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Gesegnet, weil Gott meine Tränen gezählt hat

1. Samuel 21,11-1625.11.2018
Serie•Teil 6 / 14Blessed - gesegnet, weil...
Wenn dir alles entgleitet und Angst das letzte Wort hat: Gott kennt jede Träne, bevor du sie weinst. Genau darin liegt der Trost, der dich loslassen lässt.

Einleitung und Hinführung

Mein Name ist Jürgen Fischer. Wenn noch Fragen zur Predigt sind, könnt ihr gerne danach auf mich zukommen.
Es gibt auf der Hälfte der Plätze etwa Notizen zur Predigt. Ihr könnt ein bisschen hineinschauen, worum es heute geht. Ansonsten der Hinweis von hier vorne: Auf der Internetseite www.frogwords.de, auch das steht auf den Notizen, gibt es das Skript zu der Predigt. Wer das mitlesen will oder wer es nachlesen will, geht einfach da drauf und hat dann noch mal das gesamte, was ich hier so predige.
Gut, ihr Lieben, lasst mich euch heute Nachmittag mal ins Alte Testament entführen, genau genommen ins 1. Samuel.
Nicht jeder ist mit dem Buch vertraut, deswegen ein paar einleitende Gedanken. Das 1. Samuel gibt es in der Bibel, und zwar im Alten Testament. Das 1. Samuel spielt in Israel, und zwar etwa ganz grob tausend Jahre vor Christus.
Berichtet wird im 1. Samuel die Entstehung des Königtums. Also wer das Buch 1. Samuel liest, der merkt: Am Anfang von dem Buch gibt es noch keine Könige, und am Ende ist dann da ein König. Genau genommen dreht sich das Buch um David, um einen Hirtenjungen, der zuerst im Geheimen schon von dem Propheten Samuel gesalbt wird, und zwar zum König, und der sich dann gegen den amtierenden, gegen den auch eifersüchtigen König Saul durchsetzen muss.
Auf dem Weg zum Thron passieren Dinge. Manches weiß man ja: Er erschlägt zum Beispiel Goliath, so einen riesigen Elitekämpfer der Philister. Er wird dann in der Folge zu einem gefeierten Kriegshelden. Er wird übrigens auch Schwiegersohn des Königs. Aber obwohl sogar der Thronfolger, nämlich Jonathan, also der Sohn von König Saul, sein bester Freund wird, nimmt der Hass von Saul selber, von dem König, immer mehr zu.
Und am Ende bleibt David keine Wahl mehr. Er muss Hals über Kopf aus Jerusalem fliehen, um sein Leben. Und ich dachte mir, wir steigen da mal rein, in diesem Moment, wo er aus Jerusalem flieht.

Der Bruch im Leben des Gesalbten

Also, was ich gerade erzählt habe, ist Folgendes: David hat von Gott eine Verheißung. Gott hat ihn zum König gesalbt. David ist loyal gegenüber dem amtierenden König; er hat nicht einfach eine Rebellion angezettelt. Durch das, was er übernimmt und gut macht, beweist David, dass er ein Mann Gottes und ein wirklich fähiger Herrscher ist.
Er gewinnt sogar so etwas wie die Begeisterung des Volkes. Da dachte ich mir: Kennt ihr noch Lady D, also Lady Diana, die Königin der Herzen? Sie war nie Königin, aber sie war so etwas wie die Königin der Herzen. Und so ähnlich muss man sich David vorstellen. Er ist nicht die Königin, sondern der König, aber eben ein König der Herzen. Alle haben ihn irgendwie gemocht.
Und obwohl all das da ist, reicht es nicht. Da dachte ich mir: Wenn ich mir Davids Geschichte anschaue, dann ist da einer, der hängt sich rein, er gibt alles, er macht keine krummen Touren. Da ist Einsatz, Gehorsam, Gottvertrauen, alles da. Es fehlt nichts. Und am Ende musst du fliehen, und du stehst mit leeren Händen da.
Ihr Lieben, hier an der Stelle zerbricht ein Lebenstraum. Und wie das manchmal so ist, wenn ein Lebenstraum zerbricht, dann ist das häufig nicht die Zeit der klügsten Lebensentscheidungen. Frag mal jemanden, dessen Ehe zerbrochen ist, oder jemanden, der gerade seinen Job verloren hat, ob er danach nicht auch ein paar sehr blöde Entscheidungen getroffen hat. Die meisten werden sagen: Ja, erinnere mich nicht an die Zeit, das war jetzt irgendwie nicht so die Sternstunde meiner Entscheidungen, sage ich mal. Das ist meistens nicht so. Die meisten werden das bestätigen.
Wenn du schon unten bist, dann ziehst du dich meistens noch ein Stück weiter runter. Wenn wir menschlich am Boden liegen und nicht mehr weiterwissen, dann fällt es uns ganz schwer, klar zu denken. Und deswegen vielleicht einmal diese simple Lebensweisheit: Triff keine weitreichenden Lebensentscheidungen, wenn du entmutigt bist. Also verlass deinen Mann nicht, kündige nicht deinen Job, investiere nicht deine kompletten Ersparnisse in eine alte Korvette, wenn du gerade entmutigt bist. Mach es einfach nicht. Ist auch nicht den Kühlschrank leer. Mach es einfach nicht.
David war entmutigt. Und er hat jetzt in so einer Situation eine Entscheidung getroffen, die war wirklich nicht schlau. Rückblickend muss man sie gelinde gesagt als dämlich bezeichnen. Er muss sich ja irgendwo verstecken. Der amtierende König Saul ist hinter ihm her, also muss er sich verstecken. Und er denkt sich: Wo könnte ich hingehen? Und er trifft eine Entscheidung, bei der man im Nachhinein sagen muss: Ehrlich, ist ihm nichts Besseres eingefallen?
Also versteckt er sich bei dem König von Gat. Das ist eine Stadt, die Stadt, aus der Goliath kam. Und da merkst du schon: keine gute Idee. Du willst dich als israelitischer Kriegsheld verstecken? Tu es bitte nicht in der Stadt, wo alle dich hassen, weil du quasi ihr Idol erschlagen hast. Das ist einfach keine gute Idee. Ich weiß nicht, wie David auf den Gedanken kommt.
Ich möchte euch den Text vorlesen, die Geschichte dazu: 1. Samuel 21,11-16 und dann noch ganz kurz Kapitel 22. Denn es passiert auch gleich: Er ist in der Stadt, und sofort fangen die Probleme an.
Und David machte sich auf und floh an diesem Tag vor Saul, dem israelitischen König, und kam zu Achisch, dem König von Gat. Und die Knechte von Achisch sagten zu ihm, also er ist jetzt da in der Stadt, ja, und jetzt die Leute, die so mit dem König zu tun haben, die sagen jetzt: Ist das nicht David, der König des Landes? Jetzt könnte man sagen: Nein, formal ist er das nicht, er ist noch nicht König, aber nah dran. Haben sie nicht von ihm bei Reigentänzen gesungen? Und jetzt kommt es: Saul hat seine Tausende erschlagen, David aber seine Zehntausende. Also, die haben ihn richtig abgefeiert, Paraden abgehalten. Da fragen die: Sag mal, wen haben wir denn hier eigentlich? Das ist doch der Typ, der uns die größten Probleme bereitet hat in der Schlacht.
Vers 13: David nahm sich diese Worte zu Herzen und fürchtete sich sehr vor Achisch, dem König von Gat. Und er stellte sich wahnsinnig vor ihren Augen und tobte unter ihren Händen. Und er kritzelte an die Flügel des Tores und ließ seinen Speichel in seinen Bart fließen. Da sagte Achisch zu seinen Knechten: Siehe, ihr seht, dass der Mann wahnsinnig ist. Warum bringt ihr ihn zu mir? Fehlt es mir an Wahnsinnigen? Den Satz mag ich in der Bibel. Solche Typen habe ich schon genug, brauche nicht noch einen von der Sorte. Also: Fehlt es mir an Wahnsinnigen, dass ihr diesen hergebracht habt, bei mir zu toben? Sollte der in mein Haus kommen? Und David ging von dort weg und entkam in die Höhle Adullam.

Die äußere Not und die innere Angst

Also, skurrile Geschichte: David bekommt Panik. Er stellt sich wahnsinnig, sabbert, schreit, kritzelt irgendwelche Strichmännchen auf Türen. Und warum? Weil er Angst hat.
Ihr Lieben, hier sehen wir einen Mann, der wirklich alles verloren hat, der eine falsche Entscheidung trifft und sich plötzlich in akuter Lebensgefahr befindet. Er ist eingeschlossen in einer Stadt voller Menschen, die in ihm Staatsfeind Nummer eins sehen. Warum bringen sie ihn nicht gleich um? Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich haben sie sich nicht getraut, wahrscheinlich war er formal der Gast des Königs. Wir wissen es nicht genau. Aber sie verlangen eine Untersuchung, sie verlangen ein Urteil vom König, und David beginnt sich zu sorgen.
Eigentlich ist die Situation in diesem Moment völlig aussichtslos. Und jetzt möchte ich, nachdem ich euch mit hineingenommen habe in diese aussichtslose Situation, euch gerne noch einen Sprung mitnehmen. Also nicht nur einen Sprung zurück ins Alte Testament, sondern in das Denken und in die Gefühlswelt von David in dieser Situation. Wie hat er sich gefühlt? Der Text sagt, er hat sich sehr gefürchtet. Frage: Ist das alles?
Also, wie fürchtet sich jemand, der an anderer Stelle in der Bibel als jemand bezeichnet wird, der ein Mann nach dem Herzen Gottes ist? Wie geht er damit um, dass in diesem Moment seine Karriere am Ende ist, seine Ehe kaputt ist, er seine Frau zurücklassen musste, sein Ruf ruiniert ist und sein Leben bedroht ist? Also die Liste, von der wir eben gelesen haben, das ist die eine Sache. Damit rettet er sein Leben. Irgendwie kommt er aus der Situation raus und landet dann in der Höhle Adullam. Das ist die eine Sache. Aber mich interessiert heute: Wie geht es ihm in dieser Situation eigentlich innerlich? Also nicht so sehr, was tut er, um gerade zu überleben, sondern wie hat er sich in dieser Situation gefühlt?
Was können wir tun, wenn wir in Zeiten geraten, die uns hoffnungslos überfordern? Das ist die Frage.
David hat über die Zeit in Gat ein Lied geschrieben. Das ist Psalm 56. Ich möchte euch diesen Psalm einmal vorlesen, und dann möchte ich zwei Dinge dazu sagen. Ihr habt eben noch vor Augen: Er ist eingeschlossen in dieser Stadt, alles sieht so hoffnungslos aus. Und dazu, wenn ich jetzt nach innen schaue: Wie geht es ihm in seinem Herzen, wie geht es ihm emotional? Da kommt jetzt Psalm 56.
Da heißt es: Dem Chorleiter nach der Taube der fernen Inseln. Also, ich nehme mal an, das ist eine Melodie. Okay, ich weiß es nicht genau. Aber nehmen wir mal an, das wäre eine Melodie, so ein bisschen: Dem Chorleiter, ich weiß nicht, nach und dann kommt irgendein moderner Schlager, wo man sagt: Ah, die Melodie muss sich einsetzen. Statt dass man da Noten gibt, sagt man: Singt man so wie ... Man könnte heute sagen: Singt man wie Nothing Else Matters. Okay, dann weiß jeder Bescheid, so geht das.
Aber hier hat David ein Migtam, als die Philister ihn zu Gat ergriffen. Er beschreibt jetzt die Situation. Und was sagt er?
Sei mir gnädig, Gott, denn es stellen mir Menschen nach. Den ganzen Tag bedrängt mich ein Streitender. Meine Feinde stellen mir den ganzen Tag nach. Ja, viele bekämpfen mich von oben herab. Das ist von einer Position der Stärke, wo ich im Nachteil bin. An dem Tag, da ich mich fürchte.
Und jetzt kommt dieser Einschub: Ich vertraue auf dich. Auf Gott, sein Wort rühme ich. Auf Gott vertraue ich, ich werde mich nicht fürchten. Was sollte Fleisch, also was sollten Menschen, was soll Fleisch mir tun?
Den ganzen Tag tadeln sie meine Worte. Alle ihre Gedanken sind gegen mich zum Bösen. Sie greifen an, verstecken sich, sie beobachten meine Schritte. Sie handeln hinter meinem Rücken, weil sie meiner Seele auflauern. Sollte es bei ihrer Bosheit Rettung für sie geben? Im Zorn stürze die Völker nieder, Gott.
Meine Heimatlosigkeit hast du gemessen. Gieße meine Tränen in deinen Schlauch. Stehen sie nicht in deinem Verzeichnis? Dann werden meine Feinde ablassen an dem Tag, da ich rufe. Dieses habe ich erkannt, dass Gott für mich ist.
Auf Gott, sein Wort rühme ich. Auf den Herrn, sein Wort rühme ich. Auf Gott vertraue ich, ich werde mich nicht fürchten. Was kann ein Mensch mir tun?
Auf mir liegen, Gott, deine Gelübde. Ich werde dir Dankopfer einlösen. Denn du hast meine Seele vom Tod gerettet, ja, meine Füße vom Sturz, dass ich wandle vor dem Angesicht Gottes im Licht der Lebendigen.

Vertrauen, das die Furcht nicht das letzte Wort lässt

Ihr Lieben, zwei Dinge.
Zum einen gibt es da diesen Refrain. Der ist schön, oder? Dieses: Ich vertraue auf dich, auf Gott vertraue ich, ich werde mich nicht fürchten.
Es berührt mich, wenn so ein harter Kerl wie David, dem man definitiv nicht vorwerfen kann, bei seiner Biografie ein Weichei gewesen zu sein, wenn so jemand nicht sagt: Ich vertraue auf mich. Oder: Ich vertraue auf meine Erfahrung. Oder: Ich vertraue auf meine taktischen Fähigkeiten, meine Überredungskünste, meine Ausstrahlung, meine Beziehungen, meine Listigkeit. Sondern wenn er die ganze Zeit immer wieder sagt: Ich vertraue auf dich, Gott.
Das schließt eine List nicht aus, das haben wir ja gesehen. Aber wisst ihr, was das ausschließt, wenn ich sage: Ich vertraue auf Gott? Es schließt aus, dass Furcht das letzte Wort hat. Auf Gott vertraue ich, ich werde mich nicht fürchten.
Und das ist der, der sich in diesem Moment, was tut er gerade? Der fürchtet sich gerade. Der fürchtet sich jetzt vor dem König von Achisch, also vor dem König Achisch, dem König von Gat. Es scheint so zu sein, so kommt es bei mir an, dass Furcht für David etwas ist, das man mit Gottvertrauen kontern kann.
Ich habe das in meinem Leben gerade erst erlebt. Ich habe es schon oft erlebt, aber im Sommer gab es eine Situation, die war für mich zutiefst bedrohlich. Und ich habe dann angefangen, in diese Situation hinein, in der ich mir wirklich große und größte Sorgen gemacht habe, viel zu beten und zu fasten und wie David Gott ein Gelübde abzulegen. Und obwohl die Furcht nicht gleich weg war, ich meine das Gefühl der Furcht, so wurde sie Tag für Tag mit jedem Gebet, das ich gesprochen habe, immer ein bisschen weniger und immer ein bisschen weniger bedrohlich.
Das, was David hier sagt, das stimmt. Wenn wir auf Gott unser Vertrauen setzen, werden wir uns nicht fürchten.
Aber der Aspekt Gottvertrauen ist heute Nachmittag gar nicht der, um den es mir am meisten geht. Ich habe vor ein paar Wochen mit dieser Predigtreihe angefangen: blessed, gesegnet. Warum sind Gläubige gesegnet? Ist es nur so, wir sind gesegnet, weil uns die Schuld vergeben ist oder weil wir eine lebendige Hoffnung haben auf das ewige Leben? Das wäre an sich ja schon total genial, aber da ist noch viel mehr.
Und der Punkt heute, der heißt: gesegnet, weil Gott meine Tränen gezählt hat. Und ich will noch mal in diesen Psalm hineingehen, diesen einen Vers, Psalm 56, Vers 9. Und wenn ihr mir eine Freude machen wollt und ihn euch lernt auswendig: Er ist einfach schön, er ist einfach nur schön.
Ich lese ihn mal vor: Psalm 56,9: Meine Heimatlosigkeit hast du abgemessen, gieße meine Tränen in deinen Schlauch; stehen sie nicht in deinem Verzeichnis?
In Ehrfurcht vor diesem Vers verstummen wir. Ich lese ihn und er ist mir fast ein Stückchen zu schön. Ja, es ist die Art von Vers, die du brauchst, wenn in den bittersten Stunden deines Lebens der Teufel dir versucht, die Beine unter den Füßen wegzuziehen und dir ins Ohr flüstert: Du bist allein, es gibt keinen Gott. In so eine Situation hineingesprochen wurde der Vers, und für solche Situationen ist der Vers einfach brillant.
Ihr Lieben, hier küssen sich Poesie und Glaube. Das ist das, was hier passiert. Hier küssen sich Poesie und Glaube.
Meine Heimatlosigkeit hast du abgemessen. Das sagt der Mann, der eben fliehen musste, der nicht weiß, ob er jemals wieder am Königshof in Jerusalem willkommen sein wird, der nicht einmal weiß, wo er hin soll. Diese Höhle Adullam ist ja nicht mal Plan B. Versteht ihr, das ist eine Höhle. Das ist ja nichts.
David ist menschlich gesprochen am Ende, aber er weiß, dass Gott viel, viel weiter schauen kann. David allein weiß nicht, wie er den nächsten Tag überstehen soll. Gott kennt schon den Moment Jahre später, wenn David seine Flucht beenden wird, um in Hebron König zu werden. Das ist die Realität.
Und David weiß, dass Gott so weit schauen kann, dass der Gott, dem er vertraut, wirklich die Zukunft kennt, dass er uns und unser Schicksal kennt. David vertraut Gott nicht, weil der Glaube blind ist, sondern weil Glaube sich an den hängt, der alles sieht und alles weiß.
Gott kennt einfach, um den zweiten Teil von dem Vers noch einmal zu beleuchten, jede Träne, die du irgendwann einmal weinen wirst. Er kennt sie, er hat sie gezählt und er hat sie aufgeschrieben.
Mittendrin, und ich weiß nicht, wie es dir geht, vielleicht saust du mitten in der Depression oder mitten in der Kozeritis während der Schwangerschaft, wenn der Stress einem mit den Kindern einfach so über den Kopf hext. Mitten drin, wenn mir vielleicht gerade überraschend gekündigt wurde und ich jetzt irgendwie keinen neuen Job finde. Such dir irgendein Worst-Case-Szenario aus, das dich überfordert, und du sitzt heulend in der Ecke und hast keine Kraft mehr. Und zwar egal, ob du daran schuld bist, kann sein, ja, oder auch einfach nur, dass das Schicksal ein ganz mieser Verräter war. Spielt überhaupt keine Rolle. Du kannst nicht mehr, du schluchzt, du pflänzt.
Und in diesem Moment weiß Gott, wie viele Tränen du weinen wirst. Er weiß es vorher. Es gibt keinen Schmerz in deinem Leben, den Gott nicht kennt, und zwar vorher.
Meine Tränen, heißt es hier, stehen sie nicht in deinem Verzeichnis, so formuliert David. Und das ist Glaube.
Frage: Was ist, wenn ich das nicht glauben kann? Dann möchte ich dir jetzt ein Geheimnis über dich verraten: Du kannst.
Ich muss das erklären. Das Schwere am Glauben ist das Loslassen. Wenn es stimmt, dass Gott meine Tränen gezählt hat, dann lass dich in seine Hände fallen. Du wirst nirgendwo besser aufgehoben sein.
In der Seelsorge kommen oft Geschwister zu mir und sagen: Jürgen, ich habe keine Kraft mehr, ich kann das nicht machen, ich kann nicht dieses an Gott glauben, ich habe keine Kraft dafür. Ich möchte hier wirklich niemanden verletzen, ihr seid mir alle total lieb, aber lasst mich eines festhalten: Wer noch genug Kraft hat, an sich zu glauben und an seinen Ideen, an seinen Ideen vom Leben festzuhalten, der hat nicht zu wenig Kraft, der hat zu viel, der hat zu viel.
Niemand hat zu wenig Kraft, um zu glauben, weil es beim Glauben darum geht, sich fallen zu lassen. Der Unglaube braucht Kraft, um sich festzuhalten. Der Glaube lässt einfach los.
Es geht nicht darum, dass wir uns aus eigener Kraft aus dem Schlamassel ziehen, indem wir irgendwie versuchen, selber zu glauben, sondern dass wir loslassen, weil wir wissen, in wessen Hände wir fallen. Das ist der Clou.

Leben im Licht einer noch ausstehenden Vollendung

Wir können die dunklen Stunden und Jahre nicht vermeiden. Sie werden kommen. Manche werden überraschend kommen, manche kündigen sich an, vielleicht sogar lange vorher.
Ihr Lieben, ich kann euch auf dieser Erde kein Paradies versprechen. Wir folgen Jesus von Nazaret, und das heißt, wir folgen ihm in eine Welt voller Leid. Er kam, um zu leiden und so die Welt zu retten. Sein Tod am Kreuz hat uns gerettet, und das Leid unseres Lebens ist der Preis, den wir bezahlen müssen, wenn wir in einer Welt voller Leid das Evangelium predigen wollen.
Wir warten darauf, dass Jesus wiederkommt. Wir warten auf einen neuen Himmel, und wir warten auf eine neue Erde ohne Tod, ohne Ungerechtigkeit und ohne Leid. Wir warten darauf, dass Gott uns einmal jede Träne abwischen wird. Jede Träne, die wir geweint haben, wird er abwischen. Es kommt der Moment, in dem Gott alles gut machen wird. Aber noch ist dieser Moment Zukunft, doch er wird kommen, definitiv.
Bis dahin gilt es für uns, in dieser Zeit nicht aufzugeben. Bis dahin gilt es, sich nicht zu fürchten und Gott zu vertrauen.
Gott hat uns für dieses Leben etwas total Schönes geschenkt, nämlich diese Zusage aus Psalm 56,9: Ich kenne deine Tränen. Und zwar nicht als etwas Abstraktes, so wie ich vielleicht die Handtaschen meiner Frau kenne. Ich renne da im Flur immer dagegen und weiß, sie hängen da. Das ist sehr abstrakt und weit weg, damit habe ich eigentlich nichts zu tun. Gott kennt unsere Tränen ganz konkret. Er weiß, was wir durchmachen. Ihm entgeht nichts, nicht ein Moment.
Und deswegen macht es so viel Sinn, wenn wir in Not kommen, loszulassen und uns in seine allwissenden Arme fallen zu lassen. Wohin denn sonst? Was willst du sonst machen? Was sollte denn sonst funktionieren?
Ihr Lieben, wir sind gesegnet mit dem Wissen, dass Gott unsere Tränen gezählt hat. Er weiß, was auf uns zukommt. Er weiß, was er uns mit unserem Leben zumutet. Ich kann euch nicht versprechen, dass er uns nie mehr zumuten wird, als wir ertragen können. Ich würde es euch gerne versprechen. Aber der Apostel Paulus schreibt einmal, dass er und seine Missionskollegen übermäßig beschwert wurden, über Vermögen, so dass wir sogar am Leben verzweifelten. Also eine ganz ähnliche Situation wie bei David.
So etwas ist möglich, aber es ist kein Versehen. Es passiert nicht ohne Grund. Es ist nicht so, dass Gott gerade weggeschaut hat und dann bricht halt unser Leben zusammen. Huch, ist halt passiert. Es ist auch nicht so, dass Gott ein Sadist wäre, der Spaß daran hat, dass wir heulen. Gott ist ein Vater, der uns von ganzem Herzen liebt. Wir sind seine Kinder. Aber Gott ist eben auch Gott, und wir sind es nicht.
Er sieht diese Welt mit ihrer Kaputtheit. Er sieht diese Welt mit ihrer Kaputtheit, und er hat uns als geliebte Kinder damit beauftragt, in dieser Welt zu leben. Und nicht nur in dieser Welt zu leben, sondern Menschen mit dem Evangelium zu erreichen.
Könnt ihr euch vorstellen, wie es Gott manchmal zumute sein muss? Er weiß, was wir leiden werden, er kennt jede Träne, die wir noch weinen werden, und er mutet uns aus Liebe zu dieser Welt zu, dass wir dieses Leid erfahren. Hast du dir mal überlegt, was das bedeutet? Du würdest wissen, ja, stell dir vor, du würdest wissen, was deine Tochter leiden wird. Jede Träne. Und du würdest sagen: Geh den Weg, weil ich diese Welt so sehr liebe, es geht nicht anders. Es geht einfach nicht anders. Ich kann dich da nicht rausnehmen, ich möchte diese Welt retten, und sei du mein verlängerter Arm.
Das heißt es, Leib Christi zu sein. Wir leiden in einer Welt voller Leid, weil wir den leidenden Menschen in ihrer Ausweglosigkeit begegnen müssen. Und mittendrin, mitten im Leid, da dürfen wir uns als gesegnete Menschen verstehen, weil Gott jede Träne kennt, die wir weinen, weil er jeden Moment weiß, der uns zu viel wird, und weil er uns mit diesem Angebot zur Seite steht, das tatsächlich nur Kinder Gottes haben.
Was sagt David in Vers 10? Er sagt: Dieses habe ich erkannt, dass Gott für mich ist. Boah, Hammer, ja? Dieses habe ich erkannt, dass Gott für mich ist. Was für ein Segen und was für ein Trost in diesem Leben: Gott ist da, und Gott ist für mich. Ich kann mich in seine Arme fallen lassen und so die Furcht vertreiben. Warum? Weil er jede Träne gezählt hat. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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