Serie•Teil 1 / 2E21 Konferenz 2012
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Ein Gebet zu Beginn und der Rahmen des Seminars
Dann lasst uns doch miteinander aufstehen und noch ein Gebet sprechen, dass der Herr uns helfen möchte.
Vater im Himmel, wir danken dir, dass wir heute nach dem Mittag auch diese Seminare haben dürfen. Wir beten für alle unsere Referentinnen und Referenten. Wir danken dir für das Fest, das wir hier feiern dürfen. Unter deinem Wort erleben wir deine Gegenwart, deine Unterweisung und deine Hilfe auch für uns in unserem Dienst, in unserem christlichen Leben.
Und wir bitten dich auch ganz herzlich: Steh uns bei, auch bei dem Seminar, das wir hier jetzt abhalten. Du wirst den Hörern helfen und auch mir, alles so rüberzubringen, wie es deinem Willen und Wohlgefallen entspricht. Wir bitten dich um deine Hilfe und den Beistand des Heiligen Geistes. Amen! Amen!
Nehmen wir also gerne Platz.
Das Seminar heißt Reformation in der Gemeinde, und der Leitungskreis von E21 hat nun mich hier gebeten, zu diesem Thema etwas zu sagen. Weniger so ein Motto oder ein Programm oder eine Empfehlung auszugeben, wie man Reformation in der Gemeinde denn machen kann, sondern weil wir auch hier in der Arche in den letzten zwanzig Jahren einen Weg zurückgelegt haben, der verglichen mit der Reformation Martin Luthers überhaupt nicht erwähnenswert ist.
Und doch hat hier in unserer Gemeinde etwas stattgefunden, worüber wir sehr, sehr glücklich sind. Und wir können das auch nur auf das Wirken Gottes zurückführen.
Das will ich jetzt nicht anhand theologischer Ausarbeitung mit euch besprechen, sondern einfach einen Erfahrungsbericht geben, wie uns das alles so widerfahren ist.
Herkunft, Prägung und erste Spannungen
Wer das noch nicht wissen sollte, weiß, dass ich damals in eine Pfingstgemeinde hineingekommen bin. Mein Vater war Baptist, meine Mutter war Pfingstlerin, und die beiden haben dummerweise geheiratet. Als ich dann geboren wurde, kam sozusagen ein Baptifingstler zur Welt.
Aber wie das so ist: Meine Mutter war eine sehr gottselige Frau. Sie liebte es, den Herrn anzubeten und ihn zu preisen, auch mit ihrer Gitarre. Sie war auch diejenige, die meine geistliche Prägung in meiner Kindheit ganz entscheidend mitgeprägt hat.
Nachdem mein Vater gestorben war und ich mich an seinem Sterbebett bekehren durfte, ging ich dann auch in die kleine Pfingstgemeinde hier in Altona, in der Sommerhuder Straße. Das war eine kleine Versammlung von rund vierzig Menschen. Dort wurden auch Geistesgaben gepflegt, die Lehre von der Geistestaufe vertreten und Heilungen erlebt. Zungenrede gab es ebenfalls, und das hat mich alles sehr fasziniert und tief bewegt. Ich war da auch ganz darin.
Allerdings hatte ich immer ein Problem, und das war von Anfang an so: Wir hatten einen Pastor, der ebenfalls ein sehr hingegebener Mann war. Er bemühte sich immer sehr um das Zungenreden, aber er bekam es nicht und konnte es nicht empfangen. Während andere in der Gemeinde es empfangen hatten, erwarteten sie dann, dass der Pastor doch in Zungen reden müsse, sonst könne er kein richtiger Pfingstpastor sein.
Da dieser liebe Bruder aber in meinen Augen ein Gottesmann war, ein tiefgläubiger Mann und auch ein starker Verkündiger, und ich sehr viel an ihm gesehen habe, was mich positiv beeinflusst hat, konnte ich nicht verstehen, dass man ihn von einigen sehr besonders geistbegabten Menschen so abstempelte. Einer sagte dann: Du bist kein richtiger Pfingstler, du bist ein Baptist, du gehörst hier eigentlich nicht her. Er hat sich immer mehr danach ausgestreckt, konnte es aber nicht empfangen.
Diese Spannung war von Anfang an in meinem Herzen. Ich habe das dann irgendwie überspielt und gedacht: Ach na ja, das ist wohl so. Ich bin der Sache nicht weiter auf den Grund gegangen. Ich muss auch sagen, ich habe viel Segen empfangen.
Dann bin ich auch in die Bruderschaft, in die Pfingstbruderschaft, eingetreten und habe dort auch mit namhaften Pastoren im Präsidium zusammengesessen. Wir haben wirklich auch eine starke Zeit erlebt.
Ernüchterung durch Übertreibung und geistliche Überforderung
Aber dann passierte etwas, das mich immer mehr stutzig machte. Es machte mich auch innerlich unruhig. Ich nenne es einfach einmal eine charismatische Übersättigung.
Visionsbücher gingen zu Dutzenden durch unsere Reihen, und ich habe sie ebenfalls verschlungen: Bücher über Gemeindewachstum, über Methoden, darüber, wie man das anstellen soll und darf. Natürlich habe ich dann auch alles versucht umzusetzen. Denn wer will nicht eine lebendige Gemeinde haben, und vor allem eine zahlenmäßig wachsende Gemeinde? Wer möchte nicht Erweckung erleben?
An dieser Stelle möchte ich auch sagen: Ich möchte niemanden belasten oder beschuldigen, der diesen Weg gegangen ist. Ich bin diesen Weg ebenfalls gegangen. Wir können wirklich sagen: Wir haben es ehrlich gemeint, wir haben es aufrichtig gemeint, und wir haben dann auch gemeinsam so gewirkt.
Aber eines Tages war ich dann so übersättigt, weil das, was an Prophetien, Versprechungen und Methoden so verheißungsvoll war, sich einfach nicht eins zu eins umsetzen ließ. Einige waren darin besser, die konnten das besser, andere nicht so gut. Und wer das nicht so gut konnte, der hatte dann natürlich auch nicht so viel Heiligen Geist. Das ist dann schwierig für mich geworden.
Ich bin dann auch nach Afrika gereist und habe die großen Feldzüge einiger namhafter Evangelisten besucht und miterlebt. Eines Tages kam in unserer Versammlung dann auch ein Mann, bei dem fielen die Menschen einfach um. Es war ein starkes Phänomen: Ganz schnell lagen 50, 100 Menschen vorne, und ehe man sich versah, lagen sie alle auf der Erde.
So ein Gottesdienst spielte sich auch in unserer Versammlung ab, damals noch in dem Versammlungsraum in der Kieler Straße. Die Menschen standen vorne, aber bevor dann dieses Zeichen, dieses Gebet, dass der Heilige Geist hier zum Umwerfen wirken sollte, losging, fiel schon eine Dame, eine Frau, viel zu früh.
Meine Frau kannte diese Schwester. Sie stammte aus unserer Gemeinde und hatte schon öfter so etwas wie Blutleere im Gehirn, niedrigen Blutdruck oder was weiß ich. Sie war schon häufiger im Gottesdienst umgefallen, und wir mussten schon mehrfach auch einen Sanitätsdienst besorgen. Sie ist dann auch ins Krankenhaus gekommen. Es ist immer gut gegangen.
In diesem Fall wusste meine Frau, was die Ursache war. Das war nun nicht der Heilige Geist, sondern eine körperliche Schwäche. Deshalb ging meine Frau natürlich zu dieser Schwester hin, die sie kannte, um zu schauen, was los ist, und vielleicht auch medizinische Hilfe zu holen. Vielleicht musste sie wieder ins Krankenhaus.
Dann hat die Frau des Evangelisten, die neben meiner Frau in der ersten Reihe stand, meine Frau zurückgerissen und gesagt: Lass die Frau in Ruhe, sie ruht im Geist. Wer war meine Frau, diesem Vollmachtswort jetzt wieder zu widersprechen?
Also blieb sie artig in der Reihe und ließ die Frau liegen. Lange Rede, kurzer Sinn: Sie musste dann ins Krankenhaus und ist drei Tage später verstorben.
Der Bruch mit der bisherigen Sicht und die Hinwendung zur Schrift
Eines Tages, ein paar Nächte später, weint meine Frau neben mir im Bett und sagt: Ich sage: Gertrud, was ist los? Warum weinst du? Kannst du nicht schlafen? Und dann sagt sie zu mir: Wolfgang, wenn das Erweckung ist, dann will ich keine Erweckung.
Das schlug bei mir ein wie ein Hammer. Ich will die kostbare Zeit nicht damit verbringen, jetzt noch mehrere solcher Erfahrungen zu erzielen. Aber es gibt eine ganze Reihe mehr davon, weil ich eben auch sehr nah dran war an den Geschehnissen, die man auch für Kraftwirkungen Gottes und des Heiligen Geistes gehalten hat. Und dann begann bei mir innerlich dieser Kampf: Wolfgang, irgendwann musst du jetzt ehrlich werden, und du musst dich dazu stellen.
Und so habe ich dann zu meiner Frau gesagt: Weißt du, Gertrud, ich möchte keine Bücher mehr lesen. Ich möchte nur noch die Bibel lesen. Ich bin müde. Heilungstheologien nach der Art von Wort des Glaubens, Wohlstandsevangelium, Möglichkeitsdenken, „hab einen Traum“, „aim it and claim it“, „hab eine Vision und glaub daran“, laxer Umgang mit nachweislich falschen Prophetien, Manifestationsphänomene à la Toronto, Rentnerehe ohne Trauschein, liberale Haltung in Sachen Scheidung und Wiederheirat, mangelnde Unterscheidung zwischen Psychologie und biblischer Seelsorge, Selbstwerttheologie, Gutmenschenglaube: Die Seelen möchte man therapieren, aber Sündenerkenntnis kommt dabei nicht vor. Ökumenische Sorglosigkeit, Frauenordination, ein paar Stichworte – all das hat mich umgetrieben.
Und ich sagte: Gertrud, ich lese kein Buch mehr. Ich lese nur noch die Bibel. Und meine Frau, die schleppt 14 Tage später doch ein Buch nach Hause. Und das ist dieses Buch hier gewesen. Das heißt: Spurgeon, wie ihn keiner kennt. Wir haben hier so einen christlichen Buchladen an der Holstenstraße in Hamburg, und da stöbert meine Gertrud sehr gerne. Und dann schleppt sie dieses Buch an, und ich bin richtig böse geworden. Ich sage: Geld, und ich will keine Bücher mehr. Und ich habe dann dieses Buch auch nicht angefasst. Ich war stur.
Und dann sah ich aber, wie meine Frau das Buch las, und sie hat dann verschiedentlich Stellen markiert. Neugierig, wie ich bin, was meine Frau denn da markiert, habe ich da doch mal geguckt. Und dann steht da: Arminianismus ist gegen die Schrift. Ach so, ja, Moment mal. Und was heißt freier Wille? Es heißt besser freie Gnade. Und all solche Sachen hat sie dann so angestrichen. Und dann habe ich gedacht: Was liest sie denn da? Calvinismus und Erwählung und na ja.
Und dann habe ich doch tatsächlich das Buch genommen und habe es gelesen, Spurgeon, wie ihn keiner kannte. Das habe ich in die Hand genommen und nicht wieder losgelassen, bis ich es durchgelesen habe. Und dann sind da immer Verweise, so Fußnoten auf seine Predigten, die er irgendwann mal in dem Tabernakel in London gehalten hat. Und alle seine Predigten, die sind erschienen in irgendeinem amerikanischen Verlag, 36 an der Zahl in 63 Bänden.
Ich hatte Geburtstag, und meine Ältesten der Gemeinde fragen meine Frau: Was sollen wir Wolfgang zum Geburtstag schenken? Und Gertl kommt zu mir und sagt: Du, das ist die Frage deiner Brüder. Ich sage ganz einfach: Sag ihnen, sie sollen mir die 3600 Predigten von Spurgeon schenken. Und als dann der Tag meines Geburtstags kam, dann waren doch tatsächlich auch die 63 Bände da. Das sind so dicke Bände, das ist also so ein Massiv von Büchern.
Und wisst ihr, was die Brüder gemacht haben? Die haben dann ein Fischernetz genommen – wir sind ja hier in Hamburg – und haben die 63 Bände ins Fischernetz getragen. Und vier Älteste vorne und vier Älteste hinten und zwei oder drei noch an der Seite haben das feierlich in den Saal reingetragen, im Gottesdienst, um mir das zu schenken. Ich konnte im Nachhinein nur sagen: Sie wussten nicht, was sie tun. Sie haben etwas getan, was einige von ihnen später bitter, bitter, bitter bereut haben. Hätten wir dem bloß nicht diese Bücher geschenkt. Aber einige haben gesagt: Wie gut, wie gut ist das gewesen.
Und dann habe ich natürlich angefangen zu lesen. Ich habe die Predigten nicht alle gelesen, aber allein diese Predigtserie bei der Einweihung seines Tabernakels: Da wird buchstäblich jeden Abend eine Predigt gehalten über einen anderen Punkt des Calvinismus. Das war eine Einweihungswoche, und die ging thematisch über die fünf Punkte des Calvinismus. Spurgeon bezeichnete sich als Calvinist, und das hat mich dann natürlich wirklich verändert.
Die Entdeckung der Gnade und die zweite Bekehrung
Dann las ich natürlich auch die entsprechenden Bibelstellen, besonders Epheser 1, die ersten Verse, wo von der Erwählung vor Grundlegung der Welt aus Gnade die Rede ist. Da habe ich eine Begegnung mit Gottes Wort gehabt, die ich nie vergessen werde. Mir ist das so bewusst geworden, so ins Herz gefallen, so eine massive Botschaft: Wolfgang, dass du errettet bist, das geht nicht auf irgendetwas zurück, was in dir ist. Das hat mit deinem sogenannten freien Willen gar nichts zu tun, sondern ehe die Schöpfung war, ehe Berge und Meere waren, ehe irgendein Mensch war, ehe die Engel geschaffen waren, war vor Grundlegung der Welt ein Geheimrat Gottes zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist, und die haben einen Beschluss über mein Leben gefasst, ehe ich geboren war. Diesen Mann, diesen Wolfgang, den armen Sünder, den reservieren wir uns für den Himmel.
Diese Wahrheit ist so in mein Herz gefallen, dass ich dann niederkniete und betete. Am Ende konnte ich nicht mehr knien, sondern lag so lang wie ich war auf dem Teppich und habe nur geweint. Ich war überwältigt. Ich nenne das heute die Gnade meiner zweiten Bekehrung. Erfassen kann ich das nicht, erklären kann ich das nicht, aber das hat mir eine Dimension, oder die wahre Dimension, der göttlichen Gnade offenbart und gezeigt, die mich bis heute nicht mehr losgelassen hat.
Und das ist das, was Spurgeon ja auch in seiner Autobiographie schreibt, unter der Überschrift Plädoyer für den Calvinismus. Er sagt, es ist gut, wenn junge Gläubige ihr Glaubensleben mit dem festen Vertrauen auf die großen grundlegenden Glaubenslehren beginnen, die der Herr in seinem Wort festgelegt hat. Hätte ich geglaubt, was manche predigen, dass es nur eine zeitweilige, eigentlich belanglose Errettung gebe, wäre ich dafür kaum dankbar gewesen. Aber als ich wusste, dass Gott seine Erlösten mit einer ewigen Erlösung rettet, als ich wusste, dass er ihnen eine ewige Gerechtigkeit gibt, als ich wusste, dass er sie auf ein ewiges Fundament der ewigen Liebe stellt und sie in sein ewiges Königreich bringen wird, ja, da habe ich gestaunt, dass eine solche Segnung gerade mir zuteil geworden war.
Und dann führt er weiter aus und sagt: Ich denke, nun werden einige Leute die Lehre vom freien Willen ins Spiel bringen. Ich kann nur sagen, dass mir die Lehre von der unumschränkten Gnade genügt. Er schreibt weiter: An einem Wochentag saß ich abends im Haus Gottes. Ich dachte nicht sehr viel nach über das, was der Prediger sagte, denn ich glaubte es nicht. Und da kam der Gedanke zu mir, während der andere predigte: Wie bin ich eigentlich ein Christ geworden? Ja, ich habe den Herrn gesucht. Aber wie bist du darauf gekommen, den Herrn zu suchen? In diesem Augenblick leuchtete die Wahrheit in mir auf: Ich hätte ihn doch nicht gesucht, wenn er nicht schon vorher meine Gedanken beeinflusst hätte, indem er mich dazu brachte, ihn zu suchen.
Ach, ich betete, so dachte ich. Aber dann fragte ich mich: Wie kam ich eigentlich dazu zu beten? Ich wurde durch die Heilige Schrift natürlich zum Beten ermuntert. Aber wie kam ich dazu, die Heilige Schrift zu lesen? Ich las sie, aber was hat mich denn dazu gebracht? Und so ging es immer weiter in seinem Herzen. Da, in einem Augenblick, sah ich, dass Gott der Urgrund aller Dinge ist, dass er der Urheber meines Glaubens war. Und so öffnete sich die ganze Lehre der Gnade vor mir. Von dieser Zeit an habe ich nicht von ihr gelassen, und ich möchte, dass dies immer mein beständiges Bekenntnis ist.
Das war dann so die Lektüre, die ich dann las, nach der Erfahrung, die ich euch ebenso erzählt habe.
Weitergabe der neuen Erkenntnis und die Folgen in Gemeinde und Familie
Aber dann fing ich an, das natürlich meiner Frau zu erzählen, meinen Ältesten zu erzählen, den Pastoren im Pfingstbund zu erzählen. Und manchmal habe ich gedacht: Hätte ich das bloß nicht getan.
Ich fühlte mich anfangs ganz allein. Gertrud hat nur zu mir gehalten, weil sie mich liebte, aber nicht, weil sie das glaubte. Das war das Erste, was Gertrud sagte: Wolfgang, wenn du das predigst, machst du die Gemeinde kaputt. In großen Konflikten.
Und so dachte ich: Es gibt niemanden auf der ganzen Welt. Ich war so blöd und so dumm. Ich dachte ehrlich, diese alten Lehren von der Gnade, von der unumschränkten Gnade Gottes, die findet man nur in alten, verstaubten Büchern. Und dann habe ich gebetet: Herr, kannst du mir nicht einen Menschen schenken, einen lebendigen? Gibt es auf deinem Erdboden heute noch einen Lebendigen, der das glaubt, der das weiß und der das auch erfährt? Ich möchte einen Lebendigen haben, mit dem ich mich darüber unterhalten kann.
Vierzehn Tage später hatten wir eine Veranstaltung. Das war noch drüben in dem kleinen Raum mit Joni Eriksson Thale. Ich dachte, das ist eine normale Baptistin, so wie wir sie in unseren Breitengraden kennen, arminianischer Prägung. Und Joni gab nur ihr Zeugnis. Ich glaube, ihr kennt ihre Geschichte: Sie hatte ja einen Badeunfall und sich dabei den Hals gebrochen und ist bis dahin querschnittsgelähmt. Eine bewundernswerte Frau.
Sie hatte Heilungen gesucht bei Kathrin Kuhlmann und ist in Amerika kreuz und quer zu den Vollmachtsheilern gefahren worden, aber es ist nie eine Heilung an ihr geschehen. Aber sie hat ihren Glauben nicht verloren, weil sie Menschen fand, die ihr die Lehre von der Souveränität Gottes auch nahegebracht hatten. Aber das wusste ich alles nicht. Und sie erzählte in ihrem Zeugnis immer wieder von der Souveränität Gottes, von der freien Gnade, von der Erwählung.
Hier fuhren sie abends in einem besonderen Mobil, einem Behindertenmobil, in ihr Hotel. Und sie sprach mit der Schwester, die sie 24 Stunden rund um die Uhr betreute, und sie redete über Jesus: Oh, ist das nicht herrlich, dass wir ein Kind Gottes sein dürften, dass der Herr uns erwählt hat, und wie wunderbar ist das mit der Vorsehung.
Ich sagte: Joni, könntest du mir das alles mal ein bisschen näher erklären? Meine Ohren wurden immer länger. Und dann habe ich eine ganze Nacht zusammen mit meiner Tochter mit Joni Eriksson Thale hier in einem Hotel am Gaumannsweg an der Alster zugebracht. Und da hatte Gott mir über den großen Teich mein Gebet erhört und mir eine Seele gesandt, einen lebendigen Menschen, mit dem ich über das alles sprechen konnte.
Sie hat mir das alles auseinandergetüftelt, und in meinem Herzen war langsam, aber sicher ein Bild, eine klare Schau von der Realität des Evangeliums, von dem, was die Bibel wirklich unter Evangelium versteht. Ich kam nach Hause, habe nur geweint, bin meiner Frau um den Hals gefallen, sie lag schon im Bett. Ich habe gesagt: Gertrud, Gott hat mir geholfen. Gertrud fing auch an zu verstehen.
Und in unserer Gemeinde waren auch Wunder Gottes da. Andi, unser Jugendpastor, ich fragte ihn: Andi, was sagst du? Wolfgang sagte: Schon als junger Christ habe ich mich mit diesen Fragen beschäftigt. Ich konnte nie Römer 9 verstehen, aber ich wusste es tief in meinem Herzen. Ich sagte: Andi, komm, lass uns die Bibel lesen.
Dann waren einige andere Älteste da, denen gab ich das Buch von Arthur Pink, Die Souveränität Gottes. Für einige Leute eine Satansliteratur, aber die haben es gelesen und gesagt: Ja, Gott hat es mir auch geschenkt. Und so ist ein Wunder nach dem anderen passiert in den Herzen einer Reihe von Brüdern, nicht zuletzt auch an Christian, meinem Sohn, den habt ihr ja auch kennengelernt. Er arbeitet ja auch mit im Trägerkreis von E 21.
Der Junge hat gelitten unter meinen charismatischen Predigten, der hat schweißnasse Hände bekommen. Ich weiß nicht, woher das kam. Und als er hörte, noch als Teenager, was im Herzen seines Vaters passierte, was ihn jetzt bewegte, lebte der Junge auf.
Meine eigenen Kinder, die unter der Predigt von den törichten und klugen Jungfrauen saßen und dann diese Frage hörten: Bist du bereit? Bist du bereit, wenn Jesus kommt? Hast du genug Heiligen Geist? Das hat diese Teenagerkinder in unserer Gemeinde zu schlaflosen Nächten gebracht. Sie haben verdammte Ängste gehabt. Denn welch ein Teenager kann sagen, in der Weise: Ich habe genug Heiligen Geist? Ich bin doch noch nicht fertig. Ich bin so unvollkommen. Ich habe nur schlechte Gedanken. Nein, ich bin kein vollkommener Christ. Ich mache noch so viele Fehler. Ich sündige noch, und manchmal sind auch Lüste in mir, die Gott nicht gefallen. Wann werde ich bereit sein? Werde ich bereit sein, wenn Jesus kommt?
Und dann haben sie Albträume gehabt, und meine Frau hat dann teilweise bis tief in die Nacht an der Bettkante mit unseren Kindern gesessen und ihnen versucht zu erklären, worin das Heil in Jesus Christus besteht. Und das ist fantastisch zu erleben, wie jetzt die eigenen Kinder zu uns kommen und sagen: Es ist auch für mich ein Wunder der Gnade, eine Hilfe, eine Antwort von Gott. Die eigenen Kinder kommen und sagen: Papa, es ist unglaublich, es ist so herrlich, dass Gott dir diese Wende in deiner lehrmäßigen Erkenntnis geschenkt hat. Jetzt ruhen wir im Evangelium und wissen, unsere Seele ist geborgen durch die bewahrende Gnade und nicht durch unseren vergeblichen Versuch, uns vor Gott wohlgefällig zu halten. Das schaffen wir nicht. Stimmt das?
Ich bin ja auch an die Sterbebetten von Menschen gegangen, teilweise an Pastoren, zu Pastorenfrauen. Die haben dann zu mir gesagt: Bruder Wegert, wie ist es denn jetzt? Ich weiß nicht, wird Gott mit mir zufrieden sein? Ich hoffe doch, ich habe getan, was ich konnte. Dann merkte ich, wie Christen Jahre, Jahrzehnte lang in einem Werkedenken verhaftet waren und Menschen nicht zur Ruhe kamen, obwohl sie Christen waren. Das waren dann diese Erlebnisse, die mein Herz umgeändert haben und dann nicht zuletzt auch die Gemeinde verändert haben.
Konflikte, Verluste und die Frage nach echter Reformation
Ja, wir hatten dann tatsächlich viel Spannung in der Kirche. In einem Schub waren es 50 Menschen, die die Gemeinde verlassen haben. Ich weiß, ich habe dabei viele Fehler gemacht, und das möchte ich auch euch bitten, wenn ihr in einer ähnlichen Lebens- und Dienstsituation sein solltet.
Ich bin natürlich ein sehr impulsiver Mensch, und wenn ich etwas erkannt habe, dann kämpfe ich dafür. Diese Art bringe ich dann auch auf die Kanzel mit. Ich glaube, da ist auch etwas Gutes daran, dass wir den Zuhörern wissen lassen, dass wir von dem wirklich überzeugt sind, was wir predigen. Aber manchmal fließt auch viel Fleisch mit ein, viel Rechthaberei. Könnt ihr das denn nicht begreifen? Dann versucht man es mit dem Vorschlaghammer, mit menschlicher Argumentation, und man bleibt nicht gelassen, man bleibt nicht ruhig und nicht geduldig. Man wartet nicht auf das Wirken des Heiligen Geistes, denn nur der Heilige Geist kann Menschen die Lehren von der Gnade erklären und offenbaren.
Das Ganze führte dann dazu, dass wir auch aus dem Pfingstbund ausgetreten sind. Da wurde ein Vertrauensausschuss eingerichtet, vor den ich geladen wurde. Mir wurde die Frage gestellt: Wolfgang, glaubst du daran: einmal gerettet, immer gerettet? Meine Antwort war: Brüder, glaubt ihr denn, einmal gerettet, noch lange nicht gerettet? Was ist das für eine Errettung, die doch nicht Errettung bedeutet? Denn das Damoklesschwert über dem Christen, das Verdammungsschwert über dem Christen, schwebt genauso wie über dem Gottlosen. Was für ein Unterschied ist dann zwischen einem Gotteskind und einem Weltmenschen? Dann hat sich mit unserer Bekehrung und unserer sogenannten Errettung ja noch gar nichts entschieden.
Natürlich hat man uns dann unterstellt und uns auch verleumdet. Ja, Wegert predigt jetzt, man kann sündigen, wie man will, man kommt sowieso in den Himmel. Einer hat sogar verbreitet, ich hätte gesagt, man könne auf dem Schoß einer Hure sitzen, das spiele alles keine Rolle, man werde sowieso gerettet. Wir glauben nicht an billige Gnade, sondern wir glauben daran, dass die Wiedergeburt einen Menschen so machtvoll verändert, dass man das an den Früchten dieses betreffenden Menschen erkennen kann, an einem veränderten Leben.
Und da, wo das nicht geschehen ist, wenn einer sagt: Ja, ich bin erwählt, das ist ja schön, jetzt kann ich machen, was ich will, dann ist das eigentlich ein Ausweis dafür, dass er es entweder nicht verstanden hat oder überhaupt nicht wiedergeboren ist. Sollen wir denn in der Sünde beharren, sagt Paulus, das sei ferne. Die Gnade ist mächtiger, das ist wahr. Aber in der Sünde beharren zu wollen, das ist Gotteslästerung. Und deshalb helfen diese Schlussfolgerungen nicht weiter, diese falschen Schlussfolgerungen, die manche auch bezüglich des Evangeliums der Gnade ziehen.
Wir haben dann auch schwere Rückschläge erlebt. Wie gesagt, Menschen sind aus der Gemeinde ausgetreten, Spenden wurden weniger. Wir haben ja auch Fernsehdienste im Land hin und her gehabt. Viele haben ihre Spenden eingestellt, sie haben auch unser kleines Missionsblatt abbestellt, und manchmal habe ich auch schlaflose Nächte gehabt. Wir haben geglaubt, das Werk wird untergehen. Jemand hat uns geschrieben, einer der Pastoren: Wolfgang, das kannst du nicht durchhalten, ihr werdet untergehen.
Aber Gott hat uns die Kraft gegeben. Treue und wortgebundene Auslegungspredigt haben sich ausgezahlt, und der Satz von Mark Dever hat mir persönlich sehr geholfen. Er hat gesagt: Richte einen soliden Dienst für Auslegungspredigten ein und sieh dann nur zu, was Gott tut.
Luther, Rechtfertigung und die Notwendigkeit der Erneuerung
Dann wurde immer wieder argumentiert, ja, da kommt immer dieses Wort: Du bist ein Calvinist, Calvinist, Calvinist. Und meine Frau sagt dann auch immer: Wolfgang, lass doch den Calvin auch weg. Ja, natürlich können wir Calvin weglassen.
Aber dann habe ich bei Luther geguckt, weil einige immer sagen, Luther wäre ganz anders, das wäre ein ganz anderer. Dann habe ich dummerweise bei ihm den Römerbrief gefunden. Und dann finde ich die Auslegung zu Römer 8,28: Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, die nach dem Vorsatz berufen sind, alle Dinge zum Besten dienen.
Und dann legt er diesen einen kleinen Satz über Seiten aus: die nach dem Vorsatz Gottes berufen sind. Und dann sagt er, an diesem Wort hängt der ganze folgende Text bis zum Ende des Kapitels. Denn er will zeigen: Den Erwählten, die von Gott geliebt werden und Gott lieb haben, lässt der Geist alles zum Besten dienen, auch wenn es böse ist. Er nähert sich hier, also Paulus nähert sich hier dem Gegenstand der Prädestination und Erwählung. Ja, er beginnt von hier ab, davon zu handeln.
Er ist nicht so unergründlich, wie man meint, sondern vielmehr voller Süßigkeit, also die Lehre von der Erwählung und Prädestination, sagt Luther. Dieser Gegenstand ist voll Süßigkeit für die Auserwählten und die, die den Geist haben, aber über alle Maßen bitter und hart für die Klugheit des Fleisches. Und er folgt Paulus auf seiner Spur und sagt: Wo sind die guten Werke, wo ist die Freiheit des Willens, wo der Zufall in den Dingen? So muss man offenbar predigen, das heißt, man muss richtig predigen, sagt nicht Calvin, sagt Luther. Das heißt, man muss die Klugheit des Fleisches erdrosseln.
Wenn der Apostel ihr bis hierher, also mit Vers 28, wenn er ihr bis hierher Hände und Füße der Klugheit des Fleisches, Hände und Füße und Zungen abgehauen hat, so fährt er fort und erwürgt er sie hier völlig und schlägt sie tot. Denn nun sieht sie, dass sie in sich nichts ist, dass vielmehr all ihr Gott in Gott liegt.
Es ist unfassbar, habe ich gedacht, wie kommt jemand darauf, den Luther in Schutz zu nehmen vor dieser Lehre der Prädestination? Und ich habe festgestellt, dass die Rechtfertigungslehre, die Luther ja so für bedeutend hielt, dass die für ihn überhaupt gar nicht galt, ohne sie auf dem Fundament der Prädestination zu sehen. Rechtfertigungslehre ohne Prädestinationslehre hat es für Luther überhaupt nicht gegeben.
Und wenn jemand von Rechtfertigungslehre spricht und Prädestination und Gnadenerwählung weglässt oder unterschlägt, der nimmt der ganzen Rechtfertigungslehre das Fundament. Und das ist dann hochinteressant, und man wundert sich dann, dass dann tatsächlich Glaubensbekenntnisse der Baptisten und auch der freien evangelischen Gemeinden diese Gnadenlehren ursprünglich einmal im Wesentlichen in ihren Bekenntnissen verankert hatten, aber heute ist das alles in Luft aufgelöst.
Und deswegen glaube ich tatsächlich: Reformation tut not. Wir müssen uns wieder mit dem beschäftigen.
Zweite Konfliktlinie: Geschlechterfrage und Gemeindepraxis
Wir haben dann eine wunderbare Entwicklung nehmen dürfen. Ich muss allerdings noch sagen: Dann kam eine zweite Welle, die uns hier als Gemeinde fast den Boden unter den Füßen weggerissen hat. Das war das Thema der Rolle von Mann und Frau.
Dann sind wir der Schrift natürlich in allen Bereichen auf den Grund gegangen und haben eine Predigtserie über 1. Timotheus gehalten. Ich bin heute ganz froh, dass es nicht gleich über das Fernsehen ging. Aber Gott hat das alles so gemacht. Es war genug Aufruhr hier in der eigenen Kirche, und dann sind noch einmal 50 Leute von uns gegangen.
Aber wir können nicht anders, sondern wir müssen die Dinge so sehen. Und wir glauben, dass das auch in der Schrift so steht. Wir haben gestern Abend von John Piper eine so ermutigende Botschaft gehört, in der er uns sagte: Sind wir bereit, das Wort zu predigen, oder wollen wir lieber Kompromisse eingehen? Ich denke, das ist letzten Endes die Frage.
Dankbarkeit, Wachstum und der Blick nach vorn
So kann ich am Ende auch meines Vortrags, den ich hier sehr stümperhaft halte, euch nur sagen: Hier vor euch steht der glücklichste Mensch auf Erden.
Vielleicht sagst du: Du bist der glücklichste Mensch. Aber gönn mir doch diesen Satz. Ich kann Gott nur preisen.
Was eben nicht eingetreten ist, ist, dass die Gemeinde zusammengebrochen ist. Was ebenfalls nicht eingetreten ist, ist, dass wir finanziell in den Ruin getrieben worden sind. Stattdessen hat Gott uns in der Kieler Straße diese wunderbaren Dinge offenbart.
Dieses hier ist inzwischen die dritte Kirche, die wir seit diesem Prozess gebaut haben. Wir messen das nicht an der Größe der Räume, aber es ist ein Zeichen dafür, dass Menschen kommen und hungrig sind. Auch diese große Kirche fängt an, Sonntag für Sonntag sich mehr und mehr zu füllen. Und wir sagen am Ausgang zu den Menschen: Ist das ein Geschenk? Ist das nicht wunderbar?
Wir fühlen uns geborgen in der Gnade Gottes, unseres Herrn. Das Evangelium bleibt Evangelium. Und so möchte ich uns allen Mut machen: Lasst uns nicht danach gieren, all den verschiedenen Abwandlungen des Evangeliums nachzulaufen. Oh, da gibt es so viele Sorten vom Evangelium. Nein, lasst uns bei dem einen bleiben, was uns die Schrift offenbart.
Das ist Kampf, das ist Schwierigkeit, das ist Rückschlag. Das bedeutet auch manchmal finanziellen Verlust und manchmal schlaflose Nächte. Aber letzten Endes dürfen wir erleben, dass der lebendige Gott sich zu dem stellt, was er gesagt, geschrieben und verheißen hat, in Jesu Namen. Glaubt ihr das?
Und so habe ich euch ein klein wenig erzählt von dem, was in unserer Gemeinde vor sich gegangen ist. Wir sagen das in aller Demut. Ich möchte auch im Nachhinein sagen: Ich möchte niemanden beschuldigen, weder Brüder noch Schwestern, drinnen oder draußen. Ich glaube an die Vorsehung Gottes, dass es auch Konflikte gegeben hat und manchmal auch Streit und Schwierigkeiten. Das war bei Luther in der großen Reformation auch nicht anders.
Wir handeln nicht aus irgendeinem Frust oder aus Verletzung, sondern wir wissen: Gott hat das alles so geordnet und Menschen auch so eingestellt und Herzen so entwickelt, dass sich diese Konstellationen ergeben mussten, aus der heraus dann das geworden ist, was es heute durch seine Gnade sein darf.
Und so preisen wir den Herrn für seine wunderbare Vorsehung, dass wir auch als Archel ein kleiner Teil von E 21 sein dürfen. Wir werden manchmal noch beäugt. Das geht manchmal so ein bisschen wie dem Apostel Paulus, dem Saulus, als der sich bekehrte und dann in die Gemeinde kam. Dann wollte man ihn auch nicht so richtig aufnehmen.
Und wir sind auch als Gemeinde dann auch von manchen so hinterfragt worden: Na, seid ihr nicht noch Charismatiker? Seid ihr nicht noch Pfingstler?
Doch, ihr Lieben, das möchte ich auch zum Schluss sagen: Wir glauben selbstverständlich an das aktive Wirken des Heiligen Geistes auch in unserer Zeit. Und wir glauben daran, dass Gott auch Wunder tut, dass Gott auch Heilungen schenkt und dass er geistliche Gaben schenkt. Aber nicht durch die Kraft unserer Manipulation, sondern durch die Kraft seiner unabhängigen Souveränität.
Er heilt, wen er will. Er rettet, wen er will. Er begnadet, wen er will. Und er schenkt auch die Gaben des Heiligen Geistes, wem er will. Es gibt kein Rezept und keine Gleichung, nach der wir Dinge von Gott bekommen. Sondern er ist der Herr, und alles kommt von ihm nach seinem heiligen Willen und Wohlgefallen, in Jesu Namen. Amen.
Fragen aus dem Plenum und Antworten
Wir haben noch zehn Minuten Zeit. Sollte jemand noch eine Frage haben? Ich sehe das an euren Gesichtern, dass einige sehr aufgewühlt sind. Wenn ihr möchtet, dürft ihr noch eine Frage stellen.
Vielen Dank erst einmal für den Vortrag und für das Augenöffnen. Du hast aber so viel erzählt, wo es den Pfingstlern so mangelte und wo sie ihre Nische hatten und anderes übersehen haben. Ich würde dich jetzt einfach bitten zu erzählen, wo es vielleicht den Gemeinden, die sonst so gesetzt sind und so ganz recht treu sind, wo es denen vielleicht mangelt, damit wir auch diese Fülle des ganzen Evangeliums mal mitnehmen.
Ja, Erfahrungsbericht heißt natürlich, ich soll darüber berichten, was ich erfahren habe. Ich bin nun die ganzen Jahre, ich kenne keine andere Gemeinde. Ich bin 1959 in diese Gemeinde gekommen, damals, wie gesagt, in der Säumler Str. und habe diese Gemeinde nur gekannt. Ich bin zwar im Reisedienst gewesen, habe verschiedene Gemeinden auch kennengelernt, auch unterschiedlicher Art und Prägung, aber da muss ich einfach ein Stück weit passen. Ich kann schlecht jetzt Rat geben, wie es Gemeinden geht oder was da geschehen könnte oder sollte, die am anderen Ende des ganzen Spektrums stehen, wenn ich das mal so sagen darf.
Eins möchte ich, und das, was ich einfach, wenn ich einen Satz dazu sage, das ist ja nicht nur etwas, was ich dann sage, sondern ich unterstreiche, was John Piper gestern gesagt hat, was mich enorm fasziniert hat und worin ich auch dann dieses lebendige, geisterfüllte Wesen wiedergefunden habe: Dass John Piper gestern Abend sagte, wenn du eine Predigt hältst, an der Schrift entlang, Vers für Vers, Wort für Wort, und das alles auseinanderbröselst und erklärst und exegetisch arbeitest, expository preaching, wenn du das alles machst, dann ist etwas ganz, ganz wichtig. Könnt ihr euch noch erinnern, was er gesagt hat? Dass ihr das Ganze als eine Herausforderung zum Lobpreis erkennt.
Ich glaube, und das ist auch, was Spurgeon uns lehrt: Spurgeon war ein Feind davon, auf der Kanzel Vorlesungen zu halten. Und wenn jemand meint, Auslegungspredigt sei, man müsse zwischen Vorlesungssaal und Gemeinde als Zuhörerschaft unterscheiden, dann ist das nur zum Teil richtig. Im Vorlesungssaal muss der Professor Theologie lehren, und da muss er auch Hebräisch und Griechisch dabei haben. Aber wenn ein Prediger, ein Pastor, einer Gemeinde das Wort Gottes predigt, dann darf und soll er das in einer lebendigen Weise machen, sodass sein Herz über den Text, den er behandelt, jubelt.
Wie war sein englisches Wort? Exult, exult in preaching, herolden und verkündigen. Und ich glaube, das ist es. Ich glaube, was völlig verkehrt ist, wenn Gemeinden bei den Nebensachen anfangen zu reformieren. Einige sagen: Jetzt müssen wir aber dringend ein Schlagzeug haben, dann kommt die Erweckung. Und andere sagen: Nun muss das Ding aber mal weg, dann kommt die Erweckung. Nicht wahr? Ja, wir fangen bei Stilfragen und Geschmacksfragen an. Jemand hat mal gesagt: Nein, als wir hier die Stühle aufstellten, das ist unmöglich, dass ihr zwei Gänge habt, ihr müsst einen Mittelgang machen, der Herr muss da durch. Alles solche Geschichten.
Sondern ich glaube, das ist das Entscheidende. Und da spreche ich jetzt aber nicht von mir. Doch, das darf ich auch von mir selber sagen: Das ist eine Leidenschaft. Das ist ein Stück dessen, was wir auch hier in der Arche erlebt haben. Dass die Freude an der Heiligen Schrift aufkommt, dass wir am Text predigen, am Text bleiben, den Text sprechen lassen, nicht unsere Storys, nicht unsere Witze und all das. Das hat mir gestern so aus dem Herzen gesprochen. Ich habe gedacht: Wenn das, was Piper gestern Abend gesagt hat, alle Pastoren in ganz Deutschland machen würden, wäre die Reformation größer als zu Luthers Zeiten.
Das ist, glaube ich, das, was ein ganz großes Geheimnis ist: Wenn keine Leidenschaft über dem Wort Gottes ist, keine Freude, kein Jubel, keine Anbetung, und die Gemeinde merkt, dass der Pastor lichterloh brennt über dem, was er da gefunden hat in der Heiligen Schrift und was er da mitteilt. Ich glaube, die Erweckung fängt durch die Weitergabe des Wortes Gottes an, und dadurch entsteht die Anbetung.
Rückfragen zu Charismatik, Heilsgewissheit und Ausbildung
So, da war noch jemand, ja. Ich glaube, dieser Bruder war zuerst da.
Ja, hallo, mein Name ist Reinhard Jalker. Ich möchte mich hier einmal zu erkennen geben. Ich bin Ältester in einer charismatischen Gemeinde, komme aus einer evangelischen Landeskirche und wollte dir auch noch einmal ein wenig Feedback geben.
Du bist im charismatischen Bereich doch immer noch eine sehr, sehr respektable Größe mit diesem Calvinismus. Das haben die Leute gar nicht so richtig wahrgenommen, muss ich ehrlich sagen. Ich sehe ganz große Nöte im charismatischen Bereich. Was du angesprochen hast, das habe ich auch erlebt.
Ich war einmal bei Charles Diffen, so einem schwarzen Wunderheiler, und dachte: Ich bin selber Arzt, jetzt siehst du die allerersten Wunderheilungen vor dir. Aber es war nur Manipulation. Ich bin dann zu den Kranken gegangen und habe gefragt: Geht es dir besser? Nein, der hat mir meinen Verband abgenommen, ich habe noch Schmerzen, und so weiter. Dann habe ich gesehen, dass du das Gleiche geschrieben hast. Der Mann ist in Ordnung.
Jedenfalls, was ich sagen wollte: Es gibt ganz große Nöte in der charismatischen Gemeinde, die Orientierung ist weg. Ich würde fast sagen, die charismatische Bewegung ist am Ende. Ich bin im Internet immer wieder von calvinistisch orientierten Internetfreunden diszipliniert worden, mit denen ich mich auseinandergesetzt habe. Aber an ihnen bin ich geschult worden, weil ich genau das, was sie den Charismatikern vorgeworfen haben, dann auch selbst gesehen habe. Insofern möchte ich noch einmal sagen: Ich neige immer dazu, ein bisschen auszuführen, aber was ich jetzt gerne noch einmal sagen möchte, ist Folgendes:
Ich denke, du hast auch eine Aufgabe, im charismatischen Bereich Führung zu geben oder Leitung zu geben, Orientierung zu geben. Wie kommen wir da raus? Wie kommen wir hin zu einer ganz gesunden Gemeinde, auch mit all diesen Grundlagen der reformatorischen Theologie? Die sind meiner Meinung nach nicht so weit, dass sie schon hier gleich mitmachen können bei Evangelium 21. Aber diesen Weg, den ihr gegangen seid, denke ich, wenn wir da Hilfen anbieten für viele Charismatiker, die sind reif, die sind absolut reif dafür. Die haben genug von diesen ganzen Prophetien: In den nächsten zehn Jahren wird es eine riesige Erweckung geben. All das, was du auch kennst, die Zeit ist vorbei. Die gehen alle der Jugend scharenweise den Emerging-Church-Leuten, Transformation, auf den Leim. Ich denke, da hast du eine Aufgabe.
Vielen herzlichen Dank für dieses Vertrauen. Aber wir wollen einfach weiter unseren Dienst tun, so gut wir können, die Bibel predigen, das Wort predigen, und vielleicht erleben das auch immer mehr Menschen. Ja, ihr dürft dafür auch beten. Gott helfe uns dazu.
Ja, da war noch eine Frage. Das Beste ist, wenn ihr nach vorne kommt, schnell, dann braucht unser Bruder Joe nicht so weit mit dem Mikrofon zu laufen.
Ich fand das sehr interessant, deinen Bericht, und sehr bewegend. Für mich ist es immer wieder so: Ich stolpere immer wieder über diese Texte aus Hebräer 6 oder Hebräer 10 und komme da nicht wirklich weiter in der Frage, können Christen verloren gehen? Gibt es die Möglichkeit? Das heißt, so wie ich das bis jetzt verstanden habe: Wenn man in Sünde verharrt und einfach das Rufen des Geistes nicht immer wieder zudeckt, dann kehrt man sich irgendwann selbst von Gott ab, weil man ihn nicht mehr lebt, nicht mehr mag, nicht mehr liebt. Aber ganz zufrieden macht mich das auch nicht. Ich möchte gerne hören, wie du das verstehst, wie du die einordnest. Denn wenn es so heißt, es ist nur ein rhetorischer Text, ist es mir auch zu wenig.
Also, das können wir ganz einfach machen. Wenn ich mich erinnere, habt ihr mein kleines Buch bei der Anmeldung bekommen, müsstest du bekommen haben. Da ist es drin. Da sind zwei oder drei Kapitel genau über dieses Thema, und dort werden auch nicht zuletzt diese Texte, die du angeführt hast, behandelt. So dass wir das jetzt, und das sage ich auch allen anderen, die die gleiche Frage haben, so machen.
Da war noch jemand. Entschuldige mich, ich bin ein dummer Holländer und spreche nicht so gut Deutsch. Aber ich habe von Christian, deinem Sohn, gehört, und jeden Mittag noch einmal. Das hat mich sehr verwundert, dass sie entdeckt haben, es ist nicht der freie Wille der Menschen, sondern Gottes Souveränität. Das ist das Hören von Gottes Wort, seine freie Gnade. Aber das hören wir in Holland mit 500 noch jeden Sonntag. Und da sind die Trennungen in der Kirche doch eine deutsche Bekenntnis, die uns in unserer modernen Zeit zusammenhält. Und ich spreche nicht davon, dass wir das besser wissen. Es ist nur Gottes Gnade, dass ich das erkannt habe, und ich glaube auch von dir, von ganzem Herzen. Aber es geht auch nicht über die Erwachsenentaufe oder die Kindertaufe, denn die Brüder und die Altvater in Holland haben auch Bunyan als einen Bruder erkannt. Also bleibt das zusammen.
Aber dann ist doch der Heidelberger Katechismus, der spricht von dem einzigen Trost in Leben und Sterben, und es verwundert uns so sehr, dass es das in Deutschland nicht mehr gibt. Warum ist das? Ich muss gestehen, ich habe das nicht ganz verstanden.
Ach so, ja, deswegen sind wir ja hier zusammen. Sie lernen auch, ich sage das wie ein Holländer: Calvin war der beste Lehrling von Luther. Was Luther gelernt hat, finde ich in den vier Solas, hat Calvin gut aufgeschrieben. Hat er doch. Ja, doch, das stimmt ganz überein. Und wenn ich das in Deutschland sage, dann sagen sie: Nein, nein, nein. Ja, ja, das ist doch die Frage. Deswegen sind wir hier, dass das wieder richtig auf den Leuchter kommt. Dass Evangelium 21 das wieder entdeckt. Und dann muss ich doch pleitieren, pleiten, fragen: Lesen Sie doch den Heidelberger Katechismus, das ist eine deutsche Bekenntnis, keine holländische. Und dann müssen Sie dafür die Gemeinde bauen.
Das ist ja wahr, es gibt ja Schriften in Deutschland, zum Beispiel den Heidelberger Katechismus, und da stimmen wir mit unserem Bruder voll und ganz überein. Die Holländer, die haben da uns eine ganze Menge voraus.
Also, ich bin Pastor einer jungen Gemeinde, und viele junge Menschen kommen zu mir und fragen mich, auf welches theologische Seminar sie denn gehen sollen. Ich würde dich gerne fragen oder bitten, dass du uns mal deine Top drei oder so nennen könntest.
Da kann ich nur Folgendes sagen: Das ist auch eine Führung Gottes. Der Herr hat uns mit einer Bewegung in den USA zusammengeführt, Sovereign Grace Ministries. Ich weiß nicht, ob ihr den Namen schon mal gehört habt. Das ist eine Bewegung, die zusammen mit der Gospel Coalition in den USA, der C. J. Mahaney als Leiter dieser Bewegung wirkt. Er ist auch Teilhaber und Mitbegründer der großen Together for the Gospel-Konferenz. Mit dieser Bewegung sind wir sehr befreundet, und die haben ein wunderbares Pastors College, auf das wir unseren Nachwuchs schicken. In Deutschland kennen wir uns nicht so aus.
Ich danke euch ganz herzlich für die Aufmerksamkeit, für das Interesse. Der Herr möge euch weiter segnen auf dieser Konferenz. Dankeschön, Dankeschön.

