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Wählt das Leben

5. Mose 30,1515.06.2006
Du willst frei sein – aber was, wenn gerade Gottes Weg das Leben schützt? Die eigentliche Frage ist nicht „darf ich?“, sondern: Führt mich das wirklich ins Leben oder in die Sackgasse?

Ein unerwarteter Schock und die Sehnsucht nach einem Neuanfang

Und plötzlich fällt von einer Fassade, da bricht von einer Fassade ein mächtiges Stück Stein ab und stürzt aus großer Höhe auf den Gehweg, unmittelbar hinter diesem Mann. Er schrickt auf, dreht sich herum und sieht diesen Felsbrocken, der zersprungen ist. Aber ein großes Stück liegt da noch.
Dann wird ihm klar: Wenn der fünfzig Zentimeter mehr zu mir hinuntergekommen wäre, wäre ich jetzt tot. Das trifft ihn wie ein Schock. Und dann kommt ihm der Gedanke, dass er das eigentlich immer schon wollte: das Leben einmal ganz neu beginnen.
Er sagt sich: Ich bin eigentlich tot. Ich bin vor einer Minute hier erschlagen worden, von diesem Felsbrocken, und jetzt gibt es mein bisheriges Leben nicht mehr. Er entschließt sich von diesem Augenblick an, ein völlig neues Leben zu leben. Er geht nicht mehr nach Hause, verabschiedet sich nicht von seiner Frau. Er hält das nächste Taxi an, steigt ein, fährt zum nächsten Flughafen, geht an den Schalter, löst sein Ticket.
Er fragt: Wohin? Wann geht das nächste Flugzeug? Egal. Da steigt er ein, irgendwo in einer ihm bisher völlig fremden Stadt, dort steigt er aus. Der Erste, der ihn fragt, wie er heißt, dem gibt er einen völlig anderen Namen an und erlebt von diesem Augenblick an ein total neues Leben. Er entwickelt eine neue Lebensgeschichte. Und dann ist es dramatisch, in diesem Roman zu leben. Wie dieser Versuch, ein neues Leben zu wählen.
Von einer Sackgasse in die andere läuft das Alte, holt ihn ein. Und dramatisch genug endet das damit, dass er in einem unterirdischen Raum aus Versehen die Tür hinter sich zufallen lässt, obwohl er den Schlüssel außerhalb hat. Er kann das nicht mehr öffnen, und es gibt keinen Ausweg mehr aus diesem Raum.
Wähle das Leben! Der Traum der Menschen. Man kann natürlich sagen, dieses Thema ist an sich platt. Vielleicht ist es sogar eine Verhöhnung der Menschen. Natürlich will jeder das Leben wählen, dafür sind wir da, das ist instinktiv in uns. Wir wollen das Leben wählen.
Die Frage ist doch: Was ist es? Ist es das, was ich gerade packe und was ich vorhabe? Ist das die richtige Spur? Wer sagt mir, wo die richtige Spur ist? Jeder wirbt für seine Möglichkeiten, aber wer will wissen, ob es stimmt?
Rückblickend kann man es dann ja verstehen, aber der Spruch ist ja bekannt: Das Leben wird rückblickend verstanden, aber es muss vorwärts gelebt werden. Und da liegt eben das Problem.

Zwischen Zustimmung und Unsicherheit

Das Problem ist, dass man hier oben den Eindruck hat. Und ich weiß nicht, ob Sie das eigentlich verstehen. Ist das so? Sie gucken so andächtig. Das gibt mir den Eindruck, als ob Sie das verstünden. Aber da ich bei Schwaben nie ganz sicher bin, ob ihre Höflichkeit und Leidensbereitschaft sie nicht stärker prägt als ihre Erfolgsucht, könnte es sein, dass Sie mich gar nicht verstehen und es trotzdem als einen Akt der Heiligung ansehen, mich freundlich anzugucken. Kann man das so verstehen?
Es ist immer so furchtbar bei solchen Angelegenheiten: Entweder wird man erbrüllt oder es ist also gut. Ich entsinne mich, als ich ganz jung war, als Rolf Schäffbuch mich irgendwann mal als junger Pastor hier auf den Killesberg holte. Da hatte ich auch schon das Problem, leichtfertigerweise die Idee zu sagen: Wenn er mich nicht versteht, dann pfeift er auf den Fingern. Das war ein Gepfiff, eine Pfeife, meine Güte. Also, ich sage das jetzt nicht. Irgendwie kommen wir weiter.
Wie also soll das vorwärtsgehen mit dem Wählen? Nun, bei politischen Wahlen hört man jetzt immer wieder, dass die Wahlbeteiligung sinkt. Das ist natürlich ein Problem, wenn große Entscheidungen anstehen, Regierungen gewählt werden sollen und damit Programme, und keiner interessiert sich dafür.
Warum sinkt die Wahlbeteiligung? Wenn die Leute den Eindruck haben: Hier wählst du sowieso nur zwischen Pest und Cholera, warum soll ich hingehen? Ist mir egal, woran ich kaputtgehe. Oder es gibt so viel, dass ich überhaupt nicht verstehe, was soll ich denn wählen? Und es kommt alles eben gar nicht darauf an. Es gibt solche frustrierenden Grunderkenntnisse, die die Wahlbeteiligung sinken lassen.
Meine Beobachtung ist das auch bei diesem Kernthema: Wählt das Leben, die Wahlbeteiligung sinkt dramatisch. Ja, es kämpft innerlich in uns. Natürlich, instinktiv müssen wir leben, alle wollen irgendwie leben. Aber bewusst zu fragen, was lohnt und was lohnt nicht, was der richtige Kurs ist und was in die Irre führt, dabei sinkt die Wahlbeteiligung rapide.
Schon wenn man den Eindruck hat: Man weiß es ja doch nicht, und jeder macht einen verrückt, und zum Schluss kann ich doch nicht beurteilen, führt einen das dazu, zu sagen: Wir leben mal lieber aus dem Bauch, irgendwie oder so, wie wir es immer gemacht haben, oder so, wie es die Mehrheit macht. Aber selber wählen heißt ja auch, selber Entscheidungen treffen, möglicherweise gegen den Trend, mit Reibung. Und das ist nicht wirklich vergnüglich. Es ist anstrengend, es ist unbequem, es kostet Mut. Und zum Schluss ist man vielleicht nicht mal sicher, ob es sich gelohnt hat, ob es richtig war.

Der biblische Ruf zur Entscheidung

Also, wir lesen heute einen Bibeltext aus dem fünften Buch Mose, Kapitel 30. Wir lesen ihn, weil uns das Wort Gottes Hinweise gibt, wie wir richtig wählen. Vielleicht macht es uns sogar schon vorher Mut, überhaupt zu wählen und nicht frustriert zu sagen: Keine Lust, ich gehe nicht hin, ich mache gar nicht mit bei dieser Wahl.
Sie werden Ihre Bibel dabei haben, sonst gucken Sie bei den Nachbarinnen und beim Nachbarn. Ich beginne bei Vers 15. Die davor werden wir zum Schluss auch noch ein bisschen mitnehmen, aber erst einmal lese ich von Vers 15.
Siehe, es ist die große Rede des Mose an der Grenze zum verheißenden Land. Nach 40 Jahren Wüstenwanderung spricht er jetzt zu Israel. Und das ist eine lange Rede in den Kapiteln, in denen die Perspektiven deutlich gemacht werden: Was wird sein, wenn er in der Spur Gottes bleibt, und was wird sein, wenn ihr Gott absagt und besserwisserisch eigene Wege geht? Das erklärt er hier in einem Ausschnitt daraus:
Siehe, ich habe dir heute vorgelegt das Leben und das Gute, den Tod und das Böse. Wenn du den Geboten des Herrn, deines Gottes, gehorchst, die ich dir heute gebiete, dass du den Herrn, deinen Gott, liebst und wandelst in seinen Wegen und seine Gebote, Gesetze und Rechte hältst, so wirst du leben und dich mehren, und der Herr, dein Gott, wird dich segnen in dem Lande, in das du ziehst, es einzunehmen.
Wendet sich aber dein Herz, und du gehorchst nicht, sondern lässt dich verführen, dass du andere Götter anbetest und ihnen dienst, so verkündige ich euch heute, dass ihr umkommen und nicht lange in dem Lande bleiben werdet, in das du über den Jordan ziehst, es einzunehmen.
Ich nehme Himmel und Erde heute über euch zu Zeugen. Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, damit du das Leben erwählst und am Leben bleibst, du und deine Nachkommen, indem ihr den Herrn, euren Gott, liebt und seiner Stimme gehorcht und ihm anhangt. Denn das bedeutet für dich, dass du lebst und alt wirst und wohnen bleibst in dem Land, das der Herr deinen Vätern Abraham, Isaak und Jakob geschworen hat, ihnen zu geben.

Erstes: Wer angesprochen ist und warum das wichtig ist

Erstens: fünf Punkte. Wenn ich nicht bei fünf ankomme, war ich zu lang und habe vorher abgebrochen.
Erstens die Klärung: Der Wahlappell richtet sich an das gewählte Volk. Das ist das Erste, die Klärung. Die Situation dieser Rede ist genau an dieser Nahtstelle. In der Geschichte ist Folgendes geschehen: Gott hat durch Abraham Israel erwählt. Dann hat er zu Mose gesprochen und ihn beauftragt, Israel aus der Sklaverei in die Freiheit zu führen. Sie brechen auf in die Wüste. Zum Sinai geht es, dort wird der Bund geschlossen, die Zusage: „Du bist mein geliebtes Volk.“ Der Bund ist fest, ein Bund der Treue.
Und damit das Leben in diesem Bund gelingen soll, das neugestaltete Leben gelingt, gibt Gott die Bedienungsanleitung für dieses Leben in den Zehn Geboten am Sinai. Dann ziehen sie auf dieser Spur weiter, leider immer wieder auf besserwisserischen Wegen des Ungehorsams. Und so kommt es, dass es 40 Jahre dauert für eine Strecke, die man in einer Woche eigentlich auch gehen könnte.
Und dann stehen sie dort an diesem Grenzpunkt. Eigentlich ist jetzt also die Geschichte an diesem Punkt: Dieses Volk ist von Gott gewählt, nicht weil du bedeutend bist oder groß bist, sondern weil ich dich liebe. Das ist es. Gott hat gewählt.
Und jetzt, an dieser Grenze, kommt die große Gefährdung. Vor ihnen liegt das reiche Kulturland. Jetzt wird die Zeit vorbei sein, in der man Tag für Tag darauf angewiesen ist, dass Gott sich erbarmt und Speise gibt. In der Wüste kann man nicht vorsorgen, da ist das Leben bedroht. Aber jetzt kommt das Kulturland: Jetzt kann man pflanzen, Ackerbau treiben, Viehzucht betreiben. Jetzt kann man Vorräte schaffen. Jetzt kann man feste Häuser bauen. Jetzt kann man sich selber sichern und versorgen.
Und die Bedrohung, die darin liegt, ist: In diesem Reichtum, das erleben wir ja in den Wohlstandsgesellschaften Europas, vergisst man Gott. Nicht, dass man total gottlos wird, aber man braucht ihn wirklich nicht jeden Tag zum Überleben. Er wird mehr oder weniger eine Randerscheinung, eine Dekoration des Lebens, und anderes wird wichtiger. Gott ist der oder das, was das Leben sichert. Das war in der Wüstenwanderung so. Keinen Tag konnte man überleben, ohne dass Gott nicht bewies, auf wunderbare Weise, dass sie geschützt waren, ernährt wurden und Wasser bekamen. Aber jetzt kann man für sich selber sorgen. Alle wichtigen Dinge kann man selber schaffen.
Na ja, gut, man weiß: Der volle Bauch ist nicht alles. Man braucht auch noch etwas Tieferes und Höheres im Leben und so weiter. Und dann fragt man auch wieder nach Gott. Aber das sind nicht die wesentlichen Dinge. Das ist wie Urlaub, wie Verschönerung, wie Vertiefung, wie Erweiterung. Aber es ist nicht überlebensnotwendig.
So, das ist die Entscheidung, die Mose sieht. Das wird kommen. Lesen Sie die Kapitel im Umfeld des dreißigsten Kapitels, da beschreibt er das. Wie das sein wird, wenn das Volk Gottes dem lebendigen Gott absagt, und er legt ihm Segen und Fluch vor. Und dass sie vertrieben werden, umkommen werden, zerstreut werden, das alles erklärt er ihnen hier.
Darum geht es um diese Wahl. Es ist ein Appell nicht irgendwie an die Welt der Menschen, die ohne Gott leben, sondern es ist ein Wahlaufruf an Gottes Volk. Und es ist eigentlich traurig, dass das so nötig ist. So trifft uns dieses Wort heute hier.

Erwählung, Kreuz und die Gefahr des Wohlstands

Im Epheserbrief sagt Paulus in Kapitel 1, Vers 4: In Christus, durch Christus, sind wir seit jeher erwählt, vor Grundlegung der Welt. Ja, das ist es: Er hat uns gewählt. Wir reden nicht zuerst von unserer Wahl nach den Lebensmöglichkeiten, sondern zunächst einmal von Gottes Wahl. Er hat uns aus Liebe gewählt. Und dann ist das passiert: Wir sind gestorben. Nicht so, dass ein Steinbrocken heruntergefallen und zerschlagen worden wäre, aber am Kreuz Jesu Christi ist mein Leben zu Ende gekommen. In Christus hat er mich erwählt.
Der Prior Staubis sagte dem verzweifelten Mönch Martin Luther, der keine Gewissheit über die Vergebung der Sünden bekommen konnte: Ergreife deine Erwählung in den Wunden Christi. Ich bin erwählt, weil mein altes Leben am Kreuz getötet und begraben wurde. Es gibt mich nicht mehr. Ich bin mit Christus gekreuzigt. Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Was ich jetzt auf dieser Erde lebe, das lebe ich im Vertrauen zu Jesus, so Paulus im Galaterbrief, Kapitel 2.
Das ist es: Wir sind gewählt. Und diesem von Gott gewählten Volk, durch Christus erwählt, gilt diese Wahlrede. Denn beim Einzug ins verheißene Land kommt immer die Gefahr. Gott schenkt den Reichtum und den Segen und die Versorgung, und der materielle Segen ist ja in Deutschland nirgendwo so massiv wie im Raum Stuttgart. Ja, da können Sie doch schauen: Hier wohnen die reichsten Menschen, hier gibt es die geringste Arbeitslosigkeit in ganz Deutschland. Materiell ist niemand mehr gesegnet in Deutschland als Sie.
Und wer reich ist, der braucht nichts mehr. Der kann alles sichern, der kann sich selbst versorgen, der braucht nur noch eine Verzierung. Deshalb ist die Bedrohung des Volkes Gottes in unserem Land so groß, dass uns der Segen Gott vergessen lässt. Dass wir die Gaben Gottes nehmen und uns damit absichern und uns merklich und unmerklich von Gott entfernen. Wählt das Leben! Das ist das Erste. Die Klärung, der Wahlappell, richtet sich an das gewählte Volk. Wir reden hier nicht ins Leere. Wir sagen nicht, eine gottlose Gesellschaft in Deutschland sollte mal Jesus wählen, sondern es geht darum, dass das Volk Gottes in diesem Land wirklich den lebendigen Gott wählt und nicht heimlich den Götzen, der ihr Leben sichern soll.

Zweitens: Die eigentliche Streitfrage

Zweitens die Frage, erstens die Klärung, zweitens die Frage.
Die Frage lautet: Sind Gottes Gebote lebensfeindlich oder lebensförderlich? Ja, es ist so: Wenn du den Geboten des Herrn, deines Gottes, gehorchst, die ich dir heute gebiete, dass du den Herrn, deinen Gott, liebst und in seinen Wegen wandelst und seine Gebote, Gesetze und Rechte hältst, so wirst du leben und dich mehren, und der Herr, dein Gott, wird dich segnen in dem Land, in das du ziehst, um es einzunehmen. Es ist lebensförderlich, nach den Geboten Gottes zu leben, sagt Mose dem Volk Gottes.
Das ist heute sehr widersprüchlich, wie das aufgenommen wird. Und jetzt gehe ich doch einmal auf die Frage ein: Was ist das Klima in unserer Gesellschaft in Deutschland? Ich sagte ja, wir reden heute Morgen nicht aus dem Fenster heraus, sondern es ist eine Botschaft für das Volk Gottes, für die Gemeinde Gottes. Trotzdem lohnt es sich, einen Blick aus dem Fenster zu werfen in die Gesellschaft, und zwar aus folgendem Grund: Weil die Einschätzung der Gebote Gottes in unserer Gesellschaft außerhalb der christlichen Gemeinde leider eine Rückwirkung auf die Einstellung der Christen selbst hat.
Sie mögen das selbst einmal beurteilen. Ich gebe Ihnen gleich ein paar Ansatzpunkte, wie weit das Klima, das unsere Gesellschaft insgesamt im Blick auf die Gebote Gottes prägt, auch in die Herzen der Christen einzieht und die Gemeinde bestimmt. Ich sage, es ist eine etwas undeutliche Beurteilung, weil eigentlich alle irgendwie positiv sagen: Ja, ja, die Zehn Gebote, das ist es schon, und wenn man danach leben würde, dann würde es schon recht. Wenn man aber näher nachfragt, stellt sich erstens heraus, dass es eine galoppierende Unkenntnis gibt. Was sind eigentlich konkret die Zehn Gebote? Und wenn man sie näher anschaut, dann sind die Meinungen sehr, sehr unterschiedlich, ob das lebensförderlich ist oder ob das lebensfeindlich ist.
Fangen Sie beim ersten Gebot an, diese Exklusivität: Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Das hört sich stramm an, aber ist das nicht doch intolerant und führt zu Fanatismus und stört den nötigen Frieden in einer Gesellschaft? Führt es letzten Endes zu Gewalttätigkeit? Ist das nicht überall heute zu sehen, dass religiöse Verabsolutierungen und exklusives Reden von nur einer Wahrheit notwendig dazu führen, dass in Fanatismus und Gewalt Spannungen in Gesellschaften entstehen und auch eine Menge Blut fließt? Sollte man nicht doch auch einen Glauben haben, der etwas stärker inklusiv ist, der andere deutlicher gelten lässt? Ist das also lebensförderlich oder lebensfeindlich, exklusiv an den einen Gott zu glauben?
Oder nehmen Sie das Gebot: Du sollst den Feiertag heiligen. Schön, Urlaub ist die schönste Zeit des Lebens, aber im Grunde ist doch so ein freier Sonntag auch etwas, das das Wirtschaftswachstum stört. Und da kämpft es doch in den Herzen fleißiger und tüchtiger Leute, ob es nun wirklich sein muss und ob man nicht doch ... Fördert das das Leben oder behindert das das Leben, dass wir Gottes Gebote halten, den Feiertag heiligen und dort nicht arbeiten, wo es nicht nötig ist? Nicht um Hilfe für andere Menschen zu geben, zum Beispiel, das ist immer nötig gewesen. Aber die Diskussion in unserem Land läuft natürlich heute darum, dass Arbeitsplätze geschaffen werden müssen, die Wirtschaft muss wachsen, da kann man den Laden nicht dichtmachen.
Dann müssen wir ja nur hören, was jetzt in diesen Tagen gelaufen ist: Ob nicht wegen der Fußballweltmeisterschaft sonntags die Geschäfte alle aufmachen müssen, wie das mit der Weltmeisterschaft zusammenhängt. Kein Mensch, das habe ich nie begriffen, dass Sie da bei Edeka einkaufen müssen, weil Fußball gespielt wird, ausgerechnet am Sonntag. Aber jeder Schwachsinn ist als Begründung gut genug. Letzten Endes geht es darum: Ich will mehr Geld.
Du sollst nicht ehebrechen. Natürlich, sagen wir es: Toll wäre es, wenn Treue gilt. Aber ehrlich gesagt, Gott ist doch ein Gott der Liebe, so höre ich es von Christen. Er wird doch nicht von mir erwarten, dass ich in einer Beziehung bleibe, die mir überhaupt nichts mehr bringt. Das ist doch die Hölle! Und wenn das ein Leerlauf ist und wenn die Liebe weg ist, dann muss man doch nicht zusammenbleiben. Und wenn da ein anderer ist, der viel mehr Verständnis hat, menschlich, also ist das lebensfeindlich oder ist das lebensförderlich?
Du sollst nicht töten. Natürlich. Nur: Da gibt es unterschiedliche Tode, die möglich sind, und der Stärkere setzt sich durch, und wo gehobelt wird, da fallen Späne. Das kann man alles nicht so ganz verkniffen sehen, das muss man ...
Du sollst nicht stehlen. Im Prinzip natürlich nein, aber hast du was, dann bist du was, und es wird einem im Leben eben nichts geschenkt.
Und was heißt das: Du sollst nicht lügen? Denn das eigentliche Gesetz des Handelns heißt: Der Ehrliche ist der Dumme. Und wozu gibt es Anwälte? Die sorgen schon dafür, dass man da irgendwie auch bei Grauzonen durchkommt.
Das neunte und zehnte Gebot, was ja das Wichtigste ist und das Unbekannte: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Ehepartner, aber auch nicht seinen Besitz, seine Mitarbeiter. Ja, wo kämen wir denn da hin? Ich will mehr. Geiz ist geil, das ist der Wirtschaftsmotor. Zu begehren ...
So, und jetzt entscheiden Sie selbst: Sind die Gebote Gottes für mich überzeugend lebensfördernd? Richte ich mich danach, weil ich begeistert bin von der Spur des Schöpfers zum schöpferischen Leben, von dem Erfinder des Lebens, der mir die Bedienungsanleitung gibt, damit das Leben sich wirklich reich entfaltet? Oder sind die Gebote Gottes bei den Christen so mehr oder weniger eine Pflichtübung, die man ein bisschen mürrisch einhält, obwohl man eigentlich den Eindruck hat, dass man dafür ziemliche Preise zahlen muss und Nachteile in Kauf nimmt?
Da haben wir natürlich einen Begründungsnotstand, wenn man kritisch fragenden Menschen sagt: Warum soll ich denn das tun? Alle anderen in der Gesellschaft leben nach anderen Maßstäben. Die Bibel ist der Überzeugung, dass die Gebote Gottes lebensfördernd sind und dass das aus den Geboten Gottes zu verstehen und zu begründen ist, dass hier der Kurs ist: Wenn du das tust, wirst du leben und wachsen, und Gottes Reichtum wird dich stärken. Das ist der Punkt.
Die Überzeugung der Christen wird heute wichtig sein, innerhalb der Gemeinden. Denn wir haben eine dramatische ethische Krise in den Kirchen und christlichen Gemeinden und Gemeinschaften. Nicht das ist schlimm, dass in Deutschland in einer gottlosen Gesellschaft die Gebote Gottes mit Füßen getreten werden, denn das ist auch schlimm. Aber das ist ja eigentlich: Was willst du da anders erwarten? Die eigentliche Katastrophe ist, dass der ethische Einbruch, die Verachtung der Gebote Gottes, innerhalb der christlichen Gemeinden und Gemeinschaften passiert: mit dem Ehebruch, mit den Finanzen, mit den Betrügereien, mit der Großzügigkeit im Umgang mit den Finanzen und mit der Arbeitsmoral. Weil zutiefst nicht mehr die Freude da ist, diese Überzeugung: Ich bin erwählt, er hat mir ein Leben geschenkt, und diese Wegweisung Gottes, das ist lebensförderlich. Daran bin ich überzeugt.
Wir werden nur dadurch Menschen in unserer Zeit überzeugen, die Schönheit der Gebote Gottes wertzuschätzen und, wenn nötig, gegen den Trend und den Strom einer Mehrheitsgesellschaft nach den Geboten zu leben, wenn unser Leben mit Überzeugung darstellt, dass wir wissen: Die Gebote Gottes zu befolgen, ihnen zu vertrauen und damit das Leben auszurichten, auch in den kritischen Auseinandersetzungen, ist lebensförderlich.
Das ist zweitens die Frage: Sind die Gebote Gottes lebensfeindlich oder lebensförderlich?

Drittens: Das Zusammenspiel von Liebe und Gehorsam

Und drittens die Überraschung: Die Überraschung ist, Liebe und Gebote gehören zusammen.
In unserem Verständnis heute sind Liebe und Gebote, Liebe und Gehorchen Gegensätze. Liebe, das ist Spontaneität. Das kommt von innen heraus, das bin ich selbst, das ist Selbstbestimmung. Gebote und Gehorchen, das riecht nach Fremdbestimmung. Jemand anders sagt mir, was ich tun muss, und zähneknirschend beuge ich mich dem. Und das kann es doch nicht sein. Dass man das Gute nur tut wegen eines himmlischen Polizisten, das Gute soll man tun, weil man spontan der Meinung ist, man sollte es tun.
Das ist die alte Kritik des atheistischen Humanismus an der christlichen Botschaft und an der christlichen Ethik. Die Überraschung in der Bibel ist, dass Liebe und Gebote zusammengehören. Hier in diesem Text lesen wir, Vers 16: Wenn du gehorchst den Geboten des Herrn, deines Gottes, die ich dir heute gebiete, dass du den Herrn, deinen Gott, liebst und wandelst in seinen Wegen und seine Gebote, Gesetze und Rechte hältst. Also Gebote halten und gehorchen und den Herrn lieben, so gehört es zusammen. Dann gleich noch einmal in Vers 20: indem ihr den Herrn, euren Gott, liebt und seiner Stimme gehorcht. Liebe und Gehorsam gehören zusammen.
Genau das sagt Jesus im Johannesevangelium, genau das in Johannes 15,9: Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch. Bleibt in meiner Liebe. Wenn ihr meine Gebote haltet, so bleibt ihr in meiner Liebe, wie ich meines Vaters Gebote halte und bleibe in seiner Liebe. Und jetzt setzt er noch einen drauf: Das sage ich euch, damit meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde.
Das heißt, Jesus sagt: Liebe zeigt sich darin, dass ich die Gebote halte, und diese Mischung ist das Geheimnis vollkommener Freude. Ist das ganz normal? Wenn ich einen Menschen liebe, dann habe ich eine tiefe Sehnsucht, in Harmonie mit ihm zu leben. Es macht mich traurig, wenn ich etwas tue, das ihn verletzt, das ihm nicht gefällt und ihn traurig macht. Ich möchte in Harmonie, in Übereinstimmung leben, und deshalb möchte ich auf ihn horchen. Was sagt er? Das ist das Wesen der Liebe.
Aber das müssen wir neu zurückgewinnen, weil wir denken, Liebe sei nur noch Gefühl, Liebe sei sozusagen das Animalische, dieser Rausch, der in uns kommt, wo man gar nichts für kann, und dann sei das ein Gegensatz zu der Entscheidung, die wir treffen. Das ist total falsch. In der Bibel ist Liebe immer eine Entscheidung. Liebet eure Feinde, betet für die, die euch verfolgen, tut ihnen Gutes. Die Liebe Gottes ist nicht zunächst ein Gefühl, sondern eine Entscheidung. Er geht ans Kreuz. Hat er gute Gefühle gehabt? Kommt nicht. Ist weg und futsch, und man kann da nichts machen.
Und so ist es auch bei den Christen geworden: Liebe und Gebote Gottes sind zu einem Gegensatz geworden, was in der Bibel aber total zusammengehört. Liebe ist erkennbar darin: Herr, ich will deinen Willen tun. Und Jesus hat noch einmal auf eine sehr, sehr tiefe Weise erklärt, wie Zusammenhalt von Liebe und Recht und Gesetz sind. In Matthäus 24, wo er die Zeichen der Endzeit sagt: Revolutionen, Kriege, Hungersnöte, Christenverfolgung, da sagt er dann in Vers 12: Wenn die Gesetzlosigkeit Überhand nehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten.
Ungerechtigkeit, da sagt Luther, heißt im Griechischen Anomia, das ist die Gesetzlosigkeit, das heißt die Verachtung des Rechtes. Wenn sich das ausbreitet, sagt Jesus, dann wird die Liebe in vielen kalt werden. Dann gibt es eine Eiszeit der Herzen. Das erleben wir heute: die Verachtung des Rechtes. Wer zu blöd ist, seine Steuern zu zahlen, weil es ein Gesetz gibt und so, der hat es eben nicht besser verdient; clever ist, Lücken zu finden ringsherum. Und bei Christen hört man: Ich meine, eine Ehe wird ja nicht davon leben, dass man sich beim Standesamt irgendeinen Lappen da abholt.
Das ist zutiefst eine Verachtung des Rechts, weil da nicht mehr das Verständnis drin ist, dass das Recht eigentlich dazu da ist, den Schwachen zu schützen. Im Recht sage ich: Ich stehe zu dir und verpflichte mich nach dem Gesetz dazu, dass ich in Verantwortung für dich bleibe, auch wenn mir nicht mehr danach ist. Ich will dich nicht ausnutzen, wenn ich der Stärkere bin. Recht hat von Gott her den Sinn, den Schwachen zu schützen. Und in einer Gesellschaft, in der das Recht verachtet wird, Gesetze verachtet werden, muss man darum ringen, dass Gesetze das Recht fördern und nicht Ausdruck von Willkür und nur von Machtinteressen sind. Das lohnt sich in einer Gesellschaft, und da haben wir eine Chance, in einer Demokratie mitzukämpfen, dass da etwas ist, keine Diktatoren, die einfach Unrechtsgesetze erlassen. Das ist ja unsere Chance heute.
Aber die Verachtung des Rechtes ist eine Missachtung der Liebe. Ein Schwund an Liebe führt zur Verachtung des Rechtes, hat Jesus gesagt. Es ist eines der Zukunftszeichen der sich vollendenden Zeit, dass das Böse ausreift in einer Verachtung des Rechtes.
Und noch einmal sage ich: Wir reden hier heute nicht aus dem Fenster heraus. Das Problem ist, es ist normal, dass Menschen ohne Gott so denken. Das Problem ist, dass das heute in der Gemeinde Jesu Christi populär geworden ist, dass man sagt: Das muss man doch nur nicht gesetzlich sein. Das Schlimmste, was einem passieren kann, ist, dass man den Vorwurf kassiert: Du bist aber gesetzlich. Das ist völliger Quatsch. Gesetzlich sein heißt: Ich halte das Gesetz, damit ich gerecht werde vor Gott. Nein, das ist klar. Wir werden durch Jesus gerettet, allein geschenkweise, aus Gnaden empfangen wir es. Aber jetzt gilt das Gebot Gottes, die Bedienungsanleitung für das Leben im neuen Bund, damit das Leben wirklich gelingen kann. Und da gehören Liebe und Recht zusammen.
Das ist die Überraschung. Die Überraschung heißt: Liebe und Gebote Gottes gehören zusammen.

Viertens: Warum Gott nicht gleichgültig bleibt

Und viertens das Motiv: Gott wirbt leidenschaftlich aus Liebe.
Wir kennen die alte griechische Sage von Herakles am Scheidewege. Er überlegt, wie das Leben richtig gelebt werden soll. Dann begegnen ihm auf dem Weg zwei Frauen: die eine ist die Tugend, die andere die Liederlichkeit. Beide reden auf ihn ein, und er steht davor und muss sich entscheiden. Schließlich entscheidet er sich für den Weg der Tugend, der zwar anstrengend ist, aber Unsterblichkeit verleiht.
Das ist die Vorstellung: Das Leben ist ein neutraler Raum, und wir wählen. Irgendwie musst du dich entscheiden. So redet die Bibel nicht, so redet Mose nicht, und so redet Jesus nicht. Er sagt nicht: Du hast die Wahl, musst du gucken, Vogel frisst oder stirbt, es gibt viele Möglichkeiten im Supermarkt, musst du eben wählen, jeder ist seines Glückes Schmied, und wenn du vor die Wand fährst, darfst du dich auch nicht beklagen. Es ist ja deine Wahl gewesen.
Das ist Menschenverachtung, das ist Gleichgültigkeit, das ist Interessenlosigkeit am anderen: Mach, was du willst, du musst ja wählen. Nein, Mose sagt: Ich lege euch das vor, Fluch und Segen, den Weg der Gebote Gottes und des Ungehorsams, damit ihr das Leben wählt. Ein klassischer Satz, den Jesus in der Bergpredigt sagt. Er sagt nicht: Es gibt einen breiten Weg, es gibt einen schmalen Weg, es gibt ein enges Tor, es gibt ein breites Tor, und dann müsst ihr eben wählen. Nein, er sagt: Geht ein durch die enge Pforte!
Es ist das leidenschaftliche Werben der Liebe Gottes. Er zeigt uns die verderblichen Optionen, weil er um jeden Preis will, dass wir nicht vor die Hunde gehen. Er kämpft, er ringt. Es ist ein Ringen, ein Werben aus Liebe.

Fünftens: Die Nähe des Wortes und der praktische Weg

Und fünftens und letztens noch ein Tipp: Nichts ist naheliegender als das Wort Gottes.
Und jetzt muss ich doch noch einmal einen Satz aus dem Abschnitt unmittelbar davor zum Schluss nehmen: 5. Mose 30, dieser berühmte Abschnitt, der dann beim Römerbrief, als Paulus wieder darauf vorkommt, Vers 11 bis 14. Schauen Sie bitte hinein:
Denn das Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht zu hoch und nicht zu fern. Es ist nicht im Himmel, dass du sagen müsstest: Wer will für uns in den Himmel fahren und es uns holen, dass wir es hören und tun? Es ist auch nicht jenseits des Meeres, dass du sagen müsstest: Wer will für uns über das Meer fahren und es uns holen, dass wir es hören und tun? Denn es ist das Wort ganz nah bei dir, in deinem Mund und in deinem Herzen, dass du es tust.
Für uns ist das eine merkwürdige Formulierung: Das Wort ist in deinem Mund. Das Riesenwunder heißt: Gott hat gesprochen zu den Propheten in Israel, durch Jesus zu uns allen. Er ist das Wort Gottes, durch die Heilige Schrift, das Dokument der Offenbarung Gottes, der Liebesbrief. Gott hat zu uns gesprochen.
Und was heißt das jetzt: Das Wort ist in deinem Munde? Das ist jetzt nicht gemeint, dass der Prediger dann darüber redet, sondern im Orient liest man anders als wir. Dort kennt man das stille, schweigende Lesen nicht. Wenn man dort die Bibel liest, dann murmelt man leise, halblaut vor sich hin. Das ist, probieren Sie es mal, eine große Hilfe. Beim stillen Lesen schwieriger Texte wandern die Gedanken schnell weg. Man verliert den Faden, plötzlich ist man woanders. Wenn Sie einen Text laut lesen, ist das eine große Hilfe, dass Sie ihn selber intensiver wahrnehmen und aufnehmen.
Sie sehen, noch stärker ist das. Das mache ich bei jeder Predigtvorbereitung: Ich schreibe zuerst den Bibeltext, den ich auslegen möchte, ab. Mit großen Abständen. Dann lese ich Griechisch und Hebräisch dazu und schreibe das dazwischen. Dann lese ich noch eine andere Übersetzung und schreibe das dazwischen. Und wenn ich diesen Text so intensiv geschrieben habe, habe ich schon mal etwas gesehen, was ich beim ersten flüchtigen Drüberfliegen überhaupt nicht wahrgenommen habe.
Das ist hier: Das Wort ist in deinem Munde. Das Wunder ist passiert. Gott hat uns dieses Wort geschenkt, und wir sind die Generation, die wie keine zuvor preiswert an die schönsten Bibeln, im einfachsten Druck, mit Erklärungen, mit Bildern und wie auch immer, kommen kann. Kleindruck für alte Augen, mit großen Buchstaben, in Blindenschrift, als Hörbibel, was auch immer Sie sich denken können. So etwas hat es überhaupt in der Weltgeschichte noch nicht gegeben, wie leicht es geworden ist, dass das Wort Gottes für uns zugänglich ist, so dass wir es uns verinnerlichen können, aufnehmen können.
Und das ist eigentlich das Problem der Christenheit heute. Wir haben eine steil ansteigende Möglichkeit. So nah ist das Wort Gottes. Und jetzt beantworten Sie selber die Frage: Wie viel Zeit haben Sie zur regelmäßigen Bibellese? Ich begegne so vielen Leuten, die lesen die Losung morgens, und fertig.
Spener, der Vater des Pietismus, hat in seinen Pia desideria, in seinen frommen Wünschen zur Erneuerung, unter anderem gesagt, das Lesen der ganzen Bibel, Altes und Neues Testament, sei unbedingt nötig für das Wachstum mündigen Glaubens. Nur dadurch werden wir urteilsfähig, dass wir regelmäßig die ganze Bibel lesen. Sonst werden wir für dumm verkauft, sonst kann uns jeder ein X für ein U vormachen, sonst werden wir immer und immer wieder von Stimmungen und von Trends, von Modeerscheinungen und Erfolgsrezepten abhängig sein.
Urteilsfähig, das Leben zu wählen, also beurteilen zu können, was verdient Vertrauen, was ist der Kurs Gottes und was nicht, wird man nur über dem Bibellesen. Keine Sorge, die Bibel ist immer aktuell, weil der Herr auferstanden ist und er selber im Heiligen Geist sie uns öffnet, wie am Auferstehungstag bei den Jüngern. Und er redet hinein. Und nehmen Sie es dort, wo es am unbequemsten ist, da sollten Sie am hellsten zuhören!
Ich werde nicht müde zu sagen, liebe Schwestern und Brüder: Lasst keinen Tag zu, an dem ihr nicht mindestens 15 Minuten Zeit gehabt habt zum persönlichen Bibellesen, und sagt niemandem mehr, Gott wäre euch wichtig und ihr wollt ihn anbeten und loben, wenn ihr nicht von 24 Stunden am Tag 15 Minuten Zeit bereitstellen könnt für den Herrn aller Herren, wenn euch alles wichtiger ist im Leben außer seinem Wort. Diese schiere Tatsache entlarvt eine Menge Lieder und eine Menge Sprüche der Christenheit heute als Schrott, Phrase und Lüge. Denn die Wahrheit kommt heraus, wenn er unseren Alltag gestaltet. Wie viel Raum hat er in meinem Leben? Wählt das Leben! Das ist eine Alltagsentscheidung. Wo ist der Kurs? Wo ist der Kurs? Wir sind überzeugt.

Schluss: Die fünf Linien des Rufes

Also fünf Dinge.
Erstens die Klärung: Der Wahlappell geht an das gewählte Volk. Wir sind erwählt in Christus vor Grundlegung der Welt.
Zweitens die Frage: Sind Gottes Gebote lebensfeindlich oder lebensförderlich? Diese tiefe Überzeugung, diese Wegweisungen Gottes, sind lebensdienlich und lebensförderlich. Das muss aus allen Poren unseres Lebens kommen. Das ist die Freude am Wort Gottes. Deshalb ist der längste Psalm in der Bibel, Psalm 119, so voller Freude über den Reichtum des Wortes Gottes, das er geschenkt hat.
Drittens die Überraschung: Liebe und Gebote gehören zusammen.
Viertens das Motiv: Gott wirkt leidenschaftlich aus Liebe. Hier geht es nicht nach dem Prinzip Vogel friss oder stirb.
Und fünftens und letztens der praktische Tipp: Nichts ist naheliegender als Gottes Wort.
Die Nieri wird jetzt ein Lied für uns singen. Ich wollte gerade nachgucken, wie das heißt. Ja, mit dem ganzen Chor, dem Symphony Orchestra and Choir hier, das ist eine wunderbare Sache, mit dem schönen Titel: Wo bist du, Nieri?
Mein Leben ist wertvoll, stimmt es? Weil diese Wertschätzung Gottes uns gilt, deshalb lässt er uns nicht einfach laufen und sieht zu, wie du klarkommst. Sondern er hat uns gewählt, im Kreuzestod und in der Auferstehung Jesu, und er gibt uns diese Bedienungsanleitung seiner Gebote und sagt: Wählt das Leben!