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Gesetz und die Gerechtigkeit aus Glauben

Matthäus 5,17-20
Matthäus 5,17-5,2017.11.2002
Serie•Teil 20 / 37Matthäus-Evangelium
Suchst du nach echtem Verständnis für das Gesetz und dem Weg zu einer besseren Gerechtigkeit? Wenn nur die "heiligsten" unter uns – die Pharisäer und Schriftgelehrten – ins Himmelreich gelangen, was bedeutet das für dich? Diese Predigt zeigt, dass Gerechtigkeit nicht durch gute Werke erlangt wird, sondern als Geschenk Gottes kommt. Wie kannst du die Gerechtigkeit, die du brauchst, tatsächlich empfangen?

Der Weg vom Ziel her gedacht

Vielleicht kennt der eine oder andere unter euch diese Labyrinth-Rätsel. So ein Labyrinth, in der Mitte ist dann meist eine Maus oder ein Käse, je nachdem, von wo man es sieht. Und man hat dann verschiedene Eingänge und muss versuchen, welcher Weg zum Ziel führt.
Jetzt sind wir in dieser Kinderliteratur drin. Und ich habe nie verstanden, was das sollte. Ich habe immer eins gemacht: Ich bin in die Mitte gegangen und dann nach außen gewandert, statt von außen nach innen. Ich bin nicht so blöd, dass ich da vier Wege ausprobiere, bis ich den richtigen habe.
Und genau dieses Prinzip, dass man letztlich rückwärts anfangen muss, um manche Sache schnell und richtig zu verstehen, das wollen wir heute bei unserem Bibeltext mal probieren.
Unser Bibeltext wird sein Matthäus 5,17-20, und der Titel meiner Predigt wird lauten: Top den Pharisäer. Okay, Top den Pharisäer, seid besser als der Pharisäer.
Und wir wollen gemeinsam den Predigttext lesen, Matthäus 5,17-20. Wenn jetzt jemand keine Bibel dabei hat, da vorne ist der Ansgar, der gibt euch gerne noch eine Matthäus 5, die Verse 17-20.
Und da sagt Jesus Folgendes:
„Meint nicht, dass ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, soll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein von dem Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist. Wenn nun jemand eines dieser geringsten Gebote auflöst und so die Menschen lehrt, wird der Geringste heißen im Reich der Himmel. Wer sie aber tut und lehrt, dieser wird groß heißen im Reich der Himmel. Denn ich sage euch: Wenn nicht eure Gerechtigkeit vorzüglicher ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel eingehen.“
Labyrinthrätsel: Wir fangen in der Mitte an, wir fangen von hinten an. Das heißt, wir nehmen uns jetzt einfach den letzten Vers. Wir nehmen uns den Vers: „Denn ich sage euch: Wenn nicht eure Gerechtigkeit vorzüglicher ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel eingehen.“
Damit fangen wir an und dann gehen wir zurück.
Die alles entscheidende Frage im Leben eines Menschen, eine Frage, die jeder Mensch für sich irgendwann beantworten muss, lautet folgendermaßen: Ist meine Beziehung zu meinem Schöpfer so, wie sie sein sollte?
Also die alles entscheidende Frage, die ein Mensch sich beantworten muss, lautet: Ist die Beziehung zu meinem Schöpfer wirklich so, wie sie sein sollte?
Und es macht keinen Sinn, vor dieser Frage davonzulaufen, weil wir ihr eines Tages wieder begegnen werden. Und wenn es auf dem Sterbebett ist.
Und deswegen ist es so klug, sich rechtzeitig darum zu kümmern und es nicht auf ewig wegzuschieben. Denn es könnte einmal zu spät sein. Es könnte einen Moment geben, in dem ich zu dieser Frage nichts mehr Sinnvolles sagen kann.
Der Text macht klar, dass in das Himmelreich, und jetzt sage ich mal: Das Himmelreich ist ein anderer Begriff dafür, dass jemand mit Gott lebt, dass in eine Beziehung mit Gott nur gerechte Menschen hineinkommen können. Eine Beziehung zu Gott bekommen nur gerechte Menschen.
Und deswegen war es so wichtig, als wir uns die Seligpreisung angeschaut haben, Matthäus 5,6. Da heißt es: „Glückselig, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten.“ Da ist uns das schon so ein bisschen aufgegangen, wie wichtig dieses Thema Gerechtigkeit ist.
Ich hatte einmal gesagt: Die ganze Bergpredigt dreht sich letztlich um diese Frage: Was ist Gerechtigkeit? Wie sieht die Gerechtigkeit aus, die Gott will? Und andersherum: Wie sieht die Gerechtigkeit aus, die Gott verachtet?
Und hier sagt Jesus nun: Wenn eure Gerechtigkeit nicht vorzüglicher ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel eingehen.
Und für die Leute damals war das ein Schlag vor den Kopf. Die Pharisäer, das war eine Gruppe von sehr strenggläubigen Juden, die vollständig davon überzeugt waren, dass sie mit ihrem Leben, aufgrund ihrer Hingabe und aufgrund ihrer vielen guten Werke auf alle Fälle bei Gott gut angesehen waren.
Und die Schriftgelehrten, das war ein Berufsstand. Da gab es zwei Arten von Schriftgelehrten: die mehr weltlichen Schriftgelehrten, die würden wir heute Notare nennen, und es gab die geistlichen Schriftgelehrten, das waren die Ausleger der Bibel.
Wenn man die gefragt hätte: „Du, kommst du in den Himmel?“, die hätten gesagt: „Na klar, wer wenn nicht ich?“ Und die Leute der damaligen Zeit hätten das auch so gesagt. Es gab damals ein Sprichwort, das hieß: Wenn nur zwei Menschen in den Himmel kommen, wird einer ein Schriftgelehrter und ein anderer ein Pharisäer sein.
Jetzt könnt ihr euch vorstellen: Wenn Jesus sagt, ich nehme mal den höchsten Standard, den ihr habt, und wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als dieser allerhöchste Standard, den ihr euch nur denken könnt, braucht ihr über eine Beziehung zu Gott überhaupt nicht nachzudenken. Völlig ausgeschlossen, die kommen definitiv nicht an.
Und Leute müssen total konsterniert dagesessen haben und sich überlegen: Was meint er?
Und wir wollen auch gemeinsam überlegen: Was meint Jesus eigentlich mit einer solch radikalen Aussage?
Dazu möchte ich euch vor Augen führen, wie Pharisäer und Schriftgelehrte gedacht haben. Pharisäer und Schriftgelehrte waren so eine Art Philosophie-Mathematiker. Die hatten eine Gleichung im Kopf. Und diese Gleichung haben viele Leute im Kopf.
Die Gleichung lautet folgendermaßen: Ein gutes Leben plus wenig Sünde ist gleich Gerechtigkeit vor Gott.
Nochmal: Sie glauben an Folgendes: Ein gutes Leben plus wenig Sünde ist Gerechtigkeit bei Gott.
Die Tragik unserer Zeit liegt darin, dass genau das viele Leute glauben. Ich würde sagen, das ist die am weitesten verbreitete Irrlehre unseres Landes: dass Leute glauben, wenn ich nur ein halbwegs gutes Leben führe, so irgendwie ein kleines bisschen besser als mein furchtbarer Nachbar von nebenan, dann habe ich es.
Und genau das ist das Denken der Pharisäer und Schriftgelehrten gewesen. Aber diese Gleichung, ich muss mich nur anstrengen, ein möglichst gutes Leben zu führen, und wenn ich da einfach ein Tick besser bin als der andere, dann habe ich es geschafft und der andere nicht, diese Gleichung ist falsch, und sie wird immer falsch bleiben.
Ich möchte euch zwei Gründe dafür nennen.
Der eine Grund ist der, dass die Bibel sehr deutlich macht: Jede Sünde, die du in deinem Leben tust, ist eine Sünde zu viel. Jakobus 2,10 drückt es folgendermaßen aus: „Denn wer das ganze Gesetz hält, aber in einem strauchelt, ist aller Gebote schuldig geworden.“
Das ist ein Vers, der manch einen erschrecken lässt: „Denn wer das ganze Gesetz hält, aber in einem strauchelt, ist aller Gebote schuldig geworden.“
Und das klingt erst mal so total unfair. Wie kann Gott das machen? Ich habe doch nur an einer Stelle etwas Falsches gemacht. Warum bin ich plötzlich aller Gebote schuldig geworden?
Der Punkt ist der, dass eine Sünde meine Beziehung zu Gott zerbrechen kann. Mehr braucht es nicht.
Und das andere ist, dass eine gute Tat doch nicht irgendwie eine böse Tat auslöschen kann. Manche Leute denken das so: Na ja, wenn ich zehnmal was Gutes tue, dann darf ich doch auch einmal was Schlechtes tun. Das ist irgendwie so im Kopf drin.
Aber jetzt übertrag das mal auf den Straßenverkehr. Wenn ich zehnmal vor einer grünen Ampel halte, darf ich dann beim elften Mal bei Rot rüberfahren? Keiner würde sagen: Ja, na logisch, er hat zehnmal Grün, das ist einmal Rot wert.
Probiert das mal bei der Blitzerampel Bukordamm. Und dann schreibt ihr unserem Polizeipräsidenten: Also, ich habe eigentlich schon zehnmal gehalten. Und jetzt war das doch einmal frei, oder?
Und dann wird der sagen: Das ist überhaupt nichts frei. Die Norm ist die gute Tat. Die Norm ist, im Bild gesprochen, das Stehenbleiben. Und einmal drüber und die Beziehung zu Gott zerbricht.
Der zweite Punkt ist der, dass man sich die Frage stellen muss: Wozu sind die Gebote eigentlich da? Sind sie die Strickleiter, die Gott uns knüpft, an der wir uns Stufe für Stufe hochhangeln, bis wir im Himmel ankommen? Ist es wirklich das? Ist das die Funktion der Gebote, die Gott uns gibt?
Und ich muss sagen: Nein, nein, nein.
Als ich einer Volkshochschule Kurse gibt, ist das immer das große Erwachen der Teilnehmer: Wie, ja, ich dachte, dazu seien die Gebote da, dass man sie hält und dann, wenn man halt alles gehalten hat, in den Himmel kommt. Und dann muss man sagen: Nein, das ist es nicht.
Die Bibel macht sehr klar, dass man die Gebote gar nicht halten kann und dass sie auch niemals dazu gedacht waren, komplett gehalten zu werden, sondern dass die Gebote einen ganz anderen Sinn verfolgen.
Dieser Sinn kommt zum Beispiel im Römerbrief zum Ausdruck, Römer 3,20, ein Abschnitt, den Paulus bringt, nachdem er zweieinhalb Kapitel lang gezeigt hat, dass alle Menschen, egal ob es die gemeinen Sünder sind, die sowieso machen, was sie wollen, ob es die Leute sind, die so ein bisschen besser sein wollen als die anderen, oder ob es religiöse Typen sind: Alle greifen im Blick auf die Gebote Gottes einfach zu kurz.
Und das Fazit findet sich in Römer 3,20: „Darum wird aus Gesetzeswerken kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden.“ Kein Fleisch, kein Mensch wird gerechtfertigt werden, wird gerecht gemacht, gerecht gesprochen werden, durch seine Werke, denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.
Also das, was das Gesetz, was die Gebote Gottes wollen, ist, dass wir die Sünde in unserem Leben erkennen. Und wenn wir die Sünde erkannt haben, uns dann die Frage stellen: Wie kann ich damit umgehen?
Und dann, ich will die Stelle jetzt nur anreißen, folgt daraus aus der Erkenntnis meiner Unzulänglichkeit, aus der Erkenntnis meiner Schuld, dass ich einen brauche, der mich rettet. Weil ich nämlich natürlich probieren kann, die Gebote zu halten, aber ich werde an den Punkt kommen, wo ich, wenn ich ehrlich zu mir selber bin, ehrlich zu meinem Gewissen bin, sagen muss: Vater im Himmel, ich kann es nicht. Und wenn das dein Maßstab ist, dann greife ich zu kurz.
Und das ist der Moment, an den Gott einen jeden Menschen führen will. Galater 3,24 heißt es: „Also ist das Gesetz unser Zuchtmeister auf Christus hingeworden.“
Gott möchte, dass wir erkennen: Wir brauchen noch einen, der von außen in unser Leben hineinkommt, der das, was wir aus eigener Kraft nicht vermögen, durch und in uns möglich macht, der unsere Schuld bezahlt und der unser Leben umkrempelt, der uns die Kraft gibt, dass wir neu mit ihm leben können.
Das ist die Funktion des Gesetzes. Da will uns Gott hin haben.
Und natürlich kann man auf so ein Gesetz anders reagieren. Man kann jetzt Folgendes machen, und das war eben das, was die Pharisäer und die Schriftgelehrten getan haben: Man kann irgendwie versuchen, die Gebote zu relativieren, diesen Maßstab, der so ist, dass ihn kein Mensch halten kann, doch auf ein Niveau bringen, dass zumindest die, die sich anstrengen, gerade so den Kopf drüber kriegen und sagen: Ich habe es geschafft.
Das kann man probieren. Um das zu tun, haben die Pharisäer und die Schriftgelehrten drei Dinge eingeführt in ihr Verständnis. Sie haben quasi drei Dinge falsch gemacht im Blick auf das Gesetz. Ihre Anwendung war dreifach daneben.
Erstens: Sie wollten eine Gerechtigkeit vor Gott, die rein äußerlich war. Also in ihrem Denken war es so: Solange ich nicht jemanden umgebracht habe, nur darüber nachgedacht habe, ihn umzubringen, aber solange ich es nicht wirklich getan habe, habe ich nichts Falsches gemacht.
Und sie haben komplett vergessen, dass Gott nicht allein an unseren Taten interessiert ist, sondern dass Gott an unserem Herzen interessiert ist, dass Gott sie auch für ihre Gedanken richten würde. Das hatten sie nicht bedacht.
Und so wurden sie sehr schnell zu Heuchlern, zu Menschen, die nicht mit ihrem ganzen Herzen Gott liebten, sondern die äußerlich eine Fassade von Gutheit, von Gutsein aufgebaut haben, aber im Herzen nicht wirklich bei der Sache waren.
Heuchelei ist immer ein schlechter Ersatz für Heiligkeit, und auch religiöse Zeremonien, auch der Besuch eines Gottesdienstes, ist immer ein schlechter Ersatz für echten inneren Herzensgehorsam, für eine Herzensbeziehung zu Gott.
Das Zweite, was die Pharisäer und die Schriftgelehrten getan haben, ist, dass sie die Gebote nur teilweise gehalten haben. Jetzt wird man sagen: Das muss ihnen doch aufgefallen sein.
Ich will euch kurz erklären, wie es dazu kam. Man nehme die Bibel, und in dem Wunsch, alles richtig zu machen, untersuchten sie jetzt das Alte Testament nach Geboten. Und es dauerte gar nicht lange, dann hatten sie eine ganze Liste, Hunderte von Geboten herausgeschrieben, und die wollten sie halten.
Und plötzlich merkten sie: Na hoppla, die Gebote sind ja gar nicht so genau aufgeschrieben, wie wir es brauchen, um sie zu halten. Da ist das Sabbatgebot: Du sollst nicht arbeiten. Wunderbar, aber was heißt denn das jetzt? Wo fängt denn bitteschön Arbeit an?
Und dann fing man an, die Anforderungen, die sehr allgemeinen Anforderungen des Gesetzes, weiter zu konkretisieren. Und es entsteht das, was in der Bibel bezeichnet wird als die Überlieferung der Menschen. Das sind keine Gebote, keine eigentlichen, sondern es sind selbstgemachte Zusatzregeln.
Also: Soll man am Sabbat nicht arbeiten? Na ja, dann ist wohl das Tragen von etwas Arbeit, also darf man nichts tragen. Ja, aber ab wann beginnt denn das Tragen einer Sache, Arbeit zu werden? Und dann haben sich Leute zusammengesetzt und haben überlegt: Okay, wie viel Essen darf ich tragen, bevor es Arbeit wird? Und man hat dann definiert und hat gesagt: Du darfst so viel Essen tragen, etwa wie eine Feige wiegt. Also wenn du mehr Essen mit dir herumgetragen hast, als eine Feige wiegt, dann hast du das Gebot übertreten.
Und so hat man das weiter durchdefiniert. Ja, wie viel zum Beispiel Tinte darf ich mit mir herumtragen? Ja, du darfst so viel Tinte mit dir herumtragen, dass es gerade reicht, um zwei Buchstaben zu schreiben. Hattest du so viel Tinte für drei Buchstaben, war das eine Übertretung des Gesetzes.
Und ihr könnt euch vorstellen: Auf so einer Ebene kann man sich streiten und streiten und kann überlegen und kann überlegen. Es war gar nicht möglich, sich auf jede Eventualität mal vorzubereiten. Und die Leute kommen dazu und streiten sich darüber, ob ein Schneider eine Sünde begeht, wenn er am Sabbat mit einer Nadel, die in seinem Hemd steckt, auf die Straße geht, oder ob es erlaubt ist, eine Lampe von einem Zimmer ins nächste Zimmer zu tragen, wenn man dort Licht braucht.
Und es gab strenge Ausleger, die so weit gingen, dass das Tragen einer Beinprothese oder die Benutzung einer Krücke am Sabbat Arbeit war.
Und ihr merkt: Irgendwas läuft hier schief, weil das Eigentliche, das Gott sich mit dem Gebot gedacht hat, immer weiter nach hinten rutscht. Die kümmern sich eigentlich nicht mehr ums Gebot, sondern sie kümmern sich um diese menschlichen Überlieferungen, die zum Gebot dazugehören.
Und am Ende war es dann tatsächlich so, dass diese Auslegungen, diese Interpretationen immer wichtiger wurden und die eigentlichen Gebote mehr und mehr in den Hintergrund rückten.
Was man eigentlich gemacht hat, war: Man hat den Standard, der hoch war, wo jemand davor steht und sagt: Das kann ich nicht halten, runtergezogen auf ein Niveau, wo einige Auserwählte, die alle Regeln kannten, nur die Zeit hatten, sie umzusetzen, und vielleicht auch den Grips hatten, immer an alles zu denken, gesagt haben: Wir schaffen es.
Und die Masse des Volkes hat es natürlich nie geschafft, sich all diese Regeln zu merken, hatte auch nie die Chance, in diesem Sinn dann gerecht zu werden, sondern konnte nur ehrfürchtig nach oben blicken und sagen: Boah, da sind unsere Pharisäer, unsere Schriftgelehrten, die kennen alle Regeln, die machen alles richtig.
Der dritte Punkt, den die Pharisäer falsch gemacht haben, also der erste war: Es war rein äußerliche Gerechtigkeit, die sie gesucht haben. Das zweite war: Es war nur eine teilweise Gerechtigkeit, es war nicht eigentlich die Gerechtigkeit, die Gott wollte. Das dritte ist: Es ist eine Gerechtigkeit, die selbstzentriert ist, eine Gerechtigkeit, die auf Selbstdarstellung hin angelegt war, auf Selbstverherrlichung.
Das, was diese Gruppe versucht hatte zu erreichen, war Applaus. Sie wollten als die dastehen, die es geschafft haben. Als die Besseren.
Und was für ein Kontrast zu dem, was wir in den Seligpreisungen lesen, wo der Herr Jesus von einem Christen verlangt, dass er über seiner eigenen Sünde zerbrochen ist, dass er weint über den bösen Zustand seines Herzens, dass er über der Ungerechtigkeit, die ständig in seinem Leben da ist und die er eigentlich loswerden möchte, total verzweifelt ist und zu Gott kommt und sagt: Vater im Himmel, ich suche eine Gerechtigkeit, aber ich finde in mir keine.
So etwas gab es bei den Pharisäern nicht. Und deshalb sind sie Menschen, die in ihren eigenen Augen gerecht waren und gerade weil sie in ihren eigenen Augen gerecht waren, gar keine Notwendigkeit gesehen haben, nach der Gerechtigkeit zu suchen, die Gott ihnen anbietet.
Sie haben quasi das Mittel, das Gott ihnen gegeben hatte, um Sünde zu erkennen, umgedreht und verwendet als ein Mittel, um sich selber groß zu machen. Und sie waren nicht bereit, ihr Leben und schon gar nicht bereit, ihr eigenes Herz Gott zu unterwerfen.
Und das passiert nicht nur bei den Pharisäern und bei den Schriftgelehrten, sondern später eigentlich im Großteil des jüdischen Volkes, was wir in Römer 10 lesen. Römer 10,3 heißt es: „Denn da sie Gottes Gerechtigkeit nicht erkannten und ihre eigene aufzurichten trachteten, haben sie sich der Gerechtigkeit Gottes nicht unterworfen.“
Also Römer 10,3: „Denn da sie Gottes Gerechtigkeit nicht erkannten und ihre eigene aufzurichten trachteten, haben sie sich der Gerechtigkeit Gottes nicht unterworfen.“
Und das ist die große Gefahr, in der Menschen stehen, dass sie, weil sie etwas merken von dem Anspruch Gottes, ihre eigene Selbstgerechtigkeit aufbauen und die Gerechtigkeit, die Gott einem Menschen schenken will, der an den Herrn Jesus glaubt, überhaupt nicht begreifen und überhaupt nicht annehmen.
Jetzt habt ihr eine Vorstellung von dem Denken der damaligen Zeit. Und jetzt könnt ihr euch vorstellen: Jesus tritt auf und er passt da überhaupt nicht rein. Die Menschen damals, die mit Jesus konfrontiert werden, stellen sich natürlich eine Frage. Sie stellen sich die Frage, weil sie diese ganzen Traditionen kennen und weil für sie das mehr und mehr das Eigentliche geworden ist, ob Jesus jetzt einer sei, der womöglich die Gebote aufhebt, denn seine Lehre passte so ganz und gar nicht zu dem, was sie gewohnt waren.
Und deswegen, und jetzt springen wir zurück zu Matthäus 5,17, beginnt Jesus diesen Abschnitt mit dem Satz: „Meint nicht, dass ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen.“
Wenn Jesus sagt, ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen, dann verbirgt sich hinter dem Begriff auflösen so viel wie zerstören. Also wenn der Tempel zerstört wird, dann steht da das gleiche Wort. Und man könnte das auch so übersetzen: Ich bin nicht gekommen, das Gesetz oder die Propheten zu zerstören. Ich bin nicht gekommen zu zerstören, sondern zu erfüllen.
Und wenn Jesus sagt, dass er etwas erfüllen will, dann bedeutet das so viel wie etwas voll machen. Ihr kennt das: Er hat richtig Durst. Er sagt: „Du, gib mir was zu trinken“, und jemand gibt euch ein großes Glas und schenkt es halbvoll ein. Er sagt: „Ey, mach mal voll.“ Das ist erfüllen: etwas bis oben hin voll zu machen.
Und wenn Jesus sagt, ich bin nicht gekommen zu zerstören, sondern zu erfüllen, dann heißt das, dass das Alte Testament ohne Jesus einfach nicht komplett ist. Oder anders ausgedrückt: Das Alte Testament ist auf Jesus hin angelegt. Er ist das Ziel des Gesetzes, heißt es an einer Stelle, das Ziel des Alten Testaments.
Um noch ein anderes Bild zu nehmen: Das Alte Testament ist wie ein Bühnenstück, in dem die letzte Szene noch nicht gespielt ist. Und jetzt geht der Vorhang auf und die letzte Szene beginnt. Das, wo man sagt: So, jetzt müssen sich all die Handlungsstränge auf einen Punkt hin bewegen und in einem Geschehen quasi erfüllen, jetzt muss alles aufgelöst werden.
Und das passiert in Jesus. Und in diesem Sinn ist Jesus der, der überhaupt kein Interesse daran hat, irgendetwas aufzulösen, sondern er möchte etwas voll machen.
Und jetzt kann man sich überlegen: Wie funktioniert das praktisch? In welchem Sinn hat Jesus das Gesetz erfüllt?
Und beim Darüber-Nachdenken fiel mir einiges auf, und ich möchte euch zwei Gedanken vorneweg schieben.
Wenn ihr die Gebote des Alten Testaments betrachtet, dann fällt euch doch auf, dass es mindestens zwei unterschiedliche Arten gibt, oder? Es gibt einmal die Gebote, die sich ständig ändern, die irgendwie von den Umständen abhängig sind. Da ist das schönste Beispiel vielleicht das, was man essen darf.
Adam und Eva sind Vegetarier. Jetzt atmen alle Vegetarier auf und sagen: Habe ich dir doch gesagt. Aber wenn man ein bisschen weiter liest, dann stellt man fest, dass in der Geschichte, jetzt einfach mal der biblischen Chronologie folgend, 1600 Jahre später Noah plötzlich alles essen darf. Also denkt man: Jetzt habe ich es, ich darf alles essen.
Gut, dann sind es auch die, die vielleicht mal so ein Steak mögen, denken sich: Na, super. Jetzt geht man wieder ein Stück weiter. Neunhundert Jahre später kommt Mose, und plötzlich ändert sich für das Volk Israel wieder etwas. Eben noch durften sie alles essen, und jetzt dürfen sie manche Sachen gar nicht mehr essen.
Dann denkt man: Jetzt verstehe ich gar nichts. Erst waren es die Vegetarier, dann war es alles, dann war es nur noch ein Teil von allem. Und geht man noch mal ins Neue Testament, dann stellt man fest: Da ist es wieder anders.
So, das sind Dinge, die ändern sich. Das ist die eine Sorte, wenn ich das mal so sagen will, der Gebote.
Und dann gibt es Gebote, die gelten immer. Die gelten, obwohl sie noch gar nicht als Gebote definiert waren.
Beispiel Mord: Ist Mord richtig? Ja, wahrscheinlich nicht. Woher weißt du das? Na ja, Kain und Abel: Der eine erschlägt den anderen und wird dafür verflucht, das muss falsch sein.
Ja, aber Kain hat doch gar nichts Böses gemacht, oder? Die zehn Gebote gab es ja noch nicht. Woher soll der das denn wissen, dass das falsch ist, den anderen zu erschlagen?
Wir merken: Das ist völlig egal, ob es die zehn Gebote gab oder auch nicht gab. Gott beurteilt den Menschen an der Stelle und er sagt: Mord ist falsch. Du hast ein Gewissen, du kannst das unterscheiden, du musst wissen, dass Mord falsch ist, und deswegen verfluche ich dich. Die ganze Menschheit geht in der Flut unter, lange, lange bevor es die zehn Gebote gibt.
Aber bleiben wir beim Mord. Mord bleibt falsch. In den Zehn Geboten heißt es: „Du sollst nicht töten.“ Kein Strich davon weg. Und einfach um den Sprung ganz ans Ende der Bibel zu machen: Offenbarung 22 heißt es dann: Wer ist draußen aus der heiligen Stadt, wer kommt nicht rein? Die Mörder.
Also Mord ist etwas ganz klar immer Falsches. Wir haben Dinge, die sich ändern, wir haben Dinge, die bleiben einfach konstant falsch.
Im Blick auf diese verschiedenen Gebote müssen wir uns jetzt überlegen, wie Jesus sie erfüllen kann.
Ich habe dazu vier Lösungen, indem ich folgendes mache: Ich teile einfach mal die Gebote des Alten Testaments ein bisschen willkürlich ein in drei Gruppen. Da muss nicht jeder mitgehen, aber es ist eine Hilfe, um zu verstehen, wie Jesus etwas erfüllt.
Und ich sage: Die erste Gruppe, das sind die Gebote, an denen ändert sich nie etwas. Ich nenne sie einfach mal die moralischen Gebote, die Gebote, die Gott meint, wenn er sagt: Seid heilig, denn ich bin heilig. Gebote, die eng mit dem Charakter Gottes verknüpft sind. Diese Gebote gilt es tatsächlich, im Leben zu erfüllen, in dem Sinn, dass man sie hält.
Hat Jesus durch sein Leben diese Gebote schlicht und ergreifend dadurch erfüllt, dass er keines dieser Gebote gebrochen hat? Und noch mehr: Er erfüllt diese Gebote auch in uns, indem er den Gläubigen die Kraft gibt, nach dem hohen moralischen Standard zu leben, den Gott von jedem Menschen erwartet. Das sind die moralischen Gebote.
Aber für einen Juden der damaligen Zeit gab es andere Gebote, die wir heute so gar nicht mehr kennen. Deswegen habe ich eine zweite große Gruppe genommen, ich nenne sie mal die Zeremonialgesetze. Das sind die Gesetze, die etwas zu tun haben mit den Opfern des Alten Testaments, mit dem Priestertum, also alles, was mit Gottesdienst im Alten Testament zu tun hatte.
Da stellen wir ja schon fest: Diese Opfer haben aufgehört. Irgendwie wäre es doch richtig zu sagen: Na, Jesus hat sie doch zerstört. Da gab es vorher einen Priester, der hat Opfer gebracht, dann kam Jesus, dann gab es ihn nicht mehr.
Und deswegen müssen wir verstehen, dass an der Stelle, wenn es um Erfüllung geht, es nicht gemeint ist, dass die alten alttestamentlichen Gebote einfach von Gott, von Jesus kaputt gemacht werden, sondern dass sie ein Ziel hatten. Und dieses Ziel war tatsächlich Jesus.
Die Bibel wird unter anderem im Hebräerbrief und im Kolosserbrief darauf hinweisen, dass die alttestamentlichen Gebote, die so die Zeremonien betrafen, wie ein Schatten sind.
Wenn ihr draußen spazieren geht und ihr geht um eine Ecke herum und hinter euch ist die Sonne, dann wirft euer Körper einen Schatten voraus. Und jemand, der um die Ecke herumsteht und euren Schatten sieht, sieht euch noch nicht, aber sieht schon mal den Schatten vor euch, und er kann sich raten: Wer könnte da jetzt um die Ecke kommen? Sieht ein bisschen aus, hm, na ja, klein und dick, ja, der und der könnte es sein.
Und in diesem Sinne fungieren diese alttestamentlichen Zeremonialgesetze: Sie sind ein Schatten, der vorne wegläuft. Sie sind nicht die eigentliche Person, sie haben etwas zu tun mit der Person, aber sie sind nicht die Person.
Und genau das ist Jesus. Jesus ist die Person, Jesus ist die Erfüllung dieser Gebote, und die ganzen Gesetze des Alten Testaments an der Stelle sind nur ein Schatten, nur ein Vorläufer, haben nur eine Hinweisfunktion und wollen auch gar nicht mehr, als Jesus zu beschreiben und Jesus zu erklären, Jesus einzufügen, dass wir ihn verstehen, dass wir besser begreifen, wer er ist.
Und wenn Jesus diese Gesetze erfüllt, dann tut er das dadurch, dass er alles, was da so an Symbolik drinsteckt, in seinem Leben auslebt und dass er das abschließende Opfer bringt, der Hohe Priester ist und all das auslebt, was an Tiefe, an Gedankentiefe in diesen Geboten drinsteckt.
Na ja, und dann gibt es noch eine dritte Gruppe, weil wir sagen: Das war noch nicht alles. Im Alten Testament gibt es noch im Blick auf das Volk Israel so eine Art bürgerliches Gesetzbuch, Dinge, die das Volk Israel in ihrer Identität bestimmt haben. Ich denke, dass da sehr stark auch die Gesetze dazuzählen, die dafür gesorgt haben, dass sich das Volk nicht so schnell vermischt hat mit anderen Völkern ringsum.
Und auch da sagt die Bibel ganz klar, Galater 3,23-26, für die, die dies nachlesen wollen, dass das Volk Israel unter Gesetz eingeschlossen war, behütet war, bis auf Jesus hin, und dass das Volk Israel durch diese Gesetze als Volk zusammengehalten wurde, also ein Volk mit einer bestimmten Funktion, mit einer spezifischen Berufung, nämlich mit der Berufung, den Messias hervorzubringen.
Und dass in dem Moment, wo der Messias kommt, er sich tatsächlich ein neues Volk schafft. Und so wie das alte Volk Regeln hatte, die galten, die seine Identität auch ausmachten, so hat auch das neue Volk Gottes Regeln und Gesetze und Gebote, die eine Identität ausmachen.
Zu dem neuen Volk Gottes gehört nur der, der an Jesus glaubt, zum Beispiel. Und wenn jemand nicht glaubt, gehört er auch nicht dazu. Zum alten Volk gab es andere Regeln. Und so wird in der Ablösung des alten Volkes zum neuen Volk hin auch das Alte erfüllt und von einem Neuen, von einem Besseren abgelöst.
Und Jesus ist der, der diesen Prozess einleitet und dann auch geordnet zu Ende bringt, so wie Gott sich das vorstellt.
Der vierte Punkt, den Jesus erfüllt, und das ist ganz einfach, das sind die Prophetien. Die ganzen Prophetien auf Jesus hin werden natürlich in Jesus erfüllt.
Und so wollte ich euch, auch wenn es vielleicht einen Tick zu kompliziert war, einfach zeigen, dass Erfüllen viel mehr ist als nur Gebote halten, dass Erfüllen viel mehr ist als nur an etwas festhalten, das sich ja nicht ändert, sondern dass, wenn Jesus sagt, er erfüllt die Gebote, dass er meint, er lebt den Sinn der Gebote bis zur vollständigen Erfüllung aus.
Und je nachdem, was es für ein Gebot ist, tut er das, was nötig ist, um dieses Gebot zum Ende, zur Erfüllung zu bringen.

Was das Gesetz wirklich will

 Matthäus 5,18 Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, soll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein von dem Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist.
Wenn wir das verstanden haben, dass die Gebote in Jesus erfüllt werden müssen, dann wird klar: Es ist völlig falsch, wenn man denkt, vom Gesetz Gottes könne etwas einfach wegfallen. Da könne etwas einfach verloren gehen. Und wenn es hier von dem Jota und dem Strichlein des Gesetzes heißt, dann ist das einfach der kleinste Buchstabe, letztlich der kleinste Strich, der irgendwo dran ist. Jesus macht ganz deutlich: Alles, was geschrieben ist, wird irgendwie erfüllt werden müssen. Da fällt nichts einfach unter den Tisch. Niemand hat das Recht, etwas unter den Tisch fallen zu lassen.
Und hüten wir uns davor, dass wir anfangen, in unserem eigenen Leben Dinge unter den Tisch fallen zu lassen. Denn der nächste Vers macht klar, wie gefährlich das ist: Wer nun eins dieser geringsten Gebote auflöst und so die Menschen lehrt, wird der Geringste heißen im Reich der Himmel; wer sie aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Reich der Himmel.
Der Messias kommt und löst die Gebote nicht einfach auf, sondern er sagt: Die Gebote gelten als Standard unverrückt. Und hier wird klar: Freiheit im biblischen Sinne ist nicht, dass ich tun und lassen kann, was ich will, sondern dass ich tun kann, was Gott will. Freiheit im biblischen Sinne ist die Befreiung dazu, das zu tun, was Gott will.
Und es geht dann auch in der Bibel nicht darum, dass wir die Bibel grob beurteilen und sagen: Das passt mir, das passt mir nicht. Sondern dass wir die Bibel so nehmen, wie sie ist. Verstehen ist wichtig. Es ist wichtig, dass man darüber nachdenkt und nicht einfach platt nur das macht, was man meint, zu lesen, und dass man das dann im eigenen Leben umsetzt.
Und lasst mich an der Stelle noch etwas sagen, zum Schluss: Auch wir Christen, wir stehen in der Gefahr, dass wir Gottes Standard verändern. Es gibt da ein paar Tricks, mit denen man das machen kann, für die, die es noch nicht wissen. Also ich weiß auch, wie man das macht, Gottes Standard zu verändern. Man kann zum Beispiel einfach das Mittel der Ignoranz einsetzen: Ich will gar nicht wissen, was drinsteht. Und da, wo ich weiß, dass es schwierig ist, will ich auch gar nicht genau wissen, was der Text bedeutet.
Es ist ein ganz beliebtes Mittel, zu wissen: Hier gibt es Texte, die meinen mich, aber ich fange gar nicht erst an, mich tiefer damit zu beschäftigen. Es könnte ja sein, dass ich am Ende meiner Beschäftigung an den Punkt komme, zu sagen, ich müsste etwas ändern. Es funktioniert blendend, aber es ist natürlich im Blick auf das, was Jesus sagt, eine Katastrophe. Denn er sagt: Wenn nun einer dieser geringsten Gebote auflöst und so die Menschen lehrt, wird der Geringste heißen im Reich der Himmel. Das geht doch nicht spurlos an Gott vorbei, wie wir mit der Bibel umgehen.
Und noch etwas: Wenn jetzt jemand sagt, Ignoranz, nein, es gibt noch einen Trick. Der nächste Trick ist, wir verändern das, was da steht. Ich weiß schon, was es bedeutet, aber ich finde einen Trick drumherum. Ich kenne das so oft, gerade in schwierigen Situationen, dass Leute zu mir kommen und sagen: Jürgen, ich weiß, was da steht, aber kann man das nicht in meinem Fall unbedingt auch so und so und so sehen?
Ich denke mir oft: Warum machen die das? Bis ich dann feststelle, in meinem eigenen Leben gehe ich manchmal genauso an die Bibel ran. Da steht etwas, und ich finde eine schnelle Begründung, warum das für mich nicht gilt. Ich verändere etwas. Kennt ihr das? Also ich kenne das. Und ich muss mich dazu zwingen, an der Stelle der Bibel gegenüber treu zu bleiben. Also entweder ignoriere ich das, was da steht, oder aber ich ändere es, weil es mir nicht passt.
Und der dritte Punkt, der da oft mit einhergeht, ist plumper Ungehorsam: Ich will es einfach nicht tun. Also ich will nicht darüber nachdenken, ich denke darüber nach und ändere es, und drittens: Ich habe es verstanden, aber ich will es einfach nicht tun.
Und jetzt werdet ihr sagen: Na ja gut, das steht ja eigentlich nicht hier im Text. Hier geht es ja um Leute, die anderen etwas lehren, und ich lehre ja niemanden anders. Da möchte ich euch den Zahn auch gerne noch ziehen, denn ich glaube, dass dieser Text sich gar nicht an Prediger richtet. Ich denke, er richtet sich an jeden einzelnen Gläubigen, denn du lehrst durch dein Leben. Ist dir das klar? Du lehrst durch dein Leben und durch deinen Umgang mit dem Wort Gottes.
Entweder wirst du durch dein Vorbild, deine Umgebung – das kann deine Familie sein, das können deine engsten Freunde sein oder wer auch immer – entweder bringst du durch dein Vorbild und durch deinen Umgang mit der Bibel andere dazu, dass sie mehr Interesse an der Bibel haben, begeisterter von der Bibel sind, respektvoller mit der Bibel umgehen, tiefer in die Bibel hinein tauchen mit ihren Gedanken, oder aber du erreichst genau das Gegenteil.
Wenn wir oberflächlich mit der Bibel umgehen, lehren wir andere Oberflächlichkeit. Wenn wir respektlos mit der Bibel umgehen, lehren wir sie Respektlosigkeit. Fürchten wir die Bibel, lehren wir genau das Gegenteil. Dann zeigen wir anderen Leuten: Es macht wirklich Sinn, es ist richtig, die Bibel ernst zu nehmen. Und Gott wird uns einmal zur Verantwortung dafür ziehen. Das steht hier. Und Gott freut sich, das ist die andere Seite daran, wenn wir das, was in der Bibel steht, ganz tun und ganz lehren.
Wenn wir nicht anfangen, Stellen zu haben, von denen wir wissen, wir hätten uns schon vor vielleicht zehn Jahren darüber Gedanken machen müssen, und wir schieben sie ständig vor uns her, oder wenn es Stellen gibt, wo wir sagen, die stehen eigentlich in krassem Widerspruch zu meinem Leben, aber ich bleibe trotzdem bei dem, was ich tue, lasst uns an der Stelle Schluss machen mit dieser Form von evangelikaler Bibelkritik. Top den Pharisäer!
Zwei Grundaussagen wünsche ich mir, dass ihr mitnehmt: Nimm die Bibel ernst, die du hast. Streich die Passagen nicht weg, die dir nicht passen. Lebe sie aus. So wie Jesus das Gebot erfüllt hat, er hat es ausgelebt, so sind auch wir dazu berufen, die Bibel auszuleben in ihrer ganzen Fülle. Und wer sagt, ich möchte Jesus ähnlicher werden, der kommt an dem Punkt nicht vorbei, weil das war Jesu Ziel, das wollte er erreichen. Er wollte die Bibel ausleben, und er hat eine extrem hohe Achtung vor der Bibel.
Der zweite Punkt: Denke nicht, dass du mit einem noch so heiligen Leben Gerechtigkeit bei Gott kaufen kannst. Gerechtigkeit, wie Gott sie haben will, gibt es nur geschenkt. Es gibt sie nur geschenkt für den Gläubigen. Alles andere, was wir uns zusammenreimen an guten Taten, sind alles nur Einbildungen. Das hat vor Gott keinerlei Bestand.
Und mein Wunsch wäre, dass jeder, der das für sich noch nicht so sagen kann, der denkt: Na ja, eigentlich fehlt mir da noch was, dass der doch in sich geht und sich heute diese Frage beantwortet: Was will ich eigentlich? Diese ursächliche Frage: Wie sieht mein Verhältnis zu meinem Schöpfer eigentlich aus? Und wäre es nicht heute an der Zeit, dieses Verhältnis, das ich die ganze Zeit so ein Stückchen habe schleifen lassen, das ich vielleicht auch nicht ernst genommen habe, das ich nur halbherzig betrieben habe, wäre es nicht endlich an der Zeit, diese Beziehung anzufangen, und zwar so, wie Gott sich das vorstellt?
Das ist eine Einladung, die Gott ausspricht, und eine Einladung, die Gott einfach jedem Menschen geben möchte. Und wenn wir das hier lesen, von diesen Pharisäern und den Schriftgelehrten, die mit so viel Eifer am Himmelreich vorbeigezogen sind, möge Gott es schenken, dass niemand hier im Raum ist, der den gleichen Fehler begeht. Und möge in der Woche, in der einer der größten Christusverleumder und Gegner gestorben ist, der jetzt schon seinen Fehler erkennt, möge in dieser Woche unter uns keiner sein, der den gleichen Fehler begeht.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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