Pfingstkonferenz Kriwitz 2026
Fasten und Gebet. Theologie, die dich im Glauben wachsen lässt. Nachfolge praktisch. Dein geistlicher Impuls für den Tag.
Mein Name ist Jürgen Fischer, und im zweiten Teil betrachten wir, warum Menschen fasten.
Der Blick auf das Thema wird geweitet
Das fand ich spannend, und deswegen möchte ich mit euch, bevor wir jetzt weitergehen, anschauen, wann Christen eigentlich fasten oder wann Gläubige in der Bibel fasten. Wir wollen das Thema noch ein bisschen breiter fassen und dann rübergehen und das Thema Fasten mit dem Thema Fürbitte verbinden.
Also: Wann haben Gläubige gefastet? In welche Situation gehört Fasten? Ich werde euch fünf Punkte bringen.
Trauer über schwere Verluste
Erster Punkt: Menschen fasten in der Bibel bei großen Verlusten. Wir schauen uns dazu eine Stelle aus dem Buch Richter an. Richter ist nicht unbedingt das Buch, in dem man besonders viel Spaß beim Lesen hat. Eher ist es das Buch, das einen mit den Abgründen des Menschseins konfrontiert. Und trotzdem kann man hier etwas lernen.
Wir springen ziemlich ans Ende, in Richter 20, in den Krieg zwischen dem Stamm Benjamin und dem Rest von Israel. In Richter 20,24 heißt es:
Und die Söhne Israel näherten sich den Söhnen Benjamin am zweiten Tag, und auch Benjamin zog am zweiten Tag aus Gibeah heraus ihnen entgegen, und sie streckten unter den Söhnen Israel nochmals achtzehntausend Mann zu Boden, diese alle zogen das Schwert. Da zogen alle Söhne Israel und das ganze Kriegsvolk hinauf und kamen nach Bethel. Und sie weinten und saßen dort vor dem Herrn und fasteten an jenem Tag bis zum Abend, und sie opferten Brandopfer und Heilsopfer vor dem Herrn.
Das ist der erste Punkt: Es wird gefastet bei großen Verlusten. Weinen und Fasten sind zwei Dinge, die gut zusammenpassen. Hier weinen Männer über ihre Freunde, die in der Schlacht gefallen sind. Man kann sagen, ihnen war im wahrsten Sinne des Wortes ein Stück weit der Hunger vergangen.
Das ist Punkt eins: Menschen fasten bei großen Verlusten, und zwar als Ausdruck tiefer Trauer.
Not als Anlass, Gottes Hilfe zu suchen
Zweitens: Menschen fasten in Zeiten großer Not, weil sie Gottes Hilfe suchen. Wir lesen das immer wieder in der Bibel: Gläubige, die in Not geraten, beginnen dann zu fasten.
Ich mache mal ein Beispiel: König Joschafat. Da kommen die Moabiter und die Ammoniter, und er hat jetzt Stress. Da heißt es in 2. Chronik 20,3: Da fürchtete sich Joschafat. Ja, was macht er jetzt? Da stehen die Feinde. Da fürchtete sich Joschafat und richtete sein Angesicht darauf, den Herrn zu suchen, und er rief ein Fasten aus in ganz Juda.
Hier ist das Problem, meine Antwort ist ein Fasten.
Und wir sehen dasselbe Muster an unterschiedlichsten Stellen. Ein gutes Beispiel ist Esther. Esther, ihre Dienerinnen, alle Juden, die in Susa lebten: Bevor sie unter Lebensgefahr zum persischen König geht, um für ihr Volk zu flehen, lesen wir in Esther 4, dass Esther dem Mordechai antworten ließ: Geh hin, versammle alle Juden, die sich in Susa befinden, und fastet um meinetwillen. Und esst nicht und trinkt nicht drei Tage lang, Nacht und Tag. Auch ich selbst werde mit meinen Dienerinnen ebenso fasten. Und sodann will ich zum König hineingehen, obwohl es nicht nach dem Gesetz ist. Und wenn ich umkomme, so komme ich um.
Das ist der zweite Punkt: In der Bibel wird gefastet, wenn Menschen in großer Not sind. Wenn hier etwas in mein Leben einbricht und ich nicht weiter weiß, wie ich damit umgehen soll, brauche ich Gottes Hilfe. Und das Erste, was ich tue, ist: Ich faste.
Umkehr, die sich sichtbar ausdrückt
Drittens: Menschen fasten, wenn sie Buße tun, als Ausdruck ihrer Buße und ihrer Umkehr zu Gott.
Und wenn ihr ein Beispiel erwähnen müsstet, so ein klassisches Kinderstundenbeispiel, dann sind wir bei Ninive, oder? Ninive ist einfach klasse. Die tun Buße. Da kommt Jona und sagt: gar nicht so richtig. Also Jona finde ich immer klasse. Er geht da durch die Stadt, und ich glaube, er war gar nicht so euphorisch als Prediger. Er hat einfach nur gesagt: Hier ist bald alles tot. Und das hat gereicht. Das hat gereicht, um die Leute zu erreichen. Ich finde das so großartig.
In Jona 3 lesen wir ab Vers 5: Da glaubten die Leute von Ninive an Gott. Ehrlich, oder? Und sie riefen ein Fasten aus und kleideten sich in Sacktuch, von ihrem Größten bis zu ihrem Kleinsten. Hier steht im Raum: Mein Gott wird euch platt machen, ihr könnt aber noch Buße tun. Okay, wir wollen Buße tun. Was müssen wir tun? Fasten.
Und das Wort erreichte den König von Ninive, und er stand von seinem Thron auf, legte seinen Mantel ab, hüllte sich in Sacktuch und setzte sich in den Staub. Und er ließ in Ninive auf Befehl des Königs und seiner Großen ausrufen und sagen: Menschen und Vieh, Rinder und Schafe sollen gar nichts zu sich nehmen. Sie sollen nicht weiden und kein Wasser trinken. Wer weiß, vielleicht wendet sich Gott und lässt es sich gereuen und kehrt um von der Glut seines Zornes, sodass wir nicht umkommen.
Also eine ganze Stadt tut Buße, der König tut Buße, und wie bringt man das zum Ausdruck? Durch Fasten. Hier an dieser Stelle müssen sogar die Rinder und Schafe mitfasten. Das ist schon ziemlich grob. Das ist so von der Idee her: Da wird noch eins draufgelegt, sodass Gott das wirklich auch mitbekommt. Wir wollen alle nicht untergehen, niemand will hier sterben.
Und das Gleiche, was für Ninive gilt, gilt natürlich auch für die Israeliten. Wer sich ein bisschen mit Joel beschäftigt hat, der kennt diesen bekannten Vers in Joel 2,12, wo es heißt: Doch auch jetzt spricht der Herr: Kehrt um zu mir mit eurem ganzen Herzen! Wie geht es dann weiter? Und mit Fasten und mit Weinen und mit Klagen.
Eine Umkehr von Herzen ist immer eine, die sich auch auf andere Weise noch zeigt, weil das Herz mehr ist als einfach nur intellektuell irgendein Aha: Ich habe das falsch gedacht. Das geht immer um mehr. Und das ist mein dritter Punkt: Fasten als Ausdruck von Buße und Umkehr zu Gott.
Verantwortung und geistliche Entscheidungen
Und dann gibt es einen vierten Punkt, den ich sehr, sehr spannend finde, nämlich den, dass Menschen fasten, weil sie als Verantwortungsträger wichtige Entscheidungen zu treffen haben. Und das ist das, was mich im Neuen Testament bei dem Thema sehr abgeholt hat. Wenn es um geistliche Entscheidungen geht, dann ist Fasten tatsächlich genau das Richtige.
Wir lesen das in Apostelgeschichte 13. Da sind die Propheten und die Lehrer. Sie tun sich zusammen, und dann heißt es dort in Apostelgeschichte 13,2: Während sie aber dem Herrn dienten und fasteten. Schön, oder? Also eigentlich müsste man fragen: Ihr lieben Ältesten, wann habt ihr das letzte Mal miteinander gefastet? Bei denen hier scheint das irgendwie normal zu sein. Sie dienten und fasteten. Während sie aber dem Herrn dienten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Sondert mir nun Barnabas und Saulus zu dem Werk aus, zu dem ich sie berufen habe.
Was macht man, wenn man so eine Ansage von Gott bekommt? Man macht mit dem Fasten weiter. Hier in Vers 3: Da fasteten und beteten sie, und als sie ihnen die Hände aufgelegt hatten, entließen sie sie.
Mich hat das sehr berührt. Es ist irgendwie genial: Hier ist jemand im Dienst. Und zu diesem Dienst wird das jetzt nicht besonders herausgestellt. Das ist das, was ich eingangs meinte: Es gibt kein Fastengebot. Nirgendwo steht: Älteste müssen fasten. Gemeindeleiter sind nur gute Gemeindeleiter, wenn sie fasten. Das steht nirgendwo. Aber wenn ich in die Bibel schaue, dann merke ich: Hier habe ich Leute, die stehen in Verantwortung, und die fasten.
Und natürlich: Bevor Älteste eingesetzt werden in Apostelgeschichte 14, ich muss das jetzt nicht vorlesen, werdet ihr euch vorstellen können, wurde gefastet. Für den Apostel Paulus ist Fasten so normal, dass er im zweiten Korintherbrief, da muss er sich gegen Vorwürfe verteidigen. Also da stehen Vorwürfe im Raum, dass er eigentlich mehr so ein Scharlatan ist, dass man ihn nicht als Apostel ernst nehmen soll. Und dann verteidigt er sich und sagt: Ihr wisst genau, dass das nicht stimmt.
Er schreibt dann in 2. Korinther 6 über seinen Dienst, den er tut. Er sagt: Wir geben in keiner Sache irgendeinen Anstoß, damit der Dienst nicht verlästert werde, sondern in allem empfehlen wir uns als Gottesdiener. Er sagt: Ich gebe mit dem, wie ich lebe, keinen Anstoß. Und wenn ihr weiterlest, dann gibt es eine Liste von Dingen, die er aufzählt, die alle ganz normal dazugehören zu seinem Dienst. Und in Vers 4 steht da einfach mal: in Fasten.
Also für Paulus ist völlig klar: Ein Diener Gottes fastet. Täte er es nicht, hätte er damit in Frage gestellt, ob sein Dienst wirklich tadellos ist. Das war der vierte Punkt, warum Menschen fasten: weil sie als Verantwortungsträger Gottes Beistand brauchen.
Abschluss und persönliche Anwendung
Das war’s für heute. Nimm dir Zeit, in Ruhe über das Thema Fasten und Gebet nachzudenken.
Was solltest du ändern? Welche Bibelverse könntest du auswendig lernen? Welche Aspekte des Themas müsstest du noch studieren?
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
