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Faszination Universum

Ein Physiker stellt die Frage nach Gott
24.05.2026
EventTeil 19 / 21Pfingstjugendtreffen 2026
Die faszinierende Welt unseres Universums - von den kleinsten Strukturen im Inneren der Atome bis hin zu den krassen Dimensionen des Weltalls: Beeindruckende Bilder und unvorstellbare Zahlen werden die Frage auf: Ist das alles wirklich Zufall oder steckt ein genialer Erfinder dahinter?

Die große Frage nach Ursprung und Sinn

Herr Präsident, ganz herzlich willkommen!
Ich freue mich auf den Abend mit euch, mit Ihnen, und auf die Exkursion ins Universum. Es ist ja schon eine spannende Frage, die nicht nur uns Physiker fasziniert: Woher kommt das alles? Die Faszination für das Universum und die Frage der Physiker stellt auch die Frage nach Gott. Und ich denke: nicht nur ein Physiker. Eigentlich stellen wir uns alle diese Frage.
Es ist eine spannende Frage, wenn man ins Universum hinausschaut. Jeder von Ihnen, jeder von Euch hat es ja schon einmal erlebt: Man schaut da hinaus, und da war nichts, doch jetzt ... Man schaut ins Universum hinauf, man sieht die Vielzahl der Sterne an einer Neumondnacht irgendwo im Gebirge, wo wenig Hintergrundlicht ist. Tausende von Sternen, wir wissen, wie viele Sterne da stehen: Es sind wenige Tausend, jede einzelne Sonne so wie unsere Sonne. Wenige Tausend ganz in unserer unmittelbaren Nähe, sonst würde man sie mit blossem Auge nicht sehen. Und dann ist da noch so ein Streifen, die sogenannte Milchstrasse. Aber sie ist weder eine Strasse, noch besteht sie aus Milch.
Es ist eigentlich das, was wir im Himmel sehen: wenige Tausend Sterne mit blossem Auge und die Milchstrasse, unsere Heimatgalaxie, weit über hunderttausend Millionen Sterne. Weit über hunderttausend Millionen Sterne in unserer kleinen Heimatgalaxie als helles Band am Himmel. Und wir werden da noch weiter hinausschauen und sehen: Die Milchstrasse ist nur ein Zwerg in den gigantischen Weiten unseres Universums.
Es ist schon faszinierend: Wenn man sagt, woher kommt das alles, dann hätte man vor Tausenden von Jahren, auch noch vor Hunderten von Jahren, eigentlich die schnelle Antwort gehabt. All die Naturphänomene, die wir sehen, da stehen die Götter dahinter. Das machen alles die Götter. Da gibt es einen Gott für den Blitz und einen für den Donner und einen für die Sonne. Da stehen die Götter dahinter.
Damals dachte man: Es sind die Götter. Heute wissen wir: Es sind die Naturgesetze. Wir können praktisch alles, was wir hier im Universum sehen, fast alles, im Rahmen der Naturgesetze erklären. Wir brauchen keine Götter, die wir uns ausdenken. Und Stephen Hawking sagt, glaube ich, zu Recht, ich denke, der Name sagt den meisten von Ihnen etwas: Stephen Hawking, der Mann im Rollstuhl, der erst vor wenigen Jahren verstorben ist, wahrscheinlich der bekannteste zeitgenössische Physiker. Er sagt: Leute, denkt euch keine Götter aus. Die Götter, die ihr euch ausgedacht habt, die könnt ihr auch gleich wieder abschaffen, die bringen es nicht. Wir können alles mit den Naturgesetzen erklären, sagt er, nur: Es bleibt ein Problem. Wir können die Naturgesetze nicht erklären.
Ein ganzes Universum folgt Regeln, die keiner von uns gemacht hat. Es ist faszinierend, und wir alle fragen uns: Woher kommen die Regeln? Eigentlich fragen wir uns zweierlei. Wir fragen uns zum Ersten: Woher kommt das Universum? Es ist uns heute klar, und Stephen Hawking drückt es sehr schön aus. Er geht davon aus, und wir Physiker würden ihm beipflichten, wie andere Physiker auch: Er geht davon aus, er ist davon überzeugt, dass das Universum aus Nichts geworden ist. Wohl aber, sagt er, ganz nach den Naturgesetzen.
Das heisst: Wir fragen uns, woher das Universum kommt, und warum es eigentlich irgendwelchen Regeln folgt. Wer hat eigentlich die Naturgesetze gemacht? Wir Physiker treten einen Schritt zurück und sagen: Wir waren es nicht. Es ist ja nicht etwa Einstein, Planck, Faraday, Newton, Heisenberg. Kein einziger von denen hat irgendein einziges elementares Naturgesetz gemacht. Die haben alle nur entdeckt, was jemand anders gemacht hat. Und wir alle sind staunende, nicht nur wir Physiker, aber gerade wir Physiker. Was ist da eigentlich los? Woher kommen die Naturgesetze, woher kommen diese Regeln?
Das ist ja schon spannend, wenn Sie in eine grosse Buchhandlung gehen. Da sind vielleicht 10 Bücher vor Ihnen ausgebreitet, und von diesen 10 Büchern sind 999 ziemlich normal, enthalten menschliche Gedanken, menschliche Überlegungen. Da ist ja noch ein Buch im Universum, das zehntausendste. Das enthält Botschaften, die nicht von dieser Welt sind. Das ist das Physikbuch. Da stehen Dinge drin, die sich kein Mensch ausgedacht hat. Und wenn ich sage: Botschaft nicht von dieser Welt, dann meine ich nicht nur Botschaft nicht von uns Menschen, natürlich nicht. Ich meine auch nicht Botschaft nicht von diesem Planeten, ich meine auch Botschaft nicht von diesem Universum.
Es ist ja so, dass sich nicht im Laufe des Universums die Naturgesetze entwickelt haben. Es ist so, dass sich vom ersten Augenblick an unser Universum nach den Naturgesetzen entwickelt hat. Und die Frage ist: Woher kommen die eigentlich? Wer hat dem Universum seine Regeln gesagt, und wer hatte die Fähigkeit, dass die auch ausgeführt werden?
Ich möchte mal Stephen Hawking zitieren, den ich schon kurz genannt hatte, den Namen im Rollstuhl. Er schreibt in seinem wahrscheinlich bekanntesten Buch Eine kurze Geschichte der Zeit. Da schreibt Stephen Hawking: Was hat eigentlich das Feuer in die Gleichung gehauen und ein Universum geschaffen, das ihm folgen sollte, ein Universum aus Nichtschaffen? Da sagen einige: Ja, das widerspricht ja schon dem Energieerhaltungssatz. Aber keine Sorge, den gab es da noch nicht.
Wir gehen alle davon aus, dass mit dem Universum auch seine Gesetze geschaffen wurden, aus nichts, und anschliessend sich ein winziges Pünktchen von Universum ohne jede Struktur zu dem entfaltet hat, was wir heute sehen. Und ein Teil von dem, was sich da entfaltet hat, sitzt auf Bänken oder steht hier vorne auf der Bühne. Es ist unglaublich, was die Naturgesetze ermöglicht haben. Aber wer hat ihnen beigebracht? Was hat das vorher in die Gleichung gehauchte Universum geschaffen, das ihm folgen sollte?
Ich denke, Sie merken: Stephen Hawking hat, nachdem er Tausende von Gottheiten abgeschafft hat, wohl zu Recht, die wir uns ausgedacht haben. Er sagt: Was wir uns ausgedacht haben, das können wir auch wieder abschaffen. Aber dann bleibt er staunend vor dem einen stehen, den wir uns nicht ausgedacht haben, sondern der sich uns ausgedacht hat, der die Naturgesetze setzte, der den Inhalt des Physikbuches schrieb. Woher kommt das alles? Faszinierende Fragen.
Einstein drückt es etwas kompakter aus. Er sagt: The more I study science, the more I believe in God. Je mehr ich Wissenschaft studiere, desto mehr glaube ich an Gott. Es ist nicht so: Je mehr wir erkennen, desto kleiner wird Gott. Ich denke, Sie merken es schon: Je mehr wir erkennen, desto grösser wird unser Staunen, unser Staunen über den einen, der hinter allem steht. Man hat schon gestaunt, als die Sterne noch winzige Pünktchen waren, damals noch am Himmelsfirmament mit Tesafilm festgeklebt. Mittlerweile sind die Sterne viel grösser, und unser Staunen ist nicht kleiner geworden. The more I study science, the more I believe in God. Einsteins Staunen.
Es gibt natürlich die Frage: Ja, vielleicht war das schon immer da. Dann würde man trotzdem noch staunen. Aber wenn es keinen Anfang gab, dann gab es keinen Anfänger. Mittlerweile ist uns aber überdeutlich: Wir können rückwärts rechnen, das Universum bis fast an den Anfang. Wir sehen alles, wie das geworden ist, in der Rückwärtsschau. Und es ist heutzutage klar: Das Universum hatte einen Anfang. Es gab den Zeitpunkt Null nicht nur im ersten Satz der Bibel, es gibt ihn auch in der Physik.
Es ist uns völlig klar: Mittlerweile ist am Anfang ein winziges Pünktchen, kleiner als der winzig kleine Kern in der Mitte eines Atoms. Und Sie müssen sich vorstellen: In diesem winzigen Pünktchen war schon all die Masse und Energie all der Sterne und Galaxien, die wir heute sehen. In einem strukturlosen Pünktchen. Und dann hat sich dieses Pünktchen entfaltet, nach Regeln, die da implantiert waren, und wir alle staunen, was da geworden ist.
Und Sie merken schon: Jetzt ist plötzlich eine Frage mitten im Raum, die man längst abgeschafft geglaubt hat. Die Frage wird wieder gestellt. Natürlich ist das Universum ewig, dachten die Leute. Und selbst Einstein war in seinen jungen Jahren noch von einem ewigen Universum überzeugt. Er musste sich dann belehren lassen: Nein, das Universum hat einen Anfang. Wir können rückwärts rechnen, wir können in Rückwärtsschau den Anfang sehen.
Es geht sogar noch weiter. Hier im Zelt, in jedem Kubikzentimeter des Raumes in diesem Zelt, haben wir noch 400 Lichtquanten, allererstes Licht. Sie müssen sich mal vorstellen: Im jungen Universum ging das Licht an, und von diesem ersten Licht ist heute noch etwas da. Gar nicht zu wenig. 400 Lichtquanten in jedem Kubikzentimeter. Woher kenne ich das Zelt so genau? Naja, in jedem Kubikzentimeter Universum haben wir noch 400 Lichtquanten, erstes Licht. Selbst in den riesigen intergalaktischen Weiten, wo fast kein Molekül mehr lebt, einfach nur leerer Raum. Nein, falsch: nicht nur leerer Raum. In jedem Kubikzentimeter 400 Lichtquanten. Schöpfungslicht können wir es nennen, erstes Licht, als im Universum das Licht anging.
Der Anfang ist mitten unter uns, und wir sind fasziniert. Die Frage steht plötzlich hinten im Raum: Ja, wenn es angefangen hat, wer hat eigentlich angefangen? Wenn die Naturgesetze nicht ewig sind, wäre es eigentlich der Gesetzgeber.
Einsteins berühmte Frage geht noch einen Schritt weiter. Er sagt: Ich möchte Gottes Gedanken wissen. Und er sagt den Rest in Details. Er sagt: Ich möchte nicht das Spektrum des einen oder anderen Elementes wissen. Mich interessiert: Was war die Idee des einen, der das Universum schuf, der die Naturgesetze schrieb? Das macht man doch nicht einfach planlos, da muss doch eine Idee dahinter sein. Einstein war klar: Die Antwort wird er nicht in der Physik bekommen. Aber Sie merken schon: Die Physik stösst Fragen an, die weit über die Physik hinausgehen. Wer steht da eigentlich dahinter, hinter allem, was wir hier sehen?
Und da geht es nicht nur um irgendwelche Details, wie das Leben und sonst auch spannende Dinge. Da geht es darum: Woher kommt alles? Woher kommt das Universum? Woher kommen Raum, Zeit, Masse, Energie? Wo befindet sich das Universum? Da haben wir heute wohl die Antwort zu wissen, dass wir es nicht wissen. Das Universum befindet sich nicht im Raum, sondern mehr als Raum. Wir merken: Wir kommen an die Grenzen des Verstehens. Das war man nie, wir verstehen auch als Physiker nicht. Wir sehen und teilen nicht das Ganze und staunen über das, was wir sehen. Das Universum war nicht schon immer da.
Diese spannende Frage nach dem Anfang des Universums, im Atomkern am Anfang winzig klein, und die 400 Lichtquanten, erstes Licht, in jedem Kubikzentimeter, die heute noch da sind. Das Universum hat begonnen, und wie es jemand so humorvoll formuliert hat: Urknall, ja, ja, aber Sie wissen, Urknall heisst für uns Physiker lediglich: Es hat angefangen. Nicht mehr, nicht weniger. Urknall, ja, ja, aber wer hat denn da geknallt?
Ich denke, Sie merken: Der Anfang erklärt nicht alles, der Anfang stellt die Frage. Wenn es angefangen hat, wer hat angefangen? Wer hat denn da geknallt? Manche sagen ja: Früher dachten die Leute, es war Gott, heute wissen wir, es ist der Urknall. Aber da ist ein Denkfehler dahinter. Der Urknall erklärt nicht den Anfang, der Urknall ist der Anfang. Erklären können wir gar nichts. Wir Physiker können nicht mal den Ansatz einer Spur einer Erklärung machen. Wie schöpft man ein Universum? Wie führt man Raum, Zeit, Masse und Energie ein? Wie macht man Naturgesetze? Wer sind wir?
Wenn ich jetzt vor Ihnen ein Gravitationsexperiment mache: Ich lasse mein Handy fallen, lieber nehme ich einen Kugelschreiber, hatte ich doch einen. Ich lasse einen Kugelschreiber fallen. Sieh an, was passiert: Der Kugelschreiber fällt nach unten. Alle Kugelschreiber fallen nach unten oder in Australien nach oben. Gravitation. Da bin ich der Herr der Lage des Kugelschreibers, das ist mein Objekt.
Aber wenn es um die Frage nach Gott geht: Wer bin ich, dass ich von oben herab den analysiere, der das Universum schuf? Wie mein Kollege Gleiter es immer so schön sagt, ein ganz berühmter Nanotechnologe: Wir sehen doch alle die Schatten des Einanderwand. Ich mag diese Formulierung. Wir sehen die Schatten, die Spuren. Es wäre vermessen, Gott vermessen zu wollen. Wir bleiben die kleinen Staunenden, die die übergrossen Spuren sehen.
Faszinierende Fragen. Und die Frage: Manche sagen, Leute, ja, kann ich denn im Ernst glauben, dass es Gott gibt? Wir müssen mittlerweile zurückfragen: Ja, kann ich denn im Ernst glauben, dass es Gott nicht gibt? Dass einfach nichts war? Manche sagen: Vielleicht ist das Universum durch Zufall entstanden. Aber das kann man ausschliessen. Zufall kann mehr bewirken, als manche denken. Zufall bewirkt mehr, als Einstein für möglich hielt. Aber Zufall kann nicht auf nichts wirken.
Stellen Sie sich mal vor, Sie haben ein Würfelspiel. Die Chance, eine Sechs zu würfeln, ist eins zu sechs. Die Chance, zwei Sechser hintereinander, eins zu sechsunddreissig. Die Chance, zehntausend Sechser hintereinander zu würfeln, ist klein, aber nicht null. Sie nehmen aus dem Würfelspiel den Würfel raus, es wird gar keine Sechs mehr gewürfelt. Sie nehmen aus dem Würfelspiel den Würfelspieler auch noch raus: Auf nichts kann kein Zufall wirken. Der Zufall kann vieles tun, wenn etwas da ist, aber er kann nichts erschaffen aus nichts. Wir merken: Der Zufall war es nicht. Kann ich im Ernst glauben, dass es Gott nicht gibt? Die spannende Gegenfrage.
Max Planck, ich glaube, vielen von euch, vielen von Ihnen wird der Name ein Begriff sein: Einstein, Planck, Heisenberg, die drei grossen Väter der modernen Physik. Alle drei haben Faszinierendes in der Physik entdeckt, alle drei den Nobelpreis bekommen, alle drei sich die Gottesfrage gestellt, jeder auf seine Weise. Max Planck hat in der modernen Physik den Anfang gemacht mit der Einführung der Quantentheorie, und von ihm kommt dieses berühmte Zitat: Max Planck sagt, Wissenschaft und Glaube, es sind keine Gegensätze, sondern, fügt er hinzu, sie ergänzen und bedingen einander.
Für Max Planck hat beides zusammengehört: das Staunen über die Dinge im Vordergrund und der Blick auf den, der dahinter ist. Für Max Planck war das fast wie ein Bild und ein Maler. Wir alle wissen ja, dass Bild und Maler nicht das Gleiche sind, das haben wir schon bemerkt. Also kaum jemand würde sich die Maler an die Wand hängen und mit den Bildern reden. Man kennt schon den Unterschied: Der Maler ist eine Person, eine Persönlichkeit, das Bild ist ein Objekt. Aber kaum jemand würde einen Gegensatz, ein Spannungsfeld, entdecken zwischen Maler und Bild. Kaum jemand würde sagen: Es gibt Maleristen und Bilderisten. Die Maleristen glauben im Ernst, es gibt Maler, brauchen sogar schon einmal mit einem geredet zu haben, die glauben nicht, dass es Bilder sind, die sagen: In Wirklichkeit gibt es gar keine Bilder, es sind Maler. Gibt es die andere Fraktion, die Bilderisten, die sagen: Ich bin fest davon überzeugt, es gibt keine Maler, in Wirklichkeit sind es Bilder, der Beweis sind meine Bilder, die ich mir im Wohnzimmer aufgehängt habe, Sie sehen es doch, es gibt keine Maler. Unsinn!
Ich denke, wir merken: Bild und Maler sind nicht das Gleiche, aber sie gehören zusammen. Wenn man ein Bild sieht, dann ahnt man den Maler. Es wird jemand geben, der es gemalt hat. Für Max Planck ist es ganz ähnlich: Wenn ich das Universum sehe, kann ich ein guter Physiker sein, ohne je die Frage nach Gott zu stellen. Aber es ist auch nicht verboten, weiterzudenken und, mit dem Bild gesprochen, hinter den Bildern den Maler zu sehen.
Wissenschaft und Glaube sind keine Gegensätze. Wissenschaft: Ich schaue auf das Vordergründige, wie lauten die Naturgesetze, wo kann ich sie anwenden? Glaube: Ich schaue hinter die Kulissen zu dem, der die Naturgesetze schrieb, der das Universum schuf, da, wo Stephen Hawking seine Frage auch hingestellt hat: Wer ist da dahinter? Die Welt der Naturphänomene und die Frage nach Gott, ich denke, Sie merken es schon: eine spannende Frage.
Und dieses alte Glaubensbekenntnis, kaum jemand wird es heute mehr stellen, dieses Mehrsagen, dieses Glaubensbekenntnis: Ich glaube an das, was ich sehe. Es gibt weit mehr, als was wir auf den ersten Blick sehen. Selbst in diesem Stück Raum, den ich mit meinen Händen umschliesse, ist jede Menge Musik drin, und wir wissen das. Hier ist Musik drin. Wir hören sie nicht, aber wir wissen, dass sie da ist. Natürlich auch nicht nur Musik, auch jede Menge Nachrichtensendungen, Spielfilme und jede Menge Telefongespräche, das ist alles hier drin. Würde ich in diesem Stück Raum mit dem Rundfunkempfänger auf Empfang gehen, ich würde sofort die Musik hören. Aber ich glaube, es ist uns klar: Die Information über die Musik ist bereitgestellt, völlig unabhängig davon, ob ich auf Empfang bin oder nicht, sogar völlig unabhängig davon, ob ich an elektromagnetische Wellen glaube oder nicht.
Die sind da, die elektromagnetischen Wellen, die fragen gar nicht, ob ich dran glaube. Ich denke manchmal: Was würde passieren, wenn meine Urururgrosseltern in diesen Raum gebeamt würden und sie würden mich mit dem Handy telefonieren sehen? Die würden sagen: Ach, netter Kerl, unser Urururenkel, so ein bisschen Sorgen macht man sich schon. Der hält sich so ein Teil ans Ohr für Selbstgespräche, sollte er ruhig tun, das tut ihm gut. Aber was uns Sorgen macht: Er glaubt im Ernst, dass er mit seinen Verwandten in Oberfranken, mit seinem Kollegen an der ETH Zürich redet, so laut spricht er doch gar nicht. Wir können es ihm nicht ausreden, ist klar, aber Suggestion: Man kann sich so weit in Dinge hineinsteigern, bis man es am Ende glaubt, der hört Stimmen.
Ich würde mich schwer tun, denen von den Chips auf dem Handy, von der Software an den Macs, Vergleichungen zu erzählen und von dem benachbarten Sendemasten über Nordbahnhof zu verstehen. Erst in dem Moment, wo sie sich das Handy ans Ohr halten, sagen sie ganz erstaunt, meine Urururgrosseltern: Paul, bist du es? Und so langsam würde tiefes Vertrauen ins Telefonieren entstehen, ohne dass sie jemals die Schaltpläne verstanden haben. Für mich ist es so ein kleines Bild geworden, auch für die Standleitung nach ganz oben, wo wir noch viel weniger die Schaltpläne verstehen, wo wir plötzlich merken: Wenn ich mich darauf einlasse ... Ich meine, wir müssen uns nicht auf jeden Unfug einlassen. Aber wir können Leute vorher beim Handytelefonieren zuschauen, bevor wir eines kaufen. Ich habe es getan, lange ist es her. Wir können Leute beim Glauben zuschauen, bevor wir es tun. Ich habe es auch getan, lange ist es her. Und plötzlich merkt man: Da ist eine Standleitung nach ganz oben, da ist einer, der das Universum schuf, und ansprechbar ist.
Spannende Dinge. Es gibt viel mehr, als wir auf den ersten Blick sehen. Ich habe mal eine originelle Geschichte gehört: Da lebt eine Mäusefamilie in einem Flügel, also in diesem Musikinstrument, und hört seit Generationen. Die hören immer die schöne Musik, und es gibt bei den Mäusen eine alte Überlieferung: Es gäbe angeblich Menschen, die machen die Musik. Keine Maus hat je einen Menschen gesehen, man glaubt es. Bis eines Tages zwei Mäuseforscher in dem Flügel nur einen Raum weitergehen, und die kommen ganz ernüchtert zurück mit neuen mäusewissenschaftlichen Erkenntnissen. Das sind gar keine Menschen, das sind in Wirklichkeit nur kleine Hämmerchen, die auf Stahlseiten schlagen. Das ist die Musik. Und seitdem wussten alle: Menschen gibt es gar keine. Man hat es gerne geglaubt, es war eine schöne Geschichte, aber ein Märchen. Menschen gibt es keine, es sind Hämmerchen auf Stahlseiten, natürlich.
Immer um die Weihnachtszeit erzählen die grossen Mäuse ihren kleinen Mäuschen noch die Geschichte von den Menschen, die kleinen Mäuschen glauben es noch eine Weile, dann merken sie auch: Menschen gibt es keine. Was ist bei den Mäusen eigentlich schiefgelaufen? Es war ja nicht die wissenschaftliche Erkenntnis, das mit den Hämmerchen und Stahlseiten, es hat schon gepasst. Das Problem der Mäuse war ihre begrenzte Sicht. Die Mäuse haben hinter den richtig erkannten Hämmerchen und Stahlseiten alle weiteren Wirklichkeitsebenen abgeschnitten. Die haben vergessen, dass hinter den Hämmerchen jemand stehen könnte, der sie bewegt, hinter dem Flügel jemand, der konstruiert, hinter der Musik jemand, der sie komponiert hat. Die Mäuse haben zu früh abgeschnitten.
Und uns geht es vielleicht manchmal ganz ähnlich wie den Mäusen. Selbst Werner Heisenberg, der, auf den das folgende Zitat zurückgeführt wird, ihm ging es wahrscheinlich ähnlich, dieses berühmte Zitat: Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch, aber das Zitat geht weiter: aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott.
Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch. Ich sage mir: Ja, Moment mal, ich habe es doch selbst verstanden, eine Arbeitshypothese, Gott brauche ich in meinem Weltbild nicht mehr. Aber auf dem zweiten Blick merke ich: Ja, Moment mal, woher kommt denn das alles, was ich selbst verstanden habe, eine Wirklichkeitsebene weiter? Da merke ich plötzlich: Es stellt sich die Frage nach Gott. Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott.
Die Naturgesetze sind, wie es mal jemand treffend formuliert hat, eigentlich keine Vorschriften, wie sich die Natur zu verhalten hat, es sind vielmehr Nachschriften. Wir als Naturwissenschaftler, wir als Physiker, machen der Natur überhaupt keine Vorschriften. Wir sind in der bescheidenen Rolle des Protokollführers. Wir stehen am Rande des Geschehens mit dem Stift in der Hand und dem Notizzettel. Wir beobachten gewissenhaft die Natur, und wir schreiben in kleinen Buchstaben nach, was die Natur uns in grossen Lettern vorschreibt. Wir sind die zur Kenntnisnehmer, nicht die Macher. Wir machen keine Naturgesetze, wir finden sie. Wir finden eine staunende Spur, woher sie eigentlich kommen und warum ein ganzes Universum von den kleinsten Elementarteilchen bis zu den grössten Galaxien den Regeln folgt, die keiner von uns gemacht hat. Spannende Fragen!
Die Naturwissenschaft findet die Spielregeln, nach denen sich die Natur verhält. Die Frage, woher, von wem kommen diese Spielregeln, die bleibt natürlich offen. Wir können in der Physik nicht erklären, woher die Physik kommt. Woher kommen die Naturgesetze, und wer kümmert sich eigentlich darum, dass sie immer noch funktionieren? Manche staunen über Wunder, aber ich denke manchmal eher: Müssen wir nicht über die Nichtwunder staunen, dass die Naturgesetze alle bis ins kleinste so funktionieren, kein Elektron je aus der Bahn geraten ist und das Falsche getan hat? Woher kommt das?
Eine andere Frage, die uns Physiker alle fasziniert und ich glaube in fünf Minuten auch die Nichtphysiker unter euch, unter Ihnen: die Frage nach der Herkunft der Naturkonstanten. Da sind so zwei Handvoll Zahlenwerte im doppelten Sinn des Wortes vom Himmel gefallen, kein einziger hat sie gemacht. Keiner weiss, woher die überhaupt kommen: Vakuum, Lichtgeschwindigkeit, Elementarladung, Plancks Wirkungsquantum und einige wenige mehr.
Ich möchte nur mal ein Beispiel bringen: Jedes Elektron, das wir je beobachtet haben, hatte eine Ladung von 1,602 mal 10 hoch minus 19 Amperesekunden. 1,602 mal 10 hoch minus 19 Amperesekunden. Die Zahl können Sie gleich wieder vergessen, die Elektronen vergessen die nie. Jedes Elektron weiss, unter Anführungszeichen, dass man als Elektron eine Ladung von 1,602 mal 10 hoch minus 19 Amperesekunden tragen muss. Wir nehmen Spektren auf tief im Universum, auch dort draussen leben Elektronen, und die haben eine Ladung von, Sie ahnen es schon, dort draussen im Universum von 1,602 mal 10 hoch minus 19 Amperesekunden. Wer hat es ihnen eigentlich gesagt? Wir nicht.
Die ersten schmunzeln schon ein bisschen, das ist so typisch Physiker, die steigern sich in Zeug hinein, wo ein normaler Mensch überhaupt nicht drüber nachdenken würde. Jetzt mal ganz im Ernst: Wenn diese Zahlen, diese paar Zahlen, ein bisschen anders wären, das würde doch keinen Menschen interessieren. Und Sie haben Recht. Wenn diese Zahlen ein bisschen anders wären, das würde keine Menschen interessieren, weil es im Rückblick feststünde: Es gäbe keine Menschen. Wir stellen fest, dass, wenn da ein klitzekleines bisschen gewackelt würde, es gäbe keine Menschen und kein biologisches Leben mehr. Unser Leben, jegliches Leben, hängt am seidenen Faden dieser paar Naturkonstanten, während die anderen, wir alle, nicht da wären.
Ich rede nicht davon, wie Leben aus Nichtleben wurde, spannende Fragen. Ich rede nur davon, wie muss die Physik sein, dass es überhaupt die Möglichkeit von Leben gibt, dass es Atome gibt, dass es Moleküle gibt. Und wenn jemand sagt, dann gäbe es eben andere Formen von Leben: Nein, gäbe es nicht. Wenn wir da ein bisschen was drehen, im Nu ist die Möglichkeit für Leben zerstört, es gibt keine Atome, keine Moleküle mehr. Es ist faszinierend.
Stephen Hawking führt so schön aus: Er sagt, wenn da ein bisschen was anders wäre, wir können weiterhin ein wunderbares Universum haben, aber keinen mehr, der darüber staunen könnte. Es ist sogar noch dramatischer: Wenn am Anfang des Universums jemand das Universum aus Nichts geschaffen hat, Raum, Zeit, Masse, Energie geschaffen hat, die Naturgesetze gesetzt hat, genau wie wir es zum Leben brauchen, und dann diese Zahlen ganz genau so eingestellt hat, dass es uns geben kann, und jetzt sind wir da. Alles ist richtig eingestellt, und jetzt kommt ein winziges Erdbeben. Nur für eine Tausendstel Sekunde wackeln diese Zahlen ein kleines bisschen. Nur für eine Tausendstel Sekunde, dann ist wieder alles in Ordnung, fast alles in Ordnung: Wir sind weg.
Die Tausendstel Sekunde reicht aus, unser Leben auszulöschen. Und da hilft auch kein Notarzt mehr. Also es gäbe auch keinen Notarzt mehr, schon klar, aber wenn es den auf wundersame Weise gäbe, es wäre nach dieser Tausendstel Sekunde an uns nichts mehr wiederzubeleben. Denn wir wären in dieser Tausendstelsekunde auf molekularer Skala zerstört und zerfallen, und das Wunder des Lebens wäre vorbei. Wir alle wissen das seit Menschengedenken, und ich meine jetzt wörtlich seit Menschengedenken: Da nichts gewackelt hat. Ab dieser Tausendstelsekunde gäbe es kein Menschengedenken mehr.
Ich glaube, jetzt interessiert fast jeden von euch, fast jeden von Ihnen, die gleiche Frage: Wie genau muss es denn sein? Was heisst superarggenau oder hyperarggenau? Der Physiker Paul Davies hat es mal ausgerechnet. Er ist berühmt geworden mit einer leicht nachzuvollziehenden Rechnung und einem anschaulichen Vergleich. Paul Davies rechnet uns vor: Diese Feinabstimmung, wie man es nennt, die müsste so präzise sein, rechnet er uns vor, wie die Präzision eines Scharfschützen, der ein ein Zentimeter grosses Ziel treffen soll, dazu ungefähr ein Centstück.
Ja, sagen Sie: Na ja, das sagt wenig. Das kommt auf die Entfernung zum Centstück an. Ich meine, wenn das Centstück zehn Meter oder hundert Meter entfernt ist, natürlich wird der Scharfschütze das Centstück treffen. Daumen und Zeigefinger unverletzt, Centstück weg. Wenn der Scharfschütze einen Kilometer entfernt ist oder gar zehn Kilometer, halte ich mein Centstück schon ein bisschen weiter weg, er trifft es immer noch.
Jetzt mache ich mal das Experiment. Wir gehen, nein, wir bleiben hier in Eidlingen. Aber der Scharfschütze, der geht nach Kiel, ganz im Norden, und er baut sich einen Turm, damit er ein eidlingendes Centstück besser sehen kann. Er muss ja über die Mittelgebirge drüber gucken. Und dann kauft er sich ein Hyperteleskop, das noch zu bauen wäre. Wir öffnen da eine Öffnung gegen Norden. Er kauft sich einen Hyperlaserpointer, der auch noch zu bauen wäre, um es anzupointen. Und dann drückt er in Kiel, demnächst werde ich da einen Vortrag halten, mit ruhiger Hand ab. Das Geschoss überquert die Kieler Förde, die norddeutsche Tiefebene, so manches Mittelgebirge, fliegt seitlich an Frankfurt vorbei, nähert sich Eidlingen, nähert sich unserem Standpunkt und schiesst mir im Ernst von Kiel aus hier das Centstück aus der Hand. Ich wäre beeindruckt gewesen, aber der neben mir sagt sofort: Haben Sie schon überlegt, wie klein Deutschland ist?
Okay, ich soll noch weiter weggehen. Ich gehe jetzt nicht nach Basel oder jenseits der Alpen. Ich gehe jetzt gleich auf den Mond. Es waren ohnehin schon länger keine Leute dort, zwölf Leute, dann eine lange Pause, die jetzt sind ja nur drum herum geflogen, jetzt ist wieder jemand auf dem Mond. Ich stehe auf dem Mond, 384 Kilometer entfernt, weit entfernt, aber man kann es sich vorstellen. Jetzt sollte er von der Erde aus in 384 Kilometer Entfernung bitte so freundlich sein, mein Centstück zu treffen. Jetzt brauche auch ich eine ruhige Hand und darf nicht verwackeln, ohne Daumen und Zeigefinger zu gefährden. Ich stehe während der länglichen Zeit, die das Geschoss von der Erde zum Mond braucht, wie versteinert auf dem Mond. Das Geschoss fliegt und fliegt, mit ruhiger Hand abgeschossen, und das Unglaubliche passiert: Von der Erde aus wird auf dem Mond ganz genau das Centstück getroffen, nichts anderes. Wow, sage ich.
Das mag Zufall gewesen sein, sagt er neben mir, und sagt: Ich kann mir vorstellen, bei so einem schönen Frühsommertag, da ist vielleicht der Scharfschütze in seinem Gartenstuhl eingenickt. Da hat sich ein Zufallsschuss gelöst, und da ist ein Zufallsschuss, der sich auf der Erde löst, auf dem Mond genau mein Centstück trifft, das kommt mir schon mal vor. Ich schaue ihn etwas erstaunt an, aber er sagt mir mit erhobenem Zeigefinger: Herr Schimmel, bedenken Sie, es gibt auch seltene Zufälle, seltene Zufälle.
Ich bedenke das und gehe mal noch deutlich weiter weg. Also ich gehe nicht hin, den Mond kann man auch tun, aber ich gehe jetzt mal richtig weit weg. Ich gehe auf die Sonne. Also ich stehe jetzt auf der Sonnenoberfläche, habe mein Centstück in der Hand, und jetzt ist die Entfernung gigantisch. Selbst das Licht braucht für die Strecke Sonne-Erde 8,3 lange Minuten. Und ich sage bewusst 8,3 lange Minuten, denn Licht läuft in einer einzigen Sekunde 300 Kilometer. Also die Strecke Erde-Mond ist für das Licht eine Sache von 1,3 Sekunden, die Strecke von Sonne-Erde 8,3 Minuten.
Das heisst, meine Entfernung von der Erde ist jetzt so gross, dass das Licht jede Sekunde 300 Kilometer macht. 8,3 Minuten, jede Minute 60 Sekunden, in jeder Sekunde weitere 300 Kilometer. Der von der Erde aus versucht, auf der Sonne das Centstück zu treffen, über 8,3 mal 60 mal 300 Kilometer. Ich stehe endlos in der Wärme, aber was tut man nicht alles für die Forschung. Ich stehe endlos in der Wärme, und das Geschoss kommt nicht. Und als es endlich sich der Sonne nähert, passiert Unglaubliches: Es trifft von der Erde aus auf der Sonne ganz genau das Centstück und nichts anderes. Wahnsinn!
Der neben mir sagt zum ersten Mal: Ich glaube, der hat gezielt. Es ist so unglaublich! Und es ist ja jetzt nicht irgendein mathematisches Spielchen aus der Rätselecke. Es ist so, wie wirklich, tatsächlich und im Ernst die Naturkonstanten eingestellt sind, hyperhingetunt sind, sonst wären wir alle nicht da. Keiner von uns wäre da, wenn diese paar Parameter nicht so hypergenau eingestellt wären, dass es so wäre. Wir reiben uns die Augen, wir raufen uns die Haare und sagen: Was ist da los? Irgendwas ist nicht mehr normal. In was für ein Universum sind wir eigentlich geraten?
Ja, meldet sich aus der Ecke noch mal Paul Davies und sagt: Wahnsinn. Aber, fügt er hinzu, das reicht noch nicht. Und er sagt: Das reicht bei weitem noch nicht. Jetzt kommt diese Zahl, wo wir alle fassungslos sind. Wie oft habe ich schon Kollegen bei physikalischen Kolloquien gehört: Immer wenn das Thema auf die Feinabstimmung kommt, wir sind alle fassungslos, was da los ist. Die wirkliche Zahl, die lautet, und man kann es kaum glauben, die wirkliche Zahl, die lautet: Ja, im Ernst! Am anderen Ende des beobachtbaren Universums heisst das, dass der Abstand zwischen Centstück und Scharfschütze eben nicht Erde-Mond ist, das Licht macht es in 1,3 Sekunden, auch nicht Erde-Sonne, das Licht macht es in 8,3 Minuten, sondern bis zu den entferntesten beobachtbaren Galaxien. Das Licht braucht weit mehr als zehntausend Millionen Jahre. Weit mehr als 10 Millionen Jahre, doppelt so lange, wie die Sonne noch zu brennen hat, wird in jeder einzelnen Sekunde die Zielgerade noch einmal um weitere 300 Kilometer verlängert. Jede Sekunde kommen noch einmal 300 Kilometer hinzu, und am Ende des Universums stehe ich natürlich nur noch virtuell mit meinem Centstück, und das wurde getroffen.
Es ist unglaublich, was da los ist. Wir sind fassungslos. Die Warum-Frage tritt auf. Es gibt ganz schlaue Leute, die sagen: Das ist das anthropische Prinzip. Das lautet wie folgt: Wenn es anders wäre, wären wir nicht da. Und wenn wir da sind, muss das Universum natürlich so sein, dass wir da sein können. Ja, meine Güte, so schlau waren wir auch schon. Das ist doch klar. Ich meine, natürlich: Wenn wir da sein, muss das Universum so sein, dass wir da sein können. Das anthropische Prinzip kann gar nicht falsch sein. Aber das war ja nicht die Frage. Die Frage ist: Warum ist es so absurd hingetunt, dass wir da sein können? Es ist unglaublich.
Der berühmte britische Wissenschaftler Sir Fred Hoyle, der den Begriff des Urknalls eingeführt hat und sonst noch viele spannende Dinge entdeckt hat, war Atheist gewesen. Das hat sich geändert. Er sagt: Nothing has shaken my atheism as much as this discovery. Nichts hat meinen Atheismus so erschüttert wie diese Entdeckung. Der sagt: Das längste System, der längste Plan dahinter, wir haben es nur nicht gemerkt, wir haben die ganze Zeit überhaupt nicht damit gerechnet.
Und jetzt, zur späten Stunde, dieses: Es war ihm klar, im Universum ist längst ein Plan. Dieses hypergenau abgestimmte Universum und ein unglaublicher Verdacht, der ganz viele beschleicht, die vorher überhaupt nicht in die Richtung gedacht haben. Dieser Verdacht ist etwa im Ernst: Unser Universum ist von jemandem bis ins kleinste Detail so inszeniert und konstruiert worden, nur mit einem Zweck, nur damit wir leben können. Ein ganzes Universum extra für uns. Schon ein verrückter Gedanke, ein befremdlicher Gedanke. Wir sind es ja eigentlich eher gewohnt, klein zu werden als gross.
Lange ist es her, dass der Mensch noch die Krone der Schöpfung, der Mittelpunkt des Universums war, und sogar die Sonne hat sich damals noch um uns gedreht. Und dann sind wir häppchenweise kleiner geworden. Wir haben als Erstes entdeckt: Ach, es ist gar nicht die kleine Sonne, die sich wärmend um unsere grosse Erde dreht. Es ist eine ziemlich kleine Erde, die sich um die Sonne dreht. In Zahlen ausgedrückt: Eine Million Erdkügelchen würden ins Volumen der Sonne passen. Wir sind eine ziemlich kleine Veranstaltung im Sonnensystem.
Schwer war der Abschied vom geozentrischen Weltbild, aber er sollte nicht der letzte bleiben. Auch das heliozentrische Weltbild hatte irgendwann ausgedient, als wir gemerkt haben: Die Sonne ist nicht der Mittelpunkt von allem, sondern die Sonne ist absolut bedeutungslos in den gigantischen Weiten unserer Milchstrasse, unserer Galaxie. Ich hatte es vorhin ja schon gesagt: Weit über hunderttausend Millionen Sterne leuchten in unserer Milchstrasse, die Sonne ist nur einer davon.
Das war immer noch nicht das Ende. Mittlerweile, tief im zwanzigsten Jahrhundert angekommen, haben wir entdeckt: Die Milchstrasse ist gar nicht das Universum. Die Milchstrasse ist ziemlich genauso verloren im Universum wie die Sonne in der Milchstrasse. Zahlen leicht mit nach Hause zu nehmen: Weit über hunderttausend Millionen Sterne in unserer Milchstrasse, die Sonne ist nur einer davon, und jetzt noch einmal weit über hunderttausend Millionen Galaxien im Universum, und die Milchstrasse ist nur einer davon. Es ist unglaublich, wir sind sozusagen winzig und verloren hoch zwei: die Sonne in der Milchstrasse, die Milchstrasse im Universum.
Kaum einer hat es besser ausgedrückt, diese letzte Verlorenheit, diese letzte Verlassenheit einer winzigen Menschheit in den gigantischen Weiten des Universums, als der Medizin-Nobelpreisträger Jacques Monod, der in seinem berühmten Buch Zufall und Notwendigkeit es so schön ausdrückt. Er schreibt: Dann muss der Mensch seine totale Verlassenheit, seine radikale Fremdheit erkennen, und er fügt hinzu: Er, der Mensch, weiss nun, dass er seinen Platz wie ein einsamer Wanderer am Rande des Universums hat, das für seine Musik taub ist und gleichgültig gegen seine Hoffnungen, Leiden oder Verbrechen ist.
Das ist dem Universum sowas von egal. Wir können uns Freude bereiten oder Leid zufügen, wir können hoffen oder bangen, wir können geboren werden oder sterben. Dem Universum ist es egal. Wir rufen, keiner hört. Wir fragen, und keiner antwortet. Wir vergehen, und keiner merkt es. Kaum hundert Jahre um sind, ist dieses Zelt vollständig geräumt, und auch der jüngste unter uns ist nicht mehr da, und das Universum hat noch nicht einmal bemerkt, dass einer nach dem anderen von uns in den geräumigen Papierkorb purzelt, auf dem in grossen Lettern steht: Vergessenheit, und klein steht noch daneben: Das war's.
Eine letzte Verlorenheit, eine letzte Verlassenheit in den riesigen, eiskalten Weiten unseres Universums, und da gräbt kein Haar nach uns. Ich denke, wir können alle zutiefst Jacques Monod nachempfinden und werden jetzt alle Jacques Monod meditieren. Jetzt auf einmal: Das ganze Universum so verrückt hingetunt, dass sich der Gedanke kaum mehr abschütteln lässt, das ganze Universum extra für uns.
Wenn das stimmt, dann drängt sich ein ganz anderer Gedanke auf. Dem Universum sei mir egal, aber nicht dem, der es gemacht hat. Wenn das stimmt, dann wäre es auf einmal egal, dass wir dem Universum egal sind, wenn wir dem nicht egal sind, der das Universum schuf. Und ich denke, Sie merken alle: Das ist nicht nur von akademischem Interesse, das betrifft uns unmittelbar. Das würde einen Riesenunterschied machen zwischen der letzten Verlorenheit in den Weiten des Universums und der letzten Geborgenheit in den Händen dessen, der das Universum schuf.
Wenn das stimmt, dann bedeutet es auf einmal, dass dieser oft zitierte Satz: Ich kann nie tiefer fallen als in Gottes Hand, eben keine fromme Floskel, sondern tiefe Wahrheit ist, eine letzte Geborgenheit. Mein kleines Leben, nicht verlorene Weiten des Universums, sondern geborgen in Gottes Hand.
Ich möchte noch einmal Sir Fred Hoyle zitieren, den britischen Wissenschaftler, dessen Atheismus so erschüttert wurde. Er formuliert so nett: Das Universum ist offensichtlich, wie er formuliert, eine abgekartete Sache, das längst grosse Plan, das Längssystem dahinter. Er sagt: Es gibt zu vieles, was wie durch Zufall entstanden aussieht, es aber nicht ist.
Und Stephen Hawking? Er folgt mir jetzt noch deutlicher. Der Mann, der so atheistisch begann, der so viele Götter abgeschafft hat, er schreibt in seinem meistverkauften, seinem bekanntesten Buch, Eine kurze Geschichte der Zeit, diesen berühmten Satz, wo er schreibt: Warum das Universum gerade auf diese Weise angefangen haben sollte, mit ganz genau den Parametern, die es braucht, dass es uns gibt, warum das Universum gerade auf diese Weise angefangen haben sollte, schreibt er, wäre es sehr schwer zu erklären, ohne das Eingreifen eines Gottes anzunehmen, der beabsichtigt hätte, Wesen wie uns zu schaffen.
Das muss man uns mal auf der Zunge zergehen lassen: sehr schwer zu erklären, ohne das Eingreifen eines Gottes anzunehmen, der beabsichtigt hätte, Wesen wie uns zu erschaffen, schreibt Stephen Hawking, der Atheist, in seinem bekanntesten Buch. Ich denke, wir merken, wie plötzlich Dinge ganz neu gedacht werden, alte Denkschemata zur Seite geschoben werden, man sagt: Das muss sich noch einmal überlegen, was ist da eigentlich los?
Die Frage nach dem Woher ist schon eine spannende Frage, wenn man die Ordnung in der Natur sieht. Ich möchte einfach mal eine Expresstour vom Kleinen zum Grossen machen. Schauen wir uns die winzig kleinen Bausteine unserer Materie an: Allein in einem Schluck Wasser sind 6,22 mal 10 hoch 23 Moleküle Wasser drin, eine unglaubliche Zahl. Ja, trinke ich sie erst einmal, und wer mag, darf mitzählen. Experiment: Thomas Schimmel trinkt einen Schluck Wasser live. Experiment hat mich verschluckt. Ja, Ton wieder da. Diese Riesenzahl von Molekülen in einem Schluck Wasser.
Breiten wir uns einmal anschaulich vor unserem geistigen Auge aus: Wir bauen eine Autobahn von der Erde bis zum Mond, belegen sie mit Millimeterpapier, auf jedem Quadratmillimeter ein Molekül aus einem Schluck Wasser. Wie breit muss die Autobahn werden? 384 Kilometer lang, das kennen wir ja schon. Sie muss viermal so breit wie lang werden, einmal Erde-Mond lang, viermal Erde-Mond breit, und auf jedem Quadratmillimeter liegt ein Molekül aus einem Schluck Wasser.
Faszinierende Welten im ganz Kleinen. Und trotzdem kann man Atome sehen. Nein, sehen nicht, aber mit einer atomfeinen Abtastspitze abtasten und Bilder davon machen. Das sind faszinierende Bilder, die wir jetzt sehen. Das sind keine Erbsen, letzte Woche mittags in der Mensa, nein, das sind Atome, abgetastet mit einer atomar feinen Spitze. Jede grüne Erbse ist ein Atom, nicht Computersimulation, sondern echt. Gleichstiftstriche ganz gross. Die einzelnen Kohlenstoffatome sind sichtbar, und Atome in der Abendsonne: Da haben wir drei Stück mit dieser Feinspitze mit dem elektrischen Puls angezupft, die klappen nach oben, und man hat diese wunderschönen Bilder. Man kann sogar eingreifen auf atomarer Skala und die Oberfläche Atom für Atom manipulieren.
Spannende Welten im ganz Kleinen. Es geht noch kleiner. Schon in der Schule haben wir gelernt: Atom besteht aus Kern und Hülle. Der Kern enthält fast die ganze Masse, ist winzig klein. Die Hülle enthält nur die Elektronen, fast keine Masse, ist riesengross. Wenn die Elektronen in den Kern stürzen würden, die ganze Menschheit, über acht Milliarden Menschen, würde auf dem Volumen kleiner als ein Fingerhut kollabieren. Fast das ganze Volumen des Atoms ist im Grunde fast leerer Raum, fast keine Masse drin. Es ist erstaunlich, was wir in diesen kleinen Welten sehen.
Geht es noch kleiner? Ja, natürlich: Neutrinos. Faszinierende Wesen. Während wir hier sitzen, werden wir durchsiebt und durchlöchert von Teilchen aus dem All, die gehen einfach durch uns durch, auch durch den Grasboden und den Erdboden, auch durch das Erdinnere, ja tatsächlich, Eidlingen rein, durch den Erdmittelpunkt durch, auf der anderen Seite wieder raus. Und von 10 Millionen Neutrinos, die einmal quer durch die Erde gehen, bleibt gerade mal eines hängen. Brauchen wir diese seltsamen Gesellen für unser Leben? Nein, natürlich nicht. Aber die Sonne würde sofort ihren Betrieb einstellen, wenn diese seltsamen Gesellen nicht genau die Naturgesetze befolgen, die ein Neutrino befolgen muss. Wir sehen: Kein grosser Stern würde leuchten, keine Galaxie würde leuchten, wenn die kleinen Neutrinos nicht alle in Scharen ihren Job tun würden.
Jetzt wenden wir mal und gehen vom Kleinen zum Grossen, Streifzug bis an die Grenzen des Universums: Die Erde mit ihrem Mond, sind wir vertraut? Astronauten waren schon mal auf dem Mond, dieser berühmte Fussabdruck auf dem Mond. Die Sonne: Eine Million Erdkügelchen würden reinpassen. Die Milchstrasse: Weit über hunderttausend Millionen Sterne passen da rein. Und wir schauen mit den Teleskopen noch weiter raus. In der Milchstrasse wunderschöne Bilder: Ein Stern stösst seine Hülle ab, grandiose Bilder aus einer Welt in ganz gross. Wir schauen aus der Milchstrasse raus, im Vordergrund noch der komische Nebel CG 4. Da liegt eine Scheibengalaxie rum, und im Hintergrund Pünktchen, Pünktchen, als ob es schneit. Nein, diese Pünktchen sind keine Schneeflocken und keine Sterne, das sind selber wieder Galaxien. Und kaum, dass Sie in ein solches Pünktchen reinzoomen: so hunderttausend Millionen Sterne ist eine typische Zahl für so ein winziges Pünktchen.
Unglaubliche Weiten unseres Universums. Wir sehen mit unseren Teleskopen, hier das Hubble-Teleskop von NASA und ESA, wunderschöne, faszinierende Welten. Sombrero-Galaxien, die Designer leuchten ganz gross, das nebelige Leuchten, das sind Tausende von Millionen uralter Sterne. Spiralgalaxien ähnlich unserer Milchstrasse: Hätte man den Luxus, mal von aussen von oben unsere eigene Milchstrasse anzuschauen, wir kämen mit einem ähnlichen Urlaubsfoto zurück. Pferdekopfnebel, wunderschöne Strukturen, vor dem Hintergrund der Galaxien des Universums riesige Wolken hier in unserer Milchstrasse mit Innenbeleuchtung. In diesen Wolken wurden Sterne geboren, und diese Sterne beleuchten ihre eigenen Geburtswolken von innen. Faszinierende Bilder unserer Nachbargalaxie, der Andromeda-Nebel.
Und jetzt das wahrscheinlich faszinierendste Bild des heutigen Abends: Hubble Ultra Deep Field, einer der drei tiefsten Blicke, die die Menschheit je ins Universum getan hat. Vorhin habe ich Ihnen gesagt: Ich halte ein Centstück hin in den ganz fernen Weiten des Universums und habe gesagt, die Entfernung zur Erde ist jetzt so, dass das Licht weit mehr als 10 Millionen Jahre braucht, jede Sekunde 300 Kilometer, bis es zu uns kommt. Jetzt machen wir ein Foto und hängen es uns ins Wohnzimmer. Es geht tatsächlich. Und dort draussen in gigantischer Entfernung gelten ganz genau die gleichen Naturgesetze wie hier. Wir Physiker sind fasziniert. Wir alle sind fasziniert, dass man dort draussen ein Foto machen kann.
Sie müssen sich mal vorstellen: Das Licht ist so gigantische Wege unterwegs, dass während dieser langen Strecke ganz viele von den Sternen, deren Licht wir sehen, längst erloschen sind, während das Licht noch auf dem Wege war. Und jetzt kommt es zu uns an, und wir sehen bis zu den ganz fernen Weiten des Universums. Es ist faszinierend, dass man so ein Foto machen kann.
Wenn ich von A nach B fotografiere: Gehen Sie doch bitte noch ein bisschen aus dem Weg, ich möchte ein Foto machen. Wer kennt es nicht? Zwischen A und B darf nichts sein, was den Blick blockiert. Es gibt also ein Guckloch, ein Schlüsselloch im übertragenen Sinn, wo man im Universum, und wir fanden bisher kein zweites, wo man im Universum einfach quer durchs Universum gucken kann, ungehindert bis zu den ganz fernen Galaxien, und da ein Foto machen kann. Hätte man dieses kleine Guckloch nicht, würde ich jetzt schliessend sagen: Da draussen vermuten die Wissenschaftler Galaxien, sehen kann man es nicht, wir werden nie hinkommen. Jetzt kommt Licht der Ferngalaxien in unsere kleine Welt. Faszinierend.
Und ich denke, Sie merken schon: Da schliesst sich ein riesiger Bogen. Wenn das die Spuren sind, wer ist erst der, der die Spuren gelegt hat, der, wie Stephen Hawking es sagt, das Feuer in die Gleichung gehauen und ein Universum schuf, das ihm folgen sollte? Und wie sollen wir Gott jemals finden? Ich denke, wir werden auf einmal ganz bescheiden. Wie sollen wir Gott finden, letzte Grenzen unserer Möglichkeiten? Es ist zu hoch für uns. Selbst das Universum ist zu gross. Wie sollen wir den finden mit unseren kleinen Möglichkeiten, der das Universum schuf? Null Chance.
Wir schauen raus, sehen die Schatten der Wand. Okay, dann kommt noch mal jemand und sagt: Ach, das ist doch ganz einfach. Na, jetzt schaltet es nach. Ja, man sagt, Religion sei der Weg des Menschen zu Gott. Aber wie soll das gehen? Nee, es schaltet nicht mehr. Wie sollen wir Gott finden mit unseren kleinen Möglichkeiten? Es ist eine letzte Grenze. Wir kommen immer weiter. Wir kleinen Menschen auf unserer Suche nach Gott, uns Götter auszudenken, macht keinen Sinn. Wir meinen ja, wir wollen nicht selber welche ausdenken, sondern den Gott finden, der das Universum schuf.
Und kann man noch kurz mal enden? Kann man da irgendwas irgendwie funktionieren? Lichterferne Galaxien streifen unten vier Minuten eher so eine Ja, und werden wir staunen, plötzlich diese Botschaft: Nicht wir müssen Gott finden, sondern Gott findet uns. Wir hätten keine Chance, Gott zu finden, und auf einmal diese Botschaft: Nicht wir müssen Gott finden, Gott findet uns. Nicht wir müssen Halbgötter werden, in Gottes grosse Welt kommen, Gott kommt in unsere kleine Welt. Und wird Jesus Christus Mensch?
Einstein sagt: Ich bin Jude, aber das strahlende Bild des Nazareners, also von Jesus, hat einen überwältigenden Eindruck auf mich gemacht. Niemand kann das Evangelium lesen, ohne die persönliche Gegenwart von Jesus zu spüren. Gott, nicht wir finden Gott, sondern er findet uns. Gott lässt sich finden. Der Apollo-Astronaut James Irwin hat mal gesagt: God walking on the earth is more important than man walking on the moon. Dass Gott seinen Fuss auf die Erde setzt, ist wichtiger als dass der Mensch den Mond betrat. Nicht, ob wir alle merken, was er meint. Dass Menschen auf dem Mond waren, ist interessant, aber irrelevant. Dass Gott seinen Fuss auf unseren kleinen Planeten setzt, das macht den Riesenunterschied zwischen der letzten Verlorenheit, der letzten Verlassenheit in den Riesenweiden unseres Universums und der Geborgenheit unseres kleinen Lebens in Gottes Hand. Der Fussabdruck Gottes auf unserem Planeten: Du bist ein Gott, der mich sieht.
Gott ist nur ein Gebet weit entfernt, nicht weil wir zu Gott kommen, sondern weil er zu uns kommt. Diese Standleitung, im Bild gesprochen, das Handy nach ganz oben, online twenty-four seven mit Gott. Was für ein Geschenk! Und Jesus sagt: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstossen. Die Botschaft von einer offenen Tür, diese Einladung. Und er macht es auch ganz praktisch. Er sagt: Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan. Und er fügt hinzu, was ihm so wichtig ist: Wer bei Gott bittet, ja im Ernst, wir dürfen es ausprobieren, wer bei Gott bittet, der empfängt. Wer bei Jesus Christus sucht, dem wird tatsächlich aufgetan. Und wer bei ihm anklopft, der findet eine offene Tür.
Damit schliesse ich einen Riesenkreis, und ich denke, Sie alle haben es gemerkt, was Max Planck meint, wenn er sagt: Wissenschaft und Glaube, es sind keine Gegensätze, sondern sie ergänzen und bedingen einander. Beides gehört und passt zusammen: das Forschen und Staunen, aber auch diese ganz persönliche Seite, und der Glaube ist immer ein persönlicher, diese ganz persönliche Seite des Betens und Glaubens und Vertrauens.
Mit diesem Zitat von Max Planck möchte ich auch schliessen, und ich danke euch allen und Ihnen allen ganz herzlich für die Aufmerksamkeit. Vielen Dank!
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