe, ich werde mich weiterhin freuen. Das ist eine Willensentscheidung.
Und ich glaube, so ist es bei uns als Christen auch, dass wir sagen: Ich will das. Nicht aus eigener Kraft, das werden ja wieder die, die es aus Eigennutz und eigenen Motiven machen. Ich will das, weil ich diese Perspektive auf Gott habe. Ich will das, weil ich weiß: Denen, die Gott lieben, werden alle Dinge zum Besten dienen. Ich will das, weil ich weiß: Ich werde ja doch bei Jesus ankommen, ob ich sterbe, ob ich im Gefängnis bin, ob ich frei bin. Jesus führt mich, und letztendlich werde ich bei ihm ankommen. Das ist ein Grund, sich zu freuen.
Das ist die Freude, die Paulus hier auch direkt in Philippi ausdrückt. Ihr wisst ja, in der Apostelgeschichte lesen wir das, ich glaube, es ist Apostelgeschichte 16, als er dort gefangen ist in Philippi und dann des Nachts, um Mitternacht, plötzlich anfängt, Gott zu jubeln, wo er in Ketten eingelegt ist. Das ist ja genau dasselbe: total verrückte Freude, nicht? Stellt euch mal vor, du hast ein Bein gebrochen, und sagst: Ich freue mich, und wie glücklich und toll, dass Gott mich bewahrt und beschützt. Das ist ungefähr solch eine Freude, wie Paulus sie hat im Gefängnis, eingeschlossen. Wunderbar, wie groß bist du, Gott!
Und da merken wir: Das ist eine Willensentscheidung, die aber letztendlich, diese Freude, wenn wir uns dafür entscheiden, die kann nur Gott geben. Sonst ist es so ein vergeblicher Versuch der Selbstsuggestion. Wir haben gestern Abend ja davon gehört: Du musst dich vor den Spiegel stellen, dann sagst du: Ich freue mich. Dann ziehst du die Mundwinkel hoch, dann sagst du: Wie super geht es mir, wie gut geht es mir. Das hält nicht lange vor.
Aber diese Willensentscheidung, vor Jesus zu sagen: Ich will mich nicht runterziehen lassen durch diese bösen Gedanken, ich will mich durch die Anfechtung des Teufels oder anderer Menschen nicht kaputt machen lassen, sondern ich will auf Gott vertrauen. Der hat mich doch beschenkt, und er ist doch noch da, und er steht darüber, und er hat mir versprochen, dass er mein Leben leitet. Das ist diese Freude, die hier gemeint wird: Ich will mich auch weiterhin freuen.
Dann sagt er das ja auch: Denn ich weiß, dass mir dies zum Heil ausgehen wird. Ja, das ist ja sogar ein ganz extremer Ausdruck hier: zum Heil. Nicht nur: Na ja, es wird irgendwie schon gut rauskommen, sondern das wird mir zum Heil ausgehen, bitte gesagt. Und zwar gegen jedes menschliche Wissen, was er hat. Denn er weiß ja noch nicht, wie es rauskommt. Wir sehen ja später, er rechnet damit: Entweder werde ich umgebracht oder ich werde freigelassen. Und da sagt er aber beides: Das wird mir zum Heil ausgehen, egal was da passiert. Weil er weiß: Gott sitzt, Luther sagt, Gott sitzt im Regiment. Oder wir können sagen: Gott sitzt am längeren Hebel.
Gott entgleitet dein Leben nicht, genauso wenig wie Gott das Leben des Paulus nicht entglitten ist. Und dann verweist er wieder: Durch euer Gebet und durch den Beistand des Geistes Jesu Christi. Hier ist die Kraftquelle gemeint, aus der er sagen kann: Ich will mich auch in der Zukunft freuen.
Einerseits Fürbitte. Wir sehen, wie wichtig es ist, für andere Christen im Gebet einzustehen. Das ist nicht nur irgendeine Tradition, weil das die Christen vor 500 Jahren so gemacht haben, sondern es ist ein Auftrag Jesu, von dem Jesus sogar sagt: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen. Da ist Jesus gegenwärtig, Jesus, der alle Macht im Himmel und auf Erden hat, der ist da, wo wir beten. Und an den können wir uns wenden.
Paulus hat gemerkt, da ist die Kraft in der Fürbitte. Ich habe das auch gemerkt in vielen Situationen meines Lebens, unter anderem da, wo ich mit Krebs und Krankenhaus gewesen war und die Perspektive vollkommen offen war, ob ich sterben oder leben würde dabei. Und ich gemerkt habe: Diese Fürbitte hilft mir und trägt mich emotional und geistlich dabei und auch dann natürlich körperlich in der Krankheit.
Und genau das ist hier auch: Fürbitte und das andere, der Beistand des Geistes Jesu Christi, des Heiligen Geistes in uns. Und da merken wir: Darauf bauen wir auf, nicht Selbstsuggestionen, sondern Fürbitte in Geschwistern für schwierige Situationen und Wirken des Heiligen Geistes in uns.
Und da seid ihr herausgefordert: Wenn ihr in einer Notlage seid, lasst andere für euch beten. Und ihr seid auch herausgefordert dabei, wenn es euch gut geht, betet für andere und vertraut auf den Heiligen Geist, der in euch ist.

Christus verherrlichen, im Leben wie im Sterben

Wie ich sehnlich warte und hoffe, dass ich in keinem Stück zu Schanden werde, sondern dass ich frei und offen, wie alle Zeit, jetzt auch Christus verherrlicht werde, an meinem Leib, sei es durch Leben oder Tod. Also: ob ich sterbe oder lebe, Gott kann sich verherrlichen.
Das ist so ähnlich wie bei Tertullian, einem großen Apologetenschriftsteller im zweiten Jahrhundert, der um 180 nach Christus geschrieben hat: Das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche. Und dann sagt er: So oft ihr uns dahin mäht, umso zahlreicher werden wir.
Das, was Gott macht: Gott benutzte die Verfolgung im Römischen Reich, um den christlichen Glauben auszubreiten. Total widersinnig dabei.
Wir könnten das auch nennen. Ich finde diesen Begriff schön. Irgendwie ist er mir einmal gekommen, vor ein paar Wochen. Und zwar nennen wir das mal asymmetrisch. Symmetrisch ist ja: Das läuft so parallel. Und Gott ist asymmetrisch.
Wir denken: Da ist Gewalt, dann kommt auch Gewalt dabei heraus. Da ist Freude, da kommt auch Freude. Gott ist asymmetrisch. Gewalt – und dann nutzt er das genau für das Gegenteil, dass die Liebe Jesu umso größer wird. So ähnlich denkt Gott.

Die Spannung zwischen Leben und Tod

Und dann kommt hier: Denn Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn.
Also, immer wieder, wenn ich diesen Text lese, muss ich sagen: Paulus, das ist mir nicht immer so ganz einfach. Ich lebe eigentlich noch ganz gerne. Ich weiß nicht, ob er mich jetzt für ungeistlich hält, aber irgendwie geht es mir so. Ich bin doch ganz gerne auf der Erde, ich genieße meine Arbeit hier an der Bibelschule, ich genieße meine Familie und so, und ich finde das wirklich schön.
Aber intellektuell verstehe ich, was Paulus sagt. Und intellektuell muss ich sagen: Paulus, du hast ja recht, im Himmel ist es noch viel besser. Deshalb sagt er ja hinterher auch, mir wäre es nur ein Gewinn.
Ja, ich muss auch zugestehen, selbst wenn ich jetzt ein bisschen Selbstkritik übe: Na ja, Paulus war ja auch ein bisschen schlechter dran. Ich bin ja jetzt nicht im Gefängnis und bekomme nur Wasser und Brot, und von Freunden verlassen bin ich auch nicht. Das ist ja zum Glück nicht der Fall. Paulus ist ja eher so, dass ich sagen könnte: Na ja, ich verstehe, Depression, na ja, alleine dort und seine Ziele aufgeben. Aber ich glaube nicht, dass es bei Paulus psychisch ist, sondern dass bei Paulus diese Erkenntnis wirklich so durchdringt: Ich habe hier auf der Erde eigentlich eine Situation, die viel, viel schlechter ist als das, was ich im Himmel habe.
Und gerade wenn wir den zweiten Teil des zweiten Korintherbriefs lesen, da zählt er ja mal auf. Da sagt er: Jetzt bin ich mal töricht, jetzt rühme ich mich mal all dessen, was ich so geleistet habe gegen die Superapostel. Und was sagt er dann? Na ja, ich bin so oft geschlagen worden, so oft überfallen worden und so oft ins Gefängnis geworfen worden. Und dann zählt er das alles auf. Da muss man sagen: Was ist denn das für eine Liste? Stellt euch mal vor, ihr schreibt euren Lebenslauf, so die Vita, wollt euch irgendwo bewerben, und dann schreibt ihr: so oft im Gefängnis, so oft verspottet und so weiter. Also, ich glaube, ihr hättet hinterher Probleme mit der Anstellung.
Aber hier merken wir: Er denkt total anders. Es geht ihm eben nicht darum, seine großen Taten in den Vordergrund zu stellen, sondern er sagt: Da, wo Gott mich würdig erachtet hat, für ihn zu leiden, das ist eigentlich das Einzige, wofür ich mich überhaupt rühmen kann. Nicht für die Tausende, die ich bekehrt habe, könnte Paulus jetzt sagen. Nicht für die großen Evangelisationen, nicht für die Gemeinden, die ich en masse gegründet habe, könnte Paulus sagen. Das nennt er gerade nicht.
Und das steckt bei ihm dahinter: Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn.
Immer wieder frage ich mich: Kann ich das auch mit fester Überzeugung sagen? Christus ist mein Leben – theologisch kein Problem. Natürlich, Jesus lebt in mir, Jesus gibt mir ewiges Leben. Aber es sind so viele Dinge um mich herum, die auch meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. So viele Dinge, die im Alltag bei euch und bei mir den Großteil des Lebens bestimmen. Da sind wir immer wieder herausgefordert, dass wir dazu sagen können: Eigentlich ist es Christus. Denn alles andere, was wir haben, da müsst ihr nur mal zweihundert Jahre warten, dann ist es vollkommen bedeutungslos.
Ich meine, als ich das erkannt habe, das war so ein Knackpunkt auch bei uns in der Ehe, wo wir dann immer wieder Auseinandersetzungen gehabt haben. Wir haben das immer noch, aber viel weniger. Nicht nur, weil wir alle Sachen geregelt haben, sondern weil ich mir an manchen Stellen auch einfach sage: Das lohnt sich eigentlich gar nicht, darum zu kämpfen, denn letztendlich ist das doch egal. Ich meine, angesichts der nächsten zweihundert Jahre sowieso, aber angesichts des Himmels auch. Denn letztendlich kommt es darauf an.
Also, ich nenne dieses Beispiel ab und zu, weil das bei uns eben Streit gewesen war: ob ich bei offenem Fenster schlafe oder bei zu. Jetzt kannst du ja endlos darüber diskutieren, wir haben das getan, nächtelang darüber diskutiert: Darf das Fenster offen sein, muss es zu sein? Und bei manchen dieser Sachen da sage ich dann einfach: Ach, das ist doch gleich, aus Liebe zu dir verzichte ich darauf. Manchmal sagt meine Frau dann auch noch: Nein, das will ich aber nicht, ich will, dass du es aus Überzeugung tust. Ja, und dann geht die Diskussion manchmal noch weiter. Ja, aber kurz.
Aber ich glaube, dass diese Perspektive auf Jesus, der unser Leben sein will, manche andere Dinge zurückstellen kann. Und seit ein paar Jahren ist es so, dass mein Medienkonsum, was Fernsehen und so etwas angeht, auf ein Minimum geschrumpft ist. Wir haben vor ein paar Jahren den Fernseher abgeschafft, jetzt nur noch so einen Bildschirm mit DVD, wenn nun wirklich mal was gesehen werden muss. Meistens sind es dann die Kinder.
Aber mir geht es so: Wenn ich ein Jahr lang keinen Fernseher sehe, vermisse ich das nicht einmal. Und das will ich jetzt gar nicht sagen, weil ich so geistlich bin, sondern ich merke: Wenn ich das nicht sehe, fehlt mir gar nichts. Und ich merke, ich kann so viele andere Sachen tun, die sonst im Hintergrund stehen.
Und ich merke manchmal, wenn ich einen Fernsehfilm sehe – jetzt gerade, vor einem Monat oder so, habe ich mal wieder Fernsehen geschaut, als ich mal eine DVD gesehen habe, einfach so in Gemeinschaft mit meiner Frau. Da haben wir gesagt: Heute Abend schauen wir uns mal eine DVD an. Aber auch dann habe ich gesagt: Na ja, ist ja eigentlich ganz schön, aber im Grunde genommen merke ich, das bringt mir auch nicht so viel. Ist mal unterhaltend für so einen Abend, aber dann ist der auch wieder vorbei. Was ändert das in meinem Leben? Schließlich, was lerne ich daraus? Nichts. Was weiß ich davon nach ein paar Monaten? Ja, nichts.
Ich meine, ich weiß jetzt doch noch ein bisschen, weil ich einfach so selten fernsehe. Aber ich erinnere mich noch an die Zeit, wo ich dann mal mehr gesehen habe, und da war es häufig so, dass ich nach einer Woche gar nicht mehr wusste, was ich vor einer Woche gesehen habe.
Da kann das so ein bisschen sein: Christus ist mein Leben. Das kann uns herausfordern. Wie sieht das mit den Prioritäten unseres Lebens aus?

Frucht, Prioritäten und die Hoffnung auf Wiedersehen

Wenn ich aber weiterleben soll im Fleisch, so dient es mir dazu, mehr Frucht zu schaffen. Und so weiß ich nicht, wie ich es wählen soll. Denn es setzt mir beides hart zu. Ich habe Lust, aus der Welt zu scheiden und bei Christus zu sein, was auch viel besser wäre. Aber es ist nötig, im Fleisch zu bleiben, um euretwillen.
Also auch hier diese Perspektive: Eigentlich lebe ich hier auf der Erde nicht in erster Linie dafür, um noch möglichst viel Spaß zu haben, was unsere Gesellschaft uns ja eher suggeriert. Noch einmal auf die Malediven fahren, noch einmal den Schiefen Turm von Pisa besteigen, noch einmal, was weiß ich, Lachs in dem Restaurant so und so in Wien essen. Nein, das ist hier nicht das, worum es geht.
Da gab es vor zwei Jahren, glaube ich, noch so ein Buch, das herausgekommen ist. Das heißt irgendwie Die tausend schönsten Plätze der Welt oder Das müsste man noch einmal besuchen oder so ähnlich war das formuliert. Ich habe mir das dann auch mal gekauft und durchgelesen. Fand ich ja schön. Ich bekam dann auch so ein bisschen die Sehnsucht: Ja, die tausend Sachen würde ich auch gern noch mal besuchen.
Aber dann habe ich mir auch gesagt: Ja, Michael, wenn es dazu kommt, ist es ja ganz schön. Aber eigentlich schreibe ich am Ende meines Lebens auf meinen Grabstein nicht: Ich habe die tausend Plätze besucht. Und damit will ich gar nicht sagen, dass es schlecht ist. Macht ruhig auch Urlaub, schaut euch schöne Sachen an. Aber wir müssen sehen, was das Primäre ist.
Das Primäre ist nicht, was habe ich alles gegessen, getrunken und gesehen in meinem Leben, sondern, Paulus sagte, das Primäre ist: Was hat Jesus in meinem Leben, durch mein Leben bewirkt?
Nun, dann kommt es als Nächstes: Und solcher Zuversicht weiß ich, dass ich bleiben und bei euch allen sein werde, zu eurer Förderung und zur Freude des Glaubens, damit euer Rühmen in Christus Jesus größer werde durch mich, wenn ich wieder zu euch komme.
Und da sagt er: Okay, selbst wenn es nur dazu dient, dass ihr die Größe der Macht Gottes erkennt, dass Gott selbst die Macht hat, mich aus den römischen Gefängnissen zu befreien, dann wird es auch geschehen. Zum Aufbau für euch, gar nicht dafür, dass ich noch länger lebe, sagt Paulus dabei, sondern dafür, dass ihr Gott rühmt und lobt, weil er diese Macht hat, euch aus dem Gefängnis herauszuholen.

Schlussgedanken und Anwendung

Nun, mit diesen Gedanken möchte ich euch gerne in diesen Tag gehen lassen.
Wir haben Paulus vor Augen, der sich in einer schwierigen Notsituation befindet. Seine Perspektive ist: Das alles hat Gott in der Hand, ihm entgleitet das nicht. Er hat ein Ziel damit, und dieses Ziel ist das Vertrauen zu Gott. Wenn er darüber nachdenkt, fallen ihm auch noch ein paar Gründe dafür ein. Plötzlich sind andere an der Reihe, die noch richtig missionieren können, obwohl sie vorher an zweiter Stelle standen.
Lasst uns auch so denken: Wenn Leute weggehen oder wenn wir meinen, wir können Aufgaben nicht mehr erfüllen, dann hängt es nicht nur an uns. Zweitens kann Gott euch selbst da gebrauchen, wo er euch ruhigstellt. Wenn du mal im Krankenhaus bist, weil du dort zum Beispiel eine Operation hast, dann ist das ja ähnlich wie bei Paulus hier im Gefängnis. Dann will Gott dich für einen Moment als Seelsorger im Krankenhaus haben. Dann geh da deinem Dienst nach.
Wenn du arbeitslos bist, dann such dir einen neuen Arbeitsplatz. Solange du keinen findest, sollst du, wenn man so will, ein arbeitsloser Missionar sein. Setz dich dann in die Arbeitsagentur. Die Leute, die da alle kommen, wenn du während des Wartens mit ihnen zusammen bist und es mühsam ist, dann evangelisiere sie. Das ist diese Sicht, die Paulus hat: Gott entgleitet das nicht. Nicht nur immer Vorwürfe machen, sondern sehen, dass Gott jeden gebrauchen kann, egal auf welchem Platz du bist, auch wenn du das erst einmal negativ empfindest.
Und dann haben wir gesehen: Es gibt manche, die das Evangelium aus falschen Motiven verbreiten und sich einsetzen. Wir müssen uns selbst überprüfen. Wir sehen es bei manchen anderen, wir sollten unsere Motivation korrigieren und dann trotzdem dabei sehen: Wir freuen uns, wir sind dankbar. Gott kann auch alles gebrauchen, auch da, wo jemand das aus falschen Motiven tut.
Ich habe hier Einschränkungen gesagt: Es geht nicht um Irrlehre. Es geht nicht um falsche Lehre. Die wird ganz anders beurteilt, da muss Gemeindezucht geübt werden.
Und dann: Egal, wie auch die Zukunft aussieht, Christus ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn. Diese Perspektive wünsche ich euch und mir, dass wir in immer mehr Bereichen unseres Lebens sehen, was Gott damit machen will, wie er uns gebrauchen will, wo wir Sachen auch einfach mal zurücklassen, weil wir merken: Ach, das ist überflüssig, das brauchen wir eigentlich gar nicht, das behindert uns nur dabei. Und dass wir auch diese Perspektive haben, egal ob du krank bist, ob du alt bist oder ob du sonst nur eine begrenzte Perspektive im Moment für dein Leben hast: Gott hat ein gutes Ziel auch für dich.
Ich glaube, das ist das, was Paulus uns hier sagen will und was uns dabei helfen kann. Der Heilige ist in dir. Und Fürbitte: Bete für andere, denen es schlecht geht, und bitte um Gebet für dich, wenn du Probleme in deinem Leben hast. Amen.