Der Regent 2/3
16.07.2010
Serie•Teil 6 / 10Wie ist Gott?
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Einführung in die Reihe und das Thema der Vorsehung
Ich möchte mit euch heute Abend das Thema Gott der Regent fortführen. Wir sind ja mitten in dieser Reihe über: Wie ist Gott? Wir haben Gott den Schöpfer schon angeschaut, jetzt schauen wir uns in drei Vorträgen Gott den Regent an, und dann werden wir drei Vorträge zum Thema Gott der Retter haben.
Das Thema: Wie regiert Gott eigentlich? ist ein Thema, das man sich relativ selten anschaut. Grund dafür ist meines Erachtens jedenfalls, dass man grosse Teile der Bibel kennen und berücksichtigen muss, um zu diesem Thema etwas sagen zu können. Es reicht nicht, eine Konkordanz zu nehmen und einen Begriff nachzuschauen, oder zwei Begriffe, und dann hat man es. Man muss eigentlich wirklich aus der Vogelperspektive die ganzen unterschiedlichen Arten, wie Gott mit Menschen handelt, in den Blick nehmen und dazu dann Aussagen treffen.
Ich habe das letzte Mal einen Begriff eingeführt, von dem ich weiss, dass er unglücklich ist, aber mir fällt kein besserer ein: den Begriff Vorsehung. Und ich möchte ihn verstanden wissen als das vorausschauende, fürsorgliche Handeln Gottes. Ich habe versucht, zwei Dinge vorzustellen, so etwas wie eine allgemeine Vorsehung oder eine allgemeine Fürsorge und eine spezielle.
Unter allgemeiner Vorsehung verstehe ich Naturgesetze und den freien Willen des Menschen. Also sind bis zu einem bestimmten Grad sowohl der Mensch als auch die Natur autonom.
Alltägliche Fügungen als Ausdruck göttlicher Fürsorge
Ich lese einmal aus Hiob 36, die Verse 26 bis 28, vor. Dort beschreibt Elihu: Siehe, Gott ist erhaben, wir aber erkennen ihn nicht. Die Zahl seiner Jahre ist unerforschlich.
Und dann beschreibt er den Wasserkreislauf, so würde man es jedenfalls in der Schule nennen. Wenn er die Wassertropfen heraufzieht, sickern sie durch seinen Nebel wieder herab als Regen, den die Wolken niederrieseln und auf die vielen Menschen träufeln. Ja, wenn man gar das Ausbreiten des Gewölks verstünde, das Donnerkrachen seines Zeltes.
Mir geht es jetzt nur darum: Hier wird etwas beschrieben, nämlich der Wasserkreislauf. Dieses Buch hier gehört ja zu den ältesten Büchern der Bibel. Und dahinter steht die Idee, dass Gott Naturgesetze geschaffen hat. So zum Beispiel, dass Wasserdampf aufsteigt, dann irgendwann dort oben kondensiert und wieder herunterfällt. Und dass das an anderer Stelle geschieht als dort, wo es aufsteigt, sodass wir hoffentlich den Regen da haben, wo wir ihn brauchen.
Gott hat Naturgesetze geschaffen. Er bewahrt sie. Er sorgt dafür, dass, wenn das gestern galt, es heute auch noch gilt. Und er kann sie in jedem Moment beeinflussen und kontrollieren. Gott schafft auf der einen Seite Naturgesetze, die einfach laufen. Das wäre allgemeine Vorsehung. Aber er kann sie auch kontrollieren, für seine Zwecke, manipulieren, quasi vor seinen Karren spannen. Dann reden wir von dem, was ich spezielle Vorsehung oder spezielle Fürsorge genannt habe.
Und er tut das, um sein Reich aufzurichten. An ganz bestimmten Stellen greift er gezielt ein, um bestimmte Entwicklungen zu schaffen. Und ich glaube, ihr kennt das alles. Es gibt so Momente im Leben, in denen man den Eindruck hat: Jetzt passiert hier etwas. Das ist kein Wunder, ich werde nachher noch erklären, was das ist. Es ist nichts, was sich völlig außerhalb der Naturgesetze bewegt. Es ist schon irgendwie noch erklärbar. Aber es ist so etwas wie eine göttliche Fügung. Hier passiert etwas, bei dem ich den Eindruck habe: Es geht irgendwie nicht mit rechten Dingen zu.
Und immer wenn das der Fall ist, kann man das nicht immer beweisen.
Persönliche Beispiele für spezielle Vorsehung
Ich mache euch ein Beispiel. Letzte Woche war ich auf einer Outdoor-Bibelschule, und ich habe so eine kleine Kamera. Naja, halt eine kleine Kamera. Die kann nicht viel, aber sie kann Bilder machen. Für Landschaftsbilder ist das total toll, für Menschen ist es nicht ganz so toll, weil, bis das Ding klack macht, der Mensch schon wo ganz anders ist.
Ich habe mal versucht, damit einen Delfin zu fotografieren, der aus dem Wasser spritzt. Der schoss so vor mir hoch, und ich habe dann draufgehalten. Ich habe dann noch den Schwanz mitgekriegt, wie er wieder eingetaucht ist.
Und ich bin da in meinem Prophetenkämmerchen in der Outdoor-Bibelschule. Ich bin bei Geschwistern, die in einer Schlossruine außen im Wall wohnen, ja, und die haben dann wirklich so ein kleines Prophetenzimmerchen, wo man so eine ganz enge Treppe hoch muss. Ich stand da morgens und habe meine Predigt vorbereitet und dachte mir: Vater im Himmel, ich hätte gerne eine andere Kamera.
An demselben Tag spricht mich jemand an, dass sein Freund eine Kamera verkauft und er auch schon überlegt hat, ob er sich die kauft. Und ich dachte mir, das ist ja eigenartig. Merkt ihr? Du betest morgens so ein bisschen: Ich hätte gern so eine Kamera, mit der man hier auf der Outdoor-Bibelschule Menschen fotografieren kann, vielleicht abends noch mal im Rittersaal, wenn wir große Veranstaltungen machen, dass man da mal draufhalten kann und da passiert was. Und das sind nicht nur so unterbelichtete, verwackelte Dinger. Und an dem Tag spricht mich einer an.
Kennt ihr sowas? Dieses: Du betest für eine Sache, oder du hast den Eindruck, jetzt fügen sich Dinge zusammen, die sind in sich noch normal. Dass jemand eine Kamera verkauft, ist ja nichts Ungewöhnliches. Also schau bei Ebay rein, wie viele Kameras da drin sind. Aber dass du morgens betest und dich irgendwie eine Stunde später jemand anspricht und du dem sagst: Weißt du was, also überleg mal, ob du die haben willst, und wenn nicht, sagst du mir Bescheid. Und dann kam der abends und meinte: Nee, ich will die gar nicht. Und jetzt habe ich mir eine Kamera gekauft, also eine gebrauchte alte Spiegelreflexkamera, also nichts Großartiges, aber wo ich denke: Das ist doch merkwürdig.
Gott benutzt diese kleinen Dinge. Und hier kommt etwas zusammen, wo man sich denkt: Oder ich war im Urlaub, und wir haben immer gebetet: Vater im Himmel, wir kennen uns hier ja nicht so aus, aber mach es doch so, dass wir zu den richtigen Zeiten an den richtigen Orten sind. Und ihr wisst alle: Da, wo Ebbe und Flut ist, da kann man manche Dinge nur sehen, wenn Ebbe ist. Und im Nachhinein ist mir das schon aufgefallen: Wir waren immer zur richtigen Zeit da. Immer wenn wir Ebbe brauchten, hatten wir Ebbe, und wenn wir Flut brauchten, Flut. Es ist nicht so, dass man das erwarten kann, aber im Nachhinein merkt man: Das ist schon interessant.
Vorletzte Woche war jemand zuhause, der mich eine komische Frage gefragt hat. Er kommt aus einem esoterischen Hintergrund, und seine Frau hat sich gerade bekehrt. Und er fragte mich: Jürgen, wie fühlt sich das an, wenn man so dicht mit Gott ist? Ich dachte mir, das hat mich noch nie jemand gefragt. Wisst ihr, also wo ich herkomme, da möchte man Bibelfragen von mir beantwortet haben.
Ja, ich habe gestern letzte Woche da im Freibad gesessen, um mich herum eine Traube Kids, und wir haben stundenlang Fragen gemacht. Jürgen, wie fühlt sich das an, wenn man so mit Gott lebt? Und ich habe ihm gesagt: Weißt du, für mich ist das wie so ein Flow. Ich weiß nicht, ob ihr das nachvollziehen könnt. Ja, ich bete einfach für viele Dinge, und zwar auch wenn es noch für die schusseligsten Kleinigkeiten ist. Aber zumindest ich bete und bete und bete und bete. Und ich habe manchmal so den Eindruck, wie so ein Server, der auf so einer Welle unterwegs ist. Ja, ich habe es nicht im Griff, aber ich brauche es auch nicht im Griff haben, weil irgendwie fließt das so zusammen, und Gott kümmert sich so ein Stück weit drum.
Das ist, was ich ein bisschen unter spezieller Vorsehung oder Vorsehung meine: Dieses Gott weiß, was wir brauchen, Gott weiß, wofür wir beten, Gott weiß, wer wir sind, und er kann ganz normale Dinge benutzen um uns herum.
Biblische Muster der allgemeinen Vorsehung
Wir finden das im Alten Testament. Ein paar Beispiele: Jona zieht los und sagt: Ich will nicht nach Ninive. Er fährt in die andere Richtung. Und jetzt passiert ein Riesenwunder: Ein Sturm kommt. Na ja, das ist natürlich in dem Sinn kein Wunder, Stürme gibt es immer mal. Aber dass genau an der Stelle so ein Sturm dieses arme Boot trifft, das ist schon merkwürdig.
Und dass die dann Lose werfen: Wen könnte es denn unter uns betreffen? Und dass dieses Los, und ihr wisst, was ein Los ist, du wirfst das hoch, so wie Kopf und Zahl, das ist so ein kleines bisschen Muskelspannung an der richtigen Stelle. Das ist kein Wunder. Aber Gott sorgt dafür, dass das Ding genau so geworfen wird, genau so fällt, und plötzlich wissen alle: Es ist Jona.
Oder im Buch Haggai lesen wir am Anfang davon, dass Gott die Israeliten so ein bisschen antreibt. Sie sollen den Tempel wieder aufbauen. Das lag so achtzehn, neunzehn Jahre lang brach. Und dann schickt Gott eine Dürre. Sind Dürren Dinge, die man nie erwarten würde? Doch, Dürren können kommen. Aber an dieser Stelle ist es sehr interessant.
Oder erinnert ihr euch an Ahab, den bösen König Ahab, wie der umkommt? Das ist eine wunderschöne Kindergeschichte. Der reitet nämlich verkleidet in die Schlacht, und dann heißt es, da schießt einer aufs Geratewohl einen Pfeil. Und er trifft ihn doch genau an der Stelle, wo er verwundbar ist. Schwer verletzt muss Ahab dann aus der Schlacht davonreiten und stirbt dann.
Diese, ja, wir nennen das manchmal Zufälle, aber wir wissen ganz genau: Es ist kein Zufall. Oder wenn Abraham im Gestrüpp einen Widder findet. Na klar kann das passieren, aber genau an der Stelle, zu dem Zeitpunkt, im Gestrüpp, der dort feststeckt. Das ist das, was ich als allgemeine Vorsehung bezeichnen möchte.
Alles Dinge, die nicht unmöglich sind, aber die durch ihr Timing oder manchmal auch einfach durch die Dimension, da wo ich an einen Sturm denke oder an die Wachteln. Natürlich gibt es Wachteln, und natürlich kann so eine arme Wachtel auch mal einen Herzschlag haben, während sie gerade irgendwo fliegt, und plopp, runterfallen. Aber dass über Jahre und Jahrzehnte hinweg große Mengen Wachteln immer genau an der Stelle ihren Herzschlag kriegen, dass sie auch wirklich mal auf das Lager fallen, das ist noch nicht gegen die Naturgesetze, aber doch höchstgradig ungewöhnlich.
Und das ist, wenn zum Beispiel die Magier bei der Mückenplage, die haben ja vorher immer alles probiert nachzumachen, und bei der Mückenplage relativ früh schon müssen sie sagen: Können wir nicht mehr. Und dann sagen sie: Das ist der Finger Gottes.
Jetzt Mücken sollen der Finger Gottes sein? Geh mal zum Sola hier auf die Halbinsel. Mücken brauchst du nur morgens aufzuwachen und vergessen zu haben, richtig das Zelt zuzumachen. Finger Gottes, ja. Nicht jede Mücke ist ein Finger Gottes. Aber wenn du plötzlich zu einer bestimmten Zeit, wo jemand vor dir steht und sagt, was weiß ich, mit seinem Stab auf den Boden klopfend: Morgen gibt es Mücken, und plötzlich hast du morgen Mücken, Menge, Timing, dann ist das immer noch im Rahmen des Allgemeinen Normalen und doch irgendwie ungewöhnlich. Das ist allgemeine Vorsehung.
Freiheit des Menschen und Gottes Souveränität
Ich möchte das Thema heute vertiefen und mit euch drei Themen behandeln. Zunächst diese spezielle Vorsehung, also die Frage, wo Gott eingreift. Wie passt das zusammen mit dem freien Willen? Dann möchte ich mit euch ein wenig über das Thema Wunder nachdenken. Wie grenzen wir Wunder von spezieller Vorsehung ab? Und schließlich möchte ich noch ein paar göttliche Eigenschaften betrachten, die mit Gott als dem Souverän zu tun haben. Wir reden ja über Gott, den Regenten.
Also, erstes Thema: spezielle Vorsehung oder Fürsorge und freier Wille.
Man kann dazu ein paar Fragen in den Raum stellen. Fragen, die lauten: Wenn Gott völlig souverän ist, muss er dann alles bedingen und alles vorherbestimmen? Es gibt Theologen, die das so formulieren würden. Wenn ja, zerstört diese Idee, ich meine die Idee, dass Gott alles vorherbestimmt, dann nicht die Freiheit des Menschen? Was bleibt dann davon noch übrig?
Aber wenn wir als Menschen wirklich frei wären, also Entscheidungen treffen könnten, die im äußersten Fall Gott nicht passen, heißt das dann nicht, dass Gott die Kontrolle über die Welt verloren hat? Und im Raum steht die Frage: Gibt es gleichzeitig göttliche Souveränität? Und ich meine wirklich Souveränität, ich meine kein Göttchen, ich meine eine heilige, allmächtige Gottheit. Gibt es göttliche Souveränität und gleichzeitig menschliche Freiheit?
Und ich denke: ja. Ich finde das wichtig.
Biblische Spannung zwischen Plan und Entscheidung
Wenn wir in die Bibel schauen, dann sehen wir auf der einen Seite, dass wir in Jakobus 4,15 etwas über göttliche Souveränität lesen. Und ich will einfach mal zwei Pflöcke einschlagen.
Jakobus 4,15: Da geht es darum, dass Leute Pläne machen und sagen: Wir wollen heute in die und die Stadt gehen, dort ein Jahr zubringen und Handel treiben. Und dann sagt Jakobus, so etwas zu sagen, ist völliger Unsinn. Stattdessen solltet ihr sagen: Wenn der Herr will und wir leben, werden wir auch dieses oder jenes tun.
Merkt ihr, was das ist? Das ist Souveränität. Im letzten Ende geht es genau um die Frage, ob Gott will und was du dir vornimmst und wovon du träumst und was du kannst oder auch nicht kannst. Schön entspannt zurücklehnen. Aber wenn der Herr will, dann passiert etwas. Das ist die eine Seite. Und es klingt so, als könnte der Mensch planen, wollen, tun, was er will, und es geht immer nur um den Willen Gottes.
Auf der anderen Seite ist der Mensch in der Bibel so frei, dass in Apostelgeschichte 16,30 ein Kerkermeister fragen kann: Ihr Herren, was muss ich tun, dass ich errettet werde? Nicht: Was tut Gott? Sondern: Was muss ich tun? Welche Entscheidung muss ich treffen, um gerettet zu werden?
Die Antwort lautet in Vers 31: Glaube. Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst errettet werden.
Es gibt in der Christenheit eine Riesendiskussion, wie man diese Aspekte, Souveränität und freien Willen, zusammenbringen kann. Ich kann das nicht alles vor euch ausbreiten.
Selbstbeschränkung Gottes und echte menschliche Verantwortung
Ihr werdet manches finden, also die Position, die ich weniger vertrete, zum Beispiel in der Studienbibel von MacArthur. Das ist eine reformierte Sicht. Dort wird ein sehr starker Schwerpunkt auf das Thema gelegt: Gott ist nur dann souverän, wenn er alles vorherbestimmt. Das ist die Theologie dahinter, und von daher werden auch viele Stellen ausgelegt.
Selbst wenn ich jetzt hier vorne stehe und sage, ich teile diese Meinung nicht, möchte ich das einmal sehr deutlich sagen: Ich schätze und liebe diese Brüder. Und ich denke, nur weil man in bestimmten theologischen Ansichten nicht einer Meinung ist, heißt das nicht, dass man gegen den anderen wäre. Ich persönlich habe viel von John MacArthur gelernt. Ich kenne ihn persönlich. Ich weiß noch, wie meine Frau aus einem Seminar mit seiner Frau und seiner Tochter herausgekommen ist. Das war so ein Mutter-Tochter-Seminar. Sie kam zu mir und sagte: Boah, das wünsche ich mir, dass ich mit meiner Tochter mal so ein Seminar geben kann. Wahnsinn!
Also ein ganz faszinierender Mann mit einer ganz faszinierenden Persönlichkeit, einer fantastisch schönen Familie, von der man unglaublich viel lernen kann. Und trotzdem werde ich ihm an einer Stelle heute widersprechen und werde sagen: Wenn es um die Frage geht, Souveränität und freier Wille, muss ich das nicht zugunsten der Souveränität auflösen. Dann werde ich sagen: Nein, ich glaube, dass beides stehenbleiben kann.
Der Gott, an den ich glaube, ist kein Gott, der immer haarklein vorherbestimmen muss, was kommt, um souverän zu sein. Ich glaube, dass wir etwas verstehen müssen, nämlich das Prinzip der Selbstbeschränkung. In dem Moment, wo sich Gott entscheidet, etwas zu schaffen, und diese Entscheidung ist absolut souverän, niemand hat ihn dazu gezwungen, keiner macht Druck auf Gott und sagt: Jetzt musst du eine Welt schaffen. Nein, Gott sagt: Das mache ich ganz souverän, ganz alleine.
Aber in dem Moment, wo Gott etwas schafft, schränkt er sich bewusst selbst ein. Ich hoffe, das Beispiel, das ich bringe, ist nicht zu abstrakt, aber Gott ist das einzige Wesen, das vor der Schöpfung ist. Er erschafft andere Wesen, Menschen, Engel, Tiere, und mit einem Mal ist er nicht mehr in diesem Sinn umfassend einzigartig, weil es andere Wesen neben ihm gibt. Und er lässt das zu. Er lässt es zu, dass andere neben ihm auch da sind.
Die, die Kinder haben, wissen, worum es geht. Du kannst nicht Kinder in die Welt setzen, ohne dich einzuschränken. Da ist jemand neben dir, der etwas von dem Raum braucht, den du hast, der deine Zeit in Anspruch nimmt. Es ist eine Einschränkung. Und weißt du was? Es ist in den meisten Fällen eine sehr bewusst gewählte Einschränkung, wo ich sage: Ja, darauf lasse ich mich ein.
Und das gilt natürlich auch da, wo Gott sagt: Ich möchte einem anderen Wesen das zuerkennen, dass es selbständig denkt, selbständig Entscheidungen trifft. Gott gibt uns, und zwar souverän, es ist seine Entscheidung, die Möglichkeit, eigene Entscheidungen zu treffen. Und er hält sich wenigstens ein Stück weit, das ist der Bereich der allgemeinen Vorsehung, aus unserem Leben heraus, es sei denn, an bestimmten Stellen wird es nötig, dann greift er ein.
Und jetzt müssen wir aufpassen: Wenn ich sage, der Mensch hat einen freien Willen, dann ist mir völlig klar, dass dieser freie Wille nicht unendlich frei ist. Ich bin begrenzt als Mensch, nicht nur dann, wenn Gott in mein Leben eingreift, sondern ich bin begrenzt durch meine Endlichkeit. Ich kann nicht alles. Und ich bin begrenzt durch meine Sündhaftigkeit.
Und trotzdem, auch wenn ich diese Grenzen habe, bleibt ein Rest an Freiheit übrig. Echte Freiheit, echte Eigenverantwortlichkeit, wo ich als Mensch zwischen zwei echten Alternativen, ohne dass Gott Druck macht, entscheiden kann. Ist Gott dann nicht mehr souverän? Doch. Gott gibt mir die Freiheit, echte Entscheidungen zu treffen.
Das geht so weit, Lieblings, also eine der großen Fragen, wenn ich bei der Outdoor-Bibelschule immer ein und dasselbe Seminar mache, das heißt All you can ask, alle Fragen sind erlaubt. Ach, es gibt so, ich weiß nicht, zehn Standardfragen: Woher weiß ich, wen ich heiraten soll? Ja, gibt es für mich nur den einen Partner? Und ich bin ja so froh, dass in 1. Korinther 7 drinsteht, dass du heiraten kannst, wen du willst, am Ende von 1. Korinther 7.
Nein, Gott hat nicht den einen Partner. Denn stell dir mal vor, das wäre ein 80-jähriger Greis, der irgendwo in Thailand lebt. Er würde sie nie kennenlernen, das kann nicht funktionieren. Gott gibt uns echte Freiheit. Wenn du deinen Ehepartner aussuchst, dann sagt Gott: Natürlich interessiert es ihn, du sollst glücklich werden, aber du triffst eine Entscheidung, wen du willst. 1. Korinther 7, am Ende.
Gott gibt uns echte Freiheit. Und trotzdem, auch wenn er sich damit selbst beschränkt, wenn er sagt: Ich nehme dir die Entscheidung nicht ab, das ist jetzt mal deine Entscheidung, damit will ich mal nichts zu tun haben, trotzdem bleibt er souverän, weil er die Kontrolle behält, wenn man so will, das letzte Wort hat. Der Mensch mag ja so frei sein, wie er will, in dem Moment, wo Gott sagt: In deinem Leben brauche ich jetzt aber mal das, dann kann er immer noch eingreifen.
Deswegen heißt es in Sprüche 21,20, den Vers kennt ihr vielleicht: Wie Wasserbäche ist das Herz eines Königs in der Hand des Herrn. Wohin immer er will, neigt er es. Macht Gott das, wann immer es so ist? Also ist jede Entscheidung vom Herrn? Nein. Aber wenn es ihm darauf ankommt, wenn Gott mal eine Entscheidung braucht in seinem Sinn, dann steht Gott in der Hand und sagt: Huch, was soll ich denn jetzt tun, ich weiß es auch nicht so. Nein, wie Wasserbäche in der Hand, dann greift er ein, und zack, dann hat der König den richtigen Gedanken, und dann trifft der König die Entscheidung, wie Gott es will.
Es bleibt in Gottes Kontrolle. Und vergessen wir nicht: Gott ist souverän, weil all das, was wir hier an Beschränkung formulieren, dass Gott ein Stück zurücktritt und sagt: Ich schaffe Raum dafür, dass du dich entfalten, echte Entscheidungen treffen kannst. Ich will nicht jede Entscheidung treffen. Das ist eine Selbstbeschränkung, und Betonung auf selbst: Gott sagt, es ist meine Entscheidung, niemand nötigt mir das auf, und er selbst ist der, der die Bedingungen formuliert.
Also gibt Gott uns im Rahmen dieser allgemeinen Vorsehung oder allgemeinen Fürsorge Raum, großen Raum, Entscheidungen zu treffen. Ja, wir leben in einer Welt, die vor sich hin tickt, und wir leben ein Stückchen mittendrin und treffen unsere Entscheidungen. Und im Rahmen der speziellen Vorsehung entscheidet Gott. Und das kann so weit gehen wie bei einem Biliam, 4. Mose 24, der soll dann einen Fluch aussprechen. Und dann ist schnapp, da kommt ein Segen raus.
Oder Saul. Saul verfolgte David. Die Szene finde ich so herrlich. Und dann fällt David unter die Propheten. Also damit David nicht mehr verfolgt wird von Saul, wird Saul zu einem, der prophetisch verzückt vor sich hin weiß und eigentlich nicht mehr weiß, was er tut. Toll, oder? Wenn es hart auf hart kommt, dann greift Gott zack ein und bringt sein Ziel zum Erfolg.
Aber Gott muss manchmal gar nicht so tief eingreifen. Gott kann genauso Umstände verändern, einfach Umstände schaffen, die uns in eine bestimmte Richtung lenken, und er kann uns auch einfach an Dinge erinnern. Ich finde diesen Begriff so schön, dass Gott das Herz auftut. Manchmal fragt man sich ja, wo kommen bestimmte Gedanken her, die man hat, und wir wissen, dass der Teufel unsere Gedanken manipulieren kann. Genauso kann das Gott tun.
Er kann unser Herz auftun für Erinnerungen, dafür, dass wir Dinge verstehen. Er kann uns einfach seinen Weg führen, wie es ihm gefällt. Wichtig ist nur: Gott kann eingreifen, aber wir müssen verstehen, dass das die Ausnahme, nicht die Regel ist. Deswegen reden wir ja auch von spezieller Vorsehung. Gott ist nicht der, der permanent eingreift, sondern der uns Raum lässt, Entscheidungen zu treffen, ein Leben zu leben, das wir auch wollen, das wir tatsächlich vor ihm verantworten mit unseren Entscheidungen.
Widerstand gegen Gottes Eingreifen und das Vorherwissen Gottes
Und das andere, was mich bei der speziellen Vorsehung manchmal schon so ein bisschen trifft, ist: Man kann dem Handeln Gottes tatsächlich widerstehen. Jetzt erschreckt nicht.
Ich denke mir: Mann, oh Mann, oh Mann, wie klein macht sich Gott. Nehmen wir Biliam. Biliam wird angeworben, so als der Profiverflucher, und dann greift Gott in sein Leben ein. Und er zwingt ihn, ich glaube viermal, dazu, das Volk Gottes zu segnen. Was macht er danach? Als Biliam mitbekommt, ich kann dieses Volk nicht verfluchen, geht er zum König der Moabiter und sagt: Okay, mit Verfluchen klappt es nicht, aber ich habe da noch eine andere Idee. Wenn du deine hübschen Mädchen auf sie ansetzt, dann kriegst du das Volk in die Knie gedrückt. Und dann fängt dieses Unsägliche an mit dieser Kultprostitution, wo die Moabiter die Israeliten einladen und wo dann ganz viel Böses kommt.
Und auch bei Saul ist es ja schön, dass Saul davon abgehalten wird, David zu verfolgen. Aber was macht er danach, wenn er wieder aufhört zu weissagen? Er macht genau da weiter, wo er vorher aufgehört hat. Mit etwas extra Anstrengung ist es möglich, Gott zu widerstehen. Es ist ein grausames Ding. Jedenfalls in vielen Fällen, ja, natürlich nicht da, wo Gott einen Menschen sterben lässt, da natürlich nicht.
So, und jetzt kommt die wirklich interessante Frage: Wenn man Gottes Willen widerstehen kann, wie kann es dann sein, dass Gott trotzdem noch die Kontrolle behält? Versteht ihr das? Also wenn es Leute gibt, bei denen Gott auf eine mehr oder weniger natürliche Weise, aber schon deutlich eingreift, wie kann das dann sein? Dann ist doch Gott nur noch der Zuschauer. Dann macht der Mensch, was er will, dann verfolgt Saul halt den David, und Biliam gibt dann doch die bösen Tricks, und Gott schaut zu. Ist es das?
Und die Antwort hat damit zu tun, dass Gott sich ein solches Verhalten leisten kann. Und jetzt wird es für mich hochinteressant, weil jetzt kommen wir zu einem Begriff, den wir ganz selten mal in der Predigt erwähnen können. Es ist der Begriff des Vorherwissens. Gott weiß alles vorneweg. Es gibt für ihn keine Überraschung.
Und ich möchte das an einer Stelle mit euch mal durchexerzieren, was das heißt: Apostelgeschichte 2,23. Das ist mitten aus der Pfingstpredigt heraus, und da heißt es: Diesen Mann, gemeint ist Jesus, diesen Mann, der nach dem bestimmten Ratschluss und nach Vorkenntnis Gottes hingegeben worden ist, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen an das Kreuz geschlagen und umgebracht.
Das ist so ein Vers, über den man stolpert, oder? Also: Diesen Mann, der nach dem bestimmten Ratschluss ... Und in dem Begriff Ratschluss oder Plan steckt die Idee, dass Gottes Wille gemeint ist. Nach dem bestimmten Ratschluss und nach Vorkenntnis Gottes. Das Kreuz hat Gott nicht überrascht, er wusste vorher, dass es dazu kommt.
Und wenn ihr ein bisschen überlegt, was hat Gott denn eigentlich verwendet, damit es dazu kommt? Und das Furchtbare ist: Gott verwendet Sünde. Denn Gott schickt Johannes den Täufer in sein Volk hinein mit dem Auftrag, das Volk dazu zu bringen, Buße zu tun, das Volk dazu zu bringen, dass es sich vorbereitet auf den Messias. Das Volk tut Buße, oder? Die gehen zum Jordan, sie lassen sich taufen. Aber dann heißt es über einen ausgewählten Kreis aus diesem Volk in Lukas 7,30: Die Pharisäer aber und die Gesetzesgelehrten machten den Ratschluss Gottes für sich selbst wirkungslos.
Das ist irre, oder? Da stellen sich Leute hin und sagen: Es ist mir völlig egal, was Gott will. Was möchte Gott denn? Ich denke, ich kann an der Stelle 1. Timotheus 2,4 ins Spiel bringen: Ja, Gott will, dass alle Menschen gerettet werden. Gott schickt seinen Herold, Johannes den Täufer, damit das Volk vorbereitet wird auf den Messias, und dann stellen sich Leute hin und sagen: Lass mich in Ruhe, ich will das nicht. Die Pharisäer aber und die Gesetzesgelehrten machten den Ratschluss Gottes für sich selbst wirkungslos, indem sie sich nicht taufen ließen. Sie sehen, was da passiert, und sagen Nein dazu.
Und es ist genau diese Haltung der Sünde, dieses Nein zu dem, was Gott will, was Gott benutzt, um am Ende seinen Plan zum Ende zu bringen. Hey, wenn wir über Souveränität reden, das ist souverän. Der andere zieht sein Ding bis zum Schluss durch, und du gibst ihm die Freiheit, das zu leben, was er sich immer gewünscht hat. Rebellion zu leben bis zum Anschlag. Du musst ihn nicht zwingen. Du benutzt seine Sünde, und du webst seine Sünde in deinen Plan, in dein Muster für diese Welt mit ein.
Mich fasziniert das. Es ist ein Gott, über den ich gerne nachdenken möchte. Und ich hoffe, dass ihr anfangt, so ein Stückchen zu verstehen, wie kompliziert das manchmal ist, wenn Gott herrscht.
Ich hoffe, dass ich euch überzeugen kann von dieser Idee, dass Gott ein Gott ist, der nicht einfach diese Erde schafft, wie man einen Computer erschafft, in den man ein Programm hineinprogrammiert, und dann lässt man das zack mit einem Knopfdruck laufen. Sondern Gott ist eher wie ein Schachspieler. Nicht wie ein Schachcomputer, sondern wie ein brillanter Schachspieler, der sagt: Komm, nimm erst mal drei Figuren von mir weg! Und du hast immer noch keine Chance. Du hast sie einfach nicht.
Ich gebe dir freien Willen, du darfst sogar sündigen, du darfst gegen mich sein, ich schreibe dir sogar eine Bibel, damit du ungefähr weißt, wo ich hin will. Alles geschenkt. Und ich werde doch ans Ziel kommen. Brillant!
Das ist der Gott, mit dem wir es zu tun haben, der sich das leisten kann. Mehr werde ich zu dem ganzen Themenkomplex nicht sagen. Man könnte viel, viel, viel, viel mehr dazu sagen.
Was Wunder in der Bibel wirklich sind
Ich möchte zu den anderen beiden noch etwas sagen, und zwar zum Thema Wunder. In Apostelgeschichte 2, nehmen wir einfach den Vers davor, also nicht Vers 23, sondern Vers 22, stehen diese drei Begriffe, die man allgemein für Wunder verwendet:
Männer von Israel, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, einen Mann, der von Gott euch gegenüber erwiesen worden ist durch Machttaten und Wunder und Zeichen.
Darüber möchte ich reden. Es ist eigentlich ein und dasselbe. Machttaten: Der Begriff deutet auf die Quelle hinter dem Ereignis hin, nämlich auf die Macht Gottes. Hier kommt etwas ins Spiel, was vorher nicht der Fall war. Ein Wunder überschreitet die Grenzen der Naturgesetze. Es macht irgendwie plopp, und du denkst dir: Ups, hier ist so eine Extraportion Dynamis reingeflossen.
Machttaten, Wunder: Dieser Begriff beschreibt das Ergebnis eines Wunders, nämlich Ehrfurcht, Verblüffung. Da wundert sich jemand und sagt: Das ist doch nicht ganz normal. Und Zeichen: Jedes Wunder hat eine bestimmte Absicht.
Und das ist wichtig, weil ich glaube, dass der Begriff Wunder oft falsch verwendet wird. Viele Christen bezeichnen das, was sie nicht erklären können, als Wunder. Aber das ist nicht ganz biblisch. In der Bibel sind Wunder, Machttaten und Zeichen Dinge, die nicht einfach dazu da sind, dass hier ein Heiliger ist und er hat ein Problem, und jetzt greift Gott mit einem Wunder ein, plopp. Das macht er wirklich nur ganz selten.
Meistens geschehen Wunder dort, wo ein Prediger auftritt. Wenn ihr euch die Bibel vor Augen haltet, gibt es zwei große Cluster, zwei große Blöcke, wo so richtig viele Wunder passieren. Man kann die Bibel seitenweise lesen, und es passiert eigentlich kein Wunder. Also mal ein Wünderchen, aber es ist nicht viel. Aber an zwei Stellen in der Bibel wundert es sich so richtig. Also wirklich so richtig. Das ist einmal da, wo der neue Bund eingeführt wird, also rund um Mose, da kacheln die Wunder vom Himmel. Und dann, wo der alte Bund eingeführt wird, und dann, wo der neue Bund eingeführt wird. Das ist auch so richtig fett.
Und beides Mal geht es darum, dass einer oder mehrere Leute auftreten, die sagen: Wir reden im Namen Gottes. Und Gott stellt sich dahinter. Das finden wir auch im Neuen Testament. Also: Wunder sind Zeichen, die auf die Botschaft hinweisen, die ein besonders von Gott Beauftragter bringt.
Jesu Zeichen und die Bestätigung des Evangeliums
Johannes 3,2 sagt, dass Nikodemus sprach: Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen. Die Begründung lautet: Denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, es sei denn, Gott ist mit ihm. Interessant, oder?
Für Nikodemus ist also völlig klar: Wenn jemand das tut, was du tust, dann muss irgendwie Gott dahinterstehen. Wunder beweisen also, dass der Wundertäter von Gott gesandt wurde. Und deswegen, wenn Jesus so viele Wunder tut, dann tut er sie, weil er damit belegen möchte: Ich bin der Messias.
Johannes der Täufer hat im Lauf seines Lebens zwischendrin eine Krise. Er weiß nicht, ob Jesus der Messias ist. Er zweifelt. Und er schickt Jünger zu Jesus und lässt fragen: Sag mal, bist du es, oder bist du es nicht? Ich weiß nicht mehr, ich werde irre an dir.
Die Antwort von Jesus steht in Lukas 7,20-22. Als aber die Männer zu ihm gekommen waren, sprachen sie: Johannes der Täufer hat uns zu dir gesandt und lässt dir sagen: Bist du der Kommende, oder sollen wir auf einen anderen warten? In jener Stunde aber heilte er viele von Krankheiten und Plagen und bösen Geistern und vielen Blinden schenkte er das Augenlicht. Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und verkündet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: dass Blinde sehend werden, Lahme gehen, Aussätzige gereinigt werden, Taube hören, Tote auferweckt werden, Armen gute Botschaft verkündigt wird.
Merkt ihr das? Die einzelnen Wunder führen uns hier aus dem Normale heraus, aus dem, was man bei jedem Arzt auch erleben kann. Wir erleben, dass Menschen, die blind sind, wo etwas abgestorben ist, wo der Sehnerv aufgehört hat zu funktionieren, etwas, was wir bis heute nicht ersetzen können, auf einmal wieder sehen können.
Lahme springen auf. Mich fasziniert immer dieses Bild. Ich stelle mir den vor, wie er da auf seiner Matte liegt, so manch ein Lahmer jahrelang und jahrzehntelang. Wisst ihr, was das hier macht? Wie sich die Muskeln erst zurückbilden, wie das danach versteift. Selbst wenn der Mensch vorher gesund wäre, wie er normalerweise Wochen und Monate Reha bräuchte, bis er sich wieder bewegen kann, wenn das überhaupt noch einmal geht. Und dann heißt es immer: Schnipp, und der springt auf und rennt davon und hüpft. Und ich denke mir immer: Wahnsinn, wir verlassen die Norm.
Es ist nicht dieses: Er sprach, werde heil! Und drei Jahre später konnte er wieder normal laufen, nachdem sich viele Ärzte um ihn gekümmert hatten. Das ist es eben nicht. Es ist außerhalb dieser Sache.
In Hebräer 2,3-4 wird dieser Faden dann weitergesponnen. Hebräer 2,3-4: Wie werden wir entfliehen, wenn wir eine so große Errettung missachten? Gemeint ist das Evangelium. Sie hat ja den Anfang ihrer Verkündigung durch den Herrn empfangen und ist uns von denen bestätigt worden, die es gehört haben, wobei Gott zugleich Zeugnis gab durch Zeichen und Wunder und mancherlei Machttaten.
Da habt ihr das wieder. Warum passieren so viele Wunder bei den Aposteln? Weil Gott zeigen möchte, dass es eine durchgehende Linie gibt zwischen Jesus, dem Messias, und denen, die ihm jetzt autoritativ folgen, die er eingesetzt hat, um in seinem Namen Gemeinde zu gründen.
Wird das auf immer so sein? Wahrscheinlich nicht. Zumindest hat man den Eindruck, dass das mit den Wundern am Ende irgendwie anders wird. Ich kann das nur als Eindruck wiedergeben. Aber ich merke: Derselbe Paulus, der in Ephesus, wo man nur sein Taschentuch auf jemanden legt und dann wird er gesund, muss am Ende seines Lebens von einem Freund schreiben, den er krank zurückgelassen hat. Das ist interessant.
Ich will da nicht zu viel draus machen. Ich werde nicht der sein, der sagt, es gibt keine Wunder. Aber ich merke, ich versuche mal eine Definition: Ein Wunder überschreitet die Grenzen der Naturgesetze und die Möglichkeiten dessen, der das Wunder vollbringt, und taugt in diesem Kontext, in dem es geschieht, als ein Zeichen.
Wunder geschehen in der Bibel hauptsächlich dort, wo jemand auftritt und sagt: Ich komme als Botschafter Gottes. Und Gott stellt sich wundersam dazu.
Gebet, Heilung und die Frage nach dem Eingreifen Gottes
Warum betone ich das so? Jemand ist krank unter uns. Wofür beten wir?
Und jetzt müsst ihr mich verstehen: Ja, ich bin mir der Theoretiker. Vergebt mir das ein bisschen heute Abend.
Wofür beten wir? Beten wir für ein Wunder? Oder beten wir dafür, dass Gott im Rahmen seiner speziellen Fürsorge und Vorsehung, da, wo er im Rahmen der Naturgesetze bleibt und ihn nur so ein bisschen anstupst, heilt? Wofür betest du?
Das Problem ist: Wir werden manchmal gefragt: Jürgen, wenn ihr dafür betet, dass jemand, der krank ist, wieder gesund wird, wie ist das denn? Ich habe das noch nie gehört, dass jemandem ein Arm amputiert wurde und dass er wieder nachwächst. Das ist eine gute Frage.
Ja, wir glauben doch, dass Gott heilen kann, oder? Warum beten wir dann für bestimmte Krankheiten und glauben daran, dass Gott da hilft, und bei anderen hört man nie etwas?
Und der Punkt ist tatsächlich der, dass es im Eingreifen Gottes zwei Bereiche gibt. Natürlich kann Gott einen Arm wieder dran wachsen lassen. Das kann er. Schnitt machen, und das Ding ist wieder da. Das trauen wir Gott zu. Nur: Warum sollte er das tun? Ein Wunder tun, wenn er im Allgemeinen Wunder nicht einfach so passieren lässt, sondern sie benutzt als ein Zeichen, also als etwas ganz Besonderes, das auf jemanden hinweist, der auftritt und sagt: Ich komme im Namen Gottes.
Ich glaube, wir kennen alle Berichte aus Ländern, wo Mission noch viel größer geschrieben wird als in Deutschland, wo Leute erzählen, da sind Wunder passiert. Und ich glaube das. Ich glaube, dass, wenn Menschen das Evangelium predigen, Gott sich wundersam dazustellt. Und ich glaube gleichzeitig, dass die Regel, in der Gott wirkt, nicht Wunder sind, sondern das, was wir spezielle Vorsehungen nennen: da, wo er im Rahmen der Naturgesetze eingreift und Dinge verändert.
Mir hilft das ein bisschen beim Beten. Ich weiß nicht, ob es euch hilft. Ja, das ist immer so ein bisschen, wie man gestrickt ist. Aber ich versuche so ein bisschen abzuschätzen: Wie ist Gott?
Und ich merke: Gott ist eher so, dass er mit Wundern extrem sparsam umgeht, sie an bestimmten Stellen mal aufblitzen lässt, auch in der Bibel. Wie gesagt, es gibt gar nicht so viele. Aber im Großen und Ganzen bleibt er eher im Rahmen der Regeln, ohne da groß etwas dran zu drehen.
Gottes Herrschaft, Autorität und Selbstbeschränkung
Letzter Punkt: göttliche Eigenschaften, die seine Souveränität ausmachen.
Einfach noch einmal einen Schritt zurück: Gott der Regent, Gott ist souverän, Gott herrscht. Ganz egal wie, er macht es einfach. Ich möchte noch einmal eine Schiene bringen, damit ihr noch einmal durchatmet und sagt: Jetzt habe ich etwas zum Beten.
Wir wollen am Ende noch einmal ein paar Punkte finden, die uns wirklich helfen, wenn wir morgen früh die Hände falten. Denken wir noch einmal kurz nach: Was heißt Souveränität? Gottes Souveränität bedeutet, dass Gott herrscht. Gott ist der absolute Herrscher.
Ich finde 1. Mose 14,19 so interessant. 1. Mose 14,19 ist die Geschichte, in der Abraham sich um Lot kümmert, ihn befreit, zurückkommt und dann auf Melchisedek trifft. Und da heißt es dann von Melchisedek: Und er segnete ihn, Abram, und sprach: Gesegnet sei Abram von Gott, dem Höchsten, der Himmel und Erde geschaffen hat.
Und wenn ihr in die Fußnote schaut, dann steht da: der Himmel und Erde besitzt. Das ist der Punkt, den man verstehen muss. Gott ist der absolute Herrscher, weil er der Schöpfer ist. Er ist nicht nur der Schöpfer, er ist auch der Besitzer. Ihm gehört das.
Wenn wir in die Bibel reinschauen, dann wird Gott beschrieben als der König oder sogar als großer König. Und damit man es wirklich nicht verpasst: Offenbarung 19 nennt ihn dann den König der Könige, also den allerobersten König, den souverän schlechthin. Gott steht für eine absolute, universelle, alles und jeden einschließende Herrschaft.
Er ist der Höchste. Das hebräische Wort dafür ist Eljon. Eljon ist der Höchste, über ihm gibt es niemanden mehr.
Die Grundlagen von Gottes Herrschaft
Und wenn wir uns die Frage stellen, auf welchen Säulen seine Souveränität ruht, dann ist es auf der einen Seite die Autorität. Gott ist von seinem Wesen her nicht nur mächtig, sondern er ist der Schöpfer. Und weil er der Schöpfer ist, hat er das Recht, mit der Schöpfung zu machen, was ihm beliebt.
Er kann diese Autorität, die er hat, delegieren. Er kann sagen: Ich möchte, dass in meinem Namen Eltern in einer Familie Autorität über die Kinder ausüben. Er kann sagen, ich möchte, dass Älteste in einer Gemeinde Autorität über eine Gemeinde ausüben, oder dass eine Regierung Autorität über das Volk ausübt. Aber er ist der Einzige, der anderen vorgeben kann, wie sie sich verhalten müssen.
Niemand kann sich hinstellen und sagen: Ich habe das Recht, dir zu sagen, wie du leben musst. Niemand. Warum? Wir begegnen uns immer auf Augenhöhe. Du bist Geschöpf, ich bin Geschöpf. Der Einzige, der wirklich Autorität hat, das ist Gott, weil er nicht Geschöpf ist, sondern Schöpfer. Das ist die eine Säule.
Die andere Säule ist Freiheit. Als ewiger, ungeschaffener Schöpfergott ist Gott völlig unabhängig. Er verdankt niemandem etwas. Egal wie ich denke: Ich verdanke mein Leben meinen Eltern, ich verdanke vielen Menschen Impulse, ich verdanke vielen Menschen, dass ich heute so bin, wie ich bin. Aber Gott verdankt niemandem etwas. Er muss niemanden um Erlaubnis fragen. Könnt ihr euch das vorstellen? Er kann einfach tun, was er will.
Das Einzige, was ihn begrenzt, ist er selbst. Gott kann nicht lügen. Er wird nicht in Widerspruch zu sich selbst leben. Aber das ist auch schon alles, was ihn begrenzt.
Entscheidungen, Gebote und Gericht
Und wenn wir uns anschauen, worin seine Souveränität besteht, die auf diesen beiden Säulen, Autorität und Freiheit, ruht, dann merken wir: Gott trifft Entscheidungen, die niemand ändern kann.
Wenn Gott sagt: Ich mache eine Schöpfung, und diese Schöpfung hat diesen Zweck, dann können wir nicht kommen und sagen: Nein, das sehen wir aber ganz anders. Nein, das wollen wir nicht. Das ist Quatsch. Nein, wenn Gott Entscheidungen trifft, dann trifft er diese Entscheidungen. Wenn Gott Gebote gibt, dann können wir ihnen Folge leisten. Wir können auch sagen, wir mögen sie nicht, aber das ändert nichts daran, dass diese Gebote gelten, weil Gott sie gegeben hat.
Wenn Gott dem Menschen in seiner Souveränität Freiraum gibt, um eigene Entscheidungen zu fällen, Entscheidungen, die Gott noch nicht einmal gutheißen muss, dann ist das souverän. Genauso ist es souverän, wenn Gott diesen Freiraum einschränkt und irgendwo eingreift und sagt: Nein, das passt mir jetzt aber gar nicht. Und dann, durch spezielle Vorsehung, durch Wunder, einfach mal sagt: Schluss, jetzt geht es nach meinem Plan.
Und der letzte, der fünfte Punkt, wie Gott Souveränität ausübt, ist ein wichtiger Punkt. Denn die beiden Punkte, die ich genannt habe, nämlich dass Gott auf der einen Seite Gebote gibt und auf der anderen Seite dem Menschen einen Freiraum lässt, diese Gebote zu übertreten, werden nur dann Ausdruck von Souveränität, wenn der fünfte Punkt gilt: Gott übt Gericht.
Gott kann dir den Freiraum geben, weil, egal wer du bist: Wenn du ein Diktator bist, der sich kurz vor der Kapitulation selbst das Leben nimmt, dann bist du vor dem irdischen Gerichtshof gerade so davongekommen. Das war aber auch schon alles. Irgendwann begegnest du Gott wahrscheinlich schneller, als du dir das vorstellst. Und dann kommt die Abrechnung. Dann kommt die Frage: Wie konntest du den Raum, den ich dir gegeben habe, so nutzen, wie du es getan hast?
Das ist Gottes souveräne Herrschaft.
Die letzten Kennzeichen göttlicher Souveränität
Zum Schluss: Wie herrscht Gott? Es sind vier Dinge, die ich noch zum Schluss sagen möchte, vier Begriffe, die hier dazugehören.
Zum einen: allwissend und allmächtig. Diese beiden Begriffe, Allwissenheit und Allmacht, also: Gott weiß alles, Gott kennt alles, Gott kennt sogar die Zukunft, und Allmacht – diese beiden Nuancen göttlicher Souveränität geben der Herrschaft Gottes eigentlich erst die souveräne Note. Du hast einen allmächtigen, allwissenden Gott. Und du weißt genau: In dem Moment, in dem du so einem Gott gegenüberstehst, ist es einfach vorbei. Du brauchst nicht mehr nachzudenken, du hast keine Chance. Wenn jemand Allwissenheit und Allmacht ins Feld führt, bist du am Ende, da geht nichts mehr. Du wirst nie mehr wissen und nie mehr Macht haben. Ende der Durchsage.
Und wenn Gott nur das wäre, wow, er wäre schon Herrscher. Das Fantastische an dem Gott, dem wir dienen, bei all dem Gerede über Gott, den Regent und wie Gott regiert, das Fantastische aber ist, dass seine Herrschaft nicht einfach nur souverän ist, nicht einfach nur so martialisch, dass du dich unter dem schieren Druck beugen musst, sondern dass er gleichzeitig ein weiser und gütiger Herr ist. Dass er nicht einfach nur herrscht, weil er mächtig ist und Schöpfer ist, sondern dass er es in Weisheit tut.
Weisheit ist die Fähigkeit, das richtige Ziel mit den richtigen Mitteln zu erreichen. Aber das Größte ist noch nicht einmal Gottes Weisheit. Und ich hoffe, dass ich euch an der Stelle jetzt noch einmal gedanklich einfangen kann. Das Größte ist Gottes Güte. Ein Gott, der allwissend und allmächtig ist, ist gütig, meint es gut mit mir.
Wenn Gott herrscht, dann erleben wir Dinge wie Gnade. Wisst ihr, Gott hat sich 20 Jahre mein Leben angeschaut, mit all dem Unsinn, den ich gemacht habe, bei manchen von euch noch länger, mit all dem Unsinn. Und er hätte jeden Tag sagen können: Weißt du was, danke. Und niemand hätte sagen können: Oh, das ist aber jetzt unfair. Nein, er wartet. Er wartet. Er hat Gnade.
Gott begegnet uns in Liebe. Wenn ich sehe, wie Gott bei bestimmten Charakterschwächen in meinem Leben, und das mag bei euch ganz anders sein, einfach gerungen hat um meine Seele, mir geholfen hat, auf mich zugegangen ist, wie Gott geduldig war, freundlich war, barmherzig war, wirklich ein Menschenfreund ist, einer, der mich, der ich Teil von dieser verlorenen Welt bin, einfach lieb hat und es gut mit mir meint.
Und ich hoffe, dass ihr das begreifen könnt. Denn genauso wie Allmacht und Allwissenheit der Herrschaft Gottes diese souveräne Note geben, so machen Weisheit und Güte sie vor allem anbetungswürdig. Gott meint es gut mit uns. Und egal, wie ihr zu diesem Thema Gott der Regent steht, das ist wichtig. Egal, ob ihr das mit den unterschiedlichen Arten verstanden habt: Wichtig ist, Gott meint es in seiner Herrschaft so richtig gut mit uns.
Und deswegen werden wir uns nächstes Mal mit ein paar praktischeren Fragen noch beschäftigen: Wie ist das mit Gottes Herrschaft und unserem Gebetsleben, wie passt das zusammen? Und wir werden uns auch noch einmal mit der Frage beschäftigen: Wie ist das mit dem Bösen? Nicht umfassend, aber wir werden trotzdem mal darauf zu sprechen kommen: Wie ist das mit Gottes Herrschaft und dem Bösen in der Welt? Nächstes Mal dann. Danke!
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