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Erhebet eure Häupter

Lukas 21,5-2823.03.2003
Wenn die Welt wankt, sagt Jesus nicht: Hab Angst. Er sagt: Kopf hoch – deine Rettung kommt. Gerade mitten im Chaos beginnt Hoffnung, die trägt, auch wenn alles kippt.

Einleitung: Die Botschaft mitten in der Angst

Es ist unglaublich, dass die Angst entmachtet wird. Erhebt eure Häupter, weil sich für euch Erlösung naht!
Im Alten Testament der Bibel wird berichtet, dass Samaria, die Hauptstadt des Nordreiches Israel, von Ben-Hadad und seinen Truppen belagert werden sollte. Sie hatten Samaria, diesen Königshügel, bereits umgeben. Die Stadt war ausgehungert. Achtzig Silberlinge wurden für einen Eselskopf gezahlt, also für etwas, das nicht einmal mehr einen Laut von sich gab. Und sogar für einen Brocken Taubenmist wurden zehn Silberlinge gezahlt. Der Hunger war furchtbar. Sogar Menschenfresserei war schon ausgebrochen. Mütter hatten ihre Kinder geschlachtet, bloß um zu überleben.
Da hat der König von Samaria geklagt: Da kann Gott auch nicht behelfen. Was kann ich noch von Gott erwarten? Und da hat der Prophet Elisa gesagt: Was Gott kann? Morgen wird es für einen Silberling ein Maß feines Weizenmehl geben, für einen Silberling sogar zwei Maß Gerste.
Da sprach der Hauptmann, der Ritter, auf den sich der König lehnte. Der König war schon beinahe auf ihn angewiesen, er brauchte jemanden, auf den er sich stützen konnte. Der Ritter sagte, das sei unmöglich. Wenn er aus Essen gekommen wäre, hätte Ulrich Barzahn vielleicht gesagt: unmöglich, so wunderbar unmöglich, nicht? Unglaublich, das gibt es gar nicht, technisch unmöglich. Selbst wenn Gott Fenster am Himmel machte und die Fenster aufmachte, wäre das unmöglich. Und Elisa sagt: Du wirst es mit deinen Augen sehen, morgen.
Inzwischen waren vier aussätzige Männer, die nicht mehr in die Stadt hinein durften, weil sie keinen Kontakt mit anderen Menschen haben durften, erst recht am Verhungern. Da hat niemand mehr etwas zugeworfen, es gab ja nichts. Da haben sie gesagt: Lasst uns doch zum Lager der Aramäer gehen, zu den Zelten da unten. Wenn sie uns totschlagen, dann macht das auch nichts aus. Wir gehen ohnehin zugrunde. Aber vielleicht kriegen wir da in den Baracken der Aramäer, in ihren Abfallkörben, vielleicht etwas zu holen.
Und als sie ins Lager der Aramäer kamen, war es leer. Pferde und Esel standen angebunden da. Gott hatte Schrecken über die Aramäer kommen lassen, und sie waren Hals über Kopf geflohen. Sie hatten ihre Zelte zurückgelassen, voll mit Essen und Trinken, mit Gold und Silber, mit Kleidern und Rüstung, mit Schwertern. Da haben die ausgehungerten Aussätzigen zuerst einmal reingehauen, wie wir auf dem schönen Blick. Und als sie nicht mehr konnten, so wie wir nach acht Tagen Schönblick, haben sie gesagt: Was wir jetzt machen, das darf man eigentlich nicht. Wenn hier so viel ist, dann müssen wir doch denen in Samaria sagen, dass es da in Hülle und Fülle das gibt, was man zum Leben braucht. Es ist doch ein Tag guter Botschaft. In der Bibel steht: Hēmera tou Evangelium, Tag des Evangeliums.
Da gehen sie als Stadtbote hinaus und rufen: Kommt, kommt, hier gibt es in Hülle und Fülle genug! Die Stadttore gehen auf, und der Ritter, auf den sich der König sonst lehnte, wollte als Verkehrspolizist den Strom ein wenig regulieren. Aber den haben sie erdrückt. Mit seinen Augen hat er alles noch gesehen, aber nicht mehr miterlebt, den Tag der guten Botschaft, der guten Gottesbotschaft.
Aber wir wollten in diesen Tagen quer durch Europa und besonders in Deutschland das Hinausschreien: Es ist Tag guter Botschaft, nicht bloß eine Zeit der Ängste, nicht nur Jahre, in denen wir spüren, dass die alte Welt am Zusammenkrachen ist. Hier ist Gewissheit zu holen, Zukunft, Heil, Tag des Evangeliums. Kommt und holt!
Auch in den Tagen der großen Ängstigungen, wie wir es vorher im Psalm gebetet haben, da das Meer wütete und wallte und von seinem Ungestüm die Berge einfielen, wollen wir Worte hören, die leben, die wecken, die uns wunderhaft erreichen.

Die Rede Jesu als Deutung der Weltlage

Wir hören aus Lukas 21 noch einmal Abschnitte aus dieser großen Rede unseres Herrn Jesus. Jesus sprach: Es wird die Zeit kommen, da von allem, was ihr in Jerusalem seht, auch von dem schönen Tempel, nicht ein Stein auf dem anderen gelassen wird, der nicht zerbrochen wird.
Seine Jünger fragten ihn: Wann wird das geschehen? Er aber sprach: Lasst euch nicht verführen. Viele werden kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin’s. Folgt ihnen nicht nach. Und wenn ihr hören werdet von Kriegen und Aufruhr, entsetzt euch nicht. Das muss zuerst geschehen, zuvor aber ist das Ende noch nicht so bald da. Und ein Volk wird sich erheben gegen das andere, ein Reich gegen das andere. Und es werden große Erdbeben geschehen, hier und dort Hungersnöte und Seuchen. Und es werden große Schrecknisse, auch vom Himmel her große Zeichen geschehen.
Aber vor diesem allem werden sie die Hand an euch legen und euch verfolgen. Doch nehmt nicht zu Herzen, dass ihr euch vorher sorgt, wie ihr euch dann verantworten oder wie ihr bestehen wollt. Denn ich will euch Mund und Weisheit geben, der alle eure Gegner nicht widersprechen können. Ich will auch noch da sein. Seid standhaft, ihr werdet euer Leben gewinnen. Kein Haar von eurem Haupt soll verlorengehen.
Und Jerusalem wird zertreten werden von den Heiden, bis die Zeiten der Heiden erfüllt sind. Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen. Auf Erden wird den Völkern bange sein. Sie werden verzagen vor dem Brausen, vor dem Wogen des Meeres. Und die Menschen werden vergehen vor Furcht und Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde. Denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. Und dann werden sie sehen: den Menschensohn werden sie, Jesus, sehen kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit.
Aber wenn dies anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht. Also nicht, dass es unglaublich wäre, dass es unvorstellbare Ängste geben wird und gibt. Das Eigenartige ist, was Jesus gesagt hat: Die Menschen werden verschmachten vor Warten und vor Furcht vor den Dingen, die kommen sollen.
Sie brauchen bloß einmal bei modernen Schriftstellern zu lesen, etwa bei Christa Wolf. Sie sagt: Merkt ihr nicht, dass das Knistern im Gewölbe des Himmels das Himmelsgewölbe zerbrechen könnte und die Eiseskälte des Weltraums bei uns einströmen könnte? Merkt ihr nicht das Beben unter unseren Füßen, dass die Erde sich auftun könnte und wir versinken könnten in die glühende Lava des Erdinneren?
Es gibt Ängste. Nicht bloß Ängste vor dem Feindlichen, das bis ins Universum hineingeht, bis in die Natur, sondern auch Ängste vor mir selber. Was ist mit mir los? Der Schriftsteller Yehuda Ja’ari sagt: Ich habe immer wieder Sorge, nicht dass der Teufel über mich kommen könnte oder dass in unserer Welt der Teufel los ist, sondern dass in mir selbst der Teufel ist. Ich erschrecke über mich selbst.
So gibt es Ängste. Was ist eigentlich los in dieser Welt? Und da sagt Jesus: Wenn das anfängt, dann erhebt eure Häupter. Aufrechter Gang, Kopf hoch! Mut! Seid gespannt darauf, wie die Erlösung Gottes zu euch kommt. Die große Erlösung Gottes naht sich uns.
Das gibt es schon jetzt erfahrbar. Gestern war das Thema: Worte wirken Wunder, die Worte des Herrn Jesus.

Persönliche Zeugnisse von Trost und neuer Hoffnung

Ich habe es erlebt, hier im Remstal, dass ein Mann in den besten Jahren, ohne dass es einen äußerlichen Anlass gab, gesagt hat: Für mich gibt es keine Chance mehr in diesem Leben, es ist sinnlos. Ich lege mich heute Nacht auf die Gleise, da, wo von Urbach hinüber oder von Schorndorf nach Urbach hinüber die Straße führt.
Er hatte sich schon säuberlich geduscht, einen Jogginganzug angezogen, und dann hat er noch gewartet, bis zum Letzten in der Region, der in Richtung Aalen kommt, und hat das Fernsehprogramm in sich hineinlaufen lassen, so hat er es mir nachher erklärt. Da kam auch das Wort zum Sonntag, und da hat einer die Geschichte erzählt von Elia, der sagt: Nimm nun meine Seele, ich habe keine Lust mehr, Herr, ich bin auch nicht besser als meine Väter. Und der Herr sprach: Steh auf, du hast noch einen weiten Weg vor dir.
Ein katholischer Priester hat dieses Wort zum Sonntag gesprochen, deshalb kam die Bibel vor. Und das hat ihn getroffen. Vielleicht hat auch Gott für mich noch einen weiteren Weg. Wo steht denn die Geschichte? Er hat in seinem Bücherschrank geschaut und hat gemerkt: Ich habe gar keine Bibel mehr. Und hat die Stunden gezählt bis zum Montagmorgen, damit er zur Buchhandlung Schmied gehen konnte in Schorndorf, um eine Bibel zu kaufen und die Geschichte zu finden. Wo steht das?
Als er mir es erzählt hat, dachte ich: Oh lieber Mann, das hast du ja wahrscheinlich kaum gefunden, 2. Könige 7. Er hat gesagt: Herr Schiffo, ich musste so in der Bibel blättern, stundenlang, bis ich es fand. Aber bei diesen Blättern habe ich so viele herrliche Gottesworte gefunden, kann ich Ihnen gar nicht sagen. Jetzt habe ich Mut zum Leben.
Und dann hat er gesagt: Was ist denn ein Jesuswort verglichen mit allem Trost, den Psychologen geben wollen, wenn Jesus sagt: In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Damit kann man leben, mitten in Ängsten. Wenn wir meinen, dass wir die Welt überwunden haben: Ich bin doch auch noch da. Ich habe die Welt überwunden. Seht auf und erhebt eure Häupter, darum, dass ich für euch Erlösung nahen lasse.
Ich darf sehr persönlich sagen: Ich erzähle immer wieder von der Krankheitszeit, aber weil das eben Einschnitte sind und weil auch ich den Eindruck habe, so etwas muss man erlebt haben, damit man es weitersagen kann. Jesus hat zum Kranken gesagt: Geh und verkündige, was du mit mir erlebt hast.
In der Krankheitszeit war ich dankbar für viele Zeichen der Verbundenheit: Wir beten für dich, wir denken an dich. Das Allerwichtigste war eine Karte, auf die einer geschrieben hatte: Heidelberger Katechismus, Artikel 1. Was ist der einzige Trost im Leben und im Sterben? Dass ich nicht mein Eigen bin, sondern meines treuen Herrn Jesus Christus Eigentum bin, der mit seinem heiligen, teuren Blut mich so vollkommen erlöst hat, dass mir ohne den Willen des Vaters nicht ein Haar von meinem Haupt fallen kann, ja, auch mir alles zum Heil dienen muss.
Das ist Trost. Das sind Worte, hinter denen Potenz ist, Dynamik, Kraft. Da werden sie auf einen ganz neuen Boden gestellt. Worte wirken Wunder, im Leben und im Sterben. Selbst wenn bei der Chemotherapie alle Haare ausfallen, der Herr ist auch dahinter. Ohne seinen Willen fällt nicht ein Härlein vom Kopf, weil er mich erlöst hat und weil ich ihm gehöre.
In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Gehen Sie dieser Spur nach. Ich möchte es Ihnen mitgeben, diese großen Aber in der Bibel. Männer werden müde und matt, und Jünglinge fallen. Ich frage mich, warum die Feministinnen dieses Wort noch nicht entdeckt haben. Männer werden müde und matt, Jünglinge fallen, aber selbst die schwachen Männer, die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft.
Da sie auffahren mit Flügeln wie Adler. Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker, aber über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen. Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. Maria, du hast viel Sorge und Mühe, Not, eins, aber ist Not.
Denken Sie bei diesem Aber gut: Der Herr Jesus bestreitet gar nicht und sagt nicht, schau die Welt nicht so pessimistisch an. Doch gibt er auch einen schönen Sonntagmorgen mit Sonne. Nein, nein, nein, in der Welt ist sehr viel Not, aber ich bin auch noch da. Erhebt eure Häupter, kopfhoch! Zuversichtlicher Blick, aufrechter Gang. Es kommt Erlösung für euch.

Der Blick auf Gottes Ziel und den kommenden Herrschaftswechsel

Ich möchte aus diesem großen Wort des Herrn Jesus nur auf drei Dinge hinweisen. Wir haben leider gar nicht die Zeit, das auch nur einigermaßen erschöpfend zu hören.
Einmal: worauf Gott aus ist. Nach all diesem bangen Warten und dem Zerbruch der alten Welt wird Jesus in Kraft und Herrlichkeit kommen. Die Regierungen dieser Welt müssen sich bemühen, die Sozialsysteme einigermaßen in Ordnung zu bringen, und das ist schwierig genug. Die Regierungen dieser Welt müssen sich bemühen, all die verschiedenen Lobbyisten und Gruppen bei Laune zu halten, von Arbeitgebern bis zu Gewerkschaften. Auch das ist schwierig genug.
Aber das sind alles begrenzte Ziele. Unser Gott ist darauf aus, dass die Reiche dieser Welt unseres Herrn und seines Christus werden, und er wird regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit. Unvorstellbar, unglaublich schön wird das sein. Die Bibel sagt andeutungsweise: eine Welt, in der Gerechtigkeit wohnt und kein Leid und kein Geschrei mehr ist. Jesus wird regieren, darauf ist Gott aus. Dann wird der Menschensohn kommen in großer Kraft und Herrlichkeit.
Es ist kein Wunder, dass der „Fürst dieser Welt“, so bezeichnet Jesus den Teufel, dagegen rebelliert. Als im Sommer 1944 die Amerikaner bereit waren, unvorstellbare Opfer zu bringen, um Europa von der Dämonie Hitlers zu befreien, dürfen wir auch nie die Dankbarkeit vergessen. Sie haben schon einmal gegen das Reich des Bösen gekämpft; deshalb liegt ihnen dieser Sprachgebrauch so nahe.
Als sie gelandet sind, ich weiß noch, ich saß morgens als junger Schüler im Zug da, im Urhartal, und da kamen die Arbeiter von Dettingen und haben gesagt: Jetzt sind sie gelandet. Aber der Hitler lässt sie bloß reinkommen, und dann wird er sie in hohem Bogen ins Meer schmeißen. Nein, nein, die wollten Europa befreien. Die Herrschaft der Freiheit aufrichten in einem Land, in dem es Sklaverei gab.
Aber wie hat sich unser deutsches Reich verteidigt? Am Ende des Kriegs, ich habe es erlebt in Erkenbrechtzweiler und in Hülben, wurde um jede Dunglege, schwäbisch: jeden Misthaufen, gekämpft, um ja nichts preiszugeben. Ich gebe keinen Millimeter preis. Bis dann endlich der Sieg da war, der Tag der Freiheit.
Und so ist es auch in unserer Welt. Der Fürst dieser Welt gibt Widerstand. Ich wundere mich eigentlich, dass diese Woche noch so ungestört laufen konnte. Das war ganz große Bewahrung Gottes in Essen und bei uns, also bei jedem Einzelnen, bei dem Gott jetzt gewirkt hat, wenn er bloß wieder heimkommt. Würde der Fürst dieser Welt dafür sorgen, wäre das alles Einbildung, Massenpsychologie, das wäre doch wieder normal. Sie werden umkämpft sein, weil der Fürst dieser Welt keinen Millimeter nachgeben will, keinen Menschen preisgeben will.
Aber Gott ist darauf aus, dass er regieren wird, der Sohn Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Mitten im Kampf: nicht Zuschauer bleiben, sondern mitgehen

Da in Hülpen, dem Ort, in dem ich evakuiert war, vier französische Kriegsgefangene als landwirtschaftliche Helfer eingesetzt waren. Und wenn ab 1944 die Bomberpulks darüberzogen, dann mussten Sie, die das erlebt haben, es den Kindern und Enkeln einmal erzählen. Die können sich das nicht mehr vorstellen.
Ganz oft waren es 70 Bomber zusammen, umkreist von Jagdflugzeugen. Und dann hieß es in Dahnkulg und Dahnkulg: Heute geht es nach München, heute geht es nach Augsburg, heute ist Nürnberg dran. Und dann hörte man den Erdboden erzittern, wenn Nürnberg dran war, und Augsburg, und erst recht Ulm. Da zog man den Kopf ein und fragte sich, wann sie wieder zurückkommen.
Während wir Angst hatten, sind die vier französischen Kriegsgefangenen von Tag zu Tag drei Zentimeter gewachsen, hat man den Eindruck gehabt. Die haben ihre Häupter erhoben: Jetzt geht es bald der Freiheit entgegen, dem Sieg. Erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht, dass wir aus der Gefangenschaft herauskommen, wieder freie Leute sind. Unsere Sache wird siegen.
Und so meint der Herr Jesus in all den Schrecken dieser Welt: Das ist doch bloß ein Zeichen. Wie wenn der menschliche Körper seine Korrosionserscheinungen hat, im Herzen, in der Leber, mit den Nieren und mit den Knien, und es ist auch nicht mehr so. Das ist ein Zeichen dafür, dass es bald vorbei ist. Und so ist es mit unserer Welt, mit all dem Durcheinander unserer Welt: Zeichen, dass die Welt am Ende ist mit ihrer Kraft. Aber erhebt ihr eure Häupter, Versprießen Zeichen, dass die neue Welt Gottes kommt.
Zweiter Gedanke: Dieser Herrschaftswechsel soll uns ja nicht bloß als unbeteiligte Zuschauer sehen, sondern wir sollen mit hineingerissen werden. Wir sind in diesen Tagen immer wieder auch auf das letzte Buch der Bibel, auf die Offenbarung, hingewiesen worden, wo darin steht die Botschaft, dass Gott alles neu machen wird, alles Leid und alle Not abtun wird, alle Tränen abwischen wird und dem Durstigen geben wird vom Brunnen des lebendigen Wassers umsonst.
Aber vorher, am Anfang, redete der erhöhte Jesus mit ganz konkreten Gemeinden. Passt auf, ihr dürft nicht Zuschauer sein, ihr seid umkämpft. Wer getreu ist bis an den Tod, rechnet doch damit, dass ich bei euch bin. Ulrich Barzani hat fast jeden Abend gesagt: Siehe, ich stehe doch vor der Tür. Nicht bloß die Weltgeschichte ereignet sich um euch herum, sondern ich stehe vor der Tür und klopfe an. Ich bin auch gar nicht richtig in eurer Mitte.
Jesus sagt: Wenn da diese Not der Verfolgung kommt, ich will euch Mund und Weisheit geben. Ich bin doch da. Ich gebe euch sogar die richtigen Worte in euren Mund.
Jochen Klepper, wir gedenken ja an diesen Tagen daran, dass er vor hundert Jahren geboren ist, hat unter den vielen stärkenden, hilfreichen Gedichten und Sonetten, die er hinterlassen hat, ein Abendmahlslied für Männer. In dem heißt es: Das wird sich als der Siege Sieg erweisen, dass du uns wieder in den Kampf gerissen. Das wird sich als der Siege Sieg erweisen, dass du uns wieder in den Kampf gerissen.
Liebe Brüder und Schwestern, diese Tage sind dazu da, dass wir aus aller Harmlosigkeit aufwachen. Vielleicht hat uns schon längst der Teufel am Bändel gehabt. Und ich möchte doch zum kommenden Sieger gehören. Ich möchte aufwachen und wieder in den Kampf hineingehen. Ich möchte mich stellen. Ich möchte auf der richtigen Seite sein, bei denen, auf die die Erlösung zukommt.

Persönliche Entscheidung, Trost im Sterben und der abschließende Zuspruch

Ich habe in meiner Jugend noch miterlebt, im Dritten Reich, als die ganze evangelische Jugendarbeit verboten war. Wir durften keinen Fußball mehr spielen, keine Freizeit mehr halten, keine interessante Geschichte mehr hören. Nur religiöse Betreuung war erlaubt, und da wurden die Gruppen ganz klein.
Im ehemaligen Johannesverein in Stuttgart, in der blühenden Jugendarbeit im Westen von Stuttgart, waren in unserem kleinen Jugendkreis noch sieben Leute. Heute ist er einer: Gerd Hummel, Professor der Theologie und Bischof von Georgien, der sein Vermögen von zwei Millionen, das er von seiner Mutter geerbt hatte, hineingeopfert hat, damit es wieder ein Gemeindezentrum in Georgien gibt. Nämlich Konrad Siegler, der Bruder, Bruder des Oberen für alle Diakone in Bethel. Dann ist der Freund Wagner Vorstandsmitglied der Deutschen Indianer-Pioniermission, sein Bruder Vorsitzender der christlichen Bäckervereinigung, mein Bruder Kurt als ehemaliger Geschäftsführer einer großen Firma in einem missionarischen Unternehmen für Manager.
Was wäre gewesen, wenn der Gruppenleiter gesagt hätte: Sieben Leute, das lohnt sich nicht mehr? Nein, der wusste: Erhebt eure Häupter. Und nach 1945, als die Freiheit da war, waren wir, weil wir bloß Bibelarbeit machen durften, Andachten hielten und gerüstet waren, auch wenn Fußball gespielt wurde, Freizeit gemacht wurde, dass wir das Entscheidende weitergeben konnten.
Wacht und lasst euch auf der richtigen Seite engagieren. Lasst euch wieder in den Kampf hineinreißen und erhebt eure Häupter. Denkt an übermorgen, was Gott noch mit uns vorhat, wenn er einen Weg mit uns geht, dass wir als seine Außenvertreter in dieser zu Ende gehenden Welt drin sind, als Segensträger mitten in dieser Welt. Ich will mit euch sein! Kommt nicht aus bangem Warten, was kommen wird, nicht aus zerbrechenden Weltzeichen, Naturkatastrophen. Ich will bei euch sein!
Das gilt auch ganz persönlich. Wir werden ja alle sterben, todsicher, wie wir so makaber sagen. Und da gibt es verschiedene Tröstungen. Im Hinduismus deshalb lässt man sich am Ganges verbrennen und dann die Asche in die Mutter Ganga, in den Ganges, werfen, damit man in einer anderen Konsistenz im Bereich der vier Elemente bleibt, dass vom Verbrennen in die Luft aufgeht, das Feuer da ist und die Asche ins Wasser geworfen wird. Und die Indianer denken, dass man irgendwo bei den glücklichen Weidegründen, Jagdgründen sein wird. Die Menschen sagen: Irgendwie wird es weitergehen.
Und in der Bibel steht: Wir wissen, wir wissen, wenn unser irdischer Leib, diese Hütte, dieses Zeltchen, abgebrochen wird, dass wir einen Bau haben von Gott erbaut, nicht mit Händen gemacht, im Himmel. Wir wissen es, weil Jesus uns zugesagt hat, ein Wort voller Wahrheit: Wer an mich glaubt, kann gar nicht mehr richtig sterben. Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt. Und wer an mich glaubt und mit mir lebt, der stirbt im Durchgang, kann gar nicht mehr richtig sterben. Da will ich auch da sein.
Natürlich fragen wir: Wie wird das sein? Manche Dinge würden wir gern wissen, auch wenn wir das Sterben von lieben Angehörigen miterleben. Gestern bin ich gefragt worden bei der Vorbereitung der Beerdigung, die ich morgen halten darf: Wo ist jetzt Mutter? Bis zum letzten Atemzug war sie Mutter, und jetzt, was da im Saal liegt, ist doch bloß noch Gleit, abgelegtes Gleit, Körper. Wo ist sie jetzt? Ich weiß es nicht. Ich kann bloß gespannt darauf sein, wie es mal bei mir sein wird.
Wir würden gern wissen, mit welcher Gestalt wir einmal sein werden, wenn es wahr wird: Er wird meinen vergänglichen Leib, meinen nichtigen Leib verklären, dass er gleich wird seinem verklärten Jesus, dem Auferstehungsleib, nach der Wirkung der Kraft, mit der er alle Dinge sich unter sich machen kann. Werde ich sein wie ich als Zwanzigjähriger auf dem Passbild ausgesehen habe, als Vierzigjähriger oder so wie jetzt, wo ich versuche, die letzte Haarsträhne noch rüberzuziehen, bevor ich zum Fotografen gehe? Wie werde ich aussehen? Würden wir ja gern wissen, gell? Warten wir ab. Wir können gespannt sein, wie das sein wird.
Aber das Wort der Wahrheit, das Wunder wirkt, dass Jesus wie im Grab des Lazarus auch zu uns sagen möchte: Komm, komm, komm, steh auf! Freut euch, dass die Erlösung naht! Was haben wir als Christen für komische Vorstellungen oft? Ich möchte nicht so schnell sterben, ich möchte noch ein bisschen dableiben. Hoffentlich kann man die Metastasen ein bisschen stoppen. Aber so alt möchte man auch wieder nicht werden, dass man mir in allem helfen muss. Ja, wie soll der liebe Gott den richtigen Augenblick dazwischen abpassen, gell? Am liebsten würden wir Schwaben gesund sterben.
In all diese Vorstellungen hinein sagt der Herr Jesus: Hauptsache ist doch, dass es Erlösung für euch gibt. Auch von diesem nichtigen Leib, von der Vergänglichkeit, mit den vielen falschen Gewohnheiten. Habt doch nicht Angst vor dem Tag des Sterbens, vor dem Leiden. Es gehört zwar animalisch dazu, dass wir bange haben, ob wir es durchstehen. Ich will mit euch sein. Das Wort Jesu kann die Angst aus unserem Leben wegnehmen: Siehe, ich bin auch noch da.
Es hat mich in den Tagen der Krankheit und der Schwäche getröstet. Wieder ein anderer Vers von Philipp Friedrich Hiller: So wird mein Tod mir nicht zu früh noch unversehens kommen. Ich spreche stets: Herr, ich bin hier, hast du mich angenommen? Wenn du mich schon angenommen hast, so nimm ich ewig auch zu dir ein. Dies soll mein letztes Beten sein: Nimm mich zu dir, Herr Jesus!
Das ist erhebendes Häupter mitten im Durcheinander und in der zerbrechenden Welt, mitten in den Ängsten: Nimm mich zu dir, Herr Jesus! Und jetzt weiß ich gar nicht, ob ich nach vorne bitten darf, so wie wir es jeden Morgen gehalten haben, dass die, die die Bitte haben, nimm mich doch, Herr Jesus, zu dir, nicht bloß im Sterben, sondern jetzt jeden Tag, auch wenn wir vom Schönblick gehen, nach vorne kommen und sich noch einmal persönlich zusprechen lassen.
Wer von uns hat denn nicht diese Sehnsucht: Nimm mich doch zu dir, Herr Jesus. Ich möchte nicht bloß den Naturkatastrophen ausgeliefert sein, den Ängsten, der Bangigkeit, die aus meinem Herzen aufsteigt. Nimm mich zu dir, Herr Jesus! Aber alle, die es in besonderer Weise erbitten wollen, auch festmachen wollen, jetzt an dem ersten Sonntag nach Frühlingsbeginn, an dem Sonntag, wo es heißt: Deine Augen, die Augen des Herrn, schauen alle Lande, dass er Stärke denen gibt, die von ganzem Herzen an ihm sind. Meine Augen sehen stets zum Herrn.
Wenn sie das festmachen wollen, kommen sie bitte nach vorne, während der Chor singt: Jesus, zu dir darf ich. Ja, und ich möchte dann mit denen, die vorne sind, ein Gebet sprechen. Bitte auch Sie, dass Sie mitsprechen. Aber lassen Sie alle vorkommen, die es festmachen wollen. Wir bleiben sitzen, dazu werden kann. Was mich beschwert, das hast du längst am Kreuz getragen. Nie mehr!
Auch Sie bitten, und auch alle unter uns, die der Herr Jesus angerührt hat, wir wollen uns dazu alle erheben, dass Sie nachsprechen, was ich Ihnen als Gebet und Bekenntnis vorsprechen will:
Herr Jesus Christus, danke, dass ich nicht bleiben muss, wie ich bin. Danke, dass ich dich suchen darf, wie ich will. Du hast schon so viel Gutes in mein Leben gegeben. Du hast mich jetzt gerufen, vielen Dank. Deine Vergebung gilt. Du hast all das Böse meines Lebens weggenommen. Jetzt möchte ich ganz zu dir kommen, mit Leib und Seele dir gehören. Hier in dieser Welt und einst ewig. Herr, du nimmst alle Ängste weg, in dir sind wir geborgen. Vielen Dank. Amen!
In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost! Ich, spricht Jesus, habe die Welt überwunden. Diesem Herrn seien Sie befohlen.