Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 688: Gebet und Glauben, Teil 1.
Einführung in das Thema Glauben und Gebet
Nach der Verfluchung des Feigenbaums wendet sich der Herr Jesus dem Thema Glauben und Gebet zu. Er tut dies, weil die Jünger von ihm die Aufgabe erhalten werden, eben die Frucht zu bringen, die Israel als Volk nicht bringen wollte.
Gott hatte sich entschlossen, das weltweite Reich Gottes durch andere Menschen und in einem neuen Bund zu verwirklichen. Die Jünger sollten das Herz dieser Entwicklung sein. Deshalb müssen sie verstehen, worauf es bei der Unternehmung des neuen Bundes wirklich ankommt.
Was der Herr Jesus hier seinen Jüngern beibringt, ist das, was er selbst gelebt hat. Immer wieder zog er sich zum Gebet zurück und bereitete jeden Schritt seines Weges im Gespräch mit seinem Vater im Himmel vor.
Gebet ist die einzige geistliche Übung, die der Herr Jesus seinen Jüngern beibringt und von ihnen mit Dringlichkeit fordert. Gebet ist Kennzeichen und Praxis der neutestamentlichen Gemeinde. Die Apostel fordern es und erbitten es auch für sich selbst.
Die untrennbare Verbindung von Glauben und Gebet
Man kann völlig zu Recht sagen, dass es in der Praxis keine wirkliche Trennung zwischen Glaube und Gebet gibt. Unser Gebetsleben zeigt nämlich ganz deutlich, wie es um unseren Glauben steht.
Warum ist das so? Ganz einfach: Gebet ist Reden mit Gott. Ich begegne Gott mit Worten, die ich mir überlegt habe. Diese Worte transportieren meine Gedanken über Gott und meine Wünsche an ihn.
Schaue ich mir die Worte an, die jemand im Gebet spricht, kann ich ganz genau sehen, was ihm wichtig ist und wie sehr er Gott vertraut. Glauben kann man sehen, nämlich daran, wie wichtig mir das Reden mit Gott ist, wie lange ich bete und wie durchdacht meine Anbetung sowie meine Anliegen sind.
Jürgen, das ist Gesetzlichkeit. Nein, ist es nicht. Es ist Leben – oder besser: Es ist eine Mischung aus geistlichem Pragmatismus und Weisheit, denn wie formuliert Jakobus: „Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet“ (Jakobus 4,2).
Dein Gebetsleben offenbart die Vitalität deiner Gottesbeziehung. Es zeigt die Echtheit und die Tiefe deines Glaubens. Wer Gott wirklich vertraut, wird den Thron der Gnade bestürmen, weil er weiß, dass es nirgendwo sonst Hilfe, Trost, Weisheit und Vergebung gibt.
Und wenn Jesus Nächte im Gebet verbrachte, um sich für seinen Dienst zurüsten zu lassen, glauben wir dann wirklich, dass wir auf Gebet verzichten können?
Lasst uns gern unsere besten Ausreden mal auf einen Zettel schreiben, kurz lachen und den Zettel dann verbrennen.
Der Glaube als Grundlage für Gebet
Fangen wir mit dem Glauben an. Matthäus 21,21: Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: „Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, so werdet ihr nicht allein das mit dem Feigenbaum Geschehene tun. Sondern wenn ihr auch zu diesem Berg sagt: ‚Hebe dich empor und wirf dich ins Meer!‘, so wird es geschehen.“
Hier werden zwei Dinge gegenübergestellt: Glaube und Zweifel – „wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt“. Dabei stellt sich die Frage, welche Art von Zweifel Jesus meint. Ich frage das, weil es verschiedene Arten von Zweifel gibt.
Zum einen kann ich, wie Thomas, unsicher sein und mir eine empirische Bestätigung der Auferstehung wünschen. Zum anderen kann mein Glaube an Gottes Güte durch existenzielle Leiderfahrungen erschüttert werden. Hiob und Asaph lassen grüßen.
Dann gibt es noch einen Zweifel, der Ausdruck dafür ist, dass ich nicht wirklich weiß, wo ich im Blick auf Gott stehe. Jakobus spricht, wie wir noch sehen werden, vom Wankelmütigen oder Zweiseligen.
Welche Art von Zweifel meint Jesus also? Um das ganz deutlich zu sagen: Er meint nicht den Zweifel eines Thomas, Hiob oder Asaph. Diese wollen glauben, es sind lediglich die Umstände, die ihnen das Vertrauen für den Moment schwer machen. Deshalb tun sie das einzig Logische: Sie wenden sich mit ihrem inneren Durcheinander an Gott.
Der im Glauben angefochtene Gläubige sucht Gott. Er sucht Gott, weil er eben gerade nicht auf sich vertraut, sondern von Gottes Hilfe erwartet.
Natürlich ist es wunderbar, wenn wir so viel geistliche Stärke und Stetigkeit entwickelt haben, dass wir uns auch in schwierigsten Lebenssituationen automatisch vertrauensvoll in Gottes Arme fallen lassen. Das ist das Ziel. Aber so ein Automatismus will erst einmal erlernt sein.
Gebahnte Wege des Vertrauens im Herzen
Die Söhne Korach beschreiben diese Kompetenz so im Psalm 84, Verse 6 und 7:
Glücklich ist der Mensch, dessen Stärke in dir ist. Gebahnte Wege sind in seinem Herzen, sie gehen durch das Tränental und machen es zu einem Quellort. Ja, mit Segnungen bedeckt ihn der Frühregen.
Die gebahnten Wege im Herzen entstehen durch Übung. Ein Problem tritt auf, ich flüchte mich zu Gott. Er schenkt mir Stärke, Trost, Weisheit, Weiterglauben und irgendwann Rettung.
Wenn ich das oft genug erlebt habe, wird es normal, meine Sorgen bei Gott abzugeben und ihm zu vertrauen. In meinem Herzen entstehen gebahnte Wege.
Das Unglück bleibt immer noch schlimm. Aber es wirft mich nicht mehr so aus der Bahn. Ich erlebe sogar, dass aus dem Tränental ein Quellort wird.
An Gottes Seite kann sich Chaos in Segen verwandeln. Doch es braucht Zeit, so ein Vertrauen zu erlernen – Zeit, die Gott uns gibt.
Die mit solchen Zeiten des Wachstums verbundenen Zweifel sind völlig normal. Gott hat kein Problem mit unserem Schmerz und unseren ehrlichen Fragen.
Die Gefahr der Wankelmütigkeit im Glauben
Aber Gott hat ein Problem mit Wankelmütigkeit, wenn wir nicht wirklich wissen, wo wir stehen. Wenn zwei Herzen in unserer Brust schlagen – eines für ihn und eines für etwas anderes –, entsteht ein innerer Zwiespalt.
Diese Art von Zweifel bedroht das Gebet. Jakobus 1,5-7 sagt: Wenn aber jemand von euch Weisheit mangelt, so bitte er Gott. Er bitte aber im Glauben, ohne zu zweifeln. Denn der Zweifler gleicht einer Meereswoge, die vom Wind bewegt und hin und her getrieben wird. Ein solcher Mensch soll nicht denken, dass er etwas vom Herrn empfangen wird. Er ist ein wankelmütiger Mann, unbeständig in allen seinen Wegen.
Man erkennt, dass der Zweifler wie eine Meereswoge von äußeren Einflüssen hin und her getrieben wird. Er ist wankelmütig und unbeständig. Diese Art von Zweifel zerstört Gebetserhörungen.
Gott will den Wankelmütigen nicht beschenken, solange dieser nicht weiß, wo er hingehört. Der Zweifler versucht gleichzeitig, auf Gott und auf seine eigenen Sicherheiten zu bauen – auf Geld, Beziehungen, beruflichen Erfolg oder den eigenen Verstand. Genau das funktioniert nicht.
Diese Wankelmütigkeit muss ein Ende haben.
Die Aufforderung zur inneren Reinigung und Nähe zu Gott
Jakobus formuliert es sehr schön in Jakobus 4,8: „Naht euch Gott, und er wird sich euch nahen. Säubert die Hände, ihr Sünder, und reinigt die Herzen, ihr Wankelmütigen.“
Wer erleben will, dass Gott sein Gebet erhört, muss zuerst dafür sorgen, dass in seinem Herzen nur einer das Sagen hat – nämlich Gott.
Praktische Anregungen zum Gebet
Was könntest du jetzt tun?
Schau dir im Lukasevangelium an, wann der Herr Jesus betet. Mach ein kleines Bibelstudium dazu.
Das war's für heute.
Ein Tipp: Nimm dir diese Woche einen Abend Zeit, um eine Stunde für die Geschwister deiner Gemeinde zu beten.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden! Amen.
