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Johannesevangelium 1,19-28 Johannes der Wegbereiter Gottes

Johannes 1,19-2801.12.2019
Serie•Teil 5 / 44Johannes-Evangelium
Wer bist du wirklich? Johannes zeigt: Du musst nicht mehr sein als dein Auftrag. Mutig bleibt, wer sich nicht mit fremden Rollen schmückt, sondern auf Jesus zeigt.

Ein ungewöhnlicher Einstieg in die Frage nach Identität

Mein Name ist Jürgen Fischer. Für alle, die mich nicht kennen und noch Fragen zur Predigt haben: Kommt gerne danach, ich bin noch ein Weilchen da. Ich muss auch nur ein Lied bei Linda mitsingen, von daher ist das auch zeitlich gut darstellbar.
So, wo haben wir das denn hier? Da wollte ich hin.
Ich möchte heute, wir sind in einer Reihe über das Johannesevangelium, mit einem Zitat anfangen. Und es gibt, ich habe ungefähr so mit einem dicken Daumen in meinem Leben tausend Predigten gehalten, und ich habe noch nie meines Wissens in meinem Leben das Zitat einer ehemaligen Schönheitskönigin gebracht. Also auch da etwas ganz Neues. Heute Morgen starten wir mit einem Zitat von Sophia Loren. Sie heißt eigentlich anders, aber das weiß keiner, deswegen ist das der Künstlername. Sie sagt: Ganz und gar man selbst zu sein, kann schon einigen Mut erfordern.
So, das war jetzt mein Beweis dafür, dass man schön und klug sein kann. Jetzt machen wir ganz normal im Johannesevangelium weiter und kommen am Ende auf das Zitat wieder zurück. Wir schauen uns nämlich einen Mann an, Johannes den Täufer heute, der genau das bewiesen hat: Ganz und gar man selbst zu sein, man selbst zu bleiben, braucht Mut. Johannes der Täufer macht uns das vor. Er ist einer, der heute gefragt wird: Wer bist du? Und der wirklich sagt: Hey, ich will nicht mehr sein als das, was Gott mir an Auftrag gegeben hat.
Von daher: Wir starten heute mit Johannes 1,19 und werden dann bis Vers 28 weitermachen. Wer die ganze Zeit dabei war, der weiß: Wir haben den Prolog des Johannesevangeliums hinter uns, und jetzt startet die eigentliche Geschichte. Ist ja auch irgendwie mal dran. Ja, wir sind bei der sechsten Predigt angekommen, es ist ja gut, dass dann irgendwann das Evangelium auch mal losgeht.
Und hier an der Stelle begegnet uns im Text erst einmal etwas Merkwürdiges. Wir starten jetzt mit dem Evangelium, und schon im Prolog wurde uns deutlich gesagt, dass Johannes der Täufer nicht der Messias ist. Johannes 1,6-8 haben wir schon gelesen: Da war ein Mensch von Gott gesandt, sein Name Johannes, eben nicht der Apostel, sondern der Täufer. Dieser Johannes kam zum Zeugnis, um von dem Licht zu zeugen, also von Jesus, damit alle durch ihn glaubten. Und damit man ihn nicht mit Jesus verwechselt, heißt es dann im Text: Er war nicht das Licht, sondern er kam, damit er von dem Licht zeuge.
Und das Merkwürdige im Text jetzt ist: Wir wissen eigentlich schon so ein bisschen, wer Johannes ist. Das wurde schon mal abgehandelt, und jetzt kommt das gleiche Thema noch einmal. Also werden wir uns jetzt die ganze Predigt lang mit dieser Frage noch einmal beschäftigen: Wer ist eigentlich Johannes? Obwohl wir das schon wissen, dass er nicht das Licht ist, dass er kam zum Zeugnis von dem Licht. Wir wissen das alles schon.
Trotzdem kommt jetzt im Text: Wer ist Johannes? Die Frage ist: Warum? Warum diese extreme Betonung, wer Johannes der Täufer ist? Wir wissen das natürlich nicht in letzter Konsequenz. Also ich habe jetzt nicht Johannes den Apostel gefragt: Sag mal, warum schreibst du am Anfang von deinem Evangelium zweimal dasselbe? Aber was wir wissen und was uns einen Hinweis geben kann, das ist: Es gibt einen Kirchenvater, der heißt Irenäus von Lyon, und der hat im zweiten Jahrhundert etwas gesagt zu der Frage, wer das Johannesevangelium geschrieben hat und wo das eigentlich geschrieben wurde. Da gibt es einen Text von Irenäus von Lyon, da sagt er: Danach gab Johannes, der Jünger des Herrn, der auch an seiner Brust gelegen hat, auch selbst ein Evangelium heraus, Achtung, als er in Ephesus in Asien weilte, im Kreis der Presbyter.
Also hier sagt im zweiten Jahrhundert ein Kirchenvater: Das Johannesevangelium wurde von Johannes, dem Apostel, geschrieben, und zwar als er in Ephesus war. Okay, wenn das stimmt, dann wird dem einen oder anderen vielleicht jetzt klar, warum diese starke Betonung auf Johannes den Täufer. Ich zeige euch mal noch eine andere Stelle, bevor wir dann weitermachen: Apostelgeschichte 19, ganz andere Geschichte, Apostelgeschichte. Da geht es um Paulus, aber es geht um den gleichen Ort. Da heißt es in Apostelgeschichte 19 ab Vers 1: Es geschah aber, während Apollos in Korinth war, dass Paulus, nachdem er die höheren Gegenden durchzogen hatte, also ein bisschen durchs Mittelgebirge, nach Ephesus kam.
Interessant, jetzt sind wir also, haben eben gehört, das Johannesevangelium wurde wahrscheinlich in Ephesus geschrieben, und jetzt eine andere Geschichte, wo Paulus nach Ephesus kommt. Und dann heißt es da: Und er fand einige Jünger. Und wenn du da aufhörst zu lesen, dann denkst du, das sind Christen, sind sie aber nicht. Und er sprach zu ihnen: Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig geworden seid? Spannende Frage, bis heute eine der schönsten Fragen überhaupt für mich in der Bibel: Hast du den Heiligen Geist empfangen, als du gläubig geworden bist? Hat sich da in deinem Leben grundlegend etwas geändert?
Und jetzt die Antwort von diesen Jüngern, und jetzt merken wir schon: Wir würden das gerne in Anführungs- und Schlusszeichen setzen, das Wort Jünger, weil bis zu der Stelle ist ein Jünger einer, der Jesus nachfolgt. Sie aber sprachen zu ihm: Wir haben nicht einmal gehört, ob der Heilige Geist überhaupt da ist. Also hat er den empfangen? Und die sagen: Also, wir können mit dem ganzen Thema nichts anfangen.
Vor Ephesus trifft er auf Leute, die sind gläubig, die kommen irgendwo aus dem Dunstkreis des Christentums irgendwie, ja, aber auf die Frage: Hast du den Heiligen Geist empfangen? müssen die sagen: Ja, mit dem Thema kann ich jetzt gerade nichts anfangen. Und er sprach: Worauf seid ihr denn getauft worden? Und jetzt kommt: Sie aber sagten: Auf die Taufe des Johannes. Ihr merkt: Rund um Ephesus trifft man auf Leute, die, wenn man sie fragt: Worauf bist du getauft worden?, nicht sagen: Na, ich bin auf Jesus getauft, sondern auf die Taufe des Johannes. Paulus aber sprach: Johannes hat mit der Taufe der Buße getauft, indem er dem Volk sagte, dass sie an den glauben sollten, der nach ihm komme, das ist Jesus. Also diesen Aspekt hatten sie noch nicht verstanden. Als sie es aber gehört hatten, ließen sie sich auf den Namen des Herrn Jesus taufen. Die machen also dann alles richtig.
So, warum die Geschichte? Der Text soll euch zeigen, dass es in Ephesus zu der Zeit von Paulus, also sagen wir mal so 57 nach Christus plus/minus, und das ist auch ganz, ganz grob gesprochen mal die Zeit, wo das Johannesevangelium abgefasst wird, dass es dort eine starke Verehrung von Johannes dem Täufer gab. Da gab es eine große Community. Die hat ihre Wurzeln zurückgeführt auf das, was da draußen in der Wüste mit Johannes dem Täufer passiert war. Und die wohnten jetzt da, und die waren so begeistert davon, dass man denen erst einmal erklären musste, dass sie noch nicht am Ziel sind, dass da noch was kommt.
Und wenn man sich vorstellt, du schreibst ein Evangelium in eine solche Zeit, in eine solche Stadt hinein, wo es das gibt, dann macht es plötzlich Sinn zu sagen: Also das Thema, wer ist denn jetzt Johannes und was wollte Johannes? Das, was Paulus hier mit wenigen Sätzen abhandelt, das bringe ich, wenn ich jetzt ein Evangelium schreibe in diesem Kulturkreis, deutlich heraus. Und deswegen noch einmal Johannes: Johannes 1,19-20. Und dies ist das Zeugnis des Johannes, als die Juden aus Jerusalem Priester und Leviten zu ihm sandten, damit sie ihn fragen sollten: Wer bist du? Also jetzt haben wir noch einmal dieses Zeugnis. Und er bekannte und leugnete nicht, und er bekannte: Ich bin nicht der Christus.
Und du denkst dir: Hallo, danke, schön, weiß ich schon. Ja, du bist nicht das Licht, kamst zum Zeugnis für das Licht, weiß ich doch schon. Er sagt es aber trotzdem noch einmal. Hier das Wort: Als die Juden aus Jerusalem sandten, Priester und Leviten. Dieser Begriff „die Juden“ sind im Johannesevangelium nicht einfach alle Juden, sondern man merkt das hier schon: Das ist so etwas wie die Elite. Es sind die Leute, die etwas zu sagen haben. Weiter unten im Text werden wir sehen: Es sind die Pharisäer. Und diese Leute, die werden unruhig. Sie werden unruhig in dem Moment, als Johannes der Täufer seinen Dienst beginnt.
Warum? Ganz einfach: Wenn ich jetzt meine Kinder fragen würde, er war ein Reformator, wisst ihr noch, das Wort hatten wir mal, ja, er war ein Reformator. Er war jemand, der sich hinstellt und predigt. Jetzt nicht in Jerusalem, sondern in der Wüste. Und dann heißt das, dass wirklich viele Leute, in Markus 1,5 heißt es, und es ging zu ihm hinaus das ganze jüdische Land und alle Bewohner von Jerusalem. Okay, das mag ein bisschen übertrieben sein und nicht mathematisch gemeint, aber das war richtig viel. Das ist so wie: Habt ihr das mit den Traktoren in der Stadt erlebt, jetzt in der Stadt? Da fahren dann, wenn die Stadt voller Traktoren ist, da sind alle Traktoren? Nein, das sind nicht alle, aber es sind genug gekommen, um den Verkehr zum Erliegen zu bringen.
Und hier auch: Du gehst in die Wüste, weil du denkst, ich will mir auch mal die Predigt anhören von Johannes dem Täufer, und du siehst schon: No! Also ich wäre dann der Typ, ja, ich sehe von Ferne die Massen und denke mir: No sir, wir gehen nach Hause, Schatz, das ist mir hier einfach viel zu voll. Und die Leute, die in Jerusalem das Sagen haben, die kriegen das mit. Sie kriegen mit, dass viele Leute dahingehen, viele Leute Predigten hören von Johannes dem Täufer, innerlich berührt werden, Buße tun, also zu Gott umkehren, und sich dann noch zu allem Überfluss taufen lassen zur Vergebung ihrer Sünden.
Und jetzt stehen diese Eliten daneben und wissen nicht so genau, was sie tun sollen. Sie sind einerseits zu stolz, um sich selber taufen zu lassen. Das machen sie nicht. Also so weit, dass sich von so einem dahergelaufenen Wanderprediger, der irgendwo in der Wüste seine Predigten hält und wo so das gemeine Volk, die Laien, sich überführen lassen von ihrer Sünde, von dem sich selber, dass der mich über... nein, nein, nein, also da stehen wir schon drüber. Auf der anderen Seite: Sie sind zu stolz, um sich selber taufen zu lassen, aber sie wissen gleichzeitig nicht, was mache ich jetzt mit diesem Phänomen Johannes. Und deswegen schicken sie Priester und Leviten und fragen: Wer bist du?
Und Johannes antwortet: Ich bin nicht der Christus, oder hebräisch: der Messias. Ja, auf diesen Messias, auf den Retter warteten alle. Und man muss natürlich sagen: Ja, so wie Johannes auftritt, wenn man jetzt so gedacht hätte, da kommt der Retter Israels, das hätte schon gepasst. Das wäre so, wenn man mal überlegt, wer hätte es denn sein können, das wäre es schon, der passt wirklich ins Bild. Und dann diese Enttäuschung: Ich bin nicht der Christus. Tja, wer dann? Wer dann? Jemand mit so viel Einfluss, wie er es jetzt gerade hat, auf die Menschen. Wer ist es denn dann? Da muss es doch irgendwo im Heilsplan Gottes jemanden geben, der er ist. Der kann doch nicht einfach nur so da sein.
Es gibt verschiedene Optionen, die gehen sie jetzt einfach mal durch. Johannes 1,21 am Anfang heißt es dann: Und sie fragten ihn: Was denn, bist du Elia? Und er sagt: Ich bin es nicht. Elia kennt jeder, der auch nur einmal in seinem Leben eine Kinderbibel durchgeblättert hat. Also das ist eine wirklich ganz wichtige Figur des Alten Testaments. Das ist ein Typ, der betet, und es hört auf zu regnen. An einer anderen Stelle, da wird es dann ein bisschen ungemütlich für die Leute, da betet er wieder und es fällt Feuer vom Himmel. Und dann, für alle, die das noch nicht gelesen haben, lest euch das durch, es gibt da so eine Prayer Battle. Er gegen 400 Baalspriester. Und unglaublich, unglaublich spektakulär, es geht um die Frage, wer kann Feuer vom Himmel holen, auf wessen Gebet reagiert Gott. Und die 400 kriegen das null auf die Reihe, und er nimmt dann noch Wasser und schüttet es über das Opfer, bis er wirklich schreit, wo du sagst: Boah, hier kannst du Feuer vom Himmel schicken und da brennt nichts. Und dann ein Gebet und basch, das ist Elia.
Warum ist Elia wichtig? Na ja, letztes Buch des Alten Testaments, kleiner Prophet Maleachi, gibt ziemlich zum Schluss eine Verheißung. Das ist jetzt auch mal chronologisch betrachtet die letzte Verheißung vor dem Neuen Testament. Also diese Verheißung kommt mit Maleachi, und dann kommt quasi 400 Jahre mal spricht Gott gar nicht. Diese Verheißung habe ich euch natürlich mitgebracht, die geht so: Maleachi 3,23-24. Da sagt Maleachi: Siehe, ich sende euch den Propheten Elija. Jetzt merkt ihr schon: Ah, es gibt eine Verheißung. Ich sende euch den Propheten Elija, bevor der Tag des Herrn kommt, der große und furchtbare. Der Tag des Herrn ist immer ein Tag des Gerichts. Bevor Gott also richtig richtet, kommt Elija. Und er wird das Herz der Väter zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu ihren Vätern umkehren lassen, das ist Friede in der Familie, damit ich nicht komme und das Land mit dem Bann schlage.
Das ist der Text. Hier ist eine Verheißung: Bevor Gott richtet, bevor der Tag des Herrn kommt, kommt Elija. Und deswegen die Frage: Bist du Elia? Und jetzt wird es ein klein bisschen tricky. Ich mache gerne so Frage-Antwort-Runden. Und hier taucht gerne folgende Frage auf: Warum sagt Johannes der Täufer: Ich bin es nicht, wenn Jesus von seinen eigenen Jüngern an einer anderen Stelle zu eben dieser Verheißung gefragt sagt, Johannes der Täufer ist Elia? Das ist komisch. Also Johannes sagt: Ich bin es nicht.
Ich zeige euch die andere Stelle: Matthäus 17, da ist gerade hinter uns liegt der Berg der Verklärung, Jesus hat gerade gestrahlt, und jetzt gehen die da wieder runter, und die Jünger fragten ihn und sprachen, Matthäus 17,10 folgende: Was sagen denn die Schriftgelehrten, dass Elia zuerst kommen müsse? Das haben die Schriftgelehrten gepredigt, also bevor der Messias kommt, muss Elia kommen. Er, Jesus, aber antwortete und sprach zu ihnen: Elia kommt zwar und wird alle Dinge wiederherstellen. Ich sage euch aber, dass Elia schon gekommen ist. Aha, schon gekommen ist, interessant, und sie haben ihn nicht erkannt, sondern an ihm getan, was sie wollten. Ebenso wird auch der Sohn des Menschen von ihnen leiden. Da verstanden die Jünger, dass er von Johannes dem Täufer zu ihnen sprach.
Hallo, also Jesus redet so, dass die Jünger total verstehen: Diese Verheißung, ja, da muss erst Elia kommen, erfüllt sich mit Johannes dem Täufer. Also ist doch Johannes der Täufer Elia, oder? Irgendwie schon. Und dann fragt man Johannes den Täufer: Bist du denn jetzt Elia? Und er sagt: Nö, bin ich nicht.
Das ist eine beliebte Frage bei so Frage-Antwort-Runden. Ja, weil wenn man ein bisschen mehr Bibelwissen schon hat, ist das so ein: Hä, wie passt das denn gut? Also warum sagt Johannes der Täufer auf die Frage: Bist du Elia? nicht einfach: Ja, schön, dass ihr es gemerkt habt? Wäre ja auch eine Antwort gewesen. Zuerst einmal: Er hat nicht bewusst gelogen. Also um das nur vorauszuschicken, das machen Propheten nicht. Aber Johannes der Täufer wusste natürlich, was mit dieser Frage „Bist du Elia?“ gemeint war. Er erkannte die Erwartungshaltung hinter der Frage, die Erwartungshaltung seiner Zeit zu diesem Elia. Und wenn man sich so ein bisschen die rabbinischen Schriften anschaut, dann stellt man fest: Diese Elia-Figur, die da verheißen wird, das ist einerseits wirklich der alttestamentliche Prophet in Person, also der, der im Alten Testament lebte, der wurde wieder erwartet. Und es ist irre, was der alles konnte. Das ist so eine Art Superman der Endzeit geworden in der Erwartung der Leute. Kommt gleich, ja? Und genau das, nämlich die Person selber und dieser Superman, genau das war Johannes eben nicht.
Er kam, wie das ist, wenn der Vater von Johannes, der bekommt von einem Engel, von einem Engel Gabriel, Besuch. Und der Engel sagt ihm: Du wirst einen Sohn bekommen. Und dann erklärt ihm der Engel Gabriel, dass dieser Sohn in dem Geist und in der Kraft des Elia kommen würde, das ist in Lukas 1. Er kommt im Geist und in der Kraft des Elia, aber es ist eben nicht Elia. Es ist jemand, der von seinem Dienst so ähnlich ist wie Elia, also auch so einen Aufbruch provoziert, aber es ist nicht Elia in Person. Du hast das richtig gesagt, ja? Es ist keine Reinkarnation von Elia. Es wird manchmal behauptet in esoterischen Zirkeln, Elia sei reinkarniert. Nein, ist er nicht, muss er auch gar nicht, weil um reinkarniert zu werden, musste vorher sterben. Also im Allgemeinen passiert das so: Erst stirbt man, dann wird man reinkarniert. Elia ist nie gestorben, er ist leibhaftig in den Himmel aufgefahren, und er war tatsächlich danach noch einmal kurz auf der Erde. Das ist die Geschichte vom Berg der Verklärung, wo er sich mit Mose kurz auf dem Berg der Verklärung als Person Elia mit Jesus unterhält.
Also Johannes ist Johannes und Elia ist Elia, und mit dieser Frage „Bist du der Elia?“ wollen die Juden wissen, ob er Elia als Person ist. Und dazu kann dann tatsächlich Johannes der Täufer nur sagen: Nein, das, was ihr erwartet, erfülle ich nicht, ich bin es nicht. Und er sagt das, obwohl er gleichzeitig in einem gewissen Sinn die Erwartung, die Verheißung aus Maleachi 3,23-24 erfüllt, aber eben nicht in dem Sinn, wie die Fragesteller das erwartet haben. Und das ist die Spannung: Du beantwortest eine Frage nach dem, was wirklich gefragt wird, und wenn du sagst: Sorry, das, was ihr da denkt, das bin ich nicht, in einer anderen Weise vielleicht schon, aber so, wie ihr das gefragt habt, so nicht.
Na gut, wenn du nicht Elia bist, wir haben da noch jemanden im Programm: Zack, bist du der Prophet? Johannes 1,22. Und er antwortete: Nein. Das ist jetzt ein bisschen leichter. Mose kündigt eine Person an, die man den Propheten nennt. Das ist 5. Mose 18,15.18. Da heißt es: Einen Propheten wie mich wird dir der Herr, dein Gott, aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern, erstehen lassen; auf ihn sollt ihr hören. Also wir sind noch in der Wüstenwanderung, Mose sagt: Hey, ich bin jetzt so der Prophet, der euch den alten Bund gebracht hat, und so einer wie ich es bin, der kommt wieder. Ihr kriegt noch einmal so einen Propheten. Einen Propheten wie mich wird dir der Herr, dein Gott, aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern, erstehen lassen. Hier wird auch manchmal von Muslimen behauptet, das sei eine Verheißung auf Mohammed. Nein, ist es nicht, es ist ein Israelit, steht ja hier: aus meinen Brüdern. Auf ihn sollt ihr hören. Und dann noch einmal kurz darauf, Vers 18: Einen Propheten wie dich will ich ihnen aus der Mitte ihrer Brüder erstehen lassen, ich will meine Worte in seinen Mund legen, und er wird zu ihnen alles reden, was ich ihm befehlen werde.
Der Prophet war ein Israelit, und er war so etwas wie ein zweiter Mose. Und ich glaube, ihr ahnt schon, wer das ist. Ja, das ist eine Prophezeiung auf Jesus, die hätte man jetzt heute Morgen, ja, Erster Advent, hätte man auch aus dem Alten Testament vorlesen können, vielleicht kommt sie noch, dann habe ich euch eine weggenommen, vergebt mir das, ja. So wie durch Mose der alte Bund ins Leben gerufen wurde, so wurde durch Jesus, den anderen Propheten, den zweiten Mose, der neue Bund ins Leben gerufen. Ja, Mose bringt das Gesetz, und mit Jesus kommt das Evangelium. Das ist die Verheißung.
Man hat also die Figur, und man fragt: Sag mal, Johannes, bist du der? Nein, ist er nicht. Er ist nicht der Christus, er ist nicht Elia, er ist nicht der Prophet. Jetzt wird es langsam eng, weil wir haben nicht beliebig viele Figuren im Alten Testament, die mit so einem Menschenauflauf und all dem, was da gerade in der Wüste passiert, zusammenpassen. Sie sprachen nun zu ihm: Wer bist du, damit wir Antwort geben denen, die uns gesandt haben? Was sagst du von dir selbst? Okay, wenn ich jetzt keine Ideen mehr habe, frage ich also denselben. Und seine Antwort geht so.
Vers 23: Er sprach: Ich bin die Stimme eines Rufenden in der Wüste: Macht gerade den Weg des Herrn, wie Jesaja, der Prophet, gesagt hat. Und du denkst: Ja, vielen herzlichen Dank. Man hat ja manchmal so, wenn Jesus auf eine Frage antwortet, den Eindruck, hat er jetzt wirklich auf die Frage geantwortet? Weil er kann die jetzt ja was damit anfangen. Hier so ähnlich: Wer bist du? Ja, wie heißt das in Jesaja 40? Mal das Originalzitat: Eine Stimme ruft in der Wüste: Bahnt den Weg des Herrn, ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott. Das bin ich. Ach ja, okay.
Ja, was will Johannes damit sagen? Also bist nicht der Christus, bist nicht Elia, bist nicht der Prophet, aber eine Stimme, das bist du? Ja, bin eine Stimme. Aha, okay, was sagt er damit? Er sagt so viel wie: Ich lese nochmal Johannes selber vor: Stimme eines Rufenden in der Wüste: Macht gerade den Weg des Herrn, wie Jesaja, der Prophet, gesagt hat. Johannes sagt: Ich bin Wegbereiter Gottes. Ich bin die Stimme, die ruft: Bahnt einen Weg, ebnet in der Steppe eine Straße. Es ist das Bild eines Herolds, also eines Herolds, das so ein Ausrufer ist, einer, der vorne wegläuft, und der dafür sorgt, dass, bevor der König kommt, Advent, bevor der König kommt, die Straßen ausgebessert werden. Das ist wirklich so platt. Der geht vorne weg und schaut: Na ja, wo sind die Löcher in der Straße, wo stinkt es ein bisschen extrem, wo müsste man vielleicht ein bisschen noch was machen, dass es da ein bisschen netter aussieht. Das ist sein Job. Und Johannes sagt: Das mache ich.
Nur dass Johannes keine Straßen ausbessert, sondern Herzen. Also wenn Gott Mensch wird und in der Gestalt Jesu die Welt betritt, dann kann er mit Schlaglöchern leben, solange er auf Menschen trifft, die mit ganzem Herzen an Gott hängen. Und das ist die Aufgabe von Johannes. Er predigt die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden. Er predigt, dass Menschen aufhören mit Halbheiten, mit Kompromissen, mit ein bisschen Glauben. Er predigt, dass Gott unser Herz haben will, dass Gott tatsächlich unser Leben haben will, und deswegen ist ihm Buße wichtig: ehrliche Umkehr zu Gott. Johannes predigt: Schluss mit Heuchelei. Schluss mit frommer Show. Schluss auch mit Selbstgerechtigkeit. Und auf diese Weise, indem er das predigt, indem Herzen sich für Gott öffnen, werden quasi im Bild gesprochen die Schlaglöcher zugemacht. Auf die Weise bahnt er den Weg des Herrn, und er bereitet Menschen vor auf die Begegnung mit Gott.
Verse 24 und 25: Und sie waren abgesandt von den Pharisäern, und sie fragten ihn und sprachen zu ihm: Was taufst du denn, wenn du nicht der Christus bist, noch Elia, noch der Prophet? Also wir sehen hier einmal, dass die Juden von vorne hier identisch sind mit den Pharisäern. Die Pharisäer sind eine relativ kleine, wir würden heute sagen ultrakonservative, aber sehr einflussreiche Gruppe in Israel. Und wir sehen auch, was das Problem der Fragenden ist. Sie können mit diesem Johannes einfach nichts anfangen. Also er tauft, und Taufe ist eine richtig große Sache. Also Taufe heißt: In der damaligen Zeit gab es eigentlich keine Taufe in dem Sinne für Juden, es gab Taufen für Heiden. Wenn ein Heide Jude werden wollte, dann musste er sich taufen lassen, eine sogenannte Proselytentaufe. Das heißt, was Johannes zu den Juden sagt: Wenn ihr mit Gott ins Reine kommen wollt, dann müsst ihr euch für den Moment mal so verhalten, wie ein Heide das tun würde, wenn er Jude werden will. Du musst also ehrlich zugeben: Ich gehöre hier eigentlich gar nicht zu dem Volk Israel dazu, ich bin gar nicht Teil dieses Volkes, aber ich würde gerne wieder reinkommen.
Das ist ein ganz irrer Schritt, sich hinzustellen und zu sagen: Wir nehmen dieses Zeichen. Und dann bist du weder der Christus noch Elia noch der Prophet. Wie traust du dich eigentlich, so aufzutreten? Also wenn du so eine große Figur aus dem Alten Testament wärst, ja, aber was erlaubst du dir eigentlich, wenn du wirklich nur so eine Stimme bist? Ja, wir sind alle Stimmen irgendwie, oder? Wir reden alle irgendwie über Gott. Was nimmst du dir daraus? Das ist doch keine Kleinigkeit.
Was antwortet jetzt die letzten drei Verse? Ich lese euch mal vor die Antwort: Johannes antwortete ihnen und sprach: Ich taufe mit Wasser; mitten unter euch steht, den ihr nicht kennt, der nach mir kommt, vor dem ich nicht würdig bin, den Riemen seiner Sandale zu lösen. Also er redet über Jesus. Dies geschah zu Bethanien jenseits des Jordan, wo Johannes taufte.
Also die Frage: Was taufst du, warum taufst du? Antwort: Hm, was ist die Antwort? Er gibt keine. Das ist total fies. Er sagt nichts. Was Johannes der Täufer, wenn ihr mal das Johannesevangelium lest, immer tun wird, ist, auf Jesus hinzuweisen. Es ist völlig Wurst, warum er tauft. Wenn die Leute, die gefragt haben, wenn sie eines verstehen, dann dass der Messias nämlich schon da ist. Als sie ihn fragen, hier hatte er den Messias bereits gesehen und erkannt. Sie kommen mit dieser Frage: Wer bist du? schon viel zu spät. Es geht jetzt schon nicht mehr um ihn, den Herold, die Stimme, Johannes den Täufer. Es geht nur noch um den, der kommt.
Wie sagt er das? Der nach mir kommt, vor dem ich nicht würdig bin, den Riemen seiner Sandale zu lösen. Eure Frage ist nicht mehr relevant, wer ich bin. Ich bin schon so eine Sternschnuppe, die verglüht. Kümmert euch nicht mehr um mich. Ich bin schon Auslauf, ich bin schon abgesetzt, ich bin schon raus aus dem Spiel, weil der Messias ist bereits da. Und was Johannes immer wieder sagen wird, ist: Bitte, bitte verpasst jetzt bei aller Fragerei, bei allem Interesse an dem, was Gott gerade durch mich macht, bitte verpasst nicht den Messias. Schaut nicht auf mich, schaut nicht auf meinen Dienst, meinen Einfluss, sondern versteht, dass es einen gibt, der nach mir kommt, der ist viel größer. Gott kommt, verpasst ihn nicht.
Ja, haltet euch nicht länger bei mir auf, sondern sucht den, der so bedeutend ist, dass ich nicht mal wert wäre, mich vor ihm hinzuknien wie ein Sklave und meine dreckigen Schuhriemen zu lösen. Versteht ihr? Da kommt so etwas Großes, ich bin es nicht, er ist es.
Frage: Wie kann dieser Text in unser Leben hineinsprechen? Und natürlich kann er eines tun, und das soll dieser Text auch tun: Er soll unseren Fokus auf Jesus lenken. Bitte, das ist immer gut. Wir sind heute Morgen als lebendige Bausteine eines Tempels hier. Hier ist Tempel, und du bist ein Baustein, und wir bringen geistliche Schlachtopfer, und im Zentrum steht unser Gott, dem wir dienen. Wir sind hier wegen ihm. Das ist richtig.
Aber ich möchte gerne noch einen anderen Schwerpunkt zum Schluss bringen, und das war dieses Zitat: Ganz und gar man selbst zu sein kann schon einigen Mut erfordern. Ich möchte den Text heute nehmen und zeigen, dass es Johannes einfach nur reicht, er selbst zu sein. Warum ist das wichtig? Weil es nicht immer einfach ist, man selber zu sein. Weil vielleicht nicht in jedem, aber in den meisten von uns der Wunsch schlummert, mehr sein zu wollen, als wir sind, etwas mehr Erfolg zu haben, etwas mehr Anerkennung zu bekommen, etwas mehr Instagram-Follower, etwas mehr im Mittelpunkt stehen. Das steckt irgendwie in uns drin, dieser Wunsch, ein bisschen mehr sein zu wollen, als wir eigentlich sind, nicht nur Stimme zu sein.
Paulus sagt dazu in Römer 12,3: Denn ich sage, durch die Gnade, die mir gegeben wurde, jedem, der unter euch ist, es betrifft anscheinend die ganze Gemeinde, nicht höher von sich zu denken, als zu denken sich gebührt. Also du musst dich auch jetzt nicht extra klein machen, darum geht es auch nicht. Aber ich schaue mir jetzt mal die andere Seite an: nicht höher von sich zu denken, als zu denken sich gebührt, sondern darauf bedacht zu sein, dass er besonnen sei, wie Gott einem jeden das Maß des Glaubens zugeteilt hat. Und mit Glauben sind hier Glaubensgaben gemeint, das, was mich auszeichnet als Mensch, und Gott hat mir das Maß des Glaubens zugeteilt, und wir brauchen Besonnenheit, wir brauchen Klugheit, um darüber nachzudenken, wer sind wir, und wir brauchen das, damit wir nicht höher von uns denken, als zu denken sich gebührt.
Es ist nämlich wahrscheinlich für viele von uns gar nicht so einfach, ein klares Ja zu mir selber zu finden. Es ist einerseits ein Vorrecht, die Rolle einzunehmen, die Gott mir zugewiesen hat. Es ist ja seine Geschichte und nicht meine. Andererseits ist es eine böse Versuchung, mehr sein zu wollen, als diese Rolle hergibt. Wir finden Johannes den Täufer vielleicht total cool, aber habt ihr euch mal überlegt, wie es ihm dabei ging? Du bist der Typ in der Wüste. Also Wüste klingt wahrscheinlich 24 Stunden toll, wahrscheinlich nicht mal 24, weil Wüste am Tag zu heiß ist, Wüste ist kalt in der Nacht und ganz schön staubig. Du bist der Typ in der Wüste. Dann hast du diese schräge Heuschrecken-und-Honig-Diät. Heuschrecken und Honig, Honig und Heuschrecken. Du kannst dir das überlegen. Da ist kein Cheeseburger dabei, aber es ist Heuschrecken und Honig und Honig und Heuschrecken. Dann hast du keine Familie. Du bist übrigens Nasiräer, hast doch noch nie eine Weintraube gegessen oder einen Schluck Wein getrunken, also fällt alles raus.
So, dann predigst du und anstehend von morgens bis abends. Und es ist toll, die Leute kommen, ganz super, du hast so einen Moment in deinem Leben, da bist du erfolgreich. Ja, du bist der Typ, den alle toll finden. Was dieser Text nicht sagt, was wir aus Matthäus 11 wissen, ist: Das kippt irgendwann. Und genau die Typen, die dich eben noch toll fanden, für die du eben noch Star warst, die fangen jetzt an, du hast sie eben noch getauft, und jetzt fangen sie an, hinter deinem Rücken über dich zu reden und zu sagen: So wie der drauf ist, der muss dämonisch besessen sein. Dann grenzen sich die Leute von ihm ab, dann gibt es Knatsch mit Herodes, du wirst ins Gefängnis gesteckt, und Herodes feiert seinen Geburtstag, eine junge Frau tanzt, und weil Herodes wahrscheinlich einen hinter der Binde hatte, verspricht er ihr: Du kannst mir verlangen, was du willst, ja, und weißt du, was sie will? Genau. Sie will deinen Kopf. Du wirst einfach mal umgebracht. Zack, Kopf ab.
Wie gesagt, dieser eine Moment, wenn du in der Wüste stehst und dir huldigen die Massen, ich denke, den hätten wir alle gerne mitgenommen. Aber die dreißig Jahre, bist du so alt, dass du die ganze Zeit in der Wüste bist, die ganze Zeit allein, du frierst, wirklich jede Nacht frierst du, jeden Tag ist es dir zu heiß, du hast keine richtige Dusche, nichts, und dann ständig Heuschrecken und Honig. Und dann geht es irgendwann los, und es gibt so ein, zwei Jahre vielleicht Popularität, und dann wieder bläh. Am Ende hängst du in so einem Kerker und bist dir nicht ganz sicher: Ist Jesus wirklich der Messias? So fertig bist du. Das ist die Geschichte von Johannes dem Täufer. Ist das eine Rolle, die wir gern hätten?
Was wir heute gelesen haben, ist folgendes: Er hatte damit kein Problem. Johannes, wer bist du? Stimme eines Rufenden in der Wüste, macht gerade den Weg des Herrn. Mein Job ist es, alles für die Ankunft des Messias vorzubereiten. Wenn das heißt, dass ich auf Komfort verzichten muss, dass ich mich unbeliebt mache oder dass Menschen schlecht von mir reden, weil ich ihnen zu direkt oder zu wenig angepasst bin, kein Problem. Ich bin die Stimme eines Rufenden in der Wüste, macht gerade den Weg des Herrn. Das ist mein Job, und das reicht.
Und mich fasziniert das noch einmal: Ganz und gar man selbst zu sein kann schon einigen Mut erfordern. Und ich glaube, das wird nicht leichter, wenn man älter wird. Weil wenn man jung ist, denkt man, der Erfolg, die Anerkennung, das kommt alles noch. Und irgendwann, etwa so um die fünfzig, kommt so ein Punkt, wo du weißt: Du hast, entschuldigt, wenn ich das sage und alle, die jetzt vielleicht älter sind, ein bisschen disse, aber ich bin ja auch ein bisschen über fünfzig, du weißt mit dieser Fünf davor: Die besten Zeiten sind vorbei. Da ist irgendwo was rum. Und dann liest du so: Ab fünfundfünfzig geht dann auch der körperliche Verfall so richtig los, und denkst: Oh, ehrlich, das auch noch on top? Ja, ja, das gibt’s alles. Und wenn dann, wie heute Morgen, deine Enkel nur zwei Stunden mit dir spielen, stehst du auf und denkst: Boah, war das anstrengend, ich hätte mir lieber noch eine Predigt geschrieben. Ja! Es ist einfach so.
Das heißt, es wird nicht einfacher. Ganz und gar man selbst zu sein, kann einigen Mut erfordern, sich anzuschauen und zu sagen: Wer bin ich, was hat Gott mit mir vor, welche Rolle nehme ich in der Heilsgeschichte ein, wer bin ich und was bin ich nicht? Und dann zu sagen: Amen, Amen, ich bin das, was du gemacht hast.
Und deswegen möchte ich euch in die Woche mit drei Fragen entlassen, auf die ihr zurückdenken könnt. Vielleicht nehmt euch eine mit, über die ihr morgen noch einmal nachdenkt.
Frage Nummer eins: Bin ich gern die Person, die Gott gemacht hat, oder wäre ich gern jemand anders, mit anderen Fähigkeiten, einer anderen Biografie, anderen Möglichkeiten? Das passiert so schnell, dass man sich verliert in dieser Idee: Ja, wenn ich nur eine bessere Kindheit gehabt hätte, wenn ich nur so eloquent wäre wie der und der, wenn ich nur den als Vater oder Mutter gehabt hätte. Nein, du bist du. Ganz und klar man selbst zu sein, ja, trau dich, ein Ja zu finden zu dir.
Zweite Frage: Fällt es mir leicht, mit meinen Grenzen zu leben? Ja, mit unseren Höhenflügen leben wir gerne, dass wir das gut können. Kannst du mit deinen Grenzen leben? Sehe ich sie eher als Auftrag, oder nutze ich sie vielleicht als eine Ausrede, um Gott weniger zu dienen? Finde ich total spannend, meine Grenzen zu nehmen und zu sagen: Okay, ich bin genau das, und was heißt das jetzt für meinen Auftrag? Nicht: Ach, ich wäre gern etwas ganz anderes, dann könnte ich viel... Nein, kannst du nicht. Du bist genau das. Definiere bitte deinen Auftrag nach deinen Grenzen, und gut ist es. Du kannst nicht mehr, du sollst nicht mehr, Gott will nicht, dass du mehr bist.
Dritte und letzte Frage: Was sage ich, wenn man mich fragt, wer ich bin? Das finde ich spannend. Wer bist du? Stehe ich dann zu meinem Christsein, weil das das ist, was ich zuerst bin? Ich bin zuerst einmal geliebtes Kind Gottes, und dann bin ich all das andere auch noch. Ich habe irgendwie mal Abi gemacht, ich habe studiert, ich habe was weiß ich das und das und das und das on top gesetzt, aber zuerst einmal bin ich Christ. Kann ich das, oder betone ich vielleicht vielmehr, was ich beruflich und privat erreicht habe, weil ganz und gar man selbst zu sein schon einigen Mut erfordern kann?
In diesem Sinne: Amen, lasst uns Johannes den Täufer zum Vorbild nehmen und mit diesen Fragen in die nächste Woche gehen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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