Herzlich willkommen bei der Christusgemeinde Emmendingen! Guten Morgen und herzlich willkommen!
Ich freue mich sehr, euch wieder zu unserem Podcast-Gottesdienst hier in der Christusgemeinde Emmendingen begrüßen zu dürfen. Schön, dass ihr dabei seid, mithört, mitsieht und mitmacht.
„Der Himmel erfüllt mein Herz“, haben wir gesungen – die Freude seiner Gegenwart. Ja, ich bin sehr froh, dass die Gottesgegenwart nicht an Räumlichkeiten gebunden ist. Gottes Gegenwart hat nichts mit dem Ort zu tun, sondern mit der Beziehung zu Gott. Wo Gott ist, da ist auch seine Gegenwart.
Gott ist da, wo wir sind und wo wir ihn suchen. Da dürfen wir es auch erwarten: Gottes Gegenwart ist da, und durch sie kommt Freude in unser Herz – genau dort, wo wir jetzt sind.
Eröffnung und Gebet zur Gottesgegenwart
Ja, ich möchte mit uns beten.
Herr Vater im Himmel, ich danke dir von ganzem Herzen, dass deine Gegenwart unser Herz mit Freude erfüllen möchte. Die Freude am Herrn ist unsere Stärke, heißt es in deinem Wort.
Wir brauchen Jesus gerade in dieser Zeit und danken dir, dass du da bist – überall dort, wo wir dich suchen, wo unser Herz dich sucht. Danke, Jesus, dass dein Wort auf der ganzen Welt verkündigt wird. Ich bitte dich, überall dort, wo du angebetet wirst, Jesus, dass deine Gegenwart spürbar ist.
Herr, ich danke dir auch dort, wo wir das erleben, dass wir wirklich Freude in dir haben. Dafür danke ich dir, Herr. Du siehst aber auch uns und du siehst, was uns Not macht und wo die Freude irgendwie nicht kommen möchte. Wir wollen da auch nicht wegschauen, Herr, wo das so ist.
Wir bitten auch für die ganze Angelegenheit jetzt mit Corona, für alles, was damit zu tun hat, Herr. Du siehst Not, Elend, Angst und Furcht. Wir möchten dich bitten, Jesus, dass du auch dort in die Herzen Freude gibst.
Du bist ein persönlicher Gott, und dafür danke ich dir. Du kennst uns mit Namen, du kennst unsere Herzen und unsere Anliegen. Ich danke dir, Jesus, dass du unsere Anliegen hörst und dass du uns Freude geben willst.
Auch heute Morgen, durch den Gottesdienst, im Gottesdienst und für die ganze Woche und für unser ganzes Leben – Jesus, danke dafür. Amen.
Ankündigungen und Gemeindeleben in der Corona-Zeit
Die Nehemiah-Reihe setzt sich heute in der Predigtreihe fort. Das Thema lautet: Behalte die versprochene Belohnung im Blick. Die Predigt wird von Waldemar Justus gehalten. Es geht um Nehemiah 5,14-19.
Wir möchten herzlich einladen und darauf hinweisen, dass heute auch wieder Abendmahl gefeiert wird. Ob gemeinsam vor Ort oder zuhause, wo auch immer man ist – wir möchten das Abendmahl miteinander feiern. Eine herzliche Einladung gilt allen, die Jesus Christus als persönlichen Retter in ihrem Herzen aufgenommen haben.
Außerdem habt ihr jetzt noch die Gelegenheit, euch Brot und Wein oder Saft für das Abendmahl zu besorgen. Das sieht ja keiner, wenn ihr noch schnell loslauft.
Ein weiterer Hinweis: Am 24. Mai möchten wir eine digitale Mitgliederversammlung abhalten. Die Tagesordnungspunkte werden per Mail oder postalisch verschickt. Details dazu werden ebenfalls rechtzeitig bekannt gegeben. Im geschützten Online-Bereich könnt ihr dann alles erfahren – wie die Teilnahme genau funktioniert, wie man sich zuschaltet und wie man dabei ist. Also am 24. Mai schon einmal vormerken.
Noch ein Hinweis: Alle Informationen zur Gemeinde, speziell auch zu Änderungen wegen Corona, die Gottesdienste und Zusammenkünfte betreffen, könnt ihr jederzeit auf unserer Homepage www.cgim.de nachlesen. Dort findet ihr auch unsere Kontoverbindung. Wenn ihr gerne spenden möchtet, könnt ihr dies dort tun. Zwar ist es etwas umständlicher als das Einwerfen in den Klingelbeutel, aber vielen Dank an alle, die das bereits getan haben.
Unser Gemeindeleben findet zurzeit vor allem in den Telegruppen statt. Das sind unsere Telefonkonferenzgruppen, in denen viele von uns Mitglied sind. Diese Gruppen treffen sich regelmäßig: sonntags direkt nach dem Gottesdienst und mittwochs jeweils nach der Bibelstunde, also nach der Podcast-Bibelstunde und dem Podcast-Gottesdienst.
Einblicke in das Leben der Telegruppen
Vielleicht habt ihr euch auch schon gefragt: Was machen wohl die anderen so in der Gruppe? Wie geht es uns eigentlich in der Gruppe? Was erleben wir dort, und was empfinden wir dabei?
Ich habe mich ein bisschen umgehört und für uns einige Gruppen herausgegriffen, um ein paar Informationen für euch zusammenzutragen. Diese gebe ich jetzt weiter. Es ist dabei etwas unterschiedlich, wie die Gruppen gestaltet sind.
Zum Beispiel gibt es Rebeccas Telegruppe Nummer sieben, eine reine Frauengruppe. Sie vergleicht ihre Gruppe mit einem bunten Blumenstrauß. Sie schreibt dazu: Die Zusammensetzung von uns Frauen ist jedes Mal eine Überraschung. Wir profitieren vom Austausch über den Alltag, in der Familie, bei der Arbeit und mit den Herausforderungen, die es momentan gibt. Wir ermutigen uns gegenseitig, und es gibt Hoffnung und Trost, dass wir nicht alleine sind. Dass der Papa im Himmel immer da ist und wir als Schwestern uns im Gebet gegenseitig tragen können.
Einmal war ein Kind dabei und hat auf seine kindliche Art mitgebetet. So wie es auch in der Bibel heißt: Wir sollen zu unserem Papa im Himmel kommen mit unseren Anliegen, wie die Kinder zu ihren Eltern. In dieser vertrauensvollen Beziehung möchte er gerne seine väterliche Liebe und Fürsorge für seine Kinder ausgießen.
Zusammengesetzt aus jeder einzelnen Blume ergibt sich ein wunderschöner Blumenstrauß. So können wir gemeinsam mit unseren verschiedenen herrlichen Düften und prachtvollen Farben in unserem Austausch und Gebet ein Wohlgeruch vor dem Herrn sein.
Dann haben wir aus Holgers Telegruppe Nummer drei ein paar Zitate einzelner Teilnehmer. Eine Teilnehmerin sagt: „Es ist so schön in der Gruppe, man kann sehr frei und vertraut über alles Mögliche reden.“ Ein anderer meint: „Ich empfinde ein genaueres Zuhören des Gesagten, die Gesprächsqualität ist irgendwie höher.“ Ein weiterer sagt: „Nach einer Stunde Gespräch brennt mir bereits mein Ohr.“ Auch das gibt es. Und eine andere Teilnehmerin sagt: „Ich finde es mega praktisch, man kann im Schlafanzug teilnehmen und keiner sieht mich.“ Ja, auch das ist möglich.
Miriams Telegruppe Nummer acht ist ebenfalls eine reine Frauengruppe. Dort kennt man sich teilweise erst seit der Corona-Zeit, und auch dann nur übers Telefon. Wie wird Telegruppe in dieser Gruppe gelebt? Man tauscht sich über Alltagsdinge aus, stellt Gemeinsamkeiten fest und hat dabei viel Spaß.
Eine Teilnehmerin bringt mittwochs immer ihre Kinder mit, die dann beim Podcast und Gebet dabei sind. Eine andere Frau betet vollkommen ohne Worte. Eine weitere Teilnehmerin, Männer aufgepasst, bekommt mittwochs währenddessen Cocktails von ihrem Mann gebracht. Das finde ich gut.
Eine andere Teilnehmerin ist, frei nach Psalm 127, Vers 2, „den seinen gibt der Herr es im Schlaf“. Sie ist auch schon mal dabei eingeschlafen. Also auch das gibt es. Ich denke, das spricht für Entspannung.
Haralds Telegruppe Nummer fünf berichtete mir von der Freude über große Offenheit, auch bei persönlichen Anliegen, und vom gemeinsamen Gebet. Obwohl Teilnehmer aus verschiedenen Gemeinden kommen, wird die Telegruppe als gute Möglichkeit gesehen, einander dran zu bleiben. Man erfährt Ermutigung durch den persönlichen Austausch mit der Feststellung: „Das tut echt gut.“
Ich denke, jetzt haben wir einen kleinen Einblick in die anderen Telegruppen bekommen, die wir selbst nicht besuchen. So bekommen wir etwas von unserem Gemeindeleben mit, das derzeit in dieser Form möglich ist.
Lied und Lobpreis zur Gottesfurcht
Ja, und jetzt dürfen wir uns freuen auf das Kinderlied zum Mithören, Mitsingen und Mitmachen.
It's my No!
Ist mein Gott, keine Macht der Welt,
um Leben oder Tod trennt mich von dieser Liebe.
Er ist Herr, nichts in dieser Welt hält seine Liebe auf.
Fällt im Fest, ist mein Gott, ist mein Gott.
Starke Hand in Not, du bist mein Herr und Gott,
Fels und Fest ist mein Gott.
Wann erwähnen?
Und jeder wird sich beugen vor dem Löwen und dem Lamm,
jeder wird sich vor ihm beugen.
Ist das so nicht gut?
Ja, Jesus, in deinem Namen ist Kraft,
in deinem Namen ist Liebe,
und deswegen besingen wir deinen Namen, Herr.
In deinem Namen sind wir auch heute hier versammelt,
um dir zu dienen, Herr,
und du dienst uns mit deinem Wort, das wir jetzt hören werden, Herr.
Wir preisen dich, dass du gütig bist,
dass du gnädig bist,
dass du liebevoll bist,
dass du einen Segen für uns vorbereitet hast heute Morgen.
Und so bitte ich dich jetzt, Herr,
dass du dein Wort an uns segnest,
und der, der heute Morgen dein Wort bringt,
dass du seine Lippen seihst.
Amen!
Einführung in die Predigt: Nehemiah 5,14-19 und das Geheimnis geistlicher Führung
Wir befinden uns in Kapitel fünf im Nehemiabuch. Unsere Predigtreihe, wie Susann es angekündigt hatte, wird fortgesetzt. Das Thema heute lautet: Behalte die versprochene Belohnung im Blick. Dies ist der zweite Teil von Kapitel 5.
Beim letzten Mal haben wir die Verse 1 bis 13 betrachtet. Dort haben wir gesehen, dass Nehemia eine Situation meistert, in der er äußere Angriffe erfolgreich abwehrt, um in der Stadt Gottes, Jerusalem, voranzukommen.
In Kapitel 5 beschreibt er dann, wie plötzlich die Angriffe nicht mehr von außen kommen, sondern von innen. Diese inneren Angriffe verhindern den Bau der Stadtmauer. Wir haben festgestellt, dass innere Streitigkeiten und Ichsucht dazu führten, dass das Projekt Gottes zum Stillstand kam.
Nehemia ist hier als Person extrem notwendig, um die Streitigkeiten zu schlichten. Er tritt als Versöhner auf, wie ich es beim letzten Mal bezeichnet habe. Er bringt zwei zerstrittene Parteien wieder zusammen. Dabei sehen wir auch einen Vorgeschmack darauf, was Jesus in der Gemeinde tut: Er führt zwei zerstrittene Lager in sich zusammen. Nehemia hat dies auf seine Weise in Jerusalem getan.
Am Ende dieser Passage sehen wir, dass die Versöhnung dazu führte, dass das Geschrei gegeneinander in Lobpreis zu Gott verwandelt wurde.
Jetzt lesen wir die Verse 14 bis 18, um zu erfahren, wie Nehemia diesen gestillten Konflikt und die Versöhnung weiter beschreibt. Dabei bekommen wir einen Einblick, wie Nehemia "tickt", wie er seinen Dienst sieht und wie er ihn verstanden hat.
Wir lesen Nehemia 5,14-18:
„Auch habe ich von dem Tag an, an dem der König mich beauftragt hatte, im Land Juda ihr Statthalter zu sein, mit meinen Brüdern nicht das Brot des Statthalters gegessen – und zwar vom zwanzigsten Jahr bis zum zweiunddreißigsten Jahr des Königs Artaxerxes, zwölf Jahre lang. Aber die früheren Statthalter, die vor mir gewesen waren, hatten auf das Volk schwere Lasten gelegt und Abgaben für Brot und Wein von ihnen genommen, dazu noch vierzig Schekel Silber. Auch ihre Diener hatten willkürlich über das Volk geherrscht. Ich aber machte es nicht so, aus Furcht vor Gott.
Auch beim Werk an dieser Mauer packte ich mit an. Ein Feld haben wir nicht gekauft. Alle meine Diener waren dort zum Werk versammelt. Und die Juden, sowohl die Vorsteher, hundertfünfzig Mann, als auch die, die von den Nationen rings um uns herum zu uns kamen, waren an meinem Tisch. Was für jeden Tag zubereitet wurde, war ein Rind, sechs ausgesuchte Schafe und Geflügel. Alle zehn Tage gab es von allerlei Wein in Fülle. Trotzdem forderte ich nicht das Brot des Statthalters, denn der Dienst lastete schwer genug auf diesem Volk.“
Nehemiahs Haltung und das Geheimnis seines geistlichen Erfolgs
Hier sehen wir, wie Nehemia seinen Dienst verrichtet hat, mit welchen Herausforderungen er konfrontiert war und welche Haltung er dabei zeigte. Bis hierhin gab es bereits eine Reihe von Konflikten, und es werden noch weitere folgen. Die Art und Weise, wie er mit solchen Herausforderungen umgeht, ist erstaunlich.
Nehemia galt schon immer als ein Glaubensvorbild. In der Gemeinde gibt es unendlich viel Literatur, in der Bücher darüber geschrieben wurden, wie Nehemia als herausragender geistlicher Leiter dargestellt wird. Er ist sozusagen ein Modell für viele, was gute geistliche Leitung betrifft. Zahlreiche Bücher wurden verfasst, vor allem für Gemeindeleiter und Pastoren, die sich an Nehemia ein Beispiel nehmen sollen. Dabei werden einige Prinzipien herausgearbeitet, wie er mit Schwierigkeiten und Herausforderungen umging.
Wenn man das liest, kann man sich fragen: Was war das Geheimnis von Nehemia? Man könnte jetzt sämtliche Methoden analysieren, mit denen er in den einzelnen Phasen umging. Doch ich glaube, Nehemias vorbildliches Handeln hat seinen eigentlichen Grund am Ende von Vers 15. Dort heißt es: „Ich handelte nicht so wie meine Vorgänger, sondern aus Furcht vor Gott.“ In der Gottesfurcht liegt das Geheimnis seiner Stärke. Die Gottesfurcht macht den Unterschied bei Nehemia.
Natürlich hat er viele Methoden angewandt – wie er mit den Leuten umgeht, wie er mit ihnen spricht und wie er Konflikte angeht. Aber woher rührt das Ganze? Wo liegt das Geheimnis seines geistlichen Erfolgs und Segens, dass er so gut mit Herausforderungen umgeht? Es liegt in der Gottesfurcht.
Gottesfurcht ist heutzutage ein wirklich schwieriger Begriff. Für viele Christen ist es schwer, diesen Begriff einfach so zu verwenden. Oft verbindet man mit Gottesfurcht Wörter wie Angst oder eine distanzierte Beziehung zu Gott. Dabei soll man Gott, den man als liebenden Vater kennt, mit Gottesfurcht begegnen. Das fällt vielen heute schwer zu verstehen. Wie können diese Dinge gleichzeitig wahr sein?
Interessanterweise wurde im Alten Testament dazu aufgerufen, Gott mit ganzem Herzen, ganzer Kraft und ganzer Seele zu lieben und ihn gleichzeitig zu fürchten, also Ehrfurcht vor ihm zu haben. Ich glaube, dass es für uns Christen wenige Konzepte in der Bibel gibt, die so zentral und wichtig sind wie das Thema Gottesfurcht.
Denn bei der Gottesfurcht, die Nehemia hier beschreibt und die Grundlage seines Handelns war, werden im Prinzip folgende Fragen geklärt: Wem gehöre ich? Wem vertraue ich? Wem gilt meine Treue? Wem schenke ich meine Loyalität? Wessen Werte beachte ich? Wessen Weisungen folge ich? Wessen Zorn fürchte ich? Wessen Freude erfüllt mich? Und wessen Segen schätze ich?
Es geht also um das ganze Thema der Zugehörigkeit und des Respekts. Wen schätze ich in meinem Leben am meisten? Wer ist der Chef in meinem Herzen? Wer ist der König meines Lebens?
Wenn Menschen keine Gottesfurcht haben, werden sie eine andere Art von Furcht ausleben. Entweder geraten sie in Menschenfurcht, das heißt, sie geben anderen Menschen diesen Platz in ihrem Herzen und erheben die Gedanken anderer Menschen zum höchsten Standard. Ihre Zugehörigkeit machen sie dann von anderen abhängig.
Menschen, die nicht von anderen abhängig sind, sind es am Ende des Tages von sich selbst. Sie nehmen sich selbst den Königsposten ein und setzen ihre eigene Meinung als höchsten Standard. Sie haben vielleicht die Furcht, vor sich selbst zu versagen.
Ein Christ funktioniert jedoch nicht so, dass er sich von Menschen oder von sich selbst beurteilen lässt. Er lässt sich allein von seinem Gott beurteilen und hat Gott den Königsposten in seinem Herzen gegeben – so, wie es von Gott bei der Erschaffung der Menschheit gedacht war.
Gottesfurcht ist nämlich kein theoretisches Gebilde ohne praktische Bedeutung. Gottesfurcht ist eine hochgradig praktische Angelegenheit. Sie verändert meine Haltung und mein Handeln.
Wenn ich Gottesfurcht habe und in ihr wachse, wenn Ehrfurcht, Respekt und Wertschätzung vor Gott in meinem Leben wachsen, hat das unmittelbare Konsequenzen für mein Verhalten und meine Begegnungen mit anderen Menschen.
Fehlt die Gottesfurcht oder wird sie immer kleiner, hat das ebenfalls direkte Folgen für meinen Lebensstil und meine Lebensführung.
Nehemia hat in Kapitel 5 bereits von Gottesfurcht gesprochen. Er thematisierte die mangelnde Gottesfurcht seiner Brüder, die ihre anderen Geschwister aufgrund von Selbstsucht und Ichbezogenheit in Mitleidenschaft gezogen hatten. Er beschrieb auch die Konsequenzen dieser fehlenden Gottesfurcht.
Er sagt zu seinen Brüdern, den anderen Juden um ihn herum: Der Spott, der euch von euren Feinden trifft, gründet in fehlender Gottesfurcht. Warum ihr verspottet werdet, liegt daran, dass ihr keine Gottesfurcht habt.
Das bedeutet, ich habe diese Fragen auch in der vergangenen Predigt gestellt: Weißt du, wer Gott ist? Wenn du weißt, wer Gott ist, dann weißt du auch, wer du in seinen Augen bist. Und wenn du das weißt, dann weißt du auch, wie du handeln sollst. Es verändert dein Handeln.
Nehemia sah bei seinen Brüdern: Hier fehlt Gottesfurcht. Ihr habt einen Mangel an Erkenntnis darüber, wer Gott ist. Daraus resultiert ein fragwürdiger Lebensstil, der euch Spott von anderen einbringt.
Die Frage der Gottesfurcht ist also eine hochpraktische Angelegenheit. Jeder von uns steht in dieser Frage mehr oder weniger. Nicht jeder wird eine Stadtmauer in Jerusalem errichten, aber jeder fragt sich, wie er den Willen Gottes in seinem Leben umsetzen kann. Das tut ein Christ in der Regel immer wieder.
Das ist eine zutiefst seelsorgerliche Frage. Biblische Seelsorge beginnt niemals damit, einfach Methodenkataloge abzuarbeiten. Sie muss immer bei Gott selbst anfangen – bei der Offenbarung Gottes.
Unsere persönliche Seelsorge muss mit der Frage beginnen: Wer bist du, Gott? Diesen Gott zu kennen, wertzuschätzen, zu fürchten und zu respektieren hat konkrete Auswirkungen auf die Taten, die ich tue.
Jesus selbst erhielt in einem Gespräch folgende Antwort: In Johannes 9,31 sagt ein Gesprächspartner zu Jesus: „Wir wissen, dass Gott Sünder nicht hört; aber wenn jemand gottesfürchtig ist und seinen Willen tut, den hört er.“
Gottesfurcht macht den Unterschied – das verstanden auch die Menschen zur Zeit Jesu. Ein Sünder, der von Gott nichts wissen will, wird keinen besonderen Segen Gottes erleben. Aber jemand, der gottesfürchtig ist und seinen Willen tut, den hört Gott.
Gelebte Gottesfurcht macht also den Unterschied. Und Gottesfurcht war die Grundlage für Nehemias Handeln und das Geheimnis, um im Willen und im Segen Gottes zu leben.
Gottesfurcht als Segen für andere und Vorbildfunktion
Aber deine Gottesfurcht kommt nicht nur dir allein zugute, wie wir bei Nehemia sehen. Wir erkennen etwas anderes: Wer Gott fürchtet, wird auch ein Segensträger für andere sein. Das ist eine schöne Verheißung, wenn wir uns entscheiden, ein Leben in der Furcht unseres Herrn zu führen. Dann sind wir im gleichen Moment Segensträger für andere, auch wenn sie es vielleicht noch nicht sofort merken.
In unserem Text lesen wir in Vers 15: „Die früheren Statthalter, die vor mir gewesen waren, hatten auf das Volk schwere Lasten gelegt und Abgaben für Brot und Wein von ihnen genommen, dazu noch vierzig Schickel Silber. Auch ihre Diener hatten willkürlich über das Volk geherrscht. Ich aber mache es nicht so aus Furcht vor Gott.“
Was beschreibt Nehemia hier genau? Es gab Statthalter, die schwere Lasten auferlegten. Nehemia hingegen lebt aus seiner Gottesfurcht heraus, will im Segen Gottes leben und wird so zum Segen für andere, indem er diese schweren Lasten von ihnen abnimmt. Seine Gottesfurcht führt dazu, dass andere gesegnet werden. Er verzichtet, wie er sagt, auf das Brot des Statthalters.
Die Statthalter damals hatten also eine Art „Statthalterbrot“, das es beim Bäcker in Jerusalem gab. Damit ist gemeint, dass man einen bestimmten Lohn bekam und sich dadurch einen gewissen Mehrluxus leisten konnte, finanziert durch den Statthalterverdienst. Darauf hat Nehemia verzichtet und wurde aus Gottesfurcht heraus zum Segen für andere, indem er die schweren Lasten, die auf ihnen lagen, abnahm.
Gottesfurcht hat also das Ziel, Segensträger für andere zu sein. Hier sehen wir schon einen Schatten von Jesus Christus selbst. In Matthäus 11,28 sagt Jesus: „Kommt alle her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch Ruhe geben.“ Jesus lebte selbst in Gottesfurcht und wurde dadurch zum Segensträger für andere. Er war maximal gesegnet, übte Verzicht und ließ andere von seinem Segen profitieren. Er nahm ihnen schwere Lasten ab – natürlich in einem viel höheren und anderen Maße als Nehemia. Jesus, der Sohn Gottes, hat ganz andere Lasten abgenommen, als Menschen es untereinander tun könnten.
Dennoch hat auch unsere praktisch gelebte Gottesfurcht einen Segen für andere. Das sehen wir hier bei Nehemia. Es ist großartig, wie sich ein Wesenszug von Jesus bereits im Leben Nehemias deutlich zeigt. Nehemia unterscheidet sich explizit von den alten Statthaltern und bisherigen Führungspersönlichkeiten in Jerusalem.
Aber das ist nicht alles. Es ist nicht nur so, dass Nehemia sich anders verhält als die anderen Statthalter. Ein sehr spannender Punkt ist, dass Nehemia in Kapitel fünf etwas Interessantes schreibt. Er spricht nicht nur über sich selbst und den Vergleich zu den Führungspersönlichkeiten, sondern auch von den Dienern der alten Statthalter.
Warum spricht Nehemia von den Dienern der alten Statthalter? Es reicht doch, wenn er sich einfach mit den anderen vergleicht. Doch er weist darauf hin, wie deren Diener gehandelt haben. Die Vorgänger bereicherten sich am Volk. Im Gegensatz dazu verzichtet Nehemia auf Reichtum und arbeitet selbst am Werk der Mauer mit.
In Vers 15 steckt viel drin: „Auch ihre Diener hatten willkürlich über das Volk geherrscht.“ Man kann auch sagen, sie herrschten gewalttätig oder tyrannisch. Diese Diener haben das Verhalten ihrer Vorbilder übernommen. Das hatte Einfluss auf ihr Handeln und wurde weitergetragen. Es hat sich quasi vererbt.
Das, was wir tun, hat Auswirkungen auf die Menschen, die uns beobachten. Noch einmal: Das, was wir tun, beeinflusst die Menschen um uns herum.
Nehemia verzichtete und arbeitete, und in Vers 16 lesen wir: „Und auch beim Werk an dieser Mauer packte ich mit an. Ein Feld haben wir nicht gekauft, und alle meine Diener waren dort zum Werk versammelt.“
Was passiert hier? Die Diener, die Gefolgschaft Nehemias, folgten seinem Vorbild. Sie dienten als Diener und herrschten nicht tyrannisch wie die selbstsüchtigen Statthalter zuvor. Nehemias Diener arbeiteten Seite an Seite mit ihren Geschwistern und kamen nicht von oben herab.
Deine Gottesfurcht ist nicht umsonst für andere. Sie hat großen Wert für dein Umfeld. Deine Gottesfurcht beeinflusst Menschen in deiner Umgebung. Deshalb ist es kein Zufall, dass wir im Sprüchebuch 22,6 von König Salomo den Hinweis bekommen: „Erziehe den Knaben seinem Weg gemäß, er wird nicht davon weichen, auch wenn er älter wird.“
Dieser Spruch ist für viele Eltern immer wieder ein Ansporn und eine Ermutigung gewesen. Er lädt dazu ein, in die Erziehung der Kinder zu investieren, um diese Verheißung zu erleben. Das ist natürlich kein Automatismus. Es ist klar, dass wenn ich etwas vorlebe, nicht automatisch alle Nachkommen in meiner Spur laufen. Ob es immer gut ist, wenn sie komplett meiner Spur folgen, ist eine andere Frage.
Aber wir sehen hier eine Art Gesetzmäßigkeit. Es ist kein „Du machst das, und dann passiert das immer so.“ So funktioniert die Weisheitsliteratur im Alten Testament nicht, auch die Sprüche nicht. Sie bilden Prinzipien ab. Wenn ich gute Dinge vorlebe, färbt das auf die Menschen um mich herum ab.
Das gilt auch für die Gottesfurcht. Wenn ich anderen aus meiner Gottesfurcht heraus begegne, wird das ihr Verhalten verändern.
Das Leben Nehemias zeigt: So schön Gottesfurcht auch ist – ich habe das ja sehr blumig beschrieben, wie toll es ist, im Willen und Segen Gottes zu leben und ein Segensträger für andere zu sein – so gut das auch ist, Gottesfurcht ist kein leichter Weg.
Gottesfurcht zu leben bedeutet für Nehemia konkret, Entbehrungen in Kauf zu nehmen, selbstlos zu handeln, den Vorteil anderer im Sinn zu haben und Opfer zu bringen. Alle, die unsere Bibelabende im Podcast verfolgen, können vielleicht einige Verweise feststellen, zum Beispiel 1. Korinther 4, aber das nur am Rande.
Es ist ein Leben voller Entbehrungen, in Gottesfurcht zu leben. So toll die Segnungen auch sind, der Preis ist extrem hoch. Der Segen, in dem ich lebe, ist nicht immer so greifbar mit den Händen. Es bedeutet auch, durch Wüsten zu gehen, zu leiden, sich über die Maßen zu investieren, sich für andere aufzureiben.
Der Preis, in Gottesfurcht zu leben, ist extrem hoch. Nachdem Nehemia beschreibt, was er alles investiert hat – er war ein reicher Mann, obwohl er nicht das Brot des Statthalters in Anspruch genommen hatte – hat er das, was er hatte, anderen zur Verfügung gestellt. Er war extrem selbstlos. Der Preis, den er gezahlt hat, war sehr hoch.
Nehemiahs Gebet und das Spannungsfeld zwischen Selbstlosigkeit und Erwartung
Nehemia beschreibt, wie er sich in Gottesfurcht für das Werk aufgerieben hat. Nachdem er das detailliert geschildert hat, ist es ihm wichtig, in unserem letzten Vers noch ein kurzes Gebet festzuhalten. Er wechselt von einem Bericht über seine Person und seine Dienstphilosophie in Vers 19 zu einem Gebet und gibt dort seinen Motivpreis preis.
Was ist sein Motiv, all das überhaupt zu tun? In Vers 19 heißt es: „Gedenke, mein Gott, mir zugute all dessen, was ich für dieses Volk getan habe.“ Noch einmal: „Gedenke, mein Gott, mir zugute all dessen, was ich für dieses Volk getan habe.“ Ein sehr kurzes Gebet, sehr knapp. Da ist nicht viel drin. Ich weiß nicht, in welcher Haltung Nehemia das gebetet hat, aber ich kann mir gut vorstellen, dass er diese ganze Aufgeriebenheit gelebt hat, den Preis für Gottesfurcht bezahlt hat. Natürlich hat er auch positive Resultate gesehen, aber es war ihm dennoch wichtig, dieses Gebet hinterher zu schicken: „Gedenke, mein Gott, mir zugute.“ Das hat ihn sehr viel gekostet, auch wenn der Segen da war. Der Preis war extrem hoch, gottesfürchtig zu leben. Denke daran, vergiss das nicht. Ich will eine Belohnung dafür haben.
Kommt Nehemia hier auf eine schiefe Bahn? Wo ist der selbstlose Nehemia mit geistlichen Muskeln, der plötzlich in einen Modus verfällt, in dem er nur noch sich selbst sieht? „Mir zugute, Herr, segne mich, segne mich!“ Kann man ihm an dieser Stelle Egoismus vorwerfen? Ist das nicht falsch? Ist es ethisch oder moralisch verwerflich, für selbstlose Taten eine Gegenleistung zu erwarten? Sollten wir nicht wie Jesus sein, der ohne Aussicht auf Belohnung handelt?
Hier entsteht ein Dilemma. Jesus hat uns ein anderes Bild gezeigt: zu kommen, zu handeln und es nicht so zu machen wie Nehemia, der am Ende betet: „Jetzt gib mir auch meinen Lohn!“ Sondern einfach hinzugeben, sich aufzuopfern, alles zu investieren und nichts zu erwarten. Viele Christen stocken bei Vers 19 und können Nehemia in diesem Gebet nicht als Vorbild nehmen. Aber ich möchte sagen: Nehemia 5,19 ist eine sehr gute Vorlage für dein und mein Gebet.
Es ist nicht falsch zu beten, wenn man sich in Gottesfurcht aufopfert. Ich weiß, wovon ich spreche. Vielleicht nicht in Nehemias Stil, aber ich sehe auch Dinge in meinem Leben, wo ich investiert habe, wo ich durch Wüsten gegangen bin, wo ich Gottesfurcht gelebt habe und der Preis extrem hoch war. Ich hätte aufgeben können, habe es aber nicht getan. In diesem Geist habe ich gebetet: „Gedenke, mein Gott, mir zugute all dessen, was ich für dieses Volk getan habe.“ Ich glaube, das ist ein gutes Muster.
Jesus selbst weicht von diesem Muster nicht stark ab. Er hatte ununterbrochen die versprochene Belohnung im Blick und hat sie zu keiner Sekunde seines Dienstes beiseitegelegt. Jesus handelte nicht einfach selbstlos ohne jegliche Erwartung. Er hatte eine massive Erwartung an das, was er tat.
In Hebräer 12,2 heißt es: „Wir schauen auf Jesus, der um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande nicht achtete und das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.“ Als Jesus seinen Weg begann, wusste er genau, was auf ihn zukommt. Er wusste, dass sein Weg zum Kreuz führt.
Warum hat er diesen Weg in vollkommener Gottesfurcht und Selbstaufopferung so bereitwillig angenommen? Weil er eine Freude vor sich sah, die er unbedingt erlangen wollte. Er wollte in Gottesfurcht handeln, um dann zur Rechten Gottes zu sein und viele andere mit sich zu nehmen und in diese Freude zu bringen.
Für Jesus war das nicht einfach Selbstaufopferung um der Selbstaufopferung willen. Er hatte eine Belohnung im Blick, die seinen Dienst motivierte und ihn zielstrebig machte.
In Johannes 17,4 lesen wir in einem der letzten Gebete Jesu in Gethsemane, kurz vor dem Kreuz: „Ich habe dich verherrlicht auf der Erde; das Werk habe ich vollbracht, das du mir gegeben hast, dass ich es tun sollte. Und nun verherrliche du, Vater, mich bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.“
Wenn das nicht ist, den Lohn im Blick zu haben, was dann? Jesus war kurz vor dem Kreuz nicht einfach nur selbstlos um der Selbstlosigkeit willen. Er wollte Herrlichkeit haben, mit Gott vollkommen vereint sein. Das, was uns in dieser Welt von der unmittelbaren Gegenwart Gottes trennt, sollte aufhören. Er wollte Gott ganz und gar. Das war sein Lohn und seine Motivation, den Weg der Schande und der Wüste zu gehen.
Es ist daher nicht verwunderlich, dass viele Christen Schwierigkeiten haben, über den Lohn nachzudenken. Jesus hat uns immer wieder dazu aufgefordert, den Lohn nicht zu vergessen und ihn als Motivation zu sehen, den Preis hier und jetzt zu zahlen.
In Lukas 6,22 sagt Jesus: „Glückselig seid ihr, wenn die Menschen euch hassen, euch ausschließen, schmähen und euren Namen als böse verwerfen um des Sohnes des Menschen willen. Freut euch an jenem Tag und hüpft!“ Er sagt: „Freut euch an jenem Tag und hüpft!“ Ich sehe ihn schon hüpfen. Warum? „Siehe, euer Lohn ist groß im Himmel.“
Ein paar Verse weiter heißt es in Lukas 6,35: „Liebt eure Feinde und tut Gutes und leiht, ohne etwas wiederzuerhoffen, und euer Lohn wird groß sein.“
In Lukas 14,13-14 lesen wir: „Wenn du ein Mahl machst, lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein, und glücklich wirst du sein, weil sie nichts haben, um dir zu vergelten. Denn dir wird vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.“
Du wirst deinen Lohn für deine Mühe hier und jetzt bekommen.
Matthäus 6,4 sagt: „Gib deinen Almosen im Verborgenen, und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten.“ Gleich danach folgt das Vaterunser.
In 1. Korinther 3,8 heißt es: „Jeder aber wird seinen eigenen Lohn empfangen nach seiner eigenen Arbeit.“
2. Johannes 8 mahnt: „Gebt acht auf euch, damit ihr zur gegebenen Zeit den vollen Lohn bekommt.“
Offenbarung 11,18 sagt: „Die Zeit ist gekommen, dass du den Lohn gibst denen, die deinen Namen fürchten.“
Der letzte Vers dazu lautet: „Siehe, ich komme bald und mein Lohn mit mir, spricht Jesus, um einem jeden zu vergelten, wie sein Werk ist.“
Mach dir klar, dass Nehemia sein ganzes Leben in den Dienst Gottes gestellt hat. Es ist nicht so, dass Nehemia morgens aufsteht und nicht weiß, was er tun soll, also nach Jerusalem geht und an einer Mauer baut.
Nehemia war am Königshof in der Verschleppung. Er hatte ein gutes Leben, Pläne, Ziele, Wünsche, Leidenschaften und Sehnsüchte. Doch er hat alles umgestellt, den Willen Gottes erkannt und alles in den Dienst seines Herrn gestellt. Alle seine Wünsche, Ziele und Hoffnungen hat er der Gottesfurcht untergeordnet und alles unter Gott geordnet.
Gott verspricht dafür Entschädigung und Belohnung. Daran ist nichts Verkehrtes. Es hat Nehemia die nötige Motivation gegeben: „Mein Gott sieht, was ich tue, und Gott ist ein Gott, der gerne gibt.“ Es ist in Ordnung, von Gott zu wollen, dass er uns mehr von sich gibt, anstatt unsere Sehnsüchte anders zu befriedigen.
Gott hat uns als Wesen geschaffen, die Wünsche haben, und er möchte, dass wir sie an der richtigen Stelle stillen. Die Frage ist nicht, ob wir unsere Sehnsüchte stillen, sondern wo. Gott ruft uns zu: „Still sie bei mir! Ich bin ein gebender Gott, und du bist so angelegt.“
Es ist nicht verkehrt, nach Lohn Ausschau zu halten. Aber wo findest du Befriedigung für deine Seele und deine Sehnsüchte?
Zitat von C.S. Lewis zur Sehnsucht und Gottes Belohnung
Lasst mich euch jetzt ein hervorragendes Zitat von C. S. Lewis vorlesen. Hört gut zu! Seid ihr bereit? Ich habe kein „Ja“ gehört, aber ein kräftiges Nicken.
C. S. Lewis schreibt: Wenn wir die unverschämten Lohnversprechen und die atemberaubenden Belohnungen betrachten, die in den Evangelien versprochen werden, scheint es, als fände Gott unsere Wünsche nicht zu stark, sondern zu schwach. Wir sind halbherzige Kreaturen. Denn wenn uns grenzenlose Freude angeboten wird, albern wir mit Sex, Alkohol, Drogen und Ambitionen herum – wie ein ignorantes Kind, das ein Angebot, an den Strand zu gehen, ablehnt, um lieber mit dem Dreck zu spielen.
Wir sind viel zu einfach zufriedenzustellen und viel zu leicht befriedigt.
Ein krasses Zitat, wirklich krass! Der Herr lädt uns ein: „Kommt zum Strand, kommt zum Strand!“ – kindlich gesprochen. Und wir sitzen irgendwo in einer Pfütze, in einem Drecksloch, und denken, hier möchte ich meinen Wunsch nach Spiel befriedigen – kindlich gesprochen, meinen Wunsch nach Spiel.
Gott verurteilt nicht deinen Wunsch nach Spielen, aber wo? Willst du wirklich im Sumpf stecken bleiben und dort deine Sehnsüchte befriedigen? Warum nicht dort, wo Gott dir alles geben möchte, was du brauchst, was dich glücklich macht – die Freude, die er zu bieten hat?
Wir sind viel zu einfach zufriedenzustellen. Und wo auch immer wir unseren Lohn erwarten, es ist zu einfach. Es gibt so viel mehr. Es gibt so viel mehr.
Belohnung zu erwarten ist nichts Falsches. Bibelisch gesehen gehört es zum Leben dazu, es gehört zu unserer Nachfolge dazu. Denn von Gott mit Lohn gesegnet zu werden bedeutet letztendlich nichts anderes, als mit Gott selbst beschenkt zu werden.
Wenn ich sage: „Ich will meinen Lohn“, bedeutet das: „Gott, ich möchte mehr von dir.“ Es erhöht die Anbetung Gottes. Es maximiert die Ehre Gottes, wenn wir sagen: „Gott, du bist das Objekt meiner Wünsche, du bist das, was ich haben möchte. Und wenn ich dich habe, dann habe ich alles, was ich brauche.“
Unser Gott teilt sich mit und möchte in unmittelbare Gemeinschaft und Gegenwart zu uns kommen. Und was soll daran falsch sein, dann wie ein Nehmer zu beten: „Herr, all das hier, das ist alles, was ich hier hinlege und aufopfere. Gedenke meiner, was ich hier für Mühe habe. Ich will den Lohn bekommen.“
Deshalb sagt Psalm 16,11: „Fülle von Freuden ist vor deinem Angesicht“, also grenzenlose, maßlose Freude ist vor deinem Angesicht, „Lieblichkeiten in deiner Rechten immerdar.“
Dort, wo Gott ist, ist Freude.
Haben wir noch im Ohr, was über Jesus gesagt wurde, warum er den Preis bezahlt hat? Wegen der vor ihm liegenden Freude, als er dann wieder zur Rechten Gottes eingesetzt wurde. Das ist der Ort der grenzenlosen Freude, und das ist es, was der Psalmist hier auch als Motivation für alle bringt, die die Psalmen lesen: Bei Gott ist diese Freude zu finden.
Deshalb sagt und damit möchte ich schließen: In Matthäus 25,21 heißt es: „Recht so, du guter und treuer Knecht! Über weniges warst du treu, über vieles werde ich dich setzen; geh hinein in die Freude deines Herrn!“
Das ist der unmittelbare Lohn: Geh hinein in die Freude deines Herrn! Das ist der Lohn, den Gott uns geben möchte. Du bist treu gewesen, auch in den schwierigen Dingen. Du warst treu, und jetzt bekommst du deinen Lohn. Geh hinein! Geh hinein in die Freude!
Wer diese Perspektive verliert, die versprochene Belohnung nicht mehr im Blick hat, wird in den Anstrengungen – wenn Gottesfurcht wirklich viel von uns abverlangt – irgendwann die Reise aufgeben. Er wird nicht bereit sein, den Preis zu zahlen, weil die vor ihm liegende Freude aus dem Blick geraten ist.
Aber Jesus selbst hat sich davon motivieren lassen, und es soll auch dich motivieren: Die vor ihm liegende Freude, die Jesus erwartet hatte und in der er jetzt lebt, die will er uns mitteilen, die möchte er mit uns teilen.
Deine Gottesfurcht hat einen großen Lohn – vergiss das niemals.
Amen, Amen.
Einladung zum Abendmahl und gemeinsames Feiern
Wir laden euch ein, gemeinsam mit uns das Abendmahl zu feiern. Aus der Predigt haben wir diesen wunderbaren Blick gewonnen: Die Belohnung wartet auf uns. Wir dienen Gott und anderen Menschen, die in Gottesfurcht leben, nicht umsonst. Der Herr wird mit seinem Lohn kommen.
Auch Paulus beschreibt das Abendmahl in dieser Haltung. Wir sollen auf Jesus schauen und das Abendmahl so lange feiern, bis er wiederkommt – auch mit dem Lohn, den er dann für uns mitbringt.
Vielleicht habt ihr das Abendmahl schon bei euch vorbereitet, Brot und Kelch gerichtet. Hier werden wir in kleiner Runde gemeinsam Abendmahl feiern. Ihr könnt das auch daheim tun.
Wie Susanne bereits sagte: Jeder, der Jesus Christus kennt, ihn liebt, ihm nachfolgt und in Gottesfurcht lebt oder leben möchte, ist eingeladen, mit uns das Abendmahl zu feiern. Wir sind vielleicht nicht örtlich verbunden, aber im Heiligen Geist sind wir verbunden. Diese Verbindung zählt, und darauf wollen wir uns heute besonders konzentrieren.
Ich werde jetzt die Einsetzungsworte aus 1. Korinther 11 vorlesen. Danach nehmen wir Brot und Kelch zu uns.
In 1. Korinther 11 heißt es: In der Nacht, in der Jesus, der Herr, ausgeliefert wurde, nahm er Brot, sprach das Dankgebet, brach es in Stücke und sagte: „Das ist mein Leib, der für euch geopfert wird. Tut das immer wieder, damit unter euch gegenwärtig ist, was ich für euch getan habe.“
Ebenso nahm er nach dem Essen den Kelch und sagte: „Dieser Kelch ist Gottes neuer Bund, der durch mein Blut in Kraft gesetzt wird. Tut das, so oft ihr von ihm trinkt, damit unter euch gegenwärtig ist, was ich für euch getan habe.“
Jedes Mal, wenn ihr dieses Brot esst und von diesem Kelch trinkt, verkündet ihr damit die Rettung, die durch den Tod des Herrn geschehen ist, bis er wiederkommt.
Wer auf unwürdige Weise das Brot des Herrn isst und von seinem Kelch trinkt, macht sich am Leib und Blut des Herrn schuldig. Deshalb soll sich jeder prüfen und erst dann von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken.
Ich danke für das Brot. Danke, Jesus, dass du uns einlädst. Dass wir uns im Abendmahl immer wieder daran erinnern können, dass du alles eingesetzt hast. Du hast uns mit allem, was du hast, geliebt und errettet. Du bist der Retter unseres Lebens, hast uns mit dem Vater versöhnt und lässt uns Gemeinschaft haben mit Vater, Sohn und Heiligem Geist.
Wir bitten dich, dass du uns stärkst und aufrichtest im inneren Menschen und uns segnest. Stärke auch unsere Gemeinschaft, auch wenn wir uns nicht sehen. Stärke unseren Verbund, unser Miteinander und die Liebe, die wir zueinander haben durch das Abendmahl. Amen.
Christi Leib für dich gegeben. Danke, Jesus, dass wir an deinem Vorbild sehen, dass du nicht einfach umsonst ans Kreuz gegangen bist. Du hast einen großen Lohn gesehen, und es war dir wert, diesen Einsatz zu bringen.
Danke, dass du die Freude in der Gegenwart Gottes so sehr gewollt hast – nicht nur für dich allein, sondern weil du durch das Kreuz viele in die Gemeinschaft des Vaters bringen wolltest.
Danke, dass du die Strapazen auf dich genommen hast, das Gericht, das uns galt, auf dich geschultert und den Zorn Gottes auf dich gelegt hast, damit er uns nicht trifft.
Danke, dass unsere Gottesfurcht eine besondere Qualität hat: keine Angst, sondern ein hohes Maß an Wertschätzung für das, was unser dreieiniger Gott für uns tut.
Danke, Herr, dass du dein Blut für uns vergossen hast und uns mit hineinnimmst in die Belohnung, die du genießt. Amen.
Christi Blut für dich vergossen.
Glaubensbekenntnis und Abschlusssegen
Den Schöpfer aller Welt, Gott allmächtig, kam durch den Geist empfangen Christus in die Welt – Jesus, mein Rätsel. Ja, ich glaube an Gott, den Vater, und an Christus, seinen Sohn. Ich glaube an deinen Namen, Jesus!
Du bist mein Richter und mein Anwalt, gekreuzigt und auferstanden von den Toten, sitzt zur Rechten der Herrlichkeit und herrschst in Ewigkeit. Ja, ich glaube an Gott, den Vater, und an Christus, seinen Sohn, an den Heiligen Geist, die Wahrheit, an den dreieinen Gott. Ja, ich glaube an die Auferstehung.
Ich glaube, dass wir ewig leben, dass die Jungfrau den Sohn gebar, an die Gemeinschaft der Kinder Gottes, die Kirche unseres Glaubens. Ja, ich glaube an die Auferstehung. Ich glaube an Gott, den Vater, und an Christus, seinen Sohn. Ich glaube an deinen Namen, Jesus.
Am Ende des Gottesdienstes sind wir nun angekommen. Ich wünsche euch für diesen Sonntag Gottes Segen und dass ihr gleich in euren DNA-Telegruppen eine gute Zeit miteinander habt. Nehmt euch die Zeit, miteinander zu reden, über das Gesprochene und Gepredigte nachzudenken, euch auszutauschen, zu ermutigen und füreinander zu beten.
Ich denke, dass dies eine gute und wichtige Zeit ist – auch eine spaßige Zeit, wie wir vorhin bei Susanne erlebt haben. Dort konnten wir gute Gemeinschaft miteinander haben, und auch Freundschaft kann wachsen.
Ich möchte uns unter den Segen Gottes stellen und habe dafür den Vers aus 1. Timotheus 4,8 gewählt: „Gottesfurcht aber ist zu allen Dingen nütze, weil sie die Verheißung des Lebens hat, des jetzigen und des zukünftigen.“
Herr, segne uns mit Gottesfurcht, damit wir in dieser Verheißung leben und das Leben in dir ergriffen haben. Es beginnt schon jetzt und wird in alle Ewigkeit andauern. Danke für diese Perspektive, dass du uns jetzt schon beschenkst und dass der Lohn nur noch größer wird.
Halte unsere Augen auf dich gerichtet, Herr. Mit diesem Segen wollen wir in die neue Woche starten. Schütze uns, stärke uns und rüste uns aus für alle Aufgaben, die wir zu tun haben. Lass uns dich in allem sehen, Herr. Amen.
