Rückblick und Einstieg in das Thema Angst
Ich möchte heute inhaltlich genau dort weitermachen, wo wir beim letzten Mal aufgehört haben. Der Titel der Predigt vom letzten Sonntag lautete „Gesegnet, weil Jesus Treue belohnen wird“. Es ging dabei um den Überwinder, der in uns steckt, weil Jesus in uns lebt.
Das war der Inhalt der letzten Woche. Heute möchte ich an der Bibelstelle ansetzen, die auch beim letzten Mal ganz am Anfang stand, nämlich Matthäus 10. Ich werde diesen langen Abschnitt sogar noch ein wenig ausführlicher lesen. Ihr habt den Text in euren Notizen zur Predigt, und ich möchte gleich sagen: Es wird heute um Gefühle gehen. Jesus spricht hier in unserem Text über das Gefühl Angst.
Jetzt lese ich den langen Text:
„Seht, ich sende euch wie Schafe mitten unter Wölfe.“ Das finde ich ein ganz gruseliges Bild. Wir haben in Brandenburg ja jetzt wieder Wölfe. Bis vor kurzem war das noch etwas ganz Fernes, aber jetzt sind sie da. Du bist also so ein Schaf, drehst dich um und siehst überall nur Wölfe – das ist schon unangenehm.
Weiter heißt es: „Seht, ich sende euch wie Schafe mitten unter Wölfe. So seid nun klug wie die Schlangen und einfältig wie die Tauben. Hütet euch aber vor den Menschen. Denn sie werden euch an Gerichte überliefern und in ihren Synagogen geißeln. Und auch vor Statthalter und Könige werdet ihr geführt werden um meinetwillen, ihnen und den Nationen zum Zeugnis.“
„Es wird aber der Bruder den Bruder zum Tode überliefern und der Vater das Kind. Und Kinder werden sich erheben gegen die Eltern und sie zu Tode bringen. Ihr werdet von allen gehasst werden um meines Namens willen. Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden.“
Jesu Zuspruch gegen Angst trotz Bedrohung
Fürchtet euch nun nicht vor ihnen, denn es ist nichts Verdeckt, was nicht aufgedeckt wird, und nichts Verborgenes, das nicht erkannt werden wird. Was ich euch im Finsternis sage, redet im Licht. Und was ihr ins Ohr geflüstert hört, ruft aus auf den Wächern. Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen. Fürchtet vielmehr den, der sowohl Seele als auch Leib zu verderben vermag in der Hölle.
Werden nicht zwei Sperlinge für eine Münze verkauft? Und fällt nicht einer von ihnen auf die Erde ohne euren Vater? Selbst die Haare auf eurem Haupt sind alle gezählt. Fürchtet euch nicht, ihr seid wertvoller als viele Sperlinge.
Jesus fordert seine Jünger dreimal auf, keine Angst zu haben. Er sagt das, obwohl er ihnen vorher ankündigt, dass man sie hassen, verurteilen, geißeln und umbringen wird. Es gäbe also jeden Grund, in einer solchen Situation Angst zu haben. Doch Jesus sagt: Fürchtet euch nicht! Lasst euch nicht von eurer Angst beherrschen. Sorgt dafür, dass euch die Furcht vor den Konsequenzen nicht davon abhält, das Evangelium zu predigen. Fürchtet euch nicht!
Gefühle als unsicheres Fundament für Lebensentscheidungen
Ihr Lieben, ich glaube, wir lernen hier eine wirklich sehr wichtige Lektion für unser Leben. Diese Lektion lautet: Gefühle sind keine gute Basis für Lebensentscheidungen.
Ich möchte euch das anhand eines Beispiels verdeutlichen. Ich habe drei Kartons mitgebracht. Auf dem einen steht „Gefühle“, auf dem anderen „Taten“ und auf dem dritten „Wissen“.
Ich könnte mein Leben so aufbauen: Ganz unten stelle ich die Gefühle hin, dann packe ich die Taten auf die Gefühle. Ja, merkt ihr schon, das ist gar nicht so leicht. Ganz oben, also zum Schluss, kommt das Wissen.
Das bedeutet: Ich habe irgendein Gefühl, reagiere spontan darauf, und wenn dann alles passiert ist und ich alles getan habe, was ich tun wollte, fange ich erst an, nachzudenken. Oder vielleicht komme ich auch gar nicht mehr dazu und schalte mein Hirn komplett aus.
Zugegebenermaßen leben wir alle irgendwann nach diesem Prinzip. Wenn ich zum Beispiel abends, etwa eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen, aus purer Lust noch zwei Schokonougat-Eier esse, dann habe ich vorher nicht über die unnötigen Kalorien nachgedacht. Ich hatte einfach Lust darauf.
Und wenn ich das nicht jeden Abend mache und sonst auch noch ein bisschen auf Bewegung und mein Gewicht achte, dann ist das auch nicht so schlimm. Ich möchte diesen Ansatz also nicht völlig verteufeln.
Ich will aber sagen: Wenn ich den größten Teil meiner Lebensentscheidungen so treffe, wird mein Leben nicht gelingen.
Die Lüge der Gesellschaft: Gefühle als Lebensmaßstab
Ihr Lieben, wir leben in einer Gesellschaft, die uns immer wieder dieselbe Lüge verkauft – und zwar mit fast jeder Werbebotschaft. Diese Lüge besagt, dass es auf das Gefühl ankommt. Ein gutes Gefühl bedeutet ein gutes Leben, ein schlechtes Gefühl dagegen ein schlechtes Leben.
Für viele Menschen, die Gott nicht kennen, sind die Gefühle tatsächlich das A und O ihrer Entscheidungen. Wenn man zum Beispiel nichts mehr für seinen Ehepartner fühlt, hat man prompt einen von der Gesellschaft akzeptierten Grund, sich zu trennen: Gefühl aus, Ehe aus. Das ist irgendwie furchtbar, oder?
Furchtbar, weil man diesen Turm genau umgekehrt bauen muss – zumindest wenn man Christ ist. Wäre es richtig, dass Gefühle das Fundament sind, auf dem alles aufgebaut werden muss, dann könnte Jesus nicht zu seinen Jüngern sagen: „Fürchtet euch nicht.“ Wenn Gefühle das Wichtigste wären, könnte man ihnen nicht einfach sagen: „Jetzt mal Schluss!“, denn sie wären ja das Eigentliche.
Psalm 43: Der innere Kampf zwischen Gefühl und Verstand
Kennt ihr Psalm 43? Wahrscheinlich kennt ihr ihn, vielleicht habt ihr ihn sogar gelesen, aber gerade nicht parat. Psalmen sind Lieder. Der Psalmschreiber, der dieses Lied verfasst hat, befindet sich in einer schwierigen Lage und klagt.
Im Text von Psalm 43,1-4 heißt es: „Schaffe mir Recht, Gott, und führe meinen Rechtsstreit mit der gnadenlosen Nation, vom Mann des Betrugs und des Unrechts, rette mich! Denn du bist der Gott meiner Zuflucht. Warum hast du mich verworfen? Warum muss ich trauernd einhergehen, bedrückt durch den Feind? Sende dein Licht und deine Wahrheit, sie sollen mich leiten, mich bringen zu deinem heiligen Berg und zu deinen Wohnungen. So werde ich kommen zum Altar Gottes, zum Gott meiner Jubelfreude, und werde dich preisen auf der Zither, Gott, mein Gott.“
Das klingt gut, oder? Jemand hat ein Problem und merkt im Verlauf des Textes, dass er sich immer mehr Gott nähert. Anfangs sagt er, Gott habe ihn verworfen. Doch dann bittet er: „Herr, rette mich!“ Plötzlich spürt der Psalmist eine innere Spannung. In seinem Kopf tut er genau das Richtige: Er hat eine Notlage, er betet zu Gott, bittet um Recht, Rettung und Leitung.
Seine Seele, also seine Gefühle, sind jedoch noch auf Moll gestimmt. Der Verstand vertraut Gott, aber das bedrückte, ängstliche Gefühl verschwindet nicht. Nun folgt ein Vers, den ich euch ans Herz legen möchte, ihn auswendig zu lernen. Ich weiß, ich sage das oft, aber dieser Vers ist wirklich besonders. Ich finde ihn einfach großartig.
Psalm 43,5: Jetzt spricht der Psalmist mit sich selbst. Sein Verstand redet zu seinen Gefühlen: „Was bist du so aufgelöst, meine Seele, und was stöhnst du in mir?“ Ist das nicht schön? Der Verstand fragt die Seele, was mit ihr los ist.
Dann folgt die Ermutigung: „Harre auf Gott, denn ich werde ihn noch preisen, das Heil meines Angesichts und meinen Gott.“ Kopf an Bauch – jetzt ist Schluss mit ängstlich sein.
Ich mag diesen Vers sehr, ich finde ihn einfach herrlich. Man merkt, wie die Gefühle hier nicht das Fundament sind. Der Psalmist hört nicht auf seine Gefühle, weil er weiß, dass sie ihn in die falsche Richtung führen würden. Stattdessen macht er sich selbst Mut. Er sagt: Ich habe meine Sorgen abgegeben, jetzt brauche ich keine Angst mehr zu haben. Und das ist einfach der richtige Weg.
Drei Gründe, warum Gefühle kein sicheres Fundament sind
Also Gefühle als Fundament meiner Lebensentscheidungen – das ist ein ganz, ganz schlechtes Fundament. Dazu kann ich nur dringend abraten.
Ich habe euch drei Gründe mitgebracht, damit ihr seht, wie schwach dieses Fundament wirklich ist.
Erstens: Habt ihr euch schon mal gefragt, wie Gefühle eigentlich entstehen? Gefühle entstehen dadurch, dass ich – meistens unbewusst – Situationen, in die ich hineinkomme, deute. Ich komme irgendwo rein, und dann habe ich ein Gefühl. Ich muss gar nicht darüber nachdenken, das Gefühl kommt einfach.
Dabei kann aber ein und dieselbe Situation ganz unterschiedliche Gefühle auslösen. Hier habe ich mal ein Beispiel mitgebracht: Neuschwanstein. Ich weiß nicht, ob ihr das kennt – ein kitschiges Schloss in Bayern. Etwas entfernt gibt es über eine Schlucht, die Pöllert-Schlucht, eine Fußgängerbrücke. Diese Brücke wurde angelegt, damit man das Schloss schön sehen kann. All die schönen Fotos sind von dort aus gemacht.
Jürgen und Bärbel stehen vor dieser Brücke – also dieselbe Situation. Jürgen hat Angst, er hat Höhenangst, Schlucht, Brücke. Bärbel freut sich darauf, das Schloss zu sehen, und möchte einfach schon losstürmen.
Man hat also dieselbe Situation, aber zwei komplett unterschiedliche Gefühle: Angst und Freude. Wir bewerten dieselbe Situation emotional völlig unterschiedlich.
Mein Bedürfnis nach Sicherheit läuft bei der Idee, auch nur einen Fuß auf diese Brücke über dem Abgrund zu setzen, Amok. Bärbels Bedürfnis nach Schönheit und Kultur freut sich einfach auf den Anblick dieses Schlosses.
Versteht ihr? Also erster Grund, warum Gefühle als Fundament für Lebensentscheidungen nicht taugen: Gefühle sind nicht objektiv.
Gefühle können falsch sein und zur Sünde führen
Zweiter Grund
Gefühle können gerechtfertigt sein, oder sie können falsch sein. Denken wir noch einmal an Matthäus 10. Wenn mir gesagt würde, dass man mich hassen, verurteilen, geißeln und umbringen wird, dann würde ich denken: „Okay, vielen Dank für die Info, jetzt habe ich wirklich allen Grund, mich zu fürchten.“ Wann wäre Furcht gerechtfertigter als in so einer Situation? Der allwissende Gott sagt dir, dass das passieren wird. Dann bekomme ich Angst.
Jetzt sagt Jesus aber: „Du sollst dich nicht fürchten.“ Er bringt gewichtige Argumente dafür, sich nicht zu fürchten. Das heißt, das, was mir im ersten Moment gerechtfertigt erscheint, ist in Wirklichkeit völlig falsch. Wie der Psalmist in Psalm 43 muss ich daran arbeiten, andere Gefühle zu bekommen. Ich muss die Furcht, die mir im ersten Moment gerechtfertigt erscheint, als falsch erkennen und sie durch Furchtlosigkeit und Freimut ersetzen. Ich muss mich trauen, meine Angst überwinden und sie runterschlucken.
Also: Erstens, Gefühle sind nicht objektiv. Zweitens, Gefühle sind leider oft falsch. Das ist wirklich so. Wenn man ein bisschen lebt und sich anschaut, wie oft man falsche Gefühle hatte, wie oft man Gefühle hatte, die im Nachhinein einfach nicht richtig waren, ist das erstaunlich.
Dritter Punkt
In manchen Gefühlen steckt etwas Diabolisches. Wenn wir im Umgang mit Gefühlen nicht aufpassen, können sie ganz schnell zu einem Einfallstor für Sünde in meinem Leben werden. Eine Stelle habe ich euch mitgebracht aus Jakobus 1, die Verse 14 und 15. Dort sagt Jakobus: „Ein jeder aber wird versucht, wenn er von seiner eigenen Begierde fortgezogen und gelockt wird. Danach, wenn die Begierde empfangen hat, bringt sie Sünde hervor. Die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.“
Am Anfang steht also die Begierde, die Lust, das Gefühl. Dann führt das zur Sünde. Und wenn du nur genug Sünde in deinem Leben aufhäufst, bist du tot – entweder biologisch oder geistlich. Das spielt für Jakobus keine Rolle. Das ist einfach die falsche Richtung, denn wir wollen zum Leben hin.
Begierde ist ein Gefühl der Unzufriedenheit. Das kommt einfach. Und um es noch einmal zu sagen: „Ein jeder aber wird versucht“ – wenn Jakobus das schreibt, meint er Versuchung zur Sünde. Es geht nicht darum, dass ich versucht werde, meinen Arbeitskollegen das Evangelium zu erzählen, oder dass ich versucht werde, meine Frau mit dem Abwasch zu überraschen, oder dass ich in irgendeinem Punkt meines Lebens endlich gehorsam werde. Darum geht es nicht.
Ich werde zur Sünde versucht. Begierde will, dass ich Dinge tue, die falsch sind. Aber bevor die Sünde, bevor die böse Tat in meinem Leben passiert, kommt – zeitlich davor – immer das Gefühl. Und was für die Begierde, also für die böse Lust gilt, die kommt und mich versucht, Dinge zu tun, die falsch sind, gilt auch für viele andere Gefühle.
Das Beispiel Angst hatten wir ja schon. Erst kommt die Angst, die Angst vor Verfolgung. Und dann, weil ich auf meine Angst eingehe, kommen Dinge wie Menschenfurcht, vielleicht auch ein Rückzug. Statt das Evangelium zu predigen, halte ich lieber den Mund. Statt mich zu Jesus zu bekennen, passe ich mich eher an. Am Ende bin ich dann kein Zeuge Jesu mehr in dieser Welt, sondern nur noch ein unsichtbarer Mitläufer, der irgendwie allen gefallen will – nur nicht seinem Herrn. Das macht Angst.
Oder denken wir daran, wie es ist, wenn ich wütend bin, wenn ich ärgerlich oder zornig bin. Starten wir mal bei: Ich bin gerechtfertigt zornig. So etwas gibt es in der Bibel – gerechtfertigten Zorn. Nun, nehmen wir an, du bist gerechtfertigt zornig. Jetzt sagt die Bibel aber: „Zürnet und sündigt dabei nicht; die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorn, und gebt dem Teufel keinen Raum“ (Epheser 4,26-27).
Du darfst also schon mal gerechtfertigt zornig sein, aber wenn die Sonne untergeht, hörst du damit auf. Warum? Weil aus einem gerechtfertigten Zorn etwas werden kann, das weit darüber hinausgeht. Du bist dann einfach zu lange zornig, und vielleicht fängst du an, über den, auf den du zornig bist, schlecht zu reden, zu schimpfen, dich von der Person zu distanzieren. Dann vergibst du ihm nicht, und Gott vergibt dir auch nicht mehr. Und du merkst, es geht immer weiter.
Es fängt mit einem Gefühl an, und das ist vielleicht sogar gut und in dem Moment auch richtig. Wenn ich hier aufpasse, dann öffnet dieses Gefühl wie eine Hintertür. Und da kommt dann ganz viel Schlechtes in mein Leben hinein. Das gilt auch bei guten Gefühlen.
Ich habe mich gefragt: Geht das auch bei Freude? Na klar. Salomo macht dem Prediger ganz klar, dass niemand fröhlich sein kann ohne Gott. Also wenn du dich freust, egal woran, hat Gott dir das geschenkt. Freude kommt von Gott.
Nicht nur der Zorn kann sich verselbständigen, auch Freude kann das. Plötzlich dreht sich mein Leben nicht mehr um Gott, sondern darum, wie ich noch mehr Spaß aus meinem Leben herauskriege. Plötzlich will ich nicht mehr Gott ehren und ihm gefallen, sondern aus einem Nachfolger Jesu wird ein Knecht der Selbstverwirklichung und des Genusses.
Aber das hat doch ganz klein angefangen. Wir hatten doch nur die Freude. Wenn ich nicht aufpasse, öffnet sich eine Tür, und es kommt etwas hinein. Und es startet mit diesem an sich harmlosen Gefühl.
Ich bin mir sicher, jeder von euch könnte noch viele Beispiele bringen, wo ein Gefühl da ist und sich irgendwann verselbständigt hat – auf eine ganz schlechte Weise. Da war ich traurig, und irgendwann war ich nicht nur traurig, sondern bitter. Das Gefühl, sich nicht in alles einmischen zu müssen – ein gutes Gefühl – kann sich zu einem Ich-drehe-mich-nur-noch-um-mich-selbst-Gefühl entwickeln. Das ist interessant.
Also es geht einfach nur zwei Schritte weiter, und plötzlich ist es falsch. Oder das Gefühl, sich schuldig zu fühlen – das geht ganz schnell. Da wird aus einem „Ich fühle mich schuldig“ ein „Ich schiebe meine Schuld anderen in die Schuhe.“ Es geht ganz schnell. Ich brauche nur ein bisschen lange, mich schuldig zu fühlen, und dann will ich das nicht mehr. Dann geht es einfach einen Schritt weiter.
Was will ich sagen? Gefühle sind an sich nicht gut oder böse, aber sie taugen nicht als Fundament für mein Leben. Sie sind nicht objektiv – das war der erste Punkt. Jeder fühlt irgendwie anders. Aus Gottes Perspektive sind sie oft falsch. Und wenn ich nicht aufpasse, verführen sie mich zur Sünde.
Fazit:
Fazit: Gottes Wort als Fundament für ein gesegnetes Leben
Also, du willst ein wackeliges Leben? Dann baue dein Leben auf Gefühle auf. Tu so, als wären deine Gefühle Wahrheit, und als wäre es Weisheit, ihnen zu folgen. Das ist das, was dabei herauskommt: ein Leben, das in sich zusammenfällt und im besten Fall noch andere Leben mit sich reißt.
Deswegen auch der Titel der Predigt heute: gesegnet. Weil ich kein Spielball meiner Gefühle sein muss. Ihr Lieben, wir finden bei Gott Weisheit. Wir finden Weisheit, um unser Leben klug zu leben. Und genau das, diese Weisheit, ein Leben klug zu leben, das ist das, was mir der Zeitgeist nicht geben kann und nicht geben will.
Ich habe das letzte Woche schon gesagt, und ich wiederhole mich gern: Diese Welt, in der wir hier leben, legt es nicht darauf an, dass wir glücklich werden. Aber Gott tut das schon. Deshalb muss das Fundament unserer Lebensentscheidungen, das Fundament, das hier sein: das Wort Gottes. Das muss unten stehen.
Erfolg hat der, der über Gottes Wort nachdenkt und von Gott lernt, was wirklich Weisheit ist. Und eben nicht nur so eine Bauernschläue oder die Tricks der Persönlichkeitscoaches und Selbstoptimierer, auch nicht das, was man in irgendeiner Illustrierten aufschnappt oder in irgendeinem Blog liest. Wir brauchen Gottes Wort. Gottes Weisheit muss das Fundament sein.
Du willst Erfolg in deinem Leben? Und ich glaube, wir wollen ihn alle. Dann glaube, was in Psalm 1 steht. Ich weiß, die Verse sind abgedroschen, und viele werden sie wahrscheinlich schon auswendig wissen. Aber ich lese sie noch einmal vor:
Glücklich der Mensch, der nicht folgt dem Rat der Gottlosen, den Weg der Sünder nicht betritt und nicht im Kreis der Spötter sitzt, sondern seine Lust hat am Gesetz des Herrn und über sein Gesetz sinnt, also tief nachdenkt, Tag und Nacht. Er ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit und dessen Laub nicht verwelkt. Alles, was er tut, gelingt ihm.
Denk nach über die Bibel und lerne, die unterschiedlichen Situationen deines Lebens von der Bibel her zu beurteilen. Hab Überzeugungen, die ihren Ursprung in Gottes Wort haben.
Umgang mit Gefühlen: Wissen, Tun und Anpassung
Gönne dir – ich meine das wirklich so: Gönne dir, deinen Gefühlen zu misstrauen und dir immer wieder die Frage zu stellen: Wie würde Gott die Situation beurteilen, in der ich mich gerade befinde? Wozu würde er mir raten?
Auch dieses abgedroschene "What would Jesus do?" passt an dieser Stelle ja: Was würde Jesus jetzt tun? Es schadet auch nicht, reife Christen zu fragen, was sie denken. Das ist das Fundament.
Dann kommt der zweite Schritt: die Tat. Um es ganz deutlich zu sagen: Ich tue nicht das, was mir emotional oder intuitiv in den Sinn kommt, sondern ich halte mich bei dem, was ich tue, möglichst genau an das, was Gottes Wort sagt. Ein Stück weit blende ich mein Gefühl bewusst aus, um erst einmal mit einem kühlen Kopf nachdenken zu können und das zu tun, was richtig ist – egal wie es sich anfühlt.
Der Clou ist: Ganz oft fühlt sich das, was ich dann tue, erst einmal falsch an. Aber das ist mir einfach mal egal – dass es sich falsch anfühlt, wenn ich das Richtige tue. Das liegt an der Natur der Gefühle. Gefühle reagieren auf das, was ich tue. Bitte merkt euch das: Gefühle reagieren auf das, was ich tue.
Ich mache euch mal ein ganz praktisches Beispiel aus meinem Leben, weil ich das Gefühl kenne. Ich bin neidisch auf jemanden, sagen wir mal, weil es ihm leichtfällt, Menschen für sich zu gewinnen. Und ich bin vielleicht jemand, der sich mit neuen Freundschaften schwer tut. Er ist einer, der Menschen einfach so für sich gewinnt. Es gibt solche Typen, die haben ein Charisma, da stehst du daneben und denkst dir: Wow, keine Ahnung, wie du das machst, aber den Leuten fliegst du einfach zu.
Was mache ich jetzt? Ich merke, ich bin neidisch. Ich sage euch, was ich tue: Ich fange an, mich mit ihm zu freuen, ihm zu sagen, wie toll ich seine Gabe finde, im Gebet Gott für diese Stärke zu danken und ihn im Weisen anderer zu loben. Und wisst ihr was? Wenn ich das tue, fühlt sich das völlig falsch an. Ich bin ja neidisch.
Aber wenn ich das eine Zeit lang tue – wie gesagt, Gefühle sind blöd –, passen sie sich an. Sobald die Gefühle merken: „Oh, der verhält sich ja gar nicht wie einer, der neidisch ist“, dann werden die neidischen Gefühle verschwinden. Nicht von heute auf morgen, das mag einen Moment dauern, aber es ist so.
Die Gefühle merken, wie ich mich freue, und Stück für Stück kommen die Gefühle so ein bisschen hinterher. Das geht von Neid über weniger Neid, über neutral hin zu leichter Freude. Und vielleicht kann ich irgendwann wirklich begeistert davon sein, dass da einer ist, der eine Gabe hat, die ich nicht habe, die ich gerne hätte und sehe, was er daraus macht.
Aber es braucht eine Weile. Also ganz wichtig: Gefühle sind blöd, und Gefühle kommen mit dem, was du tust. Wenn du die richtigen Dinge tust, kommen auch die richtigen Gefühle.
Ich beurteile jede Situation meines Lebens aus Gottes Perspektive, jedenfalls soweit ich sie schon verstehe. Und ihr merkt, wenn das das Fundament ist, wie wichtig es ist, die Bibel gut zu kennen – das, was Katrin am Anfang sagte: eine zerlesene Bibel zu haben, wow!
Es schadet nicht, Bibelverse auswendig zu wissen oder zumindest sich Stellen herauszuschreiben, um zu wissen, wo man nachschlagen muss. Wenn du sagst, ich bin nicht so gut im Auswendiglernen, dann ist es trotzdem wichtig, das zu tun, was Gott mir rät, auch wenn es sich oft komisch anfühlt.
Identität und Entscheidung jenseits der Gefühle
Und jetzt kommen Leute und sagen: „Aber Jürgen, wenn ich das tue, also wenn du für jemanden dankst, aber eigentlich immer noch neidisch bist, bist du dann nicht unaufrichtig?“ Nein, bin ich nicht.
Wenn du denkst, ich bin unaufrichtig, nein, ich bin nicht unaufrichtig, wenn ich etwas tue, was richtig ist, obwohl mein Gefühl in mir dagegen ist. Warum? Na ja, ich bin nicht mein Gefühl. Das ist ganz wichtig. Ich bin nicht mein Gefühl.
Mein Gefühl ist nur ein Vorschlag, wie man die Situation, in der ich aktuell stecke, beurteilen könnte. Mehr ist das nicht. Mein Gefühl ist ein Vorschlag, wie man eine Situation beurteilen könnte. Aber wir wissen ja schon: Gefühle sind nicht objektiv, häufig falsch und haben die Tendenz, von der falschen Seite beeinflusst zu werden.
Also ich bin nicht mein Gefühl, du bist nicht dein Gefühl. Du bist – und das ist jetzt wichtig – die Entscheidung, die du triffst. Bitte vergiss das nicht: Du bist die Entscheidung, die du triffst.
Wir leben in einer Welt, die uns weismachen möchte, dass unsere Gefühle irgendwie widerspiegeln, wer wir wirklich sind. Quatsch, ganz großer Quatsch. Wisst ihr etwas, was man mit Kaffee, zu wenig Schlaf, Neuroleptika oder durch eine Monatsblutung beeinflussen kann? Gefühle spiegeln niemals, wirklich niemals wider, wer ich wirklich bin.
Du bist die Entscheidung, die du triffst. Deshalb sieht man an deinen Taten auch, wer du bist, wer du wirklich bist. Denn unsere Taten spiegeln unsere Entscheidungen wider. Und wenn wir die richtigen Entscheidungen lange genug treffen, dann verspreche ich euch, wird Folgendes passieren: Unsere Gefühle werden sich anpassen.
Die sind blöd, glaub mir. Du machst lange das Richtige, und irgendwann werden die sagen: Okay. Deswegen kann Jesus sagen: „Fürchtet euch nicht“, weil er genau weiß, wenn du zehnmal die Angst runterschluckst und da, wo du am liebsten den Mund halten würdest, diesem Kloß im Hals irgendwie loswirst und dann sagst: „Ich bekenne jetzt trotzdem Jesus“, wird beim elften Mal das Gefühl sagen: Okay, hat zehnmal nichts gebracht, heute lasse ich dich ein bisschen in Ruhe, es wird leichter.
Und vielleicht kommt irgendwann eine Freude, dass du sagst: Wow, ich darf Zeuge Jesu sein. Das mag eine Weile dauern, aber es kommt definitiv nach.
Fragen zum Weiterdenken und Ermutigung
Zum Schluss drei Fragen zum Weiterdenken.
Erste Frage: Wo lebe ich nach meinen Gefühlen und nicht nach Gottes Wort? Gibt es Bereiche, in denen ich merke, dass meine Gefühle bestimmen, was ich tue? Wenn dir dazu nichts einfällt, fang einfach an zu beten. Das ist oft eine gefährliche Angelegenheit, denn Gott könnte dir etwas zeigen. Oder frage gute Freunde.
Zweite Frage: In welchen Situationen bin ich überfordert und merke, dass mir Weisheit fehlt? Vielleicht weiß ich noch nicht, was Gott dazu denkt, oder ich kenne seine Gedanken, aber weiß nicht, wie ich sie umsetzen soll. Wo sind solche Bereiche? Identifiziere sie, packe sie an, hole Freunde dazu und bete darüber.
Dritte und letzte Frage: Wen könnte ich mit meinen Erfahrungen zu diesem Thema ermutigen? Stellt euch vor, wir machen alle solche Erfahrungen: Wir geraten in schwierige Situationen, denken darüber nach und stellen fest, dass das, was wir zuerst gefühlt haben, eigentlich nicht richtig war. Die Bibel sagt etwas ganz anderes. Also entscheiden wir uns, das zu tun, was die Bibel lehrt. Dann erleben wir plötzlich, wie sich unsere Gefühle Stück für Stück verändern.
Das ist eine großartige Erfahrung. Es ist genial zu merken, dass ich nicht von meinen Gefühlen beherrscht werde, sondern dass ich derjenige bin, der seine Gefühle auf der Grundlage von Gottes Wort kontrolliert. Wo habe ich so etwas erlebt? Wen kenne ich in der Gemeinde, den ich mit meinen Erfahrungen ermutigen könnte? Wo sehe ich Geschwister, die sich in ihren Gefühlen verrennen und denen ich helfen könnte?
Das wäre die dritte Frage. Bis dahin, habt Spaß. Amen.
