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Prediger 6,1-7,14

Prediger 6,1-7,1423.09.2016
Serie•Teil 5 / 9Prediger
Reichtum macht nicht satt, wenn du ihn nicht genießen kannst. Die eigentliche Frage: Lebst du im Haben-wollen – oder freust du dich endlich an dem, was vor dir liegt?

Einleitung zum Thema Reichtum und Genuss

Wir sind in Prediger Kapitel sechs angekommen. Salomo ist mit dem Thema Reichtum noch nicht ganz zu Ende. Er sagt noch etwas mehr dazu.
Er sagt in Vers 1: Es gibt ein Übel, das ich unter der Sonne gesehen habe, und schwer lastet es auf dem Menschen. Und dann beschreibt er das: Ein Mensch, dem Gott Reichtum und Güter und Ehre gibt. Ihr merkt, oben hatte er das auch so gesagt: Jeder Mensch, dem Gott Reichtum und Güter gegeben, den er ermächtigt hat, davon zu genießen, das ist super.
Jetzt das Gegenteil: Ein Mensch, dem Gott Reichtum und Güter und Ehre gibt und seiner Seele fehlt nichts von allem, was er wünschen mag, aber Gott ermächtigt ihn nicht, davon zu genießen, sondern ein fremder Mann genießt es. Das ist Nichtigkeit und ein schlimmes Übel.
Das ist das Gegenstück zu dem, was in Kapitel 5 steht. Keine noch so große Menge an Reichtum wiegt ein Leben ohne Freude und ohne Genuss auf. Wenn ich mein Leben lang schufte, weil ich mir sage: Wenn erst mal die Rente kommt, dann werde ich so richtig losleben, und drei Monate bevor die Rente kommt, kommt der Herzinfarkt und ich trete ab, gerade als ich all das ausleben wollte, was ich mir so vorgestellt habe.
Das ist, sagt der Prediger, Nichtigkeit und ein schlimmes Übel. Da hat einer seine Prioritäten dann so richtig falsch gesetzt.

Die Grenze von Besitz und die Weisheit des Genusses

Und jetzt kommt eine typisch orientalische Übertreibung. Selbst wenn ich hundert Kinder hätte und zweitausend Jahre leben würde und meiner Seele das Gute als Gabe Gottes nicht gönnen würde, dann bringen mir viele Nachkommen oder ein langes Leben gar nichts.
Vers 3: Wenn ein Mann hundert Kinder zeugte und viele Jahre lebte, sodass die Tage seiner Jahre viele wären, aber seine Seele sich nicht am Guten sättigte und ihm auch kein Begräbnis zuteil würde, von dem sage ich: Eine Fehlgeburt ist besser daran als er.
Beim Begräbnis geht es um das, was Reiche üblicherweise machen, nämlich sich eine aufwendige Begräbnisstätte zu schaffen. Wir würden heute sagen: ein Mausoleum. Wenn einer sich im Leben nichts gönnt und sich der Geiz noch darin zeigt, wie er sich auf billigste Art verscharren lässt, dann hat so jemand im Leben einfach gar nichts verstanden.
Und ganz brutal: Eine Fehlgeburt ist besser dran als er. Denn in Nichtigkeit kommt sie, und in Finsternis geht sie dahin, und mit Finsternis wird ihr Name bedeckt. Auch hat sie die Sonne nicht gesehen und nicht gekannt. Diese hat mehr Ruhe als er.
Und wenn er auch zweitausend Jahre gelebt, aber Gutes nicht gesehen hätte, geht nicht alles an einen Ort. Damit meint der Prediger: Am Ende trifft der Reiche auf die Fehlgeburt, und obwohl er die Chance hatte, ein Leben zu genießen, hat er sie nicht genutzt. Was für eine Dummheit!
Und deswegen dieser Rat: Sei doch bitte zufrieden mit dem, was du hast, und fang an, es zu genießen. Paulus würde sagen: 1. Timotheus 6,6. Die Gottseligkeit mit Genügsamkeit ist ein großer Gewinn.
Schöner Satz, ein bisschen schwierig von den Worten her. Gottseligkeit, Luther übersetzt mit Frömmigkeit, ist der Aspekt meines Lebens, der sich auf Gott bezieht, mein Leben mit Gott, mit Gott leben dürfen. Gottseligkeit mit Genügsamkeit, also Gott haben, mit ihm leben plus Genügsamkeit, das ist ein großer Gewinn. Das ist wahre Weisheit.

Genügsamkeit statt endloser Begierde

Und ich weiß nicht, wo ihr steht, ob ihr das habt oder ob ihr euch innerlich wie der Reiche hier verzehrt nach Dingen, die ihr einfach nicht haben könnt. Oder vielleicht habt ihr es, aber ihr genießt es nicht.
Der Prediger ist so herrlich nüchtern. Eigentlich möchte ich euch die ganze Zeit fragen: Gibt es genug Genuss in eurem Leben? Wir sind ja deutsch, also neigen wir ja nun nicht dazu. Oft jedenfalls nicht, die meisten von uns wahrscheinlich nicht. Dieses Thema Genuss hat ja schon fast einen anrüchigen Touch in der Christenheit. Aber jetzt kommt der Prediger und sagt das immer wieder: Es gehört zum Leben dazu, dass da, wo Gott uns mit guten Gaben beschenkt, wir, ohne dass wir Götzenanbeter werden, wir fangen jetzt nicht an, den Genuss zu vergöttern, aber dass wir sagen: Hey, da ist etwas, das mir von Gott geschenkt ist, und das möchte ich mitnehmen. Wir leben einfach auch auf dieser Welt.
Vers 7: Alles Mühen des Menschen ist für seinen Mund, und doch wird seine Begierde nicht gestillt. Der Hunger treibt den Menschen an, aber es gibt nie den Punkt, wo dieser Hunger mal vorbei ist. Und das Verrückte ist: Das gilt für den Weisen wie für den Toren. Also wenn du denkst, ich bin aber etwas Besonderes, nein, bist du nicht. Du hast die ganz normalen Bedürfnisse eines ganz normalen Menschen, auch als der, der mit Gott lebt.
Vers 8: Denn was für einen Vorzug hat der Weise vor dem Toren? Was nützt es dem Demütigen, der es versteht, vor dem Lebenden recht zu wandeln? Und das ist natürlich jetzt mit dem Vers davor im Blick auf die Grundbedürfnisse des Menschen: Der Weise hat keinen Vorzug vor dem Toren. Auch wenn ich weiß, wie man richtig lebt, wenn ich weiß, wie man gut mit Menschen umgeht, das stillt nicht meinen Hunger. Und so wie Reichtum auf der einen Seite nicht glücklich macht, so machen Klugheit und gute Umgangsformen auch nicht satt.

Das Sichtbare annehmen und das Erträumte begrenzen

Vers 9: Besser das Sehen mit den Augen als das Umherschweifen der Begierde.
Was wird hier gegenübergestellt? Auf der einen Seite das, was ich sehe, das, was ich erreichen kann. Auf der anderen Seite das, was ich mir erträume, was ich aber nicht erreichen kann.
Und dann heißt es: Auch das ist Nichtigkeit und ein Haschen nach Wind. Wenn man immer das haben will, was man sich erträumt, aber nicht haben kann, dann ist das Nichtigkeit. Das ist unweise, es ist falsch. Und deswegen ist das, was vor Augen steht, besser.
Wenn du sagst: „Das kann ich mir leisten, das macht mir Spaß, das genieße ich“, dann tu es. Und bleib nicht stecken in dem: „Ach, wenn ich aber nur das und das haben könnte, wenn ich nur endlich jenes Auto fahren, diesen Urlaub machen, jene Position in der Firma einnehmen würde, wenn ich ...“ Und immer wieder will man da mehr.
Und der Prediger sagt: Das ist dumm, das ist ein Haschen nach Wind, das ist Nichtigkeit. Das lohnt sich nicht, so zu leben. Bleib nüchtern: Wo stehst du? Was kannst du? Was hast du? Freu dich daran.
Das ist eigentlich einfaches Leben, oder? Man muss nur ein bisschen überlegen: Wo stehe ich? Was habe ich? Was mag ich? Und dann muss man, und da wird es dann schwierig für uns, das steht jetzt nicht im Buch Prediger, das sage ich einfach mal aus eigener Erfahrung, Zeiten einplanen, in denen man auch tatsächlich genießt.
Das Problem ist ja nicht, dass Gott uns nicht die guten Gaben gibt. Das Problem ist, dass man sie genießen muss. Und zum Genießen braucht man Zeit. Tja, ich weiß nicht, wann ihr das macht, aber ihr braucht es. Wenn ihr es nicht tut, dann würde der Prediger sagen: Freunde, das ist nicht wirklich weise. Es gehört dazu.

Weisheit beginnt mit Ehrfurcht vor Gott

Kommen wir noch einmal zum Thema Weisheit. Ein paar Aspekte, die dem Prediger wichtig sind, zum Thema Weisheit.
Punkt eins: Nimm Gott ernst. Da heißt es in Vers zehn: Was geschieht, schon längst ist sein Name bekannt, und bekannt ist, was ein Mensch sein wird, darum kann er nicht mit dem rechten, der stärker ist als er.
Ich habe mir hier erlaubt, weil ich die Übersetzung aus dem Hebräischen auch nur bedingt glücklich finde, in die Skripte, die ich ausgeteilt habe, in den Texten eine Alternativübersetzung hineinzuschreiben: Was existiert und nicht, was geschieht. Schon längst ist sein Name genannt, und es ist bekannt, dass er ein Mensch ist und dass er nicht fähig ist, mit dem zu rechten, der stärker ist als er.
So, das ist die Übersetzung, die ich besser finde. Warum? Worum geht es? Was existiert, hat einen Namen. Gott schafft den Menschen und nennt ihn Adam. Warum? Weil er vom Erdboden ist, und Erdboden heißt Adama. So sollen wir uns immer daran erinnern, wo wir herkommen und wohin wir gehen.
Adam, er ist Geschöpf, vom Erdboden genommen und dazu verflucht, wieder Erdboden zu werden. Als Mensch kann er nicht mit Gott, der stärker ist, ins Gericht gehen. Das ist zuerst einmal so wieder die Überschrift.
Ihr habt das vielleicht schon gemerkt: Bei diesen ganzen Abschnitten ist es oft so, die Kernaussage kommt am Anfang. Also noch einmal: Was existiert, schon längst ist sein Name genannt. Wir brauchen nicht darüber nachzudenken, wer der Mensch ist. Wir haben einen Namen. Es sagt ganz klar aus, wer wir sind. Und es ist bekannt, dass er Mensch ist und dass er nicht fähig ist, mit dem zu rechten, der stärker ist als er. Wir können mit Gott nicht rechten.
Egal übrigens, wie viele Worte wir verwenden. Und selbst Worte, die vielleicht aus menschlicher Perspektive total überzeugend sind und die Menschen gegen Gott vorbringen, sie machen unterm Strich nur die Nichtigkeit größer.
Vers elf: Denn da sind viele Worte, die die Nichtigkeit nur größer machen. Welchen Nutzen hat der Mensch davon? Und die Antwort ist: keinen. Der Mensch kann gegen Gott nicht argumentieren. Oder wenn er es tut, dann wird es ihm nichts bringen, weil der Abstand zu groß ist. Hier ist das Geschöpf, dort der Schöpfer. Auf der einen Seite Erdboden und auf der anderen Seite Ewigkeit. Das macht einfach überhaupt keinen Sinn.

Die Grenzen menschlicher Erkenntnis

Vers zwölf: Denn wer erkennt, was für den Menschen im Leben gut ist, die Zahl der Tage seines nichtigen Lebens, die er wie ein Schatten verbringt? Antwort: nur Gott. Wer weiß, was für den Menschen wirklich gut ist? Der Einzige, der das tut, ist der Schöpfer. Nur der Schöpfer weiß, was für uns gut ist.
Da, wo der Mensch versucht hat, seine eigenen Ideen zu leben – wir nennen das Sündenfall –, ging alles kaputt. Und bis heute ist das auch nicht anders. Denn wer kann dem Menschen mitteilen, was nach ihm sein wird unter der Sonne? Wenn du dir also die Frage stellst: Was kommt später? Was ist, wenn hier alles aus ist? Wer kann mir darauf eine Antwort geben? Antwort: nur Gott.
Wir sind schwache Sterbliche in der Gegenwart eines allmächtigen Gottes, und er allein kennt die Zukunft. Und deshalb, in puncto Weisheit: Der erste Punkt ist, nimm Gott ernst.

Den Tod als Lehrmeister annehmen

Zweiter Punkt: Nimm den Tod ernst.
Vers 1: Besser ein guter Name als gutes Salböl, und der Tag des Todes als der Tag, an dem einer geboren wird. Eine gute Reputation ist besser als teures Parfum. Aber Achtung: Solange du lebst, kannst du deinen Ruf noch ruinieren. Deshalb ist der Tag des Todes, genauer gesagt der Zustand, in dem ich sterbe, nämlich als Gerechter oder als Ungerechter, wichtiger als der Tag, an dem ich geboren werde. Und um mich daran zu erinnern, wie wichtig es ist, am Tag des Todes als Gläubiger zu sterben, sollte man sich, wenn es einmal eine Beerdigung gibt, diese Traurigkeit, die damit verbunden ist, wirklich zu Herzen nehmen.
Vers 2: Besser ins Haus der Trauer zu gehen, als ins Haus des Gastmahls zu gehen. Denn jenes ist das Ende aller Menschen, und der Lebende nimmt es sich zu Herzen. Es hört sich so komisch an, aber der Prediger sagt, es lohne sich, ins Haus der Trauer zu gehen. Feiern macht Spaß, aber wir müssen uns das Ende eines Menschen zu Herzen nehmen. Die Frage, wie wir sterben, ist unendlich wichtig, und deshalb:
Vers 3: Besser Verdruss als Lachen, denn bei traurigem Gesicht ist das Herz in rechter Verfassung. Das ist jetzt keine Lebensmaxime. Der Prediger feiert die Freude, das haben wir schon gelesen, immer und immer und immer wieder. Aber wenn wir vor lauter Spaß und vor lauter Zerstreuung vergessen, über die Sterblichkeit nachzudenken, wenn wir vor lauter Playstation, Herderspiele, Autobastelei und Schminkvideos nicht darüber nachdenken, dass wir sterben und wie wir sterben, dann müssen wir aufgeweckt werden. Dann muss das Herz in die rechte Verfassung gebracht werden. Und Herz im Alten Testament ist das Denken. Dann muss sich unser Denken um die richtigen Dinge, um die richtigen Themen drehen.

Weisheit im Blick auf Vergänglichkeit und Korrektur

Vers 4: Das Herz der Weisen ist im Haus der Trauer, das Herz der Toren aber im Haus der Freude.
Das heißt nicht, dass das Herz, also das Denken der Weisen, traurig ist. Aber es ist im Haus der Trauer. Der Weise denkt nach über den Tod, er reflektiert über die Sterblichkeit. Der Dummkopf tut das nicht.
Der eine, das ist der Dummkopf, der will die Party. Sein ganzes Denken dreht sich um Vergnügen. Über den Tod nachzudenken, ist für den Dummkopf kein Thema, und genau das macht ihn zum Dummkopf.
Zur Weisheit gehört, dass wir auf der einen Seite Gott ernst nehmen und dass wir uns gleichzeitig Gedanken über unsere eigene Sterblichkeit machen.
Ich habe euch etwas mitgebracht: einen Gliedermassstab. Er hat zehn Glieder. Wenn man ihn so aufmacht, ist er zwei Meter lang. Und das, was der Prediger uns sagen möchte, ist: Du kannst dein Leben nur einmal leben.
Wenn jetzt jeder dieser Abschnitte zehn Jahre wäre, dann wären das hundert Jahre. Dann kann man sich das so vor Augen malen. Als ich das das erste Mal gesehen habe, da war ich vielleicht Ende zwanzig. Da dachte ich mir: Boah, das ist ganz schön erschreckend.
Man kann ja sagen: Die zwei hinteren hier, die machen wir mal weg, weil hundert werden wir nicht, vielleicht achtzig. Und dann sind wir realistisch, je nachdem, wo wir stehen. Ich mache mal die ersten fünf hier weg, eins, vier, fünf, so. Und das merkt ihr: Das ist noch übrig. Das ist übrig, wenn es gut läuft.
Also statistisch ist bei mir, ich bin männlich, hier Schluss. Das kann ich jetzt nicht einklappen. So Anfang siebzig, für die Damen unter uns eher zwei, drei Jahre mehr. Ja, ungefähr hier ist Schluss. Aber das war es dann auch für mich. Das ist das, was ich noch erwarten kann.
Und das ist das, was der Prediger möchte. Er möchte, dass wir ab und an mal darüber nachdenken: Wo stehe ich eigentlich? Und was mache ich mit dem, was ich noch habe? Oder lebe ich vielleicht wie einer, der denkt, das hört da hinten gar nicht mehr auf? Das ist doch Quatsch.
Und sind wir jetzt mal noch ein bisschen realistischer: Das werden wir am Ende vom Buch Prediger lesen. Die letzten zehn Jahre machen keinen Spaß. Ich meine, da kann man nicht mehr laufen, da tut manches weh, und manchmal kann man nicht mehr richtig denken.
Wie viel Zeit habe ich noch? Und sich diese Gedanken zu machen, zu sagen: Ich nehme den Tod ernst, quasi todernst, das ist Weisheit.
Wie wird man weise? Was hat der alte König falsch gemacht? Er hat sich nicht warnen lassen.

Warnung, Geduld und ein nüchterner Blick auf das Leben

Also, Vers 5: Besser das Schelten der Weisen zu hören, als dass einer das Singen der Toren hört.
Zur Weisheit gehört, dass wir die Warnungen der Weisen hören und ernst nehmen. Und damit meine ich vor allem die Warnungen von Gottes Wort. Für all die Lustigkeiten, die uns in den Medien präsentiert werden, gilt das nicht. Ich weiß nicht, ich habe hier ein paar Namen aufgeschrieben, ich weiß nicht, ob ihr das kennt: so Big Bang Theory oder Heinz Erhardt, also all die Lustigkeiten, ob das Stromberg ist oder Cindy aus Marzahn, all diese Dinge, mit denen man seine Zeit füllen kann. Das Singen der Toren bringt uns kein Stück weiter.
Warum? Denn wie das Prasseln der Dornen unter dem Kochtopf, so das Lachen der Toren. Auch das ist Nichtigkeit. Dornen stehen in der Bibel immer für Wertloses, und Prasseln steht für Vergänglichkeit. Du kannst dir diesen ganzen Müll und Schrott geben, der in dieser Welt durch die Medien geistert, aber es wird dir kein Stück weiterhelfen. Du brauchst Weisheit, und du brauchst es, dass Gottes Wort zu dir spricht. Du brauchst Korrekturfähigkeit, und du brauchst es, dass du, wenn du die Bibel liest, tatsächlich noch erschrickst und sagst: Was habe ich denn da gemacht? Das ist ja alles ein Stück schlimmer, als ich es dachte.
In Jesaja 66 heißt es: Aber auf den will ich blicken, auf den Elenden und den, der zerschlagenen Geistes ist, und der vor meinem Wort zittert. Jesaja 66,2. Gott blickt auf den, der vor seinem Wort zittert. Und das ist der, der weise wird.
So noch ein paar Tipps, die er jetzt anhängt zu diesem Thema Weisheit.
Vers 7: Ungerechter Gewinn macht den Weisen zum Toren, und das Bestechungsgeschenk richtet das Herz zugrunde. Wir hatten in Prediger 5,7 gelesen, dass Korruption irgendwie normal ist, wenn es einen Verwaltungsapparat gibt. Aber für den Weisen gilt: Wenn du dich kaufen lässt, dann bist du nicht mehr weise. Warum? Weil in der Bibel der Weise immer der Gerechte ist, und der Narr ist immer der Ungerechte. In dem Moment, in dem der Weise mit Sünde flirtet, wird er zum Dummkopf. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Wenn du weise sein willst, schmeiß die Sünde aus deinem Leben raus.
Vers 8: Besser das Ende einer Sache als ihr Anfang, besser langmütig als hochmütig. Also beherrscht der Weise erstens seine Geldgier, zweitens seine Ungeduld. Er kann warten. Wir wissen, was hier steht: Besser das Ende einer Sache als ihr Anfang. Es gibt Dinge, die sehen am Anfang richtig gut aus, und am Ende können sie ein völliger Reinfall sein. Es kommt in allen Dingen immer auf das Ende an. Stell dir eine Firma vor, die am Anfang bei der Gründungsveranstaltung Hochglanzprospekte verteilt hat. Das ist völlig Wurst. Wichtig ist: Was machen die für Gewinn am Ende des Jahres, ja, und was machen die in zehn Jahren? Das Ende ist entscheidend.
Und so ist es einfach auch im Leben an anderer Stelle: Besser das Ende einer Sache als ihr Anfang. Die Frage ist nicht, mit wie viel Begeisterung du in dein geistliches Leben hineinstartest. Die Frage ist, wie viel von der Begeisterung noch übrig ist, wenn du sechzig bist. Was hat sich auf dem Weg getan? Ich bin gerade dabei, in meiner Bibelhöre 1. Chronik durchzuhören, und es ist öfter so, dass Leute am Anfang ihres Lebens mit Gott leben und hinten raus geht irgendetwas schief. Das ist total schade, das ist immer wieder total schade. Du denkst dir: Mann, was soll das denn?
Gestern auf dem Weg nach Hause, ja, ich hörte das gerade und war dann bei einem König und musste noch tanken. Und als ich von der Shell-Tankstelle runterfuhr, hieß es: Und er wurde dann krank. Und jetzt denkst du dir: Und jetzt beginnt er. Und er sucht Gott nicht in seiner Krankheit. Das ist so doof, ja. Der hat ein halbes Leben lang mit Gott gelebt und dann gibt er das einfach auf. Das Ende ist entscheidend, nicht der Anfang.
Deswegen ist es wichtig, dass wir unsere Ungeduld beherrschen, dass wir geduldig werden, besser langmütig als hochmütig, dass wir uns Zeit nehmen, selbst zu wachsen, dass wir uns die Zeit nehmen, die wir brauchen, und dass wir anderen dasselbe Recht einräumen, damit am Ende wirklich etwas Gutes herauskommt. Und da, wo man auf Ungeduld trifft, da achtet mal darauf: Der Ungeduldige ist der Hochmütige. Der Hochmütige ist der, der deshalb ungeduldig ist, weil er sich für den Maßstab hält und die Langsameren verachtet. Warum ist der denn nicht so? Der kann doch sein wie ich. Das heißt, es wäre ich der Maßstab.
Und der Weise ist da ganz anders. Der Weise ist langmütig, der Weise weiß: Dinge brauchen ihre Zeit. Und es ist wichtig, ein gutes Fundament zu legen und sich Zeit zu lassen. Also beherrscht der Weise seine Geldgier, seine Ungeduld und dann, Vers 9, seinen Zorn: Sei nicht vorschnell in deinem Geist zum Zorn, denn der Zorn ruht im Busen des Toren.
Frage: Gehst du schnell in die Luft? Schade, denn das tun nur die Toren. Weise Leute wissen, wie man die eigenen negativen Emotionen kontrolliert. Und wenn du sagst: Ich habe da ein Problem, dann gehört zum Weiserwerden auch dazu, dass man richtig mit seinen negativen Gefühlen umgeht. Der Weise geht nicht einfach in die Luft. Er tut es nicht. Warum? Er tut es einfach nicht.

Gegen die Verklärung der Vergangenheit

Jetzt kommt ein ganz schöner Vers. Früher war alles besser. Ehrlich?
Vers: „Sage nicht: Wie kommt es, dass die früheren Tage besser waren als diese? Denn nicht aus Weisheit fragst du danach.“
Also, wenn jemand sich hinstellt und sagt, früher war alles besser, kann man sagen: Stimmt nicht, stimmt nicht, das ist nicht weise. Die Idee, dass früher alles besser war, entspringt nicht der Weisheit. Es stimmt einfach nicht, es stimmt einfach nicht.
Jede Zeit ist irgendwie schräg und irgendwie gut. Und es ist völlig ziellos, auf die gute alte Zeit zurückzublicken und sie irgendwie festhalten zu wollen.
Wisst ihr, alles hat seine Zeit, und wenn das Gute vorbei ist, dann brauchst du ihm nicht nachzutrauern. Das bringt überhaupt nichts.

Weisheit, Besitz und die Kraft der Erkenntnis

Vers elf: Gut ist Weisheit zusammen mit Erbbesitz. Ich weiß nicht, warum Salomo das zusammenpackt, aber es macht einfach Spaß, weil es stimmt. Ja, auch der Weise bevorzugt Weisheit und Geld. Also nur Weisheit ist irgendwie auch, ja, aber Weisheit und Geld, ja, das ist einfach gut.
Und ich sage es noch einmal: Es ist nicht unweise, wohlhabend zu sein. Unweise ist es, Geld zum Herrn meines Lebens zu machen und ihm zu dienen. Der Herr Jesus sagt, wir können nicht Gott und Mammon dienen. Aber wir können Gott dienen und uns von ihm beschenken lassen.
Also noch einmal der Satz: Gut ist Weisheit zusammen mit Erbbesitz, und ein Vorteil für die, die die Sonne sehen. Also für die Lebenden. Für die, die leben, ist Klugheit und Wohlstand ein echter Vorteil. Achtung: nur für die, die leben. Wer nicht mehr unter der Sonne lebt, für die Toten, bringt Weisheit und Wohlstand nichts mehr. Also für den Moment ist das eine schöne Kombination.
Vers zwölf: Denn im Schatten der Weisheit ist es wie im Schatten des Geldes. Ihr müsst euch vorstellen, Weisheit und Geld sind wie ein Schatten, wenn die Sonne scheint. Wenn die Sonne scheint und du bist im Schatten, wo es ein bisschen kühler ist, dann bringt das Erleichterung. Und so ist das: Denn im Schatten der Weisheit ist es wie im Schatten des Geldes. Das bringt so ein Stückchen Erleichterung im Leben. Wenn ich klug bin oder wenn ich weiß, ich muss jetzt nicht jeden Cent umdrehen, dann ist das Erleichterung.
Allerdings ist Erkenntnis, also Durchblick, Klugheit, gerade in schwierigen Zeiten besser. Es ist ein größerer Gewinn als Geld. Deswegen geht der Vers weiter: Aber der Gewinn der Erkenntnis ist der, die Weisheit erhält ihren Besitzer am Leben. Weisheit kann, was Geld oft nicht kann. Weil in wirklich schwierigen Zeiten, und ich denke jetzt an Kriege, an solche Sachen, in wirklich schwierigen Zeiten, wenn Geld wertlos ist, dann brauchst du Weisheit. Sie ist einen Tick wertvoller.

Gottes Handeln annehmen, auch wenn es krumm erscheint

Und jetzt beenden wir das den Vortrag, indem wir uns noch zwei Verse anschauen. Da kommt einmal Vers 13:
Sieh das Werk Gottes an! Ja, wer kann gerade machen, was er gekrümmt hat?
Wir verstehen nicht, warum es Zeiten des Aufstiegs und des Niedergangs gibt. Warum es Krieg und Frieden gibt. Warum es Zeiten gibt, in denen man sich freut, so sehr freut, dass Gott unser Denken mit Freude beschäftigt. Und warum es Zeiten des Weinens gibt, in denen ich keine Ahnung habe, wie man mich in dieser Situation noch trösten kann. Wir verstehen das nicht.
Und jetzt kommt es: Wenn die Zeiten krumm werden, und krumm steht hier für unverständlich, unangenehm, was mache ich dann? Was muss ich tun, wenn die Zeiten krumm werden?
Antwort: Dann müssen wir das akzeptieren. Warum? Weil diese Welt, also diese Welt, in der wir leben, und weil die Geschichte dieser Welt Gottes Werk ist. Sieh das Werk Gottes an! Und die Frage: Wer kann gerade machen, was er gekrümmt hat? Die Antwort lautet: Niemand.
Wir dürfen in dieser Geschichte, die wir nicht verstehen, in der wir lediglich wissen, dass Gott keinen Fehler macht, mitspielen. Und wir sind mehr als Statisten, davon bin ich überzeugt. Aber wir sind nicht der Regisseur, auch wenn dir das nicht passt.
Wenn du merkst, jetzt entwickelt sich Geschichte in meinem Umfeld auf eine Weise, die mir überhaupt nicht schmeckt. Und ganz ehrlich: Wie sich im Moment evangelikales Leben in Deutschland entwickelt, schmeckt mir überhaupt nicht. Ich finde es gruselig zu sehen, wie wenig Menschen zum Glauben finden. Ich finde es erschreckend, wie Medien über bibeltreue Christen herfallen. Ich finde vieles, was im Moment in Deutschland passiert, einfach nur noch abartig. Ich finde es gerade nicht schön, hier zu leben, obwohl das so viel Wohlstand mit sich bringt. Aber ich finde so viele Sachen so anstrengend. Ich finde die Zeit wirklich krumm.
Wir feiern nächstes Jahr 500 Jahre Reformation, und ganz ehrlich: Hat das irgendeinen Einfluss auf unser Land? Es hat ja noch nicht einmal einen Einfluss auf die evangelische Kirche. Man kann ja nur noch heulen. Das ist total krumm. Aber ich kann es nicht ändern. Ich kann es tatsächlich nur akzeptieren.

Vertrauen in Gottes Weisheit in guten und bösen Tagen

Und ich kann Vers 14, das ist auch so ein Vers, den ich euch empfehle, auswendig zu lernen, nur ernst nehmen. Ich kann begreifen, wenn es heißt: Am Tag des Glücks sei guter Dinge, das ist nicht schwer. Und am Tag des Unglücks bedenke: Auch diesen hat Gott ebenso wie jenen gemacht.
Wenn es stimmt, dass Zeiten der Not aus Gottes Hand kommen, wenn es stimmt, dass in Gottes perfektem Plan mit dieser Welt mein Leid und mein Unglück kein Ausrutscher sind, kein Versehen, kein Irrtum, wenn es stimmt, dass Gott seine Welt so lenkt, dass mit möglichst wenig Leid möglichst viele Menschen zum Glauben finden, und das ist, was ich glaube, dann bin ich am Tag des Unglücks immer noch nicht guter Dinge. Denn es ist ein Tag des Unglücks. Es macht keinen Spaß. Ich glaube nicht einmal, dass der Tag Gott Spaß macht.
Und ich brauche nur nach Gethsemane zu schauen und mir vorzustellen, was der Herr Jesus an diesem Ort erlitten hat. Das hat ihm keinen Spaß gemacht. Das war so ein Tag des Unglücks. Und ich vermute, die 30 Jahre davor waren auch nicht wesentlich besser.
Wir müssen uns nicht künstlich über Unglück freuen. Aber wir dürfen in solchen Momenten, in solchen krummen Zeiten, eine Gelassenheit entwickeln, weil wir wissen, dass Gott keinen Fehler gemacht hat. Wir dürfen mit einem Gott, der uns liebt, vertrauen.
Und jetzt noch das Letzte, der zweite Teil von dem Vers 14: gerade deshalb, weil der Mensch gar nichts herausfinden kann von dem, was nach ihm ist. Es ist unsere begrenzte Sicht auf das Leben. Wisst ihr, wir schauen nicht weiter, als unser Terminkalender das letztlich zulässt. Aber Gott schaut weiter. Gott hat das große Ganze im Blick. Und das, was er sich wünscht, ist eine Sache: Er wünscht sich von uns, dass wir ihm in guten wie in bösen Tagen vertrauen, dass wir seiner Liebe vertrauen.
Und ich weiß nicht, wie es dir heute geht, ob du hier sitzt und sagst: Für mich ist das eigentlich so ein Tag des Glücks. Okay, wenn das so ist, dann sei guter Dinge. Aber vielleicht sitzt du auch hier und sagst: Für mich ist es eher ein Tag des Unglücks.
Egal, wie es dir geht, der Prediger möchte dir einen Punkt mitgeben: Der Gott, der die Ewigkeit kennt, der die Ewigkeit in dein Herz hineingelegt hat, der Gott, der dir seine Liebe am Kreuz bewiesen hat, der weiß ganz genau, was er tut. Vertraue du ihm.
Amen.

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