Serie•Teil 28 / 37Matthäus-Evangelium
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einleitung und Ausgangspunkt
Es ist ein wunderschöner, strahlender Sommertag. Zum Mittagessen sind Gäste eingeladen. Als es an der Tür klingelt, steht die ganze Familie da und heißt sie überschwänglich willkommen. Küsschen hier, Küsschen da, und wie froh sind alle, dass man sich einmal wieder sieht.
Das Essen wird aufgetragen, die Besucher setzen sich, und die Mutter bittet voll Stolz den kleinen vierjährigen Hans, vor dem Essen zu beten. „Aber ich weiß doch gar nicht, was ich sagen soll“, antwortet er. „Ach, das ist nicht so schlimm“, entgegnet seine Mutter, „bete einfach, was ich heute Morgen gesagt habe.“ Gehorsam senkt der kleine Hans sein Köpfchen, faltet seine Hände und beginnt mit den Worten: „Lieber Gott, es ist so ärgerlich. Warum habe ich bloß diese Leute an einem solch schönen Tag eingeladen?“
Unser Thema heute wird lauten: Heuchelei. Und wir wollen dazu die Bergpredigt aufschlagen, Matthäus 5. Für alle, die in unserer Reihe durch die Bergpredigt noch nicht da waren, gebe ich einen kurzen Rückblick.
Matthäus 5,20 haben wir gelesen: Denn ich sage euch: Wenn nicht eure Gerechtigkeit vorzüglicher ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel eingehen. Und später, Matthäus 5,48, wiederum zum Thema Gerechtigkeit: Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.
Wir haben gesehen, dass die Gerechtigkeit, die ein Mensch aus eigener Anstrengung heraus durch gute Taten erringen kann, in Gottes Augen wertlos ist. Gott will tatsächlich Vollkommenheit. Und jeder, der das einmal verstanden hat, der begreift, dass die Gerechtigkeit, die Gott im Leben eines Menschen will, überhaupt nicht für ihn erreichbar ist. Nur wer sich das Gerechtsein durch den Glauben an den Herrn Jesus schenken lässt, der ist in Gottes Augen tatsächlich gerecht.
Wir haben gesehen, dass Matthäus 5,21-48 zusammengehören. Immer wieder fangen ganze Abschnitte an mit dem Satz: „Ihr habt gehört“. Das liegt daran, dass die Pharisäer und die Schriftgelehrten in ihrem Versuch, irgendwie doch gut vor Gott dazustehen, die Gebote Gottes entschärft haben. Sie haben die Gebote Gottes verändert. Und mit „Ihr habt gehört“ und dem, was danach kommt, beschreibt Jesus diese verzerrten Auslegungen und Anwendungen der Gebote. Immer wieder setzt er etwas dagegen, nämlich sein „Ich aber sage euch“. Dann kommt das, was er dazu zu sagen hat.
Ich denke, wir haben in den letzten Predigten verstanden, dass Jesus eine falsche Auslegung nach der anderen Schritt für Schritt korrigiert und dabei nicht irgendwie das alttestamentliche Gebot verändert, sondern einfach klar macht, was dieses Gebot für einen Sinn und welche Bedeutung es hat. Quasi geht er in die göttliche Perspektive und erklärt das Alte Testament aus Gottes Sicht. Er verschärft es nicht, er macht es nicht leichter, er bringt es einfach so, wie es von Anfang an gedacht war. Er zeigt, was Gott meinte, als er das Gebot gab.
Wir haben gesehen, dass Mord mit ungerechtfertigtem Zorn beginnt und dass da, wo mein Bruder etwas gegen mich hat und ich das weiß, ich möglichst schnell mit ihm die Sache bereinigen soll. Wir haben gesehen, dass Ehebruch mit dem ersten Blick und mit dem Begehren beginnt. Wir haben gesehen, dass Gott einen sehr hohen Anspruch im Blick auf Ehen hat, dass sie gepflegt werden sollen und nicht beim erstbesten Grund aufgelöst werden. Wir haben uns Gedanken gemacht, was ist, wenn ich den Mund aufmache, was soll dann herauskommen? Nichts als die Wahrheit. Wir haben gesprochen über Rache, die zwar süß sein mag, aber trotzdem in Gottes Augen völlig falsch ist. Und wir haben uns beim letzten Mal dann auch unterhalten über Feindesliebe.
Und jedes Mal begegnet Jesus in diesen Versen, Matthäus 5,21-48, der Lehre. Jetzt, mit Kapitel 6, ändert sich dieser Fokus. Es geht jetzt nicht mehr um Lehre, sondern es geht um Praxis. Es geht nicht mehr um die Frage: Was glaubst du?, sondern es geht jetzt um die Frage: Wie lebst du?
Und wie wir sehen werden, war es so, dass die Schriftgelehrten und die Pharisäer in ihrem Versuch, ein gerechtes, besser muss man ja eigentlich sagen, ein selbstgerechtes Leben zu führen, nicht nur Gottes Maßstäbe manipuliert haben, um sie irgendwie halten zu können, sondern dass sie auch einen Lebensstil entwickelt haben, der einzig und allein darauf abzielte, Menschen zu beeindrucken.
Matthäus 6,1 wird heute unser Vers sein: Habt Acht, dass ihr eure Gerechtigkeit nicht übt vor den Menschen, um von ihnen gesehen zu werden, sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater, der in den Himmeln ist.
Ich möchte zu dem Vers eine Vorbemerkung machen und dann drei Punkte herausarbeiten. Meine Vorbemerkung lautet folgendermaßen: Wenn du ein Christ bist und für Gott leben möchtest, dann gehören ganz bestimmte Äußerlichkeiten zu deinem Leben ganz normal dazu. Wenn Jesus sagt: „Achtet darauf, dass ihr eure Gerechtigkeit nicht übt vor den Menschen“, dann geht er davon aus, dass wir als Christen tatsächlich Gerechtigkeit üben. Es gibt Äußerlichkeiten, die zum geistlichen Leben normal dazugehören.
Oder anders ausgedrückt: Frommsein ist eigentlich eine Sache des Herzens. Wenn das Herz eines Menschen Gott nicht gehört, dann hat es keinen Sinn, wenn er in den Konfirmandenunterricht geht oder wenn er hier Brot für die Welt spendet. Dann ist es egal, ob er Gemeinderäume putzt oder sein Auto der Jugend für eine Fahrt in den Schwarzwald zur Verfügung stellt. Wenn das Herz eines Menschen nicht Gott gehört, dann sind solche Dinge natürlich egal, sie haben keine Bedeutung. Aber wenn das Herz Gott gehört, dann sollte man das im Leben eines Menschen auch sehen.
Wisst ihr, mit dem Herzen ist das so eine Sache. Wenn ein Mensch sich bekehrt, wenn ein Mensch wirklich zu Gott umkehrt, dann heißt das so viel, wie dass Gott in seinem Leben die höchste Priorität hat. Dann wird sein Herz, sein Innerstes, auf Gott hingepolt. Stellt euch vor, das Herz wäre ein Kompass, und bei der Bekehrung bekommt mein Herz einen neuen Nordpol. Plötzlich zeigt mein Herzkompass in eine ganz andere Richtung. Vorher, bevor ich mit Gott leben wollte, war es ein Weg-von-Gott-Zeigen, und jetzt ist es ein Hin-zu-Gott-Zeigen.
Da, wo diese Entscheidung gefallen ist, wo ich in meinem Innersten die Entscheidung getroffen habe: „Ich möchte nie wieder ohne Gott leben“, da wird sich das in meinem Leben auch zeigen. Und wenn sich das zeigt, dann wissen wir, dass das, was sich da zeigt, die guten Werke sind, dass das nichts ist, was uns irgendwie den Himmel erkaufen könnte. Aber wir wissen, dass es die logische Folge von wirklichem Gläubigsein ist, dass Menschen, die uns begegnen, sagen: Hups, warum lebst du so, wie du lebst?
Es war zu allen Zeiten in der Geschichte so, dass man wirkliche Christen hat erkennen können an ihrem Lebenswandel, an der Gerechtigkeit, die sie geübt haben. Ich habe mir etwas herausgesucht, und zwar aus einem Handbuch für Inquisitoren. Ihr wisst ja: Im Mittelalter sind die Inquisitoren durch die Landschaften gezogen, und sie haben, wir würden heute sagen, Leute gesucht wie wir, die einfach nur dem Herrn Jesus geglaubt haben. Und in diesem Handbuch für Inquisitoren finden sich, das ist 1270 geschrieben worden, Merkmale, an denen man Menschen erkennen kann, die auf den Scheiterhaufen gehören, die unbedingt weggebracht werden müssen.
Und ich lese euch das mal vor: Merkmale für Waldenser nannte man das. Also diese Leute: Sie schwören nicht, sie sind besonnen, sie meiden extravagante Kleidung, sie treiben keinen Handel, um nicht lügen, betrügen oder schwören zu müssen. Ihre Lehrer, also ihre Prediger, sind Weber und Schuhmacher, sprich einfache Leute. Sie häufen keine Reichtümer auf, begnügen sich mit dem Notwendigen, sie halten Maß beim Essen und Trinken, sie besuchen keine Wirtshäuser, Tanzvergnügungen oder andere fragwürdige Veranstaltungen. Sie bändigen ihren Zorn, sie arbeiten fleißig, sie sind stets am Lernen und Lehren, sie achten auf eine präzise und besonnene Redeweise. Sie hüten sich vor übler Nachrede oder vulgären und nichts sagenden Worten. Sie meiden lügenhafte und beschwörende Ausdrücke, sie sagen nicht „ehrlich“ oder „ganz gewiss“, weil sie solche Bestätigungen für einen Eid ansehen.
Solche Leute sollte der Inquisitor umbringen. Ganz klar, solche Leute hatten kein Recht zu leben. Ganz einfach. Merkt ihr? Ich hoffe, dass auf uns diese Beschreibung zutrifft. Das waren richtige Christen. Und durch die Jahrhunderte hindurch konnte man die echten von den falschen immer an einem Lebensstil der Gerechtigkeit unterscheiden.
Und mein Wunsch ist tatsächlich auch heute, hinter der Predigt euch ein Stückchen dazu zu ermutigen, euer eigenes Leben zu hinterfragen und zu überlegen: Wenn der Inquisitor heute durch Berlin zöge, gäbe es genügend äußere Beweise dafür, dich einzusperren? Könnte man mit der Liste sagen: Keine Frage, du bist einer, du kommst ins Gefängnis?
Das war meine Vorbemerkung. Zu jedem wirklichen geistlichen Leben gehören geistliche Äußerlichkeiten, und das, was wir hier im Text finden, werden wir in den nächsten Predigten darüber reden. Da sind das Dinge wie Almosen geben, beten, fasten. Und wir könnten die Liste, denke ich, problemlos fortsetzen. Dazu gehört auch Bibel lesen, dazu gehört, dass wir einen Gottesdienst besuchen, uns in die Gemeinde einbringen, mit Freunden über das Evangelium reden, dass wir Gottlieder singen. Es gäbe viele Dinge, die ganz zwanglos, wenn jemand wirklich Christ ist, zu seinem Leben dazugehören.
Beten wir darum, dass wir nicht zu einer Generation werden, die sich äußerlich nicht mehr unterscheidet, weil das wäre nicht richtig.
Nun zum eigentlichen Text, Matthäus 6,1. Da heißt es: Habt Acht, dass ihr eure Gerechtigkeit nicht übt vor den Menschen.
Die drei Punkte lauten: Heuchler sind nicht wachsam, Heuchler wollen Menschen beeindrucken, und Heuchler bekommen keinen Lohn von Gott.
Wachsamkeit als geistliche Grundhaltung
Der erste Punkt: Heuchler sind nicht wachsam. „Habt acht“ steht da. Man könnte das auch anders übersetzen. Man könnte es übersetzen mit: Konzentriert euch auf die und die Sache. Oder man könnte sagen: Gebt sorgfältig acht, passt auf, dass ihr die Sache nicht durch die Lappen geht.
Meine Kinder haben diese Lektion auf dem Rückflug jetzt, am Ende der Ferien aus Amerika, gelernt. Als sie in Frankfurt ankamen und weiterfliegen wollten nach Berlin, da war das Ticket weg. Es fehlte einfach. Weg. Sie haben nicht aufgepasst.
Ich hoffe, dass es uns nicht ähnlich geht in unserem geistlichen Leben. Dass wir, weil wir ja auch auf einer Reise sind, irgendwann feststellen, so nach einiger Zeit: Oh, da gab es eine Haltung in meinem Leben, da gab es eine Einstellung gegenüber Gott. Die hat sich geändert, die ist plötzlich weg. Ich bin nicht mehr der Alte.
Dass es so etwas geben kann, das möchte ich euch aus dem Alten Testament zeigen. Da finden wir nämlich reihenweise Leute, die irgendwann gut mit Gott unterwegs waren und dann im Verlauf ihres Lebens an einen Punkt gekommen sind, wo du sagst: Ops, was ist denn jetzt passiert? Wie kann das denn sein?
Wir schlagen dazu auf: 2. Chronik. Ich möchte euch zwei Könige vorstellen, erstens den König Usia und zweitens den König Asa.
Usia, der König, lebt im achten Jahrhundert vor Christus, 2. Chronik 26. Und wir lesen da die Verse 3, 4 und 5.
2. Chronik 26,3-5
Usia war sechzehn Jahre alt, als er König wurde, und er regierte zweiundfünfzig Jahre in Jerusalem. Und der Name seiner Mutter war Jecholja von Jerusalem. Und er tat, was recht war in den Augen des Herrn, nach allem, was sein Vater Amasja getan hatte. Und er suchte Gott in den Tagen Secharjas, der ihn in den Gesichten Gottes unterwies. Und in den Tagen, da er den Herrn suchte, gab ihm Gott Gelingen.
So fängt sein Leben an. Ist das nicht brillant? Ein Teenager, der mit viel Geschick ein wirklich schwieriges Volk regiert, weil er Gott sucht und Gott ihm daraufhin Gelingen gibt. Ey, klasse, oder? Eigentlich müsste man sagen: schöne Geschichte. Was mag da alles noch kommen? Was für eine Verheißung, was für ein Potenzial steckt in diesem Knaben?
Aber wenn man dann weiterliest, dann liest man von dem traurigen Ende. Dass dieser verheißungsvolle Usia dann doch abgedriftet ist.
2. Chronik 26,16
Und als er mächtig geworden war, wurde sein Herz hochmütig, bis er verderblich handelte. Und er handelte treulos gegen den Herrn, seinen Gott, und drang in den Tempel des Herrn ein, um auf dem Räucheraltar zu räuchern.
Gott straft ihn daraufhin, er bekommt Aussatz, aber bis zu seinem Tod tut er keine Buße.
Guter Anfang, vorbildlich dabei. Jemand, wo du sagen würdest: Vielleicht nach unseren Maßstäben kam er als Teenie zum Glauben, hat sich dann gut an die Menschen angeschlossen, hat sofort mitgearbeitet beim Büchertisch, war mit Anfang zwanzig schon Jugendmitarbeiter, hat sich richtig reingekniet in die Bibel, war jemand, wo du mit dreißig dir gewünscht hättest, dass er dein Schwiegersohn wird. Und dann, mit Mitte vierzig, Ende fünfzig, irgendwo in dem Bereich, kippt er ab. Und du stehst da und du denkst: Wie kann das sein?
Anderes Beispiel: Hundert Jahre vor Usia lebte der König Asa. Der König Asa ist auch einer, der zu Beginn seiner Herrschaft eine Reformation in Juda durchführt. Der Götzendienst wird abgeschafft, und er hat außenpolitisch eine ganze Menge Erfolg. Es geht so weit, dass die Gläubigen aus dem Nordreich Israel – damals war das zweigespalten, ein Nordreich und ein Südreich – scharenweise in den Süden ziehen und zu ihm überlaufen. Weil sie sahen, dass der Herr, sein Gott, mit ihm war.
Und die Krönung seines Dienstes: Er führt das ganze Volk zurück in den Bund mit dem Gott Israels. Das ist so atemberaubend gewesen, dass der Schreiber des Buches Chronik in 2. Chronik 15,15 wirklich euphorisch das so beschreibt:
Und ganz Juda freute sich über den Schwur, denn sie schworen mit ihrem ganzen Herzen und suchten den Herrn mit ihrem ganzen Willen, und er ließ sich von ihnen finden.
Da ist ein ganzes Volk geschlossen hinter seinem König. Und der König ist einer mit klaren Prioritäten, einer, der wirklich ein Vorbild ist, im Vertrauen auf Gott, ein Vorbild in der Konsequenz im Leben mit Gott. Er geht voran, und alle sagen: Wir folgen dir, wir folgen dir und wollen Gott dienen.
Und selbst seine Mutter, die Götzendienerin ist, muss ihren Posten am Königshof aufgeben, wird rausgeschmissen, hat kein Recht mehr, weiter zu regieren.
Aber im 36. Regierungsjahr beginnt wieder etwas schiefzulaufen. Es ist mal wieder Krieg. Der Feind heißt diesmal Baesa, Baesa von Israel. Und das tut Asa: Er holt sich Hilfe, und zwar geht er eine Allianz mit den Aramäern ein, einem Nachbarvolk. Und das war falsch. Asa hätte auf Gott allein vertrauen sollen.
Und Asa hat das gewusst. Denn Jahre vorher, als er noch ein kleiner, unbedeutender König war, da kam ein riesiges Heer gegen ihn. Und dieses Heer war so groß und so überlegen, dass es rein menschlich gesehen für ihn keine Chance gegeben hätte, dieses Heer auch nur zu besiegen.
Dann nimmt er seine paar Soldaten, die er hat, und zieht diesem Heer entgegen. Und er stellt sich hin, bevor die Schlacht anfängt. Und er ruft:
Herr, außer dir ist keiner, der helfen könnte im Kampf zwischen einem Mächtigen und einem Kraftlosen. Hilf uns, Herr, unser Gott, denn wir stützen uns auf dich.
Und so steht er vor seiner Truppe, er betet das, und es geschieht, was keiner für möglich gehalten hätte. Zahlenmäßig unterlegen, trägt er mit seiner Armee den Sieg davon.
Das heißt: Asa wusste genau, Gott kann retten, es kommt auf Gott an. Und jetzt, Jahre später, hat er das aus den Augen verloren. Er wusste: Früher, da habe ich mit Gott gelebt. Da war ich einer, der seine Schwierigkeiten mit Gott besprochen hat. Da war ich einer, der nicht gleich los überlegt hat, was kann ich da alles tun, sondern da war ich einer, der erst mal ins Gebet gegangen ist, der auf Gott vertraut hat. Aber jetzt, Jahre später, jetzt bin ich einer geworden, der diese Haltung verloren hat, der nicht mehr auf Gott vertraut.
Und bei Asa sollte es noch schlimmer kommen. Gott warnt ihn. Der Seher Hananja, der kommt vorbei. Er führt ihm das falsche Verhalten vor Augen, sagt: Du kannst das so doch nicht machen. Weißt du nicht mehr, wie das früher war? Hast du das Einmaleins des Glaubens vergessen?
Und er argumentiert dann und sagt: Denn des Herrn Augen durchlaufen die ganze Erde, um denen treu beizustehen, deren Herz ungeteilt auf ihn gerichtet ist. Hast du das vergessen?
Nein. Er schnappt diesen Boten Gottes und steckt ihn ins Gefängnis. Drei Jahre später wird er krank, aber die Beziehung zu Gott bleibt kaputt. Und das traurige Fazit unter seinem Leben:
2. Chronik 16,12
Auch in seiner Krankheit suchte er nicht den Herrn.
Passt auf, wenn ihr euer Leben lebt, dass das, was ihr tut, wirklich das ist, was ihr auch wirklich tun wollt. Es kann sein, dass ihr gut gestartet seid, aber ein guter Start ist keine Garantie dafür, dass das Ende gut wird.
Aus einem hingegebenen und treuen und aufrichtigen Christen kann über die Jahre einfach so, und da müsst ihr euch nicht anstrengen, ihr braucht es nur laufen zu lassen, ein lauer, ungerechter Schauspieler werden, der nur noch so die Maske des Heiligen vor sich trägt, aber innerlich den Bezug zu Gott verloren hat. Der vielleicht noch dient und mitarbeitet, der noch auftritt in diversen Arbeiten, der noch Ansagen macht, aber in seinem Herzen ist irgendwas zerbrochen.
Der Blick der Menschen und die Gefahr der Maske
Heuchler sind nicht wachsam. Heuchler, der zweite Punkt, wollen Menschen beeindrucken. Ich las noch einmal Matthäus 6,1:
Habt Acht, dass ihr eure Gerechtigkeit nicht übt vor den Menschen, um von ihnen gesehen zu werden; sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater, der in den Himmeln ist.
Heuchler sind im Allgemeinen keine falschen oder faulen Leute. Also: keine faulen Leute. Heuchler tun etwas. Ihr Problem liegt nicht zuerst in dem, was sie tun, sondern darin, für wen sie es tun. Was steht hier? Um von ihnen gesehen zu werden, nämlich von Menschen. Für einen Heuchler ist der größte Ansporn, so richtig gut geistlich zu leben, der, wenn möglichst viele Leute zuschauen. Und wenn die nicht da sind, dann ist die Motivation deutlich geringer.
Eine Geschichte von François Fénelon: Er war Prediger am Hof Ludwigs XIV. in Frankreich, Ende des 17. Jahrhunderts. Eines Sonntags kommen der König und seine Bediensteten zum Gottesdienst und staunen nicht schlecht, als sie sehen, dass außer ihnen niemand sonst da war. „Was hat das zu bedeuten?“, fährt der König den Prediger an. Worauf Fénelon lächelnd antwortet: „Ich hatte bekannt gegeben, dass Eure Majestät heute nicht kommen würde, damit Eure Majestät erkenne, wer Gott in Wahrheit dienen und wer nur dem König gefallen möchte.“
Eine leere Kirche.
Kleine Frage: Warum bist du heute hier? Bist du hier, um Menschen zu beeindrucken? Oder bist du hier, weil es deiner Überzeugung entspricht? Möchtest du einfach nur, dass niemand schlecht von dir denkt? Man muss ja am Sonntag irgendwie hier auftauchen, sonst kriegt man da vielleicht einen Anruf oder so. Oder ist es dir in deinem Denken eigentlich egal, was die anderen jetzt denken, weil es dir allein um Gottes Meinung, um Gottes Beurteilung für dein Leben geht? Warum bist du heute eigentlich hier?
Ich hätte noch eine Frage: Wer bist du eigentlich?
Robert Redford ging eines Tages durch die Eingangshalle eines Hotels, als ihn eine Frau bemerkte und ihm in den Fahrstuhl folgte. Als sich die Türen schlossen, fragte sie ihn mit sichtlicher Aufregung: „Sind Sie der wirkliche Robert Redford?“ Seine Antwort lautete: „Das bin ich nur, wenn ich allein bin.“
Bekomme ich dich heute zu sehen oder nur deine Maske?
Der Puritaner John Owen hat das anders ausgedrückt. Er sagte: „Was du bist, wenn du mit Gott allein bist, das bist du und kein bisschen mehr.“ Nochmal: Was du bist, wenn du mit Gott allein bist, das bist du und kein bisschen mehr.
Was bleibt von deinem Glaubensleben, von diesen Äußerlichkeiten, von dem, was man äußerlich sehen kann? Ich kann nicht in dein Herz hineinschauen. Was bleibt von dir übrig, wenn du alleine bist? Wenn du ohne Zwang einfach du selbst sein kannst, wie sieht es dann in deinem praktischen Heiligungsleben aus? Beim Bibellesen, beim Beten, beim Almosengeben, beim Fasten, beim Dienen und bei dem, was dir persönlich wichtig ist?
Bekomme ich dich zu sehen oder nur deine Maske?
Und wenn du dich an früher erinnerst, an das erste Verliebtsein in Gott, an dieses bedingungslose Ja: Wie sieht das heute aus? Sind deine Motive noch dieselben? Hängt dein Herz immer noch zuerst an dem Herrn? Und nimmst du es einfach hin, dass deine guten Werke, die du tust, irgendwie, weil man sie nicht verbergen kann, auch von anderen Menschen wahrgenommen werden, es dir aber unterm Strich völlig egal ist? Oder hat sich da heimlich der Blick auf die Anerkennung anderer Menschen eingeschlichen?
Wen bekomme ich zu sehen, wenn ich dich heute sehe: dich oder deine Maske?
Menschen sind leicht zu beeindrucken, Gott nicht. Und deswegen heißt mein letzter Punkt: Heuchler bekommen keinen Lohn von Gott.
Lohn, Gerechtigkeit und die Perspektive des Vaters
Mag sein, dass die Heuchler den Applaus der Menschen ernten. Das tun sie oft, sonst wären sie schlechte Schauspieler. Aber sie können Gott nicht hinters Licht führen. Der einzige Lohn, den der Heuchler bekommt, ist die Anerkennung durch andere Menschen. Gott belohnt Heuchelei nicht.
Es kommt öfter die Frage auf, das habt ihr auch schon im Hauskreis gehört: Wie ist das eigentlich mit dem Lohn? Warum belohnt Gott die Sachen überhaupt? Und ich möchte darauf mal zwei Antworten geben, warum Gott eigentlich gute Taten belohnt. Meine Antworten sind erstens: Gott belohnt uns, weil er unser Vater ist. Und zweitens: Gott belohnt uns, weil er gerecht ist. Das werden die zwei Antworten sein.
Die erste Antwort, Gott belohnt uns, weil er unser Vater ist, möchte ich illustrieren. Wir haben einen Vater im Himmel, der uns liebt. Und ich denke, dass das Verhalten Gottes mit uns als seinen Kindern sehr gut illustriert werden kann durch das Verhalten, das wir mit unseren Kindern an den Tag legen.
Als ich über Lohn nachdachte, kam mir folgender Vergleich in den Sinn: Meine Große hat vor einiger Zeit mit mir über ein Problem gesprochen, das sie hatte. Sie wollte die Gemeinde finanziell unterstützen, wollte etwas von ihrem Taschengeld geben. Auf der anderen Seite hatte sie aber auch ein größeres Projekt, für das sie sparen wollte. Sie stand also ein bisschen im Zwiespalt: Was mache ich jetzt? Einerseits möchte ich dafür sparen, andererseits möchte ich auch die Gemeinde unterstützen.
Dann habe ich ihr einen Rat gegeben und gesagt: Weißt du was, ich finde es gut, wenn du dein Geld stecken lässt und sparst. Du kannst die Gemeinde auf eine andere Weise viel besser unterstützen: Back einfach Kuchen. Wir haben im Moment sonntags viel zu wenig Kuchen. Wir haben viel mehr Esser dazubekommen, und die Kuchenbäcker sind nicht im gleichen Maß mitgewachsen. Also: Back Kuchen, dann unterstützt du die Gemeinde supergut. Problem gelöst.
Und jetzt kam dieses Benefizkonzert am Freitag, und Tabea kam tatsächlich dann auf den Gedanken: Ich könnte ja Kuchen backen. Das heißt, sie kam aus der Schule und hat dann meine Idee, Kuchen zu backen, genommen. Sie hat meine Küche genommen, meine Zutaten. Sprich: Sie hat eine gute Tat getan, die ich vorbereitet habe, und hat gebacken und mitgebracht.
Was denkt ihr euch, was ich am Freitagabend, als ich nach dem Hauskreis hier auftauchte und den Kuchen sah, gedacht habe? Logisch: Ich dachte mir, boah, mein Baby, mein Baby hat einen Kuchen gebacken, genial, total stolz. Und natürlich bin ich auf sie zugegangen und habe gesagt: Super! Natürlich habe ich probiert und gesagt: Schmeckt lecker.
Und natürlich stelle ich mich hierhin und bekenne vor euch meine Vernarrtheit in meine Tochter. Das war logisch, ich bin Vater, versteht ihr? Und jetzt ist Gott da unser Vater im Himmel, der genau so mit uns umgeht.
Und noch etwas: Habe ich meine Tochter belohnt? Was denkt ihr? Ja, natürlich habe ich sie belohnt. Natürlich durfte sie am Freitag länger aufbleiben, als ihre Mutter es sich gewünscht hat.
Und jetzt blenden wir rüber und sagen: Ja, wie ist das mit Gott? Wenn wir treu dienen, wird Gott genau dasselbe tun. Der Herr Jesus wird uns loben. Er wird sagen: Du guter und treuer Knecht! Und der Herr Jesus sagt, er wird uns bekennen vor dem Vater und vor den heiligen Engeln. Und natürlich wird Gott uns für unsere Treue belohnen. Er ist unser Vater im Himmel, er sieht, was seine Kinder tun, und logischerweise reagiert er darauf, wie ein Vater darauf reagiert.
Meine erste Antwort also: Es gibt Lohn, weil Gott uns belohnt, weil er unser Vater ist.
Es gibt eine zweite Antwort. Für die, die dieses gefühlsschwangere Beispiel nicht mögen: Gott belohnt uns, weil es gerecht ist. Wir leben in einem Universum, in dem bestimmte Gesetze gelten. Da gibt es einmal die Naturgesetze. Ich stehe hier, weil es Gravitation gibt. Und wenn es sie nicht gäbe, dann wäre ich woanders, dann würde ich um die Decke hängen. Aber es gibt Naturgesetze.
Und die gibt es auch im moralischen Bereich, ethische Prinzipien, die genauso Gültigkeit haben. Vielleicht erinnert ihr euch daran, dass Stephan mal gepredigt hat über Galater 6,7: Das, was ein Mensch sät, das wird er ernten. Ein geistliches Prinzip, du kommst nicht daran vorbei. Ein anderes geistliches Prinzip gilt auch, und das möchte ich heute anführen. Das heißt: Gott wird alles, was wir tun, richten, beurteilen. Das gilt einfach. Jedes Leben kommt in ein Beurteilen des Gerichts Gottes. Und weil das Ungerechte und das Böse verurteilt wird, folgt daraus, dass Gott auch das Gerechte und Gute belohnen wird. Es ist einfach nur eine Frage der Gerechtigkeit.
Das heißt nun allerdings nicht, dass wir quasi immer nur mit einem Blick auf die Belohnung leben sollen, dass jeder immer nur auf die Belohnung schielt und alles, was er tut, nur tut, weil es dafür irgendwann mal eine Belohnung gibt. So wenig wir um anderer Menschen willen fromm sein sollen, so sollen wir natürlich auch nicht gute Werke nur wegen der Belohnung tun. Ihr kennt dieses Wort aus Lukas 17: Am Ende unseres Lebens können wir ganz beherzt sagen: Wir sind unnütze Knechte, wir haben nur getan, was wir zu tun schuldig waren.
Aber lasst uns aufpassen, dass wir bei dem Ganzen nicht auf der anderen Seite vom Pferd fallen, dass wir vor lauter Sorge, ja nichts um der Belohnung willen zu tun, Gott, unseren Vater im Himmel, für jemanden halten, dem egal ist, was wir tun, der das überhaupt nicht mitkriegt. Das stimmt nicht. Gott ist es nicht egal, wie du lebst. Und ich denke, es ist recht, mit einer freudigen Erwartung dessen zu leben, was man einmal für sein Leben bekommen wird.
Das darf nicht unsere erste Priorität sein. Unsere erste Priorität ist, dem Herrn Jesus zu gefallen, ihm zu dienen, ihn zu verherrlichen. Aber hab im Hinterkopf ruhig auch die Freude, dass dein Vater im Himmel weiß, dir deine Mühen zu vergelten.
Jeder, der Vater oder Mutter ist, weiß: Das Schönste ist es, sich eine ganz besondere Freude für sein Kind auszudenken. Etwas, wo du weißt, das trifft genau. Ich suche für Weihnachten einen ganz bestimmten Videofilm für meine Tochter. Es gibt ihn nicht. Ja, ich weiß nicht, wie man rankommen kann. Aber ich weiß: Sollte es mir gelingen, dieses eine Ding zu finden, dann wäre Weihnachten, boah, wie, wie, ja, das wäre einmal so, das kann gar nicht sein.
Und jeder Vater hat so etwas, dass er sagt: Ich weiß genau, wie ich meinem Kind die eine Freude machen kann, mit der es nicht rechnet. Warum? Weil ich mein Kind lieb habe. Und wir haben einen Vater im Himmel, der in gleicher Weise es versteht, uns zu belohnen, in so einer Weise zu belohnen für das, was wir hier auf der Erde tun.
Habt Acht, dass ihr eure Gerechtigkeit nicht übt vor den Menschen, um von ihnen gesehen zu werden, sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater, der in den Himmeln ist.
Die drei Punkte waren: Heuchler sind nicht wachsam, Heuchler wollen Menschen beeindrucken, und Heuchler bekommen keinen Lohn von Gott.
Schlussbild und Warnung
Zum Schluss noch eine Geschichte, die vor etwa anderthalb Jahrzehnten im Reader’s Digest stand. Darin berichtet Joan Mitchell aus ihrer Jugend. Sie sagt:
Als ich noch zur Schule ging, adoptierte mein Bruder eine Schlange, die er Slinky nannte. Die Eigenschaft, mit der ich mich am wenigsten anfreunden konnte, war ihre Vorliebe für lebende Mäuse.
Eines Tages zwang mich mein Bruder, in ein Zoogeschäft zu gehen, um Slinkis Abendessen zu besorgen. Dabei war es für mich nicht das Schlimmste, die fetteste Maus aussuchen zu müssen. Und es war auch nicht das Schlimmste, den Verkäufer abzuwimmeln, der mir Vitamine verkaufen wollte, um ihr ein langes Leben zu sichern.
Das Schlimmste war, das arme Ding in einer Pappschachtel nach Hause zu tragen, auf der außen stand: Danke, dass du mir ein neues Zuhause gibst!
Ich bete darum, dass keiner von uns nur so tut, äußerlich, als wäre er auf dem Weg in ein himmlisches Zuhause, während er in Wirklichkeit eine Beute der alten Schlange wird.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.
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