Einführung: Vier Dinge, die Christen nicht sagen sollten
Ich hatte das jemandem in einem Seelsorgespräch gesagt und danach darüber nachgedacht. Jedes Mal, wenn ich das hörte, war es so, und wir haben uns dabei so sehr geärgert, dass wir uns die Fußnägel hochgekrault haben. Ich dachte: Das kann doch nicht wahr sein!
Um Nachfolge zu verstehen, mach dich Hashtag Bibelfit.
Was sind vier Dinge, die wir als Christen nicht sagen sollten? Dinge, die wir aufhören sollten zu sagen.
Platz Nummer vier:
Platz 4: Respektloser Umgang mit Gottes Namen
Blasphemie ist das dritte der zehn Gebote. Das bedeutet, du sollst Gottes Namen nicht unnütz gebrauchen. Du sollst seinen Namen nicht respektlos verwenden.
Das ist ein sehr wichtiges Thema. Ich beobachte manchmal, ganz sicher ohne böse Absicht, dass Christen zwischendurch bei Dingen, die sie erschrecken, oder bei Situationen, die ihnen auffallen, sarkastisch „oh Gott“ sagen. Oft geschieht das eher im jugendlichen Kontext. Solche Dinge müssen wir ehrlich reflektieren. Als Christen müssen wir sagen: Das geht nicht.
Wir sind das Salz der Erde und das Licht der Welt. Wenn wir es schon nicht schaffen, das dritte der zehn Gebote zu halten – und wir sind erst bei Gebot drei von zehn – dann ist das kein gutes Zeichen. Das müssen wir wirklich ändern, denn so geht es nicht.
Andererseits gibt es auch Menschen, die ohne nachzudenken Ausdrücke wie „toi toi toi“ oder „klopf auf Holz“ verwenden. Ich habe gerade erst wieder ein Beratungsgespräch erlebt, in dem solche Redewendungen vorkamen. Diese Ausdrücke stammen aus alten, mittelalterlichen, teils satanistischen Beschwörungsritualen und sind abergläubisch.
Solche Dinge müssen wir ebenfalls ablegen. Das geht so nicht.
Platz 3: Vorsichtiger Umgang mit dem Wort „Glauben“
Platz Nummer drei ist kein Wort, das wir unbedingt aufhören müssen zu sagen, aber wir sollten darüber nachdenken, wie wir es benutzen. Es geht um das Wort „Glauben“.
Vielleicht denkst du jetzt: Warum sollte man das Wort „Glauben“ aufhören zu benutzen? Markus, denkst du nicht, dass es im Christentum um das Wort „Glauben“ geht? Nun ja, sowohl ja als auch nein.
Das Problem ist folgendes: Du weißt das vielleicht, weil du dich mit diesen Themen auseinandergesetzt hast, vielleicht liest du die Bibel regelmäßig, bist vielleicht theologisch etwas gebildet, also hashtag bibelfit. Aber es gibt viele Menschen da draußen, vor allem unsere atheistischen Freunde, die unter dem Wort „Glauben“ etwas ganz anderes verstehen als das, was im Neuen Testament gemeint ist.
Als Christen sind wir manchmal in einem Tunnelblick gefangen, was „Glauben“ bedeutet. Umgangssprachlich ist es so etwas wie „für wahr halten“ oder auch „vermuten“. Ich gebe dir mal ein Beispiel: „Ich glaube, dass es heute regnen wird.“ Hoffentlich nicht, ich war heute noch nicht joggen, aber ich glaube, dass es heute regnen wird.
Was ich damit eigentlich sage, ist: Ich vermute, dass es heute regnen wird oder ich spekuliere darauf, dass es heute regnen wird. Vielleicht, weil dann der Rasen wieder gemäht wird und so weiter. Das ist das, was man umgangssprachlich unter „Glauben“ versteht.
Im Neuen Testament aber, wenn von Glauben die Rede ist, steht im Griechischen meistens das Wort pistis. Und pistis meint etwas ganz anderes als spekulieren oder für wahr halten.
Was pistis im Griechischen nämlich bedeutet, ist aktives Vertrauen. Ich gebe dir zwei Beispiele.
Erstes Beispiel: Du siehst jemanden, der ein Hochseilartist ist. Er balanciert zwischen zwei Klippen auf einem Hochseildraht, Jahr für Jahr, Tag für Tag. Er fragt dich: „Hey Markus, glaubst du, dass ich das heute auch wieder schaffe?“ Deine Antwort ist: „Klar, glaube ich.“
Die neutestamentliche Folge daraus wäre aber zu sagen: „Weißt du was, wenn ich dir glaube, wenn ich aktives Vertrauen darauf habe, dann springe ich jetzt auf deinen Rücken, wir machen Huckepack und gehen gemeinsam rüber. Wenn wir es schaffen, sind wir gemeinsam drüben, und wenn nicht, dann fallen wir beide runter.“
So etwas wie eine Ehe: Ich kette mich an dich, du kettest dich an mich, und komme, was wolle, wir bleiben zusammen. Wenn du mich verlässt, gehe ich mit dir.
Oder ein anderes Beispiel: Glauben im neutestamentlichen Kontext heißt nicht, wie ein Wahl-O-Mat zu funktionieren oder mal ein Parteiprogramm vor einer Bundestags- oder Landtagswahl zu googeln. Das heißt es nicht.
Im neutestamentlichen Kontext bedeutet Glauben, wirklich in die Wahlkabine zu gehen, ein Kreuz zu machen, den Stimmzettel einzuwerfen und danach in die Partei einzutreten. Das heißt Glauben ist aktives Vertrauen, bei dem du wirklich mit Einsatz dabei bist, die Sache verinnerlichst und dein Leben danach ausrichtest.
Deshalb denke ich, wir müssen mit dem Wort „Glauben“ sehr vorsichtig sein. Denn oft klingt es so, als ob man sagt: „Der christliche Glaube ist so und so.“ Und was Leute hören, die sich nicht tief mit diesen Dingen beschäftigen, ist: „Glauben“ heißt nur „für wahr halten“.
Stell dir bei so etwas einfach die Frage: Geht es wirklich um Glauben? Hat Judas zum Beispiel auch für wahr gehalten, dass Gott existiert? Hat Judas auch für wahr gehalten, dass Jesus der Messias ist? Sicherlich. Trotzdem hat er sich gegen Jesus gestellt.
An einer anderen Stelle heißt es im Jakobusbrief: „Du glaubst, dass es Gott gibt? Super, kauf dir davon was.“ Das ist nicht der entscheidende Punkt.
Der entscheidende Punkt im biblischen Christentum ist wirklich, umzukehren und sein Vertrauen aktiv auf Jesus zu setzen und dem Taten folgen zu lassen. Das ist eine ganz andere Geschichte.
Es geht nicht darum, in Werkgerechtigkeit abzurutschen, aber es ist etwas ganz anderes als das, was wir umgangssprachlich unter Glauben verstehen.
Die große Gefahr besteht darin, dass die Leute gar nicht mehr wissen, worum es im Christentum eigentlich geht. Sie denken, es geht darum, für wahr zu halten, dass es einen Gott gibt, oder dass Jesus wirklich existiert hat. Und solange du das für wahr hältst, wärst du irgendwie Christ und erlöst.
Das ist falsch.
Da müssen wir einfach sehr, sehr vorsichtig sein, wie wir diese Dinge kommunizieren, damit sie verständlich sind.
Deshalb denke ich, wir als Christen sollten mit unserer kirchlichen Geheimsprache aufhören. Das Potenzial für Missverständnisse ist gigantisch.
Was wir dadurch gewinnen, dass wir eine Geheimsprache unter uns haben, mit einem Augenzwinkern und dem Gedanken „Ja, wir wissen ja, was gemeint ist“, ist es nicht wert.
Lasst uns lieber eine Sprache sprechen, die die Leute wirklich verstehen.
Platz 2: Gefahr falscher Gottes- und Jesusbilder
Platz Nummer zwei
Das habe ich manchmal im Studium erlebt, als ich damals noch evangelische Theologie studiert habe. Wir waren in einer ganzen Reihe von spannenden Seminaren, in denen unsere wohlmeinenden Dozenten uns manchmal gefragt haben: „Beschreiben Sie doch einfach mal, liebe Studenten, was ist Ihr Gottesbild, was ist Ihr Jesusbild?“
Jedes Mal, wenn ich das gehört habe, habe ich mich so gefühlt, als würde ich mir die Fußnägel hochkraulen. Ich dachte: Das kann doch nicht wahr sein! Ganz offen gesagt, war mir das völlig egal. Was mein persönliches Jesusbild ist, spielt doch keine Rolle. Da kräht doch kein Hahn danach. Ob in China eine Schippe umgefallen ist oder nicht, das ist doch völlig egal.
Denn was ist, wenn ich mir in meinem eigenen Kämmerlein bei einem Waldspaziergang ausgedacht habe, dass Gott so und so aussehen soll – und Gott sieht in Wahrheit ganz anders aus? Was ist, wenn ich mir persönlich wünsche, ohne das Neue Testament zu lesen, dass Jesus so und so sein soll, aber das ist gar nicht der wirkliche Jesus? Welche Rolle spielt das dann? Das ist doch völlig egal.
Im Neuen Testament findest du auch zwei ganz prominente Beispiele, wo Leute sich Gott oder Jesus ganz anders vorgestellt haben, als er wirklich war.
Das eine Beispiel ist Thomas, der Zweifler. Er sagte: „Ja, ihr erzählt mir, dass Jesus auferstanden sein soll. Mein Jesusbild ist ein ganz anderes. Mein Jesusbild sagt nicht, dass Jesus von den Toten auferstehen wird.“ Erst nachdem er dem auferstandenen Jesus wirklich begegnet ist, mit ihm gesprochen und mit ihm gegessen hat, und nach den vierzig Tagen, die er mit ihm verbracht hat, als er seine Finger in die Wunden Jesu gelegt hat, realisierte er: „Oh Backe, mein Jesusbild war falsch, so ist das echte Jesusbild.“ Dann fiel er nieder und sagte: „Mein Herr und mein Gott.“
Deshalb die Frage: Stell dir mal ganz kurz vor, Thomas hätte an seinem Jesusbild festgehalten und einfach gesagt: „Nee, Jesus ist nicht auferstanden, das passt nicht in mein Bild.“ Was wäre dann? Was ist, wenn unser Jesusbild falsch ist, das wir uns zusammengereimt haben? Das wäre nicht gut.
Das andere Beispiel sind Judas und die Bevölkerung Jerusalems. Jesus zieht in die Stadt ein, und die Pilger feiern ihn teilweise als Messias. Doch die Jerusalemer Bevölkerung sagt: „Nee, wir haben uns den Messias ganz anders vorgestellt.“ Auch die Hohepriester, wie Kajaphas, fragen Jesus: „Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten?“ Jesus antwortet: „Ja.“ Daraufhin zerreißt Kajaphas sein Gewand und sagt: „Nee, das kann gar nicht sein. Ich habe ein ganz anderes Bild vom Messias. Du erfüllst mein Messiasbild nicht.“
Wie das ausgegangen ist mit Judas, den Hohepriestern und der Bevölkerung Jerusalems – was sie mit Jesus am Karfreitag gemacht haben – das weißt du sicher.
Ich will damit sagen: Das hat Konsequenzen. Wir können nicht einfach nur sagen: „Das ist mein Gottesbild, das ist mein Jesusbild,“ und dann ist die Sache gut. Nein, denn was ist, wenn du falsch liegst?
Ich glaube, wir müssen aufhören, uns auf ein festgelegtes Bild von Gott zu versteifen. Stattdessen sollten wir immer wieder versuchen herauszufinden, wie Gott wirklich ist. Die beste Möglichkeit, um sicherzugehen, dass du den echten Jesus der Bibel vor Augen hast, ist, die Bibel zu lesen.
Back to the word, man! Mal im Ernst: Dafür kannst du gerne meine Guideline herunterladen, die die sechs häufigsten Fehler beim Bibellesen erklärt. Der Link ist in der Videobeschreibung.
Platz 1: Die Problematik des Satzes „Gott hat einen wunderbaren Plan für dein Leben“
Und Platz Nummer eins, was wir als Christen unbedingt aufhören sollten zu sagen – und ich weiß, wir sagen es mit guter Absicht – ist der Satz: „Gott hat einen wunderbaren Plan für dein Leben.“
Ich habe ihn selbst schon ein paar Mal gesagt. Erst vor anderthalb Jahren erinnere ich mich an eine Situation in einem Seelsorgegespräch, in der ich genau das gesagt hatte. Danach dachte ich darüber nach und merkte, dass dieser Ausspruch, so wie ich ihn jetzt formuliere, vielleicht mega fies und unempathisch klingt. Deshalb müssen wir aufhören, diese Worte einfach so in den Mund zu nehmen.
Ich möchte das begründen. Was wir damit häufig meinen – oder was ich manchmal damit gemeint habe – ist, dass Gott gute Absichten für uns hat. Ich habe das so verstanden auf einer Ebene, im Sinne von: Gott hat vor, das Paradies auf Erden wiederherzustellen. Er hat vor, dich zu ihm zu führen. Er will Himmel und Erde wieder zusammenführen. Und er möchte gern, dass du an seiner Erlösung und Versöhnung teilhast. Er möchte, dass du in seinem neuen Reich dabei bist. Das ist das, was ich damit gemeint habe.
Aber ich habe dabei einfach nicht bedacht, wie das bei den Leuten ankommt. Denn es kommt bei den Menschen so an, als würde man sagen: Vertraue dich einfach Jesus an, werde Christ, und dann sind alle Probleme gelöst. Dann hast du keine Drogenprobleme mehr, keine Jobprobleme, keine Karriereprobleme, keine Studienprobleme, keine Beziehungsprobleme und keine Geldprobleme mehr. Gott kommt dann und macht dein Leben einfach besser.
Das heißt, es klingt so, als ob man sagt: Du hast jetzt ein schwieriges Leben, zum Beispiel ein Cross Pain, oder du hast ein krankhaftes Leben, und dann wirst du einfach ein bisschen geheilt und ein bisschen gesünder. Aber das ist totaler Murks. Gott ist nicht gekommen, und Jesus ist nicht gekommen, um schlechte Leben besser zu machen. Er ist gekommen, um tote Menschen zum Leben zu erwecken. Darum geht es.
Wenn jetzt Leute sagen: „Gott hat einen wunderbaren Plan für dein Leben“, dann frage ich: Warum? Wie kommst du darauf? Frag zum Beispiel den ersten christlichen Märtyrer Stephanus. Frag ihn, nachdem er gesteinigt wurde, nachdem die Steine seine Knochen zermalmt haben, sein Herz aufgehört hat zu schlagen und er nicht mehr atmen konnte – wo war da Gottes wunderbarer Plan für sein Leben?
Frag auch die weit über 50 Millionen Christen weltweit, die heute an diesem Tag verfolgt werden. Die unter Androhung von Folter, Haft oder sogar Todesstrafe um ihr Leben bangen müssen, nur weil sie Christen sind. Frag die Menschen, die beim Terroranschlag in Sri Lanka vor ein paar Monaten dabei waren, wo Säure und Feuer auf Minderjährige geworfen wurden. Frag die Christen, die in Nordkoreas Häftlingslagern festsitzen. Dort werden schwangere christliche Frauen bei lebendigem Leib Hunden zum Fraß vorgeworfen. Frag sie, wo Gottes wunderbarer Plan für ihr Leben ist.
Ich nenne diese Beispiele nicht, um dir Angst zu machen. Ich möchte dir damit die Realität deutlich vor Augen führen. Falls du nicht weißt, wie das funktioniert, geh einfach mal auf die Website von Open Doors. Dort kannst du dir Berichte anschauen, wie Christenverfolgung heute aussieht. Das ist nicht lustig.
Ich glaube, wir müssen unser Denken revidieren. Weg von diesem Happy-Clappy-Christentum, in dem wir denken, Gott sei da, um unser Leben aufzuwerten – nicht auf die Art und Weise, wie wir uns das irdisch vorstellen, sondern erst einmal, um uns überhaupt Leben zu geben. Um uns zum Leben zu erwecken, das in dieser Form noch gar nicht da ist. Denn für Gott sind wir erst dann lebendig, wenn unsere Sünden vergeben sind.
Das ist etwas ganz Wichtiges, was wir aufhören müssen zu sagen: „Gott hat einen wunderbaren Plan für dein Leben.“ Gottes Plan ist, dass du überhaupt erst leben kannst. Das ist der Punkt.
Denk gerne an die Guideline mit den sechs häufigsten Fehlern beim Bibellesen. Du findest sie über den Link in der Videobeschreibung.
Wir sehen uns im nächsten Video.

