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Der erste Mord

1. Mose 4,1-1615.06.2008
Serie•Teil 7 / 7So hat alles begonnen
Warum bleibt der Täter am Leben, während das Opfer stirbt? Die Geschichte von Kain und Abel stellt die härteste Frage an Gott: Wo ist Bewahrung, wenn Unrecht zuschlägt?

Die Erzählung von Kain und Abel

 1. Mose 4,1-16
Der erste Mord: Der Bruder bringt den Bruder um.
Adam schlief mit seiner Frau Eva, und sie wurde schwanger. Sie brachte einen Sohn zur Welt und sagte: Mit Hilfe des Herrn habe ich einen Mann hervorgebracht. Darum nannte sie ihn Kain. Kain bedeutet Erwerb oder Gewinn. Später bekam sie einen zweiten Sohn, den nannte sie Abel. Abel bedeutet Windhauch, Flüchtigkeit.
Abel wurde ein Hirte, Kain ein Bauer. Einmal brachte Kain dem Herrn von seinem Ernteertrag ein Opfer. Auch Abel brachte ihm ein Opfer. Er nahm dafür die besten der erstgeborenen Lämmer seiner Herde. Der Herr blickte freundlich auf Abel und sein Opfer, aber Kain und sein Opfer schaute er nicht an. Da stieg der Zorn in Kain hoch, und er blickte finster zu Boden.
Der Herr fragte ihn: Warum bist du so zornig, warum starrst du auf den Boden? Wenn du Gutes im Sinn hast, kannst du den Kopf frei erheben. Wenn du aber Böses planst, lauert die Sünde vor der Tür deines Herzens und will dich verschlingen. Du musst Herr über sie sein.
Doch Kain sagte zu seinem Bruder: Komm und sieh dir einmal meine Felder an. Und als sie draußen waren, fiel er über seinen Bruder her und schlug ihn tot.
Der Herr fragte Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Was weiß ich, antwortete Kain. Bin ich vielleicht der Hüter meines Bruders? Was hast du getan?, sagte der Herr. Hörst du nicht, wie das Blut deines Bruders von der Erde zu mir schreit? Du hast den Acker mit dem Blut deines Bruders getränkt. Deshalb stehst du unter einem Fluch und musst das fruchtbare Ackerland verlassen. Wenn du künftig den Acker bearbeitest, wird er dir den Ertrag verweigern. Als heimatloser Flüchtling musst du auf der Erde umherirren.
Kain sagte zum Herrn: Die Strafe ist zu hart, das überlebe ich nicht. Du vertreibst mich vom fruchtbaren Land und aus deiner schützenden Nähe. Als heimatloser Flüchtling muss ich umherirren. Ich bin vogelfrei, jeder kann mich ungestraft töten.
Der Herr antwortete: Nein, sondern ich bestimme: Wenn dich einer tötet, müssen dafür sieben Menschen aus seiner Familie sterben. Und er machte Kain ein Zeichen, damit jeder wusste: Kain steht unter dem Schutz des Herrn.
Dann musste Kain aus der Nähe des Herrn weggehen. Er wohnte östlich von Eden im Land Nod. Nod bedeutet Ruhelosigkeit, Umherirren.

Ein schwieriger Text mit grossen Fragen

So, guten Morgen! Ich darf zuerst schon einmal Grüsse von Beasters übermitteln. Sie wollten heute mal reinschauen, wenn es gesundheitlich geht und sie das schaffen. Aber jetzt haben sie es, glaube ich, nicht geschafft. Sie lassen euch aber ganz herzlich grüssen. Sie sind ja wieder zurück aus Bolivien. Sie sind Missionare, die in Bolivien tätig sind, und jetzt so an der Übergabe an die nächste Mannschaft. Jetzt werden sie sich vermutlich tendenziell in der Schweiz ansiedeln, im Raum Langenthal.
Ich muss hier noch etwas Tatkräftiges tun, nämlich diesen Ständer da rüberstellen. So, gut.
Ich ahnte es schon, als ich mich entschlossen hatte, über diesen Abschnitt zu sprechen: Es wird nicht einfach sein. Dieser Brudermord wirft nämlich fundamentale Fragen auf. Fragen, die wir vielleicht gar nicht so gern stellen, weil wir keine guten Antworten finden oder denken, wir finden keine gute Antwort. Und wenn wir befürchten, dass wir keine gute Antwort finden, stellen wir manchmal diese Fragen gar nicht erst.
Natürlich könnten wir diesen Abschnitt auch einfach unter dem Aspekt betrachten, wie verhängnisvoll es ist, wenn wir uns mit anderen vergleichen, wie dieses Vergleichen zur Eifersucht führt und dann unsere Beziehung zerstört. So wie es auch in den Sprüchen übrigens heisst: Eifersucht ist wie ein Krebsgeschwür. Aber würden wir dann die schwierigen und zentralen Fragen, die der Abschnitt aufwirft, elegant übergehen? Und ich denke, das wollt weder ihr noch ich.
Dieses Thema Eifersucht und zu was das führt, kann man auch anhand anderer Bibeltexte anschauen. Aber gehen wir doch in Gedanken nochmals unseren Text durch und tragen wir die kritischen Fragen einmal zusammen. Corina wird das hier mit einer schönen grossen Schrift, damit wir das gut lesen können, hier an diesen Flipchart schreiben.
Was für eine zentrale Frage wirft dieser Text auf, wenn wir jetzt mal von Eifersucht und so absehen? Was ist die Frage? Was für Fragen haben wir zum Beispiel an Gott? Welches Opfer ihm gefällt? Ich habe es gewusst, ich habe es Corinne angesehen, dass sie eine schöne Schrift haben wird, die wir alle lesen können. Bei mir wäre das dann schwieriger.
Ja, was noch? Wer die anderen Leute sind, also die, die einen umbringen könnten. Das ist so eine Standardfrage, aber ich kann euch sagen, das ist die leichteste Frage. Die werde ich euch auch noch schnell nebenbei beantworten. Das ist ein Kinderspiel gegen die anderen Fragen, die dieser Text noch an uns stellt.
Was wirft das noch für Fragen auf? Warum beschützt Gott Kain? Ich meine, er hat einen Mord begangen. Und welche Frage drängt sich dann noch auf? Warum beschützt Kain? Warum beschützt er Kain? Und welche Frage, also die liegt ja auf der Hand? Ja, warum sind wir gerecht? Aber das lassen wir mal noch schnell weg wegen des Platzes.
Es gibt noch eine ganz fundamentale Frage. Richtig: Warum hat er Abel nicht beschützt? Warum spricht er mit Kain und nicht mit Abel? Abel ist gerecht, Kain ist ungerecht. Wir haben jedoch sehr wichtige, zentrale Fragen: Welches Opfer gefällt ihm? Wer sind die anderen? Aber die beiden Fragen sind ganz fundamental: Warum beschützt Gott Kain, den Mörder, und warum hat er Abel nicht beschützt? Seid ihr doch mit mir einig? Das ist schon ein bisschen knifflig.
Ich habe also ziemlich gerungen und gedacht: Oh, wieso habe ich diesen Abschnitt genommen? Das sind doch einige Fragen, die man gar nicht so einfach beantworten kann. Schliesslich ist das auch die Frage, die dahinter steckt: Warum lässt Gott das zu? Warum kommt der Verbrecher besser weg als das Opfer? Warum stirbt der Mann, der Gott ehrt, und der, der ihn verachtet, bleibt am Leben?
Wir müssen diese Fragen beantworten können. Denn hier in diesem Brudermord ereignet sich alles so, wie das bis heute auch der Fall ist. Und wenn wir das nicht erklären und verstehen können, dann können wir gar nicht wirklich in unserem Glauben leben und bestehen. Dann werden wir immer irgendwo hinken. Wir können dem nicht ausweichen.
Der Text steht: Es ist geschehen. Es ist nicht nur eine Erzählung, sondern es ist Handlung Gottes in der Geschichte. Also da müssen wir doch irgendwie das verstehen können.
Heute stellen wir ja immer noch dieselben Fragen, wenn wir sehen, wie Christen misshandelt werden. Wir stellen dieselben Fragen, wenn Missionare, die einen ausgezeichneten Dienst tun, sterben oder sogar sterben, bevor sie überhaupt beginnen können. Sagen wir Gott: Was ist los hier? Warum lässt du die sterben, die könnten wir gut gebrauchen? Fassungslos stehen wir vor solchen Situationen und fragen, warum denn das? Wo ist denn hier die Fürsorge Gottes? Und warum, Gott, hast du nicht bewahrt?
Vielleicht sprechen wir diese Fragen nicht immer offen aus, aber in unserem Herzen treiben sie uns herum. Und so möchte ich diesen hinterhältigen Brudermord betrachten, und dabei werden sich die Fragen beantworten. Ist doch schön, ob ihr damit zufrieden seid, das ist ein anderes Thema. Aber ich denke, sie werden sich beantworten.
Kain und Abel waren zwei Brüder, beides Bauern. Der eine betrieb Viehzucht, der andere Ackerbau. Und beide opferten von dem, was sie bekommen haben, was sie erwirtschaftet haben, und vermutlich, nehme ich an, war das eine Art Dankopfer. Beide taten äusserlich gesehen dasselbe.
Ich halte nichts von der Unterscheidung, dass die einen sagen: Ja, der Abel hat halt ein Tier geopfert und der andere hat halt nur von seiner Ernte geopfert, und dann hat das Gott nicht gefallen. Nein, nein, das ist in meinen Augen einfach zu knifflig, weil das genau darauf abzielt, als wenn es beim Opfer um Äusserlichkeiten gehen würde. Jeder opferte nämlich Gott, beide vollzogen dieselbe religiöse Handlung.

Was Gott wirklich ansieht

Aber Gott schenkte nur dem Opfer Abels Aufmerksamkeit. Kains Opfer beachtete Gott nicht. Und wir wissen nicht, wie Kain, der das gesehen hat, gemerkt hat, dass Gott sein Opfer nicht annimmt und das von Abel annimmt.
Aber warum Kains Opfer abgelehnt wird, das wird uns im Neuen Testament berichtet. Wie kam es, dass Abels Opfer Gott besser gefiel als das von Kain? Der Grund dafür war Abels Glaube. Weil Abel Gott vertraute, nahm Gott seine Gaben an und stellte ihm damit das Zeugnis aus, dass er vor ihm bestehen konnte. Es lag also nicht an der Opfergabe, sondern an der Opferhaltung. Das ist schon die Beantwortung der Frage: Was gefällt Gott? Nicht das Opfer an sich, sondern in welcher Haltung und in welcher Beziehung wir ihm gegenüberstehen.
Selbst wenn wir großen Aufwand betreiben mit unseren religiösen Handlungen. Und manchmal denke ich: Je weiter weg wir von Gott sind, desto größer muss der Aufwand einer religiösen Handlung sein, weil wir wie instinktiv dann mit Gott erpressen wollen. Gott sagt: Du, sorry, tut mir leid, interessierst mich nicht. Was mich interessiert, ist dein Herz. Und wenn du dann opferst, dann freue ich mich enorm darüber. Aber mein ja, nichts religiöses Handeln, ohne dass du in einer Beziehung zu mir stehst, würde mir Freude bereiten. Das verabscheue ich. Gott hat nichts gegen Opfer, aber gegen Opfer, die nur geopfert werden, damit sie geopfert sind.
Nun, Kain machte sich keine Gedanken darüber, warum Gott sein Opfer ablehnte. Hätte er das getan, wäre es für ihn heilsam gewesen. Er hätte aus dieser Situation lernen können und reifen und wachsen. Er hätte Gott fragen können: Gott, was ist los? Ich habe dir doch geopfert. Da bin ich noch der Ältere von den beiden. Warum schaust du mein Opfer nicht an? Nein, das hat ihn nicht interessiert. Er war einfach stinkesauer, der Zorn stieg in Kain hoch, und er blickte finster zu Boden.
Das machen wir übrigens heute noch. Das ist ja interessant: Wenn ein Kind sauer ist, was macht es? Es verzieht das Gesicht und schaut zu Boden. Und das macht sich noch bis ins hohe Alter hinein. Es ist interessant, dass gewisse Dinge, einfach so nonverbale Kommunikation, bis heute noch funktionieren.
Und nun geschieht etwas ganz Erstaunliches: Gott wendet sich von Kain nicht ab. Er wartet nicht passiv auf das, was nun geschehen wird. Nein, Gott geht auf Kain zu. Gott will Kain helfen. Er will ihn davon abbringen, dass er das, was er sich ausdenkt, in die Tat umsetzt. Und so fragt er ihn: Warum bist du so zornig? Warum starrst du auf den Boden?
Kain antwortete nicht. Das wäre die Gelegenheit für ihn gewesen, Gott selbst direkt zu sagen, was ihn sauer macht, nämlich dass Gott sein Opfer nicht angenommen hat. Er hätte Gott sagen können: Gott, was ist denn los? Warum nimmst du das Opfer meines jüngeren Bruders an und meines verachtest du? Das macht mich sauer.
Gott hätte ihm eine Antwort gegeben, da bin ich überzeugt. Gott hätte ihm bestimmt geholfen und erklärt, weshalb er sein Opfer abgelehnt hat. Aber das wollte Kain nicht hören. Er wollte nicht, dass Licht in sein Leben hineinkommt. Er wollte nicht, dass Gott ihn ausleuchtet, wo seine tiefsten Motive liegen. Er wollte das Problem, das er hatte, nun selbst in die Hand nehmen und selber lösen. Er wusste wie.
Gott warnt ihn übrigens. Ja, Entschuldigung, das ist genau das, was Jesus auch sagte und was heute noch zutrifft: Denn jeder, der Schlechtes tut, hasst das Licht. Er tritt nicht ans Licht, damit sein Tun nicht aufgedeckt wird, oder er meint, es wird nicht aufgedeckt. Das ist er bis heute. Das war genau das Verhalten Kains. Statt sich Gott zu öffnen und Licht in sein Leben hineinkommen zu lassen, verschloss er sich.
Kain wollte sich von Gott nicht abhalten lassen. Er wollte schon gar nicht, dass Gott ihm zeigt, wo sein Problem liegen könnte. Er hatte ja die Lösung für sein Problem schon ausgedacht. Nicht er wollte sich ändern, sondern er wollte sein Umfeld ändern. Das ist ein Problem, das wir auch bis heute haben: Wir wollen immer unser Umfeld ändern, aber nicht uns selber.

Die Warnung vor der Sünde

Es ist immer der anderen Schuld, dass es uns schlecht geht, und so muss sich das Umfeld ändern. Aber meistens müssen wir uns ändern, weil wir am Umfeld in der Regel sehr wenig ändern können, an uns selbst aber sehr viel.
Er dachte vermutlich: Wenn ich keinen aus der Welt schaffe, wird sich Gott mir zuwenden. Dann hat er mein Opfer noch, dann wird er das endlich beachten. Er meint, er könnte die Zuneigung Gottes erzwingen. Das ist ein typisches Verhalten von Menschen, die immer mit dem Kopf durch die Wand wollen. Sie bleiben meistens irgendwo stecken, und wenn sie stecken bleiben, schreien sie, wie arm sie sind. Das werden wir übrigens auch bei Kain noch sehen.
Und Gott warnt Kain eindringlich: Wenn du Gutes im Sinn hast, kannst du den Kopf frei erheben. Aber wenn du Böses planst, lauert die Sünde vor der Tür deines Herzens und will dich verschlingen. Du musst Herr sein über sie. Kain wollte der Sünde die Tür nicht öffnen. Übrigens wird hier das Wort Sünde zum ersten Mal in der Bibel verwendet. Die Auswirkungen kennen wir: Er ermordete seinen Bruder.
Nun aber Gott, und das müssen wir hier festhalten, Gott war rechtzeitig zur Stelle. Seine Hilfe kam nicht zu spät. Im richtigen Moment sprach er mit Kain, aber dieser wollte einfach nicht auf ihn hören. Von höchster Stelle bekam Kain Hilfe in seiner Situation, und hätte er auf Gott gehört, wäre es ihm nachher besser gegangen.
Hast du das auch schon einmal erlebt? Du wusstest genau, was du nun tun willst, und du wusstest auch, dass es Gott nicht gefällt, und trotzdem hast du es getan. Und ich wette mit dir, dass dir mindestens ein Ereignis in Erinnerung kommt, wenn du darüber nachdenkst, bei dem Gott dich gewarnt hat, bevor du es getan hast. Ich mache eine Wette darauf.
Gott sieht nicht zu und wartet, bis wir irgendwo in eine Sünde hineinrennen. Gott warnt uns, sei es durch einen Freund, sei es durch einen Arbeitskollegen, der nicht einmal Christ sein muss, sei es durch das Bibellesen, wenn wir dann überhaupt noch in der Bibel lesen, weil wir uns nicht ausleuchten lassen wollen, sei es durch eine Predigt. Ich garantiere dir: Gott hat dich gewarnt. Er kam zur Hilfe, er hat dich darauf aufmerksam gemacht, dass das, was du jetzt im Begriff bist zu tun, dir schaden wird, dass du das besser nicht tun solltest. Und du hast gesagt: Mist, ich mache es, koste es, was es wolle, das will ich jetzt.
So sind wir. Natürlich will uns die Sünde immer wieder in ihr Band ziehen, auch als Christen. Deshalb heißt es auch im Hebräerbrief: Wir wollen alles ablegen, was uns beim Laufen hindert, uns von der Sünde trennen, die uns so leicht gefangen nimmt. So leicht.
Und unsere Zeit ist ja nicht gerade so gestaltet, dass sie es uns schwierig macht, uns zu versündigen. Ich glaube, die Möglichkeiten sind vielfältig, wie wir das tun können. Als Christen haben wir aber die Kraft, uns der Sünde zu widersetzen. Jakobus sagt: Deshalb ordnet euch Gott unter. Hätte Kain das getan und hätte er Gott ehrliche Antworten gegeben, dann wäre was passiert? Der Teufel leistet Widerstand, und er wird vor euch fliehen. Er wird fliehen in der Hinwendung zu Gott. Wenn ich mich ihm unterordne, dann wird diese Sünde, die mich bewältigen will, ihre Kraft komplett verlieren. Der Teufel wird fliehen.
Und vielleicht stehst du heute an so einem Punkt. Du willst etwas tun, du weißt irgendwo, es ist nicht in Ordnung, aber du willst es. Ohne dich Gott unter, und der Teufel wird fliehen. Die Kraft, die dich fast dazu zwingt, das zu tun, wird gebrochen werden. Nähert euch Gott, und er wird sich euch nähern. Und wir meinen immer, bei der Sünde gehe es so: Wir machen irgendetwas und sagen dann Gott: Wenn es dir nicht passt, dann verhindere das bitte. Oder? Es ist ja deine Sache. Nein, es ist meine Sache. Es ist nicht Gottes Sache. Wir sollen uns Gott nähern, und dann wird er kommen, und er wird uns die Kraft geben. Reinigt eure Hände von Schuld, ihr Sünder, gebt eure Herzen Gott hin, ihr Unentschlossenen, und fest entschlossen, euch Gott zuzuneigen.
Nun, Kain hatte also versagt. Er wollte sich nicht gegen die Sünde wehren. Er wollte nicht gegen die Sünde kämpfen. Und nun kam Gott nochmals zu Kain und fragte: Wo ist dein Bruder Abel? Darauf bekam er eine schnauzige und absolut freche Antwort: Was weiß ich? Bin ich vielleicht der Hüter meines Bruders? Was geht mich mein Bruder an, und überhaupt, was geht es dich an, wo der ist? Warum fragst du mich? Ziemlich schnauzig, finde ich. Dir kann das doch egal sein.
Gott ist es aber gar nicht egal. Er sah, wie Kain Abel tötete und verscharrte. Kain meinte tatsächlich, Gott würde das übersehen. Das ist das Wunschdenken so vieler Menschen. Sie meinen, sie könnten irgendetwas vor Gott verbergen. Fehlanzeige! Gott sieht alles. Viele Menschen denken, Gott würde, wenn etwas im Verborgenen geschieht, nichts bemerken. Er bemerkt es. Gott sagt: Wehe, was du getan hast! Hörst du nicht, wie das Blut deines Bruders von der Erde zu mir schreit? Das kann doch Gott nicht verborgen bleiben.
Nun bekommt Kain nicht die Zuneigung Gottes zu spüren, sondern er wird von Gott verstoßen. Er muss seinen Acker verlassen, und er wird auf der Erde umherirren. Das ist das Schicksal vieler Menschen, die schwere Schuld auf sich geladen haben. Sie leben wie Flüchtlinge, ihre Taten verfolgen sie bis in die Nächte hinein. Sie schrecken nachts auf, weil sie die Bilder ihrer Untat immer wieder vor Augen haben. Menschen auf der Flucht vor ihrer Vergangenheit, Menschen auf der Flucht vor ihrer Sünde.
Und nun jammert Kain. Er ist schockiert über die Strafe, die Gott verhängt. Er hatte sich von seiner Tat einen grösseren Erfolg versprochen. Schockiert war er aber nicht über seine Tat, ganz und gar nicht, sondern über die Strafe. Ihm fehlte offensichtlich das Bewusstsein, wie schlimm er sich versündigt hatte, und voller Selbstmitleid jammerte er: Du vertreibst mich vom fruchtbaren Land und aus deiner schützenden Nähe. Was bin ich für ein armes Kind! Als heimatloser Flüchtling muss ich umherirren. Ich bin vogelfrei! Jeder kann mich ungestraft töten!
Jeder kann ihn töten, und hier möchte ich noch kurz etwas zur Frage sagen, woher dann die Menschen kommen sollen, die Kain töten könnten. Eine Standardfrage, die immer wieder gestellt wird. Es mag dann den Anschein haben, als seien Kain und Abel die ersten Kinder von Adam und Eva. Das muss aber nicht der Fall sein. Die Geburt der beiden wird nur deshalb erwähnt, damit wir das Geschehen einordnen können, damit wir wissen, dass Kain und Abel die Kinder von Adam und Eva sind. Es kann aber gut sein, dass Adam und Eva vor den beiden, wie natürlich auch nachher, mehrere Kinder zeugten, die sich an verschiedenen Orten der Erde angesiedelt haben, wie es Gott auch verordnet hat: Vermehrt euch und verbreitet euch über die Erde.
Im Kapitel fünf des ersten Buchs Mose lesen wir nämlich: Als Adam hundertdreißig Jahre alt war, zeugte er einen Sohn, nach seinem Bilde als sein Nebenbild, und gab ihm den Namen Seth. Danach zeugte er noch weitere Söhne und Töchter und starb im Alter von neunhundertdreißig Jahren. Würden wir die Geschichte von Kain und Abel nicht kennen, so würden wir aufgrund dieses Verses behaupten, Seth sei der erste Sohn gewesen. Adam und Eva hätten also hundertdreißig Jahre lang allein gelebt.
Das kann ich nicht glauben. Ich glaube nicht, dass Adam und Eva 130 Jahre benötigten, um herauszufinden, wie man Kinder kriegt. Und sie hatten ja schon vorher Kain und Abel. Uns werden diese Namen nur deshalb genannt, damit wir die Geschichte einordnen können. Vor Kain und Abel könnten sie noch viele Kinder gehabt haben, die sich bereits über die Erde verbreitet hatten. Wir wissen ja auch nicht, wie alt Kain und Abel waren, als das geschah, was wir da heute miteinander betrachten.
Und hier sehen wir ja auch, warum nur Seth genannt wird. Warum? Weil Seth in die Linie dieses Samens der Frau gehört, wie wir letzten Sonntag gesehen haben, weil er der Vorfahre von Jesus ist. Also soweit zu diesem Punkt.
Kain, der Mörder, bangt also um sein Leben. Er will das, was er einem anderen zugefügt hat, nicht selber erleben. Wie krank ist diese Haltung! Wie verbreitet ist sie bis heute: Menschen verachten das Leben der anderen und klammern sich krankhaft an ihr eigenes Leben. Das allein ist schon ein Fluch, wenn man nur dieses eine Leben in dieser Welt hat, an das man sich klammern muss.
Nun geschieht etwas ganz Erstaunliches: Gott geht auf das Gejammer Kains ein und verspricht, ihn zu schützen. Wenn dich einer tötet, müssen dafür sieben Menschen aus seiner Familie sterben. Und er machte an Kain ein Zeichen, damit jeder wusste: Kain steht unter dem Schutz des Herrn. Gott schützt also diesen Mörder. Er lässt nicht zu, dass man Kain umbringt. Er verdiente zwar den Tod, aber er soll trotzdem jetzt noch nicht sterben.
Kain erfährt in seinem Versagen trotz der Strafe die Liebe und Barmherzigkeit Gottes. An Kain zeigt Gott, wie er mit den Sündern in Zukunft umgehen wird, nämlich dass er geduldig ist und dass er wie Kain uns Zeit zur Buße schenkt. Er eröffnet Kain die Möglichkeit, dass er zur Einsicht kommen könnte. Und Paulus erläutert die Absicht Gottes, wenn er so handelt, indem er schreibt, dass Gott Nachsicht übte im Hinblick auf das Sühneopfer Jesu. Durch dieses hat er jetzt in unserer Zeit seine Gerechtigkeit unter Beweis gestellt. Er hat gezeigt, dass er gerecht ist, wenn er den für gerecht erklärt, der sein ganzes Vertrauen auf Jesus setzt.
Also wenn Gott Nachsicht übt, so wie bei Kain, geschah das im Hinblick auf Jesus, der einmal für unsere Schuld sterben wird. Wäre Kain zur Einsicht gekommen, hätte er Buße getan, hätte er seine Tat bereut und wäre von Herzen zu Gott zurückgekehrt, dann wäre auch für die Schuld Kains Jesus am Kreuz gestorben, und Kain wäre frei gewesen.
Jeder Mensch hat so viel Schuld auf sich geladen, dass er sofort sterben müsste. Niemand hier drin würde mehr hier drin sitzen, wenn Gott uns nicht die Zeit zur Umkehr schenken würde oder geschenkt hat. Gott gibt uns noch eine weitere Chance. Er gibt uns Zeit, dass wir zur Besinnung kommen können. Und deshalb schrieb Paulus nach Rom: Betrachtest du seine große Güte, Nachsicht und Geduld als selbstverständlich? Begreifst du nicht, dass Gottes Güte dich zur Umkehr bringen will?
Gott gab Kain also die Möglichkeit zur Umkehr. Und Gott gibt heute noch Millionen und Milliarden Menschen die Möglichkeit zur Umkehr. Deshalb lässt er sie am Leben.

Abel, Kain und die Frage nach Bewahrung

Nun hören wir von Abel in dieser Erzählung kein Wort. Doch eines wissen wir, und auch das Neue Testament berichtet es: Abel führte ein gottesfürchtiges Leben. Das ist ja auch der Grund, weshalb Gott sein Opfer angenommen hat. Umso erstaunter sind wir, dass dieser Mann sterben musste. Wäre er nicht gottesfürchtig gewesen, hätte er weiterleben können. Sein Vertrauen auf Gott beendete sein Leben.
Ja, wo war denn Gott? Warum sprach er nur mit Kain? Wieso warnte Gott Abel nicht vor Kain? Er hätte doch Abel beschützen sollen. Das widerspricht doch unserer Vorstellung von Bewahrung. Vertraue auf Gott, und er wird dich beschützen. Der Herr ist mein Schutz und mein Schild, er wird dafür sorgen, dass du von allem Bösen verschont bleibst. Es ist interessant, wie tief diese Überzeugung in uns sitzt.
Doch dieser Brudermord führt uns vor Augen, wie falsch wir die Verhältnisse unseres Lebens einschätzen. Diese Geschichte zeigt, wie radikal die Trennung von Gott ist. Sie zeigt uns, wie dramatisch verloren wir auf dieser Erde sind. Sie führt uns vor Augen, dass wir Gott wirklich losgelassen haben. Die Herrschaft über diese Welt, über den Menschen, hat der Teufel übernommen. Dieser interessiert sich dafür, alles zu zerstören, was sich hingebungsvoll Gott zuwendet. Er ist, so lehrt uns die Bibel, der Fürst der Welt.
Dieser Fürst der Welt bot Jesus die Herrschaft an. Der Teufel ging mit Jesus auf einen sehr hohen Berg, zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Herrlichkeit und sagte: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest. Jesus ließ sich nicht darauf ein. Er akzeptierte jedoch, dass der Teufel ihm dieses Angebot machen konnte. Er akzeptierte, dass er der Fürst dieser Welt ist. Doch Jesus würde ihn besiegen, wie wir am letzten Sonntag gesehen haben. Er wird dieser Schlange den Kopf zertreten.
Jesus ist viel mehr als der Fürst dieser Welt, nämlich er ist der Fürst des Lebens. Petrus sagte in der Pfingstpredigt: Den Fürsten des Lebens habt ihr getötet. Bei Jesus bekommt man Leben.
Die Lage ist wirklich sehr ernst mit dem Widersacher Gottes. Er versucht alles, um alles zu zerstören, was sich Gott zuwendet. Und ich befürchte, dass wir uns dieser Ernsthaftigkeit der Situation nicht immer bewusst sind. Dass wir nicht realisieren, wie verloren diese Welt wirklich ist und wie radikal es ist, dass wir Menschen uns von Gott gelöst haben. Und wie Gott darum ringt, Menschen zu gewinnen.
Paulus schrieb einmal an die Korinther: Denn wir wollen dem Satan nicht in die Falle gehen, schließlich wissen wir genau, was seine Absichten sind. Wissen wir das wirklich? Wenn Christen und Gemeinden zerstritten sind, wissen wir wirklich, was die Absicht des Teufels ist? Und wisst ihr, wir zerstreiten uns als Gemeinde ja nicht immer nur an Lehrfragen. Da bin ich ganz dafür, da muss man streiten und kämpfen. Aber wir streiten manchmal darüber, ob der Vorhang blau oder rot sein muss. Wir zerstreiten uns an Bagatellen, ob ein Schlagzeug in den Gottesdienst gehört oder nicht, oder was weiß ich, was für Kleinigkeiten. Christen zerstreiten sich untereinander wegen Bagatellen.
Wir würden besser diese Dinge auf die Seite legen und sagen: Wir kennen die Absicht des Teufels. Und wir lassen uns dadurch nicht zurückhalten. Zur Ehre Gottes geben wir nach, damit wir nicht die sind, die die Botschaft des Friedens verbreiten und gleichzeitig streiten und einander die Haare ausreißen und die Augen auskratzen.
Der Fürst dieser Welt wird einmal seinen Einfluss komplett verlieren. Gott wird die Herrschaft aufrichten und Gerechtigkeit schaffen. Die Gerechtigkeit wird aber erst in der neuen Welt hergestellt werden. Natürlich wird Gott auch heute ab und zu eingreifen. Er wird auch heute Kranke gesund machen, manchmal verhilft er uns auch zu unserem Recht. Aber das können wir nicht einfach erwarten. Es kann sein, dass wir in dieser Welt nie gerechtfertigt werden, dass Verbrechen, die an Christen begangen werden, in dieser Welt nie gesühnt werden. Doch es wird der Tag kommen, wo Gott die Gerechtigkeit aufrichten wird. Jedes Verbrechen, und sei es noch so verborgen geschehen, wird er richten und jedem ein gerechtes Urteil sprechen.
Wenn die Bibel davon spricht, dass uns Gott bewahren wird, dann geht es in erster Linie immer darum, dass er mich bewahrt, damit ich das Ziel erreiche. Er wird uns beistehen und uns durch die schwierigen Zeiten hindurchtragen. Ich möchte das hier mal an der Flipchart zeigen.
Wir leben so oft, als ob wir unser Leben nur bis zum Tod zu denken hätten. So denken wir, wir sähen unser Leben bis zum Sterben. Aber Gott sieht weiter. Er sieht über unseren Tod hinaus, und der Tod ist für Gott gar nicht so bedeutungsvoll, weil es Gott um das Leben geht. Ihm geht es darum, wo wir hinkommen.
Ob Abel früher oder später gestorben ist, ist nicht so wesentlich. Er ist ans Ziel gekommen. Das Problem hatte Kain. Wäre er gestorben, wäre er verloren gewesen. Gott geht es um Bewahrung, darum, dass wir ans Ziel kommen.
Ich könnte euch mal eine Aufgabe geben, mit der ich schon oft konfrontiert war. Überlegt einmal, welche Bibelstelle ihr findet, wenn ihr einen Krankenbesuch macht, um den Kranken zu ermutigen. Ob ihr hier eine Bibelstelle findet, mal von Jakobus abgesehen, wo wir füreinander beten können, dass wir gesund werden, das glaube ich auch, dass das geschieht, aber so eine Bibelstelle, die einem Kranken Mut macht, dass er wieder gesund wird. Ich wünsche euch viel Glück beim Suchen, auch in den Psalmen.
Ich habe festgestellt: Wenn man den Bibeltext im Zusammenhang liest, geht es nicht um die körperliche Heilung, sondern darum, dass wir im Leid Gott treu bleiben, dass wir durchs Leiden hindurch ans Ziel gelangen, dass Gott uns bewahrt, damit wir nicht aufgeben. Denn Gott will uns ans Ziel bringen. Er sieht, für ihn ist unser Tod keine große Sache, mal so banal gesagt, sondern er sieht über den Tod hinaus.
Gott mutet uns zu, dass wir die Ungerechtigkeit dieser Welt aushalten. Gott mutet uns zu, dass wir uns daran festhalten, dass wir eine faszinierende Zukunft haben werden. Er mutet uns zu, dass wir geduldig auf die neue Welt warten, in der die Gerechtigkeit aufgerichtet wird. Dann, in dieser Welt, wird Gott auch das Blut des Abels rächen. Denn wie er Kain sagte: Hörst du nicht, wie das Blut deines Bruders von der Erde zu mir schreit? Und dieses Blut schreit noch heute zu Gott. Nichts wird von den Bosheiten dieser Welt vergessen werden, jedes Verbrechen wird geahndet.
Jesus weist darauf hin, wie lohnenswert es ist, diese Ungerechtigkeit zu ertragen. Denn es wartet eine faszinierende Zukunft auf uns. Jesus sagt: Freut euch und jubelt, denn im Himmel wartet eine große Belohnung auf euch. Genau so hat man ja vor euch schon die Propheten verfolgt.
Und in der Offenbarung begegnen wir Menschen, die wegen ihres Vertrauens auf Gott gestorben sind und jetzt sehnsüchtig darauf warten, dass Gott endlich richten und diese Gerechtigkeit aufrichten wird. Da heißt es: Nun öffnete das Lamm das fünfte Siegel. Da sah ich am Fuß des Altars die Seelen derer, die umgebracht worden waren, weil sie an Gottes Wort festgehalten und sich zur Botschaft von Jesus bekannt hatten. Mit lauter Stimme riefen sie: Du heiliger und gerechter Herrscher, wie lange dauert es noch, bis du über die Bewohner der Erde Gericht hältst und sie dafür zur Rechenschaft ziehst, dass unser Blut an ihren Händen klebt?
Das ist die Wirklichkeit unseres Lebens und unseres Glaubens. Und wer davor die Augen verschließt, der wird weder im Glauben noch im Leben glücklich sein. Wer davon lebt, dass Gott nur dafür besorgt ist, dass es mir gut geht in dieser Welt, der wird, sobald er einen Schicksalsschlag erlebt, zutiefst in seinem Glauben erschüttert werden. Er wird fragen: Warum lässt Gott das zu? Warum ist das so?
Wenn mir das bewusst ist, dann weiß ich: Es gehört zu dieser Welt, weil wir noch nicht im Himmel sind. Ich habe das erlebt. Einmal hatten wir in einer Gemeinde Traktate geschrieben und die Traktate in den Häusern verteilt. Dann kamen sehr negative Reaktionen, und wir haben in der Gemeindeleitung darüber gesprochen. Einer in der Leitung sagte: Ja, das ist halt so, wenn wir das Evangelium verbreiten, kommt Widerstand. Er hätte doch genauso gut sagen können: Ja, du hast das viel zu extrem geschrieben. Oder: Wir müssen das ein bisschen besser schreiben, damit die Leute zufrieden sind. Nein, es war gut geschrieben, aber das Evangelium löst Widerstand aus.

Umkehr, Trost und Gebet

Nun zu den Gedanken: Wer sein Leben noch nicht Jesus anvertraut hat, der sollte das unbedingt tun. Wie Gott keinen Raum zur Umkehr ungenutzt verstreichen lässt, so hat er auch dir Raum zur Umkehr gegeben. Lass doch diese Zeit nicht ungenutzt verstreichen. Denn wenn du dein Leben Jesus anvertraust, wirst du für deine Schuld nicht mehr bestraft werden, was auch immer du getan hast oder nicht getan hast. Jesus hat für deine Schuld bezahlt.
Paulus sagt: Wenn du mit deinem Mund bekennst, dass Jesus der Herr ist, und mit deinem Herzen glaubst, dass Gott ihn von den Toten erweckt hat, wirst du gerettet werden.
Natürlich werden wir nicht gleich umgebracht, wenigstens nicht hier in der Schweiz, wenn wir an Jesus glauben. Es gibt Menschen, die damit rechnen müssen, dass sie umgebracht werden, kaum werden sie Christen.
Es ist auch so, dass Gott für uns sorgt. Wir dürfen alle unsere Sorgen ihm übergeben; er sorgt für uns. Es ist jedoch irreführend, wenn wir nur immer diese Seite unseres Glaubens betonen, dass Gott für uns sorgt und um unser Wohlbefinden bemüht ist, und dabei ausblenden, dass unser Glaube erschüttert wird, wenn uns Widerstand begegnet. Wenn wir hingegen wissen, wie die Verhältnisse in dieser Welt sind, dann werden uns auch schlimme Begebenheiten nicht erschüttern, seien es Krankheit, Angriffe, Spott oder Hohn in unserem Glauben. Und wir wissen: Auf uns wartet eine faszinierende Zukunft.
Also, wir haben nun diese Fragen beantwortet, denke ich. Ob ihr damit zufrieden seid, müsst ihr selber entscheiden. Vielleicht musst du heute Morgen einiges korrigieren in deinem Denken. Vielleicht musst du heute Morgen wieder ganz neu zu Gott sagen: Ich glaube, dass du der heilige Gott bist. Ich glaube, dass du es gut meinst. Und ich bin froh, dass du uns durch alle Not hindurchträgst, nicht alle Not wegnimmst, aber mich hindurchträgst, sodass wir innerlich ein Ja finden zu den Verhältnissen, die in dieser Welt sind, und dass wir mit ihnen leben können.
Wir singen nun das Lied und stehen dazu auf: Heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, er ist wirklich heilig. Singen wir das miteinander.
Nun möchte ich dir danken, Vater, dass du heilig bist, heilig und gerecht. Und diese Welt ist verloren, so verloren, wie wir uns das kaum vorstellen können. Und du ringst darum, dass wenigstens einige Menschen gerettet werden und zu dir zurückfinden. Du hast deinen Sohn geopfert, damit unsere Schuld vergeben wird. Und hilf uns, dass wir das begreifen, dass du der Erlöser bist und dass du nicht nur einfach das zulässt, sondern dass wir in dieser Welt so verloren sind, dass alles so läuft, wie es läuft, und du ringst um uns, um jeden Menschen in dieser Welt. Du schenkst uns Zeit, damit wir umkehren können, zu dir zurückfinden und ewiges Leben bekommen. Wir danken dir und beten dich an. Amen.