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Warnung vor den Schriftgelehrten und Pharisäern – Teil 2

Jesu Leben und Lehre | Episode 724
Matthäus 23,3-525.06.2026
SerieTeil 2 / 8Warnung vor den Schriftgelehrten und Pharisäern
Echte Frömmigkeit trägt keine Show. Wer Gott gefallen will, lädt andere nicht mit schweren Regeln ab, sondern lebt still, barmherzig und glaubwürdig.
Gott wird Mensch

Gott wird Mensch

Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 724

Der Einstieg in die Kritik an religiöser Doppelmoral

Warnung vor den Schriftgelehrten und Pharisäern, Teil 2
Wir waren stehen geblieben bei Matthäus 23,3. Alles nun, was sie euch sagen, das tut und haltet. Aber handelt nicht nach ihren Werken, denn sie sagen es und tun es nicht.
Es ist ein wichtiger Grundsatz. Lass dich von dem moralisch fragwürdigen Verhalten von Bibellehrern nicht davon abhalten, das zu tun, was die Schrift sagt.
Noch etwas ist hier interessant: Es kann sein, dass korrupte Prediger die Wahrheit lehren. Natürlich klingt das komisch. Aber es darf uns nicht überraschen, dass auch in Gemeinden, die von ganz merkwürdigen Pastorinnen und Pastoren geleitet werden, Menschen zum Glauben kommen.
Das ist einer der Vorteile einer Buchreligion. Solange das Wort Gottes die Grundlage von Predigten und Bibelstunden bleibt, hat es einen reinigenden Einfluss auf das, was gesagt wird. Man kann die biblischen Texte zwar verdrehen und tendenziös auslegen, aber man kann nicht verhindern, dass der interessierte Leser sich eigene Gedanken macht. Ebenso wenig kann man verhindern, dass das Wort Gottes durch den Geist Gottes im Denken der Zuhörer ein Eigenleben entwickelt.

Die Lasten, die andere tragen sollen

Aber kommen wir zurück zum Verhalten der Schriftgelehrten und Pharisäer. Matthäus 23,4: Sie binden schwere und schwer zu tragende Lasten zusammen und legen sie auf die Schultern der Menschen. Sie selbst aber wollen sie nicht mit ihrem Finger bewegen.
Hier konkretisiert der Herr Jesus den Vorwurf aus dem Vers davor. Mit den schwer zu tragenden Lasten sind religiöse Verpflichtungen gemeint. Die Torallehrer haben kein Problem damit, gerade die herausfordernden Texte zu predigen. Aber sie selbst wollen sie nicht mit ihrem Finger bewegen. In diesem Bild steckt sowohl Inkonsequenz als auch fehlende Barmherzigkeit.
Es reicht den Schriftgelehrten und Pharisäern, das Machtgefälle zu den Hörern auszunutzen, um das Gesetz in aller Härte zu präsentieren. Aber wirklich helfen wollen sie nicht. Noch weniger wollen sie diese Lasten selbst tragen. Wie sie sich herausreden, werden wir noch sehen, wenn Jesus in seiner Gerichtsrede auf weitere Details eingeht. Machtmenschen sind leider sehr kreativ, wenn es darum geht, das eigene falsche Verhalten zu rechtfertigen.
Wir erinnern uns in diesem Zusammenhang an ein Gespräch während eines Mittagessens bei einem Pharisäer. Dort hatte Jesus ganz ähnlich formuliert. Lukas 11,46: Er aber sprach: Auch euch Gesetzesgelehrten wehe! Denn ihr belastet die Menschen mit schwer zu tragenden Lasten, und selbst rührt ihr die Lasten nicht mit einem eurer Finger an.
Was für ein Kontrast zu Jesus, der eben nicht einfach beladen möchte, sondern dafür sorgt, dass sein Joch leicht ist und die Beladenen nicht noch mehr Last, sondern vielmehr Ruhe bei ihm finden. Matthäus 11,28-30: Kommt her zu mir alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir. Denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Sichtbarkeit statt verborgener Frömmigkeit

So haben wir jetzt das Thema Heuchelei und den Mangel an Barmherzigkeit. Schauen wir uns die Motivation dahinter an.
 Matthäus 23,5: Alle ihre Werke aber tun sie, um sich vor den Menschen sehen zu lassen, denn sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten groß. Sie wollen gesehen werden, sie wollen im Mittelpunkt stehen.
Also genau das, was Jesus seinen Jüngern in der Bergpredigt verbietet. Matthäus 6,1: Habt Acht auf eure Gerechtigkeit, dass ihr sie nicht vor den Menschen übt, um von ihnen gesehen zu werden; sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater, der in den Himmeln ist.
Das geistliche Leben eines wahren Jesusnachfolgers bleibt immer ein wenig im Dunkeln. Er weiß, dass es eine Gefahr ist, geistliche Übungen wie Beten, Fasten oder Almosen öffentlich zur Schau zu stellen. Der Jesusjünger will zwei Dinge gleichzeitig. Er will mit aller Macht Gott gefallen, aber dabei nicht vor den Menschen mit seiner Geistlichkeit angeben. Er will nicht von den Menschen gesehen werden, weil er sonst keinen Lohn beim Vater im Himmel hat.
Als Christ lebe ich mein Leben mit Blick auf Gott. Ich lebe für ihn, und ich lebe, um von ihm für mein Leben belohnt zu werden. Möge Gott am Ende sagen: Recht so, du guter und treuer Knecht. Darauf kommt es wahren Christen an.
Genau diese Haltung aber fehlt den Schriftgelehrten und Pharisäern. Sie wollen auffallen.

Die religiösen Zeichen und ihr eigentlicher Sinn

 Matthäus 23,5: Alle ihre Werke aber tun sie, um sich vor den Menschen sehen zu lassen; denn sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten groß.
Fangen wir mit den Gebetsriemen oder Philakterien an. Das sind kleine Lederkapseln, die mit Lederriemen an der Stirn und am linken Arm getragen werden. In den Kapseln befinden sich Schriftabschnitte aus der Tora. Grundlage für diese Praxis sind Texte wie 5. Mose 6,8: Und du sollst sie, das sind die Worte Gottes, als Zeichen auf deine Hand binden, und sie sollen als Merkzeichen zwischen deinen Augen sein.
So weit zu den Gebetsriemen.
Was ist mit den Quasten? Die Quasten sind die Troddeln an den Zipfeln des Gewandes. Das Gebot, solche Quasten zu tragen, klingt so: 5. Mose 22,12: Quasten sollst du dir machen an den vier Zipfeln deines Oberkleides, mit dem du dich kleidest.
Welchen Zweck erfüllen die Quasten? Ganz einfach: Die Israeliten sollen sie anschauen und sich an alle Gebote Gottes erinnern. 4. Mose 15,38-39: Rede zu den Söhnen Israel und sage zu ihnen, dass sie sich eine Quaste an den Zipfeln ihrer Oberkleider machen sollen für alle ihre künftigen Generationen, und dass sie an die Quaste des Zipfels eine Schnur aus violettem Purpur setzen sollen. Und das soll euch zur Merkquaste werden, und ihr sollt sie ansehen und dabei an alle Gebote des Herrn denken und sie tun.
Die Quasten waren also kein Schmuck, sondern ein Bundeszeichen, das den Träger an die Verpflichtungen des Bundes mit Gott erinnern sollte. Auch Jesus trug übrigens Quasten an seiner Kleidung.
Wenn Jesus die Gebetsriemen und die Quasten seiner Gegner anspricht, dann kritisiert er deren Größe, nicht das Tragen als solches. Deshalb die Formulierung: Denn sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten groß. Die Zeichen sollten an Gottes Gebote erinnern und nicht die Frömmigkeit des Trägers zur Schau stellen. Hier werden religiöse Symbole genutzt, um sich selbst in Szene zu setzen. Und darin besteht das Problem. Ich benutze mein Frommsein, um Menschen zu beeindrucken. Und genau das ist falsch, das ist Heuchelei.

Der stille Weg echter Hingabe

Sei fromm, bete viel, spende viel und faste oft. Hilf den Armen und werde die geistlich beste Version deiner selbst, aber posaune deine Leidenschaft für Gott nicht hinaus. Wirke mehr im Stillen als in der Gemeinschaft mit anderen, und diene vor allem nicht, um gesehen zu werden.
Lass es dir immer ein bisschen peinlich sein, wenn Menschen mitbekommen, mit welcher Hingabe du tatsächlich zuerst nach Gottes Reich und seiner Gerechtigkeit trachtest.
Was könntest du jetzt tun? Schau dir Bilder zum Thema Gebetsriemen und Quasten an, damit du vor Augen hast, worauf Jesus sich bezieht.
Das war’s für heute. Überarbeite und aktualisiere jetzt deine Fürbitte-Liste für die diakonischen Projekte in deiner Gemeinde und bete für sie.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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