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Apostelgeschichte 4,23-31: "Gebet: Eine Lektion in „erfolgreichem“ Gebet"

Apostelgeschichte 4,23-4,3116.11.2014
Serie•Teil 9 / 64Apostelgeschichte
Woher kommt Mut, wenn Druck und Angst dich klein machen? Nicht aus Talent, sondern aus Gebet: zusammen beten, Gottes Blick einnehmen und dann wieder klar reden.

Ermutigung, die aus dem Hintergrund kommt

Manchmal bekomme ich zur passenden Zeit ermutigendes Feedback. Ja, wenn man immer so vor sich hin wurstelt, dann muss man schon sagen: Man hört dann auch manches Komische über sich. Und manchmal macht man Facebook auf und bekommt eine Nachricht. So eine möchte ich euch aus der letzten Woche, Dienstag, vorlesen.
Da schreibt ein junger Mann: „Hey Jürgen, ich knie hier unter Tränen in Nepal. Ich habe eben deine Predigt vom Allgäuer Jugendtag gehört, und der Herr hat einige Dinge auf den Tisch geknallt, die ich in den letzten Wochen versucht habe, sorgfältig drunter zu fegen. Danke für deinen Dienst und danke für Frogwords und alle, die da mitwirken. Ich habe das gleich an meine Leute rausgeschickt.“
Und da ermutigen, dass und so richtig, das ist: Predigern für gute Predigten zu danken. Darum geht es mir jetzt nicht. Es geht mir darum, dass hier jemand sich bedankt für eine Predigt auf dem Allgäuer Jugendtag 2014 in Kempten, gehalten an Ostern. Und ich sage euch jetzt mal: Diese Veranstaltung war eher durchschnittlich. Also weder waren die Predigten besonders. Wo du sagst: Ja, ich habe die selber gemacht, deswegen kann ich das sagen. Die waren bodenständig gut, aber die waren jetzt nicht so der Burner, wo du dann von der Kanzel gehst und sagst: Ja, das war es.
Die Musik? Ganz ehrlich: Ja, da ist noch Luft nach oben. Der Ort selber? Na ja, so eine verwinkelte Gemeinde halt. Das Essen? Ja, Würstchen und so. Also alles so, wo man sagt: Es war eigentlich ein total normaler Jugendtag. Nicht mal das Thema, dass du sagst, das ist bestimmt so ein Trendthema. Das Thema war Sünde. Also einfach nur Sünde, dass wir aufpassen müssen, Sünde nicht zu tun.
Also ein ziemlich normaler Jugendtag, der aber, und das ist mein Eindruck, der sich bis heute durchzieht, mehr Frucht trägt als üblich. Mehr als üblich. Also nochmal: Es lag weder an der Organisation noch an der Stimmung, am Ablauf oder am Thema. Und trotzdem wirkt diese Botschaft von diesem einen Jugendtag stärker weiter, als ich das normalerweise gewohnt bin.
Was war anders? Was war an diesem Jugendtag anders als sonst? Es gab genau eine Sache. Und als Wissenschaftler mag ich das, wenn man einen Parameter ändert und dann sagen kann: Der war anders. Und wenn dann richtig viel mehr passiert, dann kann man sagen: Es lag auch mal daran. Und der eine Punkt, der ganz anders war, war der, dass im Hintergrund der Veranstaltung geweint wurde.
Es gab einen Gebetsraum, da haben ältere Christen, die nicht zu dieser Jugendveranstaltung gehen durften, von 15 Uhr nachmittags bis 20 Uhr abends auf den Knien gelegen und gebetet und gefleht. Und gerade einige Mütter, deren Teenager nicht zu dem Jugendtag gekommen waren, die sich auch vom Glauben schon verabschiedet haben in ihrem Herzen, die haben wirklich geweint. Und das war für mich als Prediger unglaublich.
Du hältst eine Predigt und du gehst wieder von der Kanzel runter, und du weißt, du hast zwar drei Stück, an dem hast du noch einen und noch eine. Und du gehst zwischen den Predigten zurück in diesen Gebetsraum. Und während alle anderen sich was zu trinken holen und Pause machen und dann die Band nochmal spielt, bist du da eine halbe, dreiviertel Stunde und kannst weiterbeten, bis es für dich wieder daran geht, rauszugehen und die nächste Predigt zu halten.
Mein Fazit heute von dieser Veranstaltung: Wo Tränen der Hingabe fließen, wo man wirklich den Thron Gottes gestürmt, wo gefleht wird, gefastet wird, an der Stelle werden Herzen bewegt. Und da wird Buße möglich.
Ich glaube, die meisten von euch werden sagen: Ja, das ist richtig. Ihr sagt es wahrscheinlich aus dem gleichen Grund wie ich auch. Wir wissen, dass unsere Gebetszeit eine unglaublich angefochtene Zeit ist. Mir jedenfalls geht es so, dass, wann immer ich denke, jetzt wäre Beten so richtig dran, ich darauf warten kann, dass das der Moment ist, wo jeder ablenkende Gedanke, jedes nervige Telefonat und der Postbote sich gegen mich verschwören, damit ich bloß keine Chance habe, jetzt mal in aller Ruhe das, was eigentlich auf meiner Seele liegt, in Form von einem vernünftigen Gebet rauszulassen. Das ist total merkwürdig.
Warum? Ganz klar: Weil Gebet die eine Waffe ist, die tatsächlich die dunkle Seite in ihre Schranken weisen und kaputt machen kann. Das heißt in Jakobus 5,16: Viel vermag eines Gerechten Gebet in seiner Wirkung. Und man kann diese Wirkung nicht, und ich bin jetzt gegen die Sachen, die ich gleich nenne, da bin ich nicht dagegen, aber du kannst Gebet nicht ersetzen durch eine gute Lichtshow oder durch ein schmackhaftes Catering oder durch eine einladende Moderation oder durch die charismatische Ausstrahlung des Predigers. Ich glaube, du kannst es nicht ersetzen.
Und ihr könnt euch vorstellen: Ich habe das im Frühjahr erlebt, und du kriegst das Feedback, das waren 17 Jugendgruppen anwesend, und aus zwölf Jugendgruppen kam das Feedback: Bei uns ist richtig was passiert, Leute haben mit Gott ganze Sache gemacht. Und das war für mich total toll. Ja, das hat mich selber unglaublich motiviert zu beten. Und ich habe mir gedacht: Jetzt wirst du viel mehr beten. Und ich habe das dann in Angriff genommen, ja, und bin lang in den Wald gegangen, habe viel gebetet und noch mehr gebetet, und es war toll.
Und dann fingen meine Füße an weh zu tun, und ich bekam so eine Entzündung in der Sehnenplatte. Und dann merkte ich, dass ich Gott nicht verstehe. Jetzt bin ich schon zwei, drei Stunden im Wald betend unterwegs und denke: Wir brauchen dann stehst du morgens auf und kannst nicht auftreten, und es tut wirklich fies weh. Also lasst euch das von jemandem, der es mal hatte, beschreiben: Das ist echt eklig. Weil du weißt, es liegt auch nicht an Einlagen oder so. Ja, das ist echt ätzend.
Und ich habe dann irgendwann nicht mehr so viel gebetet. Und das ist heute noch so. Ich bin zu dieser Begeisterung, die ich im Frühjahr oder im Frühsommer hatte für Gebet, nicht wieder zurückgekommen, obwohl meine Füße wieder in Ordnung sind. Und ich merke, wie angefochten das ist.
In meinem Leben gibt es ein oder zwei richtig fiese Lügen, die möchte ich euch bekennen. Lügen, auf die ich immer wieder reinfalle. Die eine Lüge heißt: Ich habe so viel zu tun, da kann ich nicht auch noch viel Zeit mit Gebet zubringen. Woher ich das weiß, dass ich diese Lüge glaube? Weil ich im Moment so lebe.
Es gibt eine zweite Lüge, die kommt nicht so oft vor, aber die ist auch manchmal da. Die heißt so: Nur völlig ausgeschlafen kann ich Gott richtig dienen, da kann ich nicht früh aufstehen, um mehr zu beten. Das ist die, die manchmal morgens kommt, wenn ich so im Bett liege und denke: Jetzt wäre es gut aufzustehen. Und alles in mir schreit nach noch besser: diese Wärme zu genießen.
Warum die lange Vorrede? Ich möchte mit euch heute reden über erfolgreiches Gebet, eine Lektion in erfolgreichem Gebet. Das wird das Thema sein. Und ich möchte nicht hier vorne stehen als der Held. Ich möchte nicht, dass ihr denkt: Ah, Jürgen hat es geschafft. Habe ich nicht. Ich bin noch am Lernen. Ich habe vielleicht einen Tick mehr darüber nachgedacht. Und ich gebe zu, ich kriege das eine oder andere schon hin, manchmal besser, manchmal schlechter. Und ich habe eines nicht, nämlich resigniert an dieser Stelle. Ich bin dann noch am Kämpfen, und ich stehe dazu. Aber ich bin nicht der Held. Ich muss selber mir heute hier predigen.
Auch in meinem Leben gibt es immer wieder diesen Gedanken: Es kommt eigentlich auf die Performance an. Es kommt darauf an, wie viel Know-how ich irgendwo reinstecke, wie viel ausgefeilte Planung da ist. Und irgendwann kommt dann am Schluss natürlich auch noch das Thema Gebet. So, ich habe es euch jetzt bekannt, jetzt wird keiner denken: Jürgen hat das schon.
Ich bin so, und ich bin so, obwohl ich weiß, dass Jesus anders war. Bei Jesus lese ich, dass er tatsächlich früh morgens aufgestanden ist, nach einem total stressigen Abend, und dass er früh morgens aufgestanden ist, sich zurückgezogen hat. Und ich kann mir das gut vorstellen: Da wachen dann die Jünger morgens auf und sagen: Boah, war ein stressiger Abend gestern. Ja, total stressig. Boah, wo ist denn der Herr? Ja, der ist schon weg. Wie, wie? Ja, ich habe das so aus dem...
Kennt man ja, wenn man so kurz wach wird, irgendeiner steht von den beiden schon früher auf, man hört da so Krummeln in der Ecke und sagt: Schatz, mach das Licht nicht an. Und wahrscheinlich hat der Herr Jesus das Licht nicht groß angemacht. Auf alle Fälle alle weitergeschlafen, ja. Es war doch dunkel draußen, als der losgezogen ist. Wo ist er denn hin? Keine Ahnung. Und wenn du ihn dann findest irgendwo in der Walachei, irgendwo in der Wüste, da wo kein anderer ist, und du siehst: Ja, der betet. Das ist mein Herr. Also zumindest sage ich: Er ist mein Herr. Das ist manchmal so ein heikles Ding mit dem Herrsein von Jesus.
Interessanterweise: Die ersten Christen, die hatten das ganz genau so drauf. Ich möchte mit euch heute anschauen Apostelgeschichte 4, die Verse 23 bis 31. Und ich muss euch erst eine kleine Einführung geben.
Apostelgeschichte, die Geschichte der ersten Kirche. Im Zentrum der ganzen Aktion stehen zwei Apostel, Petrus und Johannes. Die beiden haben gebetet, haben gepredigt, jemand ist gesund geworden, und viele Leute sind zum Glauben gekommen. Es ist richtig gerade was los. Und weil das passiert ist, hat man die beiden vor den Hohen Rat geholt.
Der Hohe Rat, das ist das Gremium, das Jesus zum Tode verurteilt hat. Da waren die. Und man hat sie da hingestellt und wollte sie so ein bisschen einschüchtern und hat sie dann wieder nach Hause geschickt. Und dann sagt man: Wehe, Freunde, wehe, wenn ihr euch wagt, weiter über Jesus zu predigen. Wehe, wenn ihr euch wagt, noch einmal in seinem Namen irgendjemanden gesund zu machen. Wehe, Freunde. Das ist die Situation.
Zwei Apostel werden von dem obersten Gremium, von dem politischen obersten Gremium, eingeschüchtert. Die Leute, die Jesus haben kreuzigen lassen, sagen ihnen: Freunde, wenn ihr nicht aufpasst, geht es euch genau wie ihm. Wehe.
So, was macht man, wenn man in so einer prekären Situation ist? Das ist die Frage. Darüber wollen wir uns heute unterhalten. Und bevor wir den ersten Vers lesen, sage ich euch schon die erste Mini-Lektion, die gleichzeitig für viele Christen etwas ist, was sie wahrscheinlich immer wieder neu durchbuchstabieren müssen.
Diese Lektion heißt: Die Apostel suchen in ihrer Not andere Christen auf, sie suchen die Geschwister. Und ich möchte das ganz vorne dran stellen. Das ist nicht mein Hauptpunkt, aber er ist, glaube ich, für die Praxis total wichtig: Wenn Probleme, Probleme sind, dann sind sie dazu da, dass wir uns mit Christen treffen, nicht, dass wir uns zurückziehen und alleine leiden.
Und wenn ich sage, alleine leiden, habe ich ein ganz fieses Bild vor Augen. Als kleiner Junge hatte ich einen Dackel, Waldi. Waldi war das fieseste und verkommenste Tier, was mir jemals unter die... Ja, er hat einfach willkürlich gebissen. Es war einfach nur bäh. Ich habe Waldi na ja, auf alle Fälle das letzte Bild, was ich von Waldi im Kopf habe, ist folgendes: Er ist alt und krank und er verzieht sich unter die Eckbank und stirbt dort ganz allein.
Und das ist das Bild, was ich für einen Christen vor Augen habe, wenn er in Zeiten der Not nicht die Gemeinschaft sucht, sondern wenn er sich zurückzieht, wenn er aus welchen Gründen auch immer glaubt: Jetzt geht es mir schlecht, jetzt habe ich ein Problem, das muss ich jetzt so alleine für mich ausmachen. Und ich denke dann immer an diesen zusammengerollten braunen dicken Waldi-Korpus, der unter der Eckbank lag und der da alleine für sich verreckt ist. Versteht ihr? Und ich denke, das ist das, was Christen machen, wenn sie in solchen Situationen, wo der Druck von außen zunimmt, sich zurückziehen und vergessen, dass Gott uns als ein Volk berufen hat, nicht als Einzelkämpfer.
Wir sind kein SWAT-Team, wo jeder alleine für sich kämpfen kann. Wir sind etwas anderes. Wir sind eher: Du kannst nicht ohne den anderen, du brauchst die Gaben des anderen. Denn Gott hat den anderen begabt, damit er dir in solchen Situationen, wo du nicht mehr weißt, was du tun sollst, dient. Vielleicht indem er glaubt, wo du nicht mehr glauben kannst. Wo er Antworten findet, auf die du nicht mehr kommst. Wo er dir den Arm um die Schulter legt und dich tröstet, wo du keinen Trost mehr finden kannst. Wo er seinen Geldbeutel aufmacht, weil du gerade blank bist. Keine Ahnung. Aber dafür hat Gott Gemeinde geschaffen, damit wir in unseren Problemen nicht alleine sind.
Und ich bitte dich: Wenn dir sowas begegnet wie den Aposteln hier, dass du in eine Situation rein stolperst, wo du sagst: Boah, mir läuft es kalt den Rücken runter, ich habe keinen blassen Schimmer, was ich jetzt noch tun soll, dann schnapp dir Geschwister. Das muss nicht immer im Gottesdienst sein. Schnapp dir Leute und sag ihnen, was Sache ist, und dann fangt an zu beten.
Der Text, den wir miteinander betrachten, der wird deutlich machen, dass Zuversicht und auch Wunder davon die Folge sind, dass Christen miteinander beten. Und wenn du sagst, mein Leben ist jetzt in diesem Moment geprägt, vielleicht von Ängstlichkeit, vielleicht auch von einer gewissen Gottesferne, dann wirst du jetzt lesen mit mir zusammen, was du tun musst.
 Apostelgeschichte 4,23: Als sie aber entlassen waren, also als sie aus diesem Raum, wo man sich mit dem Hohen Rat getroffen hatte, wieder rauskamen, als die Panikattacke und alles was so... kamen sie zu den Ihren, also zu den anderen Christen, und verkündeten alles, was der Hohepriester und die Ältesten zu ihnen gesagt hatten.
Die kommen raus, treffen sich mit Christen und erzählen ihnen das. Ich habe mir jetzt überlegt: Was würde bei uns passieren, wenn jemand hier reinkommt und sagt: Hört mal her, wir haben folgendes Problem. Also was wäre, wenn wir nicht in Jerusalem im ersten Jahrhundert, sondern in Berlin im 21. wären? Wie würden wir darauf reagieren?
Jemand steht hier vorne, was weiß ich, Robert und Boris kommen und sagen: Boah, ey, der Magistrat hier hat uns verboten, wir dürfen nie wieder über Jesus reden. Ich habe mir überlegt, wie reagieren Deutsche in solchen Situationen? Also, ich glaube, ein Teil würde mit Jammern anfangen. Jammern ist immer gut. Das wären aber gar nicht so viele. Wahrscheinlich würden die, die im Hohen Rat eine gute Figur gemacht haben, noch einwerfen, dass sie eigentlich standhaft waren und eine coole Figur abgegeben haben. So sind wir auch immer so ein bisschen.
Dann würde es, und das wäre jetzt typisch deutsch, solche geben, die sagen: Wir brauchen einen Plan. Und zu einem Plan brauchen wir einen Arbeitskreis. Und irgendwann würde jemand bestimmt sagen: Lasst uns einen Verein gründen. Wir könnten zum Beispiel einen Verein gegen die Diskriminierung von jüdischen Jüngern bekennender galiläischer Wanderprediger e. V. gründen. Irgendwie sowas. Das wäre typisch deutsch, glaube ich. Also ein bisschen jammern, ein bisschen sagen: Naja, schaut mal, ich habe mich so toll... so ein bisschen: Warum planen wir einen Arbeitskreis? Bis hin zum Verein, das wäre deutsch.
So, und jetzt schauen wir, was sie tun. Und das ist so faszinierend, es ist so faszinierend. Sie aber, Vers 24, als sie es hörten, erhoben einmütig ihre Stimme zu Gott und sprachen: Herrscher, du bist es, der den Himmel und die Erde und das Meer gemacht hat und alles, was in ihnen ist.
Und ich finde es spannend, dass sie damit ihr Gebet anfangen. Ich glaube, wenn wir unter Druck geraten, in Schwierigkeiten geraten, ist es ganz wichtig, am Anfang erst die richtige Perspektive hinzukriegen.
Wie sieht die Perspektive aus? Auf der einen Seite versucht man, sie einzuschüchtern. Das höchste politische Gremium, angefüllt mit Machtmenschen, die schon einmal einen Messias haben umbringen lassen, die dabei auch mal nebenbei den obersten römischen Politiker erpresst haben. Also Leute, die mit allen Wassern gewaschen, skrupellos sind. Die stehen auf der einen Seite. Typen, die ihre Gegner über die Klinge springen lassen. Das ist die eine Seite. Das sind die, die gegen mich sind. Und das ist derbe.
So, jetzt schauen wir uns aber an, was sie hier tun. Sie sagen: Wie sieht denn die andere Seite aus? Wer steht denn hinter mir? Und die ist noch schöner. Hinter mir steht nämlich der Schöpfer. Der Schöpfer des Universums, der Himmel und Erde und Meer und alles, was da so drin ist, gemacht hat. Und merkt ihr: Man braucht manchmal die richtige Perspektive.
Dieses: Ja, die Drohung ist ernst, das Problem ist ernst. Und jetzt sagst du: Zum Glück gibt es keinen Hohen Rat mehr. Ja, aber das Gleiche geht, wenn dein Chef dir an der Stelle schräg begegnet. Oder wenn irgendwas in deinem Leben passiert und du plötzlich, vielleicht hattest du noch nie Kontakt mit der Polizei, noch nie mit Strafverfolgungsbehörden, und plötzlich treten die in dein Leben hinein. Oder irgendjemand bei Facebook hat dich auf dem Kicker und postet da Sachen, wo du sagst: Hallo, was soll ich denn jetzt machen? Der zerstört ja quasi meinen ganzen Ruf, der macht ja alles kaputt. Oder jemand behauptet einfach im Internet an anderer Stelle etwas über dich.
Es ist total süß, wenn jemand einfach irgendwas hinschreibt, und du kriegst das dann so über drei Ecken mit: Da ist einer, der das über dich gesagt hat. Und du weißt, das ist raus. Du weißt vielleicht gar nicht mehr, wie du das noch einfangen sollst. Es gibt solche Situationen auch für uns, wo wir nicht mehr wissen, was wir tun sollen.
Und in so einer Situation, wo der Feind fast übermächtig zu sein scheint, ist es ganz wichtig, dass wir, wenn wir ins Gebet eintreten, uns erst mal die Perspektive wieder geraderücken und dass wir wissen: Egal wie viel Angst der andere uns machen will und auch kann, wie viel Macht er hat, mir mein Abi zu verhageln, mir meinen Job zu rauben, mir meine Perspektive in dieser Welt, jemals wieder einen Fuß in meinem Beruf auf den Boden zu kriegen, kann er mir kaputt machen. Ja, stimmt, geht. Aber hinter mir steht der Schöpfer von Himmel und Erde. Und das ist ein ganz anderes Kaliber.
Man braucht das wieder, um sich gerade hinzustellen. Das ist gut, damit startet man. Ich habe dann die richtige Perspektive, ich weiß dann, ich muss keine Angst haben.
Also zur nächsten Frage: Was bitteschön soll ich in so einer Situation beten? Und das ist wirklich eine sehr gute Frage. Wie kriege ich raus, was ich in einer bestimmten Situation beten soll? Ich lese euch mal vor, was die hier machen. Die schauen nämlich in die Bibel.
 Apostelgeschichte 4,25-28: „Der du durch den Heiligen Geist und den Mund unseres Vaters, deines Knechtes David, gesagt hast“ – Zitat aus Psalm 2 – „Warum tobten die Nationen und sannen Eitles die Völker? Die Könige der Erde standen auf, und die Fürsten versammelten sich gegen den Herrn und seinen Gesalbten. Denn in dieser Stadt versammelten sich in Wahrheit gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hast, sowohl Herodes als Pontius Pilatus mit den Nationen und den Völkern Israels, alles zu tun, was deine Hand und dein Ratschluss vorher bestimmt hat, dass es geschehen sollte.“
Man liest so schnell darüber. Ich finde das absolut faszinierend. Sie entscheiden die Frage, wofür sollen wir beten, dadurch, dass sie erst einmal ihre Bibel aufschlagen und sich überlegen, welche Situation in der Bibel passt eigentlich am besten zu der Situation, die wir gerade in unserem Leben vorliegen haben.
Jetzt gebe ich zu, es ist in ihrem Fall vergleichsweise einfach, weil Psalm 2 beschreibt exakt das, was sie erleben. Psalm 2 ist ein prophetischer Psalm, der beschreibt, was passiert, wenn der Herr des Universums auf Golgatha in Jerusalem sein Reich aufrichtet, und beschreibt, wie in dieser Situation sich alle politischen Mächte, Herodes, der Hohepriester, der Hohe Rat, alles gegen ihn verschwört, um ihn nur loszuwerden. Das passt genau, dieser Text, zu dem, was sie erleben. Das geht so weit, dass sie sagen: Es ist für uns gar keine Überraschung, dass das passiert. Na klar, Gott hat das alles vorher gewusst und in seinen Plan mit eingewoben. Das ist gut so, wie es hier passiert.
Was sie tun, ist: Sie schauen in die Bibel. Welche biblische Situation habe ich hier vorliegen? Ja, es ist Psalm 2. Und vielleicht ist es bei dir nur wie Psalm 2. Vielleicht kannst du nicht sagen: Mein Leben ist heilsgeschichtlich vorhergesagt. Jürgen erlebt das, was Jesaja gesagt hat. Das ist wahrscheinlich nicht so eins zu eins, das gebe ich zu. Aber das Prinzip ist das Gleiche. Du schaust in die Bibel: Wo passiert dasselbe? Wo erleben Leute die gleichen Situationen, wie ich sie gerade erlebe?
Und dann stelle ich natürlich fest, wenn ich jetzt weiterlese in Psalm 2, dann weiß ich auch, wie ich mich zu verhalten habe in so einer Situation. Ich lese euch mal Psalm 2 das Ende vor, das zitiert jetzt hier Lukas nicht mehr in der Apostelgeschichte. Und es ist wahrscheinlich so, dass wenn ihr in den Reden der Apostelgeschichte Zitate findet, dass wir nur ausgewählte Verse vorliegen haben. Es lohnt sich an der Stelle immer, mal den ganzen Psalm dazu zu lesen.
Ihr müsst euch vorstellen: Die Reden der Apostelgeschichte sind nicht eins zu eins. Da war keine Bürofachkraft und hat das alles Wort für Wort mitgeschrieben. Man versucht, den Sinn zu vermitteln, die wesentlichen Verse zu vermitteln. Hier geht es darum zu verstehen: Psalm 2, das ist der Ankerpunkt. Und wenn ich aber jetzt den ganzen Psalm lese, so wie ich vermute, dass jemand damals auch den ganzen Psalm vorgelesen hat, dann stelle ich fest, da steht auch drin, wie man in so einer Situation sich zu verhalten hat, wenn die Mächtigen sich gegen Gott versammeln, toben und sich überlegen, wie sie ihn loswerden.
Da heißt es dann in Psalm 2,10: „Und nun, ihr Könige, handelt verständig, lasst euch zurechtweisen, ihr Richter der Erde! Dienet dem Herrn mit Furcht und jaucht mit Zittern.“ Darum geht es, wenn mitten in diesem Tohuwabohu das Gebot, das stehenbleibt, ist: Dient dem Herrn. Und dann heißt es so wunderschön in Vers 12 – das kann man nur mit Psalmen machen –: „Küsst den Sohn, dass er nicht zürne und ihr umkommt auf dem Weg.“
Anders ausgedrückt: Baue eine leidenschaftliche Beziehung zu diesem Jesus von Nazaret auf. Das ist das, worum es geht, und das ist das, was du brauchst.
So, das ist, was sie tun. Frage war: Wofür soll ich, wenn ich in eine Not hineinkomme, wofür soll ich beten? Ich glaube, ihr kennt diese Frage gut. Und die Antwort, die ich euch heute aus diesem Text mitgeben möchte, lautet so: Wenn du in eine schwierige Situation hineinkommst, dann versuche diese Situation anhand der Bibel einzuordnen. Versuche dir selber die Frage zu beantworten: Was ist eigentlich mein Problem? Was ist mein Problem?
Also nicht nur: „Ich habe Angst.“ Ja, ja, das ist klar. Die Frage ist: Warum hast du Angst? Was steckt dahinter? Was macht diese Schwierigkeit schwierig? Wie nennst du das, was dir da gerade begegnet? Worum geht es? Ist es Einschüchterung, so wie hier? Aber es gibt natürlich ganz andere Sachen, vielleicht Verrat, Sorgen, Zukunftsangst, Niedergeschlagenheit, Krankheit, Zweifel, keine Ahnung, was dich gerade traktiert. Aber es fängt damit an, dass du dir selber mal vor Augen hältst: Was ist das gerade, was mir das Leben schwer macht? Wie heißt das?
Und ich kann euch versichern, das ist keine einfache Übung. Da muss man sich manchmal jemanden mit ranholen, der mal so eine Frage quer stellen darf, der mir vielleicht auch mal sagen darf, wie das aus seiner Perspektive heißt, was ich da fühle. Und das ist so hilfreich, wenn man erst mal sagen kann: Das ist mein Problem. Es gilt übrigens immer für den Bereich der Seelsorge, dass wenn man erst mal ein Problem benennen kann, wenn man sagen kann: Das ist es, dann hat man es fast schon gelöst. Das ist ganz irre.
Ich merke das, wenn ich mit Ehepaaren Dinge mache: Solange die zwei nur sagen, wir fühlen uns schlecht, tja, was willst du da machen? Aber wenn man das benennen kann, wenn man sagen kann: Daran liegt es irgendwie, damit habe ich ein Problem, ah wunderbar, dann kann man anfangen zu arbeiten. Und das ist immer so.
Um dann Zugang zu finden, lohnt es sich, die Frage zu stellen: Wie heißt mein Problem, und wo bitteschön in der Bibel treffe ich auf Leute, die so ein Problem schon mal hatten, und wie bitteschön sind die damit umgegangen? Und jetzt merkt ihr, warum das so wichtig ist, Bibel zu lesen. Und wahrscheinlich ist es ein Clou, ab und zu mal mit den Psalmen auch unterwegs zu sein, denn ich habe es nicht gezählt, aber ich würde sagen, die Hälfte bis zwei Drittel aller Psalmen sind von Leuten geschrieben, denen es gerade nicht so gut geht.
Viele, viele Lieder haben irgendwo diesen Tenor: Ja, Gott, weißt du... Ja, in ganz vielen Psalmen wirst du das auf die eine oder andere Weise wiederfinden. Und deswegen lohnt es sich, die Psalmen anzuschauen und davon zu lernen: Was beten die? Die beten verrückte Sachen, also seid nicht erschrocken, was die beten. Also ich bin bei Psalmen öfter mal überrascht, dass ich mir denke: Hast du jetzt wirklich gerade, wo du verfolgt wirst, deine eigene Sünde bekannt? Zum Beispiel so ein Thema. Ja, macht David ein paarmal. Ja, und ich mir denke: Hm, also wenn ich verfolgt werde und wenn es mir schlecht geht, denke ich nicht so sehr an meine eigene Sünde. Dann denke ich an das, was der andere falsch macht. Ganz interessanter Punkt.
Arbeitet euch da rein: Was sagt die Bibel zu dem Thema, was ich in meinem Leben gerade problematisch finde? Und dieser biblische Ansatz ist total wichtig, weil wir sollen ja nicht plappern, sagte der Herr Jesus. Wir sollen nicht plappern wie die Heiden, einfach nur drauflos quatschen. Wir sollen nachdenken. Viele Worte alleine machen dich vor Gott noch nicht hörbar. Man kann viel Unsinn erzählen.
Es geht beim Beten auch nicht darum, so ein eigenwilliges Wünsch-dir-was-Gebet, so dieses: Herr, ich habe da so eine Idee für mein Leben, das hätte ich gern. Das ist nicht Gebet. Ich weiß nicht, wie man das nennen soll. Wahrscheinlich ist das so eine Art Comedy für Engel oder so, aber es ist nicht Gebet.
Gebet hat damit zu tun, dass ich im Namen Jesu bete. Und im Namen Jesu beten: Wenn du etwas in meinem Namen tust, dann machst du es an meiner Statt. Dann bin nicht ich derjenige, sondern du, der für mich da einspringt. Wenn wir beten, sollen wir im Namen Jesu beten, an seiner Statt. Natürlich beten wir, aber eigentlich sollen wir Worte verwenden, die Jesus auch verwendet hätte. Und dazu brauchen wir die Bibel.
Ganz ehrlich: Je besser du dich mit solchen Fragen in der Bibel auseinandersetzt, umso besser kannst du beten. Frage: Was hättest du angesichts der Drohungen des Hohen Rats eigentlich gebetet? Wenn jemand zu dir kommt und sagt: Wenn du noch einmal über Jesus redest, mache ich dich platt. Ich mache dich platt, und ich schlage dich an ein Kreuz, und du wirst jämmerlich über Stunden hinweg splitterfaser nackt, so dass alle dich sehen können, verrecken. Du machst nie wieder den Mund auf. Was hättest du gedacht, was man als erstes, was muss man beten an der Stelle?
Ich sag dir: Was mir sofort in den Sinn gekommen wäre, das wäre ein Gebet darum, dass Gott mich und meine Familie vor diesen bösen Dingen bewahrt. Ich hätte wahrscheinlich irgendwas gebetet wie: Herr, bitte lass es nicht zu, dass diese bösen Männer meine Töchter und meine Familie und meine Freunde umbringen. Bitte, Herr, bewahre uns, dass wir nicht auch noch wieder, Herr Jesus, gekreuzigt werden. Bitte, Herr, pass auf uns auf.
Das wäre doch das naheliegendste Gebet, oder? Wenn jetzt jemand sagt: Nö, da wäre ich nie drauf gekommen. Doch, wir alle kommen darauf. Herr, pass auf, dass das, was dem Herrn Jesus passiert ist, nicht uns auch noch passiert. Wir wollen nicht sterben.
Und jetzt kommt der Clou: Genau das beten sie nicht. Es ist wieder so eine Stelle, wo man beim Bibellesen diesen Eindruck hat: Was geht hier vor? Es ist ein guter Punkt, hängenbleiben, darüber nachdenken. Was sie beten, das hört sich so an, Vers 29, 30, und das heißt nicht, dass sie es nie gebetet haben, okay? Du darfst gerne um Bewahrung beten. Nur es ist nicht ihr Fokus. Das ist nicht das, wo die Gebetsversammlung erst mal sagt: Ja, das stellen wir ins Zentrum.
Das Zentrum hört sich so an, Vers 29: „Und nun, Herr, sieh an ihre Drohungen, und gib deinen Knechten dein Wort mit aller Freimütigkeit zu reden, und strecke deine Hand aus zur Heilung, dass Zeichen und Wunder geschehen durch den Namen deines heiligen Knechtes Jesus.“
Freimütigkeit, Zeichen und Wunder im Namen Jesu. Und ich denke mir: Wow. Ich übersetze das mal: Herr, bitte hilf uns, dass wir unserem Auftrag treu bleiben. Lass uns angesichts der Drohungen bitte nicht einknicken, und Herr, wir wünschen uns noch viel mehr Heilungen in deinem Namen, im Namen Jesu, dass alle hier in der Stadt erkennen, dass Jesus tatsächlich der Messias ist.
Das beten Christen, die Gott gebrauchen kann, Geschichte zu schreiben. Übrigens ist das nicht weit weg von dem, was Jesus gebetet hat. An einer anderen Stelle schlägt man auf Johannes Kapitel... An einer anderen Stelle steht der Messias selber vor dem Kreuz und steht in einer Situation, die ihn selber mental überfordert, wo er merkt: Mir kriegt langsam die Angst den Rücken hoch.
 Johannes 12,27: Da sagt der Herr Jesus: „Jetzt ist meine Seele bestürzt.“ Klar, der sieht das Kreuz vor sich, der hat Angst, das ist Panik. Jetzt ist meine Seele bestürzt. Und dann fragt er: „Und was soll ich sagen? Vater, rette mich aus dieser Stunde?“ Und alles in mir würde schreien: Ja, was denn sonst? Aber genau darum geht es ihm, dass dieses Gebet völliger Quatsch wäre. Was soll ich beten? Vater, rette mich aus dieser Stunde? Doch darum bin ich in diese Stunde gekommen. Vater, verherrliche deinen Namen!
Wow! Und da merken wir: Das ist der Lebenssinn des Messias, der sich hier auch im Gebet der Gemeinde wiederfindet. Das ist die Stoßrichtung von Gebet in Verfolgung. Es geht darum, Gott zu verherrlichen, nicht dem Leiden zu entgehen. Es geht darum, seine Berufung zu leben. Es geht darum, in dieser Welt einen Unterschied zu machen. Dem nachzufolgen, der sagt: Wenn du mir nachfolgst – Bonhoeffer hat das wunderschön auf den Punkt gebracht – komm und stirb. Ja, wenn du mir nachfolgst, musst du dein Leben investieren. Es geht nicht billiger. Tut mir auch leid, aber ist einfach nun mal so.
Und da, wo das passiert, wo Gemeinde sich im Namen Jesu versammelt, passieren jetzt drei Dinge, und die möchte ich euch abschließend noch vorstellen.
Vers 31: „Und als sie gebetet hatten, da muss ja die Welle des Amen durchs letzte Gebet...“ Und als sie gebetet hatten, bewegte sich die Stätte, wo sie versammelt waren, und sie wurden alle mit heiligem Geist erfüllt und redeten das Wort Gottes mit Freimütigkeit.
Das Erste ist: Gott macht sich bemerkbar. Gott schüttelt ein bisschen, sagt: Hallo, ich bin auch noch da. Ich habe jetzt den Text in Johannes 12,27 nicht 28 weitergelesen, da spricht auch plötzlich Gott und sagt: Du bist mein geliebter Sohn. Ja, da, wo Gemeinde sich versammelt und gemeinsam dem Teufel entgegentritt, macht Gott sich bemerkbar.
Und dann heißt es: Die Gläubigen werden mit heiligem Geist erfüllt, und sie bekommen genau das, wofür sie gebetet haben, nämlich Freimütigkeit. Dieses mit heiligem Geist erfüllt werden: Bitte denkt bei dem Wort erfüllt werden nicht an so einem Glas Saft, was man füllt, so als wäre der Heilige Geist eine Substanz, von der man immer mehr reingeschüttet kriegt. Der Heilige Geist ist eine Person. Es geht darum, wenn ich erfüllt werde vom Heiligen Geist, dass der Geist Gottes mich ausfüllt, immer mehr ausfüllt, mehr von mir, mehr Kontrolle über mich bekommt.
Deswegen ist das Gegenteil von erfüllt sein mit dem Heiligen Geist auch, dass wir den Geist dämpfen. Oder ihn auslöschen durch Sünde. Und Epheser 5,19-21 beschreibt, lest das gerne heute Abend noch mal nach, wie man erfüllt wird mit Heiligem Geist. Und es sind vier Dinge, die wir da von Paulus vorexerziert bekommen. Paulus wird sagen: Wenn du vom Geist Gottes erfüllt werden willst, dann brauchst du eine Sprache, die geprägt ist davon, dass du Gott groß machst, von Lobpreis. Du brauchst in deinem Herzen eine tiefe Freude an dem Herrn Jesus. Du brauchst ein Ja zu dem Leben, was Gott dir gibt, also Dankbarkeit in allen Lebenslagen. Und du musst als Letztes bereit sein, dich von Gott an der Stelle gebrauchen zu lassen, wo Gott dich hinstellt.
Vier Dinge: Lobpreis, Freude, Dank, Hingabe. Wo diese vier Dinge sind, da hat der Heilige Geist Raum in uns, der kann uns ausfüllen. Da sind wir nicht gegen ihn, da versuchen wir nicht, ihn klein zu halten, sondern sagen: Na komm, gebrauche mich.
Und diese Szene hier in Apostelgeschichte 4,23-31 ist so eine schöne Illustration dafür. Bei Paulus klingt das so ein bisschen theoretisch: Ja, eins, zwei, drei, vier, okay. Hier siehst du, wie die Leute drauf sind. Man spürt diesen Betern ab, dass sie voller Begeisterung dem Herrn Jesus nachfolgen, dass sie ein dankbares Ja zu ihrer Berufung finden, und das, obwohl es bestimmt nicht einfach war, sich so gegen die Mächtigen und die Einflussreichen zu stellen. Logisch war das schwer. Und trotzdem: Sie finden dieses Ja, sie sind gehorsam hingegeben, und sie tun genau das, was sie sich gewünscht haben: Sie redeten das Wort Gottes mit Freimütigkeit.
Ich möchte euch jetzt etwas vorstellen, was ich... das ist ein Beispiel für Ingenieure zum Schluss. Ingenieure tun sich vielleicht an der Stelle leichter. Ich möchte euch einen Motor vorstellen.
Wir haben den Text davor, als Johannes und Petrus im Hohen Rat sind, nicht gemeinsam gelesen. Aber es gibt da eine Szene, die muss ich euch erzählen. Also der Hohe Rat traktiert diese zwei Jünger mit Fragen: Warum macht ihr das und so weiter? Und dieser Hohe Rat, diese Machtmenschen, die unter der schieren Wucht ihrer Persönlichkeit und auch der Möglichkeiten, die sie haben, wahrscheinlich schon viele Leute erlebt haben, die einfach zusammengeknickt sind, die einfach alles verworfen haben, woran sie je geglaubt haben, stehen vor einem Rätsel. Weil Petrus und Johannes konnten ihre Fragen mit einer Lässigkeit beantworten, dass ihnen eigentlich nur noch bleibt, sich die Frage zu stellen: Woher, Freunde, nehmt ihr diese Freimütigkeit?
Normalerweise müsstet ihr zittern, Angst haben, stammeln, nicht wissen, was ihr sagen sollt. Das wäre die Norm. Wisst ihr nicht, wer wir sind, dass wir euch quasi das Leben nehmen können? Und die stehen da und sind absolut freimütig. Und ich lese diesen Text davor und frage mich: Wo haben die diese Freimütigkeit her? Du stehst da in dem Gremium, das deinen eigenen Herrn, wie lange ist das her? Acht Wochen, zwölf Wochen vorher? Hat einfach mal umbringen lassen. Und jemand fragt dich: Sag mal, in welchem Namen machst du das? Und dann stellt sich Herr Petrus hin: Im Namen Jesu von Nazaret. Und übrigens, damit das klar ist hier in der Runde: Es gibt keinen anderen Namen, in dem ein Mensch gerettet werden kann, nur damit wir uns nicht falsch verstehen. Entweder glaubt ihr, liebe Hohenratsmitglieder, an diesen Jesus, oder ihr geht verloren, ihr habt keine Gemeinschaft mit Gott und ihr steht unter seinem Zorn.
Hallo, wo nimmst du diese Freimütigkeit her, in so einer Situation den Mund aufzumachen? Und die Antwort dafür, die Antwort steckt hier in diesem Text. Es gibt nämlich einen Motor, einen Motor mit drei Punkten, und der Motor geht so:
Du bist freimütig und bezeugst den Herrn. Erster Ausgangspunkt. Wenn du das tust, wirst du auf Menschen treffen, die dir Angst machen und die sagen: Wehe, Freund, wenn du mir das nochmal sagst. Anfeindung. Was macht Anfeindung? Anfeindung macht mir Angst. Logisch, dafür ist ja Anfeindung da. Aber wenn ich geschickt bin, treibt mich Anfeindung ins Gebet. Dritter Punkt: Jetzt bin ich im Gebet. Worum bete ich? Um Freimütigkeit. Logisch, haben wir ja gerade gelesen. Also bin ich wieder auf meinem Startpunkt. Merkt ihr das? Das ist wie so ein Motor, der so einfach durchläuft.
Jetzt schenkt mir Gott neue Freimütigkeit, und ich predige wieder, dass Jesus der einzige Weg ist, um Erlösung zu finden. Flapp, schon bin ich wieder vor Leuten, die mir sagen: Wehe, wenn du mir das noch mal sagst. Jetzt habe ich wieder Angst. Was macht die Angst? Pupp, rüber ins Gebet. Logisch, ja, ich brauche jemanden, der mich wieder aufrichtet. Lasst uns beten. Worum? Um Freimütigkeit, um wieder zurück zu sein zum Ausgangspunkt. Und jetzt bin ich wieder hier, freimütig. Was mache ich? Ich predige das Wort Gottes in Freimütigkeit. Was wird wohl als nächstes passieren? Wehe, wenn du das machst. Wo muss ich wieder hin? Na, ins Gebet. Um was zu kriegen? Freimütigkeit.
Ich hoffe, das ist die Predigt, okay? Wenn ihr das im Kopf habt, reicht mir das. Wenn du sagst, ich wünsche mir eigentlich Freimütigkeit, wie kriege ich in mein Leben Freimütigkeit rein? Wenn du sagst, das war früher schon mal leichter, mit Leuten über Gott zu reden. Und manchmal ist es einfach nur so ein Fade-out. Man hatte da mal eine gute Phase, so als junger Christ, und dann kam irgendwas, so das war dann nicht mehr so einfach, und dann hat man so ein bisschen eingestellt, wie ich jetzt gesagt habe: Ja, so mit meinem Gebetsleben. Ja, plötzlich rumpelst du ein bisschen und denkst: Boah, das tut aber weh. Na, dann gehen wir heute mal nicht so lang im Wald spazieren.
Und das mache ich morgen so und übermorgen und überübermorgen und überübermorgen auch. Und irgendwann habe ich vergessen, dass ich mal lange beten war. Und da muss so ein fast dusseliger Text vorbeikommen, der mich zwingt, darüber nochmal neu nachzudenken. Vielleicht geht es dir bei Freimütigkeit genauso. Und wenn du sagst, ich würde gerne Freimütigkeit lernen, dann ist das der Text.
Okay, zum Schluss vier Punkte, die dieser Text dir mitgibt:
Erstens: Die richtige Reaktion auf Schwierigkeiten ist nicht jammern, einen schnellen Ausweg suchen oder sich verkriechen – ihr denkt an Waldi –, sondern beten. Also wenn du Schwierigkeiten hast, such dir Leute, mit denen du über deine Schwierigkeiten beten kannst. Such sie dir, schnapp sie dir. Und jetzt reden wir nicht über einmal, sondern Problem schnappen, Problem schnappen, Problem schnappen, okay? Mach das. Mach es hier nach dem Gottesdienst, mach es am Telefon, wenn du sagst, wir können uns jetzt nicht weiter treffen, aber tu es. Offenbare dich ein Stück weit den Leuten, und dann trau dich.
Zweiter Punkt: Für ein Erwachsenengebet macht es sehr viel Sinn, die Situation, in der ich mich befinde, aus der Perspektive Gottes zu betrachten, die Situation einzuordnen, indem ich meine Bibel in die Hand nehme und schaue: Wie reagieren Leute, die in einer ähnlichen Situation waren? Wofür haben die gebetet? Was sagt Gottes Wort zu meinem Problem? Worauf legen die, die da durchgegangen sind mit Gott, wo haben die ihren Fokus hingelegt, was war ihnen wichtig? Und dann mit diesem Wissen im Kopf losbeten.
Dritter Punkt: Angst, Panik, Menschenfurcht sind ein ganz schlechter Ratgeber. Im Zweifelsfall erstmal eine Portion Lobpreis, so die grundsätzliche Perspektive: Der Schöpfer von Himmel und Erde steckt hinter mir, wieder hinkriegen und dann losbeten.
Letzter Punkt: Freimütigkeit. Freimütigkeit ist eine Funktion von Gebet. Will sagen: Wenn du dir mehr Freimütigkeit wünschst, wenn du mehr über Jesus reden möchtest, dann bete mehr, bete um Freimütigkeit, und Gott wird sie dir geben, und Gott wird sich auf seine Weise in deinem Leben bemerkbar machen. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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