Zum Inhalt

Die Hochzeit zu Kana

Johannesevangelium 2,1-12
Johannes 2,1-1210.02.2020
Serie•Teil 10 / 44Johannes-Evangelium
Die Geschichte von der Hochzeit zu Kana hat viel mehr zu bieten, als nur die Verwandlung von Wasser in Wein. Warum wählt Jesus ein so unauffälliges Ereignis, um sein erstes Wunder zu vollbringen? Welche Überraschungen hält Gott für uns bereit, die weit über unsere Erwartungen hinausgehen? Trotz anfänglichem Zögern zeigt Jesus, dass er ein Gott der Fülle und Freude ist. Glaubst du, dass Gott dir mehr Freude schenken will, als du je für möglich gehalten hast? Lass dich von seiner Großzügigkeit überraschen und entdecke, wie viel mehr er für dich bereithält!

Einleitung und Ausgangspunkt der Predigt

Wir wollen heute miteinander Abendmahl feiern und uns tatsächlich daran erinnern, was im Leben wirklich zählt. Und das, was zählt, ist nicht das, was wir leisten können, was wir getan haben oder wer wir sind. Was wirklich im Leben zählt, ist das, was Jesus für uns getan hat.
Und ich möchte im Johannesevangelium für alle Gäste, wir machen gerade eine Reihe durchs Johannesevangelium, die wird noch ein bisschen dauern, weitermachen, wo wir jetzt gerade sind, und eine Episode aus dem Leben Jesu betrachten, die man gemeinhin mit der Überschrift versehen hat: Die Hochzeit zu Kana.
Ich möchte euch gerne zeigen, warum diese kleine Geschichte um eine fast verpatzte Hochzeitsfeier mich persönlich immer wieder total fasziniert. Total deshalb fasziniert, weil sie Gott als einen Gott darstellt, der so freigiebig ist, dass das einfach in kein Schema passt.
Wir machen das heute so, dass ich euch die ganze Geschichte, das sind jetzt nur zwölf Verse, mal vorlese. Und dann, die nächste Folie bitte, dann kommt ihr da rein. Also Johannes 2,1-12:
Und am dritten Tag war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa. Eben noch Jesus bei der Taufe und die ersten Jünger, ihr erinnert euch, jetzt zwei Tage später war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa. Nicht super weit weg, da konnte man problemlos in zwei Tagen hinlaufen. Und die Mutter Jesu war dort. Es war aber auch Jesus mit seinen Jüngern zu der Hochzeit eingeladen.
Und als es an Wein mangelte, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein.
Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.
Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagen mag, tut.
Es waren aber sechs steinerne Wasserkrüge dort aufgestellt, nach der Reinigungssitte der Juden, wovon jeder zwei oder drei Maß fasste. Stellt euch das so vor: Zwei oder drei Maß sind etwa hundert Liter, damit wir da mal so eine Vorstellung haben.
Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser. Und sie füllten sie bis oben an.
Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt es dem Speisemeister. Und sie brachten es.
Als aber der Speisemeister das Wasser gekostet hatte, das Wein geworden war, und er wusste nicht, woher er war – die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es –, ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jeder Mensch setzt zuerst den guten Wein vor, und wenn sie betrunken geworden sind, was sie zu diesem Zeitpunkt anscheinend schon waren, dann den geringeren. Du hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt.
Diesen Anfang der Zeichen machte Jesus zu Kana in Galiläa und offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn.
Danach ging er hinab nach Kapernaum, er und seine Mutter und seine Brüder und seine Jünger, und dort blieben sie nicht viele Tage.
Das ist jetzt das erste Zeichen, das Jesus tut. Und dazu ein Zeichen, wir würden sagen: inkognito, so ein bisschen hinter den Kulissen. Sechs steinerne Wasserkrüge, Gesamtvolumen ungefähr sechshundert Liter, werden mit Wasser bis oben angefüllt, und eben noch Wasser, schnipp, jetzt Wein. Und jetzt nicht irgendeine Plörre, so Lambrusco für eins neunundvierzig die zwei Liter, sondern so richtig guter Stoff, also dass der Speisemeister meint, ein ernstes Wort mit dem Bräutigam reden zu müssen, weil, wie jedermann weiß, man erst den guten Wein vorsetzt und dann im Verlauf der Hochzeitsfeier, wenn die Gäste halt betrunken geworden sind, dann kommt der billige Wein auf den Tisch.
Die ganze Aktion findet in Kana statt, circa zwei Stunden zu Fuß von Nazareth. Auch im Hügelland von Galiläa, wenn ihr es mal sucht, also nicht weit von da, wo Jesus zu Hause ist. Und wenn man jetzt so ein bisschen sieht, wie Maria mit den ganzen Abläufen hier vertraut ist, dass sie das so mitkriegt, knapp bevor der Rest der Belegschaft gemerkt hat, was Sache ist, hat man den Eindruck, wahrscheinlich ist hier einer von den Verwandten von Jesus und Maria, vielleicht mindestens ein guter Bekannter. Irgendwie so eine erweiterte Family war das hier, wo die Hochzeit gefeiert wurde.

Die erste Irritation: Jesu Antwort an Maria

Bevor wir uns weiter um das Zeichen kümmern, gibt es meist eine Frage zu dem Text. Diese Frage kommt immer am Anfang, und deshalb möchte ich sie auch am Anfang behandeln.
Frage: Wie kann Jesus so unhöflich zu seiner Mutter sein? Das klingt ja nun wirklich nicht sonderlich nett. Muss man seine Eltern nicht ehren?
Maria macht ihren Erstgeborenen auf das Problem mit dem Wein aufmerksam, und er antwortet: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.
Man liest das so, und ich glaube, Mütter schlucken da doppelt. Das klingt irgendwie nicht besonders nett.
Frage: Hat Jesus seine Mutter nicht lieb?
Und die Antwort lautet: Doch, hat er. Wie besorgt er um seine Mutter ist, merkt man am Ende des Evangeliums sehr deutlich. Dort hängt er am Kreuz, und er sorgt noch, quasi mit den letzten Atemzügen, die er hat, in der letzten Zeit, bevor er stirbt, dafür, dass sich sein Jünger Johannes um seine Mutter Maria kümmert. Also: Er hat seine Mutter sehr lieb.
Und doch spürt man hier deutlich Unwillen. Wenn man weiterliest, wird man feststellen: Im Johannesevangelium versuchen sowohl Maria als auch später in Kapitel sieben die Halbbrüder von Jesus, ihn dazu zu bewegen, dass er doch irgendetwas tut, um sich Popularität zu verschaffen, um mehr im Rampenlicht zu stehen. Und Jesus lehnt hier und dann später noch einmal beide Male ab.
Jesus will nicht populär sein, sondern er will das tun, was er, wie er später sagen wird, seinen Vater tun sieht. Deswegen dieser Satz: Meine Stunde ist noch nicht gekommen.
Auf der einen Seite ja: Da ist eine Not, er kann helfen, und er wird helfen. Ja, er wird die Hochzeit retten. Aber es geschieht fast im Geheimen. Bis auf die Diener, die dann auf den Befehl Jesu hin tatsächlich die Wasserkrüge mit Wasser gefüllt haben, bis auf seine Mutter, die, egal was Jesus da gesagt hat, so viel Vertrauen in ihn setzt, dass sie zu den Dienern sagt: Was er euch sagt, das tut, weiß erst einmal niemand, was da gerade passiert ist.
Klar, ich kann mir gut vorstellen: Ein bisschen später haben das dann schon noch mehr Hochzeitsgäste und auch die Jünger irgendwie mitbekommen. Das bleibt nicht ganz im Geheimen.
Und der Text endet ja auch damit: Er offenbarte seine Herrlichkeit. Es muss also Leute gegeben haben, die das mitbekommen haben, und seine Jünger glaubten an ihn. Also mindestens die Jünger haben genau verstanden, was da passiert ist.
Und doch wirkt das ganze Zeichen, diese ganze Geschichte, ganz merkwürdig undercover. Jesus möchte, und ich sage es ganz bewusst, noch nicht im Rampenlicht stehen. Seine Zeit ist noch nicht gekommen. Er sucht nicht so viele Follower wie möglich. Seine Zeit ist noch nicht da, und er lässt sich tatsächlich in seiner Mission, die er hat, von niemandem drängen, auch nicht von seiner Mutter. Und auch wenn sie das gut meint, ist das an dieser Stelle einfach falsch.
So viel zu diesem Satz, der immer wieder gefragt wird.

Das Zeichen und seine erstaunliche Größe

Jetzt schauen wir uns das Zeichen an. Erstes Zeichen. Und ich bin ja fasziniert: sechshundert Liter. Ich weiß nicht, ob ihr schon mal für eine Hochzeit Wein kalkuliert habt, ich habe das schon öfter in meinem Leben getan. Ich habe nie in dieser Größenordnung gedacht. Sechshundert Liter.
Wir rechnen das um in Flaschen: achthundert Flaschen. Also, das muss man sich vorstellen. Da ist eine Hochzeit am Laufen, vielleicht mehrere Tage, und mittendrin geht der Wein aus. Das ist peinlich. Und dann lieferst du nach: 800 Flaschen.
Es ist einfach nur mal von der Summe her betrachtet sehr guter Wein. Wir haben das Vorrecht, weil der, der sich um den Wein kümmert, auch Freude daran hat, sehr guten Wein zum Abendmahl zu spenden, dass da auch ein sehr guter Wein drin ist. Wenn ich das mal hochrechne, dann reden wir hier über einen Gesamtwert von 20 Euro. Das ist sehr guter Wein. Und du sagst wirklich: Boah, zwanzigtausend Euro, einfach mal so nach dem Motto: Da geht eine Hochzeit schief, da wird noch ein bisschen was gebraucht.
Ich erinnere mich an die Hochzeit meiner Tochter. Da war es sehr heiß, da gingen uns dann mittendrin die Kaltgetränke aus. War kein Problem, wir sind so netto gefahren und haben ein bisschen was nachgekauft. Aber es ist ja ein bisschen was nachgekauft. Hier legt einer ein halbes Jahresgehalt, ein ganzes Jahresgehalt, einfach mal so, flapp, ist einfach mal da. Und du denkst: Das ist doch irre. Eine unglaubliche Qualität und total unnötig. Das ist der Gag dabei: total unnötig. Die Gäste wären mit viel weniger zufrieden gewesen. Viel weniger. Hättest du nicht machen brauchen, Gott.
Also die Frage: Warum offenbart Jesus seine Herrlichkeit? Und ich übersetze das mal: sein einzigartiges Wesen, sein Gott-im-Fleisch-Sein, durch viel zu viel, viel zu guten Wein. Das ist ja die Frage, die im Raum steht, wenn ich das hier lese, weil das ist ein Zeichen. Das soll auf etwas hinweisen. Warum tut er das? Und die Antwort hat ganz eng etwas mit dem Charakter Gottes zu tun, mit der Frage: Wer ist Gott? Wie denke ich über Gott?
Ihr Lieben, immer dann, wenn wir in der Bibel aufmerksam etwas lesen und dann für den Moment bei dem, was wir lesen, erstaunt sind, wenn wir da etwas lesen, was nicht ins Bild passt, nicht ins Bild von dem passt, wie wir uns vielleicht Gott vorstellen, in solchen Momenten, wo man sagt: Na, ups. Also wo man sich das einfach mal so vergegenwärtigt, was hier passiert, in solchen Momenten muss man beim Bibellesen innehalten. Es sind die Momente, wo Gott mein Denken und meine Erwartungen und vielleicht auch meinen Sinn für das, was angemessen wäre, sprengt. Das ist nämlich hier der Punkt. Wenn ich sage: Es ist ja nicht schlimm, wenn du noch ein bisschen was machst, es ist schon schön, ich hätte die Hochzeit auch gerettet, wenn ich es gekonnt hätte. Aber das ist einfach übertrieben. Gott sprengt meinen Sinn für das, was angemessen ist. Und es sind diese Momente, wo Gott sein Wesen offenbart.
Und es ist so unglaublich wichtig, es ist wirklich wichtig, dass unser Bild von Gott auch wirklich Gott entspricht. Ich glaube, es gehört zu den schlimmsten Fehlern jeder Beziehung, aber insbesondere einer Beziehung mit Gott, wenn wir anfangen, uns Gott nach unseren Vorstellungen zu denken. So einen Patchwork-Gott haben, den ich mir selber zusammenbastele, wenn uns das wichtiger wird, als dass wir es mal zulassen, dass Gott uns mit seiner Herrlichkeit überrascht. Gott ist nicht so, wie wir ihn gerne hätten, sondern er ist und er bleibt so, wie er ist. Wir können ihn nicht ändern, wir können ihn uns nicht hinbiegen, denn Gott bleibt er selbst, egal was wir über ihn denken.
Unser falsches Denken über Gott, das ist der Clou: Unser falsches Denken über Gott wird immer nur uns selber schaden. Und dabei spielt es keine Rolle, ob wir Gott für zu kleinkariert halten an der einen oder anderen Stelle. Und es gibt so Momente, da hast du zum Beispiel diesen Ussa im Alten Testament. Da wird die Bundeslade auf so einem Ochsenkarren transportiert, fällt fast runter, der hält die Hand dran, darf er nicht, fällt um, ist tot. Und da denkt ihr: War das nötig, Gott? Das ist so ein Moment, wo man erstmal denkt: Ist Gott wirklich so kleinkariert, dass er keinen Millimeter darüber hinweggeht? Es sind solche Momente.
Aber egal, ob ich ihn für zu kleinkariert halte oder wie hier, wo ich einfach vor seiner Großzügigkeit stehe und sage: Kann ich irgendwie nicht glauben, 600 Liter, 800 Flaschen, boah, ey, Hammer. Wie lange haben die noch weiter gefeiert? Muss ja irgendwie leer werden, das Zeug. Kann man nicht wegschütten. Ist das von Gott gemacht oder ist doch irgendwie was übrig geblieben? Keine Ahnung.
Also nochmal: Wann immer wir falsch von Gott denken, egal ob wir ihn für zu kleinkariert halten oder seine Großzügigkeit uns überrascht, am Ende schaden wir immer nur uns selbst, wenn in unserem Leben Gott nicht Gott sein darf. Das müsst ihr mitnehmen aus dieser Predigt, okay? Wenn Gott Gott ist in deinem Leben, und wenn er wirklich Gott ist, wenn der Gott, der real ist, sich in deinem Leben, in deinem Denken, in deinem Reagieren wiederfindet, das ist das Beste, was du machen kannst.

Wein als Bild für Freude

Zurück zu diesem ersten Zeichen: Wofür steht Wein in der Bibel?
Relativ simpel: Er steht positiv als Genussmittel. Man kann sich auch betrinken, auch das steht in der Bibel, aber darum geht es heute einmal nicht, obwohl die zu viel hatten, witzigerweise. Hier wurde gefeiert. Wein steht als Genussmittel für Freude, für Feiern, für Fröhlichkeit.
Also, ich habe euch ein paar Stellen mitgebracht, damit ihr mir glaubt.
 5. Mose 14,26: Da geht es darum, was ich mache, wenn ich meinen Zehnten gebe. Im Alten Testament gab es drei Zehnte, also nicht nur einen, sondern drei. Einer davon war zum Feiern. Ist ja schon mal lustig. Und das ist der Zehnte, der zum Feiern war. Und wenn man jetzt ein bisschen weiter weg wohnte und sagt: Na ja, ich kann jetzt irgendwie nicht den zehnten Teil meiner Ernte und meiner Schafe mitbringen, das ist einfach zu aufwendig, dann sollte man seinen Zehnten in Geld umwandeln, nach Jerusalem gehen und dann das Geld dieses Zehnten, der zum Feiern bestimmt war, wieder einsetzen.
Und jetzt kann man denken: Wenn du dann in Jerusalem bist, dann kaufst du dir gute theologische Literatur, spendest ein bisschen was. Ja, nein. Damit man eben nicht falsch versteht, steht das dann auch klar hier in 5. Mose 14,26: Wozu ist das Geld? Wenn wir vor Gott feiern, dann richtig. Und gib das Geld für alles, was deine Seele begehrt: für Rinder und Schafe, für Wein und Rauschtrank und für alles, was deine Seele wünscht. Wow. Und iss dort vor dem Herrn, deinem Gott, und freu dich, du und dein Haus. Ist das ein schönes Gebot?
Und ihr merkt: Ja, Freude hat etwas zu tun mit Essen, Trinken, und beim Trinken spielt Wein eine Rolle.
Oder Psalm 104,15 heißt es: Und Wein, der das Menschenherz erfreut. Da geht es um die Geschenke, die Gott uns gibt, wenn er Pflanzen wachsen lässt, Getreide und eben auch Weinstöcke.
Oder Prediger 9,7: Geh hin, iss dein Brot mit Freude und trink deinen Wein mit frohem Herzen. Achtung, es geht hier nie um Alkoholabhängigkeit, nicht, dass wir uns falsch verstehen. Es geht nie darum, ständig und im Übermaß. Ja, das ist nicht der Punkt. Aber es gibt diesen Moment, wo man einfach sagt: Jetzt feiern wir, jetzt ist Hochzeit. Und dann gilt das: Geh hin, iss dein Brot mit Freude, trink deinen Wein mit frohem Herzen, denn längst hat Gott Wohlgefallen an dir.
Oder noch einmal Prediger 10,19: Um zu lachen bereitet man ein Mahl, und Wein erheitert das Leben. Ist das schön? Ich mag das.
So, die Frage war: Wofür steht Wein in der Bibel? Als Bild. Okay, haben wir. Es steht für Freude, für Feiern, für Fröhlichkeit.

Gottes Absicht mit der Freude des Menschen

Nächste Frage, die ich gestellt habe: Warum offenbart Jesus seine Herrlichkeit, sein einzigartiges Wesen, sein Gott-im-Fleisch-Sein, durch viel zu viel und viel zu guten Wein?
Und die Antwort lautet jetzt etwa so: Weil wir ganz, ganz am Anfang, wenn wir Gott begegnen, vielleicht vor allem anderen, wenn es um Gott geht, eine Sache verstehen müssen: Gott will unsere Freude. Er meint es nicht nur gut mit uns, sondern er will unser Leben mit einem absoluten Maximum an Gutem fluten.
Gott ist ein Gott, der meine Freude will. Und er will davon viel zu viel für mich. Also, um das klar zu sagen: Gott will mehr Freude für mein Leben, als ich vertragen und verstehen kann. Das ist Gott. Das ist das, was Jesus zeigen möchte, wenn er seine Herrlichkeit offenbart. Gott ist ein Gott, der mit allem, was er tut, es auf Freude abgesehen hat.
Und jetzt merken wir sofort: Wenn man das so liest und wenn man anfängt, das zu verstehen, muss ich mich entscheiden. Glaube ich an einen Gott, der Wasser in Wein verwandelt? Der aus Mangel Überfluss und aus Hoffnungslosigkeit Freude machen will? Glaube ich das, egal wohin Gott mich führt, egal was er von mir verlangt, egal was mich Nachfolge gerade kostet, egal wie ich mich gerade fühle? Glaube ich an einen Gott, der leere Rituale mit seinem Geist erfüllen und ihnen diese ewige Freude einhauchen will? Kann ich das glauben?
Ihr Lieben, mich fasziniert diese kleine Geschichte so ganz vom Anfang des Wirkens Jesu, weil sie mich mit der Idee konfrontiert, dass Gott kein Knauserer ist, sondern ganz im Gegenteil. Gott sieht meine Nöte, und er will mich mit mehr Freude beschenken, als ich mir jemals vorstellen und jemals vertragen kann. Bei Gott ist es Überfluss an Freude. Er kann nicht anders. Und wenn es darum geht, die zu beschenken, die ihm wichtig sind, dann kann Gott sich nicht zurückhalten.
Er ist ein bisschen wie meine Frau, oder meine Frau ist wie er, ich weiß es nicht. Vor kurzem hatte mein Enkel Geburtstag, und ich dachte, wir hätten das Geschenk schon gekauft. Hatten wir auch. Aber dann, etwa 48 Stunden, bevor der Geburtstag rankam, wir lagen gerade im Bett, sagt meine Frau: Ich habe da noch was gekauft.
Die kann nicht anders, versteht ihr? Da hilft es auch nicht zu sagen: Hatten wir nicht gesagt, das wäre schon genug? Das geht nicht. Liebe kann nicht anders als schenken und noch mehr schenken, bis es eventuell, jetzt aus einer etwas nüchterneren Opa-Perspektive, zu viel ist, wo man sagt: Was brauchen die denn noch alles? Das ist einfach so.
Und das Gleiche zeigt uns Jesus hier: Gottes unglaubliche, unverschämte Freigiebigkeit. Ihr Lieben, wenn Gott gibt, gibt er alles. Und das ist der Grund dafür, dass Menschen überhaupt gerettet werden können. Gott gibt alles. Und das ist nicht zuerst Wein, sondern er gibt sich selbst. Der Vater gibt den Sohn, damit er am Kreuz für uns stirbt.
Und daran wollen wir heute denken, wenn wir Abendmahl feiern, an diesem Moment, an Golgatha. Denn Golgatha liegt aller wahren Freude zugrunde. Stellt euch vor, Jesus wäre nicht stellvertretend für uns gestorben, und stellt euch vor, wir könnten nicht durch Glauben gerettet werden. Dann wäre jede Freude, die wir hier auf der Erde erleben, Hohn. Wir würden dann wissen, wie sich Glück anfühlt, und wir wären gleichzeitig dazu verdammt, es ganz zu verlieren.
Aber so ist es nicht. Weil es Rettung gibt, ist es genau andersherum. Jede kleine Freude in dieser Welt ist ein Vorgeschmack auf die, und jetzt versuche ich es mal mit Worten zu beschreiben, auf die unbeschreibliche Mega-Überfreude, mit der Gott eine Ewigkeit lang unser Leben fluten will.
Ist das großartig? Also, du möchtest wissen, wie Gott ist. Das haben wir gerade in dem Zeichen gesehen. Er ist ein Gott unbeschreiblicher Freude. Und er möchte, dass wir diese Freude eine ganze Ewigkeit lang bei ihm erleben.

Die Hoffnung Jesu und der Blick auf das Kreuz

Wisst ihr, warum Jesus ein Leben voller Ablehnung und Leid durchgehalten hat? Das war ja nicht leicht. Man kann nicht sagen, sein Leben sei nur Freude gewesen. Es war genau das Gegenteil: ein ganzes Leben voller Ablehnung und Leid.
Warum? Mit welcher Gewissheit hing Jesus am Kreuz? Es war das Wissen um die vor ihm liegende Freude. Jesus hing da und litt, und er sah schon die Freude. Wisst ihr, Jesus kennt seinen Vater. Und er weiß: Wenn ich beim Vater bin, dann ist da einfach Freude in Fülle. Ich muss jetzt durchhalten und dort ankommen, und dann ist alles gut.
Hier zwei Verse dazu. Da heißt es in Hebräer 12,1-2:
Deshalb lasst nun auch uns, da wir eine so große Wolke von Zeugen um uns haben, jede Bürde und die uns leicht umstrickende Sünde ablegen und mit Ausdauer laufen den vor uns liegenden Wettlauf, indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der, um der vor ihm liegenden Freude willen, die Schande nicht achtete und das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.
Der vor ihm liegenden Freude wegen: Gott der Sohn kennt den Vater, weiß, was das für einer ist, und er weiß: Wenn ich dort ankomme, kann ich hier ein Leben leben, ich kann das blödeste Leben leben, was man sich nur irgendwie vorstellen kann. Von Fettnapf zu Fettnapf zu Fettbassin und wieder Napf. Und am Ende lande ich bei Gott. Und es ist ein Gott, der inkognito Bock auf 800 Flaschen Wein hat, okay?
Und ich weiß einfach: Wenn ich diesem Gott begegne, egal was ich hier durchmache, das ist Freude in Fülle.
 Psalm 16 ist ein messianischer Psalm. Messianische Psalmen stehen im Alten Testament, aber sie lassen uns einen Blick hineinwerfen in das Denken und in die Erwartung des Messias. Und an der Stelle heißt es in Psalm 16, und Psalm 16 beschreibt die Hoffnung, die Jesus hatte, als er ans Kreuz ging. Und zwar nicht nur die Hoffnung auf Auferstehung, sondern auch die Hoffnung auf Freude.
 Psalm 16,10-11:
Denn mein Leben überlässt du nicht dem Totenreich. Dein treuer Diener wird die Verwesung nicht sehen. Du zeigst mir den Weg, der zum Leben hinführt; vor deinem Angesicht herrscht Freude in Fülle, zu deiner Rechten Wonne für immer.
Und für alle Freunde der Elberfelder Übersetzung noch einmal Vers 11:
Du wirst mir kundtun den Weg des Lebens; Fülle von Freuden ist vor deinem Angesicht.
Ist das nicht der Hammer? Das ist der Gott, mit dem wir es zu tun haben.

Schluss und Abendmahl

Und jetzt sind wir am Ende. Wir feiern Abendmahl. Und wenn wir nachher nach vorne gehen und Brot nehmen, wenn wir vom Kelch trinken, woran denken wir dann? Wir denken daran, was für einen genialen Gott wir haben.
Und mir wäre es wichtig, dass wir heute, wenn wir ans Kreuz denken, daran denken: Wir haben einen Gott, der es nicht nur gut mit uns meint. Er will uns Freude bereiten. Und im Kleinen hat das schon begonnen. Aber was er uns an Freude bereiten will, wenn wir ihm begegnen, wenn das, was wir heute erleben, sich auswächst und wenn die Herrlichkeit Gottes sich nicht nur in Wein und in den kleinen Goodies darstellt, die uns im täglichen Leben begegnen, in diesem Segen der Woche, der uns vielleicht begeistert, sondern wenn wir Gott gegenüberstehen, dann wird das, was Gott uns an Freude bereiten will, wenn wir ihm begegnen, unsere kühnsten Erwartungen so weit übertreffen, dass uns die Worte fehlen werden.
Es ist einfach viel zu viel und viel zu gut. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

Jürgens aktuellste Gebets-Infos gibt's hier zum Lesen und Abonnieren.