Einführung in den letzten Weheruf Jesu an die Gesetzesgelehrten
Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 505: Wehe, ihr Gesetzesgelehrten – Teil 5.
In dieser Episode betrachten wir den dritten und letzten Weheruf Jesu gegen die Gesetzesgelehrten.
Lukas 11,52: „Wehe euch, Gesetzesgelehrte, denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen. Ihr selbst seid nicht hineingegangen, und die hineingehen wollten, habt ihr gehindert.“
Der Vorwurf lautet also, dass sie den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen haben. Das Bild von einem Schlüssel steht für den Zugang zu einer Sache. Der Schlüssel der Erkenntnis ist demzufolge der Zugang zur Erkenntnis Gottes, und diesen Zugang haben sie weggenommen.
Das ist natürlich ein vernichtendes Urteil. Sie, die sich für die besten Ausleger und Erklärer der Bibel halten, haben nicht nur selbst keine Ahnung, sondern sorgen auch noch dafür, dass niemand sonst Gott erkennt.
Die Verantwortung der Gesetzesgelehrten und ihre Versäumnisse
Ihr Auftrag wäre es gewesen, anderen auf ihrer Suche nach Gotteserkenntnis beizustehen, sie anzuleiten und ihnen eine Hilfe zu sein. Doch sie sind nicht nur keine Hilfe, sondern selbst das Problem. Dieses Problem ist der Grund für den großen Mangel an tiefer geistlicher Erkenntnis in Israel.
Es liegt an ihrem Umgang mit dem Wort Gottes und an ihrer Haltung gegenüber diesem Wort, dass es den einfachen Israeliten schwerfällt, Gott und seinen Willen zu erkennen. Sie legen den Gläubigen unnötige Lasten auf durch ihre Auslegung und konzentrieren sich zu sehr auf Äußerlichkeiten. Dadurch werden sie zu einer Gefahr für diejenigen, die theologisch weniger gebildet sind.
Lukas 11,52 sagt: „Wehe euch, Gesetzesgelehrten, denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen. Ihr selbst seid nicht hineingegangen, und die hineingehen wollten, habt ihr gehindert.“
Was für ein vernichtendes Urteil! Weder haben sie selbst echte Erkenntnis gefunden, noch sind sie denen zum Segen geworden, die solche Erkenntnis suchten. Ja, schlimmer noch: Diejenigen, die hineingehen wollten, habt ihr gehindert.
Die gesellschaftliche Wirkung falscher Lehre
Halten wir an dieser Stelle kurz fest: Menschen können durch ihr Verhalten andere daran hindern, Gott und sein Wort zu erkennen. Eine ganze Gesellschaft kann von wenigen so geprägt werden, dass der Einzelne kaum noch eine Chance hat, Gott so zu sehen, wie er wirklich ist.
Warum sage ich das? Weil wir in einer solchen Gesellschaft leben. Unsere Gesetzesgelehrten wurden entweder an den theologischen Fakultäten der staatlichen Universitäten ausgebildet oder betreiben erfolgreich ihren Selbsthilfe-YouTube-Kanal.
Inhaltlich macht es dabei keinen Unterschied, ob ich einem progressiven Theologen oder einem Esoteriker zuhöre. Beide werden mich in dieselbe Richtung führen – und zwar weg von Gott. Beide sagen mir, dass ich die Lösung meiner Probleme bin. Die Kraft steckt in mir, in meinen Gedanken, ich muss mich nur anstrengen.
Und sie sagen mir natürlich auch, was ich tun muss. Das kann ganz unterschiedlich aussehen. Seinen einfältigen Kinderglauben zu dekonstruieren, ist nicht dasselbe wie die Teilnahme am Sonnentanzritual. Aber beides enthält dieselbe grundsätzliche Idee: Ich kann mich durch mein Tun und mein Denken selbst erlösen.
Eben die alte Lüge: „Ihr werdet sein wie Gott.“
Jesu Vorwurf und die Warnung an heutige Bibellehrer
Und genau das ist im Kern auch das, was Jesus den Gesetzesgelehrten vorwirft. Ihr treibt die Menschen weg von Gott und hinein in eine Religion der Selbstgerechtigkeit und der frommen Floskeln. Die Weherufe gegen die Gesetzesgelehrten sind also auch eine Warnung an heutige Bibellehrer.
Nicht umsonst schreibt Jakobus: „Werdet nicht viele Lehrer, meine Brüder, da ihr wisst, dass wir ein schwereres Urteil empfangen werden“ (Jakobus 3,1). Paulus ergänzt in 2. Timotheus 2,15-16: „Strebe danach, dich Gott bewährt zur Verfügung zu stellen, als einen Arbeiter, der sich nicht zu schämen hat, der das Wort der Wahrheit recht austeilt. Die unheiligen, leeren Geschwätze aber vermeide, denn sie werden zu weiterer Gottlosigkeit fortschreiten.“
Es ist wichtig, dass ich mir als Bibellehrer der Verantwortung bewusst bin, die Gott mir gegeben hat. Deshalb habe ich gesagt: Menschen können durch ihr Verhalten andere Menschen daran hindern, Gott und sein Wort zu erkennen.
Und als jemand, der selbst Gottes Wort liebt, kann ich nur jedem Hörer dieses Podcasts dringend raten, das, was er an Predigten hört, an der Bibel zu prüfen. Nur weil ein Prediger bekannt ist, oder weil ein Buch viele Luther-Zitate enthält, oder der Podcast so erbaulich war, zählt am Ende nicht, was Menschen sagen – niemals. Am Ende zählt, ob die Position zu dem passt, was Gottes Geist hat aufschreiben lassen.
Deshalb wünsche ich mir für jeden, was ich heilige Kritikfähigkeit nenne. Das mag für Anfänger des Glaubens ein hohes Ziel sein, aber bleib einfach dran. Ja, die Bibel ist komplex, ja, sie enthält ein paar wirklich schwierige Themen. Aber das, was wir brauchen, um in einer Liebesgehorsams-Beziehung zum Herrn Jesus zu leben, ist nicht kompliziert. Das ist sogar recht einfach.
Die Konfrontation zwischen Jesus und den Schriftgelehrten
Aber gehen wir weiter im Text, Lukas 11, die Verse 53 und 54:
Als er von dort hinausgegangen war, fingen die Schriftgelehrten und die Pharisäer an, hart auf ihn einzudringen und ihn über vieles auszufragen. Sie lauerten auf ihn, um etwas aus seinem Mund zu erjagen.
Wir merken, dass jetzt Spannung in der Luft liegt. Kaum war Jesus draußen, begannen die Schriftgelehrten und die Pharisäer, ihm Fragen zu stellen. Dabei sind die Fragen nicht harmlos. Es geht ihnen nicht um Verständnis, sondern sie wollen ihn diskreditieren. Sie wollen aus seinem Mund eine Antwort auf eine ihrer Fragen hören, mit der sie ihn schlecht machen können.
Diese Pharisäer und Schriftgelehrten, denen Jesus vorgeworfen hatte, dass sie Spitzfindigkeiten und die Ehre von Menschen lieben, dass sie Gefallen an von Menschen erdachten Lehren haben und eine Abneigung gegen das offenbarte Wort Gottes zeigen – sie sind die Heiligen und Wissenden, denen es in Wirklichkeit an beidem fehlt: sowohl an Heiligkeit als auch an Wissen.
Sie wollen mit ihren Fragen Jesus in die Ecke drängen. Sie wollen, dass er etwas sagt, das sie gegen ihn verwenden können. Aber sie finden nichts.
Stattdessen warnt der Herr Jesus seine Jünger noch einmal vor der Heuchelei der Pharisäer.
Warnung vor der Heuchelei der Pharisäer
Lukas 12,1
Als sich unterdessen viele Tausende der Volksmenge versammelt hatten, so dass sie einander traten, fing Jesus an, zuerst zu seinen Jüngern zu sagen: „Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das heißt vor der Heuchelei.“
Tausende drängen sich, das Jesus-Movement hat Zulauf. Doch Jesus bleibt völlig realistisch und warnt: Hütet euch vor der Heuchelei. So wie Sauerteig einen ganzen Teig durchsäuert, kann Heuchelei eine ganze theologische Bewegung durchsäuern und zerstören.
Diese Warnung wird vielleicht gerade in dem Moment besonders wichtig, wenn sich Tausende versammeln, um einen zu hören. Hütet euch vor der Heuchelei.
Abschlussgedanken zur Echtheit des Glaubens
Lasst mich diese Episode mit einer Warnung beenden. Sowohl die Pharisäer, die Becher und Schalen reinigen, aber nicht ihre Herzen, als auch die Schriftgelehrten, die sich um die Kräfte der Propheten kümmern, aber nicht deren Herzenshaltung, sind Heuchler. Beide spielen Frömmigkeit und eine Nähe zu Gott nur vor.
So möchte ich die Frage in den Raum stellen: Was sehen Menschen, wenn sie mir begegnen? Sehen sie einen Heuchler, der nur eine Show abzieht, aber tief im Inneren seinen eigenen Interessen nachgeht? Oder sehen sie einen Jesusnachfolger, der wirklich zuerst nach Gottes Gerechtigkeit und nach seinem Reich trachtet?
Was könntest du jetzt tun? Denke in Ruhe über die Frage nach, die ich dir eben gestellt habe. Nimm dir Zeit zum Nachdenken.
Das war's für heute. Wir dürfen als Christen jeden Tag Sünde bekennen und Buße tun. Das ist ein Vorrecht und eine Pflicht. Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
