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Enttäuscht von Menschen

2. Timotheus 4,9-1519.03.1995
Wenn du dich in kleinen Ärgernissen verlierst, verpasst du das Eigentliche: Wem gehört dein Herz wirklich? Paulus zeigt, wie leicht man sich von Christus und seiner Gnade wegschleicht.

Einführung in den ungewöhnlichen Predigtabschnitt

 2. Timotheus 4,9-15
Eile dich, dass du bald zu mir kommst. Denn Demas hat mich verlassen und diese Welt liebgewonnen und ist nach Thessalonich gezogen, Cressens nach Galatien, Titus nach Dalmatien. Das ist, wo jetzt der Bürgerkrieg tobt.
Das ist sicher ein merkwürdiger Predigttext, den wir heute haben. Ich weiß nicht, ob da je schon darüber gepredigt wurde. Lukas ist allein bei mir. Markus nimm zu dir und bring ihn mit dir, denn er ist mir nützlich zum Dienst.
Das wäre auch mal ein Thema für sich. Der Markus war ja beim Paulus ganz schlecht aufgefallen, und Paulus wollte ihn nie mehr mitnehmen. Es ist interessant, wie man auch lernen kann, auch mit jungen Leuten, wo man enttäuscht ist, wo man später wieder gute Eindrücke bekommen kann. Aber wir werden es heute nicht behandeln.
Tychikus habe ich nach Ephesus gesandt, aber über das will ich wieder predigen. Den Mantel, den ich in Troas ließ, bei Karpus, bringe mit, wenn du kommst, und die Bücher, besonders die Pergamente.
Alexander der Schmied hat mir viel Böses angetan. Der Herr wird ihm vergelten nach seinen Werken. Vor ihm hüte du dich auch, denn er hat sich unseren Worten sehr widersetzt.

Wenn Alltägliches plötzlich zur Predigt wird

Haben Sie in der Zeitung die Geschichte gelesen von dieser Politesse? Sie wissen doch, das sind diese Damen, die ihre Papiere ausfüllen und dann unter den Scheibenwischer stecken, wenn einer falsch geparkt hat.
Da kommt also ein Autofahrer um die Ecke und sieht, wie in seinem heiß geliebten Auto da so ein Zettel hängt. Und er sieht noch genau, wie diese Polizistin noch in der Nähe steht.
Und jetzt: geh drauf, sieh los!
Also, wenn das in der Zeitung drinstehen würde, dann müsste es in der Tat sicher tausendmal vorkommen: Diese armen, schutzlosen Wesen, die werden ja dauernd angebrüllt von uns rauen Männern. Aber der eine Autofahrer hat sich etwas Besonderes ausgedacht. Er ist, wie man so schön sagt, ausgerastet. Wissen Sie, was das ist, ausrasten? Und dann hat er alles, was ihm einfach einfiel, über dieses süße Wesen heruntergeschüttet. Und die ist zum Richter gelaufen, und zum Glück gibt es noch Richter.
Aber das Interessante für die Zeitung war, dass es diesem Autofahrer viel, viel teurer gekommen ist, als wenn er großmütig und großzügig das eben kurzfristig erledigt hätte. So ist ein Blech, wenn man im Blech redet, über seinem heiligen Blechle.
Also, so war es bei diesem Autofahrer. Und es gibt es ja manchmal bei uns auch, dass wir uns über kleine Dinge im Leben, über ganz belanglose kleine Dinge, und das gehört ja dazu, so ein Ticket oder wie man das nennt, so masslos aufregen. Das kommt ja daher, dass wir eben ein kleines Herz haben und wahnsinnig gereizte Nerven und furchtbar empfindlich sind, möchte ich Sie fragen.
Regt sich eigentlich der Paulus jetzt auch am Ende seines Briefes über solche lächerlichen Lappalien auf? Paulus, wir kennen ihn doch mit seinen großen Gedanken. Er hat doch sonst in seinen Briefen geschrieben, wie Gott die Welt verschönt, über die Auferstehung der Toten, wie Israel wieder zu Gott zurückfindet. Über die Liebe hat er doch geschrieben. Und worüber schreibt er jetzt?
Demas hat mich verlassen. Also Paulus, komm, es gibt’s doch. Kommt bei uns auch ab und zu vor, dass Leute abhauen. Regst du dich so auf? Bist du so? Du hast doch selber von der Verfolgung geschrieben, wir müssen Verfolgung leiden. Warum regst du dich denn nicht so auf beim Alexander, dem Schmied? Lass ihn doch reden, wirst doch damit fertig werden. Bist du gereizt in deinen Nerven, dass du das dem Timotheus noch erwähnen musst? Und was ist bloß mit deinem Mantel?
Also, wenn es nur der Mantel ist, wir gucken beim Bräuninger im U, da gibt es gute Trenchcoats. Wir kaufen da ein, wir legen zusammen. Regst du dich wegen eines Mantels auf, dass das in der Bibel drinsteht?

Die kleinen Dinge des Lebens und die Grösse Gottes

Jetzt möchte ich Ihnen zuerst an einem Beispiel zeigen, wie gut es ist, dass die Bibel auch die kleinen Dinge im Leben berührt, die kleinen ärgerlichen Dinge. Was ist bei Ihnen der Anlass gewesen, dass Sie sich aufgeregt haben? Ein Kratzer im neuen Auto? Ein kleines Loch im Zahn, ein abgebrochener Schlüsselbund oder was war es denn? Es sind doch solche Dinge, die uns oft furchtbar durcheinanderwirbeln.
Und ich freue mich, dass Gott so groß ist, dass er sich auch um die kleinen Dinge Ihres Lebens kümmert. Wissen Sie das? Ich habe nie begriffen, warum Gott meine Haare gezählt hat. Ich habe sie noch nicht einmal gezählt, obwohl ich mich manchmal sorge, ob ich noch welche trage. Aber Gott hat sie schon gezählt. Das ist doch beruhigend!
Oh ja, dass Gott für die Spatzen auf dem Dach ein Nachbarhaus sorgt, auf diese Idee wären Sie nie gekommen. Die kleinen Dinge kennt Gott. Seid ihr nicht viel mehr als sie?
Und trotzdem möchte ich dem Eindruck widerstehen, dass Paulus kleinkariert sei und sich hier um lächerliche Lappalien sorgt. Deshalb habe ich drei Fragen: Was ist da so schlimm dran?

Warum der Verlust von Demas so schwer wiegt

Zuerst einmal: Warum ist das mit Demas so schlimm? Demas hat mich verlassen und diese Welt liebgewonnen.
Manche von Ihnen kennen das. Ich merke das immer wieder: Sie sind ganz aufgewühlt, wenn sie aus einem anderen Gemeindebezirk kommen. Sie meinen, sie hätten eine ganz schlimme Missetat begangen. Oder manche spüren einen Psychoterror, wenn sie vielleicht aus einer sehr extremen Gruppe kommen. Und der Leiter der Gruppe sagt: Wenn du unsere Gruppe verlässt, dann stürzt der Himmel ein, dann trifft dich Gottes Zorngericht.
Das meinen ja manchmal die Gemeindeleiter, wenn man ihre heiligen Pferche verlässt, ob das nun unsere Organisationsgrenzen oder die der Landeskirche sind: Dann sei das ein Majestätsverbrechen. Ist es bei Paulus auch so? Demas hat mich verlassen.
Wissen Sie, das ist ein Irrtum, wenn irdische Gemeindeleiter meinen, nur wo sie wären, wäre das Reich Gottes. Also bin ich der Meinung: An vielen Stellen hat Gott in dieser Welt seine Gemeinde. Und wenn Sie nicht in der Hofhacker Kirche sind, wünsche ich, dass Sie wieder eine lebendige Gemeinde finden, wo Sie sich anschließen, wohin Christus verkündigt wird.
An vielen Stellen ist das bei Paulus vielleicht der Ärger, dass er wie ein Buchhalter seine Schäflein zählt und den Demas bei sich behalten will. Nein, Paulus dachte sehr flexibel, auch in Fragen der Gemeindestrukturen und der Gemeindeordnung. Und es ist gut, wenn wir wieder davon lernen.
Bei Demas war etwas ganz anderes passiert. Der zweite Teil des Satzes ist schlimm: Er hat diese Welt liebgewonnen. Nicht bloß das, was man auf den Postkarten sieht, die Wasserfälle und das Meeresrauschen und so, den Sonnenuntergang am See Genezareth. Nein, das meint er nicht.
Diese Welt liebgewonnen: Demas hat sich in eine gottlose, heidnische Welt verliebt und hängt mit dem ganzen Herzen an Bankkunden, an Berufssorgen, an irdischen Dingen. Und darüber hat er vergessen, dass er Jesus nachfolgt und dass er einmal die Krone der Herrlichkeit gewinnen will.

Die Gefahr, sich unmerklich von Christus zu entfernen

Wie das ging, jetzt muss ich fantasieren. Ich will das nicht in den Text hineinlesen, aber man darf sich ein bisschen vorstellen, wie das gegangen sein könnte.
Ich bin überzeugt, die meisten Menschen, die diese Welt liebgewonnen haben, das nie gewollt haben. Vielleicht sind sie nur ein paarmal in den Versammlungen weggeblieben, weil der Termin so ungünstig lag und weil sie sich gerade nicht so gut fühlten. Sie haben gesagt: Es ist vielleicht auch gut, wir verlassen das pietistisch enge Ghetto, und wir leben ein offenes Christentum.
Und dann haben sie vielleicht gedacht: Ja, man müsste eigentlich auch die Welt missionieren. Ich hatte vor Jahren mal einen ganz furchtbaren Kampf mit einer Frau, die gemeint hat, sie müsste nachts in die Nachtlokale und während der Pornofilme Männer missionieren. Furchtbar untergegangen. Das kann man nicht. Man kann nicht in die Welt hineingehen und meinen: Ich bin der Missionar, und ich bringe alle zu Jesus. Wie man sich versieht, ist man mitgerissen in einer unheimlichen Welt.
Das wird bei uns auch so leichtfertig gesagt: Wir wollen doch auch wenigstens die Welt verstehen und wollen so denken wie die Leute der Welt. Das ist ja eigentlich alles richtig, das ist einleuchtend. Ich möchte Missionar sein, und es gibt so einen schönen Spruch: Das Salz gehört in die Suppe. Und da muss ich doch auch in die Welt hinein, wie ich das Evangelium der Welt vermitteln will.
Passen Sie bloß auf, ob Sie darüber nicht die Welt liebgewinnen, ob das nicht bei manchen Dingen passiert ist, wo man meinte, man will missionieren. Gerade auch in unseren modischen Anpassungsversuchen in den Kirchen, dass man längst weltgeworden ist und gar nichts mehr da ist von der Gemeinde Jesu und von dem Ruf des Herrn, der in seine Nachfolge zieht.

Der biblische Ernst hinter der Warnung vor der Welt

Jetzt müssen Sie sich einmal anschauen, was Johannes schreibt im ersten Johannesbrief, 1. Johannes 2,15-17. Das Wort ist völlig eindeutig, und da müsste sich jeder prüfen: Habt nicht lieb, was in der Welt ist, noch was in der Welt ist! Wenn jemand die Welt lieb hat, dann ist das ein ganz anderes Lieben als das, womit Gott diese Welt geliebt hat und seinen Sohn gegeben hat. Wenn wir die Welt lieb haben, dann ist in uns nicht die Liebe des Vaters.
Denn alles, was in der Welt ist, die Lust des Fleisches, die Lust der Augen und das hoffärtige Wesen, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. Und die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit.
Und jetzt spüren wir auf einmal den tiefen Schmerz und die herbe Enttäuschung, die Paulus bedrückt. Demas, einer der wichtigsten Mitstreiter, der sogar noch in anderen Briefen erwähnt wird, der Paulus mitgetragen hat, läuft plötzlich weg. Und er findet es so schick, wenn man Geld hat, wenn man sein Fleisch ausschweift und wenn man einfach tut, was einem gefällt.
Was ist das mit diesen Versuchungen? Ich will jetzt gar nicht weiter darüber spekulieren, was es wohl bei Demas gewesen sein könnte. Die Bibel breitet darüber einen Schleier. Aber wir wissen an anderer Stelle, dass einmal einer der treuesten Jünger Jesu, der lange mit Jesus gezogen war und viele Opfer gebracht hatte, der entschieden Jesus nachgefolgt ist, wegen ein paar Silbermünzen seinen Heiland verraten hat. Und wir erinnern uns auch daran, dass einer, den wir alle kennen, wegen eines Linsengerichts den Segen verspielt hat, und es war ihm gleichgültig.
Das ist furchtbar, wenn man seinen Auftrag verliert. Man hat einmal den Ruf gehört, man weiß alles, man kann noch fromm beten, vielleicht kann man noch so tun, und doch hat man seinen Auftrag nicht mehr. Man kann nichts mehr weitergeben an die Menschen, mit denen man zusammen ist, weil man keine Vollmacht mehr hat und weil man ihnen nichts mehr sagen kann. Das ist der schwerste Schmerz, der Paulus niederdrückt, dass er nicht kleinlich ist, wenn Demas ihn verlassen hat. Das ist furchtbar, und das muss uns auf der Seele liegen, wenn wir wissen, dass andere aus der Nachfolge Jesu ausgebrochen sind und das Ziel aus den Augen verloren haben.
Da gibt es ja noch so ein schönes Lied, wir können es heute nicht singen: Herr, habe Acht auf mich. Die Welt legt listig in solchen Dingen, die sie unschuldig nennt, weil sie sich selbst nicht kennt, viel Netz und Schlingen. Und viele Christen sind darüber gestolpert, in diesen Versuchungen, haben gesagt: Das ist doch gar nicht schlimm. Und sie haben die Nachfolge Jesu verspielt.

Warum der zurückgelassene Mantel und die Bücher wichtig sind

Die zweite Frage, die wir haben: Warum ließ Paulus seinen Mantel in Troja liegen?
Troja kennen wir seit Heinrich Schliemanns Ausgrabungen. Das ist das Troja, das in der Bibel Troas genannt wird. Die ganzen Zusammenhänge rufen wir uns noch einmal kurz in Erinnerung.
Damals fing die Feindschaft an. Aus der jüdischen Synagoge lauern sie Paulus auf, es geht um Tötung. Paulus macht einen ganz geschickten Schachzug: Er läuft zu Fuß die Küstenstraße der Türkei entlang und geht nicht mit dem Schiff.
Die Reise hat uns sehr bewegt. Vor vielen Jahren habe ich einmal eine Urlaubspredigt über den Fußweg gehalten. Von Troja nach Assos steht etwas in der Apostelgeschichte, wir können es jetzt nicht behandeln. Es ist herrlich, wo Paulus ein paar Tage ganz allein ist, sozusagen Urlaub macht, einfach geht und mit sich selbst allein ist.
Und da war die große Feindschaft in dieser Zeit. Er weiß: Jetzt geht es nach Jerusalem. Der Heilige Geist zeigt ihm, dass er jetzt ganz hart angegriffen werden wird. Es wird in die Verfolgung gehen, das Martyrium wartet auf ihn, er wird in Ketten gebunden werden. Alles weiß er genau.
Und da hat er noch eine Versammlung in Troja. Die kennen Sie auch, wegen dieses Eutychus, dieses jungen Mannes. Hoffentlich fällt da jetzt keiner von der Empore runter. Er ist also von oben, aus dem Obergemach, heruntergefallen. Er ist bei der Predigt des Paulus eingeschlafen, weil Paulus sehr lange gepredigt hat. Ich habe das jetzt nicht vor. Dann hat ihn der Herr wieder zum Leben erweckt.
Und dort hat Paulus ganz in der Nähe von Troja in Assos seinen Mantel deponiert und seine Bücher.

Ein Apostel mit Bedürfnissen, aber auch mit geistlichem Hunger

Ja, was hat das für uns zu bedeuten? Jetzt wissen Sie doch: Paulus war ganz konzentriert auf das Schwere, das vor ihm lag. So wie Sie sagen: Morgen muss ich ins Krankenhaus einrücken, es geht um Tod und Leben.
Und dahinter lässt er noch bei einem lieben Mitbruder, bei einer Schwester, ein paar wichtige Dinge zurück. Paulus hat sicher seine letzten Anweisungen beim Bruder Karpos in Assos hinterlassen. Und seinen Mantel, der so schön war, wie einer da bei diesen Leuten in San Juan sagt, hat er wohl selbst gewebt. Wahrscheinlich war das so ein Poncho, in den man den Kopf durchsteckt. Ein ganz schlichtes Ding, aber das war alles, was er hatte. Vor dieser ganzen Not, die ihn erwartete.
Jetzt müssen Sie sich vorstellen, wie lange das gedauert hat. Drei Jahre war Paulus im Gefängnis, zwei Jahre allein in Caesarea. Und er schreibt gleich nachher noch, in Vers 21: Bald kommt der Winter, komm schnell. Mich friert. Ein Apostel, der friert. Es ist ein Mensch aus Fleisch und Blut, mit seinen Nöten. Auch Christen haben ganz irdische Anfechtungen. Auch Christen leiden. Auch Christen gehen durch die Tiefen und sind angewiesen auf die menschlichen Nettigkeiten und Hilfen, die man ihnen gibt.
Aber was ist mit den Büchern? Das sind die Bücher, das sind griechisch die Bibelias. Und dann steht da noch das andere, die Pergamente, das sind die Membranas, steht da die Membrane. Das sind also ganz kostbare Papiere. Bei uns ist Papier ja das, was man in die grüne Tonne steckt, und da denkt man gar nicht mehr darüber nach. Warum wird er auf die Papiere, was hat er denn da drauf? Das sind doch heilige Schriften. Das Alte Testament sicher, er, der Schriftgelehrte.
Drei Jahre in Haft, und ihm fehlen die Pergamente. Auf den Pergamenten war ein ganz besonders teurer Stoff der damaligen Zeit. Vielleicht sogar Jesusworte, Stücke des Evangeliums, waren darauf aufgezeichnet. Und wissen Sie, da sehen Sie hinein in das Herz seines Apostels: Er braucht das Gotteswort. Er braucht doch das Gotteswort, so verstehe ich das.

Trost, der aus dem Wort Gottes kommt

Was ist das für eine Ermutigung, für eine Stärkung, wenn wir ein Gotteswort hören in den dunklen Augenblicken, in der Finsternis dieser Welt!
Gestern am späten Abend fand ich noch bei der Post einen Brief. Ich habe ja immer die Gewohnheit, wenn ich bei Hilfe Brüder Dankbriefe schreibe, dass ich da ein Bibelwort wähle und den Leuten schreibe: Ich grüße sie mit diesem Wort. Da schrieb mir ein Mann aus Erlabrun, das muss die ehemalige DDR sein: Ich möchte Ihnen für den Bibelspruch danken. Als Ihr Brief bei mir eintraf, lag ich mit schweren Gallen- und Magenschmerzen daheim. Nun befinde ich mich hier im Krankenhaus Erlabrun, und das Gotteswort war mir eine solche Stärkung und hat mich durch diese schweren Stunden und Schmerzen hindurchgetragen. Es ist auch mir ein starker Held für die noch bevorstehende Operation.
Ach, was ist das toll, dass wir das Gotteswort haben! Und da sind keine kleinen karierten Randbemerkungen. Da merken wir, wie ein Apostel vom Gotteswort lebt. Bringen Sie mir schnell ein Gotteswort! Ich sage immer wieder: Die Pralinen schachten lassen, bringen Sie die bloß nicht den Kranken, und die Getränke, dann sind sie bestimmt nicht passend. Bringen Sie ein Gotteswort, bringen Sie einen Liedvers!
Ich bin zu einer Frau gegangen, der diese Woche der Fuß amputiert wurde. Da war ich noch wenige Stunden vor der Operation. Wir haben miteinander die Liedverse durchgesprochen, und sie hat sie alle auswendig gekonnt. Das ist doch herrlich, wenn man Tröstungen bereit hat vom Herrn.

Der Streit mit Alexander und die Frage nach echter oder falscher Haltung

Noch das Dritte: Wie leidet Paulus an falschen Brüdern?
Jetzt geht es um Alexander den Schmied. Alle anderen möchte ich nicht auslegen. Aber Bibellesen ist eine interessante Sache.
Wer ist Alexander der Schmied? Ein Kupferschmied aus Ephesus. Die haben damals diese kupfernen Dianafiguren gemacht, diese heidnischen Götzenfiguren. Die hat man nicht bloß auf den Fernseher gestellt als Dekoration für die Wohnstube, sondern das war natürlich ein Amulett, das war Geisterbeschwörung.
Bei Alexander weiß man nicht: War er bekehrt oder war er nicht bekehrt? Das ist eine furchtbare Sache, wenn man mittendrin steht. Ach, was war das herrlich in diesen Tagen, wo uns wieder so gesagt wurde: Es ist die eine Sache, ob ich ganz mit Jesus gehe oder nicht, sonst bin ich verloren und komme unter die Räder.
Im ersten Timotheusbrief wird Alexander erwähnt. Da könnte der Gleiche sein, der am Glauben Schiffbruch erlitten hat. Was ist denn das? Nicht Schiffbruch, Schiffbruch. Also, ich kriege so viele Briefe mit Heinrich Schiffbruch oder Schiffbauch. Also, er hat am Glauben Schiffbruch erlitten. Er ist auf dem Riff aufgelaufen, mit seinem Glauben ist er irre geworden. Jetzt kann man wieder die Fantasie spielen lassen.
Ich darf vom Glauben nicht irre werden. Ich verstehe ihre Anfechtungen und Zweifel, sie dürfen nicht irre werden. Im ersten Timotheusbrief sagt Paulus: Ich habe ihm den Satan übergeben. Kann das sein, dass er in die Gemeinde eine große Not hineingebracht hat? Vielleicht Verwirrung, vielleicht eine falsche Lehre, vielleicht falsche moralische Maßstäbe. Man kann sich jetzt alles ausdenken. Es könnte irgend so etwas Schlimmes gewesen sein, dass Paulus so hart reagiert hat.
Ich kann mir das ganz einfach vorstellen: Wenn er Kupferschmied war, war er sicher begeistert, damals bei der ersten Predigt zugefallen dem Paulus. Und dann ist ein Alexander erwähnt in der Apostelgeschichte, in dieser Geschichte, in dieser großen Trübsal von Ephesus, als das Volk zu Tausenden in das Stadion strömte und brüllte: Groß ist die Diana der Epheser! Da ist ein Alexander aufgestanden, ein Kupferschmied. Ob das nicht der gleiche war?
Und sagte: Freunde, jetzt wollen wir mal das Ding auf gütliche Weise regeln. Und dann ließen sie ihm gar nicht zu Wort kommen. Das waren Vermittler. Sie kennen doch die Vermittler: Die wollen nach allen Seiten irgendetwas vom Evangelium ausgleichen. Und man kann vielleicht gar nichts mehr ausgleichen, weil der Kampf jetzt geboten ist.
So stelle ich mir den Alexander vor, als einen friedlichen Typen, der sagt: Ach, ihr habt Recht, und der Paulus hat Recht, jetzt machen wir einen Mittelkurs. Und vielleicht hat er selber einen Mittelkurs gefahren. Er war ganz begeistert. Und dann ging das mit der Kupferkunst natürlich herunter, und die Diana-Tempelchen wurden immer weniger verkauft, weil die Leute keine Amulette mehr bekamen. Und dann hat er zum Geldbeutel gespürt und hat gesagt, es wäre vielleicht doch wieder gut, ich würde Amulette verkaufen, und hat auf allen Schultern Wasser getragen.
Ich kann mir ihn vorstellen als einen Mann, der wirtschaftlich denken kann und sagt: Zuerst muss die Wirtschaft unserer Stadt wieder aus der Talsohle raus, dann hat man auch wieder Zeit für das Evangelium. Und vielleicht hat er einen ganz furchtbaren Vermittlerkurs in die Gemeinde hineingebracht. Und Paulus sagt dem Demas: Halt dich fern von ihm!
Warum? Er hat unseren Worten widerstanden. Das heißt, er hat dem Evangelium gewehrt, und er hat die Kraft des Evangeliums nicht geduldet, wo das Evangelium Sünde beim Namen genannt hat. Und das ist das Evangelium, das aufdeckt und das vergeben und heilen will.

Die letzte Entscheidung zwischen Gnade und Verwerfung

Und da steht hier in diesem Wort beim zweiten Timotheus: Der Herr wird ihm vergelten nach seinen Werken.
Jetzt sagen manche auch wieder: Ja, sag mal, tut der Paulus Rache beschwören? So klingt das ja wieder kleinkariert. Paulus, möchtest du, dass der es heimgezahlt kriegt und du sagst: Gut, das tut wohl, wie es der andere abgekriegt hat? Ganz bestimmt nicht.
Der Paulus sagt nur, es ist eine ganz schlichte Wahrheit: Wer die Gnade Gottes verwirft, der muss mit seiner Sünde leben und muss sie ausbaden. Und das ist doch wahr, das ist doch kein Fluch. Wer von Ihnen die Gnade verwirft, und sehen Sie, das habe ich in den letzten zwei Tagen gemerkt: Wenn man in einer Predigt am Schluss nicht sagt: So, jetzt müssen Sie sich entscheiden, wo Sie wollen, jetzt liegt es an Ihnen, jetzt müssen Sie wissen: Verwerfen Sie die Gnade? Dann können Sie nicht neutral bleiben, sondern dann liegt die ganze Last auf Ihnen. Sie können sie doch nicht tragen, wie bei Alexander dem Kupferschmied.
Im Psalm 130 steht ein tolles Wort. Es fängt ja an in dem Psalm 130: Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir. Höre meine Stimme. Die ganze Not der Verzweiflung, die in dem Lied aus tiefer Not schreie ich zu dir.
Was ist die Not? Die Not ist, wenn ein Mensch in seinem Gewissen unter seiner Schuld, unter seiner Sünde leidet. Und da mündet dieser Psalm in herrliches Lob, denn bei dem Herrn ist Gnade und viel Erlösung, viel, wissen Sie, wie viel mehr Erlösung und Vergebung als alle Sünden der Welt aufeinander gehäuft. Beim Herrn ist mehr Vergebung.
Doch ob Sie diese Vergebung haben, das ist Ihre Sache. Ob Sie sie packen oder nicht packen, ob Sie sie ergreifen oder nicht ergreifen. Bei dem Herrn ist Gnade und viel Erlösung, und er wird sein Volk erlösen aus allen seinen Sünden. Alexander nicht.
Alexander sagte: Für mich nicht. Vielleicht hat er sich für das Geld entschieden, vielleicht hat er einen neuen Laden bald eröffnen können. Haben Sie es ergriffen, die Gnade Gottes, wunderbar für Ihr Leben, jetzt, dass ich Danke sagen darf: Herr, ich darf von deiner Gnade leben. Amen.