Serie•Teil 4 / 53Lukas-Evangelium
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einleitung: Die Frage nach Gottes Gerechtigkeit
Es gibt manchmal in der Bibel Geschichten, bei denen man sich als mitfühlender Mensch fragt: Darf Gott das eigentlich, was er da tut? Ist das eigentlich fair, was Gott da tut?
Wir kommen heute an so eine Geschichte. Wir gehen ja fortlaufend durchs Lukasevangelium. Ich möchte euch bitten, sofern ihr die Bibel dabei habt, sie aufzuschlagen. Ansonsten wird uns die Technik aus dem Lukasevangelium 2,1-7 an die Wand werfen.
Da heißt es: Es geschah aber in jenen Tagen, dass eine Verordnung vom Kaiser Augustus ausging, den ganzen Erdkreis einzuschreiben. Diese Einschreibung geschah als erste, als Kyrenius Statthalter von Syrien war. Und alle gingen hin, um sich einschreiben zu lassen, ein jeder in seine Vaterstadt.
Es ging aber auch Joseph von Galiläa aus der Stadt Nazareth hinauf nach Judäa in Davids Stadt, die Bethlehem heißt, weil er aus dem Haus und Geschlecht Davids war, um sich einschreiben zu lassen mit Maria, seiner Verlobten, die schwanger war.
Und es geschah, als sie dort waren, da wurden ihre Tage erfüllt, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren erstgeborenen Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.
Die Weihnachtsgeschichte im Frühling. Wir kennen die Geschichte, ja, wir kennen sie. Wir haben unsere Kinder gesehen, so als Engelchen und Hirten bei diversen Krippenspielen. Und es fällt uns vielleicht gar nicht so beim Lesen sofort auf, dass die Geburt Jesu sich hier in zwei Stellen, in zwei Dingen, ganz massiv unterscheidet von der Geburt, die wir letztes Mal betrachtet haben, nämlich der Geburt von Johannes dem Täufer.
Zwei Geburten, zwei völlig verschiedene Welten
Bei Johannes dem Täufer wird in der Geschichte ganz stark der Schwerpunkt darauf gelegt, dass die Familientradition gebrochen wird. Da sind viele Nachbarn und viele Freunde, die sich mit der Idee auseinandersetzen, dass der kleine Johannes womöglich Johannes heißen soll und nicht Zacharias, wie sein Vater. Das kommt gar nicht gut an.
Letztlich setzt sich dann natürlich doch der Name durch. Man fragt auch Zacharias, wie er denn jetzt heißen soll, und er schreibt es dann auf. Danach kann er wieder reden. Alle nehmen Anteil an dieser Geburt, alle sind begeistert.
Und irgendwie ist es bei Jesus ganz anders. In einem x-beliebigen Stall wird der geboren, der der eigentliche ist, der das Ziel aller Heilsgeschichte ist: der Immanuel, der Gott mit uns. In einem x-beliebigen Stall wird der Heiland der Welt geboren, ohne Freunde, ohne Nachbarn. Bei ihm gibt es keine große Party. Maria und Josef sind allein, und sie können nicht mehr tun, als ihr neugeborenes Kind in eine Futterkrippe zu legen. Ja, Krippe hört sich so nett und so lieblich an, aber gemeint ist eben eine Futterkrippe.
Das heißt: Auf der einen Seite haben wir Johannes den Täufer, den Herold des Messias, der das Volk vorbereitet auf die Ankunft des Messias. Er ist jemand, der Aufmerksamkeit erwecken will, der herausfordert, der anders ist. Man könnte sagen, bei Johannes dem Täufer ist sein Leben von Anfang an Programm. Er ist irgendwie schrill, er provoziert, er ist ein Asket. Er ist einer, dessen Predigten mitten ins Herz hineintreffen. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, akzeptiert keine Autoritäten außer Gott über sich und kennt nur eine Berufung. Und die heißt: Ich möchte Menschen dazu bringen, über sich und über ihr Verhältnis zu Gott nachzudenken.
Und deswegen kommt es bei Johannes dem Täufer überhaupt nicht darauf an, wer sein Vater ist oder wo er geboren wird. Er ist die Stimme eines Rufenden in der Wüste.
Herkunft, Verheißung und göttliche Geschichte
Bei Jesus ist das ganz anders. Der Messias musste in der richtigen Familie zur Welt kommen, er musste am richtigen Ort geboren sein, um überhaupt Messias sein zu können. Und deswegen beschreibt auch der Engel Gabriel, als er Maria begegnet, die Rolle von Jesus so: „Und der Herr, Gott, wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird über das Haus Jakobs herrschen in Ewigkeit, und seines Königtums wird kein Ende sein“: Lukas 1,32.
Oder Zacharias nennt Jesus das Horn des Heils, aufgerichtet im Haus Davids. Also: Aus der Familienlinie Davids kommt dieser Jesus. Und deswegen ist die Herkunft von Jesus ein ganz wichtiger Punkt bei den Evangelien. Wir finden das dann auch später. Wir könnten jetzt Römer 1 lesen oder 2. Timotheus 2, wo Paulus einen Schwerpunkt darauf legt, dass das in Jesus wirklich erfüllt wird, dass er in dieser Linie kommt, die von den Propheten vorhergesagt wurde.
Man kann sich die Frage stellen: Warum ist das so? Warum ist das so wichtig? Die Antwort liegt darin, dass wir es bei den Evangelien eben nicht mit einer Sammlung von irgendwie zeitlos gültigen Wahrheiten zu tun haben, irgendwie so in mythologischer Sprache wird von Generation zu Generation eine Grundwahrheit weitergegeben. Das ist es nicht. Sondern wir haben es bei den Evangelien mit realen Personen zu tun. Deswegen auch diese lange Einführung hier mit „in den Tagen des und des und des“. Ja, wir haben es mit realen Personen zu tun, mit ihrer Beziehung zu Gott. Wir haben es mit Ereignissen zu tun, die in Zeit und Raum tatsächlich geschehen. Wir haben es zu tun mit Gott und mit seiner Rettungsaktion, mit dem, was er anstellt, um Menschen herauszureißen aus ihrer Verlorenheit.
Und deswegen kann Jesus nicht irgendwo zur Welt kommen. Sondern er, als der Höhepunkt dieser Rettungsaktion, muss genau da zur Welt kommen, wo Jahrhunderte vorher ein Prophet namens Micha gesagt hat, dass er geboren werden würde. Und Micha 5,1, ich lese das kurz mal vor: „Und du, Bethlehem, Ephrathah, die du klein unter den Tausendschaften von Juda bist, aus dir wird mir der hervorgehen, der Herrscher über Israel sein soll. Und seine Ursprünge sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her.“
Jesus musste in Bethlehem geboren werden, wenn er der Messias sein sollte.
Der Weg nach Bethlehem und die Zumutung der Umstände
Aber wenn man das so liest, dann merkt man: Das ist nicht der Schwerpunkt der Geschichte, wo er geboren wird. Der Schwerpunkt der Geschichte ist vielmehr die Art und Weise, wie er nach Bethlehem kommt.
Es ist nämlich nicht so, dass Maria und Joseph sich hinsetzen und überlegen, also von langer Hand planen, wie könnten wir unserem Kleinen denn so in diesem Rennen um den Messias-Titel die beste Ausgangsposition verschaffen. Ah, da gehen wir mal am besten nach Bethlehem und schauen mal, dass er da zur Welt kommt, dann stimmt das schon mal. So war es nicht. Sondern da kommt von ganz oben ein Befehl vom Kaiser. Und Joseph, der nun mal aus dem Haus Davids war und in der Nachfolge Davids stand, der sagt sich: Okay, wo muss ich hin? Und das steht im Buch Ruth, dass diese ganze Linie halt aus Bethlehem kommt, dann muss ich nach Bethlehem gehen.
Und selbst wenn Jesus es gewollt hätte, wenn die Eltern es gewollt hätten, sie wären gar nicht in der Lage gewesen, diese Familientradition irgendwie zu vermeiden. Sie mussten dahin. Da kam von ganz oben der Befehl.
Ich finde das natürlich eine kleine Gottesironie. Da ist auf der einen Seite der römische Kaiser, der durch diese Einschreibung versucht, seinen Griff auf die Leute zu festigen, ein bisschen mehr Kontrolle zu haben, so nach dem Motto: Mal schauen, wie viel haben wir denn da und was können wir denn mit denen alles anstellen. Und ohne es zu wissen, schafft der Kaiser Augustus die Voraussetzung dafür, dass ein ganz unbekannter jüdischer Prophet mit seiner Prophezeiung über einen anderen König, den Sohn Davids, recht bekommt.
An dieser Stelle möchte ich eine Frage stellen, um die es mir heute geht: Ist das, was hier passiert, eigentlich fair? Ist das, was Gott tut, hier eigentlich fair? Darf Gott das eigentlich?
Ich stelle die Frage an dieser Stelle, weil wir im Allgemeinen die Weihnachtsgeschichte so als Krippenspiel am Heiligabend erleben. Ich weiß nicht, dann sind so Kerzchen da, man hat so die Vorfreude auf die Bescherung, es gibt so diese besinnlichen Posaunenchor-Weihnachtslieder, die in einem so eine gewisse Stimmung produzieren. Es riecht gut, man hat auch so diese tiefe Gewissheit, dass der Weihnachtseinkauf-Wahnsinn hinter einem liegt. Man kuschelt sich in seinen Sessel, nascht ein Plätzchen, packt seine Geschenke aus. Und ich hoffe, wir danken Gott für unseren Wohlstand.
Das ist Weihnachten, oder?
Die Wirklichkeit hinter der vertrauten Krippenszene
Wisst ihr, was bei unserem Weihnachten fehlt? Bei unserem Weihnachten fehlt das Erschrecken, das ein Mann erlebt, wenn er mit seiner Frau, so im, naja, halt so, ja, also so richtig am Ende, mit richtig dickem Bauch, gesagt bekommt: Einschreibung.
Und er genau weiß, das heißt 100, 150 Kilometer Fußmarsch von Nazareth nach Bethlehem mit einer hochschwangeren Frau. Weißt du, was das heißt? Ich weiß nicht, wenn ihr mal wieder eine Hochschwangere seht, schaut euch das mal an, ja. Wenn wir so ein bisschen vorsichtig laufen. Und jetzt läuft man nicht vorsichtig mal so zum Klo und sagt: Ich muss mal aufs Klo. Sondern jetzt geht das 10, 20, 50, 100 Kilometer Fußmarsch, und du stützt die ganze Zeit deine Frau und denkst: Hoffentlich passiert nichts in einer Gegend, wo Räuber sind.
Oh, vielleicht hatten sie einen Esel, wirst du denken. Kann sein, dass sie einen Esel hatten. Dann denkst du bei jedem Schritt darüber nach, ob jetzt die Fruchtblase platzt oder nicht. Denn du fährst definitiv mit einer hochschwangeren Frau nicht mit deinem Land Rover hier durch die Gegend. Du machst das einfach nicht.
Und dann kommst du in Bethlehem an, endlich, und du schaust dich herum: kein Quartier zu finden, überall Leute, keine Ruhe für deine Frau. Maria ist wahrscheinlich in der Zwischenzeit ganz schön blass geworden, und die Wehen haben schon eingesetzt. Noch unregelmäßig, keine Frage, noch nicht schlimm. Und du suchst weiter, und du findest immer noch kein Quartier.
Ich glaube, Josef ist ein junger Mann, bei dem langsam so im Rücken die Angst hochkriecht. Wo werden wir schlafen? Und die Sonne geht bald unter. Draußen auf der Straße findest du endlich eine Unterkunft, einen Stall, wenigstens einen Stall. Die Wehen kommen jetzt häufiger. Du breitest eine Decke aus, deine Frau legt sich da hin. Es geht weiter, die Presswehen kommen, Josef bringt alleine dieses Kind zur Welt, dann kommt die Nachgeburt. Da musst du die Nabelschnur durchtrennen. Um dich herum ist alles irgendwie blutig, alles ist voll Schweiß, alles ist voll Dreck, und du bist da mitten in so einem Stall.
Dann hält Josef endlich das Kind in der Hand, seine Frau völlig fertig, erste Geburt in einem Stall. Das müsst ihr euch nur mal hygienisch vorstellen. Das ist nicht so, ach, da schaut dann so ein Esel und ein Ochse durch die Tür und sagt: Ah, ist das schön, das kleine Kind. Überhaupt nichts schön. Das ist einfach nur eklig.
Maria will wahrscheinlich nur noch schlafen. Das Kind ist geboren. Vielleicht reibt er es mit Stroh trocken, wickelt es in eine kleine Decke ein, fragt sich, wo kann ich hinleben. Er ist ein Pragmatiker und sagt: Das ist so eine Droge, legen wir es wenigstens mal da rein, dann kann es nicht hin und her kullern. Und ich denke, so hat er sich das nicht vorgestellt.
Wenn du das erlebst, wenn du dieses Kind hinlegst, dann stellst du dir die Frage: Wie soll das morgen weitergehen? Und du denkst: Er ist ja ein Zimmermann. Was macht denn ein Zimmermann, wenn er sich auf sein erstes Kind vorbereitet? Er baut eine vernünftige Wiege und ein bisschen Spielzeug. Nichts da, alles weg. Du bist irgendwo in einem Kaff, wo du wahrscheinlich niemanden groß kennst, und bist allein in diesem Stall.
Und wenn ich Josef wäre, mit dieser ganzen Müdigkeit, mit der Bangigkeit in meinem Herzen, dann hätte ich mir eine Frage gestellt. Ich hätte mir die Frage gestellt: Habe ich irgendwas falsch gemacht, dass mir das passiert? Habe ich Gott noch auf meiner Seite? Wie soll ich diese verrückten Lebensumstände, in die Gott mich da hineinstellt, wie soll ich die denn deuten? Hat Gott mich eigentlich noch lieb, wenn er mir so etwas zumutet?
Zerbruch als Anfang echter Umkehr
Und die Antwort auf solche Fragen ist nicht einfach. Ich glaube, dass wir solche Fragen nur beantworten können, wenn wir uns auf zwei Dinge kurz besinnen. Und das möchte ich heute tun.
Ich möchte uns konfrontieren mit dem Fundament unserer Bekehrung, und ich möchte uns konfrontieren mit dem Ziel unserer Bekehrung: dem Fundament und dem Ziel. Wenn beides klar ist, dann kommen wir mit solchen Situationen klar. Wenn diese beiden Dinge in unserem Leben nicht klar sind, dann werden solche Momente, wie ich sie eben versucht habe, so ein bisschen auszumalen, und vielleicht war es noch viel schlimmer, uns vielleicht den Glauben kosten.
Deswegen meine erste Frage: Was ist eigentlich das Fundament einer Bekehrung, einer echten Umkehr zu Gott, einer echten tiefen Umkehr zu Gott? Ich glaube, es gibt nur ein wirklich brauchbares Fundament, und dieses Fundament heißt Zerbruch. Ich denke, wenn jemand nicht mit leeren Händen als ein hilfloser Sünder vor Gott steht, den ganzen miserablen Zustand seines eigenen Lebens erkennt und anerkennt und Gott Recht gibt und sagt: Du bist die einzige Hoffnung, die ich habe. Ich höre jetzt auf, ich will nicht länger aus eigener Kraft etwas schaffen. Wenn ich nicht zerbrochen vor Gott bin und diesen Punkt in meinem Leben kenne, dann wüsste ich kein anderes brauchbares Fundament für eine Bekehrung.
Mein Leben ist wie ein Teller, und irgendwann in meinem Leben muss ich vor Gott zerbrechen. Und was da zerbricht, das ist mein Stolz, das ist mein Eigenwille, das ist meine Souveränität. Der wird aus dem Ich meiner Mir, Mich, ein Du, Dein, Dir, Ich liebe Dich. Das ist Bekehrung. Zerbruch bedeutet, mein Leben gehört nicht mehr mir, sondern ich gebe es vertrauensvoll in Gottes Hände. Und mit einem Mal geht es dann nicht mehr darum, dass Gott mir meine Träume erfüllt. Sondern es geht darum, dass ich mit meinem Leben Gottesträume erfülle.
Gottes Herrschaft und die Zumutung des Vertrauens
Und deshalb die Frage: Darf Gott das? Ja, er darf es tun, weil ich ihm mein Leben geschenkt habe. Ja, er darf es tun, weil er der König über mein Leben ist. Ja, er darf es tun, weil ich nicht mehr am Steuer meines Lebens sitze, sondern auf den Beifahrersitz gerutscht bin und Gott sich an das Steuer gesetzt hat, weil ich mich entschieden habe, ein Werkzeug Gottes zu sein.
Ich habe gestern eine E-Mail bekommen von einem lieben Freund. Weil ich morgen den Gottesdienst nicht unerwartet überfallen möchte, setze ich euch als Leiter der Gottesdienste hier schon vorab in Kenntnis.
Meine Frau war gestern im evangelischen Waldkrankenhaus in Spandau zur Ultraschallfeindiagnostik. Ich war auch dabei. Der Arzt hat leider nur noch ein totes Baby diagnostizieren können. Es gab keine Herz- oder sonstige Aktivitäten mehr zu sehen. Sie wird heute noch in das katholische Krankenhaus Maria Heimsuchung hier in Pankow gehen, um dort die Einleitung der Wehen vornehmen zu lassen. Das kann lange dauern, und wie der Verlauf im Krankenhaus ist, kann natürlich jetzt auch noch niemand sagen. Insofern weiß ich noch nicht, ob ich morgen im Gottesdienst oder bei ihr sein werde. Wenn ich nicht da bin, dann bitte ich einen von euch, die Gemeinde darüber zu informieren.
Ein Ehepaar, das sich gerade entschieden hat, nach Spandau zu ziehen, um die Gemeindegründungsarbeit zu unterstützen, hat gerade eine größere Wohnung gemietet. Erstes Kind, fünfter Monat. Sie wollen sich aktiv an der Gemeindegründungsarbeit beteiligen. Was sagt man dazu? Jetzt in diesem Moment hängt sie an einem Wehentropf und betet dafür, dass es endlich losgeht. Jetzt in diesem Moment.
Darf Gott das? Die beiden wollen sich doch ganz für das Reich Gottes einsetzen. Wir haben doch Gott lieb. Darf Gott das?
Die Antwort lautet: Ja, ja, er darf das. Und ich muss verstehen, auf welchem Fundament meine Rettung und mein Leben ruht. Das Fundament ist Zerbruch.
Wenn wir sagen: Herr, dann hören wir auf zu murren. Und wir hören auch auf, erschrocken zu sein, wenn Gott uns beim Wort nimmt. Und wenn Gott sagt: Wenn ich Herr bin, dann führe ich dich den Weg, den ich für richtig halte. Warum? Weil es nicht mehr darum geht, dass Gott mir meine Träume erfüllt, sondern dass ich mit meinem Leben Gottes Träume erfülle.
Das Ziel der Bekehrung: Gottes Frieden für alle Menschen
Damit kommen wir zum zweiten Punkt. Das eine ist das Fundament, das andere ist das Ziel der Bekehrung.
Wir wollen Lukas 2,8-20 lesen:
Und es waren Hirten in derselben Gegend, die auf freiem Feld blieben und es nachts Wache hielten über ihre Herde. Und ein Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Herrlichkeit des Herrn umleuchtete sie, und sie fürchteten sich mit großer Furcht. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkündige euch große Freude, die für das ganze Volk sein wird. Denn euch ist heute ein Retter geboren, der ist Christus, Herr, in Davids Stadt. Und dies sei euch das Zeichen: Ihr werdet ein Kind finden, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend. Und plötzlich war bei dem Engel eine Menge der himmlischen Heerscharen, die Gott lobten und sprachen: Herrlichkeit Gott in der Höhe und Friede auf Erden in den Menschen seines Wohlgefallens.
Und es geschah, als die Engel von ihnen hinweg in den Himmel auffuhren, dass die Hirten zueinander sagten: Lasst uns doch hingehen nach Bethlehem und diese Sache besehen, die geschehen ist und die der Herr uns kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden Maria und Joseph und das Kind in der Krippe liegend. Als sie es aber gesehen hatten, machten sie das Wort bekannt, das über dieses Kindlein zu ihnen geredet worden war. Und alle, die es hörten, wunderten sich über das, was ihnen von dem Herrn gesagt wurde. Und die Hirten kehrten zurück, priesen und lobten Gott über alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie es ihnen gesagt worden war.
Wir kennen die Geschichte gut. Wir kennen sie von Weihnachten. Und deshalb will ich auf einen Punkt hinaus: Der Inbegriff für die Tragödie der Geburt ist die Krippe. Sie ist irgendwie das sichtbare Zeichen dafür, dass alles auf den ersten Blick schiefgegangen zu sein schien. Ein Futtertrog als Babybettchen, und genau diese Krippe wird jetzt zum Erkennungszeichen für die Hirten.
Vers 12: Und dies sei euch das Zeichen: Ihr werdet ein Kind finden, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend.
Ja, vielleicht sind in dieser Nacht viele Kinder in Bethlehem geboren worden, vielleicht noch zwei oder drei mehr. Aber es gab nur eines, ein einziges, das in einem Futtertrog lag, nämlich Jesus.
Die Hirten als erste Zeugen der Nähe Gottes
Tja, Hirten. Ich meine, ich habe in den letzten drei Jahren einmal einen Hirten gesehen. Das war auf dem Weg zu euch hierher. Da war er an der Straße vor Bötzow. Da dachte ich: Wahnsinn, schon lange keinen mehr gesehen, Hirten.
Was heißt es, ein Hirte zu sein? Ein Hirte ist einer, der draußen bei den Schafen lebt. Wenn man den rabbinischen Schriften folgt, eher so ein etwas rauer Geselle. Ich stelle mir vor, er riecht auch ein bisschen streng. Er lebt am Rand der Gesellschaft, mit den Schafen in einem sehr entbehrungsreichen und auch gefährlichen Dienst. In der Synagoge hast du so jemanden wahrscheinlich eher selten angetroffen. Schon allein deshalb, weil die Arbeitszeiten es kaum hergegeben haben.
Und genau solche Leute sind es, die als Allererste den neugeborenen Retter, Christus, Herr in Davids Stadt, sehen dürfen. Und das Zeichen ist für sie die Krippe. Ist klar: Wenn du jetzt sagst, ich möchte, dass die Hirten ihn zuerst sehen, dann nimmst du halt den Stall, weil die kennen sie. Die wissen von jeder Krippe in Bethlehem. Die wissen genau, wo sie suchen müssen, und finden ihn dann auch.
Und ich möchte der nächsten Weihnachtspredigt jetzt nicht viel vorwegnehmen, aber ich möchte auf einen Punkt kommen, der mich begeistert. Gott wird Mensch, und er kommt in dieses Menschsein hinein auf eine supersymbolträchtige Weise. Der ewige König betritt die Erde, wird geboren, aber nicht in einem Palast. Der König der Könige kommt nicht in einem Palast zur Welt, nicht abgeschottet vom gemeinen Volk, sondern er tritt so ins Rampenlicht der Öffentlichkeit, dass ein Punkt ganz klar wird. Und dieser eine Punkt heißt: Ich, Gott, bin für jedermann erreichbar.
Der Friede auf Erden in den Menschen seines Wohlgefallens ist kein Angebot an einen elitären Club von Auserwählten, sondern eine Einladung für das ganze Volk. Für jeden, der hören will. Für jeden, der wie die Hirten bereit ist, hinzugehen und die Sache zu besehen, die der Herr kundgetan hat.
Gottes Nähe zu den Kleinen und Übersehenen
Ich finde das toll. Das ist etwas, was mich hemmungslos begeistert: dass Gott so klein wird, dass niemand Angst haben muss, wirklich niemand Angst haben muss, die Hände zu falten und zu sagen: Komm bitte in mein Leben. Und niemand muss Angst haben, dass er irgendwie zu groß dafür wäre, dass man es ihm nicht beten könnte.
Und ich denke an die erste Frau, bei deren Bekehrung Gott mich benutzen durfte: eine etwa 62- oder 63-jährige Putzfrau, vom Leben gezeichnet. Ihr Mann war Alkoholiker, sie hat ein Leben lang geschuftet und sechs Kinder mehr oder weniger alleine durchgebracht. Und ich weiß noch, wo sie sich hinkniete und ihr Leben Gott übergeben hat. Das hat mich so fasziniert.
Da ist jemand, wo du sagst: gesellschaftlich, na ja, und das ist noch freundlich formuliert. Und dann kommt Gott in seiner Liebe und sagt: Ich habe dich, kleine. Sie war auch wirklich klein, sie war so 1,48 Meter. Ich habe dich, kleine alte Frau, ich habe dich von Herzen gern. Und es spielt überhaupt keine Rolle, was in den letzten 62 oder 63 Jahren passiert ist. Ich bin so, dass du zu mir kommen kannst.
Das fasziniert mich. Und diese Wahrheit finden wir hier von Anfang an. Da kommen die Hirten. Und sie dürfen ihm begegnen.
Nochmal zu der Frage: Ist es eigentlich fair, was Gott tut? Und die Antwort, die ich geben möchte: Ja, es ist fair. Ja, Gott darf uns krumme und schwierige Wege führen, weil wir nur auf diese Weise das Ziel unseres Lebens erreichen. Gott führt uns so, wie es nötig ist, damit seine Rettung zu allen Menschen kommt.
Wir sind seine Werkzeuge, dazu berufen, die guten Werke zu tun, die er vorbereitet hat. Wir sind nicht dazu berufen, ständig Gottes Wege mit uns zu hinterfragen und immer an seinen Entscheidungen herumzumäkeln. Wir sind dazu berufen, ihm zu vertrauen. Wir sind dazu berufen, ihm unsere Sorgen abzugeben, ihm nachzufolgen und, ich sage mal ganz nebenbei, ein Segen für alle Arten von Menschen zu werden. Das ist unsere Berufung und unsere Chance.
Wir leben Gottes Traum, und bei Gott spielen Menschen die Hauptrolle. Bei Gott spielt jede Putzfrau, jeder Hirte, jede Frau, die weiß, was es heißt, ein Kind zu verlieren. Gott will jeden, und Gott ist bereit, dich so zu führen, dein Leben so einzurichten, dass diese Tatsache, dieses Heilsangebot, dieses Friedensangebot, Gottes Schalom zu allen Menschen kommen kann.
Und deswegen hat Gott uns auch kein einfaches Leben versprochen. Aber was er uns verspricht, das hört sich so an: Wer an mich glaubt, aus dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen. Das ist unsere Berufung.
Lichtblicke auf dem Weg und ein abschließender Rat
Und bei meiner Bekehrung habe ich Gott gesagt: Führe mich dahin, wo du mich haben willst. Mein Leben gehört jetzt dir. Und diesen Ball nimmt Gott auf und sagt: Okay, wenn du das ernst meinst, dann führe ich dich zu den Menschen, von denen ich weiß, dass sie das Evangelium brauchen.
Denn wenn ich meinen Frieden bringen will, dann mache ich dich zu einem authentischen Zeugen Jesu Christi. Und dazu gehört das Kreuz, dazu gehört Nachfolge, dazu gehört Selbsterniedrigung. Warum? Weil es nicht mehr darum geht, dass Gott mir meine Träume erfüllt, sondern dass ich mit meinem Leben Gottes Träume erfülle.
Und dass das klappt, sehen wir hier: Die Hirten freuen sich, sie loben Gott, sie gehen weg und sind wahnsinnig: Was haben wir hier gesehen? Aber sie konnten es nur sehen, weil Maria und Josef sich darauf eingelassen haben, weil sie bereit waren zu gehorchen, weil Josef nicht gesagt hat: Nein, da mache ich nicht mit. Und vielen Dank, das ist mir einfach zu schwer.
Deswegen geht hier eine Bande von Hirten nach Hause, macht die ganze Stadt unsicher, schreit herum, ist begeistert und erzählt das weiter. Und in Lukas 2,19 heißt es über Maria: Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen.
Ich habe so manchmal gedacht: Da klopfen so die Hirten an, ja, und dann machst du da auf und bist erst mal ein bisschen erschrocken und denkst: Ups, wollen die jetzt hier mit ihrer Erde rein, ja, und müssen die jetzt hier raus oder so? Nein, nein, alles gut, ja, Engel und Sohn Davids und Messias und Retter, wir wollen die Nummer sehen, den Kleinen.
Welchen Kleinen? Na, euer Kind.
Wie, woher wisst ihr?
Ja, Engel, ist schon alles gut. Komm, lass uns rein.
Und dann gehen die da rein, schauen sich das an, erzählen ein bisschen, merken natürlich wahrscheinlich auch, dass Maria und Josef fertig sind, gehen hoffentlich auch bald wieder, und dann wird Maria nachdenken. Und all das, was sie da erlebt hat, ist für sie eine Bestätigung, ein starker Trost.
Könnt ihr euch vorstellen, wie besorgte Mütter sind, wenn sie ihr erstes Kind zur Welt bringen? Vor allem, wenn du weißt, es ist der Sohn Gottes. Und dann passiert das alles so, wie es passiert, und es ist irgendwie nicht so richtig gut. Und du denkst: Ja, bin ich irgendwie schuld an der Situation? Hätte ich mich besser vorbereiten müssen? Hätte ich an irgendwas denken müssen?
Und in dem Moment, wo die Hirten kommen und wieder gehen und sie all das hört, weiß sie: Ja, alles ist im Lot, alles ist in Gottes Hand. Die Einschreibung, die Krippe, die Umstände. Gott ist da.
Und das ist ein letzter kleiner Punkt, den ich anhängen möchte, weil ich ihn wichtig finde: Wenn wir mit Gott unterwegs sind und wenn wir es zulassen, dass Gott unser Leben prägt und uns in Situationen hineinführt, die wir uns nie selber ausgesucht hätten, wo es nur darum geht, an der Hand Gottes zu bleiben und durch das dunkle Tal durchzugehen, zu wissen: Mich kann nichts scheiden von der Liebe Gottes. Ich lasse nicht los, Vater, ich halte mich so lange fest, bis du mich da durchgebracht hast.
In solchen Momenten gibt es, wie hier bei Maria, Momente, wo Gott uns Lichtblicke besonderer Klarheit schenkt. Wo wir erkennen, dass, egal was um uns herum gerade zerbricht und kaputt ist, alles im Lot ist. Dass Gott es wirklich gut mit mir meint. Dass nicht meine Lebensumstände meine Lebensqualität diktieren, sondern dass es alleine darum geht, ob ich Gott nachfolge.
Und ich möchte dir einen Rat geben: Wenn du so etwas erlebst, wenn du inmitten von wirklich stressigen Zeiten bist, dann halte das fest. Ich erinnere mich noch, das war bei uns beim Umzug. Ich weiß nicht, das vorletzte Jahr war bei uns unglaublich turbulent, und plötzlich kommt aus heiterem Himmel dieses: Ja, der Auftrag Gottes zieht nach Spandau. Und ich dachte: Entschuldigung, Vater im Himmel, ich habe dummerweise das ganze Jahr schon verplant. Wo soll das noch rein? Zwei Wohnungen renovieren und dies und das, das schaffen wir doch gar nicht. Und Gott sagt: Hey, weiter.
Ich merkte, wie das mitten hineinkam. Das waren stressige drei Monate, und das war irre. Und wir haben uns viel gestritten als Ehepaar, das war keine super schöne Zeit. Das war irgendwie so bäh. Und sie war froh, als es rum war. Aber mitten hinein so Lichtblicke, so Dinge, wo du sagst, du stehst da und sagst: Vater, ist das wirklich der richtige Weg? Ich kann es im Moment nicht mehr sehen. Schenk mir irgendein kleines Zeichen.
Und Gott tut irgendetwas, wo du sagst: Vielen Dank, ich habe es wieder verstanden. Ich brauchte diesen kurzen Moment, um noch zu wissen, dass ich unterwegs bin mit dir.
Und wenn es das gibt, haltet das fest. Haltet das fest, rechnet damit, dass Gott das schenkt, und geht weiter. Vielleicht müsst ihr es aufschreiben, ja. Vielleicht mache ich sowas dann gerne: Wenn ich es aufschreibe oder ich verwende es in der Predigt, dann vergesse ich es auch nicht. Macht irgendwas, aber haltet es fest. Ihr geht leichter durch, wenn ihr diese Momente festhaltet.
Also, warum darf Gott mit Maria und Josef, aber auch mit meinem Leben machen, was er will? Die Antwort ist erstens: weil Bekehrung mit Zerbruch beginnt. Der alte Jürgen ist tot, ich gehöre jetzt Gott. Zweitens: weil Gott mit meinem Leben ein Ziel hat. Es geht darum, Gottes Friedensangebot in eine kaputte Welt zu tragen, und das wird nur funktionieren, wenn wir die Kaputtheit der Welt ertragen.
Und wenn das passiert, wenn du dazu bereit bist und wenn du sagst: Ich bin bereit, diesen schweren Weg zu gehen, dann möchte ich dir den Tipp geben: Pass auf diese kleinen Mutmacher auf, die Gott dir schenkt, diese kleinen Lichtblicke, die er in dein Leben hineingibt, um dir so ein Stückchen zu sagen: Komm, alles ist gut, geh weiter. Halte die einfach fest.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.
Jürgens aktuellste Gebets-Infos gibt's hier zum Lesen und Abonnieren.

