Ich weiche immer gerne von der so genannten Perikope ab, das ist dieser
Predigtext, der auch im Losungsbüchlein steht. Warum? Nicht weil ich ein
unordentlicher Mensch bin, das bin ich auch, sondern weil manche ein
erstaunlich gutes Gedächtnis haben. Und über den Predigttext Joh. 21 Da ist
auch so viel, ich hab glaub ich mehrfach schon drüber gepredigt hier bei
Ihnen und Kassetten laufen um und dann such ich immer wieder Abschnitte in
der Bibel, über die noch nie gepredigt wurde. Und die auch in dieser
Perikopenordnung nicht vorkommen und da wollte ich heute mit Ihnen einen
Abschnitt lesen und am nächsten Sonntag dann ein darauf folgendes Kapitel,
das zeigt, wie das ins Leben übersetzt wird. Jesus ist auferstanden. Und
wie lebt man das neue Leben nun und wir lesen aus der Apostelgeschichte
Kap. 24 Apostelgeschichte 24 von der Haft. Vom Gefängnis, in dem Paulus der
große Apostel ist. In Cäsarea. Vor seiner letzten Reise nach Rom war ja
Paulus in Jerusalem verhaftet worden, es gab da einen Aufruhr auf dem
Tempelplatz und die römische Bereitschaftstruppe hat ihn dann schnell auf
die Burg Antonia geholt, als sie ihn lynchen wollten drunten in der Menge.
Und der Oberst hatte nun Sorge wie das in Jerusalem geht, während des
Festes und hat dann Paulus mit einer ganz starken Militärbesatzung, 470
Soldaten, das war eine Truppe, hat er diesen einen Häftling hinunter
bringen lassen über Antipatrisis. Alles hier im Kapitel 24 beschrieben dann
oder 23 am Schluss und 24 hinunter bringen lassen nach Cäsarea, wo der
Landpfleger war. Dort beginnt nun nach einiger Zeit die Anklage gegen
Paulus. Der Hohe Rat hat sich eines Rechtanwaltes namens Tertullus bedient.
Wenn sie mal ein Musterbeispiel brauchen einer schleimerischen Rede, lesen
Sie die. Also das würde mir Spaß machen nur über die heute zu predigen,
aber das ist ein Unterthema. Wie einer sich so anbiedern kann, das ist
nicht Christenart. Paulus redet dann ganz anders. Er versucht sich nicht
lieb Kind zu machen bei dem Gouverneur. Als der Tertullus auch dem Paulus
noch falsche Anklagepunkte unterschiebt, er sei ein politischer Aufrührer
und er sei ein Sektenhäuptling. Da wehrt sich Paulus nur ganz kurz. Ich
lese jetzt von Vers 15 ab. Apostelgeschichte 24 von Vers 15 ab.
15 Ich habe die Hoffnung zu Gott, die auch sie selbst haben, nämlich dass
es eine Auferstehung der Gerechten wie der Ungerechten geben wird. 16 Darin
übe ich mich, allezeit ein unverletztes Gewissen zu haben vor Gott und den
Menschen. 17 Nach mehreren Jahren aber bin ich gekommen, um Almosen für
mein Volk zu überbringen und zu opfern. 18 Als ich mich im Tempel reinigte,
ohne Auflauf und Getümmel, fanden mich dabei 19 einige Juden aus der
Provinz Asien. Die sollten jetzt hier sein vor dir und mich verklagen, wenn
sie etwas gegen mich hätten. 20 Oder lass diese hier selbst sagen, was für
ein Unrecht sie gefunden haben, als ich vor dem Hohen Rat stand; 21 es sei
denn dies "eine" Wort, das ich rief, als ich unter ihnen stand: Um der
Auferstehung der Toten willen werde ich von euch heute angeklagt.
Die Verschleppung des Prozesses
22 Felix aber zog die Sache hin, denn er wusste recht gut um diese Lehre
und sprach: Wenn der Oberst Lysias herabkommt, so will ich eure Sache
entscheiden. 23 Er befahl aber dem Hauptmann, Paulus gefangen zu halten,
doch in leichtem Gewahrsam, und niemandem von den Seinen zu wehren, ihm zu
dienen. 24 Nach einigen Tagen aber kam Felix mit seiner Frau Drusilla, die
eine Jüdin war, und ließ Paulus kommen und hörte ihn über den Glauben an
Christus Jesus. 25 Als aber Paulus von Gerechtigkeit und Enthaltsamkeit und
von dem zukünftigen Gericht redete, erschrak Felix und antwortete: Für
diesmal geh! Zu gelegener Zeit will ich dich wieder rufen lassen. 26 Er
hoffte aber nebenbei, dass ihm von Paulus Geld gegeben werde; darum ließ er
ihn auch oft kommen und besprach sich mit ihm. 27 Als aber zwei Jahre um
waren, kam Porzius Festus als Nachfolger des Felix. Felix aber wollte den
Juden eine Gunst erweisen und ließ Paulus gefangen zurück.
Wir haben doch so wunderbar Ostern gefeiert und haben uns gefreut, dass
Jesus alle Macht hat. Im Himmel und auf Erden. Dass Gott ihm alles unter
die Füße getan hat. Alle Reiche, Gewalten und Mächte dieser Welt. Der Stein
rollt vom Grab. Die mutigen römischen Legionäre fallen auf den Boden und
haben Todesangst. Der Hohe Rat ist sprachlos. Der Pilatus weiß nicht mehr
was er tun soll. So hat Jesus wirklich am Ostertag triumphiert. Und jetzt?
Jetzt triumphiert die Welt. Jetzt triumphiert die Welt. Jetzt habe sie den
tüchtigsten Boten Gottes, seinen Missionar gebunden. Und da lachen sie
alle. Man hört direkt das Hohngelächter der Hölle: "Was wollt denn ihr mit
eurem Jesus?" Ob das die Schleimerei ist des Rechtsanwaltes Tertullus, ob
das die Lüge und Verlogenheit der Anklage ist. Spüren Sie nicht, wie die
Todesmächte sagen: "Wir haben doch alles in dieser Welt in der Hand." Der
Fürst der Welt, der noch einmal sich aufspielt und sagt: "Ich kann in
dieser Welt bestimmen." Vor ein paar Tagen habe ich einen alten Mann
getroffen. Sehr schwer von der Krankheit gezeichnet, ging er an den
Krücken. Er was Leiter eines großen Bildungsinstituts. Und dann hab ich
gesagt: "Wie geht's Ihnen?" Sagt er: "Ich will nicht mehr leben." Sag ich:
"Was ist es so schlimm mit Ihrer Krankheit?" Sagt er: "Ach, die Krankheit,
die ist nicht schlimm. Ich verzweifle an dieser Welt und dann hat er mir
aufgezählt, wie ihm das Not macht, die Kriege, die Verlogenheit. Er sagt:
"Ich hab gehofft, es werde mal neu in dieser Welt, es werde mal anders. Und
es gebe endlich Recht und Gerechtigkeit und das Gute werde siegen." Hat Sie
das noch nie bekümmert? Was ist denn mit der Welt los? Warum darf denn der
Teufel noch so wüten? In Amerika wurde das Umfrageergebnis der
Meinungsforschungsgruppe "Galup" veröffentlicht. Und da wurde fest
gestellt, mit genauen Zahlen, dass Gegenwärtig in Amerika Religion boomt.
Ganz große Welle Religion. Aber gleichzeitig die Moral in der Bevölkerung
immer tiefer sinkt. Und der frühere Präsidentenberater Colsen hat hinzu
gefügt: "In den öffentlichen Stellen und der Öffentlichkeit, griff man, ist
fast völlig verkümmert, der biblische Glaube. Fast völlig verkümmert. Sehen
Sie in den Medien, in der Kunst in der Wissenschaft, in der Wirtschaft. In
der Politik. Da bin ich froh, dass wir heute den Paulus angucken können. Da
steht der Paulus vor uns, ein Gefangener. Er sieht wie ein Opfer aus. Aber
gucken Sie ihn genauer an, wie er da steht. Als ein Zeuge der Auferstehung
Jesu und er tritt dieser ganzen, ja wie soll ich sagen, dieser unheimlichen
Welt gegenüber, dieser Lügenwelt. Dieser scheinheiligen Welt des Hohen
Rates, dieser politischen Welt, diese Landpfleger Felix hat kurz darauf
20.000 Juden an einem Tag in Cäsarea abschlachten lassen. Dieser brutalen
Welt tritt er gegenüber, als ein freier Mensch trotz seiner Ketten. Weil er
sich von Jesus gerufen weiß und sagt: "Ich folge nur meinem Herrn Jesus."
Und er ist ein freier Herr, ein freier Herr, auch wenn er an den Händen
gebunden ist. Und ich sorge mich heute nicht so, was immer in jedem
Gemeindeblättchen drin steht. Ob die Zahlen der Kirchenmitglieder sinken
und die Kirchensteuereinnahmen und was so die Sorgen sind. Ich sorge mich,
ob es bei uns noch Glaubensmut gibt. Mut, dass Leute sagen: "Ich lebe mein
Leben im Gehorsam Jesu Christi." Und ich will mich an diese Welt gar nicht
anbiedern, an diese schleimige Welt, an diese verlogene Welt. Haben Sie da
auch wirklich einen Trennungsstrich gezogen? Das ist manchmal so widerlich,
wenn in unseren Tagen so viel modisches Christentum sichtbar wird. Wo unter
der Decke überall letztlich das gleiche Verhalten da ist wie in der Welt.
Jesus Jünger leben ganz anders. Und sie sagen: "Ich lebe mit dem
auferstandenen Jesus und gehöre ihm und folge seinem Wort." Und ich sehe
den Paulus, wie er da sagt: "Lass sie doch wüten, macht doch nichts. Ich
stehe und falle mit meinem Herrn. Und was auch in meinem Leben geschieht,
das ist doch nicht wichtig. Sein Ich war abgestorben mit Jesus, das hat er
gekreuzigt. Ich leb doch nicht für mich. Ich leb doch für Christus." Und
dann gibt er sein Leben hin und verströmt es. Und will nur Christus dienen
und er weiß: "Mein Herr Jesus lenkt die Geschichte. Er hat alles in seiner
Hand. Das stimmt, das ist wahr, das er der Ostersieger ist. Auch wenn der
Gouverneur sich noch so gebärdet. Schlimm ist jetzt bloß, wenn Sie meinen
Sie müssen jetzt auch ein bisschen Notlüge machen, oder Sie müssen sich ein
bisschen tricksen. Da kommen Sie unter die Räder.
Mein erster Punkt ist darum: Allein gegen alle. Allein gegen alle, das war
der Paulus da gestanden. Ich muss Ihnen noch ein bisschen erzählen von der
Stadt Cäsarea, wer von Ihnen schon dort auf der Israelreise war, der
erinnert sich ja an diese gewaltige Stadt. Das war schon von Herodes, als
er die Stadt bauen ließ ein Meisterwerk. Dass er an dieser Küste einen
Hafen errichten ließ. Da ist gar kein Hafen. Und dann hat er unheimlich
viel Steine versenkt und der Josephus, Flavius hat das beschrieben und er
sagt: "Der Hafen, der damals von Herodes dem Großes gebaut wurde, ist
toller und größer gewesen als der Hafen von Piräus. Vielleicht erinnern Sie
sich noch an den Fuß, den man heute sieht einer Statue. Das ist so ein
riesen Fuß in Cäsarea. Das ist der letzte Teil von zwei riesen Statuen, die
am Hafeneingang standen. Übrigens: Flotten von Schiffen haben den Marmor
hergefahren. Den gibt's im ganzen vorderen Orient nicht. Und nicht bloß die
Paläste, sondern auch die Häuser der Bediensteten und der Hofbeamten waren
alle luxuriös gebaut. Und in diese Stadt wird Paulus gebracht mit diesen
200 Schützen, 200 Soldaten, 70 Reiter. Bewacht von der ganzen Staatsmacht
als ein besonders gefährlicher und bedrohter Gefangener und Paulus steht
drin und ihm imponiert das alles nicht, er nimmt die ganze Welt nicht
ernst. Er sieht diesen Luxus von Cäsarea. Noch heute sitzt man ja in dem
Amphitheater, man sieht die riesige Pferderennbahn von Cäsarea. Und der
Paulus steht drin und von was redet er? Gar nicht von der Welt heute. Er
spricht von der Hoffnung die er hat, von der Hoffnung. Wenn dieses alles
vorbei ist. Das hätten Sie gar nicht gedacht, dass das so ein Wort mit
Sprengkraft sein kann. Die bauten ja damals für die Ewigkeit und bald waren
diese herrlichen Paläste nur noch Trümmer. Und dieser Felix und der ganze
Hohe Rat und der Tertullus, sie haben alle keine Hoffnung. Alle keine
Hoffnung. Wir sind Menschen, die eine Hoffnung haben. Merkt man das bei
Ihnen im Krankenhaus? Wie auch der Befund ist? Wir haben Hoffnung,
begründete Hoffnung ewigen Lebens. Wir sterben zuversichtlich. So hat es
ein Vetter von mir im Feldlazarett hingeschrieben. Auf den durchbluteten
Zettel, den die Eltern noch aufbewahrt haben, als er dann dort wenige
Stunden später starb. Haben Sie Hoffnung? Haben Sie Hoffnung für Ihr Leben,
wie der Paulus. Ich habe Hoffnung. Und dann sagt er: "Ich weiß von der
Auferstehung der Gerechten und der Ungerechten." Warum er das erwähnt? Weil
das für sein Verhalten ganz wichtige Bedeutung hat. Ich übe mich zu haben
allzeit ein unverletztes Gewissen. Wissen Sie, das Gewissen ist ein
Kaugummi. Das können Sie so und so drehen. Sie können Ihr Gewissen
besänftigen und betäuben. Sie können sagen, mein Gewissen, das sagt gar
nichts. Das ist immer dumm, wenn man da sagt: Jeder nach seinem Gewissen.
Es gibt so viel abgestorbenes Gewissen. Paulus trainiert sein Gewissen im
Licht des künftigen Gottes. Ich übe mich, dass mein Gewissen täglich vor
dem ewigen Gott bestehen kann. Da hat er uns eine Richtschnur gegeben, für
uns, wie man leben kann. Und auf einmal sehen wir den Paulus als einen
Menschen, der gar nicht mehr dem irdischen Gericht unterworfen ist. Er hat
einen festen Standpunkt Außerhalb unserer Welt. Er ist ein Mensch, der
wirklich frei ist. Wirklich frei. Ach, das hat man ja beim Paulus oft
erlebt. "Ich vermag alles durch den der mich mächtig macht, Christus." So
hat er mit dem Auferstandenen Jesus gelebt. Ich hoffe, dass Sie das hin
kriegen. Dass Sie sich über die Bedrängnis und Not genau so hinweg setzen
können und dann sagen: "Was können mir den Menschen tun?"
Jetzt hab ich einen zweiten Punkt: So hilflos sind die Mächtigen. Ich muss
Ihnen noch etwas zu Felix sagen, diesem Landpfleger. Felix war ein frei
gelassener Sklave und der Tacitus, der große römische Geschichtsschreiber
hat über diesen Felix gesagt: "Mit Wildheit und Gier übte er die Macht
eines Königs. Mit dem Gemüt eines Sklaven aus." Überall bei den römischen
Geschichtsschreibern ist das von Felix erhalten, dass er ein skrupelloser
Mensch war. Ein fieser Kerl, der über Leichen ging, dem alles im Grund
wurscht war, wenn er nur seinen Herrschaftsthron befestigt hat. Ja da muss
doch der Paulus aufpassen, wenn er mit so einem Richter zu tun hat und wenn
der seine Geschicke entscheidet. Paulus ist ganz ruhig. Und er wimmert nie
um sein Leben. Er hängt nicht von Menschen ab, das müssen Sie wissen, wenn
Sie Jesus gehören, können nicht mehr Menschen über Sie verfügen. Ist Gott
für uns, wer kann jetzt noch gegen uns sein? Aber jetzt mache ich gleich
weiter. Er hat eine Frau. Die Drusilla, und ich muss einfach Geschichte
noch ein bisschen mit Ihnen machen. Die Drusilla war noch ein blassierter
Teenager, grad 20 Jahre alt und schon die dritte Ehe. Das ist doch toll.
Muss eines der zuchtlosesten und frechsten und wildesten Weiber der
damaligen Zeit gewesen sein. Felix hat sie nur bekommen, in dem er einen
zyprischen Zauberer bemüht hat, der sie dem König von Elimas in Syrien
ausgespannt hat und dann lebt er mit dieser Frau zusammen und da steht ja
auch dran sie war eine Jüdin. Und sie wissen wie die Juden das genau
nehmen. Das ist ja gar nicht leicht mit einem Nichtjuden verheiratet zu
sein. Für die Juden ist das ganz ganz schwer. Und die hat ihre ganze
Vergangenheit einfach vergessen. Diese Drusilla. Ein Flittchen, nicht? Da
lebt sie fröhlich und jetzt wie sie hört, da gibt's irgend so eine
Religionssache, da sagt sie: "Och ich interessiere mich dafür." Da wacht
das wieder auf, was sie als Kind einmal gelernt hat. Wir kennen das ja auch
bei den Kollegen oder im Freundeskreis, man palavert mal ganz gern über
Religion. Jeder schwatzt mal gern über Kirchensteuer oder über den Papst
oder übers Zölibat. Es gibt ja so Themen, wo man nächtelang diskutieren
kann. Das ist ja alles interessant. Und so will die Drusilla auch mit dem
Paulus ein Schwätzchen machen und laden ihn in den Salon ein und sagen: Das
gibt eine nette Abendunterhaltung. Und dann kommt der Paulus rein. Und er
sieht die beiden gar nicht anklagend, in großer Ruhe und ich wünsche Ihnen,
dass Sie auch heute ein solche Glaubenskraft haben der Welt ihr Urteil zu
sprechen. Er redete von der Gerechtigkeit, von der Keuschheit und von dem
zukünftigen Gericht. Und auf einmal rutscht der Gouverneur Felix auf seinem
Sessel und sagt: "Ich, ich kann grad nicht mehr sitzen, nicht?" Und sagt:
"Wir müssen das abbrechen, mir ist grad nicht so gut." Bloß das Wort eines
Gefangenen. Sosonizin hat einmal gesagt, was sie entdeckt haben im Archipel
Gulag. Ein Wort der Wahrheit kann die ganze Welt aufwiegen. Mir macht das
heute nicht Sorge, dass die Kirche Mitglieder verliert, sondern mir macht
das Sorge, ob wir noch das Wort der Wahrheit bekennen. Das Bibelwort. Das
Bekenntnis von Jesus, die Welt aus den Angeln hebt. Wo Menschen zum Glauben
finden. Und da spricht er ganz schlicht von der Gerechtigkeit, ja versteht
das überhaupt der Felix? Er versteht es plötzlich doch. Das sind nämlich
gar keine Sprachprobleme. Keuschheit. Meinen Konfirmanden musste ich erst
erklären was keusch heißt, das wissen die nicht mehr, weil das nicht mehr
in der Mode ist heute in unserem Sprachgebrauch. Das ist ja interessant,
wie sich der Sprachgebrauch wechselt. Wir können ja auch sagen
Selbstbeherrschung. Und ein Felix weiß, dass es da bei ihm fehlt.
Selbstbeherrschung. Die größte Gabe, die uns Gott gegeben hat, ist dass wir
Lust und Freude empfinden können, dass wir Geschlechtlichkeit haben. Leben
schaffen dürfen. Aber wenn die großen Gaben Gottes unter dämonische
Einflüsse geraten und das geschieht in der Sünde, dann ist das wie ein
Gaul, den man nicht mehr mit den Zügeln packen kann. Dann geht der durch.
Und dann reißt das einen Menschen in die Tiefe. Und der Paulus war ja ein
liebevoller Seelsorger, wie gern hätte er mit dem Felix drüber gesprochen,
dass Jesus frei macht von den Ketten der Sünde und los macht. Aber da wacht
das Gewissen des Felix auf und er wird unruhig. Und er kann das gar nicht
mehr ertragen, wenn Sünde aufgedeckt ist und dann, dann verschiebt er das,
dass er sagt: "Geh bitte, geh bitte. Zu gelegener Zeit will ich dich mal
wieder holen." Dummes Gerede. Was wird da gelogen und wie erbärmlich ist
der Mensch, das wollte ich Ihnen ja zeigen, so hilflos in dem Mächtigen.
Dass er vor einem armen Gefangenen noch lügen muss, noch nicht mal die
Wahrheit sagen kann. Wer ist denn eigentlich gebunden? Und wer ist frei?
Der Felix ist der Gebundene in seinen Ketten. Er kann ja gar nicht heraus.
Er sitzt da und ist gebunden. Solche Menschen könnten viel leichter wie
Felix das Evangelium verstehen eigentlich heißt's die Frommen. Wissen Sie
das bei Ihnen ist das vielleicht noch schwerer. Gefallene, Gebundene,
Abhängige, Süchtige. Weil Sie sagen: "Ja, bei mir ist das so, ich komm gar
nicht los von meinen Ketten." Großer Gegensatz: Der gebundene Paulus und er
ist plötzlich gar nicht mehr gebunden. Ja doch, da hat er noch die Ketten,
aber gegenüber dieser große Gouverneur, ein armes Würstchen, armes
Würstchen. Und ich habe Ihnen am Sonntag, am Ostersonntag gesagt: Richtig
leben kann man nur mit dem auferstandenen Jesus. Ohne ihn kann man gar
nicht leben. Das sehen Sie hier. Kann gar nicht leben.
Noch ein letzter Punkt: Gefangen und doch frei. Gefangen und doch frei. Mir
ist das so wichtig, weil heute ja alle bei uns so freiheitsdurstig sind.
Die Jungen wollen los sein von der Autorität der Eltern, die Frauen wollen
sich emanzipieren. Die wollen, dass sie endlich ganz frei sind und die
Nationen wachen auf: "Wir wollen endlich Freiheit haben." Und man wirft oft
dem Paulus vor, er hätte sich zu wenig für die Freiheitsbelange eingesetzt.
Das stimmt. Der Paulus hat, das war im Philemonbrief ganz deutlich gesagt:
Ein Sklave ist ein Freier, auch wenn er noch in Treue die alten
Arbeitsbedingungen erfüllt. Weil er innerlich frei geworden ist. Da sehen
Sie hier etwas. Gefangen und doch frei. Beim Paulus haben sie nie erlebt,
dass er gewimmert hat: Ich möchte Freiheit, ich möchte Freiheit. Und wenn
er dort in Cäsarea in dem Palast zwei Jahre war er dort in Haft in Cäsarea.
Wir können das ganz genau rekonstruieren. Dann hat er das Rauschen der
Wellen gehört. Was hat das bei dem Paulus Schmerzen bereitet? "Ich wollte
Hinaussegeln und das Evangelium der ganzen Welt verkünden", und jetzt sitzt
er zwei Jahre in Haft. Aber er hat seine Sorgen einfach Jesus hin gelegt
und sagt: "Der Herr macht's recht, denen, die Gott lieben, müssen alle
Dinge zum Besten dienen." So kann man's mit dem auferstandenen Jesus
machen, seine Beschränkungen akzeptieren. Können Sie das auch so? Sagen:
"Gott hat mich Matt gesetzt. Aber ich weiß nicht wozu das gut ist, aber ich
will's akzeptieren und ihm danken. Noch ein Stück der Erbärmlichkeit dieses
Felix, dieses Gouverneurs an dieser Stelle: Er hat den Paulus öfters zum
Gespräch geholt und dann steht da: Er hat eigentlich gar nicht auf die
Antworten des Paulus gewartet. Er hat's so gemacht, so wie's in Südamerika
die Polizei macht. Wissen Sie, die gucken immer nur nach dem Geldbeutel, wo
sie das Bestechungsgeld kriegen, das Korruptionsgeld. Dabei war der
Gouverneur steinreich, der hat Geld gehabt wie Heu. Dann können sie sich
vorstellen, wenn die so eine Stadt dort gebaut haben. Aber es stimmt ja,
niemand ist so ans Geld gebunden, wie die Reichen. Und jetzt guckt er, ob
er von dem armen Häftling noch ein paar Mark abstauben kann. So gebunden
ist der Felix. Armer Mann. In Kette gebunden ihm gegenüber der Paulus und
wissen sie, niemand kann ihm schaden, da steht drin, dass dann eigentlich
ohne Grund der Felix dem Paulus große Hafterleichterungen gibt und in
diesen zwei Jahren ist ungeheuer viel geschehen. Paulus bekommt viel
Besuche von Trophimus, von Tychikus, von Aristarch, von seinem besten
Mitarbeiter, vom Timotheus, Lukas wird dauernd um ihn gewesen sein, dort
wird Lukas ganze Stücke des Lukasevangeliums vielleicht mit Paulus zusammen
geschrieben haben. Briefe sind entstanden, der Römerbrief, die beiden
Korintherbriefe, Philipperbrief, Galaterbrief. Wahrscheinlich, so kann man
es annehmen, hier, es steht nämlich da: "Es grüßen euch die, die aus der
Prätorianergarde sind." Das war eine Prätorianergarde, die unmittelbare
Leibwache des Gouverneurs und da waren schon Christen dabei in Cäsarea, die
zu dem Paulus gehalten haben. Sehen Sie, das sieht manchmal für uns so
bedrohlich aus, die Welt, in der wir leben. Und in der Welt geschieht so
viel Unheimliches. Wissen Sie, dass Jesus alle Macht hat, im Himmel und auf
Erden? Und dass er seine Planungen durchführt und dass dieses Bild des
gebundenen Paulus für Sie ein mitmachendes Zeichen ist. So wunderbar ist
das, wie Gott auch hier diese Haftzeit in Segen umgewandelt hat. Wenn wir
heute wählen sollen, die Haft oder die Briefe vom Paulus, ach die Haft, die
muss er halt durchstehen, aber die Briefe, die wir haben. Ohne Römerbrief,
ohne Korintherbriefe, wir könnten ja gar nicht leben, Thessalonicherbriefe,
alles dort entstanden. So hat Gott das benützt und hat Segen draus gemacht.
In seiner Fülle. Mir ist jetzt nur für Sie wichtig, dass Sie auch mit dem
auferstandenen Jesus leben und sagen: "Wenn ich schon krank bin, oder wenn
mir der Herr schon das Leid zumutet, dann soll wenigstens Frucht raus
kommen. Bleibende Frucht, für ihn. Und ich will nur schauen, wie Jesus in
meinem Leben das Sagen hat und mich bestimmen kann und er mich regiert."
Ich möchte das nächste Mal weiter machen und über die zweite Prozesshälfte
in Kapitel 26 reden. Der Felix hat ja den Prozess verschleppt, bis er
abgelöst wurde. Claudius, der Gönner hat ihn auf diesen Thron gebracht, der
Nero hat ihn später abgesetzt. Ein Mann war ganz nah davor, dass er das
Himmelreich gewinnt und er hat's nicht entdeckt. Sein Gewissen hat
gesprochen. Wenn Ihr Gewissen redet, das ist nie Menschenmanipulation, Sie
können ein Gewissen nie aufwecken, Sie können Ihr Gewissen betäuben, aber
niemand kann durch sein Reden ein Gewissen aufwecken. Wenn Ihr Gewissen
aufwacht, ist das eine Gottesstunde. Dann redet Gott ganz besonders mit
Ihnen, dann müssen Sie handeln, entschlossen handeln. Dann dürfen Sie's ja
nie so machen wie Felix, dass Sie's auf die lange Bank schieben und sagen:
"Ein ander Mal." Das sind Gottesstunden und Felix hat sie verpasst. Ach
dass wir es doch packen, richtig packen und begreifen, dass Jesus unser
Leben total verändern kann.
Amen.
