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Philippus - Einiges aus dem Leben eines Jesusjüngers

01.01.1959

In der vergangenen Woche erhielt ich einen Brief, in dem sich eine Frau bitterlich über mich beschwerte. Solche Briefe bekomme ich zwar oft, aber dieser fiel mir besonders auf.

In dem Brief beklagt sich die Frau über das von mir herausgegebene Blatt Licht und Leben. Ich lasse in diesem Blatt gern die Väter des Glaubens zu Wort kommen, etwa Schwärzen und Hofacker, sowie die Menschen, durch die Gott im vergangenen Jahrhundert Erweckung gewirkt hat. Oder ich erzähle von diesen Männern.

Nun schreibt diese Frau, wir lebten doch in der Gegenwart. Wir müssten unsere aktuellen Probleme lösen und für die Zukunft bauen. Es sei einfach lächerlich, gerade für einen Jugendfacher lächerlich, wenn er immer nur in die Vergangenheit sehe und auf Leute schaue, die längst vergangen sind und vor 150 Jahren ihre Probleme lösen mussten.

Sie fordert: Hören Sie doch damit auf! Als ich den Brief bekam, konnte ich das nicht einleuchten. Wir haben Gegenwartsprobleme – was gehen uns da die Väter der Vergangenheit an?

Die Bedeutung der Glaubensvorbilder aus der Vergangenheit

Als ich diesen Brief erhielt, hatte ich gerade eine Bekannte zu Besuch. Ich legte ihr den Brief vor und fragte, was sie darauf antworten würde. Sie beschrieb, dass sie mit Frauen oft schwer umgehen kann, wenn sie nicht richtig angesprochen werden. Daraufhin sagte sie: „Ja, ich würde so schreiben: Die Bibel sieht das anders.“

In der Bibel steht zum Beispiel im Hebräerbrief, dass den Lesern ein ganzes Kapitel lang die Vorbilder des Glaubens aus dem Alten Testament vor Augen gemalt werden. Ich hoffe, Sie kennen das Kapitel im Hebräerbrief. Der Schreiber dieses Briefes schließt den Blick auf die Väter und Mütter des Glaubens aus der Vergangenheit mit den Worten ab: „Ihr Ende schaut an und folget ihrem Glauben nach.“ Die Bibel ist also der Ansicht, dass es sehr gut ist, diese Glaubensvorbilder aus der Vergangenheit zu betrachten.

Sehen Sie, hat die Frau Recht oder wer hat Recht? Sehen Sie sich doch einmal in allen pädagogischen Konferenzen oder ähnlichen Instituten und Akademien um. Dort wird unaufhörlich darüber geklagt, dass unsere Zeit keine Leitbilder habe. Man sagt oft, die Jugend habe keine Leitbilder. Dass die Alten noch viel verrotteter seien, darüber spricht man nicht gern, denn die Alten reden das ja.

Aber tatsächlich ist es so, dass die ganze Zeit keine Leitbilder hat, sondern Vorbilder, Persönlichkeiten, nach denen man sich ausrichten könnte. Oder meinen Sie, Sie könnten zu Ihren Eltern sagen, dass Sie so sind, dass Ihre Kinder sich an Ihnen orientieren können? Es fehlen die Leitbilder. Unsere Jugend hat so schrecklich viel Charakterlosigkeit erlebt, dass es fast unmöglich ist.

Darum glaube ich, dass es gar keine besseren Leitbilder gibt als die Männer und Frauen der Bibel. Dort werden Menschen gezeigt, mit Fleisch und Blut, mit ihren Fehlern, wie wir. Aber es sind Menschen, an denen Gott, so kann man sagen, zur Charakterbildung wirken konnte. Die biblischen Personen sind echte Leitbilder. Deshalb tun wir gut daran, die Väter und Mütter des Glaubens in der kirchlichen Geschichte und namentlich in der Bibel zu betrachten.

Es ist sehr nutzlos, nur in der Gegenwart herumzupaddeln. Es wäre sehr gut, wenn wir mehr in die Geschichte schauen würden, auch in die Geschichten der Christenheit und der Kirche.

Philippus als Beispiel eines Jesusjüngers

Und sehen Sie, darum geniere ich mich also nicht, wenn ich hier in einem Jugendgottesdienst einen Mann wie Philippus bespreche, der regelmäßig kommt und der weiß, dass wir alles, was von Philippus zu sagen ist, miteinander betrachtet haben.

Jetzt habe ich am Schluss noch einmal so eine Art Ehrenlese, um zu wissen, was übrig geblieben ist und was auch noch gesagt werden muss. Ich möchte das überschreiben mit: Einiges aus dem Leben eines Jesusjüngers.

Einiges aus dem Leben eines Jesusjüngers – ich habe wie üblich drei Teile. Das ist eine Beschränkung, denn man hätte gerne sechs, aber ich will mich in die Drei halten. Also: Einiges aus dem Leben eines Jesusjüngers. Erstens von Philippus zum Theophil – das klingt ein bisschen komisch, aber ich werde das erklären.

Sehen Sie, dieser Mann Philippus, oder wie wir sagen Philipp, der stammte aus dem nördlichen Teil des Volkes Israel, aus Galiläa. Da oben im Norden mischen sich schon sehr stark heidnische – oder wir nennen das hellenistische – Elemente unter Israel. Und wir spüren die hellenistischen Einflüsse in dem griechischen Namen dieses Mannes.

Alle anderen Apostel haben hebräische Namen, bis auf zwei, und unter denen ist Philippus, der nicht einen hebräischen Namen hat, sondern einen griechischen Namen. Das ist ein Zeichen, wie stark in der Heimat dieser hellenistischen Welt zuhause war.

Er heißt Philippus, und das heißt zu Deutsch Pferdefreund. Da guckt man so zielermann: Das ist ein Philippus, nicht wahr, der Freund der Pferde.

Nun würde mich natürlich schrecklich interessieren, wieso der Mann den Namen Philippus bekommen hat. Da kann man drüber nachdenken. Vielleicht damals kriegten die Kinder nicht ohne weiteres den Namen bei der Geburt oder bei der Taufe. Die kriegen ihn im Lauf des Lebens.

Wir kriegen die im Lauf des Lebens hier im Weinglas auch ab und zu Namen. Nicht „pb“, bin ich nicht ursprünglich getauft worden, oder „hier ist an der Käse“ – das sind Namen, die man später kriegt.

Vielleicht war der Philippus als junger Mann ein besonderer Pferdenacht, das ist durchaus möglich, und darum nannte man ihn Pferdefreund. Da hatte man ein hübsches und elegantes Hobby gehabt. Reiten ist schon eine schöne Sache.

Vielleicht aber hat ihn sein Vater auch Philippus genannt, in Erinnerung an den großen mazedonischen König Philippus. Sehen Sie, dieses Bild dieses mazedonischen Königs Philippus sprach sehr stark in der damaligen hellenistischen Welt, obwohl er schon dreihundert Jahre tot war.

Philippus war ein König, der sein kleines Ländchen aus geringen Anfängen zu großer Macht gebracht hatte, da sein Sohn Alexander der Große kurze Zeit Mazedonien zum Weltreich machte.

Vielleicht hat der Vater den jungen Philippus genannt in dem Gedanken: Hoffentlich wirst du auch mal, der aus kleinen Verhältnissen kommst, ein großer und mächtiger Mann. Wenn nicht gleich König, dann vielleicht Oberpostsekretär, das ist ja auch etwas ganz Bedeutendes.

Vielleicht, meine Freunde, hat der Philippus den Namen einfach gekriegt, weil es ein Mode-Name war. Man kann es ja heute nicht mehr: Ein Jahrgang heißt alle Mädels Ingrid und alle Jungen Karl-Heinz, und dann kommt so der Jahrgang mit Klaus – und es gibt so Mode-Namen.

Vielleicht hießen damals alle, wie bei uns Karl-Heinz, eben Philippus. Sei ihm wie ihm wolle, so ein schöner Satz: Sei ihm wie ihm wolle.

Eins kann ich sagen: Der Name passt weder so noch so noch so. Philippus ist nicht berühmt geworden als Turnierreiter, da hören wir nichts. Er ist auch nicht ein Machtmensch geworden in der Welt im Bedeutenden.

Er war aber auch nicht ein Mann, der mit der Mode lief und mit dem großen Haufen.

Aus welchen Gründen der Mann auch Philippus heißt, der Name passt nicht. Der Name passt nicht.

Jedenfalls im Moment, als wir Philippus kennenlernen, da passt er nicht mehr.

Und sehen Sie, ich habe mich umgeschaut im griechischen Namen des Neuen Testaments, ob ich nicht einen Namen fände, der passte. Und da geriet ich auf den Namen Theophilus, das heißt Freund Gottes.

Ach, dieser Pferdefreund ist vielmehr ein Gottesfreund geworden.

Der Name Philippus passt nicht mehr gut, aber Theophilus würde gut passen. Nicht mehr Pferdefreund, sondern Gottesfreund.

Die Bedeutung eines neuen Namens im Glauben

Ich muss jetzt im Moment etwas einschieben. Sehen Sie, wir haben meistens auch Namen, die nicht passen. Es geht uns völlig ähnlich wie jenem Troll, den jemand fragt: „Wie heißt du denn?“ Er antwortete: „Ich heiße Eugen.“ Eugen heißt hoch und hohl geboren. Das passt für uns treue Wunderworte nicht mehr.

So geht es meistens mit unseren Namen: Sie fassen nicht richtig. Wir haben sie irgendwann bekommen. Ich wurde Wilhelm genannt, weil damals der alte Kaiser Wilhelm so beliebt war, nicht? Und da hießen alle Jungen eben Wilhelm. Aber es hat nichts mit einem alten Kaiser zu tun, niemand schnurrt darüber.

Es wäre geradezu eine amüsante Aufgabe, einmal die Namen nachzugehen, ihre Bedeutung zu erforschen und sich totzulachen darüber, wie wenig sie passen und ob sie im Tiefsten nicht passen.

Ich kenne einen, der heißt Kühn und ist immer eine erschrockene und schüchterne Seele. Und sehen Sie, darum hat es mich immer sehr interessiert, dass im Neuen Testament der Herr Jesus sagt: „Wer überwindet, dem will ich einen weißen Stein geben und darauf einen neuen Namen.“

Ich möchte zu denen gehören, denen ihr Erlöser in der neuen Welt einen neuen Namen gibt. Dieser Name gehört zur Wirklichkeit der neuen Welt, des Seligwerdens, vom Himmel kommend. Das Alte ist vergangen – ein neuer Name.

Sehen Sie, in der Hölle bekommt man keinen neuen Namen. Dort behält man seinen Namen in alle Ewigkeit. Mit seinen Befleckungen und seinen Nöten bleibt der Name ein Zeichen dafür, dass sich im Leben nie etwas Entscheidendes geändert hat.

Unter den Verlorenen trägt man seinen alten Namen in alle Ewigkeit. Du bist immer dasselbe geblieben. Du hast nie etwas von der neuen Kurve erlebt, du hast nie etwas erfahren von Wiedergeburt – ein Zeichen, dass sich nie etwas Entscheidendes geändert hat.

Meine Freunde, bei Philippus hat sich etwas Entscheidendes geändert – von dem Moment an, als ihm Jesus begegnete und sagte: „Folge mir nach!“ Eine entscheidende Änderung, eine völlig neue Richtung seines Lebens.

Sehen Sie, Christentum heißt bei uns oft, dass man sein gottloses Leben, sein selbstpsychologisches Leben ein bisschen religiös anstreicht. Das ist ein Irrtum.

Von solchen Christen werde ich einmal wimmeln. Aber Philippus hat es richtig gemacht. Als ihm Jesus begegnete, kam eine ganz neue Lebensrichtung.

Und dazu ist der Sohn Gottes aus der anderen Welt gekommen, dazu ist er am Kreuz gestorben, und dazu ist er auferstanden. Und dazu ruft er uns. Darum wirkt er durch seinen Geist in uns, damit unser Leben diese neue Richtung bekommt, dass sich etwas entscheidend ändert.

Ich habe mir überlegt, wie ich Ihnen das ganz kurz sagen könnte, worin die neue Lebensrichtung besteht. Lassen Sie mich so sagen: Wenn im Alten Testament der Hohepriester ins Heiligtum ging, dann trug er einen Turban, auf dem ein schmaler Goldreif, ein Diadem befestigt war. In diesen Goldstreifen war eingraviert die drei Wörtlein: „Kadosh le Yahweh“ – Heilig dem Herrn, „Beschlagnahmt für Gott“, geheimlich „Yahweh“, heilig dem Herrn.

Und nun sagt die Bibel zur neutestamentlichen Gemeinde: Gott hat uns durch Jesus zu Priestern gemacht. Gott ist wahr.

Das ist die neue Lebensrichtung, die unsichtbar über unserem Leben steht: Geheiligt dem Herrn! Ich gehöre jetzt ihm, nicht mehr mir, nicht mehr Menschen, nicht mehr dem Teufel, nicht mehr der Welt – geheiligt dem Herrn!

Das ist die entscheidende neue Lebensrichtung. Und sehen Sie, bei Philippus war durch die Begegnung mit Jesus diese neue Richtung gekommen: Geheiligt dem Herrn! Und das darf uns geschehen.

Ach, meine Freunde, es geht nicht um Dogmatik und nicht um Anschauen oder was, sondern darum, dass Leben das bekommt: Geheiligt dem Herrn!

Bei Philippus war es geschehen. Aus dem Philippus war Theophilus geworden, aus dem Pferdefreund ein Freund Gottes. Eine entscheidende Wendung unseres Lebens steht vielen unter uns noch bevor.

Gott möge es geben, dass sie damit nicht warten, bis die Zeit der Gnade abgelaufen ist.

Vom Leben in der Heimat Bethsaida

Lassen Sie mich Ihnen ein zweites Beispiel aus dem Leben eines Jesusjüngers erzählen, vom Philippus zum Theophilus. Zweitens: Ein Brand aus dem Feuer gerettet.

Ich habe natürlich ein wenig Mitleid mit Ihnen bei dieser ungeheuren Hitze hier, aber „Gebe Gott, dass ich weiß, nicht, da stimmt irgendwas nicht hier, bei mir stimmt das nie.“ Viel wichtiger ist es, dass wir den Heiligen Geist haben und Gottes Wort richtig hören. „Ein Brand aus dem Feuer gerettet“ möchte ich das Zweite überschreiben.

Der Eber heißt hier aus Bethsaida. Bethsaida bedeutet auf Deutsch „Stadt der Fischer“ oder „Stadt der Jäger“. Das erzählt mir eine ganze Menge. Bethsaida lag zwischen dem herrlichen großen See Genezareth und den Bergen. Die Berge waren damals in Israel noch bewaldet und wildreich. Es war die Stadt der Jäger, und der See gab den Fischern reiche Nahrung.

Bethsaida war also eine reiche, gesegnete, hübsche und schöne Stadt. Wenn man so ins Ruhrgebiet fährt – nicht, dass ich nicht gern im Ruhrgebiet bin –, denke ich von dort aus an Bethsaida. Ich denke mir, es muss schön sein, in so einer Stadt zu leben. Dort war Philippus her.

Aber über dieser lieblichen Stadt Bethsaida hing eine dunkle Wolke, die niemand sehen wollte: die Wolke der Verwerfung Gottes. Hören Sie, Jesus, der es ja wissen muss, hat von dieser lieblichen Stadt Bethsaida einmal ein schauerliches Wort gesagt: „Wie dir Bethsaida wären solche Taten zu Tyrus und Sidon geschehen. Wie bei euch geschehen sind, sie hätten vor Zeiten in Sack und Asche Buße getan. Du wirst in die Hölle hinuntergestoßen werden. Wahrlich, es wird Tyrus und Sidon erträglicher gehen am jüngsten Gericht als dir Bethsaida.“

Sehen Sie, in Bethsaida waren sehr große Dinge geschehen. Dort hatte der Herr Jesus zuerst einen Blinden geheilt – eine wundervolle Geschichte, wie er ihm die Augen öffnete. Dann strömte bei Bethsaida das Volk immer wieder zusammen mit ihrem Elend, und sie erlebten Jesu Barmherzigkeit. Bei Bethsaida erhielt er seine größten Predigten. In der Nähe von Bethsaida fand die Speisung der Fünftausend statt, wo er mit wenigem die vielen satt machte.

Während solche Taten in Tyrus und Sidon geschehen, war in Bethsaida großes Geschehen. Jesus offenbarte seine Herrlichkeit als Sohn Gottes, und die Menschen veränderten sich nicht. Sie verstockten ihr Herz, blieben in ihren heidnischen Sünden oder in ihrer harten Selbstgerechtigkeit: „Ich glaube an Gott, ich brauche keinen Heiler.“ Der gute Hirte rief, aber sie blieben auf ihren Irrwegen. Gott klopfte durch Jesus an, aber die Türen der Herzen blieben zu.

Wovon rede ich eigentlich? Rede ich von Bethsaida oder von Essen? Ich glaube, ich rede von Essen. Es gibt wenige Städte, wo Gott so viel getan hat. Seit der Reformation ist hier in Essen immer wieder das Kreuz Jesu gewaltig aufgerichtet worden. Essen hat große und gewaltige Evangelisationen erlebt. Essen hat an der Jahrhundertwende eine gewaltige Erweckung erfahren, die bis in die Gegenwart hineinwirkt.

Die Stadt wurde immer wieder mächtig gerufen, während solche Taten zu Tyrus und Sidon geschehen. Sie hätten vor Zeiten in Sack und Asche Buße getan. Nun haben wir den Eindruck, dass in Essen sehr viele Menschen umkehren.

Schon ein erschreckendes Wort, das der Herr Jesus sagt: „Du wirst in die Hölle hinuntergestoßen werden.“ Ich bitte Sie, nehmen Sie das nicht als Metapher, nehmen Sie es bitte ganz ernst. Jesus spricht keine Übertreibung. Wir übertreiben, aber Jesus nicht. Wenn er sagt, „du wirst in die Hölle hinuntergestoßen werden“, dann meint er Hölle.

Als ich bei meiner großen Evangelisation in Kiel das Wort „Hölle“ sagte, kamen viele Menschen und fragten: „Wie stellen Sie sich die Hölle vor?“ Ich sagte: „Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich weiß nur, dass heute Morgen viele Leute Tennis spielen, reiten, rausfahren und Gott nicht wollen. Und sie dürfen in Ewigkeit los sein, weil es sich niemand aufdrängt!“

In der Hölle darfst du stundenlang Sonntagmorgen Sport treiben, du darfst gottlos sein, aber du darfst nichts anderes mehr sein. Er bietet dir nicht mehr die Hand zum Frieden! Da gibt es keine Evangeliumspredigt, da wird das Wort vom Kreuz nicht mehr gesagt. In der Hölle weiß man nichts vom Heil.

Wegen der Hölle ist das Halle vernommen, dass einst von der Hölle heißt, dass die völlige Welt ohne Gott ist. Nehmen wir sehr ernst, was Jesus hier sagt. Armes Bethsaida, armes Bethsaida, so werden die Hölligen hinuntergestoßen werden.

Und aus dieser Stadt werden nun drei Männer herausgerissen: Andreas, Petrus und Philippus – also aus einer ganzen Stadt dreimal, unser Philippus.

Sehen Sie, im Propheten Sacharja steht ein wundervolles Wort über den Hohenpriester Josua: „Er ist wie ein Brand aus dem Feuer gerettet.“ Wörtlich heißt es: Er ist ein Brand aus dem Feuer gerettet. Philippus ist aus der von Gott bereits verurteilten Stadt wie ein Brand aus dem Feuer gerettet.

Meine Freunde, es ist ein wunderbares Bild, wie nur die Bibel solche Bilder bieten kann. Stellen Sie sich vor, da ist Krieg und Brand, das Schloss wird überfallen, angezündet, und man wirft alles hinein, was brennt: Möbel, alles Mögliche. Auf einmal sieht einer, dass ein kostbares Gemälde reingeworfen wird. Es fängt schon Feuer, er packt es und reißt es heraus. Es ist gerettet. Er hat es wie einen Brand aus dem Feuer gerettet.

So ist Philippus aus Bethsaida gerettet worden. Und jetzt will ich Ihnen sagen: Darum geht es tatsächlich bei Jesus. Nicht um ein bisschen Weihrauch und Religion, sondern um Errettung von der tiefen Hölle. Das hörten wir im Psalm 86: „Du hast mich errettet von der tiefen Hölle.“

Es geht um eine ernste Sache, wenn der Sohn Gottes auf Golgatha stirbt – einen Brand aus dem Feuer gerettet. Philippus, was ist hier geschehen?

Und nun höre ich die Stimme meiner heimgegangenen Mutter, die uns Kinder oft einfach so ermahnte: „Seht zu, dass ihr nicht mit der Welt ewig verlobt geht.“ Das ist mir tief eingeprägt.

Kinder, seht zu, dass ihr nicht mit der Welt ewig verlobt geht.

Im Blick auf dieses gerettete Reich, auch das Reich der Geretteten, das Reich Gottes, haben unsere Väter gebetet: „Kommen viele nicht hinein, lasst mich unter wenigen sein.“ Jungs, macht euch los von der Masse, aber seht zu, dass ihr selig werdet.

Kommen viele nicht hinein, dann lasst mich unter wenigen sein. Habt den Mut, den schmalen Weg zu leben, allein zu gehen, wie Philippus, Petrus und Andreas. Drei Männer gegen den Strom, auf dem Weg zum Leben – auch im Leben mit Jesus. Jesus sagt: „Ich bin das Leben.“

Philippus: Ein unberühmter und doch gesegneter Jünger

Lassen Sie mich noch kurz ein Drittes sagen: Einiges aus dem Leben eines Jesusjüngers – vom Philippus zum Theophilus – ein Brand aus dem Feuer gerettet. Und lassen Sie mich zum Schluss noch Folgendes sagen: Unberühmt und doch Werkzeug Gottes.

Der Philippus steht nicht in den Büchern der Weltgeschichte, wie sein großer Namensvetter, der König Philippus von Mazedonien. Der Philippus steht nicht einmal in den Büchern der Kirchengeschichte groß, wie der Petrus. Nicht mit dem Petrus-Motzpohaie bis zum heutigen Tag. Aber wer spricht schon von Philippus? Wir wissen schrecklich wenig, jämmerlich wenig von ihm.

Sehen Sie, in der Apostelgeschichte kommt Philippus vor bei der Geschichte mit dem Kämmerer aus dem Hohenland. Das war ein anderer – das war Diakon Philippus. Was nach Pfingsten kommt, da ist Philippus nicht mehr dabei. Es gibt nur ein Gerücht, dass er in Kleinasien, in Phrygien, missioniert habe und dann als Märtyrer gestorben sei. Aber auch das ist ein Gerücht, wir wissen einfach nichts.

Ein unberühmter Mann und doch gesegnet. Woher ich das weiß, das muss ich Ihnen eben noch kurz sagen. Sehen Sie, es gibt eine Szene in der Bibel, die ich erwähnen muss, wenn ich von Philippus und Predigen sprechen will – eine unerhörte Szene. Die fängt so an: Die Feinde Jesu wurden unsinnig vor Zorn und überlegten, wie sie ihn töten könnten. Und als Antwort geht Jesus eine Nacht auf einen Berg ganz allein und bittet vom Vater für seine Apostel.

Als es Morgen wird, geht er auf einen Berg und ruft die Zwölf mit Namen und sagt ihnen, dass sie seine Gesandten sein sollen – Gesandte des Reiches Gottes. Wissen Sie, wie das deutsche Reich gegründet wurde? In Versailles, während die Kanonen vor Paris donnerten, im Jahr 1870. So wird hier gleichsam das Apostolat gegründet, während die Feinde unsinnig überlegen, wie sie ihn töten dürfen.

Eine erfahrene Stunde ergreift Jesus und setzt sie zu Aposteln. Und da wird gesagt: Unter diesen Zwölfen ist Philippus. Wenn Jesus einen Menschen ruft und zum Segen setzt, dann ist er zum Segen gesetzt – daran kann niemand rütteln. Und wenn die Welt keine Notiz davon nimmt, dann nehmen die Bücher Gottes umso mehr davon Notiz.

Damit stehen sehr wichtige Fragen im Raum, nämlich die der Jüngerschaft. Mir scheint es viel wichtiger zu sein, ob ich in der Welt etwas werde oder ein Segen Gottes bin. Ich will nicht nur etwas werden, ich will ein Segen sein – eine Erquickung für meine Umwelt.

Ihr seht alle, etwas werden ist gut. Ich wünsche euch allen, dass ihr Generaldirektoren werdet, von mir aus. Aber ihr habt nur ein Leben, und man könnte am Ende zu wenig geworden sein. Das ist der Lebensinhalt: dass ich mich von Jesus zum Segen setzen lasse für meine Umwelt, die mir ihr Leben anvertraut.

Wir wollen beten: Herr, wir danken dir, dass du unserem Leben einen völlig neuen Inhalt, eine völlig neue Richtung und ein völlig neues Heil geben kannst. Oh Herr, lass uns nicht leer ausgehen, lass uns dabei sein. Herr, wir sind so abhängig von der Umwelt – lass uns doch abhängig werden von dir und deiner Wahrheit. Amen.