Einleitung
So wie dieser Bauer – abgesehen von seinem plötzlichen Tod – müsste man
es haben. Für viele der Inbegriff von Glück und erreichtem Lebensziel,
soviel Geld zu haben, dass man sich alles, was das Herz begehrt, leisten
kann.
Auf der anderen Seite zeigen reiche Leute oft auffällig selten richtig
Freude am vielen Geld. Sie sagen etwa: Geld sei Mittel zum Zweck und
bedeute ihnen eigentlich nichts. Das ist eben wie wenn ich Schokolade
sehr gerne hab. Wenn ich keine Schokolade habe, dann bedeutet sie mir
sehr viel. Wenn ich jederzeit soviel Schokolade haben kann wie ich will,
dann wird sie mir bald nicht mehr viel bedeuten.
Aber lassen wir das.
I. Das spekulative Leben
Unser Thema ist Hoch im Kurs. Vieles kann in unserem Leben Hoch im Kurs
sein z.B. Sport, die Natur, ein Hobby. Wir dachten bei diesem Thema an
die Börsen. Seit Wochen sind die Kursentwicklungen nicht so, wie sich das
die Anleger wünschen. Und die schrecklichen Terrorangriffe auf Amerika
haben weiter zur Verunsicherung an den Börsen geführt.
Wir als Freie evangelische Gemeinde sind wie alle Menschen tief
erschüttert über das, was sich vor unseren Augen abgespielte. Das
unsägliche Leid, das innert Minuten über Tausende von Menschen gekommen
ist, bewegt uns sehr und es ist einfach unfassbar. Die Welt ist in einer
Weise geschockt, wie ich das noch nie erlebt habe. Überall werden
Veranstaltungen abgesagt und auf später verschoben, weil man sich fast
nicht wagt, einfach zur Tagesordnung zurückzukehren. Jesus sagte einmal:
Ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Reich gegen das
andere, ... furchtbare Dinge werden geschehen... Lk.21,10-11.
So würde ich gerne nochmals mit uns beten, besonders für die Familien
und auch für die Regierungen der verschiedenen Völker.
Nun zurück, zu unserem Thema.
Hoch im Kurs sind die Börsen im Moment gar nicht. Doch ist es nach wie
vor hoch im Kurs, sein Geld an den Börsen zu investieren.
Gerade diese Woche bekam ich von der Post einen Brief mit einer
Broschüre, die uns glauben machen will, dass das Börsengeschäft eine
einfach Sache ist. So einfach, dass sogar Pinguine es schaffen könnten.
Sicher eine klevere Werbung, die fälschlicherweise den Eindruck erweckt,
das der Handel an den Börsen für jedermann ein Kinderspiel sei.
Tatsache ist, dass in der Schweiz inzwischen mehr als jeder Dritte
direkt oder über Fonds Aktien besitzt.[1] Tatsache ist auch, das jeder
von uns durch Pensionskassen und AHV am Börsengeschehen beteiligt ist.
Früher bewegten sich lediglich grosse Investoren und Fachleute an den
Börsen. Der Durchschnittsbürger brachte sein Geld brav auf die Bank und
bekam dafür einen kleinen Zins. Manchmal können diese Zinsen nicht einmal
mit der Teuerung mithalten. Anders gesagt: das Geld verliert auf dem
Sparkonto trotz Zinsen an Wert.
Das ist natürlich frustrierend und das Bewusstsein unter den
Kleinsparern wuchs. Man überlegte, was die Banken eigentlich mit dem Geld
machen würden.
Wenn ich mein Geld auf die Bank bringe, dann kaufen sie Wertschriften,
Liegenschaften, geben Kredite aus. Mit den Spargeldern erwirtschaften sie
weit höhere Gewinne als sie den Sparern zurückgeben.
Also, warum soll ich das Geld zur Banken bringen, lieber selber
investieren und die Gewinne selber einsacken. Dieses Verhalten und die
wachsenden Pensionskassen- und AHV Gelder, die an den Börsen angelegt
wurden, brachten die Internationalen Finanzmärkte in den vergangenen
Jahren zum Boomen.
Im Rückblick sehen wir, dass das fatale Folgen hat.
Spiegelte ursprünglich die Summe der Aktien den tatsächlichen Wert
eines Unternehmens wider, so zeigte der Kurs vor kurzem in erster Linie
noch, ob ein Titel gerade von den Spekulanten begehrt oder fallen
gelassen wird. Wenn sich alles auf einen Titel stürzt, steigt dessen Wert
ins Unrealistische.[2]
Der Bestseller-Autor Günter Ogger illustriert das krasse Missverhätnis
zwischen Börsen- und Unternehmenswert in seinem Buch Der
Börsenschwindel" mit folgendem Beispiel: Das Netzwerkunternehmen Cisco
war im März 2000 der weltweit teuerste Konzern mit einem Aktienwert von
579 Milliarden Dollar. Zu diesem Zeitpunkt machte Cisco einen
Jahresumsatz von 12 Milliarden Dollar. Den traditionsreichen Autokonzern
General Motors hätte man zur selben Zeit für günstige 53 Milliarden
Dollar kaufen können – bei einem Jahresumsatz von 177 Milliarden![3]
Wir haben in der Schweiz genügend Beispiele für den blinden Glauben an
stetig wachsende Aktienkurse, speziell bei Technologiewerten und dem sog.
New Market.
Aber auch renommierte Unternehmen in die der Laie bedenkenlos
investierte, erlitten grosse Einbrüche. So ist unsere nationale
Fluggesellschaft im Sinkflug und wir wissen nicht, ob trotz Lichtblicken
die Sanierung erfolgreich sein wird – wir hoffen es.
Nach dieser ernüchternden Phase an den Börsen, müsste man dem Laien
raten, sein Geld in Zukunft doch besser zur Bank zu bringen. So ist das
Geld wenigsten sicher angelegt. Sicher?
Ja, was machen denn die Banken, die Pensionskassen, die AHV mit dem
Geld. Sie investieren es in verschiedenen Bereichen.
Seit 1997 darf die AHV in Aktien investieren. Die Börsenflaute
vernichtete allein in diesem Jahr über 1 Milliarde Franken. Natürlich ist
das lediglich ein Buchverlust, wenn die Kurse wieder steigen, kann sich
dieser Verlust sogar in einen Buchgewinn verwandeln.
Und das sind Zahlen, die vor den schrecklichen Attentaten vom 11.
September 01 veröffentlicht wurden.
Was wir jetzt beobachten zeigt, wie empfindlich unser ganzes System
ist. Kaum wurde Amerika angegriffen. Stürzten die Börsen weltweit um 5 –
9%. Innert weniger Stunden wurden Milliarden Vermögenswerte vernichtet.
Das Heizöl wurde sofort teurer. In Texas bezahlte man zeitweise das
Dreifache fürs Benzin.
Dieser Einbruch ist nicht total und vermutlich wird das
Wirtschaftssystem jetzt nicht gleich ins Rutschen geraten. Aber es zeigt
einfach, dass das ganze System sehr empfindlich ist.
Mit anderen Worten, ich kann mein Geld hinbringen wo ich will, es ist
immer dem wirtschaftlichen und politischen Geschehen unserer Welt
ausgesetzt. Angesichts dieser unsicheren Lage, kann man die Aussage von
Jesus gut verstehen:
»Sammelt keine Schätze hier auf der Erde! Denn ihr müsst damit rechnen,
dass Motten und Rost sie zerfressen oder Einbrecher sie stehlen. (Mt
6,19)
II. Das sichere Leben
Obwohl wir dem Geld nachrennen, stellen Studien fest, dass grösserer
Reichtum das Glück kaum steigert. Auch wenn die Menschen sich heute viel
mehr leisten können als noch vor wenigen Jahrzehnten, fühlen sie sich
nicht deutlich wohler. Alle Erhebungen kommen zum gleichen Schluss:
Ausser bei sehr Armen steigert ein höheres Einkommen das Glück nur
unwesentlich.[4]
Selbstmordstatistiken lassen viele unglückliche Reiche vermuten: Unter
den Spitzenverdienern ist die Selbstmordrate höher. In reichen Ländern
bringen sich mehr Menschen um als in armen.[5]
Glück hängt nämlich nicht vom Reichtum ab, aber davon, mindestens
gleich viel zu besitzen wie die anderen. Das belegen alle Untersuchungen,
und das wird auch die Euromodul-Studie der ETH Zürich zeigen, die den
Zusammenhang zwischen Einkommen und Wohlbefinden in Europa misst. Weniger
zu besitzen oder zu verdienen als Freunde, Nachbarn oder Kollegen, macht
unglücklich- unabhängig davon, wie viel man effektiv besitzt oder
verdient. Welche Bedeutung man im eigenen Umfeld zu haben glaubt – das
bestimmt über Glück oder Unglück.[6]
In diese Kerbe schlägt die Werbung von Chrysler: Neidische Blicke inkl.
Es stehen nicht die technischen Vorzüge des Autos im Vordergrund, sondern
was ich durch dieses Auto bei anderen bewirke.
Das Schöne am reich werden ist mithin nicht das Geld, sondern das
wohlige Gefühl, einem exklusiven Zirkel anzugehören.[7]
Studien zeigen: Geld ist dazu da, Status zu demonstrieren. Ohne den
Reichtum unter Reichen und ohne Spitzengehalt unter Managern zu leben,
macht unglücklich, weil man sich nicht zugehörig und geachtet fühlt.[8]
Je reicher der Durchschnitt wird, desto schlimmer, wenn man nicht
mithalten kann. Der Wettbewerb um Geld und Konsum ist daher in einer
reichen Gesellschaft viel härter als in einer armen. Das erklärt, weshalb
mit zunehmendem Reichtum das Glück kaum steigt und trotzdem gerade dann
die Geldgier am stärksten ist.[9]
Die Bibel spricht ein deutliches Wort:
Denn Geldgier ist eine Wurzel alles Bösen. (1.Tim 6,10)
Nicht das Geld an sich ist schlecht. Das Problem ist die Liebe zum Geld, die alles andere oder mindestens vieles ausschliesst. Dann vergessen Menschen, auf was es wirklich ankommt. Was im Leben wirklich zählt.
III. Gott ist nichts unmöglich
Aber im Rennen um die bessere Stellung werden es die wenigsten von uns
schaffen. Ich kann erfolgreich sein wie ich will, irgend jemand hat immer
mehr Macht, mehr Anerkennung oder mehr Geld. Es ist wie ein Teufelskreis
und Jean Paul Getty hat das schön formuliert:
Wenn man kein Geld hat, dann denkt man immer an Geld. Wenn man Geld
hat, denkt man nur noch an Geld.
Ja, was ist das für ein Leben, das sich um etwas dreht, das ich dann
doch zurücklassen muss und das ich sogar relativ schnell wieder verlieren
kann?
Dieses Jagen nach dem nächsten Erfolg. Das Bangen um Besitz der einem
entschwinden könnte macht uns schnell blind für die wichtigen Fragen des
Lebens. Das ist sicher einer der Gründe, warum Jesus sagt:
Als Jesus ihn so traurig sah, sagte er: Wie schwer ist es doch für
Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen! / Eher geht
ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher ins Reich Gottes
kommt. / Da fragten die Zuhörer: Wer kann dann überhaupt gerettet
werden?" / Jesus antwortete: Was bei den Menschen unmöglich ist, das
ist für Gott möglich." Lk.18,24-27.
Glücklicherweise ist Gott nichts unmöglich. Wir sehen jetzt einen
erfolgreichen und sehr reichen Mann, der sich alles leisten konnte und
sich dann doch noch Zeit genommen hat über sein Leben nachzudenken.
Einladung
Am Freitag (14.9.01) las ich im Zürich Express ein Interview mit
Jennifer Durst, die den Terroranschlag aus nächster Nähe beobachtete. Sie
wurde gefragt: Wie versuchen Sie die schrecklichen Ereignisse zu
verarbeiten? Ihre Antwort:
Mir ist bewusst geworden, wie vergänglich das Leben ist. Ich möchte
mich auf die wichtigen Dinge im Leben konzentrieren.
Gott möchte uns ein reiches Leben schenken. Ein Leben, das von Werten
geprägt ist, die beständig sind. So ermutigt Jesus die Leute und sagt:
Sammelt lieber Schätze bei Gott. Dort werden sie nicht von Motten und
Rost zerfressen und können auch nicht von Einbrechern gestohlen werden.
(Mt 6,20)
Gebet
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[1] Leben, S. 30: Volkssport Börsenhandel".
[2] Leben, S. 30: Volkssport Börsenhandel".
[3] Leben, S. 30: Volkssport Börsenhandel".
[4] Facts, 3/2001, S. 56: Relativ reich, total glücklich.
[5] Facts, 3/2001, S. 56: Relativ reich, total glücklich.
[6] Facts, 3/2001, S. 57: Relativ reich, total glücklich.
[7] Facts, 3/2001, S. 57: Relativ reich, total glücklich.
[8] Facts, 3/2001, S. 58: Relativ reich, total glücklich.
[9] Facts, 3/2001, S. 58: Relativ reich, total glücklich.
