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Apostelgeschichte 15,1-11

Apostelgeschichte 15,1-15,1108.05.2017
Serie•Teil 32 / 64Apostelgeschichte
Glaube an Jesus – oder brauchst du doch noch Regeln, Rituale und Leistung? Genau an dieser Frage entscheidet sich, ob du frei wirst oder im religiösen Druck hängenbleibst.

Ein kritischer Wendepunkt in der frühen Gemeinde

Ich freue mich, hier zu sein. Logisch, ja, und wir werden auch weitermachen in der Apostelgeschichte.
Wer die Apostelgeschichte so ein bisschen verfolgt hat, wir stehen an einem, wie ich finde, sehr kritischen Punkt in der Kirchengeschichte. Wir erinnern uns: Was war passiert? Pfingstpredigt, das liegt jetzt schon einige Predigten zurück. Pfingstpredigt, Petruspredigt in Jerusalem, er hält diese Predigt, und es kommen Tausende zum Glauben. Aber alle, die zum Glauben kommen, das sind Juden. Juden, die von einem anderen Juden gepredigt bekommen, dass Jesus der jüdische Messias ist. Und sie packen diesen Glauben, und sie sind einfach total begeistert. Wir haben als Juden unseren Messias gefunden, Halleluja!
Und wir wissen, dass natürlich Jesus ganz am Anfang schon etwas gesagt hat zu diesem Thema: Für wen gilt denn das Evangelium? Von Anfang an hatte er den Auftrag gegeben, wenn das Evangelium gepredigt wird, dann bitte die ganze Welt. Also in Markus 16,15 heißt das so schön: Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung. Also eigentlich ist der Auftrag so herrlich einfach: Geh überall hin und alles, was irgendwie zwei Beine hat und denken kann, predigen. Es ist nicht kompliziert.
Das Gleiche noch mal in Apostelgeschichte 1,8. Da sagt der Herr Jesus: Und ihr werdet meine Zeugen sein. Und er beschreibt dann, wo überall: sowohl in Jerusalem, da fängt eben alles an, also auch in Judäa, das ist so der Landstrich außen herum, und dann nördlich davon in Samaria, und dann bis an das Ende der Erde. Also eigentlich ist das klar, der Auftrag ist logisch. Aber wir haben das gelesen: Es braucht eine ganze Weile, eigentlich braucht es erst eine Verfolgung nach dem Tod von Stephanus. Da fangen die Gläubigen dann langsam an, das Evangelium über Jerusalem hinaus zu verkünden. Und wer kommt zum Glauben? Logisch, am Anfang erst mal Juden.
Und es dauert tatsächlich eine ganze Weile, bis sich die Tatsache, dass auch Heiden wirklich an Jesus gläubig werden können, in der Gemeinde durchsetzt. Für uns ist das so total logisch, oder? Wir sind ja alles irgendwie Heiden, Ex-Heiden, oder vielleicht gibt es jemanden, der jüdischen Glaubens war, bevor er Christ wurde und hier ist. Aber die meisten von euch, die ich kenne, das sind echte Ex-Heiden. In der damaligen Zeit erst mal echtes No-Go.
Es dauert noch einmal eine ganze Weile, bis sich in Antiochia, das ist dann ganz oben in Syrien, die erste Gemeinde bildet, die tatsächlich aus Judenchristen und aus Heidenchristen bestand. Und in genau diese Gemeinde, die so etwas Besonderes hatte, kehrt Paulus nach der ersten Missionsreise zurück. Ich lese uns das mal vor: Apostelgeschichte 14,24-28.
Da heißt es: Und nachdem sie Pisidien durchzogen hatten, kamen sie nach Pamphylien. Da müsst ihr nicht überall wissen, wo das ist. Ja, das ist halt irgendwo. Kann man heute Urlaub machen, ist die Türkei. Ist nicht mehr das beliebteste Urlaubsland, gebe ich zu, aber da liegt es halt. Und als sie in Perge das Wort geredet hatten, gingen sie hinab nach Attalia, und von da segelten sie ab nach Antiochia, von wo sie der Gnade Gottes befohlen worden waren zu dem Werk, das sie erfüllt hatten. In Antiochia waren sie ausgesandt worden zur ersten Missionsreise. So nach dem Motto: Bitte gründet uns überall, wo ihr hinkommt, neue Gemeinden. Das haben sie gemacht. Und jetzt kommen sie wieder zurück.
Als sie aber angekommen waren und die Gemeinde zusammengebracht hatten, erzählten sie alles, was Gott mit ihnen getan und dass er den Nationen, also den Heiden, eine Tür des Glaubens geöffnet habe. Also das, was in Antiochia angefangen hat, Judenchristen und Heidenchristen zusammen in einer Gemeinde, das wird jetzt Standard. Es geht sogar noch ein Stück weiter, weil da, wo Paulus gepredigt hat in den Synagogen, er relativ schnell immer auch auf Ablehnung gestoßen ist. Sie verweilten aber eine nicht geringe Zeit bei den Jüngern.
So, bis dahin ist alles schick, und jetzt fangen plötzlich Probleme an. Es kommen nämlich aus Jerusalem Bibellehrer, die kommen in den Norden nach Antiochia, und sie predigen Unsinn. Der hört sich so an, Kapitel 15, Vers 1: Und einige kamen von Judäa herab und lehrten die Brüder: Wenn ihr nicht beschnitten worden seid nach der Weise Moses, so könnt ihr nicht errettet werden.
Puh. Also, wir müssen verstehen, was hier gesagt wird. Für Juden war es völlig normal, sich beschneiden zu lassen. Ich lese euch mal einen längeren Text aus dem ersten Buch Mose vor. Gott trifft auf Abraham, er schließt mit Abraham das, was man nennt, einen Bund. Und Teil dieses Bundes, 1. Mose 17, ab Vers 4, ist die Beschneidung. Und das hört sich so an. Und ihr müsst euch vorstellen: Für jeden Juden ist das so das Fundament, auf dem er steht. Ich bin was, weil damals hat Gott zu unserem Stammvater Abraham gesprochen, und Gott hat mit ihm einen Bund geschlossen und hat gesagt: Jetzt kommt etwas Neues, etwas Besonderes, und darauf können wir stolz sein. Deswegen will ich euch das mal vorlesen.
 1. Mose 17,4-11: Siehe, das ist mein Bund mit dir, so spricht Gott. Abraham wird zum Vater einer Menge von Nationen werden, und nicht mehr soll dein Name Abram heißen, sondern Abraham soll dein Name sein, denn zum Vater einer Menge von Nationen habe ich dich gemacht. Und ich werde dich sehr, sehr fruchtbar machen, und ich werde dich zu Nationen machen, und Könige werden aus dir hervorgehen. Und ich werde meinen Bund aufrichten zwischen mir und dir und deinen Nachkommen nach dir durch alle ihre Generationen zu einem ewigen Bund, um dir Gott zu sein und deinen Nachkommen nach dir. Und ich werde dir und deinen Nachkommen nach dir das Land deiner Fremdlingschaft geben, das ganze Land Kanaan zum ewigen Besitz, und ich werde ihnen Gott sein.
Und Gott sprach zu Abraham: Und du, du sollst meinen Bund halten, du und deine Nachkommen nach dir durch ihre Generationen. Dies ist mein Bund, den ihr halten sollt zwischen mir und euch und deinen Nachkommen nach dir: Alles, was männlich ist, soll bei euch beschnitten werden. Und zwar sollt ihr am Fleisch eurer Vorhaut beschnitten werden. Das wird das Zeichen des Bundes sein zwischen mir und euch.
Gott schließt, der lebendige Gott, mit einem Mann einen Bund, mit ihm und seinen Nachkommen, und sagt: Das Zeichen dafür, dass dieser Bund existiert, ist die Beschneidung am achten Tag von allen Männern.
Und was die Irrlehrer jetzt hier in Antiochia predigen, ist Folgendes: Wenn jemand gerettet werden will, und zwar durch den Juden Jesus von Nazaret, dann muss derjenige vorher zum jüdischen Glauben übertreten. Und wenn er ein Mann ist, sich beschneiden lassen. Rettung ist also nicht mehr nur aus Glauben an Jesus, sondern sie funktioniert nur in Verbindung mit der Beschneidung.
Und wenn man sich jetzt das Problem ein bisschen genauer anschaut, man könnte jetzt den Galaterbrief anführen, das Problem ist größer. Die Forderungen gingen über die Beschneidung hinaus. Es war der komplette Einstieg ins Judentum, also auch Sabbat halten, andere Festtage halten, wahrscheinlich auch die Speisevorschriften. Ich weiß nicht genau, wie weit diese Irrlehrer hier gingen. Irgendwo müssen sie eine Grenze gezogen haben, denn zumindest bei den Opfern ist klar, dass das jüdische Zeremonialgesetz, das für einen an Jesus Gläubigen nicht mehr in letzter Konsequenz zu halten ist. Denn wir wissen alle, dass Jesus ein für allemal für unsere Sünde gestorben ist. Er ist das Passalamm. Und deswegen können alle zukünftigen Opfer, die wir noch bringen, Dankopfer sein, aber wir können definitiv kein Sündopfer mehr bringen und kein Schuldopfer mehr.
Irgendwo muss sich da eine Grenze gemacht haben. Und auch diese Irrlehrer haben irgendwo gesagt: Naja, manches hat sich schon auch erfüllt, aber im Großen und Ganzen müsst ihr euch schon an all das halten, was im Alten Testament steht und woran Juden sich halten.
So, und das ist ein ganz dickes Lehrproblem. Wenn Jesus im Gespräch mit der samaritischen Frau zu Recht sagt, dass das Heil aus den Juden kommt, das heißt, seinen Ursprung nimmt im jüdischen Volk, so heißt es jetzt bei diesen Irrlehrern: Das Heil ist für Juden. Und wenn du nicht bereit bist, Jude zu werden, dann kannst du nicht gerettet werden. Rettung heißt Glaube an Jesus plus irgendeine Art von Übertritt ins Judentum. Und das ist natürlich immer total falsch.
Also das müssen wir uns immer merken. Wenn jemand kommt und sagt, egal was er da sagt: Jesus, Glaube an Jesus plus irgendetwas. Also wenn jemand sagt: Glaube an Jesus plus Kirchenzugehörigkeit plus irgendwas, immer dieses Plus, dann muss man immer ganz, ganz vorsichtig sein. Weil es im Zentrum des christlichen Glaubens um Glauben geht, um den Glauben an Jesus.
Und jetzt tauchen diese Leute auf, und jetzt könnt ihr euch vorstellen, was passiert. Verse 2 bis 4: Als nun ein Zwiespalt entstand und ein nicht geringer Wortwechsel zwischen ihnen und Paulus und Barnabas, das kann ich mir gut vorstellen. Ich kann mir so vorstellen, wie einer auf der Kanzel steht, diesen Unsinn predigt, und ein Paulus so langsam hochrot anläuft und sagt: Freund, entweder hole ich dich gleich von der Kanzel runter oder deutlich danach. Also sehr schön, ja, also Paulus und Barnabas, ein nicht geringer Wortwechsel, also sie haben sich richtig gezofft an der Stelle.
So, was machen die dann? Sie ordneten an, dass Paulus und Barnabas und einige andere von ihnen zu den Aposteln und Ältesten nach Jerusalem hinaufgehen sollten wegen dieser Streitfrage. Sie nun erhielten von der Gemeinde das Geleit, durchzogen Phönizien und Samaria und erzählten die Bekehrung derer aus den Nationen, und sie machten allen Brüdern große Freude. Als sie aber nach Jerusalem gekommen waren, wurden sie von der Gemeinde und den Aposteln und Ältesten aufgenommen, und sie verkündeten alles, was Gott mit ihnen getan hatte.
Das, was jetzt kommt, nennt man, das ist einfach nur ein Fachbegriff, das Apostelkonzil. Wie wir sehen werden, es sind nicht nur Apostel anwesend, sondern alle möglichen Arten von Verantwortlichen. Witzigerweise hat am Ende des Apostelkonzils gar nicht ein Apostel das letzte Wort, sondern ein Ältester. Aber trotzdem: Das Ding heißt Apostelkonzil, muss man sich einfach nur einmal merken.
Und auf dem Apostelkonzil noch mal das Problem, Vers 5: Einige aber von denen aus der Sekte der Pharisäer, jetzt merken wir, wo das Problem seinen Ursprung hat, einige aber von denen aus der Sekte der Pharisäer, die gläubig waren, traten auf und sagten: Man muss sie beschneiden und ihnen gebieten, das Gesetz Moses zu halten.
Damals. Also jetzt sind die in Jerusalem angekommen, übrigens nach Jerusalem hinauf, weil Jerusalem einfach oben liegt, auf dem Berg. Also jetzt sind sie in Jerusalem, jetzt treffen die sich da alle, und jetzt dürfen die einen, die sagen, dass sie diese Irrlehre verbreiten, jetzt dürfen die sagen, was sie meinen. Sie sagen: Naja, wir glauben.
So, von unserem Hintergrund her: Sekte der Pharisäer. Achtung, Sekte heißt einfach nur so viel wie Gruppierung. Es gab verschiedene Sekten im Judentum, Gruppierungen. Da gab es die Pharisäer, das waren die, die so ein bisschen enger waren, also nach dem Motto: Wir schauen mal, was wir in der Bibel finden, und dann machen wir mal die Anzahl der Gebote noch ein bisschen größer. So eng. Dann gab es die Sadduzäer, die waren so ein bisschen weiter, ja, also wir würden heute sagen, das sind so die Liberalen. Dann gab es noch die Essener, denen konnte es nicht eng genug sein. Die haben sich gleich zurückgezogen in ihre Privatkommunität irgendwo am Toten Meer und wollten mit niemandem was zu tun haben. Das sind Sekten, das sind einzelne Gruppierungen, wie man das Judentum gelebt hat. Die Pharisäer ebenso, die so ein Stückchen enger sind.
Wir merken: Die Irrlehrer stammen aus den Reihen der Pharisäer, und erst mal ist das toll. Ich hoffe, ihr könnt euch an so einer Stelle mitfreuen, weil es zeigt, dass Pharisäer gläubig geworden sind. Wisst ihr noch, wie Jesus den Pharisäern und den Schriftgelehrten mit ganz deutlichen Worten immer sagt: Wehe euch! Und man hat so den Eindruck, die sind so gefangen in ihrem religiösen System, die kommen da nie raus. Aber hier: Pharisäer, ja, die sind irgendwie gläubig geworden. Ja, wir hätten vielleicht gedacht, die sind so verstrickt in ihrer Selbstgerechtigkeit, das schaffen die nie. Aber wir sehen, es geht.
Also, wenn du mal jemals jemanden hast, der so richtig eng ist und denkst: Boah, der kommt nie da wieder raus, gib die Hoffnung nicht auf. Das ist die Belegstelle. Pharisäer sind zum Glauben gekommen. Und nicht nur der Paulus, wo man sagt: Okay, das ist irgendwie so die Ausnahme von der Regel, sondern da scheinen eine ganze Menge gewesen zu sein. Pharisäer sind gläubig geworden.
Aber wir merken noch etwas, und das finde ich total spannend. Wer gläubig wird, bringt seinen Hintergrund, gerade auch seinen religiösen Hintergrund, mit. Es ist, glaube ich, kein Zufall, dass diese Lehre davon, du musst dich an alle Gebote halten aus dem Judentum, dass sie gerade von Leuten stammt, die in ihrer religiösen Vergangenheit sehr regelorientiert gelebt haben.
Und wenn ich mich bekehre, gerade wenn ich mich aus einem religiösen System heraus bekehre, vielleicht aus einem, das von Regeln geprägt ist, und wenn ich mich dann zu Jesus bekehre, dann stehe ich in der Gefahr, dass ich die Radikalität des Neuen, dass es jetzt plötzlich nicht mehr um Regeln geht, dass ich tatsächlich gerettet werde, allein aus Glauben, dass ich das nicht gleich packe. Das ist so fremd für mich, für mein ganzes Denken, für meinen Hintergrund, dafür, wie ich vielleicht die letzten 20, 30, 40 Jahre gelebt habe, dass ich das zwar nachreden kann, ja, alleine aus Glauben, aber wenn ich dann versuche, das zu leben, dann sträubt sich in mir eigentlich alles dagegen.
Wenn so ein Pharisäer, der Regeln liebt, Christ wird, dann ist er vielleicht versucht, so viele Regeln wie möglich in seinen neuen Glauben irgendwie zu importieren. Warum? Wir bleiben gern beim Gewohnten. Ey, komm, sind wir einfach ehrlich. Und da spielt das keine Rolle, wie wir unser Leben vor der Bekehrung geführt haben. Schaut euch einfach die Briefe an, die die Apostel schreiben. Eigentlich ist das Schema in jedem Brief immer so: Vorher habt ihr so gelebt, hört bitte jetzt damit auf. Irgendwie ist diese Tendenz, so weiter zu leben, wie man es früher gemacht hat, ganz tief im Menschen angelegt.
Wenn ich mich bekehre, und es ist wichtig, dass wir das verstehen, wenn ich mich bekehre, muss ich loslassen. Wenn ich mich bekehre, muss ich das Vertrauen in mich loslassen. Ich muss das Vertrauen in meine Herkunft loslassen, so wie Paulus das mal in Philipper 3,7 zum Ausdruck bringt. Er sagt da: Aber was auch immer mir Gewinn war, also worauf ich mir etwas eingebildet habe, das habe ich um Christi willen für Dreck gehalten. Und schaut man im Text, merkt man, da geht es um das Thema Beschneidung, da geht es um das Thema Jüdischsein, da geht es um seine Ausbildung, da geht es um das Thema Eifer in religiösen Dingen, da geht es letztlich um seine Gesetzestreue. Und Paulus sagt: All diese Dinge, die früher mein Leben geprägt haben, alles Dreck, alles nichts wert. Alles Vertrauen darauf, dass diese Dinge vor Gott etwas zählen, nur eine Scheinsicherheit, da ist nicht wirklich etwas dahinter. Eigentlich sind diese Dinge, wenn man es genau betrachtet, eine ganz große Gefahr.
Warum? Weil Bekehrung heißt, loslassen können. Bekehrung heißt völlige Neuorientierung. Mein ganzes altes Leben, auch der religiöse Teil, vielleicht muss man das mal sagen, vielleicht gerade der Teil, von dem ich immer dachte, dass ich auch vor der Bekehrung hätte, damit bei Gott vielleicht irgendwie noch punkten können, absolut alles muss auf den Prüfstand. Bekehrung heißt loslassen, in gewisser Weise bei Null anfangen. Ich muss von Grund auf mein Leben betrachten, ich muss von Grund auf mein Leben mit seinen Zielen, mit seinen Prioritäten, mit seinen ganzen Verhaltensweisen neu überdenken, damit genau das, was wir hier sehen, damit eben das nicht passiert, was wir bei den Pharisäern erleben, dass sie einerseits gläubig werden und bitte niemand hier spricht ihnen den Glauben ab. Die haben eine total schräge Theologie, die möchtest du nicht auf der Kanzel sehen, aber sie sind irgendwie gläubig. Da ist eine Beziehung zu Jesus da.
Wir müssen aufpassen, dass nicht das passiert, was bei den Pharisäern passiert. Auf der einen Seite sind sie gläubig, auf der anderen Seite aber ist dieser alte Stolz auf jüdisches Gesetz, ist diese Überbewertung von Ritualen in ihre Theologie reingekommen. Das hat sich irgendwie eingeschlichen. Und jetzt sage ich etwas: Bitte lasst uns nie glauben, dass unsere Theologie immer nur ein Produkt unserer Bibellese wäre. Das wäre schön, wenn das so wäre, das wäre total wünschenswert, aber ehrlich gesagt glaube ich nicht daran. Wir lesen die Bibel immer mit einer Brille, und damit meine ich nicht mit dieser Art von Brille. Ja, das lesen viele auch von uns, ja, aber was ich meine, ist eine Gedankenbrille.
Wir lesen die Bibel mit der Brille unserer eigenen Historie, mit der Brille unserer Glaubenserfahrungen. Wir bekehren uns zu Gott nicht als ein unbeschriebenes Blatt. Und wenn Gott dann in unser Leben hineinwirkt und wenn wir durch seinen Heiligen Geist erkennen, dass wir Sünder sind, dass uns ein göttliches Gericht erwartet, dass Jesus der einzige Ausweg aus diesem Dilemma ist, dann bekehrt sich immer ein Mensch mit einer Geschichte. Dann bekehrt sich vielleicht ein Pharisäer, der jahrelang diszipliniert versucht hat, über 600 ihm bekannte Gesetze des Alten Testaments mit zusätzlichen Ausführungsvorschriften haarklein einzuhalten. Aber vielleicht bekehrt sich auch ein Durchschnitts-Brandenburger. Ja, groß geworden in einer Gesellschaft, die für Religiöses nicht viel übrig hat, gewohnt, seinen Spaß zu haben, die viele Freizeit, die er hat, mit unnützen Dingen zu verplempern, das zu tun, was er für richtig hält, und in seinem Herzen irgendwie davon überzeugt zu sein, dass er gar kein so schlechter Kerl ist.
So, jetzt vielleicht bekehrt sich so jemand, weil du sagst: Mit dem Pharisäer kann ich nichts anfangen. Aber vielleicht bist du so ein Durchschnitts-Brandenburger. Du hast ein anderes Päckchen als der Pharisäer mitgebracht in deine Beziehung mit Gott, in dein persönliches Bibellesen, in deine Theologiegestaltung. Aber du hast eine Geschichte. So wie der Pharisäer ganz natürlich seine Gesetzlichkeit im Gepäck hat, für ihn ist es klar: Ich muss treu die Gebote befolgen, und wenn ich das mache, dann kann ich vielleicht auch Gott so ein bisschen damit beeindrucken. So hat der Durchschnittsbrandenburger wahrscheinlich so seinen Lebensstil der Selbstgefälligkeit und Unabhängigkeit im Gepäck.
Und ob uns das jetzt passt oder nicht: Wenn wir nicht aufpassen, findet sich ganz schnell etwas von diesem alten Lebensstil in unserer Theologie wieder. Ich sage nicht, dass wir das bewusst wollen, dass wir sagen: Okay, wie viel von meinem alten Leben kann ich behalten? Das machen wir gar nicht. Es passiert einfach. Es passiert vor allem dann, wenn ich mir nicht genug Zeit nehme, um über mich selber nachzudenken, wenn ich mir nicht genug Zeit dafür nehme, und soweit ich das sehe, ist das ein lebenslanger Prozess, wenn ich mir nicht genug Zeit nehme, mein Leben im Licht von Gottes Wort zu reflektieren.
Das Wort Gottes ist das Wort der Wahrheit, und nur in dem Maß, wie ich mir selber immer wieder die Frage stelle: Ist das, was ich gerade über mich oder über andere denke, eigentlich wahr? Das ist eine fiese Frage. Die ist viel fieser, als du dir das vorstellst. Aber immer diese Frage: Ist das, was ich jetzt gerade in meinem Kopf habe und über mich und über andere Leute und über Umstände denke, ist das eigentlich wahr? In dem Maß, wie ich diese Frage an mich heranlasse, in dem Maß findet eine Kurskorrektur statt.
Und das ist mehr als wichtig, weil ich mit meiner Theologie nämlich andere Menschen präge. Und auch wenn ich selbst zum Glauben an Jesus gefunden habe, kann es sein, dass die Art, wie ich meinen Glauben denke, und vielleicht auch für mich selber recht befriedigend lebe, dass meine Theologie für andere Menschen zum Verhängnis wird. Warum kämpft Paulus hier, und noch schlimmer: Lest euch mal den Galaterbrief durch, wie sauer er den Galaterbrief schreibt. Der ist so stinkesauer am Anfang vom Galaterbrief wie bei keinem anderen Brief. Warum macht er das? Warum kämpft er an der Stelle gegen diese Irrlehre?
Was ist denn falsch daran, dass man sich beschneiden lässt oder den Sabbat hält oder kein Schweinefleisch isst? Das sind doch eigentlich Nebensächlichkeiten! Stimmt, eigentlich sind das Nebensächlichkeiten. Aber nur solange, wie ganz klar bleibt, dass es sich auch um Nebensächlichkeiten handelt. Solange richten sie keinen Schaden an. Aber wehe, wenn, und das ist hier passiert, Nebensächlichkeiten in meiner Theologie plötzlich zur Grundlage werden, zur Grundlage dafür werden, dass ein anderer von Jesus angenommen werden kann.
Für die Pharisäer ist das logischerweise keine große Sache. Wenn die sagen: Halte doch die Gebote, na ja, sie haben sie sowieso gehalten, sei es aus Gewohnheit oder um einfach keinen Anstoß zu erregen in der Gesellschaft. Für die Heidenchristen wird ihre Theologie zur Falle. Und ich meine wirklich zur Falle, weil es nämlich worum im Christentum geht. Worum geht es im Kern im Christentum? Es geht darum, dass ich mich mit Haut und Haar an eine Person hänge, nämlich an Jesus.
Und wenn jetzt jemand kommt und behauptet: Du brauchst Jesus, aber du brauchst auch die Beschneidung, den Sabbat und die Speisegebote und was weiß ich noch, dann klingt das für junge Christen, und ich rede jetzt speziell zu jungen, frisch bekehrten Christen, total interessant. Und was junge Christen sofort an der Stelle tun, wenn man ihnen ein bisschen Gesetzlichkeit anbietet: Sie springen drauf. Und mit einem Mal hören sie auf, sich ganz auf Jesus zu fokussieren, sich ganz mit ihm zu beschäftigen, von ihm zu lernen, ihm nachzufolgen, alles von ihm zu erwarten. Sie lernen ein System von Zusatzregeln, halten sich dran, halten sich dann das ist auch bei jungen Christen total üblich ein bisschen extra heilig und haben in Wirklichkeit ihren direkten Kontakt zum Herrn Jesus. Ich will nicht sagen verloren, aber er tritt in den Hintergrund, und das darf nicht sein. Da geht wirklich Glaube kaputt, und lasst das ein, zwei Generationen laufen, dann bleibt am Ende nur noch Gesetzlichkeit übrig.
Und Paulus sieht das und sagt: Wenn du diese Nebensächlichkeiten für wichtig hältst, mach sie in deinem Leben. Niemand spricht den Pharisäern ab, all das zu tun, ja, nein, mach das so, wie du willst. Aber wenn du dich hinstellst und sagst, das ist für alle verbindlich, nee, Freund, das geht nicht.
Die Verse 6 bis 9 in der Apostelgeschichte: Die Apostel aber und die Ältesten versammelten sich, um diese Angelegenheit zu besehen. Als aber viel Wortwechsel entstanden war, stand Petrus auf und sprach zu ihnen: Ihr Brüder, ihr wisst, dass Gott mich vor langer Zeit unter euch auserwählt hat, dass die Nationen durch meinen Mund das Wort des Evangeliums hören und glauben sollten. Und Gott, der Herzenskenner, gab ihnen Zeugnis, indem er ihnen den Heiligen Geist gab, wie auch uns, und er machte keinen Unterschied zwischen uns und ihnen, da er durch den Glauben ihre Herzen reinigte.
Es braucht, und das macht der Text absolut klar, es braucht allein den Glauben an Jesus, um gerettet zu werden. Es braucht keine weiteren Vorbedingungen. Die Heiden bekommen den Heiligen Geist, und sie bekommen ein, hier steht es, gereinigtes Herz. Man könnte auch sagen: ein neues Herz. Und wenn ihr euch fragt: Was ist das Herz? Dann ist es dieses innere Wollen. Es ist der Wunsch, Gott zu gefallen. Sie bekommen also den Heiligen Geist, und sie bekommen ein neues, gereinigtes Herz, alleine durch den Glauben. Das, was im Alten Testament an Verheißung aufgeschrieben ist, in Hesekiel 36 ein neues Herz, einen neuen Geist, erfüllt sich einfach so bei den Heiden.
Und Petrus erzählt das hier, weil er war dabei, er hat das total erlebt. Er stand in diesem Raum vor lauter Heiden, wo Cornelius zu Hause war, predigt, und mit einmal, schwupp, kommt der Heilige Geist. Man denkt: Ach ja. Und er muss dann mühsam seinen jüdischen Glaubensfreunden erklären, was hier passiert ist. Gott hat tatsächlich die Heiden, die Glaubten, angenommen. Und das erzählt hier Petrus. Er macht keinen Unterschied. Für Gott gibt es keinen Unterschied zwischen gläubigen Heiden und gläubigen Juden.
Vers 10: Nun denn, was versucht ihr Gott, ein Joch auf den Hals der Jünger zu legen, das weder unsere Väter noch wir zu tragen vermochten? Ihr wisst, was ein Joch ist: Genau, das legt man so einem Tier drauf, damit man dahinter was spannen kann, Kutsche oder Pflug oder sonst irgendwas. Im Allgemeinen ist ein Joch eine schwere Last, die jemand trägt. Ein Joch auflegen heißt, jemandem das Leben beschwerlich machen. Hier ist es bildhaft. Es steht für das mosaische Gesetz beziehungsweise für die Pflicht, dieses Gesetz einzuhalten.
In dem Denken der Pharisäerchristen, diesem falschen Denken, da ist das das Zentrum. Die sagen, das Einhalten des mosaischen Gesetzes ist eine zwingende Voraussetzung dafür, um gerettet werden zu können. In ihrem Denken ist das so: Wir haben es vorher nicht geschafft, das haben ja alle mitgekriegt, aber jetzt sind wir gläubig, jetzt kommt Jesus in mein Leben, und jetzt schaffe ich es. Und das kann man auch fromm sagen: Mit Jesu Hilfe wirst du das auch schaffen. Das klingt gar nicht so ungeistlich.
Nur, was Petrus hier sagt, ist: Na ja, seien wir doch mal ehrlich, was machst du hier aus Jesus? Jesus ist der, der dir hilft, das alte Gesetz zu erfüllen? Hä? Ist das wirklich dein Ernst? Das haben wir doch früher schon nicht geschafft. Und jetzt sind wir doch mal ehrlich, wollen wir wirklich diese ganzen vielen Gebote jetzt anderen Leuten zumuten, wenn die das gar nicht brauchen? Da spielt Jesus eine Rolle, die Jesus gar nicht spielen will, weil Jesus überhaupt nicht in unser Leben kommen möchte, damit wir all diese Gebote erfüllen. Das hatten wir auch mal in einer anderen Predigt hier schon. Jesus sagt, wenn ich komme, dann ist das so, wie wenn man neuen Wein in neue Schläuche packt. Also ich bin nicht so ein, ich bringe euch nicht Judentum 2.0, so ein aufgemotztes Judentum, so Judentum, was jetzt aber klappt, weil ich euch dabei helfe.
Das war nie so gedacht. Das denken aber die Pharisäerchristen. Und jetzt kommt Petrus und sagt: Das ist doch Quatsch, Freunde, wir haben das damals nicht geschafft, und wir brauchen auch gar nicht darüber nachzudenken, ob das jemand schafft, weil es nicht mehr darum geht. Es hat etwas völlig Neues angefangen. Dieser alte Bund, am Sinai geschlossen mit den ganzen vielen 613 Geboten, dieser alte Bund ist vorbei, vergiss es. Schön abgelaufen, wo ist der Osterhase mit dem Ablaufdatum? Ja, also hier: Wenn das der alte Bund ist, da unten abgelaufen, vorbei. Pfingsten, ja, es braucht noch ein paar Jahrzehnte, was weiß ich, zwei, drei Jahrzehnte, dann wird ganz Jerusalem abgefackelt, dann sieht es auch jeder. Aber es ist vorbei. Es hat etwas Neues angefangen.
Ihr lieben Pharisäerchristen, bitte tut mir den Gefallen, dass ihr nicht versucht, das Alte beizubehalten und den Heidenchristen aufzuerlegen. Seid doch froh, dass ihr es los seid! Und versteht, dass ein neuer Bund angefangen hat, dass am Kreuz von Golgatha, das von mir aus mit Pfingsten, je nachdem, wo du das hinlegst, ein neuer Bund angefangen hat. Lasst Jesus Jesus sein! Macht ihn nicht klein zu einem, der euch dazu verhilft, dass, was früher nicht geklappt hat, dass es jetzt klappt, sondern macht was Neues daraus. Versteht, dass es wirklich um Glauben geht, um einen echten Neuanfang, und dass Jesus viel mehr will, als euch nur dazu zu befähigen, ein paar Sabbate, ein paar Speisegebote, ein paar Festfeiern einzuhalten. Jesus möchte dein Herz und möchte dich komplett umgestalten, das ist viel radikaler.
Und deswegen vergesst das, Vers 11: Vielmehr glauben wir, durch die Gnade des Herrn Jesus in derselben Weise errettet zu werden wie auch jene. Köstlich! Ihr Pharisäerchristen, wie werdet ihr gerettet? Dadurch, dass ihr all die Gebote haltet? Das denkt ihr. Aber das ist doch falsch. Ihr werdet genau so gerettet wie die Heidenchristen, und zwar alleine dadurch, dass ihr an Jesus glaubt.
Ich finde das ein spannendes Thema. Ich habe Leute, die zutiefst gläubig sind, diese Pharisäerchristen, die meinen das wirklich ernst. Und sie bringen aus ihrer Geschichte etwas mit, was ihre eigene Theologie so sehr verzerrt, dass sie in der Gefahr stehen, den Glauben von anderen Menschen kaputt zu machen. Sie sind selber gläubig, aber ihre eigene Theologie ist total kaputt, weil sie einfach nicht genug darüber nachgedacht haben, wodurch werde ich eigentlich gerettet. Und die Antwort lautet: Wir werden dadurch gerettet, dass wir glauben, egal ob das Heiden sind oder Juden.
Und was ich auch spannend finde hier ist, und das darf uns ein Stückchen auch nachdenklich machen: Diese Pharisäerchristen, die hier predigen, die sind wirklich selbstbewusst aufgetreten. Also, die haben nicht gesagt: Könnte es sein, dass vielleicht auch das alte Gesetz noch ein bisschen gilt? Sondern die haben sich vorne hingestellt und gesagt: Hey, wenn ihr euch nicht beschneiden lasst, dann könnt ihr nicht gerettet werden. Und ich glaube, wir müssen, wenn Menschen hier vorne stehen auf der Kanzel, egal wie selbstsicher die auftreten, immer davon ausgehen, dass da in ihrer Theologie etwas nicht stimmt. Und wir dürfen das, wir dürfen immer das hinterfragen. Es ist unser Vorrecht. Es ist nicht so, dass wir irgendwann aufhören müssen, mitzudenken, sondern ihr dürft euch immer wieder überlegen: Ist das, was von hier vorne kommt, wirklich das, was in der Bibel steht?
Weil jeder Prediger hier vorne bringt seine Geschichte mit. Ich habe meine Geschichte, und ich bin mir ganz sicher, es gibt in meiner Theologie ein paar Ecken, die sind hoffentlich stark geprägt von der Bibel, aber bestimmt auch von meiner Geschichte. Und ich wäre total gespannt, im Gespräch mit euch das herauszufinden.
So, was machen wir aus dieser Episode der Apostelgeschichte? Das ist ja so etwas, wir haben kein Apostelkonzil, wir haben niemanden, der sich hier vorne hinstellt und sagt: Wollen wir uns nicht alle beschneiden lassen? Ist heute ein bisschen schmerzfreier als damals, wir haben so einen gemeinsamen Termin im Krankenhaus, das ist ja alles, ist ja ewig weit weg. Also was machen wir mit so einem Text? Ich hätte drei Anwendungen.
Der erste, das habe ich jetzt schon gesagt: Du hast eine Geschichte vor deiner Bekehrung. Das gilt übrigens auch, wenn du in einem christlichen Elternhaus groß geworden bist. Ich war gestern in der Ausstellung Luther-Effekt im Martin-Gropius-Bau, und das Erstaunliche, wenn man so Lebensschicksale von Christen sich anschaut, wie unterschiedlich da auch Erfahrungen in christlichen Elternhäusern wahrgenommen werden. Das ist nicht alles immer ganz simpel.
Also, du hast eine Geschichte vor deiner Bekehrung, und wir müssen der Tatsache ins Auge blicken, dass unsere Theologie tatsächlich von unserem Leben geprägt wird. Und ich habe es vorhin gesagt, ich möchte es noch mal sagen: Bekehrung heißt loslassen. Ich muss wirklich loslassen. Das heißt, ich muss immer wieder darüber nachdenken, ob es in meinem Leben Wünsche gibt, Prioritäten gibt, Werte, Denkmuster, Vorurteile, vielleicht auch Vorlieben, so ungeschriebene Gesetze, vielleicht so einen ganzen Lebensentwurf, ob es sowas in meinem Leben gibt, und ich möchte das eigentlich gar nicht loslassen. Ich lasse es zu, dass diese Dinge zusammen mit dem Herrn Jesus auf dem Thron meines Lebens sitzen und mein Leben mitgestalten.
Und ich möchte euch Mut machen, darüber nachzudenken. Also ich mache das immer wieder, dass ich mir die Frage stelle: Ist das, wo ich herkomme, hat das eine Auswirkung? Wo prägt meine Geschichte meine Theologie? Wo bin ich zu eng und die Bibel sagt eigentlich etwas anderes? Wo bin ich zu weit und ich denke mir, da gibt es schon ein paar Gebote, die müsste ich irgendwie mal ernst nehmen? Oder wo bin ich schlichtweg falsch? Es lohnt sich einfach, immer wieder darüber nachzudenken.
Für mich persönlich ist die große Freiheit im Christentum, dass ich erlöst bin durch Glauben und dann in Ruhe nachdenken darf, wo ich herkomme, wo es hingeht und was der Heilige Geist an mir jetzt dieses Jahr verändern will. Ich finde das total großartig und möchte euch einladen mit diesem Text.
Ein zweiter Punkt, auch wenn es platt klingt, aber es bleibt halt wahr: Wir brauchen ein gutes Bibelwissen. Das Wort Gottes ist das Wort der Wahrheit, es ist Licht auf unserem Weg. Und deswegen, entschuldigt, wenn ich das immer wieder so sage: Lesen, auswendig lernen, darüber nachsinnen. Wenn du nicht so der Lesetyp bist, dann gib dir gute Predigten, schau dir Kommentare an. Ich glaube, dass langfristig kein Weg daran vorbeiführt. Wir müssen es dem Heiligen Geist gestatten, jedes Jahr aufs Neue unser Denken zu verändern. Und bitte glaubt nicht, dass ihr irgendwann damit fertig seid. Also ich bin es nicht.
Und wir müssen das tun, nicht nur, um selber Veränderungen zu erfahren, sondern wir müssen das wahrscheinlich vor allem tun, weil wir Theologie weitergeben, und zwar auch falsche Theologie. Was in unserem Leben vielleicht gerade noch so funktioniert, das kann im Leben unserer Kinder schon große Schäden anrichten. Lasst uns deshalb bitte darauf achten, dass das Evangelium von der Herrschaft Jesu, dass wir das immer mehr erfassen, was das eigentlich bedeutet, und dass wir es dann auf eine ganz unveränderte Weise weitergeben, finde ich einen ganz wichtigen Punkt. Und lasst uns da auch demütig sein, zu sagen: Hey, vielleicht habe ich die letzten dreißig Jahre Dinge falsch gesehen.
Ich kann euch ganz frei bekennen, ich höre mir gerade auch wieder Predigten an von einem Prediger, der Anfang des Jahres mit seinen Predigten den Finger in die Wunde gelegt hat, wo ich dachte: Hopladiho! Wo ich, als ich schon den Titel der Predigt las, dachte: Möchte ich die wirklich anhören? Und dann habe ich sie angehört, und es hat mir unglaublich gut getan. Und ich erwarte einfach, dass uns das immer wieder passiert, dass wir herausgefordert werden durch Gottes Wort, und das uns richtig gut tut.
Und ein dritter Punkt: Lasst es zu, was hier im Apostelkonzil passiert, was wir nächstes Mal dann noch genauer betrachten werden. Lasst es zu, dass Geschwister euch korrigieren. Diese Pharisäerchristen waren überzeugt von ihrer Sicht des Evangeliums, aber sie lagen falsch. Du kannst falsch liegen, ich liege manchmal falsch. Hoffentlich nicht mehr in den großen, wichtigen Dingen, aber in kleinen Dingen kann uns das immer passieren. Und deswegen bitte, bitte, bitte lasst es zu, dass eine Gemeinde für euer Leben ein Korrektiv ist und dass Glaubensgeschwister mit mehr Erfahrung und mehr Bibelwissen uns auf Denkfehler hinweisen dürfen, dass wir nicht nur uns gelten lassen: Ich mit meiner Sicht auf die Bibel, das ist der Tod im Topf, bitte nicht.
Und ich weiß, als jemand, der manchmal versucht, Leute zu korrigieren, wie schwer das ist, auf wie viel Widerstand man stößt. Und deswegen rate ich dir einfach: Wenn mal jemand kommt und sagt, du, ich habe da was in der Bibel gefunden, das passt nicht ganz zu deinem Leben, dass du nicht gleich so wie ein Ritter so runterklappen, Schwert ziehen, Schild hoch: Was hast du mir zu sagen? Sondern dass ihr erst mal einfach zuhört, okay?
Also das nehme ich aus dem Text mit. Einmal dieses: Ich bringe meine Geschichte mit, das muss ich mir bewusst sein. Es ist wichtig, die Bibel zu kennen. Und dritter Punkt: Wenn jemand kommt und dich korrigiert, lass es doch einfach mal zu, hör doch einfach mal zu. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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