Zum Inhalt

Eine Frau zuerst

Maria Magdalena begegnet Jesus
Johannes 20,11-18
Wenn dir gerade alles sinnlos vorkommt: Das leere Grab kann Verzweiflung oder Hoffnung bedeuten. Maria zeigt, wie Jesus Tränen sieht, beim Namen ruft und neues Leben schenkt.

Einleitung und thematischer Rahmen

Ladies first ist eine Benimmregel, mit der die meisten von uns wahrscheinlich aufgewachsen sind. Ladies first heißt übersetzt: Damen zuerst beziehungsweise Frauen zuerst. Diese Regel ist ja nie pauschal gemeint. Sie gilt nicht für jeden Moment und für jede Situation. Sie besagt aber, dass man aus Höflichkeit Frauen in ganz bestimmten Situationen den Vortritt lässt.
Der Klassiker ist ja das Einsteigen ins Auto. Ein Mann, der ein Gentleman ist, öffnet seiner Frau zuerst die Tür, lässt sie einsteigen, also Frauen zuerst, und dann steigt er auf der anderen Seite ins Auto. Bei einer Anrede oder bei einer Begrüßung ist es häufig ja auch so, dass man als Mann zu einer gemischten Gruppe von Leuten kommt und zuerst die Frauen begrüßt. Es ist kein Muss, aber es ist ein Zeichen von Höflichkeit. Und auch bei der Anrede „Sehr geehrte Damen und Herren“ heißt es ja eben nicht „Sehr geehrte Herren und Damen“, sondern auch da werden die Frauen zuerst genannt.
Ladies First entstammt nicht aus der Bibel oder so, aber es entspricht durchaus dem Gedanken, dass man Frauen mit Wertschätzung und Höflichkeit begegnet. Das entspricht ja durchaus biblischen Prinzipien. Dennoch müssen wir sagen: Es gibt Situationen, da sind wir Männer gefragt. Da heißt es: Männer zuerst, Männer voran, Männer sollen die Leitung übernehmen.
Dennoch möchte ich mit euch heute einen Bibeltext anschauen, in dem Gott nach dem Prinzip handelt: eine Frau zuerst. Und genauso lautet auch mein Predigtthema heute Morgen: Eine Frau zuerst.
Mein Predigttext kommt aus Johannes 20, Verse 11 bis 18. Ich mache weiter in meiner Predigtreihe aus dem Johannesevangelium: Menschen begegnen Jesus. Und heute Morgen schauen wir uns die Begegnung zwischen Jesus und Maria Magdalena an. Eine sehr bewegende Begegnung. Und wie Jonathan auch schon gesagt hat, soll es heute auch in den Anwendungen anlässlich des Muttertags etwas mehr um die Frauen gehen.
Von Maria Magdalena heißt es in Markus 16,9 ganz ausdrücklich: „Als er aber früh am ersten Wochentag auferstanden war, erschien er zuerst der Maria Magdalena.“ Also eine Frau zuerst. Maria Magdalena ist die erste Person, die dem auferstandenen Jesus begegnet. Das wird im Markusevangelium nur ganz kurz in einigen Worten geschildert. Im Johannesevangelium wird uns diese ganze Begebenheit zwischen Jesus und Maria Magdalena etwas ausführlicher geschildert, und genau das ist der heutige Predigttext.

Maria und ihre Niedergeschlagenheit

Er beginnt allerdings mit Marias Niedergeschlagenheit, und das ist mein erster Punkt: Maria, die niedergeschlagene Frau. Da heißt es in Vers 11: Maria aber stand draußen bei der Gruft und weinte.
Die heutige Predigt beginnt also mit einer Frau, die weint. Jetzt stellen wir uns wahrscheinlich die Frage: Wer ist diese Maria, und warum weint sie?
Maria Magdalena ist eine von vielen Marias, die wir in der Bibel kennenlernen. Sie gehört allerdings zu den drei prominentesten Marias. Die prominenteste Maria ist ja Maria, die Mutter Jesu. Dann gibt es noch die Maria, die Schwester von Martha und von Lazarus. Die kennen Bibelleser auch aus Johannes 11, aus Lukas 10, glaube ich. Und dann gibt es eben Maria Magdalena. Auch sie ist relativ bekannt. Sie trägt den Beinamen Magdalena, vermutlich deswegen, weil sie aus dem Ort Magdala kommt.
Von Maria Magdalena wissen wir, dass sie eine krasse Vergangenheit hatte. Maria Magdalena war besessen von sieben Dämonen. Ich stelle mir das schlimm vor, von einem Dämon besessen zu sein. In Maria waren sieben Dämonen drin. Das heißt, sie hat Schlimmes erlebt. Ihre Nächte waren heftig, wenn du Dämonen in dir hast. Maria hat schlimme Sachen getan, Maria hat schlimme Sachen gesehen, Maria war fremdgesteuert, sie war in Ketten. Und dann kam Jesus irgendwann in ihr Leben.
In dem Moment, wo Jesus in ihr Leben kam, machte er sie völlig frei, nicht nur ein bisschen frei, sondern er befreite sie vollständig von allem. Und Maria Magdalena wurde neu gemacht. Von dem Tag an, wenn wir die Evangelien richtig verfolgen, wich diese Maria Magdalena nie von Jesu Seite.
Wir lesen in Lukas 8, dass Maria gemeinsam mit einigen anderen Frauen beständig bei Jesus war und Jesus und die anderen Jünger versorgt hat. Sie hat ihre Fähigkeiten in den Dienst Jesu gestellt und gesagt: Ich bin immer dabei, und ich versorge euch. Maria hat verstanden: Wenn mich dieser Jesus freigemacht hat, dann will ich nur für ihn leben, dann gibt es für mich nichts anderes. Ich bin eine Nachfolgerin Jesu Christi, und ich weiche nie von seiner Seite.
Das ist Maria Magdalena. Und das sehen wir bis zum Schluss. Am Kreuz sind nicht mehr alle da, einige sind abgehauen. Maria Magdalena ist am Kreuz, und sie sieht, wie der Mann, der sie von allen Ketten befreit hat, für sie stirbt. Maria ist dabei. Aber sie ist nicht nur bei der Kreuzigung dabei, sie ist auch bei der Beerdigung dabei, bei der Grablegung. Das war vermutlich nur ein kleiner Kreis, in dem einige wenige dabei waren, als Jesus in die Gruft gelegt wird. Maria ist dabei. Sie hat Jesus in seinem Leben gedient, und sie dient ihm auch nach seinem Tod.

Das leere Grab und die falsche Deutung

Und jetzt fahren wir aus dem Zusammenhang aus Johannes 20, Vers 1. Da heißt es: An dem ersten Wochentag aber kommt Maria Magdalena früh, als es noch finster war, zur Gruft und sieht den Stein von der Gruft weggenommen.
Maria ist sonntags ganz früh schon zum Grab gegangen. Aus den anderen Evangelien erfahren wir, dass sie Öle dabei hatte. Sie wollte Jesus einbalsamieren. Sie wollte Jesus einen letzten Dienst erweisen. Und jetzt stellt sie fest: Der Stein ist weg.
Maria läuft zu den anderen Jüngern, das ist der Zusammenhang unseres Predigttextes, und sagt es ihnen: Der Stein ist weg. Sofort kommen Johannes und Petrus laufend zu dem Grab und stellen fest: Jawohl, die Frau hat recht, der Stein ist weg. Und wisst ihr, was Johannes und Petrus dann machen? Sie gehen wieder nach Hause.
Aber Maria bleibt da. Sie kann nicht einfach nach Hause gehen. Was ist los? Der Stein ist weg. Und dann heißt es in Vers 11: Maria aber stand draußen bei der Gruft und weinte.
Im Griechischen steht dieses Verb weinen im Präsens. Das heißt, hier wird eine Tätigkeit beschrieben, die anhält. Maria weint und weint und weint und weint und weint und kann gar nicht aufhören zu weinen. Das ist das, was der Text hier sagen möchte. Sie ist niedergeschlagen, eine Frau, die so fertig ist. Ihre Augen sind suchende Augen voller Tränen. Wo ist Jesus?
Da heißt es dann weiter: Als sie nun weinte, bückte sie sich vornüber in die Gruft und sieht zwei Engel in weißen Kleidern da sitzen, einen bei dem Haupt und einen bei den Füßen, wo der Leib Jesu gelegen hatte. Und jene sagen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.
Schaut mal, Maria schaut in dieses Grab hinein und sie sieht zwei Engel da sitzen. Ich glaube, da sind wir uns alle einig: Das ist keine Alltagserfahrung. Sie sieht Engel da sitzen, und die Engel stellen sie auch vor die Frage. Sie fragen: Warum weinst du? Und ihre Antwort lautet: Sie haben den Herrn weggenommen. Also sind sie wahrscheinlich irgendwelche Grabräuber. Sie haben den Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.
Wisst ihr, was aber vor allen Dingen erstaunt, wenn wir diesen Text lesen? Maria nimmt die Engel gar nicht zur Kenntnis. Ist euch das aufgefallen? Also nicht wirklich. Immer wenn in der Bibel Engel erscheinen, haben die Leute Angst. Sie fallen auf den Boden, sie sind erschüttert. Und Maria ist wahrscheinlich so in ihrer Trauer gefangen, dass sie die Frage einfach ganz trocken beantwortet. Die Engel fragen: Warum weinst du? Und sie realisiert die Engel nicht und sagt, warum sie weint: Jesus ist nicht mehr da.
Aber hier sehen wir auch das Herz von Maria. Sie sucht Jesus, sie wollte noch einmal Abschied nehmen, sie ist so niedergeschlagen, und ihre Hoffnung ist total erschüttert. Wir müssen uns vor Augen führen, Maria hat so vieles zu verarbeiten. Der Mann, der sie befreit hat von den Dämonen, der Mann, den sie für den Messias gehalten hat, stirbt. Jetzt ist er nicht mehr da, und sie will ihm zumindest einen letzten Dienst erweisen und seinen Leichnam einbalsamieren. Wahrscheinlich will Maria noch einmal so ganz bewusst Abschied nehmen.
Wisst ihr, einer der schmerzhaftesten Momente bei einer Beerdigung ist meistens folgender: Das kann man beobachten bei den Trauernden. Wenn der Sarg vorher offen war, ist der Moment, wo der Sarg zugemacht wird, für trauernde Menschen noch einmal ein ganz emotionaler Moment, weil man da auch den Leichnam dann nicht mehr sieht.
Ich kann mich an einen tragischen Todesfall erinnern, wo ein junger Mann mit Anfang dreißig ganz plötzlich verstorben ist. Und weil es so ein plötzlicher Tod war, musste die Leiche zur Polizei und wurde obduziert. Und deswegen durfte der Sarg nicht mehr offen sein. Die Mutter des Verstorbenen hat den Bestatter gebeten: Darf ich bitte zumindest noch einmal reinschauen und meinen Sohn sehen?
Genauso geht es Maria. Sie ist zum Grab gegangen mit der Hoffnung, den Mann, der mich befreit hat, zumindest noch einmal sehen zu können. Und der Stein ist weg, der Leichnam ist weg, und für Maria bricht eine Welt völlig zusammen. Ihre Hoffnung ist erschütternd, weil sie die geistliche Realität nicht sieht.

Glaube gegen Verzweiflung

Ich habe euch mal die Sichtweise von Maria hier mitgebracht, auf die Folie. Maria sieht: Das Grab ist leer. Das ist eine Feststellung. Und eine Feststellung muss interpretiert werden. Wir interpretieren alle möglichen Begebenheiten unseres Lebens.
Marias Interpretation des leeren Grabes ist: Der Leichnam wurde gestohlen. Und die Folge ist, sie ist niedergeschlagen. Ihre Niedergeschlagenheit basiert nicht auf dem leeren Grab, sondern auf ihrer Interpretation des leeren Grabes. Könnt ihr mir folgen? Und deswegen, wenn das bedeutet, der Leichnam ist einfach gestohlen worden, dann ist sie so niedergeschlagen.
Es gibt eine alternative Sichtweise, das ist die Sichtweise des Glaubens. Die Feststellung sehen wir daneben: Das Grab ist leer. Man könnte auch interpretieren: Jesus ist siegreich auferstanden. Dann wäre die Folge Freude. Aber Maria kann diese andere Interpretation noch nicht sehen.
In Johannes 20,9 heißt es über Maria und über die Jünger, denn sie verstanden die Schrift noch nicht, dass er aus den Toten auferstehen musste. Aber genau das erklärt ihre Niedergeschlagenheit.
Schaut mal: Ohne Auferstehung macht alles keinen Sinn. Ich habe euch mal ein Bild von einem Kartenhaus mitgebracht. Ich möchte mal die Behauptung hier aufstellen, dass wir alle unser Leben ein Stück weit wie so ein Kartenhaus aufbauen. Wir versuchen alle, uns irgendwie einen Sinn aus diesem Leben zu machen.
Entscheidend sind die Stützen. Wir alle haben Stützen in unserem Leben, auf denen wir aufbauen, anders ergibt alles keinen Sinn. Die Stützen in unserem Leben, die Stützen in deinem Leben, sind Dinge, die du glaubst. Dinge, die du für wahr hältst, das sind Stützen in deinem Leben. Es sind Dinge, die du liebst. Es sind liebe Menschen in deinem Leben, die dir vielleicht einen gewissen Halt geben. Es sind Dinge, es sind Ereignisse, die dir guttun. All das werden Stützen in unserem Leben.
Aber bei einem Kartenhaus ist die unterste Reihe ganz entscheidend. Wenn man da eine Karte rauszieht, fällt das ganze Kartenhaus zusammen. Und schau mal: Wenn du die Auferstehung aus seinem Leben rausnimmst, fällt eigentlich der ganze Sinn deines Lebens zusammen. Ohne Auferstehung gibt es keinen Sinn im Leben.
Die Welt möchte uns deutlich machen: Jeder Mensch muss für sich irgendwie den Sinn finden. Du findest den Sinn für dich, und ich finde den Sinn für mich. Aber dann ist Sinn einfach nur etwas Subjektives, was uns irgendwie helfen soll, so im Sinne von Opium fürs Volk durchs Leben zu kommen und das Leben irgendwie zu bewältigen. Aber es muss doch einen Sinn außerhalb von uns geben, einen echten Halt, an den wir uns klammern können.
Schaut mal: Wenn Jesus nicht auferstanden ist, wenn das leere Grab bedeutet, der Leichnam wurde weggenommen, dann gibt es auch kein Leben nach dem Tod, oder? Dann leben wir hier alle 80, 90 Jahre, wenn es hochkommt, und dann ist unsere Existenz für immer vorbei. Dann macht das Leben nicht wirklich Sinn. Dann ist ja jeder Geburtstag auch für uns einfach nur eine Erinnerung: Wir sind ein Jahr wieder näher am völligen Ende unserer Existenz. Dann macht vieles keinen Sinn, wenn du das mal durchdenkst.
Und vielleicht geht es dir ähnlich wie Maria. Vielleicht ist dein Leben ein Stück weit auseinandergefallen. Vielleicht bist du momentan auf der Suche, auf der Suche nach Sinn, auf der Suche danach, was dich wieder ganz neu halten kann. Vielleicht läufst auch du momentan durch das Leben mit suchenden Augen voller Tränen, weil irgendwie so wenig Sinn macht und weil du irgendwie einen Halt suchst, weil du Sicherheit suchst.
Vielleicht sind Träume in deinem Leben geplatzt. Vielleicht bist du gerade ziemlich desillusioniert und stellst fest: Diese Welt ist nicht sicher. Das stellen wir gerade in den letzten Monaten fest. Diese Welt ist nicht sicher, sie kann schneller zu Ende sein, als wir vielleicht meinen. Da muss es doch etwas geben, was uns wirklich Halt gibt, über dieses Leben hinaus.
Und das macht nur Sinn, wenn Jesus auch auferstanden ist. Das macht nur Sinn, wenn das leere Grab bedeutet: Jesus hat den Tod besiegt. Und damit gibt es auch für uns, für mich und für dich, ein Leben nach dem Tod. Lass mich dir etwas sagen: Jesus lebt, und er möchte dir begegnen. Und genau das sehen wir in den nächsten Versen: Er begegnet Maria.

Die Begegnung mit dem Auferstandenen

Das führt uns zum zweiten Punkt der Predigt: Maria, die gesehene und gerufene Frau. Zuerst schauen wir uns Maria an, die gesehene Frau.
Da heißt es in Vers 14: Als sie dies gesagt hatte, wandte sie sich zurück und sieht Jesus dastehen; und sie wusste nicht, dass es Jesus war. Interessanter Vers, oder? Was mich an diesem Vers so beeindruckt, ist: Mitten in der Verzweiflung kommt Jesus hinein. Jesus ist da, wo Menschen verzweifelt sind. Aber Maria erkennt ihn nicht. Das ist spannend. Warum nicht?
Das haben wir immer wieder in den Evangelien, dass Leute nach der Auferstehung Jesus erst einmal nicht erkennen. Vielleicht kennen einige von euch die Emmausjünger, den Bericht. Die waren die ganze Zeit mit Jesus unterwegs und haben ihn nicht erkannt. Erst als Jesus das Brot bricht und das Abendmahl mit ihnen feiern möchte, erkennen sie: Es ist der Herr.
Genauso auch in Johannes 21: Jesus ist am Ufer, er macht ein Lagerfeuer und er macht Frühstück für seine Jünger. Und sie sind im Boot und erkennen nicht, dass es Jesus ist. Die Frage ist aber hier in Vers 14: Warum erkennt Maria nicht, dass es Jesus ist?
Da gibt es unterschiedliche Auslegungsmöglichkeiten. Die Auslegungsmöglichkeit, die eigentlich offenkundig ist und am wahrscheinlichsten erscheint, ist, dass sie ihn nicht sieht, weil ihre Augen voller Tränen sind. Deswegen erkennt sie Jesus nicht. Vor lauter Tränen kann sie Jesus nicht erkennen.
Ich habe euch mal ein Bild mitgebracht, ein Bild, das eigentlich ein Jesusbild ist, zumindest der Jesus, wie ihn Künstler sich vorgestellt haben. Und wir sehen ihn aber nicht richtig, Jesus ist verschwommen. Weißt du was? Auch als Kinder Gottes gibt es Phasen in unserem Leben, in denen wir Jesus nicht mehr klar sehen können, weil unsere Augen voller Tränen sind.
Und vielleicht gehst du momentan durch so eine Zeit. Du weinst so viel in letzter Zeit und kannst Jesus nicht mehr sehen. Warum haben wir noch keine Kinder? Bis der Muttertag ist für einige Frauen auch hier in unserer Gemeinde ein sehr, sehr schwerer Tag, weil sie so gerne Mütter wären, seit Jahren, und es nicht können. Jesus, wo bist du?
Vielleicht ist es die schwierige Ehe. Jesus, meine Ehe ist so kompliziert seit Jahren, und irgendwie änderst du nichts. Ich bete, ich bete, ich weine. Bitte greif ein in meiner Ehe. Und sie ist die Hölle auf Erden. Weinende Augen, voller Tränen, die Jesus nicht mehr klar sehen.
Warum bin ich immer noch allein? Ich verzweifle ohne einen Partner. Ich bete so viel dafür, dass Gott mir einen gottesfürchtigen Mann schenkt. Und mein Wunsch ist doch gut, ich will nicht irgendeinen Mann. Ich will einen Mann, der Gott gefällt. Jesus, bitte schenk ihn mir. Ich komme nicht klar mit meiner Einsamkeit. Du siehst Jesus nicht mehr deutlich, weil deine Augen voller Tränen sind.
Warum sind meine Kinder immer noch auf dem falschen Weg? Ich will nicht, dass sie verloren gehen. Ich bete jeden Abend für meine Kinder und ich schreie zu Gott für sie, dass sie gerettet werden. Und sie sind immer noch auf dem falschen Weg. Jesus, wo bist du? Ich kann dich nicht mehr sehen.
Warum stecke ich so in Depressionen fest und komme nicht mehr raus? Meine Welt ist grau geworden. Einige Frauen aus der Ukraine weinen die Tränen über ihren Mann, der an der Front sein muss und nicht mit ihr hier in Deutschland ist. Jesus, wo bist du? Ich sehe dich nicht mehr klar.
Maria weint diese Tränen. Und weil sie weint, kann sie Jesus nicht erkennen. Aber schaut mal: Die objektive Wahrheit ist, Jesus ist da. Jesus ist da, und er ist sogar direkt neben ihr. Inmitten der Verzweiflung kommt Jesus und steht neben Maria Magdalena. Maria kann Jesus vor lauter Tränen nicht sehen, aber er sieht Maria.
Und weißt du was? Das möchte ich dir mitgeben: Wichtiger als dass du Jesus siehst, ist, dass er dich sieht. Und das tut er. Er sieht dich. Er sieht dich immer, zu jeder Zeit. Maria kann vor lauter Tränen Jesus nicht erkennen, aber gleich gibt er sich ihr zu erkennen. Das ist eine wunderbare Wahrheit in unserem Leben. Übrigens nicht nur für Frauen, auch für Männer, aber ich spreche vor allen Dingen zu Frauen: Gott lässt deine Tränen nicht unberührt.
Im Alten Testament gibt es die Begebenheit von Hagar. Hagar war eine Frau, die von ihrem Mann verstoßen wurde. Er hat sie wortwörtlich in die Wüste geschickt. Hagar weint die Tränen einer verstoßenen Frau, ihr Mann hat sie weggeschickt, ihr Mann wollte sie nicht mehr. Dazu ist sie auch noch alleinerziehend. Hagar weint die Tränen einer alleinerziehenden Mutter. Und Hagar begegnet Gott in der Wüste. Hagar sagt in 1. Mose 16,13 dann: nannte sie den Namen des Herrn, der zu ihr geredet hatte: Du bist ein Gott, der mich sieht. Hagar, die gesehene Frau.
Ich denke aber auch an die Tränen von Hanna. Hanna weint Tränen, weil sie so gerne Mutter werden will und nicht Mutter ist. Und sie weint, aber Gott sieht ihre Tränen. Ich denke an Johannes 11, wir können weitermachen: Die Bibel ist voll davon, dass Gott Tränen sieht und dass er mitfühlt.
In Johannes 11 kommt Jesus auf eine Beerdigung, und Jesus stellt uns das Wesen Gottes dar. So wie Jesus ist, so ist Gott, weil er Gott ist. Und Jesus kommt auf diese Beerdigung, und da heißt es in Vers 33: Als nun Jesus sah, wie sie weinte – wisst ihr, wer sie ist? Maria, Maria, die Schwester von Martha, nicht Maria Magdalena – sah er Maria weinen, weil sie einen Bruder beerdigen musste. Und als er die Juden sah, die mit ihr gekommen waren und weinten, seufzte er im Geist und wurde bewegt.
Weißt du, was ich daraus schließe? Gott lässt deine Tränen nicht unberührt. Wenn du weinst, dann bewegt ihn das. Maria kann vor lauter Tränen Jesus nicht wirklich sehen, aber er sieht Maria.
Bruder Lorenz, der im 17. Jahrhundert in Frankreich lebte, hat einmal gesagt: Ihr müsst nicht laut weinen, Gott ist uns näher, als uns bewusst ist. Lass mich dir heute Folgendes sagen: Wenn du weinst, weinst du niemals allein. Jesus ist da. Jesus ist da und er sieht dich.
Vielleicht weinst du manchmal nachts, wenn du nicht schlafen kannst, und deine Tränen fallen in dein Kopfkissen. Vielleicht schläft dein Ehepartner neben dir, vielleicht bist du allein in deiner Wohnung. Du weinst die Tränen, aber weißt du was? Einer ist mit im Schlafzimmer: Es ist Jesus, der dich sieht, der deine Tränen sieht.
Vielleicht verdrückst du dich tagsüber manchmal in ein Zimmer, wo du heimlich weinen kannst, weil die Kinder echt kompliziert sind, weil du als Mutter die ganze Last der Verantwortung irgendwie auf dir spürst. Dein Mann ist passiv, und du merkst: Ich will die Starke sein, ich will hier meine Familie weiter irgendwie am Laufen halten, aber ich schaffe es nicht. Meine Schultern sind nicht stark genug, um die ganze Verantwortung zu tragen. Und du gehst in ein einsames Zimmer, um mal eine Runde zu weinen.
Weißt du was? Wer noch im Zimmer ist, ist Jesus. Jesus ist da, er sieht dich. Du bist eine gesehene Frau. Wenn du vor lauter Tränen Jesus nicht mehr siehst, sieht er immer noch dich.

Der Ruf beim Namen und die neue Perspektive

Aber das Schöne ist auch: Es bleibt nicht nur beim Sehen. Maria ist nicht nur die gesehene Frau, sie ist auch die gerufene Frau. Da heißt es in Vers 15, Jesus spricht zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du?
Was weinst du? Das ist vielleicht im ersten Moment manchmal missverständlich, je nachdem, wie man es betont. Frau, was weinst du? Es hört sich dann eher harsch an. Wir verstehen das vielleicht im ersten Moment so: Huh, das ist aber eine ziemlich komische Anrede. Frau, was weinst du?
Wir müssen uns aber die Frage stellen: Wie war es damals gemeint, als Jesus das gesagt hat, und wie hat Maria es aufgefasst? Maria wird diese Frage, Frau, was weinst du?, als ein höfliches und liebevolles Interesse eines Unbekannten gewertet haben. Jesus ist höflich, ist liebevoll, und er stellt Maria genau zwei Fragen: Warum weinst du? Und wen suchst du?
Die Frage Warum weinst du? ist eigentlich eine milde Korrektur an Maria. Maria, es gibt keinen Grund zu weinen. Warum weinst du? Ich bin hier. Mit anderen Worten: Das hängt mit der zweiten Frage zusammen, wen suchst du? Maria, überleg mal: Welchen Messias suchst du? Welchen Retter suchst du? Suchst du wirklich einen toten Jesus?
Wisst ihr, unsere Niedergeschlagenheit hängt häufig mit unserem Jesusbild zusammen. Wie groß ist Jesus in unserem Leben? Ist er unser Retter, oder suchen wir gerade einen anderen Retter, dann können wir nur frustriert werden. Wie groß denkst du über Jesus?
Maria sucht den Leichnam, und in dem Moment hat sie eine falsche Vorstellung von Jesus, und sie erkennt Jesus nicht. Da heißt es dann weiter im Text: Sie in der Meinung, es sei der Gärtner. Also, das ist ein Riesenunterschied, oder? Vor ihr steht der König aller Könige, der, der den Tod besiegt hat, der Sieger des Universums, und sie verwechselt ihn mit einem Gärtner.
Aber sie kann es gerade nicht, und wir wollen hier jetzt nicht zu harsch mit Maria ins Gericht gehen. Sie sieht es gerade nicht. Sie denkt, es ist der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, wenn du ihn weggetragen hast, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast, und ich werde ihn wegholen.
Sie kommt plötzlich auf die Idee, vielleicht war es der Gärtner. Bitte sag mir, wo du ihn hingelegt hast, dann will ich ihn wegholen. Nein, Maria, das schaffst du nicht. Du kannst die Leiche nicht alleine tragen als Frau. Aber sie ist drin in ihrer Verzweiflung. Ihre Trauer vernebelt ihr die Sicht auf vielerlei Weise, und jetzt genau ist der Zeitpunkt gekommen, wo Jesus eingreift.

Die Berufung und der Auftrag

Vers 16 ist der absolute Höhepunkt in unserem heutigen Predigttext. In Vers 16 heißt es: Jesus spricht zu ihr: Maria. Sie wendet sich um und spricht zu ihm auf Hebräisch: Rabbuni, das heißt Lehrer.
Schaut mal: In dem Moment, wo Jesus sie beim Namen ruft, Maria, fällt es ihr wie Schuppen von den Augen. Plötzlich kann sie sehen, weil er sie beim Namen gerufen hat, kann sie sehen. Und indem Jesus sie beim Namen ruft, steckt ja so viel drin, oder? Was signalisiert Jesus alles mit diesem einen Wort? Maria. Jesus sagt ihr damit: Maria, ich bin hier. Maria, ich bin von den Toten auferstanden. Maria, ich lebe. Maria, ich kenne dich immer noch sehr persönlich. Maria, ich liebe dich immer noch. All das schwingt hier mit in einem Wort: Maria.
In Johannes 10 heißt es von Jesus als dem guten Hirten: Diesem öffnet der Türhüter, und die Schafe hören seine Stimme. Und er ruft die eigenen Schafe mit Namen und führt sie heraus. Wenn er die eigenen Schafe alle herausgebracht hat, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen. Jesus ruft Maria mit Namen, und sie hört seine Stimme. Er kennt sie beim Namen, und sie folgt ihm, weil sie seine Stimme einordnen kann.
Sie wendet sich um und spricht zu ihm auf Hebräisch: Rabbuni. Das heißt Lehrer, wortwörtlich sogar: mein Lehrer. Und sofort ist ihre Verzweiflung weg. Und genau hier erfüllt sich das, was Jesus vorher in Johannes 16 gesagt hat. In Johannes 16,20 sagt Jesus: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, dass ihr weinen und wehklagen werdet, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, aber eure Traurigkeit wird zur Freude werden.
Marias Traurigkeit ist durch die Begegnung mit dem Auferstandenen plötzlich weg, von jetzt auf gleich. Vor ihr steht der, der sie schon mal beim Namen gerufen hat. Vor ihr steht der, der sie von dämonischen Bindungen befreit hat, der die Ketten gesprengt hat, der, dem sie ihre Freiheit verdankt, der ihrem Leben Sinn gegeben hat. Vor ihr steht der Mann, der sie gemacht hat, der Mann, der sie neu gemacht hat, der Mann, der für sie gestorben ist am Kreuz, der, der sie so liebt wie kein anderer, der siegreich auferstanden ist und der ihren Namen so ausspricht, wie niemand sonst ihren Namen ausspricht: Maria.
Er ruft Maria beim Namen. Und das ist genau das, was in Jesaja 43,1 heißt: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Und genau daran möchte ich dich heute erinnern. Du wurdest persönlich von Jesus mit deinem Namen gerufen.
Wenn du häufig mit Niedergeschlagenheit zu kämpfen hast und vielleicht ist es momentan echt schwer in deinem Leben, dann gibt es den einen in deinem Leben, der den Tod besiegt hat, der dir echte Hoffnung gegeben hat und der dich beim Namen ruft. Darf ich dir mal die Frage stellen: Warum weinst du und wen suchst du? Wen suchst du? Such dir keinen anderen Retter.
Das, was jede Frau, was jede Mutter, aber natürlich auch alle anderen Menschen brauchen, ist eine klare Sicht für den Auferstandenen. Weißt du, wenn Jesus lebt, dann hat er den Tod besiegt. Und dann hat alles in deinem Leben einen Sinn. Dann wird aus Angst Zuversicht, dann wird aus Niedergeschlagenheit Freude, dann wird aus Sinnlosigkeit Perspektive, dann wird aus Ausweglosigkeit Hoffnung.
Bitte versteht das nicht falsch, aber das, was jede Frau, was jede Mutter und was jeder Mensch eigentlich braucht, ist nicht in erster Linie in der Niedergeschlagenheit eine Verbesserung der Lebensumstände. Dafür beten wir gerne, dass das in deinem Leben eintritt. Aber das, was du vor allen Dingen brauchst, ist eine klare Sicht auf den auferstandenen Jesus, der dich liebt, der gesiegt hat und der dich bei deinem Namen gerufen hat.
Diese Sicht brauchst du: einen großen Jesus, der der Herr ist, der der Retter ist, der dich liebt und der einen Plan für dein Leben hat. Vielleicht musst du dich dabei ertappen, dass Jesus bisher in deinem Leben kaum eine Rolle gespielt hat, dass Jesus in deinem Leben eher eine Randfigur war, und du versuchst, dein Leben irgendwie selbst zu retten, du versuchst, dein Leben selber irgendwie im Griff zu haben.
Weißt du was? Ich möchte dir heute sagen: Lass los. Hör auf, dein Leben irgendwie selber meistern zu wollen. Du brauchst einen Retter. Das ist Jesus Christus. Und ich möchte dich einladen, diesem Jesus heute dein Leben anzuvertrauen, dass du sagst: Wenn du auferstanden bist, Jesus, dann hast du eine Lösung für mein ganzes Leben. Und ich kann mit meinen Sünden zu dir kommen, weil ich weiß, ich bin Sünder. Und ich will dir meine Sünden bekennen und dir mein Leben anvertrauen. Bitte komm du in mein Leben.
Weißt du was? Wenn du diese Entscheidung heute treffen möchtest, lade ich dich ein, im Anschluss an den Gottesdienst zurückzubleiben. Du brauchst vor allen Dingen Jesus in deinem Leben.

Der Auftrag an die Welt

Vorher kommen wir aber noch zum dritten Punkt: Maria ist auch eine beauftragte Frau. Da heißt es in Vers 17: Jesus spricht zu ihr: Rühre mich nicht an, denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sprich zu ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater und zu meinem Gott und eurem Gott.
Das fühlt sich hier im ersten Moment wie ein Bruch in der Geschichte an, oder? Rühr mich nicht an! Irgendwie war alles gerade so wow: Sie erkennt Jesus, sie kann ihn plötzlich klar sehen, sie freut sich – und dann: Rühr mich nicht an! Moment, wie ist der Text zu verstehen?
Hier hilft es, noch tiefer zu bohren. Das möchte ich noch einmal mit euch anschauen. Manchmal hilft es, in den griechischen Text zu schauen. Das Wort „rühr mich nicht an“, also dieses Anrühren, kann auch bedeuten: festhalten. Es ist ein Verb, und das steht wieder im griechischen Präsens. Das hatten wir heute schon einmal. Bei welchem Wort? Beim Weinen. Und es bezeichnet einen anhaltenden Zustand: Sie weint, sie weint, sie weint.
Und was Jesus hier mit Maria macht, ist: Er will ihr deutlich machen, in erster Linie nicht, dass sie nicht anfangen soll, etwas zu tun, sondern dass sie aufhören soll, etwas die ganze Zeit zu tun. Dann machen auch die anderen Verse Sinn. Denn schaut mal: Auch andere durften Jesus nach der Auferstehung anfassen. In Matthäus 28,9 sehen wir Folgendes: Und siehe, Jesus kam zu ihnen entgegen und sprach: Seid gegrüßt! Sie aber traten zu ihm und umfassten seine Füße und warfen sich vor ihm nieder. Die haben Jesus angefasst nach der Auferstehung.
Und dann auch noch einmal in Johannes 20,27. Da sagt Jesus dem Thomas, er lädt ihn sogar ein: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig. Warum sollte Jesus allen ermöglichen, ihn auch nach der Auferstehung anzufassen, und nur Maria sagen: Du rührst mich nicht an? Es macht alles viel mehr Sinn, auch gerade vom Griechischen her, dass er hier eigentlich deutlich machen möchte: Maria, hör auf, mich die ganze Zeit festzuhalten.
Und so übersetzen auch einige Übersetzungen. Zum Beispiel hat die Einheitsübersetzung: Halte mich nicht fest. Oder die NGÜ übersetzt ebenfalls: Halte mich nicht fest, ich bin noch nicht zum Vater in den Himmel zurückgekehrt. Also wahrscheinlich hat Maria Jesus nicht mehr loslassen wollen, das war der Punkt. Und hier sehen wir ja auch Marias Emotionen: Erst weint sie und weint sie und weint sie, weil sie Jesus nicht sieht. Jetzt sieht sie Jesus, und sie hält ihn fest, hält ihn fest, hält ihn fest.
Und Jesus möchte deutlich machen: Ich bin noch nicht final zum Vater aufgefahren. Mit anderen Worten: Maria, wir werden auch noch andere Möglichkeiten haben, uns hier auf der Erde zu sehen. Maria, hör auf, mich festzuhalten. Es geht nicht nur darum, dass du mich hast, sondern Maria, geh und sag es jetzt auch den anderen, dass ich auferstanden bin. Geh aber hin zu deinen Brüdern und sprich zu ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater und zu meinem Gott und eurem Gott.
Maria Magdalena kommt und verkündet den Jüngern, dass sie den Herrn gesehen und er dies zu ihr gesagt hat. Was für ein Privileg für Maria, oder? Ich meine, das ist die gewaltigste Botschaft, die im Universum je ausgesprochen wurde: Jesus ist auferstanden. Und diese Botschaft hat zuerst eine Frau bekommen. Sag es weiter – einer Frau zuerst, dass ich auferstanden bin. Eine wunderbare Botschaft, natürlich eine sehr spezifische Situation, ein sehr spezifischer Auftrag. Aber lasst uns mal für uns heute ein allgemeines Prinzip daraus formulieren: Wenn du dem Auferstandenen begegnet bist, dann sollst du ihn nicht nur für dich festhalten, sondern anderen Menschen davon erzählen.
Und in diesem Sinne bist auch du eine beauftragte Frau wie Maria. Gott möchte dich gebrauchen. Gott möchte, dass du dein Christsein nicht einfach nur für dich selbst lebst nach dem Motto: Hauptsache, ich habe Jesus und ich halte ihn fest. Das ist wichtig, Jesus festzuhalten, natürlich. Aber du hast einen Auftrag für andere, die ihn noch nicht kennen.
Sammy Tippett schreibt in seinem Buch Feuer in deinem Herzen Folgendes: Viele christliche Taten, die ich auf der Erde tue, werde ich auch im Himmel tun. Ich bete, ich werde im Himmel beten. Ich singe, ich werde im Himmel singen. Ich diene Gott, ich werde Gott im Himmel dienen. Eins werde ich im Himmel nicht können: die Verlorenen zu Jesus bringen. Es wird zu spät sein. Mein Herz muss jetzt für die Verlorenen entflammt sein.
Da möchte ich dich als Frau und als Mutter heute auch ermutigen und dir zusprechen: Du bist beauftragt. Gott hat dir eine Botschaft ans Herz gelegt. Wenn du dem Auferstandenen begegnet bist, sag es weiter. Und da hast du gerade als Frau so viele Möglichkeiten. Lydia in der Apostelgeschichte nutzt ihr Haus, sie nutzt die Gastfreundschaft, um mit den Frauen in ihrem Umfeld Jesus zu teilen. Was für Möglichkeiten hast du?
Wissen deine Nachbarinnen schon, dass du Jesus begegnet bist, dem Auferstandenen? Hast du es ihnen schon gesagt? Deinen Arbeitskolleginnen? Mütter aus dem Kindergarten oder aus dem Fußballverein? Hast du es ihnen gesagt? Du bist beauftragt.
Wenn du Mutter bist, das möchte ich hier auch noch einmal deutlich machen, beginnt dein Auftrag zu Hause. Wenn du Mutter bist, beginnt dein Auftrag zu Hause, in deinen eigenen vier Wänden. Er ist nicht auf dein Zuhause beschränkt, aber da beginnt er. Und gerade in einer Zeit, in der es Trend ist, Kinder möglichst schnell abzugeben, um wieder selbst die persönliche Karriere zu verfolgen, möchte ich dich als Mutter heute auch vor allem ermutigen: Du hast eine unglaublich hohe Berufung. Du bist Missionarin. Jede Mutter ist Missionarin.
Und ich möchte dich ermutigen: Sei zu Hause, wenn du finanziell, wenn ihr das leisten könnt, bleib zu Hause. Sei da für deine Kinder, wenn sie aus der Schule kommen. Sei da für deine Kinder, weil das Evangelium nicht nur durch Worte vermittelt wird, sondern auch durch ein Dasein, durch eine Aura, durch dein Leben. Dafür musst du zu Hause sein. Ich möchte dich darin ermutigen, darin keine geringere Berufung zu sehen, als irgendwo ganz groß Gott an der Front zu dienen oder Karriere zu machen.
Die höchste Berufung für eine Mutter ist, täglich Missionarin zu sein und ihre Kinder in die Gegenwart des Auferstandenen zu bringen, jeden Tag. Ihr Lieben, ich bin so dankbar für meine Mutter. Ich würde heute nicht hier stehen, wenn meine Mutter uns nicht täglich mit dem Evangelium geprägt hätte. Wenn sie nicht täglich auf die Knie gegangen wäre, um für uns zu beten, dass Gott die Kinder rettet. Mama, danke an dieser Stelle.
Eine Mutter hat so unglaublich ... Der Applaus galt noch einmal allen Müttern hier im Raum, die das so leben. Und deswegen möchte ich dich abschließend ermutigen: Du hast so einen unglaublich hohen Auftrag. Jesus hat dir so einen Sinn im Leben gegeben, die beste Botschaft, die es gibt, zu vermitteln. Und es beginnt zu Hause bei deinen Kindern.
Was ich abschließend uns allen aber auch noch einmal mitgeben möchte, ist: Wenn du gerade viele Tränen weinst, wenn du gerade durch so eine schwere Zeit der Niedergeschlagenheit gehst, schau nicht auf dich, schau nicht auf deine Probleme, schau nicht auf deine Lebensumstände. Richte deine Augen auf den auferstandenen Jesus, der siegreich ist, der der Herr ist, der alles in deinem Leben im Griff hat, der eine gute Absicht für dein Leben hat, der dich beim Namen gerufen hat und der dich gebrauchen möchte.
In diesem Sinne: Bitte geh in die neue Woche mit dem Auftrag und bekenne Jesus Christus als den Auferstandenen. Amen.