Serie•Teil 1 / 6Echtsein
Generierte Mitschrift
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Einleitung: Erinnerung an das Fundament
Der Apostel Petrus betont im zweiten Petrusbrief, wie wichtig es ist, dass man sich immer wieder an die Grundlagen erinnert. Er schreibt: Deshalb will ich Sorge tragen, euch immer an diese Dinge zu erinnern, obwohl ihr sie wisst und in der bei euch vorhandenen Wahrheit gefestigt seid.
Also: Er schreibt gläubigen Christen. Sie wissen die Dinge eigentlich schon, die Petrus ihnen schreibt. Aber er schreibt sie trotzdem noch einmal. Er sagt: Mir ist es wichtig, Sorge dafür zu tragen, euch immer wieder an diese Dinge zu erinnern, obwohl ihr sie wisst und obwohl ihr in dieser Wahrheit befestigt seid.
Das ist für mich der Grund, warum ich in den nächsten Wochen, wenn ich mit Predigten dran bin, etwas über Basics machen möchte, über Grundlagen. Wir werden uns über Grundlagen unterhalten, von denen ich denke, dass wir sie wissen. Die meisten werden drinsitzen und sagen: Ja, ja, kenne ich. Ich glaube, es wird ganz wenige geben, die sagen: Oh, ja, toll. Einfach nur, weil es Grundlagen sein werden. Wir wissen sie. Ich hoffe, dass wir in diesen Grundlagen befestigt sind, und trotzdem ist es immer wieder gut, daran erinnert zu werden.
Und der Titel meiner Predigt heute lautet: „Echtsein Teil 1: Die enge Pforte“.
Es geht mir tatsächlich um die Frage, was es heißt, Christ zu sein beziehungsweise Christ zu werden. Denn von Natur aus ist kein Mensch ein Christ. Wir sind nicht alle von Natur aus Kinder Gottes. Wir sind Geschöpfe Gottes. Aber Kind Gottes, ein Jünger Jesu, das muss man werden. Und die Frage ist: Wie?
Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir verstehen, was an Ostern eigentlich passiert ist. Jetzt haben wir die Osterbotschaft gerade letzte Woche gehört. Also zu sagen, ihr wüsstet nicht, was an Ostern passiert ist, ist ein Stück weit absurd. Wir wissen: Gott wird Mensch. Jesus von Nazaret ist Gott im Fleisch, Gott in der Gestalt eines Menschen. Wir haben uns vor kurzem in einer ganzen Predigt Gedanken darüber gemacht, wie wichtig es ist, das zu verstehen.
Und dieser Mensch, Jesus von Nazaret, der selbst keine Sünden tut, stirbt für andere an einem Kreuz. Er gibt sein Leben stellvertretend für andere, für Sünder. Jesus nimmt die Strafe für meine bösen Taten auf sich. Er stirbt. Er bezahlt durch seinen Tod für meine Schuld. Und nachdem er genug gelitten hat, wird er wieder lebendig.
Und das ist es, was wir letzte Woche gefeiert haben: dass Gott am Kreuz von Golgatha meine Schuld nimmt, sie begleicht und wieder lebendig wird und mir ein ganz neues Leben anbietet.
Das Evangelium als Botschaft vom Reich Gottes
Und jetzt möchte ich diese Osterbotschaft einmal einfach nur mit anderen Worten ausdrücken, mit Worten, die wir vielleicht selten verwenden.
Ihr alle wisst, dass Jesus das Evangelium gepredigt hat. Ich hoffe, ihr wisst das. Wir haben jetzt ja das Neue Testament gelesen, und wir sind gerade mitten in der Apostelgeschichte. Also eigentlich habt ihr schon das mit den Evangelien gelesen. Und wenn Jesus selbst das Evangelium predigt und wenn seine engsten Mitarbeiter davon berichten, dann tut er das mit folgenden Worten.
Ich bringe mal zwei Zitate. Das erste aus Matthäus, Kapitel 9, Vers 35. Da beschreibt Matthäus es so: Und Jesus zog umher durch alle Städte und Dörfer und lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium des Reiches.
Also, ich weiß nicht, wie es euch geht, wenn ihr so etwas lest, ja? Das klingt erst einmal komisch. Jesus zog umher durch alle Städte und Dörfer und lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium des Reiches, Evangelium des Reiches. Das ist eine ganz komische Formulierung.
Und dann in Markus, Kapitel 1, die Verse 14 und 15, so eine ähnliche Formulierung. Da heißt es: Und nachdem Johannes überliefert war – gemeint ist Johannes der Täufer –, kam Jesus nach Galiläa und predigte das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahegekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium.
Merkt ihr wieder diesen komischen Begriff Reich Gottes? Jesus predigt, und er predigt das Evangelium. Und das, was er sagt, ist: „Hey, hört her, die Zeit ist erfüllt. Hier kommt etwas zu einem Abschluss. Das Reich Gottes ist nahegekommen, und die Aufforderung lautet: Tut Buße und glaubt an das Evangelium.“ Also, es wird das Evangelium vom Reich Gottes gepredigt, und die Aufforderung ist: Tut Buße und glaubt an das Evangelium. Glaubt daran, dass das Reich Gottes da ist.
Warum betone ich das? Ich betone das deshalb, weil das Evangelium in der Bibel nicht, wie man leicht meinen könnte, die frohe Botschaft von der Liebe Gottes ist. Das finden wir meines Wissens nirgends im Neuen Testament. Das Evangelium ist ein Evangelium vom Reich Gottes.
Das Wort Evangelium, das eigentlich vom griechischen Wort euangelion herkommt, ist ein Begriff, der zu seiner Zeit für Nachrichten aus dem Kaiserhaus gebraucht wurde. Wir kennen Evangelium nur in Verbindung mit der Bibel, aber damals, als die Leute zum ersten Mal sagten Evangelium, war das eigentlich eine Verlautbarung aus dem Kaiserhaus. Es ist ein zutiefst politischer Begriff.
Und wenn Jesus deshalb formuliert: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahegekommen, tut Buße und glaubt an das Evangelium, dann spricht er inhaltlich davon, dass Gott mitten in einer Welt, die vom Teufel beherrscht wird, sein neues Gegenreich aufrichtet, seinen König einsetzt und den Menschen gebietet, jetzt umzukehren und sich ihm anzuschließen.
Es ist eigentlich eine zutiefst politische Botschaft, das Evangelium, das Jesus predigt. Und genau das ist an Ostern passiert.
Ihr könnt Psalm 2 lesen, und ich könnte euch mit Psalm 2 zeigen, dass dort der Psalmist etwas feiert, was uns vielleicht letzte Woche ein Stück aus den Augen verloren gegangen ist. An Ostern findet nämlich die Einsetzung eines Königs statt. Tod und Auferstehung ist die Krönung des ewigen Königs, und das geschieht an Ostern.
Zwei Reiche und ihre Gegensätze
Seit Ostern gibt es nicht nur das Reich der Finsternis, sondern daneben auch das Reich Gottes. Maggie und ich haben euch das einmal ein bisschen dargestellt: Es gibt ein Reich der Finsternis, und es gibt ein Reich Gottes. Und wie gesagt: Das Gelbe, das Reich Gottes, gibt es erst seit Ostern.
Wir schauen uns die beiden Reiche einmal an. Maggie ist hier meine Assistentin, das wird jetzt ganz lustig. Wir haben das vorher nicht geprobt.
Auf der einen Seite steht das Reich der Finsternis. Seit wann gibt es dieses Reich? Es gibt das Reich der Finsternis seit dem Sündenfall. Auf der anderen Seite steht das Reich Gottes. Und wie ich gerade gesagt habe: Das Reich Gottes hat an Ostern so richtig angefangen. Da hat Gott sein Reich aufgerichtet und seinen König eingesetzt.
Im Reich der Finsternis, also auf der linken Seite, regiert das Böse, der Teufel mit seinen Dämonen. Er ist im Ring. Auf der anderen Seite, im Reich Gottes, regiert der Herr Jesus. Er ist der König in diesem Reich, er ist der Anführer in diesem Reich.
Das Reich der Finsternis steht für eine Kultur des Todes. Und damit meine ich den Tod in all seinen Facetten: Krankheit, Krieg, Streit, Sucht, Umweltzerstörung, Gottlosigkeit, Abtreibung – egal, was das Leben kaputt macht. Das gehört zum Reich der Finsternis. Der Tod ist dort normal.
Das Reich Gottes steht für eine Kultur des Lebens. Jesus hat den Tod besiegt, und was er jetzt möchte, ist, dass er diesen Sieg durch seine Nachfolger in die Welt trägt.
Das Problem ist: Jeder Mensch wird in das Reich der Finsternis hineingeboren. Er ist von Natur aus ein Feind Gottes. Auf der anderen Seite leben im Reich Gottes Jünger Jesu. Im Reich Gottes leben Jünger Jesu, die Frieden mit Gott haben.
Wenn wir uns das Schicksal der Menschen anschauen, die in diesen beiden Reichen wohnen, dann gilt auf der einen Seite: Wer im Reich der Finsternis lebt und stirbt, der kommt in das, was die Bibel die ewige Verdammnis nennt. Wer im Reich Gottes lebt und stirbt, dem sagt Gott ganz klar: Er hat ewiges Leben.
Das sind die zwei Reiche, die es seit Ostern auf der Welt gibt: auf der einen Seite das Reich der Finsternis und auf der anderen Seite das Reich Gottes. Jeder Mensch auf diesem Planeten gehört zu einem der beiden Reiche. Man kann nicht gleichzeitig zu beiden Reichen gehören. Man gehört entweder auf die eine Seite oder auf die andere Seite.
In das Reich der Finsternis wird man, wie gesagt, hineingeboren. Bleibt die Frage, wie man ins Reich Gottes kommt.
Der schmale Zugang und die ernste Warnung
Bevor ich das erkläre, zuerst die schlechte Nachricht: Es ist gar nicht so leicht, gerettet zu werden und hineinzukommen. Warum sage ich das? Ich sage das, weil Jesus es sagt. Und es gibt Verse in der Bibel, an denen mogele ich mich gerne vorbei. Also, man liest sie, und eigentlich möchte man gar nicht, dass sie wahr sind.
Ein solcher Vers findet sich in Lukas 13,23-24. Da kommt jemand zu Jesus. Es heißt: „Es sprach aber jemand zu ihm: Herr, sind es wenige, die gerettet werden?“ Das ist ja mal eine wichtige Frage. Wie viele sind es denn auf der Seite mit dem Gelben da? Ja, wie viele sind es denn da im Reich Gottes?
Was sagt Jesus? Was würden wir von Jesus erwarten? Vielleicht so etwas Nettes wie: Mach dir keine Sorgen, am Ende sind alle dabei. Das ist aber nicht das, was er sagt. Was er sagt, ist: „Ringt danach, durch die enge Pforte hineinzugehen; denn viele, sage ich euch, werden hineinzukommen suchen und werden es nicht können.“
Ich weiß nicht, ob euch bei solchen Sätzen noch ein bisschen ein Schauer über den Rücken läuft. „Ringt danach, durch die enge Pforte hineinzugehen.“ Er sagt: Am Eingang zum Reich Gottes ist es wie bei einer engen Pforte, wie bei einer schmalen Tür. Heute sind alle Türen genormt, von daher wissen wir nicht mehr so recht, was schmale Türen sind. Aber macht mal eine Führung durch eine alte Burg oder durch so ein Höhlending, wo man sich durch einen Spalt zwängen muss, dann bekommt man eine Idee davon, was schmal bedeutet. Eine enge Pforte, etwas, wo man sich anstrengen muss. Man muss ringen, hineinzukommen.
Und Jesus sagt ganz klar: Viele werden sich auf den Weg machen, aber sie werden es nicht schaffen, hineinzukommen. Ich weiß nicht, wie du diesen Vers bisher verstanden hast, wie leicht es ist, ins Reich Gottes zu kommen. Jesus sagt, es werden viel mehr Leute versuchen, ins Reich Gottes zu kommen, als es wirklich schaffen. Und das sagt er an dieser Stelle. Er sagt das auch am Ende der Bergpredigt. Er spricht immer von vielen Menschen, die vielleicht ein Leben lang dachten, Jünger Jesu zu sein, zum Reich Gottes zu gehören, aber dann plötzlich nach dem Tod feststellen, dass sie sich geirrt haben.
Es wird in der Ewigkeit viele Menschen geben, die verloren gehen werden und sich bitterlich die Frage stellen müssen: Warum habe ich eigentlich damals bei der Predigt von diesem komischen Prediger nicht genauer zugehört? Der hat es mir doch eigentlich gesagt.
Selbstprüfung, Reichtum und die Kosten der Nachfolge
Es gibt einen Grund, warum Paulus die Christen in Korinth auffordert: Prüft euch, ob ihr im Glauben seid. Es gibt auch einen Grund, warum der Hebräerbrief uns dazu auffordert. Das ist so eine ganz komische Aufforderung, bei der ich nicht genau weiß, wie sie noch in unsere Zeit hineinpassen soll.
Aber da schreibt der Autor des Hebräerbriefes: Seht zu, Brüder, Geschwister, dass nicht etwa in jemandem von euch ein böses Herz des Unglaubens sei, im Abfall vom lebendigen Gott.
Also da schreibt jemand einer Gemeinde einen Brief und sagt: Ich bitte euch, dass ihr euch umguckt und dass ihr darauf achtet, wie es dem anderen geistlich geht. Schaut, seht zu, dass nicht etwa in jemandem von euch ein böses Herz des Unglaubens sei.
Das ist nichts, was es nicht gibt, sondern das ist eine Möglichkeit, dass neben mir jemand sitzt, vielleicht über Jahre hinweg. Und wenn ich mich mit seinem Glauben beschäftige, dann ist das etwas, das gar nicht so echt ist. Und ich merke, vielleicht nicht gleich, aber so über die Jahre merke ich: Hm, das ist vielleicht gar kein Glaube, was der hat. Vielleicht ist da Unglaube in seinem Leben.
Und wir denken, das darf man aber niemandem sagen. Und die Bibel sagt: Schaut, wenn du das mitbekommst bei jemand anderem, dann geh auf den zu und trau dich, dem das zu sagen.
Denn stell dir vor, wie schlimm das wäre, wenn du am Ende sagst: Ja, das wusste ich auch immer, dass du nicht dabei bist. Ich hatte immer so ein komisches Gefühl bei dir. Ja, hat halt nicht gereicht.
Ehrlich, ist das die Lösung? Nur weil du dich nicht getraut hast, zu jemandem hinzugehen und zu sagen: Hey, ich bin mir nicht ganz sicher, ob du durch die enge Pforte durch bist. Ich habe mich nicht getraut.
Man kann sich im Hinblick auf seinen eigenen geistlichen Stand täuschen. Man kann denken, man sei ein Jünger Jesu, aber man ist es nicht.
Und es geht mir nicht darum, euch jetzt an dieser Stelle Angst zu machen. Das ist überhaupt nicht mein Punkt. Mein Punkt ist: Es sind ja Grundlagen. Ich möchte uns daran erinnern, dass es für einen Deutschen fast unmöglich ist, ein Jünger Jesu zu werden. Das ist das, was Jesus sagt.
Warum? Weil wir die denkbar schlechtesten Voraussetzungen haben. Wir sind nämlich reich, und wir leben in einer Zeit, in der Jesu Anspruch auf Nachfolge und Selbstverleugnung unpopulärer und weltfremder kaum sein könnte.
Da kommt ein reicher Jüngling, ein reicher junger Mann, zu Jesus und will wissen, wie er ewiges Leben bekommt. Er möchte quasi wissen: Wie bin ich ganz sicher, dass ich von hier, aus dem Reich der Finsternis, hier rübergekommen bin? Wie bin ich ganz sicher? Das ist die Frage, die er hat.
Es ist ein netter Typ, auch moralisch, schon so ein Typ, wo man sagt: an der Grenze zum Traumschwiegersohn. Hat Knete, macht nichts falsch, toller Typ. Wahrscheinlich hätten die meisten Gemeinden ihn unproblematisch für ein Ältestenamt vorgeschlagen.
Und Jesus sagt: Weißt du, du bist religiös, bist großzügig, aber du hast da ein Problem in deinem Leben. Du hängst mit deinem Herzen an dem Geld, das du hast. Ich mache dir mal einen Vorschlag: Gib das ganze Geld weg.
Und das sagt er nur diesem reichen Jüngling, das sagt er nicht allen Jüngern. Aber ihm sagt er das: Dein Herz hängt daran, gib das weg und folge mir nach.
Und als Jesus das diesem reichen Jüngling sagt, ist er nicht dazu bereit, und er geht weg. Er kommt mit der Frage, was muss ich tun, und dann stellt er fest: Boah, das, was ich wirklich tun muss, dazu bin ich eigentlich nicht bereit. Und er geht wieder zurück in die Finsternis.
Und wir hören nichts mehr im Neuen Testament von diesem reichen Jüngling. Wir können nur hoffen, dass er später Buße getan hat. Wir wissen es aber nicht.
Jesus aber sprach zu seinen Jüngern, ein Zitat aus Matthäus 19,23-24: Wahrlich, ich sage euch: Schwer wird ein Reicher in das Reich der Himmel hineinkommen. Wiederum aber sage ich euch: Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt.
Wenn du reich bist, hast du fast keine Chance, ins Reich Gottes zu kommen. Als Petrus dann nachfragt, wie es doch geht, sagt er: Bei Menschen ist das unmöglich, aber bei Gott geht es doch irgendwie.
Aber eigentlich ist der Reiche, der viel hat, von seinen Voraussetzungen her unglaublich schlecht dran. Reichtum ist viel verführerischer, als wir uns das vielleicht denken.
Lasst uns, wenn wir Kinder haben, bloß darauf achten, dass wir unseren Kindern nie vermitteln, es sei wichtig, Reichtum oder Wohlstand anzuhäufen. Es könnte sein, dass wir ihnen damit den Weg ins Reich Gottes verbauen.
Reich zu sein ist kein Segen. Jakobus schreibt, dass die Armen glückselig sind. Die haben es leicht. Wenn du nichts hast, wenn es dir richtig dreckig geht, wenn du sagst: Mein Leben ist sowieso nicht der Rede wert, dann fällt es dir ganz leicht, Jesus nachzufolgen. Dann fällt es dir ganz leicht zu sagen: Okay, das, was ich hier habe, das ist sowieso nichts, das kann ich auch hinter mir lassen. Da kann ich auch durchgehen durch die enge Pforte.
Aber wenn du viel hast, ist das eine ganz schwierige Sache loszulassen. Die Armen sind wirklich besser dran als die Reichen, wenn es um das Thema Reich Gottes geht.
Wer ins Reich Gottes will, wer ein Jünger Jesu werden will, der muss sich dem Anspruch Jesu stellen. Und Jesus ist an dieser Stelle ganz unerbittlich. Er will mich ganz.
Was kostet es, durch die enge Pforte zu gehen? Jesus sagt: Ich will dich ganz. Ich will dein ganzes Herz, ich will dein ganzes Leben, ich will König sein in deinem Leben, die unangefochtene Nummer eins.
Und deswegen erwartet Jesus, dass wir ihn mehr lieben als unsere Familie, ja sogar mehr lieben als uns selbst. Und deswegen definiert er die Bedingungen für Nachfolge so glasklar. Er sagt: So kann nun keiner von euch, der nicht allem entsagt, was er hat, mein Jünger sein.
Und es ist eine spannende Frage: Habe ich das in meinem Leben je an mich herangelassen?
Und seid nicht überrascht, wenn ihr selbst vielleicht nach zehn, fünfzehn Jahren, zwanzig Jahren im Glauben sagen müsst: Nee, Jürgen, ich habe von einer Frau gehört, die als Missionarin gearbeitet hat, zurückkam, einen Prediger geheiratet hat, und ein Prediger, der sehr stark über solche Sachen gepredigt hat, und dann plötzlich feststellt: Ich bin überhaupt nicht gläubig. Ich habe eigentlich nie diese Entscheidung getroffen. Ich war immer super religiös darauf, aber so wirklich durchgebrochen zu sagen: All in, mein ganzes Leben gehört Jesus, das habe ich ja noch gar nicht.
Und vielleicht ist es auch etwas, was wir als Gläubige immer mal wieder nachjustieren müssen, wo wir immer mal wieder sagen müssen: Herr, vor zwanzig Jahren habe ich das schon mal gemacht, da habe ich dir mein ganzes Leben gegeben, und jetzt habe ich festgestellt, es ist wieder ein bisschen was zu mir zurückgekommen. Ich packe das mal wieder alles auf den Altar.
Vielleicht ist auch das einfach immer mal wieder nötig.
Dieser Anspruch, so kann nun keiner von euch, der nicht allem entsagt, was er hat, mein Jünger sein, der mag uns nicht passen, natürlich nicht. Aber lasst uns bitte die eine Sache nicht vergessen: Es sind viele, die sich irren. Es sind viele, die hinein wollen, es aber nicht können. Und wir sind reich. Jesus sagt, es ist ganz schwer für die Reichen.
Wir sind reich, und wir leben in einer Zeit der Selbstverwirklichung und des Genusses. Das sind so die Prinzipien, nach denen man lebt. Hauptsache, sich verwirklichen, Hauptsache, viel genießen.
Jetzt kommt Jesus, und hört mal, wie schräg sich das anhört. Er sagt in Lukas 9,23: Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz täglich auf und folge mir nach.
Überlegt mal, wie anders das klingt als das, was die Werbung sagt. Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst. Und das ist noch harmlos, denn es geht weiter: und nehme sein Kreuz täglich auf.
Sein Kreuz aufnehmen, das war damals der Moment, wo jemand zur Hinrichtungsstätte lief, mit dem Querbalken auf der Schulter. Das ist jemand, der mit seinem eigenen Leben abgeschlossen hat, der nichts mehr von diesem Leben erwartet.
Und das ist das, was Jesus sagt. Das möchte ich für meine Jünger. Ich möchte, dass sie, wenn sie nachkommen, sich selbst verleugnen, ihr Leben nicht mehr wichtig nehmen und mir nachfolgen.
Merkt ihr das? Selbstverleugnung, Nachfolge, Jesus als König. Das passt irgendwie gar nicht so in unsere Zeit. Es geht uns doch gut. Brauchen wir wirklich Jesus? Vielleicht gibt es ja einen anderen Weg ins Reich Gottes, ja? Vielleicht muss man nicht diese schmale Pforte.
Ja, das Problem ist: Es gibt keinen anderen Weg.
Was nicht trägt und was wirklich nötig ist
Ich zeige euch mal drei Dinge, die nicht funktionieren. Der Apostel Paulus nennt drei Dinge in Johannes 1,13, drei Dinge, die nicht reichen, um ins Reich Gottes zu kommen. Ich merke aber immer wieder, dass Menschen sagen: Diese Dinge bringen mich doch ins Reich Gottes, oder?
Johannes 1,13: Niemand kommt ins Reich Gottes, weil er sich anstrengt. Also diese Idee, gute Werke zu tun, die Idee, irgendwelche Rituale zu erfüllen, bringt niemand ins Reich Gottes. Oder niemand kommt ins Reich Gottes, wenn er die richtigen Leute kennt. Was weiß ich, ja: Du hast eine gläubige Oma, kennst den Papst oder betest zu den Heiligen, kannst du knicken. Johannes sagt: Funktioniert nicht, bringt dich nicht auf die andere Seite.
Und selbst wenn du den richtigen Stallgeruch, die richtige Herkunft hast, so eine schöne baptistische Familie, da war man so einen Moment drin und schon so ein bisschen dabei, schon fünf Generationen lang, vergiss es: Das ist nicht das Richtige. Es reicht nicht. Es sind alle drei Dinge, die nicht funktionieren.
Und deswegen die Frage: Was muss ein Mensch tun, um gerettet zu werden? Wenn das nicht reicht – gute Werke, Beziehungen und Herkunft – was dann?
Die Antwort lautet: Es sind drei Dinge, die ein Mensch tun muss, um da durch die enge Pforte durchzugehen. Wenn jemand sagt: Ich möchte nicht verloren gehen, ich möchte die ewige Verdammnis nicht, ich möchte wirklich da nicht reinkommen, dann glaube ich, dass jeder, der sich auf den Weg macht Richtung Reich Gottes, dieselbe Grundlage hat. Er hat verstanden, dass er ein Problem hat.
Da gibt es einen Zöllner im Tempel. Was sagt er? Gott sei mir, dem Sünder, gnädig. Das ist der Startpunkt. Wenn ich keine Notwendigkeit spüre, mich auf den Weg zu machen, ist das ganz schwer. Alle, die sich auf den Weg machen Richtung Reich Gottes, haben verstanden: Ich brauche Rettung.
Da gibt es diesen Justizvollzugsbeamten in Philippi, biblisch den Kerkermeister, und der stellt die Frage: Was muss ich tun, dass ich gerettet werde? Also der Bekehrung zu Gott geht immer eine Ernsthaftigkeit voraus, ein Wissen darum, dass ich tatsächlich verloren bin, so eine tiefe Sehnsucht nach Liebe, nach Leben, nach Vergebung und nach Erlösung.
Das wird jeder in seiner eigenen Biografie von euch etwas anders formulieren. Es wäre spannend, euch nach vorne zu holen und zu sagen: Wie war dieser Moment in deinem Leben, wo du dich aufgemacht hast, zu begreifen, dass Jesus mir etwas schenken möchte, was ich sonst nirgendwo anders kriege? Es ist schwierig, das in Worte zu packen, aber drei Punkte auf dem Weg zum Reich Gottes sind für alle Christen irgendwie gleich.
Die drei Punkte sind Buße, Glaube und Taufe. Daran kommt eigentlich keiner vorbei.
Umkehr, Vertrauen und sichtbarer Neubeginn
Der erste Punkt ist Buße. Buße, schwieriges Wort, ja. Geldbuße, wenn ich zu schnell gefahren bin, muss ich ein Bußgeld zahlen. Darum geht es überhaupt nicht.
Buße, genau genommen Buße von toten Werken, der Begriff Buße, wörtlich übersetzt Umkehr, beschreibt einfach den radikalen Bruch mit meinem alten Leben. Im Reich der Finsternis geht es mir darum, was mir Spaß macht. Und aus einem „Was macht mir Spaß?“, aus einem Leben, das sich um mich selber dreht, wird ein Leben, das davon geprägt ist, was nützlich für das Reich Gottes ist.
Buße heißt, dass sich mein ganzer Lebensfokus ändert. Buße heißt: Wenn ich hier Buße tue, dann heißt das, ich habe einfach die Schnauze voll von diesem Leben. Ich habe genug davon. Ich will das nicht mehr. Ich habe genug von einem Leben, das von Gier und Lüge und Unreinheit und Dummheit und Perversion geprägt ist. Ich habe genug davon. Ich will nicht mehr saufen, huren, fluchen, raffen, gassen. Ich will Teil da drüben, einer Gegenkultur sein, die loyal zu Jesus steht. Ich will Menschen radikal lieben. Ich will mich reinhalten von dem Dreck dieser Welt. Ich will von Jesus lernen, jeden einzelnen Bereich meines Lebens unter seine Herrschaft zu bringen. Ich will hundert Prozent für ihn leben.
Das ist Buße. Das ist ja so eine 180-Grad-Wendung. Ja, ich bin weg von Gott unterwegs, und dann drehe ich mich einmal um. Ja, und dann geht es in die richtige Richtung. Und ich sage wirklich Tschüss zu meinem alten Leben. Das ist Buße. So tut nun Buße. So fordern die Apostel ihre Zuhörer auf, und sie meinen das. Sie meinen nicht: Ja, sei ein bisschen traurig, dass früher auch nicht alles gut gelaufen ist. Das ist viel zu wenig. Es ist ein Bruch.
Das Zweite, was sie fordern, ist zu glauben, genau genommen Glaube an Gott. Und Glaube heißt Vertrauen. Wer vertraut, der vertraut nicht mehr auf sich. Der Gläubige vertraut Jesus. Er vertraut dem, was wir letzte Woche gefeiert haben, dem Kreuz und der Auferstehung. Er vertraut darauf, dass er sich selber nicht retten kann, und zwar null, nicht. Da steckt nichts in dir drin, um dich zu retten. Du bist kein Münchhausen, der sich so am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen kann. Das funktioniert null.
Der Gläubige vertraut darauf, dass Jesus alles getan hat. Er vertraut tatsächlich auf die frohe Botschaft vom Reich Gottes, dass ein anderer ein Reich aufgerichtet hat, nicht ich. Ein anderer hat etwas gemacht. Er hat gesagt: Hey, hier ist rettendes Land, komm rüber, komm zu mir! Er vertraut auf die frohe Botschaft vom Reich Gottes, dass es einen Ausweg gibt, dass Versöhnung real ist, ewiges Leben real ist und dass das alles in einer Beziehung zu Jesus gefunden wird, da, wo Jesus Herr und Retter wird.
Und da, wo es echte Buße und echten Glauben gibt, da kommt ein äußeres Zeichen dazu. Die Bibel nennt das Taufe. Taufe, ja. Also erst die Buße, dieser totale Paradigmenwechsel, dann Glaube an den Herrn Jesus und dann die Taufe als ein sichtbarer Beleg dafür, dass ich es mit Buße und Glauben ernst meine, dass ich mit meinem alten Leben wirklich abgeschlossen habe, dass ich gestorben bin.
Die Taufe ist ein symbolisches Sterben. Das Alte wird begraben, und da kommt etwas Neues heraus. Und wenn diese beiden Punkte in meinem Leben passiert sind, dann ist das quasi zwingend der nächste Schritt. Weil die Taufe diese beiden Dinge symbolisiert: dass das Alte vorbei ist und dass ich neu lebe im Aufblick auf Jesus, dass etwas komplett Neues in meinem Leben angefangen hat.
Die eigentliche Frage nach der Echtheit
Wenn ich das predige und ihr merkt, das ist ja wirklich einmal eins, dann kann man im ABC des Glaubens fast nicht weiter heruntergehen als mit dieser Predigt. Und in dem Moment, wo ich das predige, diese ganz simplen Grundwahrheiten, hoffe ich, dass ihr euch von Herzen über diese Wahrheiten freuen könnt. Denn hier steckt so viel Anbetungspotenzial darin: aus diesem alten Reich der Finsternis herausgerissen worden zu sein, hier herübergekommen zu sein, dass es überhaupt diesen Balken gibt, der die beiden Reiche miteinander verbindet, dass Gott es mir schenkt, einen Neuanfang zu machen. Das ist so großartig.
Und in dem Moment, wo ich das predige, wird vielleicht der eine oder andere denken: Jürgen, aber du weißt doch selbst, dass manche Leute sich nicht richtig bekehren, oder? Sie reden von Buße, aber in Wirklichkeit brechen sie nicht völlig mit ihrem alten Leben. Sie reden von Glauben, aber sobald es kompliziert wird, verhalten sie sich doch wieder wie Heiden. Sie lassen sich vielleicht auch taufen, aber das Einzige, was passiert ist: Sie gießen so ein bisschen religiöse Soße über ihr Leben, ja? Mehr ist es doch nicht.
Und ich muss zugeben: Das stimmt. Je länger ich Christ bin, umso mehr muss ich sagen, dass ich manches an falscher Buße, falschem Glauben und heuchlerischer Taufe erlebt habe. Ist einfach so. Und deswegen möchte ich an dieser Stelle noch nicht aufhören.
Es stimmt: Man kann Buße tun, glauben, mit Anführungs- und Schlusszeichen sich taufen lassen, ohne dass man durch die enge Pforte hindurchkommt. Und deswegen ist es ganz wichtig, dass wir zum Schluss dieser Predigt einen letzten Punkt verstehen.
Der Schritt vom Reich der Finsternis ins Reich Gottes wird in der Bibel als eine Geburt beschrieben. Der Mensch wird, sagt Jesus zu Nikodemus, von neuem geboren. Man könnte auch übersetzen: von oben geboren. Jeder Mensch kann Buße tun und glauben. Das ist das, was wir tun können. Aber wir können uns nicht selbst erneuern. Wir können uns kein neues Herz geben. Wir können uns selbst unsere Sünden nicht vergeben.
Das passiert hier, es passiert an dieser Stelle, wenn Gott uns seinen Heiligen Geist gibt. Wir können diese ersten Schritte hierhin tun, wir können darum ringen, hindurchzugehen. Aber ob wir wirklich durch sind, die Echtheit unserer Bekehrung, ob wir im Reich Gottes angekommen sind, das wissen wir erst, wenn das Siegel Gottes auf die Echtheit unserer Bekehrung draufgepapst ist. Und das Siegel Gottes, dieses Kennzeichen dafür, ist der Heilige Geist.
Deswegen ist es von allergrößter Bedeutung, sich die Frage zu stellen, mit der Paulus in Apostelgeschichte 19,2 Gläubige fragt. Sie waren noch nicht ganz gläubig, aber sie hatten irgendwie geglaubt. Da kommen Gläubige, und ich werde euch nächstes Mal noch ein bisschen mehr zu Paulus vorstellen. Und er stellt ihnen die Frage: Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig geworden seid?
Und das ist keine triviale Frage. Das ist tatsächlich der Kern: Hast du den Heiligen Geist? Achtung, ich bin kein Pfingstler. Ich glaube nicht, dass man es festmachen kann mit: Haha, der muss in Zungen reden. Aber auch zu sagen, das ist noch nicht die Antwort, heißt ja nicht, dass die Frage deshalb dumm wäre.
Und deswegen müssen wir uns die Frage stellen: Hast du den Heiligen Geist empfangen, nachdem du gläubig geworden bist? Hat Gott auf deine Buße und deinen Glauben und deine Taufe hin reagiert?
Und wenn du jetzt denkst: Puh, das weiß ich gar nicht so genau, dann komm einfach nächste Woche wieder, denn an dieser Stelle werden wir dann den Gedanken fortsetzen. Amen.
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