
07.08.2026
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Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einordnung der Streitfrage und ihre Gewichtung
Ihr Lieben, danke fürs Einschalten! Ab heute solltet ihr mit Gottes Hilfe eine Einschätzung zu einigen eurer meistgestellten Fragen bekommen: Sollten Frauen predigen, sollten Frauen lehren, was sind die stärksten Argumente für beide Seiten und wie sind sie biblisch zu gewichten? Was ist mit Frauenordination, also Frauen als Pastorinnen, Pfarrerinnen, Priesterinnen? Sollten Frauen Pastoren, Älteste und Gemeindeleiter sein? Wie ist es damit, Theologie zu studieren oder eine Bibelschule zu besuchen? Was ist mit einem Gottesdienst moderieren, habt ihr gefragt, im Gottesdienst Musik zu machen, laut zu beten? Was genau sagt die Bibel dazu, was davon gilt für uns heute, was nicht und vieles mehr?
Und das, ihr Lieben, braucht eine gewisse Vorrede, weil das alles nicht ganz ohne ist. Erst einmal könnte es jetzt Leute geben, die sagen: Sagt mal, hattet ihr Christen nicht mal andere Themen? Wolltet ihr nicht mal einer sterbenden Welt das Evangelium bringen? Und das ist ein Stück weit berechtigt.
Wir denken an die sogenannte theologische Triage, dieses Dreieck, das wir hier schon mehrfach besprochen haben. Dieses Dreieck hilft uns, die Flughöhe der einzelnen Themen einzuschätzen und zu erkennen, wofür genau es sich lohnt zu kämpfen und wofür vielleicht weniger. Ganz oben bei dieser Pyramide, ganz oben bei diesem Dreieck, sind die heilsrelevanten Themen. Also etwa, dass der Freispruch beim kommenden jüngsten Gericht nichts ist, was wir uns erarbeiten oder verdienen könnten, sondern dass das nur aus unverdienter Gnade kommt, und dass es erst Jesu Tod ist, der das möglich macht, dass wir unsere Sünden überhaupt erst loswerden können. Der Gerechte stirbt für die Ungerechten und steht dann wieder körperlich auf. Dass Jesus nicht nur irgendein Prophet oder sozialer Reformer war, sondern wirklich Gott als Mensch. Und dass alles, was wir brauchen, um vor dem jüngsten Gericht gerettet zu werden, in den 66 Büchern der Bibel aufgeschrieben ist, die Gottes Worte enthalten, wie Jesus selbst das sehr deutlich darlegt. Wer in diesen Dingen etwas anderes behauptet, der stellt sich damit ausserhalb des biblischen Christentums und sollte auch so ehrlich sein, das einzugestehen.
Priorität Nummer zwei wären jetzt Fragen wie, ob wir Kleinkinder taufen oder nicht und welche Gemeindestrukturen wir haben. Dazu zählt zum Beispiel, ob Frauen predigen und leiten sollten oder nicht. Und hier ist es möglich, dass zwei Christen zwei unterschiedliche Positionen vertreten und sich trotzdem beide innerhalb des Christentums bewegen und gerettet und wiedergeboren sein können. Aber dazu gehört auch die Wahrheit: Sobald ein Gemeindeleiter sagt, A ist in dieser Frage richtig und B ist falsch, und der andere Gemeindeleiter sagt im Gegenteil, nein, B ist richtig und A ist falsch, dann können sie gerne Glaubensgeschwister in tiefer Verbundenheit sein. Aber dann wird es praktisch darauf hinauslaufen, dass sie verschiedene Gemeinden bauen. Dann wird es auf Dauer nicht so funktionieren, zumindest nicht in derselben Ortsgemeinde.
Priorität Nummer drei, und wir könnten hier auch noch einige Etagen tiefer gehen, sind zum Beispiel Fragen wie Endzeitthemen. Gibt es ein tausendjähriges Reich, ist das wörtlich gemeint, wann ist das, wie und so weiter? Gibt es eine Entrückung, wenn ja wann, wenn ja wie und so weiter? Oder auch Dinge wie Kleiderordnungen, zum Beispiel auch die Kopftuchfrage. Dort ist es möglich, dass Leute, die unterschiedlicher Position sind, unterschiedliche Vermutungen und Annahmen zu diesen Themen haben und trotzdem lebenslang in derselben Gemeinde sein können.
Das heisst also: Die Grundfragen dieses Videos sind nicht heilsrelevant. Ich denke nicht, dass es sich lohnt, dass man sich dafür bis aufs Messer streitet. Ich glaube nicht, dass das richtig ist. Warum? Weil es hier, auch wenn jemand falsch liegt, nicht um eine heilsrelevante Irrlehre geht. Das ist der eine Punkt.
Aber wie relevant das trotzdem ist, ob man zum Beispiel als Frau eine christliche Kirche leiten darf, das wäre die eine Position, oder im Gegenteil sogar in einer christlichen Kirche unhörbar sein muss, das wäre die andere extreme Gegenposition, und welche Auswirkungen das auf den Alltag, aufs Gemeindeleben, aufs Familienleben und auf die Ehe hat, das ist definitiv nicht Priorität vier oder fünf. Das werden Millionen Christinnen bestätigen, die teils täglich vor diesen Fragen stehen und wie sie das jetzt handhaben.
Und zu der Frage, ob wir keine anderen Themen haben: Ihr Lieben, haben wir. Allein an Videos haben wir auf dem YouTube-Kanal über zweihundertdreissig öffentliche Videos zu x Themen des Christentums, die meisten davon übrigens Fragen, die ihr in Kommentaren stellt. Dazu kommt, dass wir über eintausend Posts, also Text- und Bildbeiträge, Inputs, Ermutigungen und mehr im Jahr nur auf YouTube posten, morgens, mittags, abends. Dazu kommen die anderen Kanäle, dazu kommen mehrere Bestsellerbücher und auf der Website kostenfreie Infomaterialien, die sich zehntausende Menschen schon mitgenommen haben und die täglich in ihren Gemeinden, Hauskreisen und Familien nutzen, davon übrigens auch ein ernsthafter Teil von suchenden Nichtchristen. Also von thematischer Einseitigkeit kann hier zumindest keine Rede sein.
Warum dann trotzdem die Beschäftigung damit und warum zu diesem Zeitpunkt? Aus drei Gründen. Erstens fragen Leute von Anfang an nach diesen Dingen, Männer wie Frauen. Seit Jahren treffe ich mich jeden Monat mit unseren grossartigen Unterstützern. Du bist herzlich eingeladen, dabei zu sein. Und manchmal vergeht kaum ein Monat, in dem solche Fragen nicht kommen. Das ist total legitim, weil das Leute ja umtreibt. Ich konnte es aber viele Jahre nicht richtig beantworten. Warum? Weil ich es einfach nicht wusste. Deswegen habe ich zu diesen Dingen nichts gesagt.
Dazu kommt, dass meine Frau Elisa, die viele hier ja kennen und schätzen, und ich uns beide die letzten knapp zweieinhalb Jahre, besonders aber die letzten anderthalb Jahre, intensiv mit diesen Themen auseinandergesetzt haben: Was die Rollen von Mann und Frau, Ehemann und Ehefrau laut der Bibel sind. Sie wird dazu später auch noch zu Wort kommen.
Na, willkommen zurück, Elisa!
Schön, wieder hier zu sein, ich freue mich!
Ganz meinerseits!
Und schliesslich auch Punkt drei: Für mich als inhaltlichen Leiter des Bibelverdienstes stellt sich die Frage, wie das im Dienst gehandhabt werden soll. Unterschulden wir es einfach dir und euch als Zuschauern, Lesern und Unterstützern, dass wir das nicht einfach auswürfeln, sondern dass wir versuchen, in aller Schwäche und Unzulänglichkeit dem auf den Grund zu gehen, zu einem Ergebnis zu kommen und das Ergebnis für Christen wie für Nichtchristen nachvollziehbar darzulegen. Und das ist der Anspruch.
Mein Anspruch ist es nicht, in diesem Video oder in den darauffolgenden jeden zu gewinnen. Das versuche ich gar nicht erst. Oder jeden zu überzeugen und dass jeder Hurra schreit oder Leute ihre Gemeinden ändern oder Ähnliches. Nein, das meinte auch eine Unterstützerin neulich. Sie meinte: Egal, was ihr zu dem Thema sagt, danach ist die Hälfte der Abonnenten weg. Also falls du möchtest, kannst du ja gern schon mal diese Glocke hier unten rechts unter diesem Video drücken, um das ein bisschen zu kompensieren. Das wäre bei dem Video vielleicht ganz gut. Dank an alle, die das machen.
Mein Hauptanspruch für diesen Beitrag ist, dass auch Nichtchristen und andere Aussenstehende uns zumindest nicht für verrückt erklären, sondern sehen: Okay, die Christen haben sich damit beschäftigt, die denken sich was dabei, und die Argumente hierin sind logisch nachvollziehbar. Weil das ist genau das, was vielen fehlt. Sagte mir eine andere Christin vor wenigen Wochen: Ich brauche nicht noch einen Prediger, der meine Hand streichelt oder mir sagt, wie angenommen ich bin oder mich beseelsorgt. Ich möchte einfach mal Antworten haben und die Argumente hören. Ich will es einfach wissen: Wie soll ich das handhaben? Wie soll ich dem biblischen Gott in dieser Sache gehorsam sein, wenn ich es einfach nicht weiss?
Und diese Frustration können die meisten nachvollziehen. Frag zu dem Thema drei Christen, und du hast fünf Meinungen. Du wirst aber auch erleben: Die meisten haben sich damit nicht wirklich beschäftigt. Meine Erfahrung: Von zehn Christen, Männern wie Frauen, haben vielleicht zweimal einen Podcast gehört, der eine oder andere hat vielleicht mal irgendein Buch angelesen, und das war's. Wenn überhaupt, dann ist es häufig nur so ein: Der sagt das oder die sagt das. Und meistens nur ein: Habe ich mal gehört oder ich bin so aufgewachsen oder denke ich mir so. Aber mehr häufig nicht.
Es gibt auch kaum Predigtreihen, die sich mal substanziell mit dem Pro und Kontra auseinandersetzen, und selbst in meinem kompletten Theologiestudium mit Ausbildungsweg evangelischer Pfarrer kann ich mich in über sechs Jahren nicht an eine einzige Unterrichtsseminar oder Lehrstunde oder kirchliche Veranstaltung erinnern, in der das jemals überhaupt besprochen wurde. Und so komisch das für dich vielleicht klingt: Erst später, Jahre später, habe ich am Rande mal mitbekommen, dass diese ganzen Fragen in den Siebzigern bis Neunzigern wohl mal heftigst umstritten waren. Und ich kann dir nur sagen, wie es ist für Elisa und mich, die dritte Generation nach diesen Dingen, und die Phase, in der wir leben: Viele, sehr viele Leute in unserem Alter fangen erst langsam an zu begreifen, dass dieses Ganze mit der Rolle des Mannes, der Rolle der Frau usw. überhaupt irgendein Thema sein könnte. Viele von uns in unserem Alter wurden in unseren Gemeinden so geprägt, als ob die Bibelstellen dazu überhaupt nicht existieren würden.
Dann entgegnet vielleicht der eine oder andere Kritiker: Und du, Markus, ausgerechnet du bist dir jetzt sicher, dass du die Antworten hast. Ich habe auch nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen, ich bin auch nur ein Mensch, ich mache auch Fehler. Das ist mir sehr schmerzhaft bewusst, und jedes Jahr, dass ich älter werde, ist mir das schmerzhafter bewusst als vorher. Gleichzeitig habe ich mich jetzt fast anderthalb Jahre damit beschäftigt, und ich bin inzwischen sicher genug, dass keine entscheidenden Fakten mehr dazukommen werden, die zu einer vollständig anderen Schlussfolgerung führen werden. Also ja, sicher genug.
Und im Grunde sind das Ganze drei Fragen: Frage eins: Sollte jeder in einer Gemeinde alles machen dürfen? Frage zwei: Hat, wer eine christliche Gemeinde leiten sollte, irgendetwas mit dem biologischen Geschlecht zu tun? Und drittens: Wie setzen wir das konkret um? Das sind also die Grundfragen, die dahinter stehen. Und kurz gesagt: Du wirst am extremen Ende des Spektrums zwei sehr unterschiedliche Behauptungen hören, meist zwischen zwei Polen.
A wäre: Jeder sollte jede Position, jedes Amt in der Gemeinde oder in der Kirche übernehmen dürfen. Extrembeispiel: Als ich beispielsweise das Theologiestudium und die Ausbildung zum evangelischen Pfarrer durchlaufen habe, bis einschliesslich erstes theologisches Examen, aber nicht zweites, da wurde ich zumindest nicht einmal gefragt, nicht einmal, ob ich überhaupt bekehrt war. Und Extrembeispiel: Ich kenne auch persönlich jemanden, das ist jetzt keine Geschichte, sondern ich kenne den persönlich, der als offen bekennender Atheist sich an kirchlichen Ausbildungsorten hat ausbilden lassen und seinen Ausbildern regelmässig ins Gesicht gesagt hat, dass er nicht an ihren Gott glaubt, und sie haben ihn trotzdem durchgewunken.
Und B: Dann gibt es andere, die sagen, die Hälfte der Menschheit, nämlich Frauen, hätte in Kirchen und Gemeinden nichts zu sagen. Und manche meinen das sogar ganz wörtlich und gehen so weit, dass sie fordern, Frauenstimmen sollten in sämtlichen Kirchen und Gemeindegebäuden und bei allen Gemeindeveranstaltungen und auf Gemeindegeländen grundsätzlich unhörbar sein. Das sind natürlich Extrembeispiele, aber beides ist nicht ausgedacht. Beides sind reale Fallbeispiele, und beide berufen sich auf die Bibel. Und der Punkt ist: Du siehst es schon, sie können nicht beide im gleichen Sinn auf die gleiche Weise richtig liegen. Einer von beiden wird in dieser Sache falsch liegen, und nicht nur ein bisschen falsch, sondern richtig falsch.
Und wer liegt jetzt richtig und wer liegt falsch? Das wollen wir in diesem Beitrag mit Gottes Hilfe so kurz wie möglich, aber so lang wie nötig auf den Punkt bringen, damit jeder die Möglichkeit hat, die wichtigsten Argumente nachzuvollziehen und zu prüfen.
Die Frage ist auch niemals, ob Frauen angeblich weniger wert wären oder nicht vollwertige Menschen wären. Wer so etwas behauptet, der hat wirklich das Christentum nicht verstanden und der sollte sein Neues Testament noch ein paar weitere Male durchlesen. Das ist etwas, das wir in der heutigen westlichen Welt überhaupt nicht mehr auf dem Schirm haben. Was für eine bahnbrechende Revolution unter den Weltanschauungen es ist und wie einzigartig das auch ist in den Weltreligionen, dass im Christentum Frauen einen komplett vollwertigen Heilsweg haben. Jesus ist für alle Frauen gestorben. Das klingt banal, ist es aber nicht. Dass Frauen einen eigenen vollwertigen, unschätzbaren Wert vor Gott haben, unabhängig von einem Vater, von einem Vormund, von einem Ehemann oder vom Familienstatus, und dass auch kinderlose und auch unverheiratete ledige Frauen im Neuen Testament uneingeschränkt als vollwertig zählen.
Und zweitens: Es geht auch nicht darum, ob Frauen das könnten, sondern wer es nach dem Neuen Testament sollte. Ja, die Frage ist einzig und allein, ob ausnahmslos jede Position in einer Gemeinde von jedem ausgefüllt werden soll oder ob unter den Qualifikationen, die für bestimmte führende Positionen da sind, auch das biologische Geschlecht gehört. Das ist die Frage.
Deshalb hier noch einmal zur Erinnerung: Ich, Markus, ich bin nicht dein Pastor, ich bin nicht dein Ältester, dein Gemeindeleiter. Ich und wir, wir haben keine geistliche Autorität über dich, und du musst nichts glauben, nur weil ich das sage, und nichts tun, weil ich das sage. Prüfe alles und behalte das Gute. Aber das ist auch die Einladung des Textes: prüfe auch.
So, genug der Vorrede, dann lasst uns mal den Elefanten im Raum ansprechen. Wir stellen uns mal vor, wir machen eine kurze Zeitreise ins erste Jahrhundert nach Christus, in die Zeit der frühchristlichen Urgemeinden, zum Beispiel in Kleinasien, dem Gebiet der heutigen Türkei. Wir sind jetzt wandernde Missionare, wandernde Evangelisten, und wir kommen jetzt in eine Stadt hinein, wo wir wissen: Okay, da ist eine christliche Gemeinde drin, und wie im dritten Johannesbrief klopfen wir dort an und hoffen natürlich darauf, dass es ein bisschen Gastfreundschaft geben wird und dass wir die Möglichkeit haben, dort Anschluss zu finden. Dann geht die Tür auf und uns bietet sich folgendes Bild.
So, und jetzt unabhängig davon, welche Position du hast oder wie deine Prägung ist: Jeder von uns weiss, dass das so nicht ausgesehen hat. Ich kann mich auch an eine Situation erinnern, wo ich das einmal vor einer Gruppe vorgestellt habe, und da haben auch schon Frauen genickt und geschmunzelt. Es ist einfach Fakt, dass in der gesamten Christentumsgeschichte von Anfang an bis zum heutigen Tag christliche Gemeinden ganz überwältigend nicht von Frauen geleitet wurden. Wenn wir im Westen jetzt kommen und alles von Grund auf umkrempeln wollen, dann sollten wir besser ziemlich schlagende Argumente dafür im Gepäck haben.
Dazu kommt: Selbst heute wird die absolute Mehrzahl aller christlichen Gemeinden in Ostasien, in der Subsahara, dem indischen Subkontinent und Südamerika, selbst wenn du die westliche Minderheit dazunimmst, selbst heute wird die absolute Mehrzahl aller christlichen Gemeinden weltweit nicht von Frauen geleitet. Dazu hatte ich vor einiger Zeit eine einprägsame Begegnung, ich will das in einem späteren Video über ein anderes Thema nochmal in Ruhe erzählen, deswegen nur kurz angeschnitten: Vor kurzem hatte ich ein längeres Gespräch mit einem Ehepaar am Horn von Afrika. Er war muslimischer Imam und es passierte, dass er eines Tages ein Paar Schuhe kaufen musste, ganz normal, und dort tat ihm in die Einkaufstüte jemand ein Neues Testament in seiner Sprache hinein, was er erst zu Hause entdeckt hat. Und lange Rede, kurzer Sinn: Schliesslich bekehrte sich dadurch seine Ehefrau.
Danach gefragt, was sich durch die Bekehrung in ihrer Ehe verändert hatte, sass die Frau mir gegenüber mit so einer Ruhe und so einer Glücklichkeit und antwortete, ich fasse es zusammen: Ich weiss nun, dass ich einen eigenen Wert habe. Früher sagte man mir, ich komme nur, Ihre Worte, an der Fusssohle meines Mannes klebend ins Paradies, mir ein Kaugummi. Aber das stimmt nicht. Jetzt weiss ich, Gott selbst hat durch seinen eigenen Sohn mir höchstpersönlich einen eigenen Weg zu ihm bereitet. Jesus ist für mich persönlich gestorben, weil ich persönlich es ihm wert bin. Ich habe vor Gott einen eigenen Wert, und den kann mir niemand nehmen.
Und jetzt kommt diese Christin, die inzwischen viele Male ihr Neues Testament gelesen hat und selbst Evangelistin ist, sie würde gar nicht auf die Idee kommen, in einer christlichen Gemeinde zu predigen oder gar eine christliche Gemeinde zu leiten. Es gibt sehr, sehr viele Christen aus dem sogenannten globalen Süden, die uns ganz ehrlich fragen, und diese Frage wurde mir von einer aussereuropäischen Christin, einer Hochgebildeten dazu, auch mal tatsächlich ganz direkt so gestellt: Sie fragte, warum ist denn das bei euch im Westen so? Es ist keine Polemik, es ist kein Angriff, wir verstehen es einfach nicht, warum ihr das so handhabt. Haben wir denn nicht die gleiche Bibel?
Und auch diesen Elefanten im Raum muss man einfach mal ehrlich anerkennen. Es gibt ja nun mal Bibelstellen wie zum Beispiel 1. Korinther 14, 1. Timotheus 2, um nur mal zwei Beispiele zu nennen, aus denen aller mindestens klar wird, dass Frauen als Leiterinnen von christlichen Gemeinden zumindest kein Selbstläufer oder ausgemachte Sache sind. Es gibt ja nun mal Bibeltexte, die, sobald Aussenstehende sie lesen, erst einmal stutzen oder sogar sagen: Okay, da steht's also. Die ganze Sache ist also argumentativ definitiv kein Elfmeter ohne Torwart. Absolut nicht. Von der Ausgangslage her eher mit dem Fahrrad den Berg hoch mit Fahrtwind im Gesicht.
Das heisst im Klartext: Die Argumente von Leuten, die das befürworten, dass christliche Gemeinden von Frauen geleitet werden sollen, die müssen allein angesichts der Ausgangslage schon besonders eindeutig, ausgesprochen robust und aussergewöhnlich stark sein. So, ich hoffe, du konntest bis hierhin folgen, sonst spul gern kurz zurück. Weil dann lass uns jetzt schauen, ob die Argumente dafür, dass christliche Gemeinden von Frauen geleitet werden sollten, ob die wirklich so stark sind.
Wo fangen wir da am besten an? Also, es gibt eine Anlaufstelle, die für diese Frage wirklich sehr, sehr naheliegend ist, nämlich die grösste Gruppe in unseren drei Ländern Deutschland, Österreich und der Schweiz, die sich selbst als christlich bezeichnet und die nachdrücklich lehrt, dass ohne jede Berücksichtigung des biologischen Geschlechts jeder jede Position in einer Kirche ausüben kann und dass Frauen predigen, lehren und Gemeinden, Kirchen und Bünde leiten sollten. Die mit Abstand grösste Gruppe, die genau das lehrt, ist die EKD, die evangelische Kirche in Deutschland. Und in dem Zeitraum, in dem Elisa und ich das recherchiert haben, sind die Mehrzahl der Theologiestudenten und Pfarramtsanwärter in der evangelischen Kirche weiblich. Sind es entscheidende Predigten auf dem evangelischen Kirchentag, die von Frauen gehalten werden. Ist der Präses der EKD eine Frau, ist die EKD-Ratsvorsitzende, also Chefin der gesamten EKD, wenn du so willst, auch eine Frau. Und deshalb ist es mehr als fair, dass wir die EKD fragen: Warum handhabt ihr das so?
Und tatsächlich haben das auch schon Leute gefragt, und ihre Antwort findet sich ganz direkt schon als erstes Suchmaschinenergebnis unter einer für jeden einsehbaren öffentlichen Beantwortung, und zwar auf evangelisch.de. Das ist ein Portal, betrieben vom GEP, dem sogenannten multimedialen Kompetenzzentrum der evangelischen Kirche in Deutschland, ihrer Gliedkirchen, Werke und Einrichtungen und hauptsächlich bezahlt von Kirchensteuern. Und die Erwartungshaltung an diese Antwort auf evangelisch.de, die ist jetzt hoch. Welche entscheidenden, schlagenden Argumente sie aus dem Text des Neuen Testaments ziehen werden, es so zur Hand haben, wie sie es tun und nicht anders, und warum alle weltweit durch die gesamte Kirchengeschichte von Anfang an dies anders handhaben, warum die auch falsch liegen müssten. Also spitz deine Ohren, wir sind sehr gespannt.
Der Text trägt die Überschrift: „Warum dürfen Frauen in der evangelischen Kirche predigen?“ und ist als Antwort auf genau diese Anfrage geschrieben. Ich zitiere ihn jetzt vollständig.
Zitat:
Einzelne Bibelstellen sind kein Argument für oder gegen eine bestimmte kirchliche Haltung oder Praxis. So darf man mit der Bibel nicht umgehen, wenn man sie ernst nehmen möchte. Die Bibel in ihrer Gesamtheit ist das gültige Zeugnis des Wortes Gottes. Wer sie verstehen will, muss sie in ihrer Gesamtheit wahrnehmen und interpretieren. Das bedeutet auch, dass bestimmte Sätze und Vorschriften weniger wichtig werden als andere, wenn man schaut, worum es in der Bibel insgesamt geht. Wer einzelne Stellen der Bibel zu unumstösslichen Aussagen erklärt, macht aus der Bibel einen Götzen. Denn die Bibel, die doch von Menschen geschrieben wurde, steht dann über dem Wort Gottes, das Jesus Christus selbst ist. Selbst wenn man meint, der Heilige Geist habe den Autorinnen und Autoren der Bibel ihre Texte eingegeben, muss man sich folgendes klarmachen: Paulus, wie alle anderen, die die Schriften des Neuen Testaments verfasst haben, schrieben ihre Texte als Kommentare zum Alten Testament. Sie interpretieren also die Heilige Schrift, die ihnen vorging. Warum sollte also eine Interpretation der Heiligen Schrift, wie sie uns vorliegt, nicht auch vom Heiligen Geist geleitet sein? Darum der von Ihnen zitierte Satz des Paulus, ich ergänze 1. Korinther 14,33 folgende: Wie in allen Gemeinden der Heiligen sollen die Frauen in den Gemeindeversammlungen schweigen, steht im Widerspruch zur Tatsache, dass die ersten Menschen, die die Auferstehung Christi verkündeten, Frauen waren. Der Auferstandene zeigt sich ihnen zuerst und gab ihnen den Auftrag, es den Jüngern zu erzählen. Wenn man ihnen das Recht zur Verkündigung später verweigerte, liegt es an der patriarchalen Gesellschaft, in der zum Beispiel Paulus lebte. Es bedeutet also, dass Paulus hier etwas Wichtiges nicht berücksichtigt hat. Man könnte ihm zugutehalten, dass die Evangelien noch nicht geschrieben waren, vielleicht wusste Paulus nichts von den Frauen am leeren Grab. Darum tut die evangelische Kirche recht daran, Frauen verkündigen zu lassen, es entspricht nach guten Überlegungen über die Gesamtheit der Bibel Gottes Willen.
Oh Mann, wenn du nach diesem Text ähnlich viele Fragezeichen hast wie wir, dann bist du damit nicht allein. Und es ist auch so unnötig, weil es gibt ja bedenkenswerte Argumente für Frauenordination und dass Gemeindeleitung und das Predigen von Frauen übernommen werden sollte, da kommen wir gleich ausführlich drauf. Aber mit diesen Darlegungen tut sich die Position keinen Gefallen.
Ihr Lieben, ich nehme euch mal kurz und knackig mit rein in diesen Text von evangelisch.de, damit wir unser kritisches Denken schulen können. Wir konzentrieren uns jetzt nur auf die zwei Behauptungen, die mit unserem Thema zu tun haben, ob Frauen predigen, lehren und/oder Gemeinden leiten sollten. Das ist eine gute Übung in einem Zeitalter, wo jeder jedes behaupten kann, solange es nur gut klingt. Aber wir wissen ja: Nicht der Sprecher ist entscheidend, sondern das Gesagte.
So, jetzt schauen wir mal auf die relevantesten Stellen vom Text. Da heisst es im Text von evangelisch.de: Zitat: Der von Ihnen zitierte Text des Paulus, Ergänzung: Wie in allen Gemeinden der Heiligen sollen die Frauen in den Gemeindeversammlungen schweigen, steht im Widerspruch zur Tatsache, dass die ersten Christen, die die Auferstehung Christi verkündeten, Frauen waren.
Ihr Lieben, steht das im Widerspruch? Nein, tut es nicht. Es ist zum Beispiel logisch zu einhundert Prozent möglich, dass Gott möchte, dass Frauen ausserhalb von offiziellen Gemeindeversammlungen Gottesdiensten berichten, wie sie Jesu leeres Grab gesehen haben und alle Menschen in ihrem Umfeld evangelisieren, und dass Gott gleichzeitig möchte, dass Gemeindeversammlungen Gottesdienste von bestimmten dafür ausgesuchten Männern geleitet werden, die durch Lehre leiten und dafür vom biblischen Gott zur Rechenschaft gezogen werden. Da gibt es keinen logischen Widerspruch.
Dann dieser Satz von evangelisch.de: Selbst wenn man meint, der Heilige Geist habe den Autorinnen und Autoren der Bibel ihre Texte eingegeben. So eine kleine Minderheitenmeinung in zweitausend Jahren Kirchengeschichte.
Dann nächstes Zitat evangelisch.de: Wenn man ihnen Frauen das Recht zur Verkündigung später verweigerte, liegt es an der patriarchalen Gesellschaft, in der zum Beispiel Paulus lebte.
Ja, so etwas Ähnliches habe ich schon häufiger gehört, du wahrscheinlich auch. Wie ist das zu sehen? Ich weiss nicht, ob das absichtlich passiert bei evangelisch.de, aber hier wird mit der Doppeldeutigkeit des Wortes Verkündigen gespielt. Warum? Weil Verkündigen einmal bedeuten kann: evangelisieren, also anderen Menschen vom Evangelium weitererzählen, dass Jesus stellvertretend für Sünder gestorben ist und durch seine Auferstehung den Tod besiegt hat, damit jeder, der sich für den Tag des kommenden jüngsten Gerichts an Jesus festklammert, damit er nicht für seine eigenen Sünden in die Hölle kommen muss. Aber andererseits kann das Wort verkündigen ja auch bedeuten: predigen, lehren, durch Lehre leiten. Und darum geht es ja nicht um den ersten Part, sondern um den zweiten.
Zum Beispiel: Ich habe als Christ das Recht, zur Zeit und zur Unzeit jedem Menschen das Evangelium zu erzählen. Aber ich habe nicht das Recht, am Sonntag einfach auf die Kanzel deiner Kirche zu steigen oder deine Gemeinde zu leiten. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge. Dieser Text von evangelisch.de tut so, als ob man entweder nur beides dürfte oder keines von beidem. Das ergibt keinen Sinn.
Und mehr noch: Diese Aussage, das wurde später verweigert, das ist eine Unterstellung. Denn wenn es Gottes Wille ist, dass christliche Gemeinden nur von bestimmten, dafür ausgewählten Männern geleitet werden sollen, die dafür von Gott zur Rechenschaft gezogen werden, dann hätte Gott das von Anfang an so festgelegt. Dann wäre das nicht etwas, das Gott festgelegt hätte und Menschen später übergangen hätten. Der EKD-Text hier aber, so wirkt es auf mich, lässt ja gar nicht die Denkmöglichkeit offen, dass Gott das wirklich so festgelegt haben könnte, sondern er sagt gleich, er behauptet das einfach, das hätte an der angeblich patriarchalen Gesellschaft gelegen, in der das Neue Testament geschrieben wurde.
Und dann natürlich der Spitzensatz von evangelisch.de, wo sie schreiben, es entspreche nach guten Überlegungen über die Gesamtheit der Bibel Gottes Willen, also dass Frauen in der evangelischen Kirche predigen und die Kirche leiten. Rückfrage: Welchen Überlegungen entspricht das denn? Das einzige Argument, das im gesamten Text von ihnen genannt wird, sind die Frauen am Grab, und das allein widerlegt bei weitem nicht, dass christliche Gemeinden nur von bestimmten, dafür ausgewählten Männern geleitet werden sollen, die dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Mal ganz abgesehen davon, dass sie damit die Verse über die Frauen am leeren Grab zu einer unumstösslichen Aussage machen, was sie ja selbst wenige Sätze vorher noch scharf kritisiert haben, dass man das auf keinen Fall machen dürfte.
Und über die richtig abenteuerlichen Behauptungen von evangelisch.de haben wir noch gar nicht gesprochen. Deshalb an dich die Frage: Denkst du, so ein Format wie dieses kann Leuten helfen und wir sollten solche Reaktionsvideos mal machen? Dann drück gern auf diese Glocke hier unten rechts unter diesem Video und schreib gern in die Kommentare rein: Videowunsch Reaktionsvideo.
Also, ihr Lieben, schauen wir uns jetzt ganz allgemein an, wenn jetzt jemand die Position hat, dass christliche Gemeinden nicht nur von bestimmten dafür ausgewählten Männern, die dafür zur Rechenschaft gezogen werden, geleitet werden sollten, sondern dass christliche Gemeinden auch von bestimmten Frauen geleitet werden sollten. Wenn jemand diese Position vertritt, was sind denn dann Argumente, die dafür sprechen, dass genau das Leitung durch Frauen der biblische Befund ist und christliche Gemeinden weltweit, aller Zeiten, aller Orte das so handhaben sollten und nicht anders, und mehr noch: jeder, der etwas anderes vermutet oder es gar anders handhabt, dass der auch wirklich falsch liegt?
Und dafür, du kennst es vielleicht noch aus dem Apologetik-Buch „Kein Gott ist auch keine Lösung“, kannst du dir gratis mitnehmen über den Link unter diesem Video, dafür vergeben wir wieder eine Fische-Skala. Eine Fische-Skala von null bis drei, ja, also null: gar nicht relevant, gar nicht überzeugend, bis drei: schlagendes Argument. Und damit wollen wir jedes Argument bewerten, wie gut es ist. Und in aller Offenheit: Das Hauptproblem für beide Positionen ist, dass Jesus nichts Eindeutiges, ausführlich und ausdrücklich dazu gesagt und ausbuchstabiert hat. Weil hätte zum Beispiel Jesus in der Bergpredigt gesagt, okay, jetzt ein ganzer Bibelabschnitt oder zwei oder drei dazu, wie genau diese Thematik für Christen und seine Nachfolger aller Zeiten, aller Orte behandelt werden sollte, dann wäre die Diskussion überflüssig. Warum? Weil dann wäre für jeden Christen, der auch nur halbwegs authentisch leben möchte, die Sache klar. So, das haben wir nicht, das in aller Offenheit.
Die Frage ist nun, ob es genug gewichtige, eindeutige biblische Befunde gibt, die die Frage trotzdem eindeutig beantworten. Wir sind hier also im Bereich der Textauslegung, und da gibt es am Ende des Tages in den Einzelfragen nur ein Ja oder ein Nein.
Also Argument von der Position, dass Gemeinden auch von Frauen geleitet werden sollten: Argument Nummer eins ist das Stichwort Priestertum aller Gläubigen. In seiner extremen Ausprägung steht hinter diesem Stichwort, dass manche behaupten, jeder dürfte in einer Gemeinde alles machen. Jetzt haben wir Glück, weil wir haben hier auf diesem Kanal schon aus dem Text heraus erläutert, was Priestertum aller Gläubigen heisst und was nicht. Und das hat nichts, aber auch gar nicht das Geringste zu tun mit Gemeindeordnungen oder wer in einer Gemeinde was macht. Die Aussagekraft von dem Argument für unsere Frage, ob christliche Gemeinden von Frauen geleitet werden sollten oder nicht, ist tatsächlich null von drei Fischen, und die ausführliche Erklärung dazu findest du mit allen Belegen hierunter verlinkt unter diesem Video, so dass das jeder selbst überprüfen und nachvollziehen kann. Wir gehen gleich zum nächsten weiter.
Dann ein Argument, das Elisa und mir beiden schon vorgebracht wurde, ist, dass dieser eine Vers in Galater 3,28 angeblich bedeuten würde, dass Geschlechterrollen in einer christlichen Gemeinde austauschbar wären und jede jede Aufgabe übernehmen könnte. Wir schauen mal in den Text rein, dort heisst es: Da ist weder Jude noch Grieche, da ist weder Sklave noch Freier, da ist weder Mann noch Frau, denn ihr seid alle einer in Christus Jesus.
So, einige sagen jetzt, das würde bedeuten, Mann und Frau wären gleich und es gäbe keine Geschlechterunterschiede innerhalb einer christlichen Gemeinde und christliche Gemeinden sollten auch von Frauen geleitet werden. Ja, und wenn unser Redakteur Thomas jetzt gerade hier mit im Raum wäre, der über Monate und Monate Vers für Vers durch den gesamten Galaterbrief durchgepredigt hat, mal ganz ehrlich, dem würde jetzt die Kinnlade runterklappen. Warum? Weil Galater 2 und 3 haben nicht das Geringste damit zu tun, wie eine Gemeinde organisiert werden soll.
Um es kurz zu machen: Wenn Galater 3,28 angeblich bedeuten würde, dass alle innerhalb einer Gemeinde gleich wären, was immer das heissen soll, und es keine Rollenunterschiede oder unterschiedlichen Autoritäten gäbe, na ja, dann könnten ja Frauen gerade nicht Älteste, Pastoren, Gemeindeleiter sein. Warum? Weil ja alle schon komplett gleich wären und es gäbe ja keinerlei Unterschiede, keine Ämter, keine Autoritäten oder irgendwelche Gemeindeordnungen mehr. Das heisst, selbst wenn Leute, die Galater 3,28 diese Bedeutung zuschreiben wollen, damit richtig lägen, könnten sie damit immer noch nicht begründen, warum christliche Gemeinden von Frauen geleitet werden sollten, weil es ja dann keine Leitung mehr gäbe. Das heisst, selbst wenn sie in diesem Punkt richtig lägen, lägen sie immer noch falsch.
Und dazu kommt: Das Wort, das in den deutschen Bibeln mit „einer“ übersetzt ist, also „Ihr seid alle einer“, heisst im Text das altgriechische Wort „heis“. Das ist ja das gleiche Wort, wo manche Leute behaupten, es würde bedeuten: „Ihr seid alle gleich.“ Dieses Wort heis kommt in dieser Form über zweihundertsiebzig Mal im Neuen Testament vor, und in allen seinen Formen heis, hen kommt es über dreihundertfünfzig Mal im Neuen Testament vor. Und in keinem Zusammenhang bedeutet dieses Wort „gleich“. Schau gern in die altgriechischen Standardwörterbücher hinein, und du wirst sehen, dass die Bedeutung von „gleich“ nicht einmal als Definition aufgeführt ist für das Wort heis. Das heisst schon mal rein sprachwissenschaftlich: Zu behaupten, dass hymeis heis este en Christo Iesou, also „Ihr seid alle einer in Christus Jesus“, dass das bedeuten würde, „Ihr seid alle gleich“, ist etwas dem Text aufzustülpen, was dort einfach nicht steht.
Lies einfach mal selbst Galater 2 und 3 komplett durch. Worum geht es dort? Nicht um Innenverhältnisse in christlichen Gemeinden, sondern um das Aussenverhältnis von Wiedergeborenen zu Gott. Lies es selbst, es geht dort eben nicht um die Ordnung im Haus Gottes oder um das Leben als Christen. Diese Themen werden an ganz anderen Stellen behandelt. Nirgends im Galaterbrief und nicht einmal in anderen Briefen findet sich irgendein Hinweis darauf, dass Geschlechterrollen abgeschafft sein sollen. Ganz im Gegenteil, kommen wir gleich drauf.
Was wir also sagen können, ist, dass Christen, die männlich sind, und Christen, die weiblich sind, Christen, die aus jüdischem und Christen, die aus nichtjüdischem Hintergrund kommen, Christen, die versklavt sind und Christen, die nicht versklavt sind, dass die vor Jesus gleichwertig sind. Und wenn in Galater 4 die Rede davon ist, dass alle Wiedergeborenen jetzt Gottes Geist in sich haben und dass es den Status der Sohnschaft gibt, na ja, dann heisst das ja gerade, dass alle wiedergeborenen Christen jetzt den Status haben von vollwertigen Erben von Gottes Reich, egal ob du Ältester bist oder normales Gemeindeglied wie ich, egal ob du Frau oder Mann bist, ob versklavt, Gefangener, verfolgt oder frei, aus jüdischem oder aus nichtjüdischem Hintergrund. Deshalb wird ja in Galater 2 und dem Konflikt mit Petrus gerade so scharf verurteilt, dass Petrus in einem schwachen Moment Christen aus nichtjüdischem Hintergrund praktisch im Ergebnis so behandelt hätte, als wären sie unrein und keine vollwertigen Christen.
Das heisst, heis hier übersetzt heisst gerade nicht: Ihr seid alle gleich im Sinne von es gibt keine Rollenunterschiede, sondern es heisst: Alle Wiedergeborenen sind in ihrem Status vor Gott vollwertige Kinder Gottes. Oder anders: Einem wiedergeborenen Christen, in dem der Heilige Geist lebt, fehlt nichts, um ein vollwertiger Erbe von Gottes Reich zu sein. Er oder sie ist es jetzt schon, mit oder ohne Amt.
Weil es gibt ja einige, die behaupten: Jaha, aber solange ich nicht Ältester, Pastor oder Gemeindeleiter bin oder sein darf, solange ich das nicht bin, bin ich nicht gleichwertig, bin ich nicht vollwertiger Christ. So eine Behauptung, ja. Und du siehst es schon, hier werden Themen verwischt und das Kind wird mit dem Bade ausgeschüttet. Die meisten Christen weltweit sind nicht Älteste, Pastoren, Gemeindeleiter. Fehlt denen, fehlt uns jetzt irgendetwas am Christsein? Nein, das haben wir auch gerade aus dem Text daraus eindeutig geklärt.
Man könnte es auch beliebig weiterspinnen, man könnte ja sagen: Jawohl, dann bin ich vielleicht ein Gemeindeleiter, aber ich bin nicht einer der Apostel oder sowas wie: Ja, ich bin ein Apostel, aber ich bin nicht einer der Zwölf oder ich bin einer der Zwölf, aber nicht einer der ersten dort oder ich bin einer der ersten, aber ich bin zum Beispiel nicht Johannes und so weiter und so fort. Und da einfach als klare Antwort: Es gibt nicht verschiedene Grade an Christsein, Amt hin oder her, sondern entweder du bist schon bekehrtes, wiedergeborenes Kind Gottes in der Nachfolge von Jesus oder du lebst noch in der Finsternis. Das war's.
Und im Jakobusbrief Kapitel 3 heisst es sogar eindeutig: Lehrer werden härter gerichtet. 1. Timotheus 5 warnt sogar davor: Legt niemandem vorschnell die Hände auf, um ihm also eine Aufgabe in der Gemeinde zu übertragen. Also gegen manche anarchistischen Bestrebungen, dass alle Leiter sein sollten oder gar alle Gemeinde leiten sollten, da drückt das Neue Testament ganz schön aufs Bremspedal. Das ist eine gute Sache, heisst es auch dort ja, aber man sollte sehr genau wissen, sehr genau, worauf man sich im Falle einer Wahl dort einlässt.
Und das ist ja gerade der Punkt von Galater 2 und 3: Da geht es nirgendwo um Ältestenschaft oder Gemeindeleitung, sondern um die Rettung vor dem kommenden jüngsten Gericht und darum, dass schuldige Sünder wie ich unverdient gerecht gesprochen werden können. Da geht es überhaupt nicht um die Beziehung von Christen untereinander, sondern um das Verhältnis der ganzen Christenheit, des ganzen Leibes Christi, zu Gott. Und in diesem Stand vor Gott braucht es nicht etwas Zusätzliches, keine zusätzlichen Taten, keine Beschneidung, keinen bestimmten religiösen Hintergrund, keinen gesellschaftlichen Status, kein bestimmtes Geschlecht, um vor Gott vollwertiger Christ, um vor Gott vollwertige Christin zu sein. Das ist ja gerade der Punkt des ganzen Abschnitts. Du brauchst nicht etwas anderes als die Wiedergeburt.
Gerade deshalb spricht ja der ganze Abschnitt Galater 2 und 3 sogar entschieden dagegen, aus Galater 3,28 eine Debatte über Rollenverteilung innerhalb der Christenheit zu machen. Es ist quasi, als ob Galater 3,28 regelt, was die Voraussetzungen für deutsche Staatsbürgerschaft sind, nur mal als Beispiel. Aber damit ist nichts darüber gesagt, wer Abgeordneter, Staatssekretär oder Minister sein soll. Es geht also um die Staatsbürgerschaft, nicht um die einzelnen Rollen der Staatsbürger. Dass es verschiedene Rollen gibt, ist ja klar, aber das ist überhaupt nicht das Thema in dem Moment.
Und selbst ein bekannter Theologiedozent, der in der Konsequenz sogar dafür ist, dafür plädiert, dass christliche Gemeinden auch von Frauen geleitet werden sollten, selbst er schreibt: Zitat: Ohne Kenntnis der Kultur des Westens des späten zwanzigsten Jahrhunderts käme man wahrscheinlich gar nicht auf den Gedanken, Galater 3,28 auf die Dienste der Frau in der christlichen Gemeinde zu beziehen. Also, welche Aussagekraft hat das Argument von Galater 3,28 für unsere Frage, ob christliche Gemeinden von Frauen geleitet werden sollten oder nicht? Null von drei Fischen.
Wie ist es dann mit persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen als Argument, also wenn zum Beispiel Leute sagen, dass ihnen das Predigtamt oder auch der Leitungsdienst einer Frau so viel gegeben hat und der Dienst dieser Frau auch so viel Frucht bringt, viele Bekehrungen vielleicht sogar passieren, Halleluja, und viele Menschen gerettet werden. Antwort darauf: Das bezweifle ich gar nicht. Nur müssen wir klar sehen, dass wir als Christen grundsätzlich aufpassen müssen, das von der Frucht abhängig zu machen, weil nur die Frucht allein kein Massstab dafür ist, dass ein Dienst so ausgeführt wird, wie Gott ihn möchte.
Radikale Aussage, aber schau mal in den Text selbst hinein. Ein drastisches Beispiel dafür finden wir im Philipperbrief Kapitel 1, und da heisst es: Sie predigen Christus aus selbstsüchtigen Motiven, also Menschen, die auf eine nicht gute Art und Weise einen Dienst tun. Und danach heisst es: Na ja, solange Christus gepredigt wird, kann das sinngemäss trotzdem funktionieren. So, das heisst also: Das Ergebnis ist, Christus wird gepredigt, super. Aber die Art und Weise, in die das passiert, aus selbstsüchtigen Motiven, ist natürlich nicht etwas, das gut geheissen wird oder Gott gefällt. Und trotzdem kann das Ergebnis sehr, sehr gut sein. Ich will das nicht in eins setzen, das Muster aber sollte uns zu denken geben.
Gott nutzt häufig Leute, die ausserhalb der Reihe sind, wie es eigentlich sein sollte, um Frucht zu bringen. Das heisst aber nicht, dass es immer so sein sollte. Um dem noch eins draufzusetzen: Gott nutzt sogar gefallene Leiter und sogar Christen, die in aktiver Sünde leben, um durch sie zu wirken und Frucht zu bringen. Das heisst, wir merken uns: Ein fruchtbarer Dienst, und das ist auch etwas, was mich demütig macht und was mich mit Ehrfurcht erfüllt, ist nicht zwangsläufig eine Aussage darüber, ob der Dienst so ausgeführt wird, wie Gott sich das vorstellt.
Hm, also hm! Als reife Christen, die im Glauben wachsen wollen, ist es nicht klug, nur auf die Früchte zu schauen, die Gott schenkt. Wir wollen nicht nur Früchte anschauen, sondern wir wollen reife Christen sein, die auch den Baum anschauen und fragen: Auch hinter den Früchten wächst denn der ganze Baum so von der Wurzel auf, wie Gott sich das vorstellt? Das ist die Frage. Und wie hat Gott sich das vorgestellt? Naja, dafür müssen wir in die Bibel schauen, was wir auch gleich machen wollen. Umgekehrt aber: Wer sagt, er schaut dafür nicht in die Bibel, na ja, der umgeht Gottes verbindliche Offenbarung für alle Menschen. Was ist also die Aussagekraft davon, dass ein Dienst erst einmal Frucht bringt? Also für diese Frage auch null von drei, weil das eine nicht zwangsläufig mit dem anderen zu tun hat, wie das Neue Testament ja selbst sagt.
Ein weiterer Punkt, der manchmal angeführt wird, ist: Frauen sind häufig am aktivsten in Gemeinden, und Frauen laden mehr Leute, Männer wie Frauen, als Gäste in unsere Gemeinden ein. Wäre das denn nicht ein Argument für weibliche Leitungspositionen in der Gemeinde? Und die Antwort ist: Du ahnst es vielleicht schon, auch das ist, wenn du es mal logisch betrachtest, null von drei Fischen für diese Frage. Weil ja, männliche Passivität ist ein echtes Problem, da kommen wir noch drauf. Und ja, ich könnte mir auch gut vorstellen, dass Frauen durch Familie, Freundschaften und Beziehungen vielleicht sogar den grösseren Anteil daran haben, dass Leute zu Jesus gefunden haben in 2000 Jahren Christentumsgeschichte als Männer. Ich könnte mir das vorstellen. Aber das hat nichts mit der historischen Textfrage zu tun, ob laut dem Neuen Testament Frauen predigen und christliche Gemeinden durch Lehre leiten sollten. Das sind zwei verschiedene Dinge.
Dann, ähnlich wie in dem Text von evangelisch.de, Leute, die behaupten, dass die Passagen, dass christliche Gemeinden laut dem Neuen Testament nur von bestimmten, dafür ausgewählten Männern geleitet werden sollten, die dafür zur Rechenschaft gezogen werden, die wären ja nur Zitat „nur von Paulus geschrieben, nicht von Jesus“ Zitat Ende. Und das haben Elisa und ich auch schon gehört, live, von übrigens derselben Person, die uns kurz vorher noch erklären wollte, dass jeder in einer Gemeinde ja alles machen könnte, weil das Herr Paulus in Galater 3,28 so geschrieben hätte. Also, da muss man sich schon entscheiden: Paulus ja oder Paulus nein.
Aber jetzt mal Tacheles, ich verstehe nicht ganz, was derjenige damit sagen will: Das hat ja nur Paulus geschrieben, nicht Jesus. Also, mal logisch ausbuchstabiert, soll das heissen, wenn etwas nicht direkt von Jesus oder von seinen direkten Wegbegleitern kommt, dann zählt es nicht? Weil, selbst wenn, wie vorher schon erklärt, Paulus hat doch mit dem auferstandenen Jesus gesprochen. Paulus hat seine Lehren mit den leitenden Aposteln, die selbst bei Jesus in die Lehre gegangen sind, abgeglichen, und sie haben seiner Lehre, Paulus Lehre, in keinem Punkt widersprochen. Im Gegenteil, haben sie sie bestätigt. Sie haben ihn in ihren allerengsten Führungskreis aufgenommen und ihn stets unterstützt. Das heisst, die Behauptung, dass Paulus Lehre irgendwie nicht zählen würde, sondern der Lehre von Jesus und der Lehre von den Aposteln widersprechen würde, das ist raus. Ja, auch die Behauptung, dass Paulus Lehre nicht zählen würde, weil er angeblich nicht mit Jesus persönlich gegangen ist, auch das ist raus.
Oder heisst diese Behauptung, das hat Paulus geschrieben, nicht Jesus, heisst das jetzt, dass alles, was Paulus geschrieben hat, irgendwie nicht gültig wäre? Also das wären dann ja ungefähr zweitausend von achttausend Versen im gesamten Neuen Testament. Also sollen wir jetzt ein Viertel des Neuen Testaments rauswerfen? Dann heisst das auch, dass wir nirgendwo 1. Korinther 13 bei Hochzeiten vortragen dürfen, denn dürfen wir keinerlei Taufverse aus den Briefen nehmen, und bei Beerdigungen dürfen wir auch Römer 8 nicht zitieren. Oder will derjenige damit sagen, nur Jesus hätte universelle Autorität über Christen, aber Texte, die der Heilige Geist durch Paulus gesprochen hat, auf keinen Fall, weil Paulus ja auch nicht unser ältester Gemeindeleiter ist? Heisst das jetzt, dass Texte, in denen der Heilige Geist durch Paulus spricht, nur denen etwas zu sagen hätten in den Gemeinden, die er selbst gegründet hätte? Rückfrage: Wie ist es dann jemals zum Römerbrief gekommen?
In zweitausend Jahren Christentumsgeschichte, durch die gesamte frühe Christenheit und von allen Aposteln ist es völliger Konsens, dass Paulus von Jesus selbst als Apostel berufen wurde, mit der Autorität, um Gemeinden zu gründen und sie in der Lehre und Praxis zu festigen, was er bis zum Schluss getan hat. Wer etwas anderes behauptet, stellt sich damit gegen die gesamte Christentumsgeschichte, gegen die Urgemeinden und gegen die Apostel selbst, zumal übrigens wir auch häufiger sehen, dass Paulus Dinge wiederholt, die ja sowieso in den Urgemeinden längst Konsens waren. Also, ihr seht's, wir drehen uns im Kreis. Was soll das heissen? Heisst das jetzt, dass wir anfangen, aus dem Neuen Testament wieder Dinge rauszuschneiden, je nach Autor? Was ist dann mit den Schriften, wo der Autor bislang nicht abschliessend geklärt ist, wie im Hebräerbrief, überhaupt? Was ist dann das Kriterium dafür, dass ein Autor zählt oder nicht zählt? Welche Autoren sind denn dann die Richtigen? Da steht dann am Ende des Tages ein komplett neuer Bibelkanon, eine eigene Bibel, herausgegeben mit dem, wo nur noch das drinsteht, was man selbst absegnet.
Und ganz nebenbei, kleine Fussnote: Petrus schreibt diese Dinge über Leitung und Geschlechterunterschiede auch. Wollen wir damit jetzt auch Petrus zensieren? Und diese Dinge stehen noch in vielen weiteren und zentralen Stellen, wie wir gleich sehen werden. Das ist also eine Behauptung, mit der das hat nur Paulus gesagt, nicht Jesus, das sollten wir als Christen wirklich lassen. Das sind wieder null von drei Fischen.
Dann eine weitere Behauptung, die sich zunehmender Beliebtheit erfreut, ist die Behauptung, die geht ungefähr so: Die Leiter eines Haushalts, die Gastgeber, waren damals automatisch Gemeindeleiter und Älteste. So, und dann wird weitergegangen nach dem Motto, weil auch Frauen Gastgeberinnen waren, hat sie das zu weiblichen Ältesten gemacht? Also sollten Frauen heute Älteste, Pastoren, Gemeindeleiter sein, so ungefähr.
Diese Behauptung kommt unter anderem aus dem Kolosserbrief, Kapitel 4, wo es heisst: Grüsst auch die Brüder oder die Geschwister in Laodizea und grüsst auch Nympha und die Gemeinde in ihrem Haus. So, eine bekannte feministische Theologin schreibt dazu: In diesem Fall spricht Paulus von einer Frau, die eine Hauskirche, Hausgemeinde leitet, die sich in ihrem Haus trifft. Es gibt keinen Zweifel, dass sie, Nympha, eine wichtige Person war. So, und die Theologin bezeichnet dann Nympha als Älteste. Also ihr Argument ist: Der Gastgeber ist der Leiter des Haushalts, und wenn sich eine Gemeinde im Haus einer Frau trifft, dann ist sie damit automatisch die älteste Pastorengemeindeleiterin. Das ist die logische Konsequenz aus ihrer Behauptung.
Aber die Gegenargumente zu dieser Behauptung sind so zahlreich, dass ich nur einige nennen will, bevor wir dann zu gehaltvolleren Argumenten weitergehen. Schau dir einmal an: Timotheus und Titus sollten Älteste in Gemeinden einsetzen, die sich schon in Häusern getroffen hatten, also in Hausgemeinden, Hauskirchen. Natürlich hatten diese Hausgemeinden, Hauskirchen, bei ihren Treffen Gastgeber, nämlich die Leiter des jeweiligen Haushalts. Aber sie hatten eben noch keine Gemeindeleiter-Ältesten. Eben deshalb sollten ja Timotheus und Titus überhaupt erst Älteste einsetzen, weil es noch keine gab. Das ist doch logisch. Unlogisch dagegen ist die Behauptung, dass Gastgeber automatisch Älteste werden oder sind.
Apostelgeschichte 16: Da heisst es über Lydia, später liess sie sich mit allen, die in ihrem Haus lebten, taufen. Danach lud sie uns, also gemeint ist auch Paulus, mit ein und sagte: Wenn ihr wirklich überzeugt seid, dass ich an den Herrn glaube, dann kommt in mein Haus und seid meine Gäste. Sie nötigte uns geradezu. So, das heisst, Lydia wird dann die Gastgeberin der Christen. Heisst das jetzt, dass Lydia buchstäblich die Älteste wurde, an dem Tag, an dem sie getauft wurde? Dann haben wir Lukas Kapitel 9, die Apostel kommen hinein in die Häuser von buchstäblichen Fremden. Heisst das jetzt, die Fremden sind damit automatisch die geistlichen Leiter der Apostel? Dann wäre ja Petrus’ Schwiegermutter seine Älteste gewesen, dann wären ja auch die christlichen Gastgeber die Ältesten der Irrlehrer vom zweiten Johannesbrief. Also ich glaube, wir brechen es an der Stelle mal ab. Also Aussagekraft: null von drei Fischen.
Dann gibt es mehrere grosse Kirchen in Deutschland, mit denen auch wir zusammenarbeiten, die sagen, ihre Gemeinden könnten auch von Frauen geleitet werden, wegen des Äserarguments. Des Äserarguments. Was steckt dahinter? Ein Blick in Genesis 2. In Genesis 2 sagt Gott bei der Erschaffung von Eva: Ich will ihm, Adam, oder wie im Neuen Testament dann mit dem Mann identifiziert wird, eine Eser, eine Hilfe, eine Unterstützung machen, die ihm entspricht. So weit, so gut.
Jetzt gibt es in der Bibel aber Stellen, in denen Gott selbst als Eser bezeichnet wird, der untergeordneten schwachen Menschen hilft. Das stimmt auch. Und dann sagen einige: Weil ja Eser wie in diesen Passagen in der Bibel auch für einen stärkeren, übergeordneten stehen kann, der einem schwächeren hilft, deshalb sagen sie, kann eine Frau gar nicht die Schwächere als ein Mann sein oder gar seine Untergeordnete sein, deshalb also sollte eine Frau in der Gemeinde keine untergeordnete Rolle haben, sondern mindestens die gleiche wie Männer, wenn nicht sogar sie leiten dürfen.
So, Antwort darauf: Es ist sprachwissenschaftlich richtig, dass das Wort Eser an sich keine Unterordnung enthält. Anmerkung dazu: Die Ordnung, die Über- oder die Unterordnung, die kommt dann sehr wohl vor in verschiedenen Versen der Bibel, in denen Eser enthalten ist, aber das kommt dann durch den Kontext, in dem Eser gebraucht wird, nicht durch die lexikalische sprachwissenschaftliche Bedeutung des Wortes selbst. Das heisst, wer also nur aus diesem Vers Genesis 2,18 dafür argumentieren möchte, dass Frauen sich unterordnen oder schweigen sollen oder christliche Gemeinden als Älteste, Pastoren, Gemeindeleiter nicht durch Lehre leiten dürfen und das allein mit diesem Vers begründen will, also das stimmt, dessen Argumentation, die zieht nicht. Ja, und darum geht es in Genesis 2,18, darum geht es auch dort überhaupt nicht.
Sondern Eser, das Wort Eser, kann sowohl für Hilfe stehen, die einem übergeordnet ist, wie Gott den Menschen hilft, als auch für gleichwertige Hilfe unter Gleichen, als auch für untergeordnete Hilfe. Wir schauen mal rein in Richter 5, dort heisst es: Die Bewohner der Stadt Meros eilten nicht dem Herrn zur Hilfe herbei. So, gleiches Wort. Allein schon aus Richter 5, nur aus dieser Stelle, es gibt weitere, geht deutlich hervor, dass eine geringere Kompetenz und eine geringere Autorität wie die Autorität der Menschen, einer übergeordneten Kompetenz, einer übergeordneten Autorität der Gottes, zur Hilfe werden kann, zur Eser.
Das heisst, sprachwissenschaftliches Fazit: Das Wort Eser sagt überhaupt nichts aus über Rangordnung zwischen Helfer und Geholfenem, weder darüber, wer übergeordnet ist, noch wer untergeordnet ist, geschweige denn, dass es irgendetwas aussagen würde über Leitung in christlichen Gemeinden. Die Verwendung des Wortes Eser spricht weder dafür, dass Frauen in die Gemeindeleitung sollten, noch dagegen, dass Frauen in die Gemeindeleitung sollten. Es hat einfach mit dem Thema nichts zu tun. Also deswegen auch da wieder null von drei Fischen.
So, was sind denn jetzt einige der bedenkenswerteren Argumente dafür, dass christliche Gemeinden vielleicht doch von Frauen geleitet werden sollten, die sie durch Lehre leiten und dort predigen? Etwas, das dem einen oder anderen vielleicht schon untergekommen ist, ist, wir haben es bei den Recherchen immer genannt, die sogenannte Ephesus-Verbindung, und das wurde Elisa und mir gegenüber mal als vermeintlich schlagendes Argument genannt, dass christliche Gemeinden von Frauen geleitet werden sollen. Ich will es natürlich nicht ausufern lassen, deswegen versuche ich mal, es zusammenzufassen.
Dieses Argument der Ephesus-Verbindung hat bis zu sechs Punkte. Punkt eins: Der Haupttext, der sagt, dass christliche Gemeinden laut Neuem Testament nur von bestimmten, dafür ausgewählten Männern geleitet werden sollen, die dafür zur Rechenschaft gezogen werden, der Haupttext dafür würde angeblich nur im ersten Timotheusbrief stehen. Punkt zwei: Der erste Timotheusbrief ist an Timotheus gerichtet, stimmt, der zu dem Zeitpunkt in Ephesus gewohnt hat, stimmt. Punkt drei: In Ephesus gab es einen Tempel, eines der sieben Weltwunder der Antike, für die heidnische Gottheit in Anführungsstrichen namens Artemis mit einem Artemiskult, stimmt. Punkt vier: Dieser Artemiskult, der die Stadt Ephesus angeblich kontrolliert hätte, der wäre angeblich hauptsächlich weiblich und sogar hyperfeministisch. Also würde es sich in dem Artemiskult und in der Stadt Ephesus grundsätzlich dazu kommen, dass angeblich Frauen sich über alles erheben und angeblich Männer gezielt unterdrücken würden. Das werden wir gleich sehen, ob das so ist oder nicht. Und Punkt sechs: Angeblich nur gegen diese Männerunterdrückung in dieser einen Stadt, von diesem einen Kult, nur dagegen würden die neutestamentlichen Texte angeblich vorgehen, gegen einen hyperfeministischen, männerunterdrückenden Artemiskult in Ephesus, und zwar a) um gegen die angeblich hyperfeministische Ephesuskultur das Gleichgewicht wiederherzustellen, und b) damit die christlichen Gemeinden in Ephesus vom Artemiskult angeblich unterscheidbar sein sollen.
Also ganz vereinfacht gesagt ist jetzt eine Zuspitzung eine Art männerfeindlicher Kult, der zu einer extrem feministischen Gesellschaft geführt haben soll, die überall Männer unterdrückt haben soll. Aber stimmt denn das? War in dem damaligen Ephesoskult die Frau tatsächlich verherrlicht über den Mann? So fängt es nämlich schon an, schon dafür scheint es keine belastbaren Hinweise zu geben. Der gesamte Artikel in der Enzyklopädie Britannica hat keinen einzigen Hinweis darauf, dass Frauen irgendeine Art von Überlegenheit über Männer in diesem Kult hatten. Auch die Originalquellen sprechen zwar schon von einem in Ephesos regelmässig stattfindenden, ja, wie soll ich das sagen, Festumzug, einer Art Volksfest und Ähnliches. Das war dann als Andenken an die Erzählung, dass Artemis angeblich einen Pfeil geschossen haben soll auf den bösen Lamion, der seinen Bruder ermordet hätte und Artemis’ Mutter geschadet hätte. Lange Rede, kurzer Sinn: Geschlechterthemen oder Männerunterdrückung kommen dort überhaupt nicht vor. Dieses ganze, ja, wie soll ich das sagen, dieser ganze Umzug, dieses ganze Volksfest ist sogar zu Ehren des Mannes, der ermordet wurde. Nichts von Frauen oder von Männerunterdrückung.
Jetzt kann man zurückfragen: War es denn so, dass zur neutestamentlichen Zeit dieser Artemiskult in Ephesus auch nur von Frauen geleitet wurde, die dann möglicherweise die Männer verdrängt, unterdrückt, dominiert haben oder Ähnliches? Na ja, Folgendes: Inzwischen konnten wir archäologisch die Namen vieler leitender Artemispriester und Leiter bestätigen. Schau mal, ob dir was auffällt. Einer von ihnen um die Zeit von Augustus in Jesu Lebenszeit war jemand namens Servilius Bassus. So, wer Latein gemacht hat, der sieht: ein eindeutig männlicher Name. Ein weiterer Priester der Artemis war jemand namens Gaius Iulius Atticus, eindeutig männlicher Name. Dann gab es einen weiteren mit dem Namen Apollonius Politikus, eindeutig männlicher Name. Auch im zweiten Jahrhundert wurde ein Buch geschrieben, in dem dieser Kult vorkommt, und da gibt es einen männlichen Priester der Artemis. Und es wird ja sogar noch schlimmer: Inzwischen konnte eine archäologische Quelle gesichert werden aus dem Jahr 44 nach Christus, also genau Paulus’ Zeit, die uns zeigt, dass die Leiter der gesamten Stadt Ephesos männlich waren. Eine weitere archäologische Quelle konnte gesichert werden, die zeigt, wie männliche Stadtratmitglieder den weiblichen Priestern sagen, was diese zu tun haben. Und es ist ja auch längst nicht nur der Artemiskult, sondern die Mehrheit der Gottheiten, die in Ephesus verehrt wurden, also Gottheiten in Anführungsstrichen, weil es sind natürlich Götzen, selbst die weiblichen Gottheiten, die dort verehrt wurden, denen wurde gedient von männlichen Priestern.
Dann gab es in dem Artemiskult eine prominente Gruppe einflussreicher Personen, und von denen haben wir inzwischen die Namenslisten, Aufzeichnungen über Jahre, über Jahre, über Jahre, und die Namen dort sind männlich, über Jahre hinweg, jeder einzelne ist männlich. Jetzt könnte man ja denken, dass vielleicht nicht die prominenten Anführer, aber dann doch wenigstens die Anhänger des Artemiskults oder der Stadt Ephesus, dass die selbst hyperfeministische Frauen waren. Könnte man denken. Aber schau mal, Professor Doktor Sandra Glan, die übrigens dafür ist, dass Frauen predigen und dass christliche Gemeinden von Frauen geleitet werden sollten, sie schreibt Folgendes: Der Kult der Artemis der Epheser hatte viele männliche Anhänger und war nicht männerfeindlich. Zahlreiche Inschriften geben uns Beweise von männlichen Anhängern dieses Kults. Das sehen wir übrigens auch in Apostelgeschichte 19, als Paulus im Jahr 55 nach Christus in Ephesus war, kommt es dort zu einem Aufstand unter einflussreichen Artemisanhängern, und dort sind eindeutig alles Männer genannt.
Selbst die australische Geisteswissenschaftlerin Margaret Masgow, die mit grossem Nachdruck, also ich habe den Eindruck von ihrer Website, das ist wahrscheinlich ihr Nummer-eins-Thema, dass sie Menschen davon überzeugen möchte, dass christliche Gemeinden von Frauen geleitet werden sollen, schau mal, was sie selbst auf ihrer Website schreibt: Ich habe keinerlei tatsächliche antike Beweisstücke dafür gefunden, dass der Artemiskult der Epheser weibliche Überlegenheit und die Unterdrückung von Männern gelehrt hat oder sie befürwortet hat. Keine. Es fängt bereits damit an, dass es mehr männliche Hohepriester als weibliche Hohepriesterinnen in diesem Kult gab. Wörtliches Zitat, Zitat Ende.
Dazu kommt ja: Damit dieses Argument, also dass die betreffenden neutestamentlichen Texte angeblich nur geschrieben worden wären, um die Schieflage einer Männerunterdrückung irgendwie auszubalancieren, damit das funktionieren kann, muss ja die Gesellschaft extrem feministisch sein, mit überall Männern, die von Frauen unterdrückt werden. Und jetzt dürfen wir zurückfragen: War das denn damals so? Weil das scheint überhaupt nicht die Ausgangssituation zu sein.
Dazu kommt, dass es gar nicht das Argument der neutestamentlichen Texte ist. Da kommen wir gleich drauf. Entscheidende biblische Aussagen haben mit Ephesus nicht das Geringste zu tun. Einige kommen aus dem Alten Testament, einige sind in den Korintherbriefen, das ist etliche Tagesreisen von Ephesus entfernt, sogar auf einem völlig anderen Kontinent, und einige sind von Petrus, der quer über das gesamte Mittelmeer entfernt ist, über 1000 Kilometer entfernt in Rom war. Um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Vor allem die Begründung, die in den neutestamentlichen Stellen genannt ist, ist ja eben nicht eine Kultur oder das Heidentum, wie es ja an anderen Bibelstellen passiert, wo es um andere Themen geht, sondern es wird ja ausdrücklich genannt das biologische Geschlecht, das sehen wir gleich. Deshalb als Argument hat das ein Drittel von drei Fischen. Es ist interessant, sich mit Ephesos damals auseinanderzusetzen, natürlich, aber wirklich nicht tragfähig für die Behauptung, dass christliche Gemeinden von Frauen geleitet werden sollten.
Dann gibt es noch das Argument, dass die neutestamentlichen Texte angeblich nur deshalb so geschrieben worden sind, weil Frauen zur neutestamentlichen Zeit angeblich ungebildet waren und deshalb keine Gemeinden leiten könnten. Aber da das heute nicht mehr so ist, könnten sie es, also wäre das alles hinfällig, was im Neuen Testament stünde. Und das könnte man denken, weil es ja stimmt, dass aufgrund der leider ungleichen Bildungschancen in der Antike damals mehr ungebildete Frauen als ungebildete Männer gab. Das ist leider erst einmal nachvollziehbar. Aber es gab auch zu Genüge ungebildete Männer. Zum Beispiel werden in Apostelgeschichte 4 Petrus und Johannes beide bezeichnet als agrammatoi und als idiotai. Daher kommt ja unser deutsches Wort für Idiot, das meint aber damals im Altgriechischen Menschen ohne höhere Ausbildung, meint das Nichtspezialisten, meint das Laien. Der Gegensatz von Gelehrten.
Dann gab es zur Zeit des Neuen Testaments natürlich auch gebildete Frauen, wie zum Beispiel Priscilla, die an der Unterweisung von ausgerechnet Apollos beteiligt war, der möglicherweise sogar den Hebräerbrief geschrieben hat. Wenn Apollos tatsächlich in Alexandria ausgebildet wurde, gehörte er vermutlich zur gebildeten Elite des Judentums. Dann lesen wir von Lydia, Hausbesitzerin, Händlerin von Wertgegenständen. Erfolgreiche internationale Geschäftstätigkeit machte eine gewisse wirtschaftliche und organisatorische Kompetenz mit einem entsprechenden Bildungshintergrund ziemlich wahrscheinlich.
Gegen Argument drei: Im Neuen Testament werden über zwanzig Qualifikationen dafür genannt, die jemand erfüllen muss, um Ältester, Pastor, Gemeindeleiter zu sein. Man muss zwar fähig sein zu lehren, ja, aber keine Qualifikation davon ist der formelle Bildungshintergrund oder ein Theologiestudium oder Ähnliches. Und gegen Argument vier: Wenn es um Bildung gehen würde, denn hätte man ja genauso gut auch ungebildete Männer ausschliessen müssen. Die Begründung in den Texten ist aber nie der Bildungsstatus, sondern etwas anderes, dazu gleich. Deswegen bekommt dieses Argument tatsächlich nur einen halben von drei Fischen.
Auch ein anderes beliebtes Argument ist folgendes: Maria Magdalena sass zu Füssen von Jesus, und das heisst angeblich, Jesus hätte sie als Rabbi ausgebildet. Und weil Maria Magdalena ein weiblicher jüdischer Rabbi war, von Jesus selbst ausgebildet, deshalb sollten christliche Gemeinden von Frauen geleitet werden. Diese Behauptung bezieht sich auf das Lukasevangelium Kapitel 10 in Kombination mit Apostelgeschichte 22. Ein bekannter Theologe leitet daraus aber automatisch eine Regel ab wie ein eisernes Gesetz. Er sagt sinngemäss: Zu den Füssen von jemandem sitzen meint automatisch immer, dass du unterwiesen wirst und dass du dazu ausgebildet wirst, selbst ein Lehrer zu sein.
We have our clear but unstated rules about whose space is which and so did they and Mary just flouted them and Jesus says she's right to do so. She is sitting at his feet and please sitting at his feet does not mean you know those girls in Indiana Indiana Jones movies in the film they're sitting at his feet gazing up adoringly at this wonderful teacher you know that's often the image we have when we read Luke 10 but listen but think of Paul who talks about himself sitting at the feet of Gamaliel he's not gazing up gooey eyed at Gamaliel He is a student, he is learning, he is drinking in Gamaliels Wisdom and Knowledge. The reason you do that is not to further your own intellectual or spiritual advancement, though that will come too. It's so that you can be a Rabbi in turn.
Es gibt mehrere gewichtige Argumente dagegen, aber ein ganz offensichtliches kommt zum Beispiel aus dem Lukasevangelium Kapitel 8, wo es um die Heilung des Dämonenbesessenen geht. Damit wir da auch nicht ruminterpretieren, sondern ganz bewusst nah am Text bleiben, ganz eng zitiere ich mal bewusst aus der sehr wörtlichen Schlachter-Übersetzung, und da heisst es: Zitat: Da gingen sie hinaus, um zu sehen, was geschehen war, und kamen zu Jesus und fanden den Menschen, von dem die Dämonen ausgefahren waren, bekleidet und vernünftig zu den Füssen Jesu sitzen, und sie fürchteten sich.
Also nach dieser Logik des Kollegen müsste es ja bedeuten, dass der von Dämonen besessene Mann geheilt wird und sofort damit anfängt mit seiner Rabbinerausbildung. Aber wir lesen ja sogar im Text, dass der Mann nicht länger mit Jesus blieb als nur für einen kurzen Moment. Das heisst, daraus eine eiserne Regel abzuleiten, zu den Füssen von jemandem zu sitzen, ist gleich als Rabbi ausgebildet zu werden, der dann andere Leute ausbildet, ich glaube, das ist hinfällig.
Was meint also diese Stelle? Diese Stelle heisst: Maria Magdalena, sie war eine Jüngerin, ja, und sie sollte das Recht haben, Lernen zu priorisieren, da kommen wir später drauf. Eine mögliche Ableitung, das ist schon ein bisschen aus dem Fenster gelehnt, aber eine mögliche Ableitung daraus könnte sein: Eine christliche Frau sollte nicht von theologischer Ausbildung ferngehalten werden, ihr sollte das nicht verwehrt werden. Aber Lernen ist etwas völlig anderes als Lehren und durch Lehre leiten. Deshalb bekommt dieses Argument nur einen halben von drei Fischen. Also ein halber Fisch, wir nähern uns stichhaltigeren Argumenten.
Und seltsamerweise ist es so, dass die Argumente, die bei diesem ganzen Thema am lautesten geschrien werden oder am schnellsten reflexartig kommen, tatsächlich die Schwächsten sind. Dabei gibt es Argumente, die um einiges bedenkenswerter sind, das werden wir gleich noch sehen, aber die scheinen deutlich weniger bekannt zu sein.
Was ist mit dem Priscilla-und-Aquila-Argument? Hintergrund ist Apostelgeschichte 18, dort ist die Rede von einem judenchristlichen Ehepaar aus Pontus, die mussten dann Rom unter Kaiser Claudius verlassen, und die waren Zeltmacher wie Paulus. Bemerkenswert ist dabei diese Passage aus Apostelgeschichte 18: Dort heisst es, inzwischen war ein Jude namens Apollos nach Ephesus gekommen. Er stammte aus Alexandria und war ein gebildeter, wortgewandter Mann, der eine umfassende Kenntnis der Heiligen Schriften besass und ausserdem in der Lehre des Herrn unterwiesen war. Er sprach mit glühender Begeisterung und lehrte sehr genau über Jesus. Allerdings kannte er nur die Taufe des Johannes. Dieser Apollos begann freimütig in der Synagoge zu sprechen. Als Priscilla und Aquila ihn dort hörten, luden sie ihn zu sich nach Hause ein, und sie erklärten ihm Gottes Lehre noch genauer.
Also wir sehen hier, dass ein Ehepaar, die beiden werden immer zusammen genannt, Priscilla und Aquila, dass die zusammen in einem privaten, nicht öffentlichen Setting einen Mann in Lehre, in biblischer Lehre unterweisen. Dass die Frau Priscilla zuerst genannt wird vor Aquila, scheint nahezulegen, dass die Frau Priscilla bei dieser Sache die prominentere Rolle hatte und/oder den damaligen Lesern bekannter war als ihr Mann Aquila. Dieses Ehepaar wird im Neuen Testament sechsmal genannt, und obwohl normalerweise zu der Zeit ein Ehemann von einem Ehepaar zuerst genannt wird, steht bei diesen beiden viermal die Ehefrau vorn und zweimal der Ehemann.
Davon ausgehend gibt es jetzt einzelne, die daraus ableiten wollen, dass christliche Gemeinden von Frauen mitgeleitet werden sollen oder nur von Frauen geleitet werden sollen, weil Priscilla an vier Stellen zuerst genannt ist. Aber erstens: Dass Priscilla bekannter war, ist zwar möglich, aber aus einer einzigen Satzstellung, die etliche Gründe haben kann und noch nicht einmal einheitlich ist, daraus eine komplette Kirchenordnung für Millionen von Christen abzuleiten, hm, zweitens: Dazu heisst es in Apostelgeschichte, sie beide, Priscilla und Aquila, erklärten Apollos Gottes Lehre genauer. Da geht es also nicht um die Vorrangstellung der Frau, sondern beide unterweisen den Apollos. Drittens, rhetorische Frage: Wo steht, dass Priscilla öffentlich gelehrt hat oder dass sie eine Gemeinde geleitet hätte? Es ist ja nicht so, dass sie die Chefin oder Hauptdozentin einer Bibelschule war mit Hunderten von Absolventen jährlich. Es geht auch nicht um formelle Unterweisung, es ist von keinem Amt die Rede. Keine Autoritätsposition, nicht einmal einen öffentlichen Vortrag vor einer gemischten Gruppe, also nichts davon, was irgendwie vergleichbar ist mit einem ältesten Pastor, Gemeindeleiter, sondern es war ein privates Abendessen, bei dem die Ehefrau des Gastgebers bei Gesprächen mit dem Gast über Theologie mitredet. Also, meine Frau Elisa und ich, wie häufig haben wir das in der Woche? Das ist ja sehr, sehr normal, das macht aber Elisa zum Beispiel nicht zur ältesten Pastorengemeindeleiterin.
Punkt vier: Wir müssen wieder unterscheiden zwischen deskriptiv und normativ, also deskriptiv beschrieben eine bestimmte Situation, wie sie war, und normativ eine Ableitung daraus für Christen aller Zeiten, aller Orte. Und auch da wieder: Nur weil es so war und vielleicht möglicherweise Erfolg hatte, heisst das noch nicht automatisch logisch, dass es immer zwingend so sein soll. Und wiederum über die Positionen von Ältesten, Pastoren und Gemeindeleitern ist hier nichts ausgesagt.
Wenn wir daraus überhaupt eine Regel ableiten wollen, wenn überhaupt, dann diese: Eventuell im Beisein ihres Ehemannes, eventuell ohne, sollten wir es ermöglichen, dass eine Frau einen Mann in privaten, informellen Zusammentreffen in biblischer Lehre unterweist. Vielleicht waren diese Treffen von Priscilla, Aquila und Apollos so etwas wie Evangelisation, wahrscheinlich aber noch mehr als das. Warum? Apollos war ja schon bekehrt, es geht jetzt wirklich um geistliches Wachstum und um Lehre, wie Gottes Weg mit den Menschen besser zu verstehen ist.
Was ist jetzt vermutlich der Hintergrund dieses biblischen Berichts? Genau sagen kann ich es nicht. Vermutlich waren die beiden, Priscilla und Aquila, ein aktives und unter den Urgemeinden bekanntes Evangelisten-Ehepaar, möglicherweise reisende Missionare, und von den beiden könnte, könnte Priscilla als die umtriebigere, möglicherweise die extravertierte Networkerin einfach besser bekannt gewesen sein. Aber das ist nur Vermutung, weil genau das ist ja der Punkt: Der Text sagt es uns nicht. Und der Text sagt uns erst recht nicht, dass Priscilla Älteste, Pastorin, Gemeindeleiterin gewesen wäre, und der Text enthält erst recht keine Vorschriften, wie das Christen aller Zeiten, aller Orte handhaben soll. Deshalb ein halber von drei Fischen, auch wenn es interessant ist, Einzelsituationen zu sehen, und es auch nicht selbstverständlich ist, dass Priscilla als Erste genannt wird.
Klar, in keinem der Texte ist damit in Abrede gestellt, dass christliche Gemeinden laut dem Neuen Testament nur von bestimmten, dafür ausgewählten Männern geleitet werden sollen, die dafür zur Rechenschaft gezogen werden.
Bei diesen Recherchen hatte ich auch ein ausführliches Treffen mit einer sehr bekannten feministischen Theologin, vielleicht der einflussreichsten im deutschsprachigen Bereich. Es war ein gutes Gespräch, wir haben uns gut verstanden und auch mit einem Lachen voneinander verabschiedet, und eines ihrer Hauptargumente war sinngemäss: Jesus hat nur deshalb damals nur männliche Apostel berufen, weil Jesus in der damaligen Gesellschaft und in den damaligen Gesellschaften auf Anstoss stossen wollte und Frauen nicht anschlussfähig gewesen wären. Das heisst also, ich fasse es ein bisschen überspitzt zusammen: Die damalige Gesellschaft hätte Jesus also gezwungen, eine Entscheidung zu treffen, die Jesus von sich aus eigentlich anders treffen wollte.
Und dieses Zwölfer-Kreis-Argument, wo immer genannt wird, das stimmt, Jesus hat zwölf jüdische Männer in seine Nachfolge berufen, also sind drei Kriterien, die elementar wichtig waren: Es war ein Symbol für das Volk Israel, also Jesus war ja Jude, und er hat sich ja zu den Juden gesandt gefühlt und auch zu den Jüdinnen natürlich auch, und er hat gewusst, er muss in einer Sprachwelt sprechen, die die Menschen verstehen, und er wusste, okay, diese zwölf Stämme Israels, das ist repräsentativ für das Volk Israel, für die Juden und für die Jüdinnen, und er wusste, okay, wenn ich jetzt zwölf jüdische Männer in meine Nachfolge berufe, dann weiss jeder ganz genau, was ich meine. Hätte er sechs Frauen und sechs Männer berufen, dann hätten die Leute dieses Symbol gar nicht verstanden. Und ich glaube, das sollte oder das ist das stärkste Argument eigentlich. Das ist das stärkste Argument. Aber ich denke nicht, dass sie damit Recht hat.
Warum? Erstens: Hat Jesus zu Lebzeiten wirklich Leute danach ausgesucht, die die höchste Anschlussfähigkeit oder sogar Autorität hatten? Offensichtlich nein, Jesus hat niemanden mit einer vorherigen religiösen Stellung zu Lebzeiten berufen. Stellt euch einfach mal vor, Jesus hätte zu Lebzeiten Nikodemus und Joseph von Arimathäa und Kaiphas und Pilatus und Herodes und Felix allesamt als welche der zwölf Apostel berufen. Hat er aber nicht.
Zweitens: Jesus hat bewusst Leute als Apostel berufen, die nicht mit äusseren Qualifikationen punkten konnten. Petrus und Johannes hatten wir gerade schon, die von damaligen Schriftgelehrten geradezu verachtet wurden. Dazu hat Jesus bewusst Männer mit nördlichem Akzent berufen, der damals als ungebildet galt.
Drittens: Jesus hat tonnenweise Dinge getan, die damals weder zeitgemäss waren noch kulturell akzeptiert: Heilungen am Sabbat, einen Samariter loben, den Glauben von Nichtjuden loben, Skandal damals, Mahlgemeinschaft mit Zöllnern und Sündern, Aussätzige berühren, die blutflüssige Frau berühren, die beissende Kritik an Israels geistlichen Leitern, die Tempelreinigung, Jesus hat allein mit einer Frau am Jakobsbrunnen gesprochen, Jesus liess eine stark bekannte Sünderin seine Füsse mit ihren Haaren waschen, was im Handumdrehen als sexuelle Geste hätte verstanden werden können.
Und viertens: Auch hätte es ja mehr als genug Frauen gegeben, die Jesus hätte berufen können. Wir lesen in den Berichten etliche Male davon, wie viele Frauen unter Jesu Nachfolgern, Anhängern und Unterstützern waren. Trotz all dieser Dinge hat Jesus das bewusst nicht getan.
Und dazu kommt: Alles auf die Kultur oder den Zeitkreis schieben, das ist ein schwaches Argument. Warum? Dafür müsste aus den Texten selbst klar und eindeutig hervorgehen, dass das dort nur steht, weil es eindeutig auf die Umgebung zurückzuführen ist und eben nicht andere Dinge. Wo das so nicht eindeutig im Text drinsteht, na ja, solange es keine überprüfbaren, messbaren Kriterien gibt für die exakte Unterscheidung zwischen kulturellen Präferenzen einerseits und dem, was Gott möchte, andererseits, solange wir das nicht haben, ist diese Behauptung, und ich hoffe, ich trete niemandem zu nahe, ein Stück weit willkürlich, aber auf jeden Fall nutzlos.
Also insgesamt von der Logik her ein halber von drei Fischen, es ist mehr Wunschdenken als die tatsächliche Realität. Und so ein Stück weit ähnlich ist es mit dem Argument: Na ja, die frühe Christenheit hat das mit dafür ausgewählten Männern als Gemeindeleiter deshalb so gehandhabt und nur deshalb, weil der damalige Zeitgeist so drauf war. Im ersten Jahrhundert hat es international in den damaligen Weltreligionen durchaus Priesterinnen gegeben. Das nicht zu machen im Christentum war eine bewusste Entscheidung gegen eine völlig übliche gesellschaftliche Konvention, und wieder: Die Texte geben nicht her, dass der entscheidende oder gar der einzige Grund für die neutestamentlichen Regelungen wäre, angeblich einer heidnischen Umwelt zu gefallen. Das werden wir uns gleich noch anschauen.
Und dann ist da noch das scheinbar wirklich starke Argument, dass es doch weibliche Leiterinnen im Alten Testament gab. Oder? Und ihr Lieben, das ist schon mal deutlich besser, weil hier sind wir immerhin beim Bibeltext. Und ja, es gab über die Tausende von Jahren, über die das Alte Testament berichtet, vereinzelt weibliche Leiterinnen, wie zum Beispiel Deborah, Hulda, Mirjam, Jesajas Frau, die Prophetin Hanna. Und es lohnt sich, sich damit zu beschäftigen. Daraus lässt sich einiges lernen, vielleicht lohnt es sich auch mal, eine eigene Predigtreihe dazu zu machen. Aber auch da wollen wir genauer hinschauen, wollen wir beim Text bleiben, weil erstens wird das im Alten Testament deskriptiv beschrieben, es wird beschrieben, was vor Jahrtausenden vereinzelt im Volk Israel geschehen ist, aber es wird nicht daraus normativ vorgeschrieben, was für den Leib Christi, was für die gesamte Christenheit aller Zeiten, aller Orte normativ verbindlich zu gelten hätte. Das sind schlicht zwei verschiedene Dinge. Also du kannst nicht logisch von einem zum anderen kommen, zumindest nicht ohne eindeutige Aussagen dazwischen.
Das heisst also, und ich will da auch niemandem zu nahe treten, wenn Leute sich abmühen, die Positionen von Deborah, Hulda und Mirjam so ausführlich und so umfangreich wie möglich zu beschreiben, und auch da gibt es abenteuerliche Ausgestaltungen, die weit über den Text hinausgehen, dann können sie sich von der Logik her zumindest für diese Frage, ob christliche Gemeinden von Frauen geleitet werden sollen, eigentlich die Mühe sparen, weil das Alte Testament es nicht einfach überschreibt, was dazu im Neuen Testament steht. Die neutestamentlichen Autoren kannten die alttestamentlichen Texte ja in- und auswendig, und wenn der Heilige Geist gewollt hätte, hätte der Heilige Geist ja jederzeit auf diese Beispiele zurückgreifen können, um daraus festzulegen, dass christliche Gemeinden von Frauen geleitet werden sollen.
Und mehr noch: Selbst im Alten Testament gibt es überaus starke Linien, die dagegen sprechen. Nur ein Beispiel: Selbst aus der damaligen Zeit und selbst aus den damaligen Umständen des Alten Testaments haben wir verbindliche Aussagen über die Leute, über diese Gruppe von Leuten, die unter dem Alten Bund dafür verantwortlich waren, Gottes Volk zu leiten und ihnen verbindlich die Heiligen Schriften zu erklären. Das waren damals die Priester, und die waren alle männlich. Die mussten sogar noch weitere Qualifikationen mitbringen, zum Beispiel mussten alles Leviten sein, alles Nachkommen von Aaron, alles mit bestimmten körperlichen Eigenschaften, ein bestimmter Stammbaum usw. Also Dinge, mit denen man entweder im Bauch seiner Mama geschaffen wird oder nicht und die man lebenslang auch nicht ändern kann oder nicht einfach herstellen kann. Das biologische Geschlecht ist eines davon, aber auch keineswegs das einzige Kriterium. Auch damals waren beileibe nicht alle Männer dafür qualifiziert, Priester zu sein, und auch heute sind keineswegs alle Männer dafür qualifiziert, Älteste, Pastoren oder Gemeindeleiter zu sein. Das heisst, Zwischenfazit: Im Alten Testament gibt es also deutlich mehr Parallelen und Präzedenzfälle, die Geschlechterunterscheidung beizubehalten, als umgekehrt. Also Fazit dazu: einer von drei Fischen.
Dann gehen wir ins Neue Testament, also Zeuginnen der Auferstehung, und dass das nichts über das Gemeindeleitungsamt aussagt, das hatten wir schon. Aber es gibt einen sehr einflussreichen Theologen, der behauptet sinngemäss Folgendes: Er behauptet, die Tatsache, dass die Frauen am Grab am Ostermorgen die Auferstehung verkündet haben, daraus macht er jetzt, dass sie damit quasi Apostel für die Apostel gewesen wären oder auch Apostel den Aposteln, und einem Apostel könnte man ja wohl nicht das Predigen und die Gemeindeleitung verwehren. Also sollten alle christlichen Gemeinden auch von Frauen geleitet werden können.
This is of incalculable significance mary magdalen and the others are apostles to the apostles.
Auch das, ihr Lieben, ist leider wieder wischiwaschi. Zunächst einmal geht es überhaupt nicht darum, irgendjemandem etwas zu erlauben oder zu verwehren. Kein Christ sollte etwas verwehren, das der biblische Gott angeordnet hat. Umgekehrt sollte auch kein Christ etwas als okay hinstellen, das der biblische Gott anders angeordnet hat. Die Frage ist also nicht, was wir tun, sondern was der biblische Gott laut den Texten wirklich und tatsächlich angeordnet hat.
Und da kommt schon das erste Problem: Die Frauen am Grab, sie waren nicht Augenzeugen der Auferstehung. Maria Magdalena, Maria, die Mutter von Jakobus, Salome, Johanna und eine weitere, möglicherweise Jesu Tante Maria, die Frau von Kleopas, sie haben das leere Grab gesehen, ja, aber sie haben nicht die Auferstehung von Jesus mit eigenen Augen live mit angesehen. Deshalb: Dieser Begriff, Augenzeugen der Auferstehung, der ist historisch, der ist jetzt keineswegs unproblematisch. Und ich denke, wir sollten nicht solche Begriffe um uns werfen bei einem solchen wichtigen Thema wie der Auferstehung, die eine Bedeutung transportieren, die den Tatsachen gar nicht gerecht wird. Das erst einmal dazu.
Dann der zweite Punkt: Waren die Frauen am Grab nicht Apostel den Aposteln, also Apostel für die Apostel? Und die Antwort ist: Nein, nicht so, wie diese Formulierung das zunächst vermuten lässt. Das ist ja das gleiche Problem wie eben schon. Damit du überhaupt zu einem solchen Schluss kommen kannst, brauchst du schon eine Formulierung, die so vage ist, dass sie tatsächlich schon die Bedeutung der Worte selbst verschleiert. Und darin liegt das Hauptproblem dieser Formulierung „Apostel den Aposteln“. Dieser Kollege, um den es hier geht, der kann nur deshalb zu dieser missverständlichen Formulierung kommen, weil er in demselben Satz dasselbe Wort Apostel auf zwei völlig verschiedene Weisen verwendet.
Diejenigen von euch, die Kein Gott ist auch keine Lösung gelesen haben, die kennen das als das Univozitätsproblem, das heisst so ungefähr wie das deutsche Wort Hahn. Das deutsche Wort Hahn kann ein Tier sein, das deutsche Wort Hahn kann aber auch genauso für eine Wasserleitung stehen wie für einen Wasserhahn, also beides kann man bezeichnen als Hahn. Das gleiche Wort kann aber zwei völlig verschiedene Dinge bedeuten. So ist es auch mit dem Wort Apostel. Ein Apostel ist einmal jemand einer bestimmten klar definierten Gruppe von Individuen, wie die zwölf Apostel, kommen wir gleich drauf. Apostel kann aber auch einfach nur heissen: Gesandter oder Bote, wie ein Briefbote.
Wer also eine ähnliche Formulierung nutzen möchte, der kann das nur auf eine präzise Weise tun. Das heisst: Die Frauen am Grab, sie waren, je nachdem von Jesus und/oder von einem Engel geschickt, sie waren Botinnen zu den Aposteln. In Ordnung: die Botinnen zu den Aposteln, die sich dann wenige Augenblicke darauf selbst von deren Grab überzeugt hatten, bevor ihnen direkt Jesus selbst erschienen ist. Deswegen verstehe mich bitte richtig, mir geht es nicht darum, diese Frauen abzuwerten, allein schon deswegen nicht, weil das auch in der Apologetik ein nennenswerter Fakt für die historische Glaubwürdigkeit von Jesu Auferstehung ist. Aber, ihr Lieben, wir müssen auf dem Boden der Tatsachen bleiben, und die hier berichteten Vorgänge, die haben nichts zu tun mit Fragen der Gemeindeleitung. Das beides miteinander zu verwischen, das geht über Interpretation hinaus und ja, schon in den Bereich des Wunschdenkens hinein.
Wenn ich ein zugespitztes Beispiel nennen darf: Niemand käme auf die Idee, einen Briefboten an den Bundeskanzler die gleiche Autorität wie dem Bundeskanzler zuzuschreiben und dem Briefboten einen Tisch am Kabinett zu geben. Das macht keinen Sinn. Und dazu muss auch einfach mal die Frage erlaubt sein: Wenn diese Frauen am leeren Grab angeblich Apostel im Sinne der Zwölf Apostel gewesen wären und hätten Gemeinden leiten sollen, welche Gemeinden genau wurden denn dann von Salome geleitet? Wo finden wir dann Aufzeichnungen von den Gemeindepredigten? Welche verbindlichen Bibelauslegungen hat dann die Frau von Kleopas getätigt? Also, da müsste man ja dann auch mal die Quellen irgendwo sehen können, um diese Behauptung stichhaltig zu belegen. Deshalb einer von drei Fischen.
Es ist schon aussagekräftig, dass Frauen zuerst das leere Grab gesehen haben, ja, aber das ist aussagekräftig für die Historizität der Auferstehung, nicht für Fragen der Gemeindeleitung. Die Frauen am Grab waren, schau selbst in die Texte, sie waren keine Augenzeugen der Auferstehung, und sie waren erst recht keine Überapostel, die über den zwölf Aposteln standen.
Dann gibt es im Neuen Testament mehrere Stellen, in denen Frauen Mitarbeiterinnen im Gottesreich genannt werden. So, und dieses Argument hat auch einen von drei Fischen. Warum? Weil das so ist. Und die hohe Wertschätzung für Frauen und auch dass Frauen im Gottesreich dienen sollen dürfen, die ist in den Texten eindeutig gegeben, kommen wir noch drauf. Wer mehr darüber wissen möchte, der kann jetzt gern diese Glocke unter diesem Video drücken und in die Kommentare reinschreiben: Videowunsch Wertschätzung für Frauen.
Stellvertretend für viele andere kannst du hier denken an Priscilla, Euodia, Syntyche, Phöbe, Maria, Tryphäna, Tryphosa, Persis und viele weitere. Da kommen wir gleich darauf zu sprechen. Aber auch da noch einmal: Keine dieser Formulierungen sagt etwas aus über geistliche Leitung von gemischten Gemeinden. Es gibt keinen logischen Weg von hier nach da.
Dann jetzt frei raus, lass uns Klartext sprechen: Was sind die stärksten Argumente, dass christliche Gemeinden von Frauen geleitet werden sollten? Es gibt tatsächlich drei Stück. Die haben unterschiedliche Gewichtung, aber die sind signifikant stärker als alles, was der Text von evangelisch.de angeführt hat, und wir werden jetzt sehen, ob diese drei Argumente die Frage abschliessend beantworten oder nicht. Lass uns mal mit dem drittstärksten Argument anfangen.
Das betrifft eine Person namens Junia, und da sind wir im Römerbrief Kapitel 16. Ich lese jetzt eine ganz textnahe Übersetzung: Grüsst Andronikus und Junia, meine Verwandten und Mitgefangenen, die bekannt unter den Aposteln oder den Aposteln bekannt und vor mir in Christus gewesen sind. Und je nachdem, welche Bibelausgabe du vor dir zu liegen hast, steht dort entweder drin bekannt den Aposteln oder bekannt unter den Aposteln, und darum geht es jetzt.
Nun entscheidet ja manchmal ein Buchstabe über das Geschlecht der Person, deswegen Frage Nummer eins: Steht in den ursprünglichen Handschriften wirklich Junia, ein Frauenname, oder Junias, ein Männername? Und die Antwort ist: wirklich Junia, ein Frauenname. Die nächste Frage: Heisst das, dort wird diese Junia, eine Frau, als eine der Apostel bezeichnet? Weil das wäre schon mal Puzzlestück eins, weil es sagen würde, dass Junia Apostel gewesen wäre. Und wenn dann jemand Puzzlestück zwei zeigen könnte, dass mit diesem Begriff Apostel auch noch die Apostel gemeint waren, also eben nicht nur normale Briefboten oder Gesandte oder auch eine Missionarin, sondern dass sie Apostelin war, wie im Sinne zum Beispiel der Zwölf Apostel oder Apostelin im Sinne von zum Beispiel Johannes oder Paulus oder Jakobus oder Petrus, jawohl, dann wäre das ein ernst zu nehmendes Argument, also schrittweise.
Es geht ja um dieses Wort bekannt. Ja, ist sie bekannt den Aposteln oder ist sie bekannt unter den Aposteln? Und dieses Wort im Altgriechischen ist das Wort epismos. Das ist auch das Wort, mit dem in Matthäus 27 der Barabbas bezeichnet wird. Also ganz allgemein meint dieses Wort wohl bekannt, prominent, herausragend, berühmt oder auch bemerkenswert oder auch berüchtigt. Aber dieses Wort hat zwei unterschiedliche Bedeutungen: entweder erstens ein inklusiver Sinn, sowas wie „Jemand ist bekannt unter oder innerhalb einer bestimmten Gruppe“, oder zweitens ein exklusiver Sinn, also jemand ist zum Beispiel bekannt einer bestimmten Gruppe, also eine bestimmte Gruppe kennt diese Person oder nicht. Also dieses Wort epismos kann entweder benutzt werden für jemanden, den die Apostel kennen, oder aber für jemanden, der selbst ein Apostel ist. Einmal wäre Junia damit eindeutig ein Apostel und einmal wäre sie eindeutig kein Apostel. Das sind also zwei unterschiedliche und verschiedene Bedeutungen. So, und das reine Wort allein, epismos, sagt noch nicht, welche dieser beiden Bedeutungen gemeint ist. Das sagt uns die Syntax, also der Satzzusammenhang, in dem das steht.
Was heisst Syntax? Mal ein deutsches Beispiel: Du kannst zum Beispiel die gleichen Worte im Deutschen benutzen, aber je nachdem, wie du sie anordnest, kommt eine völlig andere Bedeutung raus. Zum Beispiel kannst du sagen: Die Schildkröte beisst Tobias oder Tobias beisst die Schildkröte. Genau die gleichen Wörter, aber eine völlig andere Erfahrung, erst recht sobald du Tobias bist. Und hier ist nämlich die Satzstellung, hier ist der grammatikalische Fall und die Syntax entscheidend. Und ganz genau so ist es bei diesem Wort epismos.
Das hängt davon ab, in welchem grammatikalischen Kasus, in welchem Fall, in welchem grammatikalischen Fall das steht, und da gibt es im Altgriechischen eine konsistente Regel. Wenn der grammatikalisch zweite Fall genutzt wird, der Genitiv, dann heisst epismos „bekannt unter“, dann ist es der inklusive Sinn, dann ist gemeint „Teil einer Gruppe, Teil davon“. Wenn der dritte Fall benutzt wird, der Dativ, dann ist es „bekannt dem und demjenigen“, also exklusiv, nicht Teil der Gruppe, der es bekannt ist. Okay? Soweit nachvollziehbar?
Und was genau steht jetzt dort im Text? Dort heisst es: Apaspaste Andronikon kai Iounian, da haben wir es, tou syngonesmu kai synaichmolotusmu, heutines eisen epismoi tois apostolois. Also eindeutig Dativ, dritter Fall im Plural, das steht dort im Dativ im dritten Fall, also wir sind uns zu über 95 sicher, dass das heisst: bekannt einer Gruppe, zu der jemand nicht gehört. Und die 95 sage ich, weil ich hier vorsichtig sein will und kleine Brötchen backen, aber so sieht's aus.
Jetzt fragt der eine oder andere vielleicht: Warum steht es denn dann in manchen Bibelausgaben anders, ist das dann einfach falsch übersetzt, wieso ist das so? Und erst einmal ist Bibelübersetzen wirklich ein sehr, sehr harter Job. Viele Bibelübersetzerteams stehen häufig unter einem nicht zu unterschätzenden Zeitdruck, sie haben häufig einfach nicht die Zeit, sich Wochen oder Monate lang nur mit einem Halbsatz zu beschäftigen, weil in derselben Woche noch zwei oder drei andere Kapitel übersetzt werden müssen. Also deswegen Leute, ruhig Blut, wir wollen da niemandem böse Absichten unterstellen oder gar an irgendwelchen Verschwörungstheorien abrutschen, okay? Wir sind alles Menschen, wir machen alle Fehler, ich ja auch.
An dieser Stelle allerdings noch ein ganz entscheidender Punkt, nämlich: Das mit dieser eindeutigen Dativregel bei dem Wort epismos wurde erst in den letzten Jahren herausgearbeitet sprachwissenschaftlich, aber das sehr gründlich. Nur ein kurzer Einblick: Selbst von allen frühchristlichen Autoren gibt es nur einen einzigen, Johannes Chrysostomus, der zu dieser Stelle von Andronikus und Junia im Römerbrief Kapitel 16 etwas anderes sagt als das, was du gerade gesehen hast. Und selbst er ist etliche Jahrhunderte von den Geschehnissen entfernt und liegt an anderen Stellen mit seinem Griechisch auch leicht daneben, weil Griechisch wie jede Sprache sich im Laufe der Zeit verändert. Also das Griechisch vom Römerbrief im ersten Jahrhundert ist nicht mehr genau das Griechisch vom fünften Jahrhundert von Johannes Chrysostomus.
Dazu kommt: Über siebzig verschiedene sprachliche Textfunde aus der Zeit unterstützen eindeutig, dass man den Genitiv, den zweiten Fall, und eben nicht den Dativ, den dritten Fall, nutzen würde, um zu sagen, dass Andronikus und Junia angeblich Apostel wären. Hier wird aber eindeutig der Dativ genutzt, der zeigt, dass diese beiden zwar den Aposteln bekannt waren, aber eindeutig nicht Teil dieser Gruppe waren. Weitere Funde dazu wurden dann weiter unter Spezialisten ausgewertet, und es kam zu sechsunddreissig weiteren Textfunden, von denen praktisch alle dieselbe, die identische grammatikalische und syntaktische Struktur haben wie diese Formulierung im Römerbrief Kapitel 16, und die eindeutig zeigen, dass diese Formulierung mit Dativ heisst: den Aposteln bekannt, zu denen sie nicht gehören.
Falls du also in alten Lehrbüchern von liberalen Theologen etwas anderes liest, dann hab einfach im Hinterkopf, es gab damals diesen Wissensstand noch nicht, wie in vielen anderen Dingen auch. Wir können also heute mit Sicherheit sagen: Die sprachwissenschaftlich korrekte Übersetzung von Römer 16 in Deutsch lautet: Grüsst Andronikus und Junia, meine Verwandten und Mitgefangenen, die den Aposteln bekannt und vor mir in Christus gewesen sind. Also der sprachwissenschaftliche Befund ist klar: Junia wird im Neuen Testament nicht Apostelin genannt. Das erst einmal zur Faktenebene, die in den letzten Jahren gründlich geklärt werden konnte. Hier sind wir also im Wissensstand eindeutig weiter als noch unsere Eltern und Grosseltern das waren.
Dann einfach eine Anmerkung, wenn ich darf, mal ganz grundsätzlich: Auch zwei Apostel zu haben, die mindestens genauso nennenswert sind wie die zwölf Apostel, ohne dass diese irgendwo anders genannt werden, das scheint wirklich ziemlich weit hergeholt. Weder Andronikus noch Junia waren Teil der Zwölf Apostel, keiner von denen kommt irgendwo in den Evangelien vor und erst recht nicht in der Apostelgeschichte. Dagegen aber, das wollen wir hier auch noch einmal anmerken: Dort, wo Apostel als Amt genannt werden, sind immer alle männlich. Denk an die Zwölf Apostel: Simon Petrus, Andreas, Jakobus, Sohn von Zebedäus, Johannes, Philippus, Bartholomäus oder Nathanael, Thomas, Levi oder Matthäus, Jakobus, der Sohn von Alphäus, Thaddäus oder auch genannt Judas, Simon der Zelot, Matthias als Ersatz für Judas Iskariot. Alle männlich. Und dann 1. Korinther 9, wo es heisst, haben wir nicht das Recht, eine gläubige, gemeint ist christliche, wiedergeborene, bekehrte Ehefrau mitzunehmen, gemeint ist zum Beispiel mit auf Missionsreisen, wie es die anderen Apostel tun und die Brüder des Herrn und Käfers? So, und jetzt kommt's: Alle Apostel, die dort genannt sind, sind alle männlich, und die Frauen der Apostel werden nicht selbst Apostel genannt.
Also Fazit zu Junia: den Aposteln bekannt, ja, ich kann auch gut mit der Vermutung mitgehen, dass sie eine bekannte Missionarin in Rom war, kann ich mitgehen, und ich bin mir sicher, dass Junia kein Apostel, keine Älteste oder Gemeindeleiterin war, wie zum Beispiel Johannes, Paulus, Jakobus, Petrus. Das heisst: einer von drei Fischen. Die Auseinandersetzung damit ist bereichernd, und es bestätigt auch, dass Frauen einflussreich im Gottesreich dienen, ja, aber vom Text keinerlei Aussage, dass sie Gemeindeleiterin war oder zu den Aposteln gehört hat. Das war es mit Junia, das drittstärkste Argument, definitiv interessant, aber ändert weder die Ausgangslage noch das Ergebnis, erst recht nicht, sobald man genauer hinschaut.
Das zweitstärkste Argument betrifft jetzt eine weitere Frau aus der Bibel namens Phöbe. Und das muss ich auch mal ganz klar sagen: Das Phöbe-Argument ist noch stärker, noch einiges stärker als das Junia-Argument. Es ist sogar Phöbe ist das zweitstärkste mir bekannte Argument dafür, dass christliche Gemeinden von Frauen geleitet werden sollten. Das heisst also, wenn ich jetzt der Überzeugung wäre, dass christliche Gemeinden von Frauen geleitet werden sollten, dann würde ich mich gar nicht aufhalten mit Galater 3,28 oder den Frauen am Grab oder Ähnlichem, ich würde wirklich, wenn ich das mal so sagen darf, mich volle Kanne fokussieren auf dieses Phöbe-Argument.
Das Phöbe-Argument geht zurück auf denselben Römerbrief, den Paulus im Jahr 56 nach Christus von Korinth aus schreibt. Wir schauen mal rein. Dort heisst es: Zitat: Ich empfehle euch unsere Schwester Phöbe, die eine Diakonin der Gemeinde in Kenchreä ist, damit ihr sie aufnehmt, wichtig, im Herrn, wie es sich für Heilige geziemt, und ihr in allen Dingen beisteht, in denen sie euch braucht. Denn auch sie ist vielen ein Beistand gewesen, auch mir selbst.
So, jetzt wird's langsam spannend, weil hier wird uns schon mal eine Frau klar als Diakonin vorgestellt. Also Diakon noch einmal zur Erinnerung heisst Gemeindemitarbeiter für praktische Belange, das kann auch Verantwortung für einen bestimmten Bereich beinhalten. Grundsätzlich dazu: Ich bin ziemlich sicher, dass Frauen in den Urgemeinden Diakone waren, Diakoninnen ziemlich sicher. Warum? Erstens: Das Wort Diakonos kann allein grammatikalisch, kann allein sprachwissenschaftlich vom Grundtext her weiblich sein, überhaupt gar kein Problem. Zweiter Punkt: Die Plinius-Briefe, die wir hier schon mal hatten in der Zehn-Gebote-Reihe, ist hier unten drunter unter diesem Video verlinkt, die zeigen, es gab im Frühchristentum weibliche Diakoninnen. Ein weiterer nicht biblischer Text aus der christlichen Antike zeigt uns, wo es darum geht, eine weibliche Diakonin in ein Amt einzuführen, die treu ist und die heilig ist, die Rede ist ausdrücklich von einer weiblichen Diakonin.
Und die Verbindung mit der Gemeinde in Kenchreä macht hier aus dem Text von Römer 16, finde ich, ausreichend klar, dass das Amt der Diakonin gemeint ist. Es impliziert eine offizielle Gemeindeposition und nicht nur der allgemeine Begriff, nicht nur der allgemeine Sprachgebrauch von Diakon, Diener oder so etwas, zum Beispiel Diener, wie es anderswo benutzt wird im Neuen Testament. Und dass Frauen in den frühchristlichen Urgemeinden, dass sie auch weibliche Diakoninnen waren, das wird mittlerweile auch von konservativen Wissenschaftlern anerkannt, die nicht der Auffassung sind, dass Frauen im Frühchristentum Gemeinden geleitet haben oder heute sollten.
Unter Ergänzung dazu: Diakonin ist ja nicht Gemeindeleitung. Warum? Weil es um Mitarbeit, auch Verantwortlichkeit für bestimmte Bereiche, aber eben nicht Gemeindeleitung geht. Da sind wir auch bei einem wichtigen Unterschied: Diakone müssen ja nicht fähig sein zu lehren, sondern das müssen ja die Ältesten, wie wir an anderen Stellen sehen. Also der Hauptunterschied zwischen Diakonen und Ältesten ist: Wer ist verantwortlich, vor allem für die Lehre und für das durch Lehre Leiten? Da kommen wir später drauf.
Und nur, dass du es weisst: Es gibt auch eine ganze Diskussion darüber, ob der Text über Diakonen in 1. Timotheus 3, ob das die Ehefrauen von männlichen Diakonen meint oder tatsächlich weibliche Diakone. Ich denke, es geht dort um weibliche Diakone, nicht um die Ehefrauen männlicher Diakone. Warum? Weil in 1. Timotheus 3, da steht ja nicht „ihre Frauen“, dann ab Vers 8 geht es ja schon um Diakone. Und ausserdem: Warum sollte es so sein, dass es nur notwendig ist, als Ehefrauen von männlichen Diakonen bestimmte Qualifikationen mitzubringen, aber als Ehefrauen der Ältesten nicht? Das macht, finde ich, nicht so super viel Sinn. Deswegen, meinem Dafürhalten nach, geht es in 1. Timotheus 3 tatsächlich eher um weibliche Diakone.
Das heisst, zurück zu Phöbe: Die Tatsache, dass Phöbe wirklich echte Diakonin ist und dass im Römerbrief sogar gut geheissen wird, wo sie den Römern sogar ausdrücklich empfohlen wird, das ist eines von mehreren sehr starken biblisch fundierten Argumenten dafür, dass qualifizierte und dafür ausgewählte Frauen Diakone waren und heute sein dürfen und sollten.
Jetzt denkt der eine oder andere vielleicht: Na gut, okay, aber das heisst ja noch nicht, dass Frauen lehren und Gemeinden leiten sollten. Wieso ist denn Phöbe trotzdem so ein bedenkenswertes Argument? Ja, und jetzt kommen wir zu etwas, was eigentlich ausserhalb vom Bibeltext kommt, nämlich folgendes: Damals wurden wichtige Briefe von vertrauenswürdigen Personen übermittelt, es gab halt noch nicht sowas wie die Deutsche Post. Das betrifft auch die neutestamentlichen Briefe, der Epheserbrief von Tychikus, der Kolosserbrief von Tychikus und dem Sklaven Onesimus, der Philipperbrief von Epaphroditus und der Titusbrief von Artemis oder Tychikus.
Und wie heute in deutschen Briefköpfen, wo Absender und Adressat an bestimmten fixen Stellen im Brief stehen, gab es auch damals bestimmte standardisierte Formulierungen, die bezeichnet haben, wer Überbringer und Bote eines Briefes ist. Und in Römer 16 finden wir genau diese Sprache bezogen auf Phöbe, die aus einem Vorort von Korinth kommt, von wo Paulus aus mit sehr, sehr hoher Wahrscheinlichkeit den Römerbrief schreibt. Also Phöbe war die Überbringerin des Römerbriefs von Korinth an die Gemeinde in Rom, das sieht alles danach aus.
Aber was hat das jetzt zu tun mit der Frage des Predigens, Lehrens und Leitens von gemischten Gruppen? Wie der eine oder die andere hier weiss: Briefe in der damaligen Welt, erst recht Briefe an Gruppen, waren dazu bestimmt, bei Gruppenversammlungen der Gruppe laut vorgelesen zu werden. Und wenn dem so ist, dann heisst das, dass einer der wichtigsten Texte der Weltgeschichte, der Römerbrief, der zusammen mit den Evangelien für mehr Bekehrungen in der Menschheitsgeschichte verantwortlich war als alles andere, dass der von einem Apostel einer Frau anvertraut wurde, um ihn einer gemischten Gruppe zu überbringen und diesen Text, der Gottesworte enthält, dort wahrscheinlich auch in der Gemeindeversammlung im Gottesdienst vor der gemischten Gruppe vorzulesen. Das, ihr Lieben, ist ein starkes Stück, also wirklich.
Und ich denke, zu sechzig Prozent plus denke ich, dass das das ist, was passiert ist. Und das macht Phöbe zur Diakonin und sogar zumindest einmalig zur Vorleserin der Heiligen Schriften in einem Gottesdienst, was manche Kirchen heute haben als Lektorenamt.
So, und jetzt geht ein sehr einflussreicher Theologe so weit zu behaupten, Phöbe hätte den Römern den Römerbrief vorgetragen, so weit, aber dann auch noch zusätzlich den Text erklärt, gedeutet, ausgelegt und Fragen dazu verbindlich beantwortet.
She is the first person to explain when people What did Paul mean by that? People get surprised when I tell them that highly likely the first ever exposition of Paul's Letter to the Romans was done by a Christian Businesswoman from Eastern Corinth. The probability is that the first person to expound Paul's Letter to the Romans was a Woman, a Deacon from the Church in Kencra.
Also er sagt damit, sie hätte einer gemischten Gruppe verbindlich die Heilige Schrift ausgelegt, gepredigt, gelehrt und diese Gruppe durch Lehre geleitet. Und das ist der entscheidende Punkt, an dem dieser Theologe zu weit geht. Und ich möchte auch begründen, warum.
Unabhängig unserer eigenen Vorprägungen: Wir können aus dem Text heraus nur ableiten, dass Phöbe den Römerbrief überbracht hat. Mehr können wir aus dem Text selbst nicht ableiten. Erst der Text mit historischen Rahmenbedingungen dazu macht es denkbar, meines Erachtens auch wahrscheinlich, aber mindestens denkbar und plausibel, dass Phöbe den Römerbrief der Gemeinde vorgelesen hat. So weit kann ich mitgehen. Nun behauptet dieser Kollege aber, zu der Zeit hätten Übermittler von Briefen immer gleichzeitig als die Ausleger der Briefe gewirkt, um nicht nur den Buchstaben, sondern auch den Geist des Briefes zu übermitteln. Jetzt aber, das scheint nicht so zu sein, wie sich dieser Kollege das vielleicht wünschen würde. Er führt dazu eine Reihe von Quellen ins Feld, die seine Behauptung angeblich belegen würden, aber das tun sie nicht. Wen das interessiert, wir haben dir das hier alles eingeblendet, der kann es gern noch einmal in Ruhe nachvollziehen.
Aber selbst wenn der Kollege recht hätte, was die Quellen nicht hergeben, dann wäre Phöbe damit allenfalls eine einmalige Gastpredigerin in Rom gewesen, aber keineswegs geistliche Leiterin einer christlichen Gemeinde, mitnichten. Und selbst das mit der Gastpredigerin geben die Quellen so nicht direkt her. Also Fazit zu Phöbe: Ich denke, die Fakten legen am wahrscheinlichsten den Schluss nahe, dass eine weibliche Diakonin, also eine weibliche Gemeindemitarbeiterin, die auch Verantwortung für ihren Bereich trägt, dass sie tatsächlich von einem Apostel damit beauftragt wurde und betraut wurde, diesen unschätzbar kostbaren Römerbrief, der vom Heiligen Geist inspiriert wurde und Gottes Worte enthält, den einer gemischten Gemeinde zu überbringen und womöglich sogar dort vorzulesen.
Was aber die Botschaft des Römerbriefs, die eigentlichen Inhalte für die Gemeinde bedeuten, die Lehre, die Auswirkungen, die Konsequenzen, die praktische Anwendung, da bin ich mir sicher, das war den Ältesten der Gemeinde überlassen, das verantwortungsvoll zu lehren und zu predigen und ihre Gemeinde auf Grundlage des Textes durch Lehre zu leiten. Ich will auch dazu sagen, ich kann mir das auf Grundlage der Fakten zwar gut vorstellen mit Phöbes Vortrag des Römerbriefs im Gottesdienst, aber wir müssen so ehrlich sein anzuerkennen: a) Das wäre eine einmalige Situation, die so meines Wissens nach nirgends sonst im Neuen Testament oder in den Urgemeinden vorkam, b) das würde Phöbe allenfalls noch zur Lektorin machen, nicht aber zur Predigerin und keineswegs zur ältesten Pastorengemeindeleiterin, und c) wir müssen auch anerkennen, dass diese Vermutung nur eine Ableitung aus dem Text ist, eine Ableitung, die auch eine gewisse Wahrscheinlichkeit hat, ja, aber die so im Text selbst nicht vorkommt.
Ausbuchstabiert gibt es keine einzige Stelle im Neuen Testament oder, soweit mir bekannt ist, in der gesamten Frühchristenheit, vom heutigen Frankreich bis in den heutigen Irak, von der heutigen Türkei über Tunesien und das heutige Ägypten über vier Jahrhunderte, keine einzige Stelle, die ausdrücklich beschreibt, dass eine Frau vor einer gemischten Versammlung Bibeltexte oder apostolische Schriften vorliest und die verbindlich auslegt. Es bleibt also eine Vermutung, die auch allein auf weiter Flur zu stehen scheint. Das müssen wir der Transparenz halber dazusagen. Deswegen das Phöbe-Argument: anderthalb von drei Fischen.
Und was ist jetzt das stärkste Argument dafür, dass christliche Gemeinden von Frauen geleitet werden sollten? Na ja, ich weiss nicht, wie repräsentativ das ist, aber die Antwort wäre: Untergrundgemeinden. Untergrundgemeinden. Ich war bei einer Reise in von Islamisten besetzten Gebieten. Ich war bei Treffen von Untergrundgemeinden, die in extremen Ausnahmesituationen aufgrund von Bedrohung und Verfolgung abgetaucht sind. Ja, und einigen hast du die Narben angesehen, die sie dafür tragen, Jesus nachzufolgen. Dem gleichen Jesus, dem ich nachfolge und dem hoffentlich du auch nachfolgst. Ich könnte jetzt viel dazu erzählen, aber das wäre wirklich ein Thema für ein anderes Video. So oder so, wer das sehen möchte, drückt gerne diese Glocke hier unten rechts unter diesem Video und schreibt in die Kommentare rein: Videowunsch Reisebericht.
Der Punkt ist, dass in den Untergrundgemeinden die Gemeindeleiter Männer waren, das waren alles Männer, und die waren bestrebt, Männer anzuleiten, die ebenfalls Gemeinden gründen und die leiten sollten und die Jüngermacher machen. Es gab auch mutige Missionarinnen, und ich habe mit ihnen gesprochen. Sie kamen zurück von einem Einsatz, wo einer ihrer Kollegen von einem Sprengstoffattentat beim Hauskreis zerrissen wurde. The blast could be heard across the city, and pictures of black smoke from the scene were circulated on social media. Mogadischas Regionaladministrations spokesman told VOA that most of the victims were civilians. Ich will das Beispiel jetzt gar nicht ausbreiten, weil es war noch einiges grausamer und es würde jetzt vom Thema wegführen.
Der Punkt ist: Dort in Bedrohung, Verfolgung, im Untergrund, in extremen Ausnahmesituationen, wenn Älteste und Leiter entführt, inhaftiert und getötet werden, da gibt es Situationen, wo du Hauskreise, Hausgemeinden und Gemeinden hast, in denen fast nur Neubekehrte und Babychristen sitzen, was ja super ist, das sind Zeichen einer wachsenden Gemeinde, also hör nicht auf, für sie zu beten. Und dann gibt es Situationen in diesen extremen Ausnahmefällen, wo keiner aus der Gemeinde qualifiziert oder fähig ist, sie in der Lehre zu leiten. Und in diesen extremen Ausnahmen da kann es dazu kommen, dass zum Beispiel Gelehrte, Missionarinnen oder Evangelistinnen, die das meist auch gar nicht wollen, vorübergehend die Leitungsrolle in einer Hausgemeinde auf sich nehmen, auch einer gemischten Hausgemeinde, bis sie ausgewählte Männer darin so zugerüstet haben, dass diese freiwillig, mit Zustimmung der anderen, die Gemeindeleitung übernehmen.
Das, ihr Lieben, sind extreme Ausnahmesituationen, weil es in der Verfolgung schlicht überhaupt keine andere Möglichkeit gibt. Und diese Situationen werden schon dort im Untergrund als extreme Ausnahmesituation behandelt. Wie viel mehr sollten wir also das als Ausnahme betrachten, wo bei uns Verfolgung noch lange, lange nicht dieses Ausmass erreicht hat, sondern wir öffentliche Gottesdienste abhalten können? Selbst wenn es keine bibelorientierte Gemeinde am Ort gibt, können die meisten von uns auch umziehen in Gegenden, wo es das gibt. Da wir in vergleichsweise noch viel grösserer Freiheit leben als diese Beispiele, wo Gemeindeleiter in Stücke gerissen werden, denke ich, das sollten wir nicht als Ausreden heranziehen, um es anders zu machen.
So, ihr Lieben, dann kommen wir jetzt zur Auflösung. Was ist denn nach bestem Wissen und Gewissen die biblische neutestamentliche Position? Kurzer Rückblick: Wir haben bis jetzt Behauptungen gesehen, die teilweise schwerwiegende methodische Probleme aufweisen und teilweise sachlich falsch sind. Da haben wir bei der Klärung und Beantwortung gesehen, dass auch wenn es dort bedenkenswerte Facetten und interessante Punkte gibt, die jeder mitnehmen kann, das reicht noch nicht aus, noch lange nicht aus, um zu begründen, warum laut dem Neuen Testament christliche Gemeinden aller Zeiten, aller Orte angeblich von Frauen geleitet werden sollten. Und dabei haben wir schon einige der stärksten Argumente und ansonsten eine breite Auswahl von häufig genannten Punkten besprochen. Und natürlich gäbe es noch mehr zu sagen. Du kannst für deine weiterführenden Fragen gerne diese Glocke hier unten rechts unter diesem Video drücken und deine Fragen in die Kommentare schreiben.
Aber so, ihr Lieben, habt ihr schon mal einen Eindruck über ein weites Spektrum an Punkten, die für diese Behauptung ins Feld geführt werden, dass christliche Gemeinden angeblich von Frauen geleitet werden sollten, und warum diese Argumente nicht greifen. Und jetzt wird sicherlich der eine oder die andere sagen: Markus, du hast aber diesen Punkt, der mir sehr wichtig ist, nicht ausführlich genug dargestellt. Und sicher, ihr Lieben, ihr schaut gerade ein YouTube-Video, ihr lest gerade keine Doktorarbeit. Und wenn es eine wäre, dann gibt es immer noch Leute, die sagen würden: Ja, aber es ist nur eine Arbeit und nicht zehn. Und wenn es zehn wäre, dann gibt es immer noch Leute, die sagen würden: Ja, aber es ist keine Forschergruppe. Und wenn es die wäre, dann gibt es immer noch Leute, die sagen würden: Ja, aber es ist kein gewähltes Gremium und so weiter und so fort. Und du wirst in ein paar Minuten sehen, dass es darauf auch gar nicht ankommt.
Und erinnere dich an den Anfang von diesem Beitrag: Auch heute werden weltweit die meisten christlichen Gemeinden nur von bestimmten, dafür ausgewählten Männern geleitet, und das war bis in die allerjüngste Vergangenheit auch durch die gesamte Christentumsgeschichte bis zurück zum Anfang konsistent. Die Frage ist jetzt: Ist das kulturell bedingt, oder soll das laut neuem Testament so sein? Nachdem Elisa und ich uns fast anderthalb Jahre lang die Texte angeschaut haben, die biblischen Texte und die frühchristlichen Schriften der Urgemeinden, und nachdem wir uns mit so vielen möglichen und unmöglichen Gegenargumenten beschäftigt haben und die auch emotional durchgekaut haben, ihr habt, glaube ich, keine Vorstellung, was wir an Gesprächen geführt haben und Ähnlichem und wo man seine eigenen Prägungen und seine kulturellen Hintergründe wirklich noch einmal auf den Prüfstein stellt, das kann ich ehrlich sagen, nach all dem und noch so viel mehr, ich will dir jetzt gar nicht einen Ohr damit abkauen, am Ende des Tages bin ich mir sicher genug: Ja, christliche Gemeinden sollten laut dem Neuen Testament nur von bestimmten, dafür ausgewählten Männern geleitet werden, die sie durch Lehre leiten und die für ihre Lehre und für ihre Leitungsentscheidungen dafür vom biblischen Gott zur Rechenschaft gezogen werden.
So, jetzt ist es raus. Der eine oder die andere denkt sich vielleicht: Na, war doch klar, dass die konservativen Fundis zu diesem Schluss kommen. Nein, mir war das vor anderthalb Jahren überhaupt nicht klar, überhaupt nicht, eher im Gegenteil. Aber das ist jetzt wirklich wichtig, und das will ich auch noch einmal bewusst auch an die theologisch konservative Richtung sagen: Es ist keineswegs so, dass alle Männer leiten sollten, keineswegs. Also dieser Stereotyp von „alle Frauen ordnen sich allen Männern unter und alle Männer leiten immer“ ist eine fahrlässige Falschdarstellung der biblischen Texte.
Es gibt laut dem Neuen Testament über zwanzig verschiedene Qualifikationen, die ein Ältester, Pastor, Gemeindeleiter erfüllen muss, und ja, das biologische Geschlecht ist eine davon. Was sind denn einige der entscheidenden Argumente dafür, dass das die korrekte Lesart des biblischen Befundes ist? Also einige und auch gewichtige, aber erst einmal ganz vorweg, erst einmal ganz oberflächlich angefangen: Es gibt so eine Reihe von Beobachtungen, die jeden, der sich mit der Frage beschäftigt, beim Bibellesen, beim täglichen Bibellesen, hoffe ich, stutzig machen sollten.
Erst einmal ganz grundsätzlich im Alten Testament: Ja, im Alten Testament gibt es weibliche Prophetinnen, wie auch im Neuen Testament, und ja, von den Richtern, von den zwölf Richtern, gibt es auch eine weibliche Richterin, stimmt. Jetzt mal die Frage gestellt: Wie viele weibliche Priesterinnen gibt es denn im Volk Israel im gesamten Alten Testament? Null. Warum ist das relevant? Weil wer ist im Alten Testament für die Lehre verantwortlich? Die Priester. Die Priester waren dafür zuständig, dem Volk Israel die Bibel, die Schriften in Erinnerung zu halten, und alles davon sind nur bestimmte, dafür ausgewählte Männer, die dafür Rechenschaft ablegen müssen. Das Amt des Hohepriesters: Wie viele weibliche Hohepriesterinnen gibt es im Alten Testament? Null, das sind alles nur bestimmte, dafür ausgewählte Männer, die dafür Rechenschaft ablegen müssen.
Dann grundsätzlich zur Zeit des Neuen Testaments: Wir finden in den biblischen Berichten und auch in den ausserbiblischen Berichten Christen in frühchristlichen Gemeinden in allen möglichen Positionen, ausser in der Position von Ältesten, Pastor, Gemeindeleiter und ausser in der Position von Apostel. Es gab weibliche Diakone, aber wie viele Älteste und Gemeindeleiter, die weiblich sind, finden wir in allen neutestamentlichen Berichten? Null. Wie viele Gemeindegründer sind weiblich? Null. Von den neun Autoren des Neuen Testaments, wie viele sind weiblich? Null. Von den zwölf Aposteln, wie viele sind weiblich? Null. Wie viele Frauen sehen wir, die in öffentlichen Gruppen, in öffentlichen Gemeinschaften vor gemischten Gruppen gepredigt haben? Null. In der Offenbarung, das wollen wir mal nicht unterschätzen, die vierundzwanzig Ältesten im Himmel, die also völlig unabhängig sind von irgendwelchen menschlichen Kulturen, wie viele von denen sind weiblich? Null.
Lass uns anfangen mit diesem sehr grundlegenden Konzept der ja, jetzt ist die Frage, wie nennen wir es, Schöpfungsordnung. Ich denke nicht, dass das der perfekte Begriff ist, aber mir fällt bis jetzt noch kein besser ein, und am Ende des Tages geht es nicht um den Begriff, sondern um den Sachverhalt. Aber wichtig: Wir reden von dem Neuen Testament, also Schöpfungsordnung im Neuen Testament, in dem Teil der Bibel, der für uns Christen uneingeschränkt gültig ist.
Mir hat geholfen, hier klarer zu sehen: Man stelle sich das einmal umgekehrt vor. Im Neuen Testament wird ja immer wieder Adam mit dem Mann gleichgesetzt und Eva mit der Frau. Man stelle sich jetzt einmal vor, nur mal umgekehrt gedacht, mal auf den Kopf gestellt, Gott hätte laut Neuem Testament den Mann und die Frau zur selben Zeit geschaffen, anstatt den Mann zuerst. Man stelle sich einfach mal vor, Gott hätte Adam und Eva beide aus dem Erdboden, aus dem Ackerboden geschaffen. Man stelle sich einmal vor, Gott hätte die Tiere zur Frau und zum Mann, Eva und Adam, gleichzeitig gebracht oder auch nur zur Frau, nur zur Eva, und sie hätte allen Tieren einen Namen gegeben, sie hätte sie benannt, anstatt dass es so ist, dass Gott dem Mann, Adam, die Aufgabe gegeben hat, alle Tiere zu benennen und dann später, dass er Eva davon berichten sollte. Man stelle sich einmal vor, im Neuen Testament wäre davon berichtet, dass Eva, die Frau, ihrem Mann seinen Namen gegeben hätte. Das ist ein spannendes Gedankenexperiment, aber ich glaube, du siehst den Kontrast: Das ist im Neuen Testament völlig anders beschrieben.
Wir finden im Neuen Testament, und darauf will ich hinaus, mehrere vom Heiligen Geist inspirierte Erklärungen, was wir aus den Schöpfungsberichten für Lektionen herausziehen sollen. Das Neue Testament sagt, es hat eine Bedeutung, was dort im Alten Testament geschrieben ist, und das Neue Testament gibt uns die Bedeutung dazu. Sondern was lesen wir im Neuen Testament? Der Mann wird zuerst in die Verantwortung gezogen. Dem Mann, Adam, wird das Gebot gegeben, für dessen Einhaltung er verantwortlich ist. Es liesse sich sogar argumentieren, dass Adam dadurch, dass er es ist, der das Gebot bekommen hat, dadurch eine höhere Autorität hatte, weil es ja Eva war, die es erst von Adam, die Frau, die es erst vom Mann lernen musste. Das heisst, du kannst wirklich sagen, das tut dem Mann Adam dort eine gewisse Funktion der Leiterschaft hinein. Auch für die ersten Bibelleser war ganz klar: Der Mann ist in dem Sinne in Anführungsstrichen der Erstgeborene gewesen, der Adam, der eine grössere Autorität hat über die weiteren Menschen, wie der Erstgeborene in einer Familie das war für damalige Leser klar die grössere Autorität hat als diejenigen, die danach geboren wurden.
In den Berichten benennt der Mann die Frau. Natürlich beinhaltet das Autorität, so ist es auch in der Bibel, wo Personen umbenannt werden, und zwar immer von Personen, die eine höhere Autorität haben. Stell dir einfach mal vor, irgendjemand würde dahergelaufen kommen und deine Strasse, deine Stadt oder dich oder deine Kinder umbenennen, dann würdest du völlig zu Recht fragen: Wer bist du und was gibt dir die Autorität dazu?
Und jetzt wichtig, weil das manchmal falsch dargestellt wird: Diese Dinge sind ja laut dem Neuen Testament vor dem Sündenfall passiert. Also wenn Leute behaupten, die, nennen wir es mal, Ordnung der Geschlechter oder wie du es auch nennen willst, wenn Leute behaupten, das wäre angeblich eine Folge der Sünde, das geht ja völlig an den neutestamentlichen Texten vorbei. Im Gegenteil. Im Neuen Testament macht der Heilige Geist an mehreren Stellen klar, dass genau diese Texte für christliche Ehen gelten sollen und für Mann und Frau und wie sie zueinander stehen und wie sie sich zueinander verhalten sollten.
Dann, wo wir dabei sind, das Thema Sündenfall: Jedem von uns ist die Darstellung klar, dass der Satan Eva versucht, und das stimmt auch. Aber schau mal wirklich in den Text hinein und achte mal darauf, was du am Ende aus dem Text heraus entdecken kannst, nämlich einen ganz, ganz wichtigen Punkt. Genesis 3: Zuerst kommt die Schlange, der Satan, und sagt: Sollte Gott wirklich gesagt haben, sollte Gott wirklich gesagt haben. Also du siehst es: Gottes Aussagen werden in Zweifel gezogen nach dem Motto, bloss weg vom Wortsinn, weg von dem, was Gott wörtlich gemeint hat. Danach geht der Vers weiter: Sollte Gott wirklich gesagt haben, dass ihr von keinem Baum essen dürft. Und Erinnerung: Das hat Gott natürlich nicht gesagt, im Gegenteil, er sagt ja ausdrücklich vorher, von allen Bäumen dürft ihr essen, ausser von dem und dem. Das heisst, da wird ein falsches Gottesbild vermittelt.
Dann Genesis 3, Vers 4: direkte Lüge sagt der Satan, ihr werdet nicht sterben. Das heisst, damit wird er mittransportiert nach dem Motto, die Realität, die ist angeblich gar nicht so, wie Gott selbst, der Schöpfer der Realität, das kommuniziert hat, sondern die Realität wäre angeblich eine ganz andere, als wie Gott kommuniziert hat. Dann Genesis 3 weiter, wo es heisst: Gott weiss, dass eure Augen geöffnet werden, wenn ihr davon esst, von der Frucht, ihr werdet sein wie Gott und das Gute vom Bösen unterscheiden können. Ja, also damit wird natürlich kommuniziert ein falsches Gottesbild, ein falscher Fokus auf das Diesseits, auf das, was direkt konkret vor Augen steht, und nach dem Motto, es wird kurzfristig eine tolle Sache, wenn wir uns nicht an Gottes Regeln halten. Und natürlich wird damit der Mensch an Gottes Stelle gesetzt.
Sagte neulich einer unserer Ältesten, einer von Elisas und meinen Ältesten aus unserer Gemeinde, er sagte mal: Wer wissentlich sündigt, wer wissentlich sündigt, der macht sich zum Gott seiner eigenen Welt. Das ist ein sehr nachdenkenswertes Zitat.
Und wie geht es weiter beim ursprünglichen Sündenfall? Genesis 3: Als die Frau nun sah, wie es gut wäre, von dem Baum zu essen, was für eine Augenweide er war und wie viel Einsicht er versprach, dann nahm sie eine Frucht und ass. Und jetzt: Sie gab auch ihrem Mann davon, der neben ihr stand. Also da die entscheidende Information: Adam steht die ganze Zeit direkt neben Eva und schaut dem ganzen Geschehen einfach zu. Das heisst, wir sehen so eine selektive Wahrnehmung, nur das Wahrnehmen, was unmittelbar vor Augen steht, nur die Kurzfristigkeit, nur die Oberflächlichkeit, nur was man in dem Moment sieht, was man in dem Moment fühlt und dann die Frage zu stellen: Was macht das in diesem Moment mit mir, statt wirklich tief durchzuatmen und weiterzudenken? Auch nur das Positive sehen wollen, nur die vermeintliche Einsicht, die damit versprochen wird, und sich einzureden, es gebe angeblich keine Nachteile, nur weil man die selbst gerade nicht sieht.
Und für diejenigen, die am hebräischen Grundtext von dieser Stelle interessiert sind: Diese Formulierung, und die Frau sah, wa-te-ere, die steht im Hebräischen in einem sogenannten Imperfekt mit Waw consecutivum, das heisst also, in Kombination mit den anderen Verbformen deutet das inhaltlich darauf hin, dass, wie die Frau die Frucht angesehen hat, wie Eva also diese Frucht angesehen hat, dass das ein reflektiertes und abwägendes Sehen war, also mehr als nur ein flüchtiger Blick. Ich interpretiere jetzt: Je länger sie in die Versuchung geschaut hat, desto attraktiver wurde die Versuchung.
Sagt dazu der Nichtchrist Friedrich Nietzsche: Wenn du lange in den Abgrund hineinschaust, schaut der Abgrund in dich zurück. Und Adam, der Mann, den Gott in dieser Situation dafür eingesetzt hatte, Verantwortung zu tragen, auch Verantwortung für Eva zu tragen, der steht einfach nur daneben. Der steht vielleicht noch nicht mal dumm daneben, aber nur schweigend und nur passiv, und das reicht schon, weil das kommt aufs Gleiche hinaus.
Und dann geht es noch weiter: Gott zieht Adam, den Mann, als Erstes zur Rechenschaft. Und mehr noch: Als der Heilige Geist im Römer Kapitel 5 diesen Text verbindlich für uns auslegt, dann heisst es dort nämlich über Adam und Jesus: Genau wie durch den Ungehorsam eines einzigen Menschen unzählige zu Sündern wurden, damit ist Adam gemeint, so werden durch den Gehorsam eines einzigen unzählige zu Gerechten, damit ist Jesus gemeint. Also ganz klar: Der Heilige Geist stellt im Römerbrief Kapitel 5 Adams Sünde als entscheidend für die Menschheit dar, also seine passive Weigerung, Verantwortung zu übernehmen. Und natürlich wird Eva im Neuen Testament erwähnt, selbstverständlich, aber nicht in einer Art und Weise, dass sie repräsentativ ist für die gesamte Menschheit, so wie es Adam im Neuen Testament ist.
Denk einmal darüber nach: Der Fluch von Adam, der beeinträchtigt die gesamte Schöpfung, die gesamte Schöpfung, die gesamte Welt. Du kannst auch sagen das gesamte Universum, während Evas Fluch in Anführungsstrichen nur, nur, und das ist ein sehr grosses nur, nur Frauen, die Hälfte der Menschheit, beeinträchtigt. Damit meine ich nur im Sinne von einer wesentlich geringeren Anzahl an Geschöpfen, als es bei Adams Fluch der Fall ist.
Auch ein Argument, über das viele hinweglesen: Der Tod wird ja Adam als Strafe verkündet, aber das beinhaltet den Mann und die Frau in seiner Anwendung. Das ist ein starkes Argument, das heisst, Adam repräsentiert alle von uns, das ist direkt damit einhergehend, dass er, der im Neuen Testament als Mann zu sehen ist, dass er ein grösseres Mass an Autorität hat. Also wir sehen: Adam hat grössere Verantwortung, Adam hat grössere Repräsentanz und Adam hat grössere Autorität. So, das ist aus dem Neuen Testament klar.
Und jetzt kommt der Punkt, dass wir das nicht vergessen: Das Neue Testament macht an mehreren Stellen klar, dass das für christliche Ehen gelten soll und für Mann und Frau grundsätzlich. Und dann kommen wir zu dem ganzen Fass der sogenannten Hauptschaft oder Oberhauptschaft, das ja lange nicht nur Gemeinden, Lehre und Predigt betrifft und wer Ältester, Pastor und Gemeindeleiter sein darf, sondern das betrifft ja auch Abermillionen von Ehen von Christen in der ganzen Welt. Also das ist wirklich eine grosse Sache, und ich muss leider sagen, und ich muss das auch zu meiner eigenen Schande gestehen: Ich selber hatte das vor vielen Jahren so nicht auf dem Schirm, ich hatte das auch, als Elisa und ich geheiratet hatten, nicht so auf dem Schirm, und ja, wie viele Leute habe ich das lange Zeit lang auch wirklich völlig falsch verstanden, weil und das will ich an der Stelle ganz klar sagen: Wer hier bei Oberhauptschaft oder Hauptschaft von Patriarchat oder gar Unterdrückung spricht, ganz ehrlich, der zeigt damit, dass er wirklich erst ganz, ganz am Anfang der Beschäftigung mit diesen Texten steht.
Was meint denn jetzt Hauptschaft beziehungsweise Oberhauptschaft im Neuen Testament? Folgendes: Der Mann ist das liebevoll verantwortliche Oberhaupt seiner Frau, der ihr Wohl über sein eigenes stellt und die Familie selbstlos leitet. Das ist das, was das heisst. Es ist so wichtig, ich muss das noch einmal wiederholen: Hauptschaft oder Oberhauptschaft im Neuen Testament heisst, der Mann ist das liebevoll verantwortliche Oberhaupt seiner Frau, der ihr Wohl über sein eigenes stellt und die Familie selbstlos leitet. Das heisst, ihr Lieben, sobald ihr im Neuen Testament Oberhaupt oder Haupt lest, hört das im Hintergrund mit. Und das Neue Testament lehrt eindeutig, dass diese Hauptschaft oder Oberhauptschaft grundsätzlich auf alle Ehen zutrifft, lange, lange nicht nur Adam und Eva damals, es gilt grundsätzlich für alle Ehen, das ist die Lehre des Neuen Testaments.
Ich möchte aber, dass ihr versteht, dass das Hauptoberhaupt eines jeden Mannes Christus ist, das Hauptoberhaupt der Ehefrau ihr Ehemann, und das Haupt von Christus ist Gott. Epheser 5: Der Mann, Ehemann, ist das Hauptoberhaupt der Frau, Ehefrau, wie auch Christus das Hauptoberhaupt der Kirche, Gemeinde, Christenheit ist, sie ist sein Körper und er selbst ist ihr Retter. Wie sich also die Gemeinde, die Christenheit, Christus unterstellt, so sollen sich auch Frauen, Ehefrauen, in allem ihren Männern, Ehemännern unterstellen.
Jetzt gibt es ein paar Leute, die behaupten, na ja, das Wort „Haupt“ oder auch „Kopf“ auf Altgriechisch kephalē würde etwas anderes bedeuten, sowas wie Quelle oder Ähnliches. Und die Antwort ist eindeutig nein, also nur ganz kurz. So wie das Wort kephalē für Kopf, Haupt, Oberhaupt im Neuen Testament benutzt wird, geht damit eindeutig Autorität einher. Schon die medizinischen Texte, die ausserbiblischen medizinischen Texte aus der Zeit des Neuen Testaments, machen klar, dass das Wort „Kopf, Haupt, Oberhaupt“ mit Autorität einhergeht. Und vielmehr noch: Der lexikalische Befund, wie dieses Wort zu verstehen ist, weist mit entschiedener Stärke in Richtung Autorität. Dazu kommt, wir wissen aus ausserbiblischen Zeugnissen, dass die ersten Leser und die frühen Christen, die ganz nah an diesen Texten dran waren und die Apostel und ihre Mitarbeiter teilweise noch persönlich kannten, dass auch sie diese Texte einseitig so verstanden haben, dass damit von Autorität und Verantwortung die Rede ist.
Ich möchte aber noch einen Punkt machen, nämlich den entscheidenden: Heisst es in Epheser 5, Männer, Ehemänner sollen ihre Frauen, Ehefrauen nähren und pflegen. Und wieder Epheser 5: Männer, Ehemänner sollen ihre Frauen, Ehefrauen lieben wie ihren eigenen Körper. Vor allem aber Epheser 5,25: Christus gab sein Leben für die Gemeinde, Christenheit. Männer, Ehemänner sollen ihre Frauen, Ehefrauen so lieben, wie Christus die Gemeinde, Christenheit, geliebt hat. Also das wäre jetzt noch einmal ein eigenes, ganz, ganz grosses Thema, du kannst gerne diese Glocke drücken hier unten rechts unter diesem Video und in die Kommentare reinschreiben: Videowunsch Rolle des Mannes. Aber worauf ich hinaus will, ist folgendes: Hier geht es nicht nur um die ganz grossen, möglicherweise extremen Bedrohungssituationen und dass man dort in Anführungsstrichen den Helden spielt. Nein, denk mal an den Alltag, an die kleinen, weichen Stellungen, die Alltagsentscheidungen, die niemand sieht, und dort seine Frau über sich selbst stellen. Ich glaube, die meisten von uns Männer, ich eingeschlossen, haben da erst angefangen, das Ausmass davon, was das bedeutet, in der Praxis wirklich zu verinnerlichen.
Und christliche Frauen werden im Neuen Testament klar dazu angehalten, falls, falls du dein Single-Sein hinter dir lassen möchtest, weil denk dran, wir werden alle als Single geboren, das heisst, es wäre eine bewusste Entscheidung für einen Statuswechsel, falls du das hinter dir lassen und heiraten möchtest, musst du nicht Single sein, ist im Christsein ein völlig gleichwertiger Lebensentwurf. Dann such dir einen Mann aus, für den du bereit bist und der bereit ist, dass er dein liebevoll verantwortliches Oberhaupt wird, der dein Wohl über sein eigenes stellt und euch als Familie selbstlos leitet. Also christliche Ehefrauen werden im Neuen Testament dazu aufgefordert, sich der Leiterschaft ihrer Männer zu unterstellen, und diese Leiterschaft muss liebevoll und selbstlos sein.
Dass das echtes, ernsthaftes, tiefes und dauerhaftes Commitment von beiden Seiten braucht, das ist jedem klar. Deshalb sagen wir ja beim Trauversprechen: Ja, mit Gottes Hilfe. Und ich kann gar nicht zählen, wie häufig ich in den letzten Jahren, nur in den letzten Jahren, meine Frau Elisa da schon um Vergebung bitten musste, wo ich genau dahinter zurückgeblieben bin. Ist ernüchternd.
Lass uns in dem Zusammenhang kurz die Sache mit der Unterordnung anreissen. Also im Altgriechischen steht dort das Wort Hypotasso, kann man sich gut vorstellen: tasso von taxis, also die Ordnung oder die Stellung, und hypo unter, also es bedeutet etwas unterstellen. Damit ist auch gemeint, sich selbst, etwas oder jemand anderem unterstellen. Und hier ist die freiwillige Entscheidung der Ehefrauen angesprochen. Ja, ganz wichtig: 1. Petrus 3. Die Frauen werden angesprochen, nicht die Männer, dass sie sich die Frauen untertan machen sollen, sondern die Frauen werden angesprochen. Da heisst es nämlich: In derselben Weise sollt auch ihr Frauen, ihr Frauen euch euren Männern, ihr Männern unterstellen. 1. Petrus 3. Wieder: Das ist die Schönheit, mit der die heiligen Frauen sich früher geschmückt haben. Sie haben ihre Hoffnung auf Gott gesetzt und sich ihren Männern willig unterstellt. Und in Vers 4 ist das genannt, der Schmuck, den man nicht sieht, und der Schmuck, den Gott besonders schätzt.
Kolosser 3: Ihr Frauen, Ehefrauen, unterstellt euch euren Männern, ihr Männern, so ist es für Frauen angemessen, die sich zum Herrn bekennen, gemeint sind christliche Frauen grundsätzlich. Und natürlich sehr wichtig: Kolosser 3: Ihr Männer, ihr Männer liebt eure Frauen, Ehefrauen, und geht nicht rücksichtslos mit ihnen um. Und das ist wieder einer dieser bemerkenswerten Unterschiede. Im biblischen Christentum wird die Ehefrau selber angesprochen, sich freiwillig dem Ehemann, für den sie sich freiwillig entscheidet und der selbstlos ihr Wohl über sein eigenes stellen soll, dass sie sich aus freien Stücken seiner Leitung unterstellt. Dagegen, und das darf ich jetzt als Religionswissenschaftler auch mal so sagen, dagegen im Islam. In der Praxis gibt es dort häufig keine freie Partnerwahl. Im Islam wird der Mann angesprochen, dass er sich seine bis zu vier Frauen untertan machen soll, und in Sure 4 wird es tatsächlich einem Mann erlaubt, körperliche Gewalt gegen seine bis zu vier Frauen anzuwenden. Entsprechend auch der Bericht der Ex-Muslima aus Ostafrika, die nach der Bekehrung ihres Mannes über den himmelweiten Unterschied besser sprechen kann als jeder andere.
Und dass wir das auch abgehakt haben: Wie kommen wir aus diesem, der Unterordnung, Unterstellung, jetzt dazu, dass christliche Gemeinden laut dem Neuen Testament nur von bestimmten, dafür ausgewählten Männern geleitet werden sollen, die dafür zur Rechenschaft gezogen werden? Wir sehen aus dem Neuen Testament sehr klar, dass wir alle, Männer wie Frauen, jeder von uns dazu aufgerufen ist, uns unseren geistlichen Leitern, unseren Ältesten, Pastoren, Gemeindeleitern unterzuordnen. Das haben wir im Video über das Priestertum aller Gläubigen, das ist hier unten drunter verlinkt, das haben wir dort eindeutig geklärt, und das ist auch eindeutig.
Und jetzt nur ein Detail, daran hängt es nicht: Wenn jetzt eine Frau Pastorin, Älteste, Gemeindeleiterin wäre, wie genau soll das aussehen? Also bezogen auf dieses ganz tiefe grundlegende Ehekonzept der Oberhauptschaft heisst das dann, dass sie, die Pastorin, sonntags die geistliche Leitung ihres Ehemannes ist, aber er ist sechs Tage lang die Woche ihre und dann ordnet sie sich ihm unter und er sich ihr in Predigt und Leitung? Also ich frage mal wirklich ganz ernsthaft: Wer genau hat denn dort das letzte Wort? Und vor allem jetzt kommt es nämlich: Wer ist dann für wen letztgültig verantwortlich, dass er dafür zur Rechenschaft gezogen wird, wie es in Jakobus 3,1 heisst? Verstehen mich bitte richtig, diese Fragen jetzt, die letzten, die sollen nur als Randbemerkung gemeint sein, dass es nicht der Felsen ist, auf dem das steht, dass geistliche Leitungsaufgaben laut dem Neuen Testament bestimmten dafür ausgewählten Männern vorbehalten sind. Ich will aber anfügen: Für dieses grundlegende Konzept der Hauptschaft, Oberhauptschaft, liebevollen Verantwortung und Ähnlichem, was im Neuen Testament grundlegend ist für die Ehe, das muss ja irgendwie zu diesen beiden Dingen passen. Und Leuten, denen ich diese Fragen gestellt habe, da habe ich noch nie von jemandem eine überzeugende Antwort auf diese Fragen gehört. Und allein schon dieser grundsätzliche Aspekt, ganz ehrlich, der passt nicht zu dem, was wir in den Texten finden.
Es gibt eine Reihe von weiteren gewichtigen neutestamentlichen Stellen, die bestätigen, dass christliche Gemeinden von bestimmten, dafür ausgewählten Männern geleitet werden sollen, nicht von Frauen. Eine gar nicht so nebensächliche Stelle ist 1. Korinther 11, die Kopfbedeckung für Frauen, nicht für Männer beim Beten, mindestens zum Gottesdienst und Teilen von Prophetie, mindestens zum Gottesdienst. Da, ihr Lieben, steckt einiges drin, auch für diese Frage, ich will das aber aus diesem Zusammenhang mal kurz ein bisschen auskoppeln. Wen das interessiert, und ich weiss, das ist der eine oder andere, drückt gern diese Glocke hier unten rechts unter diesem Video und schreibt einfach in die Kommentare rein: Videowunsch Kopftuch.
Jetzt sagen vielleicht einige, na gut, wenn laut 1. Korinther 11 eine Frau im Gottesdienst beispielsweise einen prophetischen Traum teilen darf, meinetwegen auch mit Kopfbedeckung, dann kann sie doch sicher auch predigen, sind Prophetie und Predigt denn nicht austauschbar. Auch da wieder der Blick in den Text: Im ersten Korintherbrief bedeutet prophezeien eine potentiell möglicherweise vom Heiligen Geist eingegebene verständliche Rede von Gott, die zur Erbauung anderer gesprochen wird, insbesondere im Rahmen des gemeinsamen Gottesdienstes. Also ich wiederhole es noch einmal, weil das wichtig ist: Prophezeien bedeutet im ersten Korintherbrief eine potentiell möglicherweise vom Heiligen Geist eingegebene verständliche Rede von Gott, die zur Erbauung anderer gesprochen wird, insbesondere im Rahmen des gemeinsamen Gottesdienstes.
Das heisst, bei Prophetie handelt es sich im ersten Korintherbrief nicht bloss um Zukunftsvorhersagen und auch nicht einfach nur um das gewöhnliche Predigen, sondern nach der Erklärung des Textes selbst ist Prophetie dort eine Rede, die folgendes bewirkt: Oikodome, Paraklesis, Parathymia, also Erbauung, Ermahnung und Trost, keine Lehre. Auch sehen wir ganz deutlich in 1. Korinther 14: Prophezeiungen müssen von anderen beurteilt, geprüft werden, Predigten nicht grundsätzlich. Und es ist auch keine gewöhnliche Predigt, sondern Prophetie überschneidet sich zwar mit erbaulicher Rede, aber es handelt sich bei der Prophezeiung speziell um eine vom Heiligen Geist inspirierte Äusserung und nicht zum Beispiel um eine vorbereitete Darlegung von einer schon gegebenen Offenbarung oder um eine Schriftauslegung, was ja Predigt sein soll.
Das heisst zusammengefasst: Prophetie im ersten Korintherbrief ist eine möglicherweise vom Heiligen Geist inspirierte verständliche Rede, die durch einen Wiedergeborenen, die durch eine Wiedergeborene übermittelt wird, zur Erbauung, Ermahnung, zum Trost, und das Ganze immer unter dem Vorbehalt der Prüfung und unter dem Vorbehalt der Lehre, der Schriften und der Apostel. Das heisst, ja, es gibt Überschneidungen von Prophetie und von Lehre und von Predigt, aber sobald man für richtig erkannt hat, dass durch Lehre leiten und bestehende Offenbarungen und Bibeltexte vor der Gemeinde lehren, also predigen, dass das Aufgabe von Ältesten, Pastoren, Gemeindeleitern ist, da ist dann die Frage, ob man diese Überschneidungen quasi ausnutzen möchte, um das zu umgehen. Also da kann sich ja jeder selbst prüfen, ob das dann nur ein Lippenbekenntnis ist oder ob man es wirklich ernst meint, auch nicht die Funktion von Ältesten, Gemeindeleitern, Pastoren ohne deren Titel ausüben zu wollen.
Und dann haben wir natürlich noch den Elefant im Raum, die Stelle in 1. Timotheus 2 nach der Luther-Übersetzung, Zitat: Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre, auch nicht, dass sie über den Mann herrsche, sondern sie sei still. Was hat es damit auf sich? Erst einmal eine Sache, die ganz wichtig ist zu verstehen, und ich glaube, viele, die das bisher gesehen haben, die haben auch schon die Punkte miteinander verbunden, nämlich, dass christliche Gemeinden laut dem Neuen Testament nur von bestimmten, dafür ausgewählten Männern geleitet werden sollen, die dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Das baut nicht auf diesem Vers auf. Selbst wenn dieser gesamte Vers nie im Neuen Testament vorkommen würde, sogar das ganze Kapitel 1. Timotheus 2 nicht, dann ist es trotzdem eindeutig, dass christliche Gemeinden laut dem Neuen Testament nur von bestimmten, dafür ausgewählten Männern geleitet werden sollen, die dafür zur Rechenschaft gezogen werden. 1. Timotheus 2 oder die Frau schweige ist nicht der Fels, auf dem das steht. Ich hoffe, das ist auch denen klar, die leidenschaftlich gegen diesen Vers anargumentieren. Das heisst also, erst einmal egal, wie Leute mit diesem einen Vers umgehen, es ändert nichts am Ergebnis für unser Thema. Das wollen wir erst einmal klar haben.
Lass uns trotzdem schauen, was einzelne Leute dagegen zu sagen haben. Das einzig ernstzunehmende Hauptargument bezieht sich hier auf dieses Wort über einen Mann herrschen, im Altgriechischen das Verb authentein, das ist sprachlich ein sehr besonderes Wort. Es kommt im gesamten Neuen Testament nur ein einziges Mal vor, nämlich hier an der Stelle, und im gesamten Alten Testament in der Septuaginta, in der altgriechischen Übersetzung des Alten Testaments, gar nicht. Und vor der konstantinischen Wende, also bevor sozusagen das Christentum eine erlaubte Religion unter Kaiser Konstantin wurde, warum ist das in der Geschichtswissenschaft so ein wichtiger Zeitpunkt? Weil es ab diesem Zeitpunkt unter Umständen zum Beispiel bestimmte politische Vorteile haben konnte, die gleiche Religion Christentum wie der Herrscher zu haben, das heisst, ab diesem Zeitpunkt spätestens verschwimmen die Grenzen zwischen, wer aus Überzeugung Christ und wer aus anderen Motivation Christ, oder nur Namenschrist, nur Aktenchrist. Das ist einer von mehreren Gründen, warum wir in der Geschichtswissenschaft und in der Christentumsgeschichte sehr deutlich unterscheiden in der Zeit von nach der konstantinischen Wende und vor der konstantinischen Wende.
Jedenfalls in dieser Zeit vor der konstantinischen Wende kommt in den zehntausenden Seiten antiker Literatur, die wir nur bis hierhin gefunden haben, dieses Wort ganze achtmal vor. Achtmal, das ist wenig, und da kann ich auch verstehen, wieso es dann Leute gibt, die über die Bedeutung von diesem Wort diskutieren. Alles gut. Und die wichtigste Behauptung zu diesem Wort für unseren Zusammenhang, für unsere Frage hier, ist hauptsächlich folgendes: Im alten attischen Dialekt des Altgriechischen, also ein alter Dialekt, das wäre so ungefähr, ich spitze es ein bisschen zu, als würde ich jetzt anfangen, Lutherdeutsch zu sprechen, und in Situationen, wo Leute eindeutig bewusst diesen attischen Dialekt nutzen wollten, jawohl, da hat diese Vokabel etwas zu tun mit Machtmissbrauch, mit unrechtmässig Macht zum Nachteil von jemandem ausüben und mit jemandem Gewalt antun.
So, und jetzt kannst du dir wahrscheinlich leicht vorstellen, dass es nicht wenige Leute gibt, die behaupten: Ah, da haben wir es ja. Es geht um negativen Kontrollzwang und um Macht, die man sich unrechtmässig aneignet. Und dann kommen sie zu dem Punkt, dass sie behaupten, aha, dieser Vers in 1. Timotheus 2, der heisst also angeblich: Nur, Frauen sollten einen Mann nicht ermorden, nicht Gewalt gegen ihn ausüben, nicht seine Autorität klauen, den Mann nicht unterdrücken, den Mann nicht dominieren und nicht auf eine dominierende, dominante Art und Weise auftreten. Mehr, sagen sie, würde das angeblich nicht behaupten, und angeblich heisst das schon gar nicht, dass Frauen nicht Autorität haben könnten. Natürlich, sagen sie, könnten Frauen Autorität ausüben, solange das rechtmässig passiert, nicht bösartig, nicht dominant, aber natürlich könnten Frauen geistliche Autorität über Männer ausüben. So eine häufige Behauptung auf dieser Grundlage, die ich dir gerade dargelegt habe.
So, ist das jetzt so? Geht es in diesem Vers wirklich nur um Machtmissbrauch, und ist das sogar mit dieser sprachwissenschaftlichen Beobachtung eindeutig dargelegt, ist das sogar zweifelsfrei bewiesen, und damit ist der ganze Fall geklärt, und wir müssten die ganze Frage tatsächlich ganz anders beurteilen? Na ja, gucken wir es uns an.
Erstens: Selbst wenn diese Übersetzung mit dem Machtmissbrauch die sachlich wichtige Übersetzung wäre, ja, dann ganz ehrlich: Die Argumente dafür, dass christliche Gemeinden von bestimmten, dafür ausgewählten Männern geleitet werden sollen, die dafür Rechenschaft ablegen müssen und zur Rechenschaft gezogen werden, diese Argumente beruhen nicht auf 1. Timotheus 2. Das ist nicht der Felsen, auf dem das gebaut ist. Das heisst, selbst wenn diese Behauptungen, die ich dir eben umschrieben habe, dass das angeblich die Bedeutung des Wortes wäre, selbst wenn die richtig wären, dann hätte das keine entscheidende Aussagekraft für das Gesamtergebnis.
Dazu kommt zweitens ein sprachliches Problem, und das ist jetzt substanziell, nämlich, dass dieses Wort, authentein, im attischen Dialekt des Altgriechischen eine negative Konnotation hat, also einen negativen Beigeschmack, dass es also benutzt wird, um etwas Negatives auszudrücken. Das kann ich nachvollziehen, da kann ich ein weites, weites gutes Stück mitgehen. Aber, und das wollen wir auch nicht unterschlagen oder verschweigen, der attische Dialekt wurde ungefähr vom Jahr 500 vor Christus gesprochen bis hin zu Alexander dem Grossen, also ungefähr zum Jahr 332 vor Christus. Dann kam der Koine-Dialekt, in dem auch das Neue Testament im Grunde geschrieben ist. Der erste Timotheusbrief wurde in den Sechzigerjahren nach Christus geschrieben, also vierhundert Jahre später, nachdem er nicht mehr den attischen Dialekt sprach, und dort in Palästina sowieso nicht. Das ist ungefähr, als würden wir heute Flugblätter lesen von vor vierhundert Jahren aus dem Dreissigjährigen Krieg von den Sechzehnhundertzwanzigerjahren. Das ist eine lange, lange Zeit dazwischen.
Und Sprache entwickelt sich. Vor vierhundert Jahren war im Deutschen das Wort „Weib“ eine völlig neutrale Bezeichnung, heute ist die abwertend. Das Wort Lust war damals einfach positiv, für Freude, heute steht es meistens für Sexualität. Oder zum Beispiel der Satz „Der Mann ist toll“ meinte damals vor vierhundert Jahren geisteskrank, heute steht es einfach für etwas Positives. Oder das Wort raffiniert meinte damals verschlagen, hinterhältig, heute heisst es einfach nur ausgeklügelt. Das heisst also: Dieses Verb authentein war im attischen Dialekt negativ. Aber jetzt kommt's: Vierhundert Jahre später, als der erste Timotheusbrief im Koine-Dialekt geschrieben wurde, da meint es schlicht „Autorität haben“. Das ist einfach neutral, Autorität, wie zum Beispiel Eltern Autorität über ihre Kinder haben oder Lehrer über ihre Schüler. Und teilweise wird das Wort sogar positiv benutzt. Das heisst, von all den zur selben Zeit vorkommenden Nutzungen ist eine negativ, jawohl, drei sind neutral und zwei sind sogar positiv. Das heisst, zu behaupten, dass das Wort authentein zur Zeit des Neuen Testaments angeblich negativ wäre, dass es etwas mit Unterdrückung, Kontrollieren, Autorität an sich reissen, Machtmissbrauch, Dominieren oder Gewalt zu tun haben soll, das ist schlicht sprachwissenschaftlich falsch.
Auch von den ersten Christen, die ja in derselben Sprachepoche gelebt haben, also deren Sprachgebrauch also extrem nah dran bis sogar identisch mit dem des Neuen Testaments ist, auch sie haben das Wort einfach benutzt als Vokabel für „Autorität haben“. Sie nutzen es sogar für Jesus, der Autorität hat. Also rhetorische Frage: Soll das jetzt von Jesus ein negativer Kontrollzwang sein und Macht, wie er sich unrechtmässig gestohlen hat oder wie Römer?
Und drittes gewichtiges Argument, noch spannender sogar, ist die Syntax, der Satzbau. Dazu im Altgriechischen. Was steht denn dort in diesem Vers drin? Dort heisst es: Ginei ketete das Gen-uk-epitrepo ude authentein andros all einai en hesychia. Hier im Altgriechischen kommen zwei Infinitive vor, die mit ude verbunden sind und mit einer Gebots- beziehungsweise Verbots-Einleitung. Das, ihr Lieben, ist eine im Neuen Testament häufig vorkommende Satzstellung, die sehr gut belegt ist, weil es über vierzig Mal schon nur im Neuen Testament diese exakt gleiche Konstruktion gibt. Und was wirklich interessant ist: In allen dieser über vierzig Fälle sind in diesen Sätzen beide Infinitive, beide Verben entweder beide positiv gemeint oder sie sind beide negativ gemeint. Das Gleiche gilt auch für ausserbiblische Texte vom ersten Jahrhundert. Auch dort findest du aber Dutzende Beispiele vom exakt selben Satzbau, und auch dort durch die Bank weg sind beide Verben entweder beide positiv gemeint oder beide negativ gemeint.
Das heisst, wir haben hier ein eindeutiges sprachwissenschaftliches Muster, das selbst anerkannt ist von etlichen Leuten, die möchten, dass christliche Gemeinden von Frauen geleitet werden. Das heisst also ausbuchstabiert für den Text von 1. Timotheus 2: Entweder sind beide Verben, das Lehren und das Autorität haben, entweder sind die beide positiv oder die sind beide negativ, und das ist schnell beantwortet. Das Wort Lehren, didasko, kommt in der exakten Form vierzehnmal im Neuen Testament vor und grundsätzlich fast einhundertmal. Nun, es ist ganz überwiegend positiv konnotiert, es hat eine positive Bedeutung, und es ist immer positiv konnotiert, sobald es ohne weitere sprachliche Qualifikation dort steht, genauso wie es hier in diesem Text ist. Das heisst also, das Wort didasko für Lehren ist in 1. Timotheus 2 in diesem Vers eindeutig positiv gemeint. Und das heisst damit auch, dass authentein, Autorität ausüben, hier ebenfalls als ein positives Konzept gemeint ist. Das heisst, es geht eben nicht um etwas Gemeines, um etwas Unrechtmässiges oder sogar etwas Unterdrückendes. Es geht eben nicht um Unterdrücken, Kontrollieren, etwas Unrechtmässig an sich reissen oder jemanden dominieren oder oder oder.
Das heisst also, damit alle folgen können: In dem Text, in dem Kapitel, in dem Vers geht es schon sprachwissenschaftlich gar nicht darum, dass Frauen nicht negativen Kontrollzwang ausüben oder dass Frauen sich nicht Macht unrechtmässig aneignen sollen, nach dem Motto, sobald sie Macht normal ausüben, wäre das irgendwie okay oder so. Nein, sondern es geht darum, dass Frauen schlicht und einfach keine geistliche Autorität über Männer ausüben sollen. Das ist das, was der Text sagt, auch wenn die Frauen es zum Beispiel positiv meinen oder es auf eine rechtmässige, positive Art und Weise tun würden. Es geht einfach um den Fakt, dass das nicht passieren soll, egal auf welche Weise. Das, ihr Lieben, ist sprachwissenschaftlich klar.
Es gibt noch einen letzten spannenden Fakt, der für unsere Frage hier relevant ist. Es sieht stark danach aus, dass das altgriechische Wort ude mit zwei Infinitiven in der Regel zwei Vorstellungen miteinander zu einer einheitlichen Vorstellung verbindet, also diese beiden Wörter von der Bedeutung her ineinssetzt. Das heisst also, für diesen Zusammenhang heisst das, dass Lehren und Autorität haben in diesem Satz als eine gemeinsame Vorstellung gemeint sind. Also noch einmal: 1. Timotheus 2 meint mit grosser, grosser Wahrscheinlichkeit, dass Lehren und Autorität haben eine gemeinsame Vorstellung bezeichnen. Es sieht also ganz danach aus, mit grosser Wahrscheinlichkeit, dass 1. Timotheus 2 meint: durch Lehre Autorität ausüben. Mehr noch: mit Autorität lehren, also beides zusammen. Und das ist sogar etwas, das grundsätzlich neutral, sogar deutlich eher positiv gemeint ist, auch hier. Und das deckt sich genau mit dem, was wir bei Ältesten sehen, wo es heisst, Gemeinde durch Lehre leiten. Deswegen benutze ich diesen Begriff ganz bewusst.
Ja, und dafür kann sich auch jeder, ihr Lieben, den ganzen ersten Timotheusbrief einmal selber durchlesen. Die erste Hälfte geht doch ganz entscheidend um die Qualifikationen von Ältesten, Pastoren, Gemeindeleitern. Du kannst auch einfach mal 1. Timotheus 2 und 3 hintereinander weglesen, die Kapiteleinteilung in der heutigen Bibel, die wurden sowieso erst im dreizehnten Jahrhundert hinzugefügt, der Grundtext von 1. Timotheus ist nämlich komplett ohne die Kapitelunterteilungen verfasst, und da kommt die Qualifikation für einen Ältesten direkt, nachdem über gewisse Redebeschränkungen für Frauen gesprochen wurde, da kommen wir gleich drauf.
Und damit sind wir direkt bei 1. Timotheus 3, Qualifikation für einen Ältesten, Pastor, Gemeindeleiter, und da heisst es: Mann einer Frau, der seinem Haus oder Familie gut vorsteht, und das wird auch wiederholt. Die mit Abstand naheliegendste Lesart, mit Abstand, hier ist verheirateter Familienvater, grammatikalisch beschreibt der Ausdruck einen Mann. Und wenn der Bibeltext hätte meinen wollen, dass beide Geschlechter gemeint sind mit einem Ältesten oder dass das irgendwie inkludiert wäre, dann hätte man spielend leicht Dutzende, Dutzende anderer Formulierungen verwenden können, die das bedeuten oder die zumindest vage sind. Aber die Sprache hier ist so eindeutig, und die Ältesten, Pastoren, Gemeindeleiter werden auch immer nur ausschliesslich mit männlichen Pronomen beschrieben: er, sein, ihm, ihn, nie irgendetwas anderes.
Das Gleiche im Titusbrief Kapitel 1: Auch da, wo es um die Qualifikation für einen Ältesten, Pastor, Gemeindeleiter geht, Mann einer Frau, dann heisst es danach Treue, gläubige Kinder, was von beidem gemeint ist, ist eine andere Diskussion, das vertragen wir mal ganz kurz, auch hier ist aber klar: Ein verheirateter Familienvater ist im Bild. Und 1. Petrus 3 hatten wir schon beim Unterstellen, beim Unterordnen. Auch der erste Petrusbrief von Petrus, der mit Paulus nichts zu tun hat, spricht nur von männlichen Ältesten, wie das gesamte Neue Testament bei geistlicher Verantwortung für gemischte Gruppen nur von bestimmten, dafür ausgewählten Männern spricht, die dafür zur Rechenschaft gezogen werden.
Also das ist das Fazit, aber es gibt noch etwas mehr zu sagen, und das wird den einen oder anderen überraschen. Was das alles praktisch heisst, darum geht es im nächsten Video. Dazu kannst du gerne diese Glocke hier unten rechts drücken, dann wird dir das auch angezeigt.
Wir danken Markus für die Bereitstellung seiner wertvollen Inhalte!
