Generierte Mitschrift
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Ein ungewöhnlicher Predigttext und sein Anlass
1. Chronik 21
Wenn Sie in Ihren Bibeln aufschlagen, dann ist das auf Seite 404 in den ausgelegten Bibeln im Alten Testament. Ich bin heute wieder einmal von dem sonst vorgeschriebenen Predigttext abgewichen, weil ich schon zweimal hier in der Hofhagelkirche über den Sündenfall gepredigt habe, der heute dran wäre. Und manchmal laufen noch die alten Kassetten. Dann suche ich immer einen Predigttext, über den ich noch nie gepredigt habe. Und das ist dieser Abschnitt.
Ich lese jetzt zuerst den ersten Teil der Geschichte, und der Predigttext ist dann der zweite.
Und Satan stellte sich gegen Israel und reizte David, dass er Israel zählen ließe. Und David sprach zu Joab und zu den Obersten des Volkes: Geht hin, zählt Israel von Beerscheba bis Dan und bringt mir Kunde, damit ich weiß, wie viel ihrer sind.
Joab sprach: Der Herr tue zu seinem Volk, wie es jetzt ist, hundertmal so viel hinzu. Aber mein Herr und König, sind sie nicht alle meinem Herrn untertan? Warum fragt denn mein Herr danach? Warum soll eine Schuld auf Israel kommen?
Aber das Königswort blieb fest gegenüber Joab. Und Joab ging hin und zog durch das ganze Israel und kam nach Jerusalem zurück und gab David die Zahl des gezählten Volkes an. Es waren von ganz Israel elfmal hunderttausend Mann, die das Schwert trugen, und von Juda vierhundertsiebzigtausend Mann, die das Schwert trugen.
Ich muss kurz etwas dazu sagen: Gottes Wort ist nicht gegen Volkszählungen, sonst kämen ein paar Ansagen so ganz aktuell. Bei David hat das aber einen ganz anderen Grund, nämlich die Vermessenheit, dass er seine Militärmacht vor Gott ausspielen will, ohne abhängig von ihm zu sein. Das soll nur klar sein.
Levi aber und Benjamin zählte er nicht, denn Joab war des Königswortes ein Gräuel. Joab wusste, dass das Gott nicht wollte.
Dies alles aber missfiel Gott sehr, und er schlug Israel. Da sprach David zu Gott: Ich habe schwer gesündigt, dass ich das getan habe. Nun aber nimm weg die Schuld deines Knechts, denn ich habe sehr töricht getan.
Und der Herr redete mit Gad, dem Seher Davids, und sprach: Geh hin, rede mit David und sprich: So spricht der Herr: Dreierlei lege ich dir vor, erwähle dir eins davon, dass ich es tue.
Und als Gad zu David kam, sprach er zu ihm: So spricht der Herr: Erwähle dir entweder drei Jahre Hungersnot oder drei Monate Flucht vor deinen Widersachern und vor dem Schwert deiner Feinde, dass es dich ergreife, oder drei Tage das Schwert des Herrn und Pest im Lande, dass der Engel des Herrn Verderben anrichte im ganzen Gebiet Israels. So sieh nun zu, was ich antworten soll dem, der mich gesandt hat.
David sprach zu Gad: Mir ist sehr angst, doch ich will in die Hand des Herrn fallen, denn seine Barmherzigkeit ist sehr groß. Aber ich will nicht in Menschenhände fallen.
Da ließ der Herr eine Pest über Israel kommen, so dass siebzigtausend Menschen aus Israel starben. Und Gott sandte den Engel nach Jerusalem, es zu verderben. Aber während des Verderbens sah der Herr darein, und es reute ihn das Übel. Und er sprach zum Engel, der das Verderben anrichtete: Es ist genug, lass deine Hand ab.
Der Engel des Herrn aber stand bei der Tenne Araunas, oder in der älteren Bibel heißt er Ornans, des Jebusiters. Und David hob seine Augen auf und sah den Engel des Herrn stehen zwischen Himmel und Erde und ein bloßes Schwert in seiner Hand, ausgestreckt über Jerusalem. Da fielen David und die Ältesten mit Säcken angetan auf ihr Antlitz.
Und David sprach zu Gott: Bin ich’s nicht, der das Volk zählen ließ? Ich bin es doch, der gesündigt und das Übel getan hat. Diese Schafe aber, was haben sie getan? Herr, mein Gott, lass deine Hand gegen mich und meines Vaters Haus sein und nicht gegen dein Volk, es zu plagen.
Der Engel des Herrn sprach zu Gad, er solle sagen, dass David hinaufgehe und dem Herrn einen Altar aufrichte auf der Tenne Araunas, oder Ornans, des Jebusiters. Da ging David hinauf nach dem Wort Gads, das sie im Namen des Herrn geredet hatten.
Arauna aber wandte sich um und sah den Engel und versteckte sich, und seine vier Söhne mit ihm. Arauna drosch Weizen. Als nun David zu Arauna kam, sah er Arauna auf und war David gewahr. Und er ging von der Tenne weg und fiel vor David zur Erde nieder auf sein Angesicht.
Und David sprach zu Arauna: Gib mir den Platz der Tenne, dass ich dem Herrn einen Altar darauf baue. Für den vollen Preis sollst du ihn mir geben, damit die Plage unter dem Volk aufhöre.
Arauna aber sprach zu David: Nimm ihn dir und mache, mein Herr und König, wie dir’s gefällt. Siehe, ich gebe die Rinder zum Brandopfer und die Dreschschlitten als Brennholz und Weizen zum Speisopfer, das ich alles gebe.
Aber der König David sprach zu Arauna: Nicht doch, sondern für den vollen Preis will ich es kaufen. Denn ich will nicht, was deines ist, für den Herrn nehmen und will es nicht umsonst zum Brandopfer haben.
So gab David dem Arauna für den Platz Gold im Gewicht von sechshundert Lot. Und David baute dem Herrn dort einen Altar und opferte Brandopfer und Dankopfer. Und als er den Herrn anrief, erhörte er ihn durch das Feuer, das vom Himmel fiel auf den Altar mit dem Opfer. Und der Herr gebot dem Engel, dass er sein Schwert in seine Scheide stecke.
Damals, als David sah, dass ihn der Herr erhört hatte auf der Tenne Araunas des Jebusiters und er dort Opfer darbrachte, aber die Wohnung des Herrn, die Mose in der Wüste gemacht hatte, und der Brandopferaltar waren zu der Zeit auf der Höhe bei Gibeon. David aber konnte nicht hingehen und vor ihn treten, um Gott zu befragen, so erschrocken war er vor dem Schwert des Engels des Herrn.
Da sprach David: Hier soll das Haus Gottes des Herrn sein, und dies der Altar für die Brandopfer Israels.
Die Größe Davids und sein Ende vor Gott
Es ist interessant, wenn man heute Menschen begegnet, die im Leben Erfolg haben: Aufsteigertypen, Könner, die Einfluss haben, die es zu etwas bringen. David war ein ganz besonders erfolgreicher Mann. Es ist spannend, seine Biografie zu lesen. Wir haben ja vor einer Zeit ein Stück weit das Leben Davids verfolgt und dann abgebrochen.
Was soll ich an David alles rühmen? Er war ein großer Staatsmann, er war ein militärischer Stratege. Er hat das Reich gebaut, für Israel ausgeweitet. Er war ein Verwaltungsfachmann ohnegleichen. Er hat wahrscheinlich aus Ägypten eine großartige Verwaltung übernommen, die man nur als einmalig bezeichnen kann. Angefangen vom Kanzler bis zum Rentmeister hat er die verschiedensten Völker in sein großes Königreich integriert, von der Philisterstadt Ziklag über die Amalekiter, Moabiter, Ammoniter, Edomiter und die Syrer. Er hat ein Friedensreich begonnen. Er hat weitsichtig geplant, er hat sanftmütig handeln können, hat lange überlegt und blitzschnell gehandelt. David war ein Großer.
Und über all seinem Erfolg darf man nicht vergessen, dass er ein feinfühliger Mensch war, der immer wieder sogar seine Feinde durch seine Charaktereigenschaften beeindruckt hat. Und er war ein Künstler, ein Poet. Wenn wir heute die Psalmen Davids lesen, dann sagen wir: unerreicht. Was dieser David an Gaben alles in sich getragen hat, was das für ein Könner war, das war ein Leben, ein großer Mann!
Die Bibel erzählt uns das Leben Davids zweimal, in den Samuelbüchern und in den Chronikbüchern. Aber jedes Mal steht am Ende des Lebens Davids diese Geschichte. Sie haben vielleicht in Ihrer oft oberflächlichen Bibelkenntnis nur in Erinnerung, dass David gesündigt hat. Dann fällt Ihnen diese Frauengeschichte ein. Vielleicht ist das bei uns immer so, dass wir da vielleicht hängenbleiben. Es gab ja verschiedene Tiefpunkte, wo David von Gott abgefallen war, ganz am Ende des Lebens Davids noch einmal. Und so schildert die Bibel große Menschen.
David hat sich einen Sack angezogen, hat all seine kostbaren Kleider abgelegt und liegt vor Gott im Staube. Und wenn wir uns heute Morgen anschicken, Gott anzubeten, dann wollte ich, dass das unsere Haltung ist. Dass wir sagen: Herr, vor dir stehe ich mit meinem Leben, und ich sehe all meine Versäumnisse und Mängel.
Mein erster Punkt: Die Rechnung geht nicht auf, wenn wir das so groß immer ausrechnen, was wir alles im Leben geleistet haben, was wir vor allem in Liebe und Hingabe geopfert haben. Was hat der David Gott gedient, und am Ende liegt er vor Gott im Staube.
In unserer Zeit heute hält man davon nicht mehr viel. Holen Sie sich doch ein wenig um unter Bekannten und Freunden und selbst unter solchen, die sich für sehr christlich halten, was die bekümmert sind über ihre Sünde. Es hat mich jemand angesprochen, es muss irgendwo in einer Zeitung etwas gekommen sein von einem jungen Pfarrer, der sich über seine bibelfesten Eltern mokiert hat und der nun seine liberale Art fröhlich rühmte. Wenn das stimmt, was da in der Zeitung gestanden haben soll, und der sagte: Ich möchte ja nicht wie meine bibeltreuen Eltern die Menschen in Gut und Böse einteilen. Sagen Sie mal, wo macht denn das die Bibel?
Das machen die Leute heute, die sagen, die einen sind die Richtigen und die anderen sind die Falschen, die einen sind für Südafrika und die anderen dagegen, die einen für Kernkraft und die anderen dagegen. In der Bibel heißt es: Sie sind alle abgewichen, sie haben alle Unrecht getan, da ist nicht einer, der Gutes tut. Dann ist immer das, dass Menschen erschrecken über ihrer Schuld, und da bleibt nichts mehr vom Rühmen, und da ist aller Stolz dahin, selbst ein David, der wenigstens fünf Königskronen trug. Das ist ein Mann, der vor Gott im Staub liegt und sagt: Herr, sei mir Sünder gnädig. Ich lese Ihnen mal den 51. Psalm. Da war nichts mehr von Stolz. Das war nicht ein Mann, der sich erlaubte, über Gott zu Gericht zu sitzen, sondern der schrie: Herr, gib mir deine Gnade.
Schuld, Zählung und das Missverständnis menschlicher Sicherheit
Wie kam das denn im Leben Davids? David war ja in seinem Königsamt auch ein stolzer Mensch gewesen, und es wird keinen unter uns geben, der nicht auch von dieser Versuchung ergriffen wird. Es ist ja ganz verschieden, wo David immer wieder vom Satan versucht wurde. Und wir wollen ganz genau auch diese große Not noch einmal sehen, dass er stolz war, dass sich sein Herz überhob.
Was war denn das mit dieser Zählung des Volkes, damit es keine Missverständnisse gibt? Im alten Israel hat das Volk die Feinde nur so schlagen können, wenn man noch einmal die alten Berichte liest: Sie schrien zum Herrn, und dann lief das Volk zusammen auf das Signal der Trompete. Es war ein Glaubenswagnis. Man hat das Volk gar nicht so genau gezählt. Sie sind losgezogen, und die entscheidende Macht dieser Leute war nicht der Prügel, den sie in der Hand hatten, sondern Gott, der mit ihnen war. Es war ein Geheimnis über dem, was die Bibel den heiligen Krieg nennt.
Und als David nun im Amt war, wollte er schließlich genaue Musterungsunterlagen haben. Er will seine wehrfähigen Männer zählen. Er will sich mit den irdischen Fürsten vergleichen. Und das will Gott bei seinem Volk nicht. So töricht ist es, wie wenn man Kirchenglieder zählt und damit meint, man hätte das Reich Gottes auf Erden ein wenig in den Blick und in den Griff bekommen. Ob man Köpfe oder Füße zählt: Das Reich Gottes ist doch verborgen und in unseren Zahlenspielen nicht fassbar.
Und als David das tut, da straft Gott an ihm dieses überhebliche Rechnen, und er droht ihm eine Strafe an. Das wird ja in diesen Tagen auch immer wieder diskutiert, wenn man die Zeichen der Zeit plötzlich erkennt und sagt: Ist es möglich, dass Gott uns vielleicht ein Zorngericht schickt? Viele sagen, das dürften Christen nicht sagen, dass etwa moderne Krankheitsepidemien, die uns heimsuchen, Strafe Gottes sind. In der Bibel wird so etwas gesagt: dass Gott uns durch Ereignisse zur Besinnung rufen will, dass wir überlegen, ob das richtig war, was wir getan haben.
Das Furchtbare ist, dass viele Unschuldige mitgerissen werden. David sagt nicht: Ach, ich glaube nicht an einen strafenden Gott, für mich ist Gott ein lieber Vater. Nein, David schreit und sagt: Das ist schlimm, dass Unschuldige umkommen, ich bin doch schuld an allem. Er erkennt seine Sünde. Sprich das offen vor allen aus.
Wenn uns Gottes Heiligkeit begegnet, dann sehen wir Sünde. Das kann man Menschen nicht andemonstrieren. Man möchte in diesen Tagen oft mit Menschen zanken und sagen: Doch, doch, es gibt Schuld und es gibt Versäumnisse. Da sie es wissen, können wir es nur bezeugen und sagen: Der heilige Gott prüft auch dein Leben und sieht deine Schuld. Unser erbarmender, liebevoller Heiland redet in unser Leben hinein.
Welche Worte Jesu wollen Sie denn hören, wenn Jesus spricht: Wer mit seinem Bruder Streit hat, der ist des höllischen Feuers schuldig? Wenn Sie heute Morgen hergekommen sind und im Streit zu Hause leben, wenn Sie in Erbschaftsstreitigkeiten leben, da kann Gott Sie nicht segnen, wenn Ihre Rede nicht eindeutig ist. Ja, ein Ja, ein Nein, ein Nein. Dann stehen Sie unter dem Zorn des strafenden Gottes.
Und wenn Jesus sagt, wer eine Frau ansieht, eine verheiratete Frau, um ihrer zu begehren: Was spielt sich alles in unseren Fantasien ab? Der heilige Gott überführt uns von Schuld. Da geht die Rechnung nicht auf. Das ist unser erster Punkt. Das stimmt gar nicht mit dem, was wir immer an unseren guten Seiten entdecken. Da steht Gott mit seinem Engel gegen uns, und er hat das Schwert gezogen.
Wissen Sie, warum in Ihrem Leben so viel schwierig läuft und voller Probleme ist? Weil Gott gegen Sie ringt und gegen Sie kämpft? Wir haben so oft auch den Satz gesprochen angesichts der vielen Ungerechtigkeit in der Welt: Wo ist Gottes Gerechtigkeit? Wo ist sie denn? Wo ist denn Gott, der heimsucht? Gott sucht heim, und er sucht zuerst an seinen Leuten Schuld heim und stellt sie in sein Licht. Und das sehen wir an David.
Und deshalb bleibt nichts mehr von Ruhm und Glanz. David hat nur eine Bitte: Lass mich nicht in Menschenhände fallen. Die Menschen sind das Unberechenbarste und Schlimmste, was einem passieren kann. Krankheit ist nicht so schlimm, wie wenn man Menschen ausgeliefert ist. Und dann kommt jene schreckliche Pestkrankheit, die dieses Volk so dezimiert, dass plötzlich die ganzen Zahlen, die da zusammengestellt wurden, gar nicht mehr stimmen. Die David berechnet hat, es geht ganz anders. Und David hat keine exakten und genauen Zahlen mehr, sondern sie sind nicht mehr richtig. Sie sind falsch.
Vom Gericht zur Gnade: Reformation, Kreuz und Stellvertretung
In der Reformationsgeschichte gab es einen großen Einschnitt, als Luther damals in Acht und Bann erklärt war. Da ging er auf die Wartburg und zog sich dort einige Monate zurück. Dort stellte er die Bibelübersetzung fertig, und währenddessen war in Wittenberg die Reformation weitergegangen.
Da hatten vor allem einige Studenten gesagt: Wir müssen die Reformation, jetzt nachdem Martin Luther so auf geheimnisvolle Weise verschwunden ist, weitertreiben. Sie beriefen sich auf himmlische Träume und sagten, sie würden die Reformation jetzt auch erst richtig in die Tiefe führen. Es kam dort zu schrecklichen Auslassungen und zu schrecklichen Ereignissen. Schwärmerische Erfahrungen sind dort geschehen. Damals ist Luther hinuntergegangen, verkleidet nach Wittenberg, und schließlich hat er am Invokavitsonntag, den wir heute als Beginn der Fastenzeit oder der Passionszeit begehen, diese berühmte Invokavitpredigt gehalten.
Er hat das damals nicht bloß den gleichgültigen Zeitgenossen zugerufen, sondern genauso diesen überhitzten Schwärmern, bei denen sich nur die eigene Frömmigkeit so frei entwickelt hatte und die sich schon fühlten, als seien sie im Himmel. Ihnen hat er das Wort vom heiligen Gott zugerufen, vor dem sie stehen. Und Sie müssen immer beides festhalten: Es ist so gut, dass wir nie die sein können, die mit ihrer Frömmigkeit da schwelgen, sondern wir sind Menschen, die vor Gott mit der Schuld im Staube liegen.
Damals hat Luther diese Predigt gehalten, in der ihm die Worte nie vergehen können: Wir sind allesamt in den Tod gefordert, und keiner wird für den anderen sterben, sondern ein jeglicher muss mit seiner Person für sich mit dem Tod kämpfen. In die Ohren können wir es wohl schreien, aber ein jeglicher muss für sich selbst geschickt sein in die Zeit seines Todes. Ich werde nicht bei dir sein, und du wirst nicht bei mir sein.
Das war unser erster Punkt: Was ist die Rechnung deines Lebens? Geht sie auf? Sie geht nicht auf, wenn du vor Gott stehst.
Das Zweite ist: Es ist ein Preis zu zahlen. Der Arauna steht vor seiner Tenne. Ach, das muss ich Ihnen noch erklären. Auf unserer Tschad-Reise haben wir das wieder erlebt. Dort in den Bergen von Bitkin stehen so einsame Felsbrocken, die mitten in der Landschaft aufgerichtet sind, auf wunderbare Weise von der Natur. Und dort, auf diesen Bergesrändern, stehen überall die Bauern mit den Dreschflegeln, wie sie Hirse gedroschen haben. Mich hat dieses Bild besonders gefreut. Meine Frau wird es Ihnen am nächsten Sonntag dann noch zeigen, denn dort haben wir von Hilfe für Brüder eine große Hungerspeisung durchgeführt. Als die Leute in großer Not waren, haben wir dieses Saatgut bezahlt, als Wucherspekulanten diese Bauern in große Schulden treiben wollten. Und die Bauern waren so dankbar.
Denn Felsen werden zum Dreschen benützt, weil da das Korn nicht davonfliegen kann. Und oben pfeift der Wind darüber. Dann kann man sie auch hochwerfen, und man hat die Körner gleich gut gesammelt, weil sie nicht in den Sand fallen. Das kennen jetzt die Reisenden vom Heiligen Land gut, wenn sie einmal im Felsendom stehen und diesen großen Felsen sehen. Jetzt versteht man erst: Das war der Felsen, auf dem Arauna gedroschen hat. Der Felsen, der heute mitten im Felsendom steht. Und dort stand David, als das noch eine Tenne war, eines kanaanäischen Bürgers, nämlich eines Jebusiters, keines Israeliten.
Aber der Bauer Arauna war mit seinem Sohn sehr erschrocken. Er sah diese Erscheinung des Engels Gottes. Es gibt ja, dass Gott zu uns durch solche sichtbaren Zeichen reden kann. Und Arauna erschrak und sagte zu David: Wenn du ein Opfer bringst, ich gebe dir alles. Du darfst die Dreschschlitten zu Kleinholz machen, und du kriegst die Rinder, schlachte sie, nur versöhne uns mit Gott. Die Ungläubigen, die Heiden, und die von den anderen Religionen haben oft ein viel besseres Wissen von der Heiligkeit Gottes als die Menschen in einer nachchristlichen Welt.
Da muss man fragen: Was geschieht denn da, als David dieses Opferfleisch hinlegt und Feuer vom Himmel fällt? Kann das denn Schuld wegnehmen? Wie oft haben wir das in den letzten Wochen in seelsorgerlichen Gesprächen erörtert, wie Menschen sagten: Kann das noch einmal gut werden in meinem Leben, wo so viel durch meine Schuld zerstört ist? Es wäre ja einfach, wenn man da ein paar Rinder schlachten könnte. Nimmt das wirklich Schuld weg, die massiven Geschehnisse, Untaten meines Lebens?
Und da wird uns in der Bibel schon das Geheimnis Gottes deutlich, dass Gott eine Stellvertretung gelten lässt. Für unser Denken ist das völlig unbegreiflich. Wie soll ein anderer für mich gerade stehen können? Es geht ja gar nicht. Wie soll irgendein irdischer Mensch mich auslösen können? Die Bibel sagt ja schon im Alten Testament: Der Kälber und der Böcke Blut kann doch nicht das Böse meines Lebens heilen.
Aber das alles versteht man ja erst richtig, wenn man begreift, dass das auf Jesus hinweist. Und das müssen Sie beim Bibellesen immer im Auge haben. Dass Gott seinen Sohn dahingibt als das Opfer für meine Schuld. Und dann stirbt der Sohn Gottes für mich. Und das, was David damals erlebte, war ein Gleichnis, ein Vorausblick auf das, was einmal wunderbar kommen soll. Das war ja die Stätte, wo einst Abraham den Auftrag hatte, seinen Sohn Isaak zum Opfer darzubringen.
Und schon dieser Glaubensmann Abraham hat gewusst: Ich bin vor Gott so tief in der Schuld, die Rechnung geht nicht auf. Er wird sein Liebstes herlegen, aber das kann für sein Leben nicht die Auslösung bedeuten. Dann holt damals Gott noch ein Widder aus dem Gebüsch.
Muss das Ihnen heute so auf den Kopf zusagen: Sie haben mit Gott nur Frieden, wenn Sie unter dem Kreuz Jesu stehen, wenn Sie sagen: Sein Blut bedeckt meine Schuld, sein Kreuz bedeckt meine Schuld, sein Blut macht hell, mich und rein, mich. Für mich starb er, meine Schuld hat er getragen, mir hat er meine Last weggenommen, ich bin frei und los.
Und ganz gleich, wie Sie heute Morgen auch bekümmert und belastet und beschwert sind, was auf Ihrer Seele liegt: Da ist die erste Antwort Gottes: Ich bin nicht mehr gegen dich. Und der Engel steckt sein Schwert in seine Scheide. Muss sie fragen: Haben Sie noch mit Gott Krieg, streiten Sie mit ihm? Nein, sagte mir einer, ich hadere noch mit Gott. Wollen Sie das weiterführen, sind Sie wahnsinnig? Oder treten Sie um das Kreuz Jesu und sagen: Ich nehme dein Opfer an. Und ich verstehe das nicht. Sie werden nie verstehen, dass Jesus für meine Schuld gebüßt hat.
Wenn wir jetzt in die Passionszeit eintreten, soll mir dies immer größer werden: Du hast dein Leben für mich gelassen.
Da war ein siebzehnjähriger junger Mann, die Geschichte ist ja immer wieder geschrieben worden, aus einem großen Adelsgeschlecht, das in Reichsunmittelbarkeit zum Kaiser lebte. Die Mutter hat noch einmal geheiratet, weil der Vater bei seiner Geburt starb. Der österreichische Generalfeldmarschall war schon ein Geschlecht. Und als er sein Abitur hatte, hat die Oma, die ihn erzogen hat, eine Gräfin, dem jungen Mann eine einjährige Kavaliersreise nach Paris geschenkt. Es war Zinzendorf. Die Dienerschaft wurde mitgegeben, und das nötige Kleingeld. Eine eigene Kutsche hatte er zur Verfügung. Das wäre, wie wenn man heute einen Mercedes 350 für ein Jahr zur Verfügung stellt.
Und der junge Mann zog los mit siebzehn Jahren in eine barocke Weltensünde in Paris. Unterwegs geht er nach Düsseldorf, schaut die Bilder in der Gemäldegalerie an und bleibt stehen vor dem Bild von Domenico Feti, dem Kreuzesbild. Ein schlichtes Bild. Sie kennen es oft wiedergegeben mit der Dornenkrone. Es hängt in der Alten Pinakothek in München.
Und drunter stand: Das tat ich für dich, was tust du für mich? Das Kreuz Jesu fordert mein Leben, und aller Antrieb zur christlichen Tat ist immer nur von dort, vom Kreuz, ausgegangen. Wo es gequält durch deinen guten Willen kam, hat es noch nie etwas bewirkt. Wo deine gute Tat und deine Moral allein der Antrieb war, war es noch nie etwas. Das war die Kraft der Mission und der Diakonie, wo Gott sie gesegnet hat.
Da stand Zinzendorf davor und holte sein Tagebuch raus und schrieb: Ich fürchtete, dass ich dem Herrn möchte nichts antworten können, und ich bat ihn, dass er mich notfalls mit Gewalt in die Gemeinschaft seiner Leiden hineinreiße. Das hat Gott erfüllt bei ihm. Er hat Vertreibung und Schmach erlitten, wie wohl wenig andere.
Das ist die Frage, ob Sie Ihr Leben Gott zum Opfer bringen, nicht weil Sie es müssen, nicht weil Sie fromm leben sollen, nicht weil Sie christliche Moral brauchen, sondern weil Jesus für Sie starb und weil er Ihr Leben will.
Der Ort der Gegenwart Gottes und die Einheit unter dem Kreuz
Doch das Letzte hier wirkt Gott Großes. Sie sagten zuerst: Die Rechnung geht nicht auf. Das Zweite war: Wie kann ich vor Gott bestehen? Das Letzte hier wirkt Gott.
An dieser Stelle wird später ein Tempel errichtet werden. David darf ihn noch nicht bauen, aber Gott kündigt ihn ihm an. An dieser Stelle möchte er sich dem Volk offenbaren. Da wird Gott reden, da wird Gott anwesend sein.
Um es kurz zu machen: Unsere Zeit ist um. Worum geht es denn da? Wo ist denn Gottes Tempel? Gott braucht keine Bauwerke, keine irdischen Dome und Kathedralen. Wo ist denn Gottes Gegenwart? Wissen Sie, wo?
Da, wo das Kreuz Jesu ist, da ist Gottes Tempel. Da ist der Ort der Gegenwart Gottes, wo Menschen ihre Schuld erkennen und ins Licht Gottes treten, wo Menschen Versöhnung empfangen und mit Gott Frieden schließen, wo Menschen ihr Leben Gott weihen.
Das war das Geheimnis Davids, dass Gott ihn brauchen konnte. Nicht, dass er ein sündloser Mensch war. Wir wollen immer das Perfekte am Leben heraussuchen, und dabei bleiben wir bis zum Letzten unseres Lebens notvolle Persönlichkeiten. Aber wir stehen unter dem Kreuz Jesu. Und das ist die Freude unseres Glaubens, dass wir die Hand Gottes fassen, dass wir singen: Ist Gott für mich, so tritt gleich alles wieder mich.
Ich verliere die Angst, ich habe Mut, weil Gott für mich ist. Er hat sich in Jesus für mich erklärt. Wir kennen Gott. Gott ist für uns nicht mehr rätselhaft, auch wenn die ganzen Ereignisse dieser Welt rätselhaft sind. In Jesus verstehe ich seine Liebe.
Sie verstehen die Liebe Gottes nur am Kreuz. Wenn sie die schweren Ereignisse ihres Lebens anschauen, die bleiben rätselhaft. Sie sehen seine Liebe nur dort am Kreuz, wo er sie freundlich anblickt und sagt: Mein Sohn, dir sind deine Sünden vergeben.
Und selbst bibeltreue Leute können sich schrecklich in die Wolle kriegen. Die sind unterschiedlich in ihren Theologien und Meinungen. Sie müssen bloß einmal heute unter bibeltreuen Christen das Thema der Taufe diskutieren. Dann werden sie alle gegeneinander streiten. Und wir haben immer wieder welche, die uns in unserer Gemeinde verlassen, weil sie eine neue Tauflehre gefunden haben. Und dann sind sie so glücklich und gucken auf uns so weit herunter, dass wir noch so dumm sind. Und sie sind da ganz oben, und sie haben das Richtige erkannt.
Da will ich immer sagen: Sie dürfen die Tauflehre haben, welche sie wollen. Unter dem Kreuz sind wir eins. Und da vergessen wir unsere verschiedenen Theologien, die wir haben. Unter dem Kreuz sind wir eins: Jesus starb für mich. Das eint die Gemeinde Jesu. Es gibt keine andere Einheit der Gemeinde Jesu in dieser Welt.
In vielen Fragen mögen wir verschieden denken, aber das eint uns: dass Jesus für mich starb und bei mir ist. Und ich wollte, dass sie das große Davidsleben entdecken. Das war groß an David: ein Mann, der sich beugt unter seiner Schuld, der seine Mängel kennt und die Übertretungen vor Gott offen ausspricht, aber der unter der Gnade und Vergebung Gottes steht und von Gott gebraucht wird als Werkzeug.
Ach, wenn wir uns doch heute ganz Gott zu eigen geben! Amen!

