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Advent als Schule des Wartens
Die Adventserwartung kann man am besten bei den Gläubigen des alten Bundes studieren. Man lernt auch im Neuen Testament, wie das erzählt wird, etwa bei Simeon oder Hanna im Tempel, die auf die Ankunft des Messias warteten. Oder wenn wir daran denken, wie in der schweren Zeit der babylonischen Gefangenschaft, in diesen siebzig Jahren des Trauerns an den Strömen dort in den zwei Stromländern in Babel, wo die Israeliten saßen, das Warten auf das Licht in der finsteren Nacht da war.
Sie verstehen es sicher, dass ich auch diesmal im Advent wieder unsere Textreihe in den Verheißungen des Alten Testamentes, im Prophetenwort, gesucht habe. Und ich bin diesmal selbst sehr überrascht worden. Ein Bibelwort, das mir gar nicht geläufig war, das in meinem Leben noch keine Bedeutung gehabt hatte und das mir in der Vorbereitung immer größer wurde: Sacharja 6,13. Ich lese aber auch die Verse drumherum. Wenn Sie jetzt eine Bibel haben, schlagen Sie bitte auf Sacharja 6,9-15.
Das ist die Zeit direkt nach der babylonischen Gefangenschaft, in der Sacharja predigt, etwa beginnend 520 vor Christus. 537 sind sie aus dem Exil zurückgekehrt. Der Tempel war noch nicht wieder aufgebaut, die Mauern waren noch nicht aufgebaut. Das Werk hat erst später Nehemia dann in Gang gesetzt.
Und das Herrnwort geschah zu mir: Nimm von den Weggeführten, von Heldai und von Tobia und von Jedaja, die von Babel gekommen sind, und geh an diesem selben Tag ins Haus Josias, des Sohnes Zephanjas. Nimm von ihnen Silber und Gold und mache Kronen und kröne das Haupt Josuas, des Hohen Priesters, des Sohnes Jozadaks, und sprich zu ihm: So spricht der Herr Zebaoth: Siehe, es ist ein Mann, der heißt Spross; denn unter ihm wird sprossen.
Da klingt ja Jesaja 11 an, das Reis, das aus dem Stamm Isais, das Rohr, das entsprungen ist, aus dem Weihnachtslied. Und er wird bauen den Tempel des Herrn, ja, den Tempel des Herrn wird er bauen. Und er wird herrlich geschmückt sein und wird sitzen und herrschen auf seinem Thron, und ein Priester wird sein zu seiner Rechten.
Jetzt erlauben Sie mir, dass ich hier Kritik übe an dieser Bibelübersetzung. Ich habe den Kommentar von Helmut Frey angesehen, von Hans Brandenburg, ich habe den alten Luthertext angesehen. Das heißt, in allen Texten, in der englischen Bibelausgabe, auch im hebräischen Text, ist es zwanghaft verändert: Und er wird Priester auf seinem Thron sein. Das ist jetzt wichtig, sonst gibt es keinen Sinn. Und es wird Friede sein zwischen den beiden.
Und die Kronen sollen zum Andenken an Heldai, Tobia, Jedaja und den Sohn Zephanjas im Tempel des Herrn bleiben. Und es werden kommen von ferne, die am Tempel des Herrn bauen werden. Da werdet ihr erkennen, dass mich der Herr Zebaoth zu euch gesandt hat. Und das soll geschehen, wenn ihr gehorchen werdet der Stimme des Herrn, eures Gottes.
Herr, schließ uns dein Wort auf! Amen!
Äussere Zeichen und innere Mitte
Wir haben neulich für unsere Frau Hein Brinkmann in Thailand Missionsdienst ein Paket gepackt. Zwar kropfunötig, würden manche sagen, aber es gehört für mich auch mit dazu. Sie hat geschrieben, dass sie doch ein bisschen Zitronat und Nüsse bräuchte. Wir sollten kleine Kostproben schicken.
Wir haben dann ein grosses Paket gepackt, das es auch lohnt für die Luftfracht, und haben noch Tannenzweige oben hineingelegt, weil sie Stollen backen wollte. Das war der springende Punkt. Und dann haben wir gedacht, dass es für die ganze Missionsmannschaft da drüben auch eine Freude gibt.
Weil das ja mit dazugehört, diese äusseren Zeichen in der Adventszeit, diese kleinen Liebesboten und diese kleinen Freuden, die wir hier einander bereiten können. Erst da wird einem bewusst, wenn einer ferner von der Heimat lebt, wie wichtig doch solche äusseren Zeichen sind: die Kerzenlichter, ein Adventskranz oder was es sein mag.
Aber noch wichtiger ist uns ja, was im Mittelpunkt unserer Adventserwartung steht. Und da macht uns Saharja einen Brauch vor, den wir gar nicht üben. Aber ich will ihn jetzt einführen bei Ihnen als ein Sinnbild dessen, was wir in unserem Glauben, mit unseren Herzen in diesen Tagen tun sollten. Er krönt einen Menschen sinnbildlich und will damit zum Ausdruck bringen, dass in der rechten Adventserwartung wir den kommenden Messias, den kommenden Heiland, krönen sollen.
Die ungewöhnliche Krönung des Hohenpriesters
Aber jetzt muss ich doch noch einmal vorher die Geschichte erzählen, die ich Ihnen da in kurzen Stichworten vorgelesen habe.
Es war eine kleine und wirklich nicht sehr große und beachtliche Gemeinde, die sich wieder in Jerusalem auf den Trümmern des zerstörten Stadtbildes gesammelt hat. Sie waren zurückgekehrt, Frauen und Kinder; nur noch wenige waren zurückgekehrt. Einige sind in Babel geblieben, sie haben es sich dort bequem gemacht.
Die Mauern waren nicht wieder aufgebaut. Wir erinnern uns, wie dann Jahre später Nehemia mit seinem Esel um die Stadt herumreiten wollte, wie er traurig war, als er die zerstörte Stadt sah. Die Trümmer lagen nur da, kaum ein Haus war aufgebaut, es gab keinen Tempel, nur einen Statthalter. Den Serubabel gab es wieder in der Stadt, und einen Hohenpriester, der offenbar außerhalb des Tempels amtierte.
Und dann kamen drei Boten aus der Gola, das sind die Exulanten, so nennen die Juden heute noch die in der Diaspora lebenden Gemeindejuden, die aus Babel kamen und offenbar ansehnliche Goldgeschenke und Silbergeschenke mitbrachten. Diese Gaben waren bestimmt zum Aufbau des Tempels. Da sind die Leute, die dort erwähnt werden: Heldai, Tobija und Jeddaja, die aus der Ferne aus der Verbannung kommen und nach Jerusalem diese Geldgaben überbringen.
Und da tritt plötzlich Sacharja, der Prophet, auf und nimmt das Gold dieser Leute weg und schmiedet daraus Goldreifen, das sind die Kronen. Sonst könnte man die drei Kronen aufeinander türmen, das wäre ja komisch, die würden ja runterpurzeln. Das sind Kronreifen. Er nimmt sie und legt sie auf das Haupt des Hohepriesters Josua.
Für uns als Adventsgemeinde wird das Ganze noch pikanter, wenn man sich bewusst macht, dass der Name Josua auf Griechisch Jesus heißt. Er legt sie auf das Haupt dieses, der Jesus heißt, oder Josua, und krönt ihn ganz bewusst. Er krönt nicht den König Serubbabel, den Statthalter, sondern den Hohenpriester und spricht über ihm diese Adventsverheißung aus.
Es wird ein Spross aus dem Geschlecht Davids kommen, und unter ihm wird es sprossen, dort wird Israel blühen. Dann wird er den Tempel des Herrn bauen, und sein Thron wird herrlich geschmückt sein, und er wird ein Priester auf seinem Thron sein.
Da haben wir die drei Dinge, die wir heute wichtig sind zu erklären. Er wird den Tempel bauen, er wird herrlich geschmückt auf dem Thron sitzen, und er wird ein Priester sein auf dem Thron.
Wenn wir das genau ansehen, merken wir, dass das große Weissagungen sind, Ausblicke auf den kommenden Herrn, auf das Kind in der Krippe. Und wir wollen Jesus hier unsere Kronreifen auf sein Haupt legen und ihn anbeten, indem wir diese Verheißungen auslegen.
Das priesterliche Amt Jesu
Ich will zuerst mit dem beginnen: Krönt ihn, den Priester. Das war ja die Handlung, die da Sacharja vorgenommen hat. Er hat den Priester gekrönt. Das ist, wenn Sie ein wenig die Weltgeschichte kennen, etwas ganz Merkwürdiges. Die Priester sind nicht die Könige, sondern die Priester sind auch in der biblischen Geschichte die Gegenspieler der Könige.
Wie war das erst unter dem König Saul? Da war ja der Prophet Samuel der, der den König fortwährend kritisieren musste. Und auch später war es immer so in der Königsgeschichte, dass die sehr sündigen Könige immer wieder die Fürbitte des Priesters brauchten. Das ist völlig undenkbar, dass Priestertum und Königsamt in eines geht. Es gab es nur einmal in der Geschichte Israels, bei David, dass David das Priesteramt gleichzeitig zu seinem Königsamt begleitet hat. Niemand nach ihm durfte es tun.
Es ist nur in der Geschichte Israels nach Sacharja geschehen, dass etwa die Hasmonäer, das sind die Vorläufer vor Herodes dem Großen nach den makkabäischen Befreiungskriegen, diese Königsfamilie der Hasmonäer, die haben zu ihrem Königsamt das Priesteramt ausgeübt, weil sie meinten, sie wären die Erfüllung dieser Sacharja-Verheißung. Und das war ein Frevel ohne Gleichen in den Augen der gläubigen Israeliten.
Wir kennen nur eine Parallele überhaupt in der Bibel, wenn wir von David absehen. Das ist jenes merkwürdige Königsamt damals, als Abraham müde aus der Schlacht zurückkam, wo er seinen Bruder Lot befreit hat, 1. Mose 14. Dort kam ihm der König von Salem entgegen, von der Stadt des Friedens. Sein Name war Melchisedek. Und Bibelleser meinen ja immer, dass diese merkwürdige Stadt Salem doch die Stadt Jerusalem war, zu Abrahams Zeiten, wo ein anderer König herrschte, der zu seinem Königsamt das Priesteramt ausführte. Er war ein Priester Gottes des Allerhöchsten und hat nicht dafür diese Tradition übernommen, als er diese Stadt von den Jebusitern eroberte. Er hat ja erst Jerusalem Israel einverleibt, die Stadt erobert, 2. Samuel 5 ist es beschrieben, und hat dort seinen Regierungssitz aufgerichtet. Hat er nicht das Erbe Melchisedeks aufgenommen?
So sehen wir nur dreimal Priester- und Königsamt vereint: Melchisedek, David und dann wieder in unserer Schriftlesung heute: Jesus. „Du bist ein hoher Priester nach der Weise Melchisedeks ewiglich.“ Da wird uns beschrieben, in der Verheißung, in der Erwartung des Propheten, was Jesus einmal sein wird: Er wird Priester sein.
Nun haben wir zum Priesteramt ja keinen Bezug, weil wir es in unserer Kirche so nicht kennen. Und doch ist das priesterliche Amt bei uns ganz wichtig, weil wir ja so stark betonen, dass wir das Priestertum aller Gläubigen haben. Was ist denn dieses Priesteramt? Das können Sie an Jesus studieren. Sein ganzes Wesen, sein ganzes Sein war priesterlich.
Als er am Brunnenrand von Samaria saß, war es nicht sein Amt, diese Frau zu verdammen und zu richten, sondern als der Seelsorger saß er da als der Priester, der diese Frau lösen wollte von den schweren Lasten, die auf ihr lagen. Und wenn Jesus zu den Gedemütigten und zu den Zerbrochenen trat, zu den verzweifelten Menschen, dann war er immer der Priester und Seelsorger mit einem ganz weiten Herzen. Er hat gesucht, gewartet, gehofft. Und selbst bei seinen Jüngern, bei einem Petrus, hat er nicht gesagt: So, das ist mal Untreue, dass er jetzt in der Nacht vor seiner Hinrichtung noch untreu wird. Sondern dann hat Jesus gebetet, dass sein Glaube nicht aufhöre.
Das priesterliche Amt Jesu zeigt sich darin, dass er Fürbitte leistet, Fürbitte übt für die Ungläubigen um ihn her, für das Volk, für die Menschen, für die Welt. Und dann treten Sie einmal in Ihrer Bibellese in dieses Heiligtum des hohepriesterlichen Gebets Jesu, Johannes 17. Wie Jesus Fürbitte tut für seine Gemeinde, er sieht schon die Gefahren, die auf die Gemeinde zukommen, und er bittet beim Vater: Erhalte sie in deinem Frieden, in deinem Schutz und in deiner Bewahrung.
Das ist Jesus wichtig, dass er Priester ist. Darin können Sie sein ganzes Amt umschreiben. Und er wird nun gekrönt als ein Priester, das ist eine Bestätigung seines Amtes. Er will dieses Amt in Ewigkeit ausführen, das hält er bei, auch nach seiner Himmelfahrt. Auch wenn er jetzt auf seinem Thron sitzt, ist er der Priester, der für uns eintritt.
Das ist ja die Ursache, dass wir im Glauben noch nicht müde geworden sind, dass wir ihn nicht auch in der Untreue verleugnet haben, weil er anhält, priesterlich für uns einzutreten. Und darum ist Hoffnung für jeden Menschen da, weil die Fürbitte Jesu beim Vater doch geschieht. Er tritt für uns ein und will, dass wir frei werden von dieser alten dunklen Sache, dass wir hineintreten in das neue Leben, dass wir zu Gott heimfinden und dass unser Leben von ihm neu gemacht werden kann.
Jetzt wollen wir das übernehmen, diese Adventserwartung, was uns Sacharja da vorschlägt: Krönt ihn. Das wäre ein Adventsbrauch, mehr noch als Weihnachtstollen, die ich ihm gönne. Krönen Sie in diesen Tagen Jesus, den Priester, und erwarten Sie ihn als den Priester Ihres Lebens, der heilend, vergebend in Ihr Leben eintreten kann, der den Segen auf Sie legt. Und das Neue geschieht unter seinem Dienst an Ihnen. Ein priesterlicher Dienst ist das.
Die Herrschaft des Messias ohne irdische Macht
Das Zweite, was unser Harja da vorschlägt als ein Brauch der Erwartung Jesu, schmückt seinen Thron herrlich. Er spricht davon, dass er ihn krönt, diesen Priester. Er hat das bei Joshua, dem Jesus, dem damaligen Hohepriester, nur sinnbildlich getan, im Vorgriff auf den kommenden Hohepriester. Aber dann spricht er davon, dass sein Thron herrlich geschmückt sei.
Schon in dieser Adventsverheißung wird deutlich, dass dieser Thron nicht erst gebaut werden muss. Dieser Thron steht fest, und der Hohepriester setzt sich auf den Thron Gottes. Das ist ein gutes Zeichen, dass man sagen kann: Er steht schon, dieser Thron, er ist schon fest befestigt.
Da hängt doch Jesu Herrschaft nicht davon ab, ob seine Anhänger ihm zujubeln, ob sie ihm treu sind, ob sie ihm auch wirklich in Ehrfurcht dienen. Der Thron des Hohen Priesters Jesus steht fest. Darum hat ihn Gott erhöht und hat ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesus sich beugen sollen alle, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen erkennen sollen, dass Jesus Christus der Herr sei.
Da sollen in diesen Adventserwartungen bei uns groß sein: Die Herrschaft Jesu steht fest. Wir machen manchmal so, als ob die Sache Jesu in unserer modernen Welt heute verloren wäre. Die ist nicht verloren. Unsere Sorge ist nur, ob sie in unserem Leben verloren ist, ob sie in unserem Volk verloren ist. Die Herrschaft Jesu über die Welt steht fest.
Und da müssen wir darauf achten, dass Jesus seine Herrschaft nie auf irdische Gewalt gegründet hat. Das ist auch der Grund, dass Jesus verzichtet hat, den Messias-Titel oder das Christus-Prädikat häufig von seinen Anhängern in den Mund genommen zu hören. Er wollte diesen Titel nicht, weil es Verwechslungen gab mit den irdischen Herren. Natürlich ist er der Christus und der Messias, aber er will doch keine Herrschaft nach dem Muster irdischer Gewalt haben. Seine ganze Herrschaft ruht im priesterlichen Dienen.
Jesus bleibt auch heute der Herr im priesterlichen Dienen. Es ist verhängnisvoll, dass in der ganzen Kirchengeschichte immer wieder die Herrschaft Jesu missverstanden wurde als eine Machtherrschaft. Es ist notvoll, dass auch die Christen in ihren Kirchenorganisationen den Einfluss Jesu verwechseln mit Macht, mit äußerer irdischer Macht. Und es kann in unseren Zeiten, auch wo die Kirchen mehr Geld zur Verfügung haben, ein gefährliches Stück sein, dass hier ein falscher Einfluss hereinkommt.
Die Macht Jesu ruht allein auf was denn? Auf seinem priesterlichen Dienen, dass er seinen Jüngern die Füße wäscht, dass er ein Opfer dargebracht hat, dass Menschen versöhnt werden. Und wenn sie wissen wollen, wie heute die Weltmission gebaut wird: Sie wird nicht mit christlichem Einfluss gebaut, sondern die Weltmission und die Herrschaft Jesu wird nur dort sein, wo sein Wort vom Kreuz verkündigt wird und wo Menschen in seinem Kreuzesopfer die Vergebung empfangen, dieses Wunder, dass er Sünden durchstreichen und auslöschen kann.
Es ist immer wieder schlimm, dass wir meinen, wir müssten uns für Jesus der weltlichen Machtmittel bedienen. Ob wir nicht doch nachhelfen müssen, dass seinen Geboten, seinem Recht Genüge getan wird? Das einzige Mittel, mit dem Jesus seine Herrschaft ausbreitet, ist das Weitersagen des frohen Evangeliums, dass er den Zorn Gottes über der Welt trägt und Menschen herausholt aus dem Machtbereich der Finsternis und dass in seinem Namen Erlösung geschieht.
Ich wollte, dass in dem missionarischen Jahr, das nun beginnen soll, dass wir diesen Dienst so wichtig nehmen, dass sie das in ihren Worten so weitersagen, wie sie das in ihrem Leben erfahren haben: Da ist mir Jesus groß geworden, wie er in meinem Leben die Schuld ausgelöscht hat. Und das ist jetzt wichtig bei diesem Dienst, den Jesus uns tut, der Vergebung. Sagt der Hebräerbrief: Er ist ein hoher Priester, der nicht fortwährend das tut, sondern wenn er uns einmal dieses Opfer darreicht, für dich in den Tod gegeben, ist dies eine gültige Sache, die bis in die Ewigkeit hineinreicht.
Er ist für mich sündigen Menschen gestorben, darauf darf ich fröhlich leben und fröhlich sterben, weil ich weiß, er hat mir das Heil erworben. Er wird ein Priester sein, und sein Thron wird herrlich geschmückt sein. Der Thron Jesu steht fest.
Ich denke jetzt nicht an irdische Organisationen, wo der Name Jesu davor genannt wird. Ich denke an die Schar derer, die den Herrn Jesus anbeten über seinen Priesterdienst, den sie erfahren haben. Er kann auf ewig selig machen, sagt der Hebräerbrief. Oder an einer anderen Stelle: Durch sein Opfer sind wir ein für allemal geheiligt. Haben sie diese Heilsgewissheit gefunden?
An diesen Adventstagen sollen sie Jesus als den Priester kennenlernen, der zu ihnen kommt, und er will sein Königreich auch in ihrem Leben ausbreiten. Kennen Sie das, dass er für sie gelitten und gestorben ist, damit Sie das ewige Leben haben, damit Sie wissen: Die Freundlichkeit und Liebe Gottes gilt mir unverbrüchlich. Ich darf fröhlich dahinleben, weil ich weiß, Gott hält mich in seiner starken und festen Hand.
Es ist ein königlicher Priesterdienst, aber es ist gleichzeitig auch sein Thron, der feststeht. Nicht nur in den Erdentagen, auch heute steht der Thron Jesu fest, es ist der Thron des Hohen Priesters. Verwechseln Sie bitte nie Jesus mit einem anderen irdischen Machthaber, mit einem Ayatollah oder wem auch immer. Er ist der, der heute verborgen und unscheinbar wirkt.
Es beelendet mich auch, wenn Menschen fragen und sagen: Wo ist denn die Macht Gottes? Sieht man denn nichts von der Herrlichkeit Jesu? Wir wollten dann gerne etwas Großes zeigen in unseren Tagen. Wo sieht man die Spuren Jesu? Es geschieht nichts Größeres, als was damals am Brunnenrand von Samaria geschehen ist, dass Jesus in diesen Tagen Menschen in ihren Nöten, in ihrer Sinnlosigkeit anspricht und ihnen das Wort des Friedens sagt: Du gehörst mir, fürchte dich nicht, ich bin bei dir.
Dass er Vergangenheit auslöscht und bewältigt und dass er Menschen mutig und stark macht für die Aufgaben, die sie haben, der Priesterdienst Jesu und sein großer herrlicher Thron.
Der kommende Tempel aus lebendigen Steinen
Und auch das Dritte baut ihm den Tempel. Auch davon wird gesprochen in diesem Vorgriff. Er soll sagen: Adventsbräuche, die Saharja-Datu, dieser Krönung mit den Reifen, dem Reden von dem Thron der Herrschaft des Hohen Priesters. Und er wird den Tempel des Herrn bauen, ja, den Tempel des Herrn wird er bauen.
Und dann später noch einmal: Es werden kommen von ferne, die am Tempel des Herrn bauen werden. Da sehen Sie erst, wie das Neue Testament nur aus dem Alten heraus verstanden werden kann. Warum hat denn Jesus davon gesprochen, dass er den Tempel in drei Tagen wiederbaut? Seit Saharja war die Hoffnung auf den neuen salomonischen Tempel groß. Wann wird der wunderbare Tempel noch einmal kommen, der mit dem Goldgebränge da, wo diese Opfer da gebracht wurden?
Dann kam der herodianische Tempel. Auch für die gläubigen Juden ein notvolles Stück, weil er von dem Heiden Herodes gebaut wurde, der ja gar kein Jude war. Ist das der verheißene Tempel? Natürlich war das klar, dass Jesus sagt: Er wird untergehen, dieser Tempel. Ich will einen neuen Tempel machen.
Und dann fährt Paulus später fort und sagt: Der Tempel, der gebaut wird, das seid ihr. Gott baut sich einen Tempel mit lebendigen Steinen. Das ist alles die Fortführung, die Deutung dieser Weissagung von Saharja. Einen Tempel mit lebendigen Steinen. Gott liebt nicht diese Tempel, mit unseren normalen, kunstvoll behauenen Steinen gebaut. Er liebt sie sehr, aber das ist nicht seine Wohnung. Das ist zu wenig, wo Gott wohnen will. Er baut sich einen großen Tempel, zu dem Menschen aus allen Völkern, aus allen Nationen und aus allen Sprachen gehören. Menschen, die ihm dienen und die ihm gehorchen. Und mit diesem Tempel wird ausgedrückt, dass das der Ort seiner Gegenwart ist.
Ist Ihnen dieses Geheimnis bewusst, wenn ich vorhin am Anfang des Gottesdienstes von der leeren Kirche sprach und dann von einem Gottesdienst? Dass Jesus Christus seine Gegenwart gebunden hat an die Gemeinschaft mit Christen. Und wenn nur eine kleine Familie sich irgendwo in einer Wohnung zusammensetzt und dann miteinander am Morgen des Tages betet? Da ist Jesus da, weil zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind. Das ist der Tempel seiner Gegenwart, und er ist so groß, so weit, der geht über die ganze Welt hin.
Das ist das, was wir heute Morgen als großes Geschenk Gottes erleben, dass er in unserer Mitte wohnen will, dass er sich einen Tempel baut. Die Losung des heutigen Tages in Herrnhut, im Losungsbüchlein, war dies angeklungen, wie sie von ferne herkommen. Für die jüdischen Ohren eine große Weissagung: wie das verheißene Gottesvolk nicht allein dasteht, sondern sie werden von allen Völkern, von den fernsten Inseln herkommen und ihn anbeten, ihm dienen, ihn ehren.
Zu diesem Tempel will ich gehören. Und lassen Sie sich einbauen in diesen Tempel Gottes, und dann wollen wir unserem Herrn hier die Loblieder singen. Heute schon in diesem Tempel, wie einst damals Zacharja in einem kühnen Handstreich diese Goldgaben der Flüchtlinge aus Babel oder der Exulanten aus Babel einfach wegnahm und diese Kronreifen schmiedete und sagte: Alles andere ist jetzt nicht wichtig. Er kann verzichten auf einen provisorischen Tempelbau, er kann verzichten auf den Mauerbau, aber das soll er wissen über das zerstörte Jerusalem: Dort kommt der Spross, unter ihm wird sprossen.
Dieser Jesus will jetzt in diesen Tagen bei uns Einzug halten. Krönen Sie ihn, er will als der Priester in Ihrem Leben herrschen. Sein Thron steht fest.
Frieden zwischen den Ämtern in Christus
Jetzt habe ich nur eines nicht ausgelegt: Dieser eine Satzteil, der recht dunkel bleibt, und es wird Frieden zwischen den beiden sein. Das hat alttestamentliche Ausleger zu dieser schlimmen Veränderung des Bibeltextes geführt, die sie auch in ihrer Lutherbibel finden.
Das ergibt keinen Sinn: Warum sollte ein Priester zu seiner Rechten sein? Die Sacharja-Verheißung hat ihren Mittelpunkt darin, dass das Königtum im Hohen Priester liegt. Das ist doch die Aussage. Was soll da noch ein Priester zu Rechten stehen? Der ist unnötig. Sondern er wird Priester auf seinem Thron sein, so der hebräische Wortlaut, und es wird Frieden sein zwischen den beiden.
Ja, es war in der Geschichte Israels immer Zank zwischen Königen und Priestern, zwischen Königen und Propheten. Wie hat Ahab unter Elia gelitten: Du bist mein Feind, du störst mich mit einem Wort. Denn dort war der König von Saul her als ein Akt des Unglaubens gewählt worden gegen die Gottesherrschaft. Sie wissen noch, wie sie Samuel sperrte gegen das Königsamt: Warum braucht ihr einen König? Sie haben Gott verworfen, sagt dann Samuel. Ihr habt den lebendigen Herrn verworfen, dann kriegt ihr einen König, aber ihr werdet unter diesem König leiden.
Und es war immer das Gegenüber des Priesters und des Propheten wichtig, der den König wieder in die Schranken weist. Aber wenn dieser Spross kommen wird, der Priester auf dem Königsthron, dann ist er König, Priester und Prophet in einer Person, und es wird Friede sein. Dort wird es keine Auseinandersetzung mit den Ämtern mehr geben, sondern die Ämter sind alle zusammen: das prophetische Amt, das Priesteramt und das Königsamt Jesu wirken alle zusammen, um seine Herrschaft zu bezeugen.
Ich wollte, dass Sie in diesen Adventstagen diesen Priester, diesen König, diesen Herrn erfahren, wie er in Ihrem Leben Frieden schaffen will und wie er in Ihr Leben hineinredet als der Segnende und Heilende. Amen.

