Kontext, Zweck und Zugang zum Beten
Ich brauche Zeit für andere Projekte und deshalb für euch eine aktuelle Predigt. Theologie, die dich im Glauben wachsen lässt, Nachfolge praktisch — dein geistlicher Impuls für den Tag. Mein Name ist Jürgen Fischer und in meiner Predigt geht es um den zweiten Teil des Vaterunsers.
Beim Thema Gebet war es mir wichtig darauf hinzuweisen, dass Gebet etwas ist, das man lernen muss. Gebet ist also nichts, das als geistliche Gabe nach der Bekehrung einfach über einen kommt. Gebet ist etwas, bei dem man sich als Jünger Jesu von Jesus belehren lassen muss. Das sehen wir in Lukas 11, als die Jünger zu Jesus gehen und sagen: „Lehre uns beten.“
Diese Idee „Lehre uns beten“ greift der Herr Jesus auf und bringt seinen Jüngern ein Gebet bei. Es ist ein Gebet, das nie wörtlich überall in der Bibel gebetet wurde, das uns aber als Struktur dienen kann, um unser eigenes Gebetsleben zu ordnen. Das haben wir in den letzten Tagen bereits ein Stück miteinander betrachtet.
Wir haben uns angeschaut, wie es sinnvoll ist, Anbetung und Dank an den Anfang des täglichen Gebets zu setzen. Es geht hier um das tägliche Gebet und darum, wie ich mir jeden Tag genügend Zeit dafür nehme. Das hatten wir schon: Wir sollen nicht beten, um ein Soll zu erfüllen, sondern so lange beten, bis unsere Seele satt ist. Das ist ein Unterschied.
Wenn ich diese tägliche Gebetszeit habe, sollte ich sie nach dem Vaterunser strukturieren. Das beginnt mit Anbetung. Ganz am Anfang sage ich Gott mit Worten, was er mir bedeutet, und bekunde meine Bewunderung für ihn.
Als Zweites kommt die Fürbitte. Dabei bete ich für Menschen, Organisationen, Regierungen und Länder. Ich wünsche mir, dass Gottes Reich und sein Wille gerade dort geschehen.
Rückblick auf vorherige Schritte und Übergang zum Sündenbekenntnis
Das war das Thema, das wir gestern Abend hatten, wenn ihr euch erinnert. Wir haben überlegt, wie man für einzelne Personen bitten und von ihnen Gebetsanliegen erfahren kann. Zum Beispiel, indem man nach dem Gottesdienst auf sie zugeht und sagt: Sag mal, wer bist du denn? Ich kenne dich noch gar nicht. Was könnte ich in der nächsten Woche für dich bitten?
Oder indem wir uns Gedanken über Gruppen machen: die Singles, die Eltern mit kleinen Kindern, die Jugendlichen, die Ältesten, die jetzt in Klausur fahren. Was macht es Sinn, für diese Gruppen zu bitten? Wofür könnte ich für die ganze Gemeinde beten? Erinnert euch an das Stichwort Heiligungsliste, wo man sich überlegt, was eigentlich jeder Christ braucht und wofür es sinnvoll ist, für uns alle zu beten. Wir sind immer wieder an ähnlichen Stellen angefochten und herausgefordert.
So, das war der Start. Geh ins Gebet hinein mit Dank, Anbetung und Fürbitte. Wenn dich das Thema mehr interessiert, kannst du auf frogwords.de das Thema Gebet eingeben; dort findest du eine ganze Menge Vorträge. Ihr könnt euch bei der Technik auch die MP3 besorgen. Vielleicht gibt es irgendwann sogar eine Zusammenfassung oder die Folien, und ihr arbeitet das einfach noch einmal nach.
Wir wollen heute Vormittag das Thema beenden. Ich überspringe das, weil ich einfach davon ausgehe, dass die meisten von euch wissen, welche Probleme und Sorgen anfallen. Ihr kennt das und sagt: Ja, das weiß ich schon, was so ein Tag an Herausforderungen mit sich bringt. Wir machen weiter mit dem Thema Sünde.
Das Thema Sündenbekenntnis möchte ich als Erstes mit euch besprechen. Es geht mir um die Umsetzung von Matthäus 6,12: Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben haben. Denn wenn ihr den Menschen ihre Vergehungen vergebt, so wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euer Vater eure Vergehungen auch nicht vergeben.
Was Sünde ist und wie wir sie finden
Das ist jetzt relativ einfach hier. Hier steht: du sollst jeden Tag bitte deine Sünden bekennen. Okay, jetzt die Frage: Was ist Sünde?
Na ja, Sünde ist all das, was du besser nicht getan hättest. Also: Sünde ist, wenn ich schuldig werde an Menschen, wenn ich ihnen Böses tue, wenn ich ihnen böse Dinge sage, wenn ich böse Dinge über sie denke. Und Sünde ist all das, wodurch ich meine Beziehung zu Gott kaputtmache oder mich dieser Beziehung und ihrer Vertiefung in den Weg stelle.
Ich sage dann: „Nein, Gott, ich möchte nicht auf dich hören.“ „Nein, Gott, ich möchte meinen eigenen Willen tun.“ „Nein, Gott, ich möchte nicht für dich arbeiten, nicht für dich da sein. Ich will es so machen, wie ich es für richtig halte.“
Ich glaube, ihr wisst selber schon so ein bisschen, wo ihr mal gesündigt habt. Für den Fall, dass nicht: Fragt mal einen guten Freund. Sagt: „Du kennst mich ja — wo glaubst du denn, dass ich ein Problem habe?“ Oder lies mal das Buch der Sprüche durch und schau, was da so drinsteht. Lies auch die Evangelien und sieh, was der Herr Jesus so sagt, und finde die Dinge, die in deinem Leben Sünde sind.
Und für den Fall, dass du gestern keine Sünden bekannt hast: Fang mit der ersten an — „Ich bin ein Lügner.“ Wenn du nichts bekennst, weil du denkst: „Ich bin so heilig und habe nichts zu bekennen“, ist die erste Sünde, die du hast, die Lüge.
Du hast dich selbst betrogen, du hast dich selbst reingelegt. Du hast gestern etwas getan. An irgendeiner Stelle davon bin ich hundert Prozent überzeugt, dass du heute weißt: da hätte ich besser reagieren können, da hätte ich etwas Netteres sagen können.
Das kann Sünde durch Tun sein oder — was uns wahrscheinlich alle noch viel mehr betrifft — Sünde durch Unterlassung. Wer nun weiß, Gutes zu tun und tut es nicht, dem ist es Sünde. Schön, oder?
Warum Bekenntnis nicht Perfektionismus ist und wie Heiligung praktisch wird
Und jetzt merkt ihr auch, warum es für uns als Christen so wichtig ist, aus Gnade zu leben und zu verstehen: Es geht nicht um Perfektionismus. Es geht nicht darum, das Christentum zu einer Religion des Sündenmanagements zu machen. Es geht darum, dass wir täglich unsere Sünden bekennen.
Idealerweise erwächst Sündenbekenntnis aus dem, was wir gestern Abend hatten, aus der Heiligungsliste.
Ich bete für meine Geschwister, dass sie sich heiligen und in der Heiligkeit vorankommen. Wenn ich für sie bete und diese Anliegen durchgehe, kann ich mich selbst reflektieren und überlegen, wo ich eigentlich noch Probleme habe. Lasst uns ehrlich sein: Wir haben alle Probleme.
Das Bekenntnis von Sünde beginnt damit, dass ich das Wort Gottes selbst im Herzen habe. Ich mag diesen Vers aus Psalm 119,16. Logischerweise mag ich ihn, weil es einer der Verse ist, die ich benutze, um zu sagen: Lernt Bibelverse auswendig.
Psalm 119,16 In meinem Herzen habe ich dein Wort verwahrt, damit ich nicht gegen dich sündige.
Wir brauchen das Wort im Herzen; lernt Verse auswendig, damit wir nicht gegen Gott sündigen. So haben wir, wenn wir falsche Dinge tun, einen inneren moralischen Kompass, auf den der Geist Gottes zugreifen kann und der uns durch ein schlechtes Gewissen erinnert: Hey, das war nicht in Ordnung.
Deshalb empfiehlt es sich, eine Liste der sogenannten Lieblingssünden zu führen, falls noch nicht vorhanden. Hausaufgabe für heute: Top Ten — worin falle ich häufig daneben? Warum ist das wichtig? Es ist die genialste Gebetsliste, die ich habe.
Denn man stelle sich vor: Eine Sünde, die heute quält, wird aufgeschrieben und über Jahre hinweg dafür gebetet. Irgendwann betet man sie erneut und denkt: Nö, das ist eigentlich kein Problem mehr.
Wie genial und greifbar wird Heiligung, wenn heute für eine Sünde gebetet wird und man in einigen Jahren weiß: Haken dran — erledigt. Ich bin verändert; der Geist Gottes hat diese Sünde in meinem Leben ausradiert.
Wie genial ist es, das zu sehen! Also, ich habe gesagt: Sündenbekenntnis erwächst aus der Heiligungsliste.
Bekennen, Vergebung und die Rolle der Beziehung zum Vater
Was heißt das eigentlich, Sünde bekennen? Bekennen heißt: Ich nenne sie beim Namen. Ich nenne Sünde beim Namen, das heißt bekennen.
Ich bekenne sie, weil ich Vergebung suche. 1. Johannes 1,9 Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit.
Also: Ich bekenne Sünde. Ich nenne Sünde beim Namen. Ich sage: Ja, ich habe das wirklich getan. Ich verstecke das nicht mehr. Ich tue es, weil Gott sagt, ich möchte, dass du es bekennst, weil ich dich täglich von deiner Sünde reinigen möchte. Ich möchte dir vergeben. Wenn du Vergebung haben willst, musst du Sünde bekennen.
Ich habe hier ein Gedankenspiel mitgebracht. Jetzt könnte jemand sagen: Mir ist doch meine Sünde schon vergeben. Ja, es gibt gedanklich zwei Arten von Vergebung. Es gibt die richterliche Vergebung. Die erfährt man, wenn man Buße tut und sich bekehrt. "Gott sei mir dem Sünder gnädig" — das reicht, und man bekommt Vergebung. Das ist die richterliche Vergebung.
Dann gibt es so etwas wie väterliche Vergebung. Damit meine ich die Situation, in der wir durch unsere Sünde die gelebte Beziehung zum Vater im Himmel beschädigen. Hier müssen wir ehrlich bekennen: Vater im Himmel, ich habe einen Fehler gemacht; das war nicht in Ordnung. Gott sagt dann, ich möchte, dass unsere Beziehung immer vollwertig ist. Dazu ist es nötig, dass du bereit bist, täglich deine Sünden zu bekennen.
Deswegen trenne ich in Gedanken — das ist jetzt nicht biblisch, aber man kann es leichter erklären — die richterliche von der väterlichen Vergebung.
Bekenntnis als Beziehungshandeln und das Ziel des Lassens
Und noch etwas ist wichtig. Wir bekennen Sünde nicht als Ritual, sondern als Ausdruck einer Beziehung. Es ist eine Sehnsucht: das, was Sünde ist und womit ich die Beziehung zu Gott belaste, womit ich mein eigenes Leben belaste und mich selbst kaputt mache, zu benennen.
Im Bekennen steckt die Idee, die Sünde nicht nur zu benennen, sondern sie tatsächlich zu lassen. Also ist im Bekennen auch der Wunsch enthalten: Vater im Himmel, ich brauche Ideen, wie ich sie loswerden kann. Manche Sünden sind so tief biografisch und persönlich in unserem Wesen verankert, dass es sehr schwierig ist, frei von ihnen zu werden.
Manchmal können wir gar nicht mehr tun, als die Sünde zu bekennen und ehrlich zuzugeben, dass wir noch nicht wissen, wie wir damit umgehen sollen. Wir merken nur, dass es falsch ist, und haben das Problem, dass wir noch nicht weiterdenken können.
In Sprüche 28,13 heißt es: Wer seine Verbrechen zudeckt, wird keinen Erfolg haben; wer sie aber bekennt und lässt, wird Erbarmen finden. Also sind Bekennen und Lassen das Ziel, nicht einfach nur das Bekenntnis.
Vor dem Lassen steht jedoch das ehrliche Sagen, wie es mir geht. Das soll ich jeden Tag tun. Das ist auch die Idee im Vaterunser: Ich nehme mir jeden Tag Zeit und schaue auf den gestrigen Tag, was schiefgelaufen ist. Dann frage ich mich, wie ich an dieser Stelle jetzt Buße tun kann, und spreche es aus.
Praktische Ermutigung, Tagesreflexion und Abschlusssegen
Ich möchte euch bitten. Ich weiß, dass die meisten Christen vor dieser Sache weglaufen. Wir wollen uns unserer Sünde nicht stellen, weil wir manchmal im Herzen noch glauben, wir müssten Gott beweisen, dass wir es wert sind, geliebt zu werden.
Wir meinen, ihm noch beweisen zu müssen, dass wir perfekt genug für irgendetwas sind. Nein, sind wir nicht. Wir leben aus Gnade.
Du darfst dir deiner Schwächen bewusst werden und sie vor Gott ausschütten. Du kannst sagen: Vater, mich kotzt das an, wie ich unterwegs bin. Ich möchte das gar nicht. Ich bekenne es dir. Bitte hilf mir.
Danke, dass du mir vergeben hast. Morgen werde ich womöglich die gleiche Sünde wieder bekennen. Ich werde es so lange tun, mit dem Wunsch im Herzen, die Sünde zu lassen, bis Gott Gnade schenkt.
Was könntest du jetzt tun? Denke darüber nach, welche Aspekte der Predigt für dich herausfordernd waren. Gibt es Dinge oder Einstellungen, die du ändern musst?
Das war's für heute. Bete für die Geschwister deiner Gemeinde, dass sie die Wichtigkeit des Gebets erkennen und ihr Gebetsleben an Tiefe gewinnt.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.