
56: Was du von DSCHUNGELMISSIONAREN lernen kannst – mit Klaus Güntzschel
Einführung in das Thema Alltagsmission und Buchvorstellung
Klaus, du hast mir geschrieben, Christian: Dieses Buch hier erfüllt alle Kriterien für Alltagsmissionare. Das war ein starkes Statement. Was steht in dem Buch, das ein Christ in Deutschland genauso braucht wie ein Missionar im Dschungel von Papua-Neuguinea?
Erstmal hallo und danke, dass ich hier sein darf. In dem Buch steht etwas Entscheidendes: Wir müssen den Graben begraben, den wir zwischen Auslandsmissionen und Deutschlandmissionen machen. Bisher denken wir oft: „Oh, die da sind ein paar Prognogenäher, die machen ganz schwierige Sachen, das kann man überhaupt nicht mit Deutschland vergleichen.“ Das Buch zieht uns diesen Zahn und zeigt, dass wir vieles von draußen sehr gut auf uns übertragen können. Das ist die Stärke dieses Buchs.
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Machbar, dem Podcast für Alltagsmissionare. Ich bin Christian, und mit dabei ist heute Klaus Günschel. Klaus, herzlich willkommen.
Danke, schön, dass du hier bist.
Bei Machbar bekommst du Tipps, wie du deinen Nächsten einen Schritt näher zu Jesus führen kannst. Heute wird es spannend, denn wir reden darüber, was wir als Alltagsmissionare in Deutschland von Missionaren lernen können – von Missionaren aus dem Ausland, aus dem Dschungel von Papua-Neuguinea. Das klingt erstmal weit weg, oder Klaus?
Aber du hast eben schon gesagt, wir können da viel von lernen. Dieses Buch hast du mir zugeschickt mit den Worten: „Dieses Buch wird Missionsarbeit unter Unerreichten in dein Wohnzimmer holen.“ Das finde ich gut. Hat mich auf jeden Fall neugierig gemacht. Und ich freue mich, dass du dich hier selbst eingeladen hast und bei mir bist.
Klaus, lass uns kurz was über dich erzählen. Wer ist Klaus, falls ihr ihn noch nicht kennt?
Du darfst mich auch gerne ergänzen. Du bist Mitte sechzig, seit 38 Jahren mit der Uta verheiratet.
Uta? Uta, das hätte ich eigentlich wissen müssen. Finde ich schon, ja.
Haha, ich sollte vielleicht doch nicht so sehr auf meine Notizen gucken, aber es sind so viele Infos.
Ihr habt sechs Kinder und zehn Enkelkinder, stimmt das noch?
Im Moment sind es dreizehn, ja.
Boah, das sind alte Informationen hier.
2001 habt ihr den Daniel Verlag gegründet, und du warst dort bis 2021 Verlagsleiter.
Nein, ich bin noch Verlagsleiter.
Immer noch?
Ja.
Hör mal, es stimmt ja hier gar nichts von dem, was ich erzähle. Das war nicht so die beste Vorbereitung, würde ich sagen.
Nein, du verwechselst das mit dem Freizeitgelände. Wir werden viel Spaß haben.
Ja, Freizeiten, genau. Du hast Freizeiten am Reiherhals gemacht oder diese Arbeit begonnen, die hast du aber mittlerweile abgegeben.
Genau, 2021.
Das war 2021, okay. Genau.
Ja, in dem Freizeithaus macht ihr auch andere Veranstaltungen, Gebetstreffen zum Beispiel, auch gegen Abtreibung, stimmt das?
Ja.
Das ist ja auch ein wichtiges Herzensanliegen. Da müssen wir vielleicht auch mal drüber reden. Aber Freizeiten, Ferienbibelschule für Jugendliche, Seminare für Familien bietet ihr an und so weiter. Und genau dort, bei eurer Familienfreizeit, so hast du mir zumindest geschrieben, ist die Idee gekommen, dass wir über dieses Buch reden sollten hier im Podcast, richtig?
Ja, genau, schön.
Das Buch heißt Buschfunk und wurde von Aaron Luce geschrieben. Aaron Luce ist ein Brite.
Kennst du ihn eigentlich persönlich?
Leider nein. Er ist immer noch in der Papua-Region. Zurzeit ist er zurück in Großbritannien, aber wohl nicht dauerhaft. Er pausiert jetzt, aber er hat sehr viele Jahre in Papua-Neuguinea gearbeitet.
Du hast dieses Buch in eurem Verlag herausgebracht. Wie kam das dazu?
Wir kennen eine Schwester, ich verschweige jetzt mal ihren Namen. Sie ist Lehrerin in Papua-Neuguinea, kommt aus Deutschland. Sie hat wirklich Haustür an Haustür mit Familie Luce in Lappilow gelebt und sie hat Aaron sehr schätzen gelernt. Sie sagt, das ist ein authentischer Typ, dem dann irgendwann mal das Licht aufgegangen ist. Er sagt: „Diese Prinzipien, die wir hier im Busch praktizieren, sind überhaupt nicht so weit weg von dem, was wir in Deutschland machen müssen oder machen dürfen.“
Daraufhin hat er das Buch geschrieben mit 27 Kapiteln. Die Aufteilung ist so, dass er immer eine Geschichte erzählt, was er erlebt hat, und das dann geistlich auf unser Wohnzimmer überträgt. Aber darüber reden wir ja gleich noch.
Bevor wir richtig einsteigen: Falls ihr unseren Newsletter noch nicht kennt und abonniert habt, den Link findet ihr in den Shownotes. Dort bekommt ihr regelmäßig Impulse für eure Alltagsmission. Auch wenn euch diese Folge hier weiterhilft, empfehlt sie gerne weiter. Schickt sie weiter an jemanden, von dem ihr meint, der muss die unbedingt anhören. Das würde uns sehr freuen.
Ach ja, und noch eins: Bleibt bis zum Ende dran, denn ich habe mit Klaus besprochen, dass er noch drei Exemplare mitgebracht hat. Wir werden diese Exemplare – nee, das sage ich jetzt noch nicht. Nee, das sage ich noch nicht, was wir damit machen. Also es lohnt sich auf jeden Fall, wenn ihr dranbleibt bis zum Ende. Dann verrate ich euch, was mit den drei Exemplaren passiert.
Die Bedeutung des Buches für Alltagsmissionare in Deutschland
Okay, Klaus, zur ersten Frage: Du hast mir das Buch geschickt mit den Worten „Lass uns mal drüber reden.“ Und jetzt sitzt du hier. Warum denkst du, dass dieses Buch für uns hier in Deutschland, im Westen, wichtig ist – als Alltagsmissionar?
Lass mich mit einer Vorbemerkung starten. Ich bin so groß geworden, dass wir einmal im Jahr in der Gemeinde Missionare von weit weg hatten. Das waren die Leute, die wir bewundert haben – aus Afrika, Indonesien und Papua-Neuguinea. Dann war mir klar: Die sind da, und danach kommt wieder die Keule mit Matthäus 28, Vers 20. Also, wir sollen zu allen Leuten gehen. Die Gemeinde hat ein schlechtes Gewissen, weil sie das nicht macht. Dann gehen die Missionare wieder, und das Problem bleibt bestehen. Das sagt eigentlich schon alles: Mission ist irgendwie wieder abgehakt für ein Jahr.
Das ist eine Fehlentwicklung und auch eine Fehlerziehung. Und das wollt ihr ja gerade hier mit eurem Podcast irgendwie beheben oder ermutigen. Jetzt kommt Aaron Luce um die Ecke und sagt: Leute, was wir da in Papua-Neuguinea machen, das ist nicht nur für ein paar Verrückte, die sich entschlossen haben, dorthin zu gehen. Sondern die Prinzipien, die wir anwenden, könnt ihr in Deutschland genauso machen.
Ich habe jetzt schon einige Podcasts gehört. Einen Podcast von einer Dame aus dem Raum München, die sehr authentisch ihre Erlebnisse schildert. Das hat mich zum Beispiel sehr angesprochen. In ihre Kerbe möchte ich gerne hauen, denn meine Botschaft heute ist: Sei doch einfach normal, aber sei Missionar – jeden Tag und nicht nur zwei Tage im Jahr. Das ist Punkt eins.
Dabei hilft uns Aaron Luce, indem er sagt, wir sind nicht so die Elite, die irgendwo im Busch sitzt und eine völlig abgehobene Arbeit macht, die mit Deutschland nichts zu tun hat. Ich möchte die 27 Kapitel des Buches mal auf fünf Punkte herunterbrechen. Diese sind sofort einsichtig. Jeder in Deutschland wird sagen: Ja klar, warum mache ich nicht dasselbe, was die in Papua-Neuguinea machen?
Fünf Prinzipien für Alltagsmissionare
1. Den Lebensraum der Anderen betreten
Ja, was sind das für fünf Punkte? Soll ich starten?
Der erste Punkt, den er aufzeigt, ist: Geh zu denen hin. Das bedeutet, begib dich als jemand mit einem missionarischen Anliegen in den Lebensraum der Leute, die du gerne erreichen möchtest.
Im Falle von Papua-Neuguinea (P&G) musst du dorthin fliegen, logisch, und dir ein Haus bauen. Im Falle von Bergneustadt oder Lüchen, wo ich herkomme, oder Brandenburg, bedeutet das, ich muss den Mut haben, die Gartentür aufzumachen und zu meinem Nachbarn zu gehen. Ich muss mich auch mal in seinen Garten setzen, seine Blumen bewundern und anfangen, mit ihm ins Gespräch zu kommen.
Also: Ich muss den Mut haben, in den Lebensraum des Anderen einzutauchen. Das sind oft Barrieren, denn wir lieben unsere Zäune. In der Gegend, in der ich wohne, ist es einfach unüblich, einfach zu jemandem zu gehen und zu sagen: „Hallo, ich bin da, hast du mal Zeit, können wir mal einen Kaffee trinken? Red doch mal, wie es dir geht!“
Also: Lass uns in den Lebensraum eintauchen. Oft weiß ich gar nicht, wie es meinem Nachbarn eigentlich geht, was ihn gerade bewegt oder was gerade läuft.
Das ist eigentlich ein Tipp, der durchaus übertragbar ist. Oft sind mir die Leute innerlich sehr weit weg, genauso wie die Leute in Papua-Neuguinea. Und man kann sich ja auch trösten: Inzwischen sehen die Deutschen auch so aus wie die Leute in Papua-Neuguinea. Wir haben genau so Ohranhänger und irgendwann auch die Platte in der Unterlippe. Es gibt also äußerlich kaum noch eine Unterscheidung.
Also: Punkt eins – Geh in den Lebensraum dieser Leute.
Bevor du mit Punkt zwei weitermachst, lass uns kurz bei Punkt eins bleiben. Das ist ja eine Grenzüberschreitung. Nicht nur, dass ich mich überwinden muss, sondern ich trete auch in die Lebenswelt des Anderen ein.
Da muss ich auch willkommen sein. Wenn da ein hoher Zaun ist, ist das gar nicht mal das Problem. Ich bin zum Beispiel auch sehr in puncto Absonderung erzogen worden – darf ich das mal sagen? In meinem Kopf steckt immer noch drin: Geh nicht zu dem Anderen. Wir sondern uns doch von der Welt ab.
Weißt du, mein geistlicher Hintergrund hat mir das lange gesagt. Irgendwo steckt da ja was Wahres drin, aber wir dürfen das nicht falsch verstehen. Am Ende bleibt mir nichts anderes übrig, als mich auch mal in ein Wohnzimmer zu setzen, wo sechs leere Bierflaschen stehen und es ein bisschen seltsam riecht.
Man denkt sich: Wenn mich hier jetzt einer sieht, ist das schon fast kompromittierend. Aber genau da höre ich hin. Wie soll ich ihn denn sonst erreichen?
2. Menschen in den eigenen Lebensraum einladen
Gut, machen wir weiter mit dem zweiten Punkt.
Punkt zwei: Hol die Leute in deinen Lebensraum. Das ist vielleicht noch mutiger und noch ungewöhnlicher. Genau das macht Aaron Lewis. Er baut seine Hütte in dem Dorf. Nachdem seine Hütte dort steht, macht er die Tür auf und sagt: „Jetzt kommt mal zu mir, ihr dürft bei mir beim Abendbrot dabei sein.“
Jetzt erleben die Besucher natürlich eine europäische Familie, die auch mit ihren Kindern anders umgeht. Darum geht es eigentlich gar nicht. Aber sie erleben auch ein Ehepaar, bei dem der Mann seiner Frau zuhört, wo sie liebevoll miteinander umgehen und wo die Frau normalerweise keine Prügel bekommt. Die Dinge laufen einfach anders. Das finde ich auch eine Riesenchance, und das können wir eins zu eins übertragen.
Also noch mal: Alltagsmissionare bedeutet ja, dass ich mich von dem Gedanken verabschieden muss, dass wir nur drei Leute in der Gemeinde haben, die für Missionen zuständig sind. Stattdessen soll ich einfach normal leben, so wie es Dina gesagt hat. Und das fällt nicht schwer.
Bei uns in der Nachbarschaft hat eine Frau einen Fahrradunfall und bricht sich die Schulter. Dann höre ich von meiner Frau, dass sie morgen aus der Klinik zurückkommt, nach Wochen. Also haben wir ihr einfach ein Paket Raffaello auf den Briefkasten gestellt mit einem Zettel: „Willkommen, schön, dass du wieder da bist.“
Drei Tage später kam sie zu uns, in Tränen aufgelöst, und fragte: „Warum habt ihr das gemacht? Ist irgendwas passiert?“ Wir haben gesagt: „Wir haben uns einfach gefreut, dass du noch lebst und jetzt wieder da bist. Wir wünschen dir gute Besserung und beten für dich.“
Sie antwortete: „Ja, ja, ich weiß, aber soll ich euch mal was sagen? Das hat kein anderer gemacht, kein anderer.“ Also wart ihr die einzigen, die für 3,99 Euro Raffaello ausgegeben und es hingestellt haben.
Warum also hole ich die Frau nicht in meinen Lebensraum? Wenn sie dann schon mal bei mir ist, kann ich sagen: „Hey, komm rein, wir machen Kaffee, erzähl mal, wie es in der Klinik war.“ Und bevor sie geht, beten wir einfach für sie. Das wird sie nicht vergessen.
3. Geduld und Zeit für Wachstum mitbringen
Also, Punkt eins: Geh in ihren Lebensraum. Punkt zwei: Hol die Leute in deinen Lebensraum. Punkt drei: Geh davon aus, dass du viel Zeit brauchst.
Wir sind ja irgendwie auch Deutsche und sehr auf Effektivität getrimmt. Dann gehen wir irgendwo hin und wollen einen missionarischen Hauskreis starten. Und nach acht Wochen beschweren wir uns bei Gott, wenn sich niemand bekehrt hat.
An dem Ort, an den wir gezogen sind, nach Brandenburg, hat sich nach 18 Jahren die erste Frau bekehrt. Aaron Lewis sagt, normalerweise brauchen wir 15 Jahre, bis wir den Leuten ihre eigene Bibel geben können. So lange betreiben wir Kulturstudium, Sprachstudium, Schriftstudium und Linguistik. Erst danach fangen wir an, die Bibel zu übersetzen. Wenn wir schnell sind, haben wir nach 15 Jahren eine Bibel vorliegen – und dann bekehren sich vielleicht Leute.
Ich finde, wir müssen uns von unserem Effektivitätsdenken ein bisschen verabschieden. Nun, jetzt muss ich ja nicht Deutsch lernen, weil Deutsch kann ich. Aber Sächsisch musst du vielleicht lernen. Wir sind Sächsisch, das bringe ich auch hin. Nein, aber ich muss anfangen, da zu leben, verstehst du? Nicht gleich das Haus kaufen und die Nachbarschaft missionarisch beackern. Wir brauchen ein bisschen Fingerspitzengefühl.
Wir erleben gerade, wie im Nordosten, in Ueckermünde, eine Gemeinde entsteht und wie die Geschwister total weise mit ihren Nachbarn umgehen. Sie lassen die Nachbarn lieber kommen. Jetzt hatten sie eine Taufe im Garten, und einige Nachbarn waren völlig überrascht. „Was macht ihr da? Habt ihr dann Taufbecken?“ – „Nein, wir haben ein großes Swimmingpool.“ Dann gingen sie hinein. Das wollten die einfach sehen.
Die Nachbarn haben sich gar nicht so sehr für den Glauben interessiert. Aber als sie das Zeugnis eines 15-jährigen Mädchens gehört haben, hat sie das umgehauen. Danach haben sie mit dem Mädchen gesprochen: „Warum machst du das denn?“
Ich wünsche mir, dass die ersten Leute sich schon vor 18 Jahren bekehrt hätten. Aber ich finde, man kann auch vom Missionsfeld lernen, mittelfristig zu denken. Dabei sollte man eine gewisse Entspannung reinbringen und nicht so unter Strom stehen, sondern einfach leben.
4. Opferbereitschaft als Teil des Weges
Punkt vier – das hätten manche als erstes genannt – ist, bereit zu sein, Opfer zu bringen, und zwar in irgendeiner Form.
Die Familien, die jetzt nach Ueckermünde gezogen sind, haben ihr gesamtes geistiges Umfeld hinter sich gelassen. Sie kommen aus dem Westen und haben ihre ganze Blase verlassen. Dort leben sie völlig isoliert. Sie haben eine Arbeit angenommen, die sie eigentlich nicht machen wollen. Auch das ist ein Opfer, das sie bringen. Ohne solche Opfer wird es nicht gehen.
Auch die Menschen, die nach P&G gehen, bringen ein Opfer. Sie haben es nicht so einfach mit ihren Kindern, denn sie können sie nicht einfach in die Schule bringen. Sie müssen sich auf andere Lebensverhältnisse einstellen und essen oft Speisen, die ihnen nicht schmecken – all solche Dinge.
Ich glaube, es ist nicht der Sinn dieses Podcasts, den Leuten zu sagen: „Wir empfehlen euch jetzt einen Lebensstil, der super ist.“ Ja, es ist super und sinnvoll, vom Herrn zu reden. Aber es wird auch Opfer bedeuten.
Darüber sprechen wir gleich noch.
5. Gemeindeorientierung von Anfang an
Genau. Letzter Punkt auf meinem Spickzettel.
Was ich ganz rührend finde und was auch so gut zu uns passt: Die Arbeit ist vom ersten Tag an gemeindeorientiert. Aaron Lewis sagt, unser Ziel ist, dass wir das Dorf verlassen und dort eine Gemeinde existiert.
Ich würde mir wünschen, dass wir in Deutschland nicht so lange warten, bis wir die Leute in die Gemeinde aufnehmen. Es kann natürlich sein, dass du sagst: „Meine Gemeinde ist so heilig und so wirklichkeitsfremd, das haut die um.“ Dann sage ich mal ganz keck: Ändere deine Gemeinde! Seid normal, so normal, wie ihr draußen seid, seid bitte auch drinnen so normal.
Wenn ihr merkt, dass da jetzt zwei Leute sitzen, die nicht gläubig sind, müsst ihr ihnen nicht gleich eine fokussierte Predigt „auf die loslassen“. Aber ihr solltet euch so ausdrücken, dass sie euch verstehen. Man sollte den Eindruck haben, dass wir hier über Dinge sprechen, die sie irgendwie betreffen. Also nicht ausgrenzen, sondern wirklich willkommen heißen.
Auch bei der Themenauswahl muss man nicht gerade eine Einführung zu Ezechiel I geben, sondern man kann auch über andere Themen sprechen, die sie ansprechen.
In dem Buch ist, glaube ich, auch ein Zitat von David Livingstone drin. Das hat mich fasziniert, als ich es gelesen habe: „Wenn der Auftrag eines irdischen Königs eine Ehre ist, wie kann dann der Auftrag eines himmlischen Königs als Opfer angesehen werden?“
Du hast gerade eben schon gesagt, man muss große Opfer bringen. Ich finde, das stellt unsere ganze Perspektive von Mission irgendwie auf den Kopf. Oft reden wir davon, dass wir für die Mission opfern müssen – Zeit, Komfort, vielleicht auch Ansehen oder was auch immer man hinter sich lässt.
Aber Livingstone sagt: „Moment mal, das ist doch eine Ehre!“ Wie siehst du das?
Na, wenn ich ehrlich sein darf, ich bin da auch noch im Lernprozess. Manchmal fallen mir Opfer immer noch schwer, muss ich ehrlich zugeben. Aber je älter man wird, desto mehr sagt man sich: Je mehr ich wirklich dem Herrn gedient habe, desto mehr werde ich davon in der Ewigkeit wiederfinden.
Man zieht ja schon mal so ein Resümee mit 65 und sagt: Okay, was finde ich denn wieder und was nicht? Dass es wirklich eine Ehre ist, für den Herrn zu arbeiten, da gibt es nichts hinzuzufügen.
Aaron Lewis schreibt in seinem Buch: „Missionare sind nichts Besonderes, sie sind einfach bereit zu gehen.“ Das Schlüsselwort ist, glaube ich, „bereit“ – also es auch zu tun und nicht nur davon zu reden.
Wie können wir als Alltagsmissionare diese Bereitschaft entwickeln?
Persönliche Erfahrungen und Herausforderungen in der Alltagsmission
Du hast eben schon gesagt: Man kennt das so von früher, aus der Gemeindekultur. Da wurde ja oft die Keule Matthäus 28 drübergehauen, und irgendwie hattest du dann ein schlechtes Gewissen. Das ist nicht unbedingt die beste Motivation, aktiv zu werden.
Aber dass wir auch wirklich gehen – vielleicht oder dass das Gehen nicht nur bis zum Gartenzaun ist, sondern wirklich bis in den Garten zum Nachbarn oder zur Kaffeemaschine im Büro oder so –, dass es dafür reicht. Was denkst du?
Ja, ich weiß nicht, ob ich das sagen darf, aber ich sage es einfach mal: Wir müssen vielleicht auch mal den Finger in die Wunde legen, wie sehr wir unseren Glauben leben. Also, ich meine, die Bibel sagt: Wer das Herz voll hat, dessen Mund geht über. Und wenn du eben schweigst, dann ist da nichts, meinst du? Aber worüber rede ich denn?
Ich habe ein Erlebnis gehabt beim Netto. Da stand vor mir eine Frau, eine richtig alte, verkümmerte Frau. Sie hatte ihre sechs Euro neunundvierzig für den Einkauf eingesackt und sagte plötzlich zur Kassiererin: „Ey, ich habe kein Portemonnaie dabei.“ Da gab es ein Riesentheater. „Sie müssen das jetzt hier hinlegen und dann kommen Sie heute Abend wieder.“
Da habe ich gedacht, als Nächster: „Ich sage Mütterchen, ich bezahle deinen Einkauf.“ Also 6,49 Euro, das ist ja nicht so viel. Die Frau war völlig geflasht. Sie hat dann draußen an der Tür auf mich gewartet. Da sagte sie: „Junger Mann.“ Ich antwortete: „Moment, ich gebe ihr noch gleich einen Termin beim Augenoptiker.“
Ich fragte sie: „Warum haben Sie das gemacht? Das ist doch eine Steilvorlage.“ Dann konnte ich der Frau sagen: „Wissen Sie was? Ich bin dermaßen beschenkt.“ Und dann stellte sie die nächste Frage: „Wieso sind Sie denn beschenkt?“ Und sofort bist du im Gespräch.
Ich sagte: „Ich bin ein Christ und ich bin von Gott beschenkt. Es ist mir eine Riesenfreude, dir deinen Einkauf zu bezahlen. Vielleicht treffen wir uns das nächste Mal wieder. Dann wäre es schön, du bleibst 120 Euro, und dann bezahle ich dir wieder, keine Ahnung. Es macht uns nicht ärmer.“
Klaus, manche könnten jetzt sagen: „Ja, warum soll ich als Alltagsmissionar ein Buch wie dieses lesen? Buschfunk über einen Missionar in Papua-Neuguinea – das ist doch eine ganz andere Welt, eine ganz andere Kultur.“ Du hast versucht, diesen Gap zu schließen, weil es ja gar nicht so viel anders ist. Aber es ist doch schon eine andere Lebensart dort als hier. Was würdest du den Leuten sagen, die das sagen?
Das ist keine Frage. Es ist ja klar, dass es eine andere Lebensart ist in Papua-Neuguinea. Aber die Prinzipien, nach denen sie arbeiten, und auch die Arbeitsfelder – also auffallend viele Bereiche der Mission sind eben wieder sehr ähnlich. Deswegen können wir von ihnen lernen.
Mal ganz nebenbei: Wenn man das Buch aufschlägt, es ist auch genial gestaltet. Es ist durchgängig nach denselben Prinzipien aufgebaut. Es beginnt immer mit „Aus dem Dschungel“, dann kommt „Zu dir nach Hause“, dann ein Bibelwort, und dann „Für deine Reise“. Danach folgen konkrete Ideen, was man machen könnte.
Es ist wirklich schön gestaltet und sehr schön illustriert, wenn ihr hier reinschaut. Und es sind immer diese Schritte, oder? Immer: Aus dem Dschungel, zu dir nach Haus, aus dem Wort und für deine Reise – diese vier Punkte. Das kommt immer vor.
Aber man liest das dann so wie ein Andachtsbuch oder was?
Ich würde sehr empfehlen, die Geschwister in der Gemeinde zusammenzunehmen und zu sagen: Wir gehen einfach mal als Kurs das Buch durch.
Okay.
Ja, warum nicht? Cool. Da kann sich jeder beteiligen, jeder liest ein Kapitel, fasst das für die anderen zusammen, und dann kann man sich Notizen machen. Dann kann man sich auch mal so eine Rechenschaftspflicht geben, also dass man sagt: Okay, das haben wir jetzt Montagabend gemacht. Was nehmen wir uns konkret für morgen vor?
Dass wir feige sind und lieber zu Hause sitzen, das ist leider in unserer irdischen Trägheitsmasse voll mit drin. Aber dann ist es doch voll motivierend, wenn wir am nächsten Tag erzählen: Ich war endlich mal bei dem, ich habe zu Hause endlich eine Kiste aufgestellt mit Kalendern, ich habe einfach mal irgendwas gemacht.
Was war für dich selbst, als du das Manuskript bekommen hast und gelesen hast, die krasseste, die überraschendste Parallele zwischen diesen beiden Welten?
Das ist genau das, was du sagst: Dieses Gap zu schließen. Mir ist wirklich wie ein Klick klar geworden, ich sollte viel ehrlicher mein Christsein leben. Es gibt so viele Gelegenheiten, wo ich was von Gott sagen kann.
Zum Beispiel Herbst, Kartoffeln. Wir haben immer ein Fest zu Hause, es gibt Kartoffelfest mit meinen Enkeln. Im April legen wir eine Kartoffel rein, und im September holen wir zehn raus.
Christian, das ist der Wahnsinn. Dann flippen die Kinder aus, und jedes Kind versteht: Das hat Gott gemacht. Wer hat denn sonst die anderen neuen Kartoffeln da reingelegt?
Als wir diese Feier machen, die werden dann direkt zu Pommes verarbeitet natürlich, kommt plötzlich mein ungläubiger Nachbar hier rein und guckt, was für ein Lärm ist.
Da kommt meine Enkelin mit neun Jahren, hält ihm zwei große Kartoffeln hin und sagt: „Guck mal, das hat Gott gemacht.“ Da muss ich mich nicht schämen, weil er hat ja auch keine bessere Antwort. Er kennt uns inzwischen natürlich und freut sich damit.
Dann sitzen wir da, falten die Hände und sagen: „Herr, vielen Dank für die ganzen Kartoffeln, die wir gekriegt haben.“ So soll er es einfach miterleben.
Und das haben wir nicht gemacht, weil er kam und weil wir ihm zeigen wollten, wie fromm wir sind, sondern weil es unsere Freude ist, ein Erntedankfest zu feiern.
Ja, und du hast einfach deine Alltagswelt hineingeholt. In dem Fall sage ich mir: Die Tür geht auf, komm rein, also werde einfach Teil unserer Community.
Anpassung und Umgang mit kulturellen Unterschieden
Paulus spricht ja davon, ein Jude zu sein. Aaron Luce sagt in seinem Buch: „Manchmal habe ich immer noch damit zu kämpfen, aber die Bereitschaft, mich anzupassen und zufrieden zu sein, hilft dabei, durchzuhalten und die Arbeit zu tun, die Gott mir aufgetragen hat.“
Inwiefern müssen wir uns als Alltagsmissionare unserem Gegenüber anpassen? Ich weiß nicht, ob er das so meint, wie du es jetzt sagst. Er sagt, er passe sich in Punkten an, wo er sich anpassen muss, sonst erreiche er die Menschen nicht. Für mich ist es aber noch die Frage, inwieweit ich mich in irgendwelchen Lebensgewohnheiten meinen Nachbarn anpasse.
Fünf Männer, die in meiner Umgebung wohnen, treffen sich jeden Sonntagabend. Sie trinken ein bis drei, vier Bier und quatschen. Das nennen sie, egal wie, „Mütterberatung“, weil es das früher in der DDR gab. Es soll ein Spaß sein. Irgendwann kamen sie vor Weihnachten auf mich zu und sagten: „Klaus, wir laden dich ein, werde Teil unserer Community.“ Mein Fell hat sich gesträubt. Ich dachte: „Ich setze mich doch nicht den ganzen Abend dahin und trinke vier Bier, um dann Sachen zu sagen, die ich nicht sagen wollte.“
Aber dann sagte meine Frau zu mir: „Klaus, geh doch einfach hin. Du musst ja nicht vier Bier trinken.“ Also könntest du auch nur ein Bier trinken oder gar keines, oder dir ein alkoholfreies Getränk geben lassen. Mit innerer Überwindung bin ich dann in diesen Kreis gegangen. Es wurde noch eine Runde Skat gespielt und so weiter.
Plötzlich, um neun Uhr, ließen alle ihre Bierflaschen fallen, als wäre das abgesprochen. Sie drehten sich zu mir um und sagten: „Klaus, jetzt würden wir gerne mal mit dir reden.“ Da brach es aus ihnen heraus: „Erzähl mir doch mal, was das da in der Gemeinde ist, was ist das mit Gott, was ist mit eurer Familie los, warum gibt es bei euch keine Ehescheidung, was seid ihr für Leute?“ Das hatte sich dermaßen aufgestaut, und sie brauchten einen Vorwand, mich da in ihre Falle zu locken, sozusagen.
Hinterher dachte ich: Wie gut, dass ich gegangen bin. Natürlich besteht die Gefahr, auch Dinge zu tun, die nicht in Ordnung sind. Da brauchen wir einen wachen Geist, das ist keine Frage. Man muss sich aber nicht mit seinem Nachbarn dreimal betrinken, um ihn am Ende mit dem Evangelium zu erreichen. Das ist mal klar.
Ein weiteres Zitat von Luz lautet: „Gerade um diejenigen zu retten, deren ewiges Schicksal auf dem Spiel steht, sei bereit, dich für das Evangelium in Gefahr zu begeben. Denn im Licht der Ewigkeit hast du nichts zu verlieren und sie alles zu gewinnen.“ In Papua-Neuguinea bedeutet das für ihn natürlich auch körperliche Gefahren, Krankheiten und so weiter, Isolation.
Welche Risiken gehen wir denn als Alltagsmissionare hier ein? Meine Antwort ist einfach: Davon sind wir meilenweit entfernt. Eigentlich gehen wir gar keine Risiken ein. Und ich weiß nicht, ob wir wirklich um die Seelen unserer Nachbarn kämpfen. Das ist doch die große Frage. Da hat mich das auf dem falschen Fuß erwischt.
Wie gehst du auf Menschen zu, die andere religiöse Prägungen haben? Wie stellst du ihnen Fragen über den Glauben? Die Gruppe, zu der du eingeladen warst, um Bier zu trinken, war wahrscheinlich alle so in Ostdeutschland sehr typisch sozialistisch, atheistisch, agnostisch geprägt, oder? Wenn du wissen willst, wie der Sozialismus ausgeht, musst du nach Kuba schauen. Dort sind die Menschen atheistisch geprägt.
Aber wenn du Menschen begegnest, die religiöse Überzeugungen anderer Art haben? Die gibt es natürlich kaum in der Gegend, in der ich lebe. Es gibt ein paar Esoteriker. Da muss man einfach wissen, wie man ihnen begegnet. Die Leute, die sich bei uns bekehrt haben, kommen aus der esoterischen Schiene. Sie haben wenigstens die gute Angewohnheit, dass sie auf der Suche sind. Das muss man ihnen einfach mal lassen.
Sie suchen eine letzte Antwort auf ihr Hiersein. Sie probieren Yoga, Bachblüten und alles Mögliche aus. Eine Frau, die sich dann bei uns bekehrt hat, fand in ihrer verzweifelten Suche plötzlich im Schrank – und sie weiß nicht, wie das dahin kam – das Buch von Wilhelm Busch „Dies ist unser Schicksal“. Sie las das Buch, bekehrte sich und fand den Herrn.
Aber ja, das muss man wissen. Das sind noch fast die leichten Fälle. Aber wächst auf diesem Boden der Vergangenheit, der so atheistisch geprägt ist, etwas, das suchende Menschen hervorbringt, die dann bei der Esoterik landen? Logisch! Prediger 3,11 sagt: „Die Ewigkeit ist ins Herz des Menschen gelegt.“ Wir haben eine Steckdose, wie bei einem E-Auto, die einen Anschluss ins Unsichtbare braucht. Wir sind dafür gebaut.
Wenn wir das durch Materialismus ablehnen, verkümmert die Seele, und wir suchen irgendetwas. Es gibt eine Studie über Japan, das ja ein sehr materialistisches Land ist. Dort sind die Sekten explodiert, geistige und religiöse Sekten. Die Antwort war einfach: Wir Menschen können ohne etwas Göttliches, wenn ich das mal so sagen darf, nicht leben. In Japan hat das Christentum bisher noch keinen Fuß gefasst.
Wir müssen hin. Ja, wir beide alten Säcke, oder was? Nein! Wenn ich an Gotthold Beck denke, ist das doch eine wunderbare Geschichte, wie er in Japan gewirkt hat.
Hast du schon mal erlebt, dass sich bei direkten Nachfragen auch eine Tür zugeschlagen hat? Also dass du ins Gespräch kommen wolltest über den Glauben, einen Anknüpfungspunkt gefunden hattest, die „Steckdosenstecker“ freigelegt hast, und der andere dann einfach gesagt hat: „Nein, will ich nicht“?
Das, lieber Christian, darf man nicht falsch verstehen. Mich hat das zwar frustriert, aber es war aus seiner Sicht eine Schutzfunktion. Er fühlte sich in die Ecke gedrängt. Er hatte eigentlich keine gute Antwort auf den Sinn des Lebens und wollte sich nicht weiter argumentativ mit mir auseinandersetzen. Also sagte er: „Lass mich erst mal in Ruhe.“ Aber das ist ein Zeichen dafür, dass er nachdenkt. Und irgendwann macht er die Tür wieder auf.
Mich frustriert das jetzt nicht mehr. Du siehst das positiv. Er braucht einfach nur viel Zeit. Schlimmer wäre es, wenn er dummes Zeug erzählt und ewig weiter mit mir redet. Aber wenn er sagt: „Deine Botschaft ärgert mich so, weil sie mich herausfordert, ich mache jetzt die Tür zu“, dann denke ich mir: Preis den Herrn, die geht irgendwann wieder auf. Dann beten wir weiter dafür. Ja, cool.
Weitere Einflüsse und Erfahrungen in der Mission
Neben Aaron Luce, von welchen anderen Missionaren hast du besonders gelernt? Gibt es da irgendwelche, die vielleicht auch deine Alltagsmission geprägt haben?
Ich bin weder als Missionskind aufgewachsen noch in ähnlicher Weise. Aber du als Verleger hast ja auch andere Bücher veröffentlicht. Gibt es da bestimmt auch noch andere Missionsgeschichten, oder?
Ja, ich darf ja jetzt nicht so viel Werbung machen, aber was mich besonders begeistert, sind die Brückenbauer. Das sind Menschen, die es schaffen, in einer bestimmten Profession ihren Glauben zu leben. Wir haben ein Buch herausgegeben von einem christlichen Arzt, der nach Pakistan gegangen ist und unter den Taliban eine Klinik geführt hat. Das ist wirklich beeindruckend.
Durch seine Arbeit hat er die Menschen überzeugt. Tagsüber kamen die normalen Leute zu ihm, und nachts kamen die Taliban. Auch ihnen hat er geholfen, ihre Kinder zur Welt zu bringen. Daraufhin ließen die Taliban den Mann in Ruhe und errichteten sozusagen ein Schutzzeichen über ihm. Sie sagten, solange wir hier sind, passiert diesem Mann nichts. Das finde ich sehr gut.
Dieses Buch schenke ich jetzt jedem Arzt, der mir in Deutschland begegnet. Sie lesen es schon allein wegen der medizinischen Themen, die er beschreibt. Die sind wirklich haarsträubend, aber auch faszinierend. Plötzlich kommt er an den Punkt, an dem der Arzt etwas über seinen Glauben erzählt. Das lesen die dann auch. Das finde ich sehr gut.
Cool. Klaus, manchmal denken wir ja, Kultur sei nur ein Thema, wenn wir ins Ausland gehen. Aber wir in Deutschland haben natürlich auch verschiedene Kulturen: Ost, West, Land, Stadt, Generationen und so weiter. Wo merkst du das besonders in deiner Alltagsmission, wenn du mit anderen Kulturen konfrontiert wirst, die dir nicht so vertraut sind wie die, in denen du lebst?
Ich merke das im Osten vor allem an einer gewissen – jetzt darf man das nicht falsch verstehen – Dumpfheit. Wenn Menschen sechzig Jahre lang ohne Christentum leben, verkümmern sie einfach geistig. Dann kommst du plötzlich mit Gott um die Ecke, und sie sagen: „Hä, was ist das denn jetzt?“ Dann musst du wirklich ganz vorne anfangen zu erzählen.
Das ist etwas, was mich manchmal sehr traurig macht: dass man den Osten geistig trockengelegt hat. Darüber werden wir auf jeden Fall noch einmal sprechen. Wir müssen dazu auch eine Extrafolge machen.
Aaron Luce sagt in seinem Buch: „Der einzige Weg für mich, ein wirksamer Missionar zu sein, war zuerst ein demütig Lernender zu werden.“ Er musste erst die Sprache und die Kultur der Patapata kennenlernen. Wo hast du erlebt, dass du erst so ein demütiger Lernender werden musstest, bevor du anderen mit dem Evangelium dienen konntest?
Wenn ich ehrlich sein darf, erlebst du das eigentlich bei jedem Kontakt, den du hast. Mein Fehler war früher, dass ich mich innerlich als Christ den anderen Menschen überlegen gefühlt habe. Wenn ich das zeige, geht die Tür zu.
Ich habe einen Nachbarn, der Maurer ist und unglaublich begabt. Ich habe ihn gebeten, in meinem Garten eine schöne Natursteinmauer zu bauen. So sind wir Freunde geworden. Wir sind wirklich richtige Freunde. Er hat sich bis heute noch nicht bekehrt, aber ich habe ihm immer wieder signalisiert: „Was du kannst, das kann ich nicht, und ich beneide dich darum.“ Das macht ihn nicht stolz, aber wertet ihn irgendwie auf.
Dann denkt er anders über mich, und ich kann auch mal etwas zu ihm sagen, auf christlichem Gebiet. Als wir das erste Mal zusammen saßen, haben wir zweites Frühstück gemacht, und ich habe gebetet. Er guckt mich an und sagt: „Klaus, ist noch alles in Ordnung mit dir? Du machst die Augen zu, faltest die Hände und redest zu jemandem, der nicht da ist. Das ist doch bekloppt, oder?“
Ich habe ihn gefragt: „Du bist jetzt sechzig, hast du noch nie einen Menschen beten hören?“ Er antwortete: „Ne, ich weiß nicht, was das ist.“ Das kann man sich im Westen nicht so gut vorstellen, aber das kommt eben vor.
Wenn ich ihm dann noch arrogant komme nach dem Motto: „Ich werde dir mal zeigen, wie das Leben läuft“, dann ist bei ihm die Schallmauer durchbrochen. Was kann er denn dafür, dass er noch keinem Christen begegnet ist? Dafür können wir eher etwas.
Geistliche Erziehung und Bibelarbeit
Ja, aber gehörig. Missionare, die in unerreichte Gebiete ziehen, legen einen starken Fokus auf Alphabetisierung und darauf, die Bibel entsprechend in der jeweiligen Sprache zu übersetzen. Darüber haben wir gerade schon kurz gesprochen, das war auch bei Aaron Lusso der Fall.
Was können wir von ihnen in diesem Bereich für die geistliche Erziehung unserer Kinder lernen? Ich glaube, er schreibt dazu auch ein bisschen etwas in seinem Buch. Stichwort Alphabetisierung: Vielleicht gibt es auch bei uns, zum Beispiel mit Flüchtlingen, Möglichkeiten, das umzusetzen. Ich weiß es nicht genau. Was sind deine Gedanken dazu?
Zumindest ist das ein Hinweis darauf, dass man Dinge systematisch angehen kann. Wenn ich Kontakte habe, warum fange ich dann nicht ganz niederschwellig an? Ich könnte sagen: Wir haben uns jetzt ein paar Mal kennengelernt, es war nett mit euch, wir haben Kuchen gegessen, Kaffee getrunken. Wärt ihr bereit, mal einen Abend zu kommen und gemeinsam in der Bibel zu lesen? Wir würden euch das anbieten. Wir treffen uns fünfmal, und nach dem fünften Treffen könnt ihr sagen: Nein, danke, oder wir machen weiter.
Also so wenig Druck wie möglich, aber doch eine gewisse Alphabetisierung und eine gewisse Verbindlichkeit. Das finde ich, kann man daraus lernen. Ganz praktisch anwendbar.
Ja, gut. Für euch an dieser Stelle: Wir haben auch ein schönes Produkt dazu. Kennst du das Wort "Gemeinsam lesen", das Johannesevangelium? Nein? Kennst du noch nicht? Klaus, da muss ich dir das unbedingt mitgeben. Ich habe hier ein Exemplar, das ganz zufällig "Wort gemeinsam lesen" heißt. Das haben wir ganz frisch rausgebracht. Es stammt von einem befreundeten britischen Werk, das im englischen Original "The Word One to One" heißt.
Es ist einfach nur das Johannesevangelium, in kurzen Abschnitten. Es ist nicht das ganze Johannesevangelium, sondern nur ein Kapitel, damit man nicht erschlagen wird. Wenn du sagst: "Hast du Zeit? Fangen wir damit an." Dann ist es eigentlich nur Bibeltext. Es ist so aufgebaut, dass du nur den Bibeltext hast, ein paar kleine Erklärungen und ab und zu mal eine Frage dazu.
Du liest einfach mit, als Christ brauchst du überhaupt keine Vorbereitung. Du bist auch nicht der Lehrer, es ist auf Augenhöhe. Du redest einfach mit deinem Gegenüber, liest den Text gemeinsam und kannst dich darüber austauschen – oder auch nicht. Einfach Gottes Wort wirken lassen. Das ist richtig cool, kann ich dir sehr empfehlen. Ich gebe dir nachher noch mehr Exemplare mit. Du kannst es mal mit deinem Nachbarn ausprobieren und mir dann erzählen, wie es war.
Ah gut, also eine Möglichkeit, mit Menschen in der Bibel zu lesen. Welche Erfahrungen hast du noch gemacht? Mit Kindern, anderen Altersgruppen oder Nachbarn, wo man gemeinsam Bibel lesen kann, Geschichten lesen oder Leseabende macht? Macht ihr so etwas als Verlag auch oder gar nicht?
Nein. Wo wir sehr gute Erfahrungen gemacht haben, ist wirklich mit Kindern. Da haben wir den Eindruck, dass die Türen weit offenstehen. Wir machen ja Kinderfreizeiten auf dem Reiherhals, und das Schöne ist, dass der Anteil von Kindern, die aus dem Ort kommen und natürlich aus ungläubigem Elternhaus stammen, rapide zunimmt.
Echt cool. Nach wie vielen Jahren jetzt? Na ja, gut, jetzt sind wir 25 Jahre dort. Das war von Anfang an nicht so. Das haben wir auch nicht so fokussiert, sondern wir hatten viele Anmeldungen von Gemeinden. Da haben wir gesagt: Ja, wenn es voll ist, ist es voll, ist ja super. Aber jetzt machen unsere Kinder die Arbeit weiter, und die sind beide Lehrer. Sie haben natürlich Kontakte zu ihren Schülern, laden sie ein, und die kommen auch.
Ja, also alle Eltern sind froh, wenn sie ihre Kinder in den Ferien irgendwo preisgünstig "parken" können. Preisgünstig parken am Reiherhals, sehr gut.
Aaron stellt fest, dass viele Pataba die Bibel nicht lesen, nicht weil sie nicht wollen, sondern weil sie nicht konnten oder nicht wussten, wie man liest, da sie eben nicht lesen konnten. Bei uns ist das anders: Die meisten können lesen, haben in der Regel auch Zugang zur Bibel, und trotzdem lesen sie nicht darin.
Woran liegt das? Und wie können wir Menschen dabei helfen, die Bibel zu lesen? Ein bisschen haben wir das Thema schon angesprochen. Aber woran liegt es, dass wir in unserer Kultur, in der wir lesen können, die Sprache beherrschen und die Bibel eigentlich zur Weltliteratur gehört und in jedem Regal war – zumindest bis vor gar nicht langer Zeit –, als Christen so wenig die Bibel lesen?
Das könnten wir ja gleich noch besprechen. Erst mal die erste Frage: Meinst du, da gibt es einen Zusammenhang?
Ja, wir müssen einfach eine Neugier entwickeln. Warum erzählen wir auch nicht mal unseren ungläubigen Nachbarn, wenn wir sie treffen, was wir mit Gott erlebt haben? Nicht aufgesetzt, aber zum Beispiel so: "Es gibt einen Bibelvers, den habe ich gelesen, und der beinhaltet auch für dich eine Verheißung. Wärst du bereit, dass wir mal zusammen beten?" Und wir haben erlebt, dass die Leute das wollen.
Sagst du einfach so, ganz zufällig und im Gespräch, dass Gott auch Gebete erhört. Ja, im Gespräch einfach so. Diese christlichen oder missionarischen Erwähnungen müssen nicht immer ellenlang sein. Die Leute sollen einfach wissen, dass Gott ein Bestandteil meines Lebens ist und nicht nur Sonntag in der Gemeinde vorkommt und sonst nichts mit mir zu tun hat.
Da habe ich einen gewaltigen Nachholbedarf. Nicht, dass hier ein falscher Eindruck entsteht, aber ich möchte das ja auch lernen. Ich lerne wirklich von dem Buch nach dem Motto: Sei normal und lebe einfach dein Christsein.
Der Jüngste hat seinen Jüngern gesagt: "Ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem, Samaria und an allen Enden der Erde." Samaria war ein sehr unbeliebtes Gebiet für die Juden. Was ist dein Samaria? Die Bierhütte? Aber die hast du schon besucht.
Ja, Bierhütte klingt schon fast wieder zu heftig. Ich kann eigentlich nicht sagen, dass ich unbeliebte Gebiete habe. Wir haben sehr viel Drogensucht bei uns, wir haben Alkoholprobleme. Das sind natürlich oft solche Klientel, um die man früher einen Bogen gemacht hat. Heute muss man sagen, das sind genau die, die Jesus brauchen.
Also hat vielleicht jeder so seine Bereiche, um die er einen großen Bogen macht und wo Gott uns vielleicht auch mal heilen muss.
Paulus fragt in Römer 10: Wie sollen sie glauben, wenn ihnen niemand das Evangelium verkündet? Missionare wie Aaron Lusso nehmen das ernst und gehen zu unerreichten Völkern. Gibt es bei uns auch unerreichte Menschen? Abgesehen von Ostdeutschland – das haben wir schon gesagt, wir wollen mal darüber reden –, aber hier?
Also ich glaube, dass der Westen dem Osten um zwanzig Jahre hinterherhinkt. Das gilt auch für euren Raum Bergneustadt, da könnt ihr sicher sein. Man kann vielleicht noch manches verhindern, aber in Kürze sind wir unerreicht. Du fängst bei null an, bei uns fängst du bei null an. Hier vielleicht nicht, aber...
Keine leidchristliche Vorprägung. Ja, genau. Man hält es ja nicht für möglich, dass man in Deutschland mit dem Namen Jesus nichts anfangen kann. Aber mir begegnen solche Menschen, denen sagt Jesus nichts, gar nichts. Nie gehört. Nie gehört.
Jetzt kommt jemand zum Glauben. Du hast es schon erlebt. Matthäus 28 ist irgendwie klar: Jesus will nicht, dass wir nur Bekehrte machen, sondern Jünger machen. Das geht viel weiter.
Aaron stellt die provokante Frage: Sind wir um geistlich neugeborene Babys genauso besorgt wie um unsere eigenen realen Babys? Das trifft irgendwo, oder?
Ja, wobei ich da vielleicht nicht widerspreche. Ich glaube, um die Babys kümmern wir uns schon. Wenn sich jemand bekehrt, sehen wir das aus meiner Erfahrung so: Das ist toll, dann macht man einen Taufkurs, lässt sich taufen, die Begeisterung ist groß, er wird eingeladen, und das lässt er nach.
Dann merken wir, dass die Leute mehr brauchen, als wir brauchen. Wir gehen normal in die Gemeinde, sind christlich sozialisiert, lesen unsere Bibel. Aber das machen die alles nicht. Und dann verlieren wir sie vielleicht wieder. Das wäre eine Tragik.
Ich glaube, wir brauchen eher ab dem zweiten Jahr einen Plan, wie wir ihnen wirklich das Wachstum geben können, das sie brauchen.
Aus der Gemeinde, aus der ich komme, gibt es zwei Brüder, die haben das erkannt. Sie haben gesagt: Wir müssen etwas ändern in der Gemeinde, weil wir jetzt einige Neubekehrte haben.
Wir bieten jetzt samstags nachmittags eine Bibelschule an, und zwar alle vier Wochen. Sonntagnachmittag können die kommen, es gibt eine Einleitung und ein Bibelbuch. Wirklich niederschwellig, aber so, dass sie zumindest mit unserer Hilfe durch die Bibel kommen.
Das finde ich wichtig. Wenn wir das nicht gemacht hätten, hätten wir vielleicht manche wieder verloren. Ich sehe das Problem nicht so sehr bei den Babys, sondern bei den geistlichen Teens: Sie weiterzuführen, dran zu bleiben, wirklich Jünger zu machen, zu lehren.
Der Autor, Aaron, erzählt in Kapitel 17 die Geschichte von diesen Betelnüssen. Betelnüsse heißen die Dinger. Betelnuss kauen, kannst du dich erinnern? Alte, zahnlose Leute bekommen Mörser, mit denen sie die Dinger zerstampfen, und Jüngere kauen das Nussgemisch manchmal für sie vor.
Das müssen wir nicht wortwörtlich machen, dass ich für dich vorkauen muss. Ich hoffe, ich kriege heute Abend was Vernünftiges zu essen. Das kriegst du ganz bestimmt – meine kochen etwas Leckeres.
Aber dieses Bild lässt sich auch auf geistliche Nahrung anwenden. Es geht wahrscheinlich in die Richtung, die du gerade gesagt hast: Heranwachsende geistliche Kinder brauchen Nahrung, erst Milch, dann festere Speise und so weiter – diese Weiterführung.
Wie können wir da noch weiterführend helfen? Welche Ideen oder Erfahrungen hast du dazu? Ich meine, es ist wahrscheinlich auch Literatur im Blick.
Als Verleger sage ich immer: Es gibt gute Bücher. Du merkst, ich baue dir immer so richtige Rampen. Und ich nutze sie ja selbst nur sehr wenig. Es gibt gute Bücher. Preisen wir den Herrn, dass wir in Deutschland noch gute christliche Verlage haben.
Die Leute sind immer noch offen dafür, wenn du ihnen ein gutes Buch in die Hand drückst, das sie gerne lesen. Es darf nicht zu dick sein, natürlich.
Aber vielleicht können wir mal die Bibel aufschlagen. Wir sind mal bei meinem Lieblingsbuch Hesekiel. Da gibt es eine sehr nette Stelle, die mich nicht loslässt: Hesekiel 2, am Ende.
Er breitete die Rolle vor mir aus. Sie war auf der Vorder- und Rückseite beschrieben. Er sprach zu mir: "Menschensohn, iss, was du findest! Iss diese Rolle und geh hin und rede zum Haus Israel."
Das ist so ähnlich wie mit dem Kautabak. Wir lesen die Bibel, aber manchmal habe ich den Eindruck, wir müssen sie einfach auch mal durchkauen.
Durchkauen bedeutet: Ich lese früh meine Bibel, dann gehe ich an meinen Job oder setze mich ins Auto oder was auch immer. Aber der Text taucht immer mal wieder auf, ploppt auf.
Ich habe jetzt einen Vers aus Sacharja gelesen, den habe ich noch nie verstanden. Aber "verstehen" ist sowieso ein Problem.
Da steht in Sacharja 14,7: "Und es wird geschehen, zur Zeit des Abends, da wird es Licht sein."
Da bin ich gestolpert und dachte: Das ist ja nicht normal. Jedes Kind weiß: Früh geht die Sonne auf, Mittag, Abend, dann kommt die Nacht. Und Gott sagt: Nein, das ist Quatsch. Am Abend wird es Licht sein.
Jetzt geh doch mal mit diesem Vers zu deinem Nachbarn, der dir die Ohren vollheult, weil er 78 ist, bald zehn Zentimeter unter der Grasnarbe liegt und keine Hoffnung hat.
Da kann man doch einfach mal sagen: Wenn du an Jesus glauben würdest, dann würde bei dir am Abend Licht angehen. Willst du das nicht?
Das wird er nicht vergessen. Warum sagen wir sowas nicht mehr?
Und wenn er dann am nächsten Tag mit dem Hund vorbeikommt und sagt: "Sag mal, mit dem Ding gestern, was du da gesagt hast, wie meinst du das denn?"
Dann kannst du sagen: Komm rein, wir trinken Kaffee. Ich zeige dir, wie das Licht angeht, wenn du die Augen zumachst.
Nehmen wir doch einfach Verse, die für sich sprechen.
Ja, mit der Rolle essen hast du jetzt nicht viel anfangen können.
Mit "Rolle essen" meine ich: Das ist ein schönes Pendant zum Kautabak, den du erwähnt hast.
Die Leute kauen den ganzen Tag ihr Zeug, und der Missionar sagt zu ihnen: Genauso könnt ihr auch eine – natürlich nicht buchstäblich – Schriftrolle nehmen und einen Bibelvers einfach mal durchkauen.
Das ist das Gegenteil von Fastfood: Nachdenken. Im wahrsten Sinne des Wortes nachdenken.
Ja, sehr gut.
Teamarbeit und Leitung in der Mission
Klaus, was können wir von Missionaren wie Aaron Luz über Teamarbeit im Reich Gottes lernen? Die Schwester, die uns Aaron empfohlen hat, hat ihm ein gutes Zeugnis ausgestellt. Es ist kein Geheimnis, dass Teamarbeit auf dem Missionsfeld ein Problem sein kann. Das solltest du erklären.
Na, ich erkläre es lieber nicht. Es gibt bestimmte westliche Volksstämme, die fühlen sich sehr überlegen. Sie sind entweder Chef oder sie sind gar nichts. Und das funktioniert einfach nicht. Die Schwester sagte zu uns, Aaron habe von unten her geleitet und nicht von oben her. Das hat ihn beliebt gemacht, aber auch seine Arbeit sehr gesegnet. Die Frucht seiner Arbeit sieht man heute einfach dort.
Kannst du das ein bisschen ausführen, wenn du sagst, von unten geleitet? Also nicht top-down, sondern umgekehrt? Aber wie sieht das praktisch aus?
Ja, natürlich, ich war nicht dabei, sie hat mir das nur erzählt. Er ist demütig, er ist bescheiden. Wenn dann jemand kommt und sagt, ich habe hier ein faustiges Problem, dann sagt er auch mal: „Auf dein Problem habe ich keine Antwort, ich weiß nicht, was ich machen soll.“ Aber wir können immer auf die Knie gehen. Und dann gehen die zusammen auf die Knie, und plötzlich zeigt Gott eine Lösung. Das überzeugt auch die anderen, dass sie jemanden haben, der Autorität für sie ist und trotzdem weiß, dass er eigentlich unter einer anderen Autorität arbeitet.
Ich meine, ein bisschen Demut zu zeigen, ist für Teamarbeit immer gut, oder?
Ja, Klaus. Wenn du an das Buch denkst, gibt es da noch irgendetwas, das du unbedingt loswerden möchtest, Christian, außer meinen fünf Punkten und dem, was wir jetzt besprochen haben?
Nö, das war lang genug. Denkst du, wir können langsam zum Ende kommen?
Schön, ich habe eh das Problem, dass ich viel zu viel rede. Es ist sehr angenehm mit dir. Aber dann machen wir einfach Schluss.
Für euch vielleicht noch: Wenn ihr wissen wollt, wie ihr mehr Tipps für eure Alltagsmission bekommen könnt, dann abonniert unseren Newsletter. Teilt diese Podcastfolge mit euren Freunden, damit sie auch davon profitieren können. Ich finde es klasse, dass ihr bis hierher zugehört habt. Ihr seid die Glücklichen, die jetzt die Möglichkeit haben, an der Verlosung teilzunehmen.
Es geht um dieses Buch, das ich am Anfang schon erwähnt habe. Wir haben drei Exemplare davon für euch. Schickt uns bis zum Erscheinen der nächsten Podcastfolge ein Testimonial aus eurer Alltagsmission. Erzählt uns, was ihr erfahren oder erlebt habt, was ihr von einem Missionar gelernt habt oder vielleicht eine Idee, einen Tipp oder eine Erfahrung in eurer Alltagsmission gemacht habt. Schreibt sie gerne an machbar@heukelbach.org. Dann losen wir aus, und drei Leute bekommen jeweils ein Exemplar von diesem wunderbaren Buch.
Und die, die bis dahin nicht warten können, finden in den Show Notes den Link zu dem Produkt in eurem Shop auf eurer Verlagswebseite. Das Buch gibt es für locker 18,95 Euro. Das sind im Wesentlichen zwei Döner.
Zwei Döner, genau. Auf zwei Döner verzichten und stattdessen „Buschfunk“ kaufen – Denkanstöße aus der Mission zu dir nach Hause.
Klaus, wir sind am Ende unseres Gesprächs angekommen. Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast und uns an deinen Erfahrungen hast teilhaben lassen. Bevor wir zum Schluss kommen, habe ich noch drei Fragen, die ich dir stellen möchte.
Abschließende Fragen und Empfehlungen
1. Buchempfehlung außerhalb der Bibel und Buschfunk
Welches Buch außer der Bibel und diesem Buch, über das wir jetzt genug gesprochen haben, kannst du unbedingt empfehlen? Für mich ist ein Brückenbauer-Buch bei der Alltagsmission ein Buch, das ich ohne Bedenken einem Ungläubigen geben kann – in der Hoffnung, dass er es liest und versteht.
Dieses Buch ist „Große Pianisten, wie sie keiner kennt“. Es ist wirklich ein cooles Buch. Gerade hier in Bergneustadt oder in dieser Blase, die es hier gibt, gibt es immer noch viele Familien, deren Kinder Klavier lernen müssen, ob sie wollen oder nicht. Das stimmt, ich war auch selbst ein Opfer.
Jetzt kommt Weihnachten, und man kratzt sich am Kopf und fragt sich: Was schenken wir unserem Klavierlehrer? Dieses Buch kannst du ihm geben. Dann liest er von Horowitz, Van Cliburn, Rubinstein und denkt: Das ist ja cool!
Es ist ein Buch über Steinway, die Geschichte von Steinway. Der Autor ist Franz Mohr. Er war der Chefintonator in Amerika, der diese Flügel immer gestimmt hat. Er erzählt seine Geschichte, und da ich auch ein bisschen Musiker bin, ist es für mich einfach spannend zu lesen.
Mittendrin gibt es plötzlich eine Pause, in der er von seiner Kindheit erzählt, wo er herkommt und wie er sich bekehrt hat. Das ist so organisch in das Buch eingebaut, dass ich solche Bücher liebe. Es ist kein Missionsbuch, das ich einem anderen gebe, sondern ich baue ihm eine Brücke. Es ist ein Crossover-Projekt.
Der Leser interessiert sich für Steinway & Sons, und plötzlich bekommt er die christliche Botschaft präsentiert – so, dass es für ihn nicht unnatürlich wirkt. Ach, okay, so war das also. Schön.
Ist das dann so biografisch? Ja, ja, ja. Sehr schön, okay, cool. Wir verlinken das Buch gerne auch in den Shownotes.
2. Persönliche Herausforderung in der Mission
Zweite Frage: Was ist deine größte persönliche Herausforderung bei der Affination?
Auch wenn ich es nicht so wirke, habe ich immer wieder eine Schwelle zu überwinden. Es fällt mir schwer, die Gartentür zu öffnen und zu meinem Nachbarn zu gehen. Vielleicht nicht nur vielleicht, sondern ich muss dafür beten, dass mir das besser gelingt.
Das gebe ich gerne zu.
3. Praktischer Tipp für die Hörer
Welchen Tipp hast du für unsere Hörer, den sie gleich diese Woche umsetzen können?
Ich empfehle, geh zu deinem Nachbarn und decke mal einen richtig schönen Frühstückstisch zu einer gemäßigten Zeit, sagen wir halb neun. Sag ihm einfach: „Ich lade dich zum Frühstück ein.“
Wenn du ihn eingeladen hast, kannst du mit ihm zusammen reden. Lass dir von Gott eine Passage schenken, über die du über dein Glaubensleben sprechen kannst, denn das gehört natürlich zu dir. Das ist nicht schlimm, und der Nachbar weiß auch, dass du nach etwa einer Stunde heil wieder rauskommst. Alles ist gut. Die Reaktion ist meistens viel positiver, als wir denken.
Klaus, vielen Dank nochmal für deine Zeit und die wertvollen Impulse. Es hat mir große Freude gemacht.
Gerne. Ich denke, euch auch. Danke, dass ihr mit dabei wart. Das war’s für heute.
Ja, ich sage einfach Tschüss, bis zum nächsten Mal.