Generierte Mitschrift
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Einstieg in das Thema
Ja, auch von meiner Seite guten Morgen zusammen.
Ich weiß nicht, wie es euch geht, wenn ihr so in der Bibel unterwegs seid, ob ihr vielleicht auch manchmal das Gefühl habt, dass ihr die Bibel lest, aber das, was da steht, mit eurem Leben herzlich wenig zu tun hat. Ich muss ehrlich sagen: Manchmal geht es mir so, gerade bei Texten aus dem Alten Testament. Ich lese sie und denke: Ja, das stimmt schon alles so. Aber ich weiß jetzt nicht genau, was das mit mir zu tun hat.
Ich möchte euch heute Vormittag in ein Thema mit hineinnehmen, das mich in den letzten zwei bis drei Jahren immer mehr beschäftigt hat. Ich habe auch schon darüber gepredigt, aber ich möchte euch dazu einen Text aus dem Neuen Testament zeigen. Und in diesem Text steckt ein Zitat aus dem Alten Testament drin, über das du dir wahrscheinlich noch nie intensiv Gedanken gemacht hast. Wollen wir mal schauen?
Vielleicht denkst du: Warum kommt jetzt dieses alttestamentliche Zitat in diesem neutestamentlichen Text vor? Und dann wird sogar noch anders zitiert, als es dort steht. Ich bin kürzlich über eine ganz andere Stelle gestolpert. Da wird in Hebräer 10,5 zum Beispiel gesagt: „Opfer und Gaben hast du nicht gewollt, einen Leib aber hast du mir bereitet.“ Kennt ihr das? Vielleicht seid ihr schon mal darüber gestolpert. In der Originalstelle aus Psalm 40 heißt es aber: „Ohren aber hast du mir bereitet“, nicht „einen Leib“.
Das sind solche Dinge, wo man dann denkt: Moment, ist es jetzt dieses Zitat? Und warum wird es hier so zitiert? Ist es gar nicht genau der gleiche Text? Hat derjenige, der das zitiert hat, vielleicht nicht mehr richtig im Kopf gehabt, wie es im Original gelautet hat? Oder hat er eine falsche Übersetzung gehabt? Oder, und davon bin ich tatsächlich überzeugt, ist es göttliche Absicht? Gott möchte uns etwas zeigen. Er möchte uns an diesen Dingen etwas zeigen, die für die klar werden, die nachfragen, die sich Zeit nehmen und die vielleicht auch mal graben und buddeln.
Mein Thema heute Morgen lautet: Einheit.
Wenn wir in die Bibel reinschauen, dann merken wir, dass Einheit ein ganz wichtiges Thema ist. Ich glaube, gerade in der heutigen Zeit ist es ein besonders wichtiges Thema, weil wir in einer Zeit leben, in der wir gefühlt überall und von überall her auf alles Zugriff haben. Du kannst heute Abend im Zug eine Predigt hören, die heute Morgen in Südkorea gehalten wurde. Und wenn du kein Koreanisch kannst, dann kannst du sie dir übersetzen lassen. Du kannst live dabei sein bei Tausenden von Gottesdiensten aus allen möglichen Kirchen und Denominationen.
Früher waren viele Leute hauptsächlich in ihrer eigenen Blase unterwegs. Sie gingen in ihre Gemeinde und maximal auf Konferenzen aus ihrer Denomination. Die Prediger kamen auch aus ihrer Blase. Heute steht allen alles offen. YouTube und Social Media transportieren es direkt in deine Hosentasche. Und da hörst du auf YouTube und so weiter nicht nur das Gute und das Schöne und das Wahre und wie toll diese Gemeinden alle sind. Wenn du möchtest, kannst du auch millionenfach hören, wie verkehrt alle anderen sind.
Wenn einer sich deutlich zu irgendeinem biblischen Thema äußert, dann kann es sein, dass kurz darauf ein Reaktionsvideo kommt, also eine Stellungnahme von jemand anderem. Und der macht ihn komplett platt und sagt, das ist ein Irrlehrer, ganz verkehrt. In grausigen Worten und mit Feuer und was weiß ich was wird dann sein Gesicht in einer bösen Pose gezeigt.
Ich will das jetzt erst einmal gar nicht werten. Ich möchte nur feststellen: Diese Informationen waren früher ja nicht ansatzweise so verfügbar. Und wir als Gemeinde, nicht nur hier in Speichingen, sondern auch wir als Leib Christi weltweit, müssen ja irgendwie damit klarkommen.
Und wir merken, ich weiß nicht, ob du das merkst, aber ich empfinde es so: Wir als gläubiger Leib weltweit driften auseinander, bis es uns Gläubigen schwerfällt, Einheit zu halten. Den Arminianern, wenn sie strenge Calvinisten sehen. Den Paul-Gerhardt-Liebhabern, wenn sie einem christlichen Rapper zuhören. Den Pfingstlern, die mitbekommen, dass andere sie belächeln in Bezug auf Zungenrede und was sie da alles für richtig halten und praktizieren. Den Gesetzestreuen, wenn die anderen sagen: Der Buchstabe trennt, nur die Liebe verbindet.
Und mal ganz ehrlich: Wir wissen ja oft gar nicht, was die anderen über uns denken. Was denken andere über die Gemeinde hier in Speichingen? Was denken sie über dich als Gläubigen? Wo bist du in ihren Augen falsch? Wo sagen sie: Boah, die sind so weit von der Wahrheit entfernt, so weit von der Bibel entfernt, so weit von Gottes Herzen entfernt. Das ist so traurig.
Wie sollen wir jetzt damit umgehen? Ist es wirklich korrekt, einfach alle Unterschiede unter den Teppich zu kehren und zu sagen: Wir müssen uns einfach alle lieb haben? Ja, das machen ja manche. Aber das scheint ja auch nicht wirklich zu funktionieren. Denn wenn wir uns zum Beispiel manche anschauen, die früher sehr laut nach Toleranz geschrien haben, dann sind es heute nicht selten die gleichen Leute, die dich meiden, wenn du eine andere Ansicht zu den Themen Klimawandel, Migration oder Politik hast. Ist es nicht so? Das ist interessant.
Manchmal haben wir ja sogar eine unterschiedliche Definition von Liebe. Jeder würde schon sagen: Wir müssen uns lieb haben, vom Prinzip her. Aber der eine sagt: Liebe ist, wenn jeder so sein darf, wie er will. Und der andere sagt: Liebe ist, dem anderen zu sagen, was ihm nicht guttut, was ihm schadet. Das weiß er ja gar nicht selber, das müssen wir ihm ja sagen. Und schon wird es wieder schwierig mit der Einheit.
Und deswegen, ihr Lieben, weil wir merken, wie schwierig es wird mit dem Thema Einheit, wenn wir Menschen auf uns und unsere Meinung gestellt sind, wie wir das gar nicht hinkriegen, deswegen bin ich so froh, dass wir das gar nicht sind. Dass wir als Gläubige nicht auf uns und unsere Meinung allein gestellt sind, sondern dass Gott uns ein Buch gegeben hat, das er erhalten hat, wo die Wahrheit drinsteht.
Ich möchte mit euch jetzt gemeinsam reinschauen und mal nachlesen, was da drinsteht zum Thema Einheit. Ein Text, der dieses Thema behandelt, ist Epheser 4. Das ist der Beginn der zweiten Hälfte vom Epheserbrief. Ihr dürft gern schon mal aufschlagen. Nachdem Paulus in den ersten drei Kapiteln vom Epheserbrief viel über unsere Identität als Gläubige geschrieben hat, erklärt er in den Kapiteln vier bis sechs jetzt ganz konkret, wie man als Gläubiger im Alltag leben soll. Also quasi: Theorie und Praxis. Kapitel 1 bis 3 eher theoretisch, Kapitel 4 bis 6 dann sehr, sehr praktisch.
Da möchte ich mit euch die ersten Verse aus diesem Kapitel lesen:
Epheser 4,1-10
So ermahne ich euch nun, ich, der Gebundene im Herrn, dass ihr der Berufung würdig wandelt, zu der ihr berufen worden seid, indem ihr mit aller Demut und Sanftmut, mit Langmut einander in Liebe ertragt und eifrig bemüht seid, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens: ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater über allen und durch alle und in euch allen. Jedem einzelnen von uns ist die Gnade gegeben nach dem Maß der Gabe des Christus. Darum heißt es: Er ist emporgestiegen zur Höhe, hat Gefangene weggeführt und den Menschen Gaben gegeben. Das Wort aber: Er ist hinaufgestiegen – was bedeutet es anderes, als dass er auch zuvor hinabgestiegen ist zu den Niederungen der Erde? Der hinabgestiegen ist, ist derselbe, der auch hinaufgestiegen ist über alle Himmel, damit er alles erfülle.
Einheit war für Paulus ein echt wichtiges Thema. Damals war natürlich ganz besonders die Einheit von Juden und Nichtjuden im Fokus. Viele Juden, die an Jesus geglaubt haben, haben es damals kaum für möglich gehalten, dass der Gott Israels auch für Griechen da ist. Aber nach und nach haben sich dann Gemeinden gebildet, in denen auch Juden und Heiden zusammen waren. Und wenn wir das Neue Testament lesen, dann sehen wir, dass es da durchaus an der einen oder anderen Stelle geknirscht hat. Es gab auch da viele Unterschiede, ja auch Konflikte. Und deswegen schreibt Paulus hier: Leute, wandelt würdig eurer Berufung! Also: Ich habe euch geschrieben, was eure Identität, euer Auftrag, eure Berufung ist. Jetzt lebt auch so!
Und deswegen kommt er hier zu Beginn des Praxisteils ganz schnell auf das Miteinander zu sprechen, auf das Thema Einheit. Und da sagt er, wir sollen uns, und das hat mir gefallen als Wort, wir sollen uns ertragen. Hast du manchmal das Gefühl, dass der Gläubige neben dir ein bisschen komisch ist? Fragst du dich, wie du das noch aushalten kannst, dass die anderen so anders sind? Ob es gut ist, alle in der gleichen Gemeinde zu haben? Fragst du dich manchmal vielleicht, vielleicht auch wenn du Leute von hier vorne hörst, vielleicht heute Vormittag schon, dass du sagst: Mensch, ist doch nicht gut, muss man doch was machen, können wir da wirklich in eine Gemeinde gehen?
Ja, manchmal unter Gläubigen muss man einiges ertragen. Genau davon spricht Paulus hier, dass wir uns ertragen. Aber ich bin überzeugt, dass sein Ziel nicht ist, dass wir uns einfach zähneknirschend ertragen, so nach dem Motto: Es geht halt nicht anders. Sondern er schreibt hier fünf Dinge, wie wir uns ertragen sollen. Schaut mal rein: mit Demut, mit Sanftmut, mit Langmut, in Liebe und eifrig bemüht, die Einheit des Geistes zu bewahren.
Ist doch interessant. Das ist die Art und Weise, wie er sagt, so wird Einheit bewahrt. Ganz ehrlich, ich bin davon überzeugt, dass unglaublich viel Uneinigkeit innerhalb des Leibes Christi unter uns nicht von lehrmäßigen Differenzen kommt, sondern von charakterlichen Differenzen, von charakterlichen Defiziten. Natürlich gibt es auch lehrmäßige Differenzen, keine Frage. Aber ganz ehrlich: Viele von uns haben ja auch jede Menge Differenzen mit ihrem Ehepartner, oder? Haben da nicht auch Differenzen? Viele haben Differenzen als Kinder mit den Eltern, als Eltern mit den Kindern. Und wir kommen trotzdem, positiv gesprochen, gut miteinander aus. Das ist manchmal schwierig, manchmal muss man sich ertragen. Aber ich glaube wirklich, dass viel Uneinigkeit daherkommt, dass wir vom geistlichen Wachstum her Defizite haben.
Also genau bei diesen Dingen: bei Demut, also Bescheidenheit, das Bewusstsein, dass es nicht um mich geht, das Bewusstsein, ich weiß nicht alles besser als der andere. Das würde uns helfen in der Einheit. Sanftmut würde uns helfen, also Milde und Beherrschtheit und freundlicher Umgang, dass ich meine Macht und Überlegenheit, die ich vielleicht manchmal ja habe, auch dort, wo ich Dinge vielleicht besser weiß, meine Stärken habe, dass ich das nicht dazu nütze, um den anderen niederzudrücken, sondern um ihn aufzubauen. Das würde Einheit fördern.
Wenn ich Langmut habe, also einen langen Atem, Geduld, eben die Fähigkeit, andere Menschen zu ertragen mit ihren Schwächen, mit ihren Fehlern und ja, mit ihren Sünden und mit den Dingen, die sie falsch sehen, in Liebe. Das heißt ja einfach, immer wieder, und so verstehen wir Liebe vom Wort her, immer wieder die Entscheidung zu treffen für den anderen, immer wieder dafür einzustehen, was für den anderen das Beste ist. Das ist Liebe.
Und dann heißt es hier: eifrig um Einheit bemüht, eifrig bemüht. Mal ganz ehrlich, wenn du so an die letzte Woche denkst, worum warst du letzte Woche bemüht? Worum hast du dich besonders gekümmert, und was waren vielleicht Dinge, die dich bekümmert haben? Was hat dir Freude gemacht letzte Woche, und was hat dich runtergedrückt? Es gibt ja viele Dinge im Alltag. Es gibt ja auch sehr viele unwesentliche Dinge, um die wir uns kümmern.
Meine Frau lacht manchmal über mich, und ich muss manchmal auch über mich selber lachen, weil mir der Rasen bei uns so wichtig ist. Und dann, ja, jetzt war ein heißer Sommer, und dann gehen da die Risse im Rasen auf. Und dann bin ich ganz bekümmert, weil ich die Risse da sehe und denke: Oh nein, das sieht ja nicht schön aus. Und dann tappt man da rein und verknickt sich den Fuß. Und wie kriegt man das da wieder hin? Und dann überwache ich mir Gedanken. Und ich ertappe mich manchmal selber dabei und denke: Boah, beschäftigt mich schon. Ja, ja, da könnte man so ein Sand-Erde-Gemisch machen und das verfüllen, damit, wenn das nächste Mal wieder heiß wird, der Riss nicht so aufgeht. Und ich mache mir Gedanken darüber. Und manchmal muss ich über mich selber lachen. Ich habe noch nie etwas Großartiges bezüglich Rasen gemacht, aber mir schon oft Gedanken darüber gemacht. Und dann bekümmert es mich, wenn meine Kinder da so spielen und dann ist da so eine riesige erdige Fläche und da ist gar kein Rasen mehr.
Und ich muss euch ganz ehrlich sagen, jetzt habe ich noch nie so erzählt, aber meine Frau weiß das: Wenn ich dann so abends, manchmal Sommerabends, da im Garten stehe und den Gartenschlauch so halte und dann geht das Wasser so raus, das ist für mich pure Entspannung. Rasen zu wässern, einfach abends da zu stehen mit dem Schlauch und den Rasen zu wässern, das sind Dinge, die uns kümmern, um die wir uns kümmern.
Ich weiß nicht, was es bei dir ist, vermutlich nicht ganz so der Rasen, aber vielleicht andere Dinge. Aber ich habe mich gefragt: Wenn es hier so steht, hat mich diese Woche die Einheit der Gläubigen bewegt? Habe ich mich darum gekümmert? War ich eifrig bemüht um die Einheit der Gläubigen?
Und wenn Paulus hier schreibt, dass wir eifrig bemüht sein sollen, dann bedeutet das ja auch, dass das nicht von selber passiert, oder? Wenn wir eifrig bemüht sein sollen, sonst müssten wir uns ja nicht bemühen. Und da sagen manche auch: Ja, Moment mal, das darf man jetzt aber nicht zu falsch in die eine Richtung auslegen. Es geht hier um die Einheit des Geistes, die muss man doch nicht machen, die macht doch Gott. Was meinst du, stimmt das?
Nun, wenn wir genau hinschauen, dann fällt uns vielleicht auf, dass Paulus nicht schreibt, wir sollen die Einheit des Geistes herstellen. Was schreibt er? Wir sollen sie bewahren. Das heißt: Jawohl, es stimmt! Die Einheit des Geistes müssen wir nicht herstellen. Die Einheit des Geistes müssen wir nicht herstellen, wir können es gar nicht. Göttliche Einheit kann man nicht machen. Deswegen nennt Paulus es ja die Einheit des Geistes.
Das ist etwas ganz anderes als die Einheit unter Fußballfans. Die kannst du herstellen durch ein mitreißendes Fußballspiel oder durch schwenkende Fahnen, Fangesänge, manchmal auch durch genügend Alkohol vielleicht. Oder Einheit in einem Volk. Wenn wir ehrlich sind, ist die dann besonders groß, wenn sie einen gemeinsamen Feind haben. Das schweißt dann zusammen. Einheit in der Familie ist dann besonders groß, wenn man schwierige Situationen gemeinsam durchgeht. Nicht immer, es kann auch ins Gegenteil gehen, aber das sind so manchmal Dinge, die Einheit hervorbringen.
Aber Einheit unter Gläubigen? Die kommt tatsächlich von Gott. Die ist schon da. Die muss ich nicht machen. Die liegt nicht an mir oder an uns oder an unserer tollen Lehre oder daran, wie schön wir Gemeinde bauen oder an unseren Ansichten und Auslegungen und Sichtweisen. Die liegt am Geist. Einheit des Geistes.
Weißt du, was interessant ist? Der Heilige Geist wohnt in jedem Echtgläubigen. Diese Einheit gibt es schon. Diese Einheit liegt an der göttlichen Wahrheit, ganz unabhängig davon, wie viel ich als Mensch davon schon begriffen habe. Die Einheit des Geistes kann ich nicht machen, die kommt von Gott, gewirkt durch seinen Geist.
Aber Achtung: Ich kann sie kaputt machen. Ich kann sie kaputt machen, und du auch. Und deswegen fordert uns die Bibel auf: Seid eifrig bemüht, die Einheit des Geistes zu bewahren. Und wie kann ich Einheit bewahren? Paulus schreibt hier: durch das Band des Friedens.
Durch das Band des Friedens. Und wisst ihr, Frieden ist nicht überall dort, wo alle gleich denken, wo alle das gleiche gut finden, wo Menschen gleichgeschaltet sind, wo man Differenzen und Unterschiede unter den Tisch kehrt, damit ja keine Missstimmung entsteht. Das ist nicht der Friede, den Gott meint.
Göttlicher Friede ist dort, wo Menschen sich einig sind in der Frage, was das Wesentliche ist, was das Ziel ist, was das Wichtigste ist und vor allem, wer der Wichtigste ist, wer die Autorität ist, wer der Herr ist. Und deswegen beschreibt Paulus das Band des Friedens jetzt auch mit sieben Begriffen, wenn er schreibt: ein Leib, ein Geist, eine Hoffnung, ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater.
Ist doch interessant: Er steigt ein mit „ein Leib“. Sein erster Begriff ist interessanterweise nicht „ein Herr“, eine Autorität. Das kommt auch noch. Aber ich glaube, für Einheit ist es wirklich unerlässlich, dass wir uns als dieser Leib begreifen, dass wir verstehen: Gottes Idee von Menschheit, von Gläubigen, von seinem Volk ist, dass es ein Organismus ist, der aus vielen ganz verschiedenen Teilen besteht und deswegen Großartiges zustande bringt und zu seiner Ehre existiert und lebt, weil sie zusammenarbeiten, diese Menschlein, und nicht gegeneinander. Das ist das Bild eines Körpers, des Leibes.
Und „ein Geist“ heißt ja nichts anderes, als dass dieser Körper gesteuert wird von göttlicher Gesinnung. Der Geist soll nicht erst mal unsere eigenen Ideen und Gedanken und Pläne, sondern Gottes Ideen und Pläne und Gedanken. Deswegen sollten wir uns darum kümmern als Gläubige. Deswegen ist es gut, dass du hier bist heute Morgen. Da wollen wir genau das machen: in die Bibel reinschauen, Gottes Pläne und Gedanken erforschen, seinem Wort entsprechen lassen.
„Eine Hoffnung“ heißt es hier. Wir sollen dasselbe Ziel haben. Wir haben als Gläubige eine wunderbare Zukunft, auf die wir gemeinsam zusteuern. Wir dürfen wissen: Es gibt einmal echte Gerechtigkeit, echten Frieden, es gibt einmal ungetrübtes Glück. Dieses Ziel sollte und darf und muss uns eigentlich vereinen. Und mal ganz ehrlich: Es wäre doch eigentlich komisch, wenn wir im Himmel mal mit Leuten zusammen sein sollen, die wir hier auf der Erde meiden wie die Pest. Ist doch auch komisch, oder?
„Ein Herr“, schreibt Paulus hier. Das heißt: Einheit ist dadurch gegeben, dass wir Jesus als absolute Autorität anerkennen, dass sein Wort für uns gilt. Es kann natürlich sein, dass wir manchmal unterschiedlicher Meinung darüber sind, wie man dies oder jenes verstehen oder auslegen sollte. Leute, das ist normal. Das ist normal, und das ist auch gar nicht das Problem. Da sollten wir lernen, einfach einander höher zu achten. Problematisch wird es in dem Moment, wo Gläubige die Autorität Jesu über ihr Leben nicht mehr anerkennen. Da fängt Einheit an zu bröckeln, wo sie ihr Denken und ihre Meinung so hoch halten, dass sie gar nicht mehr offen sind für die Autorität Jesu.
Schreibt da ein Glaube hier. Ein Glaube: Wir haben ein gemeinsames Fundament, das müssen wir nicht herstellen, das gibt es schon. Überzeugt sein von Tatsachen, die man nicht sieht, nämlich dass Jesus für unsere Sünden gestorben ist und wieder auferstanden ist, wir Vergebung empfangen dürfen, dass wir mit ihm leben dürfen, in einem neuen Leben wandeln, weil er auferstanden ist. Davon sind wir überzeugt. Das verbindet uns.
Dann steht hier noch eine Taufe. Da kann schon wieder der Streit losgehen, denn da gibt es ganz unterschiedliche Ansichten. Erwachsenentaufe oder Kindertaufe, nach vorne oder nach hinten taufen oder nur ein paar Spritzer Wasser auf die Stirn, oder im Taufbecken oder im Baggersee oder im schönen weißen Kleid oder mit stylischem Shirt. Wir Gläubige sind da sehr einfallsreich, wenn es um Differenzen geht.
Aber weißt du, auch wenn wir hier in der Gemeinde unsere Gepflogenheit und Tradition haben und auch sehr überzeugt sind von gewissen Dingen, wie wir es machen, dass es so wirklich richtig ist und das auch so lehren, und ich möchte das gar nicht in Frage stellen, so glaube ich doch, dass vom Prinzip her wichtiger als die äußere Form das ist, wofür Taufe steht. Wie es in 1. Korinther 12,13 heißt, denn wir sind ja alle durch einen Geist in einen Leib hineingetauft worden. Dann schreibt er eben, ja, ob wir Juden oder Griechen, Knechte oder Freie sind. Da liegt der Fokus darauf: Wir sind hineingetauft in diese Einheit aller Gläubigen.
Und in Galater 3, wo steht, dass wir nun alle zusammen Kinder, dass wir Söhne Gottes sind, weil wir in Christus Jesus hineingetauft worden sind, wir haben so steht es dort Christus angezogen, altes Leben ausgezogen, Christus angezogen. Dafür steht die Taufe. Das ist es, wofür die von Gott gewirkte Einheit steht.
Und der letzte Punkt hier: ein Gott und Vater. Er ist unser Vater, nicht nur mein Vater im Himmel. Er ist unser Vater im Himmel. So geht ja auch das berühmte Unser Vater los, mit „unser“. Und damit finden wir ja auch in diesen sieben Begriffen die Dreieinheit wieder: ein Geist, ein Herr, ein Gott und Vater. Die Einheit der Kinder Gottes ist in Gott begründet, nicht in uns und unseren Ansichten und Auslegungen.
Die Unterschiede, manchmal auch die Unreife unserer lieben Mitgeschwister, das kann es ja durchaus geben, sollen wir in Demut, Sanftmut und Geduld ertragen, so wie es wünschenswert wäre, dass sie auch unsere, dass sie meine Unreife und manchmal sehr komische Ansichten ertragen. Und dann schreibt Paulus hier noch: Gott über allen und durch alle und in euch allen. Das ist quasi echte Einheit auf eine super, super Kurzformel gebracht.
Schauen wir uns das noch einmal genauer an: Gott über allen. Das heißt ja nichts anderes als: Er ist die Autorität. Wir hatten es schon beim Begriff Herr. Er ist der Herr. Wir versammeln uns demütig unter ihm. Er darf bestimmen und definieren, was wichtig ist und was unwichtig ist, was wertvoll ist und was wertlos ist, was richtig ist und was falsch ist. Da wollen wir uns immer wieder von ihm korrigieren lassen, auch dann, ihr Lieben, wenn Gott für diese unsere Korrektur andere Geschwister benutzt. So arbeitet er sehr häufig, dass du nicht den Brief vom Himmel kriegst oder die Eingabe im Traum irgendwie, sondern dass die lieben Mitgeschwister kommen und dich korrigieren.
Dann heißt es: Gott durch alle. Boah, das ist ein krasser Punkt, Leute. Gott wirkt durch alle Gläubigen. Nun, er kann auch Ungläubige benutzen, aber das heißt doch, er wirkt auch durch uns, wenn wir schwach sind. Und durch die Geschwister, wenn sie schwach sind. Auch durch die mit falschen Ansichten.
Randnotiz: Ich glaube, wir haben alle massenhaft falsche Ansichten. Und mal ganz ehrlich: Wenn Gott nur durch die wirken würde, die alles richtig sehen, bliebe keiner übrig, oder? Ist es nicht so? Wenn Gott nur durch die wirken würde, die alles richtig sehen, bliebe keiner übrig. Gott hat sich entschieden, durch Menschen zu wirken, die fehlerhaft sind. Da müssen wir mal sacken lassen. Ist so.
Und Gott, so heißt es hier, in allen: Er wohnt in uns. Wir alle, Jesusnachfolger weltweit, sind sein Tempel. Gott wohnt in uns, er wirkt in uns, er verändert mich. Da tue ich gut dran, mich immer wieder neu dieser Veränderung zu öffnen, mich ihm zur Verfügung zu stellen. Deswegen ist Gebet so wichtig, wo ich das zum Ausdruck bringe, immer wieder sage: Herr, verändere mich.
Ich glaube, dass Einheit, ein Gott, ein liebevoller, fürsorglicher Vater, über allen, durch alle und in uns allen, er ist es für mich, meiner Veränderung, er hilft mir, ein Segen zu sein für andere, durch mich andere zu verändern, und er ist es, der meine Autorität, mein Herr und mein fürsorglicher Vater ist.
Nun, wenn wir das bisher so betrachtet haben, dann könnte ich mir vorstellen, dass die meisten bei den meisten Punkten mitgehen. Hier drin, wenn wir jetzt ein bisschen weiter den Kreis spannen, dann gibt es beim Thema Taufe vielleicht schon gewisse Fragezeichen, aber wir würden sagen: Ja doch, doch, steht so in der Bibel, können wir halbwegs so sehen, verstehen wir auch so. War ja jetzt auch ein Stück weit Theorie, theoretische Grundlage zum Thema Einheit.
Aber obwohl wir hier grundsätzlich vielleicht zustimmen, tun wir uns trotzdem ja manchmal enorm schwer mit dieser oder mit jener anderen Gemeinde, mit diesem oder jenem, der in den Reihen mit uns sitzt, mit anderen Lehrmeinungen, mit irgendwelchen Pastoren. Aber bevor wir jetzt irgendwelche Lehren abarbeiten oder uns verschiedene Auslegungen, Ansichten anschauen oder irgendwelche anderen Pastoren diskutieren, möchte ich mit euch mal anschauen, wie Paulus in diesem Abschnitt weitermacht.
Und da stoßen wir jetzt auf eine Sache, wo für mich echt eine harte Nuss war, weil ich überhaupt nicht verstanden habe, worauf Paulus hinauswill. Nach diesen Versen, die wir gerade angeschaut haben, nach diesen sehr komprimierten Worten und der Definition von Einheit hier in den Versen 1 bis 6, schreibt Paulus dann in Vers 7. Könnt ihr mal reinschauen:
Jedem einzelnen von uns aber ist die Gnade gegeben nach dem Maß der Gabe des Christus.
Ja, das geht noch halbwegs. Da begreifen wir, denke ich, Paulus macht deutlich: Aha, Einheit, so wie er es gerade beschrieben hat in diesen verschiedensten Begriffen, bedeutet durchaus Unterschiedlichkeit, oder? Jedem von uns aber ist die Gnade gegeben nach dem Maß der Gabe des Christus. Nicht jeder ist gleich, nicht für jeden gilt das gleiche Maß. Also Gott bringt Einheit niemals einfach nur durch Gleichheit oder Gleichförmigkeit zustande. Gerade das Gegenteil: Die Unterschiedlichkeit, in Unterschiedlichkeit sollten wir uns ergänzen. So wie eben auch die göttlichen Gedanken zu Ehe sind, dass Mann und Frau sich in ihrer Unterschiedlichkeit ergänzen. So wie in unserem Körper die verschiedensten Körperteile sich ergänzen und zusammenarbeiten.
Aber wie Paulus dann weitermacht, das habe ich nicht verstanden. Hör mal hin, Vers 8:
Darum heißt es: Er ist emporgestiegen zur Höhe, hat Gefangene weggeführt und den Menschen Gaben gegeben.
Das Wort aber: Er ist hinaufgestiegen – was bedeutet es anderes, als dass er auch zuvor hinabgestiegen ist zu den Niederungen der Erde? Der hinabgestiegen ist, ist derselbe, der auch hinaufgestiegen ist über alle Himmel, damit er alles erfülle.
Wie bitte? Paulus, was soll das jetzt? Ich verstehe nur Bahnhof. Das ist so eine von den Stellen, die ich lese und erst einmal überhaupt nicht verstehe.
Nun, heute Morgen sind wir zusammen, haben ein bisschen Zeit mitgebracht, die Handys klingeln nicht, lenken uns nicht ständig ab, das ist super. Deswegen ist es ja wirklich ein ganz guter Ort, um bewusst nachzudenken, auch über solche schwierigen Stellen. Machen wir das doch mal.
Lesen wir nochmal in Ruhe Vers 8. Da heißt es: „Darum heißt es.“ Bleiben wir hier schon mal kurz stehen. Warum schreibt Paulus „darum heißt es“? Nun, wenn wir uns ein bisschen Zeit nehmen, begreifen wir recht schnell: Doch, das verstehen wir ja auch. Paulus schreibt „darum“, weil er das, was er gerade gesagt hat, begründen will. „Darum heißt es“ ja auch, also da gibt es eine Stelle, die redet dann vom Gleichen. Sonst würde man nicht „darum“ sagen. Und wenn er schreibt „darum heißt es“, dann checken die, die schon ein bisschen in der Bibel bewandert sind, in dem Moment: Aha, da nimmt er jetzt Bezug auf ein Zitat irgendwo anders aus der Bibel, oder? „Darum heißt es ja auch so und so.“
Wir kennen solche Formulierungen vielleicht auch. Also diese andere Bibelstelle, die er jetzt gleich zitiert, die hängt zusammen mit dem, was er gerade geschrieben hat, gehört also zum Themenblock Einheit.
Nun, wir leben im 21. Jahrhundert, und die meisten von uns haben Bibeln mit Randnotizen oder können im Zweifelsfall auch auf Bibleserver oder irgendwo mal nachschauen oder eine KI fragen: Was ist denn das für eine Parallelstelle, was zitiert er denn hier? Ich denke, die wenigsten von uns hätten jetzt aus dem Kopf gleich sagen können: Ja, ist klar, wo das steht, ja, das ist Psalm 68. Aber ihr könnt es eben nachschauen, und ich konnte es auch nachschauen. Das ist gut.
Und ich lese jetzt mal den Vers vor, den Paulus hier zitiert, und damit wird es dann noch verwirrender. Aber wir haben ja Zeit mitgebracht heute Morgen, oder? Könnt ihr uns angucken? Seid ihr bei mir? Danke, hör mal hin:
Psalm 68,19
Du bist zur Höhe emporgestiegen, hast Gefangene weggeführt, du hast Gaben empfangen unter den Menschen, auch den Widerspenstigen, damit Gott, der Herr, eine Wohnung habe.
Kannst du verstehen, dass mich das verwirrt? Dass ich mir das angucke und dann auch im Original nachlese, also in Psalm 68 halt, und dann vielleicht noch verwirrter bin? Weil auf der einen Seite heißt es: „Du hast Gaben empfangen“ bei Psalm 68, und Paulus zitiert dann und sagt: „Er hat den Menschen Gaben gegeben.“ Wo ich mich frage: Hat Paulus jetzt den ursprünglichen Text nicht mehr richtig im Kopf gehabt? Oder war seine Übersetzung verkehrt? Oder, und davon bin ich überzeugt, ist es göttliche Absicht?
Nun, wir haben nicht Zeit genug, obwohl wir ein bisschen Zeit mitgebracht haben, aber nicht Zeit genug, jetzt den ganzen Psalm 68 zu lesen. Aber ganz ehrlich: Wenn du das mal zu Hause machen würdest und das liest, ich habe es gemacht, dann muss ich dir ehrlich sagen, wenn ich diesen Psalm durchlese, ist nicht mein erster Gedanke: Oh, der David hat da einen wunderbaren Psalm über Einheit geschrieben. Es gibt Psalmen, wo ich das so empfinde. Bei Psalm 68 gar nicht.
Der Psalm geht los, und ich bitte euch mal, diesen Psalm, dieses Gedicht in diesen kleinen Auszügen, die ich jetzt kurz zitiere, wirklich als Poesie zu verstehen, zuzulassen, dass die textlichen Bilder, die der Dichter hier verwendet, in deinem Kopf entstehen. Pass mal auf:
Psalm 68,2-4
Dem Chorleiter. Ein Lied mit Begleitung. Ein Psalm von David. Gott steht auf, und zerstreut seine Feinde, und die ihn hassen, ergreifen die Flucht. Wie Rauch, der verweht, so treibst du sie fort, und wie Wachs im Feuer zerfließt, so vergehen die Gottlosen vor Gott. Doch die Gerechten werden sich freuen, werden jubeln vor ihm, überwältigt von Glück.
Mal nur diese paar Verse. David hat diesen Psalm geschrieben, so wie über siebzig andere auch. In diesem Psalm beschreibt David Gott als einen siegreichen Herrscher, als einen, der die Feinde zerstreut. Du hast gerade gehört: Bilder wie Rauch, der verweht, es ist nicht mehr da, Wachs, das zerfließt. Gott als einer, der im Triumphzug heimkehrt oder einkehrt und bejubelt wird.
Und dann, wenn wir das jetzt lesen würden, würden wir sehen: David beschreibt Gott auch nicht nur als diesen Herrscher, der die Feinde vertreibt, sondern er beschreibt ihn auch noch als Vater von Waisen, als Anwalt von Witwen, als einen, der – ich finde das so schön – den Einsamen nach Hause bringt, als einen, der Gefangene hinausführt ins Glück. Was für eine coole Formulierung, oder? Der Gefangene hinausführt ins Glück.
Und dann erinnert David in diesem Lied, wie auch in vielen anderen Psalmen, an die Zeit der Wüstenwanderung. Wir haben jetzt eben nicht Zeit, leider den ganzen Psalm zu lesen, aber ich möchte euch einfach ein paar der Bilder mit hineinnehmen. Da heißt es zum Beispiel, dass Gott einherschreitet in der Wüste. Lass es ruhig mal zu, dass dieses Bild in deinem Kopf entsteht. Das ist Poesie. Die Bibel macht es, die Autoren so wie David machen das, damit diese Bilder entstehen. Sie benutzen sprachliche Bilder: Gott schreitet einher in der Wüste.
Und weißt du, was dann passiert, wenn Gott schreitet in der Wüste? Die Erde bebt, wenn Gott schreitet. Ist doch cool, oder? Und was bewirkt dieses Beben? Dieses Beben bewirkt, dass der Himmel am Berg Sinai anfängt zu triefen. Aber das ist kein Zorngewitter, es ist ein wohltuender Regen in der Wüste, der aufrichtet und stärkt diejenigen, die schwach, die am Boden, die fertig sind.
Und dann schreibt David von Bergen, und er schreibt von diesen Bergen, als wären es Menschen. Eine gewaltige Poesie, wirklich enorm. Und er schreibt davon, dass Gott unzählbar viele Streitwagen hat, Zehntausende. Hast du das Bild im Kopf? Zehntausende Streitwagen. Und mitten in der Mitte dieser Zehntausenden Streitwagen, in der Mitte, da ist der Herr wie ein gigantischer Berg an Heiligkeit mittendrin.
Und dann, genau zu diesem Augenblick, in dem Moment, kommt dieser Vers, den Paulus im Epheserbrief zum Thema Einheit zitiert. Ich lese es noch mal:
Psalm 68,19
Du bist zur Höhe emporgestiegen, hast Gefangene weggeführt, du hast Gaben empfangen unter den Menschen.
Der Vers geht noch weiter, aber Paulus zitiert nur die erste Hälfte. Und dann erklärt Paulus in meinen Worten: Wenn es in Psalm 68 heißt, dass Gott – es geht zweifelsfrei um ihn – wenn es heißt, dass er emporgestiegen ist, und so hat David das ja durch den Heiligen Geist geleitet gedichtet, dann bedeutet es im Umkehrschluss ja auch, dass er hinabgestiegen ist. Der, der hinabgestiegen ist, ist der gleiche, der auch hinaufgestiegen ist. Das ist die Auslegung von Paulus zu Psalm 68.
Und ich frage mich: Okay, also mag ja sein. Ich meine schon klar, wenn jemand im Hochhaus eine Penthouse-Wohnung hat und du triffst ihn im Aufzug nach oben, dann kannst du daraus schließen, dass er irgendwann runtergefahren ist. Das ist so. Und ich frage mich: Lieber Paulus, was hat das mit dem Thema Einheit zu tun? Und warum behauptest du dann auch noch, dass der hinabgestiegene und wieder emporgestiegene Gott den Menschen Gaben gegeben hat, wo David doch gedichtet hat, dass da Gaben empfangen worden sind?
Und ich glaube tatsächlich, dass solche scheinbaren Widersprüche Schatzkästchen sind, die Gott versteckt hat. Und vielleicht kommst du zu anderen Schlussfolgerungen als ich heute Morgen, das ist auch nicht so dramatisch. Aber ich möchte euch einfach in meine Gedanken und Überlegungen hier aus dem Wort mit hineinnehmen. Und ich glaube tatsächlich, dass es gut und wertvoll ist, darüber nachzusinnen, auch über solche Gedanken. Manchmal muss man es auch auf die Seite legen und sagen: Gut, da komme ich jetzt gerade noch nicht drauf, ich lese mal weiter. Aber es ist auch mal gut, sich einfach Zeit zu nehmen und darüber nachzudenken, irgendwann mal wieder etwas vorzuholen, was man mal auf die Seite gelegt hat, und nochmal wieder zu kauen.
Und vielleicht beschäftigt man sich dann damit. Es ging mir so: Ich habe dann mal versucht herauszufinden, worum es eigentlich in Psalm 68 geht. Wofür steht denn eigentlich dieser Psalm? Dieses Lied, das David gedichtet hat, um den Triumph Gottes über seine Feinde zu verdeutlichen und sein Wesen zu zeigen. Ein Lied, das ihn zeigt als einen, der in einem Festzug triumphal einzieht. Es werden Bilder gemalt von einem König, der bejubelt wird, und da gibt es Sänger und da gibt es Schlagzeugerinnen, da kommt die High Society von allen Kontinenten, die singen alle mit und die musizieren zur Ehre Gottes.
Und wie ich es vorhin schon kurz angesprochen habe, wird Gott nicht nur als triumphaler Sieger und Herrscher dargestellt, sondern eben auch als einer, der sich um Arme, um Witwen, um Gefangene, um Waisen und um Einsame kümmert, der als Hirte seine Herde versorgt, der das Wetter so steuert, dass Menschen gestärkt und erquickt werden, und eben als einer, der emporgestiegen ist. Und David gebraucht in seinem Psalm, meiner Ansicht nach, das bekannte Bild eines Triumphators, der eben auch Gefangene mitführt, der als Sieger von den Besiegten beschenkt wird. Heute würde man das vielleicht Reparationen nennen. David beschreibt Gott, und er beschreibt ihn als absolut mächtigen und auch als absolut gütigen Gott, als den, der alles lenkt und ja, alle besiegt.
Und der ganze Vers 19 heißt:
Psalm 68,19
Du bist zur Höhe emporgestiegen, hast Gefangene weggeführt, hast Gaben empfangen unter den Menschen, auch den Widerspenstigen, damit Gott, der Herr, eine Wohnung habe.
Das war Gottes Ziel, so beschreibt es David. Gott möchte eine Wohnung haben. Deswegen ist er herabgekommen, hat Gefangene gemacht, hat sich Geschenke geholt und ist wieder emporgestiegen.
Und jetzt kommt Paulus im Epheserbrief an und sagt: Leute, das hier ist das ideale Zitat, um euch als neutestamentliche Gemeinde zu verdeutlichen, was Einheit in Vielfalt ist. Und die Tatsache, dass ich erst einmal wie der Ochs vor dem Berg stehe und gar nichts kapiere, das deutet wohl auch darauf hin, dass Paulus die Psalmen ziemlich anders las als ich, oder? Könnte es nicht sein? Und dass Paulus überhaupt kein Problem damit hat, alttestamentliche Stellen zu nehmen, zu verstehen und für sich heute anzuwenden.
Aber wenn ich mir Zeit nehme und darüber nachdenke, dann fällt mir auf: Ja, das stimmt. Mensch, in Psalm 68 geht es ja zum einen erst einmal vorrangig um Gott. Und es gibt, wenn man sich das so anschaut, drei Personengruppen. Es gibt auf der einen Seite Gott. Gott, den mächtigen Sieger, der herabgekommen ist und siegreich wieder emporsteigt, der eine Wohnung haben will.
Und dann gibt es auf der anderen Seite mächtige Könige und Herrscher, ja, die Feinde Gottes, die in diesem Psalm von Gott besiegt werden, die gefangen werden, die die Flucht ergreifen, die sich wie Rauch in der Luft auflösen, wie Wachs vor Feuer zerfließen.
Und es gibt Menschen auf Gottes Seite, seine Freunde. Und die zeichnen sich nicht dadurch aus, dass sie besonders toll oder mächtig wären. Ich möchte euch wirklich ermutigen, den Psalm zu Hause mal durchzulesen und darüber nachzudenken. Diese Menschen, die auf Gottes Seite sind, seine Freunde, schau dir in Ruhe mal an, was die auszeichnet. Es sind Witwen und Waisen, es sind Einsame und Gefangene, es sind Leute in der Wüste, es sind Menschen, über die sich Gott erbarmt, die Gott versorgt, denen Gott Regen schenkt, wenn sie unter Trockenheit leiden, denen Gott Sieg schenkt, wenn ihre Feinde sie platt machen wollen, denen Gott dazu sogar verhilft, dass ihre Feinde ihnen Geschenke machen.
Und es sind Leute, die deswegen, weil sie Gott so begreifen und verstehen, Gott loben und anbeten und singen, die musizieren und Gottes Sieg feiern. Explizit werden Frauen und Mädchen genannt, die Pauke schlagen, die Beute verteilen.
Und Paulus kennt diesen Psalm. Und ich bin überzeugt, er hat diese Bilder vor Augen, als er der Gemeinde in Ephesus schreibt, wie wichtig Einheit ist. Er möchte ihnen sagen: Ihr lieben Gläubigen in Ephesus, wir sollten uns auf die Seite des Siegers stellen, so wie die Leute in Psalm 68. Wir sind Freunde Gottes auf seiner Seite, Menschen, die ganz unterschiedlich sind, die ganz unterschiedlich dienen. Egal in welcher Position, sie dienen dem gleichen Herrn. Sie nehmen ihren Platz in der Herde wahr, dienen mit den begrenzten Begabungen, Einsichten und Möglichkeiten, die sie nun mal bekommen haben, aber sie reihen sich ein bei den Freunden des Siegers. Unter seinem Panier, unter seinem Siegeszeichen kommen sie zusammen.
Und in der Fortsetzung im Epheserbrief nennt Paulus dann so unterschiedliche Begabungen, manche von uns haben das im Ohr, wie Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten, Lehrer usw. Aber ich glaube, das ist das eigentliche Bild aus Psalm 68. Wir sehen, dass alle, die auf Gottes Seite stehen, sich in diesen Triumphzug einreihen. Sie feiern gemeinsam, dass sie einen Gott haben, der herabgekommen ist, um triumphal wieder aufzusteigen. Ein Gott, der sich kümmert, dass sowohl das größte Problem, das wir Menschen haben, gelöst wird, nämlich die Sünde, als auch einer, der darüber hinaus versorgt und tröstet und Heimat schenkt und alle Feinde in die Flucht schlägt und der sogar Beute mitbringt, der seine Feinde nicht nur besiegt, sondern sie sogar dazu bringt, dass er noch Geschenke bekommt, der Beute macht und die Frauen zu Hause verteilen diese Beute dann.
Dieser Sieger, der hinabgestiegen ist, weil er eine Wohnung haben wollte, und der triumphal wieder aufgestiegen ist, damit er, wie Paulus es dann ausdrückt, alles erfülle. Und während David wahrscheinlich, als er das gedichtet hat, noch den Siegeszug vor Augen hat, wo Gefangene mitgeführt werden und der Sieger Geschenke von den Besiegten bekommt, ist Paulus in Gedanken schon wieder ein bisschen weiter, wenn er Psalm 68 zitiert, und macht deutlich, dass Gott die besten Geschenke und Begabungen verteilt, den Menschen Gaben gibt, an diese Menschen, die gemeinsam mit ihrem Körper, den Gott ihnen bereitet hat, gemeinsam ein Leib sind, der sich nicht zuerst dadurch definiert, welche Opfer und Gaben er bringt, sondern dadurch, dass er Ohren hat, die auf Gottes Stimme hören.
Wenn ich so über Epheser 4 und Psalm 68 nachdenke, dann ahne ich, dass Einheit für Paulus und auch für Gott einen ganz anderen Schwerpunkt hat als für mich und oft für uns. Während ich oft darüber nachdenke, was uns unterscheidet und wir uns vielleicht diskutieren, wo unterschiedliche Lehrmeinungen sind und wo es andere Auslegungen gibt, da zeigt uns Paulus: Versammelt euch doch! Als Freunde Gottes gemeinsam um den Herrn und um das, was ihm wichtig ist. Wir haben es uns angeschaut: um den Sieger, um den Herabgestiegenen und Emporgefahrenen. Lasst euch mitreißen und begeistern von diesem allmächtigen Triumphator in der Höhe, der sich nicht zu gut ist, um zu den Armen und Elenden und Einsamen und Kranken herabzukommen. Und lasst es uns ihm nachtun mit unseren unterschiedlichen Begabungen. Lasst uns seine Wohnung sein, damit er, wie eben Paulus es schreibt, alles mit seiner Gegenwart erfülle.
Da muss ich schon sagen: Ich weiß nicht, aber ich glaube, dass Menschen dahin kommen und sagen: Oh, dieser Gott ist genial, er ist wirklich der Sieger, er ist der Barmherzige. Ich glaube nicht, dass wir das dadurch erreichen, dass wir auf die Straße gehen und über Lehrmeinungen diskutieren. Vielleicht sollten wir zu diesem Thema öfter mal bei den Psalmen in die Schule gehen.
Und natürlich, versteht mich nicht falsch: Natürlich gibt es Irrlehre, gegen die wir uns abgrenzen müssen, Irrlehrer, die wir beim Namen nennen müssen, Entwicklungen, vor denen wir warnen sollten. Keine Frage. Aber ich glaube, wir sollten uns immer wieder besinnen auf die Einheit, die schon da ist. Und ich glaube, wir sollten mehr als um unser Auto und unseren Garten, unsere Ferien oder leckeres Essen uns eifrig darum bemühen, diese Einheit zu bewahren.
Wir finden diese Einheit durch Gott definiert, durch seinen Geist gegeben bei all denen, die mit uns zusammen einen Leib bilden, weil wir dasselbe Ziel haben, dieselbe Hoffnung haben, weil wir denselben Glauben an den auferstandenen Herrn haben, den wir auch wirklich Herr in unserem Leben sein lassen wollen, dem wir uns unterordnen, auch wenn wir in manchen Punkten vielleicht unterschiedlicher Ansicht sind, von dessen Geist wir uns leiten lassen wollen, der für uns ein guter und fürsorglicher Vater ist.
Und ich wünsche mir sehr, dass je länger, je mehr bei jedem Einzelnen persönlich, aber auch bei uns als Gemeinde das Thema Einheit nicht ein problematisches Thema ist, oh, das ist ein schwieriges Thema Einheit, sondern Grund zum Feiern. Grund, uns einzureihen in diesen Triumphzug des Siegers. Grund zum Loben und zum Anbeten, zum Geschenke verteilen und Musizieren, weil wir auf Gottes Seite stehen und weil er genug hat, um jedem von uns Gutes zu geben, zu schöpfen aus seinem unermesslichen Reichtum. Amen.
Ich möchte noch beten, und wenn möglich dürft ihr gern dazu aufstehen.
Lieber Vater im Himmel, wenn wir dich anschauen, der du eins bist mit dem Sohn und dem Geist, dann wollen wir immer wieder und immer mehr dahin zurückfinden, zurückkommen, was du unter Einheit verstehst, wie du sie definierst. Herr, du hast diese Einheit geschaffen, durch dich in dir definiert und hast daran gebeten, dass deine Kinder, wir als Gläubige, so eins sein sollen, wie du mit dem Vater bist. Herr, wenn wir uns so umschauen, sind wir oft so weit davon weg. Bitte vergib uns.
Und hilf du uns, indem du unser Denken umgestaltest, unsere Gesinnung prägst, zu dieser Einheit zurückzufinden, die nicht menschengemacht ist, die nicht darin besteht, dass man über Differenzen gar nicht redet, Dinge unter den Tisch kehrt, sondern dass wir uns von dir geleitet auf das Ziel konzentrieren, auf dich, uns unter dir und deiner Autorität versammeln und uns am Miteinander je länger, je mehr auch an der Unterschiedlichkeit freuen.
Ich danke dir, dass du gnädig und barmherzig bist, auch mit unseren Schwächen in diesem Bereich und in diesem Thema. Danke, dass du mit uns gehst, auch jetzt in die Woche, dass wir uns auch im Alltag immer wieder Gedanken darüber machen und eifrig bemüht sind. Herr, schenk uns das, dass jeder von uns wirklich da eifrig wird, das Band der Einheit, das Band des Friedens zu bewahren, das du uns geschenkt hast. Ich danke dir dafür. Amen.

