Serie•Teil 19 / 44Johannes-Evangelium
Generierte Mitschrift
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Einleitung: Warum der richtige Moment zählt
Hallo alle miteinander! Unser Thema heute hat damit zu tun, dass es wichtig ist, die Momente auszunutzen, die Gott uns schenkt, wenn es um das Thema Evangelisation geht.
Paulus fordert die Gläubigen in Kolosse in Kolosser 4,5 auf: Wandelt in Weisheit gegenüber denen, die draußen sind. Kauft die gelegene, die rechte Zeit aus, das heißt den passenden Augenblick.
Wenn man so will, können wir als Gläubige relativ entspannt leben. Wir leben einfach und schauen, wo sich Möglichkeiten auftun, mit Menschen über Gott ins Gespräch zu kommen. Und einen solchen Moment wollen wir heute betrachten.
Ein Konflikt als Ausgangspunkt
Johannes Evangelium, Kapitel vier. Spannend dabei ist: Alles beginnt mit einem Konflikt. Man denkt ja schnell, dass gute Gelegenheiten sich nur aus guten Voraussetzungen heraus ergeben, aber dem ist nicht so. Gute Gelegenheiten kommen, ohne uns zu fragen. Gott bereitet sie vor, und es ist unser Job, sie zu erkennen. Es ist irgendwie auch unser Job, dass wir uns auf sie einlassen.
Schauen wir uns kurz den Konflikt an: Johannes 4,1-3. Als nun der Herr Jesus erkannte, dass die Pharisäer gehört hatten, dass Jesus mehr Jünger mache und taufe als Johannes, obgleich Jesus selbst nicht taufte, sondern seine Jünger, verließ er Judäa und zog wieder nach Galiläa.
Also, was hören die Pharisäer? Die Pharisäer hören, dass die Popularität von Jesus zunimmt, und das ist der Moment, in dem sich der Herr Jesus zurückzieht. Wir wissen nicht genau, warum. Aber wir können annehmen, dass er einem Konflikt ausweicht. Im ersten Kapitel hatten die Pharisäer Johannes den Täufer schon auf den Zahn gefühlt. Sie hatten Leute hingeschickt, die fragten: Hey, wer bist du? Und wahrscheinlich steht Jesus jetzt im Fokus. Wir werden in späteren Kapiteln sehen, wie angespannt die Lage war.
Er verlässt Judäa und zog wieder nach Galiläa. Wieder, weil er ja aus Galiläa stammt. Es gibt nun zwei Wege vom Süden, Judäa, dem Gebiet rund um Jerusalem, in den Norden nach Galiläa. Einer geht ein Stück außen herum am Ostufer des Jordan entlang. Das heißt, man überquert den Jordan und geht dann am Ostufer nach Norden. Und es gab einen kürzeren Weg, der mitten durch Samaria führte.
Der Weg durch Samaria
Johannes 4,4-6: Er musste aber durch Samaria ziehen. Er kommt nun in eine Stadt Samarias, genannt Sychar, nahe bei dem Feld, das Jakob seinem Sohn Joseph gab. Es war aber dort eine Quelle Jakobs. Jesus nun, ermüdet von der Reise, setzte sich ohne weiteres an die Quelle nieder. Es war um die sechste Stunde.
Zwei Dinge:
Erstens: Wir wissen nicht, warum Jesus durch Samaria ziehen musste. Diesmal war es jedenfalls sein Weg.
Und zweitens: Die sechste Stunde ist im Johannesevangelium meines Erachtens, und ich weiß, darüber kann man sich streiten, aber ich denke, es ist achtzehn Uhr abends. Warum glaube ich das? Einfach weil es zwei Möglichkeiten gibt, die Stunden eines Tages zu zählen. Die Juden fangen normalerweise morgens um sechs Uhr an. Deswegen heißt es bei Markus in Markus 15,25: Es war aber die dritte Stunde, und sie kreuzigten ihn. Dritte Stunde, wenn ich morgens um sechs Uhr anfange, heißt neun Uhr vormittags, also die Zeit der Kreuzigung.
Markus 15,33: Und in der sechsten Stunde kam eine Finsternis über das Land bis zur neunten Stunde. Die Finsternis beginnt also in der sechsten Stunde. Sechs Uhr morgens plus sechs Stunden macht Mittag, und sie endet um fünfzehn Uhr. Matthäus und Lukas schreiben übrigens dasselbe. Das ist die jüdische Zählweise der Stunden. Der Tag beginnt morgens um sechs Uhr, und dann folgen zwölf Stunden am Tag.
Johannes zählt irgendwie anders. Wenn am Tag der Kreuzigung Pilatus sich ganz früh mit dem Fall Jesu beschäftigen muss, dann lesen wir unter anderem Folgendes in Johannes 19,14: Es war aber der Rüsttag des Passah, es war um die sechste Stunde, und er spricht zu den Juden: Siehe, euer König! Es war um die sechste Stunde. Bei Markus wäre die sechste Stunde mittags gewesen. Aber hier muss die sechste Stunde, wenn Pilatus zu dem Volk sagt: Siehe, euer König, vor der Kreuzigung liegen. Sagen wir mal: sehr früh morgens.
Und es gab bei den Römern tatsächlich die Möglichkeit, einen Tag von Mitternacht bis Mittag und von Mittag bis Mitternacht zu zählen. Ich gebe zu, diese Möglichkeit wird selten verwendet, aber sie gibt es. Und ich glaube, Johannes verwendet in seinem Evangelium ausnahmsweise diese Form der römischen Zählung.
Wenn Jesus also nach der Reise ermüdet zur sechsten Stunde in Sychar an der Quelle ankommt, dann ist es, gehen wir einmal nicht davon aus, dass er nachts reiste, was grundsätzlich auch möglich gewesen wäre, dann ist es achtzehn Uhr abends. Also: Jesus entzieht sich einem Konflikt. Er ist wahrscheinlich den ganzen Tag zu Fuß unterwegs gewesen, er ist müde, er setzt sich.
Und jetzt fängt Gott an, einen dieser Momente zu schaffen, von denen Paulus schreibt: Kolosser 4,5. Wandelt in Weisheit gegenüber denen, die draußen sind. Kauft die richtige, die gelegene Zeit, im passenden Augenblick kauft ihn aus.
Wenn wir uns kurz in Jesus hineinversetzen, ist er emotional und körperlich angeschlagen. Und doch hat er einen Blick für die Situation und lässt sich darauf ein. Und das ist spannend, weil ich glaube: Wenn wir uns auf von Gott vorbereitete Situationen nicht einlassen, dann dürfte so unser Hauptargument sein: Ich bin zu fertig dafür, oder ich muss erst mal was essen, ich kann einfach nicht mehr.
Bei Jesus ist das anders. Er sitzt da, und jetzt lesen wir Johannes 4,7-8.
Ein unerwarteter Gesprächsbeginn
Da kommt eine Frau aus Samarien, um Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken. Denn seine Jünger waren weggegangen in die Stadt, um Speise zu kaufen.
Für uns klingt das vielleicht gar nicht so merkwürdig. Die Jünger sind in der Stadt, um etwas zu essen zu kaufen. Jesus sitzt an der Quelle, ist erschöpft, wartet, und eine Frau kommt. Er spricht sie an: Gib mir zu trinken.
Und doch geschieht hier etwas, das eigentlich nicht geht. Und zwar geht das in mehrfacher Hinsicht nicht. Männer sprachen damals nicht einfach Frauen an, und die Juden baten schon gar nicht eine samaritanische Frau um einen Gefallen. Samariter und Juden, das war so eine Geschichte. Man hatte einen ähnlichen Glauben, aber nichts füreinander übrig.
Streitpunkt war dabei vor allem die Frage: Wo soll man anbeten? Für die Juden war klar: in Jerusalem. Für die Samariter war klar: auf dem Berg Garizim. Der wird in 5. Mose erwähnt, und man muss wissen: Die Samariter glauben nur an die fünf Bücher Mose. Die anderen jüdischen Schriften lehnen sie völlig ab. Und konsequenterweise errichten sie auf dem Berg Garizim ein eigenes Heiligtum, das dann allerdings 128 vor Christus von den Juden zerstört wird. Damit ist der Bruch zwischen den Samaritern und den Juden dann auch komplett.
Und das ist irgendwie fast ein bisschen witzig: Man wirft sich gegenseitig vor, vom wahren jüdischen Weg abgekommen zu sein. Man kann nicht miteinander, erwartet aber gemeinsam den Messias.
Jetzt kommt Jesus und spricht mitten in Samarien eine samaritanische Frau an. Johannes 4,9: Die samaritische Frau spricht nun zu ihm: Wie bittest du, der du ein Jude bist, von mir zu trinken, die ich eine samaritische Frau bin? Jetzt erklärt Johannes: Denn die Juden verkehren nicht mit den Samaritern.
Das ist hier sehr sachlich formuliert von Johannes: Denn die Juden verkehren nicht mit den Samaritern. Was die Frau fragt, ist so viel wie: Was tust du? Was tust du? In den Augen der Frau ist Jesus einer, der völlig aus dem Rahmen fällt. Ein jüdischer Mann, der a) überhaupt mit einer Frau spricht und b) noch dazu mit einer Samariterin und der vielleicht c) bereit ist, etwas zu trinken, das vorher von ihr beziehungsweise ihrem Schöpfgefäß berührt wurde.
Für einen normalen jüdischen Mann kam so etwas nie in Frage. Für Jesus schon. Für ihn gelten die normalen Grenzen, mit wem man reden darf und mit wem man nicht reden darf, nicht.
Aber sind Samariter nicht halbe Heiden? Ja, vielleicht. Aber ist es nicht total großartig, dass Jesus ein Herz für Leute hat, die nicht alles ganz richtig verstehen? Wisst ihr, wenn ich mir überlege, was ich verstanden habe, als ich mich bekehrt habe, ganz ehrlich: Ich glaube, ich wusste weniger als die Samariter. Ich hatte vor meiner Bekehrung die fünf Bücher Mose nicht einmal durchgelesen.
Jesus hat Durst, und er bittet sie um Hilfe. Und wo Menschen andere Menschen ablehnen und ihnen aus dem Weg gehen, sie wie im Fall einer samaritanischen Frau für unrein halten, da nutzt Jesus seinen Durst. Er nutzt den Moment für ein Gespräch. Und die Tatsache, dass er sie um einen Gefallen bittet, ist nicht nur überraschend, sondern auch vertrauensbildend.
Du möchtest, dass jemand dich mag? Dann bitte ihn um einen Gefallen. Das ist Psychologie. Was Jesus hier tut, ist unglaublich klug. Er nutzt sein Bedürfnis, seinen Durst, und setzt es ein, um eine Beziehung aufzubauen. Und was bei einer samaritanischen Frau geht, geht vielleicht auch bei Nachbarn.
Was ein guter Einstieg bewirken kann
Ich habe manchmal den Eindruck, dass Christen meinen, sie müssten immer die Überflieger sein, die niemanden brauchen, weil sie ja Gott haben. Man kann das so schön fromm formulieren.
Jetzt ist Jesus hier ein Vorbild. Ein Vorbild, wenn es darum geht, wie man ein evangelistisches Gespräch starten kann. Ich habe ein Problem, vielleicht kann mein Nachbar mir helfen, ich frage ihn mal.
Einwand, Jürgen: Ich traue mich vielleicht noch, meine Nachbarin zu fragen, ob sie eine Idee hat, wie ich meine Kornmühle repariert kriege oder den Kulifleck aus dem Pulli bekomme, aber dann weiss ich einfach nicht mehr weiter.
Ist dir mal aufgefallen, was Jesus jetzt tut? Vers 10 ist für mich immer wieder der Hammer. Man, ich wünsche mir, ich wünsche uns, dass wir öfter so auftreten.
Also, was sagt die Frau? Die Frau ist total perplex. Die Frau sagt: Wie bittest du? Was tust du? Hey, das geht doch eigentlich nicht.
Und Jesus antwortete in Johannes 4,10 und sprach zu ihr: Wenn du die Gabe Gottes kenntest und wüsstest, wer es ist, der zu dir spricht: Gib mir zu trinken!, so hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.
Okay, hier spricht Jesus als Messias. Ganz so können wir nicht auftreten, aber die Idee hinter dem Satz ist doch die: Wenn du wüsstest, was Gott für dich hat und dass Gott dein Leben verändern kann, dann würdest du mich bitten, dass ich dir alles erzähle.
Merk dir, wie in dem Satz einfach nur der Wunsch mitschwingt, dass ein anderer Mensch von Gott gesegnet wird. Wenn du die Gabe Gottes kenntest, wenn du wüsstest, was Gott für dich hat, man, das wäre so super!
Und ich möchte euch das vorstellen als eine Idee: Wenn du nicht weisst, was du mit deiner Nachbarin, mit deinem Nachbarn besprechen sollst, wenn du vielleicht Angst hast, der könnte dich Dinge zum Glauben fragen, die dich einfach überfordern, hier ist ein Anfang:
Wenn du wüsstest, was Gott für dich hat, wenn du wüsstest, was ich jeden Tag mit Gott erlebe, wenn du wüsstest, wie gut mir Gott tut, wie er mir Hoffnung schenkt, wie er in meine Ehe, in meinen Umgang mit den Kindern, in mein Berufsleben hineinwirkt, was das bedeutet, in seiner Weisheit unterwegs zu sein, was es bedeutet, Vergebung zu erfahren und um Vergebung bitten zu können, wenn du all das wüsstest, Mann, das ist so grossartig, ich wünsche mir das für dich.
Schlussgedanken und drei Lektionen
Das ist so die Idee hinter diesem Satz. Wo sind wir gestartet? Wir sind gestartet in Kolosser 4,5: „Wandelt in Weisheit gegenüber denen, die draußen sind, und kauft die rechte Zeit aus“, im Sinne von: Nutzt den passenden Augenblick.
Und wir haben uns die ersten Verse von Johannes 4 angeschaut, um drei Lektionen zu lernen.
Erstens: Es braucht keine besonderen Momente, um mit Menschen über Gott ins Gespräch zu kommen. Sei müde, sei durstig, das reicht.
Zweitens: Bitte doch einfach andere Menschen um Hilfe, und schon hast du einen Gesprächseinstieg. So einfach ist das.
Drittens: Wenn du nicht weißt, was du sagen sollst, schwärme ein bisschen von dem, was Gott für sie an Segen bereithält, was du mit ihm jeden Tag erlebst. Und vielleicht werden sie hungrig, hungrig und durstig nach mehr.
Viel Freude in den Gruppen. Das Thema heute im Austausch lautet: „Passende Augenblicke“.
Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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