Generierte Mitschrift
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Ein Kapitel, das mehr ist als nur eine Grußliste
Römer 16, mit einem ganz besonderen Akzent auf die letzten Verse. Römer 16 ist für viele bekannt und damit auch gleich abgehakt als das sogenannte Grußkapitel, weil, wie ihr unschwer erkennen könnt, die Verse 1-16 einen Gruß nach dem anderen präsentieren.
Paulus grüßt da alle seine Bekannten in der Gemeinde in Rom. Er nennt eine ganze Menge von Namen, auch sehr kuriose Namen und seltene Namen. Ich sage manchmal im Spaß: Ehepaare, die ausgefallene Namen suchen für ihre Sprösslinge, die haben hier echt eine Fundgrube. Wenn ihr zum Beispiel Zwillinge hättet, nennt sie doch mal Tryphäna und Tryphosa. Das ist mal was ganz Neues, und das fällt bestimmt auch auf.
Was wir vergessen, ist, dass diese Menschen, die er hier grüßt, wahrscheinlich zu einem großen Teil, wenn nicht alle, kurze Zeit später zu Märtyrern wurden in der Verfolgung durch Kaiser Nero. Nero war vierundfünfzig an die Macht gekommen. Paulus schreibt wahrscheinlich den Römerbrief Anfang 56. Und im Lauf der Kaiserzeit Nero war dann ja der berühmte Brand von Rom, den Nero den Christen in die Schuhe schob. Daraufhin brannte zum ersten Mal eine Welle der Christenverfolgung durch das Römische Reich, mit dem Schwerpunkt noch auf die Stadt Rom.
Damals geschahen ungeheure Dinge. Die sind nicht erbaulich, ich habe es auch schon mal erwähnt. Aber dass wir erkennen, was das für Menschen sind, die er hier erwähnt, die er hier aufzählt, zu denen er Beziehung hatte, die er grüßt: Sie wurden bei lebendigem Leibe in Wachs eingegossen und dann in den Parks von Rom angezündet. So erhellten sie die Parkanlagen, in denen Nero und seine Anhänger ihre rauschenden Feste und Orgien feierten. So berichteten es verschiedene Geschichtsschreiber.
Das sind die Leute, denen er hier noch eine Widmung gibt: der Epenetus oder die Maria, der Andronikus, der Iunias, Ampliatus und wie sie alle heißen. Interessant ist, dass er sie nicht alle über einen Kamm schert, sondern dass er sie nennt und dass er bei fast jedem noch so eine kleine Beifügung macht. Er spricht von welchen, die gearbeitet haben im Herrn, er spricht von anderen, die viel gearbeitet haben im Herrn. Es gibt keine Unterschiede bei Gott. Er spricht von Apelles, dem Bewährten in Christus. Das ist eine Bezeichnung: Apelles, der Bewährte.
Was mag dieser Mann durchstanden haben, dass ihn Paulus so nennen konnte: Apelles, der Bewährte? Vielleicht hat er viel Anfechtung aus seiner eigenen Familie zu erdulden gehabt, nachdem er Christ wurde. Vielleicht haben sie ihm das Leben schwer gemacht, vielleicht hat er den Raub seiner Habe, seines Eigentums erdulden müssen. Wir wissen es nicht. Auf jeden Fall: Apelles, der Bewährte.
Er grüßt verschiedene Leute, und es ist wichtig, dass wir auch diese Praxis des Grüßens aus den neutestamentlichen Briefen übernehmen. Darum ist es nicht nur eine Floskel, wenn jemand aufsteht hier unter uns und grüßt von einem Bruder oder einer Schwester oder grüßt von einer ganzen Gemeinde, die mit uns verbunden ist. Das hat eine Bedeutung. Das drückt Verbundenheit des Glaubens aus, der Liebe, dass wir denselben teuren Glauben empfangen haben wie andere Geschwister. Und darum wollen wir auch diese Praxis durchaus üben und pflegen.
Und auch wenn ihr in andere Gemeinden kommt, nutzt die Gelegenheit und grüßt von uns hier von der Gemeinde, die sich zurzeit noch in der Edisonstrasse hier in Käferthal versammelt.
Warnung vor Spaltung und falscher Lehre
Dann ermahnt Paulus noch einmal ab Vers 17, dass die Gemeinde in Rom Acht haben soll auf Parteiungen und Ärgernisse, auf solche Brüder, die kommen und entgegen der Lehre, die Paulus ihnen auch dargelegt hat in seinem Römerbrief, jetzt andere Dinge verkündigen.
Der Zusammenhang zeigt, dass es vor allen Dingen solche waren, die noch mit dem Gesetz kamen, also die noch stark vom Jüdischen her geprägt waren. Sie sagten, ihr müsst euch noch beschneiden lassen, ihr müsst den Sabbat halten und ihr müsst jüdische Speisegebote einhalten. Denn er sagt in Vers 18 von ihnen, dass solche ihrem eigenen Bauch dienen.
Das ist eine Umschreibung, weil diese Leute so sehr die Beschneidung betonten. Sie dienten nicht Gott, sondern ihrem Bauch. Sie betonten die Beschneidung und betonten ebenso das, was am Bauch geschieht. Das war ihnen so wichtig. Und sie wollten in alle christlichen Gemeinden eindringen und dafür sorgen, dass die Leute noch beschnitten würden und dieses jüdische Zeichen auf die Christen übertragen würde.
Dagegen wehrt sich Paulus und sagt: Nein, das jüdische Gesetz hat Christus erfüllt, zu Ende gebracht und zum Ziel geführt. Und die Christen, die aus den Nationen kommen, so wie wir wohl alle hier, die brauchen nicht beschnitten werden und sind auch nicht verpflichtet auf das jüdische Gesetz.
Und nun spricht er am Schluss von Römer 16 noch einen Lobpreis aus. Den möchte ich jetzt lesen, und über den wollen wir ganz besonders nachdenken: Römer 16,25-27.
Paulus schreibt quasi als Schlusswort:
Dem aber, der euch zu befestigen vermag nach meinem Evangelium und der Predigt von Jesus Christus, nach der Offenbarung des Geheimnisses, das ewige Zeiten hindurch verschwiegen war, dem Geheimnis von der Gemeinde, jetzt aber geoffenbart und durch prophetische Schriften nach Befehl des ewigen Gottes zum Glaubensgehorsam an alle Nationen bekannt gemacht worden ist, dem alleinweisen Gott durch Jesus Christus, ihm sei die Herrlichkeit in alle Ewigkeit. Amen.
Was es heißt, innerlich festgemacht zu werden
Zu befestigen vermag.
Ich denke an eine Frau. Sie war Anfang 40. Sie fand über die Kinderarbeit in unserer Gemeinde in Karlsruhe damals zu uns. Sie suchte einen Platz, wo ihre Kinder von dem Evangelium hören konnten. Sie las das am Schaukasten unserer Gemeinde. Übrigens ist es gar nicht schlecht, wenn eine Gemeinde einen Schaukasten hat. Vielleicht haben wir auch mal so etwas.
Und sie wurde auf uns aufmerksam. Sie kam, und über die Kinder kam auch sie zum lebendigen Glauben. Sie bekehrte sich zu Gott, nahm Christus in ihr Herz auf als ihren Herrn, und wir freuten uns über ihre Schritte.
Circa zwei Jahre später, nachdem sie zum Glauben gekommen war, bekam sie eine Einladung in eine sogenannte Pfingstgemeinde. Und in diesem Gottesdienst, den sie dort miterlebte, passierte scheinbar angeblich ein Wunder. Jemand erzählte, dass er dort von einer Krankheit geheilt worden wäre, in diesem Gottesdienst. Und das faszinierte diese junggläubige Frau so sehr, dass sie innerhalb von ganz kurzer Zeit unsere Gemeinde verließ und zu dieser Pfingstgemeinde wechselte.
Ich habe eine andere junge Frau vor mir. Sie war damals Mitarbeiterin in unserem Jugendkreis in der Karlsruher Gemeinde. Sie studierte in Karlsruhe Jura, und sie bekam dann, als sie mit ihrem Studium fertig war, keine Arbeitsstelle. Zwei Jahre vergingen, sie machte Gelegenheitsjobs, und dann zog sie weg von Karlsruhe. Ein Wohnungswechsel erfolgte. Sie zog in ein anderes Bundesland, ins Rheinland. Und in der Zeit erkrankte ihre Mutter sehr schwer und starb nach kurzer Zeit.
Und diese Jahre der Krise, die sie durchlebte, dass sie keinen Arbeitsplatz fand und dass ihre Mutter schwer krank wurde und starb, schüttelten sie so dermaßen durch, dass sie Schritt für Schritt im Glauben zurückging. Und wir müssen leider sagen, dass sie bis heute noch nicht wieder innerlich zurechtgekommen ist. Wir sind immer noch in Kontakt mit ihr, sie ist leider noch nicht zurechtgekommen.
Ich denke an einen jungen Mann, der stand auch einige Male hier vorne an diesem Pult und hat euch das Wort Gottes weitergegeben. Und viele von euch wissen, was in sein Leben gekommen ist, dass er auch eine schwere Erfahrung gemacht hat und sich daraufhin mit anderer Literatur beschäftigt hat, mit Philosophie. Und er kommt schon eine lange Zeit nicht mehr in unsere Gemeinde. Sein Kapitel ist noch nicht zu Ende, aber er ist nicht mehr unter uns.
Und ich denke noch an einen anderen Bruder, um den wir zurzeit sehr ringen. Verschiedene Geschwister unter uns ringen sehr um diesen Bruder, aber er ist auch nicht unter uns.
Was haben alle diese Beispiele gemeinsam? Alle genannten Personen waren vielleicht noch nicht befestigt und wurden aus ganz verschiedenen Gründen aus der Bahn geworfen.
Paulus schreibt: Aber der euch zu befestigen vermag, der euch festmachen kann, der euch stärken kann, der euch gründen kann, wie es vorhin schon einmal zitiert wurde.
Die Kraft, die im Wort Gottes und in Christus festmacht
Vielleicht waren alle noch nicht so befestigt, dass sie jetzt aus ganz verschiedenen Gründen zunächst einmal aus der Bahn geworfen worden sind. Was meint Paulus damit, wenn er schreibt, dass Gott uns befestigen will?
Ich habe einmal darüber eine Bibelarbeit gehört, und es hat mich sehr bewegt zu hören, dass das griechische Wort, das für befestigen meistens gebraucht wird, bebenoho heißt. Es bedeutet festmachen, befestigen. Das kommt im Neuen Testament neunzehnmal vor.
Hier an der Stelle in Römer 16,25 steht ein anderes griechisches Wort, aber es hat den gleichen Sinn. Es meint ebenfalls befestigen. Dieses Wort stammt ursprünglich aus der griechischen Rechtssprache und wurde meistens gebraucht im Sinne von: ein Besitzverhältnis festmachen. Wie wenn jemand von uns eine Eigentumswohnung kauft oder ein Haus oder ein Grundstück und dann zum Notar geht oder irgendwohin, und das wird festgemacht. Ein Besitzverhältnis wird festgemacht.
Das wurde entweder gebraucht von Sachen, also Wohnungen, Häusern oder Grundstücken, und es wurde auch gebraucht von Personen, weil damals leider auch Personen verkauft wurden, Sklaven. Auch wenn jemand einen Sklaven kaufte und den Preis dafür bezahlt hatte, dann wurde das Besitzverhältnis festgemacht. Dann wurde es befestigt, und danach stand fest: Jetzt gehört diese Sache oder diese Person mir.
Angebunden werden. So wurde es ganz ursprünglich gebraucht: angebunden werden an einen festen Punkt. Auch Tiere wurden befestigt, wenn zum Beispiel ein Pferd, ein Esel oder ein Kamel angebunden wurde an einen Pfahl. Das hieß auch befestigen: angebunden werden an einen festen Gegenstand, der nicht fortgezogen werden kann.
Das Gegenteil von befestigt sein ist also beweglich sein, beeinflussbar sein, launisch sein, unberechenbar, unzuverlässig, schwankend, hin- und hergerissen werden, wankelmütig sein. Das ist das Gegenteil von befestigt sein. Und genau so sollen wir natürlich nicht sein und auch nicht bleiben.
Gott will uns befestigen, und zwar nicht nur einmal, sondern immer wieder neu will Gott uns anbinden, festmachen und befestigen. Bitte schlagt mal mit mir eine andere Stelle auf, die wir hier unbedingt noch lesen müssen, im zweiten Korintherbrief, ein wenig weiter hinten im Neuen Testament: 2. Korinther 1,21-22. Hier wird noch etwas ganz Wichtiges ausgesagt über diesen Vorgang des Befestigens, den Gott mit jedem von uns tun möchte.
2. Korinther 1,21-22: Da schreibt Paulus wiederum, diesmal an die Korinther: Der uns aber mit euch befestigt in Christus und uns gesalbt hat, ist Gott, der uns auch versiegelt hat und das Unterpfand des Geistes in unsere Herzen gegeben hat.
Achtet bitte genau auf die Zeitformen. Hier steht: Gott hat uns gesalbt, er hat uns versiegelt, er hat das Unterpfand des Heiligen Geistes in unsere Herzen gegeben. Das ist Vergangenheit, abgeschlossen, Tatsache. Bei befestigt aber steht: Er ist es, der uns mit euch befestigt in Christus. Hier steht im Griechischen ein Präsens, also Gegenwart. Immer und immer wieder neu befestigt er uns.
Das ist eine Zeitform, die noch nicht abgeschlossen ist, sondern sich immer wieder wiederholt. Er bindet uns immer wieder neu an, macht uns fest und lässt uns vor Anker gehen. Der einmalige Empfang des Heiligen Geistes bei der Wiedergeburt geschieht, indem wir versiegelt werden mit dem Geist Gottes und mit ihm gesalbt werden, damit wir Gott dienen können. Aber wir brauchen immer wieder, und zwar in besonderen Krisen unseres Lebens, die Befestigung, das Angebundenwerden durch Gott.
Wer besonders Stärkung braucht
Ich habe mir Gedanken gemacht, wann und in welchen Situationen wir besonders Befestigung brauchen, wann wir vielleicht neu das Angebundenwerden bei unserem Herrn brauchen.
Ich glaube generell: Nachdem jemand zum Glauben an den Herrn Jesus gekommen ist und die Wahrheit seines Wortes angenommen hat und ein Jungbekehrter, ein Neubekehrter ist, da braucht er ganz besonders Befestigung. Das zeigt uns auch die Bibel an verschiedenen Stellen, die wir jetzt nicht alle aufschlagen können. Das leuchtet uns aber ein.
Jungbekehrte und Neubekehrte brauchen in ganz besonderer Weise Befestigung. Wenn man zum Glauben gekommen ist, meint man zunächst einmal: Na ja, jetzt ist man gläubig geworden, man hat den Herrn Jesus aufgenommen, alles ist in Butter, jetzt geht das so seinen Gang dahin. Da täuscht ihr euch, ihr lieben jungen Gläubigen. Da ist noch gar nichts in Butter, und da ist überhaupt noch nicht das Ziel erreicht. Da braucht es viel, viel Befestigung und Angebundenwerden durch Gott, immer wieder neu. Denn wir haben die Tendenz in uns, uns auch immer wieder zu entfernen. Die Sünde ist in uns, der Teufel bedrückt uns, die Welt lockt uns, und wir haben verschiedene Krisen, die in unser Leben kommen und uns wegtreiben wollen vom Herrn. Da braucht es immer wieder das neue Angebundenwerden.
Wer braucht noch Befestigung? Gläubige, die in eine Krise geraten sind, ganz gleich, wie lange sie schon mit dem Herrn Jesus leben. Wenn man in eine Krise kommt, sei es gesundheitlicher Art, wenn eine schwere Krankheit ins Leben kommt, eine Krankheit, die eben nicht nach zwei, drei Wochen vorbei ist wie ein Schnupfen oder eine Grippe oder was auch immer, dann braucht es Befestigung. Wenn Misserfolg in unser Leben kommt, wenn wir versagen, wenn irgendetwas gründlich schiefgeht, wenn wir einen geliebten Menschen durch Tod verlieren oder auch einfach durch den Zerbruch einer Beziehung, oder wenn wir Niederlagen erleben, dann brauchen wir Befestigung.
Oder wir erleben Siege im Glaubensleben. Das kann manchmal noch gefährlicher sein als Niederlagen. In all diesem brauchen wir als Jünger Jesu Befestigung, neue Befestigung, wieder angebunden werden.
Und auch heute Morgen sind Menschen hier unter uns. Das war auch vorhin deutlich aus all den Beiträgen schon zu hören. Sie brauchen zurzeit gewiss Befestigung. Ich möchte sagen: Jeder von uns, auch ich, wir brauchen Befestigung. Und möge der Herr schenken, dass das geschieht. Jetzt werden wir auf sein Wort hören. Er will uns stabilisieren und festmachen.
Wie Gott durch Wort, Lehre und Christus bindet
Aber nun die Frage: Wie geschieht das? Wie befestigt Gott seine Kinder, wie macht er das? Nicht zuerst durch Erlebnisse. Gott befestigt immer in seinem Wort und durch sein Wort. Das ist das A und O: Gott befestigt durch sein Wort.
Vielleicht haben wir ein schönes Bekehrungserlebnis gehabt, um das uns vielleicht sogar manche beneiden. Aber dadurch sind wir noch lange nicht befestigt. Vielleicht haben wir auch einmal eine Heilung erlebt, vielleicht sogar eine wundersame Heilung, bei der wir und andere gesagt haben: Das ist ja ein Wunder, was bei dir in deinem Leben geschehen ist. Das ist großartig. Das dürfen wir auch zur Ehre des Herrn bekennen und festhalten. Aber ich glaube, dass fünf Wunderheilungen nicht mehr an Gott binden als der Glaube an sein geschriebenes Wort. Der Glaube, der auf das Wort gegründet ist, befestigt mehr als alle Erlebnisse. Und es gibt keine tiefere Verbindung zu Gott als den Glauben.
Nirgendwo sagt uns die Bibel, dass es etwas gibt, das über den Glauben, über das feste Vertrauen auf das Wort Gottes zu unserem Herrn hinausgeht. Auch die Apostel und all die Männer und Frauen der Bibel hatten denselben Glauben wie wir. Das A und O der Befestigung ist also der persönliche Umgang mit der Heiligen Schrift.
Und ich mache immer wieder die Feststellung, dass Christen, die es einüben, täglich und regelmäßig ihre Bibel zu lesen, auch befestigt werden. Aber die, die damit Probleme haben und da schlampig und undiszipliniert sind, bei denen habe ich große Sorge, dass eines Tages ein Sturm über sie hinweggeht. Wir haben heute schon gehört, dass Stürme kommen können. Dann wird sich zeigen, ob man wirklich befestigt ist im Herrn.
Darum wieder die Frage: Liest du deine Bibel? Hast du eine sprechende Bibel, sodass Gott durch sein Wort zu dir reden kann? Das Wort ist wichtig, das wir lesen und hören. Wir erfahren Zuspruch des Evangeliums. Immer wieder lesen wir im Wort, dass wir von Gott geliebt sind, dass unsere Schuld vergeben ist, dass wir angenommen sind und dass er uns ewiges Leben geschenkt hat. Im Wort bekommen wir Verheißungen, wie sie vorhin im Gebet auch zum Ausdruck kamen. Der Zuspruch: Ich will das geknickte Rohr nicht brechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen. Wir können aufstehen und weitergehen.
Im Wort bekommen wir aber auch Belehrung Gottes, und gerade auch durch die Lehre der Schrift geschieht Befestigung. Paulus schreibt in unserem Ausgangstext hier in Römer 16: Gott ist es, der euch zu befestigen vermag, nach meinem Evangelium und der Predigt von Jesus Christus. So befestigt Gott durch das Evangelium und die Predigt, wo auch die Lehre weitergegeben wird.
In Kolosser 2 heißt es, dass wir, so wie wir den Herrn Jesus Christus angenommen haben, in ihm wandeln und dankbar sein sollen in ihm, wie wir gelehrt worden sind. Wandel und Wachstum durch Lehre, Befestigung durch Lehre: Bitte denkt nicht gering über biblische Lehre. Die ersten Christen blieben beständig in der Lehre der Apostel. Der Schwerpunkt der Verkündigung lag auf Lehre, die natürlich auch auf die Gläubigen angewendet wurde, sodass sie mit ihrem praktischen Leben zu tun hatte.
Und im Hebräerbrief schreibt der Schreiber des Hebräerbriefs, dass unsere Herzen nicht durch fremde Lehren fortgerissen werden sollen, sondern dass es gut ist, wenn unser Herz befestigt wird durch Gnade. Also nicht durch Gesetz wird unser Herz befestigt, sondern durch Gnade. Man wird nicht fester dadurch, dass man viel für Gott tut, sondern wenn man den Herrn Jesus anschaut und in ihm ruht. So wird unser Herz fest, wenn wir uns mit ihm beschäftigen.
Erinnert ihr euch an die Frau, von der ich eingangs erzählte? Zuerst war sie leider nicht befestigt in der Lehre der Schrift. Der erste Wind einer fremden Lehre hat sie sofort weggeweht. Es ist wichtig, dass wir die Lehren der Schrift kennen: über Gott, über Jesus Christus, über den Heiligen Geist, über Zeichen und Wunder, über die Endzeit.
Wir nennen uns hier biblische Gemeinde, und darum wollen wir auch in die Bibel hinein, und die Bibel soll in uns hinein, damit wir befestigt werden in Gottes Wort und in der Lehre.
Warum Christus das eigentliche Ziel der Festigung ist
Also, das Erste, was wir feststellen: Gott befestigt immer in und durch sein Wort. Das Zweite: Gott befestigt immer in Christus hinein. Ich kann es nicht anders ausdrücken: Er befestigt immer in Christus hinein. Er will uns an Christus binden.
Erinnert ihr euch an das zweite Beispiel, das ich vorhin erzählte? Die junge Juristin: Ihre Wünsche gingen nicht in Erfüllung, der Verlust der Mutter kam hinzu, der Verlust der gewohnten Umgebung, und die Schwierigkeiten trieben sie Stück um Stück weiter weg von Jesus.
Und da haben wir ja einen gewissen Gradmesser. Wir sehen, ob ein Mensch befestigt ist oder nicht. Grundsätzlich kann man sagen: Wer durch Schwierigkeiten mittel- oder langfristig immer mehr weggetrieben wird vom Herrn, der war noch nicht in ihn hinein befestigt. Wer in Christus befestigt ist, der wird auch durch Nöte und Widerwärtigkeiten letztlich nur noch näher zu seinem Herrn hingezogen.
Es gibt ein Lied in unserem Liederbuch, da hat jemand gedichtet: „Näher, noch näher, fest an dein Herz, ziehe mich, Jesu, durch Freude und durch Schmerz.“ Das ist es, wenn wir durch Freude und durch Schmerz näher zu Gott gezogen werden. Das will er erreichen.
Nicht, dass das dann immer gleich so glatt gehen würde. Da gibt es Kämpfe und Krämpfe, da gibt es Tränen der Verzweiflung und Gebete und, und, und. Aber am Ende ist dann eine Ergebung an Gott, ein neues Sich-ihm-Unterwerfen und neue Hingabe im Vertrauen. Und man sagt: Ich vertraue dir, ja, Vater, ich vertraue dir. Du gehst einen guten Weg mit mir, und ich will mich dir jetzt in dieser Situation neu ausliefern, neu Ja sagen zu dir und mich anbinden lassen an das Kreuz deines Sohnes, an ihn selbst, an den gekreuzigten und auferstandenen Christus.
Schau, das war doch die Situation von Johannes dem Täufer, als er damals im Gefängnis saß. Draußen passierten Wunder, er hörte davon: Lahme gingen, Blinde wurden sehend und alles. Und er saß im Gefängnis, und bei ihm tat sich nichts, nichts. Und da wurde er angefochten bis in die Knochen, und seine Frage kam, die er über seine Jünger an Jesus ausrichten ließ: Bist du’s, der da kommen soll, oder bist du’s nicht? Bist du wirklich der verheißene Retter, der Messias Israels, oder habe ich mich doch getäuscht am Jordan, als ich sagte: „Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt“? Bist du es oder bist du es nicht?
Und die Antwort Jesu, die barmherzige Antwort, war: Selig bist du, Johannes, wenn du dich nicht an mir ärgerst. Ich habe jetzt einen anderen Weg mit dir. Ich werde dich befreien aus deinem Gefängnis, aber auf andere Weise, als du es dir wünschst. Ich werde dich zu mir hin befreien. Und da wirst du kein Leiden und keine Anfechtung mehr haben.
Und da konnte Johannes Vertrauen in dieser Situation und Ja sagen zum Willen Gottes und sagen: Herr, ich gehöre dir ganz, mach es mit mir, wie es dir gefällt. Ich will mich ganz neu anbinden lassen an dich.
Festigkeit im Leiden und bis zum Ziel
Befestigen heißt, ein Besitzverhältnis festmachen. Ich weiß nicht, was dir heute Morgen zu schaffen macht. Ob es eine körperliche, seelische oder nervliche Schwäche ist, ob du berufliche oder wohnungsmäßige Probleme hast, eheliche oder familiäre Sorgen, ob du darunter leidest, dass du keinen Partner findest oder keine Kinder bekommst, oder was immer dir zu schaffen macht. Vielleicht sind es auch manche Vorgänge, die gerade hier bei uns in der Gemeinde ablaufen. Oder du hast im Moment vielleicht keine Sorgen, aber in ein paar Tagen wirst du eine schlechte Nachricht bekommen.
Lass dir sagen: Die Liebe Gottes zu dir steht und fällt nicht mit deinem augenblicklichen, persönlichen Wohlergehen. Die Liebe Gottes zu dir steht vielmehr darin, dass Gott seinen einzigen geliebten Sohn für dich ans Kreuz hingegeben hat und dass er dich jetzt in dieser Situation wieder neu anbinden will an den Gekreuzigten.
Paulus schreibt: Wir sind geachtet wie Schlachtschafe. Bei uns geht es manchmal drunter und drüber in unserem Leben, aber in dem allem überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat, durch den Blick aufs Kreuz. Werden wir angebunden wieder an ihn, und wir können nur sagen: Herr Jesus, wie könnte ich dir untreu werden, wo du mich so geliebt hast? Ich will auch jetzt in diesen Schwierigkeiten und Widerwärtigkeiten bei dir bleiben. Ich kann mir mein Leben nicht ohne dich vorstellen. Dann bricht alles zusammen. Was nützen mir die Vergnügungen dieser Welt? Was nützt mir der ganze Reichtum und Rummel? Was nützt mir das alles, die Karriere? Ich will bei dir bleiben. Mit dir habe ich alles, und ohne dich verliere ich alles.
Das heißt, befestigt sein in Christus hinein und in seine Liebe. Lasst uns das heute Morgen lernen und beherzigen. Denn wenn uns die Dinge von Christus schon wegtreiben, wie wenn es eine leichtere Krankheit wäre oder irgendein Misserfolg, wie soll es uns dann gehen, wenn wirklich einmal Verfolgung über uns hereinbrechen sollte? Was sollte dann mit uns sein?
So ging es der jungen Gemeinde in Thessalonich. Die waren ganz jung im Glauben, und dann brach ein Sturm der Verfolgung über diese Gemeinde. Paulus schickte Timotheus dorthin, und er ließ Nachricht zu ihm zurückkommen. Dann schrieb Paulus den ersten Thessalonicherbrief an diese junge Gemeinde und sagte: Ich habe euch Timotheus geschickt, um euch zu befestigen.
Die brauchten auch Befestigung, weil der Sturm der Verfolgung über sie hinwegging. Aber sie blieben bestehen und überwanden das.
Woran sich echter Halt nicht festmachen darf
Noch kurz ein Letztes: Wir fragen, wie befestigt Gott? Wir haben gesehen, dass er immer in und durch sein Wort befestigt.
Von dem König Joas habe ich mir heute Morgen noch etwas aus der Bibel ausgeschrieben. Da heißt es in 2. Könige 12,2 von Joas, dem König: Und Joas diente dem Herrn, solange der Priester Jojada lebte.
So lange lief es bei Joas gut. Der stand an seiner Seite, auf ihn verließ er sich, auf ihn stützte er sich. Er diente dem Herrn, solange der Priester Jojada lebte. Und dann starb er, und dann ging es bei Joas bergab. Dann brach alles zusammen.
Das darf nicht sein, nicht einmal bei unserem Ehepartner. Dürfen wir unser Glaubensleben stützen? Nicht auf unsere Kinder oder Eltern, auch wenn sie noch so feststehen, nicht auf andere in der Gemeinde. Die Säulen können alle wegbrechen, auch die größten Säulen, auf die man geschaut hat und die Vorbilder waren. Sie können alle wegbrechen.
Was habe ich schon Säulen wegbrechen sehen in den letzten zwanzig Jahren.
Also wollen wir lernen: Befestigt werden wir in Christus, in den Christus hinein, nicht in irgendwelchen Menschen.
Die sichere Vollendung am Ende des Weges
Und noch kurz ein Letztes: Gott befestigt immer zum Ziel hin, zum Ziel hin.
Wenn ihr ein Blatt weiterblättert, seid ihr im Ersten Korintherbrief, Kapitel 1. Dort steht etwas ganz Wichtiges in Vers 6. Wir lesen ab Vers 5, da fängt der Satz an. In 1. Korinther 1,5 schreibt Paulus: In ihm, in Christus, seid ihr in allem reich gemacht worden, in allem Wort und aller Erkenntnis, wie das Zeugnis des Christus unter euch befestigt worden ist. Daher habt ihr an keiner Gnadengabe Mangel, während ihr das Offenbarwerden unseres Herrn Jesus Christus erwartet.
Und jetzt kommt es, Vers 8: Der euch auch befestigen wird bis ans Ende. Wir werden bis zum Ende befestigt. Hier steht es. Paulus schreibt dieser jungen Gemeinde in Korinth, wo es auch zum Teil drunter und drüber ging, die von rechts angefochten war durch Judaisten, die mit dem Gesetz kamen und Beschneidung und all den Sachen, die von links angefochten war durch charismatische Anwandlungen. Und er schreibt dieser jungen Gemeinde: Christus wird euch befestigen bis ans Ende, diesen Christen.
Jemand hat gesagt, Gott wendet vielleicht ein Prozent Energie auf, um uns zu erretten und zu Christus zu ziehen, vielleicht ein Prozent seiner Energie. Aber er braucht neunundneunzig Prozent Energie, um uns zu stärken und zu befestigen bis ans Ende. Ich weiß nicht, ob die Prozente so stimmen, aber ihr wisst, was er damit sagen will. Es war Billy Graham, der das gesagt hat.
Gott zieht Menschen heraus. Viele von uns, die hier sind, hat er herausgezogen zu Christus hin. Das ist ein Wunder, das hat er getan. Aber wir sind noch nicht am Ziel. Gott wendet viel Energie auf, um uns zu befestigen bis ans Ende, damit wir nicht unterwegs nach rechts und links abdriften, zu Fall kommen und straucheln.
Unser Glaube kann einbrechen, er kann sogar zeitweise aussetzen. Aber Jesus Christus hat für jeden von uns, der gläubig ist, gebetet, wie für Petrus: Ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre. Unser Glaube kann einbrechen, er kann teilweise wie weggeblasen sein in bestimmten Situationen. Aber Jesus Christus hat für uns gebetet, dass er nicht aufhören wird.
Nimm das als eine Verheißung für dich. Nimm es auch für die, um die du bangst und die wir gemeinsam bangen. Er hat so gebetet. Und in einem Lied heißt es auch, das manche Ältere unter uns kennen: Stark ist meines Jesu Hand, und er wird mich ewig fassen, hat zu viel an mich gewandt, um mich wieder loszulassen. Mein Erbarmer lässt mich nicht, das ist meine Zuversicht.
Ich traue nicht auf mich, dass ich treu sein kann. Bloß nicht, bitte nicht. Wenn wir auf uns schauen, auf unseren Glauben, unsere Treue, unseren Eifer und alles, dann werden wir zuschanden. Das ist nicht unsere Sicherheit. Die liegt in dem Herrn Jesus. Er ist unsere Zuversicht. Seine starke Hand hält uns bei unserer rechten Hand, nicht unsere Anstrengungen und unser gut gemeinter Eifer.
Nimm das mit: Gott befestigt immer zum Ziel hin. Und ich kann gar nicht sagen, wie tröstlich das für mich ist und wie mich das wirklich froh gemacht hat, das hier neu zu sehen: Der euch befestigen wird bis ans Ende. Das sagt die Bibel.
Schluss und Gebet
Lasst mich zum Schluss kommen. Wir haben heute Morgen über Befestigung nachgedacht. Wir haben gesehen, dass Gott immer in sein Wort und durch sein Wort hinein befestigt, auch durch die Lehre seines Wortes und durch die Predigt.
Gott befestigt immer in Christus hinein, in die Person Jesu, in seine Gnade, in seine Liebe, damit wir lernen, dass uns alle Dinge zum Besten dienen sollen, zum Guten mitwirken sollen. Alles, auch das, in dem wir gerade stehen und wo wir kämpfen.
Und Gott befestigt immer zum Ziel hin, damit wir im Glauben sicher sein können, dass wir ankommen. Mein Schlusssatz kommt von Hudson Taylor. Hudson Taylor hat einmal gesagt: Gott hat uns keine ruhige Überfahrt verheißen, aber eine sichere Ankunft. Versteht ihr den Unterschied? Er hat uns keine ruhige Überfahrt verheißen, aber eine sichere Ankunft, der euch befestigen wird bis ans Ende.
Lasst uns zusammen aufstehen und beten.
Herr himmlischer Vater, ich möchte dir danken, dass du uns heute Morgen in dieser ganzen Versammlung durch die Lieder, durch die Gebete, durch die Beiträge und auch jetzt durch dein Wort so geführt hast, dass wir befestigt werden. Dass wir uns damit beschäftigen konnten, dass du uns das heute Morgen mitteilen wolltest, dass du jeden von uns, der hier ist, befestigen willst, anbinden an dein gutes Wort und an das Kreuz unseres Herrn Jesus und dass du uns festhalten willst bis ans Ende.
Herr, wir wollen jetzt flehen in unseren Herzen, wir wollen flehen zu dir für jeden von uns, auch für mich will ich flehen, dass du dieses Werk wirklich tust, dass du uns heute Morgen ganz fest an dich bindest und immer wieder neu. Und besonders für die unter uns wollen wir beten, die zurzeit durch irgendwelche Krisen gehen oder die miterleben, wie andere durch schwere Krisen gehen.
Herr, binde uns ganz fest an dich und dein Herz. Mach uns fest durch deine Gnade und durch dein Wort. Und die, bei denen wir im Augenblick in großer Sorge sind, dass sie auf dem Weg sind weg von dir: Bring du sie zurück in deiner Langmut und Güte und, wenn es nicht anders geht, auch durch deine Strenge und durch dein Gericht. Bring sie zurück zu dir, dass sie am Ende das Ziel erreichen.
Das beten wir von ganzem Herzen. Amen.

