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Christ & Fußballprofi

mit Felix Uduokhai
27.03.2026
Ein Fussballprofi zwischen Glauben und Druck: Was trägt, wenn Ruhm, Geld und Leistung wackeln? Felix Uduokai zeigt, warum Identität nicht im Stadion entsteht, sondern viel tiefer.

Einleitung und Gesprächsrahmen

Willkommen beim überkonfessionellen Bibelfit-Dienst. Um Christen in der Nachfolge zu stärken, erstellen wir kostenfreie Infomaterialien. Zieh gern alles aus diesem Video heraus, was du kannst. Vor allem aber werden dir die Infomaterialien auf der Website helfen.

Die nehmen sich jeden Tag Menschen mit, die neu im Glauben sind, aber auch tausende Menschen, die schon seit Jahrzehnten Jesus nachfolgen. Alles steht bereits gratis für dich bereit. Dafür kannst du den freiwilligen monatlichen Unterstützern aus dem ganzen Land danken. Menschen wie du und ich.

Wer auch möchte, dass Videos wie dieses in Deutschland, Österreich und der Schweiz weiter ausgespielt und nicht verborgen werden, der sollte jetzt auf diese Glocke drücken, die unten rechts unter diesem Video ist. Vielen Dank an alle Unterstützer, auch mit Glocke, Geld und Gebet. Sehr wichtig: Es macht einen spürbaren Unterschied, und dieses Video ist für dich.

Fußball ist der beliebteste Sport in Deutschland, ja, ich wage sogar zu sagen, weltweit. Fußball begeistert Menschen, Fußball vereint Menschen, aber ebenso gibt es genug Menschen, die sich über Fußball aufregen, vor allem wegen der hohen Summen an Geld, die in diesem Sport fließen.

Was vielen jedoch nicht bewusst ist: Es gibt auch eine Vielzahl an Profifußballern, die ganz offen für ihren christlichen Glauben einstehen. Einer von ihnen ist Felix Uduokhai. Felix hat viele Jahre in der ersten deutschen Fußball-Bundesliga gespielt. 2021 spielte er für Deutschland bei den Olympischen Spielen in Tokio. Aktuell ist er Verteidiger beim türkischen Erstligisten Beşiktaş Istanbul unter Vertrag.

Felix ist zudem Mitgründer und dritter Vorsitzender beim christlichen Verein Fußball mit Vision. Ich freue mich, dass Felix mir Rede und Antwort stehen wird zu seinem Leben als Nachfolger Jesu und Profifußballer. Freut euch auf ein spannendes und tiefgründiges Gespräch über Jesus, Fußball, Geld, Erfolg, Gemeinde, Rückschläge und vieles mehr.

Vom Kindheitsglauben zur persönlichen Begegnung mit Jesus

Ja, lieber Felix, ich freue mich, dass du heute hier mein Gast bist. Ich habe vielleicht gleich mal eine etwas lustige Frage zum Anfang. Es gibt ja das bekannte Fußballspiel FIFA, das es schon viele Jahrzehnte gibt. Und da hat jeder Spieler einen Wert. Ich weiß nicht, ob du deinen Wert bei FIFA kennst. Da wollte ich dich einfach fragen: Bist du damit zufrieden, mit diesem Wert? Und spielst du dich vielleicht noch ab und zu mal selbst bei FIFA?

Thomas, erst mal hallo, vielen Dank für die Einladung. FIFA selber spielen tue ich nicht mehr, die Zeiten sind vorbei. Als kleiner Junge habe ich noch gezockt, jetzt aber nicht mehr. Wir hatten vor kurzem erst so ein Packaging, wo du so eine Karte bekommen hattest vom Verein. Da hat die FIFA, beziehungsweise EA, etwas geschickt, und da hat jeder so seine Karte bekommen. Ich glaube, ich habe so den Wert 76. Ich habe zumindest noch eine goldene Karte, und ja, ist auch stabil. Gold ist noch gut, ist kostbar. Damit kann ich gut leben.

Okay, sehr, sehr cool. Wir wollen heute über dich reden, über dein Leben als Fußballprofi, aber auch als Christ. Da wäre meine erste Frage an dich: Wie ist es bei dir? Bist du in einer christlichen Familie aufgewachsen? Wie hast du Jesus kennengelernt? Nimm uns da gerne mal mit rein.

Ich habe eine sehr gute Kindheit gehabt, auch eine sehr schöne. Ich komme aus einem sehr warmherzigen Elternhaus. Meine Eltern sind zwar beide sehr unterschiedlich, so wie Tag und Nacht gefühlt, sage ich immer wieder. Mein Vater ist aus Nigeria, meine Mutter ist Deutsche. Wir kommen ursprünglich aus dem Erzgebirge, oder ich bin im Erzgebirge geboren, in Annaberg-Buchholz. Wirklich groß geworden bin ich aber in München. Wir sind dann als Familie relativ früh nach München umgezogen, aus privaten Gründen.

Aber ich komme jetzt nicht direkt aus einem, ich würde sagen, christlichen Elternhaus, in dem der Glaube lebendig gelebt wird. Der christliche Glaube hatte für uns schon eine Rolle. Wir sind auch ab und an in die Gemeinde gegangen, aber ich hatte da wirklich nie einen engen Draht dazu. Und ich konnte auch damit gar nichts verbinden. Für mich waren dann so die Klassiker Weihnachten und Ostern. Da geht man mal in die Gemeinde. Aber ich hatte auch nichts verstanden, also vom christlichen Glauben. Ich wusste ja irgendwo, da oben gibt es vielleicht einen Gott, der über mich wacht, der auf mich aufpasst. Aber grundsätzlich über weitere Dinge wie das Evangelium, Jesus etc. hatte ich keine Ahnung. Trotzdem hatte ich eine sehr, sehr gute Kindheit, muss ich sagen.

Die Entdeckung des Evangeliums

Ja, und du hast gerade das Evangelium erwähnt. Wie ist es denn dazu gekommen, dass du Jesus kennengelernt hast und das Evangelium ergriffen hast? Das war so der zweite Teil der ersten Frage, hier bin ich darauf eingegangen. Alles gut.

Ja, klar, es ist eine längere Geschichte, aber ich fasse es mal so gut es geht kurz zusammen. Für mich war der grösste Traum, der grösste Wunsch, Fussballprofi zu werden. Das war mein Herzschlag in jungen Jahren und wofür ich alles hingegeben habe.

Ich war dann ungefähr achtzehn, neunzehn Jahre alt. Wie gesagt, mit dem Hintergrund christlichen Glaubens von zuhause, aber nie lebendig, nie wirklich so, dass ich gesagt hätte, das hat etwas mit meinem Leben zu tun. Und ich weiss noch genau: Es war Winter, ich war in der A-Jugend damals bei 1860 München, und wir hatten gerade Winterpause. Ich war zusammen mit meinem besten Freund unterwegs, wir wollten ins Gym, bis zum Pump gehen, und da drückt mir im Fahrstuhl wie aus dem Nichts eine Kickerbibel in die Hand.

Ich nehme diese Kickerbibel, schaue sie mir an und denke mir so: Hey Bro, was ist das? Und er sagt: Bruder, musst du lesen. Ich habe sie auch vor ein paar Wochen geschenkt bekommen von einem Kollegen aus meiner Mannschaft. Da habe ich gedacht: Okay, wenn mir mein bester Freund die gibt, dann let’s go for it. Und ich habe noch am selben Abend diese Kickerbibel in meinem Zimmer aufgeschlagen und einfach Berichte gesehen von Fussballern und Trainern, die über den Glauben an Jesus gesprochen haben und erzählt haben.

Das hat mich umgehauen, weil ich das nie so vereinbaren konnte. Für mich waren der Glaube und auch der Fussball immer wie zwei verschiedene Paar Schuhe. Das konnte ich mir in meinem Kopf nicht so zusammenreimen. Ich habe dann mit der Zeit angefangen, das Neue Testament zu lesen, habe das aufgefressen, weil ich wie aus dem Nichts auch Neugier hatte. Ich habe bis dato sehr wenig gelesen, fast gar nichts, ausser in der Schule.

Aber ich muss sagen, das Neue Testament hat mich so neugierig gemacht, vor allem die Frage, wer dieser Jesus ist, was er für mich getan hat und was es auch mit meinem Leben zu tun hat. Und preis den Herrn, bis heute, ja. Es ist für mich das grösste Geschenk, dass Jesus für mich am Kreuz gestorben ist und dass ich ihm nachfolgen darf. Und dafür bin ich dem Herrn für immer dankbar. Halleluja.

Was das Evangelium bedeutet und warum die Bibel zentral ist

Ich habe die Frage gerade mit dem Evangelium eingeführt, und du hast ja beim Bibellesen auch das Evangelium sozusagen ergriffen. Du hast gerade von Jesus gesprochen. Wenn jetzt hier jemand zuschaut, der noch nie von diesem Evangelium gehört hat, von der frohen Botschaft, an die wir Christen glauben: Was ist das Evangelium? Was ist es auch, was dich da so ergriffen hat?

Ja, du sagst es richtig: Die frohe Botschaft. Das Evangeliumswort kommt aus dem Griechischen und auch aus dem Lateinischen und heißt die gute Nachricht, die frohe Botschaft. Und man muss dazu sagen: Der guten Botschaft geht eigentlich eine schlechte Botschaft voraus. Die Bibel macht klar, dass alle Menschen schuldig sind vor Gott und dass wir von Natur aus nicht in dieser Harmonie mit Gott zusammenleben, wie es eigentlich sein sollte, wie es Gott sich gewünscht hat.

Das liegt unter anderem auch an unseren trügerischen Herzen. Im Buch Jeremia steht geschrieben, dass das Herz sehr trügerisch und auch ein trotziges Ding ist. Das habe ich bei mir selbst auch festgestellt, weil ich zuvor wenig von Gott wissen wollte.

Aber Gott sei Dank belässt es Gott nicht dabei. Er hat uns in diesem Zustand der Verlorenheit nicht gelassen, sondern seinen Sohn gesandt, Jesus Christus. Und das heißt im Umkehrschluss: Gott selbst kommt auf diese Welt. Und das, was letztendlich auch gefordert wird, das erfüllt Jesus in all seiner Hingabe, mit seinem Leben und letztendlich auch mit seinem Tod. Durch seinen Tod erfüllt er sozusagen diesen Maßstab Gottes, den wir nie hätten erreichen können. Und am dritten Tag ist er von den Toten auferstanden.

Ja, er ist der König, der auch wiederkommen wird. Und Gott bietet allen, die das in Anspruch nehmen, was Jesus für dich getan hat, ewiges Leben an und vor allen Dingen auch Versöhnung und Vergebung der Schuld. Und das ist das Wunderschönste: die großartige Botschaft, dass es Frieden mit Gott gibt durch seinen Sohn Jesus, für die Ewigkeit. Amen dazu, Herr.

Du hast Felix vor uns erzählt, dass dir die Kickerbibel in die Hand gedrückt wurde. Und du hast auch gerade von der Bibel geredet, was wir darin lesen können, dass wir darin auch die frohe Botschaft lesen können. Was bedeutet dir ganz persönlich die Bibel?

Boah, die Bibel, ja. Das Buch aller Bücher. Das hätte ich vor fünf, zehn Jahren nie für möglich gehalten. Für mich war die Bibel immer ein altes Buch, irgendwo bei der Oma im Büro oder, wie sagt man, im Bücherregal eingestaubt. Aber für den täglichen Gebrauch? Vergiss es.

Aber Gott hat mich auch eines Besseren belehrt, und die Bibel ist faszinierend. Es sind 66 Bücher in der Bibel selbst, das Alte und das Neue Testament. Und so viel Herrlichkeit, so viel Wahrheit für das Leben. Viele sagen auch, es sei wie eine Anleitung für das Leben, aber ich würde sagen: noch viel, viel mehr. Es ist einfach das lebendige Wort Gottes in Jesus, das auch nicht nur ein Buchstabe ist, sondern wirklich in dein Leben kommt, wenn du es zulässt.

Und deswegen: Die Bibel ist inspiriert vom Heiligen Geist, Gottes Wort, und sie rüstet den Menschen vollkommen zu für alles, was man braucht.

Vorbilder, Veränderung und geistliches Wachstum

Gibt es eine Person, eine Geschichte oder eine Bibelstelle, die dich besonders stark anspricht, und wenn ja, warum?

Ja, da habe ich sofort Mose vor Augen. Mose ist eine Person aus dem Alten Testament, der das Volk Israel hinausgeführt hat aus der Macht des Ägypters oder des Pharaos, aus dem Land der Ägypter. Und es ist sehr, sehr inspirierend, wie Mose das tut und auch, wie Gott ihn stärkt. Da habe ich wirklich explizit so im Kopf 2. Mose 12, der Auszug, das Passachfest, wo eben Israel, das Volk, auszieht aus Ägypten, Gott ihnen ganz genaue Anweisungen gibt, wie sie dann auch ein Leben führen in der Wüste, wo sie dann unterwegs sind und dann eben auch in dieses verheissene Land kommen.

Und es sind ganz viele wunderbare Bilder auch für den Christen, für einen Nachfolger von Jesus, was es heisst, aus der Hand des Widersachers befreit zu werden, aus diesem alten Leben und jetzt eben auch hier auf Erden im Glauben zu wandeln. Unser Ziel als Christ ist natürlich auch der Himmel, wie damals für die Israeliten das Ziel war, dieses verheissene Land, das Gott ihnen versprochen hatte. So ist für uns heutzutage das Ziel, eines Tages beim Herrn anzukommen. Und da sehe ich einfach so viele wunderschöne Parallelen, die mich so ermutigen beim täglichen Erleben als Christ. Deswegen würde ich sagen: Mose.

Hey, spannend. Du hast gerade schon erwähnt, dass wir eines Tages im Himmel sein werden, dass wir Jesus mit eigenen Augen sehen werden. Da vielleicht eine ganz spannende Frage: Was würdest du aktuell Jesus zuerst fragen, wenn du ihn siehst?

Ich habe tausend Fragen. Es werden mehrere. Wenn ich jetzt nur eine habe, dann, ui, also ist jetzt ein bisschen ja auch so auf das Wort bezogen. Aber ich frage mich immer wieder: Es gibt ganz, ganz viele genaue Anweisungen in der Bibel, in Bezug zum Beispiel auf den Tempel oder was auch immer. Ich frage mich oft: Warum muss das so genau sein? Da bin ich gespannt, eines Tages, was der hier sagen wird. Zum Beispiel die Öllampe oder was auch immer: Warum muss das da mit dabei sein? Warum ist das so wichtig? Oder auch, es gab einzelne Opfer: Warum dann Mehl dazu und warum dann noch Wein oder was auch immer? Ja, ich verstehe es nicht, aber es würde mich mal interessieren, warum das alles so genau steht. Aber ja, es gibt tausend mehr Fragen noch. Fällt mir gerade das Problem an.

Ja, spannend. Wirklich spannende Frage. Du hast von Mose eben erzählt, einem Mann, der sehr viel Veränderung im Laufe seines Lebens erfahren hat, durch Höhen und Tiefen ging. Wenn du auf dein Christsein blickst, ich weiss nicht, wie viele Jahre du jetzt schon mit Jesus gehst, inwiefern würdest du sagen, hat sich dein Leben verändert in den letzten Jahren? Kannst du das vielleicht an ein, zwei Punkten irgendwo festmachen, wo du sagst: Ja, da habe ich Veränderungen erfahren, seit ich mit Jesus gehe.

Seitdem ich Christ bin, meinst du?

Genau, ja. Habe ich richtig verstanden, die Frage?

Ja, genau.

Ja, also das Besondere ist, dass ich persönlich wirklich direkt gemerkt habe, dass in meinem Leben etwas passiert ist, als ich angefangen habe, dieser Frage nachzugehen, wer Jesus ist, ob es ihn wirklich gibt. Und das hat mich sehr gefesselt. Und ab dem Abschnitt, an dem ich wirklich die Gewissheit hatte: Ich bin bei Gott angenommen, ich habe Frieden mit ihm, und Jesus ist mein Herr, mein König und auch mein Heiland, hat es mir sofort solch einen Frieden gegeben und auch solch ein tiefes Empfinden von Gottes Liebe, was ich zuvor noch nie in dem Ausmass gemerkt oder erlebt habe.

Deswegen kam sofort dieser Friede und diese Gewissheit auch: Ich bin angenommen bei Gott. Und ich bin irgendwo angekommen. Und natürlich ist es über die Jahre hinweg dann wie eine Erziehung, die auch bis zum Lebensende anhalten wird. Aber ich merke wirklich konkret, wie der Herr mich auch manchmal sehr herausfordert, wo man merkt: Boah, Geduld, Demut, wie gehe ich mit XY um, wie gehe ich mit Menschen um, die ich gar nicht leiden kann?

Und das ist das Wunderschöne auch am christlichen Glauben: Man muss jetzt irgendwie nichts vorspielen und dann irgendwie direkt auf Front tun, sondern man bekennt eigentlich nur, dass man Hilfe braucht und dass man mit Jesus einfach leben möchte, durch das Leben gehen möchte, mit ihm zusammen. Deswegen würde ich sagen: Der grösste Unterschied, klar, was ich an mir feststelle, hoffentlich in einigen Dingen, wo ich mich auch gebessert habe und auch jetzt nicht mehr so lebe oder so denke wie vor fünf, sechs Jahren. Aber das Beste ist eigentlich, dass Jesus an deiner Seite ist und er mit dir durch dick und dünn geht.

Fussball, Gemeinschaft und der Dienst von Fussball mit Vision

Ja, sehr, sehr wertvoll. Danke, ja.

Felix, du bist begnadeter Fußballprofi und, wie wir gerade gehört haben, leidenschaftlicher Nachfolger von Jesus. Du hast das sozusagen kombiniert: dein Hobby oder dein Beruf als Fußballprofi und deine Jesusnachfolge. Du bist nämlich auch Mitgründer und im Vorstand des christlichen Vereins Fußball mit Vision. Bibelfitt ist da auch Kooperationspartner. Da wäre meine Frage: Was ist die Vision von Fußball mit Vision?

Der Name ist Programm: Fußball mit Vision. Also, wir spielen Fußball mit einer Vision. Wir lieben den Fußball und sehen da viele Möglichkeiten. Wir sind ein kleines Team guter Freunde, deren Wege sich über den Fußball gekreuzt haben, über verschiedene Erfahrungen und einfach verschiedene Möglichkeiten. Wir haben uns alle während Corona wirklich zusammengeschweißt. Rückblickend war das wirklich eine Führung Gottes, dass wir so zusammengekommen sind.

Wir haben dann gesagt: Komm, wir fangen mal damit an, dass wir Online-Sportlergottesdienste anbieten. Während Corona war es ja klar, man konnte nicht groß raus. Wir hatten auch nicht mehr die Möglichkeit, wie davor Bibelkreise oder Hauskreise vor Ort zu machen, auch bei den Fußballern oder eben auch Einladungen auszusprechen. Deswegen haben wir gesagt: Komm, wir machen das auch online.

Wir haben gemerkt, dass es dann eine große Nachfrage gibt. Während Corona haben wir das dreimal die Woche gemacht. Bis zu 70, 80 Spieler aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz kamen zusammen und wollten einfach mit uns Gottesdienst feiern, so gut es eben ging.

Und wir haben dann einfach gemerkt: Es sind so viele Sportler, so viele Fußballer unterwegs, die vielleicht noch gar keine Ahnung haben, dass eine Stadt weiter auch ein Christ ist, der Fußball spielt. Das haben wir uns nicht erst seit Corona, sondern auch schon lange davor zum Ziel gemacht: wirklich Strukturen zu legen, einen Verein zu gründen, wo wir Fußballern unter die Arme greifen können.

Das heißt ganz praktisch, dass wir den Jungs nachgehen, dass wir Mentoring anbieten, sie einfach begleiten, ganz praktisch bei all den Fragen, die man auch als Fußballer hat: Wie gehe ich mit Leistungsdruck um, mental, auch mit Verletzungen, Höhen und Tiefen? Dass wir die Jungs da einfach begleiten und auffangen möchten. Aber auch noch weiter: Mittlerweile haben wir auch Schuleinsätze, wo wir einfach in die Schulen gehen dürfen, erzählen dürfen von unserer Leidenschaft, dem Fußball, aber eben auch dem Glauben an Jesus Christus. Denn das sind unsere beiden Herzschläge: den Fußball und den Glauben zusammenzubringen.

Ja, wirklich vollzeitlich angestellt machen das bislang drei Freunde im Team, die da voll Power geben und unterwegs sind, die Fußballer begleiten und unterstützen, an den Schulen unterwegs sind. Ich bin da nur im Hintergrund, mache ab und an mal einen Zoom-Call an den Schulen und erzähle dann einfach mal kurz aus meinem Leben. Aber die drei Jungs an der Front, die machen das richtig gut, und ich bin sehr dankbar für das Team.

So kann man sich Fußball mit Vision grob vorstellen. Nochmal auf den Punkt gebracht: Fußball ist unsere Leidenschaft. Jeder ist unser Herzschlag. Wir wollen die Liebe Gottes und das Evangelium auch in die Welt des Fußballs hinaustragen, durch Wort, aber auch vor allem durch die Tat.

Genau, sehr, sehr gut. Ja, ich verfolge den Dienst jetzt auch schon einige Jahre und freue mich da auch zu sehen, wie er an Bekanntheit gewinnt. Also man sieht das ja, wenn man jetzt die sozialen Medien als Maßstab nehmen würde, zum Beispiel, wie der Instagram-Kanal wirklich immer mehr Follower bekommt. Und das ist, finde ich, einfach richtig gut und eine richtig gute Möglichkeit, um Leute mit der frohen Botschaft zu erreichen. Nicht nur Fußballprofis, sondern ja auch viele Menschen in Deutschland sind fußballbegeistert, auch über diesen Kanal anzusprechen. Also da vielen Dank für eure wichtige Arbeit.

Danke, da will ich noch kurz reingrätschen. Da sind wir auch sehr dankbar, dass es nicht nur bei den Fußballern bleibt. Sondern darüber hinaus haben wir viele Anfragen, aber auch viele Rückmeldungen von dem normalen Volk, von dem einfachen Bürger, der sich einfach daran freut und sagt: Boah, was ihr macht, echt cool. Oder auch von vielen jungen Kerlen, mittlerweile auch Mädels, die das irgendwie feiern und sagen: Hey, wir haben das auf Insta gelesen, cool, dass ihr das so teilt, auch mit dem Glauben. Es ist schön, so Feedback zu bekommen.

Ja, super, also weiter so. Du hast gesagt, dass auch ein Ziel von Fußball mit Vision ist, so ein Stück weit die Fußballprofis oder die Fußballer miteinander zu vernetzen, zu zeigen: Hier sind auch noch Leute, die an Jesus glauben und Fußball spielen. Wie ist das bei dir persönlich? Wie lebst du christliche Gemeinschaft, und welche Herausforderungen stellen sich dir da vielleicht auch? Ist zum Beispiel deine Berühmtheit ein Problem, oder wie kann man sich das vorstellen?

Ja, das ist genau der Punkt, warum es uns auch so wichtig ist, Fußball mit Vision zu haben und auch die Jungs, die Fußballer, abzuholen. Weil ich selber aus meinem Leben auch merke, wie herausfordernd das ist. Man wird eben oft daran gehindert, sonntags in die Gemeinde zu gehen. Gott sei Dank, wir haben auch hier eine Gemeinde in Istanbul, wo wir jetzt leben. Aber ich merke auch: Es gibt viele Sonntage, da keine Chance. Da hast du Training am Vormittag, da hast du ein Spiel am Vormittag oder am Abend und bist die ganze Zeit unterwegs.

Das ist eine große Herausforderung, weil man merkt: Diese Gemeinschaft unter Geschwistern, unter Brüdern und Schwestern, die vermisse ich dann auch sehr, sehr stark. Jetzt auch noch mal mehr, weil wir im Ausland leben und eben auch Familie und Freunde vermissen, aber vor allen Dingen diese Glaubensgeschwister, wo man ehrlich einfach sein Herz ausschütten kann, auch zusammen betet und auch irgendwie, ja, nicht nur online, sondern einfach sich in den Arm nehmen kann. Das sind schon so Dinge, die der Fußball mit sich bringt, wo ich sage: Boah, ist nicht so einfach.

Aber deswegen machen wir es uns auch zum Ziel bei Fußball mit Vision, dass wir viel den Jungs nachgehen, auch unter der Woche, dass wir sie da abholen, dass wir auch Online-Gottesdienste anbieten, aber auch eins zu eins einfach die Jungs anrufen, sie besuchen, mit ihnen darüber reden, auch über all diese Themen. Aber ich merke: Das kann man nicht wegreden. Es bleibt auf jeden Fall eine Herausforderung, dass man jetzt sonntags nicht immer in die Gemeinde gehen kann, aber auch selbst manchmal unter der Woche, durch die Reisen, man spielt unter der Woche, man hat Training, auch bei Hauskreisen manchmal nicht dabei sein kann.

Da muss man schauen, dass man gute Wege findet, sich da auch anders diese Nahrung immer wieder zu holen.

Glaube im Alltag, auf dem Platz und in der Öffentlichkeit

Ein wichtiger und tiefer Punkt von Felix. Hilf gern mit, dass mehr Menschen diesen Beitrag sehen. Wir haben dafür alles schon vorbereitet, damit du jetzt gern diese Glocke hier unten rechts unter dem Video drücken kannst, und der Algorithmus erledigt den Rest. Vielen Dank an alle, die das machen. Das ist auch eine schöne Wertschätzung für die Offenheit von Felix. Danke dafür.

Aber vielleicht noch einmal diese Frage: Wenn du zum Beispiel jetzt in Istanbul spielst und in Istanbul in die Gemeinde gehst, ich weiß nicht, wie es in Deutschland konkret war, aber hast du das da schon gemerkt, dass es manchmal ein bisschen komisch für dich war, weil Leute dich gleich erkannt haben? Oder ist das gar nicht so ein Problem?

Ja, das war in Istanbul auch witzig, als wir das erste Mal in der Gemeinde waren. Und ich hatte das auch nicht so auf dem Schirm, auch ein bisschen unterschätzt. Aber es kam direkt einer zu mir, ein türkischer Landsmann, und war völlig baff, dass ich auf einmal in seiner Gemeinde stand. Er hat mich so angeguckt und meinte: „Udukay, Udukay?“ Und ich musste auch erst mal richtig lachen, weil die lustigerweise meinen Namen oft anders aussprechen. Aber das ist gar kein Drama, das ist nicht schlimm.

Deswegen: Ja, klar, man merkt hier schon, der Fußball wird noch mal mehr gelebt, auch irgendwie geliebt, habe ich das Gefühl. Aber ich versuche es immer auch, ja, ein bisschen dann nicht kleinzureden, aber auch den Leuten klarzumachen: Ich bin einer von euch.

In Deutschland muss ich sagen, da war das jetzt gar kein Problem, weil ich jetzt auch bei Augsburg gespielt hatte. Das ist jetzt nicht so ein Riesenpublikum, wo man sagt, jetzt deutschlandweit wird man überall erkannt. Das wäre auch jetzt falsch, das so einzuordnen. Da war das auch recht entspannt. Hier in Istanbul klar, auf der Straße hier und da schon, aber in der Gemeinde trotzdem Geschwister, die mich jetzt ganz normal sehen als Felix und die ich liebe und mit denen ich einfach zusammen auch abhängen kann. Deswegen ist es jetzt kein Problem mehr.

Ja, wo wir gerade beim Thema Ortsgemeinde sind: Uns beim Bibelverdienst ist es auch mal wieder wichtig zu betonen, wie wichtig es ist, dass man sich eine Ortsgemeinde sucht, verbindliche Gemeinschaft sucht und nicht irgendwo im Internet festhängen bleibt und denkt, das ist jetzt irgendwie der Gemeindeersatz. Und ich weiß auch, auch aus dem, was du jetzt gesagt hast, aber auch aus anderen Gesprächen, zum Beispiel mit Manuel Bühler, der euer erster Vorsitzender ist, dass es euch wirklich wichtig ist, auch den Fußballern zu sagen: Es ist gut, dass wir die Gemeinschaft haben, aber es ist auch gut, einen Anschluss zu finden in der Gemeinde.

Vielleicht kannst du noch einmal sagen, warum es in deinen Augen so wichtig ist, eben wirklich eine Gemeinde vor Ort zu haben oder eine verbindliche Gemeinschaft.

Ja, es ist nicht nur gut, ich würde sogar sagen, das ist ein Muss, dass man seine Ortsgemeinde hat. Und das ist auch, was wir den Jungs immer klar machen, die wir so begleiten, sage ich mal. Was ich mir selber auch immer wieder klar machen will: Wir wollen kein Ersatz sein für die Gemeinde, und wir sind auch kein Ersatz für eine Gemeinde.

Es wäre fatal, wenn wir das irgendwie proklamieren oder sagen: So, jetzt Fußball mit Vision, das reicht, hier hast du dein Programm, hier hast du alles, was du brauchst. Wir wollen einfach nur ergänzend, hier und da auch unterstützen, begleiten, zurüsten, so gut es geht. Aber bei Weitem kommt man da nie an ein Gemeindeleben ran, und das soll es auch gar nicht. Das ist nicht unsere Aufgabe.

Sondern ich sehe es ganz klar auch aus der Schrift, biblisch, dass jeder dort, wo er lebt, auch seine Gemeinde sich sucht, wo eine ordentliche Lehre auch gepredigt wird, wo Geschwister da sind, denen man sich anvertraut. Eigentlich genauso, wie es in der Apostelgeschichte steht. Die erste Urgemeinde, die kam zusammen, und manchmal war es Wahnsinn, wenn man das so liest. Die haben alles geteilt, also wirklich alles. Hab und Gut haben die verkauft, um damit den Armen zu helfen. Die haben zusammen gebetet, das Brot gebrochen, sie haben Acht gegeben auf die Lehre, und ja, so muss es sein.

Und deswegen versuchen wir das ja auch immer, unserem Kreis, unserer Community auch wirklich mitzugeben. Ja, wir wollen euch unterstützen, aber vollkommen geht es wirklich nur, wenn ihr auch in einer Ortsgemeinde seid.

Ja, sehr gut. Nun ist man aber nicht immer nur in der Ortsgemeinde und unter Gleichgesinnten, sage ich mal so, sondern man ist in seinem Alltag, weil hier ist das vor allen Dingen der Fußballrasen, das Stadion. Wie ist es da so? Ich weiß nicht, wie offensiv, in Anführungsstrichen, du deinen Glauben lebst, wie du darüber redest. Aber ich meine, allein dass du bei so einem Verein tätig bist wie Fußball mit Vision, zeigt ja schon, dass es dir ein Anliegen ist, dass Jesus verkündigt wird, dass Menschen von Jesus erfahren. Wie ist so deine Erfahrung mit Mannschaftskollegen, mit Mitarbeitern oder auch mit Fans, die darüber Bescheid wissen, über deinen Glauben?

Gut, einfach allen, denen ich begegne, die Bibel in die Hand drücken. Das ist straight. Kicker-Bibel, hast du ja immer ganz viele dabei. Kicker-Bibel, einfach rein da. Nee, Spaß beiseite.

Ja, sehr gute Frage, auch eine herausfordernde Frage, weil ich auch weiß, es ist nicht immer so einfach, da auch Licht zu sein, da auch mutig zu sein. Aber das ist schon etwas, was ich mir immer wieder auch vornehmen möchte, auch versuche, weil ich das wirklich auch im Leben von Jesus so sehe, vor allen Dingen auch bei den Aposteln und Jüngern, dass sie unerschrocken hinausgegangen sind und die Welt und die gute Botschaft verkündigt haben.

Ich versuche einfach, in erster Linie eine Beziehung aufzubauen, sei es zu meinen Mitspielern in der Kabine. Man hat da natürlich auch seine drei, vier Jungs, zu denen man auch einen engeren Kontakt pflegt, auch irgendwie dann zusammenwächst. Auch durch die Zeit, durch Erfolge, Niederlagen. Und man merkt dann auch, wer auch irgendwo offen ist und auch vielleicht mal was hören möchte oder auch einfach Fragen stellt.

Und da versuche ich einfach ganz authentisch Zeugnis zu geben. Ein guter Aufhänger ist doch immer wieder beim Essen. Ich habe es zur Regel gemacht, dass ich einfach vor dem Essen bete, egal wer jetzt um mich herum sitzt. Und da fragen auch schon viele Jungs nach: „Hey, was machst du da?“ oder so, was gerade gebetet wird. Oder auch einfach manchmal in der Kabine die Bibel lesen, wenn gerade nichts los ist in der Mittagspause. Da kommt der eine oder andere rein und guckt so und fragt: „Was liest du da?“ Oder auch im Flugzeug, wenn wir auf der Reise sind, dann lese ich auch gerne.

Da haben sich schon viele Gespräche ergeben mit Teamkollegen, mit Mitarbeitern, mit Physiotherapeuten, die bei uns arbeiten, oder selbst schon ein Co-Trainer, der gefragt hat: „Was liest du da?“ Und man darf dann einfach frei aus seinem Leben erzählen und noch kann, dass man gläubig ist, dass man Jesus nachfolgt, was er für einen getan hat. Und dann sprudelt es eigentlich auch heraus, wenn man dann solche Begegnungen hat.

Deswegen versuche ich einfach, authentisch meinen Glauben zu leben, weil Jesus würdig ist und weil es die beste Botschaft der Welt ist. Deswegen müssen wir uns da auch überhaupt nicht verstecken, sondern dürfen auch wirklich offensiv sein. Natürlich auch weise. Jesus sagt es ja auch: Ihr sollt klug sein wie die Füchse, aber ohne Falsch wie die Tauben. Wir sollen jetzt auch nicht, wie er es gerade am Anfang gesagt hat, mit der Bibel direkt ins Haus fallen und sagen: „Boah, lest jetzt sofort, sonst kommt ihr, ihr wisst wohin“, sondern wir sollen eine Beziehung aufbauen zu dem Menschen. Das finde ich immer ganz wichtig. Und ja, trotzdem mutig sein, das dürfen wir.

Niederlagen, Verletzungen und Rituale vor dem Spiel

Ja, ja, aber wenn ich dich jetzt richtig verstanden habe, dann hast du wegen deines Glaubens bisher keine richtige Ablehnung erfahren. Auch nicht irgendwie im Stadion, dass dich mal ein Fan beleidigt hat? Also direkte Ablehnung oder Abweisung ist das jetzt nicht gewesen.

Was natürlich da ist, ist so ein bisschen Gelächter. Ich weiß nicht, wie ich das sagen soll, nicht ver... aber es werden dann so Witze gemacht, so nach dem Motto: Ja, was glaubst du noch daran? Du glaubst an die Bibel. Aber das sind jetzt keine großen Dinge. Deswegen gab es im Großen und Ganzen zwar mal hier und da Konflikte, und ich habe dann auch gemerkt: Boah, da gibt es auch vor allem innere Konflikte bei Sachen, wo ich jetzt auch nicht so mitgehen konnte. Aber das ist nochmal ein anderes Thema. Eine direkte Ablehnung oder irgendwie großen Streit deswegen gab es Gott sei Dank nicht, nein.

Wir haben uns vorhin schon kurz darüber unterhalten, was sich in deinem Leben verändert hat, seit du Jesus nachfolgst. Ganz allgemein: Ist es nicht auch interessant, was Macht mit dir auf dem Platz macht, wie du dich verhältst? Beispielsweise: Wie gehst du persönlich mit Niederlagen oder Siegen um? Hat sich da auch etwas verändert, seit du Christ bist? Oder zum Beispiel auch das Thema Platzverweis: Ich habe vor ein paar Wochen ein Video gesehen, wo du vom Platz geflogen bist. Das war ganz spannend. Hat dein Glaube irgendeine Auswirkung, oder bist du in dem Moment erst mal wie jeder andere? Erzähl mal, nimm uns da mal mit rein.

Die rote Karte, auf die du ansprichst, die beschreibt es ein wenig. Wir waren da 1:0 zurück, das war auch ein wichtiges Spiel für die Conference-League-Qualifikation, also dafür, dass wir uns noch für diesen Wettbewerb qualifizieren. Wir lagen eben 1:0 zurück und mussten unbedingt ein Tor machen. Es war gerade Halbzeit, und der Trainer hat eigentlich versucht, uns ein bisschen zu beruhigen. Aber ich war schon echt sehr emotional, und wir sind dann direkt rausgegangen, wollten das wieder gut machen, und ich habe dann den Gegenspieler volle Kanne umgesäbelt. In dem Moment war ich darüber hinaus auch nicht gut. Zum einen für die Mannschaft, wir haben da leider auch verloren, und ich habe mir danach viele Gedanken gemacht, weil ich gemerkt habe: Boah, das war zu viel. Nur mal als Beispiel.

Und ich würde sagen, ja, der Herr arbeitet auch da an mir, auch im Umgang mit Niederlagen und Enttäuschungen auf dem Platz. Ich merke, dass es Fußball ist, dass viele Emotionen dabei sind, man ist mittendrin. Manchmal hängt es auch davon ab, wie das Stadion mitgeht. Das macht dann auch nochmal etwas mit dir, dass du da richtig auf Adrenalin bist. Ich würde aber auch sagen: Es muss nicht immer alles direkt so christlich sein, dass man jetzt lieb und nett ist. Ich finde es immer wichtig, dass es auf dem Platz Regeln gibt, und an die sollte man sich halten. Wenn man sich nicht daran hält, dann bekommt man eben eine rote Karte, wie es bei mir der Fall war.

Aber ich finde es auch wichtig, danach dann zumindest zu so einem Gegenspieler hinzugehen und zu sagen: Hey, Handshake, alles, was auf dem Platz passiert, bleibt auf dem Platz. Klar bin ich kein Freund von Trash-Talk oder sowas, das geht für mich auch nicht in Ordnung. Aber ich will einfach nur sagen: Es sind Emotionen. Und ich finde es wichtig, eben nach dem Spiel wieder runterzukommen. Grundsätzlich muss ich schon auch bekennen: Es fällt mir schwer, Niederlagen einzugestehen und abzugeben. Trotzdem versuche ich dann immer, das große Ganze im Blick zu haben. Deswegen helfen mir da auch meine Frau, meine Familie und meine Freunde sehr, damit ich nicht vergesse: Fußball ist nur ein Sport, es ist nicht mehr. Manchmal braucht es dann einen Tag, aber am nächsten geht es dann wieder hoch.

Und sind Siege und Niederlagen meistens eher etwas Kurzweiliges? Aber wenn man sich beispielsweise verletzt, kann das wesentlich länger gehen. Und ich weiß auch ein Stück weit von dir, dass du auch Phasen hattest, in denen du länger verletzt warst. Was hat dir da persönlich geholfen in diesen Phasen?

Also ich habe in diesen Zeiten erst mal sehr, sehr, sehr viel gelernt, weil man auch mal ein bisschen weg ist von dieser Fußball-Bubble. Man bewegt sich natürlich ständig auch um den Fußball herum. Dafür gibt man vieles auf: Zeit, Freundschaften oder auch Familie, weil man eben auch woanders lebt. Das sind schon Dinge, bei denen Fußball viel einnimmt. Aber in Zeiten, in denen ich verletzt war, vor zwei, drei Jahren, war es auch ein riesiger Segen.

Diejenigen, die mich ein bisschen besser kennen, wissen das. Ich habe auch in so einer Verletzungszeit, als ich erst dachte: Herr, was machst du jetzt? Eigentlich lief es richtig gut. Ich weiß noch genau, ich hatte echt versucht, alles zu machen, damit ich topfit werde für die Saison. Ich hatte auch die ersten zwei Spiele richtig gut gespielt, war frisch, war echt stabil unterwegs, hatte sogar eine Vorlage gemacht, und habe mich am dritten Spieltag gegen Mainz verletzt. Ich war richtig sauer. Also ich habe es nicht verstanden und dachte mir auch: Herr, jetzt versuche ich gerade alles, wieder fit zu werden. Jetzt war ich wieder fit, hatte ein gutes Gefühl, konnte der Mannschaft helfen, hatte so meinen Platz wieder gewonnen, und jetzt diese Verletzung.

Ich hatte mir damals das Syndesmoseband gerissen, und da ist man ungefähr acht bis zehn Wochen raus. In dieser Zeit habe ich aber meine Frau kennengelernt. Ich glaube, ich hätte sie ohne diese Verletzung natürlich nicht kennengelernt, jetzt nicht auf diesem Wege. Aber ich konnte damals auch nur in diesen Gottesdienst, weil ich eben erst mal raus aus dem Training war. Ich hatte mein eigenes Programm und konnte deswegen sonntagvormittags in die Gemeinde gehen und bin da auf meine Frau gestoßen. Das ist für mich so ein Bild, wo man im Rückspiegel dann wieder merkt, oder rückblickend merkt: Der Herr ist so gut, und sein Timing ist überragend. Manchmal denken wir: Herr, was machst du? Aber eigentlich ist er dabei, etwas Gutes zu formen.

Deswegen sind es auch in solchen Zeiten, in denen ich mich dann immer wieder daran versuche zu erinnern, dass der Herr manchmal auch einen anderen Weg geht. Und es ist kein verkehrter Weg, sondern genau der richtige Weg.

Gebet, Vorbereitung und die Frage nach dem härtesten Gegner

Wow, total schön, danke, Christien, wie du deine Frau kennengelernt hast.

Wirklich, jeder kennt das, der Fußball schaut: Viele Fußballer haben auf ihre Art ein Ritual. Ich kann mich erinnern, ich bin Dortmund-Fan, und der frühere Torhüter von Dortmund, Roman Bürki zum Beispiel, ist dann immer zur Anstoßlinie gegangen, als der Schiri noch da gestanden hat, und hat erst mal den Ball berühren müssen. Erst danach ist er ins Tor gegangen. Dann sieht man auch, dass manche bei der Einwechslung aufs Spielfeld sich bekreuzigen oder einen bestimmten Torjubel haben.

Wie ist das bei dir? Hast du irgendein Ritual vor dem Spiel, bei einer Einwechslung, oder ist das alles nichts für dich?

Boah, ich habe klar schon so meinen gewohnten Ablauf vor dem Spiel, auch schon im Hotel, weil man ja eh den ganzen Tag über so einem Ablauf gestrickt ist. Also mit Frühstück, Mittagessen, dann noch mal Prematchmeal vor dem Spiel, Analyse, Besprechung, dann fährt man ins Stadion. Und klar, ich ziehe mich dann um. Und wahrscheinlich, wenn ich jetzt selber noch mal so von oben drauf schauen würde, würde ich immer so dasselbe machen vom Ablauf. Ich habe jetzt aber keine bestimmten Rituale.

Was ich gerne mache vor dem Spiel, ist einfach eher beten. Wie du sagst, einige bekreuzigen sich dann auf dem Platz. Ich mache das meistens einfach vor dem Spiel, gehe dann noch mal irgendwo hin oder setze mich auf die Bank und nehme mir dann einfach noch eine Minute zum Beten.

Und auch das Schöne ist: Manchmal hatte ich auch Phasen, da gab es auch schon einen Bruder in meiner Mannschaft oder auch Jungs, die offen waren für den Glauben, und wir hatten einfach so eine Gebetsgemeinschaft auch vor dem Spiel. Dann sind wir zusammen irgendwie hingegangen in die Ecke, wir haben zu viert, zu fünft, teilweise waren schon sechs, sieben Leute dabei, und haben noch gebetet. Das sind auch richtig schöne Sachen.

Deswegen also nicht so ein Ritual, aber einfach etwas, wo ich weiß: Der Herr geht mit uns auch aufs Spielfeld.

Das wäre jetzt noch eine spannende Frage, die mich interessieren würde: Wofür betet man konkret vor dem Spiel?

Das ist eine gute Frage. Für drei Punkte. Nein, also das hätte ich noch ganz am Anfang gemacht oder habe ich gemacht, so: Bitte, Herr, heute, wichtiges Spiel, schenk uns den Sieg. Das kann man auch machen, will ich jetzt nicht irgendwie absprechen oder so. Aber es geht um so viel mehr als nur um diese 90 Minuten.

Deswegen einfach für Schutz, Bewahrung, klar auch durch so ein bisschen meine Verletzungshistorie früher, dass alle bewahrt bleiben, und auch einfach für ein faires Spiel, aber auch für Gelingen, für Freude an dem, was man tut, dass es der Herr auch immer wieder schenkt.

Und ich hatte es auch schon erlebt, hier und da auch selbst nach dem Spiel Begegnungen mit Gegenspielern, mit denen man früher zusammen gespielt hatte und sich im Nachhinein noch mal trifft, sich die Wege wieder kreuzen und dann manchmal nach dem Spiel auch so gute Gespräche zustande gekommen sind, wo ich mir dann dachte: Ja, wir haben zwar das Spiel verloren, aber dieses Gespräch nach dem Spiel mit dem einen Jungen, wir haben vor ein paar Jahren zusammen gespielt, noch da in Buxtehude, jetzt sehen wir uns hier wieder.

Da habe ich einen Fall hier eben in der Türkei erlebt, wo ich mir dachte: Herr, also heute ging es vielleicht nicht primär um das Spiel, sondern einfach um diese Begegnung mit diesem jungen Mann. Wir konnten uns gegenseitig noch mal so erbauen und stärken. Das ist für mich manchmal genau das, wofür man eigentlich auch gebetet hat.

Vielleicht mal eine ganz spannende Frage, vielleicht interessiert es den einen oder anderen, mich interessiert es: Wenn du mal guckst, deine Gegenspieler, du hast von ehemaligen Spielern geredet, aber wer war so dein härtester Gegenspieler auf dem Platz? Was würdest du da sagen?

Also für mich ist es schwierig, die kleinen, flinken Spieler zu verteidigen. Ich spiele ja in der Abwehr, ich muss das Tor hier behüten, und was mir wahnsinnig schwerfällt, sind kleine, schnelle Spieler, so wie Ribéry. Dembélé, weiß ich noch von früher, war so schnell. Weltfußballer jetzt. Man hatte keine Ahnung: Geht er nach links, geht er nach rechts? Der schießt die Ecke mit links, schießt die nächste Ecke mit rechts. Also da bist du auch schon verwirrt als Gegenspieler.

Ich weiß auch noch, das war in der zweiten Bundesliga, aber das ist so ein bisschen ein anderer Typ von Gegenspielern, den ich auch nicht so mag: Das war Dominik Kumbela. Also wirklich echte Fußballexperten werden sich jetzt an diesen Namen noch erinnern. Der war so ein bisschen kleiner, aber der konnte springen, gefühlt fünf Meter hoch. Und ich mit meinen 1,90, also 1,90 lang, habe die Kopfbälle gegen den nicht gewonnen. Und der war so stark und so stabil, und der hat mir das Leben auch so schwer gemacht.

Ja, aber klar, die weltbesten Spieler, Kane, Lewandowski, Haaland, wie sie alle heißen, da freut man sich schon. Da hat man schon Bock drauf, gegen die zu verteidigen. Aber im Spiel dann ist es noch ein bisschen was anderes. Kann auch schnell die Laune vergehen.

Spannend, ja. Du hast gerade Dembélé genannt, er hat ja jetzt auch diesen Titel gewonnen, den Weltfußballer-Titel. Also kann ich mir vorstellen, dass es nicht so einfach war, gegen ihn zu spielen.

Glaube in der Türkei, mit Davy Selke und in einer pluralen Öffentlichkeit

Felix, du spielst jetzt mittlerweile deine zweite Saison in der Türkei, nämlich bei Besiktas Istanbul. Die Türkei ist ja nun im Vergleich zu Deutschland kein christliches Land. Deutschland kann man jetzt so ordentlich definieren, aber du weißt, wie ich es meine. Ich habe gelesen, dass 99 Prozent in dem Land tatsächlich Muslime sind. Wie ist das für dich persönlich als Christ, der in der Öffentlichkeit steht? Merkst du da irgendwie einen Unterschied? Oder gibt es da keine Probleme? Oder was heißt Probleme: Merkst du irgendwie einen Unterschied zu Deutschland?

Du sagst, es sind knapp 99 Prozent Muslime, überwiegend Sunniten, und das ist sehr spannend. Also ich hatte davor auch keine große Ahnung, genau auch so den Background, auch kulturell, auch jetzt von der Religion her. Aber ich kann schon auch offen über meinen Glauben reden. Ich glaube natürlich auch, dass ich gewissermaßen vielleicht auch einen Schutz habe von meinem Status her als Fußballprofi, sage ich mal. Hier ist es manchmal aber auch eine Hürde, wenn man vielleicht in so einer Öffentlichkeit auch noch unterwegs ist, weil man dann oft eben nur auf den Fußball angesprochen wird. Und natürlich ist es auch meine Liebe, über meinen Glauben zu reden und das auch zu teilen.

Aber grundsätzlich muss ich sagen: Istanbul ist ja auch sehr westlich geprägt, natürlich Türkei, aber es ist auch sehr weltoffen. Und wenn man hier mal ein Wochenende verbringt, wird man schnell auch sehen, es sind allerlei Leute in der Stadt. Also wirklich, da gibt es alles, was man in Deutschland auch sieht. Ja, so würde ich das mal grob einordnen.

Und klar ist es immer wieder auch spannend, weil man merkt, wenn man jetzt mal ins Gespräch kommt, sei es mit Muslimen oder auch mit Türken, dass sie in Bezug auf den Glauben schon noch wissen, natürlich über ihre muslimischen Wurzeln, auch über den Koran, der hier eben gelehrt wird. Was ich faszinierend finde oder auch erstaunlich finde, faszinierend ist vielleicht das falsche Wort, aber auch was mich überrascht hatte, ist, wie wenig Leute auch über Jesus aus der Bibel wissen und Jesus aus der Bibel kennen.

Im Koran heißt er Isa, und da ist natürlich dann die Herausforderung, dass sie eben eine ganz andere Vorstellung haben, ein ganz anderes Verständnis von Jesus, weil er bei ihnen nur ein Prophet ist, nicht wie bei uns im Christentum, dass wir eben sagen, Jesus ist der Sohn Gottes. Da ist es manchmal so ein bisschen natürlich auch schwierig, wenn man jetzt tiefer geht, das zu erklären. Auch manchmal oft eine Sprachbarriere, die es dann mit sich bringt, weil auch viele Türken jetzt nicht so gut Englisch können wie vielleicht bei uns in Deutschland. Aber trotzdem erleben wir auch, dass sie offen sind und dass sie auch einladend sind.

Deswegen ja, vielleicht auch als Gebetsanliegen wirklich auch für die Türkei zu beten, dass Menschen auch zum lebendigen Glauben an Jesus Christus kommen.

Danke dir, ja, gutes Gebetsanliegen. Seit diesem Jahr oder seit dieser Saison spielt auch noch ein anderer bekennender Christ in Istanbul, zumindest habe ich ihn auch schon bei Fußball mit Vision entdeckt, nämlich Davy Selke. Ja, bei Başakşehir, ich weiß nicht, ob ich es richtig ausspreche. Der spielt ja, also genau in derselben Stadt. Habt ihr Kontakt miteinander?

Ja, der Bruder, der hat mir vor ein paar Stunden erst noch geschrieben: Wann sehen wir uns wieder? Vermisst mich, glaube ich, schon. Ja, also Davy und ich, wir haben Kontakt, wir sind Freunde. Ich bin sehr dankbar, dass ein Bruder gekommen ist nach Istanbul. Zwar nicht meine Mannschaft, aber fast. Ich bin wirklich sehr happy darüber, dass ein weiterer Bruder hierher gekommen ist. Wir haben uns dann auch direkt connected, und ich bin einfach froh, weil er auch ein super Typ ist und auch irgendwie eine Ermutigung, dass man hier auch nicht allein unterwegs ist. Deswegen freut es mich, dass er da ist.

Ja, jetzt wo du es gerade erzählst, da hätten wir eine Frage: Er ist ja Stürmer und du als Verteidiger, hattet ihr schon mal das Vergnügen auf dem Feld oder werdet ihr es noch diese Saison haben?

Erstmal schade, weil wir hatten schon gegen Başakşehir gespielt. Und ehrlich, worauf ich mich am meisten gefreut habe dieses Jahr, war das Duell gegen Davy, weil, wie du sagst, er ist Stürmer, ich bin Innenverteidiger, wir werden direkt aufeinander gestoßen. Leider aber war er da verletzt und konnte nicht spielen. By the way, wir haben 2:1 gewonnen. Nee, deswegen konnten wir leider da nicht spielen.

Wir haben aber, ich glaube, vor knapp zwei, drei Jahren in Deutschland gespielt. Da war er bei Köln, ich war bei Augsburg, und es war ein cooles Duell. Also Davy ist auch bekannt dafür, dass er mit allem, was er hat, spielt. Und ich hatte schon das Gefühl, er wollte mein Trikot mit nach Hause nehmen. Aber Davy macht unglaublich Spaß, auch gegen solche zu spielen, die ja alles reinwerfen. Und ich glaube, dafür ist er auch bekannt, dass er ein Typ ist, der alles reinwirft.

Davy bekennt sich offen zu seinem Glauben, du bekennst dich offen zu deinem Glauben, und ich habe so persönlich den Eindruck, dass das irgendwie immer mehr passiert, dass Profifußballer sich zu ihrem christlichen Glauben bekennen. Also ich bin ja Borussia-Dortmund-Fan und habe allein fünf Spieler im Kopf, wo ich weiß, dass sie das öffentlich kundtun, dass sie an Jesus glauben. Was ist da dein Eindruck? Ist das so? Hat es zugenommen?

Auch meine Wahrnehmung ist, dass mehrere Fußballspieler wirklich zum lebendigen Glauben an Jesus Christus kommen. Und ich verfolge das natürlich jetzt von innen heraus. Es ist auch schön, wenn das von außen auch so wahrgenommen wird. Und von innen heraus kann ich wirklich sagen: Ja, das nehme ich auch wahr, als Team, aber auch ich persönlich. Weil man dann auch einfach in Kontakt tritt mit den Spielern, weil sich dann natürlich auch schnell eine Linie oder auch eine Beziehung ergibt, wo man merkt, man ist auf derselben Spur, man hat dasselbe Anliegen, und man darf da auch viele von Anfang an begleiten.

Das ist so wunderbar, dass man da Spieler unterstützen darf. Deswegen, das ist jetzt gerade Dortmund angesprochen: Ich glaube, in der Bundesliga gibt es gefühlt heutzutage fast bei jeder Mannschaft einen Christen im Team, auch in der zweiten Bundesliga, in der dritten Liga. Dann guckt man in die Premier League, da ist auch momentan eine große Erweckung unter den Fußballern, wo viele sich bekehren zum Herrn. Ich bin einfach dankbar dafür, was der Herr tut. Das ist sein Werk. Ja, mögen viele dazu kommen.

Freiheit, Geld, Männlichkeit und geistliche Überzeugungen

Nun haben wir vor uns geredet über die Bibel, wie wichtig sie auch dir ist. Wie ist so dein Empfinden in der öffentlichen Wahrnehmung? Also wenn man sich heutzutage auf die Bibel stellt und sagt: Ich glaube daran, was da drin steht, kannst du persönlich deinen Glauben offen leben und kommunizieren? Oder hast du den Eindruck, dass du nicht ganz frei sein kannst?

Also klar, es ist ja auch momentan eine grosse Debatte, sage ich mal, im westlichen Bereich, auch im deutschen Raum, über die Meinungsfreiheit, weil du gerade die Bibel ansprichst. Ich glaube, was viele Menschen vielleicht gar nicht so wahrnehmen und nicht wissen, ist, dass diese Grundlage, auf der wir auch miteinander reden, argumentieren und debattieren können und auch unterschiedlicher Meinung sein können, auf dem christlich-jüdischen Glauben gegründet ist. Ich glaube, das wissen teils viele nicht, dass wir diese Meinungsfreiheit wirklich durch die Geschichte auch der Schrift, also auch dem christlichen Glauben, dem Christentum, zu verdanken haben.

Und das allein ist für mich oft schon ein überzeugendes Argument, was die Bibel auch loslöst, auch in der Gesellschaft. Wenn wir uns auch das Grundgesetz anschauen, dann nehmen wir auch ganz viel aus der Bibel und noch so vieles mehr, aber auch im Miteinander, im gesellschaftlichen Leben. Da wünsche ich mir oft einfach nur ein bisschen Rücksichtnahme auf unsere Wurzeln, dass wir das nicht komplett zur Seite schieben, auf welcher Grundlage wir eigentlich auch leben im Westen, in Europa.

Zu deiner Frage explizit, bezogen auf mich: Ich habe schon die Freiheit, sage ich mir, und fühle mich da auch frei, das wirklich zu sagen, auch zu meiner Meinung zu stehen, auch zu Themen, die vielleicht manchmal, wie kann man es sagen, umstrittener sind, da auch wirklich das frei zu sagen. Und ich finde aber auch, das muss man miteinander aushalten. Und man sollte sich da nicht direkt immer wieder in seiner Identität angegriffen fühlen, sondern wirklich auch seine Meinung haben dürfen, aber auch die Meinung des anderen akzeptieren können.

Ich glaube auch, wenn man immer wieder auf dieser Grundlage zurückkommt, Dinge stehen zu lassen, aber auch seinem Gegenüber zuzuhören, weil man ja auch voneinander lernen kann, dass man dadurch viel, viel mehr gewinnt. Und das wünsche ich mir einfach, weil ich auch merke: Auch im Diskurs, sei es jetzt politisch, gesellschaftlich, wird viel geredet, aber mittlerweile wenig zugehört, habe ich das Gefühl. Deswegen, glaube ich, ist das ein wichtiger Punkt. Wir haben zwei Ohren und einen Mund, nur dass man oft auch eher erst mal zuhören sollte, aber trotzdem auch zu seiner Meinung stehen sollte und auch darf.

Ja, als Fussballprofi stehst du nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern du bist auch mit Dingen konfrontiert, die einen versuchen können. Also Stichwort Berühmtheit. Man sagt ja auch, Fussballer verdienen nicht gerade wenig Geld. Wie gehst du mit diesen Versuchungen um? Es sind ja die grössten Versuchungen, die es so gibt: Sexualität, eben Berühmtheit, Ruhm und Geld. Wie gehst du vor allen Dingen beim Thema Geld damit um?

Ja, sehr, sehr gute Frage, auch sehr wichtige Frage. Ich könnte jetzt einen Riesenexkurs in Bezug auf Versuchungen ausführen, aber um uns wirklich auf den Punkt zu bringen: Wie du sagst, jeder von uns wird damit konfrontiert und versucht, in der einen oder anderen ganz anderen Themen. Der andere wiederum hat ganz andere Themen, der andere wiederum hat bei xy seine Probleme.

Aber ich glaube allgemein: Mein Ansatz ist, nah beim Herrn zu bleiben und wachsam zu sein. Das finde ich immer ganz wichtig. Auch im Neuen Testament lese ich oft: Wachet und betet, seid wachsam, seid nüchtern. Das versuche ich immer wieder für mich mitzunehmen. Trotzdem aber auch seinen Kreis zu haben, seine Brüder zu haben, mit denen man auch darüber redet. Immer wieder auch Ratgeber zu haben, die auch Einblick haben dürfen in dein Leben. Leute, Menschen, die dir nahestehen, denen du wirklich vertraust und die dir auch ins Leben sprechen dürfen.

Das finde ich wichtig, dass man da auch immer wieder korrigiert wird, wenn man mal falsch abbiegt, dass die auch da kommen und sagen: Hey, pass auf, hey, wie gehst du da mit deinen Finanzen um, hey, wie sieht es da in deinem Lebensbereich aus? Das ist so, wie ich das angehe: da wirklich Brüder zu haben, wo man auch Dinge teilt, auch zusammen betet und auch gemeinsam unterwegs ist. Weil man alleine immer leichteres Fressen auch ist für den Widersacher und weil auch das Herz ja auch selber trügerisch ist. Einfach gemeinsam eben das auch zu teilen.

Aber ich bin auch sehr, sehr dankbar, dass der Herr mir da auch Familie, Freunde, meine Frau, meine Brüder an die Seite stellt, die mich da immer wieder daran erinnern, worum es wirklich geht. Und auch wenn ich manchmal, das ist zwar noch nicht passiert, aber mal im Drei-Tore-Schießen dann so nach Hause gehe, dass dann meine Frau kommt und mir einen auf den Deckel gibt, so in dem Sinne: Ich versuche wirklich, einfach nah beim Herrn zu bleiben, das auch immer wieder zum Gebetsanliegen zu machen. Herr, da draussen, es gibt vieles, was da einprasselt, es gibt viele Versuchungen. Aber Herr Jesus, ich will bei dir sein, ich will dir nahe sein, bitte, bitte bewahr mich.

Und wir dürfen auch wirklich, das will ich auch mitgeben, die Überzeugung haben und auch die Gewissheit: Der Geist, den uns Gott gegeben hat, der Heilige Geist, er gibt uns auch die Kraft zu überwinden. Er gibt uns auch die Kraft. Im Römerbrief steht es geschrieben, dass wir durch den Geist die Taten des Fleisches auch abtöten. Und einfach solche Bibelstellen noch vor seinen Augen zu haben, das ist auch wichtig und finde ich hilfreich.

Ich möchte noch mal ganz kurz bei der Versuchung noch mal reingehen, nämlich beim Thema Geld. Ich glaube, es ist wirklich so der grösste Vorwurf, den man immer wieder hört, gerade von Leuten, die nicht viel mit Fussball zu tun haben, die das meiden, die sagen: Ich will damit nichts zu tun haben. Das sind astronomische Summen, die da fliessen, sowohl Ablösesummen als auch Spielergehälter. Und für viele Menschen ist es so der Gott schlechthin: Wenn ich genug Geld habe, dann läuft mein Leben. Was hast du persönlich im Umgang mit Geld gelernt? Also es gibt ja auch die Bibelstelle: Geldgier ist die Wurzel allen Bösen. Die wirst du sicherlich gut kennen. Vielleicht noch mal ein paar Gedanken zu diesem Thema.

Also grundsätzlich muss ich dazu sagen, dass ich mich nicht so sehr auf die Böse gefühlt habe, weil ich mich nicht so sehr auf die Böse gefühlt habe. Dass schon von zu Hause aus Geld wirklich gut gehandhabt worden ist bei uns. Deswegen war es bei mir auch, als ich meinen ersten Vertrag unterschrieben habe, gar nicht so in meinem Kopf: Boah, ich werde mir jetzt direkt irgendwie ein krasses Auto kaufen oder ich werde mir eine krasse Uhr leisten oder was auch immer.

Leute, die mich auch wie gesagt gut kennen, die wissen auch so ein bisschen, wo ich mich bewege. Aber die Frage ist sehr, sehr wichtig, und das will ich auch wirklich ehrlich beantworten: Geld ist eine grosse Versuchung. Und ich merke, dass aber auch mit viel Geld oftmals mehr Probleme kommen und auch weitere Sorgen dazukommen.

Und es ist auch so ein Bild, was man vielleicht auch hat, wenn man sich so denkt: Ja, wenn ich jetzt doch nur Betrag xy auf dem Konto hätte, dann könnte ich meine Rechnung bezahlen, dann könnte ich ... und das absolut. Aber was ich nur damit sagen möchte, ist auch: Ich glaube, man malt sich dann auch immer alles sehr, sehr rosig vor oder auch aus, wenn man so an die Fussballer denkt, die ja auch viel verdienen und ihre Taschen voll machen und was auch immer.

Aber ich weiss auch von vielen Jungs, auch stückweit von mir persönlich: Es gibt Zeiten, da hast du zwar alles, da ist dein Konto voll und du hast vielleicht zwei, drei Autos, du hast ein tolles Haus, aber du bist tief in dir drinnen so unglücklich und so verzweifelt. Und ich habe solche Spieler wirklich auch miterlebt. Ist jetzt leicht gesagt, wie gesagt, also ich will da keinem zu nahe treten, aber dann ist es scheissegal auch das Geld.

Trotzdem muss man eine gute Ausgewogenheit auch finden, dass man sagt: Ja, der Herr hat mir viel anvertraut, und ich persönlich versuche einfach, ein guter Verwalter auch darüber zu sein. Ich versuche immer wieder auch zu prüfen: Herr, wo ist auch Not, wo kann man auch Menschen noch helfen? Aber auch, ja, trotzdem zu sagen: Ich kann mir auch Dinge leisten, ich darf mir auch Dinge kaufen, darf das auch geniessen, das hat uns Gott auch gegeben. Da jetzt nicht irgendwie auf der einen Seite vom Pferd runterzufallen, das ist manchmal auch die Gefahr, dann zu sagen: Jetzt alles nur sparen oder nur spenden oder, weisst du, so ein bisschen auch in dem christlichen Sinne. Auf der anderen Seite auch kein Lotterleben und sagen: Ja, alles raus, happy clappy.

Aber ich bin im grossen Ganzen sehr dankbar, zum einen von meinen Eltern, die mir das so schon von der Tour an mitgegeben haben, dass ich jetzt auch irgendwie nicht so grosses Problem hatte, irgendwie das Essen zu zahlen, wenn ich mit meinen Jungs unterwegs bin, oder auch einfach solche einfachen, banalen Dinge eigentlich, oder jetzt irgendwie das Gefühl habe, ich bin da gross geizig. Ja, ich bin jetzt ein bisschen so ausgeschweift und auch irgendwie, aber genau. Vielleicht fällt mir noch im Nachgang irgendwas ein, was ich dazu sagen würde, ich weiss nicht.

Richtig gut, danke dir. Ein falscher Umgang mit Geld hat schon viele zu Fall gebracht. Natürlich Gier und dass Leute Geld zum Götzen machen, aber genauso auch Nachlässigkeit und schlechte Verwalterschaft. Wir im Bibelverdienst haben ganze Postfächer voll von Nachrichten bekommen mit Fragen, wie man als Christ in den verschiedenen Lebensphasen weise, verantwortungsvoll und biblisch mit seinem Geld umgehen kann.

Dazu hat Markus, der über viele Jahre als einer der führenden Finanzberater des Bundeslands gearbeitet hat, dir einen eigenen biblischen Geldratgeber mit ganz konkreten Tipps und biblischen Ratschlägen für die verschiedenen Lebenssituationen geschrieben. Die Ratschläge daraus haben schon vielen tausend Menschen geholfen, darunter auch solchen in ungewöhnlichen Situationen wie hoher Verschuldung oder reichen Erben.

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Du hast gerade auch schon so ein bisschen durchklingen lassen: Es ist so ein Ideal auch in der Welt, wenn ich genug Geld habe und mir die und die Sachen leisten kann und Frauen habe, keine Ahnung, Erfolg im Fussball, dann bin ich glücklich, dann bin ich ein Mann. Was würdest du aber sagen, was macht aus deiner Sicht einen Mann aus? Das ist jetzt die Frage, wo man anfängt. Biologisch und was weiss ich. Wir bleiben mal vielleicht eher bei den...

Ja. Wird ja heutzutage auch schon viel diskutiert. Nein, aber was ist ein Mann? Also ein Mann ist der Mann des Hauses, so habe ich das immer wieder vor Augen, weil ich jetzt selber auch seit knapp mehr als einem Jahr verheiratet bin und mich natürlich auch mehr damit beschäftige, was sind auch meine Aufgaben zu Hause, was sagt auch die Bibel über das Mannsein?

Und ich sehe schon, dass der Mann das Haupt des Hauses ist, auch das Haupt seiner Frau, aber unter dem Aspekt, dass Jesus Christus das Haupt ist über den Mann, und wir wissen auch über den Herrn, auch Gott der Vater das Haupt über allem ist, und dass es bei Gott eine Ordnung gibt. Und Gott sei Dank gibt es bei Gott eine gute Ordnung, dass ich jetzt nicht nach Hause gehe und zu meiner Frau gehe und sage: Ey, jetzt ab an den Herd, koch was für mich, ich bin der Mann, du die Frau. Nein, nein, das ist nicht der Ton, sondern dass ich letztendlich, wie es die Bibel beschreibt, im Epheserbrief, dass wir Männer aufgefordert sind, unsere Frauen so zu lieben, wie Christus die Gemeinde liebt.

Und wenn man das im richtigen Kontext versteht, dann heisst es wirklich, dass man sein Leben hingibt für seine Frau. Dass man manchmal scheitert schon daran, den Müll rauszubringen. Ich will für meine Frau sterben und ich schaffe nicht mal, den Müll rauszubringen, dann habe ich noch ein bisschen was zu gehen.

Aber ein Mann ist jemand, der seine Frau in erster Linie beschützt, sein Haus beschützt, seine Kinder beschützt, der aber auch natürlich, gerade wenn wir über Geld geredet haben, finanziell seine Familie unterhält, dafür sorgt, dass Essen auf dem Tisch steht, so gut es geht. Aber auch in dem Sinne geistlich seine Familie anleitet. Ich glaube, das ist ein Punkt, der auch oft bei uns Männern vergessen wird, dass wir jetzt nicht nur diejenigen sind, die irgendwie das Geld nach Hause bringen und dann gute Nacht, ich habe meinen Job getan, sondern wie ist es auch mit deinen Kindern, wie ist deine Beziehung auch zu deiner Frau, zu deinen Freunden auch im geistlichen Sinne, trainierst du auch deine Kinder so im Glauben, gibst du denen das auch mit, die Liebe Jesu? Ja, haltet ihr irgendwie Andachten zusammen!

Das sind so Dinge, die mir durch den Kopf gehen, wo ich einfach nur weiss: Es ist zwar jetzt noch nichts mit Kindern und so, aber ich hoffe in Zukunft, dass ich das einfach auch mache, dass ich da auch diszipliniert genug bin und sage: Das ist meine Verantwortung, wie es auch meinem Haus geht, und das möchte ich mitgeben. Und ich sehe das auch wirklich als Aufgabe für den Mann, sein Haus zu beschützen, seine Frau zu lieben, geistlich sein Haus zu versorgen, aber eben auch finanziell. Das sind jetzt mal Aspekte.

Ja, und ein Mann ist auch ein bisschen stärker als die Frau, ist robust, deswegen ja, vor allen Dingen als Innenverteidiger. Lass mal so sagen, wie fast.

Ja, danke, sehr viele kostbare Gedanken dabei. Und ich glaube, ja, einen Mann zeichnen auch aus, dass er Überzeugungen hat. Dass er für Wahrheit eintritt. Wenn du jetzt mal so dich fragen würdest, was ich jetzt gerade tue: Gibt es Wahrheiten in deinem Leben, wo du sagen würdest, da ist nichts dran zu rütteln? Egal wie viel Gegenwind kommt, da stehe ich drauf, davon lasse ich mich nicht abbringen.

Ja, es gibt grundlegende Wahrheiten, wo es nichts dran zu rütteln gibt. Zum einen Jesu Gottheit ist für mich der zentrale Punkt. Genauso auch Jesu Tod und Auferstehung, weil ja, wenn wir seinen Tod nicht als gültig ansehen oder sagen, das war jemand anderes oder was auch immer oder Jesus ist gar nicht gestorben, dann gibt es auch keine Auferstehung. Und auch ohne die Auferstehung ist auch unser Glaube nichtig, sagt Paulus. Deswegen, das sind für mich drei fundamentale Festen in meinem Leben, aber auch grundsätzlich in der christlichen Geschichte, die ja auch schon früh auch angefochten worden sind in der Kirchengeschichte, aber bis heute stehen die felsenfest: dass Jesus ja Gott selbst ist, dass er am Kreuz gestorben ist auf Golgatha und dass er am dritten Tag wieder auferstanden ist. Das sind so Glaubensüberzeugungen, da kann kommen, was will, da ist nicht dran zu rütteln.

Was wäre jetzt, wenn Gott dich rufen würde, ganz auf den Fussball zu verzichten?

Boah, da hast du mich auf dem falschen Fuss erwischt. Klar ist immer so: Sagen ist das eine, dann die Realität eine andere. Ich wünschte, ich wäre vielleicht schon an dem Punkt, wo ich sage: Wenn jetzt Gott das wirklich zu mir sagt, hör auf mit Fussballspielen, ich sage: Hey, du bist der Herr, du darfst entscheiden, Herr, du darfst alles machen. Und dann mache ich das auch mit fröhlichem Herzen.

Ich weiss aber, Realität ist es noch nicht so. Weiss jetzt auch nicht, ob das so ist, ja auch eine schwierige Frage, es ist auch eine tricky Frage, aber ich weiss auch, es kommt eine Zeit nach dem Fussball, und ich bin sehr gespannt, was der Herr auch dann vorbereitet hat. Dann werden ganz andere Themen auch kommen, worauf ich mich schon freue. Ja, so würde ich es mal dabei stehen lassen.

Würdest du sagen, dass du auch Phasen in deinem Leben hattest, wo Fussball den Platz eingenommen hat, wo Fussball ein Götze für dich wurde, wo du deine Identität drüber geholt hast und all das, was Götzen zu tun und uns zu geben scheinen?

Es gibt viele Leute, ich habe teils auch noch früher gemacht, wo man immer so sagt: Gott ist auf der ersten Position, dann eine Familie und dann Beruf oder was auch immer. Aber ich finde diese Herangehensweise auch schon, finde ich, völliger Quatsch, als würde man jetzt irgendwie Gott gleichsetzen mit Karriere oder Familie oder Frau oder was auch immer. Vom Verständnis her finde ich das nicht richtig oder auch, ja, Quatsch.

Aber ich weiss, was du meinst natürlich, dass man in seinem Beruf, in seinem Status natürlich auch Anerkennung sucht, und das geht mir genauso. Es gab schon Zeiten, da sass ich auf der Bank oder war verletzt, und man ist dann eben nicht auf dem Platz und strahlt vor 50, 60 Tausend und kriegt am Ende den Applaus, sondern man ist so am Rande, und man denkt sich dann auch: Boah, hey, wo bleibe ich dann so ungefähr, weisst du?

Und deswegen ist das immer wieder eine Herausforderung, nicht seine Identität, irgendwie seinen Wert davon abhängig zu machen, ob man jetzt 90 Minuten spielt, ob man jetzt ein Weltklassefussballer ist oder ob man eben ein Amateur ist oder was weiss ich, was man für eine Karriere macht, was man verdient oder man kann das Rad ja spinnen bis zum Gehtnichtmehr. Und ich glaube, es ist grundsätzlich immer die Herausforderung für den Christen und eben auch für mich so: Meine Identität ist in Christus.

Und schön ist aber auch, der Herr erweist es ja auch, dass wir uns in gewissen Themen auch echt noch schwer tun, dass wir da noch echt langsam sind und auch irgendwie noch, ja, dann oft uns wieder die Welt untergeht, ich spiel nicht oder ich bin verletzt. Aber der Herr, darüber staune ich, wie geduldig er auch mit mir ist und auch wie gnädig trotzdem, so weil es gibt ja das schöne Lied: Ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst. Und ich liebe dieses Lied, das so, ja, es bringt es auf den Punkt: Gott erkennt uns durch und durch und trotzdem liebt er uns so sehr.

Und deswegen, ja, natürlich ist es auch immer wieder noch mit dem Kampf verbunden, dass man auch Dinge kreuzigt in seinem Leben und noch sagt: Nee, so sollte es nicht sein, ich will wieder umkehren. Und das gehört auch dazu. Aber über alledem, ja, bin ich dankbar, dass Jesus auch geduldig mit uns ist und mit uns auch den Weg gemeinsam geht.

Danke, ich glaube, wo ich auch stehe, heisst das Lied, wenn ich mich richtig erinnere. Du hast vor uns schon mal kurz anklingen lassen nach deiner Karriere, du bist jetzt, ich weiss gerade gar nicht, wie alt bist du jetzt gerade?

Siebenunddreissig?

Du bist 37? Ja genau. So lange spielst du ja ... Nee, ich dachte: Hä, nee, Quatsch, mein Bart verrät mich nur, da fehlt noch ein bisschen was für 37. Aber 27, ich bin 28.

28, genau. Das heisst, du hast, wenn es gut läuft, noch ein paar Jahre Fussballerkarriere vor dir. Ja, was würdest du machen, wenn du kein Fussballer wärst beziehungsweise was schwebt dir vor, nach deiner Karriere zu machen?

Mache ich mir auch öfters Gedanken, wie es dann weitergeht. Ganz konkret weiss ich es noch nicht. Also ich habe jetzt noch keinen Masterplan ausgefertigt, aber ich habe schon den Wunsch, nach dem Fussball mit Jugendlichen zusammenzuarbeiten und auch jungen Leuten ein Stück weit auch so ein Wegbegleiter zu sein.

Auf welche Art und Weise jetzt genau, das weiss ich noch nicht genau, kann ich noch nicht genau sagen. Aber schon irgendwie auch diese Leidenschaft, den Sport, muss jetzt nicht vielleicht unbedingt Fussballer sein, kann es auch, aber auch andere Sportler, aber einfach diese Freude am Sport mit diesem Glauben auch an den Herrn zu verbinden und da irgendwie aktiv zu sein, so ja, im sozialen Zweig, da würde ich mich eher sehen.

Aber mal schauen, bin selber gespannt, was da dann alles kommt und passiert. Aber es ist auch meine Vorstellung, jungen Leuten einfach da dabei zu sein, denen irgendwie auch zu helfen. Cool, das klingt echt spannend.

Ermutigung für junge Christen und Schlussgedanken

Wenn du jetzt in Istanbul bist und nach Deutschland schaust, vielleicht gerade auf die jüngeren Christen in Deutschland: Was würdest du ihnen gerne mitgeben? Was ist dir wichtig zu sagen? Achtet darauf oder tut dieses oder jenes.

Ja, also was ich mitgeben würde, weil ich das selber hier erlebe und sehe in der Türkei: Du weißt doch genau, als ich am ersten Tag hier angekommen bin und was mich umgehauen hat, waren die riesigen Flaggen hier. Also egal, wo du hinschaust, auf den Brücken, neben den Brücken, in der Innenstadt, gefühlt an jedem zweiten Haus hängt eine türkische Flagge. Und groß, riesig, klein, also überall, wo du hinguckst, siehst du immer türkische Flaggen.

Und ich finde es faszinierend, was die Türken für einen Nationalstolz haben, während wir uns oft in Deutschland natürlich auch ein bisschen verstecken oder uns wegen unserer Vergangenheit irgendwie schämen. Aber das finde ich wahnsinnig, was die Türken für einen Nationalstolz haben. Und ich wünsche mir selber, aber das möchte ich auch den jungen Christen mitgeben, aber auch jedem Einzelnen, egal in welchem Alter: Wir können wirklich voll und ganz die Botschaft des Evangeliums in die Welt hinaustragen, und wir müssen uns nicht verstecken.

Ja, wenn jemand sich nicht verstecken muss, dann wir als Christen, die die beste Botschaft der Welt haben. Und deswegen wirklich: Habt Mut, euch auch zu bekennen. Und ich meine jetzt damit gar nicht so sehr, immer dann groß vor vielen Leuten zu stehen und zu denken: Ich muss jetzt da sagen, ich bin Christ. Nein, wirklich in deinem Bereich, wo du unterwegs bist: in der Schule, in der Uni, in Freundeskreisen, wo vielleicht der eine oder andere Freund noch nicht weiß, dass du Christ bist, und auch selbst in der Familie. Da mutig zu sein und, wenn sich Gespräche ergeben, den Mut zu haben und den Herrn zu bekennen.

Und wir sollen auch dafür beten, dass er immer wieder Möglichkeiten schenkt, wo wir einfach Zeugnis sein dürfen. Und gewiss, dann wird er auch Möglichkeiten geben. Und das macht dann auch den Glauben so lebendig, dass man am Morgen, wenn man sich hinsetzt und betet, einfach sagt: Herr, schenke heute wieder neue Begegnungen mit Menschen. Und er wird es machen. Er wird dann auch Möglichkeiten geben, wo du einfach, auch wenn es nur kurz ist, Dinge mitgeben darfst. Vielleicht auch manchmal einfach nur, um zuzuhören. Und die Leute nehmen mit der Zeit wahr: Der hört mir immer zu, oder der ist immer so freundlich und immer so nett. Und dadurch ergeben sich dann Gespräche.

All das möchte ich wirklich mitgeben, weil ich mir für mein eigenes Leben auch wünsche, mutig zu der Botschaft zu stehen, die uns Jesus anvertraut hat.