Ein persönlicher Einstieg in die biblische Spurensuche
Herr Präsident! Die Zeiten als Bierbrauer sind schon vorbei. Das war in meiner Studentenzeit. Da musste man sich dann einmal mit den Mönchsbräuchen auseinandersetzen, und dann haben wir gedacht, das Ganze kann man auch als praktische Theologie machen und mit dem Bierbrauen ausprobieren.
Nichtsdestotrotz trinke ich gerne Bier, also das ist schon so.
Ich freue mich, gemeinsam mit Ihnen in eine Geschichte hineinzuzoomen. Wir haben ja jetzt eine Landkarte bekommen im ersten Vortrag von Benjamin, und wir gehen jetzt in den nächsten größeren Abschnitt der Bibel hinein, in die sogenannte Patriarchen- oder Erzvätergeschichte. Dort werden wir in einen Abschnitt hineinzuzoomen, in dem wir eine Gottesbegegnung haben. Und zwar eben nicht mehr im Garten, sondern außerhalb des Gartens. Eine Gottesbegegnung, wo Gott einem Menschen begegnet.
Wie wir gerade eben schon gehört haben, ist Gott nicht einfach am Garteneingang stehen geblieben, sondern er ist dem Menschen weiter nachgegangen. Und das werden wir uns jetzt gemeinsam anschauen.
Ich möchte noch einmal, bevor wir in die Geschichte hineingehen, mit uns beten und Gott einfach bitten, dass er uns Verständnis schenkt.
Himmlischer Vater, wir danken dir von ganzem Herzen für dein Wort, für die Bibel. Und wir möchten dich bitten, dass du uns durch deinen Heiligen Geist dein Wort verständlich machst, dass du zu uns redest, dass wir verstehen dürfen, was du uns überliefert hast und was du uns dadurch auch heute noch sagen möchtest. Amen.
Erwartungen an eine Begegnung mit Gott
Wir schauen uns eine Gottesbegegnung an, die nicht unbedingt den Erwartungen entspricht, die die meisten Menschen von Gottesbegegnungen haben.
Ich glaube, wenn wir Menschen fragen würden, was sie von einer Gottesbegegnung erwarten, dann gibt es grundsätzlich zwei Extreme. Das eine ist eine eher angsterfüllte Erwartung eines strafenden Gottes. Das andere ist eine Erwartung, die viele Menschen haben, oder die mir zumindest schon öfter begegnet ist, auch in Gemeinden oder in Kirchen: die Erwartung, dass eine Begegnung mit Gott etwas ganz Schönes ist, etwas Friedvolles, vielleicht auch etwas an einem besonderen Ort. Vielleicht hast du dir das auch so vorgestellt, und ich denke, wahrscheinlich haben die meisten von euch auch erwartet: Ja, ich gehe auf eine Konferenz, also wird mir Gott begegnen. Und diese Begegnung, eine Gottesbegegnung, sollte doch irgendwie ermutigend sein, sie sollte doch stärken, sie sollte vielleicht sogar bestätigen.
Na ja, die Bibel kennt solche Begegnungen, das steht außer Frage. Es gibt solche Begegnungen, aber die Bibel kennt auch das Gegenteil davon. Und die Begegnung, die wir uns heute anschauen, ist keine bestätigende Begegnung. Sie ist auch nicht unbedingt in erster Linie ermutigend, zumindest nicht auf den ersten Blick.
Und zwar wollen wir uns gemeinsam die Begegnung anschauen, von Jakob, einem der Erzväter, wie Gott ihm am Jabbok, einem Fluss, man könnte sagen, an einem Fluss so gefühlt mitten im Nirgendwo, begegnet ist. Und diese Begegnung ist keine Begegnung, die irgendwie an einem erst einmal besonders heiligen Ort passiert, sondern eben in der Einsamkeit. Jakob ist am Ende ganz alleine. Es ist auch nicht ein Ort, an dem jemand Gott unbedingt gesucht hat. Also wir lesen erst einmal nichts davon, dass Jakob jetzt auf der Suche nach Gott war, sondern Gott ist ihm begegnet, als er eigentlich ja fast schon auf der Flucht war.
Und bevor wir uns diese Begegnung anschauen, möchte ich eine Sache schon mal vorwegnehmen: Gott begegnet uns Menschen nicht erst dann, wenn wir bereit dafür sind, sondern Gott begegnet uns, wenn er beschlossen hat, uns zu verändern. Und das sehen wir in dieser Begebenheit mit Jakob sehr deutlich.
Wer Jakob ist und warum seine Geschichte so konfliktreich ist
Zuvor noch kurz: Wer ist dieser Jakob eigentlich? Ich glaube, die meisten von uns kennen Jakob. Aber um uns noch einmal genau vor Augen zu führen, wer dieser Jakob ist: Es ist eben der Dritte in der Erzväterlinie.
Ich glaube, viele von uns kennen das, wie gerade eben auch gesagt wurde: Wir sind in der Erwartung des zweiten Kindes. Und wenn dann so ein Kind auf die Welt kommt oder kurz davor ist, dann sind viele Leute richtig begeistert und freuen sich darauf. Dann kommt wieder so ein kleines, putziges Kind auf die Welt, und dann ist das Kind da, und es ist das herzigste Kind überhaupt. So ungefähr.
Das ist etwas, was wir übrigens bei Jakob nicht lesen, in keinster Weise. Sondern was wir bei Jakob lesen, ist etwas völlig anderes. Schon als Jakob noch im Mutterleib war, war Jakob am Kämpfen. Denn Jakob war ja nicht allein, er hat einen Zwillingsbruder, und zwar Esau. Und Rebekka, die Mutter der beiden, nimmt schon wahr, als sie schwanger ist, dass hier etwas nicht ganz normal ist. Und Gott macht ihr dann deutlich: Ja, das stimmt. Das sind zwei, die miteinander kämpfen, und das wird ihr ganzes Leben lang so sein.
Und dieser Kampf begleitet letztlich Jakob sein ganzes Leben. Er kommt ja dann als Zweiter, als Jüngerer, auf die Welt, hat die Ferse seines Bruders in der Hand. Daher auch sein Name Jakob, also der Fersenhalter. Und dieser Jakob ist von seinem Typ her ein Trickser. Er ist ein Manipulator. Er ist derjenige, der sich immer irgendwie versucht, den Vorteil herauszuholen. Er tut genau das, was Gott eigentlich nicht unbedingt für richtig erachtet. Und er möchte immer die Kontrolle behalten.
Und so kommt es dazu, dass er seinen Bruder Esau betrügt und seinen Vater Isaak täuscht. Und das Krasse ist ja: Wenn wir uns diese Stelle anschauen, wo er seinen Vater Isaak täuscht, da kommt ja etwas, er treibt es eigentlich auf die Spitze. Vielleicht kennt ihr dieses Kapitel, ansonsten: Wenn ihr mal eine ruhige Minute habt, das ist mittlerweile eines meiner Lieblingskapitel der Bibel, 1. Mose 27.
Wir haben dort diese Szene, wo er jetzt eben seinen Vater täuscht. Und jetzt fragt sein Vater ihn: Du, woher hast du eigentlich so schnell dieses Wild bekommen? Und die Antwort von Jakob ist: Der Herr, dein Gott, hat es mir gegeben. Also dieser Jakob ist nichts Geringeres als ein Gotteslästerer. Das ist Jakob, das ist der, um den es hier geht.
Und nach dieser Situation, als er sich den Erstgeburtssegen erschlichen hat, weil er eben seinen Vater getäuscht hat, flieht er, weil er natürlich Angst vor den Konsequenzen hat. Sein Bruder Esau will ihn umbringen. Und er kommt zu seinem Onkel Laban. Dort ist er nachher zwanzig Jahre. Und Laban ist jemand, der ihm zumindest mal nicht so viel nachsteht, was das Tricksen und Manipulieren angeht. Auch er betrügt ihn. Und so tun sie sich nicht viel, und es ist mehr, man könnte sagen, eine kämpferische Beziehung.
Aber Laban ist trotzdem nicht die Person, vor der er am meisten Angst hat. Die Person, vor der Jakob am meisten Angst hat, das wird deutlich in dem Text, den wir uns anschauen, ist sein Bruder Esau. Denjenigen, den er betrogen hat.
Und dieser Jakob, um den es jetzt geht, ist nicht ein Held, wie wir es vielleicht manchmal vor Augen haben. Sondern dieser Jakob ist ein Sünder, er ist ein Gotteslästerer. Aber er ist eine Person, und jetzt sind wir wieder da, wo wir beim ersten Vortrag waren: eine Person, der Gott nachgeht, die Gott verfolgt. Und zwar, und das ist das Spannende bei Jakob hier, nicht, um ihn zu vernichten, sondern um ihn zu retten. Deswegen geht Gott her und begegnet ihm.
Die Verheißung auf dem Weg und Jakobs doppelte Haltung
Und es ist ja nicht das erste Mal, dass Gott ihm begegnet, als er ihm an dem Fluss begegnet. Vielleicht kennt ihr diese Geschichte, die direkt an den Erstgeburtssegenraub anschließt. Als er auf der Flucht ist, ist er in der Wüste, er schläft auf einem Stein, und dann begegnet ihm Gott in der Vision der Himmelsleiter. Das ist das erste Mal, wo wir so eine gewisse Gottesbegegnung auch bei Jakob sehen.
In dieser Vision gibt Gott ihm eine Verheißung, und diese Verheißung sehen wir in 1. Mose 28,15: Siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder in dieses Land zurückbringen; denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles erfüllt habe, was ich dir gesagt habe.
Also dieser Manipulator, dieser Trickser, dieser Sünder, dieser Gotteslästerer bekommt von Gott eine Verheißung. Und zwar die Verheißung: Ich werde dich behüten, und ich werde dich wieder zurückbringen.
Auf der einen Seite sehen wir dann teilweise einen Jakob, der daran glaubt, der darauf vertraut. Er hat es auch erlebt, in gewisser Weise. Gott hat ihn bewahrt, er hat ihn behütet bei Laban, seinem Onkel. Aber was ich schon mal vorwegnehmen will: Glaube und Misstrauen oder Unglaube, das sind zwei Dinge, die bei Jakob quasi nebeneinander wohnen. Und das sehen wir jetzt eben in der Begebenheit, die wir jetzt haben.
Diese Begebenheit in 1. Mose 32, wo wir gemeinsam hineingehen möchten. Jetzt ist Jakob eben in der Situation: Er kommt von seinem Onkel zurück, er geht wieder Richtung verheißenes Land, und das bedeutet auch, er geht seinem Bruder entgegen, dem Bruder, den er betrogen hat, dem Bruder, der ihn quasi umbringen will. Und Jakob geht hin und sendet Geschenke voraus. Er will diesen Esau besänftigen. Den Zorn Esaus will er besänftigen.
Und hier wird deutlich: Na ja, so ganz vertraut er dieser Verheißung Gottes ja irgendwie nicht. Gott hat gesagt: Ich bin mit dir, und ich will dich behüten. Aber Jakob kommt hierher, und er fängt wieder an zu planen. Er fängt an, sich selber einen Ausweg zu schaffen. Und genau dort gehen wir in den ersten Vers hinein, den wir uns anschauen wollen.
Die Boten kamen zu Jakob zurück und sagten: Wir kamen zu deinem Bruder Esau, und er zieht dir auch entgegen mit 400 Mann.
Also diese Leute, die jetzt Jakob vorausgeschickt hat, kommen zurück zu ihm, und die Botschaft ist nicht: Ja, dein Bruder freut sich total auf dich. Sondern die Botschaft ist: Übrigens, dein Bruder kommt mit 400 Mann.
Und diese 400 Mann sind kein Begrüßungskomitee. Sondern diese 400 Mann sind eine existenzielle Bedrohung für Jakob. Und das wird deutlich, wie Jakob jetzt antwortet oder reagiert:
Da fürchtete sich Jakob sehr, und ihm wurde bange, und er teilte das Volk, das bei ihm war, und die Schafe und die Rinder und Kamele in zwei Lager und sagte: Wenn Esau über das eine Lager kommt und es schlägt, dann wird das andere Lager entkommen.
Also Jakob macht hier, was Jakob eben macht. Er war sein ganzes Leben davon geprägt, dass er immer versucht hat, das Beste aus der Situation für sich herauszuholen. Er hat immer versucht, einen Weg zu finden, damit er den Vorteil daraus hat.
Und auch hier: Was macht er? Er überlegt sich eine Strategie. Nicht, wie er sich mit seinem Bruder in erster Linie versöhnen könnte, sondern seine Strategie ist: Wie komme ich aus dieser Situation heraus, ohne direkt einen Kopf kürzer zu sein oder zumindest mal einen Großteil meines Hab und Guts quasi zu retten?
Und er hat eine Taktik, die durchaus auch an anderen Stellen Verwendung findet. Wenn beispielsweise Landwirte oder, jetzt nicht in unseren Kreisen, aber es gibt ja durchaus Teile der Welt, wo es auch Tiere gibt, die unser Vieh bedrohen, also gibt es bei uns auch, aber nicht in dem Maß. Und wenn du jetzt durch ein Land ziehst, wo es wilde Tiere gibt, als Viehhirte, dann hast du mehrere Möglichkeiten.
Entweder du sagst: Okay, ich ziehe mit meiner Herde, und ich beschütze diese Herde, mit der Gefahr, dass ich selber mein Leben verliere und die ganze Herde verloren geht und zerstreut wird. Die andere Möglichkeit ist: Ich teile meine Herde, ich schicke die Herde in unterschiedlichen Teilen. Dann kann es sein, dass vielleicht ein Teil meiner Herde zwar den wilden Tieren zum Opfer fällt, aber ich behalte einen Teil. Ich gehe nicht komplett leer aus.
Und das ist die Taktik, die jetzt eigentlich Jakob hier anwendet, in dem Moment, wo er auf Esau trifft oder Esau entgegengeht.
Und auf der anderen Seite betet er. Auf der anderen Seite sehen wir dann: Wenn ihr jetzt 1. Mose 32,10-13 zum Beispiel lesen würdet, dann seht ihr, Jakob betet. Und dieses Gebet ist: Er erinnert sich an die Verheißung, die Gott gegeben hat, und er streckt sich danach aus, dass Gott seine Verheißung wahr macht.
Also wir haben einen Jakob, der auf der einen Seite an diese Verheißung glaubt, der sich zumindest nach dieser Verheißung ausstreckt. Auf der anderen Seite haben wir einen Jakob, der nicht wirklich bereit ist, sich komplett dieser Verheißung zu unterstellen und Gott zu vertrauen.
Der Moment der völligen Ausweglosigkeit
Und jetzt schickt Jakob nach und nach sein ganzes Hab und Gut los. Am Ende sehen wir in dieser ganzen Thematik, dass er alles losschickt.
Verse 23 und 24:
Und er stand in der Nacht auf, nahm seine zwei Frauen, die zwei Mägde und seine elf Söhne und zog an die Furt des Jabbok. Er nahm sie und führte sie hinüber über das Wasser, sodass alles hinüberkam, was er hatte.
Also das Letzte, was er über diesen Fluss schickt, ist seine Familie: seine Frauen, seine Mägde und seine Söhne. Und am Ende bleibt einer zurück, und dieser eine ist Jakob.
Jakob bleibt komplett allein zurück. Er hat nichts mehr, keine Sicherheit mehr. Da ist kein Knecht mehr bei ihm, niemand, der ihm irgendwie zur Seite steht. Sein Hab und Gut ist nicht mehr bei ihm. Er ist allein da. Man könnte sagen: Jakob hat völlig die Hosen runtergelassen.
Und da ist nur noch dieser Jakob in der Erwartung eines Kampfes, in der Erwartung einer Begegnung. Aber welchen Kampf erwartet Jakob? Das ist der Kampf mit seinem Bruder Esau. Das ist das, worauf er sich vorbereitet. Das ist das, worauf die ganze Geschichte hinausläuft.
Und jetzt passiert etwas, weil Gott, könnte man sagen, diesen Jakob genau dort hat, wo er ihn haben will. In einer Situation, die ausweglos ist, in einer Situation, in der er nichts mehr hat. Genau dort hat Gott ihn an dem Punkt, wo er ihn haben will.
Und jetzt kommt der Text und macht eine ganz kurze Beschreibung, die irgendwie ein bisschen speziell erscheint:
Und Jakob blieb allein zurück. Soweit verständlich, völlig logisch. Da rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte anbrach.
Da rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte anbrach. Und hier bleibt der Text sehr kurz. Wir haben keinen Namen, wir haben keine Erklärung: Wer ist dieser Mann? Woher kommt dieser Mann? Was hat es hier zu bedeuten, dass dieser Mann auf einmal auftaucht?
Erst einmal überhaupt keine Erklärung, sondern einfach nur dieser eine Mann. Und dieser eine Mann packt Jakob. Das ist die Situation, die uns hier beschrieben wird: Dass dieser eine Mann kommt und mit Jakob ringt.
Wenn wir jetzt den Text weiterlesen, dann wird relativ schnell deutlich für uns Bibelleser, um wen es hier geht, wer dieser Mann ist. Es wird deutlich: Dieser Mann ist kein gewöhnlicher Mensch. Es ist nicht irgendwie Esau, der auf einmal da wäre, sondern dieser Mann ist auf jeden Fall jemand Übernatürliches. Und von der ganzen Erzählung wird dann deutlich: Dieser Mann ist niemand Geringeres als Gott selbst.
Die Begegnung als Ringen mit Gott
Was wir hier haben, würde ich sagen, ist eine Christophanie. Was ist eine Christophanie? Manchmal haben wir als Christen ja so ein bisschen, oder manche Christen haben das Verständnis, ja, die Geschichte von Jesus fängt bei Matthäus an. Das ist nicht der Fall. Die Geschichte von Jesus fängt nicht bei Matthäus an. Nur weil Jesus im Alten Testament nicht namentlich erwähnt wird, heißt das nicht, dass er nicht da ist. Er ist Gott. Und wenn Gott in dieser Welt erscheint, leibhaftig, dann macht er es durch seinen Sohn, Jesus Christus. Jesus ist die Person der Gottheit, die in dieser Welt erscheint, wenn er handelt.
Wo haben wir zum Beispiel eine Christophanie? Zwei Generationen vorher, der Opa, der Großvater von Jakob, Abraham. Vielleicht kennt ihr die Begebenheit: Abraham sitzt in der Hitze des Tages vor seinem Zelt, und da kommen drei Männer. Abraham lädt diese Männer ein, und wer sind diese Männer? Es wird deutlich, zwei von ihnen sind Engel, das wird im Verlauf der Geschichte deutlich. Und wer ist der Dritte? Es ist Gott, es ist Christus, die dritte Person. Genauso wie hier auch Christus, der ihm hier eben erscheint und mit ihm ringt. Also Jakob ringt hier mit Gott, er ringt mit Christus an dieser Stelle.
Und jetzt geht der Text weiter: Als er sah, also jetzt geht es um Gott hier, als Gott sah, dass er ihn nicht bezwingen konnte, schlug er an das Gelenk seiner Hüfte, und das Hüftgelenk Jakobs wurde während des Ringens mit ihm verrenkt. Der Text möchte hier nicht sagen, Jakob ist genauso stark wie Gott. Das ist nicht das, worum es hier geht. Es geht nicht darum, ja, okay, Gott konnte Jakob nicht mit fairen Mitteln besiegen, also muss er jetzt zu unfairen Mitteln greifen. Das ist nicht die Aussage, die uns hier der Text gibt oder was uns der Text verdeutlichen möchte.
Der Text macht hier deutlich: Für Gott reicht ein einziges Berühren von Jakob, und der Kampf ist vorbei. Gott macht Jakob hier deutlich: Pass auf, ich könnte dich vernichten, wenn ich es wollte, aber ich tue es nicht. Es ist gar nicht das Ziel von Gott. Es ist gar nicht das Ziel von Gott, den Kampf hier zu gewinnen, so dass Jakob vernichtet ist. Darum geht es Gott ja gar nicht. Das ist nicht der Grund, warum Gott Jakob hier begegnet.
Warum Gott ringt, statt zu vernichten
Wir sehen in der Bibel verschiedene Stellen, an denen Menschen mit Gott kämpfen, an denen Menschen mit Gott ringen. Und es gibt, man könnte sagen, grob zwei Arten davon, wie Menschen mit Gott kämpfen.
Wenn wir ein klein wenig weiter in der Geschichte gehen, dann taucht dort zum Beispiel der Pharao auf. Bei der Geschichte, in der Israel in Ägypten in der Sklaverei ist, taucht ja der Pharao auf. Gott sagt zum Pharao: Pass auf, lass mein Volk ziehen, sie sollen mich in der Wüste anbeten. Lass mein Volk ziehen. Der Pharao sagt: Nein, nein, ich höre nicht auf dich. Warum auch? Das sind meine Arbeiter, die bleiben bei mir.
Und in dieser Folge entwickelt sich ja, oder wird ein Kampf dargestellt, ein Kampf, in dem Gott jetzt gegen den Pharao und gegen die Götterwelt der Ägypter kämpft. Und was wird dort relativ schnell deutlich? Dieser Kampf ist ein Kampf, der ziemlich ausweglos ist für den Pharao. Der Kampf endet nicht sehr gut für den Pharao, er endet mit dem Tod. Die Geschichte werden wir uns dann morgen noch genauer anschauen, die auch eben schon kurz erwähnt wurde: der Durchzug durchs Schilfmeer. Der Kampf endet für den Pharao mit dem Tod, er endet letztlich mit der Hölle. Das ist das Ende des Kampfes, wenn jemand hergeht und sich Gott widersetzt und Gott von seinem Thron stoßen möchte.
Auf der anderen Seite haben wir Menschen in der Bibel, die mit Gott kämpfen, nicht nur einen Jakob hier, der mit Gott ringt, sondern wir haben auch viele Menschen, die mit Gott im Gebet kämpfen in der Bibel. Lest mal die Propheten durch. Bei den Propheten ist es nicht immer so, dass die Propheten sagen: Oh ja, Herr, genau das habe ich erwartet. Schön, dass du das genau so machst, das ist genau die Botschaft, die ich hören wollte. Herr, die Weltgeschichte läuft so, wie ich es mir genau vorgestellt habe, mach nur weiter so. Sondern die Propheten, was machen sie? Sie beschweren sich immer und immer und immer wieder bei Gott.
Lest mal Habakuk. Habakuk ist, finde ich, so ein Paradebeispiel dafür. Er versteht nicht, warum Gott nichts macht. Er versteht nicht, warum Gott jetzt nicht eingreift. Wie kann es sein, dass so viel Unrecht passiert, ohne dass Gott überhaupt etwas macht? Und warum nutzt Gott dann auch noch die Babylonier, ein noch gottloseres Volk als das Volk Israel selber, um Gerechtigkeit zu schaffen? Das macht ja gar keinen Sinn.
Und dieses Ringen, in dem Menschen mit Gott ringen, weil sie Dinge nicht verstehen, ist ein Ringen, womit Gott völlig fein ist. Das sehen wir in der Bibel an vielen Stellen. Damit ist Gott völlig fein. Wenn du etwas nicht verstehst und im Gebet mit Gott ringst, hat Gott überhaupt kein Problem damit. Das ist ein ganz natürlicher Ausdruck unseres Glaubens und auch unseres Vertrauens Gott gegenüber, wenn wir mit ihm ringen und nicht mit allem einverstanden sind, was wir sehen, was bei jedem von uns der Fall ist.
Das andere Ringen, was eben den Pharao betrifft oder auch andere Personen, nehmen wir zum Beispiel Goliath oder andere Personen, ist ein Ringen, bei dem es nicht um eine Erklärung von Gott geht, sondern um ein Ringen, weil sie Gott von seinem Thron stoßen wollen. Dort sagt Gott Nein, und es endet nie gut.
Bei Jakob hier ist es so: Gott möchte Jakob nicht vernichten. Es ist kein Ringen, in dem Gott Jakob töten möchte, sondern es ist ein Ringen, in dem Gott Jakob verändern möchte. Jakob ist nicht der wirkliche Feind Gottes. Wir kommen da nachher noch darauf zurück, warum er nicht der Feind Gottes ist. Es hat eigentlich nicht so viel mit Jakob selbst zu tun.
Auf jeden Fall geht der Kampf jetzt weiter. Für 27 und er sprach: Lass mich gehen, denn die Morgenröte bricht an. Aber er antwortete: Ich lasse dich nicht gehen, es sei denn, du segnest mich.
Also der Kampf geht weiter. Gott sagt aber jetzt: Du, pass auf, wir müssen das Ganze hier beenden, lass mich gehen. Und jetzt kommt Jakob und er sagt: Nein, ich lasse dich nicht gehen, ich lasse dich nicht gehen, es sei denn, du segnest mich.
Jakob kämpft hier nicht mehr mit Gott, um zu gewinnen. Er kämpft nicht mit Gott, um Gott irgendwie auszuweichen, um Gott von seinem Thron zu stoßen, sondern was macht Jakob hier? Er klammert. Er hängt einfach nur noch an Gott, und er lässt nicht los. Er will nicht loslassen, er kann nicht loslassen.
Und genau hier passiert jetzt, man könnte sagen, die Verwandlung oder die Erneuerung von Jakob. Jakob, der die ganze Zeit in seinem Leben nur manipuliert hat, nur Leute hinters Licht geführt hat, sogar Gott belästigt hat, um zu seinem Ziel zu kommen, dieser Jakob ist an einem Punkt, an dem er nichts mehr hat. Wie gesagt, er ist alleine dort, er hat nichts mehr, er ist verletzt, er ist ein Krüppel, er kann nicht mehr kämpfen, sondern er kann nur noch hängen.
Das, was er tut, ist: Auf einmal wird dieser Jakob zu jemandem, der bittet. Er hängt an Gott, und er bittet Gott um den Segen, den er sich eigentlich sein ganzes Leben lang erschlichen hat. Und genau das ist jetzt hier passiert, diese Veränderung, die Gott bei Jakob möchte. Er verwandelt Jakob von demjenigen, der sich eben alles unrechtmäßig geholt hat, zu demjenigen, der bittend an Gott hängt.
Der neue Name und die neue Identität
Und das wird deutlich, wenn wir jetzt weiterlesen. Jetzt kommt Gott und er stellt eine ganz interessante Frage. Er fragte ihn: Wie heißt du? Er antwortete: Jakob.
Gott fragt Jakob hier nicht, weil Gott nicht wüsste, mit wem er kämpft. Gott ist ja nicht in diese Welt gekommen und hat sich gedacht: Ich begegne jetzt jemandem, und dann frage ich ihn halt, wer er ist, damit ich weiß, mit wem ich kämpfe. Sondern diese Frage, die er hier stellt, könnte man sagen, ist mehr eine Identitätsfrage. Das heißt, Gott stellt Jakob eigentlich die Identitätsfrage: Wer bist du?
Und als Jakob diese Antwort gibt, nämlich Jakob, was macht er damit? Damit bringt er zum Ausdruck, was ihn ausmacht. Er ist der Fersengreifer, der Manipulator, derjenige, der stiehlt, derjenige, der lügt, derjenige, der betrügt. Das ist derjenige, der hier mit Gott ringt. In dem Moment, wo er seinen Namen ausspricht, spricht er automatisch auch seine ganze Vergangenheit aus. Das ist seine Identität.
Und darauf erwidert Gott, er sprach, also Gott sprach: Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel; denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast gewonnen. Gott geht her und er sagt: Pass auf, Jakob, das ist deine Identität, ja, das ist das, was du dein ganzes Leben lang getan hast, das ist das, was dich dein ganzes Leben ausgemacht hat. Und jetzt geht Gott her und er sagt: Ich gebe dir einen anderen Namen. Nicht mehr Jakob, der Fersenhalter, ist dein Name, sondern Israel, der mit Gott kämpft, für den Gott kämpft, was sich im weiteren Verlauf dann auch zeigt.
Also wir haben hier einen Wechsel von einem Manipulator zu einem, der in der Abhängigkeit von Gott lebt. Das ist diese Verwandlung, die hier passiert und die sinnbildlich hier mit diesem Namen zum Ausdruck gebracht wird.
Und jetzt begehrt Jakob, den Namen Gottes zu wissen, und er fragte ihn: Sage mir doch, wie dein Name ist. Er antwortete: Warum fragst du nach meinem Namen? Und er segnete ihn dort.
Jakob bekommt hier keine Antwort auf seine Frage. Es wird dann im weiteren Verlauf deutlich, dass er trotzdem versteht, um wen es hier geht, mit wem er kämpft. Aber er bekommt das, was er braucht, das, was er wirklich nötig hat, und das ist der Segen Gottes. Das ist das, was er wirklich braucht: den Segen Gottes.
Der Segen zeigt sich in Verwundung und Aufbruch
Und was ist dieser Segen Gottes? Ich lese noch die Verse 31 und 32, dann wird es deutlich:
Und Jakob nannte die Stätte Pnuel. Denn ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen, und meine Seele ist gerettet worden. Und als er an Pnuel vorüberkam, ging ihm die Sonne auf, und er hinkte an seiner Hüfte.
Hier wird der Segen deutlich, mit dem Gott Jakob segnet. Auf der einen Seite macht Jakob hier deutlich: Okay, ich habe verstanden, mit wem ich gerungen habe. Ich habe eine Gottesbegegnung gehabt. Gott selber ist mir begegnet. Das ist das, was er versteht, das ist das, was er deutlich macht. Und jetzt geht er von diesem Ort weg.
Und jetzt beschreibt der Text hier: Als er vorüberkam, als er wegging, ging ihm die Sonne auf, und er hinkte an seiner Hüfte. Ihm ging die Sonne auf. Und ihm ging die Sonne auf, würde ich sagen, von der Beschreibung der Begebenheit her gilt es hier nicht um eine reine Beschreibung, okay, der neue Tag fängt an, aus der Sicht, wie wir halt, wenn der neue Tag anfängt, die Sonne aufgeht, sondern die Sonne geht ja auf in einer noch ganz anderen Weise.
Dieser Jakob ist ein neuer Mensch, dieser Jakob ist verwandelt, dieser Jakob hat eine neue Identität, dieser Jakob ist geistlich komplett erneuert und hat eine ganz andere, eine völlig neue Beziehung zu diesem Gott, dem er gerade begegnet ist. Ihm geht buchstäblich die Sonne auf.
Und was geht mit diesem „ihm geht die Sonne auf“ einher? Er hinkte an seiner Hüfte. Er war ein Krüppel, er war behindert von diesem Moment an. Und das ist Teil seines Segens. Gott hat diesen Mann, diesen Jakob, den er immer manipuliert hat, verwundet, so dass er abhängig war. Und genau diese Abhängigkeit trägt er an seinem Leib. Aber es geht nicht um die Abhängigkeit, die er an seinem Leib trägt, sondern es geht logischerweise um die Abhängigkeit, in der er zu Gott lebt, in seinem Leben.
Gottes Liebe zeigt sich im Verändern, nicht im Lassen
Gehen wir noch einmal zurück zu Jakob und Esau. Jakob und Esau. Esau, das war derjenige, der, wenn wir den Text in der Bibel lesen und sehen, wie Esau beschrieben wird, nicht so viel auf die Verheißungen Gottes gibt. Esau sind die Verheißungen Gottes relativ egal. Gott ist Esau auch irgendwie nicht so wirklich wichtig. Er vertraut nicht auf Gott, er geht seinen eigenen Weg.
Und am Anfang haben wir uns noch einmal Jakob angeschaut. Ich habe jetzt gesagt, wer dieser Jakob ist. Und wenn wir ehrlich sind, ist dieser Jakob ja nicht viel anders. Dieser Jakob ist ja nicht besser. Dieser Jakob ist auch nicht moralischer als Esau. Dieser Jakob ist auch nicht würdiger als Esau, der Träger der Verheißung zu sein.
Und genau diese Thematik greift Paulus ja zum Beispiel auf, Paulus im Römerbrief, Römer 9. Ich lese uns mal ein paar Verse aus Römer 9, Vers 10 bis 13:
Aber nicht nur das, sondern auch als Rebekka von dem einen, unserem Vater Isaak, schwanger war, denn bevor die Kinder geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten, damit der Vorsatz Gottes bestehen bliebe nach der Erwählung, nicht durch Werke, sondern aus dem Berufenden, also aus Gott heraus, wurde zu ihr gesagt: Der Ältere wird dem Jüngeren dienen. Wie geschrieben steht: Jakob habe ich geliebt, aber Esau habe ich gehasst.
Jakob ist nicht besser als Esau, und das macht uns Paulus auch deutlich. Jakob ist nicht besser. Es hat nichts mit Jakob selbst zu tun, dass Gott ihn als den Träger der Verheißung, als Teil der Segenslinie, macht. Sondern es hat etwas mit Gott zu tun, etwas, was wir nicht verstehen können. Es ist nach dem Ratschluss Gottes. Den einen hat er geliebt, den anderen hat er gehasst.
Wie zeigt sich das? Und das zeigt sich, würde ich sagen, genau in dieser Geschichte, die wir uns angeschaut haben, hier am Jabbok, wo wir ja gerade drin sind. Gott hat Jakob nicht in Ruhe gelassen. Gott ist Jakob nachgegangen, Gott ist Jakob begegnet, er hat ihn verfolgt, er hat mit ihm gerungen, er hat ihn verwundet und er hat ihn verwandelt. Das ist ein Ausdruck seiner Liebe.
Was hat er mit Esau gemacht? Nichts. Man hat ihn einfach sein gelassen. Er hat Esau machen lassen, er hat Esau seinen Weg gehen lassen, er hat Esau buchstäblich links liegen lassen. Und genau das verdeutlicht: Den einen hat Gott geliebt, den anderen hat er gehasst.
Gottes Liebe zeigt sich nämlich nicht darin, dass er uns in Ruhe lässt, sondern Gottes Liebe zeigt sich darin, dass er uns nicht so lässt, wie wir sind. Das ist ein Zeichen seiner Liebe. Die Bibel redet auch davon, an anderer Stelle, zum Beispiel im Hebräerbrief, Kapitel 12. Dort redet die Bibel davon, dass Gott uns Menschen erzieht.
Und dieses Erziehen, ich meine, wenn wir Erziehung hören, dann gibt es ja auch heutzutage, als Vater wird man immer wieder auch mit Sachen konfrontiert, zig unterschiedliche Varianten, wie man erziehen kann. Und irgendwie siehst du den Baum im Wald gar nicht mehr so ungefähr, weil es so viel Verschiedenes gibt. Und wenn wir von Erziehung hören, dann ist es häufig irgendwie ein bisschen negativ behaftet. Und auch so, wie der Hebräerbrief in Kapitel 12 von Erziehung redet, müssen wir sagen: Erziehung ist nicht etwas, wo wir irgendwie sagen: Juchu, da freuen wir uns drauf. Das ist genau das, was wir jetzt brauchen, das ist genau das, was wir jetzt wollen.
Das ist nicht das, was wir sagen. Das macht doch der Hebräerbrief deutlich. Es ist ungemütlich, Erziehung. Aber es ist etwas, was dazugehört zum ganzen Prozess der Heiligung. Und es ist etwas, was dazugehört, wenn Gott Menschen liebt. Dann erzieht er sie, weil er sie eben nicht so lässt, wie sie sind, weil er einen Jakob nicht einen Betrüger sein lässt, einen Manipulator sein lässt. Deswegen begegnet er ihm, deswegen verwandelt er ihn.
Und letztlich sind wir ja nicht besser als Jakob. Keiner von uns ist besser als Jakob. Wahrscheinlich auch nicht schlimmer, aber wir tun uns da vermutlich nicht so viel. Wir sind anders, aber nicht besser und nicht schlechter wahrscheinlich. Aber wir haben in gleicher Weise es nötig, dass Gott uns begegnet und uns verwandelt, so wie er es auch bei Jakob getan hat.
Vielleicht stört es uns manchmal, was in unserem Leben abgeht. Und nicht vielleicht, wahrscheinlich stört es uns häufig, was in unserem Leben abgeht. Und wir verstehen nicht, warum Gott Dinge in unserem Leben zulässt. Wir verstehen nicht, warum Gott zulässt, dass wir krank werden, dass Beziehungen in unserem Leben kaputtgehen, dass Krisen in unserem Leben kommen und uns der Boden unter den Füßen förmlich weggezogen wird.
Ich glaube auch nicht, dass Jakob es verstanden hat, dass er in diese Situation kommen musste, in der er war, und dass Gott mit ihm gerungen hat und ihn auch verletzt hat. Wie sollte er es da auch zuerst verstehen? Ich glaube aber, dass er es sehr wohl im Nachgang verstanden hat, weil Gottes Geschichte ja nicht hier an dieser Stelle mit Jakob endet. Gott geht weiter mit Jakob. Jakob geht weiter, aber er hinkt. Er ist verwundet, er ist verletzt, weil Gott zugelassen hat, dass er verwundet wird, weil Gott zugelassen hat, dass Beziehungen in seinem Leben kaputtgegangen sind, weil Gott zugelassen hat, dass der Boden unter seinen Füßen weggezogen wurde.
Nicht, weil Gott ihn nicht gern hatte, sondern weil Gott ihn liebt und weil Gott es gebraucht hat, um ihn zu verwandeln. Wenn uns Gott also begegnet, wie Gott Jakob hier begegnet ist, dann ist es ein Ausdruck seiner Liebe. Wenn Gott Dinge in unserem Leben zulässt, dann ist es ein Ausdruck seiner Liebe. Nicht, weil er uns nicht gern hätte, sondern weil er uns verwandeln will. Er will uns abhängig von ihm machen, weil es das Beste ist, was uns geschehen kann. Er will, dass die neue Identität, die wir haben, wir haben ja auch eine neue Identität, die Identität in Christus, die er für uns errungen hat, Christus, und Gott möchte, dass diese neue Identität in uns sichtbar wird. Und wie passiert das? Indem er uns verwandelt, indem er uns begegnet und verändert.
Schlussgedanken und Gebet
Morgen werden wir uns dann eine andere Geschichte anschauen, in der Gott nicht einem einzelnen Mann begegnet, sondern einem ganzen Volk. Auch dort geschieht etwas mit diesem Volk in der Begegnung. Und ich möchte hier mit einem Gebet schließen.
Himmlischer Vater, wir danken dir von ganzem Herzen dafür, dass du Jakob begegnet bist. Du hast ihm begegnet, weil du ihn liebst, nicht weil du ihn nicht gemocht hast, nicht weil du irgendwie gerne Unheil in seinem Leben gesehen hast und nicht weil du dir gedacht hast, es ist schön, dass er jetzt hinkt. Sondern du hast ihm begegnet, weil du ihn liebst und weil es das Beste für ihn war. Du hast ihn verwandelt durch das, was ihm in seinem Leben begegnet ist, und durch die Begegnung mit dir.
Und ich möchte dich bitten, dass wir das Gleiche in unserem Leben erleben: dass du uns begegnest und uns verwandelst, so dass wir dem Wesen deines Sohnes, Jesus Christus, immer ähnlicher werden; dass die Identität, unsere neue Identität in Christus, immer sichtbarer wird; und dass wir ein lebendiges Zeichen deiner Liebe sind.