
Lukas 10,38-11,13: "Gebet und Bibellesen: Reden zu und Hören auf Gott"
Lukas 10,38-11,1314.06.2010
Serie•Teil 24 / 53Lukas-Evangelium
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Ein Leben unter wachsendem Druck
Ich bin bei diesem Thema mit dem Auf und Ab, mit dem Herzschlag. Ich glaube, viele von uns können da mit einstimmen.
Wir merken, dass das Leben gerade in den letzten Jahren schwerer geworden ist. Persönlich glaube ich, dass Gemeinden, gerade Gemeinden, die mit vielen ehrenamtlichen Leuten arbeiten, immer mehr unter diesen Druck geraten. Das ganz normale Leben wird immer mehr zum ganz normalen Wahnsinn. Man hat irgendwie den Eindruck: Vor zehn, fünfzehn Jahren war das alles entspannter. Da hat man alles noch leichter unter einen Hut gebracht. Aber heute wird es irgendwie immer noch komplizierter, und man weiß gar nicht, wo man hinschauen soll.
Irgendwie wird alles komplizierter. Ob ich mir ein Handy kaufen will, das ist schon ein Akt geworden. Ich weiß noch, wie ich die Wahl hatte zwischen einem Tastentelefon und so einem Ding mit Wählscheibe, wo es einen Anbieter und zwei Farben gab. Damit konnte man telefonieren, und das war relativ einfach. Es hat wenig Gehirnkapazität gekostet. Das war in den Siebzigern, ein Telefon zu kaufen. Heute muss ich ganz ehrlich sein: Es ist mir zu viel. Heute mache ich das so, dass ich einen Freund frage und sage: Du, ich will das, das und das. Schreib mir auf, welches Modell. Ich kann mich nicht mehr einarbeiten. Das geht einfach nicht. Sorry, ich werde ja auch älter. Ich habe so begrenzte Gehirnkapazitäten, und irgendwann muss ich mich entscheiden.
Der nächste Punkt, den, denke ich, auch viele Leute erleben, und mir geht es auch nicht anders: Wir erleben Niederlagen im Leben. Es ist mal ein Auf, und das ist mal ein Ab. Persönlich geht es mir so, dass ich mich im Moment irgendwie weiter unten fühle, nicht so weit oben. Weil ich sehe, wie Arbeit, in die ich zehn Jahre investiert habe, gerade dabei ist zu zerbrechen. Wie ein paar Freunde, die mir viel bedeuten, ihren Glauben weggeworfen haben. Wie ich körperlich gerade angeschlagen bin. Wie ich mir die Frage stelle, rückblickend auf die letzten Jahre: Wie soll es weitergehen?
Ich bin sicher, das ist eine Frage, die gerade ganz viele Leute beschäftigt. Wie kriegen wir die nächsten zehn Jahre bei dem, was da vor uns liegt? Wo das Wort Wirtschaftskrise lange etwas war, bei dem wir gesagt haben: Das geht uns eigentlich nichts an. Und wir merken so allmählich: Wisst ihr, was eine Garotte ist? Ein mittelalterliches Folterinstrument, das man hier um den Kopf gelegt hat. Dann dreht man es langsam zu. Am Anfang spürt man da noch gar nichts, und irgendwann kommen die Augen und Äpfel raus.
Ich habe den Eindruck, dass wir uns gerade in so einer Lebenssituation befinden, auch in Deutschland. Wir dachten immer, das geht uns alles nichts an. Das werden wir irgendwie packen, das ist nicht unser Thema. Wir haben so einen hohen Lebensstandard. Einfach Augen zu und durch. Sollen die woanders sich doch darum kümmern. Und langsam wird die Schraube zugedreht, und wir merken es Stück für Stück. Persönlich denke ich, die Frauen merken es ein Stückchen zuerst, und dann kriegt der eine es weg, und der andere weg.
Und wenn ich nur anschaue, was in meinem engeren Bekanntenkreis von sogenannten Vollzeitlern, von Leuten, die sich wirklich für den Herrn hingeben, in den letzten Jahren an Burnout, an Autoimmunerkrankungen, aber auch an ganz hässlichen Sachen wie Ehebruch gelaufen sind, wo ich merke: Leute brechen einfach weg. Dann merke ich, dass wir in einer Welt leben, die uns mehr und mehr überfordert und wo wir fast nicht mehr wissen, wie wir uns einrichten sollen.
Der große Zusammenhang im Lukas-Evangelium
Von daher nun Lukas-Evangelium, der nächste große Block. Wir hatten uns mit der Frage beschäftigt, was es heißt, Nachfolger zu sein, und ich möchte den nächsten großen Block, das wird Lukas 10,38 bis Kapitel 11,26 sein, in den nächsten Predigten mit euch besprechen.
Das Spannende ist, dass dieser Block ein Thema hat, das auf die eben gestellte Frage eigentlich wie die Faust aufs Auge passt. Das große Thema in diesem Block im Lukas-Evangelium lautet: Prioritäten.
Denn eines ist uns ja wohl klar: In dem Moment, wo der Druck zunimmt, müssen wir uns überlegen, was wirklich wichtig ist. Wenn ich das so sage, dass ich mir keinen Kopf mehr mache, welches Handy ich mir kaufe, schreib mir auf, und ich kaufe das, es ist mir einfach egal, dann bringe ich damit zum Ausdruck: Es ist mir nicht mehr wichtig.
In dem Maß, wie die Zeit enger wird, müssen wir uns die Frage stellen, was die wirklich wichtigen Prioritäten im Leben sind. Und die Frage beantwortet uns Lukas, und zwar aus zwei verschiedenen Perspektiven, eigentlich aus drei Perspektiven.
Einmal aus der Perspektive derer, die ihre Prioritäten richtig setzen. Damit wollen wir heute anfangen. Dann werden wir weitermachen und uns Leute anschauen, die falsche Prioritäten gesetzt haben. Das werden insbesondere die Pharisäer und die Schriftgelehrten sein, die uns da begegnen. Und am Ende werden wir uns die Frage stellen, welche Priorität für Menschen am wichtigsten ist, die Gott noch gar nicht kennen, nämlich Buße.
Damit endet dieser große Block in vier oder fünf Predigten, dann wollen wir mal sehen. Heute: Prioritäten für Gläubige.
Und wir starten in Lukas 10,38-42. Und ich dachte mir: selten einen Text gepredigt, der einfacher ist. Also, es ist wirklich so einer dieser Texte, wo du einfach sagst: einmal durchlesen, und du weißt, wo der Knackpunkt liegt. Und ich verspreche euch, dass ihr bis zum Rest eures Lebens an diesem Knackpunkt arbeiten werdet.
Es ist so schön, auf der einen Seite so kindersimpel, wirklich. Ja, es springt dich förmlich an, die Geschichte von Martha und Maria. Ich lese sie mal vor:
Lukas 10,38-42: Es geschah aber, als sie ihres Weges zogen, Jesus ist mit seinen Jüngern unterwegs, dass er in ein Dorf kam; und eine Frau mit Namen Martha nahm ihn in ihr Haus auf. Und diese hatte eine Schwester, genannt Maria, die sich auch zu den Füßen Jesu niedersetzte und seinem Wort zuhörte. Martha aber war sehr beschäftigt mit vielem Dienen. Sie trat aber hinzu und sprach: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester mich allein gelassen hat zu dienen? Sage ihr doch, dass sie mir helfe. Jesus aber antwortete und sprach zu ihr: Martha, Martha, du bist besorgt und beunruhigt um viele Dinge; eins aber ist nötig. Maria aber hat das gute Teil erwählt, das nicht von ihr genommen werden wird.
Die Geschichte von zwei Schwestern
Die Botschaft ist simpel, oder? Wir stehen am Anfang eines Riesenblocks, in dem wir uns immer wieder mit der Frage beschäftigen müssen: Wie ordne ich meine Prioritäten?
Und die erste Geschichte schon, ihr wisst ja schon, die ersten Geschichten in einem Block spielen dann immer eine grössere Rolle. Schon das erste Ereignis, das uns Lukas hier beschreibt, macht völlig klar: Es gibt keine Sache, die wichtiger wäre, als sich zu den Füssen Jesu zu setzen und ihm zuzuhören. Ganz simpel.
Auch völlig logisch: Wenn es einen Schöpfer gibt und wenn Gott, der Schöpfer, zu mir reden will, dann sollte es meine erste Pflicht und auch irgendwie meine erste Freude sein, ihm zuzuhören.
Wenn wir jetzt über Martha nachdenken, dann begegnen wir bei Martha einer Frau, einer wirklich geistlich auch fitten Jüngerin. Ihr müsst mal Johannes 11 zu dem Thema lesen. Also, das ist niemand, der so gar keine Ahnung hat von Jesus. Und von ihr wird gesagt, in Vers 40, dass sie sehr beschäftigt war.
Und ich kann mir das so vorstellen: Jesus kommt in das Dorf, und Martha hört das. Jesus kommt! Mann, oh Mann, oh Mann! Und ich stelle mir Martha vor, manchmal wie meine Frau, wenn sie hört: Heute Abend ist Kleingruppenleiter-Treffen bei uns. Da muss ich aber das Wohnzimmer noch durchsaugen. Das sind nur Männer, die da kommen, ich bin mir da nicht so sicher, wenn ich ehrlich bin. Aber das Wohnzimmer wird durchgesaugt. Ich habe es völlig aufgegeben, an dieser Stelle eine Argumentation zu führen.
Martha nicht anders, ja? Jesus, ich muss noch einkaufen, wir müssen kochen, backen, wo sollen die ganzen Jünger schlafen? Da müssen wir noch ein paar Decken organisieren. Da muss all das noch getan werden, was da eben dazugehört.
Du kannst dir vorstellen: Jesus kommt ja nicht alleine. Er klopft nicht an und sagt nur: Hallo. Sondern der hat immer seine zwölf Jungs hintendran und noch so ein paar mehr. Du hast die Hütte voll. Du schaust in deinen Kühlschrank und sagst: Ist ja schön, aber nur gut, dass Kaufland bis, was weiss ich, 22, 24 Uhr auf hat. Da kann man schnell noch mal hinfahren.
Das ist Martha. Ich bin mir sicher, Martha hätte sich auch gern hingesetzt wie Maria und hätte sich mit Jesus unterhalten. Aber ich denke, sie hat einfach ganz klare Vorstellungen davon, was es heisst, eine gute Gastgeberin zu sein. Und wenn du sie gefragt hättest, hätte sie gesagt: Weisst du, Liebe hat einfach etwas mit praktischem Dienen zu tun. Arbeit kommt vor dem Vergnügen. Das muss man jetzt einfach mal durch, das muss man jetzt einfach mal so machen.
Und als Maria sich dann hinsetzt, um zuzuhören, heisst es in Vers 39, dass sie sich auch zu den Füssen Jesu niedersetzte. Das kleine Wörtchen auch zeigt: Sie hat nicht nur da gesessen, sondern sie hat mitgearbeitet und irgendwann entschieden, sich auch hinzusetzen und zuzuhören.
Sie sieht das, und als sie das mitbekommt, war Maria in den Augen von Martha selbstsüchtig, prinzipienlos, so ein Stückchen unfair. Immerhin muss Martha jetzt für zwei arbeiten. Und Martha erwartet von Jesus, dass er Maria zurechtweist. Und als Jesus das nicht tut, da fängt Martha nicht an, darüber nachzudenken: Könnte in meinen Prioritäten etwas falsch laufen? Sondern was tut sie? Sie geht zu Jesus und macht ihm einen Vorwurf: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester mich allein gelassen hat zu dienen.
Wenn das Dringende das Wichtige verdrängt
Spannend, oder? Ich überlege nicht, ob meine Prioritäten richtig sind, sondern ich denke immer, dass meine Prioritäten richtig sind. Das ist ein eingebauter Fehler. Wir glauben immer, dass unsere Prioritäten richtig sind.
Wir machen lieber Jesus erst einmal einen Vorwurf. Herr Jesus, wie kannst du es zulassen, dass ich so viel arbeiten muss? Warum hilfst du mir nicht? Bevor wir anfingen, darüber nachzudenken, unsere Prioritäten zu überprüfen?
Und hätte Martha sich fürs Zuhören Zeit genommen, dann hätte sie vielleicht früher verstanden, was in den Augen des Herrn Jesus das Wichtigste ist. Jesus ist nicht gegen hingebungsvollen Dienst. Nur ist er nicht mehr lange da. Er ist nur auf der Durchreise, kurze Zeit bei Maria und Martha. Er ist auf dem Weg nach Jerusalem, um dort zu sterben. Die Zeit ist begrenzt. Dieses ganze aufwendige Bewirten passte einfach nicht.
Manchmal ist die Fertigpizza besser und richtiger als das Dreigängemenü, und zwar dann, wenn Jesus mit mir reden möchte und die Zeit knapp ist. Und die Übertragung, ihr merkt, ist ganz simpel: Wir sind genauso auf einer Reise. Erzähl mir nicht, dass dein Leben lang ist. Also, das mögen alle glauben, unter zwanzig und vielleicht unter dreißig. Ich stelle gerade mit über vierzig fest: Mann, oh Mann, oh Mann, ja, es geht dem Ende entgegen.
Und nicht nur, weil es irgendwie knackt und quietscht, sondern weil man einfach rechnen kann. Weil man dieses Gefühl hat, wie sich vierzig Jahre anfühlen. Und weil ich weiß: Wenn ich das noch einmal fühle, ist es vorbei. Und dann muss ich schon aus meiner Familie kommend alt werden, weil die Männer in meiner Familie mit Anfang siebzig sterben. Das ist plötzlich für mich eine greifbare Größe geworden. Ja, es ist nicht mehr so dieses Irgendwann mal.
Ich schaue zurück: Unser Leben ist tatsächlich kurz, und wir müssen Entscheidungen treffen. Und das, was uns dieser Text hier, was uns Lukas deutlich machen möchte in der Zusammenstellung der Ereignisse, ist, dass sich die Dinge des Lebens nicht automatisch nach ihren wahren Prinzipien, nach ihren wahren Prioritäten ordnen.
Und ganz oben, die wichtigste Priorität, die Lukas uns vorstellt, ist, zu den Füßen Jesu zu sitzen und ihm zuzuhören. Ich bin mir ganz sicher: Wenn wir das nicht tun, und ich sage das bewusst in eine Zeit hinein, wo wir alleine durch unsere Lebensumstände immer mehr unter Druck geraten, wo die Gefahr besteht, dass wir das wirklich Wichtige aus dem Blick verlieren, weil das scheinbar Dringliche, das, was ich jetzt aber auch heute noch machen muss, mit so einer Wucht über mich hereinbricht, dass ich irgendwann sage: Ich schaffe das nicht mehr, das Wichtige.
Aber das ist das, was uns dieser Text beibringen will: zu überlegen, was wirklich wichtig ist. Und wirklich wichtig, damit wir unser ganzes Leben und die Prioritäten unseres ganzen Lebens in den Griff kriegen, ist, dass wir uns nicht vereinnahmen lassen von scheinbar dringlichen Pflichten, die uns von irgendwoher auferlegt werden, die uns langsam erdrücken und die uns langsam in eine Situation hineinbringen wie bei Martha, wo ich da stehe und sage: Herr Jesus, warum hilfst du mir eigentlich nicht?
Wo wir anfangen, Jesus über die Last unseres Lebens Vorwürfe zu machen und völlig vergessen, worauf es eigentlich ankommt. Völlig vergessen, dass das Wichtigste nicht immer das ist, was wir für das Wichtigste halten, sondern dass das Wichtigste da anfängt, wo wir zu den Füßen Jesu sitzen und ihm zuhören.
Hören, lesen und tun
Praktisch hat das damit zu tun, dass wir in der Bibel lesen, Predigten hören und über sein Wort nachsinnen. Dieses schöne Wort aus Psalm 1 möchte ich euch einmal vorlesen: Psalm 1,1-2. Da heißt es: Glücklich der Mann, der nicht folgt dem Rat der Gottlosen, den Weg der Sünder nicht betritt und nicht im Kreis der Spötter sitzt, sondern seine Lust hat am Gesetz des Herrn und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht.
Er ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit und dessen Laub nicht verwelkt. Alles, was er tut, gelingt ihm.
Wenn es eine Sache gibt, die ich in den letzten zwanzig Jahren, in denen ich Christ bin, gelernt habe, oder wenn es zwei Sachen gibt, dann ist das die eine davon. Die andere kommt noch. In dem Maß, wie wir auf Gottes Wort hören, und zwar wirklich hören, es lesen, tun und darüber nachsinnen, bis es Lebenswirklichkeit wird, in dem Maß werden wir unser Leben gut leben.
Und wenn ich über eine Sache traurig bin, dann darüber, dass Christen es heute verlernt haben, auf Gott zu hören. Ganz platt gesagt: Wir hören viele Predigten, weil wir gewohnt sind, in den Gottesdienst zu gehen. Aber dieser nahe Umgang mit Gott, dieses Lesen, um es zu tun, da ist uns etwas verloren gegangen. Und das mag euch vielleicht nicht so betreffen, aber in der evangelikalen Welt ist da etwas verloren gegangen.
Ich merke das bei ganz praktischen Themen wie Kindererziehung oder wenn es darum geht, mal Pause zu machen. Über solche Themen predige ich dann, und Leute sagen mir: Wow, das steht in der Bibel! Und ich denke mir: Ja! Das steht in der Bibel. Da steht drin, wie man Kinder erzieht. Da steht drin, dass man mal Pause machen muss. Und da stehen noch andere gute Themen drin.
Ich weiß nicht, ob ihr euch den Frust eines Predigers vorstellen könnt, der regelmäßig betet und predigt, dass man seine Sorgen zum Beispiel abgeben soll. Das steht in der Bibel. Wenn du Sorgen hast, gib sie ab. Ich predige das regelmäßig, und ich treffe regelmäßig auf Christen, von denen ich weiß, dass sie meine Predigten gehört haben. Sie sind voll mit Sorgen. Und wenn ich frage: Wann hast du das letzte Mal deine Sorgen abgegeben? Dann kommt: Ja, ich habe schon lange nicht mehr gebetet.
Okay, warum? Weil, wenn das Leben auf uns einstürzt, die natürliche Tendenz nicht ist: Ich habe mehr Probleme, was macht man mit Problemen? Zack. Es ist ein bisschen mehr ein Frauenproblem, glaube ich. Sondern wir umarmen Probleme. Meins, mein Schatz!
Ja, wann hast du das letzte Mal, wenn ein Problem kam? Und es ist so simpel. Es ist ein Bibelvers, ein Bibelvers in Philippa 4,6. Es ist ein simpler Bibelvers. Du kannst ihn auswendig lernen innerhalb von drei Minuten. Er ist eingängig. Er hat keine grammatikalischen Schwierigkeiten. Er meint, was da steht. Wenn du Sorgen hast, gib sie mit Danksagung bei Gott ab. Punkt. Simple.
Das würde ich mir wünschen: dass Leute sich zu den Füßen Jesu setzen, das lesen und sagen: Das werde ich in Zukunft immer tun. Die nächste Sorge, zack. Sorge, zack. Ich weiß ja, dass die Sorgen morgen früh wieder da sind, deswegen muss ich sie morgen wieder rausschmeißen. Das ist immer so ein bisschen wie Müllabfuhr, die kommt auch jede Woche. Aber so funktioniert es halt.
Wir setzen uns zu den Füßen Jesu, wir hören zu und wir wollen das umsetzen. Das ist unsere höchste Priorität. Und deswegen ist reifes Christsein auch reifes Hören auf Gott.
Und es ist klar: Wenn wir sagen, das Wichtigste im Leben eines Christen, eine äußerste Priorität, besteht darin, auf Gott zu hören, dann ist wahrscheinlich die zweite Priorität was? Richtig, mit Gott zu reden. Das ist ja keine Einbahnstraße. Wir sind ja nicht so ein kleines Rädchen in einem geistlosen Universum, das sich wie in so einer Uhr einfach irgendwie dreht. Wir leben in einer lebendigen Beziehung mit Gott. Wir hören auf ihn und wir reden mit ihm. Wir sind dazu geschaffen, in einer lebendigen Beziehung mit Gott zu leben.
Das Gebet als Antwort auf Gottes Nähe
Kapitel 11, Vers 1: Und es geschah, als er an einem Ort war und betete, da sprach, als er aufhörte, einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte.
Nächstes Thema: Gebet.
Herr, wir würden das gerne lernen. Wir merken, wie viel Zeit du im Gebet verbringst. Spannende Sache: Wir merken, wie viel Zeit du im Gebet verbringst. Und wir würden gerne so beten können, wie du betest. Und Jesus gibt ihnen ein Muster, Verse 2 bis 4: Er sprach aber zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Unser nötiges Brot gib uns täglich. Und vergib uns unsere Sünden, denn auch wir selbst vergeben jedem, der uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung.
Das ist ein Muster. Man betet das nicht nach, sondern man überlegt, was Jesus hier zum Ausdruck bringen will. Und er gibt uns eine Reihenfolge. Er sagt: Zuerst kommt Gott, und zwar: Sein Name werde geheiligt. Mit dem Namen ist in der Bibel die Person gemeint und sein Charakter, das, was Gott auszeichnet. Und wenn wir Gott heiligen, dann ehren wir ihn. Und wir überlegen uns, und das gehört an den Anfang eines Gebetes, wer Gott ist. Und wir sagen ihm, wie sehr wir ihn schätzen, wie sehr wir ihn für unser Leben brauchen, was er uns bedeutet. Es ist eine Liebeserklärung, die an den Anfang eines Gebets gehört.
Und da, wo das gesprochen wird, dann kommt Gottes Reich, dann kommen die Anliegen, die Gott betreffen. Dann kann man ein bisschen nachdenken: Was ist Gott eigentlich in dieser Welt wichtig? Ich finde das fantastisch, was du von dem Gebetsfrühstück sagtest. Unser Blick bleibt oft beschränkt auf unsere Familie oder vielleicht noch auf unsere Gemeinde, vielleicht noch, wenn man sehr weit zieht, dann noch so ein bisschen auf die evangelistischen Kontakte in dem Ort, wo wir sind. Aber lasst uns einen Schritt zurücktreten, lasst uns unser Volk sehen, lasst uns die Entwicklungen sehen, die in der Christenheit laufen.
Das Reich Gottes ist größer als unser Horizont, und du wirst nie an ein Ende kommen, all das zu beten, was dir da einfällt. Aber starte irgendwo und baue dir deine Gebetsanliegen zusammen, dass du sagst: Da trete ich in diesen Gebetskampf ein. Und wenn du das getan hast, und ich verspreche dir auch da: Wenn du reif wirst, dann ist das auch ein reifes Beten. Du wirst für mehr Sachen beten, du wirst im Alter mehr Zeit zum Beten brauchen. Das ist nicht in, und jetzt entschuldigt, wenn ich das sage, in zwanzig Minuten erledigt. Du wirst Zeit brauchen. Du wirst Dinge vor den Thron Gottes bringen, weil du die richtige Motivation hast. Welche es ist, werden wir gleich sehen.
Und erst dann, wenn wir an dieser Stelle Gottes Reich wirklich mal vor Gott gebracht haben, dann kommen wir mit unseren eigenen, persönlichen und familiären Problemen. Dann bitten wir um Vergebung. Auch das ist ein Gebet, das heute arg vernachlässigt wird. Und wenn wir dabei sind, um Vergebung zu bitten, dann können wir auch gleich Vergebung gewähren. Denn wenn wir etwas ausgefressen haben und es bei Gott vergeben bekommen haben wollen, dann haben wir wohl kein Recht, das anderen Leuten vorzuhalten. Und wir beten darum, dass Gott uns vor dem Bösen bewahrt.
Eigentlich möchte ich jetzt sagen: So simpel ist Christsein. Diese ganz billige Botschaft, die läuft wirklich jetzt auf Kinderstunden-, auf Kindergottesdienstniveau. Lies deine Bibel, höre auf das, was Gott dir zu sagen hat, und bete.
Irgendwoher weißt du, dass es Gott gibt, was mich immer wieder fasziniert. Und vielleicht hätte ich in euch mitbringen sollen. Hm, ich glaube, ich habe euch schon mal gezeigt, ist dieser kleine gelbe Zettel, wo meine persönlichen Gebetsanliegen draufstehen, Dinge, für die ich jeden Tag bete. Da stehen meine persönlichen Charakterdefizite drauf.
Ich schaue mir an, was die Bibel sagt. Da steht, wie sollen wir werden. Da steht zum Beispiel die Frucht des Geistes: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Disziplin. Da schaue ich mein Leben an. Liebe, vier minus. Freude, naja, okay, drei. Drei bis vier. Friede, okay, mich interessieren Menschen nicht so sehr, da bin ich besser.
Ihr geht das durch und ihr merkt: Wow, wie ist es wirklich in deinem Leben um die Dinge bestellt, die Gott in deinem Leben sehen will? Obwohl ich dafür bin, dass du Bibelferse auswendig lernst, ihr wisst das. Es geht nicht um die Frage, wie viele Bibelferse du lernst. Es geht um die Frage, inwiefern du es zulässt, dass der Geist Gottes dich in das Bild Christi verwandelt, inwiefern der Charakter Christi in deinem Leben sichtbar wird.
Ich finde es unglaublich dramatisch, wenn ich auf alte Menschen stoße, die eine ganz harte Ausstrahlung haben, wo ich denke: Mann, oh Mann, oh Mann, da gruselt es mich. Ich habe einen Prediger in Leipzig letztes Jahr erlebt, einen alten, weißhaarigen Endsiebziger, und der hat mich so fasziniert, dass ich zu ihm hingegangen bin und gesagt habe: Ich möchte nächstes Jahr mal dein Kofferträger sein. Kofferträger heißt, ich begleite ihn eine Woche, ich bezahle meine Kosten selber, ich möchte einfach Zeit mit ihm verbringen. Nur weil da jemand war, Ende siebzig, der hatte eine Ausstrahlung, wo ich dachte: Von dem kannst du was lernen.
Weil in seinem Leben haben sich diese Dinge, Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, entwickelt. Und deswegen stehen die auf meinem Gebetszettel jeden Tag für mich. Ich möchte lieber werden, freundlicher werden, friedvoller werden und so weiter. Ich möchte das werden. Und ich weiß am besten, wo ich herkomme. Ihr kennt mich ja noch gar nicht so lange. Und ich schaue auf diesen Zettel und ich sehe die Entwicklung, die mein Leben in den letzten Jahren gemacht hat. Und ich nehme das wahr. Ich nehme es wahr, dass wenn man fünf Jahre dafür betet, freundlicher zu werden, man freundlicher wird, dass Gott das tut, dass man, wenn man dafür betet, Liebe zu entwickeln, dass Gott einen den Weg führt, wo das passiert, dass da, wo man sagt, ich möchte geduldiger werden im Umgang mit Menschen oder nicht bitter, dass Gott das Stück für Stück für Stück verändert.
Ihr dürft mich nicht fragen, wie Gott das tut. Ich denke, die Bibel ist auch klar, dass wir das nie ganz herausfinden werden, weil es Gott, der Geist, tut in uns. Aber er verändert. Woher weißt du, dass es Gott gibt? Weil es diesen gelben Zettel gibt, wo all meine Charakterdefizite draufstehen, für die ich jeden Tag bete, und ich merke, dass über die letzten fünf, zehn, fünfzehn Jahre Schritt für Schritt für Schritt Gott mich verändert hat.
Das überzeugt niemanden, das ist mir klar. Es ist kein Gottesbeweis, der irgendwie für Evangelisation taugt. Aber wenn du mich vor zehn Jahren oder wenn du meine Frau vor zehn Jahren gefragt hättest, wie geht es dir in deiner Ehe, und wenn du sie heute fragst, wie geht es dir in deiner Ehe, dann liegt deine Welt dazwischen. Und ein Punkt ist der, dass Gott mir meine Bitterkeit und meine Lust auf Streit genommen hat.
Die Haltung des beharrlichen Bittens
Warum sollen wir beten? Weil Gott sagt, dass es eine Priorität Nummer eins ist.
Zwei Punkte noch zu diesem Thema: Jesus hat uns über das Was des Gebets schon etwas gesagt. Ich möchte noch über das Warum reden. Mit welcher Motivation sollen wir ans Gebet herangehen? Die Verse 5 bis 8 sind die erste Antwort.
Und er sprach zu ihnen: Wer von euch wird einen Freund haben und wird um Mitternacht zu ihm gehen und zu ihm sagen: Freund, leihe mir drei Brote, da mein Freund von der Reise bei mir angekommen ist und ich nichts habe, was ich ihm vorsetzen soll? Und jener würde von innen antworten und sagen: Mach mir keine Mühe, die Tür ist schon geschlossen, und meine Kinder sind bei mir im Bett. Ich kann nicht aufstehen und dir geben. Ich sage euch: Wenn er auch nicht aufstehen und ihm geben wird, weil er sein Freund ist, so wird er wenigstens um seiner Unverschämtheit willen aufstehen und ihm geben, so viel er braucht. Und ich sage euch: Bittet, und es wird euch gegeben werden; sucht, und ihr werdet finden; klopft an, und es wird euch aufgetan werden. Denn jeder Bittende empfängt, und der Suchende findet, und dem Anklopfenden wird aufgetan werden.
Das Bild ist uns erst einmal ein bisschen fremd: orientalische Gastfreundschaft. Jemand bekommt Besuch, in einer Zeit, bevor es große Kühlschränke und vor allem Tiefkühltruhen gab, wo du sagen konntest: Es ist mir völlig egal, wie viele heute Abend einfallen, ich habe Tiefkühlpizza bis zum Abwinken. Früher war die Zeit anders. Da kommt einer. Als Orientale möchtest du ihn bewirten, und du hast nichts mehr. Du gehst zu deinem Freund, du klopfst, und der sagt: Ey, wir haben hier einen großen Raum und ein großes Bett, und wir liegen da alle schon. Wenn ich jetzt aufstehe, werden die Kinder wieder wach. Du weißt, wie lange das dauert, bis die wieder einschlafen. Ich bin eh gerade froh, dass ich Ruhe habe.
Und er klopft weiter. Warum klopft er weiter? Weil er sagt: Ich lebe in einer Kultur, in der Gastfreundschaft einen ganz hohen Stellenwert hat. Das ist mir wichtig.
Warum sollst du beten? Weil Gebet eine dringliche Sache ist. Und deswegen darfst du auch, hier steht in Vers 8 das Wort unverschämt, unverschämt auftreten. Du brauchst keine Scham zu haben, weil das Anliegen, das du hast, richtig ist. Wir beten, weil wir um die Dringlichkeit wissen. Und deswegen beten wir auch nicht nur einmal, sondern, wie es in 9 und 10 heißt: bittet. Und für alle, die in unserem kleinen Hermeneutik-Zirkel sind: ein Präsens, ihr erinnert euch? Das heißt immer wieder, gewohnheitsmäßig, nicht nur einmal. Bittet, und es wird euch gegeben werden; sucht, und ihr werdet finden; klopft an, und es wird euch aufgetan werden.
Wenn du begreifst, was für einen Wert Gebet hat, dann wirst du auch tatsächlich immer und immer und immer wieder bitten. Wenn du das nicht glaubst, wirst du es nicht tun. Aber weißt du, dass es ganz, ganz viele Bereiche in deinem Leben gibt, die allein durch Gebet verändert werden können? Dass es ganz viele Dinge in deinem Leben gibt, wo allein Gebet überhaupt etwas voranbringen kann?
Glaubst du, dass die wichtigste Stellgröße in deinem Leben nicht dein Bankkonto ist, nicht dein Intellekt, ich sage mal, nicht deine innere Stärke, nicht so deine Persönlichkeit, sondern dass die wichtigste Stellgröße, auf die alles ankommt, dein Reden mit Gott ist? Dass du nichts, aber auch wirklich nichts aus eigener Kraft schaffen kannst, wenn Gott nicht seinen Segen dazugibt? Glaubst du das?
Ich ahne, dass die derzeitige Lage in Deutschland, dieses immer mehr unter Druck geraten, unseren Fokus immer weiter weg von Hören und vor allem weg vom Beten zieht. Und wir immer mehr darauf ausgerichtet werden: Wer bin ich? Was kann ich mit meiner Kraft jetzt noch schaffen? Dass wir immer mehr in dieses Martha-Syndrom kommen: schaffe, schaffe, Häusle baue. Immer mehr da reinkommen, was ackern, irgendwie das Ding am Laufen halten. Statt dass wir dahin gehen, wo wirklich effektiv etwas erreicht werden kann: im Gebet.
Ich weiß nicht, ob ihr das glauben könnt. Es gibt Phasen in meinem Leben, da kann ich es nicht glauben. Da wird mein Gebet schwach. Und dann muss ich es wieder neu lernen. Und das ist so ein Vers hier, der mir das zeigt. Dass wir beten, weil wir eine gewisse Dringlichkeit haben. Weil wir verstanden haben: Ich bin vielleicht der einzige, der für meinen Freund Karsten betet. Da gibt es vielleicht keinen anderen, der dafür betet, dass er zum Glauben findet, dass sich in seinem Leben Dinge entwickeln. Vielleicht bin ich der einzige, ich weiß es nicht.
Ich bin wahrscheinlich der Einzige, der jeden Tag für meine Töchter betet. Dass dieser Glaube, den sie haben, tief wächst, Wurzeln schlägt, stabil bleibt, dass sie ihren Lebensweg finden. Glaube ich daran, dass das Wichtigste, was ich für meine Kinder tun kann, darin besteht, jeden Tag für sie zu beten? Kann ich das wirklich glauben?
Es ist das, was der Text uns zeigen möchte. Das ist Priorität eins. Das ist das Wichtigste.
Und warum ist das so wichtig? Warum ist das so dringlich? Und warum ist es so richtig zu beten? Weil wir wissen, dass wir einen Vater im Himmel haben. Wir kennen den Charakter dessen, zu dem wir reden.
Und ich möchte an der Stelle einmal sagen: Ja, Gott ist einer, der nicht gleich oder meistens jedenfalls nicht, manchmal tut er das, aber meistens nicht, auf jedes einfach mal so flüchtig dahingesprochene Gebet gleich springt. Das ist nicht Gott. Gott möchte wissen, wie ernst wir das meinen. Gott möchte, dass wir auch mal zwei, drei, fünf, zehn Jahre im Gebet an einer Sache dranbleiben.
Ich habe es nie erlebt, dass Gott Gebet nicht erhört. Ich habe nur gemerkt, er hat seinen eigenen Zeitplan und er macht es zu seinen Konditionen. Das heißt auch manchmal, dass er Nein sagt. Das hört sich jetzt komisch an, aber auch das gehört dazu. Gott ist Gott. Und unsere Verantwortung ist, ihn als das zu sehen, was er ist.
Vertrauen auf den Vater im Himmel
Ich lese noch die Verse elf bis dreizehn:
Wo ist unter euch ein Vater? Denn wenn der Sohn um einen Fisch bitten wird, wird er ihm statt des Fisches doch nicht eine Schlange geben, oder auch wenn er um ein Ei bäte, wird er ihm doch nicht einen Skorpion geben? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater vom Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten?
Auch wieder so ist doch einfach, oder? Ein wirklicher Vater weiß einfach, was sein Kind sich an Weihnachten wünscht. Wenn ich mein Kind kenne, weiß ich, was es sich wünscht. Dann schaue ich halt einfach ein bisschen rum. Wenn ich, der ich ein Sünder bin, der ich böse bin, schon weiß, wie ich meinem Kind etwas Gutes tun kann, wie viel mehr der, der Inbegriff von Vaterschaft ist, nämlich Gott selbst.
Glaubst du wirklich, dass er uns irgendetwas vorenthalten will, irgendetwas Böses geben will? Glaubst du das? Ist das der Grund, warum du nicht betest? Betest du nicht, weil du glaubst, da oben ist ein Knauserer? Vielleicht ist es der Vater, den du selber hattest, mit dem du ganz schlechte Erinnerungen verbindest. Ist das dein Problem?
Wenn ja, dann möchte ich dir hier an dieser Stelle sagen: Du hast einen Vater im Himmel sitzen, der dich von Herzen gern hat und, wie es hier heißt, mit dem Heiligen Geist beschenken will.
Wir müssen das ein Stück weit verstehen. Wir befinden uns am Ende des alten Bundes. Jesus ist in so einer Übergangsphase. Und im Alten Testament gibt es so eine gigantische Verheißung, die findet sich zum Beispiel in Hesekiel 36 oder in Joel 3: dass Gott sagt, es wird eine Zeit kommen, da werde ich euch segnen in einem Maß, das könnt ihr euch überhaupt nicht vorstellen. Ich werde meinen Geist auf euch ausgießen.
Wir erleben das heute im Moment der Bekehrung, dass wir Gottes Geist erhalten. Für die Juden war das etwas Zukünftiges. Es war so die größte Verheißung dessen, was man sich irgendwie vorstellen konnte. Und was Jesus hier sagt, ist: Der größte Segen, den du dir vorstellen kannst, meinst du wirklich, dass Gott ihn dir vorenthalten will? Und die Antwort lautet: Nein.
Ich möchte euch ganz ehrlich sagen: Als Vater von zwei Töchtern werde ich mich krummlegen, damit meine Töchter die Ausbildung machen können, die sie sich wünschen. Ich weiß in dem einen oder anderen Fall noch nicht genau, wie das gehen soll, aber ich werde alles geben für meine Töchter, weil ich sie liebe. Ich werde nichts zurückhalten. Ich werde nicht sagen: Das geht jetzt nicht, obwohl ich es mir vielleicht leisten kann. Ich werde alles investieren. Ich liebe meine Töchter. Das ist das, was ein Vater tut.
Und wenn ich kein perfekter Vater bin, wenn ich schon so denke, nur weil ich ein bisschen Liebe zu meinen Töchtern habe, wie viel mehr Gott. Wie viel mehr wird er uns alles das geben, was wir für unser geistliches Leben und auch für unser ganz normales Leben brauchen, damit wir das nicht zu sehr vergeistigen.
Und ich glaube, wir haben eine Chance, als Christen in dieser Zeit einen Unterschied zu machen. Und da, wo diese Herzkurve mal hochgeht und dann wieder runtergeht, wo wir das in unserem eigenen Leben erfahren, dass sie runtergeht, da, glaube ich, wird der Unterschied, den wir machen, besonders deutlich. Weil man an der Stelle merken wird, dass wir die Prioritäten richtig setzen. Und weil wir die Prioritäten richtig gesetzt haben, auch da, wo wir, um mit Psalm 23 zu sprechen, durch das Tal des Todesschattens gehen, da, wo es mal richtig dunkel wird, wo du vielleicht auch den Eindruck hast, Gott schweigt, und wo du nicht weißt, wie wird das jetzt werden, wo du vielleicht ein Stück weit auch gar keine Lust mehr hast, darüber nachzudenken, über dein eigenes Leben.
An der Stelle haben wir die Chance, unsere Prioritäten richtig zu setzen und zu sagen: Ich werde darauf achten, dass, egal was hinten runterfällt, zwei Dinge nicht hinten runterfallen. Ich werde auf Gott hören. Ich werde in dieser Zeit besonders darauf achten, dass er zu mir spricht. Und ich werde mit Gott reden. Sei es, dass ich meine Sorgen abgebe, sei es, dass ich in diesen geistlichen Kampf eintrete, wo ich einer bin, der eine Verantwortung in dieser Welt hat, das Reich Gottes zu bauen. Und ich werde nicht aufhören, alles, was auf meiner Seele liegt, bei Gott abzugeben. Und ich werde an seiner Seite stehen und mit ihm das durchstehen.
Und das wünsche ich euch. Und wenn ihr merkt, dass ihr so ein bisschen wie Martha unterwegs seid, dass euch das alles zu viel wird und ihr schon langsam anfangt, Gott Vorwürfe zu machen, vielleicht wird es Zeit, ein bisschen mehr Maria zu werden und einfach still zu werden, euch hinzusetzen und zuzuhören. Auch wenn das bedeutet, dass das eine oder andere, was euch wichtig ist, dann auf der Strecke bleibt.
Amen.
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