Einführung: Die Kraft des gemeinsamen Ziels
Ja, schönen guten Morgen auch von meiner Seite an die kleine Runde hier. Ich vermute, dass die große Runde zuhause bequem auf dem Sofa sitzt, vielleicht mit einem guten Frühstück dabei. Schön, dass ihr dabei seid und mit uns zusammen über das nachdenken wollt, was Gott in unser Leben hineinsprechen will und welche Wahrheiten er für uns bereithält.
Ich weiß nicht, ob jemand von euch noch einen alten Film kennt. Er wurde, glaube ich, in den Achtzigern oder Neunzigern gedreht und heißt „Jamaika Bob“ oder so ähnlich. Es geht um eine wahre Begebenheit: Eine Sportgruppe aus Jamaika mit vier Männern wollte unbedingt zu den Olympischen Spielen. Sie hatten wahrscheinlich nicht die Sprintfähigkeit wie Usain Bolt oder so, also bei den Olympischen Sommerspielen nicht so viele Chancen. Trotzdem machten sie sich auf den Weg, eine Bobmannschaft zu gründen, und traten mit dem Vierer-Bob bei den Olympischen Spielen an.
In Jamaika gibt es nicht unbedingt die besten Trainingsbedingungen für einen Vierer-Bob. Trotzdem schaffen sie es. Das ist tatsächlich eine wahre Begebenheit, die durch Teamgeist und Zusammenhalt geprägt ist. Sie nahmen wirklich teil und lieferten respektable Leistungen ab. Dann hatten sie einen schweren Sturz, aber sie zogen das ganze Publikum auf ihre Seite. Durch Teamgeist, Zusammenhalt, ein bisschen Technik und gute Trainer gelang ihnen etwas Großartiges.
Ich finde es spannend, wenn man gemeinsam an ein Ziel glaubt, sich dafür einsetzt und es schafft. Wir waren ja im Frühjahr auch ein bisschen herausgefordert, weil wir keine Gottesdienste feiern konnten. Dann gab es eine kleine Mannschaft aus der Gemeinde, die das Thema Livestream mit auf die Beine gestellt hat.
Auf der einen Seite war es nervig, weil wir keinen Gottesdienst feiern konnten. Aber ich fand eine Sache echt schön bei denen, die beteiligt waren: Es war wirklich eine Teamsache. Man hatte ein Ziel und setzte alles daran, es zu erreichen. Es hat auch funktioniert, auch wenn es ein paar Nächte ohne Schlaf gekostet hat, manchmal anstrengend war und nicht immer alles geklappt hat. Manchmal sind einem auch Sachen um die Ohren geflogen. Aber es war der Wunsch da, das zusammen hinzubringen – ob das die Musiker waren, die Technik oder vieles andere.
Es macht Spaß, und das ist schön. Wir alle sind von solchen Geschichten begeistert, und das nimmt uns mit. Wenn wir zum Beispiel sehen, wie die Bayern das Triple geholt haben als Mannschaft, die im Herbst eigentlich nichts gebracht hat und dann mit viel Teamgeist alles umgekrempelt hat und erfolgreich war – das begeistert uns Menschen.
Ich glaube, wir haben alle manchmal den Traum, etwas zu erreichen und etwas hinzubekommen.
Der Wunsch nach Sicherheit und bleibendem Ruhm
Und ich glaube, dabei bleibt es oft nicht stehen. Manchmal haben wir noch einen größeren Wunsch. Wir wünschen uns, dass wir durch Dinge, die wir vielleicht zusammen oder alleine schaffen, vielleicht auch durch Technik, die wir verwenden können, uns Sicherheit verschaffen. Die Sicherheit, dass wir es hinbekommen, wenn wir als Menschen nur möglichst an einem Strang ziehen. Dass wir es schaffen, vielleicht den Krebs zu besiegen, dass wir uns eine Gesellschaft aufbauen können, die irgendwann endlich in Frieden miteinander lebt – und Ähnliches.
Ich weiß, viele von euch sind schon desillusioniert und haben solche Träume nicht mehr. Aber ich glaube, diese Hoffnungen sind in unserer Gesellschaft vorhanden. Die Hoffnung, dass, wenn nur alle endlich zusammenwirken würden, es klappen würde und etwas Gutes daraus entstehen könnte.
Was das Ganze oft mit sich bringt, ist vielleicht noch, dass man klammheimlich den Wunsch hat, am Ende einen Namen zu haben, den die Welt nicht mehr vergisst. Es gibt ja solche Menschen, die das geschafft haben. Wenn man Politiker betrachtet, fallen Namen wie Abraham Lincoln, Winston Churchill, Konrad Adenauer oder Margaret Thatcher ein. Diese Personen sind über Jahrzehnte, ja teilweise Jahrhunderte hinaus bekannt.
Auch Künstler wie Mozart, Beethoven, Da Vinci, Goethe und viele andere sind Jahrhunderte später noch fast jedem Menschen bekannt. Es sind Leute, die Großes erreicht haben, bei denen man meinen könnte, sie hätten ihr Leben wirklich sinnvoll gelebt, ein Ziel erreicht und es geschafft.
Dieser Ruhm und diese Ehre bringen oft das Versprechen mit sich, dass man dann eine gewisse Sicherheit hat. Die Sicherheit, vorgesorgt zu haben, falls mal schwierige Zeiten kommen.
Ich weiß nicht, was du erreichen möchtest oder welche Wünsche du hast. Vielleicht hast du klammheimlich den Wunsch, dir einen Namen zu machen. Wenn du jünger bist, träumst du vielleicht noch von einer großen Sportkarriere und siehst dich das Tor im Endspiel in der Nachspielzeit so machen wie Mario Götze.
Wenn du älter bist, hast du den Karrierewunsch vielleicht schon aufgegeben und realisiert, dass du nicht zu den 0,0 irgendwas Prozent der Gesellschaft gehören wirst, bei denen das möglich ist. Aber vielleicht hast du noch den Wunsch, etwas Größeres im Beruf zu schaffen, vielleicht etwas Größeres für deine Familie zu erreichen oder etwas Bleibendes zu hinterlassen.
Und wenn es nichts ist, was einen Wikipedia-Eintrag wert ist, dann zumindest etwas, das für deine Kinder bleibt.
Vielleicht sind es Dinge, von denen du dir auch Sicherheit versprichst. Zum Beispiel ein ausreichend gefülltes Bankkonto, das dir auch ein paar Monate Arbeitslosigkeit überstehen lässt, eine sicher abbezahlte Wohnung, damit du im Alter gut versorgt bist – und Ähnliches.
Vielleicht willst du etwas erreichen, dir einen Namen machen, auch wenn er nur in kleinen Kreisen bekannt ist, weil du etwas geschafft hast. Und diese Dinge geben dir Sicherheit.
Und das ist nichts Neues. Gleich werden wir Menschen sehen, die ähnlich gedacht haben. Sie wollten etwas im Leben erreichen. Sie wollten Technologie nutzen, die ihnen zur Verfügung stand und in der sie viele Hoffnungen setzten. Sie wollten, dass diese Dinge ihnen Sicherheit geben.
Die Geschichte vom Turmbau zu Babel: Einheit und Angst vor Zerstreuung
Wir werden uns jetzt im Buch Mose ein Stück weit weiter vorarbeiten. Ich überspringe einen Stammbaum, der auch interessant wäre, aber es wird sonst einfach zu intensiv. Stattdessen gehen wir direkt in 1. Mose 11, in die schöne Kinderstundengeschichte über den Turmbau zu Babel. Daraus lassen sich wirklich tolle Kinderstunden gestalten.
Wir wollen aber mal schauen, ob diese Erzählung nicht nur den Kindern etwas zu sagen hat, sondern vielleicht auch für uns Erwachsene eine Bedeutung in unserem Leben birgt. Dort heißt es in 1. Mose 11,1-9 – ich lese jetzt aus der Neuen Evangelistischen Übersetzung, verwende aber manchmal auch die Lutherbibel.
Die Menschen hatten damals alle noch dieselbe Sprache und den gleichen Wortschatz. Ich wäre unheimlich dankbar dafür, denn ich bin überhaupt nicht sprachenbegabt. Als sie nach Osten zogen, fanden sie eine Ebene im Land Schinar und ließen sich dort nieder. Sie sagten zueinander: „Los, wir machen Ziegel aus Lehm und brennen sie zu Stein.“ Die Ziegel wollten sie als Bausteine verwenden und Asphalt als Mörtel.
Damit hatten sie sich eine neue Technologie geschaffen, von der bisher noch keine Rede war. Nun kam eine Idee, was man mit dieser Technologie machen könnte. In Vers 4 heißt es: „Dann sagten sie: ‚Los, bauen wir eine Stadt und einen Turm, der bis in den Himmel reicht. So werden wir uns einen Namen machen und verhindern, dass wir uns über die ganze Erde zerstreuen.‘“
In Vers 5 folgt ein großer Wendepunkt in der Geschichte: Jahwe kam herab, um sich anzusehen, was die Menschen da bauten – eine Stadt mit einem Turm. Da sagt er: „Es ist offensichtlich, sie sind ein einziges Volk und sprechen nur eine Sprache. Was sie jetzt begonnen haben, zeigt, dass ihnen künftig nichts unmöglich sein wird. Sie werden alles tun, was sie sich ausdenken.“
Daraufhin sagt Jahwe: „Los, steigen wir hinunter und verwirren ihre Sprache, sodass keiner mehr den anderen versteht.“ So zerstreute Jahwe die Menschen von dort aus über die ganze Erde. Sie mussten aufhören, die Stadt zu bauen. Deshalb gab man der Stadt den Namen Babel, was Verwirrung bedeutet, denn Jahwe hatte dort die Sprache aller Menschen verwirrt und sie von diesem Ort aus über die ganze Erde zerstreut.
Ja, eine traurige Geschichte am Ende. Wir wollen sie uns aber von Anfang an mal gemeinsam ansehen und sehen, was hier passiert. Diese Einheit, die die Leute hatten – also, sie verstanden sich. Wir wissen nicht genau, ob es nur um die Sprache geht, also dass sie eben alle dieselbe Sprache gesprochen haben. Ich würde sagen, wahrscheinlich sprachen sie alle „Fränkisch“, weil das ja die perfekte Sprache war. Nein, wir wissen es nicht genau, welche eine Sprache sie hatten.
Ich glaube auch, dass noch mehr dahintersteckt: Sie haben sich nämlich nicht missverstanden. Das passiert uns ja oft, selbst wenn wir alle dieselbe Sprache sprechen. Kennt ihr das, wenn du genau merkst, jemand versteht nicht, was du sagst, und du weißt nicht, wie du es anders erklären kannst? Du bringst es einfach nicht rüber. Da könnte man verzweifeln.
Damals scheint das nicht der Fall gewesen zu sein. Sie gingen gemeinsam vorwärts, hatten neue Technologien und zogen an einem Strang. Daraus entstanden große Gedanken: „Hey, wir könnten uns eine Stadt bauen und einen Turm errichten.“ Mit welchem Hintergrund? Wir denken schnell: Der Hintergrund ist, weil sie Gott herausfordern wollten. Ich glaube, das ist vielleicht mit dabei in der Erzählung, aber das steht hier gar nicht so explizit.
Ihr Hintergrund war ein anderer: Sie wollten sich Sicherheit schaffen, denn sie hatten Angst. Die Angst, dass sie auf einmal überall zerstreut werden und nicht mehr zueinander zurückfinden. Dass sie nicht mehr zusammenbleiben und ihre Stärke, die durch ihre Einheit kommt, verloren geht. Die Angst davor, alleine dazustehen.
Deshalb sagen sie: „Lasst uns so eine Stadt und einen Turm bauen, damit wir nicht zerstreut werden in alle Länder.“ Und davor kommt noch etwas anderes: „Lasst uns einen Namen machen, damit wir etwas Bleibendes hinterlassen.“ Ich denke, das ist damit gemeint, wenn hier die Rede davon ist, sich einen Namen zu machen – dass man sich an sie erinnert. So wie man sich an Abraham Lincoln oder Goethe erinnert, dass man etwas Bleibendes hinterlässt.
Das ist ihr Wunsch, und dieses Bleibende bringt ihnen letztendlich auch Sicherheit. Ja, ich glaube, wir sind da oft gar nicht so weit weg. Natürlich hat der wenigste von uns jetzt den Wunsch, Profifußballer zu werden oder ein neuer Goethe oder so etwas. Die meisten haben das wohl schon aufgegeben und sind in der Realität gelandet, dass sie es nicht werden.
Aber ja, der Wunsch kommt irgendwo mal auf. Wir haben oft den Wunsch, Bedeutendes zu leisten. Wir wollen, dass von unserem Leben etwas bleibt, dass Menschen sich noch an uns erinnern, wenn wir tot sind. Womit du das füllst, ist völlig unterschiedlich. Oft ist der Wunsch aber tief in uns verankert.
Auch den zweiten Wunsch, den Babylon hier kennt, haben wir ganz intensiv: Wir wollen die Zukunft im Griff haben. Wir wollen das, was wir nicht wissen, wohin das Leben führt, kontrollieren. Was auch immer es ist: Bei ihnen war die glorreiche Idee, dass sie mit der neuen Technik so einen großen Turm bauen, damit ihre Angst – die Zukunftssorge, zerstreut zu werden – nicht eintritt. Also damit Sicherheit da ist.
Sind wir da so weit weg? Haben wir nicht manchmal auch diesen Gedanken in uns: „Wenn ich … hätte, dann könnte ich mich beruhigt zurücklehnen. Dann hätte ich im Leben das erreicht, was mir wichtig ist.“ Vielleicht, wenn du die eine oder andere Position in deinem Job erreicht hast, wärst du endlich zufrieden und glücklich.
Vielleicht, wenn du endlich dein Haus abbezahlt hast oder überhaupt ein Haus gefunden hast, dann würde dein Leben passen und du wärst glücklich. Vielleicht, wenn du den Partner fürs Leben gefunden hast, würde das Leben perfekt laufen, glücklich sein, dann wäre alles heile Welt.
Alle, die verheiratet sind, wissen, dass auch dann noch nicht der Himmel auf Erden eintritt, auch wenn man den Partner noch so sehr liebt. Auch wenn du ein Haus hast, wirst du merken: Nein, es wird dir nicht die Erfüllung bringen. Aber der Gedanke kommt doch bei uns allen auf, oder? Dass wir uns dabei ertappen, dass es so etwas gibt: „Wenn das noch ist, dann wäre ich glücklich“ oder „Wenn ich doch endlich ein bisschen gesünder wäre und nicht mehr ständig diese Krankheiten hätte, die mein Leben plagen.“
Wir alle haben Hoffnungen, von denen wir uns Sicherheit erwarten. Oft denken wir: „Wenn ich das erreicht habe, dann passt es.“ Und wir setzen alles daran, es zu erreichen.
Gottes Eingreifen und das Urteil über Babel
Ich gehe zu Beginn ziemlich schnell durch die Geschichte und werde dann noch einmal ein bisschen zurückblicken. Denn in Vers 5 passiert jetzt ein gravierender Wendepunkt für die Leute in Babel. Das ist auch der Wendepunkt der Geschichte.
Dort heißt es: Gott fuhr hernieder, oder in der Lutherübersetzung: Gott kam herab. In der Lutherübersetzung ist es sehr schön beschrieben, dass er die Stadt und den Turm sah, die die Menschenkinder bauten. Also kommt Gott jetzt herunter und schaut sich den Turm an. Er sieht, was die Menschen da machen.
Ihr merkt schon, ich werde später noch mehr darauf eingehen, denn da ist wirklich Ironie mit drin. Die Menschen fühlen sich total stark. Sie bauen eine Stadt und einen Turm, der bis zum Himmel reicht. Und dann kommt diese Szene: Gott muss sich herabbewegen. Er muss erst einmal heruntersteigen und schauen, was die Menschen da eigentlich treiben.
Merkt ihr diese Ironie? Das ist ein bisschen so, als würden Kinder eine Legostadt bauen und sind super begeistert von ihrem großen Werk. Dann rufen sie den Papa und sagen: „Schau dir das mal an!“ Als Papa kommst du natürlich gerne, aber du musst dich erst einmal herunterbeugen, um dir das anzuschauen. Das ist sehr niedlich.
Vielleicht machen das Kinder bei einem Maurer, der gerade ein Haus gebaut hat, und sagen: „Der Papa hat ja auch ein Haus gebaut.“ Sicherlich freut man sich als Vater. Gott freut sich nicht, wie wir gleich sehen werden. Aber so ist es ein bisschen: Man muss sich herunterbeugen, um zu sehen, was die Menschen gemacht haben.
Die Menschen meinen, sie seien schon so hoch wie Gott. Und wie Gott das anschaut, führt es zu einem Urteil. Versucht mal, auszublenden, dass ihr die Babelgeschichte schon x-mal gehört habt. Im ersten Moment ist dieses Urteil nämlich etwas irritierend.
Das Urteil lautet: „Gott sprach: Es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen, und dies ist der Anfang ihres Tuns. Nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. Wollauf, lasst uns hinabfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner die Sprache des anderen spricht oder versteht.“ So zerstreute sie der Herr von dort in alle Länder, dass sie aufhören mussten, die Stadt zu bauen.
Wir können uns jetzt erst einmal fragen: Ist es falsch, eine Stadt und einen Wolkenkratzer zu bauen? Warum reißt Gott die Wolkenkratzer, die heute gebaut werden, nicht gleich wieder ein, wie das in Babel passiert ist? Ist es an sich schlecht, eine Stadt aufzubauen? Müsste Hersbruck eingerissen werden? Wenn nicht Hersbruck, dann Nürnberg? Und wenn nicht Nürnberg, dann vielleicht wenigstens New York?
Ist Technologie letztendlich das Problem? Ich glaube nicht. Wir dürfen nämlich den Hintergrund nicht vergessen, den habt ihr bestimmt alle schon wieder ausgeblendet.
Die Menschen hatten von Gott einen Auftrag bekommen. Ich frage jetzt einmal in die Runde: Was war der Auftrag der Menschen? Ja, die Erde euch untertan machen und herrschen über sie. Genau, das ist der erste wichtige Teil.
Dieser Auftrag wird noch einmal verschärft. Weiß jemand, wo das noch einmal von Gott betont wird? Ja, wo? Alex, hast du eine Idee? Alex hat gesagt: „Breitet euch aus.“ Ja, und wo kommt das vor? Genau, Benni hat es richtig gesagt: im Noah-Bund. Dort, wo Noah aus der Arche herausgeht und Gott mit ihm den Bund schließt.
In 1. Mose 9,1 segnet Gott Noah und seine Söhne und spricht: „Seid fruchtbar und mehret euch und füllt die Erde.“ Wenn ihr den Stammbaum davor anschaut, in der Linie Richtung Babel, seht ihr, dass die Menschen genau das Gegenteil tun. Sie verteilen sich nicht und füllen die Erde, sondern sie raufen sich zusammen. Sie haben Angst, sich auseinanderzuteilen und nicht mehr als eine ganze Gruppe zusammenzubleiben.
Die Menschen sollten sich eigentlich über die Erde verteilen, um sie zu füllen. Aber sie haben Angst davor. Und was ist ihr Weg? Sie bauen eine Stadt und einen Turm, um Sicherheit zu haben. Damit genau nicht das passiert, was Gott ihnen als Auftrag gegeben hat.
Sie haben Angst vor dem, was Gott als Wunsch für ihr Leben hat. Dadurch bringen sie zum Ausdruck, dass sie nichts anderes denken als Adam und Eva im Garten Eden: Sie vertrauen Gott nicht. Sie denken, wenn sie Gottes Auftrag leben würden, dann würden sie ins Risiko gehen. Ihr Leben würde nicht mehr gut laufen, es würde nicht weitergehen.
Dieser Städtebau drückt Misstrauen gegen Gott aus. Gleichzeitig ist es eine Herausforderung an ihn. Denn was führt dieses Misstrauen zu? Es führt zu Vertrauen in die eigene Leistung und dazu, sich über Gott zu setzen.
Was tun sie? Sie widersprechen Gottes Auftrag und sagen: „Wir bekommen es besser hin.“ Wenn wir eine Stadt bauen und einen Turm, dann wird unser Leben besser laufen, als Gott es bestimmt hat. Wenn wir unser Vertrauen auf uns selbst setzen und uns einen Namen machen, dann schaffen wir es besser.
Letztendlich setzen sie alle Hoffnung in ihre Leistung und ihre Technik. Wahrscheinlich waren auch ein paar andere Götter im Hintergrund, das wissen wir nicht genau. Doch wenn man in die Archäologiegeschichte schaut, findet man einiges aus jener Zeit, das darauf hindeutet, dass sie von anderen Göttern ihre Hoffnung erwarteten.
Damit ist es natürlich eine Herausforderung gegen Gott. Sie werfen seinen Auftrag über Bord und sagen, sie schaffen es besser. Wenn wir von anderen Göttern sprechen, dann waren das damals vielleicht Holz- oder Steinstatuen. Aber ich glaube, solche Götter haben wir heute auch.
Diese Dinge, die ich vorhin erwähnt habe, können ganz schnell zu unseren Götzen werden. Denn wir neigen ähnlich wie die Leute in Babel dazu zu sagen: „Wenn ich das habe, dann geht es mir gut.“ Oder: „Gott, gib mir das doch endlich!“ Das ist vielleicht sogar die fromme Variante.
Die andere Variante lautet: „Ich muss mein Leben darauf verwenden, um das zu erreichen. Dann wird es mir gut gehen.“ Oft geht es dabei nicht um die Sache an sich, dass sie schlecht wäre. Ich glaube nicht, dass die Stadt an sich schlecht gewesen wäre.
Es geht darum, dass man seine Hoffnung, seinen Sinn des Lebens und seine Sicherheit in diesen Dingen sucht. Vielleicht ist es das abbezahlte Haus in Grünen, wo endlich genug Platz für die Familie ist. Vielleicht der nächste Urlaub, der die ersehnte Erholung bringt, wo es einem endlich gut geht.
Vielleicht der nächste Job, der endlich Erfüllung bringt. Vielleicht die perfekte Gemeinde, und wenn man sie gefunden hat, wird es einem endlich gut gehen. Vielleicht die richtigen Freunde im Leben, dann wird es einem gut gehen.
Vielleicht die nächste Medizin, das nächste Aufbaupräparat, die nächsten Vitaminkocktails oder Ähnliches, die den Körper endlich fit machen, damit man wieder angenehm leben kann. Deine Hoffnung steckt in diesen Dingen. Deine Sicherheit steckt darin.
Das, was ich jetzt aufgezählt habe, habe ich bewusst so gewählt. Das sind erst einmal keine schlechten Dinge. Es ist nicht falsch, sich ein Haus in Grünen zu bauen, wo Platz für die Familie ist. Es ist nicht falsch, sich einen Urlaub zu gönnen. Die Bibel kennt auch Erholungszeiten.
Es ist nicht falsch, im Job gute Leistungen zu bringen. Ich plädiere dafür, sich eine gute Gemeinde zu suchen. Ich bin auch dafür, Medizin zu verwenden und dankbar für die Erfolge, die die Medizin in den letzten Jahrhunderten gebracht hat.
Aber der Gedanke, der dahinter steckt – den Eva hatte und die Menschen in Babel hatten – ist, ihren Sinn des Lebens, ihre Hoffnung und ihre Sicherheit in diesen Dingen zu finden. Das ist das Problem und das Risiko.
Am Ende ist es Rebellion gegen Gott, weil diese Dinge zum Götzen in unserem Leben werden. So ist der Turm und die Stadt zum Götzen für die Leute in Babel geworden.
Wo suchst du im Leben Erfüllung? Willst du dir einen Namen machen durch diese Dinge? Und wo suchst du Sicherheit, damit du nicht ins Unglück führst?
Die Ironie und das Urteil Gottes
Der Text beschreibt uns zunächst etwas, das auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint: Gott schaut sich an, wie die Menschen zusammenarbeiten, wie sie eine Einheit bilden und welche Technik sie nutzen. Diese Zusammenarbeit macht sie so stark, dass ihnen scheinbar nichts mehr unmöglich ist. Deshalb greift Gott ein – das ist zunächst sein Urteil.
Warum kommt Gott zu diesem Urteil? Ist es grundsätzlich schlecht, wenn Menschen zusammenarbeiten? Oder ist Technik per se negativ? Hat Gott vielleicht nur die Befürchtung, dass die Menschen dadurch wirklich so werden könnten wie er? Das war ja die große Frage im Garten Eden, die die Schlange aufgeworfen hat – was passieren würde, wenn die Menschen Gott gleich wären. Greift Gott deshalb ein? Ich glaube nicht.
Gott sagt, dass den Menschen nichts mehr unmöglich ist, weil er weiß, wohin das führt, wenn Menschen keine Grenzen mehr haben. Vor der Geschichte von Noah lesen wir Gottes Urteil über die Menschheit damals in 1. Mose 6,5: „Als aber der Herr sah, dass der Mensch in Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar.“ Das zeigt uns, wie der Mensch „tickt“.
Wenn ihr euch an das Ende der Kain-Geschichte erinnert, wo von Lamech die Rede ist – einem Nachkommen Kains, der Leute tötet, weil sie ihm Kratzer zugefügt haben, und sich davor sogar noch rühmt, vor seinen mehreren Frauen –, dann wird deutlich, wohin es führt, wenn dem Menschen nichts unmöglich ist. Wenn der Mensch in der Blüte seiner Kraft steht, tun und walten kann und ihm keine Grenzen gesetzt sind.
Wenn Menschen ohne Gottes Einheit und Sicherheit bauen wollen, zeigt die Geschichte oft genug, wohin das führt. Man braucht nur die großen Reiche der Antike und der Neuzeit anzuschauen: Ägypten, Babylon, Persien, Griechenland, Rom. Wie viele Katastrophen haben die vermeintlichen Weltreiche und menschlichen Einheiten im 19. und 20. Jahrhundert angerichtet? Wir können über die Kolonialmächte sprechen, die heute weltpolitisch fast alle nur noch Zwerge sind. Wir können über den Nationalsozialismus sprechen, mit seiner offensichtlichen Perversion von allem, was gut und böse ist. Und wir können über den Sozialismus sprechen, der mit rohen Zielen angetreten ist – Einheit zu schaffen, Liebe, Gleichheit und Brüderlichkeit – und bis heute nie dagewesenes Leid über die Erde gebracht hat und bringt.
Ich glaube, diese großen Bewegungen der Menschheit sprechen eine Sprache: Wenn Gott die Menschen laufen lässt und sie all ihre Kraft und Einheit zusammenbringen können, und die Technologie, die sie geschaffen haben, verwenden können, dann bringt das nur eines hervor: dass sie diese Welt ins große Chaos und ins Unglück stürzen. Wir Menschen nutzen diese Dinge nicht zum Guten, sondern leider, um tiefes Leid anzurichten und Probleme hervorzurufen.
Und das ist, glaube ich, der Punkt, den Gott hier meint, wenn er sagt, dass den Menschen nichts mehr unmöglich ist: Wir müssen eingreifen. Denn wenn Gott die Menschen hier weiterlaufen ließe, hätten sie wahrscheinlich die Erde innerhalb kürzester Zeit vernichtet.
Das Eingreifen Gottes und die Verwirrung der Sprachen der Menschen sind gleichzeitig ein präventives Eingreifen und, ich würde sagen, ein Stück weit sogar Gnade Gottes. Er setzt Grenzen, damit die Menschen ihre Kraft und Einheit nicht so exzessiv ausleben können, wie sie es bei Babel getan hätten. Wenn er das weiterlaufen ließe, wäre die Welt wirklich total vernichtet worden.
Und ganz ehrlich: Wir können das für die Welt sagen, aber wir müssen es auch für unser eigenes Leben zugeben. Wenn Gott oft nicht eingreifen würde, wo wir mit eigener Kraft vorwärts marschieren und handeln, dann würden wir auch ins dicke Chaos stürzen.
Vielleicht würden wir, um unsere Ziele zu erreichen oder die Sicherheit zu bekommen, die wir brauchen, auf Kosten anderer unseren Reichtum erarbeiten. Wen musst du auf Abstand halten, weil er dir sonst gefährlich werden könnte? Für deine Position im Job? Den musst du aus dem Weg schaffen. Damit meine ich nicht gleich, ihn umzubringen, aber das lässt sich ja auch anders machen: ihn diskreditieren, auflaufen lassen oder Ähnliches, weil du Angst hast, er könnte dir gefährlich werden.
Wer sind die Leute, von denen du Abstand halten musst, damit deine Komfortzone im Leben nicht zu sehr angegriffen wird? Und wenn du dich für besonders klug und schlau hältst, sind deine Entscheidungen vielleicht trotzdem schlecht für dich. Gott muss sie manchmal verhindern, damit du nicht dein ganzes Leben ins Chaos stürzt, obwohl du überzeugt bist, dass es richtig wäre.
Ich glaube, hier wird auch sichtbar, was Gott in unserem Leben immer wieder tut: Er setzt scheinbar ein Stoppschild, das wir überhaupt nicht verstehen können, weil wir denken, es müsste doch jetzt weitergehen. Vielleicht verhindert er etwas, weil unser Herz uns in eine Richtung treiben würde, die nicht gut für uns ist.
Ich glaube, dass das auch bei Babel mit dabei ist: Gott verhindert hier, dass die Menschen die Welt noch mehr ins Unglück stürzen können. Natürlich ist es auch Gericht Gottes über das, was die Menschen tun, weil sie andere Dinge an Gottes Stelle gesetzt haben.
Das wird in dieser Erzählung unheimlich durch Ironie deutlich. Sie soll den Menschen klarmachen, wie töricht sie sind – jetzt mal ganz hart gesagt – in dem, was sie tun: Sie wollen sich selbst einen Namen machen, sich Sicherheiten aufbauen und den Sinn ihres Lebens von ihren eigenen Handlungen abhängig machen – und nicht von dem, was Gott für ihr Leben gedacht hat.
Sprachliche Struktur und Ironie der Erzählung
Ich kann euch das jetzt nur skizzieren. Eigentlich wollte ich das als Folie vorbereiten, habe es aber irgendwie vergessen. Tut mir leid.
Die ganze Erzählung ist als sogenannter Chiasmus aufgebaut. Das ist wahrscheinlich eines der eindrücklichsten Beispiele für einen Chiasmus im Alten Testament. Chiasmus bedeutet, dass die Erzählung nicht wie bei uns in Deutschland auf einen Höhepunkt zusteuert, dann einen Schluss hat und vorbei ist – so habt ihr das vielleicht in der Schule gelernt. Im Hebräischen wird das oft anders gemacht. Die Handlung läuft auf einen Höhepunkt zu und kehrt dann wieder zurück.
Man kann viele Elemente parallel zueinander setzen. Das lässt sich hier deutlich zeigen, indem in Vers 1 von einer gemeinsamen Sprache aller Menschen die Rede ist, während sich Vers 9 mit den vier Sprachen der Menschen beschäftigt. In Vers 2 heißt es, sie siedelten dort, und in Vers 8 geht es darum, dass sie von dort vertrieben werden.
In Vers 3 sagen die Menschen: „Los, lasst uns Ziegel bauen!“ Und in Vers 7 heißt es: „Los, lasst uns verwirren!“ Die Menschen wollen etwas tun, und Gott will etwas tun. In Vers 4 heißt es: „Los, lasst uns bauen!“ Und in Vers 5 wird wieder das betrachtet, was die Menschen gebaut haben. Vers 5 ist der zentrale Punkt. Man kann das nicht immer nur an ganzen Versen festmachen, sondern oft auch an Teilversen.
In Vers 4 geht es nochmals darum, eine Stadt und einen Turm zu bauen. In Vers 5 schaut sich Gott diese Stadt und den Turm an. Im Zentrum steht der Wendepunkt der Geschichte: Gott kommt herab.
Warum skizziere ich das so kurz? Weil auf der einen Seite der Geschichte die Handlung der Menschen steht und das, was sie sich vorgenommen haben. Das wird durch Wortwiederholungen deutlich. Die Menschen sagen nämlich oft „Los, lasst uns machen“ oder „Kommt“, je nachdem welche Bibelübersetzung man hat. Das kommt sehr häufig vor. Die Menschen kümmern sich erst einmal darum.
Dann aber kommt der Wendepunkt der Geschichte. Gott verwendet dasselbe Wort, nämlich „Los, lasst uns“. Am Ende der Geschichte ist klar, wessen Vorsatz ausgeführt wird. Von dem, was die Menschen sich vorgenommen haben mit „Los, lasst uns machen“, bleibt am Ende nicht viel übrig. Aber von dem, was Gott sagt: „Los, lasst uns“, wird ausgeführt.
Das steht am Ende der Geschichte: Die Menschen wollten sich dort ansiedeln, aber Gott vertreibt sie von dort. Es gibt viele Wiederholungen, die zeigen, was die Menschen sich gedacht haben. Das ist total spannend. Die Menschen wollten sich einen Namen machen, doch Gott gibt ihnen einen Namen.
Diese Stadt sollte den Menschen einen Namen geben, aber Gott hinterlässt einen Namen, der extrem ironisch ist. Er bezeichnet diese Stadt als „Verwirrung“. Dazu muss man wissen, dass im Akkadischen – der Sprache, die damals wohl häufig gesprochen wurde und von der man einige Tontafeln gefunden hat – Babel als „Tor Gottes“ bezeichnet wurde.
Gott gibt dieser Stadt Babel aber einen anderen Namen. Er gibt ihr eine Bedeutung: Verwirrung, weil Gott dort die Sprache verwirrt hat. Dort, wo die Menschen sich einen großen Namen machen wollten, steht am Ende ein Name, der für Chaos, Verwirrung und Zerstreuung steht. Das bleibt übrig.
Im Hebräischen ist das sogar ein Wortspiel. Das Wort „Babel“ heißt Babel, und „verwirren“ heißt „balal“. So gibt es Babel, balal, Babel, balal – das klingt sehr ähnlich. Das ist voller Ironie. Auch das „Kommt, lasst uns machen“ im Hebräischen ist ähnlich aufgebaut. Das würde jetzt zu weit führen, aber der Text strotzt nur so vor sprachlichem Spiel, um über Sprachenverwirrung zu reden.
Das ist wirklich voll Ironie. Auch die Erzählung selbst – das kommt ja auch im Deutschen rüber – zeigt Gottes Handeln als sehr ironisch. Die Menschen wollen einen Turm bauen, der bis zum Himmel reicht. Und was muss Gott tun? Er muss sich herabbeugen, um sich das anzuschauen.
Die Menschen wollen sich einen Namen machen, und Gott gibt ihnen Namen von Verwirrung und Chaos. Im Psalm 2,4 heißt es: „Der im Himmel wohnt, lacht ihrer, und der Herr spottet ihrer.“ Ich formuliere das jetzt bewusst ganz hart in diesem Lutherdeutsch.
Es ist wirklich so: Wenn wir meinen, uns einen Namen machen zu können und eigene Sicherheiten aufzubauen, hat Gott nur ein Lachen dafür übrig. Wenn wir Menschen vielleicht sogar meinen, es besser hinzubekommen als Gott und ihn herausfordern wollen, wenn wir uns von anderen Dingen die Sicherheit erhoffen, die nur Gott geben kann, dann lacht er.
Ein gutes Beispiel ist die Titanic, aber auch viele andere Situationen im Leben. Ich bin überzeugt: Jede Kultur, die sich wie Babel gegen die Moral und Wege Gottes stellt, wird dasselbe Schicksal erleiden. Das zeigt die Geschichte wie nichts anderes.
Wo ist das stolze Ägypten? Wo sind die Babylonier? Wo sind die Perser? Wo sind die Griechen? Wo sind die Römer? Wo sind die einst stolzen Kolonialmächte? Wo ist das Dritte Reich? Wo sind all die großen sozialistischen Nationen, die mit rohen Zielen angetreten sind, aber gegen Gott Selbstsicherheit schaffen wollten?
Ich bin überzeugt, dass auch jede andere Großmacht dieser Welt diesem Schicksal entgegengeht, wenn sie ohne Gott baut, wie Babel es getan hat. Ganz gleich, ob das die Europäische Union ist, ob das China ist oder wer auch immer.
Ich möchte das gerade für unsere Zeit herausheben. Aus meiner Sicht wird heute definitiv versucht, ohne Gott Einheit zu schaffen. Das Ziel ist dasselbe: Man will Einheit schaffen, Gleichheit schaffen, gemeinsam vorwärtsgehen und füreinander sorgen.
Aber man will das mit eigener Kraft und eigener Sicherheit tun. Dahinter steckt kein anderes Denken als bei Babel. Wenn wir das mit eigener Kraft und Sicherheit tun wollen, hat Gott nur eine Reaktion: Er lacht. Er lacht, er spottet.
Damit will ich nicht sagen, dass es falsch ist, auf Schwächere Rücksicht zu nehmen oder Einheit zu suchen. Nein, aber nicht ohne Gott.
Gott lacht ihrer. Und ich bin überzeugt: Wenn du in deinem Leben versuchst, vorwärts zu rennen, weiterzugehen und eigene Sicherheiten aufzubauen; wenn du versuchst, dir selbst einen Namen zu machen und deinem Leben einen Sinn zu geben, hat Gott nur ein Lachen dafür übrig.
Wenn du versuchst, ihn herauszufordern, lässt er sich herausfordern. Die Leute in Babel haben erlebt, wozu das führt: Chaos, Verderben und Vernichtung.
Der Kontrast zwischen Babel und Abraham
Ist es falsch, eine Stadt zu bauen? Ist es falsch, den Wunsch zu haben, sein Leben sinnvoll zu leben und am Ende etwas Bleibendes zu hinterlassen, sich einen Namen zu machen? Ich denke nicht.
Aber Babel und die Geschichte vom Turmbau zu Babel sind der Türöffner für eine neue Geschichte, die Gott ab Kapitel zwölf beginnt zu schreiben. Ab dort tritt jemand anderes auf den Plan, der eine ganz andere Geschichte der Menschheit beginnt: Abraham. Mit ihm schreibt Gott Geschichte. Ich möchte nur ein paar kurze Spotlights setzen, um uns zu zeigen, was der Unterschied ist und warum diese Babel-Geschichte bewusst im Kontrast zur Abraham-Geschichte steht.
In Hebräer 11,10 wird uns nämlich rückblickend etwas über Abraham gesagt, und den Vers kennt ihr: „Denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist.“ Abraham hat also auch Sehnsucht nach einer Stadt, auch er sehnt sich nach einem bleibenden Ort, von dem er nicht mehr zerstreut wird. Aber der Weg dahin ist nicht, dass er anfängt, eine Stadt zu bauen. Der Weg dahin ist nicht, dass er in Ur in Chaldäa bleibt und versucht, diese Stadt möglichst schön zu gestalten. Sondern der Weg dahin ist, dass er auf Gottes Ruf hört, der zu ihm – ähnlich wie bei der Bevölkerung nach Noah – sagt: „Geh hin, verlasse deine Sicherheit, verlasse deinen Vaterort, dann will ich dich segnen.“
Abraham ist diesen Weg gegangen. Er hat sich auf Gott verlassen. Er wusste, er selbst kann diese Stadt nicht bauen, er selbst kann sich diese Sicherheit nicht schaffen. Nur Gott kann das. In 1. Mose 12,2-3, wo die Abraham-Geschichte losgeht, gibt Gott Abraham die erste Verheißung. Er sagt ihm – und er verheißt ihm genau das, was die Leute in Babel wollten und gescheitert sind, nur ein Kapitel später in der Erzählung hier. Gott verheißt ihm: „Ich werde dich zum großen Volk machen, ich werde dich segnen, und dir einen großen Namen machen.“ Das ist das, was die Leute in Babel wollten.
Und weiter: „Du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen, und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“ Ja, dieser große Name geht über Abraham hinaus. Es wird einen Namen geben, durch den wir alle Menschen gesegnet werden. Paulus zieht das in Galaterbrief darauf, dass dieser Name vor allem der Name Jesus Christus ist. In der Apostelgeschichte lesen wir auch, dass in keinem anderen Namen letztendlich Heil ist.
Gott macht Abraham schließlich zum Vater des Glaubens, weil Abraham nicht selbst versucht hat, sich einen Namen zu machen. Abraham hat auf Gottes Wege vertraut und nicht selbst versucht, sich Sicherheit zu schaffen wie die Leute in Babel. Stattdessen hat er Gott vertraut, dass er ihm Sicherheit gibt.
Merkt ihr den Kontrast? Die Babel-Geschichte steht im Gegensatz zur beginnenden Abraham-Geschichte. Es ist ein völliger Unterschied. Wenn wir Sehnsucht nach Einheit haben, ist das keine falsche Sehnsucht. Ich finde es nicht falsch, dass die Welt die Sehnsucht danach hat, dass wir Menschen eins sind, alle gleich miteinander umgehen, es allen gleich gut geht und keine Nation gegen Nation steht.
Die Sehnsucht ist nicht falsch, der Weg dahin ist der Fehler. Denn die Menschen wollen es selbst bauen. Einheit ist nur auf einem Weg möglich, wie sie wiederhergestellt werden kann, was in Babel kaputtgegangen ist: die Einheit der Menschen. Und zwar durch Gottes Geist.
Es gibt auch eine Erzählung im Neuen Testament, die darauf Bezug nimmt – ihr kennt sie alle. Die Geschichte mündet zurück in Pfingsten, wo der Geist Gottes niederkommt und Einheit schafft, indem er die Gemeinde aufbaut. Dort, wie Tobi gerade über den Epheserbrief predigt, werden Menschen aus verschiedenen Hintergründen, Nationen und sozialen Schichten eins.
Das wird deutlich an Pfingsten, wo kurzzeitig die Sprachverwirrung aufgehoben ist. Die Menschen verstehen Petrus wieder in ihrer eigenen Sprache, und diese Barriere wird kurzzeitig ausgesetzt. Ich lese es jetzt nicht vor, ihr könnt es zuhause in Apostelgeschichte 2 ab Vers 5 nachlesen.
Diese Gemeinde zeigt, dass dort, wo Gott in Babel Grenzen gesetzt hat, sie in Jesus Christus und durch Gottes Geist wieder aufgelöst werden können. Das ist der Unterschied. Aber wir Menschen können das nicht selbst schaffen. Es kann nur Gott schaffen, weil wir Menschen dafür erst ein neues Herz brauchen.
Sonst führt diese Einheit zu genau dem, was in Babel geschehen ist: Chaos, Untergang, Verwirrung und letztendlich ein Affront gegen Gott. Nur so kann eine Einheit entstehen, die in Offenbarung 7,9 vom Thron Gottes steht. Ich lese euch den Vers vor:
„Danach sah ich, und siehe, eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen, Stämmen, Völkern und Sprachen. Sie standen vor dem Thron und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern und Palmenzweigen in ihren Händen. Und sie riefen mit großer Stimme: ‚Das Heil ist bei unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und bei dem Lamm!‘“
Gott wird also wieder Einheit schaffen – in Jesus Christus.
Schlussfolgerung: Vertrauen auf Gott statt auf eigene Leistung
Was bedeutet das jetzt für dein Leben? Es bedeutet ganz einfach, dich auf Gott zu verlassen, in ihm den Sinn deines Lebens zu suchen. Du sollst das aufgeben, wovon du dir Sicherheit erwartest, und dich in seine Hand fallen lassen. Vertraue darauf, dass er die Dinge richtig macht.
Wenn Gott sagt: „Zerstreut euch auf die ganze Erde“, dann tue es. Wenn Gott zu Abraham sagt: „Geh hin“, dann geh, auch wenn du nicht weißt, was das mit sich bringt. Auch wenn du die Zukunft nicht im Griff hast und Angst und Zittern auf diesem Weg empfindest, vertraue ihm einfach.
Hinterfrage dein Leben. Überlege, wo du dir vielleicht gerade einen großen Namen machen möchtest oder wo du dir Selbstsicherheiten aufbauen willst, die nur Gott dir geben kann. Wo nur Gott dir einen Namen machen kann.
Was bist du gerade nicht bereit aufzugeben? Weil dein Herz daran hängt, weil du daran klammerst, weil es dir Sicherheit gibt. Welche eigentlich guten Dinge in deinem Leben haben mittlerweile Gottes Platz eingenommen, weil sie dir mehr Sicherheit versprechen? Glaub mir, Gott lacht über diese Dinge nur. Und du bringst Gott damit gegen dich auf, denn er kämpft um seinen Platz. Du sollst keine anderen Götter neben dir haben – räum sie weg!
Dabei geht es nicht darum, dass diese Dinge an sich schlecht sind – das betone ich nochmals. Aber vielleicht haben sie eine Götzenstellung bei dir eingenommen. Vielleicht ist es dein Haus, vielleicht deine Familie, deine Altersvorsorge, deine Gesundheit, dein Aktiendepot, deine Mietswohnungen oder irgendetwas anderes, worauf du all deine Hoffnungen setzt. Wo sie zum Lebensmittelpunkt werden, zum Götzen, die dich ins Unglück stürzen und dein Leben am Ende nur verwirren und Chaos hinterlassen. Damit hast du Gott gegen dich.
Ich wünsche mir, dass du wie Abraham werden kannst: dass du dein ganzes Vertrauen, deine ganze Hoffnung und deine ganze Sicherheit auf ihn setzt. Dass du nicht mehr selbst hoffst, irgendetwas hier zu erreichen oder zu schaffen, sondern Gott vertraust und ihn machen lässt. Dass du, wenn du weißt, das wäre der richtige Weg, ihm gehst, auch wenn er dich etwas kostet.
Denn dann wirst du ironischerweise genau das erreichen, was du dir vielleicht am meisten wünschst: einen Namen. Weil du vielleicht wirklich sinnvoll gelebt hast, weil du vielleicht wirklich das Richtige getan hast und Bleibendes hinterlässt – eine Sicherheit, die nur Gott dir geben kann. Das ist Ironie.
Die Menschen aus Babel haben das nicht erreicht, obwohl sie ihr ganzes Leben darauf verwendet haben, weil sie damit Gott gegen sich gebracht haben. Abraham hat das letztendlich erreicht, obwohl er sein ganzes Leben nicht dafür gelebt hat, weil er einfach nur Gott vertraut hat.
Wow, lasst uns Abrahams sein als Vorausblick auf seine Geschichte und auf Gott vertrauen! Ich wünsche mir, dass du erlebst, dass er das schafft!
Wenn wir sehen, wie er Einheit schafft, was die Welt bis heute nicht hinkriegt, und eines Tages vor seinem Thron alle zusammenstehen – Menschen aus den verschiedensten Ländern und Sprachen –, und wir einander wieder verstehen, auch als Leute in der Gemeinde uns nicht mehr missverstehen, weil diese Verwirrung aufgehoben ist, dann freue ich mich darauf. Denn ich bin überzeugt: Gott kann es schaffen, was wir nicht hinbekommen.
Amen.
