Generierte Mitschrift
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Die erste Erschütterung und die Frage nach der Zukunft
Matthäus 24,1-14
Jesus ging aus dem Tempel fort, und seine Jünger traten zu ihm und zeigten auf die Tempelgebäude. Er aber sagte zu ihnen: Seht ihr nicht das alles? Wahrlich, ich sage euch: Es wird hier nicht ein Stein auf dem anderen bleiben, der nicht zerbrochen werde.
Und als er auf dem Ölberg saß und sie allein waren, traten seine Jünger zu ihm und fragten: Sage uns, wann wird das geschehen, und was wird das Zeichen für dein Kommen und für das Ende der Welt sein?
Jesus aber antwortete ihnen: Seht zu, dass euch niemand in die Irre führt. Denn es werden viele unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin der Christus. Und sie werden viele in die Irre führen. Ihr werdet von Kriegen und Kriegsgerüchten hören. Seht zu und erschreckt nicht, denn das muss so geschehen. Aber es ist noch nicht das Ende da. Denn es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere. Und es werden Hungersnöte kommen und Erdbeben hier und dort. Das alles aber ist der Anfang der Wehen, der Geburtswehen der neuen Welt Gottes.
Dann werden sie euch gefangen nehmen, in große Not bringen und töten. Und ihr werdet um meines Namens willen von allen Völkern gehasst werden. Dann werden viele abfallen, und einer wird den anderen verraten, und sie werden sich gegenseitig hassen. Und viele falsche Propheten werden auftreten und werden viele in die Irre führen. Und weil die Auflehnung gegen das Gesetz überhandnehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten. Wer aber bis ans Ende ausharrt, der wird gerettet werden. Und dies Evangelium vom Reich wird in der ganzen Welt gepredigt werden zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen.
Herr, mach uns durch dein Wort bereit. Amen.
Das Erdbeben in Italien hat nur neunzig Sekunden gedauert. Und dann war das unheimliche und grausame Geschehen da. Was in diesen neunzig Sekunden zusammenbrach, das lässt sich gar nicht beschreiben. Nicht nur wegen der vielen Toten und der vielen Verletzten, sondern auch, weil das, was Menschen sich in einem langen Leben zusammengespart und aufgebaut haben, plötzlich zerbrochen war. Wichtige Straßenverbindungen waren nicht mehr passierbar, und das Chaos war da.
Es waren nur einige wenige Erdstöße, und dann war alles geschehen. Und dann war es wieder still. Und das Unglück war vorbei. Und das Unglück war da.
Dann fragt man besorgt: Kann so etwas wieder geschehen? Kann so etwas auch bei uns geschehen?
Das Wort Gottes sagt: Ja. Da wird der Blick in die Zukunft gelenkt, und wir werden auch darauf vorbereitet, dass viel Notvolles geschehen werden muss. Das kann Entsetzen verbreiten, was Jesus da sagt. Nur für die Gemeinde Jesu ist dieses Wort gar nicht so entsetzlich. Wir schauen auf Jesus, und wir wissen, dass er auch in dem Grauen der Zukunft und in den Schrecken, die geschehen werden, da ist.
Geborgenheit im Kommenden
So wie damals beim Sturm auf dem Meer, als er im schwankenden Boot stand, wissen wir: Er hat die Macht, auch zu rufen: Schweig und verstumme. Er kann auch den tobenden Wellen gebieten, und seinem Wort muss alles untertan sein.
Er fragt uns: Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam? Ihr braucht doch keine Angst zu haben vor dem, was geschieht. Ich bin doch bei euch.
Es ist wichtig, dass man sich das ganz bewusst macht. Es gibt keine andere Sicherheit in die Zukunft hinein als das ganz nahe Stehen bei Jesus. Und es ist wichtig, dass man den Blick des Glaubens auf ihn richtet und dann ganz ruhig wird und weiß: Ich bin bei ihm geborgen und bewahrt.
Man kann sich trösten und sagen: Ich gehöre doch zur Gemeinde, ich bin doch in der Kirche dabei. Aber da hat Jesus selbst gewandt und sagt: Das kann doch nicht eine Sicherheit sein. In der Gemeinde selbst gibt es diese und jene Stimmen, dein Glaube selbst muss klar sein.
Du kannst dich nicht beruhigen und sagen: Ich bin doch Mitglied in diesem und jenem frommen Verein. Du musst selbst in einer ganz klaren Beziehung zu Jesus stehen, weil das das Einzige ist, was hindurch rettet und hindurchhilft, auch durch die dunkle Zukunft dieser Welt.
Wenn die Irrgeister da sind und die Verführung kommt, dann werden wir allein durch Jesus und sein Wort geleitet. Das wird immer wichtiger werden, je verworrener die Zeiten sind, ob wir am Wort Gottes, wie wir es in der Bibel haben, treu bleiben und es bewahren. Es gibt keinen anderen Halt für unseren Glauben.
Licht, das nur von Christus kommt
Wenn wir in diesen Tagen unsere Kerzen anzünden, dann ist das ja immer ein Symbol dafür, wie das Licht leuchtet in der Nacht. Dieses flackernde Licht, das so Wärme ausstrahlt, ist ein schönes Zeichen, das uns immer wieder anspricht. Aber unsere Kerzen haben nur eine begrenzte Brenndauer. Nach einer kurzen Zeit sind sie ausgebrannt, dann bleibt nur noch ein Stummel übrig, und dann ist nichts mehr da.
Und das ist auch die Not der Gemeinde Jesu. Sie will in der Welt leuchten. So viele Christen wollen in der Dunkelheit der Welt ein Licht geben. Aber wir haben nur eine begrenzte Leuchtkraft. Wir sollten gar nicht so viel davon reden, dass wir leuchten wollen. Das Licht der Welt ist Jesus. Er sagt: Ich bin das Licht der Welt. Und wir selber können immer nur von ihm das Licht nehmen, das wir dann weitergeben und weiterleuchten lassen in die Welt hinein.
Und eine Gemeinde hat nur so viel Leuchtkraft, wie sie selbst von Christus immer wieder empfängt. Das ist eine Frage an die Christen heute, an unsere evangelische Christenheit: Sind wir noch solche Menschen, die das Licht empfangen und es darum weitergeben können, oder sind wir ausgebrannte Kerzenstummel, die kein Licht mehr weitergeben können?
Allein von seinem Brennen nehme unser Licht den Schein, so wird alle Welt erkennen, dass wir seine Jünger sein. Das ist wichtig: von seinem Licht her das Licht nehmen und weiterleuchten lassen.
In der dunklen letzten Wegstrecke dieser Welt spricht Jesus gar nicht davon, dass die Christen noch einmal großen Einfluss bekommen, sondern er spricht nur davon, dass einige da sind, die sich an ihm festhalten und darum durchkommen, auch durch die letzte bedrängte und bewegte Zeit dieser Welt. Wir wollen uns nicht von ihm, von Jesus, weg verführen lassen, sondern wir wollen treu ihm bleiben und treu bei ihm beharren.
Das macht uns Jesus da wichtig, und ich will jetzt drei Dinge herausstellen aus diesem Abschnitt.
Erstes: Der Tempel verliert seine Mitte
Zuerst: Die Verkündigung des Evangeliums, die Predigt des Evangeliums, wird in dieser letzten betrübten Zeit immer wichtiger. Das heißt: ganz am Anfang dieses Abschnittes, als Jesus den Tempel verließ, ging Jesus aus dem Tempel fort. Das war ein Schritt mit unglaublichen Folgen. Das kann man gar nicht weit genug überdenken.
Dieser Tempel, der Ort, an dem Gottes Ehre wohnt, verliert plötzlich den Sohn Gottes. Und damit ist ein Bruch vollzogen. Dass wenig später der Tempel zusammenfällt und kein Stein auf dem anderen bleibt, ist ja nur die Konsequenz aus dem Weggehen Jesu.
In diesem Tempel hat Gott so viel gewirkt. Einst hat Salomo in diesem vorhergehenden Tempelbau gebetet: Lass deine Augen offen stehen über diesem Hause Tag und Nacht. Aber wenn Jesus weicht, dann haben selbst die großen Kultstätten, wo Gott angebetet wird, keinen Wert mehr. Es ist eine leere Hülse, ein Haufen Steine, der nichts mehr bewirken kann. Und es kann alles zusammengeschlagen werden. Selbst die Stätten der frömmsten Anbetung sind nichts mehr wert.
Gott hat viel gewirkt, aber jetzt war eine ehrwürdige Tradition zu Ende. Da hat uns Jesus darauf hingestoßen, dass wir uns nicht immer wieder mit den Traditionen und mit den gesegneten Geschichten auch unserer eigenen Kirchen aufhalten sollen. Das kann alles zerbrechen. Und wir wissen das am allerbesten in dieser Kirche, die ja auch zerbrochen ist in den Flammen in einer Nacht.
Wir wissen gar nicht, wie lange Gott unserer evangelischen Kirche in Württemberg noch Zeit lässt. Kann man das so übertragen? Warum nicht? Dass kein Stein auf dem anderen bleibt? Damals hat Israel sich auch beruhigt und gesagt: Das ist des Herrn Tempel, das ist des Herrn Tempel. Du brauchst nicht zu sagen, dass hier etwas geschehen kann. Gott kann selbst die Stätten, die er erwählt hat und die er geheiligt hat, zusammenbrechen lassen. Wenn Jesus weicht, bedeuten sie nichts mehr.
Und ich habe große Angst, dass wir Jesus aus unseren Kirchen herausdrängen, weil wir ihm das absprechen, dass er der Sohn Gottes ist. Weil wir seinem Wort die Gültigkeit absprechen. Weil wir von seinem Wort sagen, es sei nur Bildung der Gemeinde. Weil wir ihm seine Ehre verweigern. Weil wir ihn zum Menschen herabwürdigen. Wenn Jesus, der Sohn Gottes, von unseren Gottesdiensten und Kirchen weicht, dann gibt es keine Hoffnung mehr. Dann hat aller frommer Betrieb keine Mitte mehr. Kein Stein auf dem anderen soll bleiben.
Zweites: Keine falsche Sicherheit und keine falschen Zeiten
Wenn Sie an der Klagemauer stehen, dann müssen Sie nur wissen, dass das keine Tempelsteine sind, sondern nur die Stützmauer des Tempelplatzes. Vom Tempel selbst haben wir keinen Stein mehr. Er wäre heute bestimmt zur Reliquie Israels geworden. Wir haben nur noch die Stützmauer des Tempelplatzes, die den erweiterten Tempelplatz abstützte. Vom Tempel selbst ist nichts mehr übrig geblieben.
Damals hat Jesus dieses Wort zu Israel gesagt: Ruft zur Umkehr, dass sie kommen und sagen: Herr, bleibe bei uns, weiche nicht, geh nicht weg von uns. Das ist heute wichtig. Dass wir uns alle nur um das eine bemühen, dass Jesus bei uns bleibe, mit seinem Licht, mit seinem Schein, mit seinem Wort. Ich erschrecke immer wieder, wie viel heute von unseren Aktivitäten gesprochen wird und wie wenig Mühe darauf gelegt wird, dass wir selber bei Christus bleiben, dass er bei uns bleibt, dass er in der Mitte unserer Gemeinden selbst der Wirkende ist. Sonst ist alles leer und hohl, und das Gericht geht über die Trümmer hinweg.
Damals wollten die Leute Zeichen sehen und sagten: Wann wird das denn alles geschehen? Wann? Sie wollten genaue Zeiten und Daten haben. Das ist nicht so böse, dass man den Fahrplan wissen will. Es ist ja auch heute wieder vielen Christen, gerade auch den Bibellesenden, sehr wichtig, die Zeichen der Zeit zu deuten. Aber wir wollen ganz klar sagen: Wo uns einer angibt, die Zeiten zu wissen, müssen wir ihm sagen, dass das gegen Jesus ist und dass er ein Irrgeist ist. Es gibt keine Zeiten, die man aufweisen kann und die man nennen kann. Und viele sind an dieser Stelle schon gescheitert.
Uns interessiert es gar nicht, zu sagen, in welcher Stunde der Endzeit wir leben. Wer das vorgibt zu wissen, handelt gegen das Wort Jesu, wo Jesus selbst gesagt hat: Niemand weiß es, nicht einmal der Sohn; es sei allein dem Vater vorbehalten, die Stunde seiner Wiederkunft zu wissen. Wir wollen das dem Herrn gar nicht vorschreiben. Wir wollen auch gar nicht so tun, als ob wir es wüssten, wie viel Zeit uns noch bleibt in dieser letzt betrübten Zeit.
Es werden viele sich anmaßen, im Namen Jesu zu reden, aber es ist nicht die Stimme Jesu. Jesus selber spricht nur von dem Evangelium, das allen Völkern gepredigt wird. Und auch in der letzten Zeit der dunklen Wegstrecke dieser Welt bleibt dieses Evangelium der einzige Leuchtpunkt. Und was ist denn das Evangelium Jesu? Das ist das Evangelium von seinem Kreuzestod und von seiner Auferweckung. Es kommt nicht auf die frommen Worte an. Es kommt uns in der letzten Wegstrecke dieser Welt darauf an, dass wir das Evangelium Jesu hochhalten. Diese Botschaft, dass er für meine Sünden starb, dass er mich herausführt aus dem Gefängnis des Ungehorsams und dass er mich in ein neues Leben bringen kann, das ist der Ruhm der Gemeinde, auch gerade in den letzten Tagen der Welt. Dass sie sich freut an Jesus und in der Offenbarung wird oft davon gesprochen, wie gerade die Gemeinde in der letzten Verfolgung sich rühmt, und dann kommt immer ein Wort des Lammes. Das ist ja ein Bild für dieses geopferte und geschlachtete Lamm, ein Bild des Kreuzestodes Jesu.
Drittes: Das Evangelium bleibt die Mitte
Ich meine, dass es ein ganz einfaches Erkennungszeichen der Wirrgeister und Irrgeister dieser Zeit ist, dass sie die Mitte der Verkündigung vom Kreuz und von der Auferstehung Jesu wegrücken. Sie rücken alle anderen Reden, Weisheiten und Erkenntnisse in die Mitte. Sie stellen Menschen in die Mitte, sie stellen Versammlungen, Traditionen und Namen in die Mitte und sagen: Das musst du hören, und das musst du noch miterleben.
Und die Gemeinde Jesu sagt: Ich will nur immer mehr das Kreuz Jesu verstehen, was er für mich getan hat, und immer mehr die Kraft seiner Auferweckung erkennen.
Lassen Sie sich nicht verwirren, auch nicht durch große Aufbrüche. Lassen Sie sich nicht verwirren, wenn große Massen im Namen Jesu zusammenströmen. Schauen Sie genau hin: Ist das das Wort vom Kreuz und von der Auferstehung Jesu? Oder ist dies letztlich nur ein Enthusiasmuswort von Menschen, die Jesus nach vorne stellen, die im Namen Jesu reden, die den Namen Jesu dauernd nennen und die nicht das Evangelium predigen?
Zum Zeugnis für die Völker, das Evangelium, an dem sich die Geister scheiden, das Evangelium, das Menschen in Sünde gepredigt wird, wo sie allein Freiheit und Befreiung in seinem Kreuz empfangen.
Nun wird das Beharren gefordert. Es wird immer wichtiger, dass wir auf das Evangelium hören. Nun wird das Beharren bei Jesus gefordert.
Es ist entmutigend, dass die Finsternis immer dichter wird. Wir wünschen uns ja, dass wir die Finsternis der Welt durchdringen können. Bei unserer Synode waren wieder so viele Anträge gestellt, Resolutionen; da ging es also gerade darum, dass man alle Nöte der Welt abschafft. Wenn es nach unserer Synode gegangen wäre, dann hätten wir noch gegen das Böse schlecht hingestimmt. Aber das ist ja so ernüchternd, dass man gar nichts erreicht mit seinen Worten, die man macht.
Da muss man sich damit abfinden: Das Böse hat die Welt im Griff, und Jesus gibt uns keine Illusionen. Wir lebten auch als Christen lange Zeit so, als ob es uns gelingt, im zwanzigsten Jahrhundert das Reich Christi voranzubringen. Wir hofften, dass über die ganze Welt hinweg den Christen geschenkt werde, Frieden zu stiften und Versöhnung zwischen den Völkern aufzurichten.
Wenn ich das sage, kommt gleich einer und sagt: Ja, bist du dagegen? Oh, ich wollte doch noch viel mehr wirken. Aber so ernüchternd ist es. Jesus sagt: Keine Handbreit gelingt es dem Christen, die Macht der Finsternis zurückzudrängen. Im Gegenteil: Die dunklen Mächte dringen immer weiter vor, sind immer mächtiger. Man möchte den Mut sinken lassen, weil die Finsternis Sieger wird.
Beharren in einer aussichtslosen Welt
Denken Sie wieder an dieses Licht, das wir in die Welt hineintragen wollen.
Die Finsternis wird immer stärker. Wir erliegen, wir kommen nicht weiter. Die Kriege breiten sich aus, Kriegsgeschrei macht Lärm über die Welt hinweg, und die Gemeinde Jesu steht dazwischen, hilflos und ohnmächtig. Es gelingt ihr hier und da etwas zu tun, aber es ist doch viel zu schwach, um die Not zurückzudrängen.
Böse Katastrophen brechen aus, die mühsam ausgesöhnten Völker stehen wieder einander auf, und selbst stabile Reiche zerbrechen plötzlich durch neue nationalistische Bewegungen. Terror und Unterdrückung wüten, und es gelingt nicht einmal, Inflation und Teuerung zu stoppen. Man kann ganz bitter sagen: Was will denn diese ganze Weisheit des zwanzigsten Jahrhunderts, wenn es nicht möglich ist, den vereinten Völkern wenigstens den Hunger zu stoppen?
Es gelingt nicht. In unserem Jahrhundert nimmt der Hunger noch zu, während man die Lebensmittel auf die Müllkippen fährt, während wir auf den Butterbergen sitzen und nicht wissen, wohin, hungern Menschen. Und gar nicht, dass ich eine Lösung hätte, sondern das Furchtbare ist, dass niemand eine Lösung hat und dass alle am Ende sind mit ihrer Weisheit.
Da hilft es auch nicht, Sprüche zu machen und uns zu sagen: Nun muss man eben einfacher leben. Das ist ja die Not, dass keiner weiß, wie man es dorthin bringt, dass wirklich den Menschen geholfen wird.
Jesus will, dass wir nicht unsere Kraft überschätzen, weil das zu Entmutigungen führt. Das ist nämlich schlimm, wenn man Leute in den Kampf schickt und ihnen gar nicht sagt, dass sie den Kampf gar nicht gewinnen können. Christen sollen im Kampf stehen, aber wir sollen nüchtern sein, dass es keine Siege gibt, sonst lügen wir uns selber an. Und die Scheinsiege, mit denen wir oft protzen, die sind gar keine echten Siege. Die großen Taten, von denen wir oft sprechen, sind gar keine großen Taten.
Das Unheil und das Unglück über der Welt klagen uns an. Es sind aussichtslose Positionen, in denen die Gemeinde Jesu in der Welt steht. „Ja, jetzt nimmst du uns allen Mut“, sagen sie, „was sollen wir denn tun?“
Im Gegenteil: Ich nehme ihnen nicht den Mut, sondern am Ende dieser dunklen Weltepoche kommt Jesus als der Herr wieder und schafft einen neuen Himmel und eine neue Erde. Und darum hat es einen Sinn, dranzubleiben, selbst in einer aussichtslosen Aufgabe.
Auch wenn wir nicht die Not der Welt abschaffen können, auch wenn wir nicht die Völker versöhnen können, wollen wir dennoch Friedenstifter sein, wollen wir dennoch Not lindern, wollen wir dennoch Liebe üben. Es ist nicht vergeblich, weil er kommt. Wisst: Eure Arbeit ist nicht vergeblich in dem Herrn.
Auch wenn die dunklen Mächte so stark sind, dass sie uns überwältigen, dass sie uns in ihrer Macht halten, auch wenn Sie oft in Ihrem Erziehungsgeschäft als Eltern sagen: Es hat gar keinen Wert mehr, auch wenn Sie sagen, da, wo Sie dem Unrecht widerstreben, es hat gar keinen Wert, ich will resignieren, dann werden Sie nicht resignieren, wenn Sie auf den wiederkommenden Herrn schauen.
Treue, Prüfung und die verborgene Herrschaft Christi
Darum heißt es hier in den Worten Jesu: Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig. Es ist nicht der, der Erfolg hat. Wir sollten uns abgewöhnen, auf Erfolg zu schauen. Wer beharrt, wer bei Jesus treu bleibt, der wird selig. Der bleibt auch mit seinem Tun selig. Und da werden selbst die kleinsten Dinge, die wir im Verborgenen tun, wichtig werden.
Ihr jungen Leute, es ist eine Entscheidungsfrage vor euch gestellt, ob ihr auch auf dieser Erfolgswelle schwimmen wollt und eben mitheult, wo die Tagesparolen euch Ziele aufzeigen, oder ob ihr euch in Dienste rufen lasst, die heute gar nicht groß anerkannt und geachtet sind. Es sind kleine Dienste, wo wir treu an unserem Platz stehen. Erfolg, das ist uns nie versprochen. Aber der Herr hat uns seine Gegenwart und seine Nähe versprochen. Und wir wissen, dass nichts vergeblich ist, was man für ihn tut. Wir wissen, dass er auch im Verborgenen wirken kann. Darum wollen wir an unserem Platz treu bleiben.
Wir wissen auch, das ist ein letzter Gedanke, dass er in diesen Tagen sein Reich baut. Das Evangelium ist uns so wichtig, dass gepredigt wird. Es ist uns wichtig, dass wir bei ihm bleiben, beharren bis ans Ende. Aber er baut sein Reich. Es wird gepredigt werden das Evangelium vom Reich allen Völkern zum Zeugnis.
Wenn man die Finsternis der Welt sieht, wie sie wütet, wie sie alles in ihrer Macht hält, da will man den Mut verlieren. Aber die Finsternis dringt sogar auch in die Gemeinde ein. Und das hat Jesus nun so klar gesagt, dass es das Wichtigste sein soll, dass wir uns darum sorgen. Irrgeister in der Gemeinde, so hat man so oft gesagt, dass er so böse ist, wenn man fragt, ob einer noch auf dem rechten Glauben wäre. Das ist der brüderlichste Dienst, den wir einander tun können. Wenn Sie mich nicht mehr darauf hinprüfen, dann versäumen Sie die wichtigste Liebespflicht mir gegenüber. Weil jeder von uns von dieser Macht der Finsternis verführt werden kann, ist es wichtig, dass wir einander den Brüderdienst tun und sagen: Schwester, Bruder, bist du noch dabei in Treue beim Wort? Stehst du noch bei Jesus oder hast du dich mitreißen lassen vom Geist der Zeit, hast du dich wegtreiben lassen?
Die Heilspropheten, die Jesus da ankündigt, die versprechen Ruhe und Geborgenheit. Dabei wird die Gemeinde Jesu nie Ruhe und Geborgenheit haben. Sie sagen: Macht euch keine Sorge, die Gemeinde Jesu lebt, die Kirche steht fest gegründet. Und das sind Unheilspropheten, weil sie nicht das Wort Jesu haben. Jesus hat seine Gemeinde auf den Leidensweg gestellt, und er wird sie nie leuchten und strahlen. So wenig Jesus auf seinem Passionsweg geleuchtet und gestrahlt hat.
Ich glaube gar nicht, dass im zwanzigsten Jahrhundert Jesus bei der triumphierenden und einflussnehmenden Kirche ist. Ich glaube, dass Jesus gar nicht da ist, wo das viele Geld ist, auch in unseren Tagen, sondern Jesus ist oft bei den kleinen Scharen derer, die über seinem Wort ihm treu bleiben. Und da wird dann plötzlich selbst in der treuesten Gemeinde der Widerspruch lauter. Dort werden Menschen reden und werden ihre Lehren bringen und ihre Weisheiten. Das wird verwirrend sein. Wer hat denn eigentlich Recht? Das ist gar nicht leicht, die Lehre zu scheiden und die Geister zu prüfen.
Und wenn wir richtig die Dinge beobachten, dann scheinen wir vor einer neuen Welle der Verwirrung auch in unseren Tagen zu stehen, dass viele neue Gemeinden eine neue Stufe der Seligkeit anbieten. Sie sagen: Wenn du unserer Gemeinde dich anschließt, dann hast du noch eine viel größere Vollkommenheit, dann hast du das noch viel realer, als wenn du nur beim Wort Jesu bleibst. Wir können noch viel mehr zusätzlich anbieten zu dem, was das Wort vom gekreuzigten und vom auferstandenen Herrn dir bietet.
Verfolgung, Liebe und das kommende Reich
Und über all diesen Nöten kommt neuer Streit in die Gemeinden. Da komme ich nicht daran vorbei, das muss sein. Und da stürzt die Gemeinde in neue Leiden. Einer wird den anderen verraten, der Christus-Hass wacht wieder auf, die Völker werden gegen die Gemeinde reden. Das hat Jesus beim Ende angekündigt. Sie werden auf die falschen Propheten zufallen. Die wahre Gemeinde Jesu wird bedrängt, wie es auch an anderen Stellen des Neuen Testaments angekündigt ist. Und diese Verfolgungen bringen neue Not in die Gemeinde.
Einer verrät den anderen, keiner weiß, wem er mehr vertrauen kann. Das ist sicher das Schlimmste in den Gemeinden der Verfolgung, auch im Osten, dass das Misstrauen Einzug hält. Dann geht das Wort um: Wer seinen Freund lieb hat, erzählt ihm nichts mehr, weil er keinem mehr traut, auch in der Gemeinde.
Und dann verliert die Gemeinde ihre Aufgabe, zu der sie gesandt war. Sie sollte Licht und Salz sein in der Welt, und sie kann es gar nicht mehr. Die Finsternis hat sie selbst überwältigt. Und was da steht von der Gesetzlosigkeit, die überhandnehmen wird, das ist ja selbst in der Gemeinde so. Wo das Gebot Gottes missachtet wird und weggestoßen wird, da wird die Gemeinde selber unfähig werden, das weiterzugeben, was sie weitergeben muss. Sie wird keine Liebe mehr haben.
In unserer Zeit können Sie das schon im Weltlichen, im ganz Oberflächlichen sehen. Wo die Ordnung der Ehe missachtet wird, wird selbst die Liebe erkalten. Die Eheverhältnisse, die heute Menschen oft noch leben, sind grausam, weil die Liebe fehlt. Die Ordnungen Gottes waren ja noch bewahrend und heilend. Da regiert am Ende nur die Selbstsucht, die Lust triumphiert. Aber wie unheimlich, so gespenstisch, wie wir es in unseren modernen und grausamen Filmen haben, die uns angeboten werden und die mit Liebe nichts mehr zu tun haben.
Aber das geht hinein bis in die Gemeinde, wo man die heilsamen Ordnungen Gottes verlässt. Da wird gesagt: Wir wollen doch nicht gesetzlich sein. Und man verliert selbst da das Wissen, dass die Gebote Gottes einem ja das sinnerfüllte Leben zeigen wollten. Sollen jetzt die Jünger Jesu den Kopf hängen lassen, wo das bis in ihre eigenen Kreise hineingeht, wo die Verwirrung sogar die Gemeinde Gottes ergreift und wo keiner mehr weiß, worauf er sich jetzt verlassen kann?
Nein, sie sollen nicht den Kopf hängen lassen, sondern das Haupt erheben, weil Jesus da ist. Auch durch diese letzte bedrängte Zeit wird er seine Gemeinde führen. Und da ruft er Menschen, die sich ihm zur Verfügung stellen. Er baut sein Reich, auch in dieser letzten Zeit.
Das Evangelium vom Reich Gottes wird gepredigt werden. Wo ist das Reich Gottes? Es ist mitten unter euch, nur dass es auch bei ihnen da ist, dass die Herrschaft Gottes in ihrem Leben aufgerichtet ist. Da vollzieht sich eine Scheidung. Eine große Masse Menschen wird von Jesus weggehen, und es ist deutlich ausgesprochen, dass nicht die große Zahl dieser Welt bei Jesus steht.
Es ist eine Frage an uns gestellt, an diesem zweiten Adventssonntag, wo wir stehen, wo wir sind. Der Herr will sein Reich heute aufrichten und will seine Gemeinde sammeln. Dass er siegt, bleibt ewig ausgemacht. Sein ist die ganze Welt und sein wird die ganze Welt. Heute ist seine Herrschaft verborgen, heute ist seine Herrschaft durch alle möglichen Propheten und Lehren verwirrt. Aber er ruft seine Gemeinde heute, und die, die seine Stimme hört, sammelt sich um ihn.
Heute wird sein Evangelium allen Völkern zum Zeugnis gepredigt. Tatsächlich, allen Völkern, überall in der Welt, gibt es heute Gemeinde Jesu. Heute am zweiten Advent wird überall in der Welt gepredigt. Kein Land, wo nicht sein Evangelium gepredigt wird. Lassen Sie sich rufen in die Nachfolge. Amen.

