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Echtsein - Der Heilige Geist

08.05.2017
Serie•Teil 2 / 6Echtsein
Woran merkst du, dass du wirklich angekommen bist? Nicht an großen religiösen Momenten, sondern daran, dass sich dein Herz verändert: mehr Liebe, mehr Sehnsucht nach Gott, mehr Echtheit.

Rückblick auf den bisherigen Weg

Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen!
Wir sind am Anfang einer kleinen Reihe über Grundlagenthemen zum Christsein. Ich will noch einmal ganz kurz sagen, worum es letztes Mal ging.
Letztes Mal ging es um die enge Pforte. Ich hatte davon gesprochen, dass es auf der Welt zwei Reiche gibt: auf der einen Seite das Reich der Finsternis und auf der anderen Seite das Reich Gottes. Jeder Mensch wird in dieses Reich der Finsternis hineingeboren. Es ist total gruselig, aber es ist eine Realität: Der Mensch ist hineingeboren in das Reich der Finsternis und als ein Feind Gottes dazu verdammt, nach seinen eigenen Hormonen und nach seinen eigenen Gedanken zu leben. So beschreibt Paulus das in Epheser 2,3.
Er lebt in einer Kultur des Todes. Er zerstört Beziehungen, das Ökosystem und sich selbst. Und wenn er damit fertig ist, wenn sein Leben vorbei ist, bleibt am Ende für ihn das Gericht Gottes und die ewige Verdammnis. Es gibt keine Hoffnung für den Menschen, der im Reich der Finsternis lebt, es sei denn, er verlässt das Reich der Finsternis und gelangt ins Reich Gottes.
Wie man in das Reich Gottes hineinkommt, das hatte ich uns kurz vorgestellt. Man muss Buße tun, glauben und sich taufen lassen. Man muss durch die enge Pforte hindurch. Im Reich Gottes regiert Jesus als König. Im Reich Gottes gibt es Vergebung, es gibt ewiges Leben, es gibt einen echten Neuanfang. Aber um ins Reich Gottes zu kommen, muss ein Mensch sich anstrengen und tatsächlich durch die enge Pforte gehen.
So, jetzt wissen wir: Die enge Pforte ist natürlich kein wirkliches Tor. Ich fahre nicht irgendwo hin, was weiß ich, nach Rom, und da gibt es eine Tür, und da muss ich durchgehen, und dann ist alles gut. Die enge Pforte ist ein Bild, ein Bild, das Jesus benutzt, um anzudeuten, dass man nicht so leicht ins Reich Gottes kommt, wie man sich das vielleicht vorstellt.
Es braucht Buße, Glauben, Taufe. Buße: Ich lasse mein altes Leben los. Glaube: Ich lasse mein falsches Vertrauen in mich selbst los und fange an, auf Jesus zu vertrauen. Wenn wir uns die beiden Dinge anschauen, Buße: Ich lasse mein altes Leben los, Glaube: Ich lasse mein falsches Vertrauen in mich selbst los, dann merken wir: Es geht auf dem Weg ins Reich Gottes immer irgendwie um dieselbe Sache. Es geht ums Loslassen.
Warum ist das wichtig, dieses Loslassen? Es ist deshalb wichtig, weil wir begreifen müssen, dass niemand zu schwach ist, um ins Reich Gottes zu kommen. Willst du loslassen, braucht es keine eigene Stärke. Niemand ist zu schwach, um ins Reich Gottes zu kommen. Aber viele sind zu stark. Solange ich an meinem alten Leben hänge und es retten will, solange ich an mich glauben will und nicht an Jesus, solange kann ich nicht ins Reich Gottes kommen.
Der Schritt in das Reich Gottes hinein ist immer ein Schritt des völligen Loslassens. Der Schritt ins Reich Gottes ist eine Bankrotterklärung an mich. Ich gebe zu, dass ich mich nicht retten kann, dass ich mir nicht vertrauen kann. Dass ich Jesus brauche, dass er allein Retter ist, dass er allein vertrauenswürdig ist, dass er allein das Potenzial besitzt, mich zu retten. Und das hat er getan, das hat er getan am Kreuz.
Der Weg ins Reich Gottes durch die enge Pforte ist ein Sich-fallen-Lassen in Gottes Arme.

Zeichen des Ankommens

Ich habe euch heute ein T-Shirt mitgebracht. Seht ihr das? Ich habe mein schwarzes T-Shirt an. Und seht ihr, was auf diesem schwarzen T-Shirt steht? Ich habe das mal von einem lieben Spandauer geschenkt bekommen.
Auf diesem schwarzen T-Shirt steht: Mehr als ein Spandauer kann ein Mensch kaum werden.
Erst wenn ich realisiere, dass das nicht stimmt, dass ich, egal wie viel ich mir auf meine Herkunft, meine Bildung, meine Freunde, meinen Lebensstil, meine Planungen einbilde, kapieren muss, dass ich mich irre, dass ich nicht wirklich Ahnung vom Leben habe, dass ich ein Sünder bin, dass ich Gericht verdiene und dass dieser Hochmut, mit dem ich durchs Leben gehe, einfach nicht stimmt, dann wird mir klar, wie wichtig es ist, dass dieses schwarze T-Shirt am Ende nicht stehen bleibt.
Sondern dass Gott mich überwindet. Dass ich irgendwann zugebe: Ich bin ein Sünder. Dass ich zugebe: Ich verdiene Gericht. Dass ich aber auch begreife, dass Gott mir seine Gerechtigkeit anbietet, mich mit seinem Leben beschenken will. Und dann lasse ich mein altes Leben los und lasse mich in Gottes Arme fallen.
Und Gott steht da wie der Vater im Gleichnis vom verlorenen Sohn und nimmt mich auf.
Und ich habe jetzt nicht nur dieses schwarze T-Shirt an, sondern ich habe hier noch ein langes weißes Hemd mitgebracht. Und ich ziehe das jetzt einfach mal an, weil ich möchte, dass wir begreifen: Indem ich das anziehe und indem ich immer mehr das Schwarz verberge, mache ich nach außen sichtbar, was Gott mir anbietet.
Gott sagt: Ich nehme das Schwarz der Vergangenheit und möchte es überkleiden mit dem Weiß meiner Gerechtigkeit. Gott bietet mir das Weiß seiner Gerechtigkeit.
Und seht ihr, jetzt sieht man nichts mehr von dem schwarzen T-Shirt. Jetzt bin ich ganz weiß. Gott bietet mir das Weiße seiner Gerechtigkeit und seiner Heiligkeit und seiner Erlösung an.
Und genau so, wie man nicht durch gute Werke, Rituale, eine christliche Familie oder die richtige Kirche ins Reich Gottes kommt, so kann uns, und das habe ich letztes Mal noch nicht gesagt und da möchte ich dann heute einfach weitermachen, genauso wie wir durch diese Dinge nicht ins Reich Gottes kommen, so kann uns, wenn wir einmal bei Jesus angekommen sind, auch nichts mehr von seiner Liebe trennen. Auch nicht unsere eigene Sünde.
Auch nicht Verfolgung, dass Menschen uns unter Druck setzen, selbst wenn sie uns dazu bringen, noch einmal von unserem Glauben abzuschwören, gegen unseren Willen. Auch nicht der Tod.
Sünde, Verfolgung und Tod können uns nicht von der Liebe Jesu trennen. Denn wenn ich einmal im Reich Gottes angekommen bin, wenn ich einmal losgelassen habe und wenn ich in Gottes Arme gefallen bin, dann hält er mich und gibt mich nie wieder her.

Der Heilige Geist als Siegel und Anzahlung

Woher weiß ich, dass ich bei Gott angekommen bin? Das ist ja ein wichtiger Punkt. Woher weiß ich, dass ich mir das nicht einfach nur einrede?
Ich hatte letztes Mal schon gesagt: Das hat mit dem Heiligen Geist zu tun. Wer durch die enge Pforte geht, der bekommt als Siegel Gottes den Heiligen Geist. Wir verwenden heute nur noch selten Siegel. Aber es ist klar: Wenn mir jemand einen Brief gibt und er ist versiegelt, also wenn da Siegellack drauf ist und in diesen Siegellack ein Stempel eingedrückt wurde, dann bringt dieser Stempel zum Ausdruck, wer den Brief geschrieben hat, wo der Brief herkommt und zu wem der Brief gehört. Genauso ist das mit dem Heiligen Geist.
Der Heilige Geist ist das Kennzeichen, das Unterscheidungsmerkmal eines jeden Christen. Er ist Gottes Anzahlung auf die Ewigkeit. Wenn ich mir ein Auto kaufe und nicht genug Geld dabei habe, das Auto aber unbedingt haben möchte, dann sage ich: Ich kann eine Anzahlung leisten. Und genau das macht Gott. Gott sagt: Ich habe da eine Ewigkeit für dich, die muss allerdings noch einen Moment warten. Und weil das noch nicht gleich alles losgehen kann, so wie ich mir das vorstelle und du dir natürlich auch vorstellst, gebe ich dir schon mal eine Anzahlung. Du bekommst meinen Heiligen Geist, damit du weißt: Du bist angekommen.
Als Paulus in Ephesus auf Jünger trifft, Jünger in Anführungszeichen, also auf Menschen, die den Eindruck erwecken, Christen zu sein, ist er an der Stelle aber wahrscheinlich unsicher. Und er fragt sie deshalb in Apostelgeschichte 19,2: Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet? Sie sprachen zu ihm: Wir haben noch nie gehört, dass es einen Heiligen Geist gibt. Autsch, falsche Antwort.
Wenn es stimmt, dass der Heilige Geist das Kennzeichen, das Unterscheidungsmerkmal Gottes und die Anzahlung auf die Ewigkeit für jeden Christen ist, dann ist die Antwort: Wir haben doch nie gehört, dass es den Heiligen Geist gibt, definitiv falsch. Deshalb falsch, weil wir durch den Heiligen Geist erneuert werden und von neuem geboren werden. Wenn wir den Heiligen Geist bekommen, dann fängt etwas völlig Neues in unserem Leben an.
Die Bibel sagt, wir bekommen ein neues Herz. Dieses neue Herz meint eigentlich ein neues Wollen. Ich kann mir selber kein neues Herz machen. Das geht nicht, da komme ich nicht ran. Ich kann merken, dass in meinem Inneren eine Sehnsucht nach Gott ist. Ich kann Buße tun, ich kann glauben, ich kann mich taufen lassen. Aber ich kann mir kein neues Herz machen lassen.
Dieses neue Herz, dieses neue Wollen, diese neue innere Ausrichtung auf Gott, dieses Etwas in mir, das Gott gefallen will, das sich nicht damit zufriedengibt, so zu bleiben, wie ich mal war, dieses Etwas in mir, das sich danach ausstreckt und es sich wünscht, Jesus zu gefallen, das ist das neue Herz. Ein neues Wollen.
Paulus kann sagen, dass wir in 2. Korinther 5,17 eine neue Schöpfung sind. Hammervers. Wir sind eine neue Schöpfung. Es gibt den alten Jürgen mit alten Idealen, und es gibt den neuen Jürgen mit einem neuen Herzen, mit einem neuen Wollen. Der neue Jürgen möchte Gott gefallen. Wie sagt Paulus das? Wir sind eine neue Schöpfung, das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.
Und das muss man mitkriegen. Warum fragt Paulus Menschen, bei denen er sich nicht ganz sicher ist, dass sie schon vollständig bekehrt sind, nach dem Heiligen Geist? Naja, weil auch das Umgekehrte gilt. Wenn jemand den Heiligen Geist nicht hat, dann ist er auch nicht bekehrt.
In Römer 8,9, wieder Paulus, da schreibt er den Römern: Ihr aber seid nicht im Fleisch, das heißt unbekehrt, sondern im Geist, das heißt bekehrt, wenn wirklich Gottes Geist in euch wohnt. Das ist interessant: wenn wirklich. Paulus sagt, wenn ihr sicher seid, dass der Geist Gottes in euch wohnt, dann seid ihr nicht mehr im Fleisch. Ihr seid nicht mehr unbekehrt. Ihr werdet nicht mehr von dem getrieben, was eure Hormone und eure eigenen Gedanken zu eurem Leben beisteuern, sondern ihr seid im Geist. Der Geist Gottes steckt in euch, und er ist die Triebfeder hinter euren Gedanken.
Ihr aber seid nicht im Fleisch, sondern im Geist, wenn wirklich Gottes Geist in euch wohnt. Wenn aber jemand Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein. Vollwertig, umfassend Christ sein, gerettet sein, erlöst sein, ohne auch den Heiligen Geist zu haben?

Woran sich der Geist im Alltag zeigt

Also ist die Frage: Woher weiß ich, dass ich den Heiligen Geist habe?
Die einfache Antwort wäre: weil ich etwas Besonderes kann. Zum Beispiel in Fremdsprachen reden, ohne sie gelernt zu haben, Fachbegriff: Zungenrede. Oder auch Wunder tun, Dämonen austreiben, Prophetien aussprechen. Und ja, diese Dinge können ein Beleg dafür sein, dass ich den Heiligen Geist habe.
Aber ich möchte an dieser Stelle ein wenig zur Vorsicht mahnen. Und zwar aus einem einfachen Grund: Am Ende der Bergpredigt redet Jesus über Menschen, die tolle Dinge erlebt haben, aus ihrer Sicht sogar tolle Dinge mit Gott erlebt haben, die trotzdem nicht gerettet sind. Ich lese euch das mal vor: Matthäus 7,22-23.
Viele werden an jenem Tag, und gemeint ist der Tag des Gerichts, der Tag, an dem die Echtheit unseres Glaubens abschließend geprüft und dann für wahr oder falsch befunden wird, zu mir kommen und sagen: Herr, Herr, haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben und durch deinen Namen viele Wunderwerke getan?
Wow! Ich glaube, wenn jemand das unter uns täte, würden wir niemals infrage stellen, dass so jemand gläubig ist. Wenn jemand Jesus Herr nennt und dann vor unseren Augen ein Wunder tut, dann würden wir ihm zwingend glauben, dass er zu Gott gehört.
Aber hier tauchen Leute auf, und Jesus sagt: Das ist nicht die Ausnahme. Es sind nicht zwei oder drei, es sind viele. Viele Leute werden sagen: Hey, wir haben das getan, Herr, Herr. Vers 23: Und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt; weicht von mir, ihr Übeltäter.
Und wir merken: Das Entscheidende im geistlichen Leben ist nicht, dass ich Jesus kenne. Das Entscheidende ist, dass Jesus mich kennt. Und wir sehen: Wundersame Erfahrungen sind kein hinreichender Beweis dafür, dass ich den Heiligen Geist habe. Ich kann solche Dinge erleben, und ich weiß dann auch nicht genau, woher die Kraft dafür kommt. Aber es gibt nicht nur den Heiligen Geist, und deswegen gibt es anscheinend auch andere Quellen von Kraft, aus denen heraus Menschen irre Sachen machen können.
Klar ist nur: Sie beweisen nicht, dass ich den Heiligen Geist habe. Natürlich schadet so etwas im Allgemeinen auch nicht. Aber es ist eben auch kein Beweis.
Deswegen möchte ich bei der Frage, woher ich weiß, dass ich den Heiligen Geist habe, gerne einmal weg von diesen Wunderdingen, von diesen außergewöhnlichen Erfahrungen, hin in eine Richtung denken, die für jedermann ein Stück weit nachvollziehbar ist und die mehr damit zu tun hat, dass wir tatsächlich von Neuem geboren werden, dass in uns etwas Neues anfängt.

Die erste Gemeinde als Beispiel

Und deswegen lasst uns zuerst einmal anschauen, was sich im Leben der Christen ändert, die als Erste den Heiligen Geist bekommen.
Nach der Pfingstpredigt, als dreitausend Menschen zum Glauben kommen, lesen wir von der ersten Gemeinde Folgendes: Apostelgeschichte 2,42. Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten.
Ganz einfach: Wir lesen hier von einer vierfachen Sehnsucht, die sich im Leben dieser ersten Christen ausdrückt. Sie hören das Evangelium, sie glauben, sie tun Buße, sie lassen sich taufen, sie bekommen den Heiligen Geist, und plötzlich, ohne dass jemand ihnen gesagt hätte: „So, jetzt bist du Christ, und jetzt musst du das und das und das und das und das und das tun“, fangen sie einfach damit an.
Sie verharren in der Lehre der Apostel, in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten. Das heißt, sie haben ein Interesse an Lehre, am Zusammensein mit anderen Christen, am Brotbrechen, das heißt, sie haben sich viel mit Jesus und dem Kreuz beschäftigt, und am Beten.
Niemand musste ihnen diese Dinge gebieten. Sie bekommen den Heiligen Geist und fangen an, mehr wissen zu wollen, mit anderen Christen Zeit verbringen zu wollen. Sie feiern Jesus, und sie wollen beten.
Wisst ihr was? Diese Sehnsucht kommt aus ihnen heraus. Es gibt niemanden, der ihnen das sagt: Christen müssen Predigten hören, Kleingruppen besuchen, Abendmahl feiern und beten. Sie machen das einfach. Und sie tun das, weil sie den Heiligen Geist empfangen haben. Sie tun das, weil sie durch den Geist Gottes von neuem geboren worden sind.
Und eine Folge davon ist, dass sie Lust auf Bibel haben, Lust auf Geschwister haben, Lust auf Brotbrechen haben, Lust auf Beten haben. Das ist das Erste, was der Heilige Geist im Leben eines Christen tut: Er schafft in ihm eine Sehnsucht nach Lehre, Gemeinschaft, Brotbrechen und Gebet. Und er selbst will uns in diesen Dingen unterstützen.
Achtung, ich spreche hier von einer Sehnsucht. Und natürlich weiß ich, dass wir nicht jede Sehnsucht, die wir haben, gleich ungebremst und perfekt ausleben. Und doch war da diese Sehnsucht. Und deswegen mache ich, wo diese für einen wiedergeborenen Menschen natürliche Sehnsucht fehlt, ein großes Fragezeichen an die Bekehrung.
Und damit wir uns ganz und gar nicht falsch verstehen: Ich rede hier nicht davon, dass wir uns zu diesen Dingen disziplinieren, dass wir uns irgendwie anstrengen, dass wir uns einen Plan machen. Es geht mir darum, was natürlich passiert, wenn Gottes Geist in einem Menschen wohnt. Zuerst kommt eine natürliche Sehnsucht.
Und von mir aus gibt es die Stelle 1. Timotheus 4,7-8, wo es heißt: „Übe dich zur Gottseligkeit!“ Ja, natürlich, vielleicht muss ich mir irgendwann einen Plan machen, weil ich in einem Körper stecke, der meiner Sehnsucht nicht einfach nachkommt und sagt: Super, du hast Lust auf Beten, lass uns beten. Da hilft ein Plan.
Aber ganz am Anfang steht nicht der Plan. Am Anfang steht ein neues Wollen, ein neues Herz, eine tief in mir eingebaute Sehnsucht.

Geistgewirkte Veränderungen im Charakter

In Jesaja 11,2 möchte ich euch noch einmal zeigen, wie der Geist Gottes charakterisiert wird. Da heißt es in Jesaja 11,2: Und auf ihm, dem Messias, wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Kraft, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn.
Und in 2. Timotheus 1,7 heißt es: Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Disziplin.
Also, wenn ich das kurz zusammenfasse: Was kommt da eigentlich in mein Leben hinein, wenn der Heilige Geist bei mir einzieht? Mit dem Heiligen Geist ziehen Weisheit ein, Verstand ein, Erkenntnis ein, Kraft ein, Liebe, Disziplin, Gottesfurcht.
Ja, natürlich nicht gleich zu hundert Prozent voll entwickelt. Der Heilige Geist überfordert uns nicht, er vergewaltigt uns nicht. Er lässt uns die Zeit, die wir brauchen, und er führt uns den Weg, der für uns gut ist. Aber trotzdem ist er da, und zwar mit seinem Potenzial. Und er will unser Leben verändern.
Und deshalb erlaube ich mir manchmal, Christen zu fragen, ob sie wirklich den Heiligen Geist haben, wenn ich merke, dass es in ihrem Leben an folgenden Stellen eine merkwürdige Ladehemmung gibt.
Thema eins: Lehre der Apostel.
Wenn jemand so gar kein Interesse an der Bibel oder an guten Predigten hat oder man kein Wachstum sieht, jemand zwar liest, aber eigentlich nie versteht, was er liest, wenn Gottes Wort nicht irgendwann anfängt, in sein Leben hineinzureden, ihm merkwürdig fremd bleibt, er die Auseinandersetzung mit der Bibel immer als unbefriedigend wahrnimmt. Wenn das Wort Gottes nicht das Leben prägt, dann frage ich mich: Ist da wirklich ein Geist der Weisheit, des Verstandes und der Erkenntnis am Werk?
Oder Thema Gemeinschaft.
Wenn jemand über Jahre hinweg nicht liebevoller wird, nicht freundlicher wird und fröhlicher und geduldiger und hilfsbereiter, weniger streitsüchtig, weniger zornig, weniger desinteressiert, gerade an den Nöten der Geschwister, weniger nachtragend. Wenn jemand es überhaupt nicht lernt zu loben, wenn jemand es nie lernt, mal einen Streit zu schlichten, wenn jemand nicht in der Lage ist, sich selbst zu verleugnen oder einfach mal den Mund zu halten, da frage ich mich: Ist da wirklich ein Geist der Liebe und der Disziplin am Werk, ein Geist, der mich umgestalten will, so dass man Jesus in mir erkennen kann, ein Geist, durch den ich Teil einer Gemeinschaft geworden bin, die man Gemeinde nennt?
Wir sind ja in 1. Korinther 12,13 durch den Geist zu einem Leib getauft. Gott hat uns zusammengestellt und jeden Einzelnen dazu befähigt, Teil einer Gemeinschaft zu sein.
Drittes Thema: Abendmahl.
Wenn jemand das Kreuz und das Sterben Jesu nicht wirklich berührt, wenn es nicht das gefeierte Zentrum des Lebens ist, wenn man irgendwie gut darauf verzichten kann, es mit seinen Geschwistern zu feiern, wenn vielleicht vieles fasziniert, was diese Welt anzubieten hat, aber Jesu Tod eher zum Pflichtprogramm des Lebens gehört, so wie Zähneputzen oder der Wocheneinkauf, dann frage ich mich: Ist er wirklich ein Geist der Gottesfurcht und ein Geist des Herrn am Werk?
Und das Gleiche gilt beim Thema Gebet.
Wenn jemand so gar kein Bedürfnis hat, mit Gott zu reden, die Beziehung mit Gott auf eine persönliche und auch intelligente Weise zu vertiefen, seine Sorgen nicht abgeben will, Gott nicht loben und danken will, wenn jemand kaum Fürbitte tut, nur selten seine eigenen Sünden bekennt, vielleicht gar nicht mal so ein tiefes Sündenbewusstsein hat, dann frage ich mich: Gehört so jemand wirklich zur Familie Gottes? Und hat er den Geist, der in seinem Inneren doch eigentlich davon Zeugnis gibt, dass er ein Kind Gottes ist, dass wir zu Gott kommen und ihn anrufen können als Abba-Vater, dass wir unsere Sünden bekennen dürfen, weil Gott treu und gerecht ist, dass er uns Sünden vergibt und uns immer wieder aufnimmt und uns hinein liebt in unsere Berufung?

Echtheit statt bloßer Frömmigkeit

Um es noch einmal mit aller Klarheit zu sagen: Diese Dinge, die ich gerade beschreibe, dass jemand Lust hat an Lehre, an Gemeinschaft, am Abendmahl, am Gebet, diese Dinge, die ich gerade beschreibe, sind nicht die Frucht frömmelnder Anstrengung.
Es geht nicht darum, dass ich Gott mit meinen frommen Werken beeindrucke oder befriedige. Es geht mir heute einmal nur um Echtsein. Es geht darum, dass ich mit meiner Bekehrung ein neues Herz geschenkt bekomme, das Gott gefallen will, und dass in mir Gottes Geist wohnt und er mich befähigt, so zu leben, wie ich als erneuerter Mensch leben will.
Dass das dann immer noch ein Leben lang Übung braucht, nicht immer gleich klappt, wie ich mir das wünschen würde, und dass ich aktiv Widerstände überwinden muss, weil ich in einem Körper lebe, der überhaupt nicht bekehrt ist, in einer Welt lebe, die mich davon abbringen will, das zu leben, weil ich den Teufel gegen mich habe und seine Dämonen, die alles probieren werden, um mich vom Weg abzubringen, ja, das ist klar. Aber darum geht es mir heute nicht.
Mir geht es heute darum, dass, wenn jemand sich bekehrt, ein neues Wollen und eine neue Kraft ins Leben einziehen. Und das kann man spüren. Die Auswirkungen davon bekommt man mit. Und die wichtigste Auswirkung ist die Veränderung unseres Charakters.
Deshalb, wenn jemand mich fragen würde: Jürgen, woher weißt du denn, dass du den Heiligen Geist hast? Dann ist meine Antwort nicht: Ah ja, hier sind vier Punkte, und das mag ich. Meine Antwort, und ihr könnt schmunzeln, ist einfach die: Ich werde lieber.
Ich weiß, der eine oder andere hat mit mir schon merkwürdige Erfahrungen gemacht. Ich bin nicht fertig. Aber ich weiß, wie ich vor zwanzig Jahren, vor zehn Jahren drauf war. Und manche von euch wissen das auch. Und deswegen bleibt meine Antwort wahr: Ich werde liebevoller.
Im zweiten Petrusbrief könnt ihr das nachlesen, 2. Petrus 1,5-7, und dann erklärt Petrus in Vers 10 diesen Veränderungsprozess im Leben eines Christen. Wir haben in der Predigtreihe über den zweiten Petrusbrief schon einmal genauer miteinander betrachtet. Es ist ein Veränderungsprozess im Leben eines Christen, an dessen Ende Liebe steht.
Und in dem Maß, wie ich liebevoller werde, in meiner Liebe zu Gott und zu den Menschen wachse, in dem Maß weiß ich, dass Gottes Geist in mir am Wirken ist, und ich weiß, dass ich echt bin. Und darauf kommt es an. Zu wissen, dass man echt ist.
Es geht nicht darum, fertig oder perfekt zu sein. Das ist nur einer unser Vorbild Jesus. Aber es geht darum, echt zu sein. Es geht darum, dass das eigene geistliche Leben nicht der krampfhafte Versuch ist, ohne den Heiligen Geist religiöses Leben zu imitieren, um vielleicht das eigene Gewissen zu beruhigen oder, schlimmer noch, um andere Christen mit einer gespielten Religiosität zu beeindrucken.

Warnung vor falscher Sicherheit

Im Matthäus Kapitel 25 erzählt Jesus am Anfang ein Gleichnis von zehn jungen Frauen, die zu einer Hochzeit eingeladen sind und auf den Bräutigam warten. Während sie warten, schlafen sie ein. Dann kommt der Bräutigam mitten in der Nacht.
Fünf von den jungen Frauen sind auf diesen Moment vorbereitet, sind klug und dürfen mitfeiern. Die anderen fünf sind unvorbereitet. Der Bräutigam kommt, und sie wollen mitgehen. Aber wir würden heute sagen: Ihre Taschenlampenbatterien sind leer. Im entscheidenden Moment wird klar, dass ihnen das Entscheidende fehlt. Aber dann ist es zu spät.
Lasst uns deshalb an dieser Stelle klug sein. Denkt noch einmal an Matthäus Kapitel 7. Viele werden dort sagen: Herr, Herr, haben wir nicht das und das getan? Und dann sagt Jesus: Ich habe euch nie gekannt. Es gibt ein Zuviel an Zeit, das dann zu spät ist. Und deswegen lasst uns klug sein.
Jeder für sich, und lasst uns auch als Gemeinde klug sein im Umgang miteinander. Lasst uns einander das Recht geben, kritische Fragen zu stellen, wenn wir den Eindruck haben, dass jemand noch nicht durch die enge Pforte ins Reich Gottes durchgedrungen ist. Wer liebt, der fragt. Er fragt, weil er sich Sorgen macht, weil er nicht will, dass auch nur einer in der Gemeinde am Ende nicht dabei ist.
In Hebräer Kapitel 4 Vers 1 heißt es deshalb auch, und ich zitiere das mal nach einer eigenen Übersetzung, die ein bisschen freier ist: Lasst uns nun mit allem Ernst darum besorgt sein, dass nicht etwa jemand von euch als zurückgeblieben erscheint, dass nicht einer zurückbleibt. Die ganze Gemeinde zieht weiter, und einer bleibt zurück.
Lasst uns auf die schauen, die nicht Schritt halten, und uns die Frage stellen: Woran liegt das? Stell dir vor, du bist schlussendlich bei Gott, und jemand anderes ist es nicht. Und Gott stellt dir die Frage: Sag mal, du hattest da doch all die Jahre so ein ungutes Gefühl. Warum hast du eigentlich nichts gesagt? Das ist eine ganz hässliche Frage. Warum hast du eigentlich nichts gesagt? War der andere dir das nicht wert? Warst du so feige, dass du ihn lieber krepieren lässt, geistlich zur Verlorenheit, zur ewigen Verlorenheit verdammst, als dass du hingehst und sagst: Du, ich habe da mal eine Frage?
Und deshalb gilt: Wer fragt, der liebt.

Schlussgedanke

Kommen wir zum Schluss. Warum ist es wichtig, dass wir wissen, dass wir den Heiligen Geist haben? Es ist wichtig, weil wir dann wissen, dass wir definitiv im Reich Gottes angekommen sind, dass wir ewiges Leben haben und dass uns nichts mehr aus Gottes Hand reißen kann. Und das muss und kann man wissen, bevor man stirbt. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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