Generierte Mitschrift
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Einleitung und persönliche Hinführung
Also, es freut mich, dass so viele Leute Interesse an James Packer haben, an einem bekannten Mann durch seine Bücher und seine Werke, an einem Mann, der noch unter uns weilt. Das ist ja auch nicht häufig so. Meistens werden irgendwelche Biografien über Männer aus der Kirchengeschichte gehalten, die schon lange beim Herrn sind.
Und ich möchte jetzt mein Seminar über James Packer beginnen. Ich bin Benjamin Schmidt. Ich bin Teil des Vorstands von FNG 21. Ich bin normalerweise für die Finanzen zuständig, und heute darf ich auch einen Vortrag halten. Das freut mich sehr.
Als ich angefragt wurde: „Ben, möchtest du ein Seminar halten über einen Mann, eine Person aus der Kirchengeschichte, einen biografischen Vortrag halten?“, da kamen mir direkt zwei Männer in den Sinn. Zwei Männer, die mich sehr geprägt haben in meinem Glaubensleben.
Der eine, der mir in den Sinn kam, der erste eigentlich, gilt als der grösste Denker im puritanischen Lager. Er wurde auch schon als der Fürst der Puritaner und der Fürst der Theologie bezeichnet. Wer weiss es? Wer war dieser erste Mann, der Fürst der Puritaner, der mir in den Sinn kam? John Owen, richtig, genau. John Owen war die erste Person, die mir in den Sinn kam.
Und ich habe kurz eine, zwei Minuten mit dem Gedanken gespielt: Soll ich John Owen heute nehmen? Ein Vortrag über John Owen wäre sehr, sehr lehrreich gewesen, sehr interessant. Und ich habe mir gedacht: Nein, aber die andere Person, die selbst sehr viel von John Owen gelernt hat, die andere Person, die heute noch lebt und die deshalb für mich auch reizvoller wäre, die ist James I. Packer. Und ich habe mich für James I. Packer entschieden, auch ein Engländer.
Und das nicht, weil ich ein besonderes Faible für Briten hätte oder selber Anglikaner wäre oder so etwas. Auch nicht, weil ich mal wieder ein positives Licht auf Grossbritannien werfen will, was ja in den Tagen heute ein bisschen schwierig ist. Sondern der Grund, warum ich mich für Packer entschieden habe, ist, dass er, seit ich mit 22 Jahren zum Glauben gekommen bin und jetzt 15 Jahre mit dem Herrn Jesus unterwegs bin, für mich ein grosser Trost war. Grosse Belehrung, aber auf eine sehr, sehr seelsorgerliche Art und Weise.
Packer verbindet sowohl Systematik als auch tiefe Theologie mit einem Herzensanliegen, seinen Lesern wirklich die Freude an Gott, die Begeisterung für Gott und die Liebe zu Gott zu wecken. Und so wurde Packer, er lebt noch, er ist mittlerweile 94 Jahre alt, für mich zu so einem Grossvater des Glaubens.
Das erste Mal begegnete mir Packer, als ich John Owens Buch Leben durch seinen Tod las, zu dem Packer 1958 ein 33-seitiges Vorwort geschrieben hat. Und allein das Vorwort ist es wirklich wert, gelesen zu werden. Das sollte schon allein ein eigenes Buch werden. Es lohnt sich, dieses Vorwort zu lesen.
Wenn ihr das Buch von John Owen, es ist bei Christian Beese erschienen, Leben durch seinen Tod, einmal in die Hand bekommt, kauft es unbedingt. Lest das Vorwort, studiert es, und dann widmet euch dem Rest des Buchs. Es lohnt sich.
Warum diese Biografie und was sie zeigen soll
Warum eine Biografie? Ich muss sagen: Bei der Vorbereitung habe ich gemerkt, dass es einfacher wäre, Christus zu predigen. Ich habe oft bei der Vorbereitung gedacht: Mensch, ich würde viel lieber über Christus predigen, den, der hinter Packer steht, Christus, von dem Packer selbst begeistert ist. Es ist einfacher, über Christus zu predigen, weil wir Christus und seine Herrlichkeit gar nicht genug betonen können. Wir können nicht zu sehr von Christus begeistert sein.
Und wenn ich einen Sterblichen, einen sündhaften Menschen, hier in dieser Biografie betrachte, da habe ich schon manchmal gedacht: Mensch, es wäre schöner, Christus zu betrachten. Dann kam mir aber immer wieder in den Sinn: Wenn Packer jetzt hier wäre, würde er sagen: Christus ist der, der mich zu dem gemacht hat, was ich heute bin. Also: Wenn du von meinem Leben sprichst, dann beleuchtest du sehr, sehr viel von dem, was Christus ist und was er getan hat.
Und damit wir das auch tun, damit wir hinter der Person Packer Gottes Wirken sehen, die Herrlichkeit Christi sehen, die Schönheit Christi sehen, möchte ich Gott noch unbedingt um seinen Segen für dieses Seminar bitten.
Großer Gott, dass du, der Schöpfer und Erhalter des Universums, dich um Individuen wie uns sorgst, dass du Individuen wie uns erwählt hast, erlöst hast, zu deinen Kindern gemacht hast und dass du an uns arbeitest und mit diesem guten Werk, das du begonnen hast, nicht aufhörst bis zu dem Tag, an dem Christus in seiner Herrlichkeit wiederkommt und uns verwandeln wird. Herr, dafür sei dir in Ewigkeit Lob, Dank und Ehre.
Wir möchten dir danken für James I. Packer. Wir möchten dir danken, dass du ihn zu deinem Kind gemacht hast und ihn zu einem wirklich großartigen Werkzeug gemacht hast. Und dass du ihm eine Demut gegeben hast, dass er sich immer wieder hinter dir zurückstellt, dass er dich mehr liebt als je zuvor, dass er wie ein Kind ist, das immer mehr dich erforschen will.
Und darum bitten wir dich, Herr: Gib uns diese gleiche Gesinnung, die er durch deinen Geist bekommen hat und die auch wir brauchen, Herr. Amen.
Kindheit unter schwierigen Voraussetzungen
Ich möchte gerne bei Peckers Kindheit anfangen. Würde man seine Kindheit überschreiben, dann wäre eine passende Überschrift, wenn ich eine Biografie schreiben würde: Werdegang eines armen, kranken, einsamen Jungen. Oder kürzer gefasst: Was soll aus dem nur mal werden? Das wäre eine sehr gute Überschrift über Peckers Kindheit.
Pecker wurde am 22.07.1926 als ältestes von zwei Kindern in Südengland geboren, in einer unteren Mittelklasse. Sein Vater arbeitete für die Bahn in England und hatte eigentlich einen sehr wenig aufregenden Job. Er war nämlich dafür zuständig, sich um verlorene Gepäckstücke zu kümmern. Das war die Aufgabe des Vaters von James I. Packer.
Packer war häufig nach der Schule bei seinem Vater auf der Arbeit und hat dort gerne mit der Schreibmaschine gespielt. Es gab zwei Schreibmaschinen, die damals noch topmodern waren. Er setzte sich hin und schrieb total gerne kurze Geschichten und Ähnliches. Aber beide Elternteile, die Mutter und der Vater von James I. Packer, waren nominelle Christen, jedoch ohne jede Beziehung zu Jesus. Weder der Vater noch die Mutter glaubten wirklich an Jesus Christus im biblischen Sinne. Sie gingen in die Kirche, ja, sie waren nominell zugehörig zur anglikanischen Kirche, aber sie konnten mit Christus wenig anfangen.
Menschlich gesehen hatte Packer nichts vorzuweisen. Und später werden wir sehen: weder intellektuell von seinem Ursprung her, noch irgendwie von seinem Stand, von seinem sozialen Stand oder sonst irgendwie hätte Pecker etwas vorzuweisen gehabt, um anderen Leuten zu imponieren. Und dennoch imponierte er, indem er die Intellektuellsten seiner Zeit in Diskussionen über Gottes Wort herausforderte.
Peckers Kindheit war von Einsamkeit geprägt. Er war ein Kerl, oder ist nach wie vor ein Kerl, der mit sich selbst sehr zufrieden ist, mit sich als Person. Er macht gerne alleine Spaziergänge, das hat er schon als Kind gerne gemacht. Er hatte nicht viele Freunde, er war ein Einzelgänger. Aber später, das werden wir noch sehen, wurde er zu jemandem, der für andere da war und der eine Liebe zur Gemeinschaft mit anderen Christen kultivierte.
Mit sieben Jahren hatte Packer einen schweren Unfall. Er war ein Kind, das häufig gemobbt wurde, weil er ein Einzelgänger war, weil er ein bisschen sonderbar war, weil er nicht bei dem Quatsch der anderen Jungs mitmachte. Und so war es eines Tages im Alter von sieben Jahren, dass er auf dem Schulhof war. Einige Jungs kamen und ärgerten ihn. Sie jagten ihn über den Schulhof. Packer rannte los und wollte vom Schulhof wegrennen, rannte aber direkt in einen Brotlaster hinein. Es war ein so krasser Unfall, dass er direkt in die Notfallstation gebracht werden musste. Er musste operiert werden, die Ärzte dort vor Ort waren überfordert. Er musste nach Wien gebracht werden, nach Österreich. Anscheinend waren dort damals die Ärzte besser und kümmerten sich um ihn. Es musste ein Stück seiner Schädelplatte entfernt werden, damit sein Gehirn nicht beschädigt wurde. Er wurde mehrfach operiert, und er hat sich sein ganzes Leben bis heute nicht wirklich von diesem Unfall erholt. Er leidet bis heute unter den Folgen dieses schweren Unfalls.
Die Konsequenz daraus für die Eltern, die kein Gottvertrauen hatten, war: Wir müssen unseren Sohn isolieren. Der ohnehin schon sehr einsame Packer, der mit sich selbst zwar zufrieden war, sich aber doch gewünscht hatte, ein bisschen so zu sein wie die anderen Kinder, wurde noch mehr zurückgezogen von den Eltern. Sie nahmen ihn von der Schule runter, sie verboten ihm jeglichen Kontakt mit anderen Kindern, kein Fußballspielen, kein Cricketspielen, was er liebend gerne gemacht hätte, kein Fahrradfahren. Es war sein großer Traum, ein eigenes Fahrrad zu bekommen. All das hielten seine Eltern von ihm fern.
Und was in dem Moment wie ein trauriges Schicksal für einen ohnehin schon sehr einsamen Jungen aussah, war Gottes Plan, ein weiteres Kapitel, um sich ein großes Werkzeug zuzubereiten. Denn nach dem Unfall wurde Packer nicht nur von seinen Eltern abgeschottet, sondern er musste auch sechs Monate von der Schule fernbleiben und zur Erholung zu einer Tante gehen. Diese Tante hatte eine große Bibliothek, nicht nur christliche Literatur, sondern auch Agatha Christie. Das hat sich Packer erstmals gewidmet, erstmals den schönen vielen Kriminalromanen, die sie hatte, und er entwickelte eine Liebe zu Büchern. Er wurde eine richtige Leseratte und merkte: Die Freunde, die mir in der Schule immer gefehlt haben, die Freunde, die mir in meiner Kindheit und im Heranwachsen gefehlt haben, die finde ich in Büchern. Das war Gottes Weg, um Packer zu den Büchern zu führen.
Mit elf Jahren hatte Packer zwei große Wünsche, nämlich ein Fahrrad zu bekommen und ein großer Cricketspieler zu werden, und beides war unmöglich, das wusste er. Stattdessen erhielt er von seinen Eltern zum elften Geburtstag eine Schreibmaschine. Und die Eltern dachten sich erst: Hoffentlich ist er nicht enttäuscht, hoffentlich wird er nicht traurig sein und sich wieder nach dem normalen Kinderleben sehnen. Nein, Packer nahm die Schreibmaschine, setzte sich hin und fing an, Geschichten aufzuschreiben. Er fing an, Seite um Seite zu schreiben.
Das ist eine erste Anwendung, eine kurze Anwendung für euch als vielleicht Einzelgänger, für euch als Eltern, wenn ihr Sorge um eure Kinder habt: Gott ist mächtig, selbst aus dem Einsamsten, aus einem Verunfallten, aus einem körperlich beeinträchtigten Menschen etwas Wunderbares zu machen. Gott ist in der Lage, Gott, der aus dem Nichts etwas schaffen kann, kann aus allem etwas machen.
Erste geistliche Prägungen und der Weg nach Oxford
Trotz der Fürsorge seiner Eltern, was seinen physischen Zustand anging, hegten sie keinerlei Sorge um die Seele ihres Sohnes. Darüber machten sie sich überhaupt keine Gedanken. Packer wuchs mit einer sehr, sehr begrenzten Vorstellung von Gott auf. Vielleicht gleicht er damit dem einen oder anderen von uns hier, der keine gläubigen Eltern hat. Vielleicht jemand von euch, der in einem landeskirchlichen oder sehr liberalen Kontext aufgewachsen ist und seit der Kindheit eigentlich nur eine sehr begrenzte Vorstellung von Gott mitgeteilt bekommen hat. Und ihr denkt euch: Ich beneide die, die vielleicht Väter haben, die Pastoren sind, oder Väter haben, die von klein auf ihren Kindern Gottes Wort nahebringen. Packer hatte das alles nicht, und doch konnte Gott etwas Gutes daraus machen. Also seid ermutigt!
Packer und seine Eltern hielten sich für Christen, ganz einfach weil sie der Kirche angehörten, ganz einfach weil sie an Ostern und Weihnachten zur Kirche gingen, ganz einfach weil sie glaubten, dass es einen Gott gibt, und weil sie den Lehren der Kirche folgten. Für sie war klar: Wir sind Christen. Da gibt es kein Problem, und da gibt es nichts zu tun.
Ein interessanter Aspekt ist, dass die weiterführende Schule, die er als Teenager besuchte, dieselbe Schule war, die zweihundert Jahre zuvor George Whitefield besucht hatte. Aber dieser Name hatte für Packer keinerlei Bedeutung: George Whitefield, irgendein alter Mann, der irgendwann einmal gelebt hat, keinerlei Relevanz.
Ein kleiner Baustein auf dem Weg zur wahren Gotteserkenntnis für Packer war sein Englischlehrer in der zehnten Klasse. Packer war ungefähr sechzehn Jahre alt, und sein Englischlehrer hatte gerade C. S. Lewis entdeckt, der zu dieser Zeit aktiv wurde und gerade auch zum Glauben gekommen war. Der Englischlehrer von Packer gab seinen Schülern die Screwtape Letters zu lesen, weil er sie für großartige Literatur hielt.
Also saß Packer dort im Englischunterricht und las die Screwtape Letters von C. S. Lewis und dachte sich: Mensch, was für ein interessanter Ansatz zu schreiben. Was für eine interessante Theologie dahinter. Über so etwas habe ich noch nie nachgedacht. Packer suchte nach weiteren Büchern von C. S. Lewis, und er fand sie auch. Im selben Jahr, in dem die Screwtape Letters erschienen, erschien auch der erste Band von Mere Christianity, der später zusammengefasst wurde. Der erste Band hieß What Christians Believe.
Packer nahm dieses Buch und las es durch. Er war begeistert, fand gut, was darin stand, und fühlte sich in seinem Glauben irgendwie bestätigt. Das ist ja das, was in der Kirche an Weihnachten und Ostern gelehrt wird. Das ist ja das, was wir als Anglikaner seit Generationen glauben. Also ist alles in Ordnung.
Aber bis dahin besaß Packer weder eine Bibel, noch verstand er irgendetwas von Bekehrung oder Rechtfertigung allein aus Glauben. Und deswegen sah er auch keine Notwendigkeit dafür.
Mit siebzehn Jahren war Packer trotz seiner Einschränkungen ein absoluter Überflieger in der Schule, sodass sein Lehrer ihn für Oxford empfahl. Er ging mit siebzehn Jahren nach Oxford und machte dort einen Einführungskurs und einen Test, einen Aufnahmetest. Er hätte ein Stipendium bekommen, aber Oxford sagte: Du bist zu jung. Warte noch ein Jahr, und dann komm wieder, und dann geben wir dir eine Möglichkeit.
Und so war es auch. Packer wartete das Jahr und verbrachte es mit Schreiben von Kurzgeschichten und mit viel Lesen. In Oxford angekommen, wählte er die Fächer, die ihn am meisten interessierten, nämlich Lesen, klassische Literatur, Geschichte und Philosophie. Das waren die Fächer, die Packer interessierten.
Zu dieser Zeit hielt er eine enge Brieffreundschaft mit einem einstigen Schulfreund von damals, Eric Taylor, der inzwischen zu Christus gefunden hatte und um Packers Heil besorgt war. Eric Taylor schrieb Packer viele Briefe, in denen er sagte: Du brauchst Christus. Du musst an Christus glauben, um vor Gott gerecht dazustehen. Packer las diese Briefe und sagte im Rückblick: Ich wusste gar nicht, was sein Problem ist. Ich glaubte doch, dass es einen Christus gibt.
Taylor vermittelte Packer an eine christliche Studentengemeinschaft in Oxford, in der Hoffnung, dass Packer dadurch zu Christus finden würde. Und so war es auch.
Bekehrung und erste theologische Entdeckungen
Der entscheidende Moment kam am 22. Oktober 1944. Pecker war 18 Jahre alt, als er in Oxford einen Gottesdienst der OICCU besuchte. OICCU ist so etwas Ähnliches wie die SMD in Deutschland, eine Studentenbewegung, nämlich die Oxford Intercollegiate Christian Union. Das war eine sehr evangelistische Studentenbewegung, die immer wieder wöchentlich Predigten abhielt, um Studenten, die nominell christlich aufgewachsen waren, aber keine Ahnung vom Evangelium hatten, mit dem Evangelium zu konfrontieren.
Pecker saß dort eines Abends bei einer Predigt, hörte dem Prediger vorne zu und konnte der ersten halben Stunde der Predigt gar nichts abgewinnen. Er war gelangweilt, er dachte: Wann ist der Abend endlich vorbei? Bis der Prediger zu einer persönlichen Erfahrung von sich kam. Er sprach von seiner eigenen Bekehrung. Der Prediger sprach davon, dass er selbst christlich aufgewachsen war, dass er selbst viel über Gott gehört hatte und vieles theoretisch über Gott kannte, aber Gott selbst nicht erkannt hatte.
Und da kam plötzlich Pecker ein inneres Bild vor Augen. Er sah einen Raum, in dem junge Leute saßen und Freude hatten, in dem junge Leute Gemeinschaft hatten. Und er sagte, es war, als würde ich durch ein Fenster diese Leute beobachten. Und ich weiß, was sie haben. Ich weiß, dass es ihnen gut geht. Ich weiß, was sie brauchen, um diese Gemeinschaft zu genießen. Und sie spielten ein Spiel in diesem Raum. Und er sagte, ich wusste auch, was das für ein Spiel ist und wie es zu spielen ist. Aber das Problem ist: Ich war außerhalb dieses Raums. Ich schaute durchs Fenster. Ich gehörte nicht dazu.
Eine interessante Erkenntnis, die Gott ihm da gegeben hatte. Ein interessantes Bild, in dem Pecker wirklich merkte: Das Entscheidende fehlt mir, ich bin nicht drinnen. Ich weiß viel über Christus, aber ich bin nicht in Christus. Ich weiß viel über Gott, aber ich gehöre nicht zu Gott. Das war der Abend, an dem Gott Pecker zu sich zog und an dem er sich hingab und Gott darum bat, ihn aufzunehmen.
Die OICCU-Studentenorganisation, über die Pecker zu Christus fand, war bibeltreu. Sie predigte das Evangelium, aber sie war auch sehr stark von einer Bewegung geprägt, nämlich der Keswick-Bewegung. Ich weiß nicht, wer von euch die Keswick-Bewegung kennt. Die gab es schon damals seit circa 70 Jahren, bevor Pecker dort in die Studentenbewegung kam. Und die Keswick-Bewegung vertrat eine vorrangige Lehre, nämlich: Du kannst Christ werden, ja, und du musst Christ werden. Aber um einen wirklich hohen christlichen Zustand zu erreichen, nämlich einen Zustand frei von Sünde, einen Zustand mit wahrer Freude an Gott, einen Zustand mit intensiver Gemeinschaft mit Gott, brauchst du noch etwas. Nämlich: Du erreichst diesen Zustand nur durch eine völlige Hingabe an Gott. Liefere dich völlig Gott aus, mach diese völlige Hingabe, und dann wirst du ein Leben frei von Sünde, ein Leben mit völliger Freude an Gott erleben.
Und Pecker war davon begeistert. Ich meine, wer von euch wäre nicht von diesem Zustand begeistert? Diese abartige Sünde loswerden, endlich dauerhaft Freude an Gott haben, die nicht betrübt wird durch unsere Schwachheit. Pecker wollte das, Pecker wollte mehr. Deswegen machte er es. Er lieferte sich völlig Gott aus und er wartete und wartete. Die Ernüchterung kam, und Pecker schrieb darüber im Rückblick: Es hat nicht funktioniert. Ich habe gemacht, was von mir verlangt wurde, aber es funktionierte nicht. Und ich war tief enttäuscht, ich war frustriert, ich war deprimiert, um ehrlich zu sein, es machte mich verrückt.
Es wird einem, sagt Pecker, ein Sieg über Sünde versprochen, und das ist das Entscheidende, der uns nirgendwo in der Schrift verheißen wird und wie ihn selbst die Apostel nie erlebt hatten. Und das ist eine wichtige Erkenntnis, die Pecker Zeit seines Lebens begleitet hat, nämlich: Was verheißt uns die Schrift? Nicht, was verheißt uns irgendein Prediger, was verheißt uns irgendeine Lehre, sondern was verheißt uns Gott in seinem Wort?
Wir können Gott wirklich dankbar sein, dass Pecker schon damals in jungen Jahren diese Erkenntnis hatte, dass er Gottes Wort zur Hand genommen hat und nachgeschaut hat und gesehen hat: Ich finde diese Verheißung nicht. Sondern Gott verheißt trotz Schwachheit, trotz Fallen, dass Christus für uns den Sieg errungen hat.
Und wo fand Pecker diese Erkenntnis? In John Owen. Es war so, dass Pecker in Oxford, weil er für seine Bücherliebe bekannt war, als rechte Hand des Bibliothekars eingeteilt wurde. Das heißt, er arbeitete in der Bibliothek, er nutzte seine Zeit, um Bücher zu lesen, und eines Tages, angeblich beim Abstauben von Büchern, stieß er plötzlich auf einen ganz dicken Band von John Owen. Er nahm ihn heraus, schlug ihn auf und las The Mortification of Sin.
Und er sagt: Das hat mich umgehauen, das hat mich getroffen, das hat mich überführt, und ich habe die Antwort auf meine Frage bekommen, wie kann ich gerechtfertigt vor Gott und Christus sein und doch noch so viel Schuld mit mir herumtragen? Wie kann ich ein Leben im Kampf gegen die Sünde führen und dabei nicht frustriert sein, durch diese ganzen Niederschläge nicht verzweifeln? John Owen hat ihm da die Antwort gegeben, John Owen hat ihn aufgebaut, und damit begann der Einfluss der Puritaner auf James Pecker, der sein Denken, sein ganzes Glaubensleben lang geprägt hat.
Studium, Lehre und frühe öffentliche Wirkung
Ende 1940 begann Packer, sich intensiv mit den Puritanern zu beschäftigen. Er fing mit einer Biografie von Whitefield an, nachdem er entdeckt hatte: Mensch, der Kerl war ja auf derselben Schule wie ich damals. Ich muss mehr über ihn herausfinden.
Und Packer setzte sich hin, nutzte seine Schreibmaschine und wurde missionarisch. Er schrieb all seinen Freunden, die selbst durch die Keswick-Bewegung beeinflusst waren, eine Ausarbeitung, eine zwanzigseitige Ausarbeitung über das, was er von John Owen gelernt hatte.
Das ist Packer, und das ist ein Vorbild für mich. Erkenntnis, die wir gewinnen, behalten wir nicht für uns, wenn uns Gott etwas offenbart, sondern geben es weiter. Mit Liebe, mit einem Herzensanliegen. Mit Liebe zu unseren Geschwistern, zu unserem Nächsten. Wir geben uns Mühe und setzen uns hin und arbeiten das aus, was wir gelernt haben.
Das hat Packer als junger Christ getan, gerade zum Glauben gekommen, gerade mit großen Kardinalfragen des Glaubens konfrontiert worden. Er hat sich diese Mühe sofort gemacht. Er hat nicht gesagt: Ich bin noch zu jung im Glauben. Er hat nicht gesagt: Ich bin noch nicht mal ein Jahr Christ und will jetzt anderen sagen, wie das Glaubensleben aussieht. Nein. Er hat von dem geistlichen Schatz, den er bei anderen entdeckt hat, profitiert und ihn weitergegeben.
Packer bezeichnet sich einmal in einem Buch als einen Robin Hood, der die geistlichen Reichtümer anderer klaut und sie den Bedürftigen gibt. Und genau so ist er auch, und genau diesen Humor hat er auch bis heute.
Zu Packers Studium der klassischen Literatur in Oxford gehörte auch das Erlernen von Altgriechisch und Latein. Durch Gottes Vorsehung bekam er in Oxford einen Abschluss, einen Bachelor of Arts, und über Beziehungen und Empfehlungen seines Chefs, des Bibliothekars, bekam er direkt eine einjährige Anstellung in Oak Hill am Theological College als Lehrer für Altgriechisch und Latein.
Also: Gott hat da Beziehungen und Kontakte geknüpft, sodass er direkt nach Oxford anfangen konnte zu unterrichten. Das war sehr ungewöhnlich.
Und Packer überlegte erst: Ist das was für mich? Ist das ein Job für mich, den Einzelgänger Packer, der nie Freunde in der Schule hatte, dessen jetzige Freunde alle seit 400 Jahren tot sind? Ist das was für mich?
Er sagt selbst, dass er ein zu schüchterner und verschlossener Mann war, der keinerlei Potenzial hatte, Lehrer zu sein, weil er sich fast schon vor sich selbst fürchtete. Aber ihr wisst es: Gott ist groß, Gott ist gewaltig.
Was hat Gott gemacht? Gott hat ihn so sehr in London gebraucht, dass die Schüler ihn liebten. Dass sie an seinen Lippen hingen. Dass er mittlerweile in diesem einen Jahr zu dem beliebtesten Lehrer wurde, sodass teilweise die anderen Lehrer Probleme hatten, weil sich alle bald bei Packer einschreiben wollten.
Und Packer hatte eine Gewohnheit, nämlich dass er sich beim gemeinsamen Essen mit den Schülern immer eine theologische Frage überlegte, obwohl seine Aufgabe eigentlich Englisch, Altgriechisch und Latein war. So kamen die Schüler zu ihm, setzten sich zu ihm an den Tisch, und er gab mehreren Schülern theologische Fragen. Und wenn sie dann an diesem Tag zu ihm zurückkamen, bekam der Erste, der ihm eine Antwort gab, von ihm ein Geschenk.
Meistens war es der Nachtisch, so heißt es in der Biografie, den Packer übrig behalten hatte und den vielleicht nur Lehrer bekamen. Ich weiß nicht, warum die so scharf darauf waren, aber so nutzte Packer, der eigentlich so verschlossen war, die Gaben, die Gott ihm gegeben hatte, um andere zu bereichern. Gott ist groß.
Während seiner Zeit in London lernte er auch noch einen anderen guten Mann kennen, der sehr durch die Puritaner geprägt war, nämlich Martyn Lloyd-Jones. Packer und Martyn Lloyd-Jones verstanden sich auf Anhieb gut. Die Tochter von Martyn Lloyd-Jones war auch in Oxford mit Packer in einem Jahrgang gewesen. Und sie beide stellten fest, was für eine Leidenschaft sie für die Puritaner hegten.
Wenn ihr heute denkt: Ja, Puritaner kennt man ja, 3L Verlag und andere haben schon viel über die Puritaner gelesen, damals, zu der Zeit, sind sie fast in Vergessenheit geraten. Es gab nur wenige, die die Puritaner kannten und zu schätzen wussten. Und Martyn Lloyd-Jones war einer von ihnen, weshalb Packer sehr, sehr froh war.
Packer besuchte mehrmals die Gottesdienste von Martyn Lloyd-Jones. Aber weil Martyn Lloyd-Jones einer anderen Kirchendenomination angehörte als Packer und Packer sehr an der anglikanischen Kirche hing, schloss er sich nicht dessen Kirche an. Aber er schätzte ihn, er liebte ihn, und er besuchte immer wieder seine Gottesdienste.
Und so nahm er eines Tages den Mut auf und ging zusammen mit einem anderen Freund zu Martyn Lloyd-Jones. Sie sagten: Mensch, wenn wir die Puritaner so sehr lieben und wenn sie uns so viel über Christus beigebracht haben, warum halten wir nicht Vorträge für andere Menschen ab, die auch die Puritaner kennenlernen müssen, die auch diesen Schatz erleben müssen, die auch Christus in der Weise erkennen müssen, wie die Puritaner ihn predigen?
Und so fand auf Packers und Martyn Lloyd-Jones’ Bestreben hin im Dezember 1950 die erste Puritan-Konferenz statt, sechs Jahre, nachdem Packer zum Glauben gekommen war. Schon bald war er Leiter einer großen Puritan-Konferenz. Und es war nicht die letzte Puritan-Konferenz.
Das Ziel dieser Konferenzen war es, Theologiestudenten, junge Pastoren und alle, die eine Leidenschaft für Theologie haben und dies brauchen, die Bedürftigen, durch intellektuell ansprechende, aber auch pastoral ermutigende Predigten eine gesunde Lehre zu vermitteln.
Nach seinem kurzen, einjährigen Ausflug in ein Leben als Lehrer zog es Packer 1949 wieder nach Oxford zurück, nun aber in Wycliffe Hall, um dort Theologie zu studieren. Vorher hatte er Altgriechisch und Latein, jetzt wollte er Theologie studieren. Er merkte: Da ist Bedarf bei mir. Ich habe viel gelernt, aber es sind noch so viele Lücken da. Ich muss gerade meine Sprachen, die ich gelernt habe, dazu verwenden, um Gottes Wort besser kennenzulernen.
Das tat er. Er absolvierte 1952 und stieg in den geistlichen Dienst der anglikanischen Kirche ein. 1953 wurde er zum Priester ordiniert und engagierte sich erstmals im evangelikalen Flügel der Church of England, die damals noch sehr, sehr klein war. Nämlich die Kirche von England war zu der Zeit noch sehr liberal.
Konflikte, Reifung und neue Aufgaben
Nach zwei Jahren im kirchlichen Dienst entschloss sich Packer, wieder Lehrer zu werden. Er merkte: Der geistliche Dienst als Prediger ist gut, er ist sinnvoll, aber er ist nicht mein Dienst, es ist nicht meine Begabung. Ich muss mich hinsetzen, muss studieren, muss das aufschreiben.
Er war nun in Tyndale Hall, einem evangelikalen College in Bristol, und dort lagen ihm, wie zuvor auch, die jungen Studenten am Herzen. Es war ihm ein Anliegen, sie vom liberalen Einfluss zu befreien, indem er die neue Generation geistlicher Leiter schon im Studium prägte, damit sie schon während ihrer Ausbildung Gottes Wort lieben lernten.
Dort gab es allerdings einige Probleme. Packer machte seine Arbeit herausragend. Viele Studenten schrieben sich dort ein, die vorher nur die Möglichkeit gehabt hatten, sich an einem liberalen Institut einzuschreiben. Nun hatten sie die Möglichkeit, an ein evangelikales Institut zu gehen.
Packer machte seine Arbeit gut, aber es war ihm ein Dorn im Auge, dass in Tyndale Hall die Keswick-Bewegung noch sehr, sehr stark ausgeprägt war. Er holte sein damals zwanzigseitiges Pamphlet hervor, das er nur an seine Freunde verteilt hatte, überarbeitete es und druckte es in einer evangelikalen Zeitschrift ab, ohne Rücksprache mit Tyndale Hall.
Die Quittung kam. Die Vorsitzenden von Tyndale Hall kamen zu ihm und sagten: Es geht nicht, Junge. Unsere ganzen Geldgeber, unsere Spender, unsere Unterstützer sind einfach vor den Kopf gestoßen von dir. Du hast eine Lehre, an der sie hängen und die sie lieben, als unbiblisch entlarvt oder so beschrieben. Sie legten ihm nahe zu gehen.
Packer blieb noch zwei weitere Jahre dort, musste dann aber gehen, weil das Verhältnis durch diese Auseinandersetzung so zerrüttet war. Das ist sehr, sehr schade. Doch Packer lernte dadurch auch etwas, wie er im Nachhinein sagte. Er lernte: Wenn ich die Wahrheit weitergebe, muss ich sehr, sehr vorsichtig sein, wie ich sie weitergebe. Wenn ich Menschen für eine Wahrheit gewinnen will, dann muss ich ihre Herzen gewinnen.
Es folgten neun Jahre, von 1960 bis 1970, in Latimer House, wieder in Oxford, unter erneut sehr herausfordernden Umständen. Denn bevor er Tyndale Hall verlassen hatte, wurde ihm in Latimer House in Oxford eine Stelle angeboten. Er sollte dort Bibliothekar sein, zusammen mit zwei anderen Freunden aus Oxford. Es waren drei sehr eng befreundete Männer, die viel voneinander gelernt hatten. Sie dachten: Das ist perfekt. Drei Freunde, die alle das gleiche Anliegen haben, starten gemeinsam ein evangelikales Institut, wo junge Leute Gottes Wort lieben lernen.
Packer kam dort an, hatte schon sein Zimmer eingerichtet, dann hieß es plötzlich: Einer der Freunde ist abgesprungen. Es gab Streit, und er hatte keine Lust mehr. Ihr seid nur noch zu zweit. Der andere Freund nahm Packer dann plötzlich den Job ab, den Packer haben wollte. Das heißt, Packer war schon vor Ort und musste einen Job machen, den er eigentlich gar nicht machen wollte, nämlich als Vorsitzender. Das war auch sehr, sehr anspannend für ihn, und er war ein bisschen frustriert. Er sagt: Ich war total baff, als ich die Entscheidung hörte.
Aber, und das ist auch für mich, der ich wirklich Schwierigkeiten habe, mit solchen Dingen umzugehen und solche Sachen als Gottes Vorsehung anzusehen, beeindruckend, dass Packer den Job annahm und ihn treu ausführte. Er war nicht beleidigt. Er sagte nicht: Hier Leute, das war anders abgesprochen. Sondern er sagte: Wenn es so ist, vertraue ich auf Gott, dass die ganze Sache laufen wird. Und Packer machte seinen Job.
Nur dann wurde er neun Jahre später wieder zurück nach Tyndale Hall beordert, weil sie gemerkt hatten: Wir brauchen dich. In Tyndale Hall gab es jetzt, unabhängig von Packer, einige Streitigkeiten, sodass sie jemanden brauchten, der die Lage wieder gerade rückte, der eine gute Lehrtätigkeit machte und dort aushalf.
In der Zeit, in der er wieder in Tyndale Hall arbeitete, half er auch an der sehr, sehr bekannten Chicagoer Erklärung mit, und zwar als einziger Nichtamerikaner. Das zeigt, dass Packer wirklich der bekannteste Theologe seiner Zeit unter den Nichtamerikanern war. Und es wird tatsächlich so beschrieben: Packer war weltweit bekannt, Packer war in den USA bekannt und geschätzt.
Aber was macht Packer? Er geht an kleine Institute, wo junge Leute sind, die er prägen will. Er geht nicht an die großen Institute, wo irgendwelche großen Lehrer mit bekannten Namen sind. Nein, er bleibt dort an den kleinen Stellen, wo es Streitigkeiten gibt, wo manche Dinge nicht so schön sind, wo man sich über vieles ärgern kann, wo man vielleicht schlaflose Nächte hat. Aber er bleibt dort, weil er weiß: Das ist der Platz, wo ich junge Leute prägen kann und ihnen eine Liebe für Gottes Wort geben kann.
Internationale Wirkung und bleibendes Anliegen
In den Jahren 1972 bis 1979 lehrte er am Trinity College in Bristol. Während dieser Zeit bekam er einen weiteren Blick für den Zustand der evangelikalen Bewegung innerhalb der Kirche von England und der weltweiten Evangelikalen. So reiste er auch in der Welt umher, besuchte mehrere Konferenzen und predigte dort.
Letztendlich folgte er nach vielem Ringen einer Einladung seines alten Freundes aus Oxforder Tagen, James Houston, der sagte: Wir brauchen dich in Kanada. Packer sagte: Okay, der momentane Zustand ist so, ich habe fast alle evangelikalen Institute abgeklappert und habe meinen Einfluss hinterlassen, mit viel Demut. Ich versuchte, die anglikanische Kirche auf den rechten Weg zu bringen, und es hat viele Jahre sehr, sehr gut ausgesehen für die anglikanische Kirche.
Es ist ein starkes konservatives Lager entstanden, unter anderem dadurch, dass Packer sich hingestellt und mit liberalen Theologen aus der anglikanischen Kirche diskutiert hat. Ein Beispiel war, dass ein liberaler Theologe Packer herausgefordert hatte. Nachdem er sein Buch Fundamentalism and the Word of God herausgebracht hatte, kam ein liberaler Theologe zu dem Entschluss: Das ist so billig, man kann gar nicht daran glauben, dass die Bibel wirklich Gottes Wort ist. Diesen Packer muss man auseinandernehmen.
Und Packer ging an diesem Abend dorthin. Es waren 800 junge Studenten dort, Konservative und Liberale, und Packer hatte sich vorbereitet und predigte einfach seine Überzeugung, warum die Bibel Gottes Wort ist. Der liberale Theologe war der Meinung, bevor er Packer hörte: Das ist keine große Aufgabe. Ich bereite mich nicht vor, ich gehe da einfach mal hin und zerlege alle Argumente von diesem James I. Packer.
Und Packer predigte 75 Minuten lang seine Überzeugung, warum die Bibel das Wort Gottes ist. Der andere, der liberale Pastor, stand danach auf der Kanzel und wusste gar nicht, wie er das widerlegen sollte. Er zauberte dann irgendwie, versuchte aus seinem Ärmel etwas hervorzuholen über das synoptische Problem und fing an, durcheinander zu kommen und zu stottern, so dass am Ende alle konservativen jungen Leute sagten: Dieser Sieg ist für Gottes Wort errungen worden.
Und die Liberalen sagten: Moment mal, wir haben ein großes Problem. Ich glaube, wir schreiben uns auch an einem liberalen, an einem konservativen Institut ein, so dass wirklich ein großes Erstarken gerade dieser konservativen Institute war.
Packer hat all das getan, und er sah, es gibt Bedarf auch woanders. Ich kann nicht nur in England bleiben, sondern andere junge Leute brauchen meinen Einsatz. So ging er dann nach Kanada an das Regent College. Das Regent College, und dass es auch so spricht für Packer, war eigentlich von der Brüdergemeindlichen Richtung geprägt. Und er als Anglikaler kommt dorthin und predigt an einem brüdergemeindlichen Seminar.
Da muss ich wirklich sagen: Packer hat sehr feste Mauern, was die Wahrheit, die Orthodoxie des Evangeliums, des Wortes Gottes angeht, aber er hat ein sehr, sehr weites Herz, was die Gemeinde Jesu angeht, so dass er dorthin geht und dort dient und dort bis heute auch gedient hat. Bis heute lebt James I. Packer mit seiner Frau Kit Mullet in Vancouver. Er ist mittlerweile erblindend und hat seinen Dienst niedergelegt.
Theologische Zielsetzung und bleibender Einfluss
Und in all den Stationen, die Pekka auf dieser langen, langen Reise angesteuert hatte, verfolgte er ein großes Anliegen. Er sagt: Ich bin ein theologischer Ausbilder, sowohl für Laien als auch für zukünftige Lehrer. Und ich möchte meinen Schülern eine Wertschätzung für Gottes Wort wecken, damit sie den Gott des Wortes kennenlernen, damit sie ihn erkennen und damit dies wiederum in den Kirchen, in die diese jungen Leute gehen, die Treue vor Gott und die Wertschätzung für Gottes Wort ausgeprägt wird.
Mit diesem Anliegen hat Packer mittlerweile über 500 Werke verfasst, über 500 Werke. Das bekannte Buch Gott erkennen – ich weiß nicht, wer von euch es gelesen hat – wenn man etwas über Packer hört, aus seiner Biografie, und dann das Buch liest, liest man es noch einmal mit ganz, ganz anderen Augen. Ich durfte das Buch übersetzen, und es war für mich ein Genuss. Es war wirklich, als würde ich mit Packer manchmal an einem Tisch sitzen und ihn reden hören, wenn ich sein Buch übersetze. Über 500 Werke, in denen er dieses Anliegen weitergibt.
Neben diesem Anliegen und neben dem, was Gott durch James I. Packer durch seine Biografie getan hat, in England und Kanada und den USA und über alle Kontinente, möchte ich noch zwei besondere Aspekte hervorheben. Nämlich, wie ich schon erwähnt habe, seinen Kampf für seine Denomination, den ich wirklich bemerkenswert finde.
Ich selbst, ich, Benjamin Schmidt, komme aus einem Hintergrund, der mehr als freikirchlich ist. Also, Freikirche ist ja schon teilweise: Wir gehören dem und dem Bund an. Für meinen Vater als Pastor – ich bin zwar erst mit 22 Jahren zum Glauben gekommen, habe aber einen Vater, der Pastor ist – war immer: Bündnisse sind schlecht, bloß keinem Bund angehören. Deswegen wusste ich auch nie, also es hat sehr, sehr lange gedauert, bis ich das Konzept der Gemeinde als ein Leib kapiert hatte. Für mich gab es immer unsere Gemeinde, und das andere sind vielleicht auch Christen.
Packer ist da ganz, ganz anders. Packer wusste: Die Kirche, in der ich bin, auch wenn sie zu 80 Prozent von Liberalen strotzt, wir dürfen sie nicht aufgeben, wir müssen kämpfen. Auch diese liberalen Theologen, so eingebildet sie auch sein mögen, brauchen Gottes Wort. Sie sind Bedürftige, sie brauchen das Evangelium. Und dieser Wunsch, dieses Anliegen, dieses Herz für die liberale Seite der anglikanischen Kirche und für die anglikanische Kirche selbst, ist für mich ein Vorbild, ganz ehrlich. Sie ist für mich als Freikirchlicher ein Vorbild, die Gesamtheit zu sehen und wirklich auch zu sehen: Die Gemeinde Gottes ist mehr als das, was wir sonntags in unseren eigenen vier Wänden sehen. Die Gemeinde Gottes ist mehr als die, die vielleicht unserem Bund angehören.
Und das birgt auch Herausforderungen. Und das bedarf auch, dass wir dann selbst sehr, sehr gefestigt sind, dass wir eben diese starken Mauern um die Wahrheit der Bibel aufrichten, die niemand antasten darf. Die Wahrheit darf nicht angetastet werden. Aber dass wir in unserem Herzen keine Mauer haben, sondern wirklich weitherzig sind, was unsere Geschwister angeht, und auch was die angeht, die sich Geschwister nennen, aber völligen Nonsens verbreiten.
Packers Hoffnung war eine völlige Kehrtwende der anglikanischen Kirche, eine Neuausrichtung auf das Wort Gottes und auf das Evangelium Jesu Christi. Und mit dieser Hoffnung ging Packer viele Schritte in diese Richtung, durch Gottes Gnade. Gott hat viele Türen da aufgemacht und hat Packers Treue da auch belohnt.
Leider war auch seine Hoffnung irgendwann zu Ende, nämlich im Jahr 2002, als eine Synode der anglikanischen Kirche beschloss, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen. Das war für Packer wirklich ein Schlag, wo er gesagt hat: Ich bin zu alt, ich kann nicht mehr, ich kann mich nicht mehr mit dem Ganzen auseinandersetzen. Das war der Punkt, wo er einen Schritt zurückgegangen ist. Es war für ihn schwer, und wir müssen Sachen nicht so machen, wie James I. Packer sie getan hat. Aber ich denke, wir sollten uns seine Ausdauer und sein Vertrauen, seine Hoffnung in Gottes Wirken, vor Augen halten, was das angeht.
Packer ist der Meinung und hat es auch damals öffentlich geäußert: Dieser Beschluss der Synode, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen, ist eine Verfälschung des Evangeliums. Das hat er öffentlich gesagt. Es ist eine Herabwürdigung der Heiligen Schrift, es gefährdet die Errettung von Menschen, und es verleugnet die Gemeinde in ihrer gottgegebenen Aufgabe als Bastion und Bollwerk der göttlichen Wahrheit. Und das ist die Gemeinde Jesu Christi: ein Bollwerk der göttlichen Wahrheit.
Weite des Herzens und Grenzen der Zusammenarbeit
Pekker zeichnet sich durch eine starke Kompromisslosigkeit in Bezug auf die biblische Lehre aus und durch eine Weitherzigkeit gegenüber den Glaubensgeschwistern, das habe ich schon gesagt. Da komme ich jetzt zu einem Punkt, der mir auch beim Vorbereiten erst aufgefallen ist: ein Schritt, den Pekker gegangen ist und den ich nicht so gut finde, den ich aber auch kurz erwähnen muss, nämlich Peckers Offenherzigkeit auch gegenüber der katholischen Kirche. Pekker ist der Meinung, dass wir auch mit diesen Geschwistern zusammenarbeiten müssen. Warum? Damit Christus verkündigt wird und damit die christliche Moral und die Wertevorstellungen in unserer Gesellschaft aufrechterhalten werden.
Wir können da unterschiedlicher Meinung sein. Ich selbst bin da, was die katholische Lehre angeht, sehr, sehr ein gebranntes Kind, gerade auch durch meine eigene Familie und durch meinen Familienhintergrund. Aber Pekker hat diese Entscheidung gesehen und getroffen, dass Zusammenarbeit auch dort notwendig ist. Er ist der Meinung, dass die römisch-katholische Kirche heutzutage nicht mehr der grösste Feind des Evangeliums ist, sondern die liberale Theologie. Um die liberale Theologie zu bekämpfen, ist Becker der Meinung, müssen wir Hand in Hand gehen. Wir müssen zusammen mit ihnen arbeiten, um die Wahrheit des Evangeliums deutlicher zu verkünden, stärker zu verkünden. Das wollte ich nur auch noch kurz erwähnen.
Wir sehen: Gott kann einen schwachen, geistlich ungebildeten Menschen gebrauchen. Pekka hatte keinerlei Gotteserkenntnis in seiner Jugend, und Gott hat ihn doch zu einem demütigen, hellen Licht seiner Herrlichkeit gemacht. Gott kann das. Wenn du aus einem Hintergrund kommst, in dem du sagst: Ich bin erst seit zwei Jahren Christ, oder ich habe all das nicht gelernt, was die anderen hier von klein auf gelernt haben, dann gilt auch das: Gott kann das. Gott kann ein leeres Gefäss mit Gottes Erkenntnis füllen, sodass es überfliesst.
Peckers Leben zeigt uns, dass ein schwerer Schicksalsschlag eines Kindes auch zu einem lebenslangen Zeugnis von Gottes Treue und Fürsorge werden kann. Pecker hat Zeit seines Lebens unter den körperlichen Folgen dieses Unfalls gelitten, er war aber zufrieden damit, er war dankbar, und er wusste, dass er das in seinem Leben tragen durfte. Eines seiner besten Werke, meiner Meinung nach, beschreibt das so wunderbar. Gerade die Schwachheit, wenn wir uns selbst eingestehen, wie klein, schwach und unvermögend wir sind, umso herrlicher erscheint Gottes Kraft und Grösse. Schwere Schicksalsschläge sind für Gott Möglichkeiten, um etwas Grosses daraus zu machen.
Gott zeigt in Pekker, dass er einen schüchternen, von Menschenfurcht gepackten Mann zu einem mutigen, intellektuellen Verfechter der biblischen Wahrheit machen kann. Vieles scheinbare Scheitern in Peckers Leben, Jobs, die er verlassen musste, die ihm weggenommen wurden, Streitigkeiten, die ausgebrochen sind, das waren Umwege, aus denen Gott dann andernorts wieder etwas Gutes gemacht hat. Das ist vielleicht eine Ermutigung für dich, wenn du gerade auf einem Lebensweg bist, auf dem du dir denkst: Ich habe mir das ganz anders vorgestellt. Der Job, den ich jetzt angenommen habe, der sah vor zwei Jahren so gut aus, und irgendwie ist es so demütigend, und es ist frustrierend. Mach weiter, wenn du Gott dadurch dienen kannst. Bitte andere um Rat, wie sie die Situation einschätzen. Lass dich nicht von diesem Frust niederdrücken, sondern vertraue auf Gott und hab Hoffnung.
Peckers Demut ist vorbildlich, wie ich schon erwähnt habe, in diesem Latimer-Haus, wo er einen Job annehmen musste, der eigentlich ganz, ganz anders war als der, den er sich vorgestellt hatte. Sein Anliegen war nicht: Ich möchte ein Grosser im Reich Gottes werden, sondern: Ich will ein kleiner Mann sein, der einem grossen Gott dient. Wenn wir so denken, sind wir nicht so schnell eingeschnappt. Wenn das unser Anliegen ist, kleine Leute zu sein, die einem grossen Gott dienen wollen, dann wirkt sich das auf unsere Lebensumstände aus, darauf, wie wir Lebensumstände annehmen.
Pecker selbst hatte niemals die Intention, gross rauszukommen, sondern er wollte das Evangelium retten. Er wollte Menschen durch das Evangelium retten. Er wollte, dass das helle Licht des Evangeliums strahlt und die Menschen vor Freude blendet.
Schlussgedanken und Gebet
Was wir aber auch an Peckers Leben sehen, ist, dass Gottes Werkzeuge niemals vollkommen sind. Sie haben Schlagseite. Auch James I. Packer hat Schlagseite, wie wir alle. Und ich finde das ermutigend. Ich finde es auch ermutigend, dass selbst Packer sich bei seiner Schlagseite korrigieren lässt.
Ich fand es sehr schön: Es wurde eine Festschrift über Packer geschrieben, und darin sagt Packer selbst: Ich weiß, mein lieber Freund Mark Dever würde mir in Soteriologie eine Eins plus ausstellen, aber in Ekklesiologie würde er mich durchfallen lassen. Und trotzdem ist zwischen den beiden eine Wertschätzung da. Das finde ich gut, und das finde ich wichtig.
Gottes Werkzeuge sind niemals vollkommen. Vollkommen ist unser Herr Jesus Christus. Und wir dürfen in seiner Vollkommenheit ruhen, dürfen uns über seine Vollkommenheit freuen und unseren Frust wegwaschen durch seine Schönheit und Vollkommenheit.
Entscheidend ist, und damit möchte ich schließen, ein Vers, den James Packer sehr liebt und der James Packers Leben, Handeln und Wirken sehr gut beschreibt. Er steht in Micha 6,8. Entscheidend ist, und das möchte ich euch mit auf den Weg geben, dass wir uns an Gottes Wort halten. So sagt es Micha 6,8: Was erwartet Gott anderes von dir, als dass wir uns an Gottes Wort halten, dass wir Liebe üben und dass wir demütig sind vor unserem Gott? Das kann ich in Packers Leben sehen. Das wünsche ich mir, dass das irgendwann jemand einmal über mich sagen kann. Bis dahin ist noch ein langer Weg.
Und ich möchte für mich und für euch um Gottes Segen dafür bitten.
Großer Gott, es ist wirklich wunderbar, dass wir in fehlbaren Menschen deine Herrlichkeit sehen können, dass wir in Schwachheit und Ohnmacht deine Herrlichkeit sehen können, dass du ein Gott bist, der sich das Evangelium so ausgedacht hat, dass wir gerade durch deine Gnade den größten Lobpreis äußern. Herr, dass wir in Ewigkeit vor dir stehen werden und dich dafür preisen, dass du aus unserem Mist etwas Wunderbares gemacht hast.
Und ich danke dir für das Vorbild von James I. Packer und vieler anderer Brüder und Schwestern, die dir nachgefolgt sind, trotz ihrer Schwachheiten, trotz Fehlern, trotz Niederschlägen, trotz Enttäuschungen, und die festgehalten haben an dem einen, dass ihre einzige Hoffnung in dir ist, darin, dass sie dein Eigentum sind, weil sie erkauft worden sind durch das teure Blut deines Sohnes, Jesus Christus, und weil dein Heiliger Geist sie erfüllt und sie führt bis zu dem Tag, an dem Christus wiederkommt.
Bitte segne uns, hilf uns auf diesem Weg, mir und jedem, der hier sitzt und zuhört. Richte unsere Herzen aus auf dich und hilf, dass wir dein Wort mehr lieben, dass wir unsere Glaubensgeschwister lieben, dass wir mehr Liebe zu den Verlorenen haben und auch gerade zu denen, die dein Wort verfälschen. Dass wir Liebe zu ihnen entwickeln, die du uns ins Herz gibst, damit du durch alles geehrt wirst, Herr. Amen.
