Johannes 10,1-302.10.2024
Serie•Teil 1 / 2Der Hirte, der die Schafe ruft
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Gott wird Mensch, Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 465
Der Hirte, der die Schafe ruft, Teil I.
Gott wird Mensch, Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg Wahrheit und Leben ist. Episode 465 Der Hirte, der die Schafe ruft Teil I.
Der Konflikt als Ausgangspunkt
Jesus befindet sich im Konflikt mit den Pharisäern. Sie lehnen ihn ab und wollen sich durch kein noch so klares Zeichen davon überzeugen lassen, dass Jesus der Messias ist. Lasst uns diesen Hintergrund kurz festhalten, wenn wir weiterlesen.
Johannes 10,1-3:
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht durch die Tür in den Hof der Schafe hineingeht, sondern anderswo hinübersteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. Wer aber durch die Tür hineingeht, ist Hirte der Schafe. Diesem öffnet der Türhüter, und die Schafe hören seine Stimme. Und er ruft die eigenen Schafe mit Namen und führt sie heraus.
Wieder einmal ein „wahrlich, wahrlich“ – also wieder einmal eine Aussage, die besonders wichtig ist. Und sie bezieht sich auf das Verhalten der Pharisäer. Worum geht es Jesus?
Das Bild vom Hirten im Licht des Alten Testaments
Der Herr Jesus verwendet das Bild des Hirten. Er tut das, weil das Alte Testament Gott selbst als Hirten seines Volkes darstellt.
1. Mose 48,15:
Und er, das ist Jakob, segnete Josef und sprach: Der Gott, vor dessen Angesicht meine Väter Abraham und Isaak gelebt haben, der Gott, der mich geweidet hat, seitdem ich bin, bis zu diesem Tag.
Psalm 23,1:
Ein Psalm von David. Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Jeremia 31,10:
Hört das Wort des Herrn, ihr Nationen, und meldet es auf den fernen Inseln und sagt: Der Herr, der Israel zerstreut hat, wird es wieder sammeln und wird es hüten wie ein Hirte seine Herde.
Gott ist der Hirte seines Volkes. Kommen wir zurück zu Johannes 10.
Der offizielle Weg des Messias
Jesus gebraucht hier eine Szene, in der die Schafe verschiedener Hirten in einer Umzäunung mit Tor untergebracht sind. Vor dem Tor steht ein Wächter, der Türhüter. Was will Jesus sagen, wenn er formuliert: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht durch die Tür in den Hof der Schafe hineingeht, sondern anderswo hinübersteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. Wer aber durch die Tür hineingeht, ist Hirte der Schafe. Worum geht es ihm hier?
Es geht ihm um die Art und Weise, wie ein Hirte zu den Schafen kommt, nämlich durch die Tür, und wie ein Dieb oder Räuber sich der Schafe bemächtigt. Diese steigen nämlich einfach über den Zaun oder den Steinwall. Der Weg, auf dem jemand zu den Schafen kommt, weist ihn als Hirten oder als Dieb aus.
Wie passt dieser Gedanke zu dem Kapitel davor, also zur Heilung des Blindgeborenen? Ganz einfach: Wenn der Messias kommt, dann nimmt er den offiziellen Weg. Und was meine ich damit? Ich meine, dass das Kommen des Messias vorgezeichnet ist. Hört euch dazu mal Paulus an: 1. Korinther 15,3-4.
Denn ich habe euch vor allem überliefert, was ich auch empfangen habe, dass Christus für unsere Sünden gestorben ist nach den Schriften, und dass er begraben wurde und dass er auferweckt worden ist am dritten Tag nach den Schriften.
Hört ihr den Refrain „nach den Schriften“? Der Messias erscheint nicht einfach so auf der Bildfläche. Er lebt nicht irgendein Leben und hat nicht irgendeine Biografie, sondern sein Kommen wird von den Schriften, also vom Alten Testament, vorgezeichnet. So wie ein Hirte durch die Tür geht, so kommt der Messias, indem er die ihn betreffenden Prophezeiungen des Alten Testaments erfüllt. Und zu diesen Prophezeiungen gehört es eben auch, dass die Blinden sehend werden.
Wer anderweitig kommt und die Position des Messias einzunehmen versucht, der ist nur ein Dieb oder ein Räuber. Und ich denke, dass Jesus hier immer noch die Pharisäer im Blick hat. Sie können zwar keinen Blinden das Augenlicht geben, verstehen sich aber trotzdem als die geistliche Autorität und als Lehrer des Gesetzes. Sie übernehmen also die Funktion eines geistlichen Hirten und sind nicht bereit, die Herde einem anderen Hirten zu überlassen. Das ist ja auch der Grund dafür, warum sie gegen Jesus vorgehen.
Die Herde als Bild für Israel
Johannes 10,1-3. „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht durch die Tür in den Hof der Schafe hineingeht, sondern anderswo hinübersteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirte der Schafe. Diesem öffnet der Türhüter, und die Schafe hören seine Stimme. Und er ruft die eigenen Schafe mit Namen und führt sie heraus.“
Wenn wir das Bild übertragen, dann sind die Schafe in der Umzäunung ein Bild für das Volk Israel. Im Volk Israel gibt es zwei Sorten von Israeliten. Da sind zum einen die Leute, die sich religiös geben, aber nicht wirklich gläubig sind. Und dann gibt es die Juden, die den Messias erwarten und ihm folgen wollen, wohin er sie auch führt.
Diese Idee von zwei Sorten von Israeliten wird in der Kirchengeschichte später noch einmal sehr wichtig, nämlich dort, wo die Frage im Raum steht, ob Gottes Verheißungen an Israel aufgrund der geringen Zahl an bekehrten Juden womöglich hinfällig geworden sind. Paulus wird dann schreiben: Römer 9,6. „Nicht aber! Als ob das Wort Gottes hinfällig geworden wäre. Denn nicht alle, die aus Israel sind, die sind Israeliten.“
Es gibt ein gläubiges Israel im Bio-Israel. Dieser gläubige Teil ist der sogenannte Überrest. Und nur diesem Überrest gelten die Verheißungen Gottes, weil das die Juden sind, die gerettet werden. Römer 9,27. „Jesaja aber ruft über Israel: Wäre die Zahl der Söhne Israel wie der Sand des Meeres, nur der Rest wird gerettet werden.“
Und was Jesus hier mit dem Bild eines Hirten beschreibt, das ist der Moment der Trennung. Da ist eine große Schafherde, ein Bild für das Volk Israel, und der Messias ruft seine Schafe, den gläubigen Überrest, heraus. Und es gibt da ein Detail, das wir nicht übersehen dürfen: Der Messias ruft die eigenen Schafe mit Namen.
Der Ruf heraus aus dem alten Bund, hinein in den neuen Bund, ist also immer ein persönlicher Ruf. Der alte Bund ist eine kollektive Erfahrung, er betrifft ein Volk. Der neue Bund ist eine persönliche Erfahrung, er betrifft einzelne Menschen, die auf die Stimme Jesu reagieren.
Der persönliche Ruf und die offene Frage nach dem Türhüter
Johannes 10,1-3: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht durch die Tür in den Hof der Schafe hineingeht, sondern anderswo hinübersteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. Wer aber durch die Tür hineingeht, ist Hirte der Schafe. Diesem öffnet der Türhüter, und die Schafe hören seine Stimme. Er ruft die eigenen Schafe mit Namen und führt sie heraus.
Frage: Wer ist der Türhüter? Gute Frage, vielleicht Johannes der Täufer. Er öffnet, wenn man so will, die Tür für den Messias durch seinen Dienst als Bußprediger und Täufer. Aber das ist nur eine Spekulation.
Halten wir erst einmal fest: Der Herr Jesus betont hier, dass er der wahre Hirte des Volkes Israel ist. Er kommt auf dem durch Prophezeiungen vorgezeichneten Weg zu dem Volk. Er kommt, um die Israeliten aus dem Alten Bund herauszurufen, die Teil des gläubigen Überrestes sind. Gleichzeitig warnt er vor allen anderen Heilsbringern, deren Biografien sie als Diebe und Räuber ausweisen.
Abschluss und Anwendung
Was könntest du jetzt tun? Denke darüber nach, warum Gott so viel Wert darauf legt, dass der Messias nach den Schriften kommt.
Das war's für heute. Bete dafür, dass du ein liebevoller Mensch wirst. Einen Link zu Selbstreflexionsfragen findest du im Skript.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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