Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist
Episode 690: Gebet und Glauben, Teil 3
Die Kraft und Grenzen des glaubenden Gebets
Wir waren stehen geblieben bei Matthäus 21,22: „Und alles, was ihr im Gebet glaubend begehrt, werdet ihr empfangen.“
Ich hoffe, dass ich jede Größenwahn-Fantasie, die man von Predigern mit einer ausgeprägten Word-of-Faith-Theologie kennt, als Lüge entlarven konnte. Wir sind keine kleinen Götter, die allein durch die Macht ihrer Worte Realität schaffen. Wir sind Kinder Gottes, die ihren Vater bitten – und das auf eine respektvolle, gläubige Weise.
Gebet vermag vieles, aber nicht alle Gebete werden erfüllt. Dabei müssen wir bei Gebeten zwischen Erhörung und Erfüllung unterscheiden. Das sehen wir sehr schön bei Daniel.
Er betet und fastet einundzwanzig Tage, weil er Verständnis sucht. Nach drei Wochen kommt dann ein Engel, der zu ihm spricht. So formuliert es Daniel 10,12:
Erhörung und Erfüllung im Gebet am Beispiel Daniels
Und er sprach zu mir: „Fürchte dich nicht, Daniel, denn vom ersten Tag an, als du dein Herz darauf gerichtet hast, Verständnis zu erlangen und dich vor deinem Gott zu demütigen, sind deine Worte erhört worden. Um deiner Worte willen bin ich gekommen.“
Ich mag diesen Vers deshalb so sehr, weil er ein wichtiges geistliches Prinzip offenbart: Vom ersten Tag an sind deine Worte erhört worden. Gott erhört unser Gebet sofort. Dabei spreche ich von Gebeten, die den Kriterien entsprechen, die ich in der letzten Episode vorgestellt habe.
Wir sollen beten, dabei aber nicht wankelmütig oder selbstsüchtig sein. Wir dürfen keine Sünde in unserem Leben dulden und sollen uns viel mit dem Wort Gottes beschäftigen. Außerdem sollen wir liebevoll mit den Geschwistern umgehen und im Namen Jesu beten.
Glaube, Selbstlosigkeit, Heiligkeit, Korrekturfähigkeit, Liebe und Christus-Ebenbildlichkeit – diese Dinge, die für eine Beziehung zu unserem Vater im Himmel von allergrößter Bedeutung sind, sind natürlich auch existenziell für erhörliches Gebet.
Der kosmische Konflikt hinter der Gebetserfüllung
Nehmen wir ruhig einmal an, dass wir gläubig, selbstlos, heilig, interessiert, liebevoll und ein bisschen wie Jesus sind. Trotzdem werden wir erleben, dass es einen Unterschied gibt zwischen der Erhörung und der Erfüllung von Gebeten – so wie bei Daniel.
In Daniel 10,12-13 heißt es: „Und er sprach zu mir: Fürchte dich nicht, Daniel! Denn vom ersten Tag an, an dem du dein Herz darauf gerichtet hast, Verständnis zu erlangen und dich vor deinem Gott zu demütigen, sind deine Worte erhört worden. Und um deiner Worte willen bin ich gekommen. Aber der Fürst des Königreichs Persien stand mir einundzwanzig Tage entgegen. Und siehe, Michael, einer der ersten Fürsten, kam, um mir zu helfen. Und ich wurde dort entbehrlich bei den Königen von Persien.“
Merkt ihr, was hier steht? Einerseits wird gesagt, dass die Gebete „vom ersten Tag an erhört“ wurden. Dann folgt aber auch diese merkwürdige Formulierung: „Aber der Fürst des Königreichs Persien stand mir einundzwanzig Tage entgegen.“
Drücken wir es so aus: Der Antwortengel macht sich auf den Weg – das ist die Erhörung. Aber die Erfüllung des Gebets braucht noch einundzwanzig Tage Fasten und Beten.
Wir müssen uns das Prinzip dahinter einprägen: Wir beten voller Vertrauen, aber immer hinein in einen kosmischen Konflikt, bei dem es noch andere Akteure gibt. Wann deshalb aus der Erhörung die Erfüllung wird, das haben wir nicht in der Hand.
Die fortwährende Aufgabe des Glaubens im Gebet
Was wir im Gebet glaubend begehren, wird geschehen. Wenn es sich um ein Gebet handelt, das in Gottes Sinn ist, werden wir empfangen. Mit unseren Gebeten bewegen wir die unsichtbare Welt.
Leider sind wir in diesem kosmischen Konflikt um Seelen nicht die einzigen Akteure. Wann der Widerstand fällt und wann der Zeitpunkt kommt, an dem aus Erhörung Erfüllung und Erfahrung wird, liegt nicht in unserer Hand.
Unsere Aufgabe ist es, in solchen Fällen einfach immer weiter zu beten. Wir beten weiter, auch wenn das Gebet bereits erhört wurde.
In Markus 11,24 heißt es: "Darum sage ich euch: Alles, um was ihr auch betet und bittet, glaubt, dass ihr es empfangen habt, und es wird euch werden."
Das ist eine interessante Kombination. Wir beten, bitten und glauben, dass wir bereits empfangen haben – das ist die Erhöhung. Und dann wird es uns werden – das ist die Erfüllung. Zwei getrennte Phänomene.
Vergebung als Voraussetzung für wirksames Gebet
Und noch etwas ist wichtig: Markus 11,25 sagt: „Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemand habt, damit auch euer Vater, der in den Himmeln ist, euch eure Übertretungen vergibt.“
Wir haben uns mit dem Thema Vergebung bereits intensiv in Episode 224 sowie in den Episoden 419 bis 421 beschäftigt. Hört euch diese Episoden gern wieder an.
Ich fasse hier nur die wichtigsten Punkte noch einmal zusammen. Vergebung ist eine Entscheidung, kein Gefühl. Vergebung bedeutet, dem Täter die persönliche Schuld nicht mehr nachzutragen und auf Vergeltung zu verzichten. Das heißt, die Angelegenheit bewusst in Gottes Hände zu legen, weil Rache letztlich Gottes Sache ist und nicht unsere.
Vergebung muss nicht zu einer Wiederherstellung der Beziehung führen. Oft genug ist sie ein Prozess.
Persönliche Gründe für Vergebung und tägliche Praxis
Ich vergebe gern. Warum? Ganz einfach, aus zwei Gründen.
Erstens erlaube ich niemandem, darüber zu entscheiden, wann und wie sehr ich mich aufrege. Ich allein bestimme, wie ich mit dem Groll in mir umgehe.
Zweitens möchte ich selbst Vergebung erfahren. Markus 11,25 sagt: „Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemanden habt, damit auch euer Vater, der in den Himmeln ist, euch eure Übertretungen vergibt.“
Ich habe einen Vater im Himmel, der mich auffordert, täglich meine Sünden zu bekennen. Dabei muss ich nicht warten, bis ich zu meiner täglichen Gebetszeit komme. Ich kann Sünde auch sofort bekennen.
Aber spätestens dann, wenn ich mir einmal am Tag kurz darüber Gedanken mache, wo ich selbst versagt und gesündigt habe, sollte ich auch darüber nachdenken, ob es noch fremde Sünden zu vergeben gilt. Und wenn das der Fall ist, dann sollte ich es auch tun.
Wir vergeben, damit auch unser Vater, der in den Himmeln ist, uns unsere Übertretungen vergibt.
Die Verheißung der Reinigung und das volle Feindesprogramm
Ich brauche täglich Vergebung. Deshalb vergebe ich auch gern.
Ich baue mein Leben auf 1. Johannes 1,9 auf. Dort heißt es: Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit. Das wünsche ich mir – die Reinigung von jeder Ungerechtigkeit. Deshalb bekenne ich meine Sünden.
Der Herr Jesus weist darauf hin, dass Groll und nicht vergebene fremde Sünden Gott dazu bringen, mir auch nicht zu vergeben – selbst dann, wenn ich meine Sünden aufrichtig bekenne. Deshalb vergebe ich täglich.
Ich verbinde das Vergeben auch gleich mit dem „vollen Feindes-Programm“ aus Lukas 6. Das bedeutet: Liebe, Gutes tun, Segnen und Gebet.
Einladung zur praktischen Umsetzung im Alltag
Was könntest du jetzt tun? Überlege dir, wie Gott deinen ganz persönlichen Umgang mit Sünde beurteilen würde.
Das war's für heute. Erstelle doch einmal eine Gebetsliste mit Menschen, die du nicht magst oder die dich nicht mögen. Was könntest du für sie beten?
Der Herr segne dich, schenke dir seine Gnade und lasse dich in seinem Frieden leben. Amen.
