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Apostelgeschichte 13,1-3 Fasten

Apostelgeschichte 13,1-13,325.07.2016
Serie•Teil 25 / 64Apostelgeschichte
Fasten ist kein frommes Extra, sondern ein Weckruf: Wenn dir etwas wirklich wichtig ist, betest du anders. Die Frage ist nicht, ob du verzichten kannst, sondern ob dein Herz genug brennt.

Einleitung und der Blick auf den Wendepunkt

Ja, guten Morgen, ihr kleine Schar! Ich dachte mir das schon auf dem Weg hierher. Ich habe extra meine Frau mitgebracht, damit noch jemand mit mir hier ist.
Apostelgeschichte: Wir stehen an einem Wendepunkt. Bis Kapitel 12 steht Petrus im Zentrum. Jetzt beginnen wir mit Kapitel 13, und das nächste Mal werden wir uns mit der ersten Missionsreise beschäftigen. Aber bevor dann an die Stelle von Petrus Paulus auf den Plan treten darf, möchte ich gerne eine Voraussetzung mit euch beleuchten, etwas, das wichtig ist.
Wenn man jemanden auf eine große Missionsreise schickt, ob das im ersten Jahrhundert war oder ob das vielleicht im Rahmen eines Sola am Anfang geschieht, wenn man die Drachenboote auf große Reise losschickt, dann braucht es eine Voraussetzung dafür, dass geistliches Leben gelingt.
Dazu lesen wir Apostelgeschichte 13,1-3, und mehr machen wir heute in der Apostelgeschichte auch nicht:
Es waren aber in Antiochia in der dortigen Gemeinde Propheten und Lehrer: Barnabas und Simeon, genannt Niger, und Lucius von Cyrene und Manaen, der mit Herodes, dem Vierfürsten, auferzogen worden war, und Saulus.
Ihr merkt, hier heißt Saulus noch Saulus, ja, das geht immer so ein bisschen hin und her, es ist aber derselbe.
Während sie aber dem Herrn dienten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Sondert mir nun Barnabas und Saulus zu dem Werk aus, zu dem ich sie berufen habe.
Da fasteten und beteten sie, und als sie ihnen die Hände aufgelegt hatten, entließen sie sie.

Fasten als vergessene Selbstverständlichkeit

Mit aller schönster Selbstverständlichkeit taucht in diesem Text ein Wort auf, das wir im Gemeindealltag heute, zumindest in den Gemeinden, in denen ich unterwegs bin, kaum mehr hören. Es ist das Wort Fasten.
Habt ihr das gesehen? Ja, also das steht hier: Während sie aber dem Herrn dienten und fasteten, steht einfach so da. Und dann weiter unten noch einmal, in Vers drei: Da fasteten und beteten sie.
Ich würde gern heute mit euch über Fasten reden. Schönes Thema, oder?
Also, was ist Fasten? Fasten heißt, dass man bewusst auf Essen und Trinken verzichtet.
Im Judentum war Fasten ganz normal. Es wurde sehr ähnlich gefastet, wie das heute auch die Moslems tun. Das heißt, es wurde sehr früh noch etwas gegessen, dann wurde über den Tag hinweg gefastet, es wurde nichts gegessen, wahrscheinlich auch nichts getrunken, und dann hat man am Abend wieder gegessen. Das war typisch für das Judentum.
Man hat für alles Mögliche gefastet. Man hoffte sogar, seine Sünden sühnen zu können durch Fasten. Man hoffte, wenn man irgendeinen Wunsch hatte, dass er sich erfüllt, oder bei einem dringenden Gebetsanliegen, dass das erhört wird. Oder dass man durch Fasten das Unheil von seiner Familie abwenden kann.
Es war wirklich extrem weit verbreitet. Es war ein ganz normaler Bestandteil der Frömmigkeit. Es gehörte einfach dazu.

Biblische Linien durch Altes und Neues Testament

Und es ist interessant, dass wir auf der einen Seite in der Bibel nirgendwo ein Fastengebot finden. Es steht also nie da: das elfte Gebot, du sollst fasten. Das gibt es nicht.
Auf der anderen Seite liest man die Bibel durch, und ich habe euch gerade drei Verse vorgelesen: Es gibt unzählige Gläubige in der Bibel, die gefastet haben. Ob das Mose ist, David, Esra, Nehemia, Esther oder Daniel – und das ist jetzt alles Altes Testament, okay –, ich kann im Neuen Testament genauso weitermachen. Da gibt es Hanna, da gibt es Johannes den Täufer, da gibt es die Jünger von Johannes dem Täufer, es gibt Jesus, es gibt Paulus. Sie alle fasten entweder selbst oder sagen etwas dazu.
Und die Spur des Fastens zieht sich durch die Jahrhunderte der Kirchengeschichte. In einem der frühesten christlichen Dokumente, die allerdings nicht in die Bibel aufgenommen wurden, der sogenannten Didache, der Lehre der zwölf Apostel aus dem ersten Jahrhundert, also ganz, ganz früh, lesen wir:
Ich sage nicht, dass man das so machen soll, wie es hier steht. Es geht mir um etwas anderes. Es geht mir darum, dass es für die ersten Christen völlig normal war. Da lesen wir in der Didache, Kapitel 8, Vers 1: Seht zu, dass man eure Fastenzeiten nicht mit denen der Scheinheiligen verwechselt. Denn die fasten montags und donnerstags, ihr aber sollt mittwochs und freitags fasten.
Das ist nicht Bibel, bitte Achtung. Ich habe jetzt nicht gesagt, ihr müsst mittwochs und freitags fasten. Aber versteht die Selbstverständlichkeit: Da gibt es im Judentum die Regel, dass man am Montag und am Donnerstag fastet, oder es gibt irgendwo diese Regel. Und jetzt kommt der Schreiber der Didache und sagt nicht: Hört auf zu fasten. Sondern er sagt sinngemäß: Passt auf, dass man das nicht verwechselt. Fastet, aber bitte auf eine Weise, dass jeder merkt, ihr gehört nicht zu denen da.
Nicht Bibel, aber trotzdem ist das ein tiefer Blick in die Glaubenspraxis der ersten Christen. Und ich will nicht mehr, als dass ihr versteht: Von Anfang an gehört zum Christsein Fasten dazu. Fasten war für die Christen am Anfang ganz normal.

Jesu Umgang mit dem Fasten

Und deswegen mal ganz kurz in die Bergpredigt geschaut: Es gibt kein Gebot, aber der Herr Jesus formuliert schon interessant. In Matthäus, Kapitel sechs, gibt es einen kleinen Abschnitt über das Fasten. Matthäus 6,16-18:
Wenn ihr aber fastet, so seht nicht düster aus wie die Heuchler; denn sie verstellen ihre Gesichter, damit sie den Menschen als Fastende erscheinen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin. Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit du nicht den Menschen als ein Fastender erscheinst, sondern deinem Vater, der im Verborgenen ist. Und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten.
Das ist das, was Jesus in der Bergpredigt sagt. Und dieses kleine Wörtchen „wenn“ am Anfang in Vers 16, „wenn ihr aber fastet“, bedeutet nicht nur „falls du das mal tust“. Man müsste es eigentlich übersetzen mit „immer wenn du das tust“. Damit wird eine Selbstverständlichkeit ausgedrückt.
Jesus geht irgendwie davon aus, dass die Leute, die die Bergpredigt lesen und sagen: Ja, das gilt mir, ja, da redet Jesus zu mir, dass die irgendwann fasten werden. Und er gibt ihnen ganz klar ein paar Anweisungen dafür, wie sie das richtig machen. Also: Es gibt auf der einen Seite kein Gebot. Es ist nicht Teil der Zehn Gebote. Und auf der anderen Seite rechnet Jesus damit, dass seine Jünger fasten werden.
Noch schöner, und das war, glaube ich, dann die Stelle, wo wir bei der Outdoor-Bibelschule das Fasten regelmäßig eingeführt haben, heißt es in Matthäus, Kapitel neun, in Vers 14: Dann kommen die Jünger des Johannes zu ihm und sagen: Warum fasten wir und die Pharisäer oft, deine Jünger aber fasten nicht? Das war ein Problem. Da kommen Leute und sagen: Hey, wir machen uns die Mühe, und deine Jünger, die sehen wir eigentlich ständig nur essen. Wir verzichten da, und die verzichten nicht. Wie kann das sein?
Und die Antwort von Jesus ist toll. Die Antwort lautet: Und Jesus sprach zu ihnen: Können etwa die Hochzeitsgäste trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Das ist seine Antwort. Die essen und trinken, weil sie das Fasten nicht brauchen. Aber dabei bleibt er nicht stehen. In dem Moment, wo die Jünger von Johannes kommen und fragen, warum fasten die nicht, macht das überhaupt keinen Sinn. Die haben ja Jesus. Da ist dieser, ich nenne das mal, dieser Allround-Troubleshooter. Jesus ist mit ihnen unterwegs. Du hast ein Problem, du bittest Jesus darum, und er klärt es.
Aber, sagt Jesus: Es wird eine Zeit kommen. Und ich lese jetzt mal den Vers 15 zu Ende: Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen weggenommen sein wird. Also: Zu der Zeit, wo Jesus auf der Erde ist, da erleben die das wie so eine Hochzeitsfeier. Da ist alles easy, alles schön. Aber es kommt eine Zeit, da ist der Bräutigam weg. Und wenn diese Zeit kommt, wenn Jesus nicht mehr da ist, dann, und das ist das, was Jesus sagt, dann werden sie fasten.
Jesus geht davon aus, es würde so sein, sagt er: Wenn ich nicht mehr da bin, werden meine Leute genau so fasten. Sondern wir müssten uns kurz Gedanken machen, warum.

Warum Fasten mit Gebet zusammengehört

In der Bibel gehen Fasten und Beten eigentlich immer im geistlichen Leben Hand in Hand. Ich faste, um in dieser Zeit mit Gott zu reden, und ich faste, um durch mein Fasten, durch den Verzicht auf Essen und, wie gesagt, wahrscheinlich auch Trinken, aber das spielt jetzt gar nicht so die Rolle, durch den Verzicht Ernsthaftigkeit zum Ausdruck zu bringen.
Ich habe ja ganz grundsätzlich, wenn ich bete, gar nicht so viele Möglichkeiten, effektiver zu beten. Ich kann das entweder so machen, dass ich eine Sache öfter vor Gott bringe, oder aber ich kann bitten. Ich kann emotionaler werden, oder ich kann vielleicht noch ein Gelübde ablegen und sagen: Gott, wenn du mir das gibst, dann kriegst du von mir das. Und das ist nicht unbiblisch, es geht ja um Ernsthaftigkeit. Und dann kann ich tatsächlich fasten.
Das sind die vier Möglichkeiten, wie man, wenn man sagt, mir ist eine Sache wirklich ernsthaft vor Gott wichtig, meine Ernsthaftigkeit mit meinem Menschsein unterstreichen kann. Und Fasten ist da in der Bibel wahrscheinlich das, was man am allerhäufigsten findet. Fasten ist ein Ausdruck von Ernsthaftigkeit: Mir ist wirklich etwas wichtig, und ich möchte, dass Gott mich an der Stelle erhört.
Ich zeige euch mal kurz, wo Fasten in der Bibel vorkommt, damit wir so Bereiche finden, zu denen Fasten fast zwingend immer dazugehört. Fasten hat etwas mit Dringlichkeit zu tun.

Dringlichkeit, Angst und echte Umkehr

David: Jeder hat ein Kind mit Batseba, das erste Kind. Und Gott sagt, das Kind wird sterben, es wird schwer krank. Was tut David? Was tut er, um die Dringlichkeit seiner Bitte, seinen Wunsch danach, dass das Kind nicht stirbt, zum Ausdruck zu bringen?
Da heißt es dann in 2. Samuel 12,16: Und David suchte Gott um des Jungen willen, und David fastete lang. Er suchte Gott. Gott sagt: Ich werde das Kind sterben lassen, und David ist für mich der totale Gebetskämpfer, der sagt: Okay, Gott, du hast das zwar gesagt, aber ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob du es wirklich so meinst. Ich werde mal dagegen halten.
Ich finde das so frech: Gott sagt, es wird sterben, und David sagt: Na, schau mal, ich kann ja mal beten und fasten und einmal schauen, was noch geht. Vielleicht geht ja noch was. Toll. Dringlichkeit kommt durch Fasten zum Ausdruck.
Dann passt Fasten, wenn man Angst hat. Auch wieder Altes Testament: Der König Joschafat regiert, und es kommt zu einem Angriff der Moabiter und der Ammoniter. Und er kriegt richtig Angst, weil er merkt: Boah, die alten Zeiten, wo wir so ein starkes Volk waren, sind vorbei. Da heißt es dann in 2. Chronik 20,3: Da fürchtete sich Joschafat und richtete sein Angesicht darauf, den Herrn zu suchen, und er rief ein Fasten aus in ganz Juda.
Brillant, ja. Er hat Angst. Und er sagt: Hey, wir müssen auf die Knie, wir müssen Gott suchen, das ist der einzige, der uns retten kann, und lasst es uns richtig tun, lasst uns fasten.
Und wenn ihr durchs Alte Testament geht, egal wo ihr reinschaut, ich nenne mal Esther: Esther und ihre Dienerinnen und alle Juden in Susa, bevor sie unter Lebensgefahr zu dem persischen König reingeht, um für ihr Volk zu flehen, was tun die? Beten und fasten.
Oder Esra in Babylon, bevor er diese abenteuerliche Heimreise antritt, wo er darauf verzichtet, Geleitschutz zu bekommen, weil ihm das irgendwie zu peinlich ist: Was machen die? Beten und fasten.
Immer dann, wenn mir etwas dringlich ist, wenn ich Angst habe und dafür bete: beten, fasten.
Und dann gehört Fasten zu Zeiten echter Buße. Wir sehen das im Buch Jona. Jona, das ist dieser lustlose Prophet, der nach Ninive geht. Eigentlich will er es ja nicht. Ich kann mir keine lustlosere Verkündigung vorstellen. Ninive ist eine riesige Stadt, wahrscheinlich aus drei Städten zusammengewachsen. Er geht da drei Tage lang durch und sagt so richtig empathisch: Tut Buße, tut Buße, oder hier ist alles bald tot. Tot. Buße.
Und wie auch immer es passiert, also ich glaube, es lag nicht an der herzverreißenden Predigt, die er gehalten hat, aber es passiert. Die Leute kapieren: Hier spricht Gott. Vielleicht, wenn man drei Tage im Bauch eines Fisches ist, sieht man auch irgendwie so aus, dass man glaubt, dass der nur von Gott kommen kann. Auf alle Fälle: Sie tun Buße.
Und dann lesen wir in Jona 3,5-10: Da glaubten die Leute von Ninive an Gott, und was tun diese Heiden ganz selbstverständlich? Und sie riefen ein Fasten aus und kleideten sich in Sacktuch von ihrem Größten bis zu ihrem Kleinsten. Und das Wort erreichte den König von Ninive, und er stand von seinem Thron auf, legte seinen Mantel ab, hüllte sich in Sacktuch und setzte sich in den Staub. Und er ließ in Ninive auf Befehl des Königs und seiner Großen ausrufen und sagen: Menschen und Vieh, Rinder und Schafe sollen gar nichts zu sich nehmen, sie sollen nicht weiden und kein Wasser trinken, und Menschen und Vieh sollen mit Sacktuch bedeckt sein und sollen mit aller Kraft zu Gott rufen, und sie sollen umkehren, jeder von seinem bösen Weg und von der Gewalttat, die an seinen Händen ist. Wer weiß, vielleicht wendet sich Gott und lässt es sich gereuen und kehrt um von der Glut seines Zorns, so dass wir nicht umkommen.
Wow, da hat jemand etwas verstanden, wo er vor Gott steht. Und das ist echte Buße: Sacktuch, Asche, Fasten. Ich zerbreche vor Gott.
Und das kannst du nicht nur tun, wenn du in deinem eigenen Leben Sünde findest. Es gibt einen, den ich dafür bewundere, und das ist Daniel. In Daniel 9 heißt es in Vers 2: Im ersten Jahr seiner Königsherrschaft achtete ich, Daniel, in den Bücherrollen auf die Zahl der Jahre, die über das Wort des Herrn zum Propheten Jeremia geschehen war, dass nämlich siebzig Jahre über den Trümmern Jerusalems dahingehen sollten.
Er liest die Bibel, er merkt, die Zeit der Gefangenschaft in Babylon neigt sich dem Ende zu. Und dann sagt er in Vers 3: Und ich richtete mein Gesicht zu Gott, dem Herrn, hin, um ihn mit Gebet und Flehen zu suchen, in Fasten und Sack und Asche.
Und wenn ihr das bewegendste Fürbitte- und Bußgebet der Bibel lesen wollt, dann würden wir jetzt weiterlesen. Das kommt nämlich an dieser Stelle. Ich sehe, hier ist die Schuld meines Volkes, und ich trete, wo ich merke, wir haben da eine Chance auf Wiederherstellung, ich trete vor Gott hin und sage: Bitte, Gott, vergib uns.
Und ich lese euch nur die Verse 16 bis 19 vor: Herr, nach all den Taten deiner Gerechtigkeit mögen doch dein Zorn und deine Erregung sich wenden von deiner Stadt Jerusalem, dem Berg deines Heiligtums. Denn wegen unserer Sünden und wegen der Vergehen unserer Väter sind Jerusalem und dein Volk zum Hohn geworden für alle rings um uns her. Und nun, unser Gott, höre auf das Gebet deines Knechtes und auf sein Flehen und lass dein Angesicht leuchten über dein verwüstetes Heiligtum um des Herrn willen. Neige, mein Gott, dein Ohr und höre, tu deine Augen auf und sieh unsere Verwüstungen und die Stadt, über der dein Name genannt ist. Denn nicht aufgrund unserer Gerechtigkeit legen wir unser Flehen vor dich hin, sondern aufgrund deiner vielen Erbarmungen. Herr, höre, Herr, vergib, Herr, merke auf und handle, zögere nicht um deiner selbst willen, mein Gott, denn dein Name ist über deiner Stadt und deinem Volk ausgerufen worden.
Hier ist einer zutiefst betroffen von der Sünde seines Volkes, und er betet, und er fastet, und er fleht.

Geistlicher Dienst und die Praxis der ersten Christen

Und dann natürlich das Thema, mit dem wir vorhin eingestiegen sind: Apostelgeschichte 13, die Verse 1 bis 3. Menschen fasten ganz normal, wenn sie wichtige geistliche Entscheidungen treffen oder wenn sie in der Gemeinde Gottes dienen. Da gehört das Fasten einfach ganz zwangsläufig, irgendwie fast selbstverständlich, dazu.
Ich frage mich ein bisschen, warum gerade in unseren Gemeinden erst wieder eine Renaissance zu diesem Thema nötig ist, bevor es wieder normal wird. Im Moment ist es jedenfalls, soweit ich sehen kann, nicht normal. Damals war Fasten ein ganz normaler Bestandteil geistlichen Dienstes.
So normal, dass Paulus, als er von falschen Aposteln angegriffen wird und man in Frage stellt, ob er echt ist, ob er wirklich ein richtiger Diener Gottes ist, sich in 2. Korinther 6 verteidigt. Er verteidigt sich mit folgenden Worten in 2. Korinther 6,3-5. Er sagt: „Wir geben in keiner Sache irgendeinen Anstoß, damit der Dienst nicht verlästert werde, sondern in allem empfehlen wir uns als Gottes Diener.“
Was er sagt, ist: Schau mal hin, schau dir an, wie ich lebe. Du kannst doch sehen, dass ich ein Diener Gottes bin. Und dann heißt es in Vers 5 am Ende: in Fasten. Er sagt: Ich bin ein Diener Gottes. Woran kann man das sehen, Paulus? Na ja, schau dir mein Leben an: Ausharren, Bedrängnisse, Nöte, Ängste, Schläge, Gefängnisse, Tumulte, Mühen, Wachen, Fasten.
Es kann nicht anders sein, ich muss echt sein bei diesem Lebensstil. Ein Diener Gottes fastet. Ihm ist das Reich Gottes so wichtig, dass er einfach ganz viele dringliche Anliegen hat. Er sieht, wie Menschen verloren gehen. Er braucht Weisheit für gute Entscheidungen. Er hat Angst vor Verfolgung. Und er ist von seiner eigenen Sündhaftigkeit überwältigt. Er kann nicht anders, als ernsthaft dafür zu beten. Und dazu gehört eben Fasten.
Und das ist gleichzeitig auch der Grund dafür, warum es kein Fastengebot gibt. Es gibt kein Fastengebot, und trotzdem geht Jesus wie selbstverständlich davon aus, dass Christen fasten werden. Und es ist klar: Wenn Fasten in der Bibel mit Zeiten der Betroffenheit, mit Zeiten der Angst, der Fürbitte und des geistlichen Dienstes einhergeht, dann deshalb, weil es nach außen hin eine Haltung kommuniziert, die ich im Inneren habe.

Der innere Sinn und die rechte Ordnung

Was jetzt kommt, ist ganz wichtig: Fasten für sich allein genommen hat keinen Wert. Wir werden also nicht heiliger dadurch, dass wir einfach darauf losfasten. Fasten ist vielmehr ein Begleiter, der Begleiter anderer geistlicher Aktivitäten, meistens des Gebets.
Und wenn wir das tun, wenn wir flehentlich betend und fastend vor Gott unsere Anliegen durchkämpfen, dann, das haben wir schon gelesen in Matthäus 6,18, wird Gott, der im Verborgenen sieht, auch das mitbekommen. Auch wenn das vielleicht kein Mensch mitbekommt, Gott wird es sehen, und er wird uns vergelten. Das heißt: Er wird uns dafür belohnen. Er wird dafür sorgen, dass das, was wir uns darunter versprechen und was wir uns wünschen, nämlich mehr Ernsthaftigkeit und vielleicht darf ich das sagen auch mehr Durchschlagskraft, mehr Effektivität, denn darum geht es uns ja, dass das passiert.
Wichtig ist: Fasten ist in der Bibel nie der Ausgangspunkt für besondere geistliche Höhepunkte, für Visionen oder außergewöhnliche Einsichten. Im Mystizismus hat man Fasten dazu missbraucht. Das ist in der Bibel nicht so. In der Bibel kommt Fasten im Zusammenhang mit Gebet vor. Also: Wer fastet, redet mit Gott. Und Fasten bekräftigt dieses intensive Gebet, dieses intensive Ringen mit Gott.
Fastenzeiten sind Zeiten großer Nähe zu Gott. Und nie nur eine Zeremonie oder ein Ritual. Erst recht nicht, wie es im Judentum zum Teil verstanden wurde, eine Bußübung oder ein Verdienst. Aber obwohl es das nicht ist, ist Fasten etwas im geistlichen Leben.

Einladung zu einer neuen Gewohnheit

Und ich bin heute Morgen hier angetreten, um euch für Fasten zu gewinnen. Ich weiß nicht, wie groß eure Liebe zur Wahrheit ist. Man hat ja immer so sein eigenes Gedankengebäude, das man wertschätzt, in das man sich und sein Leben hineinpackt.
Und wenn jetzt jemand kommt und an den Seiten zuppelt und sagt: Schau mal, da fehlt dir was, dann sind wir ja oft nicht so, dass wir ein weites Herz haben, wie es in dem Psalm, der vorgelesen wurde, hieß, in Psalm 119: Herr, ich habe ein weites Herz, ein geöffnetes Herz. Sondern wir sind ja eher ein bisschen zurückhaltend. Huch, jetzt kommt da ein Prediger und der möchte, dass ich etwas mache, was sich so in meinem Leben noch gar nicht regelmäßig findet.
Der sagt mir ja eigentlich, dass ich noch gar nicht so richtig fertig bin mit meinem Christsein. Aber dabei habe ich mich ja schon so ganz nett eingerichtet in der Art, wie ich Christsein lebe: Ich komme am Sonntag in den Gottesdienst, habe dann meinen Hauskreis, mache sogar morgens artig stille Zeit. Also ich habe das alles, auch ohne Fasten. Vielleicht braucht man das nicht wirklich.
Also ich möchte euch dafür gewinnen, offen dafür zu werden, eine ganz neue Form der Frömmigkeit zu entwickeln, wenn ihr sie noch nicht regelmäßig in euer Leben eingebaut habt. Ich möchte, dass ihr nicht nur intelligent, systematisch und für viele Anliegen betet, weil ich glaube, das ist klar, dass man das machen soll. Wir sind dazu aufgerufen, intelligent, systematisch und für viele Anliegen zu beten. Sondern ich möchte euch dafür gewinnen, dass das Fasten etwas ganz Normales wird.
Und ich möchte euch im Angesicht des Sola, wo ja so eine gewisse Gebetsdringlichkeit im Raum steht, dafür gewinnen, dass ihr damit anfangt, einmal in der Woche zu fasten. Also Frühstück ist okay, Abendbrot ist auch okay, aber du verzichtest auf das Mittagessen. Und statt Mittagessen benutzt du die freigewordene Zeit, mit einem leichten Magengrummeln. Und du wirst merken: Das schadet dem Gebet gar nichts.
Es ist wirklich interessant zu sehen, wie manchmal etwas weniger Essen etwas mehr Freiheit im Kopf schafft, um klüger zu beten. Oder, ich weiß nicht, wie ich das sagen soll, wacher zu beten, möchte ich fast sagen. Und du nutzt diese freigewordene Zeit, sagen wir die halbe Stunde, um mit Gott für die Anliegen oder über die Anliegen zu reden, für die du fastest. Und du bringst sie mit einer besonderen Dringlichkeit vor Gott.
Also was du vorher machst: Du überlegst dir, wofür du fasten willst. Und dann sagst du: Vater im Himmel, jetzt bin ich da, es grummelt, aber es wird gefastet. Ich habe hier meine Lüfte, und jetzt bete ich mal ganz explizit für diese Dinge. Also ich fange mal oben an, die Lagerleitung, und dann kannst du runtergehen.
Stell dir vor, du hast so eine halbe Stunde Zeit, in der du fastest und einfach eintrittst, Schritt für Schritt. Und das machst du einfach mal so oft du willst. Ich habe Angst, dass man es gleich übertreibt, und deswegen sage ich: Fang klein an, fang klein an. Mach es einmal in der nächsten Woche. Und wenn du sagst: Nächste Woche habe ich gerade Zeit, da könnte ich es eigentlich auch zweimal machen, mach es zweimal.
Fasten soll Ausdruck der Ernsthaftigkeit von Normalo-Christen sein. Das ist nicht so die Qual für die Harten, sondern du bist gemeint. Nimm dir einen Tag in der nächsten Woche vor und sag: An dem Tag werde ich das machen. Da werde ich frühstücken, mittags werde ich mir die Zeit zum Beten nehmen, und dann gibt es abends wieder etwas.

Umgang mit fehlender Dringlichkeit

Abschließende Frage: Soll ich auch dann beten und fasten, wenn mir das Gefühl der Dringlichkeit noch fehlt?
Grundsätzlich verstehst du: Es wäre gut zu fasten. Fasten ist Ausdruck von Dringlichkeit und Ernsthaftigkeit. Aber was mache ich, wenn ich dieses Gefühl nicht habe? Vielleicht habe ich im Kopf das Wissen um die Verlorenheit der Welt. Vielleicht bin ich auch schon einmal erschrocken, wenn ich im ÖPNV auf manche Leute treffe, die ich ein wenig schräg finde. Aber das ist nur ganz kurz. Eine echte, tiefe Betroffenheit und Dringlichkeit gibt es gar nicht.
Jürgen, wenn ich jetzt anfange zu fasten, ohne dieses Gefühl echter Betroffenheit und Dringlichkeit, besteht dann nicht die riesige Gefahr, dass Fasten nur ein Ritual ist oder eine Art Selbstbetrug?
Hm, ja, das besteht. Logisch. Aber die Lösung, wenn du sagst, ich fühle diese Dringlichkeit nicht, ist doch nicht, dass du mit dem Fasten gar nicht anfängst. Ist klar, oder? Denn wenn du dein Tun von deinen Gefühlen bestimmen lässt, wirst du im Leben Schiffbruch erleiden. Du musst das umdrehen.
Wenn du sagst, ich fühle noch gar nicht diese Betroffenheit und Dringlichkeit, ich gehe eigentlich mit einem unglaublichen Desinteresse durch die Welt, eigentlich ist mir, solange nicht gerade in Oberkrempe ein Amokläufer Leute erschießt, völlig egal, was in dieser Welt passiert, solange es mich nicht trifft, dann gilt: Super, wenn das deine Haltung ist. Dann rate ich dir, fang an zu beten und zu fasten. Fang an, für dich selbst zu beten und zu fasten, dass Gott in dir diese Dringlichkeit erweckt, dass Gott dir diesen Wunsch schenkt, mehr so zu werden, wie Jesus ist.
Und ich garantiere dir: Du kannst nicht beten und fasten, also intelligente, kluge Worte der Fürbitte für andere und der Bitte für dich selbst finden und das vor Gott mit aller Ernsthaftigkeit, die du ja dann schon hast, aussprechen, ohne dass in dir etwas wächst. Im geistlichen Leben müssen wir immer mit dem Willen anfangen, der sich am Wort Gottes festmacht. Dann muss die Tat kommen, in dem Fall beten und fasten. Und ich garantiere dir: Irgendwann kommt auch dieses Gefühl dann mal hinterhergetapert und sagt: Na ja gut, wenn es gar nicht anders geht, dann bin ich halt auch dabei.
Das ist die richtige Reihenfolge. Und wenn du merkst, ich bin noch gar nicht so in dieser Dringlichkeit drin, dann fang damit an, für dich selbst zu beten und zu fasten. Und wenn du das tust, weil man dafür erst einmal nur fünf Minuten braucht, um das alles vor Gott zu bringen, dann nutze die verbleibenden fünfundfünfzig Minuten, die du vielleicht noch hast bei einer halben Stunde Fastengebet, um für Sola und die Gemeinde und was dir sonst einfällt zu beten.

Schlussgedanke und praktische Zuspitzung

Darum ging es mir heute. Wir sehen hier in Apostelgeschichte 13 Leute, die ganz normal dienen, beten und fasten. Und ich möchte euch dafür gewinnen, dass ihr damit anfangt, einmal in der Woche auf euer Mittagessen zu verzichten. Überlegt euch vorher, wofür ihr fasten wollt, und nutzt dann diese halbe Stunde, die frei wird. Das kann man auch gut auf der Arbeit machen.
Ihr könnt einfach rausgehen, statt in die Kantine zu gehen, in den Park nebenan oder, wenn es sein muss, auf den Parkplatz ins Auto setzen. Einfach machen. Und dann sagen: Herr, hier bin ich. Hier sind meine Anliegen. Ich würde jetzt gerne essen gehen, mache ich aber nicht, weil ich jetzt beten will.
Ich möchte erleben, was das bringt. Und damit, ja, das ist es. Punkt.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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