
Apostelgeschichte 11,19-30 Der Wert von guter Lehre in der Gemeinde
Apostelgeschichte 11,19-11,3006.03.2016
Serie•Teil 22 / 64Apostelgeschichte
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Ein persönlicher Einstieg mit Blick auf die Gemeindeleitung
Mein Name ist Jürgen Fischer, und wir wollen weitermachen in der Apostelgeschichte, Kapitel 11, Verse 19 bis 30.
Bevor wir das machen, möchte ich euch gerne sagen, warum ich eure Gemeindeleitung, also eure Ältesten, so cool finde. Es gibt einen ganz einfachen Grund, warum ich eure Ältesten absolut cool finde: Sie haben mich angestellt.
Das klingt im ersten Moment ein klein bisschen schräg, wenn ich das so formuliere. Vielleicht denkt sogar der eine oder andere, das klingt ein bisschen selbstverliebt, wenn er mich nicht so gut kennt. Aber ich möchte kurz erklären, warum das doch ein Argument ist.
Wer mich als Person ein bisschen kennt, der weiß: Ich bin von meiner Grundbegabung her Bibellehrer. Das heißt, der soziale Touch ist nicht ganz meine Stärke. Das wird im Alter besser. Da gibt es die Altersmilde, die so ein bisschen die persönliche Radikalität entschärft. Aber ganz ehrlich: Ich genieße es unglaublich, in aller Ruhe hinter meinem Schreibtisch zu sitzen und Bibeltexte auszuknobeln. Ja, was könnte das bedeuten? Das ist einfach meine Welt.
Ich werde in drei Wochen in Urlaub fliegen. Ich freue mich riesig darauf, und meine Urlaubslektüre wird zur Hälfte aus Krimis und zur anderen Hälfte aus Kommentaren zum Buch Prediger bestehen. Ich weiß nicht, ob ihr euch das auch so als Urlaub vorstellt: zehn Tage lang Sonne, Strand und gute Bibelkommentare. Und wenn dann noch meine Frau dabei ist, dann bin ich wunschlos glücklich.
Ich kann mir gut vorstellen, dass die meisten hier im Raum sagen: Warte mal, englischsprachige technische Kommentare zu so einem abstrusen Buch aus dem Alten Testament – das nennst du Urlaub? Ja, das tue ich. Das bin ich. Da finde ich mich einfach total wieder. Und von daher: Ich bin der komische Typ, dem man Bibelfragen stellen darf. Jede, die dir einfällt. Ich mache das auch manchmal, das habt ihr ja schon mitgekriegt, zu Seminaren: All you can ask, hau raus, was dir einfällt.
Und deswegen könnt ihr euch vielleicht vorstellen, dass ich anno 2007, als eure Ältesten auf mich zugekommen sind, total begeistert war. Denn eure Ältesten haben damals drei Dinge getan, die absolut nicht selbstverständlich sind.
Punkt eins: Sie haben sich selbst richtig eingeschätzt. Damit meine ich: Eure Ältesten waren damals unglaublich gut und sind es noch in meinen Augen in Seelsorge, in Evangelisation und in Organisation. Aber so die Hardcore-Lehrer sind sie wahrscheinlich nicht. Das ist nicht böse, das ist einfach nur unglaublich realistisch und demütig. Und ich kann an der Stelle wirklich nur den Hut ziehen und sagen: Wow, das einfach zu sehen, ist schon mal grandios. Das ist der erste Punkt.
Der zweite Punkt: Eure Ältesten haben den Wert guter Lehre für Gemeinde erkannt und aus diesem Realismus heraus nach einer Ergänzung gesucht. Und das in einer Zeit, ihr müsst euch vorstellen, wir leben im Moment in einer Zeit, in der man gute Lehre nicht schätzt. Gemeinde, das muss so einen Eventcharakter haben, das muss cool sein, das muss etwas Außergewöhnliches sein. Aber so bibelnah, das ist gerade nicht so im Trend. Und die haben das anders gesehen. Die haben gemerkt: Da muss man sich darum kümmern.
Und das Fantastische, was mich dann betrifft: Sie haben mir damals, einem unbekannten Newcomer, eine Chance gegeben. Ihr müsst euch vorstellen: 2007, da gab es noch kein Frogwords, da gab es noch keinen YouTube-Kanal, da gab es noch keinen Hohelied-Kommentar, da gab es noch kein Kindererziehungsbuch. Ich war irgend so ein unbekannter Gemeindegründer in Spandau, der gerade anfing, so ein bisschen über seine Gemeinde hinaus das eine oder andere an Vorträgen zu halten.
Drei Dinge also: sich selbst richtig einzuschätzen, gute Lehre wertzuschätzen und mir eine Chance zu geben. Ich mag eure Gemeindeleitung, und ich hoffe, ihr mögt sie auch.
Der Zusammenhang mit der Apostelgeschichte
Was soll diese Laudatio auf eure Gemeindeleitung mit der Apostelgeschichte? Eine Menge.
Wisst ihr noch, wo wir letztes Mal waren in der Apostelgeschichte? Apostelgeschichte 11, am Anfang. Wir haben Petrus begleitet. Petrus hat einen Ausflug gemacht nach Caesarea an die Mittelmeerküste, und er war dort im Haus eines Heiden, Cornelius. Er hat dem das Evangelium verkündigt. Und kaum war er damit fertig, kommt er wieder nach Hause nach Jerusalem und fängt einen fetten theologischen Streit an, den man dann gut gelöst bekommt. Am Ende dieses Streits steht die Frage: Wie kannst du nur mit diesem Heiden da in sein Haus gehen und mit dem reden und essen und ihm das Evangelium erklären? Am Ende ist alles klar, Gott steckt dahinter, alle sind glücklich, und sie verherrlichen Gott.
Frage: War denn Petrus der einzige, der das Evangelium von Jesus genommen und zu Heiden gebracht hat, also der mit Heiden darüber gesprochen hat? Das wird jetzt unser Text. Nein, das war er nicht. Deswegen fangen wir mal an in Apostelgeschichte 11, und wir lesen einfach die Verse 19 bis 21.
Da lesen wir von anderen, die sowas Ähnliches getan haben wie Petrus, sich nur nicht so viel Kopf dabei gemacht haben. Also, da heißt es:
Die nun zerstreut waren
Apostelgeschichte 11,19
Die nun zerstreut waren durch die Bedrängnis, also die man mit Verfolgung aus Jerusalem rausgeworfen hat, die woanders wieder neu starten mussten, die nun zerstreut waren durch die Bedrängnis, die wegen Stephanus entstanden war, zogen hindurch bis nach Phönizien und Zypern und Antiochia und redeten zu niemand das Wort als allein zu Juden.
Also: Die Judenchristen sagen, unsere Botschaft ist für Juden. Aber jetzt gibt es Leute, die sind so ein bisschen offener. Es waren aber unter ihnen einige Männer von Zypern und Kyrene. Kyrene, das ist das heutige Libyen. Zypern, das ist diese Insel. Als sie nach Antiochia kamen – dieses Antiochia liegt etwa ganz, ganz im Norden von Israel, ziemlich weit oben da. Also das Mittelmeer macht doch, wenn man die Mittelmeerküste von Israel hochgeht und dann zur Türkei kommt, so einen Knick. Und etwa da, wo dieser Knick ist, ziemlich weit oben da, liegt dieses Antiochia. Als sie nach Antiochia kamen, redeten auch zu den Griechen, indem sie das Evangelium von dem Herrn Jesus verkündigten. Und des Herrn Hand war mit ihnen, und eine große Zahl, die gläubig wurde, bekehrte sich zum Herrn.
Schöne Sache. Also plötzlich kommen Leute zum Glauben, und zwar Heiden kommen zum Glauben. Und wir merken, wie gut das war, dass im Hintergrund Gott schon lange die Fäden gezogen hatte. Stellt euch vor, Petrus wäre nicht zu Cornelius geschickt worden. Dieser Streit um die Echtheit der Heidenbekehrungen wäre im Hauptquartier der Christusbewegung in Jerusalem nicht schon lange beigelegt worden. Spätestens jetzt, wo in Antiochia, 500 Kilometer Luftlinie nördlich von Jerusalem, Heiden in größerer Menge zum Glauben kommen, spätestens jetzt hätte es ein Riesenproblem gegeben. Aber weil Gott das vorbereitet hatte, weil eh schon alles klar war, weil man schon wusste: Das ist gut so, deswegen gibt es jetzt kein Problem.
Stattdessen schicken die Christen in Jerusalem jemanden nach Antiochia, um zu schauen, was da so ist, und um ein bisschen zu unterstützen. Dieser jemand ist Barnabas. Barnabas kennen wir aus Apostelgeschichte 4 und Apostelgeschichte 9. Barnabas, übersetzt, der Name hat eine Bedeutung: Sohn des Trostes. Und wenn ihr euch noch daran erinnert, das war der, der mit ganz viel Mut und Feingefühl Paulus in Jerusalem, als er da auftaucht und alle denken: Boah, das ist der Verfolger der Christen, der soll sich bekehrt haben, aber komm, wir halten uns da mal lieber ein bisschen fern von ihm. Wer weiß, ob das echt ist. Vielleicht will der nur so als Doppelagent sich in unsere Reihen einschleichen, um uns dann noch besser kennenzulernen und noch besser verfolgen zu können. Und in dieser Situation, wo sich keiner so recht an Paulus, an den bekehrten Paulus, herantraut, da kommt dieser Barnabas, lernt ihn kennen, bringt ihn zu den Aposteln und macht klar, dass die Bekehrung von Paulus tatsächlich echt ist.
Also ein Mann mit einem großen Herzen für Menschen, mit einer großen seelsorgerlichen Begabung. Und nicht allein das, sondern auch ein Evangelist. Und das merkt man, wenn man weiter liest. Ich lese mal die Verse 22 bis 24 über diesen Barnabas:
Es kam aber die Rede von ihnen zu den Ohren der Gemeinde in Jerusalem, und sie sandten Barnabas aus, dass er hindurchzöge bis nach Antiochia.
So, und dieser Barnabas, klar, das ist so ein Emotyp, das ist so einer, der sich einfach schnell freut. Der sieht einen neuen Gläubigen, und da ist es einfach schön. Der kann nicht anders. Der ist nicht so distanziert: Was wird denn da draus? Sondern der ist einfach happy. Der kommt in so eine Bewegung rein. Stellt euch vor, du ziehst nach Antiochia ein und denkst: Oh, was wird da wohl sein? Ist da Gott am Wirken? Schauen wir mal. Und dann triffst du so auf den ersten Heidenchristenhauskreis und denkst: Boah, ist das schön, die glauben wirklich. Das war nicht nur so ein Gerücht. Da ist richtig was passiert.
Der freute sich, als er hingekommen war und die Gnade Gottes sah, und ermahnte alle, mit Herzensentschluss bei dem Herrn zu verharren; denn er war ein guter Mann und voll Heiligen Geistes und Glaubens. Und eine zahlreiche Menge wurde dem Herrn hinzugetan.
Also ein Seelsorger, der sich freuen kann, der sagen kann: Hey, das, was ihr gefunden habt, ist gut. Haltet das bloß fest. Das kann jetzt schwierig werden. Wenn man jung Christ ist, dann versuchen alle möglichen Leute, einen davon wieder abzubringen. Haltet das fest. Und dann hat er weiter evangelisiert, und es sind noch mehr Leute zum Glauben gekommen.
Ich stelle mir das so vor: Er trifft doch so einen Heidenchristen, und so ein Barnabas kann wahrscheinlich nicht anders, als zu fragen: Sag mal, hat sich deine Frau auch schon bekehrt? Oh nee, noch nicht. Ja, wollen wir nicht mal mit ihr zusammen reden? Komm, der müssen wir doch erzählen, was du gefunden hast. Und dann bekehrt sich wahrscheinlich die Frau. Und dann fragt man: Wie ist es mit den Kindern? Und du bist doch da in dem Kegelclub. Ja, wollen wir den Kegelclub nicht? Können wir die nicht mal einladen? Ja, können wir nicht mit denen auch mal über das Evangelium reden? Und du hast doch da, weiß ich was, auf der Uni. Ja, das ist mit den Leuten, die neben dir sitzen, die du immer wie, oh ja, könnte man. Und so arbeitet der da, und es kommen Leute zum Glauben.
Dann aber ist es klug. Er ist da, und ich sage mal, er evangelisiert, Leute kommen zum Glauben, und mit meinen Worten: Er merkt langsam, wie ihm diese Arbeit über den Kopf wächst. Da ist einer von Jerusalem gekommen, der so ein bisschen mehr Ahnung hat, und dieser eine hat jetzt quasi diese ganzen Heidenchristen da an der Backe und predigt und evangelisiert, und es kommt immer mehr zum Glauben. Was macht er jetzt? Und Barnabas wäre nicht Barnabas, wenn er sich nicht selber auch realistisch einschätzen würde. Und deswegen erinnert er sich daran: Da gab es doch einen Paulus. Paulus, oder Saulus. Er hat beide Namen, also der wurde nicht aus dem Saulus der Paulus, sondern der hat beide Namen, Saulus, Paulus. Da gibt es doch diesen Paulus, der hat sich da doch irgendwann mal bekehrt. Wo ist denn der gerade?
Und Saulus, Paulus, war abgetaucht. Also der hat sich bekehrt, dann gab es ziemlich Ärger in Damaskus, und dann hat er sich eine Auszeit genommen, um selber geistlich zu wachsen. Und inzwischen wohnte er wieder in seiner Heimatstadt in Tarsus, heutige Türkei. Und Barnabas erinnert sich, mit meinen Worten, und denkt sich: Der ist doch da total unterfordert. Ich brauche hier jemanden, der mich unterstützt. Vielleicht kann ich mir einfach diesen Paulus holen und kann dem mal so ein Arbeitsfeld geben. Und das macht er.
Da heißt es in Apostelgeschichte 11,25-26: „Er zog aber aus, nach Tarsus, um Saulus aufzusuchen, und als er ihn gefunden hatte ...“
Ihr merkt: Damals geht das nicht so mit E-Mail. Ich schreibe dir mal eine E-Mail. Oder da gab es auch keine WhatsApp-Gruppe für Ex-Bibellehrer oder so. Da musste man noch hinfahren. Also du bist dann einfach mal so ein paar Tage unterwegs, bist dann da in der Stadt, da hast du jetzt auch nicht ein Verzeichnis, wo wohnt der gute Paulus denn. Dann muss man den suchen, so ein bisschen herumfragen, wer kennt den. Und dann hat er ihn gefunden. Also echt Aufwand betrieben. Und als er ihn gefunden hatte, brachte er ihn nach Antiochia. Es geschah ihnen aber, dass sie ein ganzes Jahr in der Gemeinde zusammenkamen und eine zahlreiche Menge lehrten, und dass die Jünger zuerst in Antiochia Christen genannt wurden.
So, er holt Paulus, um was mit ihm zu machen. Wozu braucht er Paulus? Antwort: Er braucht ihn, um vor Ort lehren zu können.
Ich möchte heute in dieser Predigt zwei Punkte zum Thema gute Lehre sagen, denn das ist das, was hier beschrieben wird. Barnabas holt Paulus, damit sie zusammen die jungen Christen unterweisen, damit sie sie belehren, damit sie ihnen Know-how, Wissen vermitteln, sie kompetent machen in Sachen Glauben. Und ich möchte zwei Dinge heute sagen zum Thema gute Lehre.
Punkt eins: Evangelisation
Wenn du merkst, hier kommen Leute zum Glauben, Evangelisation braucht gute Lehre, damit eine Identität entsteht, eine christliche Identität entsteht. Am Ende heißt es, in Antiochia wurden die Christen zuerst Christen genannt. Frage: Was waren sie denn vorher, wenn sie keine Christen waren? Antwort: Sie waren vorher so etwas wie eine Sonderströmung im Judentum. Also das Judentum als Ganzes hatte da so diese Gruppe derer, die haben sich dafür entschieden: Der Messias ist da, und zwar Jesus aus Nazaret ist der Messias. Da konnte man das, was wir heute Christentum nennen, noch so als Sonderströmung des Judentums sehen. Das waren ja alles Juden mal, und die glaubten halt jetzt an ihren Messias.
So, und jetzt kommen diese Heiden dazu, und diese ursprüngliche Definition, was ist das eigentlich für eine Gruppe von Leuten? Ja, das sind so Juden, die an Jesus glauben. Die passte nicht mehr, denn das hier waren Heiden. Heiden, die zum Glauben gekommen waren, und ihr Glaube war echt, genauso echt wie der Glaube der Judenchristen. Nur sie waren nicht beschnitten, sie hatten nicht diese Bindung an das alttestamentliche Gesetz. Sie hatten kein Verständnis von dem alttestamentlichen Opfersystem, die waren nie in Jerusalem, die waren nie im Tempel, die haben nie erlebt, was der Hohepriester am großen Versöhnungstag macht. Die hatten null Ahnung von jüdischer Geschichte. Die hatten eigentlich nur Jesus.
Und weil die diesen ganzen jüdischen Ballast nicht hatten, musste man sich ganz neu die Frage stellen: Wofür stehen die eigentlich? Ja, das ist eine typische Frage. Du bekehrst dich zu dem Herrn Jesus, du gehst nach Hause und sagst: Ich glaube jetzt an den Herrn Jesus. Und dann fragt man dich doch: Na ja, was ist denn das so für eine Gruppe, wo du da immer zum Gottesdienst hingehst? Was ist denn eure Identität? Und jetzt wird klar: Das Christentum, das ist nicht nur so eine progressive, aufgemotzte Form von Judentum, sondern das ist etwas ganz Eigenes.
Und das, was all diese Gläubigen, diese Gläubigen, die vorher Heiden waren, die vielleicht an den Zeus geglaubt haben oder in so einem ägyptischen Mysterienkult verwoben waren oder gar nicht gläubig, so richtig was verbindet die jetzt? Und von außen ist klar: Es ist der Messias, Jesus, oder auf Griechisch Christos und lateinisiert Christus. Und deswegen, wenn man die fragt: Ja, woran glaubst du denn? Ja, ich glaube an den Christus. Ah, habt’s verstanden. Dein Gott heißt Christus. Jesus Christus. Ah ja, gut, hab’s verstanden. Und nach einer Weile entsteht diese Gruppe, und Leute von außen wissen: Jetzt treffen sich wieder die Christen. Ist doch klar, das ist das, was sie verbindet. Sie sind christusgläubig.
Und mein erster Punkt ist: Evangelisation braucht gute Lehre. Barnabas und Paulus nehmen sich, wie wir gelesen haben, ein ganzes Jahr Zeit. Und dieses ganze Jahr benutzen sie, um unter den Neugläubigen eine eigenständige christliche Identität hervorzubringen.
Das sagt man nicht so oft, was ich jetzt predige. Aber an der Stelle, weil wir das hier im Text haben, möchte ich das doch mal in aller Klarheit sagen: Es ist eine Sache, das Evangelium zu verstehen und sich zu bekehren. Es ist eine andere Sache, ein Jünger Jesu zu werden. Alleine dadurch, dass ich mich bekehre, werde ich noch nicht zum Jünger. Jünger wird man durchs Lernen. Jünger wird man nicht durchs Singen von Liedern, Jünger wird man nicht dadurch, dass man irgendwo mitarbeitet, Jünger wird man auch nicht dadurch, dass man passiv immer hier ist, sondern Jünger wird man durchs Lernen. Das habe ich mir jetzt nicht ausgedacht, sondern das sagte Herr Jesus. Und deswegen Matthäus 28, ein sehr bekannter Text ganz am Ende vom Matthäus-Evangelium, Matthäus 28, die Verse 19 und 20:
Der Auftrag an uns: Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles zu bewahren, was ich euch geboten habe.
In einigen Übersetzungen wird das klarer formuliert, da steht nämlich wörtlich: Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, sie taufend und lehrend. Also man wird ein Jünger durch zwei Dinge. Erstens: man lässt sich taufen. Taufe ist das äußere Zeichen dafür, dass Jesus jetzt in meinem Leben die Nummer eins ist, dass mein altes Leben aufgehört hat und mein neues Leben angefangen hat. Und das Zweite ist, was dazugehört, um ein Jünger zu sein: Man lernt. Man will etwas lernen.
Unsere Berufung ist, Jünger zu sein. Es reicht nicht, bekehrt zu sein. Was Gott von dir möchte, ist, ein Jünger zu sein. Er möchte, dass du dich taufen lässt, um zu zeigen: Ich gehöre zu Jesus. Und zweitens, dass du anfängst zu lernen.
Und das ist der Grund dafür, dass Barnabas nicht einfach nach Antiochia reist, jedem Junggläubigen die Hand schüttelt und dann gibt es vielleicht noch so ein Gemeindebegrüßungsgeschenk: Ja, schön, dass du auch hier in der Gemeinde bist. Dann wird noch ein bisschen evangelisiert, und dann reist er fröhlich wieder nach Hause. Hätte er ja machen können, wenn es nur um die Bekehrung geht. Aber stattdessen holt er einen der Toplehrer seiner Zeit. Wenn ihr mir nicht glaubt, lest heute Abend noch mal den Römerbrief und überlegt euch, was der im Hirn hat, der das Buch geschrieben hat. Paulus hat es wirklich drauf, hat in einer Tiefe Dinge durchdacht, wo es richtig Spaß machen muss, ihn zu fragen. Er holt den Kerl, der ist nämlich auch da irgendwo so ein bisschen verschütt gegangen. Und die beiden nehmen sich ein ganzes Jahr Zeit, nicht eine Bibelwoche, nicht ein Einsteigerkurs, sieben Abende für Junggläubige. Die nehmen sich einfach mal ein ganzes Jahr Zeit und bringen den Leuten bei, was Jesus von ihnen möchte.
Nochmal der Text hier, da heißt es: Und lehrt sie alles zu bewahren. Würdet ihr Gute Nachricht lesen, würde da stehen: befolgen. Darum geht es. Wir sollen lernen, um was Jesus gesagt hat, in unserem Leben praktisch wird. Also Lehre ist nicht nur für den Kopf, so nach dem Motto: Ah, ich weiß jetzt, was so in der Bibel steht, aber ich mache es eigentlich nicht. Es geht ums Bewahren, es geht ums Befolgen, es geht ums praktisch Dazugehören. Das ist, was ein Jünger macht. Ein Jünger, wörtlich übersetzt, ein Lernender.
Warum gute Lehre für Jünger unverzichtbar ist
So, warum brauchen wir eigentlich als Jünger Jesu gute Lehre jetzt für unser Leben? Und ich glaube, es gibt mindestens drei große Bereiche, in denen du gute Lehre brauchst.
Und das ist einmal: Wir brauchen gute Lehre, um sprachfähig zu sein. Also, wir haben einen Auftrag in dieser Welt. Da heißt es in Markus 16,15: Und er sprach zu ihnen: Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung. Du bist dazu berufen, in deiner Umgebung das Evangelium zu predigen. Und damit, wenn du den Mund aufmachst, etwas herauskommt, was auch stimmt, musst du vorher in deinen Kopf etwas hineingesteckt haben, was stimmt. Denn aus dem Mund kommt nur das heraus, was in deinem Kopf drin ist.
Und du brauchst gute Lehre, damit du auf eine Weise über Gott und über das Evangelium reden kannst, die wahr ist. Du musst dir irgendwann die Frage stellen: Was ist eigentlich das Evangelium? Du musst dich irgendwann mit der Frage auseinandersetzen: Wie predige ich das Evangelium? Wie kann ich meiner Nachbarin über den Gartenzaun hinweg sagen, wie das mit Jesus ist? Und was sage ich auf die Standardfragen, mit denen man das Christentum versucht zu diskreditieren und kaputt zu machen?
Du wirst dich irgendwann mit guter Lehre beschäftigen müssen. Und selbst wenn du nicht der Hardcore-Evangelist bist, der kaltakquise-mäßig an der Tür klingelt und sagt: Hallo, mein Name ist Fischer, können wir mal in der Bibel lesen? Wenn dir das nie passiert, weil du sagst: Da werde ich nie hinkommen, dann ist es trotzdem so, dass in 1. Petrus 3,15 steht, dass wir, wenn Leute zu uns kommen und uns die Frage stellen: Sag mal, du hast doch eine Hoffnung, kannst du mir mal deine Hoffnung erzählen? Kannst du mir mal sagen, was deine größte Hoffnung im Leben ist und wie du dazu gekommen bist? An der Stelle wünscht sich Gott, dass du nicht druckst, also: Ich weiß jetzt auch nicht ... und dann so leicht hyperventilierend versucht man sich an so zwei, drei alten Predigten zu erinnern, hat der Prediger irgendwann mal was über Hoffnung gesagt, ja, und stottert da so: Himmel, Errettung, ewiges Leben, nicht Hölle, nee ...
Der Text sagt in 1. Petrus 3,15, dass wir, ich lese euch das vor, hast du das schon ein bisschen schneller? Ja, hier, ab der zweiten Zeile: Seid aber jederzeit bereit, zur Verantwortung jedem gegenüber, der Rechenschaft von euch über die Hoffnung in euch fordert. Das ist das, was Gott sich wünscht. Jemand fragt dich nach deiner Hoffnung, und du sagst: Okay, habe ich fünf oder zehn Minuten? Sag es mir einfach, ich sage dir was über meine Hoffnung. Und dann: yeah, rein! Sprachfähigkeit!
Du wirst Sprachfähigkeit nur gewinnen, wenn du gute Lehre konsumierst: gute Predigten, gute Bücher, gute Gesprächskreise, wo man sich austauschen kann.
Zweiter Punkt: Wir brauchen gute Lehre, um lebensfähig zu sein. 1. Timotheus 4,16. Irgendwann muss man sich als Prediger entscheiden, was so die Grundlage für den persönlichen Dienst ist. Das ist meine Grundlage. Das ist der Vers, warum ich meinen Dienst so tue, wie ich ihn tue. 1. Timotheus 4,16: Habe Acht auf dich selbst. Gute Lehre fängt beim Prediger an. Ich muss erst mal selber schauen, dass ich lebe, was ich lehre. Habe Acht auf dich selbst und auf die Lehre. Beharre in diesen Dingen.
Also: Lehre ist etwas, was man festhalten muss, wo man ein bisschen ernster sein muss, was man nicht schnell preisgibt, wo man vielleicht auch ein bisschen unnachgiebig ist. Beharre in diesen Dingen. Warum? Denn wenn du dies tust, so wirst du sowohl dich selbst retten als auch die, die dich hören.
Also, wenn ich an guter Lehre dranbleibe, werde ich mich selbst retten, als auch die, die mir zuhören. So, jetzt ist Timotheus schon gerettet. Es geht hier nicht um ewige Errettung, es geht einfach um Rettung aus den Fallen des alltäglichen Wahnsinns, in dem wir leben. Und da möchte uns das Wort Gottes eine Hilfe sein. Da möchte das Wort Gottes, da möchte gute Lehre uns helfen, richtig zu leben und nicht jeden Fehler zu machen, den man machen kann.
Wir brauchen Rettung im Leben. Du hast genug Fragen, auf die es nicht eine schnelle Antwort gibt. Und jetzt kommt das Wort Gottes, jetzt kommt gute Lehre, und jetzt schreibt Paulus an Timotheus an der Stelle: Beharre, beharre, weil du wirst dich retten, dein Leben wird gelingen, und die, die dir zuhören, die werden auch gerettet werden. Das ist auch gut.
Und wie toll das Wort Gottes ist, kann man im Psalm 19 heute Nachmittag vielleicht noch mal nachlesen. Da steht, dass das Wort Gottes tauglich fürs Leben ist, dass es uns belebt, dass es uns klug macht, uns Durchblick schenkt, dass es uns Spaß macht, dass es wertvoll ist, dass es warnt. All diese Dinge kommen ins Leben hinein, wenn wir uns mit dem Wort Gottes beschäftigen.
Und dann: Wir brauchen gute Lehre, um sprachfähig zu sein, wir brauchen sie, um lebensfähig zu sein, wir brauchen sie, um fromm zu leben.
Kennt ihr die Frage aller Fragen, wenn es darum geht, eine glückliche Ehe zu führen? Also, es gibt eine Frage, die ist in der Lage, eine zerrüttete Ehe zu kitten und verschüttete Liebe neu zu entflammen. Das ist cool, oder? Es ist eine Frage, sie lautet so: Was kann ich heute tun, um dir zu zeigen, dass ich dich lieb habe?
Wenn ihr mir nicht glaubt, probiert es aus. Probier aus, was passiert, wenn du einmal am Tag deinen Partner fragst: Sag, du Schatz, was kann ich heute tun, um dir zu zeigen, dass ich dich lieb habe? Ihr werdet überrascht sein, was passiert. Ich habe am Freitag meine Frau gefragt: Du Schatz, was kann ich heute tun, um dir zu zeigen, dass ich dich lieb habe? Und sie packte an die Seite, gab mir einen Stapel Geschirrtücher und sagte: Bring die mal in die Küche. Das wäre jetzt nicht die Idee gewesen, es wäre nicht das, was ich erwartet hätte, aber der Clou ist: Es war genau das. Das war der Liebesbeweis, den sie sich an der Stelle gewünscht hat.
Frage: Möchtest du Jesus lieben? Nichts anderes ist übrigens Frömmigkeit. Frömmigkeit, Gottseligkeit, fromm leben heißt einfach, so zu leben wie einer, der Jesus liebt. Möchtest du so leben, dass Jesus dein Leben cool findet? Möchtest du für ihn leben? Dann musst du ihn fragen. Du brauchst gute Lehre, sonst weißt du nicht, was ihm wichtig ist.
Die Liebessprache Jesu findet man nicht in den fünf Sprachen der Liebe von Gary Chapman. Die fünf Sprachen der Liebe sind toll, lest das Buch, ja. Aber habt im Hinterkopf: Wenn du Jesus fragen würdest, wie kann ich dir Liebe zeigen, was wünschst du dir heute von mir? Dann würde der Heilige Geist uns vielleicht auf Johannes 14,21 verweisen, denn da lesen wir etwas über die Liebessprache des Herrn Jesus. Da steht: Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt. Schön, ganz einfach. Die Liebessprache Jesu ist Gehorsam.
Und damit man, wenn man Jesu Worte hat und hält, braucht man Leute, die das Wort Jesu weitergeben und erklären. Und das sind Typen wie ich. Das ist meine Existenzberechtigung, sonst habe ich keine hier vorne zu stehen.
Gute Lehre macht aus irgendwie gläubigen, es gibt so diese irgendwie Jesus-gläubigen Typen, aus dieser Gruppe macht gute Lehre richtige Christen. Und die Frage, um die es mir heute geht bei dir, ist folgende: Verstehst du dich als eine Lernende oder als ein Lernender? Hast du verstanden, dass nur die Christen Jesus gefallen, die seine Gebote befolgen? Hast du verstanden, dass ein weises Leben biblisches Know-how voraussetzt? Hast du verstanden, dass du als ein Zeuge Jesu Christi versagen wirst, wenn du nicht in deinem Leben viel Umgang hast mit dem Wort Gottes, wenn du in Glaubensdingen einfach ewig Anfänger bleibst?
Mein Job ist es, dir die Bibel zu erklären, aber du hast auch einen Job. Dein Job ist es, das zu tun, was du verstanden hast. Ich kann dir die Last wegnehmen, in diesen Text einzutauchen, ihn zu strukturieren, bei schwierigen Versen dich mit dem Altgriechischen und dem Zeugs, das da ist, zu beschäftigen. Das kann ich dir wegnehmen. Und ich kann versuchen, dir mit einfachen Worten zu erklären, was hier steht. Was ich nicht kann, ist, dass du tust, was da steht. Dass du dafür sorgst, das, was du verstanden hast, auch im Leben umzusetzen, und dass du dafür sorgst, dass du das nicht wieder vergisst.
Ihr alle, die hier sitzt, lebt in einer Zeit unendlicher Möglichkeiten. Ich hoffe, euch ist das klar. Ich glaube, es gab nie in der Kirchengeschichte eine Zeit, wo man so leicht an so viel gute Lehre rangekommen ist wie heutzutage. Es ist einfach irre. Also, manchmal frage ich mich, ob es gut war, mir eine große Bibliothek gekauft zu haben, weil man so viel im Internet findet. Ich denke mir: Wenn irgendwann das Internet kaputt ist, freue ich mich über meine Bücher. Aber im Moment ist es so viel. Du möchtest dir irgendwie selber gute Lehre besorgen? Gar kein Problem.
Und wenn du sagst: Ich weiß nicht wie, ich habe da noch eine Frage, bitte schick mir eine E-Mail. Du bist nicht der Einzige. Ich berate dich in diesen Fragen rund um gute Lehre herzlich gerne. Ich sage dir gerne, wie du in den nächsten zehn Jahren vorgehen musst, um ein super fundiertes Bibelwissen aufzubauen. Das ist überhaupt nichts Magisches, nichts Mysteriöses. Das ist so wie eine Ausbildung machen. Kommt ein Schritt nach dem anderen.
Wenn du halt Ingenieur werden willst, musst du am Anfang mal mit einer Feile so Dinge bearbeiten und so einen Block schleifen. Das gehört einfach dazu. Das machst du am Anfang, das machst du nicht ewig. Und deswegen fängt man vielleicht beim Bibelstudium damit an, dass man erst mal die Reihenfolge der biblischen Bücher lernt. Das ist nicht wirklich prickelnd, aber das gehört irgendwie dazu. Und dann arbeitet man sich langsam rein, und irgendwann sagt man: Boah, das ist ja alles gar nicht so schwer, das kann man ja verstehen. Ja, kann man. Und wenn du das möchtest, ich sage dir gerne, wie das geht.
Heute möchte ich nur, dass du persönlich eine Entscheidung triffst, die Entscheidung: Ich will lernen. Ich will lesen, ich will darüber nachdenken, ich möchte Fragen stellen, ich möchte eigene Überzeugungen gewinnen, ich möchte selber Antworten haben, wenn meine Kinder zu mir kommen, ich möchte den einen oder anderen Bibelfers auswendig wissen.
Es ist heute die Entscheidung, ein Lernender zu sein, weil Jesus sagt: Jünger, das sind Leute, die lassen sich taufen, und das sind Leute, die lernen, die hören zu, die denken nach. Das ist der erste Punkt.
Lernen, das in Liebe mündet
Der zweite Punkt ist ganz kurz, aber genauso wichtig. Der zweite Punkt heißt: Gute Lehre führt zu gelebter Liebe.
Man kann gute Lehre hören und immer nur daran denken: Ich muss jetzt mehr wissen. So, als wäre gute Lehre darauf angelegt, Wissenszuwachs zu generieren. Das reicht bei Gott nicht. Bei Gott ist es so, dass der, der gut gelernt hat, auch weiß, wie man besser liebt.
Ich zeige euch das. Die nächste Geschichte in Apostelgeschichte 11,27-30 macht das klar. Da kommt eine Geschichte, und man fragt sich: Wozu? Aber jetzt, wenn ich euch zeige, dass die vorher gelehrt worden sind, wird klar: Ah, gute Lehre, eine echte christliche Identität, ist immer eine Identität, die von Liebe geprägt ist, von Miteinander geprägt ist, von Gemeinschaft geprägt ist, davon geprägt ist, dass man über den Tellerrand hinausschaut.
Es geht nie nur um mein Wissen, um mein persönliches Ticket in den Himmel. Es geht immer um das große Ganze. Gute Lehre führt immer zu gelebter Liebe.
Apostelgeschichte 11,27: An diesen Tagen aber kamen Propheten von Jerusalem nach Antiochia herab. Also: Jetzt kommen Propheten von Jerusalem. Einer aber von ihnen, mit Namen Agabus, stand auf und zeigte durch den Geist eine große Hungersnot an, die über den ganzen Erdkreis kommen sollte. Sie trat auch unter Claudius ein.
Und jetzt das folgende Problem: In Jerusalem war diese Hungersnot besonders stark. Oder anders ausgedrückt: Die Gemeinde in Jerusalem war besonders verfolgt worden. Und wenn man jemanden verfolgt, dann friert man ihm seine Konten ein, dann nimmt man ihm seine Wohnung weg, dann lässt man ihn keinen Job mehr haben und so weiter. Das heißt: Die waren besonders bedürftig. An so einer Stelle trifft eine Hungersnot doppelt.
Was machen die Heidenchristen in Antiochia, in einem ganz anderen Umfeld, wo Christsein na ja, halt ein neuer Trend war? Da gab es ja eh schon alles Mögliche, es ist ja eh multikulti. Von daher waren die Heidenchristen in Antiochia anscheinend relativ entspannt. Sie konnten ihren Glauben frei erleben, sind nicht so verfolgt worden, standen nicht so wie kleine Vögel hier unter dieser Garm da drinnen. Wie beschreibt man das? Hä? Käfig, ja, also die waren keine Vögel im Käfig.
Was machen die freien Christen? Sie beschlossen aber, dass je nachdem, wie einer der Jünger begütert war, jeder von ihnen zur Hilfeleistung den Brüdern, die in Judäa wohnten, da unten im Süden, etwas senden sollte. Das taten sie auch, indem sie es durch die Hand des Barnabas und Saulus an die Ältesten sandten.
Merkt ihr das? Heidenchristen haben eine christliche Identität und verstehen: Wow, wir haben eine Verantwortung für die da unten, wir haben eine Verantwortung für die anderen. Weil die im Moment nichts haben und uns geht es noch halbwegs gut. Und deswegen schicken wir denen jetzt aus unserem Wohlstand heraus das, was sie zum Leben brauchen.
Lehre schafft Verbundenheit. Gute Lehre ist nicht nur die Grundlage dafür, dass ich verstehe, was es heißt, Christ zu sein, sondern sie ist die Grundlage für ein Leben, in dessen Zentrum Liebe steht. Liebe und Lehre sind keine Gegensätze.
Jedenfalls dann nicht, wenn ich eine Sache verstanden habe, wozu Erkenntnis oder Wissenszuwachs da ist. Wozu ist das da? Die Bibel sagt an einer Stelle: Wissen ist gefährlich, wenn man einfach nur mehr weiß. Das kann einen schnell aufblähen. Wissen kann arrogant machen, kann trügerisch sein, kann gefährlich sein, und zwar für mich und für die Geschwister.
Auf der anderen Seite ist Wissen aus Gottes Perspektive immer dazu da, besser lieben zu können. Gott möchte nicht, dass wir so einen dicken Kopf haben, sondern Gott möchte, dass wir mit ausgestreckten Armen alle die, die wir lieben, umarmen.
Kommen wir zum Schluss. Der erste Punkt war: Gute Lehre führt dazu, dass wir wissen, wer wir sind, dass wir eine wirklich christliche Identität bekommen. Der zweite Punkt: Gute Lehre führt zu mehr Liebe.
Wenn sie das nicht tut, wenn du dazulernst und du merkst, dass in dir so etwas wie hartherzige Besserwisserei entsteht, weil du ja jetzt so viel weißt, oder wenn du einer wirst, der sich dann auf kleinliche Streitigkeiten einlässt, weil du ja so viel weißt, oder wenn du so eine unantastbare Exklusivität entwickelst, so: Jetzt habe ich so viel Wissen, jetzt lasse ich mir von keinem mehr was sagen, dann absolute Vorsicht.
Aber wenn du merkst: Ich lerne dazu, ich verstehe mehr und ich bin jetzt fähiger, kompetenter zu lieben, dann hast du genau das erreicht, was Gott sich wünscht.
Und so bitte: Trifft heute die Entscheidung, ein Lernender, eine Lernende sein zu wollen. Ich weiß, das klingt ein bisschen nach Schulbankdrücken, und irgendwo ist es das auch, kann ich euch nicht abnehmen. Es klingt nicht nach so viel Spaß, aber es lohnt sich, wenn wir in puncto Liebe wirklich punkten wollen. Amen.
Wenn ich euch irgendwie dabei helfen kann: Nutzt mich. Ihr bezahlt mich, ihr dürft mich nutzen, ihr dürft mir E-Mails schreiben, Fragen schicken, welches Buch soll ich lesen, wie soll ich hier vorgehen – nutzt mich!
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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