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Die reine Gemeinde

1. Korinther 5,1-5,1310.04.2013
Warum wegschauen, wenn offener Sünde niemand widerspricht? Wahre Liebe schützt den Einzelnen und die Gemeinschaft – und sagt klar: Nicht alles darf bleiben.

Einführung und Lesung

Wenn ihr eure Bibeln dabei habt, dann schlagt doch gerne mit mir 1. Korinther 5,1-13 auf. Und während ihr das tut, begrüsse ich euch auch ganz herzlich an diesem Morgen und hoffe, ihr habt gut geschlafen.
 1. Korinther 5. Das Thema dieser Predigt lautet: die reine Gemeinde. Und wir haben eben ja auch schon von der Heiligkeit Gottes gehört und auch gesungen.
Überhaupt hört man von Unzucht unter euch, und zwar von einer solchen Unzucht, die selbst unter den Heiden unerhört ist, dass nämlich einer die Frau seines Vaters hat. Und ihr seid aufgebläht und hättet doch eher Leid tragen sollen, damit der, welcher diese Tat begangen hat, aus eurer Mitte hinweggetan wird. Denn ich, als dem Leib nach abwesend, nach dem Geist aber anwesend, habe schon, als wäre ich anwesend, über den, der dies auf solche Weise begangen hat, beschlossen, den Betroffenen im Namen unseres Herrn Jesus Christus, und nachdem euer und mein Geist sich mit der Kraft unseres Herrn Jesus Christus vereinigt hat, dem Satan zu übergeben, zum Verderben des Fleisches, damit der Geist gerettet werde am Tag des Herrn Jesus.
Euer Rühmen ist nicht gut. Wisst ihr nicht, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert? Darum fegt den alten Sauerteig aus, damit ihr ein neuer Teig seid, da ihr ja ungesäuert seid. Denn unser Passalam ist ja für uns geschlachtet worden: Christus. So wollen wir denn nicht mit altem Sauerteig festfeiern, auch nicht mit Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit ungesäuerten Broten der Lauterkeit und Wahrheit.
Ich habe euch in dem Brief geschrieben, dass ihr keinen Umgang mit Unzüchtigen haben sollt, und zwar nicht mit den Unzüchtigen dieser Welt überhaupt oder den Habsüchtigen oder Räubern oder Götzendienern, sonst müsstet ihr ja aus der Welt hinausgehen. Jetzt aber habe ich euch geschrieben, dass ihr keinen Umgang haben sollt mit jemandem, der sich Bruder nennen lässt und dabei ein Unzüchtiger oder Habsüchtiger oder Götzendiener oder Lästerer oder Trunkenbold oder Räuber ist. Mit einem solchen sollt ihr nicht einmal essen. Denn was gehen mich auch die an, die ausserhalb der Gemeinde sind, dass ich sie richten sollte? Habt ihr nicht die zu richten, welche drinnen sind? Die aber ausserhalb sind, richtet Gott. So tut den Bösen aus eurer Mitte hinweg.
Amen! Nehmt doch gerne Platz.
Wir glauben, dass alle Schrift von Gott eingegeben ist, und so auch dieser Text.
Eine australische Nachrichtenagentur hat folgendes berichtet: Im Oktober 2005 starb ein älterer Herr, während er in seinem geparkten Auto in Melbourne, Australien, sass. Bevor sein Leichnam hinter dem Steuerrad von Beamten entdeckt wurde, sass er bereits einige Tage dort tot. Nach dem Eintritt seines Todes und zwei Tage, bevor er entdeckt wurde, stellte ihm ein Polizeibeamter ein Ticket für falsches Parken aus und klemmte es hinter den Scheibenwischer.
Verstehen wir dieses Bild? Da sitzt ein Toter am Steuer, und der Beamte kommt und stellt ihm ein Ticket aus. Der Bürgermeister des Stadtteils entschuldigte sich später für den Vorfall. Es ist sehr tragisch, sagte er. Für die Familie muss all dies sehr schmerzhaft sein, und wir möchten den Angehörigen unsere aufrichtige Anteilnahme ausdrücken.
Ein Jahrhundert vor Paulus drückte Cicero seine Empörung aus, wenn eine Schwiegermutter ihren Schwiegersohn heiratete. Selbst der sexuell liberale Dichter Catullus spricht in diesem Zusammenhang von einem widerlichen und abscheulichen Vorgang.
Die Korinther aber ignorierten dies. Man wusste von der Sünde, man sprach darüber, es war allgemein bekannt. Gemeinden und Kirchen handeln heute oft nicht anders. Sie verschliessen ihre Augen aus unterschiedlichen Gründen vor der Sünde. Da ist auch ein gewisser gesellschaftlicher Druck, da ist der fehlende Glaube an die Autorität der Heiligen Schrift.
In der christlichen Kultur in unserem Land ist in unseren Tagen wohl kaum etwas fremder als der Gedanke der Gemeindezucht, wie wir es ja auch nennen. Unter dem Schleier und Deckmantel der Toleranz und falsch verstandener Liebe Gottes ignoriert man das Offensichtliche, und der Tote hinter dem Steuer bleibt unentdeckt. Vielleicht entdeckt man ihn, aber man lässt ihn sitzen, so dass er verwest und nicht gebührlich entfernt wird, und er richtet auf Dauer Schaden an.
Dieses Kapitel 5 des ersten Korintherbriefes ist auch für die Gemeinde in unseren Tagen von Bedeutung und bezieht sich nicht ausschliesslich nur auf die Umstände in Korinth im ersten Jahrhundert. Der Apostel Paulus konfrontiert die Gemeinde mit ihrem Verhalten. Statt die Menschen auf ihre Sünde anzusprechen und zur Busse zu rufen und sie bei fehlender Einsicht am Ende auch aus der Gemeinschaft auszuschliessen, taten sie lieber nichts. Sie vertuschten die Sünde und traten ihr nicht entgegen.
Paulus verlangt eine Auseinandersetzung damit, und er erwartet Disziplinierungsmassnahmen. Das hört sich jetzt alles sehr bedrohlich an. Aber wir wollen uns anhand dieses Textes anschauen, welche Vorzüge und welche Segnungen denn aus diesen Gedanken, die der Apostel hier uns gibt, für uns vorhanden sind.
Paulus schreibt deutlich: In Vers 5 soll der, der solche Tat begangen hat, aus eurer Mitte hinweggetan werden. In Vers 5 soll er dem Satan übergeben werden, darüber sprechen wir gleich. In Vers 9: Habt keinen Umgang mit ihm. In Vers 11: Habt keinen Umgang mit einem, der sich Bruder nennen lässt. In Vers 12: Richtet die, die in der Gemeinde sind. In Vers 13: Tut den Bösen aus eurer Mitte hinweg. Das ist so der rote Faden durch diesen Text.
Nun, ich möchte zu Beginn gleich sagen: Der Apostel Paulus meint hier nicht, dass die Gemeinde Jesu Christi, solange sie sich in dieser Welt befindet, jemals in einen Stand geraten wird, wo sie perfekt und ohne Sünde ist. Wir alle sind Sünder, wir alle sind begnadigte Sünder. Und ich möchte nicht, dass jemand hier sitzt und jetzt vielleicht eine Sünde in seinem Leben hat und denkt: Jetzt muss ich unbedingt sofort unter die Gemeindezucht kommen, wo du doch selber ein bußfertiges Herz hast und auch dagegen angehst, kämpfst und dich der Sache stellst. Das ist nicht der Text für dich.
Der Text gilt, oder der Fall, der hier behandelt wird, ist ein Fall von einem Menschen, der in der Sünde verharrt und der die Worte der Bibel für sich nicht als Massstab und Richtlinie seines Lebens ansieht, der kein bußfertiges Herz hat, sondern der einfach weitermacht.
In der Ermahnung des Paulus finden wir aber eine sehr feine Ausgewogenheit. Wenn wir in Vers 2 noch einmal hineinschauen: Die ersten beiden Verse geben uns so den Einstieg, und danach geht er dann etwas tiefer hinein. In Vers 2 schreibt er: Ihr hättet doch eher Leid tragen sollen. Sie hätten doch eher ein Herz der Bekümmertheit haben sollen. Er sagt ihnen: Ihr sollt nicht wegschauen, sondern wenn du deinen Bruder siehst, dass er sündigt, dann ist das etwas, was dein Herz in tiefe Traurigkeit bringen soll.
Das heisst, der Geist, mit dem wir andere Menschen zurechtweisen sollen, was wir ja auch in Matthäus 18 dann sehr deutlich von Jesus erklärt bekommen, wie die Schritte aussehen, wenn wir das tun, dann soll das geschehen in einem Herzen, das leidet. Denn du siehst, dass dein Bruder oder deine Schwester, für den Jesus Christus am Kreuz von Golgatha gestorben ist, der sich Bruder nennen lässt, der mit dabei ist, aber nicht wirklich dazugehört, einen Weg einschlägt, der ins Verderben führt. Und das soll bei uns dieses Leid hervorbringen.
Das heisst: Gemeindezucht ist niemals ein Akt aus einem kalten Herzen heraus, von oben herab. Wir sind die Heiligen, und da ist ein Sünder, und den weisen wir jetzt mal zurecht. Sondern es geschieht immer aus einem Herzen, das Barmherzigkeit hat. Gemeindezucht ist nicht rau und barsch, sie ist nicht selbstgerecht, sie soll niemals mit erhobener Nase erfolgen. Nein, sie entspringt einem bekümmerten und besorgten Herzen, weil sie von der Liebe motiviert ist.
Das ist die eine Seite der Medaille. Aber auf der anderen Seite steht, dass sie nicht nur Leid tragen sollen, sondern sie sollen auch handeln. Beides ist wichtig. Gemeindezucht ist nicht sentimental und rührselig und überdeckt alles mit dem Mantel der Liebe. Sie wird auch nicht zum Komplizen der Sünde, sondern sie handelt, sie leitet Schritte ein.
Die Korinther unternahmen nichts. Und deswegen ist das Hauptanliegen des Textes gar nicht die Sünde des Mannes. Das erwähnt Paulus zu Beginn in den ersten beiden Versen, aber dann redet er darüber gar nicht mehr, sondern er wendet sich jetzt der Gemeinde zu und sagt: So, was ist jetzt mit euch, wie geht ihr damit um? Sie waren aufgebläht, sagt er, arrogant, und sie hätten anders damit umgehen können.
Warum soll in der Gemeinde Jesu mit Sündern, die im System der Sünde verharren, umgegangen werden, so dass sie korrigiert werden? Vier Gründe.
Der erste Grund: Es ist zum Wohl des Sünders, Vers 3-5. Denn ich, als dem Leib nach abwesend, dem Geist nach aber anwesend, habe schon, als wäre ich anwesend, über den, der dies auf solche Weise begangen hat, beschlossen, den Betreffenden im Namen unseres Herrn Jesus Christus und nachdem euer und mein Geist sich mit der Kraft unseres Herrn Jesus Christus vereinigt hat, dem Satan zu übergeben, zum Verderben des Fleisches. Warum? Damit der Geist gerettet werde am Tag des Herrn Jesus.
Sie sollen eine Handlung vornehmen. Welche Handlung ist es? Sie sollen den Mann dem Satan übergeben. Oh Mann, was ist denn das? Dem Satan übergeben? Sollen sie ihn nehmen und sagen: Satan, hier hast du ihn, und mach mit ihm, was du willst, und er geht bei und schlägt ihn mit Fäusten? Was bedeutet das, dem Satan zu übergeben?
Der Satan ist der Herrscher dieser Welt. 2. Korinther 4 nennt ihn den Gott dieser Weltzeit. Er hat die Sinne der Menschen verblendet. Eine Person, die aus Gnaden durch den rettenden Glauben an Jesus Christus zum Leben findet, wird aus dem Reich der Finsternis in das Reich des geliebten Sohnes versetzt. Das heisst, er entkommt der Herrschaft des Satans, und er wird der Gemeinde Jesu Christi hinzugetan. Und in der Gemeinde Jesu Christi herrscht nicht der Satan, sondern da herrscht Jesus. Er ist der Herr seiner Gemeinde.
Ausserhalb der bewahrenden Gnade der Gemeinde sind Menschen verletzlich, sie sind nicht mehr unter dem Schutz der christlichen Gemeinschaft. Das heisst, wenn ein Bruder oder eine Schwester dem Satan übergeben wird, dann heisst es, ihn zurück in die Welt zu übergeben, ihn aus dem Schutzraum der Gemeinde hinauszubringen und ihn wieder unter die Herrschaft der Welt zu bringen. Diese Person hat ihr Recht, Teil der Gemeinde Jesu Christi zu sein, in diesem Fall verwirkt, weil der Herr seinen Leib um jeden Preis reinhalten will.
Das heisst für uns, die wir das hören, und wir haben es in diesen Tagen auch immer wieder gehört: Wir sind der Tempel Gottes. Das heisst, es ist der Ort, an dem Gott wohnt. Und was für ein Privileg ist es, im Hause Gottes, Teil des Hauses Gottes zu sein, unter dem Schutz eines guten Hirten zu stehen und nicht unter der Herrschaft des Bösen zu sein.
Das ist die Handlung, sie sollen ihm also den Satan übergeben. Das Ergebnis der Handlung, Vers 5: zum Verderben des Fleisches. Was ist damit gemeint? Sind das physische Krankheiten oder der Tod gemeint? Möglich, aber wahrscheinlich auch nicht. Ein Sünder, dem die Unterstützung und Bestätigung der Gemeinde entzogen wird, wird mit der Zeit bemerken, dass sein Selbstvertrauen und seine Selbstgenügsamkeit zusammenbrechen und schliesslich eine Veränderung des Herzens eintritt.
Für Paulus heisst Fleisch häufig die sündhafte Orientierung einer Person. Wir wissen, er stellt in Galater 5 den geistlichen Menschen und den fleischlichen Menschen gegenüber. Das Fleisch ist die innewohnende Sünde. Sie bleibt ein realer Feind, auch im Leben eines Christen. Wir werden niemals von der Sünde so befreit sein in dieser Welt, dass wir überhaupt nichts mehr mit ihr zu tun haben. Nein, wir befinden uns, sobald wir unter die Herrschaft Jesu Christi kommen, in einem Kampf. Er beginnt dann erst, nämlich zwischen dem alten Menschen, dem Fleisch, und dem neuen, dem Geist.
Das Fleisch ist die Tendenz, das ist die Neigung zur Sünde. Wenn wir im Fleisch leben, dann sind wir auf uns selbst gerichtet, wir wenden uns von Gott ab. Wenn wir aber im Geist wandeln, dann haben wir unseren Fokus auf Gott, und wir sind bemüht, ihm zur Ehre zu leben. Und in dieser Spannung steht ein Gläubiger.
Und wenn er jetzt sagt: zum Verderben des Fleisches, dann ist das Ziel dieser Handlung, ihn dem Satan zu übergeben, dass das Fleisch, dieser alte Mensch, doch am Ende möglicherweise getötet wird, zu seinem Guten, damit er am Ende, dass sein Geist am Tag des Herrn gerettet werde. Das ist das Ziel.
Wir haben es in diesen Tagen gehört: Jesus liebt Sünder. Er lässt die 99 beiseite und er geht dem einen nach. Und ein Weg, wie er das tut, ist, indem er die Gemeinde benutzt, auch die Sünde zu konfrontieren und sie anzusprechen. Und dann macht sich Jesus auf den Weg, damit er dann am Ende gerettet wird. Das heisst also, die Gemeindezucht ist zum Wohle ...

Reinheit als Schutz für die ganze Gemeinde

Zweitens: zur Gesundung der Gemeinde.
Er sagt in Vers 6: Euer Rühmen ist nicht gut. Wisst ihr nicht, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert? Darum fegt den alten Sauerteig aus, damit ihr ein neuer Teig seid, da ihr ja ungesäuert seid.
Gemeindezucht ist nicht nur hilfreich und befreiend für den Einzelnen, sondern reinigend für die ganze Gemeinde. Er benutzt hier das Bild des Sauerteigs. Damals konnte man nicht in den Supermarkt gehen und Hefe kaufen, damit das Brot aufgeht. Stattdessen wurde jedes Mal, wenn Brot gebacken wurde, ein kleines Stück Teig entnommen. Es wurde in Wasser aufbewahrt und dann beim nächsten Brotbacken dem Teig wieder zugegeben, als Triebmittel, damit er wieder aufgeht. Es wurde eingeknetet. Dann wurde wieder ein Stück herausgenommen und aufbewahrt. So ging es immer weiter.
Der Apostel benutzt den Sauerteig als Metapher für Einfluss. In der Schrift ist Sauerteig ein Symbol für schlechten Einfluss. Der ganze Teig ist die Gemeinde. Wenn man zulässt, dass dieser böse Einfluss, der Sauerteig, da ist und ihn nicht herausnimmt, dann durchsäuert er am Ende den ganzen Teig.
Das heißt also: Wenn jemand in der Sünde verharrt und nicht bußfertig ist, und er in Liebe konfrontiert wurde, man für ihn gebetet hat und mit ihm gerungen hat, er aber letztlich die Arme verschränkt und dann aus der Gemeinde hinausgetan wird, dann ist das nicht nur zu seinem Wohl, sondern auch zum Wohl der ganzen Gemeinde, damit der ganze Teig nicht durchsäuert. Denn das Wesen des Sauerteigs ist, dass er sich verbreitet. Er geht auf, nimmt an Volumen zu und durchdringt den ganzen Teig. Und so ist es eben das Bild, das Paulus hier gebraucht.
Was heißt das für uns persönlich? Was ist das für eine Anwendung auch für dein persönliches Leben? Dieser Gedanke macht uns eines deutlich: Wie ich lebe, ist nicht unwichtig und unerheblich für die ganze Gemeinde, so wie auch du dein Leben führst. Was du tust, auch wenn du nicht am Sonntag im Gottesdienst bist und keiner dich sieht, hat am Ende Einfluss auf den ganzen Teig.
Wir haben hier Hagenbecks Tierpark. Kennt ihr Hagenbecks Tierpark? Ja, da sind die schönen Tiere alle. Ich gehe da gerne mal hin, ab und zu, jetzt in letzter Zeit nicht mehr so oft mit der Familie. Ich habe hier mal gewohnt, nicht weit von dem Tierpark entfernt. Dort ist so eine Hängebrücke, die geht von den Parkwegen zu den Orang-Utans. Und meine Kinder lieben diese Hängebrücke. Das ist also so eine Brücke, die besteht aus Seilen, und darauf sind Holztritte, Stufen. Und wenn dann mein Sohn raufgeht, dann fängt er richtig an zu schaukeln. Einmal musste ich ihn zurückpfeifen, weil da war auch eine ältere Dame auf der Brücke, und der wurde schon ganz schlecht. Sie wurde ganz schlecht. Ich sage: „Friedan, komm zurück, hör auf, hör auf!“
Diese Stufen sind mit Seilen verbunden. Ich glaube, das ist ein gutes Bild, um uns deutlich zu machen, was die Gemeinde ist. Wir sind verbunden, wir sind verbunden. Und wenn einer auf der Hängebrücke der Gemeinde anfängt, verrückt zu spielen, dann merken das die anderen. Irgendwie setzt sich das fort. Es ist nicht egal, was derjenige, der auf der Brücke ist, macht. Wenn er sich daneben benimmt, dann hat das Einfluss auf die anderen. Es ist wie der Sauerteig, der sich verbreitet.
Das heißt: Menschen in deiner Gemeinde um dich herum wissen es, sie spüren es, es betrifft sie. Es ist nicht egal, wie wir als Individuen handeln und leben. Deswegen ist Gemeinde so wichtig, dass wir Gemeinschaft leben und auch unser Leben überprüfen.
Wir wissen, dass auch im Alten Testament immer wieder dieser Bezug da war und dieser Gedanke deutlich wird, dass es nicht egal ist, was das Individuum macht. Zum Beispiel, als Israel kurz bevor es in das verheißene Land einzog, hatte Achan etwas von der Beute zurückgehalten, könnt ihr euch erinnern? Und er vergrub es in seinem Zelt. Das Ergebnis dieser einen Sünde war, dass die ganze Nation gelitten hat und sie gegen Ai verloren haben.
Auch die Propheten riefen immer wieder stellvertretend für das ganze Volk zu Gott: „Wir haben gesündigt.“ Das heißt: In der Gemeinde ist jedes Glied verantwortlich für die anderen. Wir sind nicht isolierte Individuen und können machen, was wir wollen. Nein, wir sind verbunden, und unser Verhalten prägt auch die anderen. Das heißt also: zum Wohl der Gemeinde.
Drittens, und das ist für mich der wichtigste Punkt: Gemeindezucht findet statt zur Ehre unseres Retters. Der Apostel verliert nicht aus den Augen, dass die Kraft im Streben nach Reinheit nicht von der Gemeinde selbst kommt, nicht vom Individuum selbst kommt. Sie entspringt nicht unserer eigenen Anstrengung. Die Kraft liegt allein in der reinigenden Wirkung Jesu Christi in unserem Leben.
Paulus sagt in Vers 7: Darum fegt den alten Sauerteig aus, damit ihr ein neuer Teig seid. Und jetzt hör zu: da ihr ja ungesäuert seid. Mit anderen Worten: Werdet den alten Teig los, entfernt ihn aus eurer Mitte, da ihr ungesäuert seid. Ihr sollt nicht reinigen als Werk und Voraussetzung dafür, dass ihr rein werdet. Ihr seid schon ungesäuert, ihr seid schon gereinigt.
Er sagt nicht: Holt den Feger, reinigt gründlich, damit ihr sauber werdet. Er sagt nicht: Kehrt ihn aus, damit ihr rein werdet. Nein, er sagt: Kehrt ihn aus, da ihr ja ungesäuert seid. Das heißt, die Reinheit der Gemeinde ist ganz und gar das Ergebnis der reinigenden Tat Jesu Christi und nicht unserer Tat.
Wir dürfen niemals denken, dass wir, wenn wir nun hingehen und Sünde suchen und sie wegwischen, damit Voraussetzungen für unsere Reinheit geschaffen hätten. Nein, Paulus sagt: Ihr seid schon rein. Und wir sehen gleich, warum wir rein sind, und deswegen kehrt aus. Er sagt: Christus hat euch bereits gereinigt, er hat euch bereits geheiligt, er hat sich selbst für euch geopfert, er hat euch abgesondert für seine göttlichen Ziele und Absichten. Und nun, weil das so ist, weil Jesus euch schon gereinigt hat, weil ihr schon kein Sauerteig seid, deswegen lebt so, wie es sich auch für euren Stand gebührt.
Und dann sagt er weiter: Denn unser Passalam ist ja für uns geschlachtet worden, Christus.
Wir rufen uns in Erinnerung, dass Paulus sich hier an eine Gruppe von Heiden wendet, die durch die Gnade Gottes zum Glauben an Jesus Christus gefunden haben. Wir haben in diesen Tagen von diesem wunderbaren Plan Gottes gehört, wie Gott vor Grundlegung der Welt beschlossen hat, ein Volk zu versammeln, das er unter seine Herrschaft bringt und an seinen Ort bringt und das ihn anbetet und verherrlicht, zur Freude derer, die er errettet hat, und zur Herrlichkeit seines Namens.
Wir haben gehört, wie er ein Volk erwählte. Wir haben gehört, wie er sich aus Gnaden Abraham zuwandte und ihm Segnungen und Verheißungen gegeben hat. Wir haben gesehen, wie sich diese Segnungen erfüllen und immer weiter entfaltet haben, auch im Verlauf des Alten Testamentes, und wie Gott immer mehr von seinem Rettungsplan offenbart hat und alles immer mehr darauf hindeutete, dass dort ein Messias kommt.
Das alles war zunächst einmal gegeben für das Volk Israel, für alle, die Nachkommen Abrahams waren. Aber wir wissen: Das allein ist es nicht, sondern es ist vor allem für die, die an Jesus Christus glauben. Und jetzt darfst du wissen: Du bist mit hineingenommen. Diese Heiden, diese Korinther, an die er das hier schreibt, werden plötzlich in diesen Heilsplan mit hineingenommen.
Er sagt: Denn unser Passalam ist ja für uns geschlachtet worden, Christus. Es ist nicht mehr nur das Passalam der Israeliten, sondern es ist plötzlich unser Passalam geworden. Es ist das Lamm geworden, das für deine Sünden und für die Sünden der Korinther gestorben ist. Du bist rein. Warum bist du rein? Weil dein Passalam für dich geschlachtet worden ist: Christus.
Wir sind dabei, wir sind eingeschlossen. So wie damals das Blut der Lämmer an die Türpfosten gestrichen wurde, um die Nation Israel vor dem Tod zu bewahren, wurde Christus unser Passalam, und er hat uns bewahrt vor dem ewigen Tod.
Das heißt, dass wir auch das Thema Gemeindezucht niemals losgelöst vom Evangelium betrachten dürfen. Es hat immer einen Bezug zum Evangelium, genau so, wie Israel ihre Befreiung feierte. Als sie aus Ägypten herausgeführt worden sind, feierten sie in Gedenken bis heute einmal im Jahr das Passafest. Sie feiern, weil sie sich erinnern, dass Gott sie in einer wunderbaren, übernatürlichen Art und Weise aus der Gefangenschaft befreit hat.
Und wie haben sie gefeiert? Sie reinigten ihr Haus vom alten Sauerteig. Das war Bedingung des Festes. Sie reinigten das Haus komplett vom alten Sauerteig. Sie nahmen alles und brachten es heraus. Sie gingen in jedes Mauseloch. Sie reinigten ihr Haus, sie reinigten sich selbst von diesem Einfluss, der hier als böse dargestellt wird, und sie machten es rein. Sie taten es, um sicherzustellen, dass kein Sauerteig mehr im Haus war. So feierten sie ihre Befreiung, indem sie ihre Häuser auskehrten.
Nun ist die Gemeinde Jesu das Volk Gottes. Und was tun wir? Wir feiern beständig unsere Rettung, wir feiern beständig unsere Befreiung. Täglich erinnern wir uns daran, dass Jesus Christus für unsere Sünden gestorben ist. Wir feiern täglich die Befreiung durch das Passalam Gottes, das uns vor Tod und Elend und Verdammung geschützt hat.
Und wie tun wir das? Indem wir die Sünde auskehren. Wir feiern, indem wir uns vom Sauerteig lossagen, indem wir uns von der Sünde abwenden, indem wir die Reinheit unseres Lebens nachjagen. Das heißt: Unser christliches Leben ist nichts anderes als ein einziges langes Fest. Wir feiern täglich Passa, wir feiern täglich die Errettung und Erlösung von unseren Sünden. Und wie tun wir das? Wir feiern, indem wir uns reinigen, zur Ehre Gottes.
Es ist ein freudiges Fest, nicht weil wir dadurch unsere Rettung verdienen, sondern weil wir bereits gereinigt worden sind durch Jesus Christus. Und das ist die wirkliche Ursache. Wir dürfen uns erfreuen, und wir tun es zur Ehre unseres Herrn.
Und dann viertens: Warum Gemeindezucht? Es geht auch um unser Zeugnis vor der Welt.
Vers 9: Ich habe euch in dem Brief geschrieben, dass ihr keinen Umgang mit Unzüchtigen haben sollt, und zwar nicht mit den Unzüchtigen dieser Welt überhaupt oder den Habsüchtigen oder Räubern oder Götzendienern, sonst müsstet ihr ja aus der Welt hinausgehen.
Apostel Paulus unterscheidet hier, wie wir uns gegenüber Menschen innerhalb und gegenüber Menschen außerhalb der Gemeinde verhalten sollen. Es war nicht seine Absicht, dass die Korinther nun überhaupt gar keinen Umgang mehr mit Ungläubigen haben. Es war nicht seine Absicht, eine Parallelkultur aufzubauen und zu sagen: Jetzt sondern wir uns in der Weise von den Ungläubigen ab, dass wir uns also selbst versorgen, dass wir uns Ländereien kaufen, dass wir Bauern, Tiere züchten und Felder bestellen und völlig autark leben und gar keinen Kontakt mehr mit den Ungläubigen haben.
Nein, das ist es eben nicht. Er sagt hier in Vers 9: Ich habe euch in dem Brief geschrieben, ihr sollt keinen Umgang mit Unzüchtigen haben, und zwar nicht mit den Unzüchtigen dieser Welt überhaupt, sonst müsstet ihr ja aus der Welt hinausgehen. Das war nicht sein Ziel, dass sie aus der Welt hinausgehen sollen, sondern sie sollten vielmehr zur Welt hingehen. Denn Paulus selbst tat es auch. Er wurde dem Juden ein Jude, dem, der unter dem Gesetz war, wurde er einer unter dem Gesetz, er wurde dem Heiden ein Heide, dem Griechen ein Grieche. Er hat sich ausgestreckt zu den Menschen. Er hat Kontakt gepflegt, er wollte, dass sie gerettet werden, auf dass er etliche gewinne, wie er es selbst gesagt hat.
Er will nicht, dass die Gläubigen sich geistlich isolieren, sondern vielmehr geht es ihm hier um das Zeugnis der Gemeinde vor der Welt. Denn die Gemeinde in sich ist bereits eine Gegenkultur zur zerbrochenen und gefallenen Welt. Um dies deutlich zu machen, muss die Gemeinde sich unterscheiden. Wenn wir uns nicht unterscheiden, dann werden wir auch niemals das Evangelium effektiv proklamieren können.
Also weist Paulus sie an, dass sie nicht einmal mit einem solchen essen soll. Und das ist jetzt nicht ein Ungläubiger per se gemeint, sondern jemand, der sich der Gemeinde zugehörig meint zu fühlen, aber in Sünde verharrt. Er spricht hier nicht davon, dass man nicht mit ihm mal eben so essen soll oder eine Bratwurst am Stand essen soll, sondern das Essen war damals mit einer viel tieferen Bedeutung behaftet. Tischgemeinschaft bedeutete immer, dass man nicht nur zusammen etwas aß, sondern dass man auch Gemeinsamkeit zum Ausdruck brachte: Solidarität, Übereinstimmung, Einheit.
Wir wissen, dass in den Gleichnissen auch häufig die Rede davon ist: Wenn du dann zum Tisch kommst, dann setz dich nicht ganz oben hin. Da gab es Rangordnungen, das haben wir ja heute auch noch bei einer Hochzeit. Wenn du Gast bist, dann setzt du dich nicht neben das Hochzeitspaar, wenn du nur ein entfernter Freund bist. Es hat eine Bedeutung. Es war nicht egal, mit wem man aß.
Deswegen haben die Leute sich auch aufgeregt, wenn Jesus mit den Zöllnern und Sündern zusammen gegessen hat. Sie haben gesagt, es geht nicht. In diesem Zusammenhang war es nicht angemessen, für einen Gläubigen mit einem sogenannten Bruder zu essen, denn wenn er es tat, würde die Botschaft gesendet werden: Ich stimme mit dir überein, wie du lebst, ist okay. Und das sollte vermieden werden. Deswegen sollt ihr nicht einmal mit ihnen essen. Es geht um unser Zeugnis vor der Welt.
Gemeindezucht klingt in unseren Ohren heute fremd, und ich bin mir bewusst, sie kann auch falsch verstanden und auch angewandt werden. Es geht da um sehr viel Sensibilität. Aber einen Gedanken sollten wir nie außer Acht lassen: Wir alle sollten den Segen der Gemeindezucht verstehen und aufnehmen, weil wir ja letztlich selbst alle in der Gefahr stehen, auch eines Tages uns zu verrennen.
Und wie gut ist es, zu wissen, dass ich in einer Gemeinde bin, wo es Geschwister gibt, die sich wirklich um meine Seele bemühen. Wir sind selbst, wenn wir uns mit diesen Gedanken befassen, selbst die Empfänger einer großartigen Segnung. Gott hat die Gemeinde geschaffen, er hat uns berufen zur Gemeinschaft.
Und wenn wir dieses Thema behandeln, dürfen wir es auch verstehen als ein Segen Gottes für dich persönlich. Du hast Geschwister, die nicht ihre Augen zumachen vor der Sünde, die du tust, sondern sie helfen dir, sie begleiten dich, sie meinen es gut mit dir, zum Wohle deiner Seele, auf dass du gerettet wirst am Tage des Herrn.
Insofern wollen wir Gott danken, auch für diese Worte, und vor allem ihm danken, dass wir gereinigt sind durch das Passalam Jesu Christi. Möge es unsere Herzen erfreuen und möge es vielleicht die eine oder andere Frage aufwerfen, aber dann auch letztlich beantwortet werden. Gott helfe uns, egal wo wir herkommen, aus welchen Gemeinden auch immer, dass wir seinem Wort entsprechend handeln. Amen!
Herr, wir danken dir für dein Wort, und wir danken dir, dass du Sünder liebst und auch uns, die wir einst verloren waren und in Rebellion und Feindschaft zu dir lebten, aus Gnade gerettet hast. Wir bitten, Herr, dass du unsere Herzen öffnest für dieses Thema, dass wir verstehen, dass es dir darum geht, zum Wohle des Menschen, der Gemeinde und auch zum Guten des Zeugnisses vor der Welt diese Dinge auszuüben. Herr, hilf, dass wir es so aufnehmen, annehmen, und segne du uns auch im weiteren Verlauf dieses Tages. Amen.